Graz und die Steiermark
ihre Geschichte


 
© by Karlpeter Elis

 
Im Paläozonikum entstehen am Äquator Schiefer, Kalk und Dolomit und gelangen durch die Plattentektonik zu uns und bilden Berge wie den Plabutsch, die Rannach , den Rainerkogel oder den Schloßberg.    
An diese Zeit knüpft auch die Sage von der Entstehung des Schöckls: Als sich einige Grazer auf ihrem Hausberg, dem Schöckl, über die Schönheiten des Steiererlandes unterhalten, tritt ein grün gekleideter Jäger hinzu und beginnt die Leute zu verspotten: "Euer Schöckl ist nur ein Zwerg gegen die viel größeren Berge in der Schweiz. Wenn ihr wollt, bau ich euch einen Riesenberg. Aber der erste Mensch, der ihn besteigt, gehört mir." Die Einheimischen lachen über den Pralhans und nehmen sein Angebot sorglos an. Da baut sich ein Unwetter zusammen, Sturm kommt auf, Blitze zucken, Donnerschläge erhallen und der Waidmann verschwindet in einer schwarzen Wolke. Mit Getöse fliegt der Teufel - denn der Grünrock ist niemand anderer - Richtung Süden, nach Afrika. Dort bricht er vom Mondgebirge einen riesigen Felsen und fliegt zurück. Beim Überfliegen des Grazer Feldes sieht er unter sich eine Osterprozession und ihm wird bewusst, dass er an diesem Tage keine Macht über die Menschenseelen besitzt. Voll Zorn schleudert er mit aller Gewalt den Felsbrocken ins Murtal, wo dieser zerbricht und in zwei Teilen am Ufer der Mur liegen bleibt. Der Teufel aber bohrt ein Loch in den Schöcklfelsen und fährt durch dieses in die Hölle. Heute noch ist dieses Wetterloch sowie die beiden Felsbrocken, der Schloß- und der Kalvarienberg zu sehen. 400
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Ausbildung von Lockergesteinen wie Kies, Sand, Silt und Ton, wo in Kalkablagerungen des Pannonischen Meeres Schnecken- und Blattfossilien, wie bei Bohrungen in Puntigam, zu finden sind. 15
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Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen im Gebiet um Graz stammen aus dem Mittelpaläolithikum. Im Wesentlichen handelt es sich um spärliche Funde von Stein- und Knochenwerkzeugen von Neandertalern im Grazer Bergland: in der Repolusthöhle, der Badlhöhle bei Peggau und der Drachenhöhle bei Mixnitz. 80000
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Repoluskhöhle Wolfszahn
In der Drachenhöhle des Röthelsteines bei Mixnitz im Murtal zeugen Reste von Feuerstellen aus der Wurm-Eiszeit zwischen 65000 und 31000 v. Chr. sowie zahlreiche Funde von Steingeräten und Knochen von Höhlenbären - die für Reste von Drachen gehalten wurden und zur Sage vom "Drachentöter von Mixnitz" führten - von der frühen Behausung der Höhle durch Menschen. 60000
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Wechsellagerungen von Murschotter und Sand in den verebneten Flächen sowie Terassenbildungen dokumentieren die diversen Kalt- und Warmzeiten. Aus diesem Zeitabschnitt stammt auch der Fund eines Mammutzahnes in der Münzgrabenstraße.

15000
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Lochsteine, Erdställe und Strebiggäng im Gebiet um Vorau. 10000
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In der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) ist die Zigeunerhöhle bei Gratkorn bewohnt. Ein verzierter Geweihspross zeigt die ältesten Tierdarstellungen der Steiermark.

7500
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Zigeunerhöhle
Hügelgräberfeld mit dem Grab der Asche eiens in einer Keramikurne beigesetzten Mannes aus der Lasinjakultur der Jungsteinzeit am Bockberg bei Wildon. 4230
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Bockberg Wildon Bockberg

Siedlung aus der Kupferzeit auf der Kanzelhöhe nördlich von Graz.

Fund einer zweischneidigen Streitaxt aus Serpentin des Spätneolithikums am Areal des Bischofshofes.

4000
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Kanzelhöhe
Fund einer Tonfigur, der sogenannten Graziella, aus einer Siedlung der Kupferzeit im Pfauengarten in Graz. 3800
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Graziella

In der Jungsteinzeit ist das gesamte südliche Alpenvorland an Lafnitz, Raab, Feistritz, Mur, Mürz und Enns nachweislich recht dicht von bäuerlichen Kolonisten besiedelt.

Siedlungsreste aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) auf dem Buchkogel von St. Johann & Paul in Wetzelsdorf.

3500
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Ältestes gefundenes Brandgrab der Steiermark im Innenhof des ehemaligen Karmeliterklosters am Karmeliterplatz. Das Grab enthält eine als Urne verwendetes bikonisches Keramikgefäß mit senkrechten Ritzlinien, das von Steinen eingefasst in einem kubischen Schacht mit ca. 50 cm Seitenlänge steht.

Griffzungenschwert aus Bronze aus einer Grazer Schottergrube.

1300 v.

Brandgrab

Grabkeramik aus der mitttleren Urnenfelderzeit der Rasentaler Hallstattgräber, eines hallstattzeitlichen Gräberfeldes am Südfuß des Wildoner Schlossberges.

Auch die Funde des 15 km entfernten Gräberfeldes von Kainach-Parz stammen aus dieser Zeit.

1000 v. Rasental Parz
Urgeschichtliche Siedlungsreste einer ausgedehnten, aus Holzhütten bestehenden Siedlung auf dem leicht erhöhten Plateau des Karmeliterplatzes in Graz, das gegen Westen hin in Richtung Schloßberg etwa 2 Meter abfällt. Es können zumindest zwei Besiedlungsphasen belegt werden, die recht gut zu den Gräbern unter der Grazer Leechkirche passen: Pfostenlöcher einer Hütte aus dem Ende der Urnenfelderzeit sowie eine "Hausgrube" aus der Hallstattzeit mit zahlreichen Keramikstücken un einer Feuerstei-Pfeilspitze. 800
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Die wichtigsten Funde aus der Hallstattzeit sind das Fürstengrab der 700 Tumuli (Hügelgräber) am Kröllberg in Kleinklein bei Leibnitz und der Strettweger Opferwagen im Aichfeld.

Einer der Bronzehelme von Negau (Ženjak) nordöstlich von Marburg in dne Windischen Büheln trägt den germanischen Weihetest "HARIGAST TEIVA" (Dem Gotte Heergast). Auch die dabei gefundene Keramik aus Korinth ist dieser Zeit zuzuordnen und zeugt von den schon damnalig weiten Handelskontakten.

Gräberfeld um Großklein.

600
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Strettweg

Die keltische Siedlung der späten Eisenzeit (450-15 v.Chr.) am Ringkogel (Oppidum) unter dem Masenberg bei Hartberg ist das politische und kulturelle Zentrum dieser Landschaft.

Fund eines eisernen Kelten-Schwertes aus der Frü-La-Tene-Zeit (Jüngere Eisenzeit) in einer Schottergrube in der Laubgasse in Garz.

400
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Keltische Stämme aus dem nordwestgermanischen Bereich dringen ein, vermischen sich mit der ansässigen Bevölkerung und gründen das Königreich Noricum mit dem Zentrum auf dem Magdalensberg.

Keltisches Heriligtum "Noreia" auf dem Fauenberg bei Leibnitz.

200
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Da die Kelten aus dem Gebiet der Ostalpen auch anch Oberitalien einwandern, schickt der Senat von Rom eine Gesandschaft mit der Botschaft nach Noricum, dass hinkünftig jedwede Einwanderung über die Alpen zu unterbleiben habe und unerwünschte Einwanderer ohne Zögern sofort wieder ausgewiesen würden (Liv. 39,54, 1ff.) Rom gründet deshalb zur Grenzsicherung 181 v. Chr. die Miltitärkolonie Aquileia. 186
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Auf der Suche nach neuen Siedlungsräumen treffen die ursprünglich in Jütland und Schweden beheimateten gemanischen Stämme der Kimbern und Teutonen im Herbst bei Noreia (Neumarkt) zum ersten Mal auf die Römer, überfallen das römische Heer und metzlen die Legioenen nieder. 113
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Der keltische Ort Kelea (es existieren mehrere, der Landesgöttin Isis Noreia geweihte Orte; einer davon nördlich in den Windischen Büheln) im Königreich Noricum wird 46 n.Chr. nach 60-jähriger Okkupation unter Kaiser Claudius mit dem lateinischen Namen Celeia (Cilli) römische Provinz und zum Municipium mit eigenem Stadtrecht erhoben. Celeia liegt an der Bernsteinstraße von Aquileia nach Pannonien und wird im Süden durch die Drau, im Norden durch das Verwaltungsgebiet Flavia Solva und im Nordwesten durch Virunum begrenzt. Mitte des 4. Jahrhunderts wird es Bischofssitz. 976 kommt Celeia zum neu gegründeten Herzogtum Kärnten.

46

Die im Leibnitzer Feld an der Einmündung der Sulm in die Mur gelegene Siedlung Solva erhält von Kaiser Flavius Vespasianus (69-79) das Stadtrecht als Municipium und heißt jetzt Flavia Solva (Wagna). Sie ist Zentrum der römischen Provinz Noricum; ihr Verwaltungsgebeit schließt auch Graz ein.

Ab Beginn des 1. Jahrhunderts überziehen die Römer zur militärischen und wirtschaftlichen Durchdringung den österreichischen Raum mit einem Netz von Straßen. Von besonderer Bedeutung ist der schon seit Urzeiten bekannte Handelsweg der Bernsteinstraße, welcher unter Umgehung des Berglandes, von Aquileia ausgehend, durch die Ebenen von Pannonien über Poetovio (Pettau), Savaria (Steinamanger) und Scarabantia (Ödenburg) bis nach Carnuntum und weiter zur Ostsee verläuft. So verläuft auch am Westrand des Grazer Feldes vom Süden nach Norden eine Römerstraße, von der in Eggenberg eine Handelsstraße in den Osten (strata vngarica), nach Savaria abzweigt. Für weitere Handelswege gibt es zusätzlich etliche kleinere Nebenverbindungen, wie durch dasSulmtal über den Radlpass, über den Perschauersattel bei Neumarkt nach Monate (St.Georgen bei Judenburg) zum Tauernpass und weiter nach Stiriate (Liezen) und den Pyhrnpass (= kelt. Berg) nach Lauriacum, über den Sölkpass nach Iuvavum, der Mur entlang von Vicesimum (Radkersburg) nach Poedicum (Bruck/Mur) über die Eisenstraße zum Erzberg bzw. durch das Mürztal über den Sermmering oder am Südhang des Schöckls über Hartberg und den Hochwechsel nach Vindobona.

70
Römerstraßen
In der Nähe der Kirche von St. Leonhard gefundener Römerstein mit einer Grabinschrift des L. Cantius Secundus für sich, seine Gattin Cantia Bonia, Tochter des Iunius, und seine Tochter Cantia Boniata ("L. Cantius / Secundus v f sib / et Cantiae Iuni f / Boniae uxon et / Cantiae I. f Boniatae!) Die Familie stammt vermutlich von Freigelassenen der Familie Cantii aus Aquileia ab.

100

Die aus der südrussischen Steppe kommenden Germanenstämme der Markomannen, Quaden und Jazygen durchbrechen die nördliche Grenze Norikums, überrennen und verheeren Pannonien und dringen bis nach Aquileia und weiter nach Verona vor, bis Kaiser Marc Aurel mit ihnen Frieden schließen kann,

171
Als Marc Aurel in Vindobona stirbt, hält sein Sohn Commodus nicht nur am vereinbarten Frieden fest, sondern ermöglicht zusätzlich die Rekrutierung von Germanen in das römische Heer.

180

In Charlottendorf, am Rosenberg, in St. Leonhard, in Straßgang (Bründlteich) und am Thalerhof, auf dem Frauenberg (Noreia-Isis-Tempel), in Groß St. Florian (Villa Grünau), St. Johann in der Haide (Hügelgrab) und in Löffelbach bei Hartberg (Ringkogl, Villa rustica) finden sich Reste römischer Wohnungen, Gutshöfe, zahlreiche Grabhühel und Grabsteine, die auf eine dichte Besiedelung dieser zur Provinz Norikum gehörenden Gebiete des Imperium Romanums hinweisen..
200 Römische Villa Thalerhof

Im Zuge der Reichsreform von Kaiser Diokletian (284-305) wird auch die Provinz Norikum geteilt: in das nördliche Ufer-Noricum (Noricum ripense) an der Donau mit der Hauptstadt Ovilava (Wels9 und das südliche Binnen-Noricum (Noricum mediterraneum) mit Virunum am Zollfeld in Kärnten.

Auf der um 330 angefertigten "tabula peutingeriana", einer Rollkarte mit der kartografischen Darstellung des römischen Straßennetzes, ist bereits die Straße von Aquileia über Emona (Laibach), Celeia (Cilli) mit einer Abzweigung nach Viruno (Virunum am Zollfeld), Petavione (Pettau), Sabarie (Steinamanger) nach Carnunto (Carnuntum) eingezeichnet.

300

Am Ostgipfel des Schöckls gibt es in 1423m Höhe eine Kultstätte mit Wandmalereien und einen Weiheplatz, wovon Funde von Armreifen, Haarnadlen, Ringe, Votivfiguren aus Terrakotta, Keramik- und Glasgefäße und 91 ausgegrabene Münzen zeugen. Darunter eine Ritzinschrift "MEN X I CANUS" sowie eine silberne Tetradrachme aus Emesa mit5 dem Bildnis von Kaiser Antonius III. Caracalla.

Unter Kaiser Konstantin kommt es zur Vereinbarung des Toleranzediktes von Mailand, wonach alle, insbesondere die Christen, die Möglichkeit bekommen, ihre Religion selbst zu wählen und frei auszuüben. 313
Die von dem aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres vordringenden zuentralasiatischen Reitervolk der Hunnen flüchtenden Germanenstämme der Samaten, Markomannen, Quaden, Alanen, Vandalen und Ostgoten des Radageis durchziehen plündernd Pannonien, bis die Westgoten unter König Alarich eine Großteil Noricums besetzen. 375

Am Kanzianiberg bei Finkenstein wird in einem Marmorschrein ein Elfenbeinkästchen gefunden, in dem vermutlich die Reliquie eines Heiligen aufbewahrt wurde.

400

MöglichDie Hunnen unter König Attila fallen bei ihrem Zug nach Westen auch 407 in Norikum ein, bis sie nach ihrer Niederlage auf den Katalaunischen Feldern in Frankreich besiegt werden unjd wieder in die Theißeben zurückkehren.

Im Ambraser Heldenbuch wird überliefert, dass König Biterolf von Toledo und sein Sohn Dietleib, die unter der Führung von Rüdiger von Bechlaren zusammen mit Dietrich von Bern (Theoderich der Große) an einem Rachfeldzug für König Etzel gegen die Burgunder nach Worms teilnehmen, vom Hunnenkönig die Steiermark als Lehen erhalten und am Zusammenfluss von Steyr und Enns die Styraburg erbauen.

450

Auf dem Gipfelplateau des 842 Meter hohen Hemmaberges befindet sichj seit römischer Zeit ein keltisches Heiligtum, das zwischen dem späten 4. und dem Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr. Pilger aus dem gesamten Ostalpenraum anzieht. Eine Höhensiedlung In spätantiker Zeit existieren 2 gleichzeitig erbauten Doppelkirchen, eine arianische und eine katholische. An der Stelle des einstigen Altars wurde eine Marmorkistemit einem darin befindlichen Reliquienschrein mit den Gebeinen einer Märtyrerin ausgegraben. Eine Untersuchung ihrer Knochen ergab, dass die am Hemmaberg verehrte Frau in der Zeit der frühen Christenverfolgung im 1. oder 2. Jahrhundert verstorben war; es handelt sich somit um „die älteste Heilige Österreichs“. Im Mittelalter wird auf dem Gipfel die Wallfahrtskirche der hl. Hemma erbaut,

Auf der Bergspitze von Rifnik bei Cilli einfache einschiffige Kirche sowie eine kleine paläochristliche Arianer-Kirche mit einer Apsis.

Auf Befehl des Westgotenkönigs Odoaker (seit 476 König von Italien) verlassen die letzten römischen Truppen die Donauprovinzen, um Rom noch zu retten. Mit sich führen sie den Leichnam des 482 verstorbenen Missionars und Bischof von Lauriacum (Lorch), den hl. Severin von Noricum, um ihn in Luculianum in der Nähe von Neapel zu begraben. 488
Der Ostgotenkönig Theoderich der Große (Dietrich von Bern) dringt mit seiner 150000 Mann starken Armee in das Ostalpengebiet ein udn wird Herrscher des Landes, nachdem er in der Rabenschlacht bei Ravenna Odoaker, den anfangs bei Attila in Diensten stehenden und späteren "rex italiae", persönlich erstochen hatte. 493
Nach Theoderichs Tod wird Noricum an die Franken abgetreten, die bairische Herzöge als Statthalter einsetzen. 530
Das 567 aus Asien eindringende Reitervolk der Awaren errichtet im Osten ihr Awarenreich und schließt mit den Langobarden eine Allianz. 567

Nach Abzug der Langobarden aus dem pannonischen Raumum 568 nach Oberitalien siedeln in den Osralpenländern die ersten, aus Karellen (Flachland zwischen Finnland und Schwarzem Meer) kommenden slawischen Stämme, die sogenannten Alpenslawen oder Slowenen. Sie meiden dabei bestehende Überreste antiker Stätten, lassen sich eher entlang von Wasserläufen nieder und benennen alles neu. Durch überlebende Romanen bzw. durch benachbarte Kirchen wie Aquileia bekommen sie erste Kontakte mit dem Christentum, das sich mit ihrem heidnischen Glauben vermischt.. Die Wenden werden ihre Untertanen.

568

Auf der Flucht vor dem in Pannonien einbrechenden zentralasiatischen Reitervolk der Awaren besiedeln die sogenannten Alpenslawen Gebiete der heutigen Steiermark und Kärntens und errichten das Herzogtum Karantanien (Der Name ist vom keltischen Wort "carant" für Freund abgeleitet). Zahlreiche Orts-, Flur- und Gewässernamen zeugen von dieser Zeit (z.B.: Andritz/jendriza=rasch fließender Bach, Weinitzen/vinica=Weingarten, Ragnitz/raknica=Krebsenbach). Rituelles Zentrum ist das Zollfeld, wo auf dem dort aufgestellten "Fürstenstein" - dem Kapitell einer römischen Säule - die residierenden Fürsten eingesetzt werden. Diese Zeremonie der "Herzogsdeinsetzung" folgt einem althergebrachten dreiteiligen Ritus: In Anwesenheit des Pfalzgrafen von Görz nimmt der freie Edlinger Bauernfürst aus dem Geschlecht derer zu Glasendorf auf dem Fürstenstein Platz, begleitet von einem gescheckten Stier und einer Stute sowie dem gesamten Landvolk. In windischer Sprache befragt er den angehenden - in Bauerngewand mit Hirtenstab verkleideten - Landesherrn, ob er frei und christlich geboren sei und ob er das Land beschützen und ein gerechter Richter sein werde. Sind die Fragen mit "Ja" beantwortet, gibt der Bauerr dem Landesherrn einenBackenschlag und macht um 60 Denare und samt den ihm zum Dank geschenktenbeiden Rindern den Platz frei. Der neue Herrscher besteigt den Marmorstein, zückt sein Schwert, schwingt es in alle Himmelsrichtungen und gelobt, ein guter Richter zu sein. Auf dem Pferd umrundet er dreimal den Stein und reitet dann zur nahen Kirche von Maria Saal ("Zoll"), wo er seine Kleider wechselt und mit dem dortigen Bischof die hl. Messe feiert. Nach anschließendem Festmahl begibt er sich zum doppelsitzigen "Herzogstuhl" auf dem Zollfeld, wo auf dem nach Westen gerichteten Thron der Pfalzgraf von Görz, auf dem ostseitigen der Landesfürst ihre Plätze einnehmen. Von dieser Stelle aus, von der Recht gesprochen und Lehen vergeben werden, leistet jetzt der neue Landesfürst mit entblößtem Haupt und zum Schwur erhobenen Fingern den Eid und nimmt die Huldigung der versammelten Landschaft von Rittern und Adeligen entgegen. 590
Von den fränkischen Königen, den Merowingern Childebert II. und Theuderich II., gefördert, erfolgt unter der Führung des Mönches Columban von Luxeuil (540-615) durch irisch-schottische Perigrin (Wandermönche) die christliche Missionierung Richtung Westen (Alemannen, Baiern). Es kommt zu Klostergründungen in Reichenau, St. Gallen, Mondsee, Chiemsee. 620
Samo, ein fränkischer Händler aus dem Henneland bei Bamberg, kämpft auf Seiten der Slawen erfolgreich gegen die Awaren, wird dafür zu ihrem König erhoben und gründet in Ostmitteleuropa ein slawisches Fürstenreich mit der Hauptburg in Voitsberg, wobei er auch gegen den merowingischen Frankenkönig Dagobert I. siegreich bleibt. 623

FrankenDer hl. Amandus, Wanderbischof aus Bouaye bei Nantes predigt den Slawen in Karantanien. 627
Zum Zweck der Mission in den Südostalpen wird 696 mit Unjterstützung des Baiernherzog Theodo II. zu Regensburg (680-717) durch Bischof Rupert (650-718) von Worms das Benediktinerstift St. Peter in Salzburg gegründet. Rupert (Hruopert), der "Apostel Baiern", der dem merowingischen Königshaus entstammt, ist der erste Abt des Stiftes und zugleich auch erster Bischof von Salzburg sowie zudem der Landespatron von Salzburg. Von hier aus beginnt er im nördlichen Karantanien mit seiner erfolgreichen Missionstätigkeit. 696
Awarenmark
Der in der Grafschaft Devinshire in nEngland unter dem Namen Wynfret (Winfried) geborene Missionar Bonfiatius (672-754) legt in Nhutscelle (Nursing) sein Gelübte als Benediktinermönch ab und wird 718 von Papst Gregor II. (731-741) beauftragt, als Legat unter dem Namen "Bonifatius" die Kirche in Germanien zu ordnen und insbesondere die arianischen und iroschottischen Gemeinden in die römische Kirche einzugliedern. Das stößt bei den fränkischen Herrschern auf Widerstand, die an einer von Rom weitgehend unabhängigen Kirche interresiert sind. Als dann Bonifatius mit der Neuordnung der bairischen Bistümer beginnt, sterben 741 sowohl Papst Gregor III. als auch der fränkische Hausmeier Karl Martell. Ihnen folgen Papst Zacharias (741-752) bzw. die beiden Söhne Karlmann (741-747) und Pippin III. der Jüngere (714-768) nach, wobei es zwischen Letzteren bald wegen kirchenpolitischer Fragen zu Zwistigkeiten kommt. Während nämlich Karlmann mehr aus religiösen Gründen an der Missionierung heidnischer VGölker interessiert ist und die Reformierung der unübersichtlichen Kirchenstrukturen durch Bonifatius unterstützt, fordert sein Bruder Pippin die Christianisierung durch angelsächsische Mönche, da durch die unabhängige iro-schottische Kirche die Möglichkeit des eigenständigen Einsetzens von Bischöfen für die Karolinger besser gewährleistet erscheint. 745 schickt Pippin deshalb den iroschottischen Abt Virgil (fergil) zu Herzog Odilo von Baiern und setzt ihn mit Zustimmung von Papst Zacharias als Bischof von Salzburg ein, was zu harten Auseinandersetzungen mit Bonifatius führt, der als Parteigänger von Karlmann gilt und dessen Landespolitik vertritt. Virgil behauptet gegenüber Papst Zacharias, dass Bonfatius in Unkenntnis der lateinischen Sprache mit dem falsch übersetzten Satz ""Ich taufe dich im Namen von Vaterland und Tochter und des heiligen Geistes"("Baptizo te in nomine patria et filia et spiritus sancti") taufe, sodass er ein zweites Mal richtig mit "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" ("Baptizo te in nomine patris et filii ...) taufen müsse. Bonifatius wiederum beklagt sich beim Papst, dass Virgil die Wiedertaufe verlange. Zacharias gibt daraufhin Bonifatius das Recht, Virgil wegen des Verdachtes der Irrlehre zu verurteilen. Dieser kann sich aber nicht durchsetzen und Virgil bekommt schließlich vom Papst sogar den Auftrag, die Slawenmission in Karantanien zu organisieren. Auf Bittendes fränkischen Hausmeiers Pippin III. des Kurzen teilt Papst Zacharias dann das karantanische Fürstentum der Sazburger Kirche zu.  
Von den Awaren bedrängt, ersucht der erste namentlich bekannte Slawenfürst Borouth den Baiernherzog Odilo um Hilfe, die dieser unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fränkischen Oberhoheit gewährt. Zusätzlich werden sein Sohn Cacatius und sein Neffe Cheitumar als Geiseln nach Salzburg gebracht, um sie dort christlich erziehen zu lassen. Karantanien wird damit aus dem östlich-slawischen Einflussbereich losgelöst und der westlich-abendländischen Kultur angeschlossen. 743
Am 15. Juni 749 wird der hl.Virgil zum Abt des Klosters Sankt Peter und zum Bischof von Salzburg geweiht, nachdem er zuvor bereits die Diözese letete. Virgil wird zum Initiator für die erfolgreiche Christianisierung Karantaniens. Seit damals sind mit kleinen Unterbrechungen der hl. Rupert und Virgil zusammen dier Schutzpatrone der Diözese Graz-Seckau. 749
Nach Borouths Tod um 750 folgen ihm zuerst sein Sohn Cacatius und dann von 752 bis 769 sein Neffe Cheitumar nach. Letzterer ersucht Bischof Virgil von Salzburg um Mithilfe bei der weiteren Christianisierung des Landes, Virgil entsendet den irischen Chorbischof Modestus mit weiteren Klerikern nach Karantanien, wo sie im Zuge ihrer Missionierung Kirchen errichten (Maria Saal, Kirche "ad Undrimas" in Ingering bei Knittelfeld) und neue Priester weihen. Modestus weiht auch die älteste Kirche auf steirischem Boden, die "ecclesia ad Undrimas" bei Pöls. 767
Unter Herzog Tassilo III., der als Odilos Sohn schon im Kindesalter 748 Herzog von Baiern wird, unterwerfen die Baiern das heidnische Karantanien mit den dort ansässigen Windischen (Slowenen). Von Salzburg aus nimmt die Christianisierung der Awaren im Süden sowie der Slawen Richtung Osten regen Aufschwung. Entlang der Flussläufe werden erste Fernhandelsbeziehungen aufgebaut. So ziehen Baiernstämme auch der Mur entlang in eine von Windischen bewohnte Ebene. Der dabei gemachte Ausspruch "G'räts, so g'räts!" (Gelingt es, so ist es gut) soll einer Legende nach zum Namen "Graz" geführt haben. 772 Slawenmission
Wegen seiner Kolaboration mit den Langobarden und Awaren wird Tassilos durch seinen Vetter Karl d. Großen gestürzt und das baierische Stammesherzogtum mit seinem Grenzverlauf östlich von Graz auf der Ries an das fränkische Reich angegliedert.

788

 

Pippin (auch Karlmann, 777-810), ein Sohn Karls des Großen, besiegt zusammen mit Herzog Erich von Friaul (Cividale) die Reiternomaden der Awaren im Donau-Theiß-Gebiet und macht eine ungeheuere Beute von Gold und Silber. Das Frankengebiet dehnt sich nun bis zum Donau-Drauwinkel aus. Dieses gewonnene Land, die Awarische oder Pannonische Mark, wird bairischen Siedlern überantwortet und in Grafschaften unterteilt: in das Land an der Donau (Enns bis Fischa), in Oberpannonien (Awarenland Fischa bis Raab), Unterpannonien (Raab bis Draumündung), Karantanien (Kärnten, Ober- und Mittelsteiermark), sowie im Süden in die Friaulische Mark. An der Spitze der Verwaltungsbezirke stehen Persönlichkeiten bedeutender Geschlechter mit ihren Gutshöfen und Festungen sowie geistliche Herren mit Bischofskirchen und Klöstern. Sie stellen den Ursprung der ersten deutschen Dörfer und Pfarreien auf dem Boden der heutigen Steiermark dar wie z.B. die Burgen zu Gruscharn (Pürgg), Burg Eppenstein bei Judenburg, Burg Leoben (St.Peter-Freienstein) oder Hengistburg (St. Lorenzen am Hengsberg). Bei der Reichsteilung 806 erhält Pippin von seinem Vater Karl dem Großen Baiern und wird König von Italien.
796 Karantanien
Am 24.12.800 wird Karl der Große in Rom von Papst Leo III. mit einer Krone, die die Inschrift "Rex Salomon" trägt, zum römischen Kaiser gekrönt. Er wird damit Schutzherr des Gottesreichesd auf Erden; ihm allein obliegt nun die Oberhoheitz über Staat und Kirche. 800
Karl d. Große bestätigt die Zugehörigkeit des Missionsgebietes um den Plattensee für das Erzbistum Salzburg. Es ist von der Raab, Donau und Drau umgrenzt und erstreckt sich westwärts bis an die Grenze zu Karantanien. Zusammen bildet dieses Gebiet „Sclavinia“, dessen Grenze zwischen der Wasserscheide von Mur und Raab, östlich des Grazer Feldes verläuft. 803  
Der Khaan (Führer) der Awaren ersucht in Aachen Kaiser Karl d. Großen, ihnen zwischen Savaria und Carnuntum Wohnsitze zu überlassen, da sie sich gegen die Angriffe der Slawen nicht mehr halten können. 805  
Das im Keller der alten, ehemaligen Jesuiten-Universität in der Hofgasse aufgefundene Körpergräberfeld, lag zu Beginn der frühmittelalterlichen Besiedlung von Gradec am Fuß des Schloßberges, unmittelbar an dem vom Murübergang nach Osten führenden Weg. In den 12 Gräbern liegen Personen verschiedenen Alters mit Blickrichtung nach Osten bestattet. Nach heidnischer Tradition hat man den Toten zur "Versorgung" Keramiktöpfe, Eisenmesser und Esswaren mitgegeben.

810

Graz.Alte.Uni Alte Universität Skelett Skelett

Im Streit um Karantanien legt Karl d. Große die Drau als Diözesangrenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Patrtiachat Aquileia fest. 811  
Ludwig I. der Fromme (778-840) folgt seinem Vatert Karl d. Großen 814 als Herrscher nach. 814
Ljudevit Posavski, ein kroatischer Knez (Fürst), der 819 zum ersten Mal einen großen Teil der kroatischen Stämme in Posavien (Unterpannonien) zwischen Drau und Save zu einem slawischen Staat mit der Hauptstadt Sisak vereint, erhebt sich zu einem Aufstand gegen die Franken, dem sich auch die Karantaner und bulgarischen Timotschaner anschließen. Ljudevit wird aber schließlich von einem fränkischen Heer, angeführt vom Markgrafen Balderich von Friaul, geschlagen und flieht zu den benachbarten Serben, wo er getötet wird. Mit Ljudevits Tod endet der erste große Kampf der Südslawen um Freiheit und die Karantaner geraten endgültig unter die Herrschaft der Franken. Diese führen die fränkische Grafschaftsverfassung ein und beginnen mit den Grundvergaben an die bajuwarischen Siedler in den Ostalpen. 823
Bulgarische Horden verwüsten die Steiermark. 826  
Ludwig I. der Fromme (778-840), der Sohn Karls des Großen, lässt das Gebiet zwischen Enns und Mur in die Grafschaften Ennstal, Mürztal, Leoben, Judenburg und Dudleben gliedern. Als Grafen setzt er fränkische Adelige ein, die sich gegen die Angriffe der Ungarn währen sollen. 828

 

 

Ludwig II., der Deutsche (806 bis 876), der seinem Vater Kaiser Ludwig dem Frommen als Herzog von Baiern und später ostfränkischer König nachfolgt, setzt das Werk von Karl d. Großen fort und schenkt dem Erzbistum Salzburg 42 Besitzungen, beginnend von der Donau, über Ungarn, das steirische Gebiet bis nach Kärnten. Darunter die Kirchen zu Sabniz bei Hartberg („ecclesia ad Sabnizam“), St. Ruprecht, Nestelbach bei Graz, Straßengel, Bruck, St. Lorenzen im Mürztal, St. Michael bei Leoben, Pöls, Graslupp bei Neumarkt und Katsch.

Auf dem Grazer Feld entstehen in Feldkirchen und Straßgang die ersten Eigenkirchen von Grundherren, die dafür vom Salzburger Erzbischof die Seelsorgerechte und das Zehentrecht erwerben. Sie können als Wiege des steirischen Pfarrnetzes angesehen werden.
860 Ludwig der Deutsche
Arbo (Aribo, vor 850 bis nach 909), Ahnherr des Geschlechtes derr Aribonen, wird ab 871 Graf im Traungau und Markgraf der baierischen Ostmark. Die turmlose Rupertikirche in der Aribonenstraße in Straßgang ist eine ursprünglich salzburgerische Gründung und von alters her Friedhofskirche und damit der älteste erhaltene Kirchenbau von Graz. 871 Rupertikirche Straßgang Rupertikirche
Heuschreckenplage in der Steiermark. 873  
Karlmann (830-880), der älteste Sohn des ostfränkischen Königs Ludwig des Deutschen, übernimmt nach dessen Tod 876 die Herrschaft als ostfränkischer Teilkönig und König von Baiern. Das Gebiet wird eine "Mark an der Donau" und ein "Herzogtum Karantanien und Pannonien" mit der karolingischen Pfalz Karnburg im Zollfeld als Zentrum, welches von Karlmanns unehelichen Sohn Arnulf von Kärnten (850-899) verwaltete wird, der auf der Mosaburch in Moosburg aufwächst. Er ist von 876 bis 887 Markgraf von Kärnten, später dann von 887 bis 899 auch ostfränkischer König, von 894 bis 899 König von Italien und wird schließlich am 22.Februar 896 von Papst Formosus zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches gekrönt (bis 899), nachdem er zuvor mit Hilfe des hl. Pankratius Rom erstürmt hatte. 876

Erstmals erfolgen aus dem Osten Angriffe des asiatischen Reitervolkes der Magyaren.

Früheste Benennung von "Grazze" in einer Urkunde des Hochstiftes Salzburg, die besagt, das Ludwig III. der Jüngere (835-882), Sohn des barischen Herzogs Ludwig II. des Deutschen, einige Güter des Salzburger Erzbischofs Dietmar I. gegen Güter in Graz eingetauscht, die dessen Ministeriale Vodilhelm als Lehen besessen hat.

881  
Die Hengistburg (Hengistfeldon) in Hengsberg bei Wildon wird als "hengisfeldon" 892 urkundlich genannt, als sich auf ihr König Arnulf von Kärnten mit Herzog Brazlawe von Sisek trifft, um sich bezüglich der drohenden Feindesgefahr durch die einfallenden Magyaren zu beraten. Die Burg ist nach einer weiteren Urkunde Kaiser Ottos II. von 970 Sitz der Markgrafen der "marchia carantana", die Hauptburg an der mittleren Mur. Als erster Markgraf wird der Baier Markward genannt. 892 Hengistburg Hengistburg Hengistburg
Das ursprünglich im Ural beheimatete Reitervolk der Magyaren fällt unter König Apard in das pannonische Beckern ein und dringt bis zur Kor-, Stub- und Gleinalpe vor. Damit wird die karolingische Kolonisationspolitik das erste Mal unterbruchen.

894

 

Die Magyaren verwüsten auf ihrem Rückweg aus Italien zum zweiten Mal Panonnien. 899  

Graf Otakar I. (+907) aus dem Haus der Aribonen im Chiemgau ist königlicher Sendbote in der bairischen Ostmark und erbaut unter Einbeziehung des ehemaligen römischen Legionslagers Lauriacum am Zusammenflus von Enns und Steyr als Schutz gegen die Einfälle der Ungarn die "Stiraburg" (Styrapurch), den Stammsitz der Traungauer. Daraus entwickeltsich nach und nach der Name "Steiermark".
Diese "familiares marchionis" aus dem Traungau gelangt im Laufe der Jahrhunderte über das Ybbs- und Traisental nach Pitten (Starhemberger u. Dunkelsteiner) und dann weiter ins Ennstal (Gerunge) und nach Wildon.

Otakars Sohn Aribo II. (Arpo; vor 904 bis nach 907), Kind des letzten Karolingers und Enkel des Grenzgrafen Aribo, bekommt von König Ludwig d. Kind, dem letzten ostfränkischen Karolinger, mit der sogenannten "Murtalschenkung" im Bereich der Mündung der Schladnitz in die Mur bei der "villa costiza" (Leoben) und dem Liupinaltal (Vordernbergerbach) einen ausgedehnten Besitz von 20 Königshuben mit ummauertem Hof geschenkt, auf dem später das Stift Göss entsteht.

904 Otakar I. Stiraburg

Luitpold, Markgraf von Baiern, Landesherr von Karantanien, Enns und Mur und Ober-Pannonien, erleidet zusammen mit dem Erzbischof von Salzburg am 5. Juli 907 bei Preßburg gegen die Ungarn eine schwere Niederlage , in der er nicht nur den Tod findet, sondern die den Verlust des ganzen Ostens bringt, sodass die Mittel- und Untersteiermark für 50 Jahre ungarisches Terretorium und ein Vordringen der asiatischen Scharen bis zum Rhein ermöglicht wird.
Dieses gegen Ende der Völkerwanderungszeit unter ihrem Anführer Árpád aus dem Karpartenbecken kommende Reitervolk der Ungarn (Magyaren = Söhne der Erde) stammt ursprünglich aus den Gebieten zwischen Sibirien und dem Ural.

907
Arnulf I. der Böse aus Regensburg, Sohn von Luitpold, Herzog von Baiern, kann, als er zum König der Ostfranken gewählt wird, mit Ungarn einen Nichtangriffspakt schließen.
Im Nibelungenlied wird beschrieben, dass das Gebiet des deutschen Grafen von der Enns bis zur Traisen unter der ungarischen Oberherrschaft mit Sitz in Pöchlarn steht, das Osterland (Ostarichi) von der Traisen bis zur Fischa König Etzel unterstellt ist und ab Fischa das "Heunenland" beginnt.
911  
SiGraf Otakar I. stirbt in Traunagu. Sein Sohn Otakar wird Gaugraf an der Traun und in Krain. 925  
SiErste urkundliche Erwähnung des bereitzs ins 9. Jhrhundert zurückreichenden Salzbergbaues in der Steiermark, als nGraf Albrecht dem Salzburger Erzbischof einhe Salzpfanne bei Admont vermacht. Auch der schon zur Römerzeit erfolgte Abbau von Erz in Eisenerz wird schriftlich dokumentiert. 931
SiDer Aribone Hartwig I. besitzt als Inhaber eines "ministeriums" (Amtsbereiches) in Karantanien und auch im westlichern Grazer Ferld sowie im Laßnitztal riesige nAlliodien. 953  
Durch den Sieg Kaiser Otto I. der Große (912-973) am 10. August über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg wird den durch viele Jahre andauernden Raubzügen der magyarischen Reiterkrieger ein Ende gesetzt und sie müssen sich nach Westungarn zurückziehen. Im Herbst räumen sie auch die Gebiete in der heutigen Steiermark. Zum Schutz werden Marken errichtet: die Mark an der Drau, die Mark an der Saun und die Mark an der mittleren Mur (marchia Carentana), die sich von der Gleinalpe bis zum "mons Predel" (Ries) erstreckt und die Hengistburg (St. Margarethen) als Markzentrum hat. Der über die Mur vorgeschobene Brückenkopf, das kleine Kastell Gradec auf dem Schloßberg, hat die Aufgabe, den Murübergang der nach Osten führenden Straße zu sichern.

955

Lechfeld Lechfeld

Im Südosten Baierns wird die ottonische Mark errichtet, dier von Enns, den Voralpen, den Wienerwald, Donauwagram sowie oberhalb der Donau vom Nordwald umgrenz wird. Gegen Ungarn entsteht die "marchia carantana" oder "marchia transalpina", die bis zur Wasserscheide von Mur und Raab reicht. Sie kann als Keimzelle für die spätere Steiermark angesehen werden. Die Grenze verläuft auf der Ries, dem mons predel („in monte, qui dicitur Predel“), hinter der sich die ungarischen Grenzwächter befinden (Ungerdörfer). Gegen Leibnitz wird das Grazer Feld durch den Wildoner Berg (Buchkogel) getrennt, dessen höchste Erhebung 550 m beträgt. Auf diesem, auch „Hoher Hengst“ genannten, Bergrücken entsteht die erste frühmittelalterliche“ Burganlage, die Hengistburg. Sie ist die Hauptburg der entstehenden „Marchia Carentana“ (Karantanische Mark), der Keimzelle der späteren Steiermark, von der aus die Markgrafen ihren an der Grenze des Römischen Reiches gelegenen Machtbereich verwalten und verteidigen.

960

 

Wildon

Kaiser Otto I. bestätigt dem Erzbistum Salzburg in einer Urkunde die Besitzungen in KLarantanien. Darin kommt auch der Name "Lipnizza" (Burg Libniz = Seggauberg) vor.

Markwart III. (bis 1000), aus dem Hause der Eppensteiner, ist erster Markgraf der Mark an der Mur in Karantanien mit ihrer Hauptburg der Hengistburg bei Wildon.. Das ursprünglich aus Landshut in Baiern kommende Geschlecht trägt seinen Namen nach dessen Sitz, der zwischen Obdach und Judenburg gelegenen Burg Eppenstein. Zur Mark gehören die 4 karantanischen Grafschaften: Ennstal mit der Burg Gruscharn (Pürgg), Leoben mit der Burg St.Peter Freienstein, Mürztal und Judenburg. Auf das rot-weiß-rote Eppensteiner Wappen lässt sich auch das österreichische Bindenschild zurückführen.
Die Grenze der "Mark an der Mur" ("marchia Carentana" auch "marchia transalpina") gegen Ungarn verläuft entlang des mons Predel: Gratwein - Gratkorn - Platte - Altes Faßl - St.Ruprecht - Prellerberg - Schafthal - Stifting - Rohrbach - Schillingsdorf - Nestelbach (Nezzilinpah) - Vasoldsberg (Vaszolsperg et in dem Predel) -Krumegg - Hühnerberg.
An der wichtigen Straßenkreuzung zwischen der am süd-nördlich am Westrand des Grazer Beckens verlaufenden alten Römerstraße und der bei der Murfurt (spätere Murbrücke) aus Savaria (Steinamanger) einmündenden Ost-West-Verbindung der "strata vngarica" befindet sich seit Mitte des 10. Jahrhundert als vorgeschobener Brückenkopf zur Bewachung und Grenzsicherung am Schloßberg das kleine Kastell "gradec" (ältere untere Burg, später St.Paul-Burg mit Kapelle, der heutigen Stiegenkirche).

Ausgrabungen von Holzbauten am Grazer Hauptplatz.

970

Eppenstein Stiegenkirche

Bau der dem hl. Johannes dem Täufer geweihten "Kirche im Feld" (Feldkirchen). 972

Mit der Absetzung des bairischen Herzogs Heinrich II. des Zänkers durch Kaiser Otto II. nach einer Verschwörung wird Karantanien vom Herzogtum Baiern abgetrennt und Heinrich III. (940-989) aus dem Geschlecht der Luitpoldinger als selbständiges Herzogtum Kärnten („Marchia Karentana“) übergeben. Unter seiner Verwaltung stehen die Karantanische Mark (die spätere Steiermark), die Gebiete hinter dem Drauwald (mit Pettau und Marburg), die Grafschaft an der Sann um Cilli sowie die Marken Krain , Verona, Friaul und Istrien. Neuer Graf der bairischen Ostmark ("Marchia orientalis" oder "Ostarrîchi") ist der erste Babenberger Markgraf Luitpold I. (940-994).

Um diese Zeit wird die erste kleine Burg (gradec) am Südsporn des Schloßberges zur Bewachung des Murüberganges der wichtigen, nach Savaria (Steinamanger) wegführenden Straße gebaut, wobei die St.-Pauls-Kapelle als Burgkapelle fungiert. Bei späteren Ausgrabungen finden die dort seit 1588 ansässigen Augustinereremiten „mortuorum hominum ossa non modica“, woraus sie auf einen ehemaligen Friedhof schließen, der nicht nur das patrozinienkundlich und siedlungsgeschichtlich hohe Alter der Stiegenkirche, sondern auch den Status einer Stadtpfarre bezeugt, den die Paulskapelle einige Jahre inne hatte, wenn die außerhalb der Stadtmauer gelegene Ägidiuskirche zur Verteidigung gegen die Feinde aus dem Osten benötigt wird. In einer Mitteilung des Pfarres von Graz, anlässlich der landesfürstlichen Visitation 1545, wird dies bestätigt: “die recht pharr ist vor alter sandti Pauls khierchen bey dem perg under dem schloß in der stat Gräz gewesst“

976

Marchia orientalis

Aribo I. (vor 958 bis um 1020) aus dem mächtigen bairischen Geschlecht der Aribonen ist Graf im Chiem- und Leobengau und wird ab 985 Pfalzgraf von Baiern. Er ist mit Kaiser Heinrich II. verwandt und besitzt große Güter in Baiern, im Salzburggau, in Leoben, im Hengistgau, im Lavanttal und im Kroatengau. 985

In Straßgang (slaw. "straza" Warte) werden durch die Aribonen eine dem Johannes d. Täufer geweihte Feldkirche sowie die Eigenkirche St. Georg (Kirche Maria-Elend) und St. Martin (Schlosskirche) erbaut, die zuerst 1025 zwischen den Grafen Chadalhoh IV. und Hartwig III., dann zwischen dessen Söhnen Botho und Aribo V. aufgeteilt werden, bevor sie in den Besitz des Erzstiftes Salzburg und schließlich des Benediktinerklosters Admont gelangen. Sie sind die ältesten nachweisbaren Kirchen im Grazer Feld. Der berühmte "Pferde-Altar" von 1738 in der Schlosskirche St. Martin stammt vom Bildhauer Joseph Stammel.

In der Karlau von Graz, in Judendorf und und in Leoben werden Judensiedlungen genannt, meist nur einige Lagerhäuser, an den Handelswegen liegend, um ihren Fernhandel zwuschen dem Orient und Europa besser betreiben zu können.

994
Als Nachfolger seines Vaters Markwart III. wird Aribo I. von Eppenstein (980-1039) von König Otto III. (983-996) mit der Markgrafschaft von Karantanien betraut. Zudem ist er Graf im Ennstal und Judenburg (graf von Eppenstein). Auch bekommt er um 1000 ausgedehnte Besitzungen im Mürztal und um Voitsberg geschenkt. Unter Kaiser Heinrich II. (973-1024) wird er 1012 Herzog von Kärnten, Markgraf von Verona, Friaul, Krain und Trient, Graf von Görz sowie Vogt über das Patriachat Aquileia. 995  
Kaiser Otto II. (955-983) schenkt Bischof Gottschalk von Freising Ländereien in Neuhofen an der Ybbs. In der lateinischen Urkunde wird statt der "regio orientalis" erstmals die umgangssprachliche Form von "ostarrichi" verwendet: "Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Otto, durch göttliche vorausbestimmende Gnade Kaiser Augustus. Alle unsere eifrigen Getreuen, die gegenwärtigen und auch die zukünftigen, mögen wissen, daß wir, die würdigen Bitten unseres geliebten Vetters Heinrich, des Herzogs von Baiern, erfüllend, gewisse Besitzungen unseres Rechts in der Gegend, die in der Volkssprache Ostarichi heißt, in der Mark und Grafschaft des Grafen Heinrich, des Sohnes des Markgrafen Liutpold, in dem Ort, der Niuvanhofa genannt wird, das heißt mit eben dieserm Hofe und dreißig in seiner unmittelbaren Umgebung liegenden Königshufen mit bebautem und unbebautem Land, mit Wiesen, Weiden, Wäldern, Gebäuden, mit Quellen und Wasserläufen, mit Jagden, Bienenweiden, Fischwässern, Mühlen, mit beweglichem und unbeweglichem Gut, mit Wegen und unwegsamen Land dem Schoße der Freisinger Kirche zu eigenem und ewigen Gebrauch überlassen." 996 Otto III. ostarrichi-Urkunde
Vaters König Heinrich II. (ab 1014-1024 Kaiser) übergibt Erzbischof Hartwig, Sohn von Pfalzgraf Hartwig I., Besitzungen mit Sudhäusern im Ennstal. 1002

Dort, wo der ihr durch einen Windstoß verwehte Schleier wiedergefunden wird, gründet Adala von Leoben, die Tochter des Pfalzgrafen Hartig I. und Gattin von Aribo I. von Baiern, zusammen mit ihrem Sohn Aribo II. (um 990 bis 1031- Salzburger Diakon und Kapellan Kaiser Heinrichs II. sowie späterer Erzbischof von Mainz) im Jahre 1004 auf Aribonengrund die älteste klösterliche Niederlassung und die einzige Frauenabtei in der Steiermark, das Stift Gö?, welches von der Reichsabtei Nonnberg in Salzburg aus mit Benediktinerinnen besiedelt wird. Erste Äbtissin wird 1020 ihre Tochter Kunigunde I., die Schwester Aribos II. 1004
Adalbero, der Sohn des Eppensteiner Markwart III., ist Graf im Ennstal und in Judenburg. 1006  
Zu der slawischen Besiedlung im Norden von Graz entstehen am Westrand des Grazer Feldes die ersten deutschen Dörfer von Bayrisch-Grätz (Baierdorf in Eggenberg), während das östlich der Mur gelegene Gebiet unbesiedelt bleibt.

1010

 

Nachdem die Ungarn erstmals hinter die Lafnitz zurückgedrängt werden, erhält der bairische Pfalzgraf Hartwig II., ältester Sohn von Aribo I. und Adala, erhält von Kaiser Heinrich II. das große Gebiet um die Piesting im Südosten Niederösterreichs und die Oststeiermark als Geschenk zur Rodung. 1020  
König Konrad II. vermacht seiner Schwägerin Beatrix, der Gattin von Berthold I. dem Bärtigen von Zähringen (1005-1078), Herzog von Karantanien und Markgraf von Verona, "hundert königliche Hufen ... in loco Aveiniz (Aflenz) ad Morizam (St. Lorenzen im Mürztal)", die damit die Urpfarre des gesamten Mürztales ist. 1021
Nach dem frühen Tod von Pfalzgraf Hartwig II. wird dessen riesiger Besitz zwischen seine beiden Söhnen Aribo II. und Botho dem Starken (Patto) aufgeteilt. Letzterem fällt auch das Schloss St. Martin zu, das 1072 in den Besitz von Stift Admont übergeht. 1557 wird es zu einem Renaissanceschloss umgebaut. 1026
Im Mai 1035 kommt es wegen eines Hochverrates von Adalbero von Eppenstein, dem Herzog von Kärnten, zu einem Bruch mit Kaiser Konrad II. und er verleirt in Bamberg alle Ämter und Lehen.
Die Markgrafschaft an der Mur wird unmittelbar durch König Heinrich III. vom Herzogtum Kärnten abgetrennt und samt 4 karantanischen Grafschaften und der Markgrafenwürde an Graf Arnold II. von Wels-Lambach (+1055), dem Sohn Arnolds übertragen. Dabei handelt es sich nur um einen ca. 50 Kilometer breiten Landstrich westlich von der Mur, östlich vom Predel-Höhenzug, der Wasserscheide von Mur/Raab, begrenzt. Die Hengistburg - damit ihrer politischen Bedeutung beraubt und durch ungarische Angriffe stark in Mitleidenschaft gezogen - erbt Adalberos Sohn, Edler von Markwart IV., der Schließlich 1060 seine Anteile an der Burg mit Erzbischof Gebhard von Salzburg tauscht.
1035  
Der Salier Heinrich III. (28.10.1017 bis 5.10.1056) folgt seinem Vater Konrad II. als römisch-deutscher Kaiser nach.
Als Herzog Konrad d. Jüngere von Kärnten stirbt, besetzt Heinrich zunächst das Herzogtum nicht nach, sodass die drei süddeutschen Herzogtümer Baiern, Schwaben und Kärnten unter seiner unmittelbaren Verwaltungsgewalt stehen.
Als Grenzschutz gegen den Osten werden 2 neue salische Marken, die "Böhmische Mark" (untere Taya) und die "Neumarkt" (westlich der March und Leitha) errichtet.
1039 Heinrich.III. Heinrich III.

Kaiser Heinrich III. kann nach Siegen über die Ungarn die Ostgrenze der Mark bis zur Lafnitz ausdehnen und schenkt das von der Piesting bis nach Radkersburg reichende Land dem Markgrafen Arnold II. von Wels-Lambach. Sein Sohn Gottfried von Pitten (+1050), der 1042 die eingedrungenen Magyaren schlägt, bekommt die Grafschaft Pitten, das Enns- und Paltental sowie die Burg Gestric (Gösting, slaw. gozd=Bergwald) mit 2 Königshuben Land, die nach dessen Tod 1050 sein Bruder, der hl. Adalbero, Bischof von Würzburg, erbt. Burggraf ist zu dieser Zeit der Lehensmann Sultger von Gesterice aus dem Hochfreien Geschlecht der Herren von Traisen. Archäologische Funde beweisen, dass hier bereits um 450 v. Chr. die Kelten gesiedelt haben.

1042

Unter Erzbischof Baldwin von Salzburg wird die Pfarre von Feldkirchen, die älteste im Grazer Feld begründet.

Die hl. Hemma vermacht dem Erzbistum ihre Güter im Gurk- und Ennstal mit der Auflage, dort Klöster zu errichten (Gurk und Admont).

Der Grenzverlauf gegen Ungarn wird weiter nach Osten, an die Lafnitz und Kutschenitza verlegt und entlang der Mur entsteht mit den Festungen von Hengistburg, Seggauberg, Straßgang, Schloßberg, Gösting und Plankenwarth eine Linie von Abwehrbastionen. Damit ergeben sich erstmals größere Siedlungsmöglichkeit im diesem bisher unbesiedeltem Gebiet östlich der Mur. So entsteht auch das älteste Siedlunggebiet im Osten von Graz.

Beauftragt von Aribo II., Pfalzgraf des unteren Salzburggaues, gründet der deutsche Gunter, Besitzer dieses Bodens, den Herrschaftshof Guntarn mit einem Fronhof (Meierhof), einer Eigenkirche (S.Lienhart/St.Leonhard) mit einem Friedhof sowie einer Mühle, Schmiede und Taverne (Schanzelwirt). Gunter wird auch selbst Besitzer weiter Gebiete in der Oststeiermark (Premstätten, Hausmannstätten) und Namensgeber für Arndorf (bei St.Ruprecht/Raab). An die Grenzwächter auf ungarischer Seite erinnern die Ungardörfer bei Gleisdorf, Jagerbegr und in Schwarza (Ungarus de Swarza). Plankenwarth, Straßengel und Straßgang (strascha=Warte) verweisen auf die Beobachtungsposten westlich der Mur. Vom slawischen "grad" (Burg) leitet sich auch die Bezeichnung für Gratwein und das kleine Kastell Graz am Schloßberg ab, das als vorgeschobener Brückenkopf die aus dem Osten kommende "strata vngarica" sichert

1043

Papst Leo IX. reist durch die Steiermark und weiht am 4. August die St.Oswald-Kapelle bei Leoben. 1044

Als in einem Gemetzel auf der Burg Lambach/Trau die beiden Söhne Arnoldsd II. , Gottfried und Arnold III. von Wels-Lambach, sowie seine Frau Reginlinde (Regilla) von Verdun erschlagen werden, wird der riesige Besitz des Geschlechtes der Wels-Lambacher geteilt. Den nördlichen Teil von der Piesting bis zum Masenberg bei Hartberg erhält Graf bEkbert I. von Formbach-Neuburg bei Passau, die mit Mathilde, einer Tochter Gottfried verheiratet ist und sich in Pitten ein neues Herrschaftszentrum schaffen. Den südlichen Besitz, der von St. Johann in der Haide bis nach Radkersburg reicht, bekommt der blutsverwandte Traungauer Otakar I., Graf im Chiemgau (erstmals genannt 1056). Er wird somit Markgraf der Mark an der Mur ("marcho de stire" oder "marchiones Styrenses"). Sein Herrschaftsgebiet mit dem Hauptsitz der im Jahre 980 erbauten Stiraburg an der Mündung der Steyr in die Enns sowie der Hengistburg, der Primaresburg bei Köflach und der Dieterburg bei Ligist umfasst somit die Steiermark mit den Grafschaften Traungau, Ennstal, Mürztal, Leoben, Judenbrug und Pitten.

1050

Burg Pitten Steyr

Erste Ertwähnung des Schlosses Algersdorf in der Baiernstraße in Alt-Eggenberg als "Algeristeti", als der Vollfreie Eppo dieses beim Erzbischof von Salzburg gegen Güter im Sulmtal eintauscht. In der Folge schenkt Aribo, ein Bruder von Hartwig, das Schloss dem Stift Göttweig. Die weiteren Besitzer sind Markgraf Otakar III., die Windischgrätzer und schließlich die Eggenberger.

Um 1050 entsteht die Eigenkirche des hl. Ägydius in Semriach, eine Filialkirche der Pfarre Gratwein, dien 1237 erstmals urkundlich nihre Erwähnung findet.

Einfallende Türken verwüsten erneut das Land und zerstören das damalige Zentrum der Mark, die erstmals urkundlich erwähnte "Veste Hengist" (Hengistburg bei St. Margarethen). Aufgrund der ständigen Bedrohung wird Graz Verwaltungmittelpunkt und es ensteht östlich der Mur ein menschenleerer Grenzwaldgürtel.

1053

 

Die Söhne von Hartwig II. von Baiern, Pfalzgraf Aribo II. von Baiern und sein Bruder Botho, schließen sich dem Aufstand Herzog Konrads von Bayern und Herzog Welf von Karantanien gegen Kaiser Heinrich III. an und werden deshalb 1055 auf dem Reichstag zu Regensburg wegen Hochverrats abgesetzt und gemeinsam geächtet. Beide verlierern ihre Reichslehen und Teile ihres Eigentums: Aribo Ternsee, Botho muss die Pfarre Straßgang an das Erzstift Salzburg abtreten; beide verlieren Wildon und das Saggautal an die Eppensteiner und Spanheimer. Dem Erzbischof Baldwin verleiht Heinrtich III. in Gumbrahtdesteiden (Groß St. Florian) ein Gebiet im Ausmaß von 3 königlichen Hufen.

Eine im Süden von Graz, dem Johannes d. Täufer geweihte Feldkirche sowie die Kirchen St. Georg und St. Martin bei Straßgang sind die ältesten nachweisbaren Kirchen am Grazer Feld. Bevor die pfarrlichen Rechte an Straßgang übergehen, ist Feldkirchen ihre Mutterpfarre.

1055
Otakar I. († 1075), Sohn von Oci V. und vorher als Otakar VI. Graf im Chiemgau., wird durch den Tod Gottfrieds von Pitten und damit dem Aussterben der Grafen von Wels-Lambach ab 1056 Markgraf von Karantanien bzw. der Steiermark, wie diese später nach seiner Stammburg in Steyr genannt wird. Er ist mit Wilibirg v. Eppenstein-Kärnten, der Tochter des Kärntner Herzogs Arnold II. v. Wels-Lambach verheiratet. Seine Söhne Adalbero der Rauhe (Königspartei) und Ottokar II. (Papstpartei) bekämpfen einander im Investiturstreit. Er gilt als Mitbegründer von Stift Admont. 1056
Pfalzgraf Kuno von Rott gründet um 1073 den nach ihm benannten Ort Kumberg (Chuniperge) sowie Arndor (Erbindorf ad Rabam). 1073  
Erzbischof Gebhard von Salzburg, ehemaliger Beichtvater von Kaiser Heinrich III. gründet auf dem 1045 von der hl. Hemma für eine Klostergründung gestifteten Boden im Ennstal das Benediktinerkloster "ad montes" (Admont). Die ersten 12 Mönche kommen aus dem Mutterkloster St. Peter in Salzburg. Den Regeln des Ordens entsprechend wird von Anfang an großer Wert auf die Pflege von Kunst und Wissenschaft gelegt und eine eigene Schreiber- und Zeichenschule eingerichtet. So gelten die Abhandlungen von Abt Engelbert (1297-1327), des "österreichischen Albertus Magnus", als wesentliche Werke der mittelalterlichen Philosophie. Die von Architekt Josef Hueber, Maler Bartolomeo Altamonte und dem Grazer Bildhauer Joseph Stammel fertiggestellte Stiftsbibliothek wird als "Achtes Weltwunder" bezeichnet. 1074
Nachdem Otokar I. am 29. März 1075 in Rom stirbt, folgt ihm sein Sohn Adalbero der Rauhe (vor 1055 bis 1082) als 2.Markgraf von Steiermark nach. 1075  
Auf Grund der wiederholten Streitigkeiten bezüglich des Rechtes von Bischofseinsetzungen zwischen dem deztschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. kommt es am 24. Jänner 1076 am Hoftag zu Worms zum sogenannten Investiturstreit, in dessen Folge Heinrich IV. den Papst zur Abdankung auffordert und dieser daraufhin wiederum im Gegenzug über Kaier Heinrich IV. und seine Anhänger den Kirchenbann verhängt. 1076
Der Herzog von Kärnten, Markgraf Markwart IV. von Eppenstein, gründet unmittelbar neben der erstmals 1065 erwähnten "ecclesia sancti Lamberti in silva" (Kirche des hl. Lambert im Walde) das Benediktinerkloster St. Lambrecht. Als erster Abt wird Hartmannus I. von 1103 bis 1109 genannt, Sohn der Klausnerin Ava (1060-1127) aus Göttweig, der ersten namentlich bekannten Dichterin deutscher Sprache, deren Lebensbeschreibung Jesu oder "Die sieben Gaben des Heiligen Geistes" mit 221 Strophen zu den wertvollsten Handschriften des Klosters zählt. 1470 schafft der Maler Thomas von Villach ein gotisches Fastentuch mit 56 heilsgeschichtlichen Szenen.
Um sein Königtum zu retten, trifft Heinrich IV. in der Burg zu Canossa den Papst, der ihn nach einem 3-tägigen Bußgang vom Bann befreit. Luitold von Eppenstein (um 1060 bis 12.5.1090), der als treuer Parteigänger den Kaiser auf seiner Reise über die Alpenpässe begleitet, bekommt von ihm das Herzogtum Kärnten zurück, welches den Eppensteinern bis 1122 erhalten bleibt. 1077
Graf Otakar II. kommt in den Besitz der Stiraburg in Steyr. 1079
Als die deutschen Fürsten einen Gegenkönig aufstellen, ernennt Heinrich IV. den Erzbischof von Ravenna zum Gegenpapst Clemens III. Damit beginnt ein 33-jähriges Schisma, das bis 1111 dauert. 13 Bischöfe machen nicht mit. Die Bischöfe und Könige sind nun in eine päpstliche und eine königliche Partei gespalten: auf Seiten des Papstes stehen Bischof Gebhard von Salzburg, Bischof Altmann von Passau, die Spanheimer, die steirischen Markgrafen der Traungauer und Markgraf Leopold II., auf Seiten König Heinrich IV. die kärntner Herzöge der Eppensteiner, deren Bistum Gurk aber von Salzburg abhängig ist. Die Folgen sind verheerend: In Salzburg muss Bischof Gebhard in seine Heimat Schwaben flüchten, in der Steiermark ist das Markgrafengeschlecht der Otakare von Sier gespalten:Markgraf Adalbero der Rauhe (1075-82) steht zum König, sein Bruder Graf Otakar II. (1082-1122) dagegen zum Papst. 1080

Markgraf Adalbero der Rauhe, der im Investiturstreit zu König Heinrich IV. hält, wird gebannt und verzichtet als Markgraf an den mit dihm im Streit liegenden Bruder Otakar II. Seine gräfliche Position im Ennstal bleibt ihm erhalten, wo er aber bald ermordet wird.
Der Traungauer Otakar II. (auch Ottokar II.), mit Elisabeth, einer Tochter des Babenberger Markgrafen Leopold II. von Österreich verheiratet, wird der 3. Markgraf der Steiermark und regiert bis 1122.
Die "familiares marchionis" sind die Ahnherrn jener ab dem Jahre 1122 in der Mark Steyr tätigen Ministerialen, die sich aus dem Traungau kommend über das Ybby- und Traisental nach Pitten (Staremberger u. Dunkelsteiner), ins Ennstal (Gerunge) sowie nach Wildon verzweigen. Das im Ennstal ansässige Geschlecht derer "von During" nennt sich ab dieser Zeitn "von Dunkelstein". Die Söhne eines During heißen Heinrich, Adalbero, Ulrich und Pilgram
.

