Graz und die Steiermark
ihre Geschichte


 
© by Karlpeter Elis

 
Im Paläozonikum entstehen am Äquator Schiefer, Kalk und Dolomit und gelangen durch die Plattentektonik zu uns und bilden Berge wie den Plabutsch, die Rannach , den Rainerkogel oder den Schloßberg.    
An diese Zeit knüpft auch die Sage von der Entstehung des Schöckls: Als sich einige Grazer auf ihrem Hausberg, dem Schöckl, über die Schönheiten des Steiererlandes unterhalten, tritt ein grün gekleideter Jäger hinzu und beginnt die Leute zu verspotten: "Euer Schöckl ist nur ein Zwerg gegen die viel größeren Berge in der Schweiz. Wenn ihr wollt, bau ich euch einen Riesenberg. Aber der erste Mensch, der ihn besteigt, gehört mir." Die Einheimischen lachen über den Pralhans und nehmen sein Angebot sorglos an. Da baut sich ein Unwetter zusammen, Sturm kommt auf, Blitze zucken, Donnerschläge erhallen und der Waidmann verschwindet in einer schwarzen Wolke. Mit Getöse fliegt der Teufel - denn der Grünrock ist niemand anderer - Richtung Süden, nach Afrika. Dort bricht er vom Mondgebirge einen riesigen Felsen und fliegt zurück. Beim Überfliegen des Grazer Feldes sieht er unter sich eine Osterprozession und ihm wird bewusst, dass er an diesem Tage keine Macht über die Menschenseelen besitzt. Voll Zorn schleudert er mit aller Gewalt den Felsbrocken ins Murtal, wo dieser zerbricht und in zwei Teilen am Ufer der Mur liegen bleibt. Der Teufel aber bohrt ein Loch in den Schöcklfelsen und fährt durch dieses in die Hölle. Heute noch ist dieses Wetterloch sowie die beiden Felsbrocken, der Schloß- und der Kalvarienberg zu sehen. 400
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Ausbildung von Lockergesteinen wie Kies, Sand, Silt und Ton, wo in Kalkablagerungen des Pannonischen Meeres Schnecken- und Blattfossilien, wie bei Bohrungen in Puntigam, zu finden sind. 15
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Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen im Gebiet um Graz stammen aus dem Mittelpaläolithikum. Im Wesentlichen handelt es sich um spärliche Funde von Stein- und Knochenwerkzeugen von Neandertalern im Grazer Bergland: in der Repolusthöhle, der Badlhöhle bei Peggau und der Drachenhöhle bei Mixnitz. 80000
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Repoluskhöhle Wolfszahn
In der Drachenhöhle des Röthelsteines bei Mixnitz im Murtal zeugen Reste von Feuerstellen aus der Wurm-Eiszeit zwischen 65000 und 31000 v. Chr. sowie zahlreiche Funde von Steingeräten und Knochen von Höhlenbären - die für Reste von Drachen gehalten wurden und zur Sage vom "Drachentöter von Mixnitz" führten - von der frühen Behausung der Höhle durch Menschen. 60000
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Wechsellagerungen von Murschotter und Sand in den verebneten Flächen sowie Terassenbildungen dokumentieren die diversen Kalt- und Warmzeiten. Aus diesem Zeitabschnitt stammt auch der Fund eines Mammutzahnes in der Münzgrabenstraße.

15000
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Lochsteine, Erdställe und Strebiggäng im Gebiet um Vorau. 10000
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In der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) ist die Zigeunerhöhle bei Gratkorn bewohnt. Ein verzierter Geweihspross zeigt die ältesten Tierdarstellungen der Steiermark.

7500
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Zigeunerhöhle
Bei Ausgrabungen kann in Rein eine der ältesten Bergbaustätten mti zwei jungsteinzeitliche Abbaugruben (= Pingen) aus der Zeit um 4500 v. Chr. freigelegt werden. Familienverbände holten mit Geweihhacken, Knochenschaufeln und Förderkörben aus den bis zu 5 Meter tiefen Gruben den hier vorkommenden, extrem harten Hornstein (Silex) heraus, der sich vorzüglich zur Herstellung von Schneidewerkzeugen, Waffen wie Dolch- und Pfeilspitzen sowie als Feuerstein eignet. 4500
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Hügelgräberfeld mit dem Grab der Asche eiens in einer Keramikurne beigesetzten Mannes aus der Lasinjakultur der Jungsteinzeit am Bockberg bei Wildon. 4230
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Bockberg Wildon Bockberg

Siedlung aus der Kupferzeit auf der Kanzelhöhe nördlich von Graz.

Fund einer zweischneidigen Streitaxt aus Serpentin des Spätneolithikums am Areal des Bischofshofes.

4000
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Kanzelhöhe
Fund einer Tonfigur, der sogenannten Graziella, aus einer Siedlung der Kupferzeit im Pfauengarten in Graz. 3800
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Graziella

In der Jungsteinzeit ist das gesamte südliche Alpenvorland an Lafnitz, Raab, Feistritz, Mur, Mürz und Enns nachweislich recht dicht von bäuerlichen Kolonisten besiedelt.

Siedlungsreste aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) auf dem Buchkogel von St. Johann & Paul in Wetzelsdorf.

3500
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Um 1500 v.Chr. kommen aus dem asiatischen Raum die Kelten nach Europa. Ihre Nachkommen, die Taurisker, auch Älpler und später Noriker genannt, gelangen über Oberösterreich ins Ennstal. Sie sind ein kriegserprobtes Volk mit weißem Antlitz, blauen Augen und langem buschigen Haupthaar, das sie mit einem Kamm nach rückwärts schlagen. Siegreich, schlagen sie ihren Feinden die Köpfe ab, binden diese an den Hals ihrer Pferde und bewahren sie in mit Öl bestrichenen Truhen zu Hause auf. Sie breiten sich immer weiter nach Süden aus, bis sie 225 v. Chr. in der Schlacht bei Telamon (im toskanischen Apennin nahe Rimini) von den Römern besiegt werden. 1500
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Ältestes gefundenes Brandgrab der Steiermark im Innenhof des ehemaligen Karmeliterklosters am Karmeliterplatz. Das Grab enthält eine als Urne verwendetes bikonisches Keramikgefäß mit senkrechten Ritzlinien, das von Steinen eingefasst in einem kubischen Schacht mit ca. 50 cm Seitenlänge steht.

Griffzungenschwert aus Bronze aus einer Grazer Schottergrube.

1300
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Brandgrab

Grabkeramik aus der mitttleren Urnenfelderzeit der Rasentaler Hallstattgräber, eines hallstattzeitlichen Gräberfeldes am Südfuß des Wildoner Schlossberges.

Auch die Funde des 15 km entfernten Gräberfeldes von Kainach-Parz stammen aus dieser Zeit.
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1000
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Rasental Parz
Urgeschichtliche Siedlungsreste einer ausgedehnten, aus Holzhütten bestehenden Siedlung auf dem leicht erhöhten Plateau des Karmeliterplatzes in Graz, das gegen Westen hin in Richtung Schloßberg etwa 2 Meter abfällt. Es können zumindest zwei Besiedlungsphasen belegt werden, die recht gut zu den Gräbern unter der Grazer Leechkirche passen: Pfostenlöcher einer Hütte aus dem Ende der Urnenfelderzeit sowie eine "Hausgrube" aus der Hallstattzeit mit zahlreichen Keramikstücken un einer Feuerstei-Pfeilspitze. 800
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Die wichtigsten Funde aus der späteren Hallstattzeit sind das Fürstengrab der 700 Tumuli (Hügelgräber) am Kröllberg in Kleinklein bei Leibnitz und der Strettweger Opferwagen im Aichfeld.

Einer der 25 Bronzehelme von Negau (Ženjak) nordöstlich von Marburg in dne Windischen Büheln trägt den germanischen Weihetest "HARIGAST TEIVA" (Dem Gotte Heergast). Auch die dabei gefundene Keramik aus Korinth ist dieser Zeit zuzuordnen und zeugt von den schon damnalig weiten Handelskontakten.

Gräberfeld um Großklein.

600
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Strettweg

Die keltische Siedlung der späten Eisenzeit (450-15 v.Chr.) am Ringkogel (Oppidum) unter dem Masenberg bei Hartberg ist das politische und kulturelle Zentrum dieser Landschaft.

Fund eines eisernen Kelten-Schwertes aus der Frü-La-Tene-Zeit (Jüngere Eisenzeit) in einer Schottergrube in der Laubgasse in Garz.

400
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Keltische Stämme aus dem nordwestgermanischen Bereich dringen ein, vermischen sich mit der ansässigen Bevölkerung und gründen das Königreich Noricum mit dem Zentrum auf dem Magdalensberg.

Keltisches Heriligtum "Noreia" auf dem Fauenberg bei Leibnitz.

200
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Da die Kelten aus dem Gebiet der Ostalpen auch anch Oberitalien einwandern, schickt der Senat von Rom eine Gesandschaft mit der Botschaft nach Noricum, dass hinkünftig jedwede Einwanderung über die Alpen zu unterbleiben habe und unerwünschte Einwanderer ohne Zögern sofort wieder ausgewiesen würden (Liv. 39,54, 1ff.) Rom gründet deshalb zur Grenzsicherung 181 v. Chr. die Miltitärkolonie Aquileia. 186
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Auf der Suche nach neuen Siedlungsräumen treffen die ursprünglich in Jütland und Schweden beheimateten gemanischen Stämme der Kimbern und Teutonen im Herbst bei Noreia (Region Pöllau bei St. Marein bei Neumarkt) zum ersten Mal auf die Römer, überfallen das römische Heer und metzlen die Legionen nieder. 24000 Römer finden den Tod. Auf dem Gebiet von Pöllau, einem bedeutenden Fundort für Eisenerz, fanden sich im Höhlensystem des hier versundekenen keltischen Königreiches Noricum, Münzen mit einem Männerkopf und dem Schriftzug "Atnamech", des sagenhaften Königs eines Geisterheeres. 113
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Der keltische Ort Kelea (es existieren mehrere, der Landesgöttin Isis Noreia geweihte Orte; einer davon nördlich in den Windischen Büheln) im Königreich Noricum wird 46 n.Chr. nach 60-jähriger Okkupation unter Kaiser Claudius mit dem lateinischen Namen Celeia (Cilli) römische Provinz und zum Municipium mit eigenem Stadtrecht erhoben. Celeia liegt an der Bernsteinstraße von Aquileia nach Pannonien und wird im Süden durch die Drau, im Norden durch das Verwaltungsgebiet Flavia Solva und im Nordwesten durch Virunum begrenzt. Mitte des 4. Jahrhunderts wird es Bischofssitz. 976 kommt Celeia zum neu gegründeten Herzogtum Kärnten.

46

ObeDie im Leibnitzer Feld an der Einmündung der Sulm in die Mur gelegene Siedlung Solva erhält von Kaiser Flavius Vespasianus (69-79) das Stadtrecht als Municipium und heißt jetzt Flavia Solva (Wagna). Sie ist Zentrum der römischen Provinz Noricum; ihr Verwaltungsgebeit schließt auch Graz ein.

Ab Beginn des 1. Jahrhunderts überziehen die Römer zur militärischen und wirtschaftlichen Durchdringung den österreichischen Raum mit einem Netz von Straßen. Von besonderer Bedeutung ist der schon seit Urzeiten bekannte Handelsweg der Bernsteinstraße, welcher unter Umgehung des Berglandes, von Aquileia ausgehend, durch die Ebenen von Pannonien über Poetovio (Pettau), Savaria (Steinamanger) und Scarabantia (Ödenburg) bis nach Carnuntum und weiter zur Ostsee verläuft. So verläuft auch am Westrand des Grazer Feldes vom Süden nach Norden eine Römerstraße, von der in Eggenberg eine Handelsstraße in den Osten (strata vngarica), nach Savaria abzweigt. Für weitere Handelswege gibt es zusätzlich etliche kleinere Nebenverbindungen, wie durch dasSulmtal über den Radlpass, über den Perschauersattel bei Neumarkt nach Monate (St.Georgen bei Judenburg) zum Tauernpass und weiter nach Stiriate (Liezen) und den Pyhrnpass (= kelt. Berg) nach Lauriacum, über den Sölkpass nach Iuvavum, der Mur entlang von Vicesimum (Radkersburg) nach Poedicum (Bruck/Mur) über die Eisenstraße zum Erzberg bzw. durch das Mürztal über den Sermmering oder am Südhang des Schöckls über Hartberg und den Hochwechsel nach Vindobona.ritalien

70
Römerstraßen

In der Nähe der Kirche von St. Leonhard gefundener Römerstein mit einer Grabinschrift des L. Cantius Secundus für sich, seine Gattin Cantia Bonia, Tochter des Iunius, und seine Tochter Cantia Boniata ("L. Cantius / Secundus v f sib / et Cantiae Iuni f / Boniae uxon et / Cantiae I. f Boniatae!) Die Familie stammt vermutlich von Freigelassenen der Familie Cantii aus Aquileia ab.

100

Die aus der südrussischen Steppe kommenden Germanenstämme der Markomannen, Quaden und Jazygen durchbrechen die nördliche Grenze Norikums, überrennen und verheeren Pannonien und dringen bis nach Aquileia und weiter nach Verona vor, bis Kaiser Marc Aurel mit ihnen Frieden schließen kann,

171

Als Marc Aurel in Vindobona stirbt, hält sein Sohn Commodus nicht nur am vereinbarten Frieden fest, sondern ermöglicht zusätzlich die Rekrutierung von Germanen in das römische Heer.

Am Waldrand des südwestlichen Grazer Stadthügel, in der Nähe der alten Fernstraße durch das Murtal bei den Bründlteichen, findet sich ein Hügelgräberfeld der jüngeren Periode mit drei provinzialrömischen Hügelgräbern. Davon ein vollständig erhaltener runder Steinbau in Form eines Bienenkorbes mit einem, "Dromos" genannten, vorgezogenen Steineingang und einer nahezu unversehrten Grabkammer von etwa 2,80 Meter Durchmesser und 1,40 Meter Höhe mit Resten von drei bestattete Personen sowie eine Schale mit Deckel, Scherben eines Bechers und Glasbruchstücke. Außerdem zwei Kupfermünzen, die man dem Verstorbenen zum Bezahlen der Fahrt über den Fluss der Unterwelt mit dem Fährmann Charon in die Hand drückte; eine.aus der Zeit des römischen Kaisers Antonius Pius (138 bis 161 n. Chr.), die andere von Marcus Aurelius für Commodus Caesar aus dem Jahr 175/176.

180

In Charlottendorf, am Rosenberg, in St. Leonhard, in Straßgang (Bründlteich) und am Thalerhof, auf dem Frauenberg (Noreia-Isis-Tempel), in Groß St. Florian (Villa Grünau), St. Johann in der Haide (Hügelgrab) und in Löffelbach bei Hartberg (Ringkogl, Villa rustica) finden sich Reste römischer Wohnungen, Gutshöfe, zahlreiche Grabhühel und Grabsteine, die auf eine dichte Besiedelung dieser zur Provinz Norikum gehörenden Gebiete des Imperium Romanums hinweisen.

200 Römische Villa Thalerhof

Im Zuge der Reichsreform von Kaiser Diokletian (284-305) wird auch die Provinz Norikum geteilt: in das nördliche Ufer-Noricum (Noricum ripense) an der Donau mit der Hauptstadt Ovilava (Wels9 und das südliche Binnen-Noricum (Noricum mediterraneum) mit Virunum am Zollfeld in Kärnten.

Auf der um 330 angefertigten "tabula peutingeriana", einer Rollkarte mit der kartografischen Darstellung des römischen Straßennetzes, ist bereits die Straße von Aquileia über Emona (Laibach), Celeia (Cilli) mit einer Abzweigung nach Viruno (Virunum am Zollfeld), Petavione (Pettau), Sabarie (Steinamanger) nach Carnunto (Carnuntum) eingezeichnet.

300

Am Ostgipfel des Schöckls gibt es in 1423m Höhe eine Kultstätte mit Wandmalereien und einen Weiheplatz, wovon Funde von Armreifen, Haarnadlen, Ringe, Votivfiguren aus Terrakotta, Keramik- und Glasgefäße und 91 ausgegrabene Münzen zeugen. Darunter eine Ritzinschrift "MEN X I CANUS" sowie eine silberne Tetradrachme aus Emesa mit5 dem Bildnis von Kaiser Antonius III. Caracalla.

Unter Kaiser Konstantin kommt es zur Vereinbarung des Toleranzediktes von Mailand, wonach alle, insbesondere die Christen, die Möglichkeit bekommen, ihre Religion selbst zu wählen und frei auszuüben.

313
Die von dem aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres vordringenden zuentralasiatischen Reitervolk der Hunnen flüchtenden Germanenstämme der Samaten, Markomannen, Quaden, Alanen, Vandalen und Ostgoten des Radageis durchziehen plündernd Pannonien, bis die Westgoten unter König Alarich eine Großteil Noricums besetzen. 375

Am Kanzianiberg bei Finkenstein wird in einem Marmorschrein ein Elfenbeinkästchen gefunden, in dem vermutlich die Reliquie eines Heiligen aufbewahrt wurde.

400

MöglichDie Hunnen unter König Attila fallen bei ihrem Zug nach Westen auch 407 in Norikum ein, bis sie nach ihrer Niederlage auf den Katalaunischen Feldern in Frankreich besiegt werden unjd wieder in die Theißeben zurückkehren.

Im Ambraser Heldenbuch wird überliefert, dass König Biterolf von Toledo und sein Sohn Dietleib, die unter der Führung von Rüdiger von Bechlaren zusammen mit Dietrich von Bern (Theoderich der Große) an einem Rachfeldzug für König Etzel gegen die Burgunder nach Worms teilnehmen, vom Hunnenkönig die Steiermark als Lehen erhalten und am Zusammenfluss von Steyr und Enns die Styraburg erbauen.

450

Auf dem Gipfelplateau des 842 Meter hohen Hemmaberges befindet sichj seit römischer Zeit ein keltisches Heiligtum, das zwischen dem späten 4. und dem Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr. Pilger aus dem gesamten Ostalpenraum anzieht. Eine Höhensiedlung In spätantiker Zeit existieren 2 gleichzeitig erbauten Doppelkirchen, eine arianische und eine katholische. An der Stelle des einstigen Altars wurde eine Marmorkistemit einem darin befindlichen Reliquienschrein mit den Gebeinen einer Märtyrerin ausgegraben. Eine Untersuchung ihrer Knochen ergab, dass die am Hemmaberg verehrte Frau in der Zeit der frühen Christenverfolgung im 1. oder 2. Jahrhundert verstorben war; es handelt sich somit um „die älteste Heilige Österreichs“. Im Mittelalter wird auf dem Gipfel die Wallfahrtskirche der hl. Hemma erbaut,

Auf der Bergspitze von Rifnik bei Cilli einfache einschiffige Kirche sowie eine kleine paläochristliche Arianer-Kirche mit einer Apsis.

Auf Befehl des Westgotenkönigs Odoaker (seit 476 König von Italien) verlassen die letzten römischen Truppen die Donauprovinzen, um Rom noch zu retten. Mit sich führen sie den Leichnam des 482 verstorbenen Missionars und Bischof von Lauriacum (Lorch), den hl. Severin von Noricum, um ihn in Luculianum in der Nähe von Neapel zu begraben. 488
Der Ostgotenkönig Theoderich der Große (Dietrich von Bern) dringt mit seiner 150000 Mann starken Armee in das Ostalpengebiet ein und wird Herrscher des Landes, nachdem er in der Rabenschlacht bei Ravenna Odoaker, den anfangs bei Attila in Diensten stehenden und späteren "rex italiae", persönlich erstochen hatte. 493
Nach Theoderichs Tod wird Noricum an die Franken abgetreten, die bairische Herzöge als Statthalter einsetzen. 530
Das 567 aus Asien eindringende Reitervolk der Awaren errichtet im Osten ihr Awarenreich und schließt mit den Langobarden eine Allianz. 567

Nach Abzug der Langobarden aus dem pannonischen Raumum 568 nach Oberitalien siedeln in den Osralpenländern die ersten, aus Karellen (Flachland zwischen Finnland und Schwarzem Meer) kommenden slawischen Stämme, die sogenannten Alpenslawen oder Slowenen. Sie meiden dabei bestehende Überreste antiker Stätten, lassen sich eher entlang von Wasserläufen nieder und benennen alles neu. Durch überlebende Romanen bzw. durch benachbarte Kirchen wie Aquileia bekommen sie erste Kontakte mit dem Christentum, das sich mit ihrem heidnischen Glauben vermischt.. Die Wenden werden ihre Untertanen.

568

Auf der Flucht vor dem in Pannonien einbrechenden zentralasiatischen Reitervolk der Awaren besiedeln die sogenannten Alpenslawen Gebiete der heutigen Steiermark und Kärntens und errichten das Herzogtum Karantanien (Der Name ist vom keltischen Wort "carant" für Freund abgeleitet). Zahlreiche Orts-, Flur- und Gewässernamen zeugen von dieser Zeit (z.B.: Andritz/jendriza=rasch fließender Bach, Weinitzen/vinica=Weingarten, Ragnitz/raknica=Krebsenbach). Rituelles Zentrum ist das Zollfeld, wo auf dem dort aufgestellten "Fürstenstein" - dem Kapitell einer römischen Säule - die residierenden Fürsten eingesetzt werden. Diese Zeremonie der "Herzogsdeinsetzung" folgt einem althergebrachten dreiteiligen Ritus: In Anwesenheit des Pfalzgrafen von Görz nimmt der freie Edlinger Bauernfürst aus dem Geschlecht derer zu Glasendorf auf dem Fürstenstein Platz, begleitet von einem gescheckten Stier und einer Stute sowie dem gesamten Landvolk. In windischer Sprache befragt er den angehenden - in Bauerngewand mit Hirtenstab verkleideten - Landesherrn, ob er frei und christlich geboren sei und ob er das Land beschützen und ein gerechter Richter sein werde. Sind die Fragen mit "Ja" beantwortet, gibt der Bauerr dem Landesherrn einenBackenschlag und macht um 60 Denare und samt den ihm zum Dank geschenktenbeiden Rindern den Platz frei. Der neue Herrscher besteigt den Marmorstein, zückt sein Schwert, schwingt es in alle Himmelsrichtungen und gelobt, ein guter Richter zu sein. Auf dem Pferd umrundet er dreimal den Stein und reitet dann zur nahen Kirche von Maria Saal ("Zoll"), wo er seine Kleider wechselt und mit dem dortigen Bischof die hl. Messe feiert. Nach anschließendem Festmahl begibt er sich zum doppelsitzigen "Herzogstuhl" auf dem Zollfeld, wo auf dem nach Westen gerichteten Thron der Pfalzgraf von Görz, auf dem ostseitigen der Landesfürst ihre Plätze einnehmen. Von dieser Stelle aus, von der Recht gesprochen und Lehen vergeben werden, leistet jetzt der neue Landesfürst mit entblößtem Haupt und zum Schwur erhobenen Fingern den Eid und nimmt die Huldigung der versammelten Landschaft von Rittern und Adeligen entgegen. 590
Der Agilofinger Tassilo I., Sohn des bajuwarischen Herzogs von Baiern Garibald I. und dessen langobardischen Gattin Walderada, wird vom Frankenkönig Childebert über Baiern als "rex" eingesetzt. Mit seinem Heer dringt er ins Land der Alpenslawen nach Karantanien ein und kehrt siegreich und mit großer Beute wieder in das Alpenvorland nach Baiern zurück. 593
Von den fränkischen Königen, den Merowingern Childebert II. und Theuderich II., gefördert, erfolgt unter der Führung des Mönches Columban von Luxeuil (540-615) durch irisch-schottische Perigrin (Wandermönche) die christliche Missionierung Richtung Westen (Alemannen, Baiern). Es kommt zu Klostergründungen in Reichenau, St. Gallen, Mondsee, Chiemsee. 620
Samo, ein fränkischer Händler aus dem Henneland bei Bamberg, kämpft auf Seiten der Slawen erfolgreich gegen die Awaren, wird dafür zu ihrem König erhoben und gründet in Ostmitteleuropa ein slawisches Fürstenreich mit der Hauptburg in Voitsberg, wobei er auch gegen den merowingischen Frankenkönig Dagobert I. siegreich bleibt. 623

Der hl. Amandus, Wanderbischof aus Bouaye bei Nantes predigt den Slawen in Karantanien. 627
Zum Zweck der Mission in den Südostalpen wird 696 mit Unterstützung des Baiernherzog Theodo II. zu Regensburg (680-717) durch Bischof Rupert (650-718) von Worms das Benediktinerstift St. Peter in Salzburg gegründet. Rupert (Hruopert), der "Apostel Baiern", der dem merowingischen Königshaus entstammt, ist der erste Abt des Stiftes und zugleich auch erster Bischof von Salzburg sowie zudem der Landespatron von Salzburg. Von hier aus beginnt er im nördlichen Karantanien mit seiner erfolgreichen Missionstätigkeit. 696
Awarenmark
Der in der Grafschaft Devinshire in nEngland unter dem Namen Wynfret (Winfried) geborene Missionar Bonfiatius (672-754) legt in Nhutscelle (Nursing) sein Gelübte als Benediktinermönch ab und wird 718 von Papst Gregor II. (731-741) beauftragt, als Legat unter dem Namen "Bonifatius" die Kirche in Germanien zu ordnen und insbesondere die arianischen und iroschottischen Gemeinden in die römische Kirche einzugliedern. Das stößt bei den fränkischen Herrschern auf Widerstand, die an einer von Rom weitgehend unabhängigen Kirche interresiert sind. Als dann Bonifatius mit der Neuordnung der bairischen Bistümer beginnt, sterben 741 sowohl Papst Gregor III. als auch der fränkische Hausmeier Karl Martell. Ihnen folgen Papst Zacharias (741-752) bzw. die beiden Söhne Karlmann (741-747) und Pippin III. der Jüngere (714-768) nach, wobei es zwischen Letzteren bald wegen kirchenpolitischer Fragen zu Zwistigkeiten kommt. Während nämlich Karlmann mehr aus religiösen Gründen an der Missionierung heidnischer VGölker interessiert ist und die Reformierung der unübersichtlichen Kirchenstrukturen durch Bonifatius unterstützt, fordert sein Bruder Pippin die Christianisierung durch angelsächsische Mönche, da durch die unabhängige iro-schottische Kirche die Möglichkeit des eigenständigen Einsetzens von Bischöfen für die Karolinger besser gewährleistet erscheint. 745 schickt Pippin deshalb den iroschottischen Abt Virgil (fergil) zu Herzog Odilo von Baiern und setzt ihn mit Zustimmung von Papst Zacharias als Bischof von Salzburg ein, was zu harten Auseinandersetzungen mit Bonifatius führt, der als Parteigänger von Karlmann gilt und dessen Landespolitik vertritt. Virgil behauptet gegenüber Papst Zacharias, dass Bonfatius in Unkenntnis der lateinischen Sprache mit dem falsch übersetzten Satz ""Ich taufe dich im Namen von Vaterland und Tochter und des heiligen Geistes"("Baptizo te in nomine patria et filia et spiritus sancti") taufe, sodass er ein zweites Mal richtig mit "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" ("Baptizo te in nomine patris et filii ...) taufen müsse. Bonifatius wiederum beklagt sich beim Papst, dass Virgil die Wiedertaufe verlange. Zacharias gibt daraufhin Bonifatius das Recht, Virgil wegen des Verdachtes der Irrlehre zu verurteilen. Dieser kann sich aber nicht durchsetzen und Virgil bekommt schließlich vom Papst sogar den Auftrag, die Slawenmission in Karantanien zu organisieren. Auf Bittendes fränkischen Hausmeiers Pippin III. des Kurzen teilt Papst Zacharias dann das karantanische Fürstentum der Salzburger Kirche zu. 743
Von den Awaren bedrängt, ersucht der erste namentlich bekannte Slawenfürst Borouth den Baiernherzog Odilo um Hilfe, die dieser unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fränkischen Oberhoheit gewährt. Zusätzlich werden sein Sohn Cacatius und sein Neffe Cheitumar als Geiseln nach Salzburg gebracht, um sie dort christlich erziehen zu lassen. Karantanien wird damit aus dem östlich-slawischen Einflussbereich losgelöst und der westlich-abendländischen Kultur angeschlossen.
Am 15. Juni 749 wird der hl.Virgil zum Abt des Klosters Sankt Peter und zum Bischof von Salzburg geweiht, nachdem er zuvor bereits die Diözese letete. Virgil wird zum Initiator für die erfolgreiche Christianisierung Karantaniens. Seit damals sind mit kleinen Unterbrechungen der hl. Rupert und Virgil zusammen dier Schutzpatrone der Diözese Graz-Seckau. 749
Nach Borouths Tod um 750 folgen ihm zuerst sein Sohn Cacatius und dann von 752 bis 769 sein Neffe Cheitumar nach. Letzterer ersucht Bischof Virgil von Salzburg um Mithilfe bei der weiteren Christianisierung des Landes, Virgil entsendet den irischen Chorbischof Modestus mit weiteren Klerikern nach Karantanien, wo sie im Zuge ihrer Missionierung Kirchen errichten (Maria Saal, Kirche "ad Undrimas" in Ingering bei Knittelfeld) und neue Priester weihen. Modestus weiht auch die älteste Kirche auf steirischem Boden, die "ecclesia ad Undrimas" bei Pöls. 767

Unter Herzog Tassilo III., der als Odilos Sohn schon im Kindesalter 748 Herzog von Baiern wird, unterwerfen die Baiern das heidnische Karantanien mit den dort ansässigen Windischen (Slowenen). Von Salzburg aus nimmt die Christianisierung der Awaren im Süden sowie der Slawen Richtung Osten regen Aufschwung. Entlang der Flussläufe werden erste Fernhandelsbeziehungen aufgebaut. So ziehen Baiernstämme auch der Mur entlang in eine von Windischen bewohnte Ebene. Der dabei gemachte Ausspruch "G'räts, so g'räts!" (Gelingt es, so ist es gut) soll einer Legende nach zum Namen "Graz" geführt haben.

772 Slawenmission
Im Zuge der Missionierung der Alpenslawen Karantaniens durch Tassilo III. wird zwischen 772 und 788 das älteste Kloster Kärntens in Munstiure (Mulzpuhil / Molzbichl bei Spittal) an der Drau gegründet, Seit 811 bildet hier bei dieser Urpfarre von Molzbichl die Drau die Grenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem am gegenüberliegenden Flußufer beginnenden Patriarchat Aquileia. Die Reste der ehemaligen Klosterkirche mit der Grablege des Heiligen Nonnosus befinden sich unter der jetzigen Pfarrkirche. In ihrem Altar ist ein Grabstein aus dem 6. Jahrhundert eingefügt, dessen frühchristliche Inschrift einen Diakon mit dem Namen Nonnosus erwähnt: „Hic re[quies]/ci(t) servus Χϱ[ι](στου) / Nonnosus diac(onus) /qui vixit annos / p(lus) m(inus) CIII obiit / IIII Non(as) Septemb(res) / et deposit(us) est in / hunc loco XIII Kal(endas) Aug(ustas) indict(ione) XI / tertio (anno) post cons(ulatum) / Lampadi et Ores/tis v(irorum) c(larissimorum)." (Hier ruht der Diener Christi, der Diakon Nonnosus, der ca. 103 Jahre lebte. Er starb am 2. September 532 und wurde am 20. Juli an diesem Ort im elften Jahr der Indikation bestattet, drei Jahre nach dem Konsulat der hochberühmten Männer Lampadius und Orestes). Auf dem ehemaligen Klostergelände, das als Begräbnisstätte der Karantanen genutzt wurde, sind bei Ausgrabungen 14 menschliche Skelette aus dem 10.Jh. geborgen worden. Die heutige Kirche, die dem Märtyrer Tiburtius geweiht ist und erstmals um 1063 erwähnt wird, war im Frühmittelalter eine Eigenkirche der Eppensteiner.
Wegen seiner Kolaboration mit den Langobarden und Awaren wird Tassilo III. durch seinen Vetter Karl d. Großen gestürzt und das baierische Stammesherzogtum mit seinem Grenzverlauf östlich von Graz auf der Ries an das fränkische Reich angegliedert.

788

 

Pippin (auch Karlmann, 777-810), ein Sohn Karls des Großen, besiegt zusammen mit Herzog Erich von Friaul (Cividale) die Reiternomaden der Awaren im Donau-Theiß-Gebiet und macht eine ungeheuere Beute von Gold und Silber. Das Frankengebiet dehnt sich nun bis zum Donau-Drauwinkel aus. Dieses gewonnene Land, die Awarische oder Pannonische Mark, wird bairischen Siedlern überantwortet und in Grafschaften unterteilt: in das Land an der Donau (Enns bis Fischa), in Oberpannonien (Awarenland Fischa bis Raab), Unterpannonien (Raab bis Draumündung), Karantanien (Kärnten, Ober- und Mittelsteiermark), sowie im Süden in die Friaulische Mark. An der Spitze der Verwaltungsbezirke stehen Persönlichkeiten bedeutender Geschlechter mit ihren Gutshöfen und Festungen sowie geistliche Herren mit Bischofskirchen und Klöstern. Sie stellen den Ursprung der ersten deutschen Dörfer und Pfarreien auf dem Boden der heutigen Steiermark dar wie z.B. die Burgen zu Gruscharn (Pürgg), Burg Eppenstein bei Judenburg, Burg Leoben (St.Peter-Freienstein) oder Hengistburg (St. Lorenzen am Hengsberg). Bei der Reichsteilung 806 erhält Pippin von seinem Vater Karl dem Großen Baiern und wird König von Italien.
796 Karantanien
Arno von Salzburg, ursprünglich Abt im Kloster des hl. Amandus in Elno (Saint-Amand-les-Eaux) und später erster Erzbischof von Salzburg reist im Auftrag von Frankenkönig Karl d. Großen zu Papst Paul Leo III. nach Rom und erwirkt dort am 20. April 798 die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum. In seinem Missionsgebiet, dem Awarenland von Karantanien und Pannonien, weiht er selbst Kirchen und Priester, entsendet weitere 13 Missionspriester und bestellt Theoderich zum Chorbischof. 798
Am 24.12.800 wird Karl der Große in Rom von Papst Leo III. mit einer Krone, die die Inschrift "Rex Salomon" trägt, zum römischen Kaiser gekrönt. Er wird damit Schutzherr des Gottesreichesd auf Erden; ihm allein obliegt nun die Oberhoheitz über Staat und Kirche. 800
Karl d. Große bestätigt die Zugehörigkeit des Missionsgebietes um den Plattensee für das Erzbistum Salzburg. Es ist von der Raab, Donau und Drau umgrenzt und erstreckt sich westwärts bis an die Grenze zu Karantanien. Zusammen bildet dieses Gebiet „Sclavinia“, dessen Grenze zwischen der Wasserscheide von Mur und Raab, östlich des Grazer Feldes verläuft. 803  
Der Khaan (Führer) der Awaren ersucht in Aachen Kaiser Karl d. Großen, ihnen zwischen Savaria und Carnuntum Wohnsitze zu überlassen, da sie sich gegen die Angriffe der Slawen nicht mehr halten können. 805  
Das im Keller der alten, ehemaligen Jesuiten-Universität in der Hofgasse aufgefundene Körpergräberfeld, lag zu Beginn der frühmittelalterlichen Besiedlung von Gradec am Fuß des Schloßberges, unmittelbar an dem vom Murübergang nach Osten führenden Weg. In den 12 Gräbern liegen Personen verschiedenen Alters mit Blickrichtung nach Osten bestattet. Nach heidnischer Tradition hat man den Toten zur "Versorgung" Keramiktöpfe, Eisenmesser und Esswaren mitgegeben.