1082

Oatakar II.

Im "Dorf" des Herrn Wezil, einem Gefolgsmann des Grundherrns, existieren 15 Bauernhöfe (Wetzelsdorf). 1099  
In der Karantaner Mark gibt es weder Städte noch Dörfer, der geringe Handel liegt in den Händen von Juden, deren wichtigste Siedlung der unter der Burg Eppenstein gelegene "mercatus" Judenburg um diese Zeit entsteht. Das Wappen von Judenburg zeigt den kennzeichnenden breitkrempigen aschkenasischen Judenhut deutschsprachiher europäischer Juden mit einem Knauf auf dem Scheitel ("pileum cornutum"=gehörnter Hut). 1103

Im gefälschten Codex 30 der Reiner Stiftsbibliothek, einer Sammelhandschrift von 237 Blättern aus dem 15. Jahrhundert, wird erstmals Graz erwähnt: "MCXV Concremate sunt triganta mulieres in grecz una die" (1115 sind in Graz an einem Tag 30 Frauen verbrannt worden).

Existenz von "Gut Sparbersbach", welches im 18. Jh. nach seinem damaligen Besitzer Fr. Friedrich Haller den Namen "Hallerschlössl" erhält.

1115 grecz
Der muslimische Geograf und Kartograf Al Idrisi (أبو عبد الله محمد الإدريسي, 1099-1166) bereist als Jugendlicher ganz Europa und berichtet unter anderem über eine Stadt Akrizav, welche am Ende des Berges Dschuß liegt (Graz am Fuße des Schöckls). 1118 Al Idrisi

Nach dem Tod des letzten Eppensteiners, Herzog Heinrich III. sowie des Traungauers Otakars II. erbt dessen Sohn Leopold I. der Starke (dessen bisherige Machtzentren in Steyr und Fischau waren) am 4. Dezember die Ländereien des Eppensteiner Geschlechtes, die reiche Allode "provincia Graslupp". Aus diesen Gebieten um Enns, Steyr, Murau, St. Lambrecht, Neumarkt, Leoben, Bruck, Gösting, Mürzzuschlag, Mariazell, den Wiener Neustädter Raum und Voitsberg formt Liutpold der Tapfere die Steiermark, leitet den Ausbau der Landesherrschaft ein und nennt sich als Erster "Markgraf der Steiermark". Er errichtet in Hartberg die erste Traungauer-Pfalz mit einem ersten Markt und eine weitere Pfalz in Grauscharn/Pürgg. Er ist auch Vogt von Stift St. Lambrecht und betreibt die Gründung des ältesten Zisterzienserklosters Österreichs in Rein, wo er auch 1129 begraben wird. Das Jahr 1122 kann somit als das Geburtsjahr der Steiermark betrachtet werden.
Leopold der Starke ist bestrebt, sich durch die Vergabe dieser riesigen unbesiedelten Landstriche zur Rodung an Gefolgsleute einen ergebenen Ministerialenstand zur Durchsetzung seiner Landesherrschaft zu schaffen. Insbesondere geht es ihm darum, die Machtstellung des Aribonengeschlechtes zu gewinnen, die die fruchtbarsten Gegenden beiderseits der Mur und den Grazer Boden innehaben. Vor allem sind das die Söhne der Hochfreien Raffold und Hartnid: Ernst von der Traisen, Hartwig von Reiding, Adalram von Feistritz-Waldegg, Walter von Traisen, Adalbero von Feistritz, Swigger von Gösting und Bernhard von Stübing. Weiters sind als Ministerialen die Geschlechter der Wildoner im Traungau, die Safner und Stubenberger (ihr Ahnherr Wolfber-Wulfing ist mit der Erbtochter des Adalbero von Feistritz verheiratet) sowie die Herren von Neuberg, Stadeck und Landesehre dazuzuzählen. Das im Ennstal ansässige Geschlecht mit dem Namen "During" nennt sich "von Dunkelstein". Die Söhne eines During heißen Heinrich, Adalbero, Ulrich und Pilgrim. Die Rodung des oststeirischen Grenzwaldes erfolgt in Kirchberg und Grafendorf durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten, in Waltersdorf durch Walter Rüdiger von Hohenberg, in Weiz durch Luitold von St. Dionysen und in Pöllau durch die Stubenberger. Vor allem wird auch der Grenzwald zwischen Mur und Raab gerodet und damit die Gründung von Graz vorbereitet.

1122

Leopoldus fortis Leopold I. d. Starke Besiedlung von Graz

In diese Zeit fällt auch die Stadtgründung von Graz: Der hochfreie Adelige aus dem bairischen Geschlecht der Aribonen, Bernhard (Bero oder Benno) von Stübing (bis 1152), ist Besitzer des Grazer Bodens und des Schlosses Stübing. Er lässt die Aulandschaft entlang der Mur mit Dörfern besiedeln und durch seinen Gefolgsmann Hadmar vom Ennstal die neue Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg errichten. Reste der Burgmauer sind am westlichen Felsabfall des Schloßberges noch zu sehen. 1125
Hadmar vom Ennstal, ein Gefolgsmann Raffolds, errichtet im Auftrag des Bernhard von Stübing ein Herrschaftszentrum in Graz. Auf dem Schloßberg wird die Burganlage gebaut sowie zu ihren Füßen das älteste Siedlungszentrums in Graz („suburbanum castri“) mit einem Meierhof (Freiheitsplatz) und der dazugehörigen Eigenkirche St. Ägydius gegründet. Der dreischiffige romanische Bau steht auf der Hochterasse einer ehmaligen Dingstätte, außerhalb der Stadtmauern, an der vom Westen über die Furt der Mur kommenden Straße (Sporgasse) Richtung Osten. Als eine Art Wehrkirche ist sie von einer eigenen Friedhofsmauer umgeben, wobei ein Gräberfund aus 2010 im Keller der Grazer Burg zeigt, dass auch außerhalb der Ummauerung Menschen bestattet werden. Die Gründung dieser Ägidius-Stadtpfarre geht aufgrund ihrer Loslösung von der Mutterpfarre Feldkirchen-Straßgang hervor. Ihr, dem hl. Ägidius geweihtes Patrozinium verweist auf das Geschlecht der Dunkelsteiner, bei deren Stammsitz im niederösterreichischen Steinfeld sich heute noch das romanische Kirchlein "St. Ägyden am Steinfeld" befindet, von dem vielleicht das Patrozinium nach Graz verpflanzt wird. Ebenso könnte aber auch in dieser Zeit der Hochblüte der Ägidiusverehrung mit dem Herrschaftsbeginn der Otokare das Patronat direkt durch dieses Traungauergeschlecht übertragen worden sein, da deren Stadtpfarrkirche in Steyr ebenfalls. dem hl. Ägidius geweiht ist. Erster wirklicher Besitzer des Garzer Bodens ist dann der Sohn Bernhards von Stübing, der Hochfreie Udalrich von Graz (1115-1156). 1127 Ägydiuskirche

 

Leopold I. der Starke, Markraf der Steiermark, schenkt seinem Ministerialen Rudiger ein Gut bei Hartberg. In einer Abschrift aus dem 15. Jahrhundert der gefälschten Schenkungsurkunde an "Adalram de Waldekke" aus dem späten 12. Jahrhundert ist ein "Dietmarus de Gracz" als Zeuge genannt: eine der ersten urkundlichen Erwähnung des Namens „Gracz“. Der Unterschriebene Dietmar von Graz-Dunkelstein ist der Stammvater des Geschlechtes der Dietmare von Dunkelstein auf der Burg Ehrenfels und Trennstein am Südosthang des Schöckels, sein Bruder Ulrich von Graz-Dunkelstein, Ahnherr des Geschlechtes der Udalrichinger aus Trofaiach; beide sind zusammen mit ihrem Vater Hadmar vom Ennstal Dienstmannen von Raffold und Bernhard von Stübing. Dieses landesfürstliche Geschlecht der Herren von Dunkelstein tritt urkundlich in den hundert Jahren zwischen 1122 bis 1211 im Umkreis der Otokare von Steyr in Erscheinung. 1128 erbauen sie die Burg Dunkelstein am Ternitzer Petersberg.

1128

Schenkungsurkunde Burg Dunkelstein

Markraf Liutpold der Starke von Steyer beruft die "Grauen Mönche" von Ebrach bei Würzburg nach Rein, um in seiner Mark auf den Gütern, die sein Vater Otokar II. als Erbe von Graf Waldo erhalten hat, ein religiöses Zentrum, das älteste Zisterzienserstift Reun, im Sinne der Reformbewegung zu errichten, wo er auch nach seinem Tod am 26. Oktober 1129 begraben wird.
Gerlach, Graf von Dunkenstein, fungiert von 1129 bis ca. 1164 als erster Abt in Stift Rein.

Neuer Markgraf der Steiermark wird der erst fünf Jahre alte Sohn von Leopold d. Starken, der Traungauer Otakar III. (1125 bis 1164), für den anfangsseine Mutter Sophie von Baiern, die Tochter des Welfen Heinrich des Schwarzen, die Regierungsgeschäfte übernimmt. Während seiner Regierungszeit wird Graz immer mehr zum Verwaltungszentrum seines riesigen Reiches, der Steiermark. In Graz wird erstmals zwischen der Mur und dem Schloßberg ein kleiner Gassenmarkt erwähnt. Kaiser Friedrich Barbarossa überträgt ihm die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift Seckau, über die Reichsabtei Göß und als erstem Reichsfürsten das Bergregal, das Juden- und Münzregal, das Marktrecht, die Maut- und Zollstätten sowie die Gerichtsbarkeit. Otokar III. lässt den den Saumweg über den Semmering ausbauen, gründet das Spital am Semmering, das Augustiner-Chorherrenstift in Vorau und die älteste deutsche Kartause in Seitz (Žiče, Slowenien). Durch Erbschaften erwirbt er von Otto von Cordenons das Gebiet in der Friaul mit Cordenons und die Vogtei über Stift Ossiach, den Besitz um Trixen mit Unterdrauburg, von seinem Onkel Bernhard, dem Grafen von Spanheim-Marburg, die Marken an der Drau und Sann mit den Herrschaften Marburg, Radkersburg und dem Tüffer Gebiet, das Amt Ratschach in Krain, die Vogtei über Pettau, die Klöster St. Paul und Viktring, verschiedene Lehen in Aquileia sowie nach dem Tod seines Cousins, des Formbachers Ekbert III., die niederösterreichische Grafschaft Pitten. Otokar III. gebietet letztlich über einen von der Donau bis zur Save reichenden Herrschaftsbereich.

1129 Markgraf Leopold I. der Starke
Otakar III.
Der hochfreie Adelige aus dem bayrischen Geschlechter der Aribonen, Bernhard (Benno) von Stübing, Enkel des Pfalzgrafen Aribo II., ist Mitte des 12. Jahrhunderts Besitzer des Grazer Bodens und des Schlosses Stübing. Er gilt als Erbauer der Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg sowie als Begründer des ersten Grazer Marktes ("Erster Sack" in der Sackstraße). Dieser liegt quer zur Durchzugsstraße "strata ungarica" gegen Osten, die hier die Mur überschreitet und die Verbindung zwischen der Römerstraße am rechten Murufer mit Ungarn darstellt und ein gewichtiger Grund für die Marktgründung ist. Von dieser wichtigen Handelsverbindung nach Gleisdorf, Weiz, Hartberg und weiter nach Savaria (Steinamanger) zweigte unmittelbar bei der Pauluskirche ein Weg Richtung Ries nach Fürstenfeld, ein zweiter über Waltendorf entlang des Ostrandes des Grazer Beckens nach Radkersburg (Religo von Hohenberg gründet an dieser Straße den Ort Gillersdorf) sowie einer nach Norden (Grabenstraße) ab.
Guntarn (St. Leonhard) ist im Besitz von Gunther, dem Markgrafen an der Sann. Danach 1158 gelangen die Besitzungen an das Srift Vorau, später an die Kommende des Deutschen Ritterordens.
Der Ahnherr der Stubenberger, Wolfber-Wulfing, der in den Jahren 1125/28 vom Markgrafen Leopold dem Starken ausgedehnte ungerodete Gebiete am Südhang des Masenberggebirges geschenkt bekommen hat, errichtet beim heutigen Pöllau um 1130 sein Herrschaftszentrum und beginnt von hier aus die Urbarmachung des Landes.

1130

Als Otokar III. mündig wird, übernimmt er die Verwaltung der Mark und ist von Anfang an bemüht, seine Herrschaft durch ein Zusammenführen der dichter besiedelten Traungauer Gebiete im Norden mit den ungrodeten Teilen des Südens zu festigen, indem er weiteren Geschlechtern Ländereien für ihren Übertritt in die Ministerialität übereignet. Der Hochfreie Dietmar, Sohn Hartwigs von Reiding, erhält Murau und Judenbrug, wo er sich die Burg Liechtenstein erbaut und damit zum Ahnherrn der Liechtensteiner wird. Hartnig, der Sohn Ernsts von Traisen, bekommt einen Besitz am Traunsee und nennt sich Hartnid von Ort. Swiger tritt mit Gösting in die Ministeralität. Die Stahemberger und Emmenberger erhalten das Land von Pitten. 1139  

Adalram von Feistritz-Waldeck aus dem Geschlecht der Herren von Traisen stiftet in Friesach in Gegenwart der Bischöfe Reginbert von Brixen und Roman von Gurk sowie vieler adeliger Zeugen, darunter auch Udalrich von Graz-Dunkelstein, die Abtei .Seckau in St. Marein bei Knittelfeld und übereignet sie der Kirche von Salzburg. Grund dafür war der Totschlag an seinem Vetter Adalbero († um 1138), der mit seiner Frau Richinza Ehebruch begangen hatte. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz folgt Adaram einem Hirsch im Wald. Als er während einer Rast unter einem Baum einschläft, erscheint ihm die hl. Maria und ruft: "Hic seca!" (Hier fälle!). Und tatsächlich findet er unter dem umgeschnittenen Baum ein steinernes Marienbild, das heutige Gnadenbild von Seckau. 1142 wird das Stift nach Seckau verlegt.
In der diesbezüglichen Urkunde vom 10. Jänner 1140 wird der Hochfreie Udalrich von Graz-Dunkelstein als "Udalrich de Grace" erwähnt; es ist dies der erste sichere Nachweis des Namens Graz. Als "prefectus" der Burg ist er von 1146-64 der erste wirkliche Besitzer des Grazer Bodens.

An der Grenze der Steiermark zur Ostmark lässt Markgraf Otakar III. bei Piesting die Burg Starhemberg erbauen.

Der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1075-1147) lässt zur militärischen Absicherung des Landes gegen die Ungarn neben den Festen in Pettau und Deutschlandsberg den bereits bestehenden Wachturm in Leibnitz zu einer Burganlage (Seggauberg) ausbauen.

1140 Seckau
Burg Starhemberg
Die auf einem 200 Meter hoch emporragenden, bereits vor rund 6000 Jahren besiedelten Basaltkegel gelegene und urkundlich erstmals 1138 als "Ruotkerspurch" (Burg des Rüdigers) genannte Riegersburg befindet sich um 1140 im Besitz des Hartnid von Traisen-Ort, der sich damals "von Riegersburg" nennt. Seine Tochter heiratet den angesehenen Ministerialen Richer von Hengist (1130-1168). der von Markgraf Otokar III. mit der teilweise dem Erzstift Salzburg gehörenden Hengisburg belehnt wird und durch die Heirat jetzt zum Ahnherr der Riegersburg-Wildonier wird. Seine Söhne Hartnid, Herrand und Richer verlegen dann aber ab 1147 ihren Hauptsitz wieder auf die Burg Wildon und nennen sich "Herren von Wildon". 1142

Udalrich I .der Ältere von Graz-Dunkelstein (Udalricus de Donchensteine 1146 bis 1164), Ahnherr des fränkisch-allemannischen Geschlechtes der Udalrichinger in Graz, ist zusammen mit seinem Vater, Hadmar vom Ennstal, ein Ministeriale von Bernhard von Stübing und wird als Befehlshaber der Burg Graz in einer Urkunde Markgraf Otakars III. als "Udalrich de Grace" und "prefectus urbis Grace" genannt. Als Burgherr von Graz verfügt er über Besitzungen in Graz, Wildon, Mureck, Glaneck, Neumarkt, Niederwölz, seine Familie über Besitztümer in Traboch, Trofaiach, St. Benedikten im Seckauer Becken, Prethal bei Bruck, Afram und Ragnitz bei Wildon.
Sein Bruder der Kreuzfahrer Heinrich von Dunkenstein (Henricus de Donchinstaine, NÖ.), ebenfalls ein Ministeriale des Markgrafen Otakar III., nimmt am 2. Kreuzzug teil und widmet am 16. Juni 1146 dem Kloster Rein zu seinem Seelenheil eine Hube in „Subellendorf“ und seine Höfe in Weikersdorf (bei Wiener Neustadt) mit dem Vorbehalt, dass seine Nichte Gertrudis diese bis zu ihrem Lebensende nutzen kann.

Nachdem der Traungauer Otokar III. als Verbündeter des Bischof Heinrich I. von Regensburg mit seinen Traungauer Mannen im Kampf gegen den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott Österreich verwüstet, werden die Streitenden am Hoftag in Regensburg von König Konrad III. aber wieder versöhnt und begleten beide den König am 2. Kreuzzug (1147-1149).

1146

Auch der Spanheimer Bernhard, Graf von Marburg udn Begründer von Viktring, nimmt am 2. Kreuzug teil udn setzt sein einstiges Mündel, Otokar III., für den Fall seines Todes zum Erben ein. Als er tatsächlich bei Laodicea in Kleinasien in einen Hinterhalt gerät udn stirbt, fällt sein ganzer Besitz und seine Ministeralen an Markgraf Otokar III., darunter die Marken an der Drau und im Sannwald, die Herrschaften Marburg, Lembach, Radkersburg, Tüffer, Haidin, Dranneck (Traun) undTrixner, die Vogteien St. Paul, Viktring und Pettau sowie verschiedene Lehen in Aquileia. Otokars Machtbereich erstreckt sich jetzt südwärts bis zur Drau, Sann unjd Save und sogar in das Gebiet von Krain.
Dem Stift Rein spricht Otokar III. das Abbaurecht für Salz am Ahornberg bei Altaussee zu.

Dietmar I. von Graz (1147), Stammvater der Ministerialiengeschlechter der Trennsteiner u. Ehrenfelser, beherrscht mit seinen Besitzungen östlich und südöstlich des "mons Sekkel" (Schöckels): Paldungesdorf, Diepoldsberg am Schöckl und Göttelsberg bei Weiz die Straße von Graz nach Hartberg.
Erstmals wird in einer Urkunde des Stiftes Rein der 1445m hohe "mons Sekkel" (slaw. "cegl"= allein. Schöckl = allein stehender Berg) urkundlich erwähnt. Der Hausberg der Grazer gilt aufgrund seiner mächtigen Gestalt als sagenumwobener steirischer Blocksberg, auf dem sich die Wetterhexen treffen. Als natürliches Bollwerk spielt er eine bedeutende Rolle gegen alle Feinde aus dem Südosten, so zB. als Kreidfeuerstation.

In Graz wird das Bestehen eines kleinen Gassenmarktes im ersten Sack sowie erste Erwähnung eines Kaufmannes namens Witelo urkundlich bestätigt.

1147 Ehrenfels

Als der Besitzer der Herrschaft Graz, Bernhard von Stübing, stirbt, seine beiden Söhne Konrad "Henne" von Feistritz und Adalram 1151 wegen angeblichen Hochverrats enthauptet werden und der dritte Sohn Udalrich von Graz ins Kloster Seckau eintritt, wird der riesige Besitz von Markgraf Otakar III. eingezogen. Das Gebiet reicht vom Schloßberg bis nach rapam (St. Ruprecht an der Raab). Der Ort Andorf (Erbindorf, iuxta Rabam fluuium sitis) ist im Besitz des Klosters Seckau. Otakar III. übernimmt auch die Ministerialen der Aribonen. Seine beiden Gefolgsmänner, Hadmar vom Ennstal und dessen Sohn Udalrich von Dunkelstein, sorgen mit der Errichtung der neuen oberen Burg auf dem Schloßberg, dem Meierhof, der ältesten Marktsiedlung unter der Burg (Freiheitsplatz), der Eigenkirche St. Ägydius (Domkirche), der Anlegung eines zweiten Marktes mit dem Hauptplatzes (1160) sowie von "Harmsdorf" (Althallerschlößl), eines eigenen Herrenhofes, für den weiteren Ausbau von Graz zu einem neuen Herrschaftszentrum. Der Markt im Zentrum der Altstadt ist nach dem bairischen Muster einer Ackerbürgerstadt angelegt, deren profane Hofstätten ein Vorder- und Hinterhaus besitzen, welche durch einen schmalen Flügen, die Stallungen, verbunden sind, während sich die Pfarrkirche St. Ägydius als umwehrtes Kirchenkastell außerhalb der Stadtmauer befindet und die Bettelorden bei den Stadttoren siedeln (die Franziskaner beim Murtor, die Dominikaner beim Eisernen Tor).

Otakar III., der als Markgraf von Steier bereits den Panther in seinem Wappen trägt, erwirbt durch Erbschaften weitere riesige Gebiete, sodass sein Herrschaftsbereich schließlich von der Donau bis zur Save reicht.

1151

Am Reichstag wird Otokar III. zum Vogt des von Adalram von Feistritz-Waldegg gegründeten Stift Seckau eingesetzt und nimmt anschließend im Gefolge von Kaiser Friedrich I. Barbarossa an dessen erstem Italienfeldzug teil. 1152  
Der muslimische Georgaf und Kartograf Muhammad al-Idrisi (1100-1165, أبو عبد الله محمد بن محمد بن عبد الله بن إدريس الإدريسي) bereist als Jugendlicher ganz Europa und berichtet in seinem Werk „Reise des Sehnsüchtigen um die Horizonte zu durchqueren“ unter anderem über eine Stadt Stadt Akrizaw, die am Ende des Berges Dschuá (Graz am Fuße des Schöckls) liegt. 1154

Markgraf Otokar III. von Steier begleitet König Friedrich I. Barbarossa zu dessen Kaiserkrönung nach Rom.

Erzbischof Eberhard I. von Salzburg schenkt das ganze Zehent zwischen der Pinka und Lafnitz dem Kloster Admont.

1155

Kaiser Friedrich I. Barbarossa erklärt 1156 auf dem Reichstag von Regensburg die bis dahin zum Herzogtum Baiern gehörende "Marcha austria" (Mark Österreich) zu einem selbständigen Herzogtum und belehnt damit den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott (1107-77) und dessen Frau Theodora. Die darüber ausgestellte Urkunde, das sogenannte "Privilegium minus" enthält eine Reihe von Sonderrechten, wie die Erblichkeit der Herzogwürde und die weibliche Erbfolge.

Otakar III. gelangt durch den Eintritt des Hochfreien Udalrich von Graz (der jüngste Sohn Bernhards von Stübing) in das Stift Seckau in den Besitz von dessen Gütern auf Grazer Boden und geht nun daran, der Marktanlage um den Grazer Hauptplatz den Straßenmarkt des 1. Sackes anzufügen und seiner Mark ein neues Zentrum zu geben.

Ein Gräberfund aus 2010 im Keller der Grazer Burg zeigt, dass auch außerhalb der Friedhofsummauerung der Ägidiuskirche Menschen bestattet werden. Die Anordnung und die Verletzungen der 18 Skelette (4 Kinder, 8 Männer, 6 Frauen) lassen darauf schließen, dass es sich bei den Toten um Opfer von Gewalteinwirkungen und bei Seuchen Verstorbener handelt, die vielleicht einer elitären Gesellschaftsschicht angehören und gesondert begraben wurden.

1156 Graz Burg Graz Burg Grazer Burg
Nachdem ein Streit um die Schenkung von 100 Huben durch Kaiser Konrad II. an seine Schwägerin Beatrix von Erzbischof Eberhard von Salzburg zugunsten des Stiftes St. Lambrecht entschieden wird, kommt es zur Teilung zwischen dem Pfarrgebiet Mariazell und der Herrschaft Aflenz. Im Auftrag des Abtes Otker von St. Lambrecht kommt ein Mönch namens Magnus mit einer aus Lindenholz geschnitzten Marienstatue in die Gegend um Mariazell, um hier als Seelsorger für das ansässige Hirtenvolk zu sorgen. Nahe seinem Ziel versperrt ihm ein Felsen den Weg. Magnus wendet sich hilfesuchend an die Muttergottes und sogleich spaltet sich der Felsen und gibt den Weg frei. Am Ziel angekommen, stellt er die Marienstatue auf einen Baumstrunk und errichtet darüber eine kleine Holzkapelle, die bald zum geistlichen Mittelpunkt der ganzen Gegend wird. Aus "Maria in der Zelle" entwickelt sich der Name Mariazell und die Marienstatue wird wird zum verehrten Gnadenbild der "Magna Mater Austriae". In diesem Sinn errichtet um 1200 Heinrich Vladislav I., der Bruder König Ottokars I. von Böhmen, zum Dank an seine Heilung von der Gicht eine Steinkirche und König Ludwig I. von Ungarn opfert sein kostbares Marienbild, mit dessen Hilfe er 1364 ein übermächtiges türkisches Heer besiegen konnte. 1157
Bei der Eroberung von Mailand fällt mit Graf Ekbert III. von Formbach-Neuburg der letzte seines Hauses und die Herrschaft Pitten von Mürzzuschlag bis zur Piesting geht ebenfalls an Markgraf Otokar III. 1158  

Die durch Otakar III. übernommenen Ministerialen der Aribonen, Hadmar vom Ennstal und und dessen Sohn, Burggraf Ulrich von Graz-Dunkelstein, sorgen mit der Anlegung eines zweiten Marktes mit dem Hauptplatzes (1160) sowie von "Harmsdorf" (Althallerschlößl) für den weiteren Ausbau von Graz als neues Herrschaftszentrum.
Am rechten Murufer entsteht ein großer ländlicher, erzbischöflicher Pfarrsprengel (von Gösting bis nach Premstätten), im Osten die landesfürstliche Stadtpfarre Graz (von St. Veit bis Fernitz).

Erstmals taucht auf dem Schild von Markgraf Ottokar III. der Panther als religiöses Sinnbild des auferstandenen Christus als Wappentier auf und wird damit zum Vorläufer des steirischen Wappens.

Unter Otakar III. 1160 auch Ausbau des Weges über den Semmering mit der Gründung eines Hospizes für Pilger, Kreuzfahrer und Kaufleute in Spital am Semmering.

Otto von Stubenberg, der Stammvater dieses aus Pitten stammenden Geschlechtes, lässt bei Stubenberg am See in der Oststeiermark die Burg Stubenberg - nach ihremerstmals 1375 urkundlich erwähnten Besitzer dann Burg Neuhaus genannt - als Lehen errichten. Auch die Burg Kapfenberg (Chaffenberch = Burg am Ausschauberg) wird von dessen Geschlecht erbaut und nach der Zerstörung der Burg Stubenberg 1268 durch Přemysl Ottokar II. zum neuen Wohnsitz.

1160

Aus Freude über die Geburt seines Sohnes stiftet Markgraf Otokar III. dem Salzburger Erzbischof seine von Graf Ebert III. von Formbach-Pitten geerbten Besitzungen in Vorau, darunter die Eigenkirche St. Thomas zur Gründung des Chorherrenklosters Vorau. Erster Propst wird der bisherige Dechant von Seckau, Leopold von Tragöß.
Unter den Buchbeständen der 415 Handschriften, 206 Inkunabeln und 40000 Druckwerken findet sich die um 1140 unter dem zweiten Propst Bernhard entstandene Texthandschrift Codex 276 "crônicâ" (Kaiserchronik), welchein 30000 Versen die Geschichte von Caesar bis zum römisch-deutschen König Konrad III. erzählt.

1163 Vorau Markgraf Otakar III.

Graz wird erstmals als Markt genannt.
Der Traungauer Markgraf Otakar III. schenkt dem Zisterzienserstift Rein drei Hofstätten unter der Grazer Burg zur Errichtung eines Stiftshofes, der "Reinerhof" (Sackstraße 20) wird gebaut. Er ist als ältestes Haus und erstes Kaufhaus von Graz urkundlich nachweisbar. In der Urkunde wird deutlich zwischen "suburbanum castri" (alte Marktanlage in der Sackstraße) und dem "forum" (neue Marktanlage am Hauptplatz) unterschieden.

Im Gau Gonobitz (Slovenska Konjice) in Seitz (Žiče) in St. Heinrich am Bachern (Sveti Areh na Pohorju) stiftet Otokar III. für den Kartäuserorden eine Kartause mit dazugehörigen Jagdgründen, die welche mit Mönchen aus der Grande Chartreuse von Grenoble besiedelt wird. Die Grabplatte des Fürstengrabes zeigt eine ganzfigürliche Darstellung seines hier begrabenen Sohnes Markgraf Otokar IV. / Herzog Otokar I.

Otakar III. tritt dann einen Kreuzzug ins Heilige Land an, verstirbt aber 31.12.
1164 auf der Durchreise bei Fünfkirchen in Ungarn.
Da
der ihm nachfolgende Sohn Otakar IV. (1163-92) erst ein Jahr alt ist, führt seine Mutter Kunigunde von Vohburg bis zu seiner Volljährigkeit 1180 die Regierungsgeschäfte.

1164
Kaiser Friedrich I. Barbarossa hält sich im Zuge der Verfolgung von Erzbischof Adalbert II. von Salzburg in Leibnitz auf. 1170  
Der junge Markgraf Otakar IV. hält in in Graz, das als "forum" (Markt) bezeichnet wird, einen großen Hoftag ab. Der Pfarrer der St. Ägidenkirche ist gleichzeitig auch sein Hofkaplan. 1172  
Die früheste Bezeugung der Ägydenkirche des Marktes Graz findet sich in einer Schenkungsurkunde Markgraf Otachers an das Stift Seckau: „actum in foro Grazze in ecclesia sancti Egidii“ im Jahre der Fleischwerdung des Wortes, am 17. Februar 1174, seitdem die Ägidiuskirche Sitz der Pfarre ist. 1174  
Im Kampf um die Eypansion Österreichs nach dem Westen (Traungau) und nach dem Süden (Grafschaft Pitten) stehen sich die Babenberger Heinrich II. Jasomirgott und die Traungauer Otokar IV. kriegerisch gegenüber und verwüsten gegenseitig deren Landstriche. 1175  
Ruderus de Planchenwarten wird urkundlich erwähnt. 1179  

Auf dem Reichstag zu Regensburg am 13. Juli 1180 wird der 17-jährige Otokar IV. von seinem Onkel Friedrich I. Barbarossa für volljährig erklärt und durch die Entgegennahme des Fahnenlehens zum Herzog Otakar I. der "terra ducis Stiriensis" erhoben. Die karantanische Steiermark wird von Baiern getrennt und in den Rang eines Herzogtums erhoben; einen gemeinsamen Namen aller Landschaften gibt es aber noch nicht und so wird die „terra ducis Stirensis” auch als "marchionatus Styriae", "Marchia Stirie”, "Stirenmarch”, "Stiremarke", "Stire", "Stirelant", „Steir”, „Steierland” oder „Steiermark” bezeichnet. Otokar IV. / Herzog Otokar I. sichert die Grenz gegen Ungarn durch den Bau von Burgen ab, grübdet die Stadt Fürstenfeld und baut Graz weiter als Residenz aus, wo sich der steirische Panther auch im Stadtwappen von Graz wiederfindet.

Der steirische Ministerale "Mengor de Chirchowe" erwähnt einen "Mansen in loco dicitur Steinvoelt" (St. Egyden im Steinfeld).

1180

Otakar.IV. 1173.Otakar.IV. Herzoghut

Mit Heinrich I. scheint erstmals ein Pfarrherr in Graz auf: "Plebanus Henricus de Graece" (1181-1224). 1181  

Der Udalrichinger "burggravius de Graece", Otaker I. de Graz (bis 1215), und der "castellanus de Graez", Otto I. von Graz, aus dem Geschlecht der Grazer Dietmare, sind die gemeinsamen Burgherren auf dem Schloßberg. In dieser Zeit wird die romanische Rundkirche, die St. Thomaskapelle erbaut.
Erstmals wird die Ortschaft Guntarn (st. Leonhard in Graz) genannt.

1185 Thomaskapelle Thomas-Kapelle
Am 17. August 1186 schließen der kinderlose und schwer kranke Traungauer Herzog Ottokar I. von Steiermark (Otokar IV.) und der Babenberger Herzog Leopold V. von Österreich auf dem Georgenberg in Enns einen Erbvertrag, die Georgenberger Handfeste, in welchem vereinbart wird, dass nach Ottokars Tod der Herrscher Österreichs auch in der Steiermark herrsche, dass also beide Herzogtümer für immer ungeteilt bleiben.
Das Wappen der Stadt Enns erinnert an diesen Vertrag: oben mit dem silbernen, rot gewaffneten, wachsenden Panther auf grünem Grund der Otokare, unten das Weiß und Rot an den Bindenschild der Leopolde.
1186 Georgenberger.Urkunde Georgenberger.Handfeste
Graz wird erstmals "civitas" (Stadt) genannt. Die Stadtrichter siegeln ihre Schriftstücke mit dem Wappen des Traungauer Panthers.. 1189
Im August 1190 brechen steirische Ritter mit Herzog Leopold V. zum Dritten Kreuzzug ins Hl. Land auf, wo bei Erstürmung der Stadt Akkon durch Leopolds blutgetränkter Waffenrock, durch den breiten Schwertgurt abgedeckt, um die Taille ein weißer Streifen frei bleibt, was zur Enstehung des rot-weiß-roten Bindenschildes führt, die Fahne Österreichs wird geboren. Auch kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen Herzog Leopold mit dem englischen König Richard Löwenherz, weil dieser eine österreichische Fahne von einem erstürmten Tumr herunterholen lässt und Leopold von der Beute ausschließt. Leopold lässt deshalb Löwenherz auf dessen Rückweg durch Wien auf der Burg Dürnstein gefangen nehmen und erst gegen ein Lösegeld von 150000 Kölner Mark Silber wieder frei, womit er später an der östereichisch-steirischen Grenze die Stadt Wiener Neustadt erbauen lässt.
1190

Als Herzog Otakar I. 1192 29-jährig stirbt (von Seitz werden seine Gebeine nach Rein, die Grabplatte nach St. Heinrich am Bachern gebracht), folgt ihm Herzog Leopold V. der Tugendhafte gemäß den Vereinbarungen der Georgenberger Handfeste nach. Er wird zu Pfingsten am Hoftag in Worms von Kaiser Heinrich VI. mit dem Herzogtum Steyer belehnt und damit der erste gemeinsame Regent des Länder Österreich-Steiermark. Dieser feiert als neuer Landesherr noch im selben Jahr im Juni den ersten Hoftag in Graz, wo er auf dem Platz vor der Pfarrkirche St.Aegiden auf einem Speer das Wappenschild von Österreich und Steier aufrichten lässt und unter freiem Himmel allgemeines Gericht hält. Zu seiner Zeit wird das der hl. Katharina geweihte Kirchlein an der Friedhofsmauer von St. Ägid gebaut, ein romanischer Rundbau, der auch als Karner bzw. Beinhaus dient.

1192

Leopold.V. Steiermark

Im Herbst beruft Herzog Leopold V. in Fischau eine Ministerialenversammlung mit dem Ziel ein, im siedlerleeren Gebiet zwischen Österreich und der Steiermark auf dem Steinfeld eine befestigte Stadt (Wr. Neustadt) zu gründen.

Bei einem Turnier in Graz stürzt Leopold V. vom Pferd, bricht sich den Knöchel und verstirbt am 31. Dezember 1194 an den Folgen der mit einem Jagdmesser durchgeführten Amputation an einer Blutvergiftung. Sein Leichnam wird zur Beerdigung in das Stift Heiligenkreuz überführt.
Entgegen den Bestimmungen wird die Herrschaft unter seinen Söhnen nun wieder aufgeteilt: Friedrich I, der Katholische, erhält das Herzogtum Österreich (heutiges Nieder- und Oberösterreich), Leopold VI., der Glorreiche, übernimmt die Steiermark.

1194

Tummelplatz

Mit der Verleihung des Marktrechtes an Graz durch die Babenberger Herzöge Friedrich I. und Leopold VI. besteht das besondere Privileg, einmal im Jahr einen Jahrmarkt abhalten zu dürfen. So wird der Egydimarkt, der seinen Ursprung im Grazer Kirchtag hat, bis zum Jahre 1414 nur am Festtag des Schutzpatrones der Kaufleute, der Kirche und der Stadt, des hl. Ägidius am 1. September am Marktplatz (Hauptplatz) und in der Bürgergasse (Herrengasse) abgehalten. Diese Recht wird in der Folge auch für andere steirische Märkte zum Vorbild (zB. 1281 in Kindberg)

In der östlichen Randlage vom Markt Leoben wird die Filialkirche Nennersdorf (auch St. Lambrecht zu "Schaletitz") der Mutterpfarre St. Michael erwähnt.

1195  
Herzog Friedrich I. hält in Graz einen allgemeinen Gerichts- und Hoftag ab. 1196  

Als schließlich auch Herzog Friedrich I. der Katholische auf der Rückreise vom Kreuzug Kaiser Heinrich VI. aus Palästina stirbt, werden beide Herzogtümer, Österreich und die Steiermark, wieder unter einem Herrscher, nämlich seinem jüngeren Bruder Leopold VI. dem Glorreichen (1176-1230) vereint. Vom Geschlecht der Hohenburg-Wildberger übernimmt er das rot-weiß-rote Bindenschild, das zum Wappen Österreichs wird. Zusätzlich erwirbt Leopold VI. weitere Lehen, sodass sich sein Herrschaftsbereich von Wels über das Mühl- und Waldviertel und Wiener Becken bis nach Portenau (Portenone) erstreckt. Er fördert den Handel (vom Rhein nach Byzanz) und die Zünfte, das Bürgertum und die städtische Kultur. Sein Hof in Wien ist als Zentrum des Minnesangs bekannt, an dem auch Walther von der Vogelweide und Ulrich von Liechtenstein wirken. Auch das Nibelungenlied könnt möglicherweise hier geschrieben worden sein.

1198
Schon das Siegel des Landmarschalls, Herrand I. von Wildon, zeigt den von einem Marschallstab und drei grünen Seeblättern unterlegten Panther des Familienwappens des Ministerialiengeschlechts der Wildonier. Herrand ist ein Sohn des Richer von Hengist-Wildon und der Tochter des Harand von Traisen, die am Zweiten Kreuzzug (1147-49) teilgenommen haben. Sein Schwiegervater Luitpold stirbt während des Dritten Kreuzzuges. 1191 wird Herrand I. als Truchsess des steirischen Herzogs genannt. Er fördert den Eintritt des Joanniterordens in die Steiermark. 1199
Durch Leopold VI. Erbauung der Rundkapelle St. Kunigund bei einer Gerichtsstätte auf dem "Hugel Lee bei Graz" samt ummauerten Friedhof. Ihre Entstehung und ihr Patrozinium wird mit dem Kult um die hl. Kunigunde, der von Papst Innozenz III. heilig gesprochenen Frau des bairischen Herzogs Heinrich IV. und späteren Kaiser Heinrich II. aus der Linie der Liudolfinger sowie der Übertragung ihrer Gebeine in den Bamberger Dom 1201 in Verbindung gebracht, als plötzlich ein Stummer wieder sprechen kann. 1202 Leechkirche
Einer der bedeutendsten Grazer Pfarrer, Heinrich I. (1181-1224), wird als Kaplan von Herzog Leopold VI. erwähnt („sacerdos de Graeze“). 1203  
Zwischen Erzbischof Eberhard II. von Salzburg und Herzog Leopold VI. von Österreich und Steier wird vertraglich das Patronatsrecht für die steirischen Landesfürsten festgelegt: Der Erzbischof behält sich die völlig freie Verleihung von Pitten, Walterdorf und Radkersburg, verzichtet aber auf das Patronatsrecht über die Pfarren Lanzenkirchen, Hartberg, Graz, Riegersburg und Straden, womit die Grazer Pfarre landesfürstlich wird. Das erlaubt - wie schon früher - dem Landesherrn als Erbauer und Eigner von Kirchen auch die Bestellung von Pfarrern mit ihren Günstlingen. Nach alter Sitte sind diese Pfarrer gleichzeitig auch die Kanzleivorstände der steirischen Markgrafen und Herzöge.
Demnach spielt der aus dem Zisterzienserstift Zwettl kommende Pfarrer Heinrich, der erste der Grazer Ägidiuskirche, auch eine bedeutende Rolle in der herzöglichen Kanzlei; sein Pfarrgebiet ist das ganze linke Murufer, von Weinzödl bis zum Hühnerberg.
1211

Herzog Leopold VI. beteiligt sich am Albingenser Kreuzzug.

In einer am 13. Mai 1212 ausgestellten Schenkungsurkunde an Ulrich I. von Peggau (ab 1237 Graf von Pfannberg) wird der Ort "Sembriach" erstmals erwähnt.

1212 Semriach

Unter Herzog Leopold VI. wird in den Jahren von 1214 bis 1223 Graz, das sich aus der ehemaligen Marktsiedlung um zwei Drittel vergrößert hat, zum ersten Mal richtig ummauert. Die Mauer verläuft auf halber Höhe der Westseite des Schloßberges, führt dann steil herunter zum Reinerhof und weiter, unterbrochen durch das innere Murtor, über das Franziskanerkloster zum Reckturm (Kalchberggasse/Raubergasse) am südlichen Stadtende. Von hier aus quert der Mauerverlauf die Schmiedgasse und führt über das Judenviertel zum Dominikanerkloster am Tummelplatz. Über das Burgtor und das innere Paulustor folgt sie der alten Stadtmauer dem Schloßberg hinauf zum Uhrturm.

Ein Albertus wird als "judex" (Stadtrichter) ernannt, der den Vorsitz im Stadtgericht führt und die Stadtgeschäfte koordiniert.

1214
Wolfram von Eschenbach beschreibt in seiner Parzival-Dichtung, dass Gahmuret bei seiner Rückkehr aus dem Ausland wieder sein väterliches Wappen annahm: "Daz pantel, daz sin vater truoc, von zobele uf sinen schilt man siuc", wobei der Dichter Parzivals Vater Gandin in Beziehung zu dem "lant genennet Stire" bringt. Noch deutlicher beschreibt der bairisch-salzburgerische Dichter Pleier in seinem Artusroman "Garel von dem blühenden Tal" um 1230 den Schild dieses Ritters Garel, einem Vetter von Parzival und Enkel vonKönig Gandin ("dem diengt Stire daz lant"): "Sines schildes dach war hermin, diu buckel diu gap liehten schin von tiuren edelen steinen grozen unde kleinen, ouch fuort der degen milte uf dem hermin schilte von schwarzem zobel ein pantel" (zu sehen im Garel-Freskenzyklus auf der Burg Runkelstein bei Bozen, um 1392) 1215
Leopold VI. der Glorreiche, Herzog von Österreich und der Steiermark, nimmt 1217 bis 1219 am Kreuzzug von Damiette teil 1217  
Mit der Erlaubnis von Papst Honorius III. gründet der Salzburger Erzbischof Eberhard II. das Bistum Seckau, das damit nach Gurk (1072) und Chiemsee (1215) das dritte Salzburger Eigenbistum wird. Die weltliche Bestätigung erfolgt durch König Friedrich II. in Nürnberg, der dem Propst von Friesach und Maria Saal als neuem Bischof Karl I. die Würde eines Reichsfürsten verrleiht. Das Territorium des Bistums umfasst lediglich einen schmalen Streifen von Seckau über das Murtal und die Stubalpe in das Kainachtal und zur Mur bei Wildon mit insgesamt 13 Pfarren. Die Seckauer Bischöfe residierten von Anbeginn weg nicht im Augustiner-Chorherrenstift Seckau, sondern auf Schloss Seggau bei Leibnitz und fallweise auch in Graz. 1218 Gründung Bistum Seckau
Herzog Leopold VI., der Glorreiche, hält in Graz einen großen Hoftag. 1221 Leopold VI.

Herzog Leopold VI. hält 1224 „iuxta capellam sancte Chunegundis“ und 1227 „in ecclesia sancte Chunegundis“ in der Leechkirche Gericht.

Der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein kommt in Begleitung seines Knechtes nach Graz, um sich seine von einer Hasenscharte verunstaltete Oberlippe operieren zu lassen: "Da ritt ich hin. Auch er ritt so / nach Graz. Und dort war ich sehr froh / als gleich ich meinen Meister fand / Der war bald dienstbereit zur Hand / un eines Montagmorgens dann / er scharf zu schneiden mich begann / Er wolt' mich binden - ich wollt's nicht / Er sprach: Wird Unglück angericht', / denn rührt ihr euch bloß um ein Haar / wird es euch schaden. Das ist wahr." / Ich sprach: "Ich werde es nicht tun. / Ich bin hierher geritten nun / weil mir mein Übel es gebot - soll ich auch liegen bleiben tot. / ich rühr' mich nicht. Ihr werdet seh'n / Mag mir's auch noch so weh ergeh'n." / Die Furcht war wirklich nicht so schlimm / Ich saß auf einer Bank vor ihm / mit einem Schermesse darauf / schnitt er mir meinen Mund dann auf / Ober den Zähnen schnitt er ab, / was ich ganz still erduldet hab' / Das Schneiden war damit geschehen / und keiner hat mich wanken sehen. / Er hat es meisterlich getan und ich ertrug es als ein Mann / Da schwoll mein Mund mit einem Mal / viel ghrößer als ein runder Ball. / Er ließ der Wunde so ihr Recht / Das sah dann meiner Dame Knecht und sprach zu mir: "Möget ihr genesen, / Dann bin ich gerne hier gewesen."

Gundacker stammt aus der Steiermark und nennt sich nach der Stadt Judenburg "Gundacker von Judenburg". Er ist der Verfasser der religiösen Dichtung "Christi Hort", die über die Leidensgeschichte Christi erzählt.

1224
Im Norden von Graz, westlich von St. Veit am Fuß der Rannach gelegen, befindet sich das zuerst dem Stift Rein, dann dem Stift St. Lambrecht gehörende Stift Niklas "zu Weinzürl", das mit seinem Neubau 1673 durch domenico Sciassia als "Schloß St. Gotthard" bezeichnet wird. 1226

Otto II. von Graz aus dem Geschlecht der Grazer Diertmare erbaut die die Römerstraße kontrollierende Burg Ehrenfels bei St. Radegund und nennt sich ab diesem Zeitpunkt "von Ehrenfels".

Leuthold von Wildon, der Grundherr von Stainz, lässt zusammen mit seiner Gattin Agnes von Liechtenstein im Jahre 1929 am Platz der Kapelle "St. Katherina in der Pirken" am Stainzer Schlossberg ein Augustiner-Chorherrenstift errichten, welches mit Chorherren aus Seckau besiedelt wird. Leutholds Bruder Ulrich, der Bannenträger in der Schlacht von Kressenbrunn, baut die Stiftung aus, worüber auch von seinem Sohn, dem Dichter Herand von Wildonie, in dessen Verserzählung "Der nackte Kaiser" berichtet wird.

1229 Ehrenfels

Neben der ältesten Kapelle von Graz, der Jacobikapelle, Gründung eines Klosters an der "Murpruggen" (heute Franziskanerkloster) durch die Grazer Minoriten.

Friedrich II. der Streitbare (1211 bis 15.6.1246), aus dem Geschlecht der Babenberger, wird nach seinem Vater Leopold VI., der bei einem Vermittlungsversuch zwischen den Hohenstaufer-Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. in San Germano (Cassino) verstarb, Herzog von Österrerich und der Steiermark. Auf seinem Amtssiegel verwendet er als Hauswappen den farblosen Bindenschild aus ungefärbtem Wachs. Auch erhält unter ihm das steirische Wappentier, der Panther, eine Herzogskrone.

Befestigter Gutshof mit ausgedehntem Waldgebiet (Gut Sparbersbach, im 18. Jahrhundert nach Dr. Friedrich Haller "Hallerschloss" genannt) des Siedlungsbeauftragten "Walto" ist Namensgeber für den späteren Bezirk Waltendorf.

1230

Herzog Friedrich II. Stadtsiegel.Graz

Nachfolger des ersten Bischofs von Seckau, Karl I., wird der "Gilgenpfarrer" Heinrich I. der Pernecker (1231–1243), der zuvor in Graz studiert und urkundlich als erster Ägydenpfarrer in Graz genannt wird. Als treuer Anhänger des Babenberger Herzogs Friedrich II. des Streitbaren leistet er diesem wertvolle Dienste bei den Friedensverhandlungen mit Kaiser Friedrich II. 1231

In einer Urkunde von Herzog Friedrich II. wird Graz als „Bairisch Grätz“ bezeichnet, um es nicht mit Windischgrätz zu verwechseln.

Der neu gegründeten  Deutschordenskommende überträgt er etliche Güter, darunter die Kunigundenkirche (Leechkirche) sowie Dörfer bei Gleisdorf und Leibnitz, und verleiht ihr ein besonderes Handelsprivileg, um ungestört auf allen Märkten mit ihren Erzeugnissen zu handeln und so die Konkurrenz aller Nichtbürger auszuschalten.

1233 Windischgraetz Leechkirche Deutsche Ordensgemeinde
Auf dem Weg von Cividale in Oberitalien weilt Kaiser Friedrich II. (1194-1250) vom 24. Dezember 1236 bis 3. Jänner 1237 in Graz, wo ihn die beiden Söhne des steirischen Truchseß Herrand I. von Wildonie, Leuthold I. und Ulrich I., begrüßen und ihm auf dem Weg nach Wien Gefolgschaft leisten. 1234 Friedrich.II.

Der Bamberger Bischof, Ekbert Graf von Andechs-Meranien (1173-1237), wird von Kaiser Friedrich II. im Februar 1237 in Wien zum Vicarius (Statthalter) für Österreich und die Steiermark bestellt, um das Land vom Joch Herzog Friedrichs II. des Streitbaren zu befreien. Als Ekbert aber bereits nach wenigen Monaten, am 6. Juni desselben Jahres, verstirbt, folgt ihm Eberhard IV. (II.), Graf von Eberstein, als Landeshauptmann im Herzogtum Steiermark (1237-39) und kaiserlicher Statthalter im Herzogtum Österreich nach.

Herzog Friedrich II. verleiht Graz das Privileg der Stadtfreiheiten; damit verbunden ist wahrscheinlich auch die Änderung des Wappens: der gekrönte Panther als Wappentier.

Der jüngere Bruder von Udalrich III, Otakar II. "de Graetz", steht als Anhänger von Kaiser Friedrich II. mit Herzog Friedrich II. im Streit und verliert sein Burggrafenamt sowie sein landesfürstliches Lehen, die Burg Helfenstein zwischen Stübing und Gratwein, die Herzog Friedrich vorher selbst zerstört und dann dem Kloster Reun schenkt.

1237 Ekbert Helfenstein

Otto (1239-70), aus dem steirischen Ministerialiengeschlecht der Liechtensteiner (Ottonis de Lichtanstain), wird Pfarrer von Graz.

Im Stadtteil "In der Höll" am linken Murufer, der wegen der ständigen Überschwemmungen nur von den Ärmsten, den Badern und Handwerkern bewohnt ist, begründen die "Minderbrüder" (Minoriten) ein Kloster mit einer Kirche Mariä Himmelfahrt (Franziskanerkirche). In diese älteste Klosterniederlassung von Graz wird beim Bau eine bereits ältere Kapelle sowie die mittelalterliche Stadtmauer mit einbezogen, zumal aus stategischen Gründen ihrer Schutzfunktion wegen alle Stifte und Klöster entlang der exponierten Ringmauer angesiedelt werden.

1239

Als Gefolgsmann von Herzog Friedrich II. scheint der Udalrichinger Otakar IV. zu Graz auf, der nicht mehr Burgherr, aber Pächter der herzöglichen Münze (Münzamt) in Graz ist.

Erzbischof Eberhard II. von Salzburg weilt an seinem Zehenthof, dem Reuner Hof in Graz (heute Sackstraße 18-20). Er ernennt den Schreiber von Herzog Friedrich II. Ulrich I. (Udalricus, 1244-68) zum Bischof des Bistums Seckau. Als Erzbischof von Salzburg (1257-65) wird Ulrich, weil er römische Geldforderungen nicht zurückzahlen kann, dreimal gebannt und suspendiert. Als weiterhin amtierender Sekauer Fürstbischof stirbt er 1268 in Piber.

1243

Herzog Friedrich II., der Streitbare (1211-46), der 1230 seinem Vater Leopold VI. nachfolgt, verstrickt sich immer wieder in Streitigkeiten, so auch mit Kaiser Friedrich II. (1194-1250), der deshalb über die innerösterreichischen Länder die Reichsacht verhängt. Herzog Friedrich II. wird dann aber zum treuen Bundesgenossen des Kaisers. So führen sie Gespräche bezüglich der Erhebung von Österreich und der Steiermark zum Königreich. Da aber Herzogin Gertrud von Babenberg eine Heirat mit Kaiser Friedrich II. verweigert und
Herzog Friedrich II. 1246 in der Schlacht an der Leitha gegen den Ungarnkönig Béla IV. fällt, kommt dieses Vorhaben eines Königreiches nicht zustande.
Unter Herzog Friedrich II. erhält das steirische Wappentier, der Panther, eine Krone.

1245

Ulrich von Liechtenstein (1198 in Judenburg geboren, + 1276) ist nicht nur erprobter Ritter und Minnesänger, sondern bringt es auch als Diplomat zum Truchseß und Landesmarschall von Steiermark. Nach seiner Ausbildung zum Ritter ist er von 1215 bis 1219 Knappe bei Markraf Heinrich von Istrien, bevor er 1223 von Herzog Leopold VI. in Wien zum Ritter geschlagen wird. Drei Burgen nennt er seinen stolzen Besitz: Schloss Murau, die Frauenburg bei Unzmarkt und seinen Lieblingssitz, die Burg Liechtenstein bei Judenburg. Als Komödiant verkleidet, setzt er im Sinne Friedrichs II. seine politschen Kräfte für den Wunsch ein, die Herzogtümer Österreich und Steiermark in starker Hand vereint zu sehen. "hin ze gracz, dar stuant min ger."
In seiner gereimten Lebensbeschreibung "Vrowendienst" bezeichnet er Graz als eine Stadt, in der er gute Wundärzte f
indet, die ihn von seiner Hasenscharte befreien und berichtet, wie er das Waschwasser seiner Angebeteten schlürft oder als Liebesgöttin verkleidet 1237 sein mit politischen Ansichten versehenen 25-tägigen Marsch mit perlengeschmücktem Haar und in kostbaren Frauenkleidern gehüllt von Venedig bis zur böhmischen Grenze an der Thaya antritt. Ein Marschall, ein Koch, fünf weiß gekleidete Knappen und zwei Posaunenbläser begleiten ihn und fordern vorab alle Ritter zum Turnier mit ihm auf, wobei es aber keinem der Gegener gelingt, ihn aus dem Sattel zu werfen. In der 1257 verfassten Minnelehre "De vrouwen puoch" ("Frauenbuch" oder "twitz") beklagt er den Verfall der höfisch verfeinerten Kultur.

Ein Zeitgenosse Ulrichs ist der Minnesänger Rudolf II. von Stadegge (1230-62) aus dem Geschlecht der Herren von Stadeck, die Ministerialen des Herzogs von Steier und Lehensmänner des Erzbischofs von Salzburg sind und deren Stammsitz die Burg Stadeck nördlich von Graz ist, auch "Entritz Amt Aigen" (Andritz) genannt. Seine Brüder sind Ludwig, Abt von Rein, sowie Leudolt I. (1243-92) und Hartnid I. (1292-99), beide Landeshauptmann der Steiermark. Anna Neuhaus, die Witwe des letzten männlichen Stadeckers, Johann von Stadeck (Landeshauptmann, 1396-98), heiratet 1402 den eltzten Minnesänger, Hugo von Monfort, wöhrend gleichzeitig deren Erbtochter Guta von Stadeck mit Motnforts Sohn Ulrich vermählt wird.
Vorn Rudolf von Stadegge sind nur ein Winterlied und zwei Sommerlieder erhalten. Allen gemeinsam sind ausführliche, frische Naturschilderungen.

Burg Liechtenstein Liechtenstein Ulrich von Liechtenstein
In der Schlacht an der Leitha am 15.6.1246 gegen König Bela IV. von Ungarn wird das Pferd von Herzog Friedrich II. dem Streitbaren tödlich getroffen und der darunter zu liegen kommende Friedrich II von den Feinden erschlagen. Über seinen Tod klagt Ulrich von Liechtenstein:" "Es kam ein Tag, den ich immer hassen muß, denn eine geschwinde Sommerzeit erschien, in der der hochgeborene Fürst Friedrich von Österreich jämmerlich erschlagen ward. Nach ihm erhob sich große Not in Steier, mancher ward arm, der vorher reich gewesen, man beraubte die Länder Tag und Nacht, wovon viele Dörfer wüste lagen. Die Reichen nahmen den Armen ihr Gut."
Druch den Tod Herzog Friedrich II. des Streitbaren sterben die Babenberger in männlicher Linie aus und die Herzogtümer Österreich und Steiermark sind verwaist. Sowohl Prinz Ottokar II. Přemysl von Böhmen, als auch der Ungarnkönig Béla IV. beanspruchen die beiden Länder. Kaiser Friedrich II. zieht die beiden Herzogtümer als Recihslehen ein und ernennt Graf Meinhard III./I. von Görz-Tirol (1200-58) zum Statthalter der Steiermark.
1246
Die Böhmen fallen in Österreich, die Ungarn in der Steiermark ein. 1247  
Der 22jährige böhmische König Ottokar Přemysl heiratet mit Zustimmung seines Vaters Wenzel I. und des Adels die 47jährige Margarethe von Österreich, die nach dem Tod ihres Bruders Herzog Friedrich II. Erbin der österreichischen Länder und der Steiermark ist, und wird dadurch "Herzog von Österreich und der Steierrmark". 1251 Margarete
Die Ägidiuskirche wird als Pfarrkirche erwähnt: „actum apud Gretz, in parocciali ecclesia“. 1252  

Im Frieden von Ofen (Stadtteil Buda) werden durch Intervention von Papst Innozenz IV. die Herzogtümer Österreich und Steiermark zwischen den Königen OttokarII. Přemysl von Böhmen und Béla IV. von Ungarn aufgeteilt. Österreich, der Traungau und die Gebiete um Ischl und Pitten werden Ottokar zugesprochen, während Béla die restliche Steiermark erhält und sein Sohn Stephan V. von Agram vom steirischen Adel zum Banus (Markgarfen) der Steiermark bis 1259 gewählt wird. Die Abtrennung des Traungaues von der Steiermark bedeutet gleichzeitig die Geburtsstunde des Landes ob der Enns. (Austria superior).

Otakar von Graz schenkt Bischof Ulrich von Seckau ein Haus bei Graz ("domum meum apud Graetz")

Ein Magister Henricus, der sich "scolasticus" nennt, wird erwähnt.

1254

Es kommt zum Aufstand des steirischen Adels gegen die ungarische Herrschaft. Durch den Sieg von Landmarschall Ulrich von Wildon über König Béla IV. in der Schlacht bei Kroißenbrunn (Groißenbrunn) an der March am 12. Juli 1260, in welcher der alte Wildonier Ultich das steirische Banner mit dem weißen Panther im grünen Feld führt, kann Bélas Herrschaft über die Steiermark beendet werden. In der 100000 Verse umfassenden "Steirischen Reimchronik" des steirischen Dichters Ottokar aus der Gaal vom Geschlecht der Herren von Strettweg findet sich diesbezüglich die erste urkundliche Erwähnung des steirischen Wappens: "... ein abnier gruener als ein gras darin ein pantel swebte blanc, als ob er lebte ..." (Ein Banner grün wie Gras, darin ein Panther schwebte, weiß und frei, als ob er lebte)

Wulfing der letzte Ritter von Gösting hat zwei Töchter: Während die ältere Katharina Ritter Otto von Thal heiratet, kämpfen am 7. August 1260 zwei Ritter um die jüngere Tochter Anna. Als Annas Günstling im Zweikampf getötet wird, stürzt sie sich vom Jungfernsprung in die Mur. Als Wulfing der Leichnam seiner Tochter gebracht wird, erliegt dieser einem Herzschlag. So erlischt das Geschlecht derer von Gösting.

1260

Im Frieden von Wien am 31. März 1261 wird zwischen den Königen Ottokar II. Přemysl von Böhmen und Béla IV. von Ungarn sowie dessen Sohn Stephan V. Friede geschlossen. Ungarn verzichtet auf die Steiermark, wodurch Ottokar wieder in den Besitz der Herzogswürde gelangt. Das Gebiet von Pitten kommt wieder zur Steiermark, Graz wird Sitz eines böhmischen Statthalters, als welchen König Ottokar zuerst Heinrich I. von Liechtenstein und bald danach Wok von Rosenberg als Landeshauptmann einsetzt.

Der Panther im Grazer Stadtwappen trägt eine goldene Laubkrone auf dem Kopf.

Erstmalige urkundliche Erwähnung eines von einer Judenmauer umgebenen Ghettos (Geviert gegenüber der Stadtpfarrkirche um die Frauen-, Jungfern- und Fischer-von-Erlach-Gasse), in welchem 150 Juden leben ("ain haus zu Grecz an der Judengasse). Durch das "Judentürl" in der Stadtmauer Verbindung zum Judenfriedhof ("Judenfreidhof" am Radetzkyspitz).. Von dort stammt auch der im ersten Burghof ein der Wand eingemauerte Grabstein eines gewissen, am 27. Juni 1387 verstorbenen Rabbi Nissim.

1261

   
Nahe der Egydikirche in Graz, in Richtung Burg, wird ein bestehendes Pfarrhaus genannt. 1263  

Graz hat 16 Dörfer mit 249 Gütern.
Unter König Ottokar II. erfolgt die erste steinerne Ummauerung von Graz, wobei das Stadtgebiet um das Minoritenkloster (später Franziskanerkloster) und den Bischofshof bis hin zur Hans-Sachs-Gasse im Süden mit einbezogen wird. Auf dem St. Paulsberg steht der höchste Wachturm der Stadtbefestigung, der Uhrturm, dessen Glocke ("Steir.Horn") das Zu- und Aufsperren der Stadttore verkündet. Die romanische Pfarrkirche St. Ägyd, von einem Friedhof mit eigener Wehrmauerund und der, der hl. Katharina von Alexandrien geweihten Friedhofskirche umgeben, liegt, wie bei vielen mittelalterlichen Städten, aber außerhalb der Stadtmauer. Für den Zugang sorgt ein nördlich der St. Paulskirche situiertes Stadttor (inneres Paulustor) in der Sporgasse; diese ist schon seit der Spätantike Teil einer wichtigen Handelsstraße, der "strata vngarica", welche die Verbindung von der am Westrand des Grazer Beckens verlaufenden Römerstraße zum Osten, Richtung Weiz und Hartberg ermöglicht.
Erstmals wird von Mautstellen in Graz (auf der Murbrücke), Windisch-Feistritz, Frohnleiten (1385) und Wilfersdorf berichtet, die an wichtigen Straßen nach Ungarn, Hartberg und Bruck/Mur liegen.

Bernhard von Plankenwarth wird zum 10. Abt des Zisterzienzerstiftes in Rein ernannt. Er umgeht das Verbot einer Benediktinerregel, einen Turm zu errichten, indem er das Fundament nicht am Boden, sondern als Dachreiter auf der Seitenschiffmauer der Basilika aufsetzen lässt. Dies Konstruktion sorgt auch im 18. Jh. für das sogenannte "Turmwunder", als sich der Turm besorgniserregend neigt, jedoch wieder von selbst aufrichtet. Sein Bruder Dietmar von Plankenwarth stiftet dem Kloster am 24. Februar desselben Jahres für das Seelenheil seiner Gattin Mechthilde einen Weingarten in "Mähren", dem Marwald in der Nähe von St. Bartholomä an der Lieboch. Die darüber in lateinischer Sprache verfasste und mit ungefärbten Bienenwachssiegeln von Dietmar und seinem zweiten Bruder Gundaker versehene Urkunde berichtet auch noch über zwei zusätzlich am Fest von Maria Verkündigung (25. März) und am Magdalenstag (23. Juli) gespendete Sonderessen mit Fisch, Innereien von Biber und Fischotter, Brot, Wein und Krapfen.

Erstmals wird die Höhenburg Plankenwarth urkundlich erwähnt. Berühmteste Bewohnerin ist Emilie Sarah Engelbronner d’Aubigny de Peché, die einer Hugenottenfamilie entstammt, welche im 16. Jahrhundert aus dem katholischen Frankreich vertrieben wurde. 1772 in Kassel als Tochter eines Pastors geboren, wandert sie 1803 nach Indien aus, wo sie in Kalkutta ein Institut für Mädchenerziehung gründet und den britischen Colonel John Peché kennenlernt und dadurch den Titel "Generalin" erwirbt. Aus unbekannter Ursache verschlägt es die Generalin in die Steiermark, wo sie Herrschaft und Schloss Plankenwarth erwirbt. Fortan trifft sich hier die protestantische Elite von Graz, was bei der katholisch-bäuerlichen Bevölkerung ebenso wie das Halten exotischer Tiere und einer indischen Sklavin für Aufsehen sorgt. Am Sterbebett 1849 ehelicht die ihren britischen Colonel und verfügt im Testament, dass sie am Brennkogel zwischen Plankenwarth und Thal begraben werde. Eine einfache Grabplatte mit Holzkreuz erinnert daran.

1265 Inneres Paulustor Uhrturm

Unter den Hofsängern Manfreds von Sizilien, der Lieblingssohnes Kaiser Friedrich II., befindet sich 1266 ein Meister Konrad von Rattenberg, der in diesem Jahr den Untergang Friedrichs miterlebt. Der weitgereioste Mann und begabte Musiker ist Besitzer der um 1000 erichteten Burg Ratinberc bei Knittelfeld und somit Nachbar des Reimvhronisten Otochar von der Geul (aus der Gaal), den er in der Dichtkunst unterrichtet.

Die Egydikirche wird als „maior ecclesia in Graetz“ bezeichnet.

1266  
Als König von Böhmen unternimmt OttokarII. Přemysl von Böhmen zwei Kreuzzüge (1254/5 und 1267/68) zur Unterstützung des Deutschen Ordens, die heidnischen Pruzzen in Ostpreußen zu missionierne, wobei viele steirische Adelige in der Hochwasser führenden Weichsel umkommen und dadurch ein Aufstand gegen ihn ausbricht. Ottokar greift hart durch und nimmt sechs Adelige, darunter Ulrich von Liechtenstein und die Wildoner Brüder Herrand II. und Hartnid III. auf der mährischen Festung Eichhorn fest und lässt sie erst wieder frei, nachdem ihm die Burgen Eppenstein, Gleichenberg und Primaresburg bei Köflach zur Zerstörung ausgeliefert werden. 1268  
Am rechten Murufer gibt es die Pfarre St. Andrä. 1270 Andräkirche
Graz wird in einer Urkunde als „civitas Styriae“, Hauptstadt des Landes bezeichnet.
Der Seckauer Bischof Wernhard kauft das Bischofshaus in Graz, welches sein Nachfolger Bischof Leopold I. mit einer Kapelle ausbaut.
1274
Für die St. Ägidi-Pfarre in Graz ausdrücklich das Begräbnisrecht bezeugt: „apud Graetz in cymiterio sancti Egidii“. 1275  

Graf Meinhard IV./II. (1236-78) von Görz-Tirol besetzt Kärnten, Krain und die Steiermark.

Der steirische Ministeriale und Minnesänger Herrand II. von Wildonie (1245-78) aus der Adelsfamilie der Herren von Wildon und Schwiegersohn Ulrichs von Liechtenstein ("Her Uolrich von Liechtenstein, der ie in ritters eren schein, seit mir dize maere ...") unterzeichnet mit einer Reihe von steirischen und Kärntner Adeligen am 19. September 1276 den "Reiner Schwur", einen historischen Eid im Stift Rein, in welchem dem römisch-deutschen Kaiser Rudolph I. die Treue gelobt und damit das Ende der Herrschaft des böhmischen Königs OttokarII. Přemysl über Österreich vorbereitet wird. Seine Verserzählungen "Der nackte Kaiser", "Die Katze", "Die treue Gattin" und "Der betrogene Gatte" werden im Ambraser Heldenbuch von Kaiser Maximilian aufgenommen und finden weite Verbreitung.
Herrands Bruder Hardnid III. erhält das Marschallamt von Steier.

1276

Im Streit um die Reichsgüter wird König OttokarII. Přemysl in der Entscheidungsschlacht bei Dürnkrug auf dem Marchfeld besiegt und auf der Flucht aus Rache vom Steirer Seifried von Mahrenberg getötet ("König Ottokars Glück und Ende"), nachdem er diesen vorhger in Prag grausam foltern ließ. Mit diesem Sieg wird der deutsche König Rudolph I. von Habsburg (1.5.1218 bis 15.7.1291) sowohl Herrscher von Böhmen und Mähren, als auch über die Herzogtümer Kärnten, Steiermark und Österreich sowie die Markgrafschaft Krain.

In einer Urkunde vom 14.März 1278 gestattet Rudolph dem Deutschen Ritterorden der Kirche St. Kunigund am Leech bei Bairisch-Grätz ein Schulhaus zu errichten udn gibt ihm das Aufsichtsrecht über alle Grazer Schulen.

1278 Rudolf.I. Premysl

König Rudolph I. von Habsburg kommt mit großem Gefolge nach Graz, wo er am 2. Oktober 1279 Gerichtstag hält und den Finanzberater seines Sohnes Albrecht I., den Admonter Abt Heinrich II., zum "scriba Stirie" (Landschreiber) ernennt. Dieser lässt 1280 an der Nordwest-Ecke der mittelalterlichen Stadtmauer der "Admonterhof" errichten, der fortan den Benediktinermönchen als Absteige und Wohnstätte dient. Im Zuge der Errichtung der Stadtbefestigung durch den Festungsbaumeister Domenico dell'Allio erfolgt ab 1555 eine sukzessive Neugestaltung. Es kommt eine Waffenkammer hinzu, West- und Osttrakt werden aufgestockt, ein Refektorium, zwei Schlafsäle und zwei Studierkammern eingerichtet und schließlich unter Abt Matthäus Offner (1751-79) Rokoko-Prunkräume geschaffen.

1279

Ende Mai 1261 sezt Rudolph I. seinen in Rheinfelden geborenen öltesten Sohn Albrecht I. (1255-1308) als Reichverweser in Österreich und der Steiermark ein.

"Vor dem Rathaus stund das von Ottokar dem III., dieses Namens und ersten Markgrafen in Steyer 1074 eingeführte Schrannengericht oder der jetzt sogenannte Magistrat mit seiner roten Blutfahne und in schwarzen Sammt gewickelten Gerichtsschwert, auf dem Platz selbst aber hielt die gesamte Bürgerschaft unter der Anführung des Bürgermeisters eine wohlgeordnete militärische Parade, jeder war mit einem Wurfspieß, Schwert und Schild bewaffnet ...", so wird der Aufzug der wehrhaften Grazer Bürgerschaft im Jahr 1281 bei der Huldigung von König Rudolph I. von Habsburg anlässlich seines Besuches in Graz geschildert. Die Aufgabe des dabei erstmals urkundlich erwähnten Grazer Bürgercorps besteht in der Bewachung der Stadt und ihrer Tore in Friedenszeiten sowie ihre Verteidigung in Not- und Kriegszeiten.
Im Zuge seines Besuches erlaubt König Rudolph I. unter dem Leitgedanken, den ungarischen Handel vornehmlich für Graz zu sichern, den Grazern durch ein Privileg, in jeder beliebigen Stadt kein Mautgeld für ihre Waren zu bezahlen, sofern sie dieser Stadt das gleiche Recht in Graz zubilligen. Zu Gunsten Wiens hob Rudolph I. 1302 diese Mautbegünstigung wieder auf. Auch das Niederlagerecht, das Graz schon seit den Babenbergern ausübt, wird von Rudolph I. bestätigt: Jeder Kaufmann, der das Murtal zu Wasser oder Lande entlang fährt, muss in Graz seine Waren auslegen; er darf sich allerdings nicht länger als 1 Nacht aufhalten. Fährt ein Kaufmann ohne Aufenthalt an Graz vorbei, so verfällt sein ganzer Besitz der Stadt.

1281 Albrecht.I.

Rudolph I. von Habsburg belehnt am Reichtag zu Augsburg seine beiden Söhne, Albrecht I. (1255-1308) und Rudolf II. (1271-1290), zu gemeinsamen Reichsverwesern in Österreich, Steiermark und der Windischen Mark. Kärnten geht an Meinhard II. von Görz-Tirol.

Ritter Otto von Lichtenstein, der Sohn des Minnesängers Ulrich von Lichtenstein, wird als Landeshauptmann eingesetzt.

1282 Herzog Albrecht I. + Rudolph II.
Heinrich II., Abt des Stiftes Admont, wird Landeshauptmann der Steiermark und Minister des Habsburger Herzogs Albrecht I (1282-1298)., der über die Steiermark herrscht. Von diedem erhält er 200 Mark als Geschenk, womit er Güter in Marburg, Friesach und in der Ramsau erwirbt. Auch lässt er den Chor des Münsters Admont neu erbauen.

1285

Leopold I. wird 1283 in Salzburg zum Bischof des Bistums Seckau geweiht und 1286 auf Vorschlag von Meinhard II. zum Landeshauptmann ernannt. Er verfügt über hohen politischen Einfluss und vertritt zumeist die Interessen des steirischen Adels gegen Herzog Albrecht.
Am 2. Jänner 1287 weiht Leopold I. die Johanneskapelle im Grazer Bischofshof; es ist die älteste bezeugte Kirchweihe in der steirischen Landeshauptstadt, wovon auch die ältesten Grazer Fresken zeugen.
1287
Weil Herzog Albrecht I. vom Salzburger Erzstift Dienstleute abgeworben hat, lässt der Erzbischof von Salzburg, Rudolf I. von Hoheneck, Albrechts Länder bannen und fällt im Winter 1289/90 ins steirische Ennstal ein und zerstört die Ennsburg. Der steirische Herzog ist aber militärisch stärker und so muss sich Erzbischof Rudolf geschlagen geben und am 11. Juni 1290 einem Frieden zustimmen. 1289  

Der Bischof von Lavant, Konrad IV. von Fohnsdorf, wird gegen Abt Heinrich von Admont, den Günstling Herzog Albrechts I. von Österreich, vom Papst zum Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Rudolf I. von Salzburg bestellt. Er erichtet am rechten Salzach-Ufer ein Kastell und verbündet sich zur Waffengemeinschaft mit den steirischen Adeligen, dem Deutschlandsberger Bund, welche unter Führung von Hartnid III. von Wildonie gegen den Landverweser Abt Heinrich von Admont zu Felde zieht, weil Herzog Albrecht I. ihnen nicht ihre Landesfreiheiten bestätigt hat. Die Adeligen erleiden eine verheerende Niederlage und Herzog Albrecht lässt Hartnid daraufhin in der Burg Wildon gtefangen nehmen und zwingt ihn am 5. Dezember 1292 am Landtaiding zu Feldkirchen bei Graz sein Burg Wildon udn das Schloss Eibiswald zu verkaufen und zukünftig dem Landesfürstern als Marschall treu zu dienen. Damit geht die Stammburg der Wildonier verloren und ihr Geschlecht verliert seine Bedeutung. Erzbischof Konrad von Salzburg, der seinen Verwandten, den aus einem obersteirischen Rittergescvhlecht stammenden Heinrich II. als neuen Bischof von Seckau einsetzt, liefert sich mit Herzog Albrecht um die Salzpfannen in Gosau weiter einen erbitterten Kampf.

1292
Das Schloss Alt-Grabenhofen, auch Stadlerischer Hof, der Konradinische Linie der Herren von Graben liegt nördlich von Graz, zwischen dem Reinerkogel  und dem Rosenberg (heute an der Ecke Hochsteingasse). Es wird erstmals 1294 als Wehrhof urkundlich erwähnt udn besteht aus einem schlossähnlichen Gebäude, einer Kapelle, einem Steinbruch, einem Teich sowie mehrerer Gärten und Felder. 1294
Beim endlichen Friedensschluss zwischen Herzog Albrecht I. und dem Salzburger Erzbischof Konrad von Fohnsdorf am 24. September 1297 in Wien wird Ulrich II. von Paldau zum neuen Bischof von Seckau ernannt. 1297
Einer der Herren vonh Walsee, Ulrich I. von Walsee, ist ab 1299 Landeshauptmann der Steiermark. 1299 UlrichI.
Herzog Rudolf III. (1298-1306) erlässt am 4. Juli 1302 das Grazer Stadtprivileg. 1302 Herzog Rudolf III. Graz Stadtprivileg

Herzog Friedrich I.,(III.) der Schöne (1306-1330) übernimmt nach dem Tod seines älteren Bruders Rudolf III. (1307) und der Ermordung seines Vaters Herzog Albrecht I. (1308) gemeinsam mit seinem Bruder Leopld I. dem Glorwürdigen (1290-1326), als Friedrich III. die Regierung des Herzogtums Österreich und als Friedrich I. die Regentschft in der Steiermark.

Landeshauptmann Ulrich von Wallsee stiftet vor der Stadt am Grillbühel (am heutigen Platz der Alten Technik) ein Dominikanertinnenkloster.

1308

Herzog Friedrich I. der Schöne regelt durch sein am 14. März 1314 erlassenes "Verlagsrecht für Eisen" den Abbau und die Weiterverarbeitung des Roheisens auf dem Erzberg. Die Ebenhöhe, eine theoretisch gezogene Trennlinie in 1186m Höhe, bestimt, dass der obere Teil des Erzberges vom "vor dem Berg liegenden" Vordernberg erschlossen wird, der untere Teil dagegen von Innerberg (Eisenerz) aus. Der Weitertransport des Erzes erfolgt auf dem Wasserweg mittels Flößen. Für die Talfahrt zum Haupt-Eisenumschlagplatz der Grazer Vorstädte Lend und Gries benötigt man ca. 14 Tage. Retour werden die mit Wein und Getreide beladenen Schiffe auf sogenannten Treppelwegen von bis zu 16 Pferden wieder flussaufwärts gezogen.

Der Franziskanermönch Odorich von Portenau (Odorico da Pordenone) bricht von Venedig aus zu einer 12-jährigen Missionarsreise auf, die ihn über die Türkei, Indien, Ceylon, Sumatra, Java, Borneo und Indochina nach Khanbaliq (Peking) führt, wo er sich 3 Jahre bei Erzbischof Johannes von Montecorvino aufhält. Über Tibet, Zentralasien, Persien und Palästina kehrt er nach Europa zurück und verfasst den Reisebericht "Itenarium Fratris Odorici de Foro Julii, Ordinis Fratrum Minorum, de mirabilibus Orientalium Tartarum" ("Wunderliche Geschichten aus dem Reich der Tartaren, die ich mit eigenen Augen gesehn in den Landen da ich inn gewesen").

1314
Der steirische Chronist "Ottokar aus der Gaal" mit dem Beinamen "von Horeck", Dienstmann Otto II. von Liechtenstein (Sohn des Dichters Ulrich I. von Liechtenstein) beschreibt in seinem fast 100000 Verse umfassenden Geschichtswerk "Chronico Austriaco" bei der Schilderung der Schlacht von Kroißenbrunn erstmals das Wappen der Steiermark: "... ein banier gruene als ein gras, darin ein pantel swebte blanc, asl ob ez lebte ..." Es ist dies die erste urkundliche Erwähnung des steirischen Wappens.
Aus seiner Hand stammt auch das Heldenepos von König Biterolf von Toledo und seinem Sohn Dietleib, die an König Etzerls Hof kommen unhd diesem im Krieg gegen die Preußen
helfen und als Dank dafür von Etzel die Steiermark als Lehen bekommen.
1315
Wocho (1317-34) wird Bischof von Seckau. Sein Fresko in der Pfarrkirche von Pürgg ist die früheste bildliche Darstellung, seine Grabstätte in der Seckauer Kathedrale das älteste Grabdenkmal eines Seckauer Bischofs. 1317
In der Murvorstadt bei der Papiermühle, am Eck der heutigen Annenstraße/Elisabethinengasse stiften die Eppenstein aus Judenbrug eun Hospiz mit dem Namen "hospital ad sanctum spiritum" (auch "Spital in der Au" oder "Spital zu St. Andrä"", später "Bürgerspital", das älteste Krankenhaus von Graz, zur Aufnahme von Kranken, Siechen, Waisen, Witwen, Wallfahrern und verwahrlosten Kindern.
Die dazugehörige Bürgerspitalskirche "Zum heiligen Geist" wird 1461 mit finanzieller Förderung Kaiser Friedrichs III. nach Plänen von Josef Calone neu erbaut und gehört heute der Stadt Graz.
Aufgrund der Schenkung Philipps von Geras 1630 können die Spitalsgründe bis zur Papiermühle am rechtseitigen Mühlgang erweitert Werden.
1320
Gründung der Katharinenkapelle (heute Mausoleum) bei der St. Egidykirche durch Vorfahren des Grazer Bürgers Jakob Gruedl, die als caranrium (Beinhaus oder Karner) dient. 1325  
Albrecht II., der Weise (1296-1358), und sein Bruder Otto IV., der Fröhliche (1301-39), regieren gemeinsam die Herzogtümer Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Albrecht II. verdankt die Steiermark mit dem sogenannten "Bergbüchel" ihre Verfassung, Otto IV, lässt sich als erster Habsburger nach altem Brauch in slowenischer Sprache auf dem "Fürstenstein" am Zollfeld in Kärnten als Herzog einsetzen und stiftet als Gelöbnis seines ersten Sohnes Friedrich I. das Kloster Neuberg in der Steiermark. 1330 Albrecht II. Otto d. Fröhliche
Heinrich von Burghausen, der in Bologna studierte und dort Prokurator der deutsche Nation ist, wird 1334 durch den Salzburger Erzbischof Friedrich von Leibnitz, mit dem er freundschaftliche Beziehungen pflegt, zum Bischof von Seckau ernannt. Nach nur 3-jähriger Regierung stirbt er im Jahr 1337. 1334
Rudolf von Walsee wird Landeshauptmann, Rudmar von Hader, zuvor Kanzler der erzbischöflichen Kanzlei in Salzburg, wird neuer Bischof von Seckau. Er lässt den Seckauer Dom und Schloss Leibnitz ausbauen.

Mit der Erweiterung der Grazer Befestigungsanlagen Richtung Osten kommen auch die landesfürstlichen Gründe samt Schreibhof und der Pfarrkiche St. Ägydius innerhalb der Stadtmauern zu liegen kommen.
Der Erste Sack zwischen Mur und Schloßberg wird durch das Sacktor abgeschlossen.
1337
Die erste farbige Darstellung des weißen steirischen Panthers mit roten Krallen auf grünem Schild und rote Flammen aus seinem Rachen und Glied sprühend ist auf der Züricher Wappenrolle zu sehen. 1340 Züricher.Wappenrolle

Neben der Ägidiuskirche und dem Pfarrhof in der Pfaffenstraße (Burggasse) entsteht das Tor („desselben meiner kirchen gelegen an dem tor gegen Grecz, der von alter zu derselben meiner kirchen gehort hat“) gegen die Grätz (Grazbach).
Für die "strata v
ngarica" taucht erstmals der Name "Sporergasse" nach den Sporenmachern auf.

Im Zentrum des Marktplatzes befindet sich ein Brunnen sowie ein Pranger, ein eiserner Narrenkäfig und ein hölzerner Esel.

1346

 

Ulrich III. von Weißeneck (1355-72) wird von seinem Bruder Erzbischof Ortolf von Salzburg ohne Wissen des Papstes zum Bischof von Gurk geweiht. Paspst Clemens VI. jedoch ernennt auf Betreiben des ungarischen Königs Ludwig Paul von Jägerndorf zum Gurker Bischof. Erst nach dem Tod des Seckauer Bischofs Rudmar von Hader wird Ulrich durch Papst Innozenz VI. am 30. Oktober 1355 zu dessen Nachfolger bestimmt.

Die Stadtmauer von Graz wird knapp oberhalb der St. Pauluskapelle "auf der Stiege" unter dem Burgberg (in der Gegend des späteren Palais Saurau) durch das innere Paulustor durchbrochen. Die Ägydikirche liegt außerhalb dieser ältesten Ummauerung. Ein weiteres Stadttor in der Nähe des heutigen Priesterseminares führt den Namen St. Gilgenthor. Von dort führt die Mauer über die Enge Gasse, dann südlich der Stempfergasse und nördlich der Jungferngasse in einem Bogen zum Minoritenkloster (Franziskanerkloster).

1355

Herzog Albrecht II. (1330-1358) der Weise verfügt zur Hebung des Stadthandels für Graz die Bannmeile: Innerhalb einer Meile um die Stadt darf kein Markt abgehalten bzw. keiner der meist aus Italien oder Süddeutschland kommenden, ausländischen Händler etwas verkaufen. Ihm verdankt die Steiermark auch ihre erste Verfassung, das so genannte Bergbüchel. 1357 Herzog Albrecht II.
Nach dem Tod Albrecht II. 1358 übernimmt für seine drei minderjährigen Söhne kurzfristig Rudolf IV. der Stifter (1339-65) allein die Regierung, der mit der gefälschten Urkunde des "Privilegium Maius" den Habsburgern den Titel von "Erzherzögen" und - in Anspielung auf die Reichskrone - das Tragen der Zackenkrone statt des Herzogshutes ermöglicht. 1358

Der Herzogshof (auch „Gemaltes Haus“ genannt) in der Herrengasse 3 dient ursprünglich den steirischen Herzöge zur Lehensvergabe an ihre Untertanen. Herzog Rudolf IV., der vom 27. Jänner bis zum 26. Februar das erste Mal in Graz weilt und prunkvoll gehuldigt wird, erteilt Hans Paur, dem Verwalter des Lehenshofes, die Steuerfreiheit, doch muss dieser dafür, wenn der Herzog in Graz weilt, den "fürstlichen stul" aufrichten. Später wird das Haus als Wohnsitz für Erzherzog Maximilian Ernst von Österreich adaptiert, durch Pietro de Pomis mit Fresken versehenen und im Hof eine Druckerei eingerichtet.

Rudolf IV. führt das "Umgeld" ein, eine 10-prozentige Abgabe auf alle in Gathäusern ausgeschenkte Getränke.

1360 Herzoghof
Erste Erwähnung eines ersten hölzernen Brückenbaues über die Mur für die in Wetzelsdorf von der Römerstraße abzweigende Handelsstraße Richtung Osten nach Savaria (Steinamanger), von der in der Sporgasser (Name aufgrund der hier angesiedelten Sporenmacher) auch ein weiterer Seitenarm über die Hofgasse in den Raum Gleisdorf führt. 1361
1364 erlässt Rudolf IV. die Rudolfinische Hausordnung, wonach die habsburgischen Länder gemeinsamer Besitz all seiner Brüder sind. 1364  

Als Rudolf IV. überraschen 28-jährig in Mailand stirbt, teilen sich seine beiden Brüder Albrtecht III. mit dem Zopf (1349-95) und Leopold III. der Gerechte (1351-86) gemeinsam die Regierungsgeschäfte von Österreich und der Steiermark.

Leopold III. der Gerechte heiratet 1365 in Wien die Mailänder Herzogstochter Viridis Visconti.
Albrecht III. gründet, um sich gegen das erstarkte Bürgertum eine Elite zu schaffen, die Rittergesellschaft "Orden vom Zopf". Ihren Orden, eine goldene Zopf-Kollane mit einer in einer Kapsel eingelegten Haarlocke, die der Haarpracht seiner Gemahlin Beatrix von Zollern nachempfunden ist, bekommen Adelige von eheliche Geburt und katholischem Glauben als Zeichen der Verbundenheit.

1365
Das Mühlenhaus samt Herrenhaus der "Rielmühle" in der Statteggerstraße in Andritz wird 1371 erbaut. 1371

Der Augustinermönch Augustin Münzmeister aus der oberbadischen Stadt Breisach, der bei der Kurie in Avignon hohes Ansehen genießt, wird von Papst Gregor XI. persönlich in Avignon zum Bischof von Seckau ernannt. Er verlegt gegen große Widerstände den Bischofssitz nach Graz.

Zur Begünstigung des Handels in den Städten verbietet Herzog Albrecht III. für fremde Händler den Kleinhandel. Gäste und Krämer, die die Städte zu Kirchweihfesten und an Markttagen besuchen, dürfen ihre Tuchwaren nur in ganzen Stücken verkaufen.

1372
Erstmals wird ein "Stadthaus" von Graz erwähnt. 1375  
Nachdem der Papst mehrmals zum Kreuzzug gegen die letzten heidnisch verbliebenen Völker aufruft, nimmt der Deutsche Orden den Kampf gegen die heidnischen Pruzzen auf und bringt gegen Ende des 13. Jh. fast die gesamte Küste des Baltikums unter seine Konrolle. Auch der österreichische Herzog Albrecht III begibt sich, begleitet von Hugo von Motnfort und Oswald von Wolkenstein, 1377 mit 150 Mann auf Preußenfahrt: "Das Heer zog durch das Niemandsland über Insterburg an die Scheschupe. Dort erblickten sie vier Brücken geschlagen. Die Schiffer trafen ein, die Ruderer scheuten keine Mühen. Von mittags bis abends waren 30000 Mann mit 610 Schiffen anwesend. Drei Pferde und ein Knecht ertranken. Dieses Heer brachte seinen Gast nach Szameiten. Eine Hochzeit fand dort statt; die Gäste kamen uneingeladen. Ein Tanz wurde mit den Heiden getreten, dass ihrer 60 tot blieben. Das Dorf wurde vom Feuer rot und die Lüfte brannten. Ich hätte nicht Bräutigam sein wollen. Was ihnen weh tat, tat uns wohl! Das Land war voll Menschen und Gut, den Christen - ein Gewirr, den Heiden - ein Verderb, wenn man es mit der Waage des Krieges misst. Eine Lust war das! Die Heiden ließen auch anchts nicht ab mit scharfer Wehr, stachen, schlugen und schossen; sie schrien mit lauter Stimme wie die wilden Tiere. Sie erstachen Leute, schossen Pferde ab und flüchteten dann in die Moore. So trieben sie es die ganze Nacht. Als Morgen wurde, brach das Heer auf, zündete alles an, dass die Lüfte brannten. Man sah da sehr viele Frauen mit zwei Knaben an den Leib gebunden, eins vorne, eins hinten, auf dem Pferde, sie kamen ohne Sporen barfuß geritten. Die Heiden litten große Not. Man fing ihrer viele ein, band ihnen die Hände zusammen und führte sie wie die Jagdhunde." 1377

Nach dem Tod Herzog Albrecht II. 1358 übernimmt für seine drei minderjährigen Söhne kurzfirstig Rudolf IV. die Regierung bis im Zisterzienstift von Neuberg an der Mürz 1379 die Teilung der Habsburger in eine Albertinische und eine Leopoldinische Linie fixiert wird: Albrecht III. erhält das Herzogtum Österreich ob und unter der Enns sowie das Salzkammergut, sein Bruder Leopold III., der Gerechte (1.11.1351 bis 9.7.1386), die Steiermark, Wr. Neustadt. Kärnten, Krain mit der Windischen Mark, Tirol, Inneristrien, das dalmatinische Küstenland und die schwäbischen Besitzungen, der Sund- und Breisgau.
Graz wird damit Residenzstadt des innerösterreichischen Staatsgebietes der Leopoldiner. Am Markt befindet sich das Stadtrichterhaus, der Schreibhof mit dem Sitz der landesfürstlichen Verwaltung (späteres Landhaus), die Häuser des Erzbischofs von Salzburg, Graf Hermann von Cilli, sowie des Landeshauptmannes Rudolf von Walsee. Es kommt zu einem starken Ansteigen der adeligen Bewohner sowie der Juden
.

1379

Bischof Johannn I. (1380-99) entstammt dem steirischen Ministrialengeschlecht der Burg Neuberg bei Hartberg und ist dort zunächst Pfarrer. Nach des Seckauer Bischofs Ulrich von Weißeneck ernennt Papst Grgor XI. gegen den Wunsch seines Onkels, des Salzburger Erzbischof Pilgrim III., nicht Johann, sondern August Münzmeister von Breisach zum Nachfolger, obwohl das Besetzungsrecht dem Erzbischof zusteht. Erst nach dem Tod Bischof Münzmeisters wird Johann am 14. April 1380 zum Seckauer Bischof geweiht. Er lässt die Burg Seggau bei Leibnitz ausbauen, wo er sich zumeist aufhält. Im großen Schisma steht Bischof Johann mit dem Salzburger Erzbischof Pilgram III. auf Seiten Avignons. 1380
Eine Abordnung aus Triest huldigt Herzog Leopold III. in Graz und unterzeichnet am 30. September 1382 in der Herzogsstube am Schloßberg (super Castro nostro in Graecz) einen Vertrag, in welchem sich die Hafenstadt über 600 Jahre lang an Österreich bindet. Die Triestiner erhoffen sich dadurch vor allem Hilfe gegen Venedig und die Türken sowie wirtschaftliche Verbindungen zum Hinterland. Österreich bekommt dafür im Gegenzug freien Zugang zur Adria. 1382 Triest
Nach dem Tod seines Vaters Leopold III. in der Schlacht bei Sempach tritt Herzog Leopold IV., der Dicke (1371-1411), anfangs unter der Vorherrschaft von Albrecht III., die Nachfolge in der Steiermark an. 1386
Erste urkundliche Erwähnung des ursprünglich mittelalterlichen Wehrbaues von "Schloss Sparbersbach", das später von Carl Gottfried Graf nvon Breuner umgebaut und ab 1766 nach seinem Besitzer als "Hallerschlößchen" bezeichnet wird. 1389
Graz treffen schwere Handelsbeschränkungen zugunsten der Handelsstraße von Gemona über Villach, Judenburg, Bruck und den Semmering nach Wien, sodass die Grazer Handelsherren gezwungen sind, italienische Waren von Judenburg über die Stubalpe oder das Murtal zu befördern. Wie überhaupt die Mur als Transportweg besonders wichtig ist: Mur aufwärts transportieren die Saumknechte entweder auf dem Talweg längs der Mur oder zu Wasser mit Flössen oder mit von Pferden gezogenen Schiffen hauptsächlich Getreide in das eher fruchtlose steirische Oberland, Mur abwärts erfolgt der Transport des Ausseersalzes. Die verbotenen Straßen über den Karst sowie von Pettau über Gleisdorf und Feldbach werden unter die Aufsicht der Grazer Bürger gestellt. 1393
In der Steiermark und Kärnten wütet der "Schwarze Tod", der aus Italien eingeschleppt wird: "Da kam ein großer Sterb in Wallischen Landen und in Puln. Do werden stet und Märkte oed von dem sterben, und ze Venedig wart auch der sterb so groß dass chein kaufmann dahindorft, und fluhen alle heraus, doch beliben der Teutschen vil tod darin. Das gie heraus untz gen Judenburg und überall gen Kernden und Steier und gen Oesterreich, das in dy Lewt in der offen puess überall". 1394  
Nach dem Tod Albrechts III. einigen sich im Vertrag von Hollenbrug an der Donau am 22. November 1395 die Nachkommen der albertinischen und leopoldinischen Linie bezüglich der Länderaufteilung: Wilhelm der Ehrgeizige (1370-1406) regiert Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain sowie die Küstenlande), Albrecht IV. der Geduldige (1377-1404) Österreich sowie Leopold IV. der Dicke (1371-1411) Tirol und die Vorlande. 1395

Herzog Wilhelm von Habsburg kauft mehrere Häuser und Gärten im Bereich des Meierhofes (Freiheitsplatz).
Existenz einer Judenschule und einer bürgerlichen Stadtschule.

Friedrich von Perneck entstammt wie sein Bruder Eckhart (Bischof von Chiemsee) und sein Verwandter Rudolf (steirischer Landeshauptmann 1394-95) dem steirischen Rittergeschlecht der Herren von Pernegg bei Bruck an der Mur. Noch zu Lebzeiten des kränkelnden Seckauer Bischofs Johann von Neuberg wird Friedrich 1399 zu dessen Nachfolger bestimmt.

1399
Ein Fresko in der Burg Runkelstein bei Bozen zeigt den ältesten namentlich bekannten steirischen Herrscher: Dietleib von Steier mit seinem Schwert Welsung. Dietleib ist einer der 12 Recken Dietrichs von Bern (hinter Dietrich von Bern=Verona verbirgt sich die historische Figur des Ostgotenkönigs Theoderich), mit dem er den Zwergenkönig Laurin besiegt und seine, von diesem entführte ind im Rosengarten gefangen gehaltene Schwester Künhilde befreit. Gemeinsam mit Dietrich von Verona, dem Waffenmeister Hildebrand, Rüdiger von Bechelaren und seinem Vater Biterof von Toledo unterstützt er König Etzel in seinen Kämpfen und erhält dafür von diesem das Land Steier, wo er die "Styraburg" errichtet. 1400 Dietleib von Steier
Das alte Grazer Pfarrhaus wird abgerissen und in der Nähe des Hauses der Windischgrazer durch Pfarrer Ludwig von Talheim der neue Pfarrhof erbaut.
Der Grazer Bürger Niclas Eßl stiftet das Bürgerspital mit einer Kirche zum hl. Geist in der Murvorstadt. In einer Originalurkunde des Heiligengeistspitales wird St. Andrä als Pfarrkirche erwähnt.
Erste Erwähnung eines "Ganges", der späteren beiden Mühlgänge, die aus Seitenarmen der Mur in Weinzödl ihren Ausgang nehmen und - der linksseitige beim dritten Sack, der rechte nach 30km bei Werndorf - wieder in die Mur münden. Sie dienen zur wirtschaftlichen Nutzung der Wasserkraft für Mühlen (Stadtmühle), Färbereien, Papierfabriken sowie Leder- und Gerberbetriebe.
1401
Am 30. September 1402 legen Herzog Wilhelm der Ehrgeizige (1370-1405) und Herzog Leopold IV. der Dicke (1371-1411) im Vertrag von Bruck/Mur die Anteile an der Regierung mit ihren jüngeren Brüdern fest: Wilhelm und Herzog Ernst der Eiserne bekommen Innerösterreich, während Leopold IV. und Friedrich IV. mit der leeren Tasche Tirol und Vorderösterreich zugesprochen werden.
Herzog Wilhelm der Ehrgeizige reist durch Graz nach Laibach, um seine Braut Johanna von Neapel nach Wien zu führen.

Die Adeligen Conrad und Andreas Breuner aus Prein an der Rax lassen sich in der SAteiermark nieder: Andreas (1370-1421 ehelicht Elisabeth Gleinitz von Gleinstätten und wird Landesverweser.
1402
Der in Bruck/Mur geborene Herzog Ernst der Eiserne (1377-1424) aus dem Geschlecht der Habsburger übernimmt nach dem Tod seines ältesten Bruders Wilhelm die Herrschaft über die Herzogtümer Steiermark, Kärnten und Krain mit der Hauptstadt Graz. In erster Ehe ist er mit Prinzessin Margarthe von Pommern (1392-1407), nach deren Tod mit Prinzessin Cymburgis von Masowien verheiratet. Er verfügt über so gewaltige Kräfte, dass er mit bloßen Händen ein eisernes Hufeisen zerbrechen kann. Gleichzeitig übernimmt er die Vormundschaft für den noch minderjährigen Albrecht V. in Ungarn und Böhmen, während sein einer Bruder Leopold IV. Regent von Österreich udn sein anderer, Friedrich IV. mit der leeren Tasche (1362-1439), Herzog in Tirol werden.

1406

Herzoghut

Friedrich von Fladnitz - ehemaliges ritterliches Dienstmannengeschlecht der Herren von Stubenberg - wird am 13. Jänner 1408 Landeshauptmann der Steiermark udn erwirbt als Wohnsitz in Graz vom Bürger Eustachius Esel einen Hof "gelegen an der Tratten vor der Stat zu Gretz" (Adolf-Kolping-Gasse), der dem deutschen Ritterorden zinspflichtig ist und später dem Grazer Burggrafen Karl Scarlich als "Scarlichthof", 1623 einem Jacob Castell als "Kaiserhof" und schließlich 1849 dem Tabakverleger Georg Schwarz als "Pfeifenschlössl" zur Unterkunft dient. 1408
In Andritz werden MÜhlen am Andritzbacvh erwähnt, der am Fuße einer Felswand aus einem Quellteich entspringt und angeblich durch das Wasser vom Schöckl über unterirdische Gänge gespeist wird. Der Sage nach lebte im Teich eine Nixe, die erzählte, dass der naher Höhenberg wegen seines Goldschatzes eigentlich Reichenberg heissen müsse, und tatsächlich sollen schon die Römer dort nach Eisen geschürft haben. 1410

Nach dem Tod von Herzog Leropold IV. kommt es mit seinem Bruder Herzog Friedrich IV. zu einer Einigung: Herzog Ernst regiert in Innerösterreich mit der Hauptstadt Graz, Herzog Friedrich IV. in Tirol und Vorarlberg mit der Hauptstadt Innsbruck.

Erzherzog Ernst sorgt durch einen Erlass für die Offenhaltung des Wasserweges auf der Mur.

1411  

1412 heiratet Herzog Ernst der Eiserne die polnische Prinzessin Cimburgis von Masowien, die wegen ihrer außergewöhnlichen Körperkraft ihrem Gatten ebenbürtig ist, so kann sie eine ganze Ladung Heufutter stemmen oder mit bloßen Händen Eisennägel aus der Wand ziehen. Von ihr stammt auch das hervorstechende Kennzeichen der Dynastie, die berühmte Habsburgerlippe. Gemeinsam haben sie 9 Kindr, darunter der spätere Kaiser Friedrich III.

Am 28. Mai 1412 sendet Herzog Ernst der Eiserne an den Burgpfleger von Gösting, Kaspar Saurer, ein Ladschreiben für die Landstände ("an all graffen, herren, ritter, knecht, stet vnd maerkt in Steyr").

1412 Herzog Ernst

Graf Hugo von Montfort (1357-1423) aus Bregenz erwirbt durch seine Heirat mit Gräfin Margarete d. J., der Erbtochter des Hauses Pfannberg, große Besitzungen bei Frohnleiten und Peggau. Nach ihrem und dem Tod seiner zweiten Frau Clementina ehelicht er die Witwe des steirischen Landeshauptmannes Johann von Stadeck, Anna von Neuhaus, und erbt weitere große Besitzungen bei Graz. In Diensten von Herzog Albrecht III. begleitet er diesen bei seinem Kreuzzug gegen die heidnischen Litauer und dient dann Herzog Wilhelm und Herzog Ernst d. Eisernen, wobei ihn Letzterer am 24. April 1413 zum Landeshauptmann der Steiermark ernennt. Hugo gilt mit seinen 40 Gedichten, Liedern, Reden und Briefen aber auch als letzter höfischer MInnesänger. In einer Strophe schreibt er über die Steiermark: "Ich schrib dir gerne clouge wort, so hast du min hertz gefangen, min lieber boul, min hoechster hort! du hast in dinen banden von gold ein ketten die ist vin, damit hast du es beschlossen: din eigen wil es iemer sin, des ist es unverdrossen."

1413 Hugo von Montfort

Ernst der Eiserne lässt sich am 18. März 1414 als letzter Habsburger nach alter Tradition auf dem Fürstenstein in Karnburg in windischer Sprache als Herzog einsetzen udn trägt ab diesem Zeitpunkt als Erster den von Rudolph IV. erfunden Titel eines "Erzherzogs".
Im Herbst unternimmt er eine Reise nach Palästina.

Sein Bruder Friedrich IV. mit der leeren Tasche verleiht den Grazer Bürgern zu Philipp und Jakobi (1.Mai) den zweiten großen Jahrmarkt, dem sich der Mittfastenmarkt,  der Portiunkulamarkt und der Andrämarkt  als weitere große Grazer Jahrmärkte dazu gesellen.
Diese Jahrmärkte sind nicht nur wegen ihres günstigen Warenangebotes, sondern auch wegen der dargebotenen Unterhaltungsmöglichkeiten beliebter Anziehungspunkt, sowohl für die Grazer Bürger, wie auch für die Händler aus ganz Europa.

Sigmar aus dem Ministerialengeschlecht derer von Holleneck mit ihrem Stammsitz auf Schloss Holleneck in der Weststeiermark wird 1414 durch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus zum Bischof von Seckau ernannt. Im selben Jahr wird Sigmar Kaplan von Herzog Ernst. Als Begleiter des Erzbischofs nimmt er am Konstanzer Konzil teil.

1414
Ulrich IV. von Albeck wird auf Fürsprache von König Sigismund durch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus am 23. Juli 1417 zum Bischof von Seckau ernannt. Aufgrund siener hervorragenden Bildung spielt er für Papst und König eine bedeutende Vermittlerrolle. 1424 wird er in die Gebetsbruderschaft des Stiftes Rein aufgenommen. Auf der Reise nach Rom zu seiner Ernennung zum Kardinal durch Papst Eugen V. erkrankt er in Padua und verstirbt am 12. Dezember 1431. 1417
Die Ungarn fallen das erste Fall in die Steiermark ein.

1418

 

Erste bildliche Darstellung von Graz mit dem Uhrturm und der Paulus- (Stiegen-) und Ägidiuskirche (Dom) in einem Weihnachtsbildchen aus dem "Codex Runensis 100 Antiphonale Cisterciense" in Rein durch Heinrich Aurhaym, einem unter Abt Angelus Manse (1399-1425) dienendem Künstler.

Der im 15. Jahrhundert errichtete Zugang zur Schloßbergfestung, das "Gotische Tor", wird im Jahre 2000 von Archäologen freigelegt.

1420 Graz
Uhrturm und Ägidiuskirche von Grecz Gotisches Tor
Der zeitweilig von Herzog Ernst nach Bruck/Mur verlegte Niederlassungszwang gilt wieder für Graz; alle durchreisenden Händler müssen ihre Waren auf dem Markt feilbieten. Hiefür wird der bisher verbaute Hauptplatz freigelegt.
Im Rahmen der Stadterweiterung wird die Stadtmauer am Ende des ersten Sackes mit einem Tor durchbrochen und der Sack durch einen zweiten (bie zur heutigen Kaieinmündung) erweitert, in welchem sich vor allem die Lederer, Weißgerber (Sackstraße 23), Kürscvhner, Schuster, Müller und Bader (kalte und warme Duschen, Schwitzkästen) ansiedeln.
1421
Unter dem aus der weststeirischen Ritterfamilie stammenden Peter von Graden wird für deren Schloo Baierdorf das Allerheiligenkirchlein am Fuße des Gaisberges in Eggenberg als Schlosskirche ("Capell zu Payrdorf") erbaut. 1423

Mit dem Tod von Erzherzog Ernst des Eisernen am 10. Juni 1424 folgt, zuerst unter der Vormundschaft seines Bruders, Herzog Friedrich IV. mit der leeren Tasche von Tirol (1382-1439), sein ältester, erst 15jähriger Sohn als Herzog von Steiermark, Kärnten und Krain nach und tritt als Friedrich V. die Herrschaft in Innerösterreich an. Seine Jugendjahre verbringt er bei seiner Mutter Cimburgis von Masowien in Graz.

Anrainend zur Pfarrkirche St. Ägidius zu Graz werden in der Kirchstraße fünf Häuser erwähnt, wovon eines zwischen dem alten Pfarrhof und dem Wilhimin-Haus, dem Pfarrer Georf gehörig und der Gilgenpfarre dienstbar gemacht ist sowie ein weiteres Haus am Heiligen-Kindlein-Tag, dem 28.12.1428, von Hans Emler, dem Zechmeister der St. Gilgen Pfarrkirche verkauft wird.

1424 Friedrich III.
StadtKonrad von Reisberg, aus Kärnten stammend und PFarrer von Veitsberg bei Leoben, wird eine Woche nach dem Tod des Sckauer Bischofs Ulrich von Albeck durch seinen Verwandten, den Salzburger Erzbischof Johann II von Reisberg, zum Nachfolger im Bistum Seckau ernannt. 1431
"Vlrich Egkhnnperger", ein Wirt und Geschäftsmann, der in Agram, Ofen und Radkersburg Handelsnierlassungen besitzt, ist Stadtrichter von Graz. Er besitzt Häuser in der Herrengasse und Murgasse sowie einen Acker in Algersdorf. Herzog Friedrich V. überträgt ihm das Recht der Münzprägung und des Wechselgeschäftes. 1432  

1434 tritt Friedrich V. (1415-93) als Herzog die Herrschaft in Innerösterreich, d.h. in der Steiermark einschließlich von Wr. Neustadt mit dem Gebiet um Pitten, sowie in Kärnten und der Krain an.

Im Baseler Konzil 1434 wird der Verweis der Juden in eigene, zwangsweise zugewiesene Wohnviertel (Ghettos) nochmals vorgeschrieben. Gemäß diesen Konzilsbeschlüssen (Lateran und Basel) ordnet als Kaiser Friedrich III. später auch die Entfernung aller Juden aus ihren Häusern in der Frankfurter Domgegend an.

1434
Unter Herzog Friedrich V. Baubeginn der der gotischen Pfarrkirche St. Ägydius (Domkirche) durch den "Meister von Grätz", den Schwaben Hans Niesenberger, im spätgotischen Stil. Als erstes wird an das Presbyteriumj die Barbarakapelle als Sakristei des Hoforatoriums Friedrichs angebaut; später folgen die Friedrichs- (1449) und Romualdkapelle (1554). 1438 St. Ägydius

Gleichzeitig beginnt Friedrich auch mit der Errichtung des nach ihm benannten Friedrichsbaues, einer repräsentativen Stadtburg, die sich in zwei Bauteile, den Palas (Wohntrakt) und die kastellartige Friedrichsburg gliedert. Dieses geistliche und weltliche Zentrum wird sowohl durch einen Übergang mit der Ägydiuskirche, als auch für den Ernstfall durch einen gedeckten Gang auf der Stadtmauer mit der Festung auf dem Schloßberg verbunden.

Das in Höhe des heutigen Schauspielhauses befindliche "Tor gegen die Grecz" erhält mit dem Namen "Burgtor" seinen neuen Standort im Anschluss an die Burg.

Trompetengang Burghof
In Graz kommt es zur Vertreibung aller Juden, ihr Ghetto wird aufgehoben und in der Karlau neu angesiedelt. Das in der Burgstraße (spätter Herrengasse) auf der Höhe der heutigen Stubenberggasse zum Judenfriedhof führende "Judentürl" wird zu einem großen Torturm mit einer darin untergebrachten Waffenkammer vergrößert. Wegen der eisenbeschlagenen Türen "Eisernes Tor" (Ungartor) genannt. Im Zuge des Bastionenbaues lässt 1574 Erzherzog Karl II. von Domenico dell'Allio in der südlichen Stadtmauer ein neues "Eisernes Tor" (auch Ungartor genannt) einbauen. Eisernes Tor

Nach dem Tod Kaiser Sigismunds kann Albrecht II. (IV.) von Habsburg als römisch-deutscher König von Ungarn und Böhmen sowie Herzog von Österreich (Albrecht V.) erstmals alle Länder in einer Hand vereinen.

 

Als nach nur einjähriger Amtszeit sein Cousin König Albrecht V. im Feldzug gegen die Türken an der Ruhr und auch sein Onkel Friedrich von Tirol in Innsbruck sterben, wird Friedrich V. als Herzog von Österreich (1439-1493) alleiniges Oberhaupt des Hauses Habsburg und Vormund zweier unmündiger Vettern, des jungen Sigmund von Tirol und des in Ungarn nachgeborenen Sohnes von Albrecht II. (V.) Ladislaus Postumus.

Auf Wunsch der Grazer Bürgerschaft kommt es zur Vertreibung der Juden und Herzog Friedrich V. löst ihr Ghetto (Mesner-, Jungfern-, Frauengasse, Fischer v. Erlach-, Hans-Sachs-Gasse) auf, weil die Juden nur dem Landesherrn (Leibzoll), nicht aber der Stadt steuerpflichtig sind, trotzderm aber alle Rechte in Anspruch nehmen.

Die Burgerstraß (spätere Herrengasse) wird bis zur südlichen Stadtmauer verlängert und wird mit dem "Eisernen Tor" (auch "Ungartor" genannt), abgeschlossen.

1439

Durch den plötzlichen Tod König Albrecht II. (V.) während der Schwangerschaft seiner Frau Elisabeth von Luxembrug kommt ihr Sohn Ladislaus posthumus vaterlos auf die Welt. Aufgrund der sich daraus ergebenden Erbfolgestreitigkeiten als ungarischer und böhmischer König bringt die Königin-Witwe ihren Sohn Ladislaus Posthumus samt der ungarischen Stephanskrone zu ihrem Verwandten Herzog Friedich V. nach Graz in Sicherheit, wo dieser in den Jahren zwischen 1440 und 1453 in dessen Obhut erzogen wird.

Herzog Friedrich V. wird durch den vorzeitigen Tod Albrechts II. im Jahre 1440 in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen König Friedrich III. gewählt.

1440
Friedrich verleiht Graz dem schon bestehenden Ägidimarkt das Privileg für einen zweiten Jahrmarkt am 1. Mai, der vielleicht in Zusammenhang mit einem früheren Kirchweihfest steht und als Förderung für den Neubau der Ägidiuskirche verstanden werden kann. Als daraufhin der Salzburger Erzbischof dagegen protestiert, weil auch in Leibnitz am 1. Mai ein Jahrmarkt und Kirchweihfest stattfindet, wird der Grazer Markt am darauffolgenden Jahr auf Mittfasten verlegt. 1441

Der Historiker und Schriftsteller Enea Silvio (auch Aeneas Sylvius) Piccolomini und spätere Papst Pius II. tritt Anfang 1443 als Sekretär in den Dienst Friedrichs III. und verbringt die Zeit bis 1455 vornehmlich am Hof des Kaisers in Wiener Neustadt und Graz. In seinen beiden Hauptwerken "Asien" und "Europa" beschreibt er ausführlich die Geographie, die Sitten der Völker, die weltliche und kirchliche Geschichte, sowie die wirtschaftlichen und sozialen Besonderheiten dieser Kontinente. Unter anderem ruft er zur Abwehr der Türken auf und schreibt folgendes über die Steiermark: "Hier ragt mitten aus der Erde ein ungemein hoher Berg auf, der allenthalben felsig abfällt. Auf seiner Spitze erhebt sich ein Schloß, sowohl durch die natürliche Lage sicher, als durch Menschenwerk befestigt, weshalb der Kaiser stolz darauf sein kann. ... Die Bevölkerung der Steiermark ist rauh und nicht von jener Weichheit, die dem Südländer eigen ist." und über den Wein in Graz sagt er: "grazer wein wenn du ihn trinkst wirst du krank er ist essigsauer wässrig verdorben".

Georg I. Lembucher aus Kalsdorf bei Ilz wird einer Woche nach dem Tod des Seckauer Bischofs Konrad von Reisberg zu dessen Nachfolger bestimmt.

1443

Pius.II.

Der Steirer Friedrich Gren wird nach nur 3-jährig dauernden Amtszeit des verstorbenen Bischofs Lembucher im Jahr 1446 zum Bischof von Seckau ernannt.

Die "Handelsregistratur" Frtiedrichs III,, ein volumninöser Pergamentband, der die Abschriften der wichtigsten Privilegien sowie Listen von Potentaten und Päpsten mit ihren Wappendarstellungen erhält, zeigt auch das steirische Wappen mit der Devise AEIOU und der Jahreszahl 1446.
Ebenso finden sich auch im Wappenbuch Herzog Albrechts VI. von Österreich Abbildungen des steirischen Wappens ("hertzug Styermarck", "stirmarck")

Mit dem Namen "Wilhem Steirer" (auch Wolfgang Steyerer) taucht zum ersten Mal ein Grazer Bürgermeister mit Familiennamen in den Urkunden auf. Er besiegelt am 7. Februar 1446 gemeinsam mit dem Stadtrichter einen Kaufvertrag..

1446

Bau der Grazer Stadtburg mit dem dreistöckigen Friedrichsbau samt der hochgotischen doppelchörigen Burg- oder Kammerkapelle (heute Sitzungssaal der steiermärkischen Landesregierung). 1447
Burgkapelle
Da man auf die Steuerkraft der Juden nicht verzichten kann, holt König Friedrich III. sie wieder nach Graz zurück und siedelt sie jetzt, in der ganzen Stadt verstreut, an.
In der Judengasse (heutige Frauengasse) bestimmt Friedrich III. ein Haus, in welchem auch eine Taverne mit Weinausschank untergebracht ist, als das erste Rathaus und befreit es von der Steuer.
1448  
Unter König Friedrich III. (1440-1493) erfolgt zusammen mit dem Um- bzw. der Neubau der benachbarten alten Burg (4-stöckiger Friedrichsbau mit Kammerkapelle) auch der Neubau der Grazer Ägidiuskirche; während dieser Zeit wird das Pfarrrecht an die Kirche St. Paul übertragen.

Für den Kreuzaltar am gotischen Lettner maltder schwäbische Künstler Conrad Laib aus Ennslingen 1449 das bedeutende Tafelbild "Kreuzigung im Gedräng". Die große Anzahl an dargestellten Personen lässt auf die im Mittelalter sehr beliebten Passionsspiele schließen, die unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfinden. An der Nordwand im Kircheninneren trägt die Christophorusfigur eines Freskos die Gesichtszüge König Friedrichs. Seine Devise A.E.I.O.U. ("Alles Erdreich ist Österreich untertan" bzw. "Austrie est imperare orbi universo") ist in der Kirche achtmal zu finden.
1449 Kreuzigung.im.Gedraeng Friedrich III.

Kopialbuch (Abschrift einer älteren Urkunde) des Abtes Hermann Molitor in der Stiftsbibliothek in Rein, in dem über die Schenkung eines Gutes in Anwesenheit eines Zeugens namens "Dietmarus de Gracz" berichtet wird: die erste urkundliche Erwähnung des Namens "Gracz".

Neben dem ältesten Tiergarten auf dem Ruckerlberg im Osten lässt Friedrich III. an der Nordseite des Schloßberges (ab 1836 Wickenburggasse) einen neuen zweiten, den oberen landesfürstlichen Tiergarten für die Jagd von Damwild anlegen (1450 bis 1636).

1450

Rein

Begleitet von seinem Bruder Albrecht VI., dem Rat Johann Ungnad und Ladislaus Posthumus heiratet Friedrich III. (V.) am 14. März 1452 in Rom Eleonore von Portugal und wird 5 Tage später am 19. März durch Papst Nikolaus V. zum Kaiser gekrönt. Als Kaiser Friedrich III. der Friedfertige (1452-1493) regiert er für insgesamt zehn Jahre von Graz aus das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation” und baut Graz mit der Errichtung der „unteren“ Burg (1438) und der Domkirche (1438-62) zur Kaiserresidenz aus. „AEIOU"(Alles Erdreich ist Österreich untertan, Austria erit in orbe ultima) ist sein geheimnisvolles Signum.

Ebenfalls unter der Ägide Kaiser Friedrich III. entsteht der zweite Sack sowie das Dominikanerkloster in der Hans-Sachs-Gasse.

Georg Überacker hat von 1444 bis 1452 die Pfarre Pöls und ab 1456 die Pfarre Radkersburg inne. Am 1. April 1452 ernennt ihn der Salzburger Erzbischof Friedrich IV., Truchsess von Emmerberg, zum Bischof von Seckau. Georg Überacker ist in kaiserlichen oder päpstlichen Aufträgen als Schiedsrichter und Jurist unterwegs und wird 1457 Hofkaplan Kaiser Friedrich III., der ihn unter besonderen Schutz stellt.

Ulereich Einpacher ist von 1452 bis 1453 Grazer Stadtoberhaupt.

1452

Friedrich &  Eleonore Friedrich.III. Friedrich III. & Leonore von Aragon

Friedrich III. bestätigt das "Privilegium maius" und führt für die Mitglieder des Hauses Habsburg den Titel "Erzherzog" ein. 1453
TafelIn Mainz erfindet Johannes Gensfleisch zum Gutenberg den Buchdruck und druckt als erstes eine 42-zeilige Bibel. 1455

Landeshauptmann Leuthold von Stubenberg.

Stadtoberhaupt ist Christoph de Epyhauser.

1456
Der aus Salzburg zugewanderte Niclas Strobel kommt als Fleischhauer und Händler in der Herrengasse zu großem Ansehen und Reichtum, sodass er in die Grazer Bürgerschaft aufgenommen und von 1452 bis 1469 Stadtrichter sowie im Jahr 1461 Bürgermeister wird. 1461 Niclas Strobel
Erstmals wird das sich zwischen den Häusern Herrengass 23 und 28 befindliche Eiserne Tor erwähnt.

Ulrich III. von Graben triit am 8. Dezember 1462 als Landeshauptmann des Herzogtums Steiermerk die Nachfolge des verstorbenen Eberhard VIII. von Walsee an. 1469 folgt ihm Graf Wilhelm von Dirnstein als Landeshauptmann nach. 1475 wird Ulrich von Graben zum Generaleinnehmer des steirischen Gebietes „innerhalb der Drau" ernannt. Kaiser Friedrich vermacht ihm das Schloss Eppenstein und gestattet ihm, mit blauem statt mit rotem oder weißem Wachs zu siegeln. 1483 wird er zum Burggrafen von Graz sowie zum Schlosshauptmann (Kastelan) des Grazer Schlosses berufen. Als solcher bschützt er Kunigunde von Österreich, die Tochter Kaiser Friedrichs, vor der Entführung durch den Ungarnkönig Matthias Corvinus.
1462

Durch den überraschenden Tod seines jüngeren Bruders Albrecht VI. d. Freigiebigen (1418-63) wird Friedrich III. nun auch von den österreichischen Ständen als Landesfürst von Österreich ob und nieder der Enns anerkannt.

Friedrich III. erlaubt den Franziskaner Observanten die Gründung eine neuen Klosters: "in ecclesia S. Leonardo prope Graz" (nahe der späteren Pfarrkirche St. Leonhard). Zum Schutz vor Türkeneinfällen widmet er den Mönchen das innerhalb der Stadtmauer gelegene Marchfutterhaus (Agnes, die Witwe Bernhards des Rindscheid, verkauft 1448 ein Haus an König Friedrich, "das gelegen ist ze Grez pey dem Frawnklostertor und stozzt der garten hinden an das Marchfueterhaws").

1463

Der böhmische Adelige Jaroslav Leo von Rosental (1425-80) unternimmt in den Jahren 1465 bis 1467 eine diplomatische Reise durch Europa. Mit der von ihm angeführten Delegation von 40 katholischen Adeligen und Rittern samt 52 Pferden bereist er Deutschland, Belgien, England, Frankreich, Spanien, Portugal bis zum Kap Finisterre und hält sich zum Schluss in Venedig auf, bevor er nach dem Besuch bei Kaiser Friedrich in Graz nach Böhmen zurückkehrt.
Von dieser Reise des Freiherrns Rozmital berichtet sein Reisebegleiter Ritter Václav Šašek,
aus Italien über Unterdrauburg und Caienwurczwald (Eibiswald) in die Steiermark kommend, folgendes: "Caienwurzwald vier Meilen von Drauburg entfernt, liegt in den Bergen; jenseits desselben sehen die nach Graz reisen zwei Burgen links und drei rechts. Von Caienwurczwald nach Leibnitz sind abermals vier Meilen. Diese Burg liegt in der Ebeneam Ufer der Sovum, oberhalb jedoch, und zwar auf einem Berge, liegen vier Schlösser, alle von einer gemeinsamen Mauer eingefasst und gehören drei Herren: das eine dem Bischof von Salzburg, das andere dem von Seckau und das dritte dem Herrn von Polheim. Dieder Berg ist von Graz vier Meilen ab.
Dieses ist eine umfangreiche Stadt mit einem Schlosse, das durch zwei Vorwerke geschützt ist. Auf der einen Seite der Stadt sind Berge, auf der anderen ist eine Ebene, und sie liegt an der Mur, über welche eine hölzerne Brücke führt. So weit dieser Fluß geht, heißt man das Land Steiermark. In Graz sahen wir den Kaiser, den Markgrafen von Meißen und seinen Bruder Herzog Albrecht von Sachsen, alle unter den Vorbereitungen für Ritterspiele beschäftigt, in welchen je zehn gegen zehn kämpften. Dort war auch Johann Kolowrat, der mit einem Deutschen namnes Reimberger tiostierte, welcher für ganz bsonders stark und gewandt galt. Herzog Albrecht lieh Johann sein Pferd, und waren Zuseher der Kaiser, Herzog Albrecht und sehzr viele Barone und Edle. Als der Kampf anging, ritt zwar der Deutsche des Herzogs Pferd an, wurde jedoch vom eigenen Pferd abgeworfen, während - und das gefiel dem Kaiser sehr - fest auf seinem Rosse blieb. Amvierten Tag unseres Aufenthaltes bat Herr von Rozmital unter FührungHerzog Albrechts und Ulrich von Nussdorf, des Bischofs von Passau und späteren Administrators des Erzbistums Prag, der Kaiser möge Schaschek die ritterlichen Insignien verleihen, was auch in Gnaden geschah. Auf dem Schlosse zu Graz hält sich der Kaiser häufig auf, doch nimmt er dahin gewöhnlich nur wenig Dienerschaft mit und läßt die übrige in der Stadt. Eben auf dem Schlosse, heißt es, sind auch die Schätze des Kaisers verwahrt; man zeigte sie uns aber nicht, wie anderwärts Könige es getan, außer einem Mantel von rotem Damast, dessen Saum handbreit in mäandrischer Form mit Goldhaften und Edelsteinen besetzt ist. Die Räte des Kaisers sagten uns, wenn derselbe Geld nötig hätte, brauchte er bloß diesen Mantel zu verpfänden und er bekäme leicht 500.000 Dukaten dafür, den einige Juwelen, die sie uns vorwiesen, sollten 20.000 bis 30.000 Dukaten wert sein. ... Am fünften Tag verließen wir Graz und langten nach einem Wege von vier Meilen in Frohleiten an."