810

Graz.Alte.Uni Alte Universität Skelett Skelett

Im Streit um Karantanien legt Karl d. Große die Drau als Diözesangrenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Patrtiachat Aquileia fest. 811  
Ludwig I. der Fromme (778-840) folgt seinem Vatert Karl d. Großen 814 als Herrscher nach. 814
Ljudevit Posavski, ein kroatischer Knez (Fürst), der 819 zum ersten Mal einen großen Teil der kroatischen Stämme in Posavien (Unterpannonien) zwischen Drau und Save zu einem slawischen Staat mit der Hauptstadt Sisak vereint, erhebt sich zu einem Aufstand gegen die Franken, dem sich auch die Karantaner und bulgarischen Timotschaner anschließen. Ljudevit wird aber schließlich von einem fränkischen Heer, angeführt vom Markgrafen Balderich von Friaul, geschlagen und flieht zu den benachbarten Serben, wo er getötet wird. Mit Ljudevits Tod endet der erste große Kampf der Südslawen um Freiheit und die Karantaner geraten endgültig unter die Herrschaft der Franken. Diese führen die fränkische Grafschaftsverfassung ein und beginnen mit den Grundvergaben an die bajuwarischen Siedler in den Ostalpen. 823
Bulgarische Horden verwüsten die Steiermark. 826  
Ludwig I. der Fromme (778-840), der Sohn Karls des Großen, lässt das Gebiet zwischen Enns und Mur in die Grafschaften Ennstal, Mürztal, Leoben, Judenburg und Dudleben gliedern. Als Grafen setzt er fränkische Adelige ein, die sich gegen die Angriffe der Ungarn währen sollen. 828

Ludwig II., der Deutsche (806 bis 876), der seinem Vater Kaiser Ludwig dem Frommen als Herzog von Baiern und später ostfränkischer König nachfolgt, setzt das Werk von Karl d. Großen fort und schenkt dem Erzbistum Salzburg 42 Besitzungen, beginnend von der Donau, über Ungarn, das steirische Gebiet bis nach Kärnten. Darunter die Kirchen zu Sabniz bei Hartberg („ecclesia ad Sabnizam“), St. Ruprecht, Nestelbach bei Graz, Straßengel, Bruck, St. Lorenzen im Mürztal, St. Michael bei Leoben, Pöls, Graslupp bei Neumarkt und Katsch.

Auf dem Grazer Feld entstehen in Feldkirchen und Straßgang die ersten Eigenkirchen von Grundherren, die dafür vom Salzburger Erzbischof die Seelsorgerechte und das Zehentrecht erwerben. Sie können als Wiege des steirischen Pfarrnetzes angesehen werden.
860 Ludwig der Deutsche
Arbo (Aribo, vor 850 bis nach 909), Ahnherr des Geschlechtes derr Aribonen, wird ab 871 Graf im Traungau und Markgraf der baierischen Ostmark. Die turmlose Rupertikirche in der Aribonenstraße in Straßgang ist eine ursprünglich salzburgerische Gründung und von alters her Friedhofskirche und damit der älteste erhaltene Kirchenbau von Graz. 871 Rupertikirche Straßgang Rupertikirche
Heuschreckenplage in der Steiermark. 873  
Karlmann (830-880), der älteste Sohn des ostfränkischen Königs Ludwig des Deutschen, übernimmt nach dessen Tod 876 die Herrschaft als ostfränkischer Teilkönig und König von Baiern.

Das Gebiet wird eine "Mark an der Donau" und ein "Herzogtum Karantanien und Pannonien" mit der karolingischen Pfalz Karnburg im Zollfeld als Zentrum, welches von Karlmanns unehelichen Sohn Arnulf von Kärnten (850-899) verwaltete wird, der auf der Mosaburch in Moosburg aufwächst. Er ist von 876 bis 887 Markgraf von Kärnten, später dann von 887 bis 899 auch ostfränkischer König, von 894 bis 899 König von Italien und wird schließlich am 22.Februar 896 von Papst Formosus zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches gekrönt (bis 899), nachdem er zuvor mit Hilfe des hl. Pankratius Rom erstürmt hatte.
876

Erstmals erfolgen aus dem Osten Angriffe des asiatischen Reitervolkes der Magyaren.

Früheste Benennung von "Grazze" in einer Urkunde des Hochstiftes Salzburg, die besagt, das Ludwig III. der Jüngere (835-882), Sohn des barischen Herzogs Ludwig II. des Deutschen, einige Güter des Salzburger Erzbischofs Dietmar I. gegen Güter in Graz eingetauscht, die dessen Ministeriale Vodilhelm als Lehen besessen hat.

881
Die Hengistburg (Hengistfeldon) in Hengsberg bei Wildon wird als "hengisfeldon" 892 urkundlich genannt, als sich auf ihr König Arnulf von Kärnten mit Herzog Brazlawe von Sisek trifft, um sich bezüglich der drohenden Feindesgefahr durch die einfallenden Magyaren zu beraten. Die Burg ist nach einer weiteren Urkunde Kaiser Ottos II. von 970 Sitz der Markgrafen der "marchia carantana", die Hauptburg an der mittleren Mur. Als erster Markgraf wird der Baier Markward genannt. 892 Hengistburg Hengistburg Hengistburg
Das ursprünglich im Ural beheimatete Reitervolk der Magyaren fällt unter König Árpád in das pannonische Beckern ein und dringt bis zur Kor-, Stub- und Gleinalpe vor. Damit wird die karolingische Kolonisationspolitik das erste Mal unterbruchen.

894

Die Magyaren verwüsten auf ihrem Rückweg aus Italien zum zweiten Mal Panonnien. 899  

Graf Otakar I. (+907) aus dem Haus der Aribonen im Chiemgau ist königlicher Sendbote in der bairischen Ostmark und erbaut unter Einbeziehung des ehemaligen römischen Legionslagers Lauriacum am Zusammenflus von Enns und Steyr als Schutz gegen die Einfälle der Ungarn die "Stiraburg" (Styrapurch), den Stammsitz der Traungauer. Daraus entwickeltsich nach und nach der Name "Steiermark".
Diese "familiares marchionis" aus dem Traungau gelangt im Laufe der Jahrhunderte über das Ybbs- und Traisental nach Pitten (Starhemberger u. Dunkelsteiner) und dann weiter ins Ennstal (Gerunge) und nach Wildon.

Otakars Sohn Aribo II. (Arpo; vor 904 bis nach 907), Kind des letzten Karolingers und Enkel des Grenzgrafen Aribo, bekommt von König Ludwig d. Kind, dem letzten ostfränkischen Karolinger, mit der sogenannten "Murtalschenkung" im Bereich der Mündung der Schladnitz in die Mur bei der "villa costiza" (Leoben) und dem Liupinaltal (Vordernbergerbach) einen ausgedehnten Besitz von 20 Königshuben mit ummauertem Hof geschenkt, auf dem später das Stift Göss entsteht.

904 Otakar I. Stiraburg

Luitpold, Markgraf von Baiern, Landesherr von Karantanien, Enns und Mur und Ober-Pannonien, erleidet zusammen mit dem Erzbischof von Salzburg am 5. Juli 907 bei Preßburg gegen die Ungarn eine schwere Niederlage , in der er nicht nur den Tod findet, sondern die den Verlust des ganzen Ostens bringt, sodass die Mittel- und Untersteiermark für 50 Jahre ungarisches Terretorium und ein Vordringen der asiatischen Scharen bis zum Rhein ermöglicht wird.
Dieses gegen Ende der Völkerwanderungszeit unter ihrem Anführer Árpád aus dem Karpartenbecken kommende Reitervolk der Ungarn (Magyaren = Söhne der Erde) stammt ursprünglich aus den Gebieten zwischen Sibirien und dem Ural.

907
Arnulf I. der Böse aus Regensburg, Sohn von Luitpold, Herzog von Baiern, kann, als er zum König der Ostfranken gewählt wird, mit Ungarn einen Nichtangriffspakt schließen.
Im Nibelungenlied wird beschrieben, dass das Gebiet des deutschen Grafen von der Enns bis zur Traisen unter der ungarischen Oberherrschaft mit Sitz in Pöchlarn steht, das Osterland (Ostarichi) von der Traisen bis zur Fischa König Etzel unterstellt ist und ab Fischa das "Heunenland" beginnt.
911
Graf Otakar I. stirbt in Traungau. Sein Sohn Otakar wird Gaugraf an der Traun und in Krain. 925  
Erste urkundliche Erwähnung des bereitzs ins 9. Jhrhundert zurückreichenden Salzbergbaues in der Steiermark, als Graf Albrecht dem Salzburger Erzbischof eine Salzpfanne bei Admont vermacht.
Auch der schon zur Römerzeit erfolgte - wie schriftlich dokumentiert - der Abbau von Erz in Eisenerz, indem man natürliche Sole-Quellen nutzt.
931
Der Aribone Hartwig I. besitzt als Inhaber eines "ministeriums" (Amtsbereiches) in Karantanien und auch im westlichern Grazer Ferld sowie im Laßnitztal riesige nAlliodien. 953  
Durch den Sieg Kaiser Otto I. der Große (912-973) am 10. August über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg wird den durch viele Jahre andauernden Raubzügen der magyarischen Reiterkrieger ein Ende gesetzt und sie müssen sich nach Westungarn zurückziehen. Im Herbst räumen sie auch die Gebiete in der heutigen Steiermark. Zum Schutz werden Marken errichtet: die Mark an der Drau, die Mark an der Saun und die Mark an der mittleren Mur (marchia Carentana), die sich von der Gleinalpe bis zum "mons Predel" (Ries) erstreckt und die Hengistburg (St. Margarethen) als Markzentrum hat. Der über die Mur vorgeschobene Brückenkopf, das kleine Kastell Gradec auf dem Schloßberg, hat die Aufgabe, den Murübergang der nach Osten führenden Straße zu sichern.

955

Lechfeld Lechfeld

Im Südosten Baierns wird die ottonische Mark errichtet, dier von Enns, den Voralpen, den Wienerwald, Donauwagram sowie oberhalb der Donau vom Nordwald umgrenz wird. Gegen Ungarn entsteht die "marchia carantana" oder "marchia transalpina", die bis zur Wasserscheide von Mur und Raab reicht. Sie kann als Keimzelle für die spätere Steiermark angesehen werden. Die Grenze verläuft auf der Ries, dem mons predel („in monte, qui dicitur Predel“), hinter der sich die ungarischen Grenzwächter befinden (Ungerdörfer). Gegen Leibnitz wird das Grazer Feld durch den Wildoner Berg (Buchkogel) getrennt, dessen höchste Erhebung 550 m beträgt. Auf diesem, auch „Hoher Hengst“ genannten, Bergrücken entsteht die erste frühmittelalterliche“ Burganlage, die Hengistburg. Sie ist die Hauptburg der entstehenden „Marchia Carentana“ (Karantanische Mark), der Keimzelle der späteren Steiermark, von der aus die Markgrafen ihren an der Grenze des Römischen Reiches gelegenen Machtbereich verwalten und verteidigen.

960

 

Wildon

Kaiser Otto I. bestätigt dem Erzbistum Salzburg in einer Urkunde die Besitzungen in Karantanien. Darin kommt auch der Name "Lipnizza" (Burg Libniz = Seggauberg) und das Laßnitztal vor.

Markwart III. (bis 1000), aus dem Hause der Eppensteiner, ist erster Markgraf der Mark an der Mur in Karantanien mit ihrer Hauptburg der Hengistburg bei Wildon.. Das ursprünglich aus Landshut in Baiern kommende Geschlecht trägt seinen Namen nach dessen Sitz, der zwischen Obdach und Judenburg gelegenen Burg Eppenstein. Zur Mark gehören die 4 karantanischen Grafschaften: Ennstal mit der Burg Gruscharn (Pürgg), Leoben mit der Burg St.Peter Freienstein, Mürztal und Judenburg. Auf das rot-weiß-rote Eppensteiner Wappen lässt sich auch das österreichische Bindenschild zurückführen.
Die Grenze der "Mark an der Mur" ("marchia Carentana" auch "marchia transalpina") gegen Ungarn verläuft entlang des mons Predel: Gratwein - Gratkorn - Platte - Altes Faßl - St.Ruprecht - Prellerberg - Schafthal - Stifting - Rohrbach - Schillingsdorf - Nestelbach (Nezzilinpah) - Vasoldsberg (Vaszolsperg et in dem Predel) -Krumegg - Hühnerberg.
An der wichtigen Straßenkreuzung zwischen der am süd-nördlich am Westrand des Grazer Beckens verlaufenden alten Römerstraße und der bei der Murfurt (spätere Murbrücke) aus Savaria (Steinamanger) einmündenden Ost-West-Verbindung der "strata vngarica" befindet sich seit Mitte des 10. Jahrhundert als vorgeschobener Brückenkopf zur Bewachung und Grenzsicherung am Schloßberg das kleine Kastell "gradec" (ältere untere Burg, später St.Paul-Burg mit Kapelle, der heutigen Stiegenkirche).

Ausgrabungen von Holzbauten am Grazer Hauptplatz.

970

Eppenstein Stiegenkirche

Bau der dem hl. Johannes dem Täufer geweihten "Kirche im Feld" (Feldkirchen). 972

Mit der Absetzung des bairischen Herzogs Heinrich II. des Zänkers durch Kaiser Otto II. nach einer Verschwörung wird Karantanien vom Herzogtum Baiern abgetrennt und Heinrich III. (940-989) aus dem Geschlecht der Luitpoldinger als selbständiges Herzogtum Kärnten („Marchia Karentana“) übergeben. Unter seiner Verwaltung stehen die Karantanische Mark (die spätere Steiermark), die Gebiete hinter dem Drauwald (mit Pettau und Marburg), die Grafschaft an der Sann um Cilli sowie die Marken Krain , Verona, Friaul und Istrien. Neuer Graf der bairischen Ostmark ("Marchia orientalis" oder "Ostarrîchi") ist der erste Babenberger Markgraf Luitpold I. (940-994).

Um diese Zeit wird die erste kleine Burg (gradec) am Südsporn des Schloßberges zur Bewachung des Murüberganges der wichtigen, nach Savaria (Steinamanger) wegführenden Straße gebaut, wobei die St.-Pauls-Kapelle als Burgkapelle fungiert. Bei späteren Ausgrabungen finden die dort seit 1588 ansässigen Augustinereremiten „mortuorum hominum ossa non modica“, woraus sie auf einen ehemaligen Friedhof schließen, der nicht nur das patrozinienkundlich und siedlungsgeschichtlich hohe Alter der Stiegenkirche, sondern auch den Status einer Stadtpfarre bezeugt, den die Paulskapelle einige Jahre inne hatte, wenn die außerhalb der Stadtmauer gelegene Ägidiuskirche zur Verteidigung gegen die Feinde aus dem Osten benötigt wird. In einer Mitteilung des Pfarres von Graz, anlässlich der landesfürstlichen Visitation 1545, wird dies bestätigt: “die recht pharr ist vor alter sandti Pauls khierchen bey dem perg under dem schloß in der stat Gräz gewesst“

976

Marchia orientalis

Aribo I. (vor 958 bis um 1020) aus dem mächtigen bairischen Geschlecht der Aribonen ist Graf im Chiem- und Leobengau und wird ab 985 Pfalzgraf von Baiern. Er ist mit Kaiser Heinrich II. verwandt und besitzt große Güter in Baiern, im Salzburggau, in Leoben, im Hengistgau, im Lavanttal und im Kroatengau. 985

In Straßgang (slaw. "straza" Warte) werden durch die Aribonen eine dem Johannes d. Täufer geweihte Feldkirche sowie die Eigenkirche St. Georg (Kirche Maria-Elend) und St. Martin (Schlosskirche) erbaut, die zuerst 1025 zwischen den Grafen Chadalhoh IV. und Hartwig III., dann zwischen dessen Söhnen Botho und Aribo V. aufgeteilt werden, bevor sie in den Besitz des Erzstiftes Salzburg und schließlich des Benediktinerklosters Admont gelangen. Sie sind die ältesten nachweisbaren Kirchen im Grazer Feld. Der berühmte "Pferde-Altar" von 1738 in der Schlosskirche St. Martin stammt vom Bildhauer Joseph Stammel.

In der Karlau von Graz, in Judendorf und und in Leoben werden Judensiedlungen genannt, meist nur einige Lagerhäuser, an den Handelswegen liegend, um ihren Fernhandel zwuschen dem Orient und Europa besser betreiben zu können.

994
Als Nachfolger seines Vaters Markwart III. wird Aribo I. von Eppenstein (980-1039) von König Otto III. (983-996) mit der Markgrafschaft von Karantanien betraut. Zudem ist er Graf im Ennstal und Judenburg (Graf von Eppenstein). Auch bekommt er um 1000 ausgedehnte Besitzungen im Mürztal und um Voitsberg geschenkt. Unter Kaiser Heinrich II. (973-1024) wird er 1012 Herzog von Kärnten, Markgraf von Verona, Friaul, Krain und Trient, Graf von Görz sowie Vogt über das Patriachat Aquileia. Mit seiner Ehefrau Adala von Göss gründet Aribo I. das Benediktinerstift Seeon im oberbayerischen Traunstein. 995
Kaiser Otto II. (955-983) schenkt Bischof Gottschalk von Freising Ländereien in Neuhofen an der Ybbs. In der lateinischen Urkunde wird statt der "regio orientalis" erstmals die umgangssprachliche Form von "ostarrichi" verwendet: "Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Otto, durch göttliche vorausbestimmende Gnade Kaiser Augustus. Alle unsere eifrigen Getreuen, die gegenwärtigen und auch die zukünftigen, mögen wissen, daß wir, die würdigen Bitten unseres geliebten Vetters Heinrich, des Herzogs von Baiern, erfüllend, gewisse Besitzungen unseres Rechts in der Gegend, die in der Volkssprache Ostarichi heißt, in der Mark und Grafschaft des Grafen Heinrich, des Sohnes des Markgrafen Liutpold, in dem Ort, der Niuvanhofa genannt wird, das heißt mit eben dieserm Hofe und dreißig in seiner unmittelbaren Umgebung liegenden Königshufen mit bebautem und unbebautem Land, mit Wiesen, Weiden, Wäldern, Gebäuden, mit Quellen und Wasserläufen, mit Jagden, Bienenweiden, Fischwässern, Mühlen, mit beweglichem und unbeweglichem Gut, mit Wegen und unwegsamen Land dem Schoße der Freisinger Kirche zu eigenem und ewigen Gebrauch überlassen." 996 Otto III. ostarrichi-Urkunde
Vaters König Heinrich II. (ab 1014-1024 Kaiser) übergibt Erzbischof Hartwig, Sohn von Pfalzgraf Hartwig I., Besitzungen mit Sudhäusern im Ennstal. 1002

Dort, wo der ihr durch einen Windstoß verwehte Schleier wiedergefunden wird, gründet Adala von Leoben, die Tochter des Pfalzgrafen Hartig I. und Gattin von Aribo I. von Baiern, zusammen mit ihrem Sohn Aribo II. (um 990 bis 1031- Salzburger Diakon und Kapellan Kaiser Heinrichs II. sowie späterer Erzbischof von Mainz) im Jahre 1004 auf Aribonengrund die älteste klösterliche Niederlassung und die einzige Frauenabtei in der Steiermark, das Stift Gö?, welches von der Reichsabtei Nonnberg in Salzburg aus mit Benediktinerinnen besiedelt wird. Erste Äbtissin wird von 1020 bis 1027 ihre Tochter Kunigunde I., die Schwester Aribos II. Sie trägt den Titel einer Reichsfürstin und hat Sitz und Stimme im Landtag. Bis zur Aufhebung des Stiftes 1782 leben stets 60 hochadelige Benediktinnerinnen im Stift. 1786 errichtet Joseph II. die Dözese Leoben und das Nonnenstift wird Sitz von Bischof Alexander Franz von Wagrein. 1859 wird die Diözese Leoben mit der von Graz-Seckau vereinigt. 1004
Adalbero, der Sohn des Eppensteiner Markwart III., ist Graf im Ennstal und in Judenburg. 1006  

Zu der slawischen Besiedlung im Norden von Graz entstehen am Westrand des Grazer Feldes die ersten deutschen Dörfer von Bayrisch-Grätz (Baierdorf in Eggenberg), während das östlich der Mur gelegene Gebiet unbesiedelt bleibt

1010

 

Nachdem die Ungarn erstmals hinter die Lafnitz zurückgedrängt werden, erhält der bairische Pfalzgraf Hartwig II., ältester Sohn von Aribo I. und Adala, erhält von Kaiser Heinrich II. das große Gebiet um die Piesting im Südosten Niederösterreichs und die Oststeiermark als Geschenk zur Rodung. 1020  
König Konrad II. vermacht seiner Schwägerin Beatrix, der Gattin von Berthold I. dem Bärtigen von Zähringen (1005-1078), Herzog von Karantanien und Markgraf von Verona, "hundert königliche Hufen ... in loco Aveiniz (Aflenz) ad Morizam (St. Lorenzen im Mürztal)", die damit die Urpfarre des gesamten Mürztales ist. 1021
Nach dem frühen Tod von Pfalzgraf Hartwig II. wird dessen riesiger Besitz zwischen seine beiden Söhnen Aribo II. und Botho dem Starken (Patto) aufgeteilt. Letzterem fällt auch das Schloss St. Martin zu, das 1072 in den Besitz von Stift Admont übergeht. 1557 wird es zu einem Renaissanceschloss umgebaut. 1026
Im Mai 1035 kommt es wegen eines Hochverrates von Adalbero von Eppenstein, dem Herzog von Kärnten, zu einem Bruch mit Kaiser Konrad II. und er verliert in Bamberg alle Ämter und Lehen.
Die Markgrafschaft an der Mur wird unmittelbar durch König Heinrich III. vom Herzogtum Kärnten abgetrennt und samt 4 karantanischen Grafschaften und der Markgrafenwürde an Graf Arnold II. von Wels-Lambach (+1055), dem Sohn Arnolds übertragen. Dabei handelt es sich nur um einen ca. 50 Kilometer breiten Landstrich westlich von der Mur, östlich vom Predel-Höhenzug, der Wasserscheide von Mur/Raab, begrenzt. Die Hengistburg - damit ihrer politischen Bedeutung beraubt und durch ungarische Angriffe stark in Mitleidenschaft gezogen - erbt Adalberos Sohn, Edler von Markwart IV., der Schließlich 1060 seine Anteile an der Burg mit Erzbischof Gebhard von Salzburg tauscht.
1035  
Der Salier Heinrich III. (28.10.1017 bis 5.10.1056) folgt seinem Vater Konrad II. als römisch-deutscher Kaiser nach.
Als Herzog Konrad d. Jüngere von Kärnten stirbt, besetzt Heinrich zunächst das Herzogtum nicht nach, sodass die drei süddeutschen Herzogtümer Baiern, Schwaben und Kärnten unter seiner unmittelbaren Verwaltungsgewalt stehen.
Als Grenzschutz gegen den Osten werden 2 neue salische Marken, die "Böhmische Mark" (untere Taya) und die "Neumarkt" (westlich der March und Leitha) errichtet.
1039 Heinrich.III. Heinrich III.

Kaiser Heinrich III. kann nach Siegen über die Ungarn die Ostgrenze der Mark bis zur Lafnitz ausdehnen und schenkt das von der Piesting bis nach Radkersburg reichende Land dem Markgrafen Arnold II. von Wels-Lambach. Sein Sohn Gottfried von Pitten (+1050), der 1042 die eingedrungenen Magyaren schlägt, bekommt die Grafschaft Pitten, das Enns- und Paltental sowie die Burg Gestric (Gösting, slaw. gozd=Bergwald) mit 2 Königshuben Land, die nach dessen Tod 1050 sein Bruder, der hl. Adalbero, Bischof von Würzburg, erbt. Burggraf ist zu dieser Zeit der Lehensmann Sultger von Gesterice aus dem Hochfreien Geschlecht der Herren von Traisen. Archäologische Funde beweisen, dass hier bereits um 450 v. Chr. die Kelten gesiedelt haben.

1042

Unter Erzbischof Baldwin von Salzburg wird die Pfarre von Feldkirchen, die älteste im Grazer Feld begründet.

Die hl. Hemma vermacht dem Erzbistum ihre Güter im Gurk- und Ennstal mit der Auflage, dort Klöster zu errichten (Gurk und Admont).

Der Grenzverlauf gegen Ungarn wird weiter nach Osten, an die Lafnitz und Kutschenitza verlegt und entlang der Mur entsteht mit den Festungen von Hengistburg, Seggauberg, Straßgang, Schloßberg, Gösting und Plankenwarth eine Linie von Abwehrbastionen. Damit ergeben sich erstmals größere Siedlungsmöglichkeit im diesem bisher unbesiedeltem Gebiet östlich der Mur. So entsteht auch das älteste Siedlunggebiet im Osten von Graz.

Beauftragt von Aribo II., Pfalzgraf des unteren Salzburggaues, gründet der deutsche Gunter, Besitzer dieses Bodens, den Herrschaftshof Guntarn mit einem Fronhof (Meierhof), einer Eigenkirche (S.Lienhart/St.Leonhard) mit einem Friedhof sowie einer Mühle, Schmiede und Taverne (Schanzelwirt). Gunter wird auch selbst Besitzer weiter Gebiete in der Oststeiermark (Premstätten, Hausmannstätten) und Namensgeber für Arndorf (bei St.Ruprecht/Raab). An die Grenzwächter auf ungarischer Seite erinnern die Ungardörfer bei Gleisdorf, Jagerbegr und in Schwarza (Ungarus de Swarza). Plankenwarth, Straßengel und Straßgang (strascha=Warte) verweisen auf die Beobachtungsposten westlich der Mur. Vom slawischen "grad" (Burg) leitet sich auch die Bezeichnung für Gratwein und das kleine Kastell Graz am Schloßberg ab, das als vorgeschobener Brückenkopf die aus dem Osten kommende "strata vngarica" sichert.

1043

Papst Leo IX. reist durch die Steiermark und weiht am 4. August die St.Oswald-Kapelle bei Leoben. 1044

Als in einem Gemetzel auf der Burg Lambach/Trau die beiden Söhne Arnoldsd II. , Gottfried und Arnold III. von Wels-Lambach, sowie seine Frau Reginlinde (Regilla) von Verdun erschlagen werden, wird der riesige Besitz des Geschlechtes der Wels-Lambacher geteilt. Den nördlichen Teil von der Piesting bis zum Masenberg bei Hartberg erhält Graf bEkbert I. von Formbach-Neuburg bei Passau, die mit Mathilde, einer Tochter Gottfried verheiratet ist und sich in Pitten ein neues Herrschaftszentrum schaffen. Den südlichen Besitz, der von St. Johann in der Haide bis nach Radkersburg reicht, bekommt der blutsverwandte Traungauer Otakar I., Graf im Chiemgau (erstmals genannt 1056). Er wird somit Markgraf der Mark an der Mur ("marcho de stire" oder "marchiones Styrenses"). Sein Herrschaftsgebiet mit dem Hauptsitz der im Jahre 980 erbauten Stiraburg an der Mündung der Steyr in die Enns sowie der Hengistburg, der Primaresburg bei Köflach und der Dieterburg bei Ligist umfasst somit die Steiermark mit den Grafschaften Traungau, Ennstal, Mürztal, Leoben, Judenbrug und Pitten.

1050

Burg Pitten Steyr

Erste Ertwähnung des Schlosses Algersdorf in der Baiernstraße in Alt-Eggenberg als "Algeristeti", als der Vollfreie Eppo dieses beim Erzbischof von Salzburg gegen Güter im Sulmtal eintauscht. In der Folge schenkt Aribo, ein Bruder von Hartwig, das Schloss dem Stift Göttweig. Die weiteren Besitzer sind Markgraf Otakar III., die Windischgrätzer und schließlich die Eggenberger.

Um 1050 entsteht die Eigenkirche des hl. Ägydius in Semriach, eine Filialkirche der Pfarre Gratwein, dien 1237 erstmals urkundlich nihre Erwähnung findet.

Einfallende Türken verwüsten erneut das Land und zerstören das damalige Zentrum der Mark, die erstmals urkundlich erwähnte "Veste Hengist" (Hengistburg bei St. Margarethen). Aufgrund der ständigen Bedrohung wird Graz Verwaltungmittelpunkt und es ensteht östlich der Mur ein menschenleerer Grenzwaldgürtel.

1053

 

Die Söhne von Hartwig II. von Baiern, Pfalzgraf Aribo II. von Baiern und sein Bruder Botho, schließen sich dem Aufstand Herzog Konrads von Bayern und Herzog Welf von Karantanien gegen Kaiser Heinrich III. an und werden deshalb 1055 auf dem Reichstag zu Regensburg wegen Hochverrats abgesetzt und gemeinsam geächtet. Beide verlierern ihre Reichslehen und Teile ihres Eigentums: Aribo Ternsee, Botho muss die Pfarre Straßgang an das Erzstift Salzburg abtreten; beide verlieren Wildon und das Saggautal an die Eppensteiner und Spanheimer. Dem Erzbischof Baldwin verleiht Heinrtich III. in Gumbrahtdesteiden (Groß St. Florian) ein Gebiet im Ausmaß von 3 königlichen Hufen.

Eine im Süden von Graz, dem Johannes d. Täufer geweihte Feldkirche sowie die Kirchen St. Georg und St. Martin bei Straßgang sind die ältesten nachweisbaren Kirchen am Grazer Feld. Bevor die pfarrlichen Rechte an Straßgang übergehen, ist Feldkirchen ihre Mutterpfarre.

1055

Otakar I. († 1075), Sohn von Oci V. und vorher als Otakar VI. Graf im Chiemgau (gest. 1020) und seiner Frau, einer Tochter des Grafen Arnold II. von Wels-Lambach, der nach der Absetzung des Herzogs Adalbero von Kärnten 1035 von Kaiser Konrad II. zum Markgrafen wird, erbt von seiner Mutter ausgedehnte Allodialländer und den Markgrafentitel im Traungau. Seine Schwester Ata ist Äbtissin im Kloster Traunkirchen. Er selbst dient einem Vogt Reeve der Klöster Lambach, Traunkirchen, Obermünster und Persenbeug. Durch den Tod Gottfrieds von Pitten und damit dem Aussterben der Grafen von Wels-Lambach wird Otakar I. 1056 Markgraf von Karantanien bzw. der Steiermark, wie diese später nach seiner Stammburg in Steyr genannt wird. Er ist mit Wilibirg v. Eppenstein-Kärnten, der Tochter des Kärntner Herzogs Arnold II. v. Wels-Lambach verheiratet. In der Investitur-Auseinandersetzung ist er treuer Unterstützer von König Heinrich IV., während sich seine Söhne Adalbero der Rauhe (Königspartei) und Otakar II. (Papstpartei) einander im Investiturstreit ebkämpfen. Markgraf Otakar I. stirbt während einer Pilgerreise ins Heilige Land in Rom. Er gilt als Mitbegründer von Stift Admont.

1056
Pfalzgraf Kuno von Rott gründet um 1073 den nach ihm benannten Ort Kumberg (Chuniperge) sowie Arndor (Erbindorf ad Rabam). 1073  

Erzbischof Gebhard von Salzburg, ehemaliger Beichtvater von Kaiser Heinrich III., gründet auf dem 1045 von der hl. Hemma für eine Klostergründung gestifteten Boden im Ennstal das Benediktinerkloster "ad montes" (Admont). Die ersten 12 Mönche kommen aus dem Mutterkloster St. Peter in Salzburg. Den Regeln des Ordens entsprechend wird von Anfang an großer Wert auf die Pflege von Kunst und Wissenschaft gelegt und eine eigene Schreiber- und Zeichenschule eingerichtet. So gelten die Abhandlungen von Abt Engelbert (1297-1327), des "österreichischen Albertus Magnus", als wesentliche Werke der mittelalterlichen Philosophie. Acu das Fragment eines .„Abrogans“ ( lateinisch-deutschen Wörterbuch) aus dem Jahre 800 ist von Weltbedeutung. Die von Architekt Josef Hueber, Maler Bartolomeo Altamonte und dem Grazer Bildhauer Joseph Stammel fertiggestellte Stiftsbibliothek wird als "Achtes Weltwunder" bezeichnet.