Von diesem Ereignis berichtet auch der zweite Begleiter von Rozmital, der deutsche Patrizier Gabriel Tetzel von Grafenberg, der auf Bitten des böhmischen Edelherrns Leo v. Rozmital an dessen Jakobsfahrt von 1465-67 teilnimmt. Tetzel entstammt einer angesehenen Nürnberger Familie, gehört selbst der Nürnberger Stadtverwaltung an und wird Söldnermeister, Zeugmeister und Pfleger des Klosters St. Egidien. In seiner "Beschreibung, die wahrscheinlich er wol mit Hülfe kurzer Notizen, aus nicht mehr sicherem Gedächtniß von jener Reise durch Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien, dem großen Ereigniß seines Lebens, in einfacher deutscher Prosa gegeben hat" sagt er außerdem über Graz: "Do lagen wir vierzehn tag lang still, der Kaiser that meinem Hern nit andersd vor, dann er schenkt jm ein vaß wein und ein lagel reidals an die herberg, und ließ meinen herrn an dem dritten tag für sich, und erbut sich sehr gnädiglich mit worten, über lutzel erzeigt mit werken. ... Auf schöne Frauen gibt er gerne acht, wie er sich denn durchweg als heiteres, gesundes Weltkind offenbart,"

1465
Nach Auflösung des Judenghettos 1439 lässt Friedrich in der Judengasse eine Corporis-Christi-Kapelle errichten, die er den Dominkanern 1466 zum Umbau in eine Kirche sampt Kloster (heutige Stadtpfarrkirche) übergibt. 1466
Balthasar Eggenberger, der als Handelsmann in Kärnten Gold abgräbt, wird Münzmeister und Geldgeber von Kaiser Friedrich III., stiftet das "Spitall bey der Muerpruggen" - die spätere protestantische Stiftsschule im Paradeishof (heute Kastner & Öhler) - und wird von König Matthias Corvinus von Ungarn, für den er ebenfalls das Münzwesen organisiert, mit dem Wappen der 3 Raben (corvinus = Rabe) geadelt.
Der Sage nach nimmt Balthasar aus Dankbarkeit die 3 Raben in sein Wappen auf, weil diese über der Fundstelle seines von Zigeunern gestohlenes Kind kreisten. Sein Bruder Johann begründet die Ehrenhausener Linie.
1467
Bau eines Klosters für die Franziskaner-Observanten in der Nähe der Kirche St. Leonhard (Bürgergasse). Guardian des Klosters ist Alexander de Posonio (Preßburg), der mit seinen Predigten zum Vorkämpfer für die politischen Ideen Kaiser Friedrichs wird.

Am 3. August greift Friedrich III. mit einer in Graz ausgestellten Urkunde in die Innenpolitik von Triest ein.

1468

Der Söldnerführer Ritter Andreas Baumkircher führt für Kaiser Friedrich III. zahlreiche Kriege. wofür ihm der Kaiser Unsummen schuldet. Als dieser aber nicht zahlt, beginnt Baumkircher im Herbst 1469 mit seinem Söldnerheer zahlreiche oststeirische Städte zu erobern, wobei auch Kaiser Ferdinands Sohn Maximilian, der sich zu dieser Zeit am Grazer Schloßberg aufhält, in Gefahr gerät. Jetzt willigt der Kaiser ein, mit ihm zu verhandeln und bestellt ihn nach Graz. Als Baumkircher und sein Voitsberger Kampfgefährte Andreas von Greisseneck am 23. April eintreffen, werden sie trotz Zusicherung des freien Geleits fest genommen und am nächsten Tag öffentlich vor dem Murtor enthauptet. Baumkirchners Gebeine werden auf die Burg Schlaining überführt, Greiseneckers Schädel ist unter der Türschwelle zur Jakobikapelle im Franziskanerkloster eingemauert ("Hic conditur caput abscisum Andreae Greisenecker equitis decollati die 23.Aprilis 1471").

Markgraf Albrecht von Brandenburg hält sich in Graz auf. Mit ihm auch der fränkische Landsknechtführer Wilwolt von Schaumburg (um1450-1510), der ganz Europa durchquert hat, von Franken über Italien bis nach Rom und zurück ins Rheinland und in die Niederlande. Dabei hat Wilwolt die großen historischen Figuren seiner Zeit persönlich kennengelernt: Kaiser Friedrich III., seinen Sohn Maximilian I., Papst Paul II., den Burgunderherzog Karl den Kühnen und Herzog Albrecht Achilles von Brandenburg. 1487 tritt er in den Dienst Herzog Albrechts des Beherzten von Sachsen gegen den ungarischen König Matthias Corvinus, der weite Teile Österreichs besetzt hält. In seinen "Geschichten udn Thaten" schildert er bei seinem Aufenthalt in Graz als Augenzeuge die Hinrichtung Andreas Baumkirchers.

Die Türken fallen ins steirische Unterland ein und verwüsten das Sannland.

1471

Baumkircher Andreas Baumkircher Andreas Greisencker

Erstes Bordell in der Frauengasse 1474  

Am 19. August 1474 heiratet Maximilian von Österreich in Gent die Erzherzogin Maria von Burgund.

Christoph von Trauttmansdorff entstammt dem gleichnamigen Rittergeschlecht aus der Oststeiermark, das seit dem 15. Jhd. zahlreiche Salzburger Domherren hervorbringt; sein Bruder Johann ist Abt von Admont, ein anderer Verwandter Chorherr in Vorau und erster Propst in Pöllau. Am 4. Mai wird Trauttmansdorff durch den Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr zum Seckauer Bischof geweiht.

1477

Aufgrund des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III. und dem Ungarnkönig Matthias Corvinus um die Vorherrschaft im Osten suchen der Salzburger Fürsterzbischof Bernhard von Rohr und der Seckauer Bischof Christoph II. von Trauttmansdorff bei Matthias Corvinus Schutz, was dazu führt, dass das Bistum mit all seinen Besitzungen - darunter auch die Burg Leibnitz mit Seggau -fast zur Gänze an diesen verloren geht.

In Graz wird die Bürgergasse in "Herrengasse" umbenannt, die zur Stadtpfarrkirche St. Ägidius führenden Straßen (heutige Bürger- und Burggasse) als Kirchgassen bezeichnet. Der Hauptplatz dient in erster Linie als Marktplatz, zu Marktzeiten stehen dort Brotbänke, Messerkramen, Kramen für Nestler, Riemer, Beutler, Fleischbänke sowie Stände der Krämer und der Fragner (Greißler).

Am Ostrand im Süden von Graz existiert bereits eine Landwirtschaft mit einem kleinen Gasthaus samt Biergarten.

1478  

"Erstes altes Schloss zu Gratz".

30000 berittene türkische "Renner und Brenner" fallen am 15. August 1481 aus Kärnten kommend ein, greifen das stark befestigte Graz an, verheeren die Murvorstadt und das ganze Murtal sowie die Ost- und Untersteiermark. Im selben Jahr bricht die Pest aus udn Heuschreckenschärme fallen ein. Fürstenfeld, Radkersburg, Deutschlandsberg und Voitsberg werden von der ungarischen "Schwarzen Armee" Königs Matthias Corvinus unter der Führung ihres Kommandanten Vlad III. Tepes (Vorbild für Dracula) eingenommen.
Durch diese Katastrophen wird die steirische Bevölkerung um ein Drittel auf 200.000 dezimiert.

Johann Serlinger wird zwar durch den Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr zum Bischof von Seckau ernannt, gelangt aber nicht in den Besitz seines Bistums, da dieses wegen des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus durch ungarische und kaiserliche Truppen besetzt ist.

Zur dieser Zeit der ersten Türkeneinfälle wird von den steirischen Landständen das Zeughaus als Depot für Rüstungen und Waffen gegründet.

1480

Gradec SchlossbergfesteSchlossbergfeste

Der Meister von Gerlamoss, Thomas von Villach, malt an der südlichen Außenwand des Grazer Domes das "Gottesplagenbild". Im unteren Teil des "Landplagenbildes" an der Südseite des Grazer Domes werden auf drei Feldern die drei Landplagen: Heuschrecken, Türkeneinfälle und Pest dargestellt. Es trägt die Aufschrift: "1480 umb unser frauntag der schiedung sind hie zu Gratz gotsplag drey gewesn, haberschreckh, türkn und pestilenz und jede so groß, daß dem menschen unerhörlich ist. gott sey uns gnädi." Der Mittelteil zeigt eine der ältesten bekannten Ansichten der Stadt Graz mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer swie dem Eisernen- und Burgtor. Über der Stadt erhebt sich der befestigte Schloßberg mit der oberen Burg; davor Türken, die Christen wegschleppen. Außerdem die Verteidigung der umwallten Leechkirche, brennende Schlösser und Dörfer sowie die gefürchteten "Renner und Brenner". Das linke Bild zeigt die Kirche von Straßgang mit fliegenden Wanderheuschrecken. Das rechte Bild gewährt einen Blick in die Hofgasse. Ein im Bett liegender Pestkranker empfängt das Sterbesakrament, während ein Sarg aus dem Haus getragen wird.

1481

Thomas von Villach
HeuschreckenLandplagenbildLandplagenbildPest

SalzMatthias Scheit, der im Umfeld von Kaiser Freidrich III. tätig ist, wird 1481 in Rom durch Papst Sixtus IV. zum Bischof des Größtenteils vom ungarischen König Matthias Corvinus besetzten Bistum von Seckau. Er kann die Burg Wasserberg zurückerobern und wird 1483 zum kaiserlichen Rat ernannt. Scheit fördert mit großer Hingabe die Erziehung und den Unterricht des erst zehnjährigen Paracelsus.
Der Ungarnkönig Matthias Corvinus verheert mit seinen „Schwarzen Scharen“ Kärnten, die Steiermark und Wien. Ein "Steinerner Hund", der heute noch unter dem Uhrturm sitzt, weckt durch sein Gebell den Schloßhauptmann Ulrich von Graben, als sich Corvinus mit 2000 Soldaten durch Bestechung der Wachen Eintritt zur Schloßberg-Burg verschaffen will, um dort die teilweise in Graz erzogene udn vor dem um sie vergeblich werbenden König Matthias in Sicherheit gebrachte Kaisertochter Kunigunde zu entführen.

Von oberitalienischen Städten ausgehend, erfolgt der Handel mittels Münzen (Groschen, Gulden, Taler), der auch in den Habsburger Ländern langsam den Tauschhandel ersetzt.
1485

Errichtung und erstmalige Erwähnung des nach seinem Besitzer Mathes Moser benannten "Moßeregg" am Hauptplatz/Ecke Sporgasse ("bei dem Luegg"). Die schwere Stuckdekoration mit spätgotischen Lauben wird 1680 aufgebracht.

Haus der Deutschen Ordensritter in der Sporgasse, welches Ritter Graf Seifried von Saurau für den Orden erwirbt.Der Weisseneggerhof (auch "Goldenhof" oder "Hof zu Lidlsdorf" - heute Esparantoplatz), ein ursprünglich dem Landesfürsten gehörender Bauernhof, kommt um 1490 in den Besitz von Wolfgang von Weisseneck udn wird zu einem Edelhof ausgebaut.

1489

Kaiser Maximilian bricht mit einem Heer von Graz über den Semmering zur Befreiung Wiens von der ungarischen Herrschaft auf.

Brief von Kaiser Friedrich III. an den Abt von St. Lambrecht: "Friedrich von gottes gnadn Römischer Kaiser - Ersamerstlicher lieber andechtiger Wir haben unns getrewn Caspar von Marx und ann der Weilent Ulrichs Stischl pfarrer Zu sannd Marein im Mürtztall geschefftlewt anbringn lassen Wie du dem benanntn pfarrer Hundert und Zehen pfunt pfennig schuldig worden seist dy Sy auf gullt Zu Stifftung dreyer jartag in der bestymbtn unser frawn kirchn Innhallt seins verlassen gescheffts anlegn und brauchn sollten Und aber daran durch dich verhindert worden des Sy sich beswert bedunlichts Emphelln wir dir ernstlich und welln das du den genelltn geschefftlewtn die bebenant Sum gellts fürderlich betzallest und darumb bereurrgig machest, damit Sy die obbemelltn Jartag des fürderlicher aufrichtn mürtz daran tust da unns ernstliche maynung Beben Zu Lynntz an Montag vor unser lieben frawn tag der Liechtmest anno domini 1493 Unsers Kaiser tumbt im ainhundertzigstn Jare"

1490 Schreiben von Kaiser Friedrich III.
Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., tritt Maximilian I. als Herrscher über das römisch-deutsche Reich dessen Nachfolge an und übernimmt auch das Erzherzogtum Österreich. Zu Beginn seiner Regierungstätigkeit lässt er die Grazer Burg durch den Maximilianbau erweitern, wobei die berühmte gotische Doppelwendeltreppe entsteht (1499). 1493 Maximilian I.
Der Adel beginnt mit dem Umbau des in der Herrengasse bestehenden Schreibhofes und der umliegenden Privathäuser zum Landhaus. Eine Urkunde berichtet über den Verkauf der "Channtzley von Bürger Heinrich Ernnst" 1494 Heinrich Ernnst
Am 10. August 1495 werden auf Betreiben der Stände durch Maximlian I. die Juden wegen angeblicher Schändung der Hostien, wegen Kindesmord zu rituellen Zwecken und Fälschung von Schuldbriefen unter Zahlung einer "Judenablöse" von 38000 Gulden aus Graz und Innerösterreich verbannt. Ihr sogenanntes "Judenhaus" in der Schmiedgasse 21 schenkt Maximilian seinem Rat Erhard von Polheim. In der Folgezeit findet es sich im Besitz des Freiherrn Hanns Wilhelm von Galler, wird von diesem 1630 an den landwirtschaftlichen Koch Sebatian Khneißl weiterverkauft und schließlich 1641 von Graf Otto Gottfried Kollonitsch, dem k.k. Regimentsrat von Erzherzog Leopold Wilhelm, als Stadtpalais Kollonitsch erworben. 1495
Zu Beginn seiner Regierungszeit lässt Kaiser Maximilian die Grazer Burg durch den "Maximilianbau" erweitern, indem er die beiden unter Friedrich III. entstandenen Gebäudetrakte durch einen Flügel verbinden lässt. Dabei entsteht auch die berühmte gotische Doppelwendeltreppe. 1499 Doppelwendeltreppe
Kirchliche Einteilung der Steiermark um 1500. 1500 Steiermark Graz
Die Sittenlosigkeit des Klerus und der Laien nimmt so stark zu, dass Papst Leo X. die Minoriten wegen ihres skandalvollen Lebens aus Graz vertreibt, nachdem sich zuvor schon Maximilian in einem Schreiben über deren freies Leben beklagt hatte (licentiosam vitam agentes). Das Kloster wird den Observanten (Franziskanern) übertragen. 1515  
Auf dem frühsteinzeitlichen Siedlungsgrund des Buchkogels in Wetzelsdorf wird 1507 erstmals die Wallfahrtskirche St. Johann am Kögelein erwähnt, die 1589 durch eine Stiftung der Erzherzogin Maria Anna von Bayern vergrößert wird. Die Fredken im Inneren von St. Johann und Paul stammen vom Admonter Barockmaler Bartolomeo Altomonte. 1507

Die Sittenlosigkeit des Klerus und der Laien nimmt so stark zu, dass Papst Leo X. die Minoriten ("Sckwarze Franziskaner") wegen ihres skandalvollen Lebens aus Graz vertreibt, nachdem sich zuvor schon Maximilian in einem Schreiben über deren freies Leben beklagt hatte (licentiosam vitam agentes. Das Kloster wird den Observanten ("Braune Franziskaner") übertragen.

Wegen der Ausbeutung durch den Adel und die Kirche kommt es in der Untersteier zu einem Bauernaufstand, der bei Cilli durch die kaiserlichen Truppen niedergeschlagen wird.

1515

Durch den Steuermann Martin Alonso Pinzón von Christoph Kolumbus Entdeckungsreise auf den Antillen wird die Syphilis nach Europa eingeschleppt und verbreitet sich rasend schnell. So wird das französische Söldnerheer Karl VII. bei Neaoel gleichsam über Nacht ausgelöscht, deshalb auch der Name "Franzosenkrankheit" für die Seuche.

Um das stark verbreitete Laster des Trinkens und Fluchens einzudämmen, gründet Landeshauptmann Sigmund von Dietrichstein in Graz den Orden vom Hl. Christophorus.

Das Franziskanerkloster St. Leonhard am Tummelplatz wird nach deren Übersiedlung in das Murkloster den Nonnen des Dominikanerordens überlassen."Chronica von vil Namhaftigen geschichten in Steyrmarckt".

Luthers Thesenanschlag an der Schloßkirche zu Wittenberg.

1517

Als 1529 Maximilian I. stirbt, erbt sein Enkel Karl (1500-1558) unter anderem auch die Habsburgischen Lande mit dem Kernland Österreich und folgt diesem als Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches sowie als Erzherzog von Österreich nach.

Der "Triumphzug Kaiser Maximilian I.", eine Serie von 147 Einzelholzschnitten, die den Glanz seiner Hertrschaft demonstrieren soll, ist zu Maximilians Tod noch nicht fertiggestellt. Ein erster Abdruck erfolgt erst 1526 durch seinen Enkel Erzherzog Ferdinand, wonach die Holzstöcke dann im Erbfolgestreit zwischen Ambras und Graz aufgeteilt und unter Maria Theresia, wei viele andere Objekte, nach wien abgegeben werden müssen.

1519

Zur Erbhuldigung der Steiermark werden am 6. Februar 1520 die kaiserlichen Abgeordneten Casimir Markgraf von Brandenburg, Johann Jakob Freiherr von Mersburg, Georg Truchleß von Waldburg und Simon von Pfirt mit großer Pracht in Graz empfangen.
Hans Hofmann berichtet darüber in seiner 1523 in Augsburg herausgegebenen "Steiermärkischen Erbhuldigung von 1520/21 sambt Huldigung der Landtäg und Freyhaitten, Landhanduest".

Bau des Verbindungsgang zwischen Ägidiuskirche und der Burg.

Das Burgtor erhält einen Renaissanceaufbau mit einer Uhr, weshalb es auch "Uhrtor" genannt wird.

1520 Verbindungsgang Burg-Dom Uhrtor

Kaiser Karl V. überlässt im Wormser Vertrag vom 28.4.1521 seinem Bruder Ferdinand I. (1503-64), Enkel von Kaiser Maximilian I. als auch von Ferdinand II. von Aragonien und Isabella I. von Kastilien, die österreichischen Erbländer mit Österreich ober und unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain.

Erzherzog Ferdinand I. beruft den Landtag ein, um eine Hilfe durch die ständischen Truppen gegen die Türken bewilligt zu erhalten.

Das Bankgebäude mit der frühesten Stuckfassade von Graz ist im Besitz des Stadtrichters und Bürgermeisters Andre Frölich (1537).

1521 Ferdinand.I.

Die Zunahme der Feuerflammen aus allen Leibesöffnungen des Panthers veranschaulicht in der ersten gedruckten Landhandfreste die neue Sinngebung durch die steirischen Stände: "Nemo Styrorum Pantheram tangere tentet Ructat ab ore ignem posteriusque cacat." (Niemand wag' es, den Panther der Steiermark zu reizen, Feuer versprüht sein Maul, Feuer der Hintern auch.)

Der Salzburger Erzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg versucht die gewaltsame Unterdrückung der Reformation und führt einen erfolglosen Kampf gegen Ferdinand I. - der zwar wie sein Bruder katholisch, aber ein Reformanhänger ist -, da die Konfessionszugehörigkeit von Entscheidung des Landesfürsten abhängig ist, was zur Folge hat, dass sich diese neue, streng auf Bibel konzentrierte Theologie durch eine neuartige Predigt, durch die Bibelübersetzung ins Deutsche und durch Flugblätter rasch in allen Teilen des Landes auszubreiten beginnt.

1523

Landhandfeste
Wellenburg

In Graz, Bruck/Mur und Rottenmann finden sich Anhänger der Wiedertäufer, deren Gründungsvater, der Schweizer Zwingli, eine staatsfreie evangelischen Kirche fordert und Kriegsdienst, Kindertaufe, die Realpräsenz Christi, Bußsakrament, Fegefeuer und Fürbitten ablehnt.

Unter Bergrichter Gabriel Reustl plündern aufständige Bauern im Ennstal das reiche Stift Admont und erobern Rottenmann.
Landeshauptmann Freiherr Siegmund von Dietrichstein, ein getreuer Gefolgsmann Kaiser Maximilans I. und mit dessen geheimer Tochter Barbara von Rottal verheiratet, zieht mit einem Södnerheer von Graz Richtung Schladming, um einen Aufstand von 1500 protestantischen Bauern und Bergknappen niederzuschlagen. Er wird dabei bei Gaishorn besiegt und von Bauern in der Burg Werfen gefangen genommen, später aber wieder frei gelassen. Als Vergeltung tötet der zur Hilfe gerufene Niklas von Salm mit seinem Söldnerheer Anfrang September die schlecht bewaffneten
4000 Bauernaufständischen und macht Schladming dem Erdboden gleich, das auf 400 Jahre sein Stadtrecht verliert.

Seyfried von Eggenberg stellt den Minoriten, die ihr Kloster an die Franziskaner abtreten müssen, in der Murvorstadt eine Bleibe zur Verfügung.

1525 Bauernaufstand Schladming

Der ehemalige Priester Hans Has von Hallstatt tritt der Täufer-Bewegung bei und beginnt in Windischgrätz mit seiner Predigttätigkeit bir er verhaftet und am 2. Dezember 1527 in Graz hingerichtet wird. Die sogenannten "Wiedertäufer" lehnen die Säuglingstaufe ab und verweigern zudem der Obrigkeit den Untertaneneid und Kriegsdienst. Zu ihren Gottesdiensten treffen sie sich in der Jungferngasse im ehemaligen jüdischen Ghetto im Haus ihres bedeutendsten Grazer Führers Kaspar Maier, der im Jahre 1529 festgenommen und aus Graz vertrieben wird.

Als Gegenstück zur Burg der katholischen Landesfürsten finanziert der protestantische Adel den Bau des Landhauses.

1527

Im Jahre 1528 findet durch König Ferdinand I. und die Bischöfe die erste landesfürstliche Visitation (als kirchliches Zuchtmittel) der Reformationszeit in Österreich statt, wobei die Einfuhr und der Verkauf protestantischer Bücher verboten wird und der Betrieb von Druckereien nur mehr in Wien, Linz, Graz, Klagenfurt und Laibach erlaubt ist.

Erster von Eseln betriebener Lastenlift /Eselstrieb) zur Beförderung von Steinen und Ziegeln für die Festungsanlage auf den Schloßberg.

1528  
Freiherr Sigmund von Herberstein, verehelicht mit Helene von Saurau, steht wegen seiner außerordentlichen Sparchkenntnisse sowohl bei Kaiser Maximilian als auch König Ferdinand in diplomatischen Diensten. Zwischen 1515 und 1553 unternimmt er 69 Auslandsreisen, wobei er in seinem berühmten Werk "Rerum Moscoviticarum" in lateinischer Sprache eine detailreiche Beschreibung des russischen Zarenreiches von Wassilji III. verfasst. 1531 Herberstein

Auf dem Rückzug von der erfolglosen Belagerung Wiens brennt Sultan Süleyman I. mit seinen Truppen im August 1532 in der Oststeier die Dörfer Grafendorf, Neudau, Kirchberg, Gleisdorf und Leibnitz nieder und maschiert an Graz vorbei. Der türkische Geschichtsschreiber Bedschewi berichtet: "Am 11. September lagerte man vor der unvergleichlichen Stadt Gradsch. Wenn es im Lande der Ungläubigen eine ihr gleiche Stadt gibt, so ist es nur die Residenz des Königs in Wien." Mitte September 1532 schlagen sie in St. Leonhard ihr Lager auf und starten vom "Voglbichl" (Ruckerlberg) herunter Angriffe auf die Stadt. Reiter wollen die Murvorstadt in Brand stecken, werden aber zurückgetrieben. Der Grazer Feldhauptmann Hans Katzianer verfolgt das daraufhin weiterziehende Türkenheer und fügt der von Ibrahim Pascha befehligten Nachhut eine schwere Niederlage zu. 8000 türkische Soldaten sterben auf dem Schlachtfeld.
Zur Erinnerung entsteht daraus der Brauch, dass am 23. Juni, dem Johannisabend, ein Tartarmann aus Stroh in der Karlau angezündet und in die Mur geworfen wird.
Der türkische Schriftsteller Szolaksade schildert den Türkeneinfall so: "Am 11. September passierte man durch den Paß des Leithagebirges und kam zur großen Stadt Gradschasch, welche die alte Residenz des misglücklichen Königs, welche mit Weinbergen und Wäldern, mit Gärten und Feldern die Wahrheit des Ausspruches Mohammeds bewies: 'die Welt sei den Ungläubigen Paradies.' Durch den hohen Mut des Länder erobernden Padischah wurde demselben auch die Eroberung dieser Stadt beschert und ihre Bewohner dem Schwerte zum Fraße gewährt."

Der reiche Händler Georg Stürgkh, der 1518 von Kaiser Maximilian I. einen Wappenbrief erhielt, wird in den steiermärkischen Ritterstand aufgenommen. Er erbt von Thomas Oedenleich in der Herrengasse 17 am Grazer Hauptplatz ein Palais und erwirbt auch die Burg in Plankenwarth, nach der die Familie in der Folge den Namen trägt. Sein gegen ihn rebellierender Sohn Ludwig baut etwas tiefer, unter der Feste gelegen, eine eigene Burg, die Ludwigsburg.

1532

Suleiman.I. Ibrahim Pascha

Errichtung einer protestantischen Adelsschule in Graz. 1533  

Stadtbild von Graz in einem Nachstich von G. Bouttats.

Dort wo die Mandellstraße in die Petersgasse übergeht (gegenüber dem Sacre Coeur auf dem Gelände des Neuen Campus der TU Graz), wird 1540 erstmals der nach seinem Eigentümer, dem Apotheker Georg Schörckl, benannte Schörcklhof erwähnt. In der k.k.-Zeit dient er dem Militär als Verpflegungsmagazin, bevor er 1960 abgerissen wird.

1540
Häuser im Bereich Sporgasse, Bürgergasse und am Glockenspielplatz mit tiefgesteckten Parzellen. Sackstraße mit Hofstätten (Kellersperg'sches Stadthaus, Krebsenkeller) und erstem und zweitem Sacktor. Blut- und Pomeranzengasse (Reichengasse) mit überbauten Schwibbögen.
Wegen der ständigen Türkengefahr bewilligt König Ferdinand I. 3000 Gulden zum Ausbau der mittelalterlichen Steinmauern zu einer uneinnehmbaren Schloßbergfestung, einem gewaltigen Renaissance-Bollwerk (Stall-, Bürger-, Kanonenbastei mit Verliesen) und der "Eisernen Jungfrau". Dazu beruft er vorrangig italienische Baumeister aus dem Raum von Como, die den modernen Festungsbau bestens beherrschen und wird damit zum Initiator für den italienischen Renaissancestil in Graz. Unter der Bauleitung von Domenico d'Allio lässt er 1545 bis 1563 um die Stadt einen annähernd kreisförmigen Festungsgürtel errichten. Dazu werden 1544 noch 2 weitere Seilbahnen errichtet; eine direkt neben der ersten am Kai, die zweite vom inneren Paulustor zum Uhrturm. 1544
Johann von Malentein zu Preißenegg wird am 19. Juni 1546 durch Herzog Ernst von Bayern als Bischof Johann III. von Seckau (1546-1550) ernannt. Wegen mangelnder Amtsführung und der Aufrechtserhaltung eines Konkubinats während seiner Amtszeit erhält er einen starken Verweis. 1546
Bau des Grazer Rathauses am Hauptplatz im Renaissancestil. Darin befinden sich auch die Hauptwache ("Hauptwachplatz") und im dritten Stock das Gefängnis sowie die Hinrichtungsstätte für hochgestellte Persönlichkeiten. Rechts vom Eingang unter dem Arkadengang in den Rathauslauben können die Händler in Kaufläden ihre Waren anbieten.

Der protestantische Statthalter des Erzherzogtums Österreich unter der Enns (Landeshauptmann) und Vizedom zu Cilli, Hans III. Ungnad von Weißenwolf (1549-55) befiehlt, stengstens gegen die Zigeuner vorzugehen; sie werden mit Leibesstrafen belegt und ausgewiesen. Vergeblich um die Religionsfreiheit bemüht, legt er 1556 seine Ämter nieder und geht nach Urach in Württemberg, wo er die "Windische. chrabatische und cirulische Thrukerei" gründet und die kroatische Übersetzung des Neuen Testaments in glagolitischen und kyrillischen Lettern druckt.

1550

Hans Ungnad Rathaus

Kaiser Ferdinand I. verordnet, dass die Juden in allen österreichischen Ländern wegen ihrer lastelichen Taten und bösen Handlungen zur Unterscheidung von den Christen als Judenzeichen einen gelben Ring "an ihrem obern Rockh oder Klaid auff der lincken Seitten der Brust, offentlich und unverporgen gebrauchen und tragen sollen."
Die Stempfergasse mit ihren schmalen mittelalterlichen Häuserfronten markiert die nördliche Begrenzung des aufgehobenen Ghettos.

Dr. Philipp Renner, der aus Gamlitz in der Südsteiermark stammt ("Philippus Renner ex Gamlitz") wird 1533 vom Salzburger Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg in seiner Eigenschaft als Eigentümer der Diözese Lavant (Die anderen drei Salzburger Eigenbistümer sind Gurk, Seckau und Chiemsee) zu deren Bischof ernannt, nachdem er zuvor schon 1511, als Sufragan des Salzburger Erzbischofs, Weihbischof des Patriachats von Aquileia für die außerhalb Friaus gehörenden Gebiete ("diesseits der Berge") wurde, die ihn berechtigen, bischöfliche Handlungen in Karain und in der Untersteiermark südlich der Drau, im Gebiet von Pettau vorzunehmen. 1537, in einer Zeit der Türkeneinfälle, Bauernaufstände und der Verbreitung der Reformation in Kärnten und der südlichen Steiermark, wird Bischof Renner durch den römisch-deutschen König Ferdinand I. zum Hofkaplan ernannt und nach dem Tod des Seckauer Bischofs Johann von Malentein 1551 AQdministrator von Seckau. Seine letzte, in diesem Jahr dokumentierte Konsekrationsreise führt ihn nach Edelschrott, Hirschegg, Stahlhofen, Übelbach, Semriach und Passail.

1551 Juden-Generalmandat

Der Seckauer Bischof Petrus Percic (lat. Persicus 1553-72), auch Archdiakon der Unteren Steiermark und als solcher Pfarrer in Gratwein, unterhält seit 1530 die erste Steirische Druckerei. 1559 verkauft er dem Grazer Drucker Alexander Leopold sein Druckzeug (Fundament und Buchstaben), welcher als erstes bekanntes in Graz gedrucktes Werk 1559 ein "Perckrechts-Buechel", eine Bestätigung des Weibaurechtes im Herzogthumb Steyer, herstellt.

Der Grazer Stadtpfarer Andreas Gigerl (1553-1570), ein verheirateter lutherischer Theologe, aber katholischer Kirchenzugehörigkeit, hält nach beiden Seiten hin offene Gottesdienste udn ist Verfasser eines protestantischen Gesangsbuches von gereimten Evangiienstrophen, der "Gesangs Postill", des ersten steirischen Notendruckes. Für seine Vater Lorenz Gigerl, Schumachermeister und Marktrichter von Anger, lässt er ein gemaltes, hölzernes Grabdenkmal herstellen, auf dem im Hintergrund die Silhouette von Graz zu erkennen ist.

1553

Am Schloßberg, westlich der Stallbastei, wird der 94m tiefe Türkenbrunnen zum Grundwasser der Mur durch osmanische Martolosen gegraben.

Zum Palas des vorderen Friedrichsbaues der Grazer Burg wird 1554 durch Domenico d'Allio ein Verbindungstrakt zum Burgtor mit einer überdachten Prunkstiege zum Palas angelegt.

1554
Auf dem Reichstag zu Augsburg wird am 25. September 1555 im Augsburger Religionsfrieden zwischen Ferdinand I. und den Reichständen nach der Formel "cuius regio, eius relgio" beschlossen, dass nur der, der das Land regiert, den Glauben für sein Volk bestimmen kann und nicht die Bewohner selbst. Jenen Bürgern, die nicht konvertieren wollen, wird lediglich das "Recht" eingeräumt, in ein anderes Land auszuwandern. Die konfessionellen Gegensätze zwischen den Geistlichen und den Weltlichen werden dadurch aber auf Ort- und Landesebene nicht beseitigt, sondern eher zum Dauerzustand. Zwei Drittel aller Steirer bekennen sich zurm reformierten Kirche. 1555
Die protestantischen Landstände, die in starker Kokurrenz zu den katholischen Landesherren mit ihrem Sitz in der Grazer Burg stehen, kaufen nach einem Brand der alten Landstube den ganzen Häuserblock Schmied-/Landhaus-/Herrengasse und lassen nach Plänen von Domenico d'Allio ein neues Landhaus in der Herrengasse 13 erbauen.
Rechts vom Eingang hängt die "Rumortafel" aus Kupferblech, welche unter Androhung von Strafe die Benimmregeln für den Landtag taxativ aufzählt: "Mit der Fürst Durchl. Erzherzogen Karl zu Oesterreich unsers gnädigsten Herrn u. Landesfürsten gdsten Vorwißn Consens u. Ratification hat eine hochlöbliche Laaft dieses Herzogthumbs Steyer in dem Landtag under anderen auch dahin beschloßen u. Befehl gethan, daß Niemand wer der auch seyn mag sich untersteh in dießem Hochbefreyten Landthaus zu rumoren, die Wöhr, Tolch oder brotmesser zu zucken, zu palgen u. zu schlage gelichfals mit anderen Wöhren Ungebühr zu üben oder Maulstreiche auszugeben sondern hierinnen aller Gebühr und Bescheidenheit mit Worthen und Werthen zu gebrauchen. Welche aber darwieder handeln daß sie slöeben nach Gelegenheit des Verbrechens an Leib und Leben unnachläßlich sollen gestraffet werden darnach sich männiglich wiße zu rchten. Actum 20. Sept. 1588."
1557 Landhaus Landhaus Landhaushof
Steinerne Saal

Nach der Abdankung Kaiser Karls V. wird sein Bruder König Ferdinand I. (1503-1564) in Frankfurt am Main als Kaiser des Heiligen römischen Reiches ausgerufen. Ferdinand, zwar Katholik, ist in Glaubensfragen aber wie schon sein Bruder ein Anhänger des restaurativen Reformmodells und verfolgt eine Politik der Kompromisse und der gegenseitiger Duldung zwischen den Religionen: Nicht die Glaubenslehre ist wichtig, sondern konkrete Reformen wie die volkssprachliche Liturgie, der Laienkelch und die Priesterehe.

Die Landstände kaufen von Siegfried von Eggenberg das Neue Spital am Murtor und richten dort eine Stiftsschule ein.

1558 Ferdinand I.

Für die Ausbreitung der Reformation spielen Flugschriften eine ungeahnte Breitenwirkung, die nicht periodisch erscheinen und aus Kostengründen meist keinen Einband haben. Seit 1559 existiert in Graz die landschaftliche Druckerei von Alexander Leopold, der das „Zehn-Gebote-Lied“ des evangelischen Lanschafts-Kaplan Balhasar Schelhin und das „Buch von der Gnade Gottes“, als auch das "Perrechts-Buechel" druckt.

Die Propaganda für den jeweiligen Glauben steigert sich in den Druckwerken der Protestanten (Georg Khuen aus Nürnberg, Jeremias Homberger aus Fritzlar, Philipp Heerbrand aus Tübingen) bzw. der Katholiken (David Saxenrhetor, Georg Scherer aus Tirol, Propst Peter Muchitsch) zu einem gegenseitigen gehässigen groben Provozieren.

1559 Perckrechts Buechel

Der Mathematiker, Astronom und Humanist Hieronymus Lauterbach (geb, 1531 in der Oberlausitz - gest. 1577 in Graz) zieht nach seinem Studium in Wien 1561 nach Graz und unterrichtet am landschaftlichen Gymnasium der evangelischen Stände Mathematik und Astronomie.

Erbauung des 28m hohen Uhrturms mit einem hölzernen Wehrgang, 4 übergroßen Ziffernblättern mit verkehrten Zeigern und der "Armensünderglocke" zur Anzeige von Hinrichtungen.

Spitalsgründung durch Ferdinand I.

Bau des später 1775 durch Franz Anton Graf von Inzaghi umgebauten Palais am Bischofspaltz 1 durch Graf von Stubenberg sowie des Inzaghi-Palais am Färberplatz.

1561

Als Kaiser Ferdinand I. stirbt, werden seine Länder unter seinen drei Söhnen aufgeteilt: Maximilian II. wird Kaiser und Erzherzog von Österreich (Böhmen, Unagern, Nieder- und Oberösterreich), Ferdinand II. bekommt Tirol und die Vorlande und sein jüngster Sohn Karl II. (1540-1590) wird Erzherzog von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Grdaduska, Triest und Inneristrien). Das protestantische Graz wird damit Residenz eines katholischen Landesherrn, von wo Karl II. bis zu seinem Tod im Jahre 1590 aus regiert. Die Kirche St. Ägid wird Hofkirche. Johannes de Cleve, seit 1553 Tenorist in der Kapelle von Kaiser Ferdinand I., wird von 1564 bis 1570 Kapellmeister von Erzherzog Karl. Für die "Gesang-Postill" des Grazer Stadtpfarrers Andreas Gigler, den ältesten Notendurck Steiermarks, schreibt er zwanzig 4-stimmige Tenor-Cantus-firmus-Sätze, die eine Nähe zum Protestantismus vermuten lassen. 1579 widmet Erzherzog Karl sein drittes Molettenbuch.

Die Stände fördern die gemeinsam arbeitenden Drucker Tobias Lauterbach und Zacharias Bartsch.

1564 Bartsch Erzherzog Karl II. Innerösterreich
1565.Graz Gratium ratium

Anlässich der Hochzeit von Erzherzogin Johanna von Österreich, der jüngsten Tochter Kaiser Ferdinands I., mit Francesco I. de Medici, dem Begründer der Uffizien, am 18. Dezember in Florenz wird der Innenhof des Palazzo Vecchio von Giorgio Vasari mit Fresken habsburgerischer Stadtansichten, darunter der Vedute von Gratz, ausgemalt.

Schlosshauptmann Pangratz Freiherrr von Windischgrätz lässt das Palais Saurau-Goeß in der Sporgasse erbauen.
In der Herrengasse wird vom Hofkriegsrat Servaz von Teufenbach aus drei Häusern das sogenannte Teufenbach`sche Haus erbaut, das durch die Grafen von Breuner zum barocken Palais Breuner (Generalihof) umgebaut wird.

1565 Johanna v. Habsburg Francesco I. Gratz
Zacharias Bartsch druckt das "Wappen-Buch", eine Sammlung von 162 kolorierten Einblatt-Holzschnitten adeliger Familien und einiger Städte der Steiermark: "Wappen-Buch darinnen aller geistlichen Prälaten Herren und Landleut auvh der Stett des loeblichen Fuerstenthumbs Steyer Wappen und Insignia mit ihren Farben, nach Ordnung wie die im Landhause zu Graetz angemahlt zu finden. Gedruckt zu Grätz durch Zacharias Bartsch Formschneider". 1567

In Graz gibt es etliche Priester, die sich zur Augsburger Konfession bekennen.

Die Landschaft erwirbt das Eggenberger Spital und die Allerheiligenkriche und gründet dort eine protestantische Stiftsschule, an der auch Johannes Kepler lehrt.
Mühlschlössl des evangelischen Landschaftsarztes Christoph von Gabelhofen im heutigen Volksgarten.

Um die Bedeutung der protestantischen Bürgerschaft zu demonstrieren, findet zum Egydimarkt, am 7. September, auf der bürgerlichen Schießstätte der Kühtratte (heute Radetzkystraße) ein Schützenfest mit 126 Teilnehmern aus der Steiermark, aus Wien, Steyr, Salzburg, Wolfsberg und Melk statt, zu dem auch der junge Erzherzog Karl eingeladen ist. Dazu holt man sich aus Augsburg den bekannten Illuministen Leonhard Flexel samt Sohn Valentin als Pritschenmeister, eine Art Zeremonienmeister. In seiner bunten Narrenkleidung züchtigt er spaßhalber mit einem flachen langen Holz, der Pritsche, diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen. Am letzten Tag der Festspiele tischt der Magistrat allen Schützen vor dem Rathaus ein königliches Festmahl auf 12 grün geschmückten Rundtafeln auf. Nach der Preisverleihung defilieren die Teilnehmer und Musikgruppen im Festzug durch die Stadt, angeführt von einem Buben in weiß-grünen Hosen und einer roten Fahne mit 62 aufgenähten goldenen Scheiben, die anzeigen, dass der hinter dihm folgende Schützenkönig, ein gewisser Ulrich Hold aus Ehrenburg, 62 Gulden gewonnen hat.

1568


Schützenfest

Nachdem Graz fast zur Gänze protestantisch ist, schickt auf Ersuchen von Erzherzog Karl II. das Wiener Kolleg im März den Jesuitenpater Stephan Rimel für Fastenpredigten nach Graz.

Annibale Padovano (*1527 in Padua, + 15. März 1575 in Graz), erster Organist am Markusdom in Venedig, organisiert am Hof von Erzherzog Karl in Graz die Hofmusik neu und folgt ab 1570 Johannes de Cleve (1528-1582) als Hofkapellmeister nach.

1570  

Der steirische Adelige Freiherr Andreas Eberhard von Rauber, im Rauberhof (dem späteren Lesliehof) in der Raubergasse Nr.10 beheimatet, ist in ganz Europa wegen seiner riesigen Gestalt und unglaublichen Körperkraft, aber auch wegen seines Markenzeichens, einem bis zum Boden reichenden, zu zwei Zöpfen geflochtenen Bartes bekannt. Für seine Heldentaten soll er mit der Hand Helenas, der unehelichen Tochter seines kaiserlichen Freundes Maximilians II. (1564–1576) belohnt werden. Als plötzlich ein weiterer Bewerber, ein reicher spanischer Edelmann auftaucht, soll ein Zweikampf die Entscheidung bringen. In Anwesenheit des Kaisers und seines Bruders Erzherzog Karl II. wogt das Ringen auf dem Tummelplatz hin und her, bis Rauber den Spanier auf den Boden wirft, ihn in einen Sack steckt und dem Kaiser zu Füßen legt. Unmittelbar danach findet in der nahen Kirche die Trauung statt. Die Ehe ist aber nur von kurzer Dauer und kinderlos. Erst Raubers zweite Frau, eine ungarische Adelige, schenkt ihm dann vier Kinder.

Der Hofbibliothekar von Kaiser Maximilian II., der holländische Jurist Hugo Blotius schildert auf seiner Durchreise von Wien über Neustadt, durch das Mürztal, über Bruck nach Graz und von da nach Venedig und Padua im Oktober 1571 Graz und den Schloßberg so: „Dieser ganze Weg von Prugg nach Graz ist zwischen Bergen gelegen und wurde mit mittelmäßiger Schnelle zurückgelegt.Graez oder Graecium ist eine Stadt mittlerer Größe, sattsam befestigt und erzherzoglicher Sitz, welche Erzherzog Karl in dieser Zeit vorzüglich teils befestigte, teils auch widerstandsfähig gestaltete. Von Norden erhebt sich steil der Schloßberg von allen Seiten reich mit Bergen umgeben, besonders durch die Abhänge zur Festung bestimmt. Jener Teil desselben, welcher zur Stadt steht, ist nämlich allmählich vom Gipfel absteigend in leichter Abschüssigkeit mit derselben verbunden. Das ganze Joch dieses Berges nimmt die Burg ein, von Natur und Menschenhand stark befestigt, sowohl prächtig als angenehm zu sehen. Eine Doppelmauer und große Befestigungswerke schützen den größten Teil derselben. Auf dem Gipfel des Berges selbst ragt sehr hoch und herrlich eine Burg über die Mauern, die schön bemalt und ausgestattet sind, innen sind vier bis fünf Militärkasernen, deren einige, eben gelegen, zur Aufbewahrung von Kriegsvorräten und genügenden Verteidigung des Waffenplatzes dienen. Gegen die Nordseite des Schloßberges liegt ein mit Weinreben bepflanzter Garten, genug groß, um Hirschen und anderen Tieren, so auch Rindern zu dienen. Waldungen hat er keine außer einem Eichenhain, der mit einem Teil gegen den Fluß zu sich erstreckt. So sind gegen Sonnenaufgang Gärten, gegen Mittag die Stadt und gegen Sonnenuntergang der Murfluß gelegen, gegen Norden der Weingarten; an den Seiten des Schloßberges ragen Klippen und Felsen, die schon ehevor standen." Auch der frühe Lastenseilzug wird erwähnt: „Hac subtrahuntur onera." „Die Stadt selbst hat vier Tore und eine große Vorstadt (Suburbium) gegen Westen. An der nördlichen Mauer der Stadt steht der Palast des Herzogsmit einem großen Platze, zusammenhängenden Gärten, einer Reitschule usw. Palast und Stadt versuchte der Fürst befestigter und geschlossener zu erbauen. Gegen den Fluß zu aber sind die Mauerbefestigungen schwach. Die Stadt selbst besitzt Stärke und Befestigungswerke. Ihre Gestalt ist ähnlich der von Wien, mit eingestüzten und wieder ausgebesserten Mauern. Straßen aber hat sie wenige, aber dafür breite, ebenso einen geräumigen Marktplatz. Sie liegt in einer großen Ebene, aber in unfruchtbarer Laghe."

Mathias Wurgenbock erzählt in der Heidelberger Handschrift die Geschichte „Ain newes lied von den faulen hawssmayde” in Graz.

1571 Freiherr von Rauber Tummelplatz
Schloßberg

Am 26. August 1571 ehelicht Erzherzog Karl II. in der Wiener Augustinerkirche seine Nichte Anna Maria von Baiern (1551-1608), eine Tochter des bayrischen Herzogs Albrecht V., eine fanatische Katholikin („Jeden Morgen stand die Erzherzogin frühzeitig, schon beim Kerzenlicht, häufig bereits um drei Uhr des Morgens auf ... In tiefster Andacht hörte sie hierauf drei heilige Messen, bisweilen sogar vier ... Wöchentlich pflegte sie wenigstens einmal zu beichten ... Häufig trug sie unter dem fürstlichen Gewand den groben Bußgürtel von der Bruderschaft des heiligen Franz oder Armbänder von härenen Stricken." Sie bringt aus ihrer Heimat die ersten Jesuiten mit.

Wenzel Sponrib schildert in seinem, in der Zacharias Bart’schen Offizin gedruckten Büchlein „Grätz“ die „Wahrhaffte Beschreibung der hochzeitlichen Heimführung“ Marias, der Herzogin von Bayern durch ihren Gemahl Erzherzog Karl II. und die in Graz angestellten Feierlichkeiten vom 17. August bis 8. September in Wort und Bild: „Das Brautpaar zieht am 9. September 1571 in Graz ein, wo hierauf in der Ägydiuskirche der Gottesdienst gehalten wird und wie üblich die Kanonen auf dem Schloßberg und den Bationen ihren Salut abfeuern. Die Bürgerschaft rückt in Waffen aus. Ein Turnier auf dem Tummelplatz verschönert ebenso wie eine Ehrenpforte und herrlicheBauten auf dem Platz die Feier. Die Landschaft überbringt als Brautgabe 25000 Gulden in bar und Kostbarkeiten im Wert von 15000 Gulden."
Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten ist auch der in Mons in Flandern geborene Orlando di Lasso (1530-94), einer der bedeutendsten Komponisten der Renaissance und Leiter der bairischen Hofkapelle Herzog Albrechts V., des Vaters von Anna Maria von Baiern, mit seinen Landshuter Kapellmusikern anwesend. Mit einer Kirchen- und Kammermusik (darunter das berühmte Vokalwerk „Tristis est anima mea") sowie mit seiner Commedia dell'arte-Aufführung trägt er wesentlich zur Entwicklung des damaligen Musiktheaters bei. Erzherzogin Anna Maria ersucht auch in der Folge mehrmals in Briefen um seine Musik, bis Lasso selbst 1589 nach Graz kommt, um hier mit der Grazer Hofkapelle zu musizieren, wobei ein von ihm komponiertes Chorstück, bei dem auf der Jesuitenbühne gespielten Drama „Christus ludey" von Stefano Tuccis, später im Jahre 1594 im Erstdruck von Lassos Motetten bei dem von Adam Berg in München ausgebildeten Grazer Drucker G. Widmannstetter erscheint.

Auch der Landschaftsmathematiker Hieronymus Lauterbach schildert dieses Ereignis in seinen „Newen Historien- und Schreibkalender 1572".

Karl.II. Anna Einritt

Als Gegenmaßnahme zu dem unter den Landesständen zunehmenden Protestantismus holt Erzherzog Karl II. zwölf Patres der Jesuiten (ein durch Ignatius von Loyola gegründeter Orden der Gesellschaft Jesu - SJ Societas Jesu) nach Graz und stiftet - als Gegenstück zur protestantischen Schule - der Grazer Pfarrkirche St. Ägid ein Kolleg mit einer 3-klassigen Lateinschule sowie ine Konvikt mit Alumnat, an dem 5 Scholastiker und 2 Laienbrüder aus Wien tätig werden. Der Jesuit Vinzenz de Verda lässt das monumentale Jesuiten-Collegium mit einem prächtien, 1300 m2 großen Renaissancehof sowie ein Konventgebäude (heute Domherrenhof) mit einer dem Hl. Geist und der hl. Barbara geweihten Hauskapelle erbauen. In unmittelbarem Anschluss an das Kollegium wird in der Hofgasse der Taubenkobel", ein Renaissancehaus mit Doppelfenstergestaltung für Hofvicekanzler Wolfgang Schwarz gebaut, der es den Jesuiten ermöglicht, durch ein unteriridisches Gangsystem ungesehen in die Burg, in die Ägydiuskirche und sogar ins Landhaus zu gelangen.

 

1572 Burg Taubenkobel

Des Weiteren lässt Karl II. durch Baumeister Domenico dell'Allio die mittelalterliche Festung auf dem Grazer Schloßberg neu befestigen, die Burg durch den Karlsbau vergrößern und die "Neustadt", das Karmeliterviertel, angelegen.

Im Zuge der umfangreichen Erweiterung der Burg durch Karl II. wird unter der Bauführung von Marco Tadei die mittelalterliche Burg zu einer repräsentativen Renaissanceanlage ausgebaut. Parallel zum Palas über der Stadtmauer wird der Karlstrakt" und der zweigeschossige Aufbau des Eingangstraktes mit dem Trompetengang errichtet sowie der Palas und der Gang zur Ägydiuskirche um ein drittes Geschoss erhöht.


Karls kunsliebende Gattin Maria von Baiern lässt darin eine Schatz- und Kunstkammer einrichten. Darunter Bilder von Jacob de Monte (1591), Frans Poubus, von Teodoro Ghisi aus Mantua (1587), Martino Rota, Balthasare Grineo, Ottavio Zanuoli (1587), Egyd de Rye (1596), Cornelisz Vermeyen oder vom Prager Hofmaler Hans von Aachen (1598) sowie von Joseph Heintz d.Ä. (1603). Ebenso lässt sie 1571 eine Hofkapelle einrichten, die von Sebatian Carlone stuckiert und vom niederländischen Maler Egyd de Rye mit Fresken ausgestattet wird.Das Altarbild malt Giulio Licinio (1571).

Hans von Schärffenberg, der als letzter Landeshauptmann gleichzeitig auch als Hauptmann des Schloßbergs fungiert, unterzeichnet die „Grazer Pazifikation", in der Erzherzog Karl II. dem evangelischen Adel Gewissens- und Bekenntnisfreiheit zusichert („Grazer Libell").

Georg Agcricola, der 1770 vom Salzburger Erzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasy zum Bischof Georg III. von Lavant ernannt wird, erhält wegen seiner Rekatholisierungserfolge und seiner wirtschaftlichen Tüchtigkeit zwei Jahre später, am 25. Oktober 1572, auch das hochverschuldete Bistum Seckau als Bischof Georg IV. zur Verwaltung. Er kann die Schulden verringern, wird aber des Geizes sowie illegaler Kinder beschuldigt.

Hans von Schärffenberg Religionspazifikation Landtagsabhandlungen
Auf halber Höhe an der Ostseite des Reinerkogels in Andritz befindet sich eine Quellgtotte, in deren unmittelbarer Nähe sich seit 1572 eine Kapelle befindet, die dem hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, geweiht ist und später zu dem Wallfahrtskirchlein „St. Ulrich zu Ulrichsbrunn" ausgebaut wird.
Mit Stiftungsbrief vom 12. November 1573 begründet Erzherzog Karl II. die Lateinschule „facultas linguarum", um die ständische Macht der Protestanten im Lande zu brechen. 1573  

Erzherzog Karl II. erlässt nach dem Vorbild des von Kaiser Karl V. erlassenen Reichsgesetzes die „Steirische Landesgerichtsordnung", die festlegt, dass jede Form von Schadenzauber, wie Wetter-, Liebes-, Viehzauber oder Hostienschändung etc. mit der Todesstrafe zu belegen ist, wobei der berüchtigte „Hexenhammer" („Malleus maleficarum") der Dominikanermönche Heinrich Institioris udn Jakob Sprenger con 1487 den Bannrichtern konkrete Richtlinien zur Durchführung von Hexenprozessen gab. Zwischen 1546 udn 1746 stehen in der Steiermark in 220 Gerichtsverfahren 820 Personen, größtenteils aus der bäuerlichen Unterschicht, vor Gericht.

Das erstmals 1462 erwähnte "Eiserne Tor" (Ungartor) wird durch eine unter Baumeister Domenico dell'Allio etwas nach Süden, auf die Höhe der Hans-Sachs-Gasse verlegte Renaissance-Toranlage ersetzt. Vor dem Tor führt eine Holzbrücke über den Stadtgarben zur Kühtratte.

Der lutherische Theologieprofessor David Chyträus, eigentl. David Kochhafe, aus Rostock, arbeitet ab 1574 für die evangelische Landschaftsschule in Graz eine Schulordnung aus, die den Söhnen der landständigen Adeligen eine Ausbildung ermöglicht, die sie vom Elementarunterricht bis zu einer juristischen Ausbildung führt.

1574 Eisernes Tor Eisernes Tor
Wegen Zensurstreitigkeiten werden 1575 und 1578 die landschaftlichen Drucker Andreas Franck und Zacharias Bartsch verhaftet. 1575  

Erzherzog Karl II. von Innerösterreich beruft am 6. August 1577 den Gurker Fürstbischof Christophorus Andreas Graf v. Spaur als Statthalter in die Residenzstadt Graz, der diese Amt bis 1584 bekleidet und als sien Hauptanliegen die Verteidigung des katholischen Glaubens gegen den protestantischen Adel sieht.

In den Innenhofarkaden des Grazer Stadtpalais Lengheimb in der Bürgergasse 4 (Stainzerbauer) Türken-Sgrafffiti.

sNach einem Festessen der Ausschüsse von Seier, Kärnten und Krein wird im Grazer Landhaus eine Tragedj" aufgeführt.

übergibt die Grazer Ägydiuskirche dem Jesuitenorden. Der erste Rektor ist Pater Blyssem aus Prag. Die Stadtpfarre wird mit Bestätigung durch den Papst an die Katharinenkirche übertragen, wobei aber aus Platzgründen die Pfarrgottesdienste trotzdem in der Hofkirche abgehalten werden.

1577
Auf dem Schloßberg wird in den ehemaligen Burggraben das Schlosshauptmannhaus gebaut, dessen riesige Kellergewölbe, die Kasematten, zur Aufnahme von Vorräten, aber auch als Kerker verwendet werden. Die Wageneinfahrt an der Westseite ist noch sichtbar. Heute als Freilichtbühne genutzt. 1578
Hofkriegsrat Franz von Poppendorf errichtet mit Erlaubnis von Erzherzog Karl II. außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer im Dorf Guntarn in der Paulustorvorstadt einen schlossartigen Ansitz. Unter dem nachfolgenden Hofvizekanzler Wolfgang Schrantz wird der Bau erweiter und trägt den Namen „Schrantzenegg". Nach dem nächsten Besitze, dem Grazer Pfarrer und späteren Lavanttaler Bischof Georg Stobäus von Palmburg, wird er schließlich als Palmburg" bezeichnet. Stobäus ist zwischen 1596 und 1609 auch Statthalter von Innerösterreich und erarbeitet für Erzherzog Ferdinand II. einen Plan zur Durchführung der Gegenreformation, indem er rät, alle lutherischen Prediger, Stadträte und Bürger des Landes zu verweisen, sofern sie nicht zum katholische Glauben übertreten.

Nach den Religionsverhandlungen in München, bei denen ein genauer Plan zu Gegenreformation ausgearbeitet wurde, geht die katholische Seite zum Gegenangriff über und erlässt ein am 10. Dezember 1580 ein Dekret, dass in den landesfürstlichen Städten, Märkten und Herrschaften nur mehr die katholische Religion erlaubt. Trotzdem ernennt der streng katholische Erzherzog Karl II. seinen Vertrauten, den Lutherianer Georg „den Breiten" von Herberstein zum Landeshauptmann.

In Lipizza begründet Erzherzog Karl II.mit 3 spanischen Hengsten ein Gestüt zur Züchtung wertvoller Pferde für den habsburgerischen Hof in Graz und mit den „spanischen Karstern" die älteste Kulturpferderasse Europas. In Graz lässt er den alten Stall zu neuen Hofstallungen samt Zureitplatz am Tummelplatz vergrößern.

Der Fabricius Schreibkalender zeigt eine Darstellung von Graz von Daniel Meissner um das Jahr 1540 mit einem mächtigen Kirchturm.

Besitzungen des Stiftes Rein in der Umgebung von Graz: Das Rothenburg-Schlössl im Eggenberger Gutsbesitz in Baierdorf (durch Abt Georg Freyseysen erbaut) und der Wirtschaftshof Schloss Reinthal in Hart ("Harter Schlössl")

1580


Unter Einbeziehung der mittelalterlichen Stadtmauer wird in der Grazer Burg von Marc Antonio Tadei ein zweigeschossiger Registraturtrakt mit Renaissanse-Arkadengängen, toskanischen Säulen und Sgraffitidekorationen als Verbindung vom zweiten zum dritten Burghof errichtet. 1581
Erzherzog Karl II.lässt im Süden von Graz einen dritten, den unteren Tiergarten mit einem reichen Bestand an Damhirschen sowie Falkenhäuser und Reiherstadel anlegen und baut das anch ihm benannte Lust- und Jagdschloss Karl-Au als seine Sommerresidenz. 1584 Karlau
Martin Brenner (11.11.1548 bis 14.10.1616), ein gebürtiger Schwabe, wird vom Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zum Fürstbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und schenkt dem Bustum Seckau die Burg Seggau bei Leibnitz. Bischof Brenner wird auch in den steirischen Landtag aufgenommen und unterstützt Erzherzog Karl bei der Durchführung der Gegenreformation: lautstark und wortgewaltig wettert er gegen die Evangelischen ("was ist die Ursach, daß ihrer viel in so mancherlei Irrtümern, Schwärmerei und Ketzerei geraten? Sind in Glaubenssachen wankelmütige Wetterhähne, sind wie Rohre im Wasser, ducken, bucken, wenden, biegen sich nach dem der Wind ergehet, als eben daß sie nicht gefirmet worden und ihnen abgehet die Frucht des Geistes..."), weiht 12 neue Kirchenbauten ein, vertreibt die lutherischen Prediger, lässt ca. 28500 reformatorische Bücher vor dem inneren Paulustor und am Eisernen Tor verbrennen und beruft den katholischen Buchdruckers Georg Widmanstetter aus Bayern nach Graz. So gelingt es Brenner binnen eines halben Jahres in der gesamten Steiermark die Gegenreformation durchzubringen, weswegen er als „Malleus haereticorum“ (Ketzerhammer) bezeichnet wird und von der katholischen Kirche den Titel „Apostel der Steiermark“ erhält. 1585 Martin Brenner Widmanstetter
Das Jesuitenkolleg am "Stöckl" ("Taubenkobel") in der Hofgasse wird am 1. Jänner 1585 mit päpstlicher Bestätigung durch Erzherzog Karl II. zur Jesuiten-Universität Graz mit dem Zweck ausgebaut, das katholische Bekenntnis nicht nur im eigenen Land, sondern auch mit Austrahlung in südslawische Gebiete sowie nach Ungarn und Polen zu stärken und auszubauen. In der St. Ägydius-Kirche wird dem ersten Rektor Pater Heinrich Blyssem am 14. April 1586 der Stiftungsbrief samt Szepter und Siegel übergeben. die Lehrer an der Schule (theologische, artistische und sprachliche Fakultät) sind zunächst ausschließlich Mitglieder des Jesuitenordens. Der charkterlichen und wissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer wirdf besonder Bedeutung zugemessen. Gelehrsamkeit, Sorgfalt, Fleiß und Eifer in den Vorlesungen und unbedingter Gehorsam gegenüber dem Orden, verbunden mit einem, uneingeschränkten Bekenntnis zur katholischen Lehre. Der religiöse Lernstoff beschränkt sich auf das Ausweniglernen des Katechismus und eine gründliche Kenntnis der Evangelien. Das Um und Auf des Unterrichts ist die lateinische Sprache, wobei jeder Unterrichtshalbtag mit einer Lateinstunde beginnt. Der Griechischunterricht setzt erst in der vierten Klasse ein.