1074
Nachdem Otakar I. am 29. März 1075 in Rom stirbt, folgt ihm sein Sohn Adalbero der Rauhe (vor 1055 bis 1082) als zweiter. Markgraf von Steiermark nach. 1075  
Auf Grund der wiederholten Streitigkeiten bezüglich des Rechtes von Bischofseinsetzungen zwischen dem deztschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. kommt es am 24. Jänner 1076 am Hoftag zu Worms zum sogenannten Investiturstreit, in dessen Folge Heinrich IV. den Papst zur Abdankung auffordert und dieser daraufhin wiederum im Gegenzug über Kaier Heinrich IV. und seine Anhänger den Kirchenbann verhängt. 1076
Der Herzog von Kärnten, Markgraf Markwart IV. von Eppenstein, gründet unmittelbar neben der erstmals 1065 erwähnten "ecclesia sancti Lamberti in silva" (Kirche des hl. Lambert im Walde) das Benediktinerkloster St. Lambrecht. Als erster Abt wird Hartmannus I. von 1103 bis 1109 genannt, Sohn der Klausnerin Ava (1060-1127) aus Göttweig, der ersten namentlich bekannten Dichterin deutscher Sprache, deren Lebensbeschreibung Jesu oder "Die sieben Gaben des Heiligen Geistes" mit 221 Strophen zu den wertvollsten Handschriften des Klosters zählt. 1470 schafft der Maler Thomas von Villach ein gotisches Fastentuch mit 56 heilsgeschichtlichen Szenen.
Um sein Königtum zu retten, trifft Heinrich IV. in der Burg zu Canossa den Papst, der ihn nach einem 3-tägigen Bußgang vom Bann befreit. Luitold von Eppenstein (um 1060 bis 12.5.1090), der als treuer Parteigänger den Kaiser auf seiner Reise über die Alpenpässe begleitet, bekommt von ihm das Herzogtum Kärnten zurück, welches den Eppensteinern bis 1122 erhalten bleibt. 1077
Graf Otakar II. kommt in den Besitz der Stiraburg in Steyr. 1079
Als die deutschen Fürsten einen Gegenkönig aufstellen, ernennt Heinrich IV. den Erzbischof von Ravenna zum Gegenpapst Clemens III. Damit beginnt ein 33-jähriges Schisma, das bis 1111 dauert. 13 Bischöfe machen nicht mit. Die Bischöfe und Könige sind nun in eine päpstliche und eine königliche Partei gespalten: auf Seiten des Papstes stehen Bischof Gebhard von Salzburg, Bischof Altmann von Passau, die Spanheimer, die steirischen Markgrafen der Traungauer und Markgraf Leopold II., auf Seiten König Heinrich IV. die kärntner Herzöge der Eppensteiner, deren Bistum Gurk aber von Salzburg abhängig ist. Die Folgen sind verheerend: In Salzburg muss Bischof Gebhard in seine Heimat Schwaben flüchten, in der Steiermark ist das Markgrafengeschlecht der Otakare von Sier gespalten:Markgraf Adalbero der Rauhe (1075-82) steht zum König, sein Bruder Graf Otakar II. (1082-1122) dagegen zum Papst. 1080

Markgraf Adalbero der Rauhe, der im Investiturstreit zu König Heinrich IV. hält, wird gebannt und verzichtet als Markgraf an den mit dihm im Streit liegenden Bruder Otakar II. Seine gräfliche Position im Ennstal bleibt ihm erhalten, wo er aber bald ermordet wird.
Der Traungauer Otakar II. (auch Ottokar II.), mit Elisabeth, einer Tochter des Babenberger Markgrafen Leopold II. von Österreich verheiratet, wird der 3. Markgraf der Steiermark und regiert bis 1122.
Die "familiares marchionis" sind die Ahnherrn jener ab dem Jahre 1122 in der Mark Steyr tätigen Ministerialen, die sich aus dem Traungau kommend über das Ybby- und Traisental nach Pitten (Staremberger u. Dunkelsteiner), ins Ennstal (Gerunge) sowie nach Wildon verzweigen. Das im Ennstal ansässige Geschlecht derer "von During" nennt sich ab dieser Zeitn "von Dunkelstein". Die Söhne eines During heißen Heinrich, Adalbero, Ulrich und Pilgram
.

1082

Oatakar II.

Im "Dorf" des Herrn Wezil, einem Gefolgsmann des Grundherrns, existieren 15 Bauernhöfe (Wetzelsdorf). 1099  
In der Karantaner Mark gibt es weder Städte noch Dörfer, der geringe Handel liegt in den Händen von Juden, deren wichtigste Siedlung der unter der Burg Eppenstein gelegene "mercatus" Judenburg um diese Zeit entsteht. Das Wappen von Judenburg zeigt den kennzeichnenden breitkrempigen aschkenasischen Judenhut deutschsprachiher europäischer Juden mit einem Knauf auf dem Scheitel ("pileum cornutum"=gehörnter Hut). 1103

Im gefälschten Codex 30 der Reiner Stiftsbibliothek, einer Sammelhandschrift von 237 Blättern aus dem 15. Jahrhundert, wird erstmals Graz erwähnt: "MCXV Concremate sunt triganta mulieres in grecz una die" (1115 sind in Graz an einem Tag 30 Frauen verbrannt worden).

Existenz von "Gut Sparbersbach", welches im 18. Jh. nach seinem damaligen Besitzer Fr. Friedrich Haller den Namen "Hallerschlössl" erhält.

1115 grecz
Der muslimische Geograf und Kartograf Al Idrisi (أبو عبد الله محمد الإدريسي, 1099-1166) bereist als Jugendlicher ganz Europa und berichtet unter anderem über eine Stadt Akrizav, welche am Ende des Berges Dschuß liegt (Graz am Fuße des Schöckls). 1118 Al Idrisi

Nach dem Tod des letzten Eppensteiners, Herzog Heinrich III. sowie des Traungauers Otakars II. erbt dessen Sohn Leopold I. der Starke (dessen bisherige Machtzentren in Steyr und Fischau waren) am 4. Dezember die Ländereien des Eppensteiner Geschlechtes, die reiche Allode "provincia Graslupp". Aus diesen Gebieten um Enns, Steyr, Murau, St. Lambrecht, Neumarkt, Leoben, Bruck, Gösting, Mürzzuschlag, Mariazell, den Wiener Neustädter Raum und Voitsberg formt Liutpold der Tapfere die Steiermark, leitet den Ausbau der Landesherrschaft ein und nennt sich als Erster "Markgraf der Steiermark". Er errichtet in Hartberg die erste Traungauer-Pfalz mit einem ersten Markt und eine weitere Pfalz in Grauscharn/Pürgg. Er ist auch Vogt von Stift St. Lambrecht und betreibt die Gründung des ältesten Zisterzienserklosters Österreichs in Rein, wo er auch 1129 begraben wird. Das Jahr 1122 kann somit als das Geburtsjahr der Steiermark betrachtet werden.
Leopold der Starke ist bestrebt, sich durch die Vergabe dieser riesigen unbesiedelten Landstriche zur Rodung an Gefolgsleute einen ergebenen Ministerialenstand zur Durchsetzung seiner Landesherrschaft zu schaffen. Insbesondere geht es ihm darum, die Machtstellung des Aribonengeschlechtes zu gewinnen, die die fruchtbarsten Gegenden beiderseits der Mur und den Grazer Boden innehaben. Vor allem sind das die Söhne der Hochfreien Raffold und Hartnid: Ernst von der Traisen, Hartwig von Reiding, Adalram von Feistritz-Waldegg, Walter von Traisen, Adalbero von Feistritz, Swigger von Gösting und Bernhard von Stübing. Weiters sind als Ministerialen die Geschlechter der Wildoner im Traungau, die Safner und Stubenberger (ihr Ahnherr Wolfber-Wulfing ist mit der Erbtochter des Adalbero von Feistritz verheiratet) sowie die Herren von Neuberg, Stadeck und Landesehre dazuzuzählen. Das im Ennstal ansässige Geschlecht mit dem Namen "During" nennt sich "von Dunkelstein". Die Söhne eines During heißen Heinrich, Adalbero, Ulrich und Pilgrim. Die Rodung des oststeirischen Grenzwaldes erfolgt in Kirchberg und Grafendorf durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten, in Waltersdorf durch Walter Rüdiger von Hohenberg, in Weiz durch Luitold von St. Dionysen und in Pöllau durch die Stubenberger. Vor allem wird auch der Grenzwald zwischen Mur und Raab gerodet und damit die Gründung von Graz vorbereitet.

1122

Leopoldus fortis Leopold I. d. Starke Besiedlung von Graz

In diese Zeit fällt auch die Stadtgründung von Graz: Der hochfreie Adelige aus dem bairischen Geschlecht der Aribonen, Bernhard (Bero oder Benno) von Stübing (bis 1152), ist Besitzer des Grazer Bodens und des Schlosses Stübing. Er lässt die Aulandschaft entlang der Mur mit Dörfern besiedeln und durch seinen Gefolgsmann Hadmar vom Ennstal die neue Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg errichten. Reste der Burgmauer sind am westlichen Felsabfall des Schloßberges noch zu sehen.

Die Burg Stixenstein (Stuchsenstein)auf einer Anhöhe über dem Sierningtal bei Ternitz wird im 12. Jahrhundert von der steirischen Magistrale der Stuchsen von Trauttmansdorff errichtet. Nach einem Brand 1347 wird die Burg vom Landesfürsten Herzog Albrecht II. erneuert, ehe sie 1487 von den Ungarn unter Matthias Corvinus erobert wird. Aber bereits 1490 fällt sie wieder an die Habsburger. Am 28. November 1520 übergibt Kaiser Maximilian I. die Burg an Marx Treitzsaurwein. Über dessen Nachfahren gelangt der Besitz 1547 an die Freiherren von Hoyos, die die Burg renovieren, bevor sie durch weitere Brände schwer beschädigt wird.

1125
Hadmar vom Ennstal, ein Gefolgsmann Raffolds, errichtet im Auftrag des Bernhard von Stübing ein Herrschaftszentrum in Graz. Auf dem Schloßberg wird die Burganlage gebaut sowie zu ihren Füßen das älteste Siedlungszentrums in Graz („suburbanum castri“) mit einem Meierhof (Freiheitsplatz) und der dazugehörigen Eigenkirche St. Ägydius gegründet. Der dreischiffige romanische Bau steht auf der Hochterasse einer ehmaligen Dingstätte, außerhalb der Stadtmauern, an der vom Westen über die Furt der Mur kommenden Straße (Sporgasse) Richtung Osten. Als eine Art Wehrkirche ist sie von einer eigenen Friedhofsmauer umgeben, wobei ein Gräberfund aus 2010 im Keller der Grazer Burg zeigt, dass auch außerhalb der Ummauerung Menschen bestattet werden. Die Gründung dieser Ägidius-Stadtpfarre geht aufgrund ihrer Loslösung von der Mutterpfarre Feldkirchen-Straßgang hervor. Ihr, dem hl. Ägidius geweihtes Patrozinium verweist auf das Geschlecht der Dunkelsteiner, bei deren Stammsitz im niederösterreichischen Steinfeld sich heute noch das romanische Kirchlein "St. Ägyden am Steinfeld" befindet, von dem vielleicht das Patrozinium nach Graz verpflanzt wird. Ebenso könnte aber auch in dieser Zeit der Hochblüte der Ägidiusverehrung mit dem Herrschaftsbeginn der Otakare das Patronat direkt durch dieses Traungauergeschlecht übertragen worden sein, da deren Stadtpfarrkirche in Steyr ebenfalls. dem hl. Ägidius geweiht ist. Erster wirklicher Besitzer des Garzer Bodens ist dann der Sohn Bernhards von Stübing, der Hochfreie Udalrich von Graz (1115-1156). 1127 Ägydiuskirche

Leopold I. der Starke, Markraf der Steiermark, schenkt seinem Ministerialen Rudiger ein Gut bei Hartberg. In einer Abschrift aus dem 15. Jahrhundert der gefälschten Schenkungsurkunde an "Adalram de Waldekke" aus dem späten 12. Jahrhundert ist ein "Dietmarus de Gracz" als Zeuge genannt: eine der ersten urkundlichen Erwähnung des Namens „Gracz“. Der Unterschriebene Dietmar von Graz-Dunkelstein ist der Stammvater des Geschlechtes der Dietmare von Dunkelstein auf der Burg Ehrenfels und Trennstein am Südosthang des Schöckels, sein Bruder Ulrich von Graz-Dunkelstein, Ahnherr des Geschlechtes der Udalrichinger aus Trofaiach; beide sind zusammen mit ihrem Vater Hadmar vom Ennstal Dienstmannen von Raffold und Bernhard von Stübing. Dieses landesfürstliche Geschlecht der Herren von Dunkelstein tritt urkundlich in den hundert Jahren zwischen 1122 bis 1211 im Umkreis der Otakare von Steyr in Erscheinung. 1128 erbauen sie die Burg Dunkelstein am Ternitzer Petersberg.

1128

Schenkungsurkunde Burg Dunkelstein

Markraf Liutpold der Starke von Steyer beruft die "Grauen Mönche" von Ebrach bei Würzburg nach Rein, um in seiner Mark auf den Gütern, die sein Vater Otakar II. als Erbe von Graf Waldo erhalten hat, ein religiöses Zentrum, das älteste Zisterzienserstift Reun, im Sinne der Reformbewegung zu errichten, wo er auch nach seinem Tod am 26. Oktober 1129 begraben wird.
Gerlach, Graf von Dunkenstein, fungiert von 1129 bis ca. 1164 als erster Abt in Stift Rein. Bereits damals wird auch eine Schreibschule gegründet
.

1129 Markgraf Leopold I. der Starke
Neuer Markgraf der Steiermark wird der erst fünf Jahre alte Sohn von Leopold d. Starken, der Traungauer Otakar III. (1125 bis 1164), für den anfangsseine Mutter Sophie von Baiern, die Tochter des Welfen Heinrich des Schwarzen, die Regierungsgeschäfte übernimmt. Während seiner Regierungszeit wird Graz immer mehr zum Verwaltungszentrum seines riesigen Reiches, der Steiermark. In Graz wird erstmals zwischen der Mur und dem Schloßberg ein kleiner Gassenmarkt erwähnt. Kaiser Friedrich Barbarossa überträgt ihm die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift Seckau, über die Reichsabtei Göß und als erstem Reichsfürsten das Bergregal, das Juden- und Münzregal, das Marktrecht, die Maut- und Zollstätten sowie die Gerichtsbarkeit. Otakar III. lässt den den Saumweg über den Semmering ausbauen, gründet das Spital am Semmering, das Augustiner-Chorherrenstift in Vorau und die älteste deutsche Kartause in Seitz (Žiče, Slowenien). Durch Erbschaften erwirbt er von Otto von Cordenons das Gebiet in der Friaul mit Cordenons und die Vogtei über Stift Ossiach, den Besitz um Trixen mit Unterdrauburg, von seinem Onkel Bernhard, dem Grafen von Spanheim-Marburg, die Marken an der Drau und Sann mit den Herrschaften Marburg, Radkersburg und dem Tüffer Gebiet, das Amt Ratschach in Krain, die Vogtei über Pettau, die Klöster St. Paul und Viktring, verschiedene Lehen in Aquileia sowie nach dem Tod seines Cousins, des Formbachers Ekbert III., die niederösterreichische Grafschaft Pitten. Otakar III. gebietet letztlich über einen von der Donau bis zur Save reichenden Herrschaftsbereich. Otakar III.
Der hochfreie Adelige aus dem bayrischen Geschlechter der Aribonen, Bernhard (Benno) von Stübing, Enkel des Pfalzgrafen Aribo II., ist Mitte des 12. Jahrhunderts Besitzer des Grazer Bodens und des Schlosses Stübing. Er gilt als Erbauer der Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg sowie als Begründer des ersten Grazer Marktes ("Erster Sack" in der Sackstraße). Dieser liegt quer zur Durchzugsstraße "strata ungarica" gegen Osten, die hier die Mur überschreitet und die Verbindung zwischen der Römerstraße am rechten Murufer mit Ungarn darstellt und ein gewichtiger Grund für die Marktgründung ist. Von dieser wichtigen Handelsverbindung nach Gleisdorf, Weiz, Hartberg und weiter nach Savaria (Steinamanger) zweigte unmittelbar bei der Pauluskirche ein Weg Richtung Ries nach Fürstenfeld, ein zweiter über Waltendorf entlang des Ostrandes des Grazer Beckens nach Radkersburg (Religo von Hohenberg gründet an dieser Straße den Ort Gillersdorf) sowie einer nach Norden (Grabenstraße) ab.
Guntarn (St. Leonhard) ist im Besitz von Gunther, dem Markgrafen an der Sann. Danach 1158 gelangen die Besitzungen an das Stift Vorau, später an die Kommende des Deutschen Ritterordens.
Der Ahnherr der Stubenberger, Wolfber-Wulfing, der in den Jahren 1125/28 vom Markgrafen Leopold dem Starken ausgedehnte ungerodete Gebiete am Südhang des Masenberggebirges geschenkt bekommen hat, errichtet beim heutigen Pöllau um 1130 sein Herrschaftszentrum und beginnt von hier aus die Urbarmachung des Landes.

1130

Als Otakar III. mündig wird, übernimmt er die Verwaltung der Mark und errichtet als neues Verwaltungszentrum die Burg Marburg. Er ist von Anfang an bemüht, seine Herrschaft durch ein Zusammenführen der dichter besiedelten Traungauer Gebiete im Norden mit den ungrodeten Teilen des Südens zu festigen, indem er weiteren Geschlechtern Ländereien für ihren Übertritt in die Ministerialität übereignet. Der Hochfreie Dietmar, Sohn Hartwigs von Reiding, erhält Murau und Judenburg, wo er sich die Burg Liechtenstein erbaut und damit zum Ahnherrn der Liechtensteiner wird. Hartnig, der Sohn Ernsts von Traisen, bekommt einen Besitz am Traunsee und nennt sich Hartnid von Ort. Swiger tritt mit Gösting in die Ministeralität. Die Stahemberger und Emmenberger erhalten das Land von Pitten.

Aus dem Jahr 1139 gibt es die erste urkundliche Erwähnung der Schenkung des Gutshofes Jahring (Jarenina) vom Edelherrn Rudolf Wittenswald an das Kloster Admont samt der Weinberge um Eisenthür ( Železne Dveri ) und Kapela. Abt Anselm Lierzer gibt in den schriftlichen "Instrutiones" in 43 Punkten genaue Anweisugen für die sorgfältige Arbeit in den Weingärten.
In dieser Zeit um 1140 vermacht auch Markgraf Gunther von Sanntel dem Stift Admont Weingärten in Wetzelsdorf und am Kehlberg. Im Jahre 1951 gab es an dessen Hängen noch 21 Buschenschänken, weshalb der Kehlberg auch als "Klein-Grinzing" bezeichnet wurde.
1139

Adalram von Feistritz-Waldeck aus dem Geschlecht der Herren von Traisen stiftet in Friesach in Gegenwart der Bischöfe Reginbert von Brixen und Roman von Gurk sowie vieler adeliger Zeugen, darunter auch Udalrich von Graz-Dunkelstein, die Abtei .Seckau in St. Marein bei Knittelfeld und übereignet sie der Kirche von Salzburg. Grund dafür war der Totschlag an seinem Vetter Adalbero († um 1138), der mit seiner Frau Richinza Ehebruch begangen hatte. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz folgt Adaram einem Hirsch im Wald. Als er während einer Rast unter einem Baum einschläft, erscheint ihm die hl. Maria und ruft: "Hic seca!" (Hier fälle!). Und tatsächlich findet er unter dem umgeschnittenen Baum ein steinernes Marienbild, das heutige Gnadenbild von Seckau. 1142 wird das Stift nach Seckau verlegt.
In der diesbezüglichen Urkunde vom 10. Jänner 1140 wird der Hochfreie Udalrich von Graz-Dunkelstein als "Udalrich de Grace" erwähnt; es ist dies der erste sichere Nachweis des Namens Graz. Als "prefectus" der Burg ist er von 1146-64 der erste wirkliche Besitzer des Grazer Bodens.

An der Grenze der Steiermark zur Ostmark lässt Markgraf Otakar III. bei Piesting die Burg Starhemberg erbauen.

Der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1075-1147) lässt zur militärischen Absicherung des Landes gegen die Ungarn neben den Festen in Pettau und Deutschlandsberg den bereits bestehenden Wachturm in Leibnitz zu einer Burganlage (Seggauberg) ausbauen.

1140 Seckau
Burg Starhemberg
Die auf einem 200 Meter hoch emporragenden, bereits vor rund 6000 Jahren besiedelten Basaltkegel gelegene und urkundlich erstmals 1138 als "Ruotkerspurch" (Burg des Rüdigers) genannte Riegersburg befindet sich um 1140 im Besitz des Hartnid von Traisen-Ort, der sich damals "von Riegersburg" nennt. Seine Tochter heiratet den angesehenen Ministerialen Richer von Hengist (1130-1168). der von Markgraf Otakar III. mit der teilweise dem Erzstift Salzburg gehörenden Hengisburg belehnt wird und durch die Heirat jetzt zum Ahnherr der Riegersburg-Wildonier wird. Seine Söhne Hartnid, Herrand und Richer verlegen dann aber ab 1147 ihren Hauptsitz wieder auf die Burg Wildon und nennen sich "Herren von Wildon". Mit 7 Toren, 11 Basteien, 4 km Wehrmauern und 2 Burggräben ist sie die unbezwingbare "Veste des Abendlandes". Seit 1822 ist sie im Familienbesitz der Liechtensteiner und wird heute von Prinz Dr. Emanuel von und zu Liechtenstein zusammen mit seiner Gattin Prinzessin Sonja geführt. 1142

Udalrich I .der Ältere von Graz-Dunkelstein (Udalricus de Donchensteine 1146 bis 1164), Ahnherr des fränkisch-allemannischen Geschlechtes der Udalrichinger in Graz, ist zusammen mit seinem Vater, Hadmar vom Ennstal, ein Ministeriale von Bernhard von Stübing und wird als Befehlshaber der Burg Graz in einer Urkunde Markgraf Otakars III. als "Udalrich de Grace" und "prefectus urbis Grace" genannt. Als Burgherr von Graz verfügt er über Besitzungen in Graz, Wildon, Mureck, Glaneck, Neumarkt, Niederwölz, seine Familie über Besitztümer in Traboch, Trofaiach, St. Benedikten im Seckauer Becken, Prethal bei Bruck, Afram und Ragnitz bei Wildon.
Sein Bruder der Kreuzfahrer Heinrich von Dunkenstein (Henricus de Donchinstaine, NÖ.), ebenfalls ein Ministeriale des Markgrafen Otakar III., nimmt am 2. Kreuzzug teil und widmet am 16. Juni 1146 dem Kloster Rein zu seinem Seelenheil eine Hube in „Subellendorf“ und seine Höfe in Weikersdorf (bei Wiener Neustadt) mit dem Vorbehalt, dass seine Nichte Gertrudis diese bis zu ihrem Lebensende nutzen kann.

Nachdem der Traungauer Otakar III. als Verbündeter des Bischof Heinrich I. von Regensburg mit seinen Traungauer Mannen im Kampf gegen den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott Österreich verwüstet, werden die Streitenden am Hoftag in Regensburg von König Konrad III. aber wieder versöhnt und begleten beide den König am 2. Kreuzzug (1147-1149).

1146

Auch der Spanheimer Bernhard, Graf von Marburg und Begründer von Viktring, nimmt am 2. Kreuzug teil und setzt sein einstiges Mündel, Otakar III., für den Fall seines Todes zum Erben ein. Als er tatsächlich bei Laodicea in Kleinasien in einen Hinterhalt gerät und stirbt, fällt sein ganzer Besitz und seine Ministeralen an Markgraf Otakar III., darunter die Marken an der Drau und im Sannwald, die Herrschaften Marburg, Lembach, Radkersburg, Tüffer, Haidin, Dranneck (Traun) undTrixner, die Vogteien St. Paul, Viktring und Pettau sowie verschiedene Lehen in Aquileia. Otakars Machtbereich erstreckt sich jetzt südwärts bis zur Drau, Sann unjd Save und sogar in das Gebiet von Krain.
Laut einer gesiegelten Pergamenturkunde im Stift Rein spricht Otakar III. diesem das Abbaurecht für Salz am Ahornberg bei Altaussee zu. Die Reiner Mönche sind die ertsen, die einen Untertage-Bergbau betreiben.

Dietmar I. von Graz (1147), Stammvater der Ministerialiengeschlechter der Trennsteiner u. Ehrenfelser, beherrscht mit seinen Besitzungen östlich und südöstlich des "mons Sekkel" (Schöckels): Paldungesdorf, Diepoldsberg am Schöckl und Göttelsberg bei Weiz die Straße von Graz nach Hartberg.
Erstmals wird in einer Urkunde des Stiftes Rein der 1445m hohe "mons Sekkel" (slaw. "cegl"= allein. Schöckl = allein stehender Berg) urkundlich erwähnt. Der Hausberg der Grazer gilt aufgrund seiner mächtigen Gestalt als sagenumwobener steirischer Blocksberg, auf dem sich die Wetterhexen treffen. Als natürliches Bollwerk spielt er eine bedeutende Rolle gegen alle Feinde aus dem Südosten, so zB. als Kreidfeuerstation.

In Graz wird das Bestehen eines kleinen Gassenmarktes im ersten Sack sowie erste Erwähnung eines Kaufmannes namens Witelo urkundlich bestätigt.

1147 Ehrenfels

Als der Besitzer der Herrschaft Graz, Bernhard von Stübing, stirbt, seine beiden Söhne Konrad "Henne" von Feistritz und Adalram 1151 wegen angeblichen Hochverrats enthauptet werden und der dritte Sohn Udalrich von Graz ins Kloster Seckau eintritt, wird der riesige Besitz von Markgraf Otakar III. eingezogen. Das Gebiet reicht vom Schloßberg bis nach rapam (St. Ruprecht an der Raab). Der Ort Andorf (Erbindorf, iuxta Rabam fluuium sitis) ist im Besitz des Klosters Seckau. Otakar III. übernimmt auch die Ministerialen der Aribonen. Seine beiden Gefolgsmänner, Hadmar vom Ennstal und dessen Sohn Udalrich von Dunkelstein, sorgen mit der Errichtung der neuen oberen Burg auf dem Schloßberg, dem Meierhof, der ältesten Marktsiedlung unter der Burg (Freiheitsplatz), der Eigenkirche St. Ägydius (Domkirche), der Anlegung eines zweiten Marktes mit dem Hauptplatzes (1160) sowie von "Harmsdorf" (Althallerschlößl), eines eigenen Herrenhofes, für den weiteren Ausbau von Graz zu einem neuen Herrschaftszentrum. Der Markt im Zentrum der Altstadt ist nach dem bairischen Muster einer Ackerbürgerstadt angelegt, deren profane Hofstätten ein Vorder- und Hinterhaus besitzen, welche durch einen schmalen Flügen, die Stallungen, verbunden sind, während sich die Pfarrkirche St. Ägydius als umwehrtes Kirchenkastell außerhalb der Stadtmauer befindet und die Bettelorden bei den Stadttoren siedeln (die Franziskaner beim Murtor, die Dominikaner beim Eisernen Tor).

Otakar III., der als Markgraf von Steier bereits den Panther in seinem Wappen trägt, erwirbt durch Erbschaften weitere riesige Gebiete, sodass sein Herrschaftsbereich schließlich von der Donau bis zur Save reicht.

1151

Am Reichstag wird Otakar III. zum Vogt des von Adalram von Feistritz-Waldegg gegründeten Stift Seckau eingesetzt und nimmt anschließend im Gefolge von Kaiser Friedrich I. Barbarossa an dessen erstem Italienfeldzug teil. 1152  

Der muslimische Georgraf und Kartograf Muhammad al-Idrisi (1100-1165, أبو عبد الله محمد بن محمد بن عبد الله بن إدريس الإدريسي) bereist als Jugendlicher ganz Europa und berichtet in seinem Werk „Reise des Sehnsüchtigen um die Horizonte zu durchqueren“ unter anderem über eine Stadt Stadt Akrizaw, die am Ende des Berges Dschuá (Graz am Fuße des Schöckls) liegt.

In den Urkunden taucht ein Friedrich von "Lonsperg" auf. Aus dem alten Burgnamen wird später Landsberg und schließlich Deutsch-Landsberg, um Verwechslungen mit dem untersteirischen Landsberg (Podčetrtek) zu vermeiden.

1154

Markgraf Otakar III. von Steier begleitet König Friedrich I. Barbarossa zu dessen Kaiserkrönung nach Rom.

Erzbischof Eberhard I. von Salzburg schenkt das ganze Zehent zwischen der Pinka und Lafnitz dem Kloster Admont.

1155

Kaiser Friedrich I. Barbarossa erklärt 1156 auf dem Reichstag von Regensburg die bis dahin zum Herzogtum Baiern gehörende "Marcha austria" (Mark Österreich) zu einem selbständigen Herzogtum und belehnt damit den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott (1107-77) und dessen Frau Theodora. Die darüber ausgestellte Urkunde, das sogenannte "Privilegium minus" enthält eine Reihe von Sonderrechten, wie die Erblichkeit der Herzogwürde und die weibliche Erbfolge.

Otakar III. gelangt durch den Eintritt des Hochfreien Udalrich von Graz (der jüngste Sohn Bernhards von Stübing) in das Stift Seckau in den Besitz von dessen Gütern auf Grazer Boden und geht nun daran, der Marktanlage um den Grazer Hauptplatz den Straßenmarkt des 1. Sackes anzufügen und seiner Mark ein neues Zentrum zu geben.

1156

Ein Gräberfund aus 2010 im Keller der Grazer Burg zeigt, dass auch außerhalb der Friedhofsummauerung der Ägidiuskirche Menschen bestattet werden. Die Anordnung und die Verletzungen der 18 Skelette (4 Kinder, 8 Männer, 6 Frauen) lassen darauf schließen, dass es sich bei den Toten um Opfer von Gewalteinwirkungen und bei Seuchen Verstorbener handelt, die vielleicht einer elitären Gesellschaftsschicht angehören und gesondert begraben wurden.

Graz Burg Graz Burg Grazer Burg
Nachdem ein Streit um die Schenkung von 100 Huben durch Kaiser Konrad II. an seine Schwägerin Beatrix von Erzbischof Eberhard von Salzburg zugunsten des Stiftes St. Lambrecht entschieden wird, kommt es zur Teilung zwischen dem Pfarrgebiet Mariazell und der Herrschaft Aflenz. Im Auftrag des Abtes Otker von St. Lambrecht kommt ein Mönch namens Magnus mit einer aus Lindenholz geschnitzten Marienstatue in die Gegend um Mariazell, um hier als Seelsorger für das ansässige Hirtenvolk zu sorgen. Nahe seinem Ziel versperrt ihm ein Felsen den Weg. Magnus wendet sich hilfesuchend an die Muttergottes und sogleich spaltet sich der Felsen und gibt den Weg frei. Am Ziel angekommen, stellt er die Marienstatue auf einen Baumstrunk und errichtet darüber eine kleine Holzkapelle, die bald zum geistlichen Mittelpunkt der ganzen Gegend wird. Aus "Maria in der Zelle" entwickelt sich der Name Mariazell und die Marienstatue wird wird zum verehrten Gnadenbild der "Magna Mater Austriae". In diesem Sinn errichtet um 1200 Heinrich Vladislav I., der Bruder König Ottokars I. von Böhmen, zum Dank an seine Heilung von der Gicht eine Steinkirche und König Ludwig I. von Ungarn opfert sein kostbares Marienbild, mit dessen Hilfe er 1364 ein übermächtiges türkisches Heer besiegen konnte. 1157
Bei der Eroberung von Mailand fällt mit Graf Ekbert III. von Formbach-Neuburg der letzte seines Hauses und die Herrschaft Pitten von Mürzzuschlag bis zur Piesting geht ebenfalls an Markgraf Otakar III. 1158  

Die durch Otakar III. übernommenen Ministerialen der Aribonen, Hadmar vom Ennstal und und dessen Sohn, Burggraf Ulrich von Graz-Dunkelstein, sorgen mit der Anlegung eines zweiten Marktes mit dem Hauptplatzes (1160) sowie von "Harmsdorf" (Althallerschlößl) für den weiteren Ausbau von Graz als neues Herrschaftszentrum.
Am rechten Murufer entsteht ein großer ländlicher, erzbischöflicher Pfarrsprengel (von Gösting bis nach Premstätten), im Osten die landesfürstliche Stadtpfarre Graz (von St. Veit bis Fernitz).

Erstmals taucht auf dem Schild von Markgraf Ottokar III. der Panther als religiöses Sinnbild des auferstandenen Christus als Wappentier auf und wird damit zum Vorläufer des steirischen Wappens.

Unter Otakar III. 1160 auch Ausbau des Weges durch den Cerwald über den Semmering mit der Gründung eines Hospizes für Pilger, Kreuzfahrer und Kaufleute in Spital am Semmering.

Otto von Stubenberg, der Stammvater dieses aus Pitten stammenden Geschlechtes, lässt bei Stubenberg am See in der Oststeiermark die Burg Stubenberg - nach ihremerstmals 1375 urkundlich erwähnten Besitzer dann Burg Neuhaus genannt - als Lehen errichten. Auch die Burg Kapfenberg (Chaffenberch = Burg am Ausschauberg) wird von dessen Geschlecht erbaut und nach der Zerstörung der Burg Stubenberg 1268 durch Přemysl Ottokar II. zum neuen Wohnsitz.

1160

Aus Freude über die Geburt seines Sohnes stiftet Markgraf Otakar III. dem Salzburger Erzbischof seine von Graf Ebert III. von Formbach-Pitten geerbten Besitzungen in Vorau, darunter die Eigenkirche St. Thomas zur Gründung des Chorherrenklosters Vorau. Erster Propst wird der bisherige Dechant von Seckau, Leopold von Tragöß.
Unter den Buchbeständen der 415 Handschriften, 206 Inkunabeln und 40000 Druckwerken findet sich die um 1140 unter dem zweiten Propst Bernhard entstandene Texthandschrift Codex 276 "crônicâ" (Kaiserchronik), welche in 30000 Versen die Geschichte von Caesar bis zum römisch-deutschen König Konrad III. erzählt sowie die Volksbibel in bayerisch-österreichischer Mundart mit 559 kolorierten Federzeichnungen..

1163 Vorau Markgraf Otakar III.

Graz wird erstmals als Markt genannt.

Der Traungauer Markgraf Otakar III. schenkt dem Zisterzienserstift Rein drei Hofstätten unter der Grazer Burg zur Errichtung eines Stiftshofes, der "Reinerhof" (Sackstraße 20) wird gebaut. Er ist als ältestes Haus und erstes Kaufhaus von Graz urkundlich nachweisbar. In der Urkunde wird deutlich zwischen "suburbanum castri" (alte Marktanlage in der Sackstraße) und dem "forum" (neue Marktanlage am Hauptplatz) unterschieden.

Im Gau Gonobitz (Slovenska Konjice) in Seitz (Žiče) in St. Heinrich am Bachern (Sveti Areh na Pohorju) stiftet Otakar III. für den Kartäuserorden eine Kartause mit dazugehörigen Jagdgründen, die welche mit Mönchen aus der Grande Chartreuse von Grenoble besiedelt wird. Die Grabplatte des Fürstengrabes zeigt eine ganzfigürliche Darstellung seines hier begrabenen Sohnes Markgraf Otakar IV. / Herzog Otakar I.

Otakar III. tritt dann einen Kreuzzug ins Heilige Land an, verstirbt aber 31.12.
1164 auf der Durchreise bei Fünfkirchen in Ungarn.
Da
der ihm nachfolgende Sohn Otakar IV. (1163-92) erst ein Jahr alt ist, führt seine Mutter Kunigunde von Vohburg bis zu seiner Volljährigkeit 1180 die Regierungsgeschäfte.