Die Kirche "zum hl. Ägidius" wird als Hofkirche den Jesuiten zugewiesen und die Pfarre mit Zustimmung von Papst Gregor XIII. von der Katharinenkirche ins Dominkanerkloster zum Hl. Blut (Stadtpfarrkirche) in die Judenggasse verlegt, wohin die Pfarrgeistlichkeit mit Pfarrer Dr. Andreas Peyrer am 30. April 1585 übersiedelt. Die Dominikaner müssen nach St. Andrä ausweichen und der frei gewordene Stadtpfarrhof dient ab jetzt Neuankömmlingen als Wohnung.

Die bis ins 16. Jahrhundert am 6. Sonntag nach Ostern von Straßgang zur St. Ägidius-Kirche stattfindende „Exaudi-Prozession“ betont die frühere Zusammengehörigkeit der beiden Pfarren.
1586 Jesuiten.Universität Heinrich.Blyssem
Peham Stadtpfarrkirche Straßgang
1587 findet an der Jesuitenuniversität eine "Deposition" statt, die Erzherzog Karl derart gefällt, dass er auch seinen immatrikulierten 9-jährigen Erzherzog Ferdinand gleichfalls deponieren lässt. Dieser symbolische Akt des Neueintritts an eine Universität begründet sich aus dem bereits 1158 durch Kaiser Friedrich Barbarossa verliehenen eigenen Universitätsrecht "universitates magistrorum et scholarum". Nach dem Vorbild der deutschen Gilden schließen sich vor allem an ausländischen Universitäten Studierende und Professoren gleicher nationaler Zugehörigkeit zum Zweck der gegenseitigen Unterstützung und Gestaltung des Lehrbetriebes sowie zur Pflege der heimatlichen Bräuche in sogenannten "Nationes" zusammen. Die Studenten wohnen in gemeinsamen Kollegienhäusern, den "Bursen" (Burschen), tragen eine besondere Form von Kleider- und Haartracht (Couleur) und erhalten 1514 von Kaiser Maximilian das Privileg, Waffen zu tragen. Das Zeremoniell der Aufnahme von Neuimmatrikulanten (Deposition) war streng festgelegt: Der Neuling (Fuchs) wird durch allerlei Schabernack von seinem tölpelhaften Status des Pennälertums gereinigt. Im konkreten Fall in Graz muss der Bachant den hölzernen Homer, den er auf dem Kopf trägt, absägen. Vor dem "Quintus" (Leiter der Deposition) müssen anschließend alle Kanditaten einen Eid auf die katholische Kirche ablegen, dann werden ihre Lippen mit dem "Salze der Weisheit", die Nasenlöcher und Schläfen mit dem "Weine der Stärke und Zartheit" bestrichen und ihnen Wasser auf den Kopf gegossen, auf dass sie die "Klarheit der Vernunft daraus schöpfen mögen". Mit der Forme „Alles zur Ehre der heiligen Jungfrau und der heiligen Facultäts-Patrone "Katharina und Xaver" schließt die "Aufnahme" (Adoptio). 1587
Im Auftrag von Erzherzog Karl II. wird der achteckige Glockenturm auf dem Schloßberg erbaut, in dessen Innerem die größte Glocke von Graz, die „Liesl“, mit einem Gewicht von 4632 kg aufgehängt wird. Sie wird täglich um 7, 12 und 19 Uhr mit 101 Schlägen geläutet, weil sie aus 101 Kanonenkugeln der Türken gegossen wurde. Im Glockenturm befindet sich auch ein Verlies, die sogenannte "Bassgeige". 1588

Liesl

Der Dominikanerorden übernimmt das kleine Kirchlein des Predigerordens von St. Andrä in der Murvorstadt und erwirbt für den geplanten Neubau die umliegenden Gärten. 1589 St. Andrä

Als der Sohn des Fassbindermeisters Ruepp Dietrich, dem Besitzer des Renaissancehauses der späteren "Goldenen Pastete", am 4. Juni 1590 durch den Stadtrichter Andreas Spiegl verhaftet wird, weil er trotz Verbot die protestantische Stiftsschule besucht hatte, kommt es vor dem Rathaus zu einem Aufstand von über 500 Bürgern, bei dem sogar der päpstliche Nuntius Malaspina und der Bischof von Gurk misshandelt werden. Der Tumult ist so wild, dass man von einer zweiten Pariser Bluthochzeit spricht und deshalb der herzkranke Erzherzog Karl II. von Bad Mannersdorf nach Graz eilt, wo er im Alter von 55 Jahren am 10. Juli stirbt. Da sein minderjähriger Sohn Ferdinand II., 12jährig noch an der Jesuitenunversität in Ingoldstadt studiert, übernimmt Erzherzog Ernst III. interimistisch die Rolle des Vormundes als Gubernator von Innerösterreich.

Ungeachtet der konfessionellen Auseinandersetzungen erweist dem verstorbenen alles, was Rang und Namen hat, die letzte Ehre. Der Leichnam Karls wird zunächst in der fürstlichen Burg aufgebahrt, später zieht der feierliche Trauerkondukt von der "Alten Kirchn" (Ägydiuskirche) bir zum Eisernen Tor. Dem aus Tirol in die Steiermark gekommenen Dichter Sigmund Banstingl verdanken wir als offiziellem Berichterstatter in gereimter Form die detaillierte Schilderung des Leichenzuges in dem von Hans Schmidt in Graz gedrucktem Werk "Kondukt weiland der in Gott ruhenden Ihrer fürstlichen Durchlaucht Erzherzog Carls zu Österreich hochlobseligster Gedächtnis, welche am 10. Juli Anno 90 in Gott seliglich verschieden und den 17. Oktober in der fürstlichen Hauptstatt Grätz von der alten Pfarkirchen nach gehaltenem Amt über den Platz durch die Herrengassen bis zum Eisernen Tor führet." Der Münchner Kupferstecher Georg Peham verewigt diese Ereignisse in einer insgesamt 17 Meter langen Kupferstichserie.

1590 Goldene Pastete

Sigmund Bonstingl berichtet über das "in der fürstlichen Burgh zu Grätz" abgehaltene Hochzeitsfest von Karl I. Bernhard von Harrach, Freiherr zu Rohrach, Kämmerer von Erzherzog Ernst III. und Berater von Ferdinand II., mit Elisabeth Gräfin von Schrattenbach, der Tochter des Landeshauptmannes in Steiermark, Freiherr Max von Schrattenbach, am 24. November 1591, zu dem die Erzherzoge Ernst III. und Mathias eigens nach Graz kommen. 1591

Im Gedenken an ihren verstorbenen Gemahl Erzherzog Karl lässt seine Witwe Anna Maria von Baiern ein vom Niederländer Jacob de Monte gemaltes Epitaphbild in der Grazer Hofkirche zum hl. Ägydius aufhängen.

Als im Sommer sein Bruder Ernst nach Holland geht, löst ihn sein Bruder Maximilian III. der Deutschmeister ab und verwaltet für seinen jungen Vetter Ferdinand II. bis 1595 das Erzherzogtum Innerösterreich als Gubernator.

Der erzherzögliche Rat und Hauptmann de Grazer Hauptschlosses, Ruprecht von Eggenberg, besiegt als Kommandant der habsburgerischen Truppen zusammen mit Andreas von Auersperg und Thomas Erdödy am 22. Juni 1593 in der Schlacht von Sissek eine türkische Übermacht unter Telli Hassan Pascha. Dafür in den Fürstherrenstand erhoben, zieht er sich dann nach Graz zurück, wo er 1611 an Wassersucht verstirbt mund schließlich seinem letzten Willen entsprechend in dem für ihn in Ehrenhausen errichteten Mausoleum beigesetzt wird.

1593

Stadtansicht von Grätz in einem Kupferstich sowie einer Federzeichnung von Georg Peham.
Die 1586 zur Haupt- und Stadtpfarre erhobene ehemalige Dominikanerkirche erhält ein neues Hochaltarbild mit der Himmelfahrt Marias.

Siegmund Friedrich von Herberstein wird trotz seines „falschen" Glaubens letzter protestantischer Landeshauptmann der Steiermark.

1594 Peham Schlossberg Siegmund von Herberstein
Der 23jährige Mthematiker und Astronom johannes Kepler kommt nach einem 20-tägigen Fußmarsch nach Graz. Noch bevor er in Tübingen die Abschlussprüfungen an der Theologischen Fakultät abgelegt hat, wird ihm unerwarteter Weise im April 1594 die Stelle eines Lehrers der Mathematik und Astronomie an der protestantischen Stiftsschule in Graz angeboten. Kepler selbst hält sich für keinen guten Lehrer, andererseits aber sprechen ihm die Inspektoren ein gutes Zeugnis aus. Neben Mathematik und Astronomie unterrichtet er auch Rhetorik (Cicero) und Poetik (Vergil). Den zweiten Teil seiner Anstellung bildet das Amt des "Landschaftsmathematikus", der für Eich- und Messwesen, Kartographie und die Erstellung des jährlichen Kalenders zuständig ist. Die Kalender sind der Inbegriff der zeitlichen Ordnung und enthalten zusätzlich wichtige Voraussagen über Wetter, Ernte, Krankheiten, drohende Landplagen und bedeutende politische Ereignisse. Mit seinem "Mysterium cosmographicum" entwirft er die Grundlagen für seine Planeten-Gesetze.
Am 27. April 1597 heiratet Kepler Barbara Müller, die zweimal verwitwete Tochter eines reichen Mühlenbesitzers vom Mühleck-Schlössl aus Gössendorf. Die Hochzeitsfeier findet im Stubenberghaus in der Stempfergasse (heute das Palais Inzaghi), Ecker Bindergasse/Bischofsplatz statt, wo das junge Paar auch seine Wohnung bezieht. Anlässlich seiner Heirat schreibt er: "Der Stand meines Vermögens ist derart, adß, wenn ich innerhalb Jahredfrist sterben würde, kaum jemand schlimmere Verhältnisse nach seinem Tod hinterlassen könnte. Wenn mir Gott aber ein längeres Leben schenkt, so ist es sicher, daß ich mit dem hiesigen Ort verbunden und verkettet bin, was immer aus unserer Schule werden mag. Denn meine Braut hat hier Güter, Freunde und einen wohlhabenden Vater. Ich werde das Land nicht verlassen können, außer wenn sich ein öffentlichen oder privates Unglück ereignet. Ein öffentliches, wenn für einen Lutheraner das Land nicht mehr sicher ist oder wenn es von den Türken näher bedrängt wird. Ein privates Unglück wäre es, wenn meine Frau sterben würde." Dem Paar werden zwei Kinder geboren, ein Knabe und ein Mädchen, die beide jedoch, wenige Wochen alt, sterben. Über seine Frau bemerkt er etwas später wenig schmeichelhaft: "Sie ist fett und einfältig, außerdem zänkisch, geizig und hypochondrisch."
Ferdinand von Maschwander, Freiherr von Kranichsberg, widmet den beidseitig von Murarmen umflossenen Austein (Kalvarienberg) den Jesuiten, wo schon in der späten Jungsteinzeit eine Siedlung bestand.

Erzherzog Ferdinand schenkt dem Schlosshauptmann Pangraz Freiherr von Windischgrätz In der Sporgasse 25 einen Grund, auf welchem dieser das Palais Saurau-Goeß erbaut. 1630 erwirbt Carl Graf von Saurau das Gebäude samt Garten und Lusthaus. Aus einer der Dachluken lugt die Figur eines Türken mit Schild und gezücktem Schwert. Der Sage nach handelt es sich dabei um den türkischen Feldherrn Ibrahim Bassa, der beim Fluchtversuch aufgrund seiner Körperfülle in der Fensteröffnung stecken bleibt, als während des Essens eine Kanonenkugel einschlägt.
1596 Palais Saurau
Am Hauptplatz wird erstmals das spätere Haus "Zum schwarzen Adler" genannt.

Im Kleindiensthaus "Zum roten Krebsen", in welchem sich Stallungen für 14 Pferde sowie 6 Kellergewölbe mit einem Fassungsvermögen von jeweils 40 Weinfässern a 500 l befinden, werden am 9. September 1596 vier Startin "Radkersburger" (= 2100 l) ausgeschenkt.

Der landschaftliche Sekretär Stephan Speidel von Vatersdorf lässt 1596 am Rosenhain ein kleines Schloss errichten. Nach seine unterschiedlichen Besitzern wird es Speidlegg, Minoriten-Schlössl, Luschinschlössl oder Rosegg genannt.
Am 12. Dezember leistet der nunmehr fast großjährig gewordene 18jährige Ferdinand II. als Erzherzog von Innerösterreich in der Burg den Landesständen den landesfürstlichen Eid. Ab 1595 führte er als Erzherzog von Innerösterreich selbst die Regierung. Bald reist er in Begleitung von Hans Ulrich von Eggenberg zum Marienwallfahrtsort nach Loreto in Italien und gelobt, den Protestantismus in seinen Ländern abzuschaffen und den Katholizismus wieder zur alleinigen Religion in seinen Ländern zu machen. Zurückgekehrt betreibt er nun mit großer Härte die Gegenreformation und Rekatholisierung. Auch baut er seine Residenz in Graz aus, indem er einen vier Stockwerke hohen Flügelbau bis zum Theater-Tor errichten und eine Schatzkammer, Kunstkammer und Bibliothek einrichten lässt. Burg

Vom Kirchplatz der Ägidiuskirche, der größtenteils noch Friedhof der Stadtpfarre ist und von einer Steinmauer begrenzt wird, gelangt man über eine Stiege in die Jesuitengasse (Bürgergasse). In dieser kauft Erzherzog Ferdinand II. dem Grafen von Gleispach ein Gebäude ab und schenkt es den Jesuiten als Konvikthaus (heute Domherrenhof). Außerdem errichten die Jesuiten einen, die Jesuitengasse überwölbenden Quertrakt, der ihr Kollegium mit der Ägidiusdkirche verbindet und "Gilgenthor" genannt wird.

Maria von Bayern, die Mutter des erst 19jährigen Sohnes Erzherzog Ferdinand, lässt auf der Kuppe des Florianiberges bei Straßgang, auf dem sich schon eine kupferzeitliche Siedlung aus dem 4. Jahrtausend vor Christi sowie eine Fluchtburg des bayrischen Adelsgeschlechtes der Aribonen befunden hat, einen Neubau des zerfallenen Florianikirchleins errichten.

1597 St. Gilgenthor Florianikirchlein
Am 22. August Verleihung des Stadtprivilegs durch Erzherzog Ferdinand II. 1598 Stadtprivileg
An der Schwelle zum 17. Jahrhundert erreicht der Kampf zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus einen unrühmlichen Höhepunkt: Hexenprozesse, Folterung und brennende Scheiterhaufen sind an der Tagesordnung. Im Zuge der Gegenreformation bemühen sich der Landesfürst (Erzherzog Ferdinand II.) und die Kirche (Georg Stobäus von Palmburg, Bischof von Lavant und Statthalter Innerösterreichs) gemeinsam, den reinen Glauben wieder herzustellen. Alle evangelischen Schulmeister werden ausgewiesen, die adelige Stiftsschule und alle protestantischen Kirchen geshlossen. Nur schwer gelingt es ihnen, bedenkliche Formen des Aberglaubens hintanzuhalten. So treibt z.B. der erzherzogliche Hofkaplan, Paulus Knor von Rosenrod, einer Frau eine "ganze Legion" von Teufeln aus.
Am Fuß des Schloßbergs werden im Zuge der Rekatholisierung 10.000 protestantische Bücher verbrannt. Erzherzog Ferdinand II., stiftet an diesem Ort das Kapuzinerkloster "auf der Stiege" und lässt die St.Anton-von-Padua-Kirche (Antoniuskirche) erbauen, für die Giovanni Oietro de Pomis das Hochaltarbild "Apotheose der Gegenrefürmation" malt..

In der Murvorstadt entstehen die beiden großen Marktplätze des Lend- und Grießplatzes.

1599

Stiegenkirche Antoniuskirche

Auch Johannes Kepler muss nach seinem 6jährigem Wirken an der Stiftsschule der protestantischen Landesstände im Paradeishof wegen seines protestantischen Glaubens Graz verlassen. Sein finanzielles Resümee klingt wenig schmeichelhaft: "Wenn es sich gerade ums Geld handelt, so muß ich sagen, daß ich in Graz geschunden worden bin."
Kurz zuvor beobachtet er noch mit einer "camera obscura" am Grazer Hauptplatz eine Sonnenfinsternis und besteigt den Schöckl (1445m): "In der Steiermark ist ein Berg Schekel, wenn dieser sich mit einer kleinen Kappe bedeckt, steht sicher ein Unwetter bevor. Er ist ein Berg von steiler ungeheuerer Höhe, der die umliegenden Berge, die wahrlich auch nicht niedrig sind, um die Hälfte einer deutschen Vietrelsmeile überragt, unter Berücksichtigung der Krümmung der Erde. Als ich auf ihm eine Beobachtung über die Krümmung der Erde mit Hilfe der Berge ohne den Himmel anstellte, sah ich, um Euch zwischendurch eine Freude zu machen, viel Ergötzliches. Als wir an einem Sonntag hinaufstiegen, herrschte erste eine klare heiße Luft. Als wir auf dem Gipfel des ragenden Felsens standen, erhoben sich unterhalb der Berges allmählich Nebel. In Graz, das zwei Meilen entfernt ist, herrschte ein starkes Gewitter mit Donnerschlägen, die wir nicht hörten. Wir sahen alles unter uns. Die unteren Berge, nach denen wir zu visieren hatten, sah mandurch die dunstige dampfreiche Luft nur schlecht, nach der Zerteilung des Gewitters besser. Neben und unter uns sahen wir in der Luft hängende Wolken, schrecklich geborsten, von ungeheuerer Geschwindigkeit. Bisher hatte uns immer die Sonne geschienen. Plötzlich umringte uns ein Nebel. der wie rasend ungestüm vom Fuß des Berges zum Gipfel heraufstieß und schräg an uns vorbeistrich. Einige Augenblicke lang brach ein Regen vermischt mit kaltem Hagel los. Wo zuvor jene Seitevom Nebel bedeckt gewesen war, auf der sich vom Berg aus eine Aussicht weithin nach Ungarn und anch dem türkischen Gebiet auftut, zeigte sich ein wunderbarer Anblick. Über uns war Nbel, der den Himmel verhüllte, unter uns strahlendste Helle. Denn die Sonne beleuchtete nun das unter uns liegende Land, und zwar so stark, daß ein Stück Papier, das man hinhielt, mehr Licht von der Erde empfing, als von dem Nebel von oben. Die Flüsse aber glänzten, obwohl sie gerade stürmisch waren, überaus hell. Es befindet sich auf dem Berg ein Schlund, ein Abgrund, von dem so viele Gewitterdünste aufsteigen, daß eine uralte Sage behauptet, durtch das Werfen eines kleinen Steinchens werde ein Hagel verursacht, das heißt es hagelt eben sehr oft, ob man Steien hinunterwirft oder nicht; ich halte das für eine Täuschung der Sage. Denn wir haben das Loch nicht gefunden und doch entstand ein Hagel, wenn wir nicht vielleicht eben durch unsern Aufstie den Berg gereizt haben."

1600

Kepler Harmonices mundi

In der Murvorstadt entstehen die beiden großen Marktplätze des Lend- und Grießplatzes.


Am 23. April findet in der Grazer Hofkirche die prunkvolle Hochzeit von Erzherzog Ferdinand II. (1578 bis 1637) mit seiner Cousine der Wittelsbache Prinzessin Maria Anna von Baiern (1574 bis 1616, Tochter Herzog Wilhelm V.von Bayern) statt. Bei den anschließenden Feierlichkeiten kommt das Drama "Theodosius und Ambrosius" von Michael Polt zur Aufführung, in welchem Ferdinands erzherzoglichen Brüder Maximilian Ernst (1583-1616) und Leopold V. (1586-1632) die Hauptrollen spielen.
Der Prior und bedeutende Kartograph des Augustinerklosters in Fürstenfeld, Johannes Clobucciaridi (1545-1605) wird von Erzherzog Ferdinand II. mit der Herstellung kartographischer Landesaufnahmen Innerösterreichs betraut Diese einzigartige erste kartographische Werk über die Steiermark umfast 100 Blatt Handzeichnungen. Clobucciaridi stirbt 1605 auf der Flucht vor den Ungarn.

Erzherzogin Maria von Baiern lässt in der Hofkirche einen neuen hölzernen Renaissance-Hochaltar, den "Güldenen Altar" errichten. Die Landschaft schenkt ihr als "Denkmal der Gegenreformation" das ehemalige protestantische Stiftsgebäude und Spital mit der bereits erstmals 1411 als "Kapelle bei der Murbrücke" erwähnten Allerheiligenkirche, welche sie den Klarissinen zur Adaptierung ihres Klosters "zu Allerheiligen im Paradeis" überlässt. Pietro de Pomis malt dazu das Altarblatt.

Georg Widsmanstetter druckt ein Katholisches Gesangsbuch von Nikolaus Beuttner.

An der Jesuitenuniversität wirkt der Theologieprofessor Martin Antonio Delrio.

1602 Güldener Hochaltar Allerheiligenkirche Catholisch Gesang Buch
Kaiser Ferdinand I. hatte aus seiner spanischen Heimat ein unserem Tennis sehr ähnliches Ballspiel "Jeu de de Paume" mitgebracht, welches sich bald beim Adel großer Beliebtheit erfreute. So wird auch in Graz zwischen 1602 und 1605 direkt neben der Friedrichsburg unter der Leitung von Ballmeister Ferrante Signorini ein 3-geschossiges "Ballenhauß" errichtet. Sehr bald werden die Räumlichkeiten neben dem schnellen Spiel mit Racket und kleinem Ball auch für Theateraufführungen fahrender Schauspieltruppen, Piliar, Kartenspiel und im Fasching vor allem für Tanzveranstaltungen genutzt. Die heutige Bezeichnung für eine "Ball"-Veranstaltung leiten sich von diesem Ballhaus ab.

Bau des mit dem Wappen von Erzherzog Ferdinand II. und seiner Gattin Maria Anna von Bayern geschmückten äußeren Paulustores. Die Bastei zeigt vor- und zurückspringende Mauern, die einen "Orillon", einen gerschützten Mauerwinkel bilden.

1604 Paulustor Paulustor
Paulustor
Aus politischen Gründen fallen, von den Haiducken unterstützt, ungarische Adelige unter der Führung von Stephan Bocskay in die Oststeiermark ein und verheeren das Raab- und Ilztal bis zur Burg Kapfenstein. 1605

Freiherr Bernhard Walter von Waltersweil, Oberstallmeister von Erzherzog Maximilian Ernst, errichtet mit Zustimmung der Jesuiten an Stelle des Herrschaftsgutes namens "Leuzenhof" auf dem Austein drei Kreuze und beginnt mit der weiteren Ausgestaltung des Kalvarienberges als verblüffend ähnliche Nachbildung des Kreuzigungshügels Golgotha in Jerusalem. Von Beginn seines Bestehens an ist er beliebtes Ziel von Wallfahrern und Prozessionen. Ausgangspunkt der sogenannten "Grazer Bußprozessionen" ist die Domkirche. Von dort führt der Pilgerweg über die Hof- und Murgasse zur Mariahilfer Kirche und weiter durch das Lendviertel bis zur Kalvarienbergkirche und fallweise weiter bis nach Maria Straßengel. Die Distanz diese alten Prozessionsweges entspricht ungefähr der Länge der Via Dolorosa in Jerusalem. Georg Graf von Herberstein erweitert die Kapelle 1653 zur Kirche "Zum Heiligen Kreuz" mit einer Nachbildung der hl. Stiege im Vatikan. Auf der barocken Ecce-Homo-Bühne von Johann Jakob Schoy werden in Tradition des Jesuitentheaters Szenen aus dem Passionsspiel dargestellt. Die Deckenfresken stammen von Anton Jandl, Johann Lederwasch und Matthias Schiffer. Über die Mur wechselt man mit einer Fähre. 1657 sind 8000 Pilger hier, 1660 kommt auch Kaiser Leopold I. und 1667 werden 900 Messen gelesen. Während des 2. Weltkrieges dient das Berginnere als Luftswchutzstollen für 3000 Mernschen.

Der Stainzer Propst Jakob Rosolentz verfasst einen "Gründlichen Gegenbericht" zum Buch von David Rungius, der über die Tyrannei der Katholischen Kirche und Verfolgung des Protestantismus berichtet und die Ereignisse in Garz sowie die Inmhaftierungen auf dem Schloßberg im Detail registriert..

1606 Kalvarienberg
Nachdem sich die Franziskaner-Minoriten weigerten, die Ordensregeln der nach Graz gekommenen Observanten (reformierten Minoriten) zu befolgen, müssen die Minoriten aus dem Franziskanerkloster in die Murvorstadt übersiedeln. Unter der Gönnerschaft von Erzherzog Ferdinand II., seiner Gattin Maria Anna von Bayern und Johann Ulrich von Eggenberg erfolgt nach Plänen von Pietro de Pomis der Neubau eines Konventgebäudes und einer barocken Klosterkirche für die Minoriten am rechten Murufer. Als de Pomis für die Fertigstellung des Hochaltarbildes mehr Geld fordert, erblindet er und wird erst wieder sehend, als er Maria um Hilfe anfleht. Die Mariahilferkirche wird bald darauf nach Mariazell zur zweitwichtigsten Wallfahrtskirche und die Mariendarstellung zum Gnadenbild "Mariahilf" der Stadtmutter von Graz. 1607

Mariahilferkirche Mariahilf Mariahilf Mariahilferkirche

In der Hofkirche "Zum hl. Ägidius" findet 1608 sowohl die Beisetzung Erzherzogin Maria von Bayern, als auch die Hochzeit von Cosimo Medici mit Erzherzogin Maria Magdalena (1606-57) statt.

Am 13. Juli 1608 wird Erzherzog Ferdinand Ernst von Österreich, der spätere Kaiser Ferdinand III. (1608-57), in Graz geboren.

Im Fasching spielt die englische Schauspielertruppe des John Green in Graz. Ihre Faus-Aufführung ist die erste urkundlich erwähnte auf dem europäischen Kontinent..
1608 Maria Magdalena Cosimo II. Medici
Der Grazer Handelsmann Matthias Moser kauft im Jahre 1609 ein Eck-Schlösschen der Vorfeldbefestigung der Stadt und gibt ihm den Namen "Moserhof". Auch legt er einen zum St. Peter Friedhof führenden Feldweg an. Als 1828 Josef Althaler, der Direktor des Grazer Theaters, das Schlössl (Moserhof- oder Althallerschlössl) erwirbt, baut er den Friedhofsweg zur Moserhofgasse aus und errichtet dort 31 kleine ebenerdige Häuser, die in der k.u.K. Monarchie von aus der Untersteiermark zugewanderte Bauern bezogen werden, weshalb die Gasse bald als "Windische Herrengasse" bezeichnet wird.
1609

Erzherzog Ferdinand eröffnet 1609 das an das Jesuitenkolleg neu angebaute Universitätgebäude in der Hofgasse. Die Wappen Ferdinands und seiner bayrischen Gattin zieren den Eingang. Im Erdgeschoss befinden sich Vorlesungsräume, darüber eine Aula und ein Theatersaal, der unter Maria Theresia in einen riesigen Bibliothekarssaal im Rokokostil umgewandelt wird. Seit 2005 dient er Repräsentationszwecken.

Erzherzog Ferdinand II. bestimmt den "Herzogshof" in der Herrengasse 3 als Wohnsitz für seinen jüngeren Bruder Maximilian Ernst. Pietro de Pomis muss die Fassade des nunmehrigen bemalten "Maximilianischen Hauses" mit Fresken schmücken, die 1710 teilweise vom Grazer Maler Johann Mayer ersetzt werden. Ihre Darstellungen beziehen sich auf Szenen und Figuren aus der greichisch-römischen Mythologie, wie die Atridensage, die Abenteuer des Herkules, die trojanische Sage mit den Göttern Mars, Minerva, Aesculap, Prometheus, Ulixes, Apollo, Jupiter, Pluto udn Achilles. Der Name "Herzoghof" leitet sich aus dem Jahre 1360 her, als der damalige Hausherr durch das Privileg Herzog Rudolphs IV. von allen Steuern befreit wird um dafür dem Landesherrn bei den Lehensverleihungen "den Thronsaal aufzustellen", also ihn standesgemäß zu beherbergen.

1610 Herzogshof
Die Schüler der Jesuiten-Universität veranstalten die sensationelle Theateraufführung „Wilhelm von Aquitanien“, in der sogar Erzherzog Ferdinand II. selbst mitwirkt. 1612  
Erzherzog Ferdinand II. ernennt den Bischof von Gurk Johannes VII. (Jacobus Baron v. Lamberg) zum Statthalter und Hofkammerpräsident der innerösterreichischen Regierung in Graz, Aufgrund verschiedener Intrigen udn der hohen Kosten für seine Hofhaltung wird er 1621 von diesem Amt enthoben. 1613

Baubeginn des für Kaiser Ferdinand II. vorgesehenen Mausoleums mit der Katharinenkirche, der Universitätskirche der Jesuiten, durch den Hofarchitekten Giovanni Pietro de Pomis aus Lodi und Pietro Valnegro an Stelle eines alten romanischen Karners. Gemeinsam mit dem Dom prägt das Gebäude mit der ersten, außerhalb Italiens gefertigten, ovalen Kuppel die Silhouette des Stadbildes und wird als "Grazer Stadtkrone bezeichnet.

1614 Mausoleum de.Pomis Mausoleum
Erzherzog Maximilian Ernst begründet aus Dankbarkeit am 20. Juni in Graz den Orden der Bamherzigen Brüder. Anlass dazu ist, dass durch die erfolgreiche und als Wunder angesehene Behandlung des aus Wien geholten Chirurgen und Bamherzigen Fraters Gabriel Ferrara die Amputation seines Armes erspart bleibt. 1615 Frater Gabriel Ferrara Bamherzige Brüder

Unmittelbar vor dem Franziskanerkloster im Muruferbereich entsteht das "Kälberne Viertel" (Neutorgasse), das seinen Namen von den dort befindlichen Fleischbänken hat.

Nach Ehen mit Freiherrn Johann Jakob von Thannhausen, Christoph von Liechtein, mit dem Abt von Rein Ludwig von Ungnad, Freiherr von Sonnegg, Freiherr Carl von Teuffenbach, Graf Ferdinand Salamanca zu Ortenbur sowie der Anklage wegen zauberischer Kräfte heiratet Anna Neumann in Murau ihren sechsten Ehemann, Georg Luwig Reichsgraf zu Schwarzenberg und überschreibt ihm ihre Herrschaft von Murau.

1617 Kälbernes.Viertel Georg Ludwig zu Schwarzenberg Anna Neumann
Erzherzog Ferdinand II. wird zum König von Böhmen, ein Jahr später auch zum König von Ungarn gekrönt.
Unter dem Jesuitenpater Rektor Wilhelm Lamormaini kommt es zu einer baulichen Umgruppierung in der Hofkirche: So wird ein Verbindungsgang zum gegenüberliegenden Jesuitenkolleg errichtet, ein Dachreiter mit Zwiebelhaube aufgesetzt, die Seitenwände der Kirche durchbrochen, 4 neue Seitenkapellen (Romuals-, Franz-Xaver-, Kreuz- und Mater Dolorosakapelle) an das Kirchengebäude an - sowie 12 Kappellennischen mit Altären eingebaut und durch Pietro de Pomis die neue Sakristei dazugefügt. Der gotische Lettner wird abgerissen, damit - entsprechend den Bestimmungen des Konzils von Trient - ein freier Blick auf den unangetastet geblieben Renaissance-Hochaltar gegeben ist. Ganz im Sinne der Gegenreformation wird auch der größte Teil der prächtigen Innenausstattung gestaltet und die Brauttruhen der Paula Gonzaga als Reliquienschreine aufgestellt.
1618 Ägidiuskirche Hofkirche
Neubau der Pauluskapelle mit einem Kloster durch die Augustiner-Eremiten.

Als Erzherzog Ferdinand II. (1578-1637) am 28. August 1619 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt wird, verlegt er die Residenz nach Wien, Graz bleibt aber die Hauptstadt Innerösterreichs. Landeshauptmann wird sein ihm vertrauter Freund Hans Ulrich von Eggenberg.

1619

Ferdinand II. Ferdinand II. Eggenberg

Obwohl Protestant, kommandiert der in Graz geborene Rudolph von Teuffenbach (Tieffenbach) am 8. November 1620 eine Abteilung des in der Schlacht am Weißen Berg siegreichen kaiserlichen kathzolischen Heeres über die protestantischen Truppen mährischer Abgeordneter. Und als Teuffenbach 1623 zum Katholizismus übertritt, dankt ihm Kaiser Ferdinand II. in einem eigenhändig geschriebenen Brief geradezu überschwenglich: "ich wollte Euch Euren Kopf küssen, wenn ich bei Euch wäre."
Zum Dank für den Sieg Ferdinands II. in Böhmen verbreitet sich als ein Mittel der Gegenreformation die Tradition, dass adelige Pilder nach ihrer Rückkehr von einer Loretowallfahrt Kapellen nach dem Original von Loreto als Stiftungen nachbauern lassen und Ferdinand II. verügt als erster testamentarisch, dass sein Herz unter der Loretokaplle der Augustinerkirche in Wien bestattet werden soll. Damit begründete er die Tradition, dass auch alle folgenden Habsburger ihre Herzen in einer Urne dort bestatten lassen. 1636 erfolgt dann die Weihe der getreu nachgebauten Loreto-Kapelle - des ursprünglich durch Engeln überführten Hauses Marias von Nazareth nach Loreto - in der Grazer Bamherzigenkirche
1620
Kupferstich von „Grätz in Steiermarck - Officium atque Fidem non ulla molestia tardat, Mitgat impositum, non Deus auget, onua. Kein Beschwerung bey Iungn und Altn, Soll Ampc, Deinst: Treuw und Glaubn aufhaltn, Gott vermehrt nicht die Last so schwer, Sondern Er lindert Sie vielmehr." in dem vom Poeten Daniel Meisner (*1585,†1625) und vom Kupferstecher Eberhard Kieser (*1583,†1631) verlegten Gedenkbuch „Poeta Laureatus Caesareus" („Thesaurus philopoliticus" od. „Sciographia cosmica") mit einer Sammlung von Emblemzeichen, Sinnsprüchen in Versform und Stadtansichten.

Im Rahmen des Ausbaues der Bastionen gegen die drohende Türkengefahr wird im Südwesten das 2-stöckige Neutor errichtet und auch das Burgtor erhält sein heutiges Aussehen.
Neutor Neutor Burgtor
Leonhard Götz, Bischof von Lavant, wird Statthalter der Steiermark. 1621  

Kaiser Ferdinand II. heiratet in zweiter Ehe am 2. Februar 1622 in Innsbruck die Prinzessin Eleonore von Mantua (1598-1655), Tochter des Herzogs Vinzenz I. von Mantua.

1622
Johann Ulrich von Eggenberg wird in den Reichsfürstenstand erhoben und Statthalter von Innerösterreich sowie Herzog von Krumau in Böhmen. Er lässt den ursprünglichen mittelalterlichen Wehrbau "Orthof" durch Giovanni Pietro de Pomis durch Laurenz van der Sype zu einem Repräsentationsschloss nach Vorbild des El Escorial in Madrid ausbauen. Der Bau besitzt - als Symbol für strenge Zahlenordnung des mathematisch konstruierten Gefüges des Kosmos - 4 Ecktürme, 365 Fenster, jedes Stockwerk hat 31 Räume und 24 Prunkräume mit 52 Fenstern. Mittelpunkt der Raum-Komposition ist der Planetensaal mit dem aus Salzburg kommenden Hofmaler und bei Carl Loth in Venedig ausgebildeten Hans Adam Weissenkircher geschaffenen Gemäldezyklus, einer Allegorie über das Goldene Zeitalter der Familie Eggenberg, mit 7 Planeten, die gleichzeitig für die 7 alchemistischen Matalle, die 7 Wochentage, die 7 großen Besitzungen der Familie und die 7 wichtigsten Familienmitglieder stehen. Nachfolger als Hofmaler wird Johann Veit Hauckh. Eggenberg Eggenberg Eggenberg Planetensaal
Im Anschluss an den zweiten entsteht der "Dritte Sack", der durch die Sackbastei und das dritte, mit einem 12m hohen Turm und einer 7m dicken Mauerdurchfahrt versehene Sacktor nach Norden (auf Höhe Deutscher Bund) abgeschlossen ist. In ihm gibt es mehrere Badeanstalten mit hölzernen Wannen und sogar ein erstes öffentliches Bad, das mit dem Wasser eines verschmutzten Seitenarms der Mur, dem "Chotmur", versorgt wird. Auch mehrere Mühjlen sind vorhanden.

Haus mit Schleppdach und Schupfwalmgiebel am Schloßbergkai 38 im Dritten Sack.
1625
Ein vom flämischen Architekten Laurenz van der Sype begonnener und vom in Graz geborenen Radierer Wenzel Hollar vollendeter Kupferstich mit dem Titel "GRAECIUM VULGO GRATZ METROPOLIS STYRIAE" zeigt, vom Süden aus gesehen, in Vogelschauperspektive die befestigte Stadt Graz mit ihren Vorstädten. 1626 Gratz

Im Generalmamdat vom 1. August 1628 verfügt Kaiser Ferdinand II., dass der protestantische Herren- und Ritterstand aus der Steiermark ausgewieden wird sowie alle evangelischen Gegenschriften nur mehr im Ausland gedruckt und verlegt werden dürfen.

Um die Zahl der emigrierten protestantischen Adeligen zu ersetzen, holt Kaiser Ferdinand II. 1628 die reformierten Unbeschuhten Karmeliterpatres Gerhard und Johannes Maria von General Pater Domenico a Jesu Maria, der ihm in der bedeutenden Schlacht im 30jährigen Krieg der Katholische Liga gegen die Protestantische Union am Weißenj Berg wertvolle Dienste geleistet hat, nach Graz und stiftet aus Dankbarkeit auf dem 1578 von Erzherzog Karl II. angelegten und von Ulrich Fürst von Eggenberg zur Verfügung gestellten "Platz gegen die Burg" (Karmeliterplatz) das Karmeliterkloster zum hl. Josef. Auf dem Areal der Bürgerin Maximiliane Zollinger errichter der Karmeliter-Laienbruder Carolus die Josefskirche. Die Inneneinrichtung stiften Adelige, wie die Herbersteins, Dietrichsteins oder Intaghis, die als Gegenleistung in den Kellergewolben neben den Weinfässern aus den untersteirischen Rieden eigene Grüfte errichten dürfen. Nach der Klosteraufhebung 1784 beherbert das Gebäude ein Militärspital, 1918 das Landesgendarmeriekommando und 1985 das Steiermärkische Landesarchiv.

1629

Karmeliterkloster

Die Freiherren der Attems werden in Graz in den Reichsgrafenstand erhoben.

Von der Familie Rucker wird auf dem nach ihnen benannten , dicht bewaldeten Bergrücken „Rukhenperg“ (Ruckerlberg) am Sparberbach die bereits seit dem Mittelalter betriebene Vogelstellerei als Hofvogeljäger ausgeübt.
1630  
Der in Ranten geborene Reiseschriftsteller Martin Zeiller (1589-1662) schreibt in seinem "Itinerarium Germaniae - Teutsches Reyßbuch durch Hoch und NiderTeutschland": "In den alten Stiftsbrieffen wird diese Stadt Beyrisch-Grätz oder Gränitz genannt, zum Unterschied der Stadt Windischgrätz oder Gränitz, so auch in diesem Lande lieget. Sie ist zwar nicht so groß, aber schön und wol erbaut, und hat schöne und große Vorstädte, und ein schönes wol erbautes Land herum. In dem Wasser Muer ligt sie nach der Länge, und ben, hernach ziehet sie sich etwasgegen dem Berge. Ist ziemlich fest und mit einem Wallund Bollwerken auch schönen festen Thoren, versehen. Sonderlich aber wird das obere Schloß, so hochliget, fast für unüberwindlich gehalten: weilen solche Vestung auf einemBerg, so um und um frey, und felsicht ist, und dem gantzenLand herum gebieten kann. Und ist diese Stadt heutigesTags die Hauptstadt in ganz Steyer, allda auch die Landschaft ihr Land- Haus- und Einnehmer Ampt hat, und die Landtäge alhier angestellet werden. So ist auch da dieInner-Österreichische Regierung, dahin alle Apellationes auß Steyer, Kärnden, Crain, Windischen Marck, und Görtz gehen: Dahero stets ein grosser Adel da wohnet, auch jährlichzzween fürnehme Märckte, oder Messen, zu Mittfasten, und S. Aegidii, deren jeder vierzehen Tage währet, alhiegehalten werden. Der Wein Wachs und Getreidebau ist noch hierum so stattlich nicht, dieweil sich erst die Berge oberhalb anheben voneinander zu thun, darunter dann der Schöckel, oder Desacus, der höchste ist. Und wird unter der Stadt das Feld, so man von der Stadt das Grätzer-Feld nennet, je länger je weiter. Ich hab damahls, und folgender Zeit, zu Grätz nachfolgende Sachen gesehen: und erstlich zwar an Kirchen, 1. beym Eisenthor die Pfarrkirch, zum heiligen Blut genant, darinn ein schöner Altar. 2. Neben der Stadtmauer hin auf kommt man zu einem vornehmen Nonnenkloster, und dar 3. zur Burg- oder S. Aegidiikirche, welche derzeit die Jesuiter innen haben. Hat von aussen ein geringes Ansehen: inwendig ist sie aber aufs Herrlichste, sonderlich aber mit drey schönen, und grossen vergüldeten Altären, gezieret, in welchen Requien von S. Martino und S. Vicencitio seyn sollen. Darüber ist des heiligen Ignatii Loyolae Bildnuß sehr künstlich gemahlet, und mit Steinen versetzt. Auf der andern Seite seyn die Reliquiae S. Maxentiae, und der Arm von S. Agatha, alle in zweyen marmorsteinernen (!) Särgen, und über diesen letztem ist die Bildnuß S. Francisci, so mit dem H. Ignatio, ihres Ordens Stifter, neulich in die Zahl der Heyligen ist gesetzt worden, auch mit Steinen gezieret. Hinten daran hat man eine schöne runde Kirche Kirche mit 3 Thürmen, auf Italienische Art, vor die fürstl. Begräbnusse erbaut, in welcher albereit ihrer Kayserl. May. Ferd. II. erste Gemahlin, Maria Anna, eine gebohrne Hertz. von Beyern, neben der ältesten Herrn Sohn, Herrn Joh. Carolo, ruhet. Gegen gedachter S. Aegidii-Kirchen, so hoch liget, über haben die Jesuiter ein ansehnliches Collegium, daran ihr Conviet und unterschiedliche Schulen seyn. Hab, nach Mönchen, dergleichen, meines Wissens, vorhin nicht gesehen. Sie haben eine öffentliche und privilegirte hohe Schul, und einen ansehnl. Saal, darinnen Doctores pflegen gemacht, und andere actuspublici celebrirt zu werden. Es ist eine große Freqwenz alda von Studenten. 4. Bey dem Muerthor ist vorhin der Lutherischen Kirch und Gymnasium, die Stift genannt, gewesen, so zu einer schönen Kirchen, und zu einem daranstoßenden Nonnenkloster S. Clarae gemacht worden. Auf der andern Seite des Thores, auch gegen der Muer, haben 5. die Franziskaner ein schönes Kloster. Außer demselben Thor in der Vorstadt, haben &. die Fratres Misericordiae oder die Heilbrüder, ihre Wohnung, in welcher Kirche 14 Bette vor die Kranken stehen, denen sie Fleißig abwarten. In dem Garten siehet man die Bildnuß ihres Ordens Stifters, nehmlich Johannes Die so zu Zeiten des Ignatii Loyolae soll gelebt haben. Besser hinaus ist das Bürger-Spital, und gegenüber die S. Andrae Kirche und Freud-Hof, oder Gottes-Acker, in welchem viel Lutherische Herren, Frauen und Fräulein begraben ligen, und ihreEpiaphia haben: unter welchen ich ein Teutsches gesehen habe. Vor dem Sackthor wohnen 8. die Monoriten, und vor dem Pauliner Thor haben die Kapuziner ihr Kloster. Zum Andern, von andern Gebäuden hab ich alhie besichtigt 1. Die Burg oder fürstliche Residentz in der Stadt, nahend der Jesuiten Kirchen, darin ihre Kaeyserliche Majestät vor diesem hofgehalten. Der Bibliothecarius hat mich in die fürstliche Bibliothecam geführet, so in zweyen Zimmern. In dem ersten hat es ein schönes Uhr Werk. In dem andern seyn etliche geschriebne und denckwürdige Sachen vom Haus Österreich, und darunter eins Folio, darin zugleich die Wappen derjenigen, so von Anfang hero, biß auf unsere Zeit, und also über die 3000 Jahr, Österreich und Steyer sollen regiert haben. Der Gang, oder die Gallerie, darvor ist mit alten Gemäldenvon Keysers Caroli V. Thaten geziert. Gleich daran ist diefürstliche Kunst-Kammer, in welche ich aber nicht kommenkönnen, wiewol obgemeldter Jesuit für mich angehalten, und sich was über die Incivilitet desjenigen, so darzu den Schlüssel hatte, alterirt hat. Soviel ich von aussen durch die Fenster hinein sehen können, so ist es ein weitläuffiges großes Wesen: und sagte mir der Pater, daß etliche heidnische Götter darinnen, so die Amerikaner angebehtet haben, welche aus Hispania dahin gebracht worden seyn. Nahend dieser Burg ist das fürstliche Zeughaus. So haben auch die hochlöblichen Landstände in dero ansehnlich erbautem Landhause, in der Herrengasse gelegen, ein Zeughaus, welches mit großen Stücken, Rüstungen und Munition ziemlich versehen: aber Schad ist es, daß alles so eng beysammen sein und übereinander ligen muß. Drittens hab ich obgedachte Vestung, oder das Ober-Schloß, auf gnädige Eerlaubnuß des Herrn Burg-Grafens, Herrn Sigmunden Gällers, Freyherrn, seliger Gedächtnuß zu sehen bekommen, so eine Zeit hero, wie auch die Stadt selbsten, an unterschiedlichen Ohrten, etwas mehr als zuvor gewesen, fortificirt worden. Es seyn in diesem Schloß stets in die 60 Soldaten, und ist solches mit allem wol versehen: hat bey die 100 kleine und große Stücke, darunter die zwey grössesten, eins ein Türckisches, das andere so 1529 gemacht worden, welches die Türcken schon einmahl in ihrer Gewalt gehabt, und die Bildnuß Christi darauf zerstümpelt haben. In einem Thurn hab ich das Horn gesehen, welches man alle Morgen und Abend treten thut, so von vielen Pfeiffen gemacht ist. In einem andern Thurn hangt die große Bethglocke, so die alte Ertzhertz. dahin verordnet hat, die alle Morgen um 7 Uhr geläutet wird. Es hat dieses Schloß eine große Weite, und etliche Plätze, innen. Ist auch da eine Capelle für die Soldaten darbey ein Stück von einem Elephantenkopf gewiesen wird. Es hat auch etliche Roß- und Handmühlen: item einen sehr tiefen Brunnen , darauß man den Widerhall artig hört, der ist stets beschlossen, dami man solchen Nothfall rein und sauber haben könne. Unten in der Stadt bey dem fürstl Marstall war damals ein Tygerthier zu sehen. H. Georg Gäller, Freyherr und Kriegs-Rechts Präsident tc. alda, hat eine herrliche Bibliothec von allerhand unterschiedlicher Faculteten Büchern in 2 Zimmern, dergleichen bey einem Herr Dieses Lands vielleicht nicht wird zu finden seyn, so wol zu sehen. Das Hasenhaus zu Grätz ist schöner, als das zu Wien, und seyn alhie der Hasen unterschiedl. Aufzüge, und Haushaltungen, ordentlicher, als an jenem, abgetheilet; welches abermahl vor die fürwitzigen gesetzt wird, damit sie nicht, daß etwas vergessen worden, sonderlich an Wahrzeichen, zu klagen haben.“ 1632 Martin Zeiller

Am 11. März trifft der sächsische Ritter Georg Christoph von Neitzschitz per Schiff in Graz ein. In seinem Handbuch vermerkt er über Graz folgendes: "Dies Festung liegt auf einem Felsen, der Höhe nach der zu Preßburg in Ungarn fast gleich erbaut, ist überaus fest und stark, hat vil Pasteyen und war dieser Zeit mit 100 Soldaten besetzt. Oben sind drey Brunnen, davon einer sein Wasser aus der Mur, so unten vorbey fleußt , hat, ist so tieff, daß man wohl gar ein Vater unser ausbethen kann, ehe ein Stein hin abfallet. Gegen der Stat ist der Felß gar, auf der andern Seite aber, wo er ans Land hänget, ist er vom Lande mit einer tieffen Krufft abgeschnitten. Oben auf dem Wall stehen in dreyen Wachhäusern, an beiden Ecken und in der Mitten Soldaten, welche offt die Uhr schlägt, ein jeglicher eine Glocke anziehen, die flugs bey ihm im Wachthause hänget, und einen Lösungs-Schrey thun muß, also daß sobald der eine nur den Mund zuthut, der andere flugs mit seiner Glocke und Geschrey antwortet. Unten liegt die Stadt Grätz, welche die Hauptstadt und Residentz der Ertz-Hertzogen von Österreich in Nieder Steuermarck und ziemlich groß und wohl erbauet ist, also daß man gleichwohl eine Stunde haben muß, wenn man herumgehen will. Due Muer fleußt gar nahe beyhin, würüber eine lange Brücke in der Vorstadt gehet, auf welcher in die fünffzehen Krahm Laden sind. Unterm Schlosse ist ein Thiergarten, in welchem diesmal Tammhirsche giengen. Um die Stadt umher sind acht Pasteyen von gebranten Steinen, wie auch die Stadtmauer von solchen Steinen ist. Auf den Pasteyen stunden diesmal 36 Stücke alle mit Dächern besonders verwahret, und hat die Stadt vier Thore: Das Sack.Thor, an welchem wir bey unserer Dahinkunftt vorbey gefeahren, und ist dreyfach, das Unter- Mittel- und Ober Sack-Thor. Das Ober ist bey dem Muer Thor, hernach ist wieder noch ein Muerthor ausserhalb bey der Pastey; Das andere Stadt Thor ist das Eisen-Thor ist sehr fest und gantz mit Eisen beschlagen: Das dritte ist das Pauls-Thor, deren auch 2 hinter einander, eins aussen, das andere innen. Der Graben ist tieff hat aber kein Wasser, außgenommen bey dem ersten Muer-Thor bis an das Eisen-Thor. Das eusserste Sackthor ist von der Festung ab mit einer Mauer umschlossen, wie auch das Pauls-Thor. Damals war Jahrmarckt allda welcher drey Wochen währet und darft sich in der Zeit niemand schlagen bey hoher Straffe. Sobald aber der Marckt wirder außgeläutet ist mag einer kühnlich seine revange suchen."

Im Rahmen des Neubaues der Kirche zum hl. Paul (Stiegenkirche) der seit 1588 in der Sporgasse ansäsigen ansässigen beschuhten Augustinereremiten erhärtet ein gemachter Fund von „nicht wenigen Menschenknochen“ die Ansicht,, dass sie St. Pauluskirche „auf der Stiege" die ursprünglich erste Grazer Pfarrkirche war.

Ein Stich von Daniel Manasser zeigt eine übersteigerte Grazer Turmlandschaft.Mehrmals,

1633/34 und 1645, grassiert der aus Ungarn eingeschleppte "Schwarze Tod" in Graz.

1633
1634.Graz

An der einzigen mautpflichtigen Grazer Murbrücke ist am Beginn der Murvorstadt der Gasthof "Zum Roten Igel" (heute Hotel Wiedler) nachweisbar.

Erzherzog Ferdinand Ernst, der spätere Kaiser Ferdinand III. (1608-1657), am 13. Juli 1608 in Graz geboren, wird von 1637 bis zu seinem Tode 1657 Nachfolger seiner verstorenen Vaters Ferdinand II. als römisch-deutscher Kaiser. In seinen späteren Jahren üerlässt er die Staatsgeschäfte weitgehend dem ebenfalls in Graz geborenen Graf Maximilian von und zu Trauttmansdorff.

Von 1637 bis 1642 lehrt Pater Habakuk Paulus als Professor für Mathematik an der Jesuitenuniversität in Graz. 1577 in Meis bei Sargans.in der Schweiz als Sohn protestantischer Eltern geboren, erlernt er das Goldschmiedehandwerk, konvertiert mit 20 Jahren zum Katholizismus und studiert anch dem Eintritt in den Jesuitenorden in Rom Philosophie und Mathematik. Von 1618 bis 1619 weilt er bereits erstmals als Beichtvater im Krankenhaus der Bamherzigen Brüder und in der Ägydius-Jesuitenkriche in Graz. Nach seiner Wiederkehr aus Wien veröffentlicht er in seinem Hauptwerk „Centrobarycae" erstmals seine Guldinische Formel zur Berechnung von Rotationskörpern. Mit Johannes Kepler steht er im Briefverkehr, ist an der Verbauung und Befestigung der Mur beteiligt und setzt sich für die Seuchenopfer der Pest ein.

1637 Trauttmansdorff
Reichsfürst Johann Anton I. von Eggenberg (1615-1649), Herzog von Krumau und Graf von Gradisca, Aquileia und Adelsberg, dient wie sein Vater Hans Ulrich von Eggenberg treu dem Kaiser und reist in dessen Auftrag als Gesandter nach Rom, um Papst Urban VIII. in gebührender Weise die erfolgte Thronbesteigung von Kaiser Ferdinand III. anzuzeigen. Die verschwenderische Prachtentfaltung des von ihm aus eigenen Mitteln finanzierten Prunkzuges soll alles bisher in Rom Gesehene übertroffen haben. 1638

Johann Anton Fürst von Eggenberg vollendet das Prunkschloss und ehelicht in Regensburg die Prinzessin Anna Maria von Brandenbrug-Bayreuth.

Der Postverwalter Eustachius Khan erhält als Erster die Erlaubnis zur Herausgabe einer Zeitung in Graz, dem "Wiener Blatt".

1639
Elisabeth Katharina Freifrau von Galler, die Burgherrin („Schlimme Liesl") der Riegersburg, lässt am Glockenspielplatz 7 das Ertelsche Haus, heute („Carolinenhaus") errichten. Der Orientalist Joseph Hammer-Purgstall verfasst über sie den Roman („Die Gallerin auf der Riegersburg). 1640
Bei einem längeren Aufenthalt in Graz greift Kaiser Ferdinand III die Idee seiner Eltern auf und seine Frau Maria Anna von Spanien stiftet den „Unbeschuhten Karmelitinnen" am Kälbernen Viertel am Fischplatz ein Kloster mit der Kirche Mariä Verkündigung. 1782 wird das Kloster als erstes von Joseph II. aufgehoben und dient als Militär-Knabenerziehungshaus, Militärspital sowie Quartier für französische Kriegsgefangene, bis 1934 der gesamte Gebäudekomplex abgerissen und zum vergrößerten Andreas-Hofer-Platz wird, während die Karmelitinnen 1836 die Waldkapelle "Maria Schnee" am Fuß des Rosenberges in der Grabenstraße erwerben unhd zum Konvent des hl. Joseph umbauen. 1641
Nach Plänen des Tessiner Baumeister Antonio Solari wird an Stelle des Radmanndorf'schen Hauses das neue, füngeschossige Zeughaus errichtet, in dem die Ausrüstung für 16.000 Mann Platz findet. Die Nischenfiguren neben dem Eingang zeigen Mars und Minerva. 1642

Zeughaus Zeughaus

Veit aus der Scharfrichterfamilie der Mosers übt als Freimann in Graz den unehrenhaften Beruf des Henkers aus. Ala solchem ist es nur ihm erlaubt, am Rande der Gesellschaft nahe der Stadtmauer im Reck- oder Marterturm (Ecke Rauber- Kaiserfeldgasse) zu wohnen, in dem sich auch die Folterkammer befindet. Als Kennzeichen seines Berufes trägt er einen roten Flor am Hut sowie eine Halskrause. Bei den hochnotpeinlichen Befragungen werden verschiedene Folterwerkzeuge verwendet, um von den Gefangenen Geständnisse zu erpressen: Daumenschrauben, Schädelquetsche, Marterbrett, Streckleiter, Judaswiege, Eiserne Jungfrau. Henkerhaus
Nach der Niederlage des kaiserlichen Heeres gegen die Schweden im mährischen Jankau flüchtet Kaiserin Maria Anna samt ihrer Familie nach Graz. Ihr ältester Sohn Erzherzog Ferdinand Franz wird in die Studierenden-Matrikel an der Jesuitenuniversität eingeschrieben. 1644

Schreiben an Kaiser Ferdinand III.: "Dem Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten und überwürdlichsten Fürsten und derer Herrn Ferdinandoden Dritten Erwehlten Römischen Kayßer zu allen Zeiten mehrerndes Reichs in Germanien, zu Hungarn, Bohaimb, Dalmatien, Croatien und Slawonien König, Erzherzogen zu Österreich und Kärndten, Herzogen zu Burgundt, Steyer, Krain und Württenberg, in Ober- und nider Schlesien Markgraven Zu Mähren, in Ober- und nider Lausnig, Graven Zu Herb Pürg, Tyrol und Görz. Unserem allergnedigsten Herrn und Erblandtsfürsten. Gr: 1. April 1648"

Ferdinand Joseph gefürsteter Graf Dietrichstein, Erbland-Jägermeister im Herzogtum Steiermark, stiftet auf dem von Gräfin Kinsky geschenkten Grund den Kapuzinern einen, dem hl. Johann Baptist geweihten Klosterneubau am Graben (heutige Grabenkirche). 1656 vermählt er sich in Graz mit Maria Elisabeth Prinzessin von Eggenberg.
Gleichzeitig gestattet Christoph Freiherr von Eibiswald den Brüdern am Mühlgang die Errichtung einer Tuchwalke, mit der sie alle Kapuzinerklöster Innerösterreichs mit Kleidung versorgen.

Drei Pestjahre fordern allein im Unterland 10000 Menschenleben.

1648 Schreiben an Kaiser Ferdinand III.  

Errichtung des Hainrichperg'schen Bürgerhauses (seit 1887 Bärenapotheke) in der Herrengasse mit einer lebensgroßen Sandsteinstatue der Madonna mit Kind.

Aufgrund eines fehlenden Theatergebäudes darf das Ensemble des Johann Vaßheuer im Ballhaus neben der Burg auftreten. Es folgen weitere Schauapielertruppen wie die von Johann Wohlhaben, Peter Schwartz oder Andreas Elenson.

1650  
Der Herrschaftssitz der Rosenberger, der palaisartige "Rosenhof" (später "Rosenegg"), wird von den Jesuiten als Sommerrefektorium übernommen. 1654 Jesuitenrefektorium  Rosenhof
Erzherzog Leopold V. folgt am 2. April 1657 dem an Pocken verstorbenen Ferdinand III. nach und wird am 18. Juli 1658 zum römischen Kasier Leopold I. gewählt.

Grundriss der steirischen Hauptstadt mit ihrem noch immer fortifikatorischen Zustand.

Am 2. August geht über dem Grazer Feld ein verheerendes Unwetter mit faustgroßen Hagelkörnern in der Form von Totenköpfen nieder. Der Präsident des Innerösterreichischen Geheimen Rates, der Seckauer Bischof Johann Markus IV. von Altringen, ist der Meinung, dass dabei Zauberei im Spiel sei und fordert vom berüchtigten Bannrichter Johann Andreas Barth die Ausrottung aller Schuldigen. Unter Folter gestehen zwei Kirchendiebe, die Bettler Max Ruprecht und Sebastian Kögl, die Blutschande mit der Mutter, den Verkauf gestohlener Hostien an Juden sowie die Schuld am Gewitter. Als Mitttäterin geben sie die bekannte Wirtin Susanne Prandtauer ("die Prandtauerin") des gut gehenden Gasthauses in der Sporgasse 12 an, welche vermummt an einem Treffen mit dem Teufel am Schöckl teilgenommen hätte, wo sich die Hexen aus ganz Mittelsteier trafen und einen Topf mit einem Koch (Brei) so tief in ein Loch aingegraben haben, wie sie später als die Hexen sich in schwarze Raben verwandelt, die Hagelschloßen auf Graz niederprasseln ließen. Einer der Männer wird wegen Zauberei zum Tode verurteilt und hingerichtet.
1657 Graz.Grundriss

Der Epigrammatiker Lepald Adam von Lebenwaldt studiert in Graz Philosophie und - da es in Graz keine medizinische Fakultät gibt - in Padua Medizin, wo er 1652 zum Doktor der Medizin promoviert. Als Landschaftsmedicus für das Enns- und Paltental sowie Leibarzt des Abtes von Admont tritt er gegen Kurpfuscherei und Aberglauben auf und wird wegen seiner Verdienste als Pestarzt von Kaiser Leopold V. 1659 geadelt (Adam Johann Christoph Lebald von und zu Lebenwaldt) und 1679 zum Dichter (Poetus lauretus) gekrönt. Von ihm erscheinen unter dem Titel „Poetische Schimpf- und Ernstreden" eine Sammlung von Epigrammen, das Schäfergedicht „Der poetische Frühlings-Spaziergang", fast 200 lyrische Verse „Von dem Lobwürdigen Stand deß lustigen Mayrschafts-Leben", acht „Tractatel von deß Teufeld List und Betrug" zur Aufklärung des auswuchernden Teufelsglauben, eine „Damagraphia oder Gemsenbeschreibung" oder ein umfangreiches „Land-Stadt- und Haus-Artzney-Buch".

Feierliche Erbhuldigung von Kaiser Laopold V. vom 23. Juni bis 20. August 1660 in Graz. Von Wien kommend wird der Kaiser im Norden von Graz in St. Gotthard von den Ständen empfangen und in einem prächtigen Einzug nach Graz geleitet. Am 5. Juli wird ihm dann durch alle Landleute vom Herren- Ritter- und Beamtenstand gehuldigt. Neben dem Kaiser und seinem Hofstaat sind auch Erzherzog Leopold Wilhelm, der regierende Herzog von Mantua, die spanischen und venezianischen Gesandten und zahlreicher Adel anwesend. Am 20. August verlässt Leopold I. samt seinem Tross Graz zu weiteren Huldigungen in Frohnleiten, Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Unzmarkt nach Kärnten, Karain, Görz unjd Triest. Seine Rückreise erfolgt am 15. Oktober über die untersteirischen Städte Cilli, Marburg, Pettau, Ehrenhausen und Wildon nach Graz. Zum Andenken an die Anwesenheit des Kaisers lässt der Abt von St. Lambrecht in St. Gotthard bei Graz durch Baumeister Domenico Sciassia die Kirche St. Veit erbauen.

1659  

Nahe bei Graz, in Hirtenfeld, wird 1660 der Komponist Johann Joseph Fux geboren. Nach seinem Studium an der Universität in Graz wird er in Wien Hofcompositeur, Kapellmeister im Stephansdom und Musikdirektor am Kaiserhof.