1164
Bau der Burg Neuberg (Nitberg) bei Hartberg durch Gottschalk Schiring, einen Sohn Wulfingd von Stubenberg, als Trutz- und Grenzfeste gegen das gefürchtete ungarische „heidnische Geschmeiß" aus dem Osten. Im Erdgeschoss des Kanonenturmes befindet sich eien 1661 dem hl. Ägydius geweihte Schlosskapelle mit einem Altarblatt des Heiligen sowie 14 Nothelferbildern. 1166
Kaiser Friedrich I. Barbarossa hält sich im Zuge der Verfolgung von Erzbischof Adalbert II. von Salzburg in Leibnitz auf. 1170
Der junge Markgraf Otakar IV. hält in in Graz, das als "forum" (Markt) bezeichnet wird, einen großen Hoftag ab. Der Pfarrer der St. Ägidenkirche ist gleichzeitig auch sein Hofkaplan. 1172  
Die früheste Bezeugung der Ägydenkirche des Marktes Graz findet sich in einer Schenkungsurkunde Markgraf Otachers an das Stift Seckau: „actum in foro Grazze in ecclesia sancti Egidii“ im Jahre der Fleischwerdung des Wortes, am 17. Februar 1174, seitdem die Ägidiuskirche Sitz der Pfarre ist. 1174  
Im Kampf um die Eypansion Österreichs nach dem Westen (Traungau) und nach dem Süden (Grafschaft Pitten) stehen sich die Babenberger Heinrich II. Jasomirgott und die Traungauer Otakar IV. kriegerisch gegenüber und verwüsten gegenseitig deren Landstriche. 1175
In einer Urkunde aus dem Jahr 1179 wird erstmals ein "Rudegerus de Planchinwarten" erwähnt, der das Amt des Landmarschalls inne hat. Die Herren von Plankenwarth waren Ministeriale der Landesfürsten. 1179

Auf dem Reichstag zu Regensburg am 13. Juli 1180 wird der 17-jährige Otakar IV. von seinem Onkel Friedrich I. Barbarossa für volljährig erklärt und durch die Entgegennahme des Fahnenlehens zum Herzog Otakar I. der "terra ducis Stiriensis" erhoben. Die karantanische Steiermark wird von Baiern getrennt und in den Rang eines Herzogtums erhoben; einen gemeinsamen Namen aller Landschaften gibt es aber noch nicht und so wird die „terra ducis Stirensis” auch als "marchionatus Styriae", "Marchia Stirie”, "Stirenmarch”, "Stiremarke", "Stire", "Stirelant", „Steir”, „Steierland” oder „Steiermark” bezeichnet. Otakar IV. / Herzog Otakar I. sichert die Grenz gegen Ungarn durch den Bau von Burgen ab, grübdet die Stadt Fürstenfeld und baut Graz weiter als Residenz aus, wo sich der steirische Panther auch im Stadtwappen von Graz wiederfindet.

Beginnend mit 1144 erfolgt auf Initiative des Stiftes Reichersberg am Inn die zur Ortsgründung notwendige Schlägerung eines Waldgebietes in der Buckligen Welt (="Kirchschlag"). Insgesamt werden 20 Patronatspfarren eingerichtet. Die Gründung der dem hl. Johannes dem Täufer geweihten Taufkirche in Kirchschlag am Wechsel wird um 1170 angenommen. Um 1180 beginnt der steirische Adelige Herrand von Wildon zur Sicherung des Grenzlandes gegen ständig drohende Einfälle der Magyaren mit der Erbauung der Burg Kirchschlag. Infolge des Erbschaftsstreites zwischen dem Böhmenkönig Ottokar II. und dem Ungarnkönig Bela IV. um das Erbe der 1246 ausgestorbenen Babenberger fällt Kirchschlag 1254 an Ungarn und kommt erst 1260 wieder an die Pottendorfer.

Der steirische Ministerale "Mengor de Chirchowe" erwähnt einen "Mansen in loco dicitur Steinvoelt" (St. Egyden im Steinfeld).

1180

Otakar.IV. 1173.Otakar.IV. Herzoghut

Mit Heinrich I. scheint erstmals ein Pfarrherr in Graz auf: "Plebanus Henricus de Graece" (1181-1224). 1181  

Der Udalrichinger "burggravius de Graece", Otaker I. de Graz (bis 1215), und der "castellanus de Graez", Otto I. von Graz, aus dem Geschlecht der Grazer Dietmare, sind die gemeinsamen Burgherren auf dem Schloßberg. In dieser Zeit wird auf älteren Fundamenten die romanische Rundkirche, die St. Thomaskapelle, erbaut.

Erstmals wird die Ortschaft Guntarn (st. Leonhard in Graz) genannt.

1185 Thomaskapelle Thomas-Kapelle
Am 17. August 1186 schließen der kinderlose und schwer kranke Traungauer Herzog Otakar I. von Steiermark (Otakar IV.) und der Babenberger Herzog Leopold V. von Österreich auf dem Georgenberg in Enns einen Erbvertrag, die Georgenberger Handfeste, in welchem vereinbart wird, dass nach Otakars Tod der Herrscher Österreichs auch in der Steiermark herrsche, dass also beide Herzogtümer für immer ungeteilt bleiben.
Das Wappen der Stadt Enns erinnert an diesen Vertrag: oben mit dem silbernen, rot gewaffneten, wachsenden Panther auf grünem Grund der Otakare, unten das Weiß und Rot an den Bindenschild der Leopolde.
1186 Georgenberger.Urkunde Georgenberger.Handfeste
Graz wird erstmals "civitas" (Stadt) genannt. Die Stadtrichter siegeln ihre Schriftstücke mit dem Wappen des Traungauer Panthers.. 1189
Im August 1190 brechen steirische Ritter mit Herzog Leopold V. zum Dritten Kreuzzug ins Hl. Land auf, wo bei Erstürmung der Stadt Akkon durch Leopolds blutgetränkter Waffenrock, durch den breiten Schwertgurt abgedeckt, um die Taille ein weißer Streifen frei bleibt, was zur Enstehung des rot-weiß-roten Bindenschildes führt, die Fahne Österreichs wird geboren. Auch kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen Herzog Leopold mit dem englischen König Richard Löwenherz, weil dieser eine österreichische Fahne von einem erstürmten Tumr herunterholen lässt und Leopold von der Beute ausschließt. Leopold lässt deshalb Löwenherz auf dessen Rückweg durch Wien auf der Burg Dürnstein gefangen nehmen und erst gegen ein Lösegeld von 150000 Kölner Mark Silber wieder frei, womit er später an der östereichisch-steirischen Grenze die Stadt Wiener Neustadt erbauen lässt. Bei diesem Kreuzzug ertrinkt auch Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Fluss Saleph nahe Seleucia in Kleinasien. 1190

Als Herzog Otakar I. 1192 im Alter von 29 Jahren an Lepra oder Elefantiasis stirbt (von Seitz werden seine Gebeine nach Rein, die Grabplatte nach St. Heinrich am Bachern gebracht), folgt ihm Herzog Leopold V. der Tugendhafte gemäß den Vereinbarungen der Georgenberger Handfeste nach. Er wird zu Pfingsten am Hoftag in Worms von Kaiser Heinrich VI. mit dem Herzogtum Steyer belehnt und damit der erste gemeinsame Regent des Länder Österreich-Steiermark. Dieser feiert als neuer Landesherr noch im selben Jahr im Juni den ersten Hoftag in Graz, wo er auf dem Platz vor der Pfarrkirche St.Aegiden auf einem Speer das Wappenschild von Österreich und Steier aufrichten lässt und unter freiem Himmel allgemeines Gericht hält. Zu seiner Zeit wird das der hl. Katharina geweihte Kirchlein an der Friedhofsmauer von St. Ägid gebaut, ein romanischer Rundbau, der auch als Karner bzw. Beinhaus dient.

1192

Leopold.V. Steiermark

Im Herbst beruft Herzog Leopold V. in Fischau eine Ministerialenversammlung mit dem Ziel ein, im siedlerleeren Gebiet zwischen Österreich und der Steiermark auf dem Steinfeld eine befestigte Stadt (Wr. Neustadt) zu gründen.

Bei einem Turnier in Graz stürzt Leopold V. vom Pferd, bricht sich den Knöchel und verstirbt am 31. Dezember 1194 an den Folgen der mit einem Jagdmesser durchgeführten Amputation an einer Blutvergiftung. Sein Leichnam wird zur Beerdigung in das Stift Heiligenkreuz überführt.
Entgegen den Bestimmungen wird die Herrschaft unter seinen Söhnen nun wieder aufgeteilt: Friedrich I, der Katholische, erhält das Herzogtum Österreich (heutiges Nieder- und Oberösterreich), Leopold VI., der Glorreiche, übernimmt die Steiermark.

1194

Tummelplatz

Mit der Verleihung des Marktrechtes an Graz durch die Babenberger Herzöge Friedrich I. und Leopold VI. besteht das besondere Privileg, einmal im Jahr einen Jahrmarkt abhalten zu dürfen. So wird der Egydimarkt, der seinen Ursprung im Grazer Kirchtag hat, bis zum Jahre 1414 nur am Festtag des Schutzpatrones der Kaufleute, der Kirche und der Stadt, des hl. Ägidius am 1. September am Marktplatz (Hauptplatz) und in der Bürgergasse (Herrengasse) abgehalten. Diese Recht wird in der Folge auch für andere steirische Märkte zum Vorbild (zB. 1281 in Kindberg)

In der östlichen Randlage vom Markt Leoben wird die Filialkirche Nennersdorf (auch St. Lambrecht zu "Schaletitz") der Mutterpfarre St. Michael erwähnt.

1195  
Herzog Friedrich I. hält in Graz einen allgemeinen Gerichts- und Hoftag ab. 1196  

Als schließlich auch Herzog Friedrich I. der Katholische auf der Rückreise vom Kreuzug Kaiser Heinrich VI. aus Palästina stirbt, werden beide Herzogtümer, Österreich und die Steiermark, wieder unter einem Herrscher, nämlich seinem jüngeren Bruder Leopold VI. dem Glorreichen (1176-1230) vereint. Vom Geschlecht der Hohenburg-Wildberger übernimmt er das rot-weiß-rote Bindenschild, das zum Wappen Österreichs wird. Zusätzlich erwirbt Leopold VI. weitere Lehen, sodass sich sein Herrschaftsbereich von Wels über das Mühl- und Waldviertel und Wiener Becken bis nach Portenau (Portenone) erstreckt. Er fördert den Handel (vom Rhein nach Byzanz) und die Zünfte, das Bürgertum und die städtische Kultur. Sein Hof in Wien ist als Zentrum des Minnesangs bekannt, an dem auch Walther von der Vogelweide und Ulrich von Liechtenstein wirken. Auch das Nibelungenlied könnt möglicherweise hier geschrieben worden sein.

1198
Schon das Siegel des Landmarschalls, Herrand I. von Wildon, zeigt den von einem Marschallstab und drei grünen Seeblättern unterlegten Panther des Familienwappens des Ministerialiengeschlechts der Wildonier. Herrand ist ein Sohn des Richer von Hengist-Wildon und der Tochter des Harand von Traisen, die am Zweiten Kreuzzug (1147-49) teilgenommen haben. Sein Schwiegervater Luitpold stirbt während des Dritten Kreuzzuges. 1191 wird Herrand I. als Truchsess des steirischen Herzogs genannt. Er fördert den Eintritt des Joanniterordens in die Steiermark. 1199
Durch Leopold VI. Erbauung der Rundkapelle St. Kunigund bei einer Gerichtsstätte auf dem "Hugel Lee bei Graz" samt ummauerten Friedhof. Ihre Entstehung und ihr Patrozinium wird mit dem Kult um die hl. Kunigunde, der von Papst Innozenz III. heilig gesprochenen Frau des bairischen Herzogs Heinrich IV. und späteren Kaiser Heinrich II. aus der Linie der Liudolfinger sowie der Übertragung ihrer Gebeine in den Bamberger Dom 1201 in Verbindung gebracht, als plötzlich ein Stummer wieder sprechen kann. 1202 Leechkirche
Einer der bedeutendsten Grazer Pfarrer, Heinrich I. (1181-1224), wird als Kaplan von Herzog Leopold VI. erwähnt („sacerdos de Graeze“). 1203  
Zwischen Erzbischof Eberhard II. von Salzburg und Herzog Leopold VI. von Österreich und Steier wird vertraglich das Patronatsrecht für die steirischen Landesfürsten festgelegt: Der Erzbischof behält sich die völlig freie Verleihung von Pitten, Walterdorf und Radkersburg, verzichtet aber auf das Patronatsrecht über die Pfarren Lanzenkirchen, Hartberg, Graz, Riegersburg und Straden, womit die Grazer Pfarre landesfürstlich wird. Das erlaubt - wie schon früher - dem Landesherrn als Erbauer und Eigner von Kirchen auch die Bestellung von Pfarrern mit ihren Günstlingen. Nach alter Sitte sind diese Pfarrer gleichzeitig auch die Kanzleivorstände der steirischen Markgrafen und Herzöge.
Demnach spielt der aus dem Zisterzienserstift Zwettl kommende Pfarrer Heinrich, der erste der Grazer Ägidiuskirche, auch eine bedeutende Rolle in der herzöglichen Kanzlei; sein Pfarrgebiet ist das ganze linke Murufer, von Weinzödl bis zum Hühnerberg.
1211

Herzog Leopold VI. beteiligt sich am Albingenser Kreuzzug.

In einer am 13. Mai 1212 ausgestellten Schenkungsurkunde an Ulrich I. von Peggau (ab 1237 Graf von Pfannberg) wird der Ort "Sembriach" erstmals erwähnt.

1212 Semriach

Die Peggauer bauen Anfang des 13. Jahrhunderts auf dem strategisch günstig gelegenen Hügel die Burg Pfannberg. 1214 wird erstmals mit Wichart von Pfannenberch ein Burggraf erwähnt. Bald nennen sich die Peggauer nach ihrer neuen Burg. Ulrich I Graf von Pfannberg, der 1237 unter den Gefolgsleuten des Kaisers Friedrich II aufscheint und für ihn gegen Herzog Friedrich II den Streitbaren kämpft, erhält dafür als Lohn die Grafenwürde samt dem neuen Namen.

1214

Unter Herzog Leopold VI. wird in den Jahren von 1214 bis 1223 Graz, das sich aus der ehemaligen Marktsiedlung um zwei Drittel vergrößert hat, zum ersten Mal richtig ummauert. Die Mauer verläuft auf halber Höhe der Westseite des Schloßberges, führt dann steil herunter zum Reinerhof und weiter, unterbrochen durch das innere Murtor, über das Franziskanerkloster zum Reckturm (Kalchberggasse/Raubergasse) am südlichen Stadtende. Von hier aus quert der Mauerverlauf die Schmiedgasse und führt über das Judenviertel zum Dominikanerkloster am Tummelplatz. Über das Burgtor und das innere Paulustor folgt sie der alten Stadtmauer dem Schloßberg hinauf zum Uhrturm.

Ein Albertus wird als "judex" (Stadtrichter) ernannt, der den Vorsitz im Stadtgericht führt und die Stadtgeschäfte koordiniert.

Wolfram von Eschenbach beschreibt in seiner Parzival-Dichtung, dass Gahmuret bei seiner Rückkehr aus dem Ausland wieder sein väterliches Wappen annahm: "Daz pantel, daz sin vater truoc, von zobele uf sinen schilt man siuc", wobei der Dichter Parzivals Vater Gandin in Beziehung zu dem "lant genennet Stire" bringt. Noch deutlicher beschreibt der bairisch-salzburgerische Dichter Pleier in seinem Artusroman "Garel von dem blühenden Tal" um 1230 den Schild dieses Ritters Garel, einem Vetter von Parzival und Enkel vonKönig Gandin ("dem diengt Stire daz lant"): "Sines schildes dach war hermin, diu buckel diu gap liehten schin von tiuren edelen steinen grozen unde kleinen, ouch fuort der degen milte uf dem hermin schilte von schwarzem zobel ein pantel" (zu sehen im Garel-Freskenzyklus auf der Burg Runkelstein bei Bozen, um 1392.)

Im 4., von Papst Innozenz III. einberufenen Lateranskonzil werden im 68. Canon seiner Bulle Bekleidungsvorschriften für die Juden und Sarazenen erlassen, damit sie sich von den Christen unterscheiden und mit diesen keinen irrtümlichen Geschlechtsverkehr treiben. Sie sollen die schon von alterher übliche, in der Bibel beschriebene Kleidung tragen: „Sie sollen sich Quasten an die Zipfel ihrer Kleider nähen und an jeder Zipfelquaste eine Schnur von violettem Purpur anbringen." Später werden in den verschiedenen Synoden weitere diesbezügliche Kennzeichen vorgeschrieben: der spitze gehörnte gelbe Judenhut (ein Relikt der phrygischen Mütze), die Kippa (kleien tellerförmige Kopfbedeckung für Männer), Judenfleck (hellgelbe aufgenähte Ringe oder Davidsterne). Weitere typische Bekleidungsstücke sind: weiße Kittel aus Leinen, keine schulterfreien Kleider für Frauen, der Gebetsschal (Tallit), Kaftan und pelzbesetzte Mütze.

1215
Leopold VI. der Glorreiche, Herzog von Österreich und der Steiermark, nimmt 1217 bis 1219 am Kreuzzug von Damiette teil 1217
Mit der Erlaubnis von Papst Honorius III. gründet der Salzburger Erzbischof Eberhard II. das Bistum Seckau, das damit nach Gurk (1072) und Chiemsee (1215) das dritte Salzburger Eigenbistum wird. Die weltliche Bestätigung erfolgt durch König Friedrich II. in Nürnberg, der dem Propst von Friesach und Maria Saal als neuem Bischof Karl I. die Würde eines Reichsfürsten verrleiht. Das Territorium des Bistums umfasst lediglich einen schmalen Streifen von Seckau über das Murtal und die Stubalpe in das Kainachtal und zur Mur bei Wildon mit insgesamt 13 Pfarren. Die Seckauer Bischöfe residierten von Anbeginn weg nicht im Augustiner-Chorherrenstift Seckau, sondern auf Schloss Seggau bei Leibnitz und fallweise auch in Graz. 1218 Gründung Bistum Seckau
Herzog Leopold VI., der Glorreiche, hält in Graz einen großen Hoftag. 1221 Leopold VI.

Herzog Leopold VI. hält 1224 „iuxta capellam sancte Chunegundis“ und 1227 „in ecclesia sancte Chunegundis“ in der Leechkirche Gericht.

Der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein kommt in Begleitung seines Knechtes nach Graz, um sich seine von einer Hasenscharte verunstaltete Oberlippe operieren zu lassen: "Da ritt ich hin. Auch er ritt so / nach Graz. Und dort war ich sehr froh / als gleich ich meinen Meister fand / Der war bald dienstbereit zur Hand / un eines Montagmorgens dann / er scharf zu schneiden mich begann / Er wolt' mich binden - ich wollt's nicht / Er sprach: Wird Unglück angericht', / denn rührt ihr euch bloß um ein Haar / wird es euch schaden. Das ist wahr." / Ich sprach: "Ich werde es nicht tun. / Ich bin hierher geritten nun / weil mir mein Übel es gebot - soll ich auch liegen bleiben tot. / ich rühr' mich nicht. Ihr werdet seh'n / Mag mir's auch noch so weh ergeh'n." / Die Furcht war wirklich nicht so schlimm / Ich saß auf einer Bank vor ihm / mit einem Schermesse darauf / schnitt er mir meinen Mund dann auf / Ober den Zähnen schnitt er ab, / was ich ganz still erduldet hab' / Das Schneiden war damit geschehen / und keiner hat mich wanken sehen. / Er hat es meisterlich getan und ich ertrug es als ein Mann / Da schwoll mein Mund mit einem Mal / viel ghrößer als ein runder Ball. / Er ließ der Wunde so ihr Recht / Das sah dann meiner Dame Knecht und sprach zu mir: "Möget ihr genesen, / Dann bin ich gerne hier gewesen."

Gundacker stammt aus der Steiermark und nennt sich nach der Stadt Judenburg "Gundacker von Judenburg". Er ist der Verfasser der religiösen Dichtung "Christi Hort", die über die Leidensgeschichte Christi erzählt.

1224
Im Norden von Graz, westlich von St. Veit am Fuß der Rannach gelegen, befindet sich das zuerst dem Stift Rein, dann dem Stift St. Lambrecht gehörende Stift Niklas "zu Weinzürl", das mit seinem Neubau 1673 durch domenico Sciassia als "Schloß St. Gotthard" bezeichnet wird. 1226

Otto II. von Graz aus dem Geschlecht der Grazer Diertmare erbaut die die Römerstraße kontrollierende Burg Ehrenfels bei St. Radegund und nennt sich ab diesem Zeitpunkt "von Ehrenfels".

Leuthold von Wildon, der Grundherr von Stainz, lässt zusammen mit seiner Gattin Agnes von Liechtenstein im Jahre 1929 am Platz der Kapelle "St. Katherina in der Pirken" am Stainzer Schlossberg ein Augustiner-Chorherrenstift errichten, welches mit Chorherren aus Seckau besiedelt wird. Leutholds Bruder Ulrich, der Bannenträger in der Schlacht von Kressenbrunn, baut die Stiftung aus, worüber auch von seinem Sohn, dem Dichter Herand von Wildonie, in dessen Verserzählung "Der nackte Kaiser" berichtet wird.

1229 Ehrenfels

Neben der ältesten Kapelle von Graz, der Jacobikapelle, Gründung eines Klosters an der "Murpruggen" (heute Franziskanerkloster) durch die Grazer Minoriten.

Friedrich II. der Streitbare (1211 bis 15.6.1246), aus dem Geschlecht der Babenberger, wird nach seinem Vater Leopold VI., der bei einem Vermittlungsversuch zwischen den Hohenstaufer-Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. in San Germano (Cassino) verstarb, Herzog von Österrerich und der Steiermark. Auf seinem Amtssiegel verwendet er als Hauswappen den farblosen Bindenschild aus ungefärbtem Wachs. Auch erhält unter ihm das steirische Wappentier, der Panther, eine Herzogskrone.

Befestigter Gutshof mit ausgedehntem Waldgebiet (Gut Sparbersbach, im 18. Jahrhundert nach Dr. Friedrich Haller "Hallerschloss" genannt) des Siedlungsbeauftragten "Walto" ist Namensgeber für den späteren Bezirk Waltendorf.

1230

Herzog Friedrich II. Stadtsiegel.Graz

Nachfolger des ersten Bischofs von Seckau, Karl I., wird der "Gilgenpfarrer" Heinrich I. der Pernecker (1231–1243), der zuvor in Graz studiert und urkundlich als erster Ägydenpfarrer in Graz genannt wird. Als treuer Anhänger des Babenberger Herzogs Friedrich II. des Streitbaren leistet er diesem wertvolle Dienste bei den Friedensverhandlungen mit Kaiser Friedrich II. 1231

In einer Urkunde von Herzog Friedrich II. wird Graz als „Bairisch Grätz“ bezeichnet, um es nicht mit Windischgrätz zu verwechseln.

Der neu gegründeten Deutschordenskommende überträgt er etliche Güter, darunter die Kunigundenkirche (Leechkirche) sowie Dörfer bei Gleisdorf und Leibnitz, und verleiht ihr ein besonderes Handelsprivileg, um ungestört auf allen Märkten mit ihren Erzeugnissen zu handeln und so die Konkurrenz aller Nichtbürger auszuschalten.

Mezzendorf, das an der wichtigen Schemerlstraße nach Ungarn liegt, wird bereits 1233 urkundlich erwähnt. Ihren Namen erhält die Ortschaft nach dem Freischloss Messendorf der dort ansässigen Ritterfamilie.

1233 Windischgraetz Leechkirche Deutsche Ordensgemeinde
Auf dem Weg von Cividale in Oberitalien weilt Kaiser Friedrich II. (1194-1250) vom 24. Dezember 1236 bis 3. Jänner 1237 in Graz, wo ihn die beiden Söhne des steirischen Truchseß Herrand I. von Wildonie, Leuthold I. und Ulrich I., begrüßen und ihm auf dem Weg nach Wien Gefolgschaft leisten. 1234 Friedrich.II.

Der Bamberger Bischof, Ekbert Graf von Andechs-Meranien (1173-1237), wird von Kaiser Friedrich II. im Februar 1237 in Wien zum Vicarius (Statthalter) für Österreich und die Steiermark bestellt, um das Land vom Joch Herzog Friedrichs II. des Streitbaren zu befreien. Als Ekbert aber bereits nach wenigen Monaten, am 6. Juni desselben Jahres, verstirbt, folgt ihm Eberhard IV. (II.), Graf von Eberstein, als Landeshauptmann im Herzogtum Steiermark (1237-39) und kaiserlicher Statthalter im Herzogtum Österreich nach.

Herzog Friedrich II. verleiht Graz das Privileg der Stadtfreiheiten; damit verbunden ist wahrscheinlich auch die Änderung des Wappens: der gekrönte Panther als Wappentier.

Der jüngere Bruder von Udalrich III, Otakar II. "de Graetz", steht als Anhänger von Kaiser Friedrich II. mit Herzog Friedrich II. im Streit und verliert sein Burggrafenamt sowie sein landesfürstliches Lehen, die Burg Helfenstein zwischen Stübing und Gratwein, die Herzog Friedrich vorher selbst zerstört und dann dem Kloster Reun schenkt.

1237 Ekbert Helfenstein

Otto (1239-70), aus dem steirischen Ministerialiengeschlecht der Liechtensteiner (Ottonis de Lichtanstain), wird Pfarrer von Graz.

Im Stadtteil "In der Höll" am linken Murufer, der wegen der ständigen Überschwemmungen nur von den Ärmsten, den Badern und Handwerkern bewohnt ist, begründen die "Minderbrüder" (Minoriten) ein Kloster mit einer Kirche Mariä Himmelfahrt (Franziskanerkirche). In diese älteste Klosterniederlassung von Graz wird beim Bau eine bereits ältere Kapelle sowie die mittelalterliche Stadtmauer mit einbezogen, zumal aus stategischen Gründen ihrer Schutzfunktion wegen alle Stifte und Klöster entlang der exponierten Ringmauer angesiedelt werden.

1239

Die Burg Rabenstein, oberhalb der Mur auf einem Felsen, wird ursprünglich nach Hartnid Schenk von „Rammenstein" benannt, der von 1240 bis 1276 seinen Sitz auf der Anlage hat. Nachdem die Burg abbrennt, wird im 14. Jahrhundert eine neue Burg Rabenstein errichtet, die sich im landesfürstlichen Besitz befindet. Nach wechselnden Lehen verleiht König Maximilian I. die Burg an die Familie Harrach und 1543 wiederum von Lienhard von Harrach an Philipp von Breuner verkauft. Weitere Besitzer sind die Herren von Windischgrätz. Waldstein, Trautmansdorff, Wagensperg und Dietrichstein, bevor der Besitz 1887 in den Besitz der Familie Reininghaus und 1981 an die Familie Liechtenstein übergeht.

1240

Als Gefolgsmann von Herzog Friedrich II. scheint der Udalrichinger Otakar IV. zu Graz auf, der nicht mehr Burgherr, aber Pächter der herzöglichen Münze (Münzamt) in Graz ist.

Erzbischof Eberhard II. von Salzburg weilt an seinem Zehenthof, dem Reuner Hof in Graz (heute Sackstraße 18-20). Er ernennt den Schreiber von Herzog Friedrich II. Ulrich I. (Udalricus, 1244-68) zum Bischof des Bistums Seckau. Als Erzbischof von Salzburg (1257-65) wird Ulrich, weil er römische Geldforderungen nicht zurückzahlen kann, dreimal gebannt und suspendiert. Als weiterhin amtierender Sekauer Fürstbischof stirbt er 1268 in Piber.

1243

Herzog Friedrich II., der Streitbare (1211-46), der 1230 seinem Vater Leopold VI. nachfolgt, verstrickt sich immer wieder in Streitigkeiten, so auch mit Kaiser Friedrich II. (1194-1250), der deshalb über die innerösterreichischen Länder die Reichsacht verhängt. Herzog Friedrich II. wird dann aber zum treuen Bundesgenossen des Kaisers. So führen sie Gespräche bezüglich der Erhebung von Österreich und der Steiermark zum Königreich. Da aber Herzogin Gertrud von Babenberg eine Heirat mit Kaiser Friedrich II. verweigert und
Herzog Friedrich II. 1246 in der Schlacht an der Leitha gegen den Ungarnkönig Béla IV. fällt, kommt dieses Vorhaben eines Königreiches nicht zustande.
Unter Herzog Friedrich II. erhält das steirische Wappentier, der Panther, eine Krone.

1245

Ulrich von Liechtenstein (1198 in Judenburg geboren, + 1276) ist nicht nur erprobter Ritter und Minnesänger, sondern bringt es auch als Diplomat zum Truchseß und Landesmarschall von Steiermark. Nach seiner Ausbildung zum Ritter ist er von 1215 bis 1219 Knappe bei Markraf Heinrich von Istrien, bevor er 1223 von Herzog Leopold VI. in Wien zum Ritter geschlagen wird. Drei Burgen nennt er seinen stolzen Besitz: Schloss Murau, die Frauenburg bei Unzmarkt und seinen Lieblingssitz, die Burg Liechtenstein bei Judenburg. Als Komödiant verkleidet, setzt er im Sinne Friedrichs II. seine politschen Kräfte für den Wunsch ein, die Herzogtümer Österreich und Steiermark in starker Hand vereint zu sehen. "hin ze gracz, dar stuant min ger."
In seiner gereimten Lebensbeschreibung "Vrowendienst" bezeichnet er Graz als eine Stadt, in der er gute Wundärzte f
indet, die ihn von seiner Hasenscharte befreien und berichtet, wie er das Waschwasser seiner Angebeteten schlürft oder als Liebesgöttin verkleidet 1237 sein mit politischen Ansichten versehenen 25-tägigen Marsch mit perlengeschmücktem Haar und in kostbaren Frauenkleidern gehüllt von Venedig bis zur böhmischen Grenze an der Thaya antritt. Ein Marschall, ein Koch, fünf weiß gekleidete Knappen und zwei Posaunenbläser begleiten ihn und fordern vorab alle Ritter zum Turnier mit ihm auf, wobei es aber keinem der Gegener gelingt, ihn aus dem Sattel zu werfen. In der 1257 verfassten Minnelehre "De vrouwen puoch" ("Frauenbuch" oder "twitz") beklagt er den Verfall der höfisch verfeinerten Kultur.

Ein Zeitgenosse Ulrichs ist der Minnesänger Rudolf II. von Stadegge (1230-62) aus dem Geschlecht der Herren von Stadeck, die Ministerialen des Herzogs von Steier und Lehensmänner des Erzbischofs von Salzburg sind und deren Stammsitz die Burg Stadeck nördlich von Graz ist, auch "Entritz Amt Aigen" (Andritz) genannt. Seine Brüder sind Ludwig, Abt von Rein, sowie Leudolt I. (1243-92) und Hartnid I. (1292-99), beide Landeshauptmann der Steiermark. Anna Neuhaus, die Witwe des letzten männlichen Stadeckers, Johann von Stadeck (Landeshauptmann, 1396-98), heiratet 1402 den eltzten Minnesänger, Hugo von Monfort, wöhrend gleichzeitig deren Erbtochter Guta von Stadeck mit Motnforts Sohn Ulrich vermählt wird.
Vorn Rudolf von Stadegge sind nur ein Winterlied und zwei Sommerlieder erhalten. Allen gemeinsam sind ausführliche, frische Naturschilderungen.

Burg Liechtenstein Liechtenstein
In der Schlacht an der Leitha am 15.6.1246 gegen König Bela IV. von Ungarn wird das Pferd von Herzog Friedrich II. dem Streitbaren tödlich getroffen und der darunter zu liegen kommende Friedrich II von den Feinden erschlagen. Über seinen Tod klagt Ulrich von Liechtenstein:" "Es kam ein Tag, den ich immer hassen muß, denn eine geschwinde Sommerzeit erschien, in der der hochgeborene Fürst Friedrich von Österreich jämmerlich erschlagen ward. Nach ihm erhob sich große Not in Steier, mancher ward arm, der vorher reich gewesen, man beraubte die Länder Tag und Nacht, wovon viele Dörfer wüste lagen. Die Reichen nahmen den Armen ihr Gut."
Druch den Tod Herzog Friedrich II. des Streitbaren sterben die Babenberger in männlicher Linie aus und die Herzogtümer Österreich und Steiermark sind verwaist. Sowohl Prinz Ottokar II. Přemysl von Böhmen, als auch der Ungarnkönig Béla IV. beanspruchen die beiden Länder. Kaiser Friedrich II. zieht die beiden Herzogtümer als Recihslehen ein und ernennt Graf Meinhard III./I. von Görz-Tirol (1200-58) zum Statthalter der Steiermark.
1246
Die Böhmen fallen in Österreich, die Ungarn in der Steiermark ein. 1247  
Der 22jährige böhmische König Ottokar Přemysl heiratet mit Zustimmung seines Vaters Wenzel I. und des Adels die 47jährige Margarethe von Österreich, die nach dem Tod ihres Bruders Herzog Friedrich II. Erbin der österreichischen Länder und der Steiermark ist, und wird dadurch "Herzog von Österreich und der Steierrmark". 1251 Margarete
Die Ägidiuskirche wird als Pfarrkirche erwähnt: „actum apud Gretz, in parocciali ecclesia“.

Die Burg Vasoldsberg wird Anfang des 13. Jahrhunderts zum Schutz der Straße nach
Graz erbaut. Als erster Besitzer ist ein „Ulrich von Vasoldsperge" 1252 urkundlich genannt, der zum Gefolge des Babenbergerherzogs Leopold VI gehört. Danach ist die Anlage bis 1428 im Besitz der Bischöfe von Seckau. 1467, während der Unruhen um Andreas Baumkircher, wird Vasoldsberg von aufständischen Truppen besetzt. Der Seckauer Bischof wird von Kaiser Friedrich III gezwungen, auf die Lehensrechte über Schloss Vasoldsberg zu verzichten; die Anlage geht als freies Eigentum in den Besitz der Habsburger über.
1252

Im Frieden von Ofen (Stadtteil Buda) werden durch Intervention von Papst Innozenz IV. die Herzogtümer Österreich und Steiermark zwischen den Königen OttokarII. Přemysl von Böhmen und Béla IV. von Ungarn aufgeteilt. Österreich, der Traungau und die Gebiete um Ischl und Pitten werden Ottokar zugesprochen, während Béla die restliche Steiermark erhält und sein Sohn Stephan V. von Agram vom steirischen Adel zum Banus (Markgarfen) der Steiermark bis 1259 gewählt wird. Die Abtrennung des Traungaues von der Steiermark bedeutet gleichzeitig die Geburtsstunde des Landes ob der Enns. (Austria superior).

Otakar von Graz schenkt Bischof Ulrich von Seckau ein Haus bei Graz ("domum meum apud Graetz")

Ein Magister Henricus, der sich "scolasticus" nennt, wird erwähnt.

1254

Mitte des 13. Jahrhunderts entsteht dieser kleine Wehrbau einer Grazer Bürgerfamiliein in Thal bei Graz, die sich „de valle“ also „von Thal“ nennt. 1259 treten sie als "Walther de valle" erstmals urkundlich in Erscheinung. Im steirischen Adelsaufstand von 1292 gegen Herzog Albrecht I stehen die Herren von Thal auf der Seite des Landesfürsten, weshalb die Feste von den Aufständischen erobert und niedergebrannt wird. Im 14. Jahrhundert gelangt die Burg Unterthal an die Familie Windischgrätz. Bei der Besitzteilung von 1443 erhält Sigmund von Windischgrätz die Herrschaft Unterthal. Auf Grund hoher Steuerschulden muss Sebastian von Windischgrätz 1569 die Herrschaft an den Freiherrn Georg von Khevenhüller verkaufen, der die Burg unmittelbar danach an Erzherzog Karl II weitergibt. 1576 wird Unterthal an Maximilian von Schrottenbach verpachtet. 1623 kauft Freiherr Hans Ulrich von Eggenberg den Besitz und schließt diesen der Herrschaft Eggenberg an, bis 1715 ein Großteil der Gebüde durch einen Brand vernichtet werden.

1259

Es kommt zum Aufstand des steirischen Adels gegen die ungarische Herrschaft. Durch den Sieg von Landmarschall Ulrich von Wildon über König Béla IV. in der Schlacht bei Kroißenbrunn (Groißenbrunn) an der March am 12. Juli 1260, in welcher der alte Wildonier Ultich das steirische Banner mit dem weißen Panther im grünen Feld führt, kann Bélas Herrschaft über die Steiermark beendet werden. In der 100000 Verse umfassenden "Steirischen Reimchronik" des steirischen Dichters Ottokar aus der Gaal vom Geschlecht der Herren von Strettweg findet sich diesbezüglich die erste urkundliche Erwähnung des steirischen Wappens: "... ein abnier gruener als ein gras darin ein pantel swebte blanc, als ob er lebte ..." (Ein Banner grün wie Gras, darin ein Panther schwebte, weiß und frei, als ob er lebte)

Wulfing der letzte Ritter von Gösting hat zwei Töchter: Während die ältere Katharina Ritter Otto von Thal heiratet, kämpfen am 7. August 1260 zwei Ritter um die jüngere Tochter Anna. Als Annas Günstling im Zweikampf getötet wird, stürzt sie sich vom Jungfernsprung in die Mur. Als Wulfing der Leichnam seiner Tochter gebracht wird, erliegt dieser einem Herzschlag. So erlischt das Geschlecht derer von Gösting.

1260

Im Frieden von Wien am 31. März 1261 wird zwischen den Königen Ottokar II. Přemysl von Böhmen und Béla IV. von Ungarn sowie dessen Sohn Stephan V. Friede geschlossen. Ungarn verzichtet auf die Steiermark, wodurch Ottokar wieder in den Besitz der Herzogswürde gelangt. Das Gebiet von Pitten kommt wieder zur Steiermark, Graz wird Sitz eines böhmischen Statthalters, als welchen König Ottokar zuerst den Ministerialen Heinrich I. von Liechtenstein mit seinen Besitzungen in Nikolsburg, Liechtenstein und Petronell einsetzt. Bald danach ernennt Ottokar II. zur Belohnung Wok I. von Rosenberg, der an der an seiner Seite in der Schlacht bei Kressenbrunn erfolgreich kämpfte, zum Richter des Landes ob der Enns überträgt ihm das Lehen der Herrschaft Raabs. Schließlich ernennt er ihn zum Nachfolger von Heinrich I. v. Liechtenstein als neuen Landeshauptmann der Steiermark (capitaneus Styrie). Wegen verschiedener Rechtsstreitigkeiten hält Wok I. im Juli 1261 einen Gerichtstag (Landtaiding) in Marburg und im Herbst desselben Jahres einen weiteren in Leoben ab. Für seine wundersame Errettung aus den Fluten der Moldau beim unterstützenden Einsatz des Deutschen Ritterorden in Neuhaus stiftet er das Kloster Hohenfurth. Wok stirbt am 3. Juni 1262 in Graz.

Der Panther im Grazer Stadtwappen trägt eine goldene Laubkrone auf dem Kopf.

Erstmalige urkundliche Erwähnung eines von einer Judenmauer umgebenen Ghettos (Geviert gegenüber der Stadtpfarrkirche um die Frauen-, Jungfern- und Fischer-von-Erlach-Gasse), in welchem 150 Juden leben ("ain haus zu Grecz an der Judengasse). Durch das "Judentürl" in der Stadtmauer Verbindung zum Judenfriedhof ("Judenfreidhof" am Radetzkyspitz).. Von dort stammt auch der im ersten Burghof ein der Wand eingemauerte Grabstein eines gewissen, am 27. Juni 1387 verstorbenen Rabbi Nissim.

1261

Nach dem Tod des steirischen Landeshauptmanns Wok von Rosenberg ernennt König Přemysl Ottokar II. seinen Berater Bruno von Schauenburg, Bischof von Olmütz, 1262 zu dessen Nachfolger. Als „capitaneus Styrie“ (königlicher Stellvertreter) veranlasst Bruno zahlreiche Verwaltungsreformen und richtet weltliche und geistliche Gerichte ein. Gezielt verfolgt er den von Přemysl Ottokar II. angeordneten Ausbau von Leoben und Bruck.

1262
Nahe der Egydikirche in Graz, in Richtung Burg, wird ein bestehendes Pfarrhaus genannt. 1263  

Graz hat 16 Dörfer mit 249 Gütern.
Unter König Ottokar II. erfolgt die erste steinerne Ummauerung von Graz, wobei das Stadtgebiet um das Minoritenkloster (später Franziskanerkloster) und den Bischofshof bis hin zur Hans-Sachs-Gasse im Süden mit einbezogen wird. Auf dem St. Paulsberg steht der höchste Wachturm der Stadtbefestigung, der Uhrturm, dessen Glocke ("Steir.Horn") das Zu- und Aufsperren der Stadttore verkündet. Die romanische Pfarrkirche St. Ägyd, von einem Friedhof mit eigener Wehrmauerund und der, der hl. Katharina von Alexandrien geweihten Friedhofskirche umgeben, liegt, wie bei vielen mittelalterlichen Städten, aber außerhalb der Stadtmauer. Für den Zugang sorgt ein nördlich der St. Paulskirche situiertes Stadttor (inneres Paulustor) in der Sporgasse; diese ist schon seit der Spätantike Teil einer wichtigen Handelsstraße, der "strata vngarica", welche die Verbindung von der am Westrand des Grazer Beckens verlaufenden Römerstraße zum Osten, Richtung Weiz und Hartberg ermöglicht.

Erstmals wird von Mautstellen in Graz (auf der Murbrücke), Windisch-Feistritz, Frohnleiten (1385) und Wilfersdorf berichtet, die an wichtigen Straßen nach Ungarn, Hartberg und Bruck/Mur liegen.

1265 Inneres Paulustor Uhrturm
In einem Urbar von1265 wird Oberzeiring namentlich als „Mons Cyrich" erwähnt, das 1279 zum Markt erhoben wird und bereits im Besitz aller Rechte einer Bergstadt und auch Sitz eines Berggerichtes ist. 1284 wird Oberzeiring das Münzrecht zum Prägen des silbernen "Zeyringer Pfeninngs" verliehen. Die Anfänge des Silberabbaues im oberen Pölstal sind bereits um 1000 v.Chr. nachgewiesen und zählen schon im Mittelalter zum größten Bergbau der Ostalpen. Die Kriechstollen mit einer Maximalhöhe von 1,20 Metern haben eine Gesamtlänge von 80 Kilometern, aus denen die Knappen teilweise knieend oder liegend das Gestein herausschlagen. Die Knappen sind freie und vor allem reiche Männer. Sie sollen mit silebernen Kugeln Kegelschieben und eines Tags den Kopf eines zusehenden Kindes abgeschlagen undf als Kugel verwendet haben, worauf dessen Großmutter die Knappen mit den Worten verflucht: "So viele Mohnkörner hier liegen, so lange soll es in Zeiring keinen Silbersegen mehr geben!" Und tatsächlich brechen am nächsten Tag des Jahres 1361 gerwaltige Wassermassen in die Stollen, sodass 1400 Knappen ihr Leben lassen müssen. Viele Schatzsucher, darunter auch Kaiser Maximilian I. 1506, versuchen die Schächte trockenzulegen.
Die Höhenburg Plankenwarth wird 1265 erstmals genannt. Der Name Plankenwarth kommt vom althochdeutschen Wort „planch“, was soviel wie „glänzend“ bedeutet. Auch Bernhard von Plankenwarth (1265 bis 1281 )gehört dieser Familie an. Er wird im Jahre 1265 zum 10. Abt des Zisterzienzerstiftes in Rein ernannt. Bernhard umgeht das Verbot einer Benediktinerregel, einen Turm zu errichten, indem er das Fundament nicht am Boden, sondern als Dachreiter auf der Seitenschiffmauer der Basilika aufsetzen lässt. Dies Konstruktion sorgt auch im 18. Jh. für das sogenannte "Turmwunder", als sich der Turm besorgniserregend neigt, jedoch wieder von selbst aufrichtet. Sein Bruder Dietmar von Plankenwarth stiftet dem Kloster am 24. Februar desselben Jahres für das Seelenheil seiner Gattin Mechthilde einen Weingarten in "Mähren", dem Marwald in der Nähe von St. Bartholomä an der Lieboch. Die darüber in lateinischer Sprache verfasste und mit ungefärbten Bienenwachssiegeln von Dietmar und seinem zweiten Bruder Gundaker versehene Urkunde berichtet auch noch über zwei zusätzlich am Fest von Maria Verkündigung (25. März) und am Magdalenstag (23. Juli) gespendete Sonderessen mit Fisch, Innereien von Biber und Fischotter, Brot, Wein und Krapfen.

Im 14. Jahrhundert werden die Plankenwarther von ihren verwandten Adelsfamilien der Timmersdorfer und der Pranckh abgelöst. Um 1430 fällt die Burg durch Erbschaft an die Herren von Ungnad, die auch das Wappen der ausgestorbenen Plankenwarther übernehmen

Unter den Hofsängern Manfreds von Sizilien, der Lieblingssohnes Kaiser Friedrich II., befindet sich 1266 ein Meister Konrad von Rattenberg, der in diesem Jahr den Untergang Friedrichs miterlebt. Der weitgereioste Mann und begabte Musiker ist Besitzer der um 1000 erichteten Burg Ratinberc bei Knittelfeld und somit Nachbar des Reimvhronisten Otochar von der Geul (aus der Gaal), den er in der Dichtkunst unterrichtet.

Die Egydikirche wird als „maior ecclesia in Graetz“ bezeichnet.

1266  
Als König von Böhmen unternimmt OttokarII. Přemysl von Böhmen zwei Kreuzzüge (1254/5 und 1267/68) zur Unterstützung des Deutschen Ordens, die heidnischen Pruzzen in Ostpreußen zu missionierne, wobei viele steirische Adelige in der Hochwasser führenden Weichsel umkommen und dadurch ein Aufstand gegen ihn ausbricht. Ottokar greift hart durch und nimmt sechs Adelige, darunter Ulrich von Liechtenstein und die Wildoner Brüder Herrand II. und Hartnid III. auf der mährischen Festung Eichhorn fest und lässt sie erst wieder frei, nachdem ihm die Burgen Eppenstein, Gleichenberg und Primaresburg bei Köflach zur Zerstörung ausgeliefert werden. 1268
Laut einem Urkundenregister gibt es um 1270 am rechten Murufer die Pfarre St. Andrä: „Ardolff von Gräz stifft zu S. Andre ain Müll sambt dem Stampf darbey, underhalb S. Andre gelegen, darvon man järlich dient 10 d (Pfenninge) und mag ain jedweder Pfarrer bey derselben Müll frey mallen. Geben am Prechentag (6. Jänner) anno etc. 1270 Jar." 1270 Andräkirche
Graz wird in einer Urkunde als „civitas Styriae“, Hauptstadt des Landes bezeichnet.

Der Seckauer Bischof Wernhard kauft das Bischofshaus in Graz, welches sein Nachfolger Bischof Leopold I. mit einer Kapelle ausbaut.
1274
Für die St. Ägidi-Pfarre in Graz ausdrücklich das Begräbnisrecht bezeugt: „apud Graetz in cymiterio sancti Egidii“. 1275  

Graf Meinhard IV./II. (1236-78) von Görz-Tirol besetzt Kärnten, Krain und die Steiermark.

Der steirische Ministeriale und Minnesänger Herrand II. von Wildonie (1245-78) aus der Adelsfamilie der Herren von Wildon und Schwiegersohn Ulrichs von Liechtenstein ("Her Uolrich von Liechtenstein, der ie in ritters eren schein, seit mir dize maere ...") unterzeichnet mit einer Reihe von steirischen und Kärntner Adeligen am 19. September 1276 den "Reiner Schwur", einen historischen Eid im Stift Rein, in welchem dem römisch-deutschen Kaiser Rudolph I. die Treue gelobt und damit das Ende der Herrschaft des böhmischen Königs OttokarII. Přemysl über Österreich vorbereitet wird. Seine Verserzählungen "Der nackte Kaiser", "Die Katze", "Die treue Gattin" und "Der betrogene Gatte" werden im Ambraser Heldenbuch von Kaiser Maximilian aufgenommen und finden weite Verbreitung.
Herrands Bruder Hardnid III. erhält das Marschallamt von Steier.

1276

Im Streit um die Reichsgüter wird König OttokarII. Přemysl in der Entscheidungsschlacht bei Dürnkrug auf dem Marchfeld besiegt und auf der Flucht aus Rache vom Steirer Seifried von Mahrenberg getötet ("König Ottokars Glück und Ende"), nachdem er diesen vorhger in Prag grausam foltern ließ. Mit diesem Sieg wird der deutsche König Rudolph I. von Habsburg (1.5.1218 bis 15.7.1291) sowohl Herrscher von Böhmen und Mähren, als auch über die Herzogtümer Kärnten, Steiermark und Österreich sowie die Markgrafschaft Krain.

In einer Urkunde vom 14.März 1278 gestattet Rudolph dem Deutschen Ritterorden der Kirche St. Kunigund am Leech bei Bairisch-Grätz ein Schulhaus zu errichten und gibt ihm das Aufsichtsrecht über alle Grazer Schulen.

1278 Rudolf.I. Premysl

König Rudolph I. von Habsburg kommt mit großem Gefolge nach Graz, wo er am 2. Oktober 1279 Gerichtstag hält und den Finanzberater seines Sohnes Albrecht I., den Admonter Abt Heinrich II., zum "scriba Stirie" (Landschreiber) ernennt. Dieser lässt 1280 an der Nordwest-Ecke der mittelalterlichen Stadtmauer der "Admonterhof" errichten, der fortan den Benediktinermönchen als Absteige und Wohnstätte dient. Im Zuge der Errichtung der Stadtbefestigung durch den Festungsbaumeister Domenico dell'Allio erfolgt ab 1555 eine sukzessive Neugestaltung. Es kommt eine Waffenkammer hinzu, West- und Osttrakt werden aufgestockt, ein Refektorium, zwei Schlafsäle und zwei Studierkammern eingerichtet und schließlich unter Abt Matthäus Offner (1751-79) Rokoko-Prunkräume geschaffen.

1279

Ende Mai 1261 sezt Rudolph I. seinen in Rheinfelden geborenen öltesten Sohn Albrecht I. (1255-1308) als Reichverweser in Österreich und der Steiermark ein.

"Vor dem Rathaus stund das von Ottokar dem III., dieses Namens und ersten Markgrafen in Steyer 1074 eingeführte Schrannengericht oder der jetzt sogenannte Magistrat mit seiner roten Blutfahne und in schwarzen Sammt gewickelten Gerichtsschwert, auf dem Platz selbst aber hielt die gesamte Bürgerschaft unter der Anführung des Bürgermeisters eine wohlgeordnete militärische Parade, jeder war mit einem Wurfspieß, Schwert und Schild bewaffnet ...", so wird der Aufzug der wehrhaften Grazer Bürgerschaft im Jahr 1281 bei der Huldigung von König Rudolph I. von Habsburg anlässlich seines Besuches in Graz geschildert. Die Aufgabe des dabei erstmals urkundlich erwähnten Grazer Bürgercorps besteht in der Bewachung der Stadt und ihrer Tore in Friedenszeiten sowie ihre Verteidigung in Not- und Kriegszeiten.
Im Zuge seines Besuches erlaubt König Rudolph I. unter dem Leitgedanken, den ungarischen Handel vornehmlich für Graz zu sichern, den Grazern durch ein Privileg, in jeder beliebigen Stadt kein Mautgeld für ihre Waren zu bezahlen, sofern sie dieser Stadt das gleiche Recht in Graz zubilligen. Zu Gunsten Wiens hob Rudolph I. 1302 diese Mautbegünstigung wieder auf. Auch das Niederlagerecht, das Graz schon seit den Babenbergern ausübt, wird von Rudolph I. bestätigt: Jeder Kaufmann, der das Murtal zu Wasser oder Lande entlang fährt, muss in Graz seine Waren auslegen; er darf sich allerdings nicht länger als 1 Nacht aufhalten. Fährt ein Kaufmann ohne Aufenthalt an Graz vorbei, so verfällt sein ganzer Besitz der Stadt.

1281 Albrecht.I.

Rudolph I. von Habsburg belehnt am Reichtag zu Augsburg seine beiden Söhne, Albrecht I. (1255-1308) und Rudolf II. (1271-1290), zu gemeinsamen Reichsverwesern in Österreich, Steiermark und der Windischen Mark. Kärnten geht an Meinhard II. von Görz-Tirol.

Ritter Otto von Lichtenstein, der Sohn des Minnesängers Ulrich von Lichtenstein, wird als Landeshauptmann eingesetzt.

1282 Herzog Albrecht I. + Rudolph II.

Im 13. Jahrhundert wird der kleine Wehrbau Weissenegg bei Wildon, der anfangs den Herren von Graz gehört, erbaut. 1284 wird ein Chunrat von Thurn als Lehensinhaber urkundlich erwähnt, dem um 1316 Dietmar von Zebing folgt. 1363 kommt die Burg als landesfürstliches Lehen an die Grafen von Cilli. Mit der Ermordung Ulrichs II sterben die Grafen von Cilli 1456 aus, wodurch die Burg wieder landesfürstlich und 1460 an Jörg Metschacher verliehen wird. 1505 verkauft Hans I von Metschach den bereits schloßartig gewprdenen Bau an Jörg Weissenegger. Bartlmä I Weissenegger veranlasst 1530 die Änderung des Namens auf Weissenegg.

Die Burg Kornberg bei Riegersburg wird erstmals im Jahre 1284 mit einem Friedrich von Kornberg als Dienstmann der Wildoner urkundlich erwähnt. Aus finanziellen Gründen muss Ortolf von Kornberg 1308 die Burg den Wallseern verkaufen. Ulrich von Wallsee wiederum gibt Kornberg als Afterlehen an Ulrich von Graben weiter, dessen Nachkommen hier über 200 Jahre lang leben. Ihr letzter Vertreter, der Ritter von Graben, vermacht 1543 die Burg seinem Vetter Helfrich von Kainach. Nach einem langwierigen Erbschaftsstreit Streit mit den Kainachern fällt die Herrschaft schließlich an die Freiherren von Stadl, die im 17. und 18. Jahrhundert Kornberg zu einem Schloss ausbauen.
Nach dem Tod des Freiherrn Leopold von Stadl kauft 1825 Fürst Johann I von und zu Liechtenstein das Schloss, bis dessen Sohn Franz es 1871 an Charles Francois Conte Bardeau veräußert. Die gräfliche Familie der Bardeaus, die aus Frankreich stammend über Italien nach Österreich kommen, lassen den heruntergekommenen Bau restaurieren. Das heutige Schloss wird in 4. Generation von Konsul Mag. Andreas Bardeau geführt.

1284
Heinrich II., Abt des Stiftes Admont, wird Landeshauptmann der Steiermark und Minister des Habsburger Herzogs Albrecht I (1282-1298)., der über die Steiermark herrscht. Von diedem erhält er 200 Mark als Geschenk, womit er Güter in Marburg, Friesach und in der Ramsau erwirbt. Auch lässt er den Chor des Münsters Admont neu erbauen.

1285

Leopold I. wird 1283 in Salzburg zum Bischof des Bistums Seckau geweiht und 1286 auf Vorschlag von Meinhard II. zum Landeshauptmann ernannt. Er verfügt über hohen politischen Einfluss und vertritt zumeist die Interessen des steirischen Adels gegen Herzog Albrecht.
Am 2. Jänner 1287 weiht Leopold I. die Johanneskapelle im Grazer Bischofshof; es ist die älteste bezeugte Kirchweihe in der steirischen Landeshauptstadt, wovon auch die ältesten Grazer Fresken zeugen.
1287
Weil Herzog Albrecht I. vom Salzburger Erzstift Dienstleute abgeworben hat, lässt der Erzbischof von Salzburg, Rudolf I. von Hoheneck, Albrechts Länder bannen und fällt im Winter 1289/90 ins steirische Ennstal ein und zerstört die Ennsburg. Der steirische Herzog ist aber militärisch stärker und so muss sich Erzbischof Rudolf geschlagen geben und am 11. Juni 1290 einem Frieden zustimmen. 1289  

Der Bischof von Lavant, Konrad IV. von Fohnsdorf, wird gegen Abt Heinrich von Admont, den Günstling Herzog Albrechts I. von Österreich, vom Papst zum Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Rudolf I. von Salzburg bestellt. Er erichtet am rechten Salzach-Ufer ein Kastell und verbündet sich zur Waffengemeinschaft mit den steirischen Adeligen, dem Deutschlandsberger Bund, welche unter Führung von Hartnid III. von Wildonie gegen den Landverweser Abt Heinrich von Admont zu Felde zieht, weil Herzog Albrecht I. ihnen nicht ihre Landesfreiheiten bestätigt hat. Die Adeligen erleiden eine verheerende Niederlage und Herzog Albrecht lässt Hartnid daraufhin in der Burg Wildon gefangen nehmen und zwingt ihn am 5. Dezember 1292 am Landtaiding zu Feldkirchen bei Graz sein Burg Wildon und das Schloss Eibiswald zu verkaufen und zukünftig dem Landesfürstern als Marschall treu zu dienen. Damit geht die Stammburg der Wildonier verloren und ihr Geschlecht verliert seine Bedeutung. Erzbischof Konrad von Salzburg, der seinen Verwandten, den aus einem obersteirischen Rittergescvhlecht stammenden Heinrich II. als neuen Bischof von Seckau einsetzt, liefert sich mit Herzog Albrecht um die Salzpfannen in Gosau weiter einen erbitterten Kampf.

1292

Das Schloss „Alt-Grabenhofen", auch „Stadlerischer Hof", der Konradinische Linie der Herren von Graben liegt nördlich von Graz, zwischen dem Reinerkogel  und dem Rosenberg (heute an der Ecke Hochsteingasse 2). Es wird erstmals 1294 als Wehrhof urkundlich erwähnt und besteht aus einem schlossähnlichen Gebäude, einem Burgfried, einer Kapelle, einem Meierhof, vier Gärten, einer Niederjagd sowie einem Teich mit mehreren Fischgewässern und einem Steinbruch, Ende des 13. Jahrhunderts begründet ein auf dem Schloss „Alt-Grabenhofen" - anfänglich ein Lehen der Herren von Walsee -. residierendes Mitglied der Herren von Graben das Geschlecht Orsini-Rosenberg, als deren erster urkundlich erwähnter Vertreter im Jahre 1322 Conrad „ab dem Graben" genannt wird. der den Namen des daneben gelegenen Rosenberges („ab dem Rosenberg") annimmt. Als mit Andrä von Graben am 14. April 1556 die steirische Linie - der krainische Familienzweig der Edlen von Graben zum Stein entstammt den Görzer Meinhardinern - der Herren von Graben erlischt, geht ein Teil des Gutes an seine Schwester Anna von Graben und ihren Mann Christoph Stadler („Stadlerischer Hof"). Nach heftigen Erbstreitigkeiten, geht durch einen Schiedsspruch Erzherzog Maximillians jeweils die Hälfte des Besitzes an die Herren von Stadl bzw. an die Herren von Neuhaus. Nach mehrmaligem Besitzwechsel wird das verwahloste, baufällige Gut 1773 an Josef Boseth von Trautenburg verkauft, der „Alt-Grabenhofen" mit seinem Besitz, dem Schloss "Neu-Grabenhofen" verbindet. Wegen Baufälligkeit wird Schloss „Alt-Grabenhofen" später abgebrochen.

1294
Beim endlichen Friedensschluss zwischen Herzog Albrecht I. und dem Salzburger Erzbischof Konrad von Fohnsdorf am 24. September 1297 in Wien wird Ulrich II. von Paldau zum neuen Bischof von Seckau ernannt. 1297
Herzog Rudolf III. (1298-1306) wird 1298 am Reichstag zu Nürnberg gemeinsam mit seinen Brüdern Friedrich dem Schönen und Leopold dem Glorwürdigen mit den Ländern Österreich und Steiermark belehnt und übernimmt 16-jährig als Ältester die Regierung. 1298 Herzog Rudolf III.
Einer der Herren vonh Walsee, Ulrich I. von Walsee, ist ab 1299 Landeshauptmann der Steiermark. 1299 UlrichI.
Herzog Rudolf III. (1298-1306) erlässt am 4. Juli 1302 das Grazer Stadtprivileg. 1302 Graz Stadtprivileg

Herzog Friedrich I.,(III.) der Schöne (1306-1330) übernimmt nach dem Tod seines älteren Bruders Rudolf III. (1307) und der Ermordung seines Vaters Herzog Albrecht I. (1308) gemeinsam mit seinem Bruder Leopld I. dem Glorwürdigen (1290-1326), als Friedrich III. die Regierung des Herzogtums Österreich und als Friedrich I. die Regentschft in der Steiermark.

Landeshauptmann Ulrich von Wallsee stiftet vor der Stadt am Grillbühel (am heutigen Platz der Alten Technik) ein Dominikanertinnenkloster.

1308

Herzog Friedrich I. der Schöne regelt durch sein am 14. März 1314 erlassenes "Verlagsrecht für Eisen" den Abbau und die Weiterverarbeitung des Roheisens auf dem Erzberg. Die Ebenhöhe, eine theoretisch gezogene Trennlinie in 1186m Höhe, bestimt, dass der obere Teil des Erzberges vom "vor dem Berg liegenden" Vordernberg erschlossen wird, der untere Teil dagegen von Innerberg (Eisenerz) aus. Der Weitertransport des Erzes erfolgt auf dem Wasserweg mittels Flößen. Für die Talfahrt zum Haupt-Eisenumschlagplatz der Grazer Vorstädte Lend und Gries benötigt man ca. 14 Tage. Retour werden die mit Wein und Getreide beladenen Schiffe auf sogenannten Treppelwegen von bis zu 16 Pferden wieder flussaufwärts gezogen.

Der Franziskanermönch Odorich von Portenau (Odorico da Pordenone) bricht von Venedig aus zu einer 12-jährigen Missionarsreise auf, die ihn über die Türkei, Indien, Ceylon, Sumatra, Java, Borneo und Indochina nach Khanbaliq (Peking) führt, wo er sich 3 Jahre bei Erzbischof Johannes von Montecorvino aufhält. Über Tibet, Zentralasien, Persien und Palästina kehrt er nach Europa zurück und verfasst den Reisebericht "Itenarium Fratris Odorici de Foro Julii, Ordinis Fratrum Minorum, de mirabilibus Orientalium Tartarum" ("Wunderliche Geschichten aus dem Reich der Tartaren, die ich mit eigenen Augen gesehn in den Landen da ich inn gewesen").

1314

Der steirische Chronist "Ottokar aus der Gaal" mit dem Beinamen "von Horeck", Dienstmann Otto II. von Liechtenstein (Sohn des Dichters Ulrich I. von Liechtenstein) beschreibt in seinem fast 100000 Verse umfassenden Geschichtswerk "Chronico Austriaco" bei der Schilderung der Schlacht von Kroißenbrunn erstmals das Wappen der Steiermark: "... ein banier gruene als ein gras, darin ein pantel swebte blanc, asl ob ez lebte ..." Es ist dies die erste urkundliche Erwähnung des steirischen Wappens.
Aus seiner Hand stammt auch das Heldenepos von König Biterolf von Toledo und seinem Sohn Dietleib, die an König Etzerls Hof kommen unhd diesem im Krieg gegen die Preußen
helfen und als Dank dafür von Etzel die Steiermark als Lehen bekommen.

Der Kartäusermönch Bruder Philipp vom Kloster Seitz (Žiče) in der Untersteiermark schreibt eine 10000 Verse starke Bigrafie der Gottesmutter „Marienleben", die er den Rittern vom Deutschen Orden widmet. Durch diese wird die Handschrift in viele Länder verbreiten, sodass diese zur meistüberlieferten Dichtung des Mittelalters wird.

1315
Wocho (1317-34) wird Bischof von Seckau. Sein Fresko in der Pfarrkirche von Pürgg ist die früheste bildliche Darstellung, seine Grabstätte in der Seckauer Kathedrale das älteste Grabdenkmal eines Seckauer Bischofs. 1317
In der Murvorstadt bei der Papiermühle, am Eck der heutigen Annenstraße/Elisabethinengasse stiften die Eppenstein aus Judenburg eun Hospiz mit dem Namen "hospital ad sanctum spiritum" (auch "Spital in der Au" oder "Spital zu St. Andrä"", später "Bürgerspital", das älteste Krankenhaus von Graz, zur Aufnahme von Kranken, Siechen, Waisen, Witwen, Wallfahrern und verwahrlosten Kindern.
Die dazugehörige Bürgerspitalskirche "Zum heiligen Geist" wird 1461 mit finanzieller Förderung Kaiser Friedrichs III. nach Plänen von Josef Calone neu erbaut und gehört heute der Stadt Graz.
Aufgrund der Schenkung Philipps von Geras 1630 können die Spitalsgründe bis zur Papiermühle am rechtseitigen Mühlgang erweitert Werden.
1320
Gründung der Katharinenkapelle (heute Mausoleum) bei der St. Egidykirche durch Vorfahren des Grazer Bürgers Jakob Gruedl, die als caranrium (Beinhaus oder Karner) dient. 1325  
Albrecht II., der Weise (1296-1358), und sein Bruder Otto IV., der Fröhliche (1301-39), regieren gemeinsam die Herzogtümer Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Albrecht II. verdankt die Steiermark mit dem sogenannten "Bergbüchel" ihre Verfassung, Otto IV, lässt sich als erster Habsburger nach altem Brauch in slowenischer Sprache auf dem "Fürstenstein" am Zollfeld in Kärnten als Herzog einsetzen und stiftet als Gelöbnis seines ersten Sohnes Friedrich I. das Kloster Neuberg in der Steiermark. 1330 Albrecht II. Otto d. Fröhliche
Heinrich von Burghausen, der in Bologna studierte und dort Prokurator der deutsche Nation ist, wird 1334 durch den Salzburger Erzbischof Friedrich von Leibnitz, mit dem er freundschaftliche Beziehungen pflegt, zum Bischof von Seckau ernannt. Nach nur 3-jähriger Regierung stirbt er im Jahr 1337. 1334
Rudolf von Walsee wird Landeshauptmann, Rudmar von Hader, zuvor Kanzler der erzbischöflichen Kanzlei in Salzburg, wird neuer Bischof von Seckau. Er lässt den Seckauer Dom und Schloss Leibnitz ausbauen.

Mit der Erweiterung der Grazer Befestigungsanlagen Richtung Osten kommen auch die landesfürstlichen Gründe samt Schreibhof und der Pfarrkiche St. Ägydius innerhalb der Stadtmauern zu liegen kommen.
Der Erste Sack zwischen Mur und Schloßberg wird durch das Sacktor abgeschlossen.
1337
Die erste farbige Darstellung des weißen steirischen Panthers mit roten Krallen auf grünem Schild und rote Flammen aus seinem Rachen und Glied sprühend ist auf der Züricher Wappenrolle zu sehen. 1340 Züricher.Wappenrolle

Neben der Ägidiuskirche und dem Pfarrhof in der Pfaffenstraße (Burggasse) entsteht das Tor („desselben meiner kirchen gelegen an dem tor gegen Grecz, der von alter zu derselben meiner kirchen gehort hat“) gegen die Grätz (Grazbach).

Für die "strata v
ngarica" taucht erstmals der Name "Sporergasse" nach den Sporenmachern auf.

Im Zentrum des Marktplatzes befindet sich ein Brunnen sowie ein Pranger, ein eiserner Narrenkäfig und ein hölzerner Esel.

1346

 

Ulrich III. von Weißeneck (1355-72) wird von seinem Bruder Erzbischof Ortolf von Salzburg ohne Wissen des Papstes zum Bischof von Gurk geweiht. Papst Clemens VI. jedoch ernennt auf Betreiben des ungarischen Königs Ludwig Paul von Jägerndorf zum Gurker Bischof. Erst nach dem Tod des Seckauer Bischofs Rudmar von Hader wird Ulrich durch Papst Innozenz VI. am 30. Oktober 1355 zu dessen Nachfolger bestimmt.

Die Stadtmauer von Graz wird knapp oberhalb der St. Pauluskapelle "auf der Stiege" unter dem Burgberg (in der Gegend des späteren Palais Saurau) durch das innere Paulustor durchbrochen. Die Ägydikirche liegt außerhalb dieser ältesten Ummauerung. Ein weiteres Stadttor in der Nähe des heutigen Priesterseminares führt den Namen St. Gilgenthor. Von dort führt die Mauer über die Enge Gasse, dann südlich der Stempfergasse und nördlich der Jungferngasse in einem Bogen zum Minoritenkloster (Franziskanerkloster).

1355

Herzog Albrecht II. (1330-1358) der Weise verfügt zur Hebung des Stadthandels für Graz die Bannmeile: Innerhalb einer Meile um die Stadt darf kein Markt abgehalten bzw. keiner der meist aus Italien oder Süddeutschland kommenden, ausländischen Händler etwas verkaufen. Ihm verdankt die Steiermark auch ihre erste Verfassung, das so genannte Bergbüchel. 1357 Herzog Albrecht II.
Nach dem Tod Albrecht II. 1358 übernimmt für seine drei minderjährigen Söhne kurzfristig Rudolf IV. der Stifter (1339-65) allein die Regierung, der mit der gefälschten Urkunde des "Privilegium Maius" den Habsburgern den Titel von "Erzherzögen" und - in Anspielung auf die Reichskrone - das Tragen der Zackenkrone statt des Herzogshutes ermöglicht. 1358

Der Herzogshof (auch „Gemaltes Haus“ genannt) in der Herrengasse 3 dient ursprünglich den steirischen Herzöge zur Lehensvergabe an ihre Untertanen. Herzog Rudolf IV., der vom 27. Jänner bis zum 26. Februar das erste Mal in Graz weilt und prunkvoll gehuldigt wird, erteilt Hans Paur, dem Verwalter des Lehenshofes, die Steuerfreiheit, doch muss dieser dafür, wenn der Herzog in Graz weilt, den "fürstlichen stul" aufrichten. Später wird das Haus als Wohnsitz für Erzherzog Maximilian Ernst von Österreich adaptiert, durch Pietro de Pomis mit Fresken versehenen und im Hof eine Druckerei eingerichtet.