Feierliche Erbhuldigung von Kaiser Laopold I. vom 23. Juni bis 20. August 1660 in Graz. Von Wien kommend wird der Kaiser im Norden von Graz in St. Gotthard von den Ständen empfangen und in einem prächtigen Einzug nach Graz geleitet. Am 5. Juli wird ihm dann durch alle Landleute vom Herren- Ritter- und Beamtenstand gehuldigt. Neben dem Kaiser und seinem Hofstaat sind auch Erzherzog Leopold Wilhelm, der regierende Herzog von Mantua, die spanischen und venezianischen Gesandten und zahlreicher Adel anwesend. Am 20. August verlässt Leopold I. samt seinem Tross Graz zu weiteren Huldigungen in Frohnleiten, Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Unzmarkt nach Kärnten, Karain, Görz und Triest. Seine Rückreise erfolgt am 15. Oktober über die untersteirischen Städte Cilli, Marburg, Pettau, Ehrenhausen und Wildon nach Graz. Zum Andenken an die Anwesenheit des Kaisers lässt der Abt von St. Lambrecht in St. Gotthard bei Graz durch Baumeister Domenico Sciassia die Kirche St. Veit erbauen.

1660

Im Zuge des Ausbaues von Graz zu einer mächtigen Stadtfestung mit einem Festungring von 10 Bastionen und einem Stadtgraben wird zur nötigen Sturmfreiheit die Schaffung eines von Häusern und Gärten freien Raumes, eines Glacis, notwendig. Ganze Häuserreihen der Grazer Vorstadt werden dem Erdboden gleich gemacht.

Erstmalige Erwähnung des ursprünglich dem Zisterzienserstift Neuberg gehörenden Palais Dobler am Südtirolerplatz sowie des Gasthofes "Kleiner Elefant" am Franziskanerplatz mit den Sandsteinskulpturen eines Elephanten am Hauseck und eines Bären als Prellbock.

Kapuzienerpatres dert Klöster St. Anton und Graben errichten am Rosenberg eine erste kleine Eremitage.

1663

 

Anlässlich der schweren, aber gesunden Geburt ihres Sohnes lassen Hanns und Rosina Friz, geb. Graßl, zum Dank an jener Stelle, wo ihr Kind ein Steinchen hinwarf, 1663 die Kirche "St. Maria in der Grien" errichten.
Graf Raimund Montecuccoli kann zusammen mit Landeshauptmann Graf Siegmund von Trautmannsdorff, Graf Moßheim und Graf Urssenpeck am 1. August 1664 bei Mogersdorf einen neuerlichen Vorstoß der aus Ungarn anrückenden 4000 osmanischen "Renner und Brenner" gegen die Steiermark stoppen. Zur Erinnerung wird 1671 am Karmeliterplatz eine aus türkischen Kanonenkugeln gegossene Mariernsäule aufgestellt.

1664

Montecuccoli Mogersdorf

Maximlilian Gandolf Graf von Kuenberg wird 1622 in Graz geboren und studiert anfänglich auch in Graz. 1664 wird er Bischof des Bistums Lavant, 1665 von Seckau und schließlich von 1668 bis 1687 als Kardinal Erzbischof von Salzburg. Er erbaut die erste Wallfahrtskirche in Maria Plain und erlässt zahlreiche bemerkenswerte Verodrnungen, unter anderem eine Ruhe- und Sicherheits-, eine Almosen, eine "Sauerkeits"-Ordnung sowie die Einführung eines "Bettelkatasters". Im Sinne der Gegenreformation verbietet er die Verbreitung "ketzerischer" Bücher, lässt die Protestanten des Osttiroler Defreggentales vertreiben und deren Kinder im katholischen Erzstift "umerziehen". Er ist an zahlreichen Hexenverbrennungen beteiligt, so auch am "Zauberer-Jackl-Prozeß", bei welchem 133 Deliquenten, fast alle Bettler und Landstreicher, durch Folter zu Geständnissen erpresst und hingerichtet weren. Mit dieser Vorgangsweise beabsichtigt er, die Auswüchse des Aberglaubens und des Bettlerwesens zu bekämpfen. 1665
Durch den aus Rovereto stammenden Domenico Sciassia Ausbau des im 16. Jahrhundert in der Raubergasse 10 errichteten Rauberhofes als Stiftshof für das Benediktinerstift St. Lambrecht. Später nach dem Bseitzer, Grafn von Leslie, als "Lesliehof" bezeichnet und 1811 darin Unterbringung des Joanneums durch Erzherzog Johann.
Der Soldat und Reiseberichterstatter Matthias Puel aus Steyr schreibt in seinem unter dem Titel „Itinerarium thalassicum das ist: Newe Raiß- und Meeresbeschreibung“ herausgegeben Buch über Graz von: "wolgestalten und familiaren Weibsbildern. ... Es hat sich in Graz noch kein eigener Volkscharakter ausgebildet, wie z.B. in Wien; doch ist der gemeine Mann, der Masse nach, mehr ernsten Sinnes, wenig lebhaften Temperaments und ziemlich gleichmütig. Er geht mit klarem Verstande, ohne hitzige übertreibung gerade auf sein Ziel los, ist gutmütig, offen und ehrlich, obwohl er diese Eigenschaften nicht zur Schau trägt. Der Körperbau der Bewohner ist mittelgroß, kräftig, untersetzt, ihr Knochensystem vorzüglich entwickelt, das Gesicht rundlich, die Nase selten gebogen, der Hals etwas dick, der Brustkorb breit und gewölbt. Die körperliche Entwicklung geht jedoch ziemlich langsam vor sich und 20jährige junge Leute haben bei der Rekrutierung sehr häufig noch nicht das Normalmaß. Mangel an gehöriger Entwicklung und unheilbarer, gewöhnlich kleiner Kropf sind die Hauptgebrechen. Ein großes Kompliment machten die Fremden in früheren Zeiten dem weiblichen Geschlecht in Graz und ein zur Zeit der Invasion in Graz weilender Franzose verstieg sich zu folgendem geistreichen Calembourg: 'C'est la ville des Graces sur la riviere de l'amour.' Im großen und ganzen jedoch vermißt man seit Dezennien bei dem weiblichen Geschlechte jene Frische, Zartheit und ein lebhaftes Incarnat des Teints, das einen Teil weiblicher Schönheit bildet. ... Der Menschenschlag im Bezirk Graz Umgebung, besonders an der rechten Murseite ist im Allgemeinen ziemlich schön, groß, gesund, kräftig, das Volk ist intelligent und sehr arbeitsam. An der linken Murseite kömmen Kröpfe nicht selten vor, jedoch keine Kretinen."

1666

Johann Graf von Saurau tötet im Zweikampf Freiherrn Albrecht von Ratmannsdorf. 1668  
Nachdem den durch Graf von Herberstein gerufenen Augustiner-Barfüßern von der Regierung in der Leonhardstraße ein Klosterbau verboten wird, ziehen sie zum Münzgraben und errichten dort ihr Kloster. Hier wirkt auch der berühmte Barockprediger Abraham a Santa Clara, der 1680 auf dem Hauptplatz seine berühmte Predigt hält: "In dem Dantz seynd die Weiber ganz närisch, im Dantz gantz frech, im Dantz gantz ausgelassen, im Dantz gantz unverschämt, im Dantz gantz gail, im Dantz gantz vermessen, im Dantz gantz erhitzt, im Dantz gantz resolut, im Dantz gantz offentherzig, im Dantz gantz verhurt."

1670

Abraham.a.Santa.Clara

Mit dem Ziel der Unabhängigkeit Kroatiens wird unter der Führung des Banus von Kroatien, Graf Petar Zrinski, des Palatin Franz Vesselenyi, des Hofrichters Franz von Nadasdy, des Markgrafen Fran Krsto Frankopan, des Fürsten Franz von Rakoczy und des steirischen Statthalters Johann Erasmus Graf von Tattenbach eine gemeinsame Magnatenverschwörung bedeutender ungarischer, kroatischer und steirischer Adelsfamilien gegen die Habsburger aufgedeckt und die Beteiligten hingerichtet. Der 37jährige Landesstatthalter Graf von Tattenbach, der auf persönliche Vorteile hoffend mit den Verschörern konspiriert, wird - vom eigenenöffentlich Kammerdiener verraten - verhaftet, des Hochverrats für schuldig befunden und öffentlich vor dem Grazer Rathaus geköpft. Dies gelingt dem Henker erst im dritten Versuch.

 

1671

Graf Tattenbach Tattenbach

Im Sack von Graz bricht eine Feuersbrunst aus. Sackbrand

Mit der Heirat von Kaiser Leopold I. ("Türkenpoldl"1640-1705) und Claudia Felicitas, der Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Tirol, am 14. Oktober 1673 erlebt Graz eine Glanzhochzeit: Nach einem festlichen Empfang in St. Gotthard bei Graz durch die Stände und den Abt von St. Lambrecht, Farnz von Kaltenhausen, erfolgt am 11. Oktober 1673 der festliche Einzug ins beleuchtete Graz. Am nächsten Tag legt der Kaiser den Grundstein zum Klosterbau der Augustiner-Barfüßer im Münzgraben. Anschließend zieht er seiner Braut Claudia Felicitas nach Gratwein entgegen, um sodann am Abend im Schloss Eggenberg prunkvoll empfangen zu werden. Am 15. Oktober 1673 wird das Brautpaar in Begleitung von 90 sechsspännigen Kutschen zur Hofkirche St. Egidy gefahren, wo der päpstliche Nuntius in Anwesenheit von 18 Bischöfen die Trauung vollzieht. Die Hochzeitstafel findet in der Burg statt und ganz Graz ist festlich beleuchtet. "Aller Schmuck war Hochfürstlich, war Königlich, die Räume von Stuckethor=Arbeit als mit weissen Alabaster überzogen, welche zum theil umbher vergultet, innwendig aber mit den allertrefflichsten Gemählten außgeziehret waren, deren Köstlichkeit und Kunst alles übrige bey weitem übertraff." (ein Chronist)
Michael Franckenberger berichtet in einer Schrift über den Einzug der „Frauen Claudia Felice römische Kaiserin zu dem Kayserlichen Beylager" in Graz.

Der englische Arzt und Reisende Edward Brown besucht 1668-69 die mineralreichen Regionen von Hungaria, Serbien, Bulgarien, Mazedonien, Thessalien, Österreich, der Steiermark, Krain und Friaul und berichtet in seinen in London erschienenen Briefen über Beobachtungen bezüglich der Mineralschätze von viel Gold, Silber, Kupfer, Quecksilber, über Bäder und Mineralwasser sowie über markante Orte und einige Gewohnheiten.

1673

Claudia.Felicitas 1674.Graz

Größter steirischer Hexenprozess in Feldbach - darunter die Frau des Verwalters der Riegersburg, die „Blumenhexe" Katharina Paltauf - werden der Hexerei beschuldigt und am Scheiterhaufen verbrannt. 1674
Der Kapuzinerprediger Amandus von Grätz wird in der Zeit zwischen 1675 und 1689 dreimal Guardian des Antoniusklosters neben dem Paulustor. 1675  

Sigmund Ludwig Khuenburg lässt 1676 in der Sackstraße ein nach ihm benanntes Palais errichten, in welchem 1863 Erzherzog Karl Ludwig und seine Frau Prinzessin Maria Annunziata Quartier nehmen und am18. Dezember Thronfolger Franz Ferdinand das Licht der Welt erblickt.

Bereits im 12. Jahrhundert bringen Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land einen Splitter des Heiligen Kreuzes nach Graz und stellen diesen in einer Kapelle „Zum heiligen Kreuz" aus. Daraus entwickelt sich die Wallfahrtsstätte „Heiligen Kreuz zum Landestrost" mit einem dazugehörigem Spital für kranke Pilger. Als 1480 die Türken die Kirche niederbrennen, wird der nun kahle Berg „Purberg" (pur) genannt. 1676 bekommt Freiherr von Wilfersdorf von seinem Bruder, einem Mönch in Rein, eine Muttergottesstatue geschenkt, die er in seinem kleinen Schlössl am Berg aufstellt. Viele Pilger suchen Trost bei der Marienstatue: So wird ein junger Bursche von dem Fluch, seine Schuhe bis zu serinem Lebensende löchrig zu treten, befreit, nachdem er eine Hexe zum Tanz aufgefordert hatte. Auch wird ein Fleischergeselle aus Wien nach einem schweren Arbeitsunfall wieder geheilt. Nächster Besitzer des Anwesens wird dann Franz Caspar Canduzzi, Edler von Heldenfeld, der für die Statue eine der hl. Anna und den hl. Joachim geweihte Kirche erbauen lässt, die zuerst den Namen „Maria Trost am Joachimsberg" trägt, später „Heilige Maria zum Landestrost" genannt wird.

1676 Palais Khuenburg Purberg
Eine Notiz in Peinlichs „Geschichte des Kollegiums“ (1678) erwähnt, dass in der Jesuitenkirche unter der ganzen Länge des Kirchenchores eine Gruft mit 120 Grabstellen für die Jesuiten erbaut und die ganze Kirche neu mit Marmor gepflastert wird.
Bei späteren Ausgrabungen fanden sich in den links und rechts vom Mittelgang befindlichen, vorne mit Ziegelsteinen zugemauerten Grabhöhlungen 4 goldene calices (Büchsen) mit den Herzen von Fürsten. Restliche Gebeine füllen ein unten in der Mitte befindliches Sammelgewölbe.
1678

Der in Basel geborene und in Frankfurt am Main ansässige Kupferstecher Matthäus Merian verlegt zusammen mit seinen beiden Söhnen Matthäus d. J. und Caspar ab 1624 die "Topographia Germaniae". Dieses größte Werk der damaligen Zeit umfasst schlussendlich 30 Bänden mit Kupferstichen von insgesamt 2142 Ortansichten. Darin enthalten auch die 1679 erschienene "Topographia Provinciarum Austriacarum", zu der Martin Zeiller die Texte verfasste: "Diese Statt / so das Haupt deß gantzen Landes / sonsten aber in Unter-Steyer / an dem Hauptfluß der Muer / gelegen ist / In den alten Stifftsbrieffen wird diese Statt Bayrisch Grätz geheissen; wiewol solchen Nahmen für Windisch hält / als der ins gemein eine Statt / oder Burg bedeute; Es ist zwar Grätz kein grosse / aber schön und wol erbaute Statt / so feine grosse Vorstätte / und ein hüpsches wolgebautes Land herum hat. An dem besagten Wasser der Muer liegt sie nach der Länge / und eben / hernach ziehet sie sich etwas gegen dem Berg. Ist zimlich fest / und mit einem Wahl / und den Bollwercken / auch schönen starcken Thoren versehen. Sonderlich aber wird das Obere Schloß / so hoch auff einem Berg lieget / der um und um frey / und felßechtig ist / und dem gantzen Land herum gebieten kan / fast für unüberwindlich gehalten."

Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, genannt der Stifter (1643-1709) ist von 1679 bis 1687 Bischof von Seckau und von 1687 bis 1709 Fürstbischof von Salzburg. Er baut Salzburg zu einer prachtvollen Barockstadt aus. Von Bernhard Fischer von Erlach lässt er die Kollegien-, Ursulinen-, Dreifaltigkeitskirche und Schloss Klessheim erbauen.

Die Mönche der Kartause Seitz in Cilli besitzen auch in Graz in der Frauengasse eine Niederlassung, den Seitzerhof. Ihr Prior wird sogar zum Prälaten mit Sitz und Stimme im steirischen Landtag erhoben.

1679 Graetz

Mit dem Amtsantritt von Landeshauptmann Georg Christian von Saurau bricht in Graz neuerlich die orientalische Beulenpest aus: Ein fremder Flößer stirbt in der Murvorstadt mit hohem Fieber und schwarzen Beulen in den Achselhöhlen. Und obwohl die Stadttore geschlossen sind, breitet sich die Seuche auch in der Stadt aus. Im März wütet die die Pest in St. Veit, im Mai müssen 3 Häuser in der Murvorstadt gesperrt werden, im Juni bricht sie mitten in der Stadt, im Domspergerischen Haus am Hauptplatz und im Rathaus aus, im Juli und August sterben in der Schörgelgasse und im Münzgraben 346 Personen und am Grätzbach werden 43 Bewohner impestiziert. Die Grazer rufen die 8 Nothelfer, Maria, Sebastian, Rosalia, Rochus, Franz Xaver und Joseph, an, halten Prozessionen ab und errichten sogenannte Pestsäulen. Auch Kaiser Leopold I. spendet 1680 eine bronzene Dreifaltigkeitssäule mit den Sockelfiguren der Schutzpatrone des hl. Rochus und des hl. Sebastian, die zuerst am Beginn der Sackstraße, jetzt am Karmeliterplatz steht. Vier Jahre lang wütet der "Schwarze Tod", fast ein Drittel der Einwohner der Stadt erliegt der Seuche. Die insgesamt 5000 Personen werden in Pestgruben außerhalb der Stadtmauern Iim heutigen Volksgarten und Stadtpark) bestattet.

Der Augustiner-Barfußer-Mönch Abraham-a-Sancta Clara, mit bügerlichem Namen Ulrich Megerle aus Schwaben, der mit rund 600 Einzelschriften als bedeutendster deutscher katholischer Prediger der Barockzeit gilt, wird in das Augustinerkloster St. Anna am Münzgraben berufen, wo er 7 Jahre lang bleibt, zuletzt als Prior. 1680 hält er vor der Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz seine erste Predigt: „Denk zurück, mein Grätz, wie anno 1680 der wütende Tod hier auf einem falben Pferd durch alle Gassen gesprengt, durch Muhr-, Stämpfer-, Sporgasse, bis er endlich in eine Grube gefallen und den Hals gebrochen. Ja, in die Gruben, die man im ersten Sack ausgehoben, um diese Dreifaltigkeitssäule darin aufzustellen. Da hat der Tod den Rest bekommen. Was er aber am meisten hasst, sind 'die Weiber und die Juden, das Volk der Gottesmörder'. 'In dem Dantz seynd die Weiber gantz närrisch, im Dantz gantz frech, im Dantz gantz ausgelassen, im Dantz gantz unverschämt, im Dantz gantz gail, im Dantz gantz vermessen, im Dantz gantz erhitzt, im Dantz gantz resolut, im Dantz gantz offenher, im Dantz gantz verhurt". Einige weitere seiner Zitate: „Der Wein ist eine Medizin, wenn er aber ohne Manier getrunken wird, ist er ein Gift / Dürres Holz brennt besser als grünes Holz / Schönheit ist wie eine Blume, heute vor dem Busen, morgen vor dem Besen / Ein schwerer Beutel macht leicht eitel / Ein zänkisches Weib ist wie ein immer durchtriefendes Dach / Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man Fröhlichkeit und muntere Sprünge, im Hintergrund findet sich aber Galle / Wenn das Schwein am fettesten ist, hat es der Metzger am meisten zu fürchten / Sitzt die Maus im Speck, so piept sie nicht". Die 1683 verfasste und publizierte Predigt „Auff, auff ihr Christen", in der er von Graz aus zum Kampf gegen die Türken ausruft, dient Friedrich Schiller als Vorlage für die Kapuzinerpredigt in „Wallensteins Lager".

1680


Pestmaske  

Prinz Johann Anton II. Joseph von Eggenberg (1669.1717) lässt als Votivgabe gegen die Pest in Eggenberg die barocke Vierzehn-Nothelfer-Kirche erbauen.
Der gebürtige Tiroler Priester und Topograf Georg Matthäus Vischer ist von 1673 bis 1684 in der Steiermark tätig, wo er 1681 sein mit 463 Kupferstichen bestücktes Hauptwerk, die "TOPOGRAPHIA DUCATUS STYRIAE", herausgib ("Graz Die Haubt statt in Hertzogtum Steyer", "Gratz die Haubt-Statt in Steyermarck", "Die Haubt Vestung vnd Statt Graetz wie Sie denen aus Krabatten vnd windischen Marckh Kommenden zu sehen vor Kombt", "Die Haubt Vestung Graetz wie sie denen von wienn vnd Salzburg Komenden sich erzeiget". 1681 Georg Matthäus Vischer Matthäus Vischer
Merian Gratz Gratz Vischer Vischer
„Graz um 1683", Nachstich von Kupferstecher Folbert von Allen-Alten.  
Der Komponist Johann Joseph Fux, der 1660 nahe bei Graz in Hirtenfeld als Bauernsohn geboren wird und am Zisterzienserstift Rein als Sängerknabe musiziert, beginnt sein Studium an der Jesuiten-Universität in Graz und tritt in das von Erzherzog Karl II. gestiftete Internat des „Ferdinandeums" als Zögling ein, um bei Feierlichkeiten der Hofkirche St. Ägydius als Sänger und Instrumentalist mitzuwirken. Ab 1696 geht er nach Wien, wo er nach einer Begegnung mit Kaiser Leopold I. Organist in der Schottenkirche, 1698 Hofcompositeur und Kapellmeister im Stephansdom und schließlich 1715 Hohkapellmeister am Kaiserhof wird, eines der wichtigsten Ämter im europäischen Musikleben der damaligen Zeit. In seiner Kontrapunktlehre „Gradus ad Parnassum", einem großartigen Werk des Hochbarocks, schreibt er rückblickend über seine Musikanfänge: „Zur Zeit, als ich noch nicht im vollen Gebrauch meiner Vernunft war, wurde ich durch die Heftigkeit ich weiß nicht welches Triebes hingerissen, es richtete sich all mein Sinnen und Trachten auf die Musik".   Fux
In der Münzgrabenstraße wird im Jahre 1682 der Vorgängerbau der Münzgrabenkirche, die St. Anna-Kirche, eingeweiht, die mit dem Kloster der Augustiner Eremiten, dann der Jesuiten und zuletzt der Dominikaner in Verbindung steht. 1944 wird sie durch eine Bombe zerstört. 1682

Ernst Rüdiger von Starhemberg, der am 12. Jänner 1638 in Graz das Licht der Welt erblickt, seine Jugendjahre im elterlichen Haus verbringt und nach Beendigung seiner von Jesuiten geleiteten Studien die übliche Belehrungsreise, die sogenante Cavalierstour, unternimmt, ist ein schon mit Montecuccoli in Kriegen gegen die Franzosen und Türken ein bewährter Militätführer. 1683 übernimmt er das Oberkommando in der Residenzstadt Wien und wird als deren erfolgreicher Verteidiger bei der Zweiten Türkenbelagerung zum Helden. Mit rund 13000 Mann und 8000 Freiwilligen der waffenfähigen Bürger-, Studenten-und Handwerkermilizen steht er 280000 Türken unter der Führung von Großwesir Kara Mustapha gegenüber. Zwei Monate lang verteidigt Starhemberg die Stadt bis das Entsatzheer unter König Jan III. Sobieski zur Hilfe kommt und das türkische Heer in die Flucht geschlagen werden kann. Der dankbare Kaiser Leopold I. ernennt ihn zum Feldmarschall und Conferenz-Rath, beschenkt ihn mit 120000 Reichstalern und gibt ihm das Recht, den Strphansturm in seinem Wappen zu tragen.

Beim Rückzug der vor Wien vernichtend geschlagenen Türken brandschatzen und verheeren diese mit den verbündete Kuruzzen (türk, khurudsch, Kruzitürken, Aufständische) unter Emerich Tökölys das Grenzgebiet im Osten der Steiermark.

1683

Graf Sigmund Joachim Trautmannsdorf wird bei den Jesuiten in Graz und Wien erzogen ist mit 15 Jahren im Kürassierregiment von Piccolomini, kämpft untr Rüdiger Graf Starhemberg in Ungarn udn ist 1684 in der Schlacht von St. Gotthard Adjudant von Montecuccoli. Er erbt das Schloss Trautenfels am fuße des Grimmings, wo er sich vom Oktober 1684 bis Jänner 1685 aufhält. In dieser Zeit weilt er wegen einer Erbschaftsangelegenheit auch in Graz und berichtet in seinem Tagebuch: „Den 1. October 1684 langte ich Mittags in Gräz an und logirte im guldenen Hasen ein. … Alsdann gieng ich bei den Franziskanern Messe hören, nach dem Essen besuchte ich etliche Cavaliere und Abends die Gräfin von Rindsmaul, die im Kindbette lag.Den 3. Vormittag gieng ich vor das Thor spazieren, aß zu Mittag bei dem H. Kammerpräsidenten Graf Franz von Dietrichstein, allwo ich noch Mittag eine Zeitlang spielte; gegen Abend gieng ich die Gräfin von Purgstall besuchen, so im Kindbette lag, allwo die Zeit auch mit Spielen verzehrt wurde. Den 4. Vormittag besuchte mich Graf Carl von Saurau, ich fuhr als dann in die Kirchen und im Herausgehen übergab ich dem H. Landeshauptmann ein Memorial wegen der Einantwortung des Gutes Trautenfels. Nach dem Essen besuchte ich meine Basin die Gräfin Trautmannsdorf, und am Abend spielte ich bei Graf Rindsmaul a l’hombre. Den 5. zu Mittag aß Baron Malovetz bei mir; nach dem Essen besuchte mich Graf von Saurau mit dem ich vor die Stadt spazieren fuhr, und Abends spielte ich bei Graf Sigismund von Stubenberg. Den 6. ging ich Vormittag vor das Murthor spazieren; Dann ging ich vor das Thor Lerchen schießen und spielte Abends bei Graf Rindsmaul à l’hombre. Den 7. kam H. Johann Franz Niderl zu mir, welcher mir wegen der Weingärten in Luttenberg und Radkersburg Bericht gab; alsdann früstückte ich und ritt diesen Tag noch 3 Posten bis Bruck an der Mur, allwo ich über Nacht blieb." Am 5. November fährt er nochmals nach Graz, wo er mit amtlichen und gesellschaftlichen Besuchen bis 30. November beschäftigt ist. Gelegentlich eines Besuches bei Graf Attems am 29. November wird er Zeuge, „wie man 2 Bergknappen, die eine Rebellion angefangen, auf dem Platze decolletirte."

1684
Der berümte Barockbaumeister, Johann Bernhard Fischer von Erlach, wird am 20. Juli 1656 in Graz, im Haus Nr.4 (heutige Fischer-von-Erlach-Gasse) geboren und am selben Tag gegenüber in der Stadtpfarrkirche zum Heiligen Blut getauft. Er erlernt bis 1670 das Handwerk des Bildauers von seinem Vater Johann Baptist Fischer sowie dessen Lehrherrn Sebastian Erlacher. Mit 14 Jahren bricht er zu einem Studienaufenthalt nach Rom auf. 1686 zurückgekehrt, vollendet er im Auftrag von Kaiser Leopold I. mit dem Hochaltar und den Entwürfen der Stukkatur das Mausoleum Kaiser Ferdinands II., ehe er nach Wien weiterzieht, um dort das Schloss Schönbrunn und die Karlskirche zu erbauen.
Die Stuckarbeiten selbst werden von Josef Sereno, Girolamo Rossi und Antonio Quadrio ausgeführt, die Kuppelfresken der Katharinenkapelle von Matthias Echter, die Fresken im Langhaus von Franz Steinpichler - eine Aotheose an das Haus Habs
burg - zeigen den glorreichen Sieg von 1683 über die Türken in Wien.
In dieser Zeit schaffen viele, wie Fischer von Erlach, in Italien ausgebildete Künstler bedeutende Werke des Hochbarocks in der Steiermark: Matthias Echter, Matthias von Görz, der aus Tirol stammende Johann Cyriak Hackhofer, Philipp Carl Laubmann, Max Schokotnigg, Johann Jakob Schoy oder Josef Taddäus Stammel.
1686 Fischer von Erlach Mausoleum

Wegen der Notwendigkeit einer Erziehungseinrichtung genehmigt am 30. März 1886 Kaiser Leopold I. die Niederlassung der Ursulinen in Graz. Die ersten 4 Klosterfrauen beziehen ein Haus am Fischplatz, richten eine Kapelle ein und eröffnen am 24. Juli eine Schule. Neben der gründlichen sittlich religiösen Erziehung stehen folgende Fächer auf dem Stundenplan: „Teitsch und lateinsich, leßen und schreiben samt unterschidlicher Handarbeith, stickhen, strickhen, näyen, kleckheln, dänzerl arbeith, auch raiten und französische Sprach." Bald wird das Heim am Fischplatz zu eng und man übersiedelt zunächst in das Werthische Haus gegenüber der Mariahilferkirche, um dann im "Mittleren Sack" 5 Gebäude zu erwerben und 1702 zu einem geschlossenen Klosterkomplex samt Ursulinenkirche (heute Dreifaltigkeitskirche) durch Bartholomäus Ebner umzubauen. 1891 erfolgt ein Neubau in der Leonhardstraße, der am 11. September 1900 von Fürstbischof Dr. Schuster eingeweiht wird.
Aus dem schwäbischen Anhausen bei Augsburg wandern die Brüder Josef und Jakob Seel nach Graz ein und eröffnen am Murplatz (Südtirolerplatz) eine Bäckerei., die sie nach einem davor wachsenden Weinstock "Weinrebenbäck" nennen. Die strenge Grazer Backordnung zur Kontrolle von Qualität und Gewicht schreibt vor, dass das Brot nur auf den vor dem Rathaus aufgestellten Tischen verkauft werden darf, der Direktverkauf nur den Vorstadtbäckern außerhalb der Stadt erlaubt ist. Wird gegen die Vorschriften verstoßen, erfolgt die Verurteilugn zum "Bäckerschupfen", bei dem der Deliquent, in einem Weinkorb hängend, mehrmals in die Mur getaucht wird. Josef Seel, ein guter Schwimmer, soll einmal dem Käfig unter Wasser entkommen sein. 1765 gründet er mit den damals weiteren 32 Grazer Bäckern das "Bäckermühlen-Konsortium", um Beanstandungen auf das schlechte Mehl der Müller abzuschieben. 1771 übernimmt sein Sohn Matthäus die Bäckerei und wird insgesamt drei Mal zum Vorsteher der Bäckerinnung gewählt. 1688
Abraham a Sancta Clara hält im Münzgraben seine berühmte „Teufelspredigt“: „ ... Das Heiraten gleicht dem Fischen. Mancher fischt und bekommt einen stattlichen Haufen, eine gute Hausfrau, welche ihr Brot nicht ißt im Müßiggang. Ein Anderer fängt einen Karpfen, eine Reiche, mit welcher er einen Roggen zieht. Dieser fischt und fängt einen elenden Weißfisch, welcher voll Gräte ist; und jener gar eine giftige Schlange. Das Heiraten gleicht einem Glückstopf. Manche zieht und erhält einen Kamm, welcher die tüchtig zauset. Diese zeiht einen Schwamm, einen Säufer, welcher niemals trocken wird. Jene erhält Würfel, einen Spieler, welcher alles durchbringt und die Kinder an den Bettelstab versetzt. ... Manche läßt sich durch Schönheit blenden, ohne des Sprichworts sich erinnern: Schönheit vergeht, Tugend besteht. Wenn die Schönheit des Körpers wäre wie die Kleider der Israeliten in der Wüste, welche in 40 Jahren sich nicht abnutzen, allein manche hat ejtzt goldene Haarer, bald maßt sie sich wie eine alte Bruthenne. Die Augen sind glänzend schwarz, aber bald werden sie triefend, und rot, wie die gewissen Tauben. Die Wangen sind voll, und lieblich, aber bald werden sie einfallen, wie ein leerer Dudelsack. Die Nase ist schön geformt, alabastern, aber bald wird sie ein alter Kalender, welcher immer nasses Wetter anzeigt. Der mund glänzt wie Corallen, aber bald wird er einer gerupften Blaumeise gleichen. Der Wuchs ist schön, aber bald geht er in Trümmer, wie die alabasternen Büchsen der Magdalena. Tugend besteht, aber Schönheit vergeht. ... Es ist aber solches Tanzen und Lust darzu nichts anders als eine Anzeigung äußester Leichtfertigkeit, Zunder zu aller Üppigkeit, Reizung zur Unzucht, der Schamhaftigkeit zuwider, Ehrbarkeit abhold. ..."

Auf Betreiben der Stifterin Gräfin Maria Theresia von Wagensperg, geb. Liechtenstein, kommen am 19. Oktober aus Düren drei Schwestern (Maria Clara Haß,Maria Josepha de Rupe, Maria Anna Vettweiß) in die Grazer Vorstadt und gründen das Kloster zum hl. Laurenz und Krankenhaus der Elisabethinen.

Johann Adam von Montzelo berichtet über den „Erb-Huldigungs Actus im Herzogthum Steyer: Wie solcher Ihro Röm. Kays. Leopoldi Primo. Als ErbLands-Fürsten in Steyer in aigner Hochen Person in der Haub-Statt Grätz von denen Ständen gmainer Landschaft daselbst, nach altem Löblichen Gebrauch und Herkommen, praestiert und abgelegt worden. Den 5. Iuli 1660isten Jahrs. Ingleichen auch Was gestalten. Röm: Kay: May: von besagten Land-Ständen in Steyer empfangen worden. Alles mit Erlaubnuß Deß Herrn von Stubenberg/Herrn auf Kayserberg. Wie auch Deß Herrn Johann Carls, deß Heiligen Römischen Reichs Grafen von Saurau. Auß denen von der Lands Obrigkeit Consultirt: und Revidirten Actis gezogen" sowie den Empfang Kaiser Leopold I. am 5. Juli 1660 in Graz.

Blödsinnige und halbnärrische gibt es in der Stadt Grätz und ihrer Gegend gar nicht selten. Diese Geschöpfe - ein Mittelding zwischen Mensch und Vieh - werden hier Troteln, Tapeln oder Talken genannt. Der Boden, auf dem sie vorzüglich Gedeihen finden, ist der Grätzbache. Fast jedes Haus hat einen blödsinnigen Sohn oder eine halbnärrische Tochter aufzuweisen. In manchen findet man gar 3 Troteln, die bis an ihr Ende den vollkommenen Gebrauch der Vernunft nicht erhalten. Viele davon sind ganz stumm, andere reden zwar etwas, oder bellen und krähen vielmehr, aber so unartikuliert, daß sie selbst von ihren eigenen Eltern nicht verstanden werden." (Skitze von Grätz)

1690

Bamherzigenspital Elisabethinenspital

Landeshauptmann Georg von Stubenberg (1667-1703) erbaut in der Hans-Sachs-Gasse das Palais Stubenberg.

Fürst Johann Seyfried von Eggenberg (1644-1713) ermöglicht durch seine Stiftung ab 1691 nach Plänen von Johann Carlone den Bau des Sommerrefektoriums mit dem Minoritensaal im Westtrakt des äußeren Hofes des Minoritenklosters.

1691

Von 1692 bis 1693 bereist der 23jährige bairische Bildhauergeselle Franz Ferdinand Ertinger aus Immenstadt auch die Steiermark: „Gräz, die Haubtstadt des Herzogtmbs Steiermarckh hatte vor uralten Zeiten den Nahmen Florena geführt, nachgehent wurde sie Sauana genandt; als sie aber von den hunischen Diranen Attila von Grundt aus zerstert worden, ist ihr auff windischer Sprach der Nahmen Graz beygelegt worden, welches so viel als eine Stadt haist. Solche ligt an dem Fluß Mur, ist an sich selbst zwahr nicht übrig groß, ist aber schen, lustig und wohl gebaut, auch ziemlich fest mit einem gemauerten Wahl und Bohlwerkh, auch vesten Thoren, deren an der Zahl 5, als da ist das Murdohr, neudor, Eisendor, Paulusdor und dann Sackdor wohl versehen. Die Stadt zieht sich in die Runde an einem freien felsigen Berge herumb und ligt auf erwhntem Berg ein vor menschlichen Augen unüpberwindliches Schloß und man nur auf einem Wege in das Schloß kommen kann, welches der Statt zum Schutz gedeihen kann, und ist vohrmals, ehe solches also befestigt worden, der Türckh ein ganzes Jahr davor gelegen, doch ohnverrichter Sachen mit Spott davon abziehen müssen. Ich bin dreimahl in solche Realvestung eingelassen worden, ist mit einem kaisserlichen Comendanten und Besatzung belegt, geht ein verborgener Gang nach der Stadt herunder in die landtsfürstliche Burg., darinen unser allerdurchlauchtigster, glorwürdigster, höchst löblich regierenter römischer Kaisser Leopoldus Magnus sein anderes Beylager mit Claudia Felicitas Erzherzoging aus Österreich den 15. October a. 1673 gehalten. Ohnfern der Burg steht das landtsfürstliche Zeughaus, wie auch das Münzhaus, dann in der Herrengassen ist zu sehen das Landschaft Zeughaus, daranaußerhalb Mars Gott des Kriegs und die Göttin Pallas weit überlebensgroß und eine von den besten Statuen in Graz. Gleich daran ist das Landthaus, allwo ein Präsident, Landtshauptmann und Marschall nebst anderen Landtherrn und gräfflichen Standtpersonen consolieren und Rath halten. Dann auf dem großen Plaz, allwo man zu Ehren der Allerhayligsten Dreyfaltigkeit eine Säule sambt den allerhayligsten Personen in Feur vergult, dann unden herumb auf einer Gallerie die Statt-. und Pestpatronen von Sandstein zu sehen hat, steht das Rathaus, darin die vorgesetzte Rathsherren und Burgermaister ihre Zusammenkunfft und Rath halten, jeoch wird allzeit ein Graff als Statthalter über sie gesetzt. Im entfernten Rathhaus ist den 11. November a. 1671 der Graff Dattenbach seines Verbrechens halber und zwahr mit ohnglückhlichen Straichen enthaupt worden. Anbelangend die Klöster und Gottshäuser als ist erstlich zu sehen in der Statt das Jesuitten Collegium, allwo das Studium und Dabey die Universitä und in deren Kirch neben anderen Künsten ist ein Salvator Peter und Paulus lebengroß von dem kunstberiembten Bildhauer Spindlbaur zu sehen; dann ist das schene Gottshaus und Kloster der Herren P.P. Carmeliteran zu sehen; dann an dem Schloßberg ein feines Capuziner Closter und zierlicher Garten, wie dann auch in der Sporergassen das Closter der Eremitarum ordinis s. Augustini. Dann in den ersten Sackh die Ursulinen, dann bei dem Murthor das Franziscanerkloster, wie auch gegenüber dero Ordensklosterfrauen dem hayl. Geist, dann gleich außerhalb in dem Kälber-Viertl das gesperte Closter und schene Kirch der Carmeliter Closterfrauen, in welchem Hochalldarbladt des kunstberiehmten Mahlers Johann Adam Weiskirchner Handt wohl zu sehen. Dann ist in der Herrengassen die Pfahrkirch und Stift, dann ohnfern davon ist das Clösterl, allwo die Dominikaner Ordens Closterfrauen wohnen. Aus der Statt geht man über die Murbruckh in die sogenannte Murvorstatt, welche Schenheit und Größe halber eine Statt zu vergleichen, weillen viel gräfflichen Palatium, Lust- und Gottsheuser darin stehen. Sie prangt auch mit dreyen Clöstern, als da ist das Minoriten Closter und die schene Maria Hilffskirchen, welche eine schene Faciata hat, auf italienische Manier erbaut; es ist das künstliche Hochaltarbladt darinnen die gnadenreiche Himmelfahrt Mariae abgebildet wohl zu sehen, bey welchem viel Mirackhel und Wunderzaichen geschehen, aber solches Bladt nur zu hohen Festen öffentlich gesehen wirdt. Das ander ist der Herren P.P. Domincaner neuerbautes Kloster und schene Kirch. Das drite der Frater Misericordiae, welche die Kranckhen auswarten und ein Hospitaln mit vielen Bettstatten bestellet haben. Deren Ordenfundator ist der heil. Johannes Dey, in deren Kirch, darin ein Krucifix, so der Kunst halber wert zu sehen, steht die lauretanische Capelle, allwo alle Wochen große Gnaden und Abläß zu erhalten sein. Außerhalb der Vorstatt, eine halbe Stundt durch lustigen Spaziergang weiter hinaus an dem Weingebirg steht des Fürsten Stammenhaus Eggenberg, ist ein neues Schloß unter den alten erbaut, ist mit einem tiefen Graben, darin wilde Schweine, umgeben. In diesem Schloß gibt es auch fürstliche Gemächer und schene Wohnungen darin vohler kunstreicher Mallereyen und anderer Zihrlichkeiten. In einer andern Vorstatt, der Münzgraben genannt, ist ein Augustiner Barfüßer Closter, welches ein schens und ganz neu erbautes Closter und sehenswerter Kirch. Diese Vorstatt ist mehrist von gemeinen Leithen bewohnt. In der dritten Vorstatt Graben in dem Weingebiet ist noch ein ganz neuerbautes Closter S. Francisci Ordens. Es steht ohnfern davon eine uralte Johaniter Ritter Ordens Kirch, welche die ältiste in ganz Graz sein soll. Allhier in dieser Statt habe ich bey Herrn Johann Baptist Fischer bürgerlicher Bildhauer in dem Judengässel vierzehn Dag in Arbeit zugebracht.

1693

Unter dem Einfluss Palladios stehend, errichtet Joachim Carlone für Sigmund Graf von Stubenberg unter Einbeziehung der alten Stadtmauer das monumentale Palais Welsersheimb (Ecke Hans-Sachs-Gasse/Eisernes Tor) mit einem von toskanischen, ionischen und korinthischen Pfeilern begrenzten Stiegenhaus. Ab 1810 ist das Gebäude im Besitz von Graf von Welserheimb, 1812 wohnt der Bruder Napoleons, Louis Bonaparte hier. 1694

Der steirische Volksprediger Kapuzinerpater Amandus von Grätz (1637-1700). Guardian des Kapuzinerklosters St. Antonius auf der Stiegen, geißelt in seinen mit tausend Geschichten und Histörchen gewürzten Predigten mit dem ganzen Freimut, der zu dieser Zeit einem Ordensmann erlaubt ist, die Schwächen und Laster seiner Zeit in der der Kirchgang mit dem Hören der Predigt einen festen Bestandteil des sozialen Lebens einnimmt. Über seine Kanzeltätigkeit in der Steiermark schreibt er: „wo ich allerley Stands-Persohnen / von höchern / Studenten / von Bürgern / Verheyrath / Ledigen / Handwerck- von Dienst- und Bauers-Leuthen ... zu Zuhörern gehabt." Seine Sammlung von Fastenpredigten erscheinen unter dem Titel „Von der Geistlichen Schlaffsucht", „Seelen-Wayde der Christlichen Schäffeln", „Von dem Gewissen", „Von der Menschlichen Seele", „Von der Christlichen Himmelfahrt gen Himmel", „Fasten-Bancket der Christlichen Seelen".

Von Andreas Trost mit Kupferstichen versehener Predigtband des Predigers und Pfarrers von St. Radegund, Johann Andreas Graff, für Fürst Johann Seyfried von Eggenberg: „Galleern in Engelland, Erster Theil und Anderer Theil (in einem Band). Mit Vier und Dreyßig Galleotten. Das ist Apostolischer Eifer, in sich haltend 34 Festival-Predigten auf die Fest-Tagen und Solemnitäten durch das ganze Jahr. Dadurch das allgemeine Seelen-Heyl in das obere Engelland der Auserwählten Gottes zu beförderen. Durch den Wohl-Erwürdigen Joannem Andream Graff." Gedruckt 1695 in der Grazer Offizin Widmanstetter. Weitere Werke "Geistlicher Schatzkasten", "Marianischer Ehren-Schall", "Geistlicher Bein-Stock", "Acht Seeligkeiten, oder Acht-facher Weg, auf welchem die liebe Auserwählte in den Himmel gangen seynd", "Letzte und äußerste Hülffe".

Fünf Fastenpredigte des "Capuciner Predigers der steyrischen Provinz" Aemilianus von Grätz (1660-1728), Guardian des Klosters in Radkersburg "Göttllicher Gold-Gruben Reichfliesende Ader", "Göttliche Catechistische Catholische Lehr".

1695
Der Jesuit und Professor der Ethik und Philosophie an der Grazer Universität Dr. Johann Macher (1661-1704) verfasst mit seinem Werk „Graecium inclyti ducatus Styriae metropolis topographice descriptum“ die erste genaue geschichtlichlich-topografische Darstellung von Graz. In der Druckerei „Widmanstetters Erben“ in Folio erschienen, schildert er auf 90 Seiten in 4 Büchern und insgesamt 20 Kapiteln die Stadt samt Schloßberg, öffentlichen Gebäuden und Umgebung, versehen mit 11 Kupferstichen. Viele der von Merian verfertigten Ansichten werden von dem aus Bayern stammenden und von 1677 bis 1708 in Graz lebenden Andreas Trost sowie von Pfeffel, Engelbrecht, Hoffmann und Hermundt in Kupfer nachgestochen. Das Titelbild zeigt einen auf Wolken knieenden Jesuiten, vor sich eine Tafel mit der Schlorberg- und Stadtansicht von Osten. die zwei allegorische Figuren halten. Links oben die Muttergottes auf einer Lanula in Wolken stehend, darüber die heilige Dreifaltigkeit. Nach dem Titel findet sich eine doppelseitige Ansicht von Graz und dem Schloßberg von Süden her gesehen. Weiters folgen Darstellungen von ausgegrabenen Römersteinen und jene in der Burg eingemauerte hebräische Steininschrift, ein Blick vom Hauptplatz durch den Sack gegen Norden, dann die landesfürsdtliche Burg, das Innere des Landhaushofes gegen die Herrengassenfront, das Jesuitengymnasium und die Universität mit den Medaillons Karls II. und Ferdinands II., darüber das Grazer Rathaus mit einem Stück der Herrengasse und der Hauptplatz mit reicher Staffage, das Mausoleum, die Karlau mit St. Martin, Stra0gang und das Floianikirchelin im Hintergrund, das Schloss Eggenberg und darüebr das Wappen der Fürsten von Eggenberg. Macher erzählt erstmals die Anekdote über den türkischen Pascha im Palais Saurau, er schreibt, dass das Bergschloss im laufe der Zeit auch im Besitz der Herren von Richtzscheidt war, dass die Thomaskirche der Erzengel-Micheal-Bruderschaft gehört, dass die Liesl um 7 hr morgens und abends geläutet wird oder dass der Türkenbrunen von gefangenen, in Ketten geschmiedeten Türken gebaut wurde. 1699 Graz Trost
Beim steirischen Adelsfest im Februar 1701 wird im Grazer Stadtquatier des Generals Hannibal Graf von Heister das allegorische Spiel "Ratschlag der Götter" mit Arien von Stadtorganist Franz Weichlein zur Musik von Johann Jakob Stupan von Ehrenstein aufgeführt. Singend und tanzend treten die bedeutendsten Miglieder der steirischen Adelsfamilien, der Dietrichstein, Wildenstein, Saurau unhd Breuner, auf; selbst der Hausherr agiert in der Rolle des Mars. 1701

Der Kaiserliche Rat Ignaz Maria Graf von Attems aus dem Geschlecht der Attamis in der Friaul lässt sich an Stelle von sechs Bürgerhäusern und des ersten Sacktores in der Sackstraße 17 ein vierstöckiges Barockpalais mit quadratischem Innenhof durch die Architekten Johann Joachim Carlone und Andreas Stengg erbauen. Die Deckengemälde der Prunkräume im 1. (Empfangssaal, Salon, Tanzsaal) und im 2. Stockwerk (Affen-, Vögel-, Büsten- und Engelsaal) malt Franz Carl Remp. In diesem Haus wachsen Ferdinand I. Maria Graf Attems und seine 11 Geschwister unter der Vormundschaft ihrer Mutter, Marianna Freiin Gall von Gallenstein, auf. Mit Erreichen der Volljährigkeit wird Ferdinand automatisch Landtagsmitglied. Er bekämpft die josephinischen Reformen und erlangt von Kaiser Leopold II. die Rückgabe des steirischen Herzoghutes. Als im Juni 1800 Landeshauptmann Breuner stirbt, ernennt Kaiser Franz II. ihn zum neuen Landeshauptmann von Steiermark. 1809 besetzen die Franzosen die Steiermark zum dritten Mal und fordern 44880000 Franc für die Verpflegung ihres Heeres. Da das Land kann nur 500000 Gulden aufbringen, werden Graf Attems und der Fürstbischof von Seckau am Schloßberg als Geißeln gefangen gehalten. Attems verpfändet daraufhin sein ganzes Privatvermögen. Ferdinand Attems ist auch 1811 Miutbegründer und 1. Kurator des Joanneums.
In unmittelbarer Nähe entsteht das Witwenpalais der Attems.

1702 Palais.Attems Palais Attems

Joseph I. (1678-1705-1711, verheiratet seit 1699 mit Amalia Wilhelmina von Braunschweig-Lüneburg), ältester Sohn Leopolds I., besteigt nach dessen Tod am 5. Mai 1705 den Kaiserthron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

1705
Der Barockbaumeister Joseph Stengg erweiter für Leopold von Stubenberg den ehemaligen Sommersitz des päpstlichen Nuntius Malaspina, das Meerscheinschlössl (Mozartgasse), zu einem kleinen Barockschloss (auch "Grazer Versailles" genannt), dessen Schlosspark bis zum Paulustor reicht. 1707 Meerscheinschlössl
Erzherzog Karl von Österreich heiratet in Barcelona die 17jährige Prinzessin Christina von Braunschweig, die dazu durch Gräfin Katharina von Rindsmaul in Wolfsbüttel abgeholt wird. 1708
Der Bankier Johann Adam Weiß errichtet sich am Hauptplatz ein Haus. 1710

Mit dem Ziel, die immer absolutistischere Macht der Habsburger zu stürzen, kommt es unter der Führung von Ferenc II. Rákóczi und seinem General Graf Miklos Bercseny zum letzten und größten Aufstand ungarischer Adeliger gegen die Habsburger. Von Siebenbürgen aus überfällt die unter dem Befehl des von der österreichischen Armee übergelaufenen Graf Alexander Károlyi stehende Kuruzzen-Armee von über 60000 aufständischen ungarischen Bauern und Husaren-Reitern mit Unterstützung König Ludwig XIV. von Frankreich mehrmals von 1703 an weite Teile Ungarns, Niederösterreichs, Burgenlands und der östlichen Steiermark und legen in mehreren Angriffswellen das Grenzland in Schutt und Asche, bevor sie von den kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Guido von Staremberg und General Sigbert Graf Heister in der Schlacht bei Trenčin trotz zweifacher zahlenmäßiger Überlegenheit vernichtend geschlagen werden. Mit dem Friedensschluss vom 29. April 1711 ist schließlich die Ungarn-Gefahr gebannt.

1711

Karoly

Durch den plötzlichen Tod Kaiser Joseph I. an der ausgebrochenen Pockenepedemie fällt seinem jüngeren Bruder Karl, der in Spanien zum König designiert ist, nun auch das Erbe von Österreich, Böhmen und Ungarn zu und er wird am 22. Dezember in Frankfurt am Main zum Kaiser Karl VI. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Gleichzeitig wird auch der Orden vom "Goldenen Vlies", den Herzog Philipp III. der Gute von Burgund 1430 gegründet hat, auf ihn als Grpßmeister übertragen. Der Orden, an dessen Kettengliedern, die die Form von Feuersteine berührenden Feuereisen haben, ein Goldenes Vlies (Widderfell) hängt, war ursprünglich nur für die 24 mächtigsten burgundischen Adeligen bestimmt und verpflichtet die Mitglieder, die Heilige Kirche zu schützen.

Der Wittelsbacher Karl Albrecht, späterer Kurfürst von Bayern und schließlich Kaiser Karl VII., wird als Jugendlicher zusammen mit seinen Brüdern Wilhelm, Alois Johann und Johann Theodor zwischen 1711 und 1715 in Graz von den Jesuiten unterrichtet und erzogen.

Als älteste Grazer Zeitung erscheint 1711 die "Grätzer Europaeische Zeitung".
Kaiser Karl VII.
Aufgrund der vielen Pilger wird 1711 das Purberg-Schlößl als Wallfahrtsort anerkannt und es erfolgt 1714 der Baubeginn der barocken Wallfahrtskirche Mariatrost nach Plänen von Andreas und Johann Georg Stengg.

Errichtung der Barocktreppe im Jesuitenkollegium.
1714 Mariatrost
Dr. Georg Neumayr schreibt die "Geschichte der Grazer Universität von 1590-1600".

1719

Der aus Laibach gebürtige Jesuitenmönch Dr. Sigmund Prembsel gibt bei Widmanstetter das Büchlein "Fabula Brevier Complectens Historiam Topographicam Graecij, Nobilissimae Urbis, NCLYTI Ducatus Styriae Honoribus" heraus. Ein dem Titel beigefügter Kupferstich zeigt die allegorische Figur der Grazer Stadtgöttin mit einem Diadem der Schloßbergfestung en miniature auf dem Kopf sowie dem Pantherwappen auf der Brust.

1721

Graecium
Im Bereich der Grabenstraße steigt die Bewohnerzahl so stark an, dass ein neues Viertel mit dem Namen "Graben" geschaffen wird.

Di
e Zeitung "Posttäglich-Grätzerisch Außfliegender Mercurius" erscheint.

Steirische Völkertafel eines unbekannten Malers: „Kurze Beschreibung der in Europa Befindlichen Völckern Und ihren Aigenschaften", von links nach rechts namentlich angeführt: „Spanier - Mänlich, Hoffärtih", „Frantzoß - Kindisch, Betrügerisch", „Waelisch - Wiederwill. Geilsichtig", „Teutscher - Über Allmit, Verschwenderisch", „Engerländer - Weibisch, Unruhig", „Schwoeth - Unerkendlich, Aber Glauberisch", „Boläck - Mttlmässig, Braller", „Unger - Bluthbegirig, Veräther", „Muskawith - Unendlichgrob, Gar Verätherisch" und „Tirk oder Griech - Zärtlich, noch Verätherischer".

1722

Graecium

Die kürzeste Amtszeit der Diözese Seckau hat Karl II. Joseph Graf von Kuenburg, Freiherr von Kunegg, inne, der am 21. April 1723 von seinem Onkel, dem Salzburger Erzbischof Franz Anton von Harrach, zum Bischof ernannt wird, aber bereits im Dezember Bischof des Bistums Chiemsee wird.

Sein Nachfolger wird Leopold Anton Eleutherius Reichsfreiherr von Firmian (1679-1744), der zuvor bereits 1718 von Papst Clemens XI. zum Bischof von Lavant ernannt wird. Papst Benedikt XIII. bestellt ihn dann 1724 zusätzlich zum Bischof des Bistums Graz-Seckau und 1727 zum kaiserlichen Geheimrat und Bischof von Laibach. Kurze Zeit später wird er zum Erzbischof des Erzbistums Salzburg (princeps et archiepiscopus salisnurgensis) gewählt. Als Ziel seines Wirkens sieht er, der katholischen Kirche die "alte Macht und Herrlichkeit" wiederzugeben. Demsntsprechend lässt er mit Hilfe von 6000 österreichischen Soldaten alle Protestanten (über 20000 Menschen) binnen dreier Monate des Landes verweisen. Für seinen Neffen Franz Laktanz von Firmian veranlasst er den Bau des Schlosses Leopoldskron.
1723
Aufgrund des durch einen Blitzschlag verursachten Brandes der Burg Gösting lässt Ignaz Maria Graf von Attems am Fuße des Burgberges durch Johann Georg Stengg ein Barockschloss errichten. Im Inneren finden sich Freskomalereien von Matthias von Görz und Franz Ignaz Flurer.

Kaiser Karl VI. erlässt eine Verordnung gegen das Bettlerwesen und errichtet aus diesem Anlass ein Armenhaus am Gries. Er ordnet an, alle "Zigeuner" im Reich festzunehmen und "auszurotten".

Die religiöse Bruderschaft der Italiener lässt am Griesplatz die "Welche Kirche" im Barockstil erbauen.

Der im schwäbischen Oettingen geborene Jesuitenpater Joseph Stöcklein (1676-1733) kommt 1724 als Leiter der katechitischen Universitätsbibliothek nach Graz und arbeitet an der Edition der 28-bändigen Missionszeitschrift "Der Neue Welt Bott". in welcher er „Allerhand so Lehr- als Geistreiche Brief, Schriften und Reis-Beschreibungen, Welche von den Missionariis der Gesellschaft Jesu, aus Beyden Indien und anderen Über Meer gelegenen Ländern, dise letzte Jahr hindurch biß 1730 in Europa angelangt seynd" sammelt und verarbeitet und damit eine Welle der Missionsbergeisterung hervorruft.
1724

Am 17. Januar 1728 ernennt Papst Benedikt XIII. den aus dem Südtiroler Adelsgeschlecht Liechtenstein-Kastelkorn stammenden Graf Jakob II. Ernst (1690-1747) zum Bischof der Diözese Graz-Seckau. Ab 1738 wird Jakob Ernst Graf von Liechtenstein-Kastelkorn Fürstbischof von Olmütz. In dieser Zeit krönt er am 12. Mai 1743 Maria Theresia im Veitsdom von Prag zur Königin von Böhmen. 1745 wählt ihn schließlich das Domkapitel zum Salzburger Erzbischof.

Der kunstsinnige Karl VI. (1685-1740) ist der letzte Kaiser, dem die steirischen Stände am 6. Juli 1728 in Graz eine Erbhuldigung (Anerkennung eines neuen Landesfürsten durch die Stände der Geistlichkeit, des Adels und der Märkte) erbringen. Der Kaiser übergibt in der Burg dem Landeshauptmann Graf von Breuner die Insignien. Dann begibt sich Kaiser Karl VI., seine Gemahlin Elisabeth Christina von Braunschweig-Wolfenbüttel, ihre 11jährige Tochter Maria Theresia, Herzog Franz Stephan von Lothringen, Herzog Pius von Savoyen und der gesamte Hofstaat von 900 Personen zu Bischof Jakob Ernst in die Hofkirche St. Ägyden. Anschließend leistet Karl VI. in der Ritterstube in Anwesenheit von Graf von Saurau den Eid. Erblandhofmeister Maximilian Sigismund von Trauttmansdorff geleitet dann den Kaiser, seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth Christine und die Tochter Erherzogin Maria Theresia zur Tafel. Im Burggarten
wird die vom "Ersten Theateringenieur und Architekten Seine Majestät", Guiseppe Galli-Bibiena künstlerisch ausgestaltete Oper "La forca dell'amicizia, overro Pilkade, ed Oreste" aufgeführt.. Am 16. August 1728 reist der Kaiser weiter nach Klagenfurt. Auf der Rückreise über Laibach verbleiben am 23. September 1728 Kaiserin Christine und Erzherzogin Maria Theresia in Graz.

Georg Edler von Deyersberg, landschaftlicher Syndikus und Sekretär, verlegt diese „Erbhuldigung“ für Herzog Karl VI. durch die steirischen Landstände am 6. Juli in einem Prachtband in Folio, mit Zeichnungen von Flurer und Kupferstichen von Trost illustriert.
Kupferstichfolge von Deyerlsperg und Flurer, der an einer Hausfassade am Hauptplatz auch einen riesigen hl. Christophorus malt.

1728 Karl.VI.
Karl VI. Erbhuldigung Karl VI. Landstaende Erbhuldigung Karl.VI.

In den Jahren von 1730 bis 1733 wird anstelle des erst hundert Jahre alten Renaissance-Altares ein neuer barocker Hochaltar errichtet. Den Entwurf dafür liefert der Jesuitenpater Georg Kraxner, Präfekt der Tischlerei und Papierfabrik des Ordens sowie auch Baumeister, der zuvor in Venedig mit eigenen Augen „Gesuati“ aufführen gesehen hatte.
Das vom barocken Tafelmaler Franz Ignaz Flurer geschaffene Hochaltarbild zeigt den Hl. Ägidius, den Schutzpatron der Kirche. Er bekommt auch den Auftrag für zwei weitere Bilder, links und rechts des Hochaltares an der Kirchenwand, mit Episoden aus dem Leben des hl. Ägidius.

Durch den Umbau zweier Häuser aus dem 15. Jahrhundert wird in der Sackstraße das Kellerberg'sche Stadthaus errichtet.

1730 Kraxner Hofkirche Franz Flurer Hochaltarbild
Kaiser Karl VI. folgt am 20. Oktober seine Tochter Kaiserin Maria Theresia und ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen. 1740 Maria.Theresia-Stephan.v.Lothringen

 

Der Schauspieler und spätere Direktor des Hoftheaters (Burgtheater) in Wien, Johann Franz Brockmann, wird am 30. September in Graz geboren.

1745 Franz Brockmann Graz Pauluskirche
Im April bereist der britische Philosoph David Hume die Steiermark und ist vom Lebensstandard und der Kultur der Landesbevölkerung geradezu erschüttert. 1748  

Nach der Zerstörung des Dominikanerkloster durch einen Brand und der zwangsweisen Übersiedlung des Dominikanerordens von der Herrengasse nach St. Andrä in die Murtvorstadt kommt es zum Neubau der Stadtpfarrkirche "Zum Hl. Blut". Im Glasgemälde des "Opfertodes Christi" auf der linken Chorseite sind unter dem Kreuz Hitler und Mussolini dargestellt.

Im Bürgerhaus mit seinem spätgotischen Arkadenhof am Hauptplatz kommt Franz Anton Edler von Zeiller, der Verfasser des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches auf die Welt.

1751 Stadtpfarrkirche Stadtpfarrkirche
Graf Johann Leopold von Herberstein lässt durch den steirischen Barockbaumeister Josef Huebe das ehemalige "Hubhaus", die Münze, in der Sackstraßer zu einem spätbarocken Palais umbauen. 1754 Palais.Herberstein Palais Herberstein
  1760 Graz
Nach dem Tod seines Vaters, von Franz I., wird Joseph II. (1741 bis 1790) als erstgeborener Sohn Maria Theresia Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und offizieller Mitregent in den erzherzöglichen Ländern.
Kaiserin Maria Theresia ist zu Besuch in Graz und wohnt im Schloss Eggenberg. Bei einem Besuch der Schatz- und Rüstkammer in der Burg lässt sie die schönsten Stücke in die Residenz nach Wien bringen.
1765 Joseph II.
Das landesfürstliche Schloss Karlau wird von Kaiserin Maria Theresia in ein Arbeitshaus umgewidmet.

1769

 

In Graz wird im Herbst erstmals die aufeinander folgende Nummerierung von Häusern und die nächtliche Straßenbeleuchtung eingeführt.