Rudolf IV. führt das "Umgeld" ein, eine 10-prozentige Abgabe auf alle in Gathäusern ausgeschenkte Getränke

1360 Herzoghof
Erste Erwähnung eines ersten hölzernen Brückenbaues über die Mur für die in Wetzelsdorf von der Römerstraße abzweigende Handelsstraße Richtung Osten nach Savaria (Steinamanger), von der in der Sporgasser (Name aufgrund der hier angesiedelten Sporenmacher) auch ein weiterer Seitenarm über die Hofgasse in den Raum Gleisdorf führt. 1361
1364 erlässt Rudolf IV. die Rudolfinische Hausordnung, wonach die habsburgischen Länder gemeinsamer Besitz all seiner Brüder sind. 1364  

Als Rudolf IV. überraschen 28-jährig in Mailand stirbt, teilen sich seine beiden Brüder Albrtecht III. mit dem Zopf (1349-95) und Leopold III. der Gerechte (1351-86) gemeinsam die Regierungsgeschäfte von Österreich und der Steiermark.

Leopold III. der Gerechte heiratet 1365 in Wien die Mailänder Herzogstochter Viridis Visconti.
Albrecht III. gründet, um sich gegen das erstarkte Bürgertum eine Elite zu schaffen, die Rittergesellschaft "Orden vom Zopf". Ihren Orden, eine goldene Zopf-Kollane mit einer in einer Kapsel eingelegten Haarlocke, die der Haarpracht seiner Gemahlin Beatrix von Zollern nachempfunden ist, bekommen Adelige von eheliche Geburt und katholischem Glauben als Zeichen der Verbundenheit.

1365
Das Mühlenhaus samt Herrenhaus der "Rielmühle" in der Statteggerstraße in Andritz wird 1371 erbaut. 1371

Der Augustinermönch Augustin Münzmeister aus der oberbadischen Stadt Breisach, der bei der Kurie in Avignon hohes Ansehen genießt, wird von Papst Gregor XI. persönlich in Avignon zum Bischof von Seckau ernannt. Er verlegt gegen große Widerstände den Bischofssitz nach Graz.

Zur Begünstigung des Handels in den Städten verbietet Herzog Albrecht III. für fremde Händler den Kleinhandel. Gäste und Krämer, die die Städte zu Kirchweihfesten und an Markttagen besuchen, dürfen ihre Tuchwaren nur in ganzen Stücken verkaufen.

1372
Erstmals wird ein "Stadthaus" von Graz erwähnt. 1375  
Nachdem der Papst mehrmals zum Kreuzzug gegen die letzten heidnisch verbliebenen Völker aufruft, nimmt der Deutsche Orden den Kampf gegen die heidnischen Pruzzen auf und bringt gegen Ende des 13. Jh. fast die gesamte Küste des Baltikums unter seine Konrolle. Auch der österreichische Herzog Albrecht III begibt sich, begleitet von Hugo von Motnfort und Oswald von Wolkenstein, 1377 mit 150 Mann auf Preußenfahrt: "Das Heer zog durch das Niemandsland über Insterburg an die Scheschupe. Dort erblickten sie vier Brücken geschlagen. Die Schiffer trafen ein, die Ruderer scheuten keine Mühen. Von mittags bis abends waren 30000 Mann mit 610 Schiffen anwesend. Drei Pferde und ein Knecht ertranken. Dieses Heer brachte seinen Gast nach Szameiten. Eine Hochzeit fand dort statt; die Gäste kamen uneingeladen. Ein Tanz wurde mit den Heiden getreten, dass ihrer 60 tot blieben. Das Dorf wurde vom Feuer rot und die Lüfte brannten. Ich hätte nicht Bräutigam sein wollen. Was ihnen weh tat, tat uns wohl! Das Land war voll Menschen und Gut, den Christen - ein Gewirr, den Heiden - ein Verderb, wenn man es mit der Waage des Krieges misst. Eine Lust war das! Die Heiden ließen auch anchts nicht ab mit scharfer Wehr, stachen, schlugen und schossen; sie schrien mit lauter Stimme wie die wilden Tiere. Sie erstachen Leute, schossen Pferde ab und flüchteten dann in die Moore. So trieben sie es die ganze Nacht. Als Morgen wurde, brach das Heer auf, zündete alles an, dass die Lüfte brannten. Man sah da sehr viele Frauen mit zwei Knaben an den Leib gebunden, eins vorne, eins hinten, auf dem Pferde, sie kamen ohne Sporen barfuß geritten. Die Heiden litten große Not. Man fing ihrer viele ein, band ihnen die Hände zusammen und führte sie wie die Jagdhunde." 1377

Nach dem Tod Herzog Albrecht II. 1358 übernimmt für seine drei minderjährigen Söhne kurzfirstig Rudolf IV. die Regierung bis im Zisterzienstift von Neuberg an der Mürz 1379 die Teilung der Habsburger in eine Albertinische und eine Leopoldinische Linie fixiert wird: Albrecht III. erhält das Herzogtum Österreich ob und unter der Enns sowie das Salzkammergut, sein Bruder Leopold III., der Gerechte (1.11.1351 bis 9.7.1386), die Steiermark, Wr. Neustadt. Kärnten, Krain mit der Windischen Mark, Tirol, Inneristrien, das dalmatinische Küstenland und die schwäbischen Besitzungen, der Sund- und Breisgau.
Graz wird damit Residenzstadt des innerösterreichischen Staatsgebietes der Leopoldiner. Am Markt befindet sich das Stadtrichterhaus, der Schreibhof mit dem Sitz der landesfürstlichen Verwaltung (späteres Landhaus), die Häuser des Erzbischofs von Salzburg, Graf Hermann von Cilli, sowie des Landeshauptmannes Rudolf von Walsee. Es kommt zu einem starken Ansteigen der adeligen Bewohner sowie der Juden
.

1379

Bischof Johannn I. (1380-99) entstammt dem steirischen Ministrialengeschlecht der Burg Neuberg bei Hartberg und ist dort zunächst Pfarrer. Nach des Seckauer Bischofs Ulrich von Weißeneck ernennt Papst Grgor XI. gegen den Wunsch seines Onkels, des Salzburger Erzbischof Pilgrim III., nicht Johann, sondern August Münzmeister von Breisach zum Nachfolger, obwohl das Besetzungsrecht dem Erzbischof zusteht. Erst nach dem Tod Bischof Münzmeisters wird Johann am 14. April 1380 zum Seckauer Bischof geweiht. Er lässt die Burg Seggau bei Leibnitz ausbauen, wo er sich zumeist aufhält. Im großen Schisma steht Bischof Johann mit dem Salzburger Erzbischof Pilgram III. auf Seiten Avignons. 1380
Eine Abordnung aus Triest huldigt Herzog Leopold III. in Graz und unterzeichnet am 30. September 1382 in der Herzogsstube am Schloßberg (super Castro nostro in Graecz) einen Vertrag, in welchem sich die Hafenstadt über 600 Jahre lang an Österreich bindet. Die Triestiner erhoffen sich dadurch vor allem Hilfe gegen Venedig und die Türken sowie wirtschaftliche Verbindungen zum Hinterland. Österreich bekommt dafür im Gegenzug freien Zugang zur Adria. 1382 Triest
Nach dem Tod seines Vaters Leopold III. in der Schlacht bei Sempach tritt Herzog Leopold IV., der Dicke (1371-1411), anfangs unter der Vorherrschaft von Albrecht III., die Nachfolge in der Steiermark an. 1386
Erste urkundliche Erwähnung des ursprünglich mittelalterlichen Wehrbaues von "Schloss Sparbersbach", das später von Carl Gottfried Graf von Breuner umgebaut und ab 1766 nach seinem Besitzer als "Hallerschlößchen" bezeichnet wird. 1389
Graz treffen schwere Handelsbeschränkungen zugunsten der Handelsstraße von Gemona über Villach, Judenburg, Bruck und den Semmering nach Wien, sodass die Grazer Handelsherren gezwungen sind, italienische Waren von Judenburg über die Stubalpe oder das Murtal zu befördern. Wie überhaupt die Mur als Transportweg besonders wichtig ist: Mur aufwärts transportieren die Saumknechte entweder auf dem Talweg längs der Mur oder zu Wasser mit Flössen oder mit von Pferden gezogenen Schiffen hauptsächlich Getreide in das eher fruchtlose steirische Oberland, Mur abwärts erfolgt der Transport des Ausseersalzes. Die verbotenen Straßen über den Karst sowie von Pettau über Gleisdorf und Feldbach werden unter die Aufsicht der Grazer Bürger gestellt.
Aber auch die Saumwege (Saum = Last) über die Berge sind uralt. Schon von den Römern genutzt, dienen sie im 7. und 8. Jh. der heimischen Bevölkerung als Rückzugswege vor von Raubzügen aus dem Osten. Sinn
dieser Trampelpfade - die bedeutendsten in der Steiermark führen über den Sölkpass und die Gleinalm - ist es, mit den auf auf Eseln beförderten Waren die Mautstellen an Flüssen zu umgehen. Das führt dazu, dass 1489 Friedrich III. eine Saumwegsperre anordnet, um einen Mautentgang zu verhindern.
1393
In der Steiermark und Kärnten wütet der "Schwarze Tod", der aus Italien eingeschleppt wird: "Da kam ein großer Sterb in Wallischen Landen und in Puln. Do werden stet und Märkte oed von dem sterben, und ze Venedig wart auch der sterb so groß dass chein kaufmann dahindorft, und fluhen alle heraus, doch beliben der Teutschen vil tod darin. Das gie heraus untz gen Judenburg und überall gen Kernden und Steier und gen Oesterreich, das in dy Lewt in der offen puess überall". 1394  

Nach dem Tod Albrechts III. einigen sich im Vertrag von Hollenbrug an der Donau am 22. November 1395 die Nachkommen der albertinischen und leopoldinischen Linie bezüglich der Länderaufteilung: Wilhelm der Ehrgeizige (1370-1406) regiert Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain sowie die Küstenlande), Albrecht IV. der Geduldige (1377-1404) Österreich sowie Leopold IV. der Dicke (1371-1411) Tirol und die Vorlande.

Der aus der südsteirischen Weingegend stammende Zisterziensermönch im Kloster Neuberg an der Mürz, Andreas Kurzmann, verfasst für seine Laienbrüder im Konvent religiöse Texte, die diese dann an die Bevölkerung weitergeben. Als Inspirationsquelle dient ihm die kostbare Madonnenfigur des Stiftes.

1395

Herzog Wilhelm von Habsburg kauft mehrere Häuser und Gärten im Bereich des Meierhofes (Freiheitsplatz).
Existenz einer Judenschule und einer bürgerlichen Stadtschule.

Friedrich von Perneck entstammt wie sein Bruder Eckhart (Bischof von Chiemsee) und sein Verwandter Rudolf (steirischer Landeshauptmann 1394-95) dem steirischen Rittergeschlecht der Herren von Pernegg bei Bruck an der Mur. Noch zu Lebzeiten des kränkelnden Seckauer Bischofs Johann von Neuberg wird Friedrich 1399 zu dessen Nachfolger bestimmt.

1399
Ein Fresko in der Burg Runkelstein bei Bozen zeigt den ältesten namentlich bekannten steirischen Herrscher: Dietleib von Steier mit seinem Schwert Welsung. Dietleib ist einer der 12 Recken Dietrichs von Bern (hinter Dietrich von Bern=Verona verbirgt sich die historische Figur des Ostgotenkönigs Theoderich), mit dem er den Zwergenkönig Laurin besiegt und seine, von diesem entführte ind im Rosengarten gefangen gehaltene Schwester Künhilde befreit. Gemeinsam mit Dietrich von Verona, dem Waffenmeister Hildebrand, Rüdiger von Bechelaren und seinem Vater Biterof von Toledo unterstützt er König Etzel in seinen Kämpfen und erhält dafür von diesem das Land Steier, wo er die "Styraburg" errichtet. 1400 Dietleib von Steier

Das alte Grazer Pfarrhaus wird abgerissen und in der Nähe des Hauses der Windischgrazer durch Pfarrer Ludwig von Talheim der neue Pfarrhof erbaut.

Der Grazer Bürger Niclas Eßl stiftet das Bürgerspital mit einer Kirche zum hl. Geist in der Murvorstadt. In einer Originalurkunde des Heiligengeistspitales wird St. Andrä als Pfarrkirche erwähnt.

Erste Erwähnung eines "Ganges", der späteren beiden Mühlgänge, die aus Seitenarmen der Mur in Weinzödl ihren Ausgang nehmen und - der linksseitige beim dritten Sack, der rechte nach 30km bei Werndorf - wieder in die Mur münden. Sie dienen zur wirtschaftlichen Nutzung der Wasserkraft für Mühlen (Stadtmühle), Färbereien, Papierfabriken sowie Leder- und Gerberbetriebe.

1401
Am 30. September 1402 legen Herzog Wilhelm der Ehrgeizige (1370-1405) und Herzog Leopold IV. der Dicke (1371-1411) im Vertrag von Bruck/Mur die Anteile an der Regierung mit ihren jüngeren Brüdern fest: Wilhelm und Herzog Ernst der Eiserne bekommen Innerösterreich, während Leopold IV. und Friedrich IV. mit der leeren Tasche Tirol und Vorderösterreich zugesprochen werden.

Herzog Wilhelm der Ehrgeizige reist durch Graz nach Laibach, um seine Braut Johanna von Neapel nach Wien zu führen.

Die Adeligen Conrad und Andreas Breuner aus Prein an der Rax lassen sich in der SAteiermark nieder: Andreas (1370-1421 ehelicht Elisabeth Gleinitz von Gleinstätten und wird Landesverweser.
1402
Der in Bruck/Mur geborene Herzog Ernst der Eiserne (1377-1424) aus dem Geschlecht der Habsburger übernimmt nach dem Tod seines ältesten Bruders Wilhelm die Herrschaft über die Herzogtümer Steiermark, Kärnten und Krain mit der Hauptstadt Graz. In erster Ehe ist er mit Prinzessin Margarthe von Pommern (1392-1407), nach deren Tod mit Prinzessin Cymburgis von Masowien verheiratet. Er verfügt über so gewaltige Kräfte, dass er mit bloßen Händen ein eisernes Hufeisen zerbrechen kann. Gleichzeitig übernimmt er die Vormundschaft für den noch minderjährigen Albrecht V. in Ungarn und Böhmen, während sein einer Bruder Leopold IV. Regent von Österreich und sein anderer, Friedrich IV. mit der leeren Tasche (1362-1439), Herzog in Tirol werden.

1406

Herzoghut

Friedrich von Fladnitz - ehemaliges ritterliches Dienstmannengeschlecht der Herren von Stubenberg - wird am 13. Jänner 1408 Landeshauptmann der Steiermark und erwirbt als Wohnsitz in Graz vom Bürger Eustachius Esel einen Hof "gelegen an der Tratten vor der Stat zu Gretz" (Adolf-Kolping-Gasse), der dem deutschen Ritterorden zinspflichtig ist und später dem Grazer Burggrafen Karl Scarlich als "Scarlichthof", 1623 einem Jacob Castell als "Kaiserhof" und schließlich 1849 dem Tabakverleger Georg Schwarz als "Pfeifenschlössl" zur Unterkunft dient. 1408
In Andritz werden MÜhlen am Andritzbacvh erwähnt, der am Fuße einer Felswand aus einem Quellteich entspringt und angeblich durch das Wasser vom Schöckl über unterirdische Gänge gespeist wird. Der Sage nach lebte im Teich eine Nixe, die erzählte, dass der naher Höhenberg wegen seines Goldschatzes eigentlich Reichenberg heissen müsse, und tatsächlich sollen schon die Römer dort nach Eisen geschürft haben. 1410

Nach dem Tod von Herzog Leropold IV. kommt es mit seinem Bruder Herzog Friedrich IV. zu einer Einigung: Herzog Ernst regiert in Innerösterreich mit der Hauptstadt Graz, Herzog Friedrich IV. in Tirol und Vorarlberg mit der Hauptstadt Innsbruck.

Erzherzog Ernst sorgt durch einen Erlass für die Offenhaltung des Wasserweges auf der Mur.

1411  

1412 heiratet Herzog Ernst der Eiserne die polnische Prinzessin Cimburgis von Masowien, die wegen ihrer außergewöhnlichen Körperkraft ihrem Gatten ebenbürtig ist, so kann sie eine ganze Ladung Heufutter stemmen oder mit bloßen Händen Eisennägel aus der Wand ziehen. Von ihr stammt auch das hervorstechende Kennzeichen der Dynastie, die berühmte Habsburgerlippe. Gemeinsam haben sie 9 Kindr, darunter der spätere Kaiser Friedrich III.

Am 28. Mai 1412 sendet Herzog Ernst der Eiserne an den Burgpfleger von Gösting, Kaspar Saurer, ein Ladschreiben für die Landstände ("an all graffen, herren, ritter, knecht, stet vnd maerkt in Steyr").

1412 Herzog Ernst

Graf Hugo von Montfort (1357-1423) aus Bregenz erwirbt durch seine Heirat mit Gräfin Margarete d. J., der Erbtochter des Hauses Pfannberg, große Besitzungen bei Frohnleiten und Peggau. Nach ihrem und dem Tod seiner zweiten Frau Clementina ehelicht er die Witwe des steirischen Landeshauptmannes Johann von Stadeck, Anna von Neuhaus, und erbt weitere große Besitzungen bei Graz. In Diensten von Herzog Albrecht III. begleitet er diesen bei seinem Kreuzzug gegen die heidnischen Litauer und dient dann Herzog Wilhelm und Herzog Ernst d. Eisernen, wobei ihn Letzterer am 24. April 1413 zum Landeshauptmann der Steiermark ernennt. Hugo gilt mit seinen 40 Gedichten, Liedern, Reden und Briefen aber auch als letzter höfischer MInnesänger. In einer Strophe schreibt er über die Steiermark: "Ich schrib dir gerne clouge wort, so hast du min hertz gefangen, min lieber boul, min hoechster hort! du hast in dinen banden von gold ein ketten die ist vin, damit hast du es beschlossen: din eigen wil es iemer sin, des ist es unverdrossen."

1413 Hugo von Montfort

Ernst der Eiserne lässt sich am 18. März 1414 als letzter Habsburger nach alter Tradition auf dem Fürstenstein in Karnburg in windischer Sprache als Herzog einsetzen und trägt ab diesem Zeitpunkt als Erster den von Rudolph IV. erfunden Titel eines "Erzherzogs".
Im Herbst unternimmt er eine Reise nach Palästina.

Sein Bruder Friedrich IV. mit der leeren Tasche verleiht den Grazer Bürgern zu Philipp und Jakobi (1.Mai) den zweiten großen Jahrmarkt, dem sich der Mittfastenmarkt,  der Portiunkulamarkt und der Andrämarkt  als weitere große Grazer Jahrmärkte dazu gesellen.
Diese Jahrmärkte sind nicht nur wegen ihres günstigen Warenangebotes, sondern auch wegen der dargebotenen Unterhaltungsmöglichkeiten beliebter Anziehungspunkt, sowohl für die Grazer Bürger, wie auch für die Händler aus ganz Europa.

Sigmar aus dem Ministerialengeschlecht derer von Holleneck mit ihrem Stammsitz auf Schloss Holleneck in der Weststeiermark wird 1414 durch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus zum Bischof von Seckau ernannt. Im selben Jahr wird Sigmar Kaplan von Herzog Ernst. Als Begleiter des Erzbischofs nimmt er am Konstanzer Konzil teil.

1414
Ulrich IV. von Albeck wird auf Fürsprache von König Sigismund durch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus am 23. Juli 1417 zum Bischof von Seckau ernannt. Aufgrund siener hervorragenden Bildung spielt er für Papst und König eine bedeutende Vermittlerrolle. 1424 wird er in die Gebetsbruderschaft des Stiftes Rein aufgenommen. Auf der Reise nach Rom zu seiner Ernennung zum Kardinal durch Papst Eugen V. erkrankt er in Padua und verstirbt am 12. Dezember 1431. 1417
Die Ungarn fallen das erste Fall in die Steiermark ein.

1418

 

Erste bildliche Darstellung von Graz mit dem Uhrturm und der Paulus- (Stiegen-) und Ägidiuskirche (Dom) in einem Weihnachtsbildchen aus dem "Codex Runensis 100 Antiphonale Cisterciense" in Rein durch Heinrich Aurhaym, einem unter Abt Angelus Manse (1399-1425) dienendem Künstler.

Der im 15. Jahrhundert errichtete Zugang zur Schloßbergfestung, das "Gotische Tor", wird im Jahre 2000 von Archäologen freigelegt.

1420 Graz
Gotisches Tor
Der zeitweilig von Herzog Ernst nach Bruck/Mur verlegte Niederlassungszwang gilt wieder für Graz; alle durchreisenden Händler müssen ihre Waren auf dem Markt feilbieten. Hiefür wird der bisher verbaute Hauptplatz freigelegt.
Im Rahmen der Stadterweiterung wird die Stadtmauer am Ende des ersten Sackes mit einem Tor durchbrochen und der Sack durch einen zweiten (bie zur heutigen Kaieinmündung) erweitert, in welchem sich vor allem die Lederer, Weißgerber (Sackstraße 23), Kürscvhner, Schuster, Müller und Bader (kalte und warme Duschen, Schwitzkästen) ansiedeln.
1421
Unter dem aus der weststeirischen Ritterfamilie stammenden Peter von Graden wird für deren Schloo Baierdorf das Allerheiligenkirchlein am Fuße des Gaisberges in Eggenberg als Schlosskirche ("Capell zu Payrdorf") erbaut. 1423

Mit dem Tod von Erzherzog Ernst des Eisernen am 10. Juni 1424 folgt, zuerst unter der Vormundschaft seines Bruders, Herzog Friedrich IV. mit der leeren Tasche von Tirol (1382-1439), sein ältester, erst 15jähriger Sohn als Herzog von Steiermark, Kärnten und Krain nach und tritt als Friedrich V. die Herrschaft in Innerösterreich an. Seine Jugendjahre verbringt er bei seiner Mutter Cimburgis von Masowien in Graz.

1424 Friedrich III.

Anrainend zur Pfarrkirche St. Ägidius zu Graz werden in der Kirchstraße fünf Häuser erwähnt, wovon eines zwischen dem alten Pfarrhof und dem Wilhimin-Haus, dem Pfarrer Georf gehörig und der Gilgenpfarre dienstbar gemacht ist sowie ein weiteres Haus am Heiligen-Kindlein-Tag, dem 28.12.1428, von Hans Emler, dem Zechmeister der St. Gilgen Pfarrkirche verkauft wird.

StadtKonrad von Reisberg, aus Kärnten stammend und PFarrer von Veitsberg bei Leoben, wird eine Woche nach dem Tod des Sckauer Bischofs Ulrich von Albeck durch seinen Verwandten, den Salzburger Erzbischof Johann II von Reisberg, zum Nachfolger im Bistum Seckau ernannt. 1431
"Vlrich Egkhnnperger", ein Wirt und Geschäftsmann, der in Agram, Ofen und Radkersburg Handelsnierlassungen besitzt, ist Stadtrichter von Graz. Er besitzt Häuser in der Herrengasse und Murgasse sowie einen Acker in Algersdorf. Herzog Friedrich V. überträgt ihm das Recht der Münzprägung und des Wechselgeschäftes. 1432  

1434 tritt Friedrich V. (1415-93) als Herzog die Herrschaft in Innerösterreich, d.h. in der Steiermark einschließlich von Wr. Neustadt mit dem Gebiet um Pitten, sowie in Kärnten und der Krain an.

Im Baseler Konzil 1434 wird der Verweis der Juden in eigene, zwangsweise zugewiesene Wohnviertel (Ghettos) nochmals vorgeschrieben. Gemäß diesen Konzilsbeschlüssen (Lateran und Basel) ordnet Kaiser Friedrich III. später auch die Entfernung aller Juden aus ihren Häusern in der Frankfurter Domgegend an. Die Liste ihrer Anschuldigungen ist lang, sie reicht von Kindesentführungen über Ritualmorde bis hin zur Spionage für fremde Mächte. Die Juden werden für alle Unbill wie Pest, Hunger, Wetter, Missernten, Kindstod verantwortlich gemacht.

1434
Unter Herzog Friedrich V. Baubeginn der der gotischen Pfarrkirche St. Ägydius (Domkirche) durch den "Meister von Grätz", den Schwaben Hans Niesenberger, im spätgotischen Stil. Als erstes wird an das Presbyteriumj die Barbarakapelle als Sakristei des Hoforatoriums Friedrichs angebaut; später folgen die Friedrichs- (1449) und Romualdkapelle (1554). 1438 St. Ägydius

Gleichzeitig beginnt Friedrich auch mit der Errichtung des nach ihm benannten Friedrichsbaues, einer repräsentativen Stadtburg, die sich in zwei Bauteile, den Palas (Wohntrakt) und die kastellartige Friedrichsburg gliedert. Dieses geistliche und weltliche Zentrum wird sowohl durch einen Übergang mit der Ägydiuskirche, als auch für den Ernstfall durch einen gedeckten Gang auf der Stadtmauer mit der Festung auf dem Schloßberg verbunden. Selbst im 1. Stock der Burg führt ein Schlurf (schmaler Geheimgang) hinter den Prunkräumen vorbei. Eine Wandnische mit Malereien von Planzen und Vöglen an der Außenwand im Innenhof der Burg dürfte als Asustellungsnische für Prunkvögel gedient haben.

Das in Höhe des heutigen Schauspielhauses befindliche "Tor gegen die Grecz" erhält mit dem Namen "Burgtor" seinen neuen Standort im Anschluss an die Burg.

Trompetengang Burghof
In Graz kommt es zur Vertreibung aller Juden, ihr Ghetto wird aufgehoben und in der Karlau neu angesiedelt. Das in der Burgstraße (spätter Herrengasse) auf der Höhe der heutigen Stubenberggasse zum Judenfriedhof führende "Judentürl" wird zu einem großen Torturm mit einer darin untergebrachten Waffenkammer vergrößert. Wegen der eisenbeschlagenen Türen "Eisernes Tor" (Ungartor) genannt.

Nach dem Tod Kaiser Sigismunds kann Albrecht II. (IV.) von Habsburg als römisch-deutscher König von Ungarn und Böhmen sowie Herzog von Österreich (Albrecht V.) erstmals alle Länder in einer Hand vereinen.

Im 15. Jahrhundert lebt in der Katzbauerstube beim Dorf Salla ein in der Weststeiermark weithin bekannter Seher namens Thomas Weiß, der wegen seines Kropfes nur "Kropf" genannt wird. Er lebt in großer Armut. Seine berühmteste Vorhersage ist die Hinrichtung des Andreas von Greißenegg, des reichsten Ritters im Kainachtal, der bei ihm Rat für die Zuzkunft holte und 1471 tatsächlich in Graz enthauptet wird.. Thomas Weiß ist besonders gläubig und soll jedes Mal, wenn er nach Lankowitz kommt, um seine Steuer zu zahlen, ein Kruzifix an einem Lindenbaum küssen und ein Steinchen auf diesen Platz hinlegen. Auf die Frage, was er da tue, antwortete er immer: "Hier wird einmal eine Kirche zur Ehre der Muttergottes stehen.".

 

Als nach nur einjähriger Amtszeit sein Cousin König Albrecht V. im Feldzug gegen die Türken an der Ruhr und auch sein Onkel Friedrich von Tirol in Innsbruck sterben, wird Friedrich V. als Herzog von Österreich (1439-1493) alleiniges Oberhaupt des Hauses Habsburg und Vormund zweier unmündiger Vettern, des jungen Sigmund von Tirol und des in Ungarn nachgeborenen Sohnes von Albrecht II. (V.) Ladislaus Postumus.

Auf Wunsch der Grazer Bürgerschaft kommt es zur Vertreibung der Juden und Herzog Friedrich V. löst ihr Ghetto (Mesner-, Jungfern-, Frauengasse, Fischer v. Erlach-, Hans-Sachs-Gasse) auf, weil die Juden nur dem Landesherrn (Leibzoll), nicht aber der Stadt steuerpflichtig sind, trotzderm aber alle Rechte in Anspruch nehmen.

Die Burgerstraß (spätere Herrengasse) wird bis zur südlichen Stadtmauer verlängert und wird mit dem "Eisernen Tor" (auch "Ungartor" genannt), abgeschlossen.

1439

Durch den plötzlichen Tod König Albrecht II. (V.) während der Schwangerschaft seiner Frau Elisabeth von Luxembrug kommt ihr Sohn Ladislaus posthumus vaterlos auf die Welt. Aufgrund der sich daraus ergebenden Erbfolgestreitigkeiten als ungarischer und böhmischer König bringt die Königin-Witwe ihren Sohn Ladislaus Posthumus samt der ungarischen Stephanskrone zu ihrem Verwandten Herzog Friedich V. nach Graz in Sicherheit, wo dieser in den Jahren zwischen 1440 und 1453 in dessen Obhut erzogen wird.

Herzog Friedrich V. wird durch den vorzeitigen Tod Albrechts II. im Jahre 1440 in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen König Friedrich III. gewählt.

1440
König Friedrich III. verleiht Graz dem schon bestehenden Ägidimarkt das Privileg für einen zweiten Jahrmarkt am 1. Mai, der vielleicht in Zusammenhang mit einem früheren Kirchweihfest steht und als Förderung für den Neubau der Ägidiuskirche verstanden werden kann. Als daraufhin der Salzburger Erzbischof dagegen protestiert, weil auch in Leibnitz am 1. Mai ein Jahrmarkt und Kirchweihfest stattfindet, wird der Grazer Markt am darauffolgenden Jahr auf Mittfasten verlegt. 1441

Der Historiker und Schriftsteller Enea Silvio (auch Aeneas Sylvius) Piccolomini und spätere Papst Pius II. tritt Anfang 1443 als Sekretär in den Dienst Friedrichs III. und verbringt die Zeit bis 1455 vornehmlich am Hof des Kaisers in Wiener Neustadt und Graz. In seinen beiden Hauptwerken "Asien" und "Europa" beschreibt er ausführlich die Geographie, die Sitten der Völker, die weltliche und kirchliche Geschichte, sowie die wirtschaftlichen und sozialen Besonderheiten dieser Kontinente. Unter anderem ruft er zur Abwehr der Türken auf und schreibt folgendes über die Steiermark: "Hier ragt mitten aus der Erde ein ungemein hoher Berg auf, der allenthalben felsig abfällt. Auf seiner Spitze erhebt sich ein Schloß, sowohl durch die natürliche Lage sicher, als durch Menschenwerk befestigt, weshalb der Kaiser stolz darauf sein kann. ... Die Bevölkerung der Steiermark ist rauh und nicht von jener Weichheit, die dem Südländer eigen ist." und über den Wein in Graz sagt er: "grazer wein wenn du ihn trinkst wirst du krank er ist essigsauer wässrig verdorben".

Georg I. Lembucher aus Kalsdorf bei Ilz wird einer Woche nach dem Tod des Seckauer Bischofs Konrad von Reisberg zu dessen Nachfolger bestimmt.

1443

Pius.II.

Der Steirer Friedrich Gren wird nach nur 3-jährig dauernden Amtszeit des verstorbenen Bischofs Lembucher im Jahr 1446 zum Bischof von Seckau ernannt.

Die "Handelsregistratur" Frtiedrichs III,, ein volumninöser Pergamentband, der die Abschriften der wichtigsten Privilegien sowie Listen von Potentaten und Päpsten mit ihren Wappendarstellungen erhält, zeigt auch das steirische Wappen mit der Devise AEIOU und der Jahreszahl 1446.
Ebenso finden sich auch im Wappenbuch Herzog Albrechts VI. von Österreich Abbildungen des steirischen Wappens ("hertzug Styermarck", "stirmarck")

Mit dem Namen "Wilhem Steirer" (auch Wolfgang Steyerer) taucht zum ersten Mal ein Grazer Bürgermeister mit Familiennamen in den Urkunden auf. Er besiegelt am 7. Februar 1446 gemeinsam mit dem Stadtrichter einen Kaufvertrag..

1446

Bau der Grazer Stadtburg mit dem dreistöckigen Friedrichsbau samt der hochgotischen doppelchörigen Burg- oder Kammerkapelle (heute Sitzungssaal der steiermärkischen Landesregierung). 1447
Burgkapelle

Da man auf die Steuerkraft der Juden nicht verzichten kann, holt König Friedrich III. sie wieder nach Graz zurück und siedelt sie jetzt, in der ganzen Stadt verstreut, an.
In der Judengasse (heutige Frauengasse) bestimmt König Friedrich III. ein Haus, in welchem auch eine Taverne mit Weinausschank untergebracht ist, als das erste Rathaus und befreit es von der Steuer.

Eine von König Friedrich III. 1448 erlassene Eisenordnung regelt am steirischen Erzberg den Abbau des Eisenerzes, die Erzeugung des Roheisens und die Weiterverarbeitung. Eine waagerechte Linie in 1186 m Seehöhe, die sogenannte Ebenhöhe, unterteilt den Berg. Die obere Berghälfte soll vom südlich gelegenen Vordernberg erschlossen, der untere Bergteil von Innerberg, dem heutigen Eisenerz, ausgebeutet werden. Auch eine Teilung der Absatzgebiete ist vorgesehen: Nordeuropa wird von Innerberg beliefert, während Südosteuropa, über Venedig bis in die Levante, Eisen aus Vordernberg erhält. Beiden Orten wird je ein Marktwappen und das Marktrecht verliehen. Der Eisenhandel konzentriert sich in Steyr und Leoben.

1448
Unter König Friedrich III. (1440-1493) erfolgt zusammen mit dem Um- bzw. der Neubau der benachbarten alten Burg (4-stöckiger Friedrichsbau mit Kammerkapelle) auch der Neubau der Grazer Ägidiuskirche; während dieser Zeit wird das Pfarrrecht an die Kirche St. Paul übertragen.

Für den Kreuzaltar am gotischen Lettner maltder schwäbische Künstler Conrad Laib aus Ennslingen 1449 das bedeutende Tafelbild "Kreuzigung im Gedräng". Die große Anzahl an dargestellten Personen lässt auf die im Mittelalter sehr beliebten Passionsspiele schließen, die unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfinden. An der Nordwand im Kircheninneren trägt die Christophorusfigur eines Freskos die Gesichtszüge König Friedrichs. Seine Devise A.E.I.O.U. ("Alles Erdreich ist Österreich untertan" bzw. "Austrie est imperare orbi universo") ist in der Kirche achtmal zu finden.
1449 Kreuzigung.im.Gedraeng Friedrich III.

Kopialbuch (Abschrift einer älteren Urkunde) des Abtes Hermann Molitor in der Stiftsbibliothek in Rein, in dem über die Schenkung eines Gutes in Anwesenheit eines Zeugens namens "Dietmarus de Gracz" berichtet wird: die erste urkundliche Erwähnung des Namens "Gracz".

Neben dem ältesten Tiergarten auf dem Ruckerlberg im Osten lässt König Friedrich III. an der Nordseite des Schloßberges (ab 1836 Wickenburggasse) einen neuen zweiten, den oberen landesfürstlichen Tiergarten für die Jagd von Damwild anlegen (1450 bis 1636).

1450

Rein

Begleitet von seinem Bruder Albrecht VI., dem Rat Johann Ungnad und Ladislaus Posthumus heiratet Friedrich III. (V.) am 14. März 1452 in Rom Eleonore von Portugal und wird 5 Tage später am 19. März durch Papst Nikolaus V. zum Kaiser gekrönt. Als Kaiser Friedrich III. der Friedfertige (1452-1493) regiert er für insgesamt zehn Jahre von Graz aus das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation” und baut Graz mit der Errichtung der „unteren“ Burg (1438) und der Domkirche (1438-62) zur Kaiserresidenz aus. „AEIOU"(Alles Erdreich ist Österreich untertan, Austria erit in orbe ultima) ist sein geheimnisvolles Signum.

Ebenfalls unter der Ägide Kaiser Friedrich III. entsteht der zweite Sack sowie das Dominikanerkloster in der Hans-Sachs-Gasse.

Georg Überacker hat von 1444 bis 1452 die Pfarre Pöls und ab 1456 die Pfarre Radkersburg inne. Am 1. April 1452 ernennt ihn der Salzburger Erzbischof Friedrich IV., Truchsess von Emmerberg, zum Bischof von Seckau. Georg Überacker ist in kaiserlichen oder päpstlichen Aufträgen als Schiedsrichter und Jurist unterwegs und wird 1457 Hofkaplan Kaiser Friedrich III., der ihn unter besonderen Schutz stellt.

Ulereich Einpacher ist von 1452 bis 1453 Grazer Stadtoberhaupt.

1452

Friedrich &  Eleonore Friedrich.III. Friedrich III. & Leonore von Aragon

Kaiser Friedrich III. bestätigt das "Privilegium maius" und führt für die Mitglieder des Hauses Habsburg den Titel "Erzherzog" ein. 1453
TafelIn Mainz erfindet Johannes Gensfleisch zum Gutenberg den Buchdruck und druckt als erstes eine 42-zeilige Bibel. 1455

Landeshauptmann Leuthold von Stubenberg.

Stadtoberhaupt ist Christoph de Epyhauser.

1456
Der aus Salzburg zugewanderte Niclas Strobel kommt als Fleischhauer und Händler in der Herrengasse zu großem Ansehen und Reichtum, sodass er in die Grazer Bürgerschaft aufgenommen und von 1452 bis 1469 Stadtrichter sowie im Jahr 1461 Bürgermeister wird. 1461 Niclas Strobel
Erstmals wird das sich zwischen den Häusern Herrengass 23 und 28 befindliche Eiserne Tor erwähnt.

Ulrich III. von Graben triit am 8. Dezember 1462 als Landeshauptmann des Herzogtums Steiermerk die Nachfolge des verstorbenen Eberhard VIII. von Walsee an. 1469 folgt ihm Graf Wilhelm von Dirnstein als Landeshauptmann nach. 1475 wird Ulrich von Graben zum Generaleinnehmer des steirischen Gebietes „innerhalb der Drau" ernannt. Kaiser Friedrich vermacht ihm das Schloss Eppenstein und gestattet ihm, mit blauem statt mit rotem oder weißem Wachs zu siegeln. 1483 wird er zum Burggrafen von Graz sowie zum Schlosshauptmann (Kastelan) des Grazer Schlosses berufen. Als solcher bschützt er Kunigunde von Österreich, die Tochter Kaiser Friedrichs, vor der Entführung durch den Ungarnkönig Matthias Corvinus.
1462 Eisernes Tor

Durch den überraschenden Tod seines jüngeren Bruders Albrecht VI. d. Freigiebigen (1418-63) wird Kaiser Friedrich III. nun auch von den österreichischen Ständen als Landesfürst von Österreich ob und nieder der Enns anerkannt.

Kaiser Friedrich III. erlaubt den Franziskaner Observanten die Gründung eine neuen Klosters: "in ecclesia S. Leonardo prope Graz" (nahe der späteren Pfarrkirche St. Leonhard). Zum Schutz vor Türkeneinfällen widmet er den Mönchen das innerhalb der Stadtmauer gelegene Marchfutterhaus (Agnes, die Witwe Bernhards des Rindscheid, verkaufte 1448 ein Haus an König Friedrich, "das gelegen ist ze Grez pey dem Frawnklostertor und stozzt der garten hinden an das Marchfueterhaws").

1463

Der böhmische Adelige Jaroslav Leo von Rosental (1425-80) unternimmt in den Jahren 1465 bis 1467 eine diplomatische Reise durch Europa. Mit der von ihm angeführten Delegation von 40 katholischen Adeligen und Rittern samt 52 Pferden bereist er Deutschland, Belgien, England, Frankreich, Spanien, Portugal bis zum Kap Finisterre und hält sich zum Schluss in Venedig auf, bevor er nach dem Besuch bei Kaiser Friedrich in Graz nach Böhmen zurückkehrt.
Von dieser Reise des Freiherrns Rozmital berichtet sein Reisebegleiter Ritter Václav Šašek,
aus Italien über Unterdrauburg und Caienwurczwald (Eibiswald) in die Steiermark kommend, folgendes: "Caienwurzwald vier Meilen von Drauburg entfernt, liegt in den Bergen; jenseits desselben sehen die nach Graz reisen zwei Burgen links und drei rechts. Von Caienwurczwald nach Leibnitz sind abermals vier Meilen. Diese Burg liegt in der Ebeneam Ufer der Sovum, oberhalb jedoch, und zwar auf einem Berge, liegen vier Schlösser, alle von einer gemeinsamen Mauer eingefasst und gehören drei Herren: das eine dem Bischof von Salzburg, das andere dem von Seckau und das dritte dem Herrn von Polheim. Dieder Berg ist von Graz vier Meilen ab.
Dieses ist eine umfangreiche Stadt mit einem Schlosse, das durch zwei Vorwerke geschützt ist. Auf der einen Seite der Stadt sind Berge, auf der anderen ist eine Ebene, und sie liegt an der Mur, über welche eine hölzerne Brücke führt. So weit dieser Fluß geht, heißt man das Land Steiermark. In Graz sahen wir den Kaiser, den Markgrafen von Meißen und seinen Bruder Herzog Albrecht von Sachsen, alle unter den Vorbereitungen für Ritterspiele beschäftigt, in welchen je zehn gegen zehn kämpften. Dort war auch Johann Kolowrat, der mit einem Deutschen namnes Reimberger tiostierte, welcher für ganz bsonders stark und gewandt galt. Herzog Albrecht lieh Johann sein Pferd, und waren Zuseher der Kaiser, Herzog Albrecht und sehzr viele Barone und Edle. Als der Kampf anging, ritt zwar der Deutsche des Herzogs Pferd an, wurde jedoch vom eigenen Pferd abgeworfen, während - und das gefiel dem Kaiser sehr - fest auf seinem Rosse blieb. Amvierten Tag unseres Aufenthaltes bat Herr von Rozmital unter FührungHerzog Albrechts und Ulrich von Nussdorf, des Bischofs von Passau und späteren Administrators des Erzbistums Prag, der Kaiser möge Schaschek die ritterlichen Insignien verleihen, was auch in Gnaden geschah. Auf dem Schlosse zu Graz hält sich der Kaiser häufig auf, doch nimmt er dahin gewöhnlich nur wenig Dienerschaft mit und läßt die übrige in der Stadt. Eben auf dem Schlosse, heißt es, sind auch die Schätze des Kaisers verwahrt; man zeigte sie uns aber nicht, wie anderwärts Könige es getan, außer einem Mantel von rotem Damast, dessen Saum handbreit in mäandrischer Form mit Goldhaften und Edelsteinen besetzt ist. Die Räte des Kaisers sagten uns, wenn derselbe Geld nötig hätte, brauchte er bloß diesen Mantel zu verpfänden und er bekäme leicht 500.000 Dukaten dafür, den einige Juwelen, die sie uns vorwiesen, sollten 20.000 bis 30.000 Dukaten wert sein. ... Am fünften Tag verließen wir Graz und langten nach einem Wege von vier Meilen in Frohleiten an."

Von diesem Ereignis berichtet auch der zweite Begleiter von Rozmital, der deutsche Patrizier Gabriel Tetzel von Grafenberg, der auf Bitten des böhmischen Edelherrns Leo v. Rozmital an dessen Jakobsfahrt von 1465-67 teilnimmt. Tetzel entstammt einer angesehenen Nürnberger Familie, gehört selbst der Nürnberger Stadtverwaltung an und wird Söldnermeister, Zeugmeister und Pfleger des Klosters St. Egidien. In seiner "Beschreibung, die wahrscheinlich er wol mit Hülfe kurzer Notizen, aus nicht mehr sicherem Gedächtniß von jener Reise durch Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien, dem großen Ereigniß seines Lebens, in einfacher deutscher Prosa gegeben hat" sagt er außerdem über Graz: "Do lagen wir vierzehn tag lang still, der Kaiser that meinem Hern nit andersd vor, dann er schenkt jm ein vaß wein und ein lagel reidals an die herberg, und ließ meinen herrn an dem dritten tag für sich, und erbut sich sehr gnädiglich mit worten, über lutzel erzeigt mit werken. ... Auf schöne Frauen gibt er gerne acht, wie er sich denn durchweg als heiteres, gesundes Weltkind offenbart,"

1465

Die Burg Schachenstein wird in den Jahren 1465 bis 1471 von Johannes II Schachner, Abt von St. Lambrecht, errichtet. Sie dient den Äbten von St. Lambrecht in erster Linie als Sommerresidenz, Als Abt Johann II 1478 auf seiner Burg stibt, wird diese im Auftrag des Stiftes von Pflegern verwaltet. 1514 gehört sie dem kaiserliche Büchsenschmied Sebold I von Pögel. Schachenstein ist lange im Besitz der Familie Pengg.

Nach Auflösung des Judenghettos 1439 lässt Kaiser Friedrich III. in der Judengasse eine Corporis-Christi-Kapelle errichten, die er den Dominkanern 1466 zum Umbau in eine Kirche sampt Kloster (heutige Stadtpfarrkirche) übergibt.

1466
Balthasar Eggenberger, der als Handelsmann in Kärnten Gold abgräbt, wird Münzmeister und Geldgeber von Kaiser Friedrich III., stiftet das "Spitall bey der Muerpruggen" - die spätere protestantische Stiftsschule im Paradeishof (heute Kastner & Öhler) - und wird von König Matthias Corvinus von Ungarn, für den er ebenfalls das Münzwesen organisiert, mit dem Wappen der 3 Raben (corvinus = Rabe) geadelt.
Der Sage nach nimmt Balthasar aus Dankbarkeit die 3 Raben in sein Wappen auf, weil diese über der Fundstelle seines von Zigeunern gestohlenes Kind kreisten. Sein Bruder Johann begründet die Ehrenhausener Linie.
1467
Bau eines Klosters für die Franziskaner-Observanten in der Nähe der Kirche St. Leonhard (Bürgergasse). Guardian des Klosters ist Alexander de Posonio (Preßburg), der mit seinen Predigten zum Vorkämpfer für die politischen Ideen Kaiser Friedrichs III. wird.

Am 3. August greift Friedrich III. mit einer in Graz ausgestellten Urkunde in die Innenpolitik von Triest ein.

1468

Der Söldnerführer Ritter Andreas Baumkircher führt für Kaiser Friedrich III. zahlreiche Kriege. wofür ihm der Kaiser Unsummen schuldet. Als dieser aber nicht zahlt, beginnt Baumkircher im Herbst 1469 mit seinem Söldnerheer zahlreiche oststeirische Städte zu erobern, wobei auch Kaiser Friedrichs Sohn Maximilian, der sich zu dieser Zeit am Grazer Schloßberg aufhält, in Gefahr gerät. Jetzt willigt der Kaiser ein, mit ihm zu verhandeln und bestellt ihn nach Graz. Als Baumkircher und sein Voitsberger Kampfgefährte Andreas von Greisseneck am 23. April eintreffen, werden sie trotz Zusicherung des freien Geleits fest genommen und am nächsten Tag öffentlich vor dem Murtor enthauptet. Baumkirchners Gebeine werden auf die Burg Schlaining überführt, Greiseneckers Schädel ist unter der Türschwelle zur Jakobikapelle im Franziskanerkloster eingemauert ("Hic conditur caput abscisum Andreae Greisenecker equitis decollati die 23.Aprilis 1471").

Markgraf Albrecht von Brandenburg hält sich in Graz auf. Mit ihm auch der fränkische Landsknechtführer Wilwolt von Schaumburg (um1450-1510), der ganz Europa durchquert hat, von Franken über Italien bis nach Rom und zurück ins Rheinland und in die Niederlande. Dabei hat Wilwolt die großen historischen Figuren seiner Zeit persönlich kennengelernt: Kaiser Friedrich III., seinen Sohn Maximilian I., Papst Paul II., den Burgunderherzog Karl den Kühnen und Herzog Albrecht Achilles von Brandenburg. 1487 tritt er in den Dienst Herzog Albrechts des Beherzten von Sachsen gegen den ungarischen König Matthias Corvinus, der weite Teile Österreichs besetzt hält. In seinen "Geschichten und Thaten" schildert er bei seinem Aufenthalt in Graz als Augenzeuge die Hinrichtung Andreas Baumkirchers.

Die Türken fallen ins steirische Unterland ein und verwüsten das Sannland.

1471

Baumkircher Andreas Baumkircher Andreas Greisencker

Erstes Bordell in der Frauengasse 1474  

Am 19. August 1474 heiratet Maximilian von Österreich in Gent die reiche Erzherzogin Maria von Burgund, Tochter von Karl dem Kühnen. Mit dieser Heirat kommen nicht nur die burgundischen Ländereien (Brabant, Flandern, Holland, Luxemburg, Lüttich), sondern auch der Orden vom Goldenen Vlies zu den Habsburgern..

Christoph von Trauttmansdorff entstammt dem gleichnamigen Rittergeschlecht aus der Oststeiermark, das seit dem 15. Jhd. zahlreiche Salzburger Domherren hervorbringt; sein Bruder Johann ist Abt von Admont, ein anderer Verwandter Chorherr in Vorau und erster Propst in Pöllau. Am 4. Mai wird Trauttmansdorff durch den Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr zum Seckauer Bischof geweiht.

1477

Aufgrund des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III. und dem Ungarnkönig Matthias Corvinus um die Vorherrschaft im Osten suchen der Salzburger Fürsterzbischof Bernhard von Rohr und der Seckauer Bischof Christoph II. von Trauttmansdorff bei Matthias Corvinus Schutz, was dazu führt, dass das Bistum mit all seinen Besitzungen - darunter auch die Burg Leibnitz mit Seggau -fast zur Gänze an diesen verloren geht.

In Graz wird die Bürgergasse in "Herrengasse" umbenannt, die zur Stadtpfarrkirche St. Ägidius führenden Straßen (heutige Bürger- und Burggasse) als Kirchgassen bezeichnet. Der Hauptplatz dient in erster Linie als Marktplatz, zu Marktzeiten stehen dort Brotbänke, Messerkramen, Kramen für Nestler, Riemer, Beutler, Fleischbänke sowie Stände der Krämer und der Fragner (Greißler).

Am Ostrand im Süden von Graz existiert bereits eine Landwirtschaft mit einem kleinen Gasthaus samt Biergarten.

1478  

"Erstes altes Schloss zu Gratz".

Im „Schreckensjahr" 1480 überfallen am 7. August, aus Kärnten kommend. 30000 berittene türkische "Renner und Brenner" steirischen Boden und verheeren ganze Regionen.
In mehrere Abteilungen aufgesplittet, überfallen sie das Land: Eine Gruppe zieht von Judenburg flussabwärts und steckt zahlreiche Gotteshäuser in Brand, eine zweite brandschatzt den Ort Pack und eine dritte verwüstet das Palten- Liesingtal. Gemeinsam greifen sie Stift Rein, die Burg Gösting und die Murvostadt mit den Siedlungen Lend, Gries, Grazbach und Hausmannstätten an; das stark befestigte Graz umgehen sie. Am 16. August 1480 verlassen sie schließlich bei Radkersburg die Ost- und Untersteiermark, indem sie unzählige Menschen verschleppen oder ermorden und eine Unmenger von Leichen und Tierkadavern zurücklassen. Im selben Jahr bricht auf diesem Nährboden die Pest aus und Heuschreckenschärme fallen ein und hinterlassen kahl gefressene Landstriche. Fürstenfeld, Radkersburg, Deutschlandsberg und Voitsberg werden von der ungarischen "Schwarzen Armee" Königs Matthias Corvinus unter der Führung ihres Kommandanten Vlad III. Tepes (Vorbild für Dracula) eingenommen. Durch diese Katastrophen wird die steirische Bevölkerung um ein Drittel auf 200.000 dezimiert.

Johann Serlinger wird zwar durch den Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr zum Bischof von Seckau ernannt, gelangt aber nicht in den Besitz seines Bistums, da dieses wegen des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus durch ungarische und kaiserliche Truppen besetzt ist.

Zur dieser Zeit der ersten Türkeneinfälle wird von den steirischen Landständen das Zeughaus als Depot für Rüstungen und Waffen gegründet.

1480

Gradec Schlossbergfeste Schlossbergfeste

Der Meister von Gerlamoss, Thomas von Villach, malt an der südlichen Außenwand des Grazer Domes das "Gottesplagenbild". Im unteren Teil des "Landplagenbildes" an der Südseite des Grazer Domes werden auf drei Feldern die drei Landplagen: Heuschrecken, Türkeneinfälle und Pest dargestellt. Es trägt die Aufschrift: "1480 umb unser frauntag der schiedung sind hie zu Gratz gotsplag drey gewesn, haberschreckh, türkn und pestilenz und jede so groß, daß dem menschen unerhörlich ist. gott sey uns gnädi." Der Mittelteil zeigt eine der ältesten bekannten Ansichten der Stadt Graz mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer swie dem Eisernen- und Burgtor. Über der Stadt erhebt sich der befestigte Schloßberg mit der oberen Burg; davor Türken, die Christen wegschleppen. Außerdem die Verteidigung der umwallten Leechkirche, brennende Schlösser und Dörfer sowie die gefürchteten "Renner und Brenner". Das linke Bild zeigt die Kirche von Straßgang mit fliegenden Wanderheuschrecken. Das rechte Bild gewährt einen Blick in die Hofgasse. Ein im Bett liegender Pestkranker empfängt das Sterbesakrament, während ein Sarg aus dem Haus getragen wird.

1481

Thomas von Villach
HeuschreckenLandplagenbildLandplagenbildPest

Matthias Scheit, der im Umfeld von Kaiser Freidrich III. tätig ist, wird 1481 in Rom durch Papst Sixtus IV. zum Bischof des Größtenteils vom ungarischen König Matthias Corvinus besetzten Bistum von Seckau. Er kann die Burg Wasserberg zurückerobern und wird 1483 zum kaiserlichen Rat ernannt. Scheit fördert mit großer Hingabe die Erziehung und den Unterricht des erst zehnjährigen Paracelsus.
Der Ungarnkönig Matthias Corvinus verheert mit seinen „Schwarzen Scharen“ Kärnten, die Steiermark und Wien. Ein "Steinerner Hund", der heute noch unter dem Uhrturm sitzt, weckt durch sein Gebell den Schloßhauptmann Ulrich von Graben, als sich Corvinus mit 2000 Soldaten durch Bestechung der Wachen Eintritt zur Schloßberg-Burg verschaffen will, um dort die teilweise in Graz erzogene und vor dem um sie vergeblich werbenden König Matthias in Sicherheit gebrachte Kaisertochter Kunigunde zu entführen.

Von oberitalienischen Städten ausgehend, erfolgt der Handel mittels Münzen (Groschen, Gulden, Taler), der auch in den Habsburger Ländern langsam den Tauschhandel ersetzt.
1485

Errichtung und erstmalige Erwähnung des nach seinem Besitzer Mathes Moser benannten "Moßeregg" am Hauptplatz/Ecke Sporgasse ("bei dem Luegg"). Die schwere Stuckdekoration mit spätgotischen Lauben wird 1680 aufgebracht.

Haus der Deutschen Ordensritter in der Sporgasse, welches Ritter Graf Seifried von Saurau für den Orden erwirbt.

Der Weisseneggerhof (auch "Goldenhof" oder "Hof zu Lidlsdorf" - heute Esperantoplatz), ein ursprünglich dem Landesfürsten gehörender Bauernhof, kommt um 1490 in den Besitz von Wolfgang von Weisseneck und wird zu einem Edelhof ausgebaut.

1489

König Maximilian I. bricht mit einem Heer von Graz über den Semmering zur Befreiung Wiens von der ungarischen Herrschaft auf.

Brief von Kaiser Friedrich III. an den Abt von St. Lambrecht: "Friedrich von gottes gnadn Römischer Kaiser - Ersamerstlicher lieber andechtiger Wir haben unns getrewn Caspar von Marx und ann der Weilent Ulrichs Stischl pfarrer Zu sannd Marein im Mürtztall geschefftlewt anbringn lassen Wie du dem benanntn pfarrer Hundert und Zehen pfunt pfennig schuldig worden seist dy Sy auf gullt Zu Stifftung dreyer jartag in der bestymbtn unser frawn kirchn Innhallt seins verlassen gescheffts anlegn und brauchn sollten Und aber daran durch dich verhindert worden des Sy sich beswert bedunlichts Emphelln wir dir ernstlich und welln das du den genelltn geschefftlewtn die bebenant Sum gellts fürderlich betzallest und darumb bereurrgig machest, damit Sy die obbemelltn Jartag des fürderlicher aufrichtn mürtz daran tust da unns ernstliche maynung Beben Zu Lynntz an Montag vor unser lieben frawn tag der Liechtmest anno domini 1493 Unsers Kaiser tumbt im ainhundertzigstn Jare"

König Maximilian I. führt mit der niederländischen Postkurs der Brüder Janetto und Franz von Taxis die erste regelmäßige Postlinie im Hailigen Römischen Reich ein, um mit seinem Sohn Herzog Philipp in Burgund besser verbunden zu sein.

1490 Schreiben von Kaiser Friedrich III.
Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., tritt Maximilian I. als Herrscher über das römisch-deutsche Reich dessen Nachfolge an und übernimmt auch das Erzherzogtum Österreich. Zu Beginn seiner Regierungstätigkeit lässt Kaiser Maximilian I. die Grazer Burg durch den Maximilianbau erweitern, wobei die berühmte gotische Doppelwendeltreppe entsteht (1499). 1493 Maximilian I.
Der Adel beginnt mit dem Umbau des in der Herrengasse bestehenden Schreibhofes und der umliegenden Privathäuser zum Landhaus. Eine Urkunde berichtet über den Verkauf der "Channtzley von Bürger Heinrich Ernnst" 1494 Heinrich Ernnst
Am 10. August 1495 werden auf Betreiben der Stände durch Maximlian I. die Juden wegen angeblicher Schändung der Hostien, wegen Kindesmord zu rituellen Zwecken und Fälschung von Schuldbriefen unter Zahlung einer "Judenablöse" von 38000 Gulden aus Graz und Innerösterreich verbannt. Ihr sogenanntes "Judenhaus" in der Schmiedgasse 21 schenkt Maximilian seinem Rat Erhard von Polheim. In der Folgezeit findet es sich im Besitz des Freiherrn Hanns Wilhelm von Galler, wird von diesem 1630 an den landwirtschaftlichen Koch Sebatian Khneißl weiterverkauft und schließlich 1641 von Graf Otto Gottfried Kollonitsch, dem k.k. Regimentsrat von Erzherzog Leopold Wilhelm, als Stadtpalais Kollonitsch erworben. 1495
Zu Beginn seiner Regierungszeit lässt Kaiser Maximilian die Grazer Burg durch den "Maximilianbau" erweitern, indem er die beiden unter Friedrich III. entstandenen Gebäudetrakte durch einen Flügel verbinden lässt. Dabei entsteht auch die berühmte gotische Doppelwendeltreppe. 1499 Doppelwendeltreppe
Kirchliche und politische Einteilung der Steiermark um 1500. 1500 Steiermark Graz

Auf dem frühsteinzeitlichen Siedlungsgrund des Buchkogels in Wetzelsdorf wird 1507 erstmals die Wallfahrtskirche St. Johann am Kögelein erwähnt, die 1589 durch eine Stiftung der Erzherzogin Maria Anna von Bayern vergrößert wird. Die Fredken im Inneren von St. Johann und Paul stammen vom Admonter Barockmaler Bartolomeo Altomonte.

Kaiser Maximilian I. überträgt am 18. März 1507 seiner Tochter Margarete von Österreich die Regentschaft über die habsburgerischen Niederlande mit der Residenz in Mechelen. Außerdem wird sie Vormund und Erzieherin der Kinder ihres verstorbenen Bruders Herzog Philipps von Österreich (Herzog von Burgund und König von Kastilien), darunter ihres Neffen Karl, dem späteren Kaiser Karl V. Die übrigen Kinder Philipps des Schönen, wie Erzherzog Ferdinand von Österreich (späterer Kaiser Ferdinand I.) bleiben in Spanien und werden am Hof Ferdinands von Aragon erzogen.

1507

Nach Kaiser Friedrich III. übernachtet auch Kaiser Maximilian im Jahre 1511 im Kammerhof in Bad Aussee. 1395 erstmals urkundlich erwähnt, dient er bis 1926 als Salzamtsgebäude. Beim Salzamt handelt es sich um eine Behörde, die im Mittelalter den Salzabbau und dessen Handel überwacht und direkt dem Herrscherhaus unterstellt ist. Die Hälfte der Steuereinnahmen werden nämlich von der Saline in Bad Aussee erwirtschaftet. Später entwickelt sich daraus eine Behörde, die für Beschwerden gegen amtliche Entscheidungen zuständig ist, Eine Besonderheit des Ausseer Kammerhofes ist der Kaisersaal mit seinen Freskomalereien und Landschaftsbildern aus Bad Aussee, Altaussee und Grundlsee.
Im Jahre 1319 schlagen die Bergmänner auf der Suche nach dem "Gold des Mittelalters" am Ausseer Sandling den ersten Salzstollen auf (später Nazi-Raubkunstversteck). Die Salzgewinnung erfolgt entweder durch den Abbau im Berg oder durch das Herauslösen des Salzes mit Hilfe von Süßwasser. Heute noch werden in Altaussee pro Jahr ca. 400000 Tonnen Salz gefördert. Aber auch in anderen Gebieten der Steiermark, wie in Halltal bei Mariazell oder Hall bei Admont, sicherte der Salzbergbau wirtschaftlichen Aufschwung

1511
An die zu klein gewordene „Gottsleichnamskapelle“ (heute Johanneskapelle) der Dominkaner wird eine große Klosterkirche (heutige Stadtpfarrkirche) angebaut, die 1512 mit dem Patrozinium „zum Hl. Blut“ geweiht wird 1512

Die Sittenlosigkeit des Klerus und der Laien nimmt so stark zu, dass Papst Leo X. die Minoriten ("Sckwarze Franziskaner") wegen ihres skandalvollen Lebens aus Graz vertreibt, nachdem sich zuvor schon Maximilian in einem Schreiben über deren freies Leben beklagt hatte (licentiosam vitam agentes. Das Kloster wird den Observanten ("Braune Franziskaner") übertragen.

Nachdem 1514 im benachbarten Krain Georg von Thun renitente Untertanen hinrichten lässt, erheben sich die Bauern wegen ihrer Ausbeutung gegen den Adel und die Kirche. Mitte März 1515 stehen in der Steiermark bereit 20000 Bauern unter Waffen und eine ihrer Horden stürmt am 17. Mai 1515 das Schloss Maichau (Mehovo), köpft den Burgherrn Balthasar von Mindorf, tötet desen Frau und seine beiden minderjährigen Söhne. Jetzt eskaliert die Lage, 80000 Bauern formieren sich in Studenitz (Studenica), vergewaltigen Nonnen, überrennen die Burg und das Dorf Rann (Brežice) und tragen die Köpfe der Edelleute auf langen Spießen. Der zum Feldhauptmann ernannte Georg III. von Herberstein schlägt mit den kaiserlichen Truppen die Bauernheere bei Gleisdorf, in Marburg, Wildhaus (Viltus) und Cilli. Insgesamt lassen 2000 Bauern ihr Leben und 136 Rädelsführer werden hingerichtet.

1515

Durch den Steuermann Martin Alonso Pinzón von Christoph Kolumbus Entdeckungsreise auf den Antillen wird die Syphilis nach Europa eingeschleppt und verbreitet sich rasend schnell. So wird das französische Söldnerheer Karl VII. bei Neaoel gleichsam über Nacht ausgelöscht, deshalb auch der Name "Franzosenkrankheit" für die Seuche.

Um das stark verbreitete Laster des Trinkens und Fluchens einzudämmen, gründet Landeshauptmann Sigmund von Dietrichstein in Graz den Orden vom Hl. Christophorus.

Das Franziskanerkloster St. Leonhard am Tummelplatz wird nach deren Übersiedlung in das Murkloster den Nonnen des Dominikanerordens überlassen."Chronica von vil Namhaftigen geschichten in Steyrmarckt".

Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 an der Schloßkirche zu Wittenberg. Neben dem Ablasshandel kritisiert er scharf den aus der Zeit der Märtyrer stammenden Reliquienkult im Katholizismus. Jeder feste Altar in einer katholischen Kirche muss nämlich in einem kleinen Sepulcrum eine Heiligenreliquie aufbewahren. Besondere Reliquien sind Überreste vom Kreuz (Dom, Mausoleum). Überreste von Heiligen finden sich in der Leechkirche (hl. Kunigunde), in Fernitz (hl. Zoticus), Mariazell (hl. Eleutherius u. Cyrillus), Admont (hl. Hemma), oder in Vorau (hl. Julius).

1517 erscheint in Nürnberg unter dem Titel "Theuerdank"
ein kunstvoller Pergamentdruck mit 118 handkolorierten Holzschnitten, in welchem Kaiser Maximilians Geheimschreiber Marx Treitzsaurwein in Versform des Kaisers autobiografischen Aufzeichnungen über seine Brautfahrt zu Maria von Burgund beschreibt. Der Roman erzählt wie der 18-jährige Ritter Theuerdank (= der an Wichtiges denkt = Maximilian) aufg seiner Reise zu Fräulein Ernreich (= Maria) auf drei Burschen (Fürwittig, Unfalo, Neidelhart) trifft, die seine bevostehende Hochzeit verhindern wollen

1517

Als 1529 der 60-Jährige Maximilian I.auf der Reise von Innsbruck nach Linz stirbt, erbt sein Enkel Karl (1500-1558) unter anderem auch die Habsburgischen Lande mit dem Kernland Österreich und folgt diesem als Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches sowie als Erzherzog von Österreich nach.
Der verstorbene Kaiser Maximilian I. wird seinem Wunsch gemäß, nicht in seinem Grabmal mit den 28 Bronzestatuen der "schwarzen Mander" der Hofkirche von Innsbruck, sondern in der Georgskirche von Wiener Neustadt.

Der "Triumphzug Kaiser Maximilian I.", eine Serie von 147 Einzelholzschnitten, die den Glanz seiner Hertrschaft demonstrieren soll, ist zu Maximilians Tod noch nicht fertiggestellt. Ein erster Abdruck erfolgt erst 1526 durch seinen Enkel Erzherzog Ferdinand, wonach die Holzstöcke dann im Erbfolgestreit zwischen Ambras und Graz aufgeteilt und unter Maria Theresia, wei viele andere Objekte, nach wien abgegeben werden müssen.

1519

Zur Erbhuldigung der Steiermark werden am 6. Februar 1520 die kaiserlichen Abgeordneten Casimir Markgraf von Brandenburg, Johann Jakob Freiherr von Mersburg, Georg Truchleß von Waldburg und Simon von Pfirt mit großer Pracht in Graz empfangen.
Hans Hofmann berichtet darüber in seiner 1523 in Augsburg herausgegebenen "Steiermärkischen Erbhuldigung von 1520/21 sambt Huldigung der Landtäg und Freyhaitten, Landhanduest".

Bau des Verbindungsgang zwischen Ägidiuskirche und der Burg.

Das Burgtor erhält einen Renaissanceaufbau mit einer Uhr, weshalb es auch "Uhrtor" genannt wird.

1520 Verbindungsgang Burg-Dom Uhrtor

Kaiser Karl V. überlässt im Wormser Vertrag vom 28.4.1521 seinem Bruder Ferdinand I. (1503-64) - Enkel von Kaiser Maximilian I. als auch von Ferdinand II. von Aragonien und Isabella I. von Kastilien - die österreichischen Erbländer mit Österreich ober und unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain.
Das von Kaiser Karl V. erlassene Wormser Edikt verbietet die Lektüre und Verbreitung der Schriften Martin Luthers. Aber bereits am Reichstag zu Speyer 1529 protestieren die evangelischen Stände (Protestanten) dagegen.

Erzherzog Ferdinand I. beruft den Landtag ein, um eine Hilfe durch die ständischen Truppen gegen die Türken bewilligt zu erhalten.

Das Bankgebäude mit der frühesten Stuckfassade von Graz ist im Besitz des Stadtrichters und Bürgermeisters Andre Frölich (1537).

1521 Ferdinand.I.

Die Zunahme der Feuerflammen aus allen Leibesöffnungen des Panthers veranschaulicht in der ersten gedruckten Landhandfreste die neue Sinngebung durch die steirischen Stände: "Nemo Styrorum Pantheram tangere tentet Ructat ab ore ignem posteriusque cacat." (Niemand wag' es, den Panther der Steiermark zu reizen, Feuer versprüht sein Maul, Feuer der Hintern auch.)