Der Vorauer Augustiner-Chorherr Aquilinius Julius Caesar gilt mit seinen Werken „Beschreibung des Herzogthums Steyermark“ (1773), „Beschreibung der k.k. Hauptstadt Gräz“ (1781), „Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthums Steyermark“ (1786) sowie den „Annales ducatus Styriae“ (1768-1777) als „Vater der steiermärkischen Geschichtsschreibung“. Das letztgenannte Quellenwerk beinhaltet eine wertvolle Beschreibung der Geschichte von Graz: „Die Festung Grätz Verdienet gar wohl eine Topographische Beschreibung. In die Stadt Grätz beuget sich von Mitternacht ein sehr hoher Berg und Fels, auf welchem die Festung Grätz ruhet, die schonöfters verschiedenen Feinden, benamentlich den Türken im Jahre 1532, den Trotz gebothen hatte. Es ist nur zu bedauern, daß dieser trefflich gelegenen und wohl zusammengebauten Festung die Berge zu nahe stehen, von welchen die Feinde solche mit Stückschüssen bestreichen und also sehr schaden können. Von dem Ursprung derselben habe ich mich oben in meiner Einleitung nur mutmaßlich geäußert, daß vielleicht Hadrian, der römische Kaiser, an diesem hohen Berg und Felsen, den ersten Grund zu einer Festung möchte angeleget haben. Mutmaßlich äußerte ich mich; den keine förmlichen Urkunden oder alte Geschichtsschreiber kann ich nicht anführen. Ein altes Gemälde von der Festung Grätz würde den Ursprung derselben an noch ältere Zeiten versetzen; denn dieses stellet auf dem Grätzerberg drey Schlösser vor, deren eines weiter und herrlicher als das andere war: jedes hatte seine Wälle, Gräben und Aufziehbrücken nach alter römischer Art. Obschon dieses Gemälde kein ächter Bürge des Ursprungs seyn kann, wird doch die Muthmassung von dem alten Ursprung dieser Festung etwas begreiflicher; theils, weil die erste Bauart der Festung sehr bäuerisch, und nach dem Geschmack der alten Zeiten unregelmäßig und ungestaltet angebracht war, theils auch, weil ein an dieser Festung gefundener, und mit der Jahrrzal 3690 bezeichneter Stein die Innschrift solle gehabt haben, daß allda ein Vertheidigungshaus gestanden, welches die im Jahre der Welt 3899 das ist, wie Brictius rechnet, im 155ten Jahre vor der Geburt Christi dahin gezogene alte Tauriscier, Gräd oder Grädetz, das ist, ein Schloß sollen genennet haben.So würde der erste Ursprung dieser Festung zweifelsohne sehr alt seyn. Wir wollen alle diese Muthmassungen in dem Werth lassen, den sie verdienen, nur allein dieses als das wahrscheinlichste sind niederschreiben, daß, wegen der vielen, schon im 300ten Jahre nach Christi Geburt in der Gegend Grätz gefundenen Steinen und Innschriften die Festung Grätz älter, als die Stadt anzusehen sey. … Erzherzog Karl I. hielt im Jahre 1576 einen Landtag in Grätz, und da man sich in solchem wegen der Kroatischen Gränzen berathschlug, kam auch der angehende Festungsbau von Grätz zum Vorschlag. Herr Franz von Poppendorf zeichnete den Grundriß zur Festung, und die Herren Weichard Freyherr von Auersperg, Landeshauptmann in Krain, Pankratz Herr von Windischgrätz, Landmarschall, Ludwig Freiherr von Ungnad, Erosam Mayer, Michael von Rindsmaul, Johann Ferenberger waren jene sieben Männer, welche den Festungsbau in vollkommenern Stand setzen sollte. Vielleicht ist es um diese Zeit geschehen, daß das vorige alte Schloß Grätz, so den Herren von Rindscheid solle eygen gewesen seyn, von diesen an die Landschaft Steyer, und von solcher durch Tausch an Herzog Karl gekommen. Karl fieng also an, die Festung in Gestalt eines vollkommenen Dreyecks gleich einer in der Fläche stehenden Pyramide nach dem entworfenen Grunsriß, und zwar durch die Arbeit der von ihm gefangenen Türken zu bauen. Die Festung wurde mit hohen Mauern und vier äussern Bollwerken oder Hauptbastionen umgeben, welche von dem fünften, so innert der Festung errichtet ist, beschützet wird. In der Mitte raget ein ansehnlicher Thurm hervor, in welchem die große und 160 Zentner schwere Glocke hängt, die Erzherzog Karl im Jahre 1587 hat giessen lassen. Auf dem untern bürgerlichen Thurme sieht man die Uhr. Hier werden die Feuersbrünste durch wiederholtes Anschlagen an die allda befindlich viel kleinere Glocke, durch ausgehengte rothe Fähne des Tages, des Nachts aber durch eine Laterne wie von der Festung durch gewisse Stückschüsse angezeiget.“

1770

Aquilinius Caesar Aquilinus Caesar

Per Regierungsdekret löst der Hl. Josef den Hl. Rupert als Landespatron ab.

1771

 

Eröffnung des "Landständischen Theaters" nahe der landesfürstlichen Burg 1776  
Joseph Adam von Arco (27.1.1733 bis 3.6.1802), wird 1780 vom Salzburger Fürsterzbischof Colloredo zum Fürstbischof von Seckau ernannt. 1780 Fürstbischof Joseph Adam Graf Arco
Durch ein Hofdekret vom 31. März wird die Ägidiuskirche Eigentum der k.k.Universität. 1781  
Kaiser Joseph II. erklärt mit zwei Dekreten von 1782 und 1784 Graz zur offenen Stadt. Der Festungscharakter der Stadt wird aufgehoben, das vermauerte Burgtor wieder geöffnet und eine Brücke über den Stadtgraben geschlagen: Die Verschmelzung mit den Vorstädten und somit die Verstädterung beginnt. Joseph II. lässt auch acht Klöster auflösen und verbietet aus hygienischen Gründen die Beisetzung Verstorbener im Ortsgebiet. So entstehen außerhalb der Stadtmauern die neuen Friedhöfe von St. Peter und am Steinfeld. Er verfügt eine einheitliche Gerichtsbarkeit, die freie Religionsausübung sowie die Schulpflicht.
Am 18.März 1782 nächtigt Papst Pius VI. im Lambrechterhof in der Paulustorgasse und feiert Tags darauf die Hl. Messe in der Mariahilferkirche.
Der Grazer Theaterdirektor und Textdichter von Mozarts "Zauberflöte", Emanuel Schikaneder, insziniert auf dem freien Gelände des "Erfrischungsplatzes" Glacis das Stück "Waltron oder die Unsubordination", wofür er ein Kriegslager mit 200 Zelten aufstellen lässt.

1782

Joseph.II. Graz Altstadt Schikaneder

Im März steigt Kaiser Joseph II. im Gasthof "Zum weißen Lamm" in der Schmiedgasse ab. Er verlegt die Sträflinge vom Zuchthaus in der Griesvorstadt in die Kaserne am Schloßberg und richtet im Lambrechterhof in der Paulustorgasse ein Allgemeines Krankenhaus ein.

Der Postmeister Caspar Andres Ritter von Jacomini, ein Patrizier aus Fiume, lässt sich 1784 in Graz nieder und beginnt auf den von ihm erworbenen Gründen mit der Gründung der Jacominivorstadt, indem er südlich des ehemaligen äußeren Eisernen Tores eine Platzanlage mit ausgehenden Radialstraßen (Josephs-Platz, Jakominiplatz) und das schlossartige dreigeschossige Gebäude der "Alten Post" (Neuhof) errichtet lässt.

Der junge protestantische deutsche Tagesschriftsteller Johann Casper Riesbeck berichtet über seinen Aufenthalt in Graz: „Man hält gewöhnlich des Tages vier ordentliche Mahlzeiten: Morgens, Mittags, Abends und zu Nacht. Hahnen, Enten, Kapaunen und dergleichen mehr sind das Essen des gemeinen Bürgers, und kommen auch außer den Sonn- und Feyertagen öfters auf seinen Tisch. Ich erschrak, wie ich die Wänste den ganzen Tag wie angenagelt an dem Tische sitzen, und mit mir ihren ungeheuren Zurüstungen von Braten, Torten, Pasteten, Schinken, Würsten u.s.w. so ernstlich zu Leibs gehen sah, um ich mit aller Gewalt auf ein paar Wochen krank zu machen. Ihre Köpfe machen wirklich einen Theil ihrer Wänste aus, und sind wie diese mit nichts als Schinken, Würsten u. dgl. immer angefüllt. Man redet von nichts, als was in die Küche und Keller gehört, einige Digressionen aufs Theater ausgenommen, und in wenig andern Dingen als der studierten Zubereitung ihrer Speisen, unterscheiden sich die gemeinen Leute von Orangoutans. Von der Fülle des Landes kannst du dir einen Begriff machen, wenn ich Dir sage, daß man einen fetten Kapaunen hier um 18 bis 20, und ein paar schöne junge Hahnen für 10 bis 12 Kreutzer kauft. Für 10 bis 12 Kreutzer bekömmt man eine Maß sehr guten inländischen Weines, und das Roggenbrot kommt nicht viel über einen Kreutzer zu stehen Die Stadt sammt den Vorstädten enthält beynahe 30000 Menschen. Die Leute zeigen eine unbeschreibliche Bigoterie im Abstich mit einem ebenso unbeschreiblichen Hang zur sinnlichen Wohllust. Die Mönche lehren eine Religion, welche für die Sitten äußerst verderblich und also unkristlich ist. Die Zizisbeen begleiten die Weiber aus den Betten in die Kirchen und führen sie am Arm an die Beichtstühle hin.“

In den „Briefen eines Eipeldauers an seinen Vetter in Kalkau“ geht der Verfasser Josef Richter auf die Eigenschaften der Grazer Frauenwelt wie folgt ein:“ Die Gratzerinnen müssen bekanntlich alles größer haben als die Wienerinen. Wenn d’Haubn ein halb Klafter hoch sind, so baun d’Gratzerinen noch ein Stock drauf und machen ein Klafter draus; wen den Wienerinen d’schneckerlperöcken nur bis auf’s Kreuzbeinl hinabgeht, so sind d’Gratzerinen in d’Peröcken völig eingewickelt; wenn d’Wienerinen an drey Fingern einen Ring tragen, so haben d’Gratzerinen an jeden Finger ein paar stecken; wenn die Medailloni von den Wienerinen so groß wie ein Reittäfel sind, so tragens d’Gratzerinen so groß wie ein Nudelbrett.“

1784 Lamplwirt Lambrechterhof
Jakominiplatz Jakominiplatz
Hauptplatz
Bau der "Neuen Brücke", der späteren Radetzkybrücke. 1786  

Joseph Haydn dirigiert im Renaissancesaal des Reinerhofes seine eigenen Werke. "Freu dich des Glücks, um das dich Kön'ge neiden, O Vaterstadt, die du als Gast, Den mit Unsterblichkeit geschmückten Haiden, in deinem Schooß bewirthet hast" (Johann von Kalchberg).

Das Glacis erhält eine mehrfache Nutzung: Der ständische Bauinspektor Johann Heinrich von Formentini lässt vom Eisernen Tor bis zum Paulustor am Damm eine Kastanienallee anlegen, an der Ecke Leonhardstraße entsteht der Getreidemarkt, der heutige Kaiser-Joseph-Platz ist dem Holzhandel gewidmet und heißt dementsprechen "Holzplatz" und der nördliche Teil wird zum Parade- und Exerzierplatz der Garnison.

Richard Seebacher, der Braumeister und Mohrenwirt am Murvorstadtplatz (Südtirolerplatz), stiftet das Bürgerspital und aktiviert das Grazer Bürgerkorps.

1787

Joesph.Haydn

Marie Thérèse de Savoye, Prinzessin von Sardinien, muss in den Wirren der Französischen Revolution mit ihrem Gemahl, dem Grafen Charles-Philippe von Artois aus Frankreich fliehen und lebt, von diesem verstoßen, arm und mittellos bis zu ihrem Tod im Jahre 1805 im Exil in Graz. Mit dem Titel "Gräfin von Artois" wird sie im Mausoleum beigesetzt. Ihr ehemaliger Gatte wird 1824 als Karl X. König von Frankreich.

1789 Marie Therese de Savoie

Auf der Reise nach Wien nächtigt der Großherzog der Toscana, Kaiser Leopold II. (1747-1790-92), mit seiner Familie im "Gasthof zur Sonne" in der Mariahilferstraße 12, der ab 1824 auch über ein Flußbad an der Mur verfügt.

Erste bemannte Ballonfahrt durch Enßlen in Graz.

1790 Leopold II.

Nach langer Zeit des Verbotes hält am 15. März der Pfarrer der protestantischen Gemeinde Ramsau im großen Saal des Grazer Generalseminars wieder einen evangelischen Gottesdienst ab.

Der Kaufmann und Mozartfan Franz Deyerkauf lässt vor seinem Landhaus in der Schubertstraße 35 zu Ehren Mozarts einen kleinen Tempel errichten.

In dem Werk „Skitze von Grätz“ schreibt der Verfasser Martin Rutnik: Die Grätzer Mädchen, diese liebenswürdigen Geschöpfe verdienen den Namen der Schönen in der That, sowohl in Rücksicht auf den Wuchs als die Bildung. Dies mußten die Ungarn schon im 9. Jahrhundert eingesehen haben, denn als sie unter Arnulfs Regierung in der Steiermark einfielen, machten sie eine ebenso starke Beute an schönen Weibern, als an Eisenwaren. Die Grätzerinnen sind meist groß und schlank, mit einer sehr schönen Taille, welcher sie durch eine geschmackvolle Kleidung allen Reiz zu geben wissen, ihre Haut ist weiß, sie haben ein schönes zärtliches, schmachtendes Auge mit offenem Blicke. Keine Schminke verunstaltet sie, obwohl damals in der Rokokozeit das Schminken ein sonst überall beliebtes Toilettemittel war. Manche halten die Füße für groß und plump, doch dies trifft nur bei gemeinen Dirnen und Wirtshausmädchen zu. Fremde können beim ersten Anblick leicht glauben, daß die Lectüre eine Lieblingspassion der Grätzer Frauenzimmer sey, denn nicht nur auf der Toilette der Dame, sondern auch in der Stube des Kammermädchens und sogar manchmal in den Händen einer Köchin wird er Bücher finden; aber am Ende wird er doch bald überzeugt, daß alles meistens nur bloße Ziererei ist.“

Nach dem überraschenden Tod Kaiser Leopolds II. folgt diesem Franz, der ältere Bruder von Erzherzog Johann, als Kaiser Franz II. des Heiligen Römischen Reiches sowie als Kaiser Franz I. von Österreich auf den Thron.

1792

MozarttempelMozarttempel Chemisenkleid Franz I.

Bürgermeister Johann Michael v. Steffn (1795-99).
Reichard Seebacher, Braumeister, Wirt des Gasthauses "Zum Mohren" am Südtirolerplatz und Oberst des Grazer Bürgerkorps, erbaut am Glacis das Grünangerhaus mit dem Cafe "Zum grünen Anger" (heute Grüne Spinne).
1795 Steffn Seebacher
Am 10. April besetzt der junge siegreiche Obergeneral Napoleon Bonaparte mit seinen Generälen Massena, Berthier, Beaumont und Serrurier sowie 26000 Soldaten Graz, das für zwei Wochen französische Garnisonsstadt wird. Napoleon residiert im Stubenberg'schen Haus in der Herrengasse 13. Am 11. April speist er im Milchmariandl und besucht auch die Schloßbergfestung, die er nach seiner Besichtigung als Bicoque (Bruchbude) bezeichnet.
Die Truppen der 1. französischen Besatzung vor dem 1550 entstandenen Renaissance-Rathaus, das nicht nur Residenz des Bürgermeisters ist, sondern in den Obergeschoßen auch das städtische Gefängnis beherbergt. Napoleon selbst wohnt in der Beletage des Hauses Herrengasse 15.

1797

Napoleon Massena
Rathaus Milchmariandl

Im Roman „Ferdinand Albert L. eines Grätzers Reiseschicksale“ beschreibt der Romanheld die Grazer als eine „Menschengattung, die, wie die Grätzer überhaupt das ungeheuchelte Lob verdienen, gutmüthig, dienstfertig, aufrichtig und gefällig ist, ja welche es in Rücksicht der schönen und einnehmenden Gesichtsbildung sowohl, als anderer körperlicher Vollkommenheiten ihres weiblichen Geschlechtes mit jeder anderen Nation aufzunehmen wagen darf.“

Johann Wolfgang Goethe lässt in seinem Werk „Gute Weiber“ über Graz folgendes erzählen: „Sie erinnern sich wohl, was ein Reisender von der Stadt Grätz erzählt: Dass er darin so viele Hunde und so viele stumme, halb alberne Menschen gefunden habe. Sollte es nicht möglich sein, dass der habituelle Anblick von bellenden unvernünftigen Tieren au die menschliche Generation einigen Einfluss haben könnte?“

1799  
Der 19jährige Erzherzog Johann wird angesichts der Bedrohung durch Napoleon Kommandant des Festungsbauwesens.
Drittes Grazer Sacktor.

1801

Erzherzog.Johann Sacktor

Trauerkundukt anlässlich des Todes von Fürsterzbischof Joseph Adam Graf von Arco am 3. Juni 1802. Sein Nachfolger wird Bischof Johann Friedrich Graf von Waldstein (1802-1812).

Der sächsische Dichter Johann Gottfried Seume sagt in seiner Schrift „Spaziergang nach Syrakus“: „Grätz ist eine der schönsten großen Gegenden, die ich bis jetzt gesehen habe; die Berge rund umher geben die herrlichsten Aussichten. Das Schloß, auf einem ziemlich hohen Berge, sieht man sehr weit; von demselben hat man rund umher den Anblick der schön bebauten Landschaft. Die Gefängnisse des Schlosses sind jetzt voll Verbrecher, die mir mit ihren Ketten entgegenklirrten. Das Spital, gleich unten am Schloßberge, ein stattliches Gebäude, ist von Josef dem Zweiten; und das neue sehr geschmackvolle Schauspielhaus, mit einer kurzen, ächt lateinischen Inschrift, von den Ständen. Herr Küttner spricht schon ziemlich gut von dem hiesigen Theater, und ich habe sein Urtheil völlig richitg gefunden. Die Grätzer sind ein gutes geselliges, joviales Völkchen; sie sprechen im Durchschnitt etwas besser deutsch als die Wiener. An der Wirthstafel erzählten einige Gäste vom Lande viel von der Bärenjagd und den Abenteuern, die es dabei gäbe. Ich glaubte immer, diese Art von Pelzwerk wäre nur mehr in Polen und jenseits zu Hause; aber voriges Jahr wurden hier in der Gegend zwölfe geschossen, und auch dieses Jahr wieder mehrere.“

1802 Fürstbischof Graf Adam Fürstbischof Johann Friedrich Graf von Waldstein
Klassizistischer Neubau des Grazer Rathauses durch den Architekten Christoph Stadler. 1803 Rathaus
Der berühmte Weltreisende und Forscher Alexander von Humboldt schreibt nach seinem Aufenthalt in Österreich: "Graz ist neben Salzburg die schönste Stadt Europas." 1804 Humboldt
Unter General Marmont okkupiert ein 8000 Mann starkes französisches Heer erneut für sieben Wochen die steirische Landeshauptstadt.

1805

Graz

Das Dominikanerkloster in der Grenadiergasse wir in eine Kaserne umgewandelt. 1808 Dominikanerkaserne
Trotz mehrerer Siege Erzherzog Johanns über das französische Heer in Oberitalien beziehen die Franzosen am 25. Juni auf dem Ruckerl- und Rosenberg Stellung. Hartnäckig tobt der Kampf zwischen der französischen Batterie am Schanzelgrund und den österreichisch-kaiserlichen Soldaten, die im Schloss Sparbersbach (Hallerschlössl) ihr Hauptquartier haben.

1809

St.Leonhard

Trotz starken Bombardements und etlichen Sturmangriffen der Franzosen - am 13. Juli durch 12000 Franzosen unter dem Kommando von McDonald, am 4. Oktober durch 15000 Franzosen und Würtemberger - kann Major Franz Hackher den Schloßberg erfolgreich verteidigen. Ihm zu Ehren wird 1909 der "Hackher-Löwe" aufgestellt. Schlossberg Schlossberg Schloßberg

Trotzdem fällt die stolze Festung: Nach der Niederlage des kaiserlichen Heeres gegen Napoleon in Westungarn wird im Friedensvertrag von Schönbrunn am 18. Oktober zwischen Kaiser Napoleon und Kaiser Franz I. die Schleifung der Burg festgelegt und so beginnen am 16. November die Sprengungen durch die Grazer Bürgerschaft. Nur den Uhrturm und die "Liesl" können mit 2978 Gulden von der Zerstörung frei gekauft werden.

Der französische Marschall Auguste-Frédéric-Louis Viesse de Marmont, Herzog von Ragusa, bezeichnet in seinen Memoiren Graz als eine der angenehmsten Hauptstädte der österreichischen Staaten: „Sie ist sehr schön und wird von einem wohlhabenden Adel bewohnt. Ihr Ansehen mahnt an die Nachbarschaft Italiens, während die Sitten der Bewohner noch den Charakter deutscher Gutmütigkeit besitzen. Sie hat Anteil an der Natur dieser beiden Länder. Der Murfluß, welcher sie durchschneidet, fließt zuerst durch enge malerische Schluchten und dann durch eine breite, gut bebaute Ebene, in welcher die Stadt liegt. Ich fand hier viele Emigrierte, welche dem Hause der Gräfin d’Artois angehörten; sie werden beschützt, und nichts stört ihre Ruhe.“

1809.Schoenbrunn
1809.Schlossberg Schlossberg.Schleifung

Napoleons Bruder Louis dankt als König von Holland ab und lässt sich nach mehreren Wohnungswechsel unter dem Namen "Graf von St. Leu" in einer Villa in der Heinrichstraße/Herdergasse in Graz nieder. Hier lernt er auch Johann Wolfgang von Goethe kennen und widmet sich fortan seiner Leidenschaft, der Wissenschaft und der romantischen Dichtkunst. Bei seiner Abreise 1813 in Richtung Schweiz verfasst er folgendes Gedicht, welches auf einer Steinsäule in Mariagrün zu lesen ist: "Adieu à Graz. Adieu donc, ô ville chérie, oú le malheur vint m'éprouver; Mais oú sans amis, sans patrie J'ai cru souvent les retrouver." (Leb wohl du Stadt, die ich ersehnte, Wo meinen Schmerz ich überwand Und wo ich neu zu finden wähnte Verlorne Freunde, Vaterland." 1810 Louis BonaparteMariagrün Mariagrün

Erzherzog Johann schenkt dem Land seine umfangreiche mineralogische und botanische Sammlung, die im Lesliehof in der Raubergasse 10 untergebracht wird und zur Gründung des Joanneums, einer naturwissenschaftlich-technischen Lehranstalt, führt, aus der sich die Grazer Technische Hochschule entwickelt. In diesem Umfeld entsteht auch der botanische Joanneumsgarten, die Landesbibliothek. Weiters regt Erzherzog Johann die Sammlung von Urkunden zur steirischen Landesgeschichte an, woraus sich das Steiermärkische Landesarchiv entwickelt, ruft die Wechselseitige Brandschadenversicherung ins Leben, erwirbt 1818 den Brandhof bei Mariazell, den er zu einem landwirtschaftlichen Mustergut ausbaut, gründet bei Marburg a. d. Drau ein Weingut, erwirbt 1840 die weststeirische Stiftsherrschaft Stainz, ruft den „Verein zur Förderung und Unterstützung der Industrie und des Gewerbes in Innerösterreich", Ausgangspunkt für die Grazer Handelsakademie, ins Leben, erwirbt in Vordernberg Radwerke, um den Grubenbau am Erzberg zu forcieren, gründet 1840 die "Steiermärkisch-Ständische Berg- und Hüttenmännische Lehranstalt" und zeichnet auch für die Trassenführung der Südbahn über den Semmering verantzwortlich.
Ebenso macht er das Tragen der steirischen Tracht aktuell: "Als ich den grauen Rock in der Steyermark einführte, geschah es, um ein Beyspiel der Einfachheit in Sitte zu geben, so wie mein grauer Rock, so wurde mein Hauswesen, so mein Reden und Handeln. Das Beyspiel wirkte, der graue Rock, von manchen verkannt, von den Besserern erkannt, wurde ein Ehrenrock und ich ziehe ihn nie mehr aus, ebensowenig weiche ich von meiner Einfachheit, lieber gebe ich mein Leben her." Auch entfacht er das Wanderfieber, als er am 8. Juni 1811 erstmals den Schöckl erklimmt.

1811

1817.Erzherzog.Johann Erzherzog.Johann Joanneumsgarten

Napoleons jüngster Bruder, Jérôme Bonaparte, muss als König von Westfalen abdanken und nimmt als "Graf von Harz" ebenfalls in Graz, zunächst im Schloss Eggenberg bei der Gräfin Herberstein, Quartier. Nach der Abreise seines Bruders Louis übersiedelt er in dessen Liegenschaft in die Heinrichstraße.

Der Wiener Registratur-Acceccist der Hofkammer, Joseph Kyselak, der als begeisteter Reisender Österreich, Ungarn Italien, die Schweiz sowie Böhmen und Mähren zu Füß durchwandert und seine Erlebnisse in den Reiseberichten "Skizzen einer Fußreise durch Österreich" festhält, schreibt über Graz: "Grätz ist eine von den Damen, die sich auch im Alter mit Erfolg zu schmücken anfangen, um immer neue Anbeter zu locken. ... Lieblich schweben sie daher, die munteren, frischwangigen Weiber, und die Männer sind bei aller Knochenstärke artig im Benehmen."

1812 Jerome.Bonaparte Eggenberg Eggenberg
    Graz

Nach Brand Wiederaufbau des Schauspielhauses.

Die aus dem Anspach stammenden und in Graz verheirateten Brüder Ludwig und Karl von Mandell erwerben im Osten von Graz große Besitzungen: die Villa Mandell mit prächtigem Park.

1816

Villa Mandell

Erzherzog Johann über die Ursachen der Notlage der steirischen Landbevölkerung: „Des redlichen Gouverneurs Fleiß richtet hier nichts aus. Mit Fleiß allein ist nicht[s] gerichtet, es will Thätigkeit und bey einem guten theilnehmenden Herzen und Popularität eine eiserne Unbiegsamkeit um da mit Ansehen durchzugreifen, wo es fehlt. Bey so einem Gubernio schläft alles ein, weil Fähigkeit, Wille, Ernst fehlt. Ohne mich in die andern Beamten dieser Stelle einzulassen, wo es wahrlich nicht glänzend aussieht. Denn um gebildet zu werden, gehört Beyspiel und Schule — und wo ist diese? Der Magistrat der Hauptstadt Gratz hat, hört man die öffentliche Stimme, nicht den besten Ruf. Der Bürgermeister ist diesem Platze gar nicht gewachsen, seine Versetzung an irgendeine Justizstelle das beste, und statt seiner ein thätiger, kräftiger. redlicher Mann, um den Augias Stall aufzuräumen. Hier ist wohl. da wahrlich die Magistratsräthe nicht dazu taugen, keine andere Wahl als unter den besseren Bezirksbeamten des Landes.“

1817  
Am Geburtstag von Kaiser Franz I., am 28. Februar, feiert man die Restaurierung des durch die Grazer Bürger von den Franzosen geretteten Uhrturms, über den der Historiker und Schriftsteller Johann Ritter von Kalchberg in einem Gedicht sagt: "Alter Wächter, der in neuem Kleide nun so freundlich auf uns niederblickt, patriotisch in der Grätzer Freude, daß die Stände dich so schön geschmückt. Selbst die feindlich nahenden Magyaren konnten nicht erschüttern deine Ruh und der Türken unzählbare Scharen - ihren kühnen Stürmen trotztes du. Nur den tollen Fremdlingen aus Westen mußte beugen sich dein Haupt, nur von diesen ungestümen Gästen wurden deine Schätze dir geraubt. ..." Kalchberg wird unter anderem auch von Erzherzog Johann als Curator für sein neu eröffnetes "National-Musäum“ Innerösterreichs, das Joanneum, bestellt, begründet die „Steiermärkische Zeitschrift“ und schafft sich vor allem durch sein Stück „Die Ritterempörung“ - eine Dramatisierung der Andreas Baumkircher-Fehde - als Dichter einen Namen. Auf seinen besonderen Wunsch hin wird er 1827 in der Kirche des deutschen Ordens, der Leechkirche, bestattet.

Steirischer Geschichtsschreiber Aquilinus Julius Caesar.

1818 Kalchberg Kalchberg Aquilinus Julius Caesar

Auf dem Weg von Wien nach Italien wechselt der Dichter Franz Grillparzer in Graz nur die Pferde, vermerkt aber in seinem Reisetagebuch: „Gräz, herrlich umgeben, macht, wenn man aus den Bergen kommt, den Eindruck, als ob man zum Frieden käme aus dem Krieg. Der Schloßberg überragt es wie ein Beschützer. Die Stadt ist groß, die Gassen eng, das Pflaster schlecht.“

1819  
Franz Schubert schreibt an seinen Freund Anselm Hüttenbrenner: "Was hält Dich denn so satanisch fest in dem vermaledeyten Grätz?" 1821 Schubert Hüttenbrenner
In der reaktionären Zeit des Vormärz wird der Steireranzug als so revolutionär betrachtet, dass die zuständige Wiener Behörde die "Erzherzog-Johann-Tracht" durch einen amtlichen Erlass verbietet. 1822 Steirertracht Steirische Tracht

Ferdinand Raimund gibt in seinen Briefen seine Eindrücke über seine Grazer Aufenthalte wieder. „Grätz ist nicht stark bevölkert, man sieht wenige Leute auf den Straßen, die sehr schlecht gepflastert sind. Den Luxus kennt man hier nicht, und man sieht weder hübsche noch geputzte Frauenzimmer.“

1823  
Einweihung des Bethauses der evangelischen Gemeinde beim Holzplatz vor der Stadt.

1824

 

Am Geburtstag von Kaiser Franz I., am 4. Oktober, wird das am Christtag 1823 abgebrannte und nach einem Entwurf von Peter Nobile neu erbaute "Städtische Theater" am Franzensplatz mit dem Stück "Styria und die Kunst" eröffnet.

1825 landesständisches.Theater Städtisches Theater theater
Der in Wien geborene Johann Nestroy kommt an das Schauspielhaus in Graz, wo seine ersten Theaterstücke entstehen. Bis 1831 spielt er in Graz 76 Opern- und 143 Sprechrollen. Nach großen Erfolgen in Wien verbringt er seinen Lebensabend wieder in Graz, in seinem Haus, Elisabethstraße 14, wo er auch 1862 stirbt.

1826

Nestroy Nestroy

Am 11. Juni wird die überdachte Mur-Holzjochbrücke durch Hochwasser weggerissen - Graz ist brückenlos. 1827 Murbruecke

Der Komponist Franz Schubert verbringt mit Johann Jenger vom 3. bis zum 20. den September als Gast des Advokaten Dr. Carl Pachler und seiner Frau Marie, die Pianistin ist, in deren Haus "Zum Rabenschinder", dem Thonethof in der Herrengasse 27, einen Graz-Aufenhalt, wo er auch seine Walzer für die schönen Grazerinnen, "Grätzer Walzer" und "Grätzer Galopp", verfasst.
In einem Brief schreibt Schubert: “In Grätz erkannte ich bald die ungekünstelte und offene Weise mit und nebeneinander zu seyn, in die ich bei längerem Aufenthalt sicher noch mehr eingedrungen seyn würde. Besonders werde ich nie die freundliche Herbe mit ihrer lieben Hausfrau, dem kräftigen Pachleros und dem kleinen Faust vergessen, wo ich seint langer Zeit die vergnügtesten Tage verlebt habe.“

Pachlerhaus Schubert Marie Bachler
Graz Graz Graz vom Rosenhein 1828 Graz Graetz

Bau des hölzernen Zirkus "Thalia", in welchem durchreisende Künstler auftreten und Spenden für die Armen einbringen sollen.

1829 Thalia

Der Wiener Joseph Kyselak gibt in seinen „Skizzen einer Fußreise durch Österreich“ eine romantisch-pittoreske Darstellung von Graz:
Er lobt die Gastätte des „Wilden Mannes„ in der Schmiedgasse: "Diese Reinlichkeit, wohl zugerichtete Speisen, unverfälschte Getränke, muntere Bedienung, herrliche Tischgesellschaft und noch überdieß eine billige Zeche.“ Aufgrund der schlechten Bepflasterung „gewinnt man bei dieser weisen Nachlässigkeit den Vortheil, daß man von seiner Wohnung weg die Stadt in allen Gäßchen durchschreiten, sich ebenso ermüdet auf den Stuhl hinwirft, als anch einer Wanderung vomentlegenen Schöckl, wo Sturm und Regen den Pilger leicht überfallen und seiner Gesundheit schadenkönnen; was für ein herrlicher Vortheil !“ Ins Schwärmen gerät er beim Anblick der Frauen: „Lieblich schweben sie daher die munteren frischwangigen blonden oder brünetten Mädchen, ohne von einer Städterin eine andere Spur, als die ihrer Bildung zu zeigen.“ Und zum Treiben auf der gedeckten Murbrücke sagt er: „Mitten auf der Brücke sind zwei Altanen zum Überblick der reissenden Mur, an deren Ufern sich die thätigen Hände der Gärber, Färber und Schiffsleute, welche ein- und auspacken, recht lebhaft darstellen.“

Zehn Jahre seit ihrem Kennenlernen müssen die beiden warten, ehe Kaiser Franz I. der Hochzeit zustimmt. Dann erst kann Erzherzog Johann die Postmeisterstochter Anna Plochl am 18. Februar in der Kapelle des Brandhofes zur Frau nehmen. "Da ergriff der Brandhofer das Mädchen bey der Hand, sie scharf und ernst ins Auge fassend, und sagte: 'Nani, ich lasse nicht von ihnen.' "

Toplitzsee Anna.Plochl Anna Plochl

Erzherzog Johann lässt ein 1827 in der Leonhardstraße erworbene Gebäude nach Plänen von Georg Hauberrisser d.A. in das einstöckige Palais Meran ausbauen.

Botanischer Garten im Joanneum.

Aus Asien über Ungarn kommend werden 1830 in Graz die ersten Cholerafälle registriert. Neben den "Zehn Geboten zu Cholerazeiten" wie Hände waschen, Wasser abkochen, keine Angst haben werden Schutzbekleidungen vorgeschrieben: Der Cholera-Präservativmann mit umwickelten Leib, Kupferteller vor dem Herz, Sandsack auf der Brust, Halsbinde mit Wacholderbeeren und Pfefferkörnern, Baumwolle mir Kampfer für die Ohren, Riechflasche mit Vierräuberessig und Zitrone. Die Frau mit Kräutersäcken an den Kleidern, Ohrgehänge mit Zwiebeln und Knoblauch, einer Windmühle zur Luftreiniguing auf dem Sonnenschirm mit Wacholderzweigen sowie eine Notglocke.

1830

Hauberisser Palais.Meran Joanneum


Kaiser Joseph II. lässt zur Zeit des Biedermeiers die Friedhöfe um die Pfarrkirchen auflösen und neue, am Stadtrand befindliche anlegen. Graf von Hartig veranlasst deshalb die Errichtung einer Balustrade an Stelle der alten Friedhofsmauer sowie die Abtragung des 2stöckigen Verbindungsbogens vom Dom über die Bürgergasse zum Priesterhaus (Gilgentor). Graf von Wickenburg lässt darauf hin für den Vorplatz der Kirche eine Terasse aufschütten und den marmornen Stiegenaufgang zum Mausoleum errichtet.

Wiederaufstellung des Grazer Bürgercorps unter Oberst Dr. Pachler.
1831 Graz Mausoleum Rathaus
Grazer Stadtansichten von Jakob Alt. 1833

Jakob Alt Jakob Alt

Die 33jährige Herzogin von Berry, ursprünglich mit dem in Paris 1820 ermordeten Sohn König Karl X. von Frankreich, Charles Ferdinand, verheiratet, steigt im Herbst mit ihrem zweiten Gatten, Graf Ettore Lucchesi-Palli, im Gathaus "Zum Wilden Mann" ab. 1837 erwirbt sie Schloss Brunnsee bei Mureck, lebt aber bis zu ihrem Tod 1870 vorwiegend im Palais Herberstein in der Sackstraße in Graz. Herzogin.Berry
Nach dem Tod von Franz I. am 2. März 1835 folgt ihm sein Sohn als Kaiser Ferdinand I. (1793-1875) auf dem Thron nach. Wegen seiner mangelnden Eignung wird ihm, dem "Nanderltrottel", eine „Geheime Staatskonferenz“ mit Staatskanzler Metternich zur Seite gestellt 1835

 

Kaiser Ferdinand I.
Matthias Constantin Capello Graf von Wickenburg, der von Kaiser Ferdinand I. 1830 als Vicepräsident des Guberniums für Steiermark nach Graz berufen und im Juli 1835 zum Gouverneur von Steiermark ernannt wird, lässt in der Landeshauptstadt zwei Kettenbrücken über die Mur erbauen, Kaiser Franz ein Denkmal errichten und nach Abriss des zweiten Sacktores die Kaibauten einschließlich einer Militärschwimmschule errichten.
An der Ausmündung der Burggasse in den Opernring entsteht zu Ehren des "guten Kaiser Franz" das Franzenstor.
Wickenburg Militaerschwimmschule Franzens-Tor

Freiherr von Hammer-Purgstall, am Fischplatz in Graz geboren, ist Orientalist, Diplomat, Hofdolmetscher und erste Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er trägt durch seine Übersetzungen wesentlich zur Vermittlung orientalischer Kulturen bei und gilt als Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik.
In jungen Jahren wird er von der Gräfin Johanna Anna Purgstall, einer gebürtige Schottin namens Cranstoun, adoptiert, die ihm ihren Namen samt Adelstitel und das Wasserschloss Hainfeld in Leitersdorf vererbt. Knapp vor ihrem Tod 1835 wird die Gräfin von dem ihr bekannten schottischen Kapitän Basil Hall besucht, der wenige Monate nach seiner Rückkehr in seinem 1836 erschienenen Reisebericht "Schloss Hainfeld oder Ein Winter in der Steiermark" schreibt: "Noch weniger hätte ich es geträumt, sechs Monate auf ihrem Schlosse in der Steiermark zuzubringen, einem so entlegenem Lande, von dem ich nichts wusste. Die Bauernbevölkerung hier ist dumpf und nur schwer zugänglich, überall herrscht ein zügelloser Aberglaube, der den verschiedenen Ängsten und Schrecken Gestalt verleiht.“ Er macht damit die Steiermark als unheimliches Land voller Aberglauben im englischsprachigen Raum bekannt und inspiriert den irischen Schriftsteller Sheridan LeFanu zu dessen Novelle "Camilla". Darin wird die Begegnung einer jungen Steirerin mit dem weiblichen Vampir Carmilla Karnstein - eine eingedeutschte Verballhornung des Namens von Cranstoun - geschildert. Diese Erzählung dient wiederum dem, wie LeFanu in Dublin geborenen Bram Stoker als Vorlage für seinen berühmt gewordenen Roman "Dracula" (1897), dessen Handlung dieser ursprünglich ebenfalls in der Steiermark ansiedeln will. So trifft, im später gestrichenen ersten Kapitel, Dracula auf ein Grab mit der Inschrift: "Gräfin Dolingen zu Graz in der Steiermark, gesucht und tot aufgefunden 1801".
Aufgrund der blassen Haut und ihrer Krankheit, die sie mit Wolfsmilch behandelte, hielt die Bevölkerung die Gräfin selbst für eine Vampirin. Ihr Leichnam wurde in einen eisernen Sarg gelegt und ohne katholisches Begräbnis in der Riegersburg beigesetzt.

Berühmt wird auch Hammer-Purgstalls Roman „Die Gallerin auf der Riegersburg“, in welchem er das gesellschaftliche Leben seiner Vorfahren in der Graben-Vorstadt beschreibt: „Im hohen Sommer wohnten die bemittelten Cavalliere nicht in der Stadt, sondern vor derselben in ihren Gartenhäusern; die Gesellschaft war im Garten versammelt; die erpichten Kegelschieber ließen sich nicht an der Kegelbahn stören; Einige junge Leute spielten Ball Andere wandelten in den Schattengängen auf und ab. Die Mode der salons bureaux d’esprit war nocvh nicht von den Ufern der Seine an die Donau und noch weniger an die der Mur verpflanzt, wiewohl die Freyin v. Purgstall, welche schon in ihrem vierzehnten Lebensjahr Latein und Mahlen gelernt, in der Kenntniß der Klassiker und in der Kunst einigen Fortschritt gemacht und mit einiger Anlage zu dem von den Engländern als Blue stoking blau gemerkten Charakter, wenn gleich kein Strumpf doch einigermaßen ihrer Vorliebe willen für Gelehrsamkeit und Gelehrte selbst als eine solche von anderen Frauen blau gemerkt war.“

Hammer.Purgstall Hainfeld Anna von Purgstall
Die beiden Murtore, das äußere aus dem 15. Jahrhundert und das innere aus dem 13. Jahrhundert, werden bei den Vorarbeiten für eine neue Hauptbrücke abgetragen. Erhalten bleibt nur der an die Franziskanerkirche angrenzende und im 17. Jahrhundert mit einer barocken Zwiebelhaube versehene Wehrturm, wodurch der Bettelorden trotz seines Turmverbotes doch noch zu einem imposanten Turm kommt.
1836 Murtor inneres.Murtor äußeres.Murtor
Die Ferdinandsbrücke, die erste und größte Kettenbrücke Österreichs wird erbaut.
Kettenbrücke Kettenbrücke Ferdinandsbrücke


Stadtansichten des in Triest geborenen Lithografen Joseph Kuwasseg (Kuwahseg): Murtor, Vom Schloßberg gegen NO, Aussicht gegen SW, Graz vom N, Graz vom S, Tabor, St.Leonhard, Schönau.

Murtor Graz Graz

Graz Tabor St.Leonhard Schönau

Der Hofgarten wird wird durch Häuser mit Biedermeierfassaden, darunter das Ständische Schauspielhaus, zum Franzensplatz (Freiheitsplatz) verbaut.

Für das Burgtor wird ein Torwachehaus errichtet, das heutige Cafe Promenade.

1837 Franzensplatz Burgtor
Graz Graz Schreibhof 1839 Infanterieregiment 27 Gratz

Durch Feldzeugmeister Freiherr von Welden wird der Schloßberg in eine Parkanlage umgewandelt. Er lässt "romantische Spalten" in den Fels sprengen und im NO das Schweizerhaus, ein Vergnügungsetablissement, bauen.

Auf dem Gelände zwischen Wielandgasse und Pestalozzistraße erbaut der Architekt Josef Benedikt Withalm das "Coliseum". Dieser größte Saal der Stadt Graz hat mehrere Reihen an Galerien, ist mit Landschaftsmalereien dekoriert, mit einer Glaskuppel überdacht und wird von einem Luster mit 160 Kerzen beleuchtet. Bis zu 3000 Personen feiern hier rauschende Feste.
Im zweiten Band seiner „Wanderungen durch Tyrol und Steiermark“ schreibt Franz Satori: „Eigenthümlich als Belustigungsort ist das im J. 1839 entstandene Koliseum, das Werk eines Privaten, Namens J. B. Withalm, ein Gebäude, welches in seinen Räumen Tanzlokale, Konzertsaal, Cirkus, Bierhalle, quasi-Kasernen, mit einem Worte, Alles vereinigt, was erforderlich ist, um einer größeren, gemischten Menschenmenge zum heiteren Tummelplatze zu werden.“

Coliseum Coliseum oliseum
Am 15. März 1840 vernimmt der Musiklehrer Jakob Lorber (1800-1864) eine innere Stimme, die ihn veranlasst, in Fortsetzung der Bibel eine auf 20000 Manusklriptseiten neue Offenbarung zu verfassen. 1840 Jakob Lorber
Blick vom Rosenberg Rosenberg Graz 1841 Waltendorf Kreutzer
Grazer Stadtveduten des Landschaftsmalers Conrad Kreutzer (1810-1861), der auch als Zeichenlehrer am Bischöflichen Knabenseminar tätig ist und einen gleichnamigen Sohn, von Beruf Schriftsetzer, hat: Rosenberg, Rosenberg, Graz vom Norden, Graz vom Westen, Waltendorf, Graz vom Osten, Mariatrost, Mariagrün, Mariagrün, St.Leonhard, Tobelbad, Eggenberg, Gösting, Graben, Stadtpark, Ferdinandsbrücke, Ferdinandsbrücke, Wall-Graben, Hauptplatz, Rathaus, Glockenspielplatz, Franzensplatz, St. Ägydius. Mariatrost Mariagrün Mariagrün
St.Leonhard Tobelbad Eggenberg Weizöttlbrücke Graben Stadtpark Kettenbrücke
Ferdinandsbrücke Wall-Allee Hauptplatz Hauotwacheplatz Glockenspielplatz Franzensplatz Dom

Unter der Schirmherrschaft von Josef und Maria Kober entstehen in der Leonhardstraße die kleine und große Reiterkaserne.
Der gebürtige Wiener Claudius Ritter von Pittoni lässt für die zu eng gewordene Leonhardstraße eine neue geradlinige Ausfallsstraße, die Pittonistraße, bauen.
An der Ecke zum Glasic erbaut der Architekt Georg Hauberrisser d.Ä. dem aus Frankfurt stammenden Johann Christoph Kees ein imposantes spätklassizistisches Palais.

Nach 53jähriger Abwesenheit können die Karmelitinnen wieder in Graz einziehen und erbauen an Stelle der Waldkapelle Maria Schnee mit ihrem wundertätigen Marienbild ihr Kloster in der Grabenstraße.

1842

Reitschule St.Leonhard Maria Schnee

Kaiser Ferdinand I. am Franzensplatz und Schloßberg. Franzensplatz Franzensplatz

Begründung und Bau des fürstbischöflichen Knabenseminars, Carolinum Augusteum, durch Fürstbischof Roman Sebastian Zängerle auf dem Grund des ehemaligen Herbersteingartens in der Grabenstraße.

Gustav Franz Ritter von Schreiner, Politwissenschafter und Literat, bemerkt über den Charakter der Grazer: „Der Charakter des gemeinen Grätzers hat übrigens manche Züge, die auf Vermischung mit slawischen Elementen hinweisen. Bei der Arbeit langsam, im Handeln bedächtig, ist er den Fremden minder zuvorkommend und allem abhold, erst wenn es vollkommen gelungen ist, gewinnt dieses aber nur langsam seinen Beifall. Ihm ist eine große Freundlichkeit eben auch nicht zu eigen, zum Gruße entschließt er sich nur schwer, es sei denn, daß die ihm begegnende Person von Einfluß auf sein Geschick wäre. Große Reinlichkeit ist bei den unteren Volksklassen nicht zu treffen." Die Zustände auf den Grazer Straßen beschreibt er wie folgt: "Die Mitte aller Straßen, die Herrengasse nicht ausgenommen, ist durch unbedeckte Rinnsäle zur Aufnahme und Ableitung des aus allen Häusern offen abfließenden schmutzigen Gossenwassers verunstaltet..."

1843 Augusteum Zängerle Bischöfliches Gymnasium

Im Westen werden die Zufahrtswege der Annen- und Keplerstraße zum neu errichteten Grazer Südbahnhof angelegt und die Strecke der Staatseisenbahn von Graz nach Mürzzuschlag eröffnet. Bald darauf auch nach Cilli.
Der Dichter der steirischen Landeshymne, Jakob Franz Dirnböck, beschreibt zwei Steirer, die am Bahnhof von Mürzzuschlag einen der ersten Züge bestaunen: "Nicht große, aber kräftige, stämmige Männer, der eine alt, der andere jung. Ihr Anzug ist der echt obersteirische, kurze Hosen von schwarz gefärbtem Geißleder, auf deren rechter Seite das metallene Besteck, und grüne Strümpfe decken die Beine, eng an den Knöchel liegende Schnürschuhe den Fuß. Über den rotgeblümten Brustlatz, der die Stelle der Weste vertritt, laufen die Arme des breiten grünen Hosenträgers, die Jacke mit den grünen Aufschlägen und Besatz ist der Hauptbestandteil der Kleidung, nachlässig über die Schulter geworfen tragen die beiden noch den lodernen Wettermantel. Der nationelle grüne Weismannshut mit Gemsbart und Schildhahnfeder deckt den Kopf. ... Verblüfft und vertieft stehen sie da, keiner spricht, ihre Augen starren unverwandt auf die Waggons und die eben aus dem Heizhaus steuernde Lokomotive."

In der dritten Strophe seines Dachsteinliedes heißt es über Graz: "Wo sich lieblich groß eine Stadt erhebt hart am Atlasband der grünen Mur,"
Auf seiner Rückreise von Rom nach Wien besucht der deutsche Dichter Friedrich Hebbel Graz und den Schloßberg: "Eine Aussicht wie die von dem herunter glaube ich in meinem Leben noch nicht gehabt zu haben. Gottlob, daß die Zeit der Vestungen vorüber ist, daß die Stapelplätze der Kanonen und der Bombenkessel sich in Gärten verwandeln."

1844

Bahnhof Bahnhof
Bahnhof Bahnhof

Eröffnung der neu erbauten Kettenbrücke (spätere Erzherzog-Franz-Carl-Brücke).

Im Redoutensaal des ständischen Theaters (Schauspielhaus) dirigiert der 20jährige Walzerkönig Johann Strauß Sohn sechs Konzerte vor jeweils 1000 Zuhörern. Das Parket ddient aber auch 2000 Tanzbegeisterter für Maskenbälle oder den beliebten, donnerstags stattfindenden "Neglige-Ball".

1845

Graz Graz

Gratz Heilandskirche Ferdinandsbrücke Gratz

Fertigstellung des Schweizerhauses am Schloßberg samt Cafe mit Billardtischen.

Schweizerhaus Türkenbrunnen

Abbruch des Inneren Paulustores.

Auf Anregung von Kaiserin Karolina Augusta begründet Fürstbischof Roman Sebastian Zängerle die Klosterschule "Dames du sacre coeur". Die ersten Ordensfrauen werden aus Paris berufen.

Notiz in der Zeitschrift "Stiria": "Seit einiger Zeit bemerkt man hier in Graz Frauen mit derart übergroßen Ohrgehängen, dass zu besorgen ist, selbe werden ihnen ihrer Schwere wegen das Ohr abreißen."

In seinen Briefen teilt Hans Michl aus der Obersteier seinem Göd, dem Sensenschmied in der Öd über Gratz folgendes mit: „Gratz im Jahr 1846. Das ist das Jahr, was aufn zweijährigen Krieg über d’Fraq, ob Grätz oder Gratz g’schrieben werden soll, gfolgt is. Der Streid hat wenig Blut, aber viel Tinten, Papier und Buchdrucker schwärz kost und is so ausgangen, wie gwöhnli jeder dispadat ausgeht. Jeder schreibt und red halt, wie er will. … In den Gratzer-Zirkeln; find‘ ma da nöt oft Maderln – Fräuln wollt‘ i sagn – kaum 12-13 Jahr alt, sö hör’n all’s, sö red’n über all’s – sö fühl’n si sogar beleidigt, wann’s nöd überall als stimmfähig ang’sehn werd’n; kommen’s auf an Ball, da drahn’s das Köpferl rechts und links; erzähln a un schöniert, daß den Ewigen Juden in der Ursprache lesen, und seufzen von Rudolf aus den Geheimnissen von Paris. Ist aber von der Hauswirtschaft, von Kochen, von Stricken u.s.w. die Red‘ – a dös is gemein !“

1846

 

Eggenberg Kalvarienberg Mariatrost Hallerschlößl Landhaus Landhaus Kettenbrücke

Stadtveduten von Johann Vinzenz Reim (1796-1858).

Architekt Benedikt Withalm erbaut den Gusseisen-Skelettbau, das "Eiserne Haus", am Südtirolerplatz.

Der schlesische Schriftsteller Karl von Holtei weilt von 1847 bis 1865 in Graz und berichtet in seiner Autobiografie „Vierzig Jahre“ von seinem Grazer Leben: „Wenn die Stadt Graz weiter nichts hätte, als ihren Fetzenmarkt und ihren Schloßberg, so wäre dies hinreichend, mich an sie zu fesseln !“

1847 Eisernes.Haus Withalm Haus von Eisen

Die Studenten überreichen Gouverneur Constantin Graf von Wickenburg eine Petition an den Kaiser, in der sie die Abschaffung der Zensur, die Lehr- und Lernfreiheit sowie die Pressefreiheit fordern.

Am 31.März führt die Erhöhung des Brotpreises zum sogenannten "Gratzer Bäckersturm".
Die akademische Legion unter dem Oberbefehl des Bürgerobersten Josef Andreas Kienreich sowie die Bürgergarde und das unformierte Bürgercorps unter Bürgermeister Dr. Andreas Hüttenbrenner sorgen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

Erzherzog Johann wird am 29. Juni in Frankfurt zum Reichsverweser gewählt.
Am 2. Dezember dank Kaiser Ferdinand I. ab; ihm folgt Franz Joseph I. als neuer Kaiser.

1848

Wickenburg Freicorps Hüttenbrenner
Erzherzog Johann Kaiser Franz Joseph I.

Das Revolutionsjahr 1848 bringt nicht nur die Aufhebung der Grundherrschaften, sondern leitet auch zu einer Epoche über, die als Gründerzeit bekannt wird und sich in einem Historismus in der Architektur äußert. Das liberale Bürgertum bevorzugt den der Renaissance nachempfundenen Baustil, die Deutschnationalen und Konservativen die als altdeutsch empfundene Gotik. Zu den neuen alten Stilen gesellen sich noch die Palais und Villen des Adels sowie des materiell aufstrebenden Bürgertums.

 

 

Die Brüder Kleinoscheg beginnen in Graz mit der Schaumweinerzeugung.

 

Bischof Joseph Othmar Ritter v. Rauscher (1849-1853). 1849 Fürstbischof Joseph Othmar Ritter von Rauscher
Stahlstich Kuwasseg Graz Graz

1850

Schlachtbrücke Kriminalgebäude

Wilhelm Freiherr Kalchergger von Kalchberg erhält das Kommando über den Schloßberg und beschäftigt sich in der Folge mit dessen Geschichte. 1851 erscheint das Buch "Der Grazer Schloßberg und seine Umgebung".

Der aus Schlesien stammende Heinrich Laube wird in Wien Direktor des Hofburgtheaters. Über Graz vermerkt er: „Ich weiß von Graz sonst nichts Charakteristisches zu erzählen, als daß der Adel der Provinz, der sogenannte Kavalier, hier noch seine erste Heldenrolle spielt, daß man viele Kruzifixe sieht und daß ich des Nachts auf dem Heimwege die Stadt woanders suchte, als wo sie war. Trotzdem ich mich verirrt hatte und sehr spät nach Hause kam, fand ich die Wirtsstube meines Gasthauses noch belebt. Es wurden noch Hendln verspeist und Seidln getrunken. Die Backhendln sind bekanntlich der Mittelpunkt der österreichischen Nationalität. Es ist ein historischer Fehler, daß die Österreicher nicht ein Backhendl im Wappen haben.“

In der Leonhardstraße wird der spätere Burgschauspieler und Freund von Johann Strauß, Alexander Girardi, geboren. Während seiner Gesellenzeit als Schlosser spielt er am Theater des Katholischen Gesellenvereines am Kaiser-Franz-Joseph-Kai.

Girardi

Franz Sales Engelhofer gründet im Herbst ein Kaffeehandelsgeschäft, aus dem sich ein Werk zur Bonbonerzeugung entwickelt.

1851

 

Das Barockpalais in der Sackstraße wird zum "Hotel Erzherzog Johann" adaptiert.

In Andritz baut der Ungar Joseph Körösi eine Maschinenfabrik.

1852

Körösi Maschinenfabrik Andritz

Bischof Ottokar Maria Graf v. Attems (1853-1867).

Palais Kottulinsky und Künigl.

1853 Bischof Ottokar Maria Graf von Attems Kottulinsky Palais Künigl
Die aus Deutschland stammenden Brüder Reininghaus übernehmen die Brauerei am Steinfeld.   Reininghaus Reininghaus Reininghaus

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Rudolf Constanz Laube, Intendant des Wiener Burgtheaters sowie Gründer und Direktor des Wiener Stadttheaters, schreibt nach einem Besuch in Graz über die Schönheit der jungen Grazerinnen: "Es gedeiht hier ein schöner Menschenschlag, namentlich in Graz. Dort im Theater habe ich Claurensche Mädchen gefunden, mit allen kleinen materiellen Schönheiten, mit Grübchen, mit Rosen und sonstigem Detail. Graz ist wirklich ein Ort, wo man das 'Vergißmeinnicht' noch einmal lesen könnte. Die Romantik ist noch in ihren Kinderschuhen, die Mädchen sind kurios verführerisch. Dicht am Schloßberge steht ein besonders hohes, schönes Haus, aber das Mädchen, das am Fenster saß, reizte mich noch mehr. Ich versuchte einen kleinen Roman, aber ich mußte die ersten Zeilen wieder ausstreichen, um schnell nach Wien zu kommen."

1853

Grazerin

Der Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch lebt seit 1854 in der Jahngasse 9 in Graz (im späteren Elternhaus von Dr. Karlpeter Elis), studiert Rechtswissenschaften, Mathematik und Geschichte, habilitiert und lehrt an der Universität Graz. Hier lernt er auch seine erste Frau, die Handschuhmacherin Laura Rümelin, kennen, die sich ihm beim ersten Zusammentreffen zur Tarnung als vornehme russische Gräfin Wanda von Dunajew vorstellt und später unter dem Pseudonym Wanda Dunajew die Protagonist in seinen berühmten Roman "Venus im Pelz" wird, der zum Ursprung für die Begriffsbildung "Masochismus" wird. Als sie ihm ein Kind gebiert, heiratet er sie 1893.
Das sehr alte Eckhaus an der Jahngasse zur Wickenburggasse wird auch Wohnsitz von Peter Rosegger, Friedrich von Hurter und Dr. Karlpeter Elis
.

1854

Sacher Masoch Jahngasse 9 Jahngasse 9

Da Prinz Alexander von Hessen die nicht standesgemäße Hofdame Julia Jauke heiratet, muss er den Hof verlassen. Er tritt in den österreichischen Militärdienst ein und kommt nach Graz, wo sein ältester Sohn Ludwig am 24. Mai 1854 geboren wird, der es später in England bis zum Lord der Admiralität bringt und seinen Namen Prinz von Battenberg in Mountbatten, die englische Übersetzung, ändern lässt. Sein Enkel, Prinz Philipp Mountbatten von Griechenland, heiratete 1947 die englische Kronprinzessin und jetzige Königin Elisabeth II., womit der jetzige Mann der Queen einen Grazer als Großvater hat. Prinz Alexander von Hessen und Julia Hauke Ludwig con Battenberg Mountbatten
Der Präsident der Hofkammer, Baron von Kübeck, beauftragt 1843 den venezianischen Ingenieur Carl Ritter von Ghega mit dem Bau der Semmeringbahn. 20000 Arbeiter lassen eine Strecke mit 16 Viadukten, 15 Tunnels und 100 Brücken entstehen. Mit dem Abschluss der Arbeiten zur Überwindung des Semmerings kann die Südbahnverbindung von Wien über Graz nach Triest geschlossen werden und am 17. Juli der erste Zug über den Berg dampfen. "Das kohlfinstere Loch war schier so groß, dass darin ein Haus hätte stehen können, und da ging eine Straße mit zwei eisernen Leisten daher. Dann hat sich auf der eisernen Straße ein kohlschwarzes Wesen genähert. 'Kreuz Gottes', rief mein Pate, 'da hängen ja ganze Häuser dran.' Und wir sahen einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und aus den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus." (Peter Rosegger) Carl.Ghega semmering Semmeringbahn Semmering
Unter der Leitung des aus Novi Vrbas in der Batschka kommenden Stadtbaumeisters Jakob Bullmann werden 60% der Grazer Gründerzeithäuser, darunter auch der Industriebau der Seifenfabrik, errichtet. 1855 Jakob Bullmann Seifenfabrik
Anlässlich des Besuches von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Gattin Elisabeth wird in der Annenstraße ein Triumphbogen sowie am Anfang der von Pittoni- auf Elisabethstraße umgetauften Prachtstraße eine hölzerne "Elisabethsäule" mit der Büste der Kaiserin errichtet.

Beginn der Errichtung der Ringstraße mit Burg-, Opern- und Joanneumring.

1856

 

Annenstraße Annenstraße Elisabethsaeule
In dem Roman „St. Ägidiuskirche in Graz“ beschäftigt sich Joseph Freiherr von Erben mit den näheren Umständen der Tattenbach‘schen Verschwörung. Darin finden sich auch Schilderungen über Graz: “Auf den Gassen wurde es lebhaft, die Leute gingen zur Kirche oder kamen aus derselben. Alles hatte ein feierliches, dem gottgeweihten Tage würdiges Aussehen. Die Leute waren mit ihren Feierthagskleidern angethan, deren Luxus aber durch die Polizei-Verordnung vom Jahre 1659 eingeschränkt worden war, worin den verschiedenen Ständeclassen vorgeschrieben wurde, welche Kleider ihnen zu tragen gestattet wären. Die Bauern in ihren blauen Jacken und rothen Weste, den schwarzledernen kurzen Hosen, blauen Strümpfen, Bundschuhen und den runden Hüten mit spitzem Gupfe sahen damals lange nicht so gut aus, wie die jetzigen Landleute in der obersteier’schen Tracht. Die Bürger in ihren Festgewändern, meist von schwarzer Farbe, mit weiten bauschigen Hosen, um den Leib einen breiten Gürtel von lackirtem Leder mit einer stählernen oder silbernen Schnalle zusammengehalten, ihre Ehefrauen am Arme führend, welche meist in weiten damstenen Kleidern einherrauschten, mit dem silbernen Gürtel geschmückt und auf dem Kopfe Hauben von schwarzem Tuche oder Sammt mit Steinmarder- oder Fuchsrücken verbrämt. Die größte Menge strömte zur St. Aegidiuskirche, da sie, wie noch jetzt, ihres schönen gothischen Baues und der vielen historischen Denkmale wegen, die für den Steiermärker so erinnerungsreich sind, besonders besucht war. Doch sah es zur Zeit unserer Geschichte noch ganz anders bei der alten Kirche aus als jetzt; das Burgthor war wegen der einst drohenden und oft wiederkehrenden Türkengefahr zugemauert worden, und nur ein kleines, in der Regel aber geschlossenes Pförtchen führte durch den Wall hinaus. Rund um die Kirche und das Mausoleum zo sich ein kleiner Friedhof, der damals noch benützt wurde. Die ziemlich nidere Mauer führte auf der Seite gegen die Burg hin, bis zu jenem Pfeiler, der den aus der Burg in die Kirche führenden, dreistockhohen Gang trug. Wo jetzt das Theater steht, befand sich 1610 und 1671 der zur Burg gehörige Garten, und von dem Collegium der Jesuiten – dem jetzigen Priesterhause – führte über die Bürgergasse ein gedeckter Gang zur Kirche. Im Winkel, welchen das Mausoleum und das heutige Militär-Commando bilden, befand sich ein Häuschen. Vor der Friedhofsmauer standen einzelne Gruppen von Bürgern und Landleuten. Der alte Mesner in seinem schönsten rothen Gewand lehnte vor der kleinen Thüre, welche hinter dem Hochaltare gegen das Burgthor zuführt, und harrte auf die geistlichen Herren, welche das Hochamt halten sollten.“

1857

Die St. Aegidius-Kirche in Graz

Johann Weitzer errichtet eine Wagenfabrik, aus der sich der Waggon- und Lokomotivenerzeuger SGP entwickelt.

Dem Wunsch der Voitsberger-Köflacher-Maria Lankowitzer Steinkohlengewerkschaft entsprechend, die in den weststeirischen Revieren abgebaute Kohle nach Graz zu transportieren, erlaubt ein kaiserliches Privilegium den Bau und Betrieb einer „Locomotiv-Eisenbahn“ von Köflach nach Graz. Ab 3. April 1860 führt die Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbau-Gesellschaft diese Eisenbahnstrecke im Eigenbetrieb

.Am 27. Juli erfolgt die Eröffnung der durchgehenden Strecke der k.k. Südbahn oder "Erzherzog-Johann-Bahn" von Wien-Südbahnhof über den Semmering und Graz nach Triest-Centrale.
Von Triest aus startet auch die von Bernhard Freiherr von Wüllerstorf-Urbair befehligte österreichische Fregatte Novara zu ihrer Weltumsegelung.

Weitzer Weitzer Simmering-Graz-Pauker Graz-Köflacher-Bahn
Novara

Ulrichsbrunn Geidorf Hilmteich Kienreich Graz
Das Eiserne Tor wird abgetragen. 1860  
Der geborene Wiener Moritz Ritter von Franck wird der erste frei gewählte Bürgermeister von Graz (1861-70). Er wohnt im Palais Kees am Glacis und lässt den Stadtpark anlegen.
Landeshauptmann wird Karl Graf von Gleispach.
1861 Moritz Ritter von Franck Karl.Graf v.Gleispach

Im Palais Khuenburg in der Sackstraße 13 wird Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich, der später als Thronfolger von Kaiser Franz Joseph in Sarajevo ermordet wird, geboren.

Gründung der "Akademie für Handel und Industrie" (Handelsakademie) durch die Grazer Kaufmannschaft in der Kaiserfeldgasse. Einer der ersten Schüler ist Peter Rosegger: "Wohlgemut, ungezwungen und natürlich trat Peter in den Kreis von etwa 60 Altersgenossen, ausgerüstet mit sehr wenig Schulweisheit, aber aus seinen Augen glänzte ein helles Licht, das der liebe Gott jenen anzündet, die andere durch dieses finstere Leben zu führen bestimmt sind."

Eugen Spork beleuchtet in seinem satirischen Büchlein „Eisele und Beisele“ die Ereignisse um das große Grazer Sängerbund-Fest: „Graz ist eine Stadt in der Steiermark an der Mur. Seine Bewohner teilen sich dem Berufe nach in: Pensioniste, Beamte, Bürger, Sänger, Turner, Gewerbetreibende und Rinstraßen-Bewunderer. Die Naivetät der Lebensmittel verkaufenden Landsleute streift hart an Grobheit. Auch in Graz gibt’s Hausherrn, welche Parteien mit Kindern nicht aufnehmen wollen. Es gibt viele Kaffeehäuser, darunter mehrere, die obschon im 1. Stock, dennoch bereits Parterre sind; In einigen ist der Kaffee gut; in anderen ist er klein, aber bitter; in wieder andern ist er bitter, aber die Marqueurin ist nicht bitter; mehrere Kaffeehäuser halten sich am Wasser, einige über Wasser  … In Graz wird unter 3 Feuerwerken Eines, und unter 9 Sängerfahrten 7 verregnet. Graz hat jährlich zwei Märkte, mehrere Liedertafeln, 52 Turnausflüge und nur einen Wunderdoktor.“

1863

Erzherzog Franz Ferdinand Sackstraße.18 Handelsakademie

Ein auf dem Gelände der ehemaligen Stadtmauer, dem Glacis, befindlicher hölzerner Zirkus wird in das 12eckige "Thalia-Theater" (ab 1872 "Stadttheater", ab 1887 "Theater am Stadtpark") umgebaut und am 28. März eröffnet. 1864 Thalia
Hauptplatz   Schillerplatz Schörglschlössl
Kaiser Franz Joseph besucht am 4. Juni die Grazer Wechselseitige Versicherungsanstalt. 1865 GRAWE

 

1866  
Feldmarschallleutnant Heinrich von Österreich fungiert als Divisionskommandeur unter anderem in Graz und Brünn. Er kämpft mit Auszeichnung in der Schlacht bei Custozza.

Feldherr Ludwig August Ritter von Benedek zieht sich nach der Niederlage am 3. Juli bei Koniggrätz in eine Villa in der Beethovenstraße 4, wo er am 27. April 1881 vereinsamt stirbt und am St. Leonhard Friedhof begraben wird.
Heinrich von Österreich Benedek Königgrätz
Bischof Johannes Baptist Zwerger (1867-1893), Bahnbrecher für die Regotisierung.
Domherr Alois Karlon (1881-1902) ist der Begründer des „Grazer Volksblattes“, des Katholischen Pressvereines und der katholisch-konservativen Partei.
1867 Bischof Johannes Baptist Zwerger Johann Karlon Volksblatt
Bau der landschaftlichen Turnhalle (heute Landesturnhalle in der Jahngasse). 1869  

In Bahnhofsnähe, am Areal des landwirtschaftlichen Versuchshofes in der Annenstraße, findet in einer riesigen provisorischen Halle die erste Industrie- und Landwirtschaftsausstellung, die Vorläuferin der Grazer Messe, statt. 1880 übersiedelt die Ausstellung dann in einen festen Bau, die Industriehalle, in der neben Rinderschauen auch Bällen 1883 die erste "kulturhistorische Schau" stattfindet.

Am Lend entsteht mit den Puntigamer Bierhallen das größte Unterhaltungs-Etablissement der Stadt.

1870 Bahnhof Versuchshof Industriehalle

Bürgermeister Moritz Ritter von Schreiner (1970-73).
Moritz Edler von Kaiserfeld, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, ist von 1871-84 Landeshauptmann der Steiermark.

Die Initiative des Bürgermeisters Moritz Ritter von Franck für eine gärtnerische Ausgestaltung des Glacis findet mit der Eröffnung des "Stadtparks" seinen Abschluss.

Am 7. April stirbt Wilhelm von Tegetthof nach einer Lungenentzündung im Alter von 43 Jahren in Graz. Sein Sieg in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866 gegen die Übermacht der italienische Flotte machte ihn zu einem Seehelden.

1871

Schreiner Landstube Kaiserfels
LissaTegetthoff

Unter dem Pseudonym „Heinrich von der Dreysen“ schreibt 1872 der Buchdrucker Leopold Stiefvater den Roman „Der Scharfrichter von Graz“.

1872 erscheint der Roman "Carmilla" von Sheridan Le Fanus, der auf einem eine Tagesreise von Gratz entfernten "styrian castle" spielt, wo die lesbische Vampirin Camilla in leidenschaftlicher Liebe zur jungen Laura entflammt, die ihr erzählt: "Sie haben bestimmt von dem grässlichen Aberglauben gehört, der in der Steiermark, in Mähren, in Schlesien, im türkischen Serbien, in Polen und sogar in Russland grassiert, dass es Vampire gibt.". Historische Vorbilder für die beiden Frauen waren Elisabeth Bathory, die sich durch das Blut junger Mädchen verjüngt habe (Sacher-Masoch erzählt davon 1874 in seinem Roman "Ewige Jugend"), und die Vampirin Barbara von Cilli, die Frau von Kaiser Sigismund, König von Ungarn und Kroatien.

1872 Vampirismus

1873-85 Bürgermeister Wilhelm Kienzl.

Eröffnung des Grazer Ostbahnhofes mit einer Zugsverbindung nach Ungarn.

Der von Jean Jules Klagmann für die Wiener Weltausstellung gestaltete "Franz-Joseph-Brunnen" wird um 34000 Gulden für den Grazer Stadtpark gekauft.

1873

Kienzl Ostbahn

In der Sackstraße wird von Carl Kastner und Hermann Öhler das Kaufhaus Kastner & Öhler gegründet und zum größten Warenhaus Österreichs ausgebaut.

Kastner Öhler Kastner & Öhler

Kastner Kastner & Öhler Kastner Kastner&Öhler Kastner & Öhler
Schloss Gösting Daniel Wiesler Graz Dreifaltigkeitssäule 1874

Stadtpfarrkirche Stadtparkbrunnen Goldene Birn

Als der Bourbonen-Prinz Don Alfonso de Austria Este eine Villa in der Körblergasse bezieht, kommt es bei seinem Kirchgang am 28. April vor dem Dom zu Protesten, weil er seinem Bruder im blutigen Kampf um die Krone geholfen hatte. 1875

Don Alfonso de Bbourbon y Austria Este Don Alfonso

Der prominenteste Vertreter der politischen Dichtung im österreichischen Vormärz, Anastasius Grün (eigentlich Anton Alexander Graf Auersperg) stirbt in seinem Haus in der Elisabethstraße 5.

Für den Handelsmann Johann Kleinoscheg wird in der Sackstraße das "Kleiderbauerhaus" errichtet.

1876

Anastasius.Gruen Dreifaltigkeitssäule

Gründung der Papierfabrik Arland in Andritz durch Viktor Czerweny.

1877

 

Arland
Errichtung des Erzherzog-Johann-Brunnens am Hauptplatz mit allegorischen Statuen der Flüsse Mur, Enns, Drau und Sann.

1878

Graz Erzherzog-Johann-Brunnen

Neubau des Südbahnhofes im klassizistischen Stil.

Mit ungarischen Rossen nimmt die erste Pferdetramway am 7. Juni mit der Strecke Südbahnhof - Jakominiplatz ihren Betrieb auf.

Südbahnhof Südbahnhof

Pferdetramway Pferdetramway

Leopold von Sacher-Masoch, als Sohn des Grazer Polizeipräsidenten Hofrat Leopold von Sacher-Masoch in Lemberg geboren und mit Angelika Aurora Rümelin verheiratet, die sich analog seiner Novelle "Venus im Pelz" Wanda von Dunajew nennt, ist bereits mit 20 Jahren Privatdozent für deutsche Geschichte in Graz. Ab 1879 gibt er in Graz die illustrierten Monatshefte „Schwarze Punkte“ heraus. Ursprünglich in der „Grazer Morgenpost“ erschienen, werden sie wegen ihrer aggressiven Kritik bald abgelehnt, so dass sie zuerst als selbständige Exemplare in der Druckerei „Gutenberg“ gedruckt, schließlich aber von einem ungarischen Verlag in Groß-Kanizsa herausgegeben werden müssen. In einem Kapitel mit dem Titel „Die Schwarzen Punkte und ihre Gegner“ schreibt Sacher-Masoch: „Wenn man, wie ein echter Schildbürger, Graz niemals verlassen, oder höchstens Reisen nach Puntigam und Judendorf unternommen hat, kann man immerhin Goethe’s Vers aus den römischen Elegien variieren und Ausrufen: ‚Eine Welt zwar bist du o Graz !‘ Und wenn man auch nur für einige Jahre an die Grazer Scholle gebunden ist, kann man sich vielleicht in der Illusion wiegen, in einer großen Stadt zu leben; sobald man aber wieder einige Zeit in der wirklich weiten Welt zugebracht hat und in die Stadt der Grazien zurückkehrt, erschrickt man geradezu, wie klein das alles ist. Allerdiongs ist Graz ausgedehnt, aber, wie es scheint, nur, damit neben 10000 intelligenten Menschen, 80000 Abderiten darin Platz haben; in jeder anderen Beziehung ist es ebenso klein wie die Hauptstadt von Liliput, in der jeder halbwegs gut entwickelte Mensch für einen Riesen angesehen wird und den kleinen Köpfen und Herzen entsetzliche Furcht einflößt. Was Bildung betrifft, stehen manche unserer Abderiten mit den Kaffern und Hottentotten in der That auf gleicher Stufe. Wäre Rosegger’s Talent nicht durch die Protection eines Dr. Svoboda auf Abwege geraten, so hätte er vielleicht als Volksschriftsteller wirlich etwas leisten können.“

1879 Sacher-Masoch Wanda von Dunajew

Die Burggasse 16 in Graz ist 34 Jahre lang, von 1880 bis 1918, die Heim- und Wirkungsstätte des steirischen Heimatdichters Peter Rosegger.
In einem seiner vielen Aufsätze in der Zeitschrift „Heimgarten“ erinnert er sich an einen Besuch auf dem Fetzenmarkt in Graz: „Damals ging der Fetzenmarkt vom Cirkusgebäude fast bis an die Stelle, wo heute der Stadtparkbrunnen steht. Das war ein Meer von Menschen und Buden und Fetzen. Wenn man ein paar Jahrmärkte zusammenstellt, und ein Volksfest hinein und ein Dutzend Schnaps-, Käse-, Salami-, Kaffee-Boutiquen und etliche dreißig Trödlerhütten und inzwischen jedes noch übrige Stückchen grünen Erdbodens mit Fetzen und Gerümpel düngt und säet vornehme Stadtherren und Stadtfräulein, Bauernvolk, Krämervolk, Studenten, Taschenspieler, kroatische Zwiebelhändler, Juden, Soldaten und ein paar hundert Bettler hinein – so hat man den Fetzenmarkt beisammen, wie er noch vor 15 Jahren war. Gewinnsucht und Elend, Lustbarkeit und Hunger fanden sich ein; es war. als ob der Herrgott eine ganze Welt mit Arm und Reich in Fetzen zerrissen, durcheinandergemengt und auf das Grazer Glacis hingestreut hätte.“
1883 schreibt er im "Heimgarten": "O Graz, Du geliebte Stadt! Busch und Wald, Vogelgesang und Frieden, Bergluft und den Blick des weiten Himmels, all das kannst Du geben mitten in Deinem Weichbilde und wer eine Stunde dafür frei hat."

1880 Rosegger Rosegger Rosegger
Der Komponist und spätere Opernkrorrepetitor am Städtischen Theater in Graz, Robert Stolz, wird im Palais Inzaghi am Grazer Mehlplatz geboren, wo sein Vater Jakob einen musikalischen Haushalt führt, in dem musikalische Größen wie Brahms oder Bruckner verkehren. Robert.Stolz
Die Familie Koch, die am Hauptplatz ein Spielwarengeschäft besitzt, errichtet 1882 in der Lessingstraße 20 eien Villa, die 1944 durch eien Bombe zerstört wird. 1882
Die Ferdinand-Kettenbrücke (Keplerbrücke) wird durch eine Eisenbrücke ersetzt.
Kurz darauf Eröffnung der Albrechtsbrücke (spätere Tegetthoffbrücke).
1883 Ferdinandbrücke Keplerbrücke Albrechtsbrücke

Am 8. Juni Besuch von Kaiser Franz Joseph in Graz.

Der Schriftsteller Robert Hamerling lebt ab Herbst 1866 in Graz, wo seine fruchtbarste literarische Schaffensphase beginnt. Am 13. Juli 1889 stirbt er in Stifting im Alter von 59 Jahren.
Im siebenten Jahrgang der Zeitschrift „Heimgarten“ macht sich der Dichter Gedanken über die Grazer Kunstszene: „Graz steht nicht im Rufe einer kunstsinnigen Stadt. Die Werke des Pinsels und Meißels wenigstens finden, wie die Künstler versichern, hier wenige Abnehmer, und immer mühsamer fristet das Theater, immer wieder von Krisen bedroht, sein Leben fort. Fehlt es der Bevölkerung an Neigung für Kunstgenuß? oder an den Mitteln hierzu? oder an Beidem? Ich behaupte: weder an diesen noch an jener. Die Neigung fehlt nicht – warum sollte sie das eben hier? – aber sie schlummert. Sie wird überhöht von einer starken Strömung anderer Art: der regen, mit allen Mitteln geförderten Pflege geselligen Lebens.“

Kaiser Franz Joseph Landhaus Hamerling
1884-93 Landeshauptmann Ladislaus Gundaker Graf v. Wurmbrand-Stuppach.
1885-97Bürgermeister Ferdinand Portugall.

Die 1855 in Graz als Marianne Preindlsberger geborene Malerin heiratet in London Adrian Scott Stokes und wird als, beinflusst von den Präraffaeliten als Mrs. Marianne Stokes eine der führenden Künstlerinnen im viktorianischen England.
1884 Wurmbrand-Stuppach Portugall Marianne Stokes Marianne Stokes

Nach den Plänen von Alexander Wielemann und Theodor Reuter Aus- und Umbau des Rathauses durch den Zukauf angrenzender Gebäude im späthistorisch-altdeutschen Stil mit Kuppelaufbau sowie Verzierung der Fassade mit 16 2m hohen Nischenfiguren aus Sandstein: Guido Graf Starhelmberg, Sigmund Graf Herberstein, Rüdiger Graf Starhemberg, Erzherzog Karl II., Kaiser Leopold I., Karl VI., Friedrich III. Ferdinand II., Ulrich Fürst von Eggenberg, Andreas Baumkirchner, Adam Freiherr von Dietrichstein, Dombaumeister Niesenberger, Ulrich von Lichtenstein, Mathias und Johann Fischer von Erlach, Herzog Ottokar VI. udn Herzog Leopold V. Den Protikus über dem Eingang zieren 4 Allegorien: des Handels, der Wissenschaft, der Kunst und des Gewerbes.

1887 Rathaus 1892.Rathaus Rathaus
Zeughaus, Landhaus (Ecke Landhausgasse / Schmiedgasse).

Gustav Stroried schildert in seinen „Grazer Bildern“ Ereignisse auf bestimmten Straßen und Plätzen: „Beim Luegg ist auch der Ausgang der großen Promenade zu suchen, die sich linksseitig des Hauptplatzes und der Herrengasse bis zur Stadtpfarrkirche erstreckt und besonders in den Dämmerstunden der Winterabende stark frequentiert wird. Hier wandelt man, um zu sehen und gesehen zu werden. Die Stadtparkpromenade ist ja im Grunde genommen ein Schauspiel, dessen Genuß man sich im Fauteuil behaglicher hingibt, als im Steh- oder Gehrume. Doch auch zur Anknüpfung und Fortsetzung von Bekanntschaften bietet der Park ein zweckdienliches Feld, ebenso dient er oftmals zu zärtlichen oder geschäftlichen Zusammenkünften. … Der Carneval ist die Sauregurkenzeit der Familienväter, die für ein halbes Dutzend schutzbedürftiger, d.i. heiratsfähiger Töchter den Toilettenaufwand aus oft karger Kasse zu bestreiten haben. Man will ja durch möglichst vorteilhafte Hervorkehrung aller Reize anziehen, um nicht mehr loszulassen; ein verfehltes Unternehmen, das höchst selten glückt, denn der bürgerlich situierte Freier gründet sein häusliches Glück lieber auf dem ehefesten Fundamente des Küchenherdes, als auf dem glatten Parket des Tanzbodens, auf welchem man nur allzu leicht strauchelt.“
Zeughaus Landhausgasse Schmiedgasse Landhaus
Auf der Mur nehmen die Schiffe "Styria" und "Graz" den Schiffsverkehr auf. Styria Murdampfschifffahrt Mur
Eröffnung der Technischen Hochschule durch Kaiser Franz Joseph. 1888 Technik Technik

Fürst Alexander I. von Bulgarien, Sohn des eine zeitlang in Graz lebenden Prinzen Alexander von Hessen, tritt nach seiner Abdankung in den österreichischen Militärdienst ein und lebt als Offizier in der Villa Hartenau in Graz. Als er die nicht standesgemäße Kammersängerin Johanna Loisinger aus Linz 1889 heiratet, verzichtet er auf Namen und Titel und nennt sich ab nun Graf von Hartenau. Mit nur 36 Jahren stirbt er am 17. November 1893 im Rang eines k.u.k. Generalmajors an Tuberkulose und wird mit einem „in Graz noch nie gesehenen Gepränge“ auf dem St.Leonhard-Friedhof bestattet; sein Leichnam aber schon bald in die St. Georgs-Kapelle nach Sofia überführt.
In die Villa Hartenau in der Leechgasse 52 zieht 1938 die SS ein, 1945 folgen die Sowjets und schließlich die Engländer.

1889 Alexander I. von Bulgarien Johanna Loisinger Villa Hartenau

Ferry-Schlößl in der Zusertalgasse, die 1939 von der deutschen Reichsrundfunkgesellschaft erworben wird, nach dem Krieg Sitz des britischen Militärsenders ist und in der von 1954 bis 1981 der ORF sein steirisches Programm produziert.

Zarenvilla in der Krottendorferstraße vom russischen Architekt mit deutscher Abstammung Fjodor Ossipowitsch (Franz Albert) Schechtel (Фёдор Осипович Шехтель), einem der Begründer des Jugendstils in der Baukunst.

Im Kaufleute-Haus in der Sackstraße etabliert sich die Buchhandlung Kienreich.

1890 Ferry Schlößl Ferryschlößl Zarenvilla
Sackstraße Post Sporgasse Prokopigasse Postgasse Sparbersbachgasse Hilmwarte Reinerkogel
Bauherr Fürstbischof Johann Zwergler weiht das von Georg Hauberrisser d.J. im neugotischen Stil geschaffene größte Grazer Gotteshaus, die Herz-Jesu-Kirche, ein.
Ab 1891 Bau des Hauptgebäudes der Karl-Franzens-Universität im Neo-Renaissance-Stil.

Entwurf für Schloßbergprojekt.

1891

Herz Jesu Kirche Schloßberg

Die Franz-Carl-Kettenbrücke ist durch eine Eisenbrücke ersetzt.
Kurz darauf Eröffnung der der hölzernen Kalvarienbrücke (1894) und Radetzkybrücke (1896).

Errichtung des Direktionsgebäudes der von Erzherzog Johann gegründeten "K.k. Wechselseitigen Brandschaden Versicherungsanstalt" in der Herrengasse.

1892 Franz-Carl-Brücke Franz-Carl-Brücke Franz-Carl-Brücke
Kalvarienbrücke Radetzkybrücke

Landeshauptmann Edmund Graf v. Attems (1893-96).

Am 19. März Beginn des Baues der dampfbetriebenen Drahtseilbahn auf den Schloßberg durch Ludwig Schmidt (Generalsirektor der Pferdeeisenbahn in Triest), Carl Fritscher und Georg Otterman. Die Jungfernfahrt erfolgt am 25. November 1894.

1893-1927 Fürstbischof Leopold IV. Schusternst

1893 Attems Schloßbergbahn Schloßbergplateau Fürstbischof Leopold IV. Schuster
Auf dem Platz bei der Landesturnhalle wird am 18.März von zwei Mannschaften des "Akademisch-Technischen-Radfahrvereines" das erste Fußballspiel Österreichs ausgetragen. Initiator ist der Prager Medizinstudent Aust Wagner, dessen Eltern ihn zum Studium nach Graz schickten, um ihn daheim vom Fußball fernzuhalten. 1894 ATRV
Eröffnung des neuen Hauptgebäudes der Karl-Franzens-Universität durch Kaiser Franz Joseph am 4. Juni. 1895 Karl-Franzens-Universität Karl-Franzens-Universität
Karl-Franzens-Universität Karl-Franzens-Universität Aula Universitätsbibliothek Karl-Franzens-Universität Karl-Franzens-Universität

Unter der Ära von Bürgermeister Franz Graf (DVP, 1897-1912) wird das Amtshaus und Opernhaus erbaut.
Kaiserlicher Statthalter in der Burg ist Manfred Graf Clary-Aldringen und Edmund Graf von Atems leitet im Landhaus die landesständische Politik.

Bram Stokers herausgegebener Roman "Dracula" sollte ursprünglich "Dracula The Undead" heißen und in der Steiermark spielen. In der Vorstudie zu seinem Roman "Draculas Gast" wird eine "Gräfin Dolingen von Gratz in der Steiermark" erwähnt, durch die ein mächtiger eiserner Pfahl hindurchgetrieben wurde. Auf ihrem Grabstein steht " Dead travel fast" (Tote reisen schnell).

1897 Graf Opernhaus Oper

Die Erzählung „Edelherz“ von Josef Scheicher spielt zum Großteil auf dem Griesplatz: “Der Griesplatz in Graz an der äußersten Grenze der Stadt gelegen, hat ein von der Stadt ziemlich verschiedenes Ansehen. Nobles Volk, Nichtstuer wohnen nicht daselbst. … Der Charakter der Bewohner ist streng bürgerlich und solid. Es kann vorkommen, daß ein echter Sohn der Vorstadt Gries seine Witze macht über die schwindlerisch angehauchten Herren aus der Stadt. Dies dürfte auch die Ursache sein, warum viele Landsleute, welche ihr Geschäft in die Stadt führte, fast ausschließlich in dieser Vorstadt einkehren. Den soliden Bürgern, die gar nicht zu hoch oben aus sind, vertraut sich der steirische Bauer lieber an, als den ihn gerne hänselnden Culturmenschen. Man sieht darum am Griesplatz am häufigsten die strammen Gestalten der Landsleute herumwandeln; man bemerkt da die verschiedensten Trachten, wie sie in den fernsten Tälern des grünen Alpenlandes getragen werden. Die schmucken Mürzthaler von der oberen Mur kommen hieher, die Raabthaler, durch die Fruchtbarkeit ihres Bodens etwas behäbig gemacht, die rauflustigen Schilchertrinker, d.i. die Söhne des Stainzerbodens, der Rosenkogelgegend und aus dem Kainachthale kann man schon von Weitem m nicht gerade sehr schönen, aber kernigen Dialekte erkennen; selbst die schmachtäugigen Bewohner des Unterlandes, die Windischen, finden oft in dieser Vorstadt ein zeitweiliges Heim.“

1898 Griesplatz

Die Grazer Tramway Gesellschaft stellt im Juli den Transportverkehr vom Pferdeantrieb auf den elektrischen Betrieb um.

1899

Tramway Elektrische Herrengasse

Das Stadtheater wird abgerissen. Die letzte Vorstellung findet am 31. Mai 1899 mit Alexander Girardi als Valentin im "Verschwender" statt.

Stadttheater Stadttheater Verschwender
An Stelle des ursprünglich 1630 errichteten Georgikirchleins mit einem dazugehörigen Friedhof für arme Leute, ensteht 1786 ein Gastgarten mit dem 1823 angeschlossernen Carolinenbad, 1867 die "Puntigamer Bierhalle" - Versammlungsplatz der sozialistischen Arbeiter - und schließlich 1888/89 das Varietetheater "Orpheum". Es fasst bis zu 1000 Besucher. 1905 wird eine Sommerbühne angeschlossen; später ein Kino, das "Haus der Jugend" und heute ein Kulturzentrum. Orpheum Orpheum
Das Grazer Opernhaus wird - wie die Häuser In Wien und Fiume - im neobarocken Stil von den Architekten des Fellner & Helmer erbaut und am 16. September 1899 nach 17monatiger Bauzeit mit der Aufführung von Schillers "Wilhelm Tell" eröffnet. Fellner.Helmer Opernhaus

Mit 1. Jänner wird die "Krone" als neue Währung in der Donaumonarchie eingeführt.

Die äußeren Stadtbezirke von Graz werden in das Tramwaynetz einbezogen.

1900 Schloßberg Mariagrün Tramway Mariatrost
Eggenberg Gösting Andritz Remschmidt Platte Hilmteich
Hilmteich Mariagrün Stiftingtal Ragnitz Kreuzwirt Lawugger St. Gotthardt

Am 14. August Gründung des "Grazer Athletiksportklubs" (GAK).

Für das 6. Deutsche Sängerbundfest wird auf dem Trabrennplatz (Messegelände) eine gigantische hölzerne Veranstaltungshalle mit einer Länge von 96m und einer Breite von 21m für 20.000 Besucher gebaut.

Der Gymnasialprofessor Ludwig Mayer rühmt Graz in 927 Hexameterversen als Stadt der Grazien. Über das Joanneum dichtet er: "Stattlich erhebt sich gegenüber ein Bau mit rundlicher Kuppel. Mancherlei Schätze finden sich hier in sinniger Ordnung."

1902 Trabrennplatz
Ministerialrat Maximilian Freiherr von Washington und sein Sohn k.u.k. Rittmeister George von Washington (1856-1929), direkte Verwandte des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, leben in der Auersperggasse 8 in Graz 1903 Rittmeister George Freiherr von Washington

Durch den Abbruch des Palais Wagensperg, der späteren Färberkaserne, ensteht der Färberplatz.

Im Oktober 1904 weilt der mehrfach wegen Diebstahl, Betrug und Hochstapelei zu Arrest verurteilte Autor der Abenteuergeschichten um Old Shatterhand und Winnetou, Karl May im Hotel Gärner (später Baumann) in Leoben, wo er einen Ehrenbeleidigungsprozess gegen den Benediktinierpater Willibrord Beßler aus dem Stift Seckau führt.

 

1904

Zu Weihnachten 1905 ertönt erstmals das vom Großhändler Gottfried Maurer gestiftete Glockenspiel am Fliegenplatz. Zwei Steirerfiguren tanzen zu von einer Spielwalze und 24 Glocken erzeugten Liedern.

1905 Glockenspielplatz Fliegenplatz Glockenspiel
Im Herbst wird der Neubau der Grazer Handelsakademie in der wiesengrünen Grazbachgasse eröffnet, es findet die erste Grazer Herbstmesse in der Industriehalle statt und im Oktober landet auf dem von einem Exerzierplatz zu einem Flugfeld umgestalteten Thalerhof das erste Flugzeug.

1906

Handelsakademie Thalerhof
Frühlingsfest Cinematograph Graz

Herbstmesse Industriehalle Vergnügungspark

Johann Puch (Janez Puh) erzeugt die ersten Fahrräder und Autos.

Puch Puch.MotorradPuch.Motorwagen
Eggenberg Damen Bicycle Club Puch Styria Puch
Wienerstraße Volksbad 1907 Turnhalle Finanz Hilmteich
1907 gelingt dem Priester und Lehrer für Physik und Mathematik August Musger am Fürstbischöflichen Knabenseminar die Erfindung eines „Serienapparat mit Spiegelrad“ mit der besonderen Möglichkeit, in Zeitlupe aufzunehmen.

Musger

In der Herrengasse wird nach Plänen von Josef Hötzl das Palais der "Steiermärkischen Escomte Bank" gebaut.

„Auf der Grazer Universität haben sich wieder einmal die Studenten geprügelt. Es ging um Band und Mütze und vor allem um den Schläger. Die freiheitlichen Studenten sagen: ‚Die Carolinen dürfen keine Schläger tragen, weil sie sich nicht schlagen.‘ “ Peter Rosegger beruhigt: „ Wäre ich Caroline, ich würde in der Verbindung eine Rede halten: ‚Kommilitonen ! Höret einmal. Der Heger geht mit dem Gewehr in den Wald und schießt nicht. Der Beamte geht mit dem Degen auf die Straße und sticht nicht. Also geht auch der Caroline mit dem Schläger auf die Universität und schlägt nicht. Das ist doch alles nur Symbol.‘ “

Das öterreichische Schifffahrtsunternehmen Lloyd baut in Triest das Passagierschiff "Graz".

1908 Graz Lloyd
Auf dem Grazer Trabrennplatz starten die Brüder Anatol und Alexander Renner den ersten Flugversuch mit dem von ihnen konstruierten lenkbaren Luftschiff "Estaric I". Der zwar nicht übermäßig lange Flug dieser ersten fliegenden Zigarre der Donaumonarchie gestaltet sich trotzdem zu einer Sensation, so dass der Versuch wenige Tage später vor dem Kaiser wiederholt wird.

1909

Renner Renner Renner

An der Südbahn im Westen entstehen ausgedehnte Industrie- und Arbeiterviertelt.

1910

Schloßberg Schloßberg

  Liesl Pfeifferbüchsl Schweizerhaus
Hauptbahnhof Hotel International Wanzenburg CA Sporgasse Goldene Birn Deutsches Ordenshaus Schillerplatz

Dorotheum
Englisches Haus (später Dorotheum) und Haus zu Stadt Triest (später Steirerhof) am Jacominiplatz.
1911 Jakominiplatz
Bürgermeister M. Robert v. Fleischhacker (1912-14).

Nach Plänen von Adolf Rossmann Jugendstil-Neubau des Landeskrankenhauses am Schönborner Grund beim Leonhardplatz, der das zu klein gewordene Paulustorspital im Palais Wildenstein ablöst. Mit seinen 35 Pavillons in hervorragenden Waldlage ist es modernst und größte Krankenhaus Europas.

Herausgabe des Büchleins "Graz im Jahre 2000. Nach den Angaben des Sehers Jul. Verne herausgegeben von Werter Dachsteiner"

1912

Fleischhacker Wildenstein Landeskrankenhaus

Schoenau Fischplatz   Kaiser-Josef-Platz Karmeliterplatz Geidorfplatz

Nach der Ermordung von Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am 18. Juni in Sarajevo erklärt Österreich am 28. Juli den Krieg. Am Franzensplatz und in der Herrengasse sammeln sich die Regimenter zum Abmarsch an die Front.

Im Mai nimmt die k.u.k. Fliegertruppe mit einer Maschine vom Typ "Etrich-Taube" in Graz den Flugbetrieb auf.

1914 Thronfolgerehepaar in Sarajevo Franzensplatz Herrengasse

Aus allen Teilen des Reiches treffen über 30000 Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, wie hier 1767 Ruthenen in Abtissendorf, ein und werden im Zvilinternierungslager am Thalerhof inhaftiert, misshandelt und liquidiert oder sterben an Krankheitsepidemien.

1915 Rutenen Thalerhof

Die bereits 1164 von Markgraf Otakar III. dem Zisterzienserstift vermachte Liegenschaft des "Gartls im Sack" wird zum neuen Schloßbergplatz umgebaut und zusammen mit dem von russischen Gefangenen errichteten, 260-stufigen Kriegersteig (Russensteig) am 1. Juni eröffnet.

 

1916 Russensteig Garnisonsmuseum
Das bosnisch-herzegowinische Grazer Infanterieregiment Nr. 2, das Eliteregiment der k.u.k. Armee in ihren auffallenden Uniformen mit rotem Fez und lichtblauen Bundhosen, hat in der Dominikanerkaserne seine Unterkunft. Am 7. Juni erstürmt es erfolgreich den Monte Meletta-Fior. Das Kümmelgebäck "Bosniakerl" erinnert an sie. Bosniaken Bosniaken k.u.k.Armee
Mit dem Tod von Kaiser Franz Joseph am 21. November 1916 wird Karl I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn. Karl.I.
Bürgermeister M. Adolf Fizia (1917-19).
Der gebürtige Grazer und spätere Österreichische Generalmusikdirektor Karl Böhm absolviert von 1917 bis 1921 in Graz das Jusstudium und erhält hier seine erste Musikausbildung.

1917

Fizia Karl Böhm

In der romanhaft verkleideten Selbstbiografie „Der junge Dichter“ hängt Rudolf Hans Bartsch seiner in Graz verbrachten Jugendzeit nach: „Die Stadt Graz ist, was Liebesangelegenheiten angeht, vielleicht die bewachteste aller Städte der Erde. Aber nirgends gibt es so viele Abenteuer. Eben wegen des Reizes der Bewachung. Da sind Tausende von Pensionisten zusammengekommen, die ihr Leben lang mit Töchtern umherwandern gemußt hatten, von einer Garnison und von einem Posten zum andern. So schauen aus den Fenstern von Graz unsagbar viele alte Jungfern und enttäuschte Mütter, teils weitsichtig, teils mit Operngläsern auf das, was sich dort die Jugend erlaubt und was ihnen zeitlebens unerlaubt geblieben ist. Boccaccio blieb fortan ein Fastenprediger gegen diese Geschichten. Dazu mischen sich in Graz drei Frauenrassen: Der alpenländische, blonde und schwere Schlag, großfüßig, gesund, lebensfroh, mäßig, sittsam. Dann die neu emporkommende südslawische Rasse; schwärmerisch, neugierig, entweder schon belehrt oder voll schwelender, dukler Ahnung. Endlich das viele italienische Blut. Dämmerblasse Haut, zierliche, feine Gelenke, das schmale Becken der Mittelmeerrasse mit dem beweglichen Schmiß alter Kultur. Da ist Biegsamkeit bis zur Unmmerklichkeit verfeinerter Koketterie drin. Diese beiden südlichen Rassen haben träumerische oder laszive Augen und eine ewige, innerlich kochende Unerlöstheit. Sie leben, aus den Fenstern und im Korso, dem ‚Erlebnis‘ nur so entgegen. In solche Schätze hinein sind die vielen, vielen Studenten gesetzt.“

Proklamation der 1. Österreichischen Republik am 12. Oktober 1918 auf dem vom Franzens- zum umbenannten Freiheitheitsplatz.

Landeshauptmann Dr. Wilhelm Edler v. Kaan (1918-19).
Mit Martha Taus gehört die erste Frau dem steirischen Landtag an.
1918

1.Republik KaanLandesversammlung Martha Taus

Im Herbst, am 29. September, bringt der Kommandant des Landsturm-Bezirkskommandos Nr.26, Major Rudolf Majster, das von Laibach über Agram bis nach Friedau reichende steirische Unterland in seine Gewalt, um es dem nach dem Zerfall der Donaumonarchie gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen anzuschließen. Am 1. November bemächtigt er sich des Stationskommandos in Marburg.
Trotz der Einsprüche der Steirer bei den Friedensverhandlungen in St. Germain, ziehen die Alliierten die Grenze entlang der Mur.

Marburg Radkersburg

Vinzenz Muchitsch, der erste sozialistische Bürgermeister (1919-34).

Anton Rintelen ist der erste Landeshauptmann, der von einem frei gewählten Landtag gekürt wird.

1919 Muchitsch Rintelen Heimkehrer

Ernst Klein schreibt in seinem Pornoroman: "Graz, die reizende Alpenstadt, die zugleich eine Großstadt und ein Garten genannt werden kann."

Die Ferdinandbrücke wird in Keplerbrücke umbenannt.
Die Weinzöttlbrücke 1922 neu erbaut.

In Graz existieren etliche Kaffeehäuser: das Cafe Promenade in der Erzherzog-Johann-Allee, das Operncafe und Cafe Schuster-Columbia am Opernring, die Cafes Kaiserhof, Europa und Herrenhof (Thonethof) in der Herrengasse, das Nordstern am Hauptplatz oder das Cafe Rosegger und der Österreichischer Hof in der Annenstraße.

Die Tochter des Wiener Soziologen Theodor Herzl, Mira Harwtig-Spira, heiratet den Grazer Anwalt Robert Spira und übersiedelt nach Graz-Gösting. 1938 muss das Paar nach London emigrieren, kehrt 1948 in die Steiermark zurück, um abermals nach London auszuwandern, wo die Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Malerin 1967 stirbt.

1921 Cafe Schuster-Columbia Kaiserhof Herrenhof
Herrenhof Cafe Rosegger
Am Damm Mur Mira Hartwig-Spira   Kälbernes Viertel Radetzkybrücke Augarten

 

Als Antwort auf die 1920 gegründeten christlich-sozialen "Heimwehren" wird 1923 paramilitärische Organisation des "Republikanische Schutzbundes" der Sozialisten ins Leben gerufen.

1923

Heimwehr Schutzbund

Chemieprofessor Fritz Pregl holt mit seiner Arbeit "Mikroanalyse organischer Substanzen" erstmals den Nobelpreis nach Graz. Pregl

Im August tritt im "Schwimm-Hippodrom" der Militärschwimmschule am "Deutschen Bund" der Olympiasieger Johnny Weissmüller an, der kurz zuvor als erster Mensch die 100m Freistil unter einer Minute geschwommen war und später als berühmtester Tarzan-Darsteller in die Filmgeschichte eingeht.

In einem Brief an seine Frau schreibt der Dichter Anton Wildgans: „Heute bin ich vom Rosenberg über die Obere Platte nach Maria Trost gegangen. Es war ein herrlicher Herbsttag, kühl und infolge der Sonne doch warm dabei. Diese Gegend ist einzig in ihrer Schönheit. Ich kann sie nur mit der Umgebung Neapels vergleichen. Überall wachsen in Gärten und Wäldern Edelkastanien, und eine zweite Sommerflora bedeckt die tief und saftig grünen Wiesen. Nur wenige Bäume sind schon herbstlich gefärbt, alles andere ist noch sommerlich grün.“

1924 Militär-Schwimmschule Weissmüller
Schwimmunterricht im Josef-Kodella-Bad ("Bad zur Sonne"). Josef-Kodella-Bad Bad zur Sonne
Refrain des Studentenliedes von Oskar Walzel: "Student sein in Graz, wenn der Flieder blüht, Student sein in Graz, wenn das Weinlaub glüht, wenn im Herzen die feurige Jugendlust brennt, Student sein in Graz, Student sein in Graz." 1925 Korporierte
Aufgrund einer Intervention der Landtagsabgeordneten Frieda Mikula darf der steirische Panther nur mehr aus dem Rachen speien, während bei seinem Grazer Artgenosse nach wie vor aus allen Körperöffnungen Feuerzungen schlagen. 1926 Steiermark Graz
1927-1953 Fürstbischof Ferdinand Stanislaus Pawlikowski 1927 Fuerstbischof.Pawlikowski

800 Jahre Graz

Bau des Hotels International in der Strauchergasse (heute Arbeiterkammer).

1928 800 Jahre Graz
Schloßbergvisionen 1930 Schloßberg
Mehlgrube Inzaghi Schlossergasse Bürgergasse Herrengasse Lendplatz Ursulinenkloster
Der Grazer Chemiker Herbert Hönel erfindet 1930 den wasserlöslichen Einbrennlack Resydrole, in dessen Folge er in Werndorf das größte steirische Chemieunternehmen, die Kunstharz-Fabrik Vianova, gründet.

Ing. Friedrich Schmiedl schießt am 2. Februar mit der von ihm konstruierten ersten Postrakete „V7" 102 Poststücke vom Schöckl ins nahe gelegene St. Radegund, wo diese, an einem Fallschirm hängend, wohlbehalten landen.

Der Gründungsvater und langjährige Leiter des Steirischen Heimatschutzes, Dr. Walter Pfrimer, versucht im September 1931 in einem gescheiterten Staatsstreich, dem Pfrimer-Putsch, in Österreich eine „Heimwehrregierung“ an die Macht zu bringen.

1931 Friedrich Schmiedl Pfrimer Pfrimer Heimwehr
Gösser Bräu 1933

Zinsendorfgasse Annenstraße Jakominiplatz

Bürgermeister Hans Schmid (1934-38).
Unter Landeshauptmann Alois Dienstleder erfolgt die von Kanzler Engelbert Dollfuß diktierte Umwandlung vom demokratischen zum berufsständischen Landtag; es dominiert die "Vaterländische Front".

Der Arbeiterführer Koloman Wallisch, Kommandant des Republikanischen Schutzbundes, wird am 19. Februar in Leoben gehenkt.
1934 Schmid Dienstleder Kolloman.Wallisch
In der Heimatstadt von Admiral Tegetthoff, in Graz, am 16. November in Anwesenheit von Bundespräsident Miklas Wiederaufstellung seines Denkmals aus Pula. Später auch die Tegetthoffbrücke, der Tegetthoffplatz und die Lissagasse seinen Namen. 1935 Tegetthoff

Die Nobelpreisträger Viktor Hess, Otto Löwi und Erwin Schrödinger lehren an der Karl-Franzens-Universität.

Als propagandistisches Werk nationalsozialistischer Ideen ist der Roman „Volk und Amboß“ von Sepp Dobiasch anzusehen: „Zur großen Industriehalle strömten Menschen, die den Festabend der Bezirksorganisation der NSDAP besuchen wollten. Politische Versammlungen waren verboten, nur geschlossene Gesellschaften geladener Gäste erlaubt. Rasch füllte eine Gesellschaft von über 4000 Personen den riesigen Raum. Ein mächtiges Hakenkreuz grüßte über die Bühne, links und rechts davon standen junge SA-Männer in weißen Hemden in Reih und Glied. Die Musik spielte des Deutschlandlied. Brausend, mächtig wie ein Chor des Volkes selbst, erfüllte die Hymne den hohen Raum, der mitzuschwingen schien im Gesang eines ganzen Volkes, das bereit war und willig zu einem großen, festlichen Aufbruch.“

1936 Viktor Hess Löwi Schrödinger
  1937 Annenstraße Annenstraße Oberer Sack

Am 20. und 24. Februar 1938 finden in Graz nationalsozialistische Großkundgebungen statt. Bei letzterer besucht auch Generalfeldmarschall Hermann Göring Graz.

Das Zusammentreffen des Sicherheitsministers Seyß-Inquart mit dem volkspolitischen Referenten der Vaterländischen Front für Steiermark, Prof. Armin Dadieu, am 1. März im Parkhotel in der Merangasse wird zu einem Pro-Hitler-Deutschland-Aufmarsch genutzt. Mit dem Besuch des NS-Innenministers Seyß-Inquart wird der "Hitler-Gruß" und das Tragen des Hakenkreuzsymbols in Graz erlaubt.

1938

 

Seys-Inquart Seyß-Inquart Hauptplatz Fackelzug
Am Tag nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich, am 13. März feiern tausende Grazer am Hauptplatz und in der Herrengasse den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Stadt.der.Volkserhebung Hauptplatz 13.3.1938.Oper
Der "Führer" kommt zu einer Kundgebung in der Weitzer Waggonfabrik in Graz.
"Schwere dunkle Bomber, Stukas und Transportmaschinen dröhnten über der Steiermark Richtung Thalerhof bei Graz. Der strahlend blaue Frühlingshimmel ließ die Geschwader gespenstische Schatten über das Land werfen. Sie kamen, triumphal begrüßt, aber man spürte, wieviel Unheil von diesen fliegenden Kriegsmaschinen ausgehen könnte. Auf dem Thalerhof landeten sie sekundengenau; und die Grazer streuten den Fallschirmjägern Frühlingsblumen auf den Ring, über den sie dann defilierten. Unter den Deutschen wurde dieser Feldzug bald nur noch der 'Blumenkrieg' genannt.
Auch Hitler kam am 3. April nach Graz. Auch ich wollte ihn sehen und stand über vier Stunden lang vor dem Landhaushof, bis er nach einer Triumpffahrt eintraf: Das dumpfe Brausen der Heilrufe kündigte sich schon von weitem an, verstärkte sich, je näher er kam, orkanartig. Als er den altehrwürdigen Hof betrat, herrschte totale Stille - nur seine Schritte hallten auf den steinernen Platten. Er war schlanker, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Seine marmorne Blässe fiel mir auf und sein scharfer Blick, den selbst der noch spürte, über den er hinwegging. Ein unheimlicher Ernst umgab diesen Mann, der sich offensichtlich dazu auserwählt fühlte, in die Geschichte einzutreten. Wie ein Magier wirkte er - vielleicht hätte man im gottnahen Mittelalter das Dämonische früher an ihm erkannt..." (Hans Dichand)
Nicht zufällig wählt Hitler für den Auftakt zu seiner Ostmarkfahrt am 2. April Graz, die "Stadt der Volkserhebung", aus. Die Stadt verwandelt sich in ein nationalsozialistisches "Gesamtkunstwerk". Jedes Detail, von der Lichtregie über die Beflaggung, die Lautsprecher, die Bühnentechnik bis hin zur triumphierenden Musik, ist penibel geplant. Es ist schul- und arbeitsfrei. Zehntausende werden mit Sonderzügen und Bussen nach Graz gebracht. Am Abend tritt er in der riesigen Montagehalle der Waggonfabrik Waagner-Biro auf. Über seinem Portrait prangt der Aufruf "Dein 'Ja' für den Führer!". Das "Interessante Blatt" schreibt in einem Sonderbildbericht: "Vor der festlich geschmückten Grazer Bahnhofshalle empfing ein Orkan der Freude den Retter Österreichs, als der Führer Grazer Boden betrat. Der Führer grüßte mit erhobener Hand, im Wagen stehend, und eine überschäumende Begeisterung erfasste die Menschen, die ihren Führer, der aus ihrer Heimat stammt, zum ersten Mal sahen."

Stuka Anschluss Hitler
2. April 1938 Hitler in der Jahngasse 3.4.1938.Hitler.in.Graz 3.4.1938.Hitler
Hitler-Helfrich-Dadieu Weitzer.Waggonfabrik Hitler

Am 10. April stimmen 99,87% der Steirer für den Anschluss an das Deutsche Reich. Volksabstimmung Wahllokal
Hitler ernennt am 22. Mai den SA-Brigardeführer Dr. Siegfried Uiberreither zum Gauleiter und später auch zum Landeshauptmann.
Oberbürgermeister der Gaustadt Graz wird der Rechtsanwalt Julius Kasper (1938-45). Als er sich nach Kriegsende dem Befehl Uiberreithers, die Hauptbrücke zu sprengen, widersetzt, wird er erschossen in Vorstadt aufgefunden.

Uiberreither Dr. Siefried Uiberreither Julius Kasper

Am 25. Juli wird bei der Siegesfeier am Bismarckplatz der "nationalsozialistischen Helden" des Juliputsches von 1934 gedacht. In Anerkennung um die Verdienste der Steiermark und Graz um den Nationalsozialismus verleiht der Führer der Stadt den Ehrentitel "Stadt der Volkserhebung". Der Hauptplatz heißt jetzt "Adolf-Hitler-Platz", der Franzensplatz jetzt "Freiheitsplatz".

Uhrturm Siegesfeier Adolf-Hitler-Platz

In der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November kommt es in Graz zur Zerstörung jüdischer Einrichtungen. Die Synagoge am Grieskai und die Zeremonienhalle auf dem Zentralfriedhof werden niedergebrannt.

Synagoge zerstörte Synagoge Zentralfriedhof

Im April werden 250 Juden in das KZ Dachau deportiert.

Im Juni wird der steirische "Gautag" in Graz abgehalten.

1939 Juden.Deportation Lisl.Transport Gautag

Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Generalleutnant Dietl am 12. Juli im Rathaus in Anwesenheit von Uiberreither, Dadieu, Mueller-Haccius und Portschy.

Wärmestube in der Zinsendorfgasse.

1940 Dietl Wärmestube
Adolf Hitler besucht am 26. April Graz. 1941 Hauptplatz Hitler in Graz Hitler
Der Maler und Grafiker Heinz Reichenfelser wird Leiter der Sezession. Er gestaltetet einen Gobelin-Entwurf mit dem ursprünglichen Titel „Graz - Stadt der Volkserhebung, Bollwerk gegen den Südosten".
SA-Brigardefuehrer Franz Steindl ist Bundesführer des Steirischen Heimatbunges.
Heinz Reichenfelser Bollwerk gegen Südost Franz Steindl
Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels in der Herrengasse.
Eröffnung des Gaustudententages im Kammermusiksaal.
1942 Goebbels Gaustudententag
Über 400 Strafgefangene beginnen am 9. August mit dem Bau des Luftschutzstollen im Schloßberg. Nach Abschluss der Arbeiten 1944 bietet die 5 km lange, 17000 m2 große mit 20 Eingängen bestückte Anlage für 50000 Menschen Platz. Es gibt eine eigene Säuglingsstation, einen gekachelten Gauleiterstollen und sogar einen Bordellstollen mit separatem Eingang am Kaiser-Josef-Kai.
Neben dem Schloßbergstollen werden noch in den Kalvarienberg (314m langer Stollen für 3000 Personen), den Plabutsch und den Buchkogel Luftschutzstollen geschlagen.
1943 schlossbergstollen Schloßbergstollen Schlossbergstollen

Seit 1943 überfliegen alliierte, aus Italien kommende Bomber das Land, bis am 16. Oktober auch in Graz erstmals die Sirenen heulen und schwere Schäden entstehen. Fast täglich erfolgen jetzt Angriffe, der schlimmste am 1. November um 11.43 Uhr mit 382 Toten. Am 1.12. sterben 165 bei einem Luftangriff, am 19.Februar 1945 270 Menschen. Der letzte Großangriff auf Graz erfolgt in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, am 2. April 1945, der 62 Tote fordert.
Von April 1941 bis April 1945 werden von den Alliierten insgesamt 54 Bombenangriffe geflogen, bei den etwa 1980 Menschen getötet und 2000 verwundet werden sowie 45% aller Gebäude der Stadt zerstört.

1944

Luftangriff Bombardement Bahnhof Bahnhof Gösting

 

Weitzer Annenstraße Arbeiterkammer Bürgergasse Bischofsplatz

Opernhaus Hans-Sachs-Gasse Herz-Jesu-Kirche

Im Grazer Landesgericht in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße werden von August 1943 bis Februar 1945 156 NS-Gegner, vor allem Kommunisten, Katholiken und Bauern hingerichtet.
Zwischen 2. April und 2. Mai werden auf Weisung von Gauleiter Uiberreither unter Gestapo-Kriminalkommisar Adolf Herz 219 jüdische Ungarn, Zwangsarbeiterinnen sowie österreichische Widerstandskämpfer durch 16jährige holländische Freiwillige erschossen und in Bombenkratern der Belgierkaserne verscharrt. Als der SS-Kasernenkommandant Wilhelm Schweitzer von der Front zurückkehrt, lässt er die Leichen ausgraben und in ein Massengrab am Feliferhof bringen.

Zelbur, Stepan und Gorbach als Gefangene im Konzentationslage Mauthausen.

1945

Schafott Adolf Herz Zelburg.Stepan.Gorbach
Das ursprünglich 1940 für umgesiedelte Volksdeutsche zwischen Kasernstraße und der Mur mit 190 Baracken errichtete Lager V wird im April 1945 für rund 400 ungarische Juden zur Zwischenstation auf dem Weg vom Bau des Südostwalls nach Mauthausen, wobei 46 ihrer Kranken erschossen werden. Im "Liebenauer Prozess" 1947 wird der dafür verantwotliche Lagerleiter Nikolaus Pichler zum Tode veruteilt und gehenkt. Südostwall Lage V Liebenaue Pozess
Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai und damit dem offiziellen Ende des 2. Weltkrieges, marschieren in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai russische Truppen, von der Ries kommend, im Osten von Graz ein. Die Stadt wird von fünf Mächten besetzt: den Sowjets, Briten, Amerikanern, Jugoslawen und Bulgaren.

Russeneinmarsch Figl.Krainer ussen

Erst am 23. Juli übernehmen die Engländer als einheitliche Besatzungsmacht das Land. Im Grazer Rathaus bezieht der britische Kommandant Colonel Alex Wilkinson Stellung. Hauptplatz Briten Militärregierung
Univ.Prof. Engelbert Rückl (1945) wird von Eduard Speck (16.5.1945-31.1.1960) als Bürgermeister abgelöst.
Bei den ersten freien Wahlen nach dem Krieg am 25. November wird Anton Pirchegger zum Landeshauptmann gewählt. Seine Stellvertreter sind Reinhold Machold und Tobias Udier.

Rückl Speck Pirchegger

Heimkehrer.
Ansturm um Brot in der Sackstraße.
Park-Cafe im Stadtpark.

1946 Heimkehrer Sackstraße Stadtpark
1948-1971 Landeshauptmann Josef Krainer I. 1948 Josef Krainer Landtag

Schilfahren auf der Platte.

Steirischer Rundfunk.

1950 Platte ORF
Inthronisation von Diözesanbischof Dr. Josef Schoiswohl (1954-1969) am 19. März in Anwesenheit von Erzbischof Rohracher und Fürstbischof Pawlikowski. 1954 Bischof.Josef.Schoiswohl Bischof Schoiswohl
Am 20. September verlässt der letzte fremde Soldat, ein Brite, die Steiermark.

1955

 

Am 16.November läuft die Serienproduktion des Puchautos an.

1957

Steyr-Puch 500

Bürgermeister Gustav Scherbaum (9.2.1960-24.4.1973)

Griesplatz.
1960 Scherbaum Griesplatz
Nikita Chruschtschow in Graz. 1961 Chruschtschow
Ab 1963 fliegt die AUA mit einer Junkers F13 von Wien über Graz nach Klagenfurt. 1963 Flughafen Graz-Thalerhof Graz-Thalerhof
Arnold Schwarzenegger, Robert Seeger, Günter Ziesel 1964 Schwarzenegger Ziesel
Für den Neubau der Hauptbrücke wird die alte Brücke samt den murseitigen Fleischbänken des "Kälbernen Viertels" abgerissen. 1965  

Vor dem Grazer Dom: Schoiswohl, Ratzinger, Kapellari.

Auf Initiative von Kulturpolitiker und Volkskundler Prof. Hanns Koren wird der "steirische herbst" als Kulturfestival der Avantgarde ins Leben gerufen. Zuvor hat er schon das "Erzherzog-Johann-Gedenkjahr", das Freilichtmuseums in Stübing, die Steirischen Akademie, die Dreiländer-Ausstellung TRIGON, das Forum Stadtpark sowie die Reihe von großen Landesausstellungen initiiert.

Prinzessin Djavidan Hanum stirbt am 8. August. Als "May Török" eines ungarischen k&k-Offiziers und der österreichischen Adeligen Vetter von der Lilie in Philadelphia geboren, lebt sie unter anderem auf Schloss Waasen bei Graz, heiratet als "Hanum-Effendi" den türkischen Vizekönig von Ägypten, gründet nach der Scheidung ein Schönheitsinstitut in Wien, wird Pianistin, Komponistin und Schriftstellerin und lernt den ehemals zaristischer Offizier Simon Kulatschkoff kennen, mit dem sie als Malerin bei Nachfahren des Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall auf Schloss Hainfeld und schließlich in Graz lebt. Eine Gedenktafel am Haus ihres letzten Wohnsitzes am Wittekweg 7 in Graz erinnert an die Künstlerin: "Geboren in den USA, aus ungarischem Adel,
heiratete sie einen ägyptischen Prinzen. Sie befreite sich aus Zwängen und zugedachten Rollen, sie schrieb und musizierte, sie komponierte und malte, war Weltbürgerin in Graz."

1968

Schoiswohl, Ratzinger, Kapellari Hanns Koren Hanum.Djavidam

Franz Nabl schildert präzise das Treiben am Grazer Fetzenmarkt: „Fast in einer Geraden von Nord nach Süd durchschneidet der Fluss die Stadt. Jahraus, jahrein sputet er sich dahin mit trübbraunen, grämlichen Wellen, kein freundliches Bild zwischen den grünen Böschungen, und kaum mag man glauben, dass er einmal ein durchsichtiges Gebirgswasser war und dass die edelsten Fische, Forellen, Äschen und Huchen sich’s in ihm wohl sein ließen. Viermal im Jahr aber spielte sich an seinem rechten Ufer ein eigenartiges Stück Grazer Lebens ab. Der Mittfastenmarkt am Freitag und Samstag nach Mittfasten, der Portiunkulamarkt am 1. und 2. August, der Ägydimarkt am 1. und 2. September und der Andrämarkt am 30. November und am 1. Dezember. „Fetzenmarkt“ nannte sie das Volk, und dieser ein wenig abschätzige und doch alle Grazer anheimelnde Name ist ihnen geblieben bis auf den heutigen Tag. Zum Teil aus Privilegien aus der Mitte des 15. Jahrhunderts rühren sie her und enthüllen ein buntes, seltsames Treiben noch vor Jahrzehnten. Wohl boten auch früher schon berufsmäßige Marktfahrer auf ihnen ihre Dutzendware feil und schlugen sie an den meist vom Lande herbeiströmenden bäuerlichen Besucher los. Das Besondere jedoch waren nicht die üblichen Verkaufsbuden. Auf vielen Tischen oder auch nur auf über die Erde gebreiteten Tüchern mochte jedermann seinen in Rumpelkammern oder auf Dachböden angesammelten, unbrauchbaren Kram, altes Geschirr, verrostete Eisenteile oder Werkzeuge, ja selbst Bücher und Bilderrahmen ausbieten, um vielleicht doch noch ein paar Groschen daraus zu lösen, bevor die fragwürdigen Dinge dem Feuer oder der Müllabfuhr überantwortet wurden.“

Beim Training zum GP von Italien in Monza am 5. September verunglückt Jochen Rindt mit seinem Lotus beim Anbremsen in der Parabolica und stirbt noch im Rettungswagen an den Folgen seiner schweren Verletzungen
1970 Franz Nabl Jochen Rindt
LandeshauptmannFriedrich Niederl (1971-1980). 1971 Niederl
Bürgermeister Alexander Götz (24.4.1973-21.3.1983) 1973 Götz
Tegetthofbrücke Fischplatz
Neubau Tegetthofbrücke / Kälbernes Viertel: Gasthaus Stadtkeller / Dreigiebelhaus Ecke Landhausgasse Fischplatz (1969 abgerissen) / Jakominiplatz.
1974 Jakominiplatz
Landeshauptmann Josef Krainer II. (1980-95). 1980 Krainer
50 Jahre Manuskripte: Wolfgang Bauer, Günter Eichberger, Klaus Hoffer, Gerhard Roth, Alfred Kolleritsch, Gertrud Leutenegger, Reinhard P. Gruber, Gert Jonke, Helmut Eisendle, Franz Buchrieser, Wolf Dieter Eigner, Jörg Laederach, Daniel Walter. 1981 Manuskripte

Bürgermeister Franz Hasiba (21.3.1983-10.1.1985).

Gemälde von Günter Waldorf anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. am 10. September.

1983 Hasiba Waldorf
Bürgermeister Alfred Stingl (10.1.1985-27.3.2003) 1985 Stingl

Thomas Bernhard in seinem Werk "Heldenplatz: "In Graz leben nur Alte und Dumme", "In Graz ist nur Stumpfsinn zu Hause", "Graz, das Nazinest, die absolute Unstadt"

Draken am Flughafen Graz-Thalerhof.

1988 Draken

Wolfgang Bauer über die „Haring“: „Die Haring war eine Stadt in der Stadt. Der Bürgermeister war meist irgendein Irrer. Außer am Vormittag war die Haring kein gemütliches Platzerl. Obwohl die vielen Fäßlein mit ihren liebevollen Bemalungen eine Art Lieblichkeit verströmten, war der Geist, der in ihnen ruhte, ein unruhiger Geist. Schon beim Öffnen der Eingangstür betrat man eine Art Bühne, glitschige Bretter, die hier die Welt bedeuteten. Man wurde nicht in Ruhe gelassen, denn stets war das beinahe shakespearische Getriebe am Laufen. Da wurde gezupft, gelacht, geschrien, geschimpft, ständig inszenierte irgendein Wahnsinniger eine Posse, dort sang einer eine Arie, und hinten im ‚Dichterstüberl‘ pegelte sich die Phonstärke in Höhen ein, daß eine Heyvy Metal Band vor Neid erblaßt wäre. Die Haring war immer ein Abenteuer, manchmal lästig, aber nie langweilig. Besser als jedes Kino und viel besser als jedes Theater. Man war Zuschauer und Hauptakteur zugleich. Kreatives und Triebhaftes vermischte sich zu einem vulkanischen Cocktail. Alle Augenblicke mußte eine Sensation passieren, jeder Satz war gedrechselt, gezielt. Man stand unter einem fremden Gesetz.“

1995 Wolfgang Bauer
Siegfried Nagl wird am 27.3. zum Bürgermeister gewählt.
Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres wird am 25. September das von den Londoner Architekten Peter Cook und Colin Fournier entworfene Kunsthaus eröffnet.

2003

Nagl Kunsthaus Kunsthaus

Die Hauptbrücke wird in Erzherzog-Johann-Brücke umgetauft. 2009  

Nach wochenlangen Gewittern erlebt Graz am 22. Juli mit einem Pegelstand der Mur von 6,40 Metern ein Jahrhunderthochwasser.

Eröffnung

der Nahverkehrsdrehscheibe am Grazer Hauptbahnhof.

2012 Mur Murinsel Graz Hbhf
Murübergänge: Weinzödlbrücke (1922), Pongatz-Moor-Steg, Kalvarienbrücke (1894), Keplerbrücke (1833), Acconciinsel (2003), Erzherzog-Johann-Brücke (1200), Tegetthoffbrücke (1863), Radetzkybrücke (1735), Augartenbrücke (1977), Friedensbrücke (1926), Eisenbahnbrücke, Rohrsteg, Puchsteg, Puntigamerbrücke (1996), Gasometersteg. 2015
Am 13. Februar 2020 wird in der Einspinnergasse anstatt des Kommodhauses mit dem Cafe Kommod aus dem Jahre 1839 das von der Stararchitektin Zaha Hadid designte ARGOS-Haus eröffnet. 2020
     
     
     

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