1523

Landhandfeste

Der Salzburger Erzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg versucht die gewaltsame Unterdrückung der Reformation und führt einen erfolglosen Kampf gegen Erzherzog Ferdinand I. - der zwar wie sein Bruder katholisch, aber ein Reformanhänger ist -, da die Konfessionszugehörigkeit von Entscheidung des Landesfürsten abhängig ist, was zur Folge hat, dass sich diese neue, streng auf Bibel konzentrierte Theologie durch eine neuartige Predigt, durch die Bibelübersetzung ins Deutsche und durch Flugblätter rasch in allen Teilen des Landes auszubreiten beginnt. Wellenburg

Die Söhne des spanischen Admirals Sanco de Magnia von Hoyos, Anton und Johann, reisen bereits als Kinder mit Kaiser Karl V. von Valladolid an dessen Hof nach Deutschland und ziehen dann 1525 im Gefolge von Erzherzog Ferdinand I. weiter nach Österreich. Während Anton, der Ältere der beiden, zunächst Domherr in Salzburg und 1534 Bischof von Gurk wird, steigt Johann zum Hofkriegsrat und Kommandanten von Görz in Gradisca und übernimmt 1545 die Hauptmannschaft von Triest. 1547 erwirbt er die im 12. Jh. der steirischen Magistrale der Stuchs von Trauttmansdorff gehörende Burg Stixenstein bei Ternitz. Mit Diplom vom 13. Juli erhebt ihn der Kaiser zum Freiherrn von "Stüchsenstein". Ein Jahr später, 1548, heiratet er Judith Ungnad Freiin von Sonneck, die Tochter des steirischen Landeshauptmannes Hans III. Ungnad von Weißenwolf. Johann Hoyos kämpft für den Kaiser im Schmalkaldischen- sowie im Türken-Krieg und engagiert sich stark für die Gegenreformation in den österreichischen Ländern.

In Graz, Bruck/Mur und Rottenmann finden sich Anhänger der Wiedertäufer, deren Gründungsvater, der Schweizer Zwingli, eine staatsfreie evangelischen Kirche fordert und Kriegsdienst, Kindertaufe, die Realpräsenz Christi, Bußsakrament, Fegefeuer und Fürbitten ablehnt.

Angeheizt durch die Lehren Martin Luthers schwappt der Deutsche Bauernkrieg vom Elsass bis ins Ennstal über. Als Erzbischof Matthäus Lang einen lutherischen Priester in Mittersill in Ketten legen lässt, plündern unter Bergrichter Gabriel Reustl aufständige Bergknappen und Bauern im Ennstal Schlösser und Burgen, und erobern Schloss Trautenfels, das reiche Stift Admont und Rottenmann.
Landeshauptmann Freiherr Siegmund von Dietrichstein, ein getreuer Gefolgsmann Kaiser Maximilans I. und mit dessen geheimer Tochter Barbara von Rottal verheiratet, zieht mit einem Söldnerheer von Graz Richtung Schladming, um einen Aufstand von 1500 protestantischen Bauern und Bergknappen niederzuschlagen. Er wird dabei bei Gaishorn besiegt und von Bauern in der Burg Werfen gefangen genommen, später aber wieder frei gelassen. Als Vergeltung tötet der zur Hilfe gerufene Niklas Graf von Salm mit seinem Söldnerheer Anfrang September die schlecht bewaffneten
4000 Bauernaufständischen und macht Schladming dem Erdboden gleich, das auf 400 Jahre sein Stadtrecht verliert.

Seyfried von Eggenberg stellt den Minoriten, die ihr Kloster an die Franziskaner abtreten müssen, in der Murvorstadt eine Bleibe zur Verfügung.

1525 Bauernaufstand Schladming

Der ehemalige Priester Hans Has von Hallstatt tritt der Täufer-Bewegung bei und beginnt in Windischgrätz mit seiner Predigttätigkeit bir er verhaftet und am 2. Dezember 1527 in Graz hingerichtet wird. Die sogenannten "Wiedertäufer" lehnen die Säuglingstaufe ab und verweigern zudem der Obrigkeit den Untertaneneid und Kriegsdienst. Zu ihren Gottesdiensten treffen sie sich in der Jungferngasse im ehemaligen jüdischen Ghetto im Haus ihres bedeutendsten Grazer Führers Kaspar Maier, der im Jahre 1529 festgenommen und aus Graz vertrieben wird.

Als Gegenstück zur Burg der katholischen Landesfürsten finanziert der protestantische Adel den Bau des Landhauses.

1527

Im Jahre 1528 findet durch König Ferdinand I. und die Bischöfe die erste landesfürstliche Visitation (als kirchliches Zuchtmittel) der Reformationszeit in Österreich statt, wobei die Einfuhr und der Verkauf protestantischer Bücher verboten wird und der Betrieb von Druckereien nur mehr in Wien, Linz, Graz, Klagenfurt und Laibach erlaubt ist.

Erster von Eseln betriebener Lastenlift /Eselstrieb) zur Beförderung von Steinen und Ziegeln für die Festungsanlage auf den Schloßberg.

1528  
Freiherr Sigmund von Herberstein, verehelicht mit Helene von Saurau, steht wegen seiner außerordentlichen Sprachkenntnisse sowohl bei Kaiser Maximilian als auch König Ferdinand in diplomatischen Diensten. Zwischen 1515 und 1553 unternimmt er 69 Auslandsreisen, wobei er in seinem berühmten Werk "Rerum Moscoviticarum" in lateinischer Sprache eine detailreiche Beschreibung des russischen Zarenreiches von Wassilji III. verfasst. 1531 Herberstein

Auf dem Rückzug von der erfolglosen Belagerung Wiens brennt Sultan Süleyman I. mit seinen Truppen im August 1532 in der Oststeier die Dörfer Grafendorf, Neudau, Kirchberg, Gleisdorf und Leibnitz nieder und maschiert an Graz vorbei. Der türkische Geschichtsschreiber Bedschewi berichtet: "Am 11. September lagerte man vor der unvergleichlichen Stadt Gradsch. Wenn es im Lande der Ungläubigen eine ihr gleiche Stadt gibt, so ist es nur die Residenz des Königs in Wien." Mitte September 1532 schlagen sie in St. Leonhard ihr Lager auf und starten vom "Voglbichl" (Ruckerlberg) herunter Angriffe auf die Stadt. Reiter wollen die Murvorstadt in Brand stecken, werden aber zurückgetrieben. Der Grazer Feldhauptmann Hans Katzianer verfolgt das daraufhin weiterziehende Türkenheer und fügt der von Ibrahim Pascha befehligten Nachhut eine schwere Niederlage zu. 8000 türkische Soldaten sterben auf dem Schlachtfeld.
Zur Erinnerung entsteht daraus der Brauch, dass am 23. Juni, dem Johannisabend, ein Tartarmann aus Stroh in der Karlau angezündet und in die Mur geworfen wird.
Der türkische Schriftsteller Szolaksade schildert den Türkeneinfall so: "Am 11. September passierte man durch den Paß des Leithagebirges und kam zur großen Stadt Gradschasch, welche die alte Residenz des misglücklichen Königs, welche mit Weinbergen und Wäldern, mit Gärten und Feldern die Wahrheit des Ausspruches Mohammeds bewies: 'die Welt sei den Ungläubigen Paradies.' Durch den hohen Mut des Länder erobernden Padischah wurde demselben auch die Eroberung dieser Stadt beschert und ihre Bewohner dem Schwerte zum Fraße gewährt."

1532

Suleiman.I. Ibrahim Pascha

Der reiche Grazer Großkaufmann Georg Stürgkh, der 1518 von Kaiser Maximilian I. einen Wappenbrief erhielt und in den steiermärkischen Ritterstand aufgenommen wurde, erbt 1532 von Thomas Oedenleich in der Herrengasse 17 am Grazer Hauptplatz ein Palais. Gleichzeitig erwirbt er von Andre v. Ungnad die Burg Plankenwarth. Georg Stürgkhs Sohn Ludwig wird, weil er gegen ihn rebelliert, vom Vater Georg enterbt. Zusammen mit seinen Brüdern erbaut Ludwig am Hang des Burghügels unter der Feste einen eigenen Renaissancebau, die „Ludwigsburg". 1699 gelangt Plankenwarth an den mit den Stürgkh verschwägerte Johann Georg Graf Saurau, auf den mehrfacher Besitzerwechsel folgen (Herberstein, Hueber).
Errichtung einer protestantischen Adelsschule in Graz. 1533  

Stadtbild von Graz in einem Nachstich von G. Bouttats.

Dort wo die Mandellstraße in die Petersgasse übergeht (gegenüber dem Sacre Coeur auf dem Gelände des Neuen Campus der TU Graz), wird 1540 erstmals der nach seinem Eigentümer, dem Apotheker Georg Schörckl, benannte Schörcklhof erwähnt. In der k.k.-Zeit dient er dem Militär als Verpflegungsmagazin, bevor er 1960 abgerissen wird.

1540
Häuser im Bereich Sporgasse, Bürgergasse und am Glockenspielplatz mit tiefgesteckten Parzellen. Sackstraße mit Hofstätten (Kellersperg'sches Stadthaus, Krebsenkeller) und erstem und zweitem Sacktor. Blut- und Pomeranzengasse (Reichengasse) mit überbauten Schwibbögen.
Wegen der ständigen Türkengefahr bewilligt König Ferdinand I. 3000 Gulden zum Ausbau der mittelalterlichen Steinmauern zu einer uneinnehmbaren Schloßbergfestung, einem gewaltigen Renaissance-Bollwerk (Stall-, Bürger-, Kanonenbastei mit Verliesen) und der "Eisernen Jungfrau". Dazu beruft er vorrangig italienische Baumeister aus dem Raum von Como, die den modernen Festungsbau bestens beherrschen und wird damit zum Initiator für den italienischen Renaissancestil in Graz. Unter der Bauleitung von Domenico d'Allio lässt er 1545 bis 1563 um die Stadt einen annähernd kreisförmigen Festungsgürtel errichten. Dazu werden 1544 noch 2 weitere Seilbahnen errichtet; eine direkt neben der ersten am Kai, die zweite vom inneren Paulustor zum Uhrturm. 1544
Johann von Malentein zu Preißenegg wird am 19. Juni 1546 durch Herzog Ernst von Bayern als Bischof Johann III. von Seckau (1546-1550) ernannt. Wegen mangelnder Amtsführung und der Aufrechtserhaltung eines Konkubinats während seiner Amtszeit erhält er einen starken Verweis. 1546
Franz Freiherr von Teuffenbach lässt 1547 in Thalheim am Pölshang im Murtal, wo 12 Heilquellen entspringen, das Schloss Sauerbrunn errichten. Nach dessen Fertigstellung 1563 bringt er das Schloss samt Güter in die "Sauerbrunn-Stiftung" ein, deren Zweck die Führung eiens Armenhauses ist. Seine Erben Karl von Teuffenbach und Christoph Alban Freiherr von Saurau, Letzterer zählt zu den reichsten, aber auch streitsüchtigsten Adeligen des Landes, der Bürger misshandelt, einen Bauern im Kerker seines Schlosses Eppenstein eigenhädig aufhängt, fünf Mädchen vergewaltigt und mit seinen Schwestern Unzucht treibt. Deshalb verklagt ihn seine adelige Verwandtschaft und der steirische Landeshauptmann Carl Graf von Saurau verurteilt ihn zum Tode. Christophs Gönner Erzherzog Ferdinand setzt das Urteil aber wieder aus. 4 Jahre lang sitzt er im Gefängnis am Schloßberg, ehe er zu lebenslanger Haft verurteilt und sein Besitz eingezogen wird. Die Sauerbrunnstiftung wird Erasmus Wilhelm Graf Saurau übergeben. 2008 kauft Red-Bull-Bersitz Dietrich Mateschitz das Schloss. 1547
Bau des Grazer Rathauses am Hauptplatz im Renaissancestil. Darin befinden sich auch die Hauptwache ("Hauptwachplatz") und im dritten Stock das Gefängnis sowie die Hinrichtungsstätte für hochgestellte Persönlichkeiten. Rechts vom Eingang unter dem Arkadengang in den Rathauslauben können die Händler in Kaufläden ihre Waren anbieten.

Der protestantische Statthalter des Erzherzogtums Österreich unter der Enns (Landeshauptmann) und Vizedom zu Cilli, Hans III. Ungnad von Weißenwolf (1549-55) befiehlt, stengstens gegen die Zigeuner vorzugehen; sie werden mit Leibesstrafen belegt und ausgewiesen. Vergeblich um die Religionsfreiheit bemüht, legt er 1556 seine Ämter nieder und geht nach Urach in Württemberg, wo er die "Windische. chrabatische und cirulische Thrukerei" gründet und die kroatische Übersetzung des Neuen Testaments in glagolitischen und kyrillischen Lettern druckt.

1550

Hans Ungnad Rathaus

König Ferdinand I. verordnet, dass die Juden in allen österreichischen Ländern wegen ihrer lastelichen Taten und bösen Handlungen zur Unterscheidung von den Christen als Judenzeichen einen gelben Ring "an ihrem obern Rockh oder Klaid auff der lincken Seitten der Brust, offentlich und unverporgen gebrauchen und tragen sollen."

Die Stempfergasse mit ihren schmalen mittelalterlichen Häuserfronten markiert die nördliche Begrenzung des aufgehobenen Ghettos.

Dr. Philipp Renner, der aus Gamlitz in der Südsteiermark stammt ("Philippus Renner ex Gamlitz") wird 1533 vom Salzburger Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg in seiner Eigenschaft als Eigentümer der Diözese Lavant (Die anderen drei Salzburger Eigenbistümer sind Gurk, Seckau und Chiemsee) zu deren Bischof ernannt, nachdem er zuvor schon 1511, als Sufragan des Salzburger Erzbischofs, Weihbischof des Patriachats von Aquileia für die außerhalb Friaus gehörenden Gebiete ("diesseits der Berge") wurde, die ihn berechtigen, bischöfliche Handlungen in Karain und in der Untersteiermark südlich der Drau, im Gebiet von Pettau vorzunehmen. 1537, in einer Zeit der Türkeneinfälle, Bauernaufstände und der Verbreitung der Reformation in Kärnten und der südlichen Steiermark, wird Bischof Renner durch den römisch-deutschen König Ferdinand I. zum Hofkaplan ernannt und nach dem Tod des Seckauer Bischofs Johann von Malentein 1551 AQdministrator von Seckau. Seine letzte, in diesem Jahr dokumentierte Konsekrationsreise führt ihn nach Edelschrott, Hirschegg, Stahlhofen, Übelbach, Semriach und Passail.

1551 Juden-Generalmandat

Der Seckauer Bischof Petrus Percic (lat. Persicus 1553-72), auch Archdiakon der Unteren Steiermark und als solcher Pfarrer in Gratwein, unterhält seit 1530 die erste Steirische Druckerei. 1559 verkauft er dem Grazer Drucker Alexander Leopold sein Druckzeug (Fundament und Buchstaben), welcher als erstes bekanntes in Graz gedrucktes Werk 1559 ein "Perckrechts-Buechel", eine Bestätigung des Weibaurechtes im Herzogthumb Steyer, herstellt.

Der Grazer Stadtpfarer Andreas Gigerl (1553-1570), ein verheirateter lutherischer Theologe, aber katholischer Kirchenzugehörigkeit, hält nach beiden Seiten hin offene Gottesdienste und ist Verfasser eines protestantischen Gesangsbuches von gereimten Evangiienstrophen, der "Gesangs Postill", des ersten steirischen Notendruckes. Für seine Vater Lorenz Gigerl, Schumachermeister und Marktrichter von Anger, lässt er ein gemaltes, hölzernes Grabdenkmal herstellen, auf dem im Hintergrund die Silhouette von Graz zu erkennen ist.

1553

Am Schloßberg, westlich der Stallbastei, wird der 94m tiefe Türkenbrunnen zum Grundwasser der Mur durch osmanische Martolosen gegraben.

Zum Palas des vorderen Friedrichsbaues der Grazer Burg wird 1554 durch Domenico d'Allio ein Verbindungstrakt zum Burgtor mit einer überdachten Prunkstiege zum Palas angelegt.

1554
Auf dem Reichstag zu Augsburg wird am 25. September 1555 im Augsburger Religionsfrieden zwischen König Ferdinand I. und den Reichständen nach der Formel "cuius regio, eius relgio" beschlossen, dass nur der, der das Land regiert, den Glauben für sein Volk bestimmen kann und nicht die Bewohner selbst. Jenen Bürgern, die nicht konvertieren wollen, wird lediglich das "Recht" eingeräumt, in ein anderes Land auszuwandern. Die konfessionellen Gegensätze zwischen den Geistlichen und den Weltlichen werden dadurch aber auf Ort- und Landesebene nicht beseitigt, sondern eher zum Dauerzustand. Zwei Drittel aller Steirer bekennen sich zurm reformierten Kirche. 1555
Die protestantischen Landstände, die in starker Kokurrenz zu den katholischen Landesherren mit ihrem Sitz in der Grazer Burg stehen, kaufen nach einem Brand der alten Landstube den ganzen Häuserblock Schmied-/Landhaus-/Herrengasse und lassen nach Plänen von Domenico d'Allio ein neues Landhaus in der Herrengasse 13 erbauen.
Rechts vom Eingang hängt die "Rumortafel" aus Kupferblech, welche unter Androhung von Strafe die Benimmregeln für den Landtag taxativ aufzählt: "Mit der Fürst Durchl. Erzherzogen Karl zu Oesterreich unsers gnädigsten Herrn u. Landesfürsten gdsten Vorwißn Consens u. Ratification hat eine hochlöbliche Laaft dieses Herzogthumbs Steyer in dem Landtag under anderen auch dahin beschloßen u. Befehl gethan, daß Niemand wer der auch seyn mag sich untersteh in dießem Hochbefreyten Landthaus zu rumoren, die Wöhr, Tolch oder brotmesser zu zucken, zu palgen u. zu schlage gelichfals mit anderen Wöhren Ungebühr zu üben oder Maulstreiche auszugeben sondern hierinnen aller Gebühr und Bescheidenheit mit Worthen und Werthen zu gebrauchen. Welche aber darwieder handeln daß sie slöeben nach Gelegenheit des Verbrechens an Leib und Leben unnachläßlich sollen gestraffet werden darnach sich männiglich wiße zu rchten. Actum 20. Sept. 1588."
1557 Landhaus Landhaus Landhaushof
Steinerne Saal

Nach der Abdankung Kaiser Karls V. wird sein Bruder König Ferdinand I. (1503-1564) in Frankfurt am Main als Kaiser des Heiligen römischen Reiches ausgerufen. Ferdinand, zwar Katholik, ist in Glaubensfragen aber wie schon sein Bruder ein Anhänger des restaurativen Reformmodells und verfolgt eine Politik der Kompromisse und der gegenseitiger Duldung zwischen den Religionen: Nicht die Glaubenslehre ist wichtig, sondern konkrete Reformen wie die volkssprachliche Liturgie, der Laienkelch und die Priesterehe.

Die Landstände kaufen von Siegfried von Eggenberg das Neue Spital am Murtor und richten dort eine Stiftsschule ein.

1558 Ferdinand I.

Für die Ausbreitung der Reformation spielen Flugschriften eine ungeahnte Breitenwirkung, die nicht periodisch erscheinen und aus Kostengründen meist keinen Einband haben. Seit 1559 existiert in Graz die landschaftliche Druckerei von Alexander Leopold, der das „Zehn-Gebote-Lied“ des evangelischen Lanschafts-Kaplan Balhasar Schelhin und das „Buch von der Gnade Gottes“, als auch das "Perrechts-Buechel" druckt.

Die Propaganda für den jeweiligen Glauben steigert sich in den Druckwerken der Protestanten (Georg Khuen aus Nürnberg, Jeremias Homberger aus Fritzlar, Philipp Heerbrand aus Tübingen) bzw. der Katholiken (David Saxenrhetor, Georg Scherer aus Tirol, Propst Peter Muchitsch) zu einem gegenseitigen gehässigen groben Provozieren.

1559 Perckrechts Buechel

Der Mathematiker, Astronom und Humanist Hieronymus Lauterbach (geb, 1531 in der Oberlausitz - gest. 1577 in Graz) zieht nach seinem Studium in Wien 1561 nach Graz und unterrichtet am landschaftlichen Gymnasium der evangelischen Stände Mathematik und Astronomie.

Erbauung des 28m hohen Uhrturms mit einem hölzernen Wehrgang, 4 übergroßen Ziffernblättern mit verkehrten Zeigern und der "Armensünderglocke" zur Anzeige von Hinrichtungen.

Spitalsgründung durch Kaiser Ferdinand I.

Bau des später 1775 durch Franz Anton Graf von Inzaghi umgebauten Palais am Bischofspaltz 1 durch Graf von Stubenberg sowie des Inzaghi-Palais am Färberplatz.

1561

Als Kaiser Ferdinand I. stirbt, werden seine Länder unter seinen drei Söhnen aufgeteilt: Maximilian II. wird Kaiser und Erzherzog von Österreich (Böhmen, Unagern, Nieder- und Oberösterreich), Ferdinand II. bekommt Tirol und die Vorlande und sein jüngster Sohn Karl II. (1540-1590) wird Erzherzog von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Grdaduska, Triest und Inneristrien). Das protestantische Graz wird damit Residenz eines katholischen Landesherrn, von wo Karl II. bis zu seinem Tod im Jahre 1590 aus regiert. Die Kirche St. Ägid wird Hofkirche. Johannes de Cleve, seit 1553 Tenorist in der Kapelle von Kaiser Ferdinand I., wird von 1564 bis 1570 Kapellmeister von Erzherzog Karl. Für die "Gesang-Postill" des Grazer Stadtpfarrers Andreas Gigler, den ältesten Notendurck Steiermarks, schreibt er zwanzig 4-stimmige Tenor-Cantus-firmus-Sätze, die eine Nähe zum Protestantismus vermuten lassen. 1579 widmet Erzherzog Karl sein drittes Molettenbuch.

Die Stände fördern die gemeinsam arbeitenden Drucker Tobias Lauterbach und Zacharias Bartsch.

1564 Bartsch Erzherzog Karl II. Innerösterreich
1565.Graz Gratium ratium

Anlässich der Hochzeit von Erzherzogin Johanna von Österreich, der jüngsten Tochter Kaiser Ferdinands I., mit Francesco I. de Medici, dem Begründer der Uffizien, am 18. Dezember in Florenz wird der Innenhof des Palazzo Vecchio von Giorgio Vasari mit Fresken habsburgerischer Stadtansichten, darunter der Vedute von Gratz, ausgemalt.

1565 Johanna v. Habsburg Francesco I. Gratz

Schlosshauptmann Pangratz Freiherrr von Windischgrätz lässt das Palais Saurau-Goeß in der Sporgasse erbauen.

In der Herrengasse Nr. 220 wird im Jahre 1665 vom Hofkriegsrat Servaz von Teufenbach aus drei bestehenden Häusern das sogenannte Teufenbach`sche Haus an der Ecke zur Stempfergasse erbaut. Das von Domenico d'Allio geplante Palais verfügt über einen dreigeschossigen Innenhof mit Säulenarkaden. 1708 gehört das Gebäude Landeshauptmann Carl Weykhard von Breuner, welches 1730 Carl Adam Graf von Breuner übernimmt und zu einem Barockpalais umgebaut wird. Von Freiherrn von Stadl erwirbt 1739 Hans Sigmund Graf von Wagensperg das Haus, um es gleich seiner Tochter Anna Regina Breuner weiterzugeben. Nach einer Pulverexplosion bekommt 1828 die Familie Lamberg das Anwesen, in welchem 1853 im ersten Stock das "Adelige Casino" eingerichtet wird, während im Erdgeschoß ein Franz Olbricht eine Geschirrhandlung eröffnet. Aus dem südmährischen Dorf Znaim (Znojmo) kommend, übernimmt 1858 Johann Karl Klammerth sen. das Geschäft. Zusammen mit seinem Sohn Johann Karl jun. verleiht ihnen 1883 Kaiser Franz Joseph I. den Titel eines k.u.k. Hoflieferanten. Im Rahmen eines Gesamtumbaues 1889/90 wird an das barocke Treppenhaus mit der prächtigen Stuckdecke eine Gebäudezusatz angebaut sowie die zugemauerten Obergeschosse wieder geöffnet, sodass die alten, hofseitig offenen “Pavlatschen“ wieder sichtbar werden. Klammerth verkauft sein Geschäft an den ebenfalls aus Böhmen stammenden Mitarbeiter Josef Hahn, der nach dem Anschluss von der SA gezwungen wird, die beschäftigten Juden zu entlassen. Schließlich wird von den Nazis die Firma Klammerth aus dem Gebäude geworfen. Nach einem Bombentreffer 1944 zieht mit Kriegsende die Tageszeitung "Steirerblatt" (die spätere „Südost Tagespost" in das Gebäude ein. Nach einer wechselvollen Erbfolge übernimmt 1955 der Bankangestellte Siegfried Nagl sen. sowie später 1988 sein Sohn - der jetzige Grazer Bürgermeister - das "Haus der Tischkultur".


Zacharias Bartsch druckt das "Wappen-Buch", eine Sammlung von 162 kolorierten Einblatt-Holzschnitten adeliger Familien und einiger Städte der Steiermark: "Wappen-Buch darinnen aller geistlichen Prälaten Herren und Landleut auvh der Stett des loeblichen Fuerstenthumbs Steyer Wappen und Insignia mit ihren Farben, nach Ordnung wie die im Landhause zu Graetz angemahlt zu finden. Gedruckt zu Grätz durch Zacharias Bartsch Formschneider". 1567

In Graz gibt es etliche Priester, die sich zur Augsburger Konfession bekennen.

Die Landschaft erwirbt das Eggenberger Spital und die Allerheiligenkriche und gründet dort eine protestantische Stiftsschule, an der auch Johannes Kepler lehrt.
Mühlschlössl des evangelischen Landschaftsarztes Christoph von Gabelhofen im heutigen Volksgarten.

1568


Um die Bedeutung der protestantischen Bürgerschaft zu demonstrieren, findet zum Egydimarkt, am 7. September, auf der bürgerlichen Schießstätte der Kühtratte (heute Radetzkystraße) ein Schützenfest mit 126 Teilnehmern aus der Steiermark, aus Wien, Steyr, Salzburg, Wolfsberg und Melk statt, zu dem auch der junge Erzherzog Karl eingeladen ist. Dazu holt man sich aus Augsburg den bekannten Illuministen Leonhard Flexel samt Sohn Valentin als Pritschenmeister, eine Art Zeremonienmeister. In seiner bunten Narrenkleidung züchtigt er spaßhalber mit einem flachen langen Holz, der Pritsche, diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen. Am letzten Tag der Festspiele tischt der Magistrat allen Schützen vor dem Rathaus ein königliches Festmahl auf 12 grün geschmückten Rundtafeln auf. Nach der Preisverleihung defilieren die Teilnehmer und Musikgruppen im Festzug durch die Stadt, angeführt von einem Buben in weiß-grünen Hosen und einer roten Fahne mit 62 aufgenähten goldenen Scheiben, die anzeigen, dass der hinter dihm folgende Schützenkönig, ein gewisser Ulrich Hold aus Ehrenburg, 62 Gulden gewonnen hat. Schützenfest

Nachdem Graz fast zur Gänze protestantisch ist, schickt auf Ersuchen von Erzherzog Karl II. das Wiener Kolleg im März den Jesuitenpater Stephan Rimel für Fastenpredigten nach Graz.

Annibale Padovano (*1527 in Padua, + 15. März 1575 in Graz), erster Organist am Markusdom in Venedig, organisiert am Hof von Erzherzog Karl in Graz die Hofmusik neu und folgt ab 1570 Johannes de Cleve (1528-1582) als Hofkapellmeister nach.

Um 1570 wird das Palais Schwarzenberg in der Bürgergasse errichtet. 1596 befindet es sich im Besitz eines Hanns Jakob Khisl, Freiherr zum Kaltenbrunn und Gonowitz, von dem es 1613 an den Gurker Bischof und Freiherrn Johann Jakob von Lamberg verkauft wird. Sein Nachfolger, Bischof Sebastian von Lodron, veräußert es 1631 an den Grafen Georg Ludwig von Schwarzenberg, von dem das Palais seinen Namen erhält.

1570

Der steirische Adelige Freiherr Andreas Eberhard von Rauber, im Rauberhof (dem späteren Lesliehof) in der Raubergasse Nr.10 beheimatet, ist in ganz Europa wegen seiner riesigen Gestalt und unglaublichen Körperkraft, aber auch wegen seines Markenzeichens, einem bis zum Boden reichenden, zu zwei Zöpfen geflochtenen Bartes bekannt. Für seine Heldentaten soll er mit der Hand Helenas, der unehelichen Tochter seines kaiserlichen Freundes Maximilians II. (1564–1576) belohnt werden. Als plötzlich ein weiterer Bewerber, ein reicher spanischer Edelmann auftaucht, soll ein Zweikampf die Entscheidung bringen. In Anwesenheit des Kaisers und seines Bruders Erzherzog Karl II. wogt das Ringen auf dem Tummelplatz hin und her, bis Rauber den Spanier auf den Boden wirft, ihn in einen Sack steckt und dem Kaiser zu Füßen legt. Unmittelbar danach findet in der nahen Kirche die Trauung statt. Die Ehe ist aber nur von kurzer Dauer und kinderlos. Erst Raubers zweite Frau, eine ungarische Adelige, schenkt ihm dann vier Kinder.

Der Hofbibliothekar von Kaiser Maximilian II., der holländische Jurist Hugo Blotius schildert auf seiner Durchreise von Wien über Neustadt, durch das Mürztal, über Bruck nach Graz und von da nach Venedig und Padua im Oktober 1571 Graz und den Schloßberg so: „Dieser ganze Weg von Prugg nach Graz ist zwischen Bergen gelegen und wurde mit mittelmäßiger Schnelle zurückgelegt.Graez oder Graecium ist eine Stadt mittlerer Größe, sattsam befestigt und erzherzoglicher Sitz, welche Erzherzog Karl in dieser Zeit vorzüglich teils befestigte, teils auch widerstandsfähig gestaltete. Von Norden erhebt sich steil der Schloßberg von allen Seiten reich mit Bergen umgeben, besonders durch die Abhänge zur Festung bestimmt. Jener Teil desselben, welcher zur Stadt steht, ist nämlich allmählich vom Gipfel absteigend in leichter Abschüssigkeit mit derselben verbunden. Das ganze Joch dieses Berges nimmt die Burg ein, von Natur und Menschenhand stark befestigt, sowohl prächtig als angenehm zu sehen. Eine Doppelmauer und große Befestigungswerke schützen den größten Teil derselben. Auf dem Gipfel des Berges selbst ragt sehr hoch und herrlich eine Burg über die Mauern, die schön bemalt und ausgestattet sind, innen sind vier bis fünf Militärkasernen, deren einige, eben gelegen, zur Aufbewahrung von Kriegsvorräten und genügenden Verteidigung des Waffenplatzes dienen. Gegen die Nordseite des Schloßberges liegt ein mit Weinreben bepflanzter Garten, genug groß, um Hirschen und anderen Tieren, so auch Rindern zu dienen. Waldungen hat er keine außer einem Eichenhain, der mit einem Teil gegen den Fluß zu sich erstreckt. So sind gegen Sonnenaufgang Gärten, gegen Mittag die Stadt und gegen Sonnenuntergang der Murfluß gelegen, gegen Norden der Weingarten; an den Seiten des Schloßberges ragen Klippen und Felsen, die schon ehevor standen." Auch der frühe Lastenseilzug wird erwähnt: „Hac subtrahuntur onera." „Die Stadt selbst hat vier Tore und eine große Vorstadt (Suburbium) gegen Westen. An der nördlichen Mauer der Stadt steht der Palast des Herzogsmit einem großen Platze, zusammenhängenden Gärten, einer Reitschule usw. Palast und Stadt versuchte der Fürst befestigter und geschlossener zu erbauen. Gegen den Fluß zu aber sind die Mauerbefestigungen schwach. Die Stadt selbst besitzt Stärke und Befestigungswerke. Ihre Gestalt ist ähnlich der von Wien, mit eingestüzten und wieder ausgebesserten Mauern. Straßen aber hat sie wenige, aber dafür breite, ebenso einen geräumigen Marktplatz. Sie liegt in einer großen Ebene, aber in unfruchtbarer Laghe.."

Mathias Wurgenbock erzählt in der Heidelberger Handschrift die Geschichte „Ain newes lied von den faulen hawssmayde” in Graz.

1571 Freiherr von Rauber Tummelplatz
Schloßberg

Am 26. August 1571 ehelicht Erzherzog Karl II. in der Wiener Augustinerkirche seine Nichte Anna Maria von Baiern (1551-1608), eine Tochter des bayrischen Herzogs Albrecht V., eine fanatische Katholikin („Jeden Morgen stand die Erzherzogin frühzeitig, schon beim Kerzenlicht, häufig bereits um drei Uhr des Morgens auf ... In tiefster Andacht hörte sie hierauf drei heilige Messen, bisweilen sogar vier ... Wöchentlich pflegte sie wenigstens einmal zu beichten ... Häufig trug sie unter dem fürstlichen Gewand den groben Bußgürtel von der Bruderschaft des heiligen Franz oder Armbänder von härenen Stricken.") Sie bringt aus ihrer Heimat die ersten Jesuiten mit.

Wenzel Sponrib schildert in seinem, in der Zacharias Bart’schen Offizin gedruckten Büchlein „Grätz“ die „Wahrhaffte Beschreibung der hochzeitlichen Heimführung“ Marias, der Herzogin von Bayern durch ihren Gemahl Erzherzog Karl II. und die in Graz angestellten Feierlichkeiten vom 17. August bis 8. September in Wort und Bild: „Das Brautpaar zieht am 9. September 1571 in Graz ein, wo hierauf in der Ägydiuskirche der Gottesdienst gehalten wird und wie üblich die Kanonen auf dem Schloßberg und den Bationen ihren Salut abfeuern. Die Bürgerschaft rückt in Waffen aus. Ein Turnier auf dem Tummelplatz verschönert ebenso wie eine Ehrenpforte und herrliche Bauten auf dem Platz die Feier. Die Landschaft überbringt als Brautgabe 25000 Gulden in bar und Kostbarkeiten im Wert von 15000 Gulden."
Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten ist auch der in Mons in Flandern geborene Orlando di Lasso (1530-94), einer der bedeutendsten Komponisten der Renaissance und Leiter der bairischen Hofkapelle Herzog Albrechts V., des Vaters von Anna Maria von Baiern, mit seinen Landshuter Kapellmusikern anwesend. Mit einer Kirchen- und Kammermusik (darunter das berühmte Vokalwerk „Tristis est anima mea") sowie mit seiner Commedia dell'arte-Aufführung trägt er wesentlich zur Entwicklung des damaligen Musiktheaters bei. Erzherzogin Anna Maria ersucht auch in der Folge mehrmals in Briefen um seine Musik, bis Lasso selbst 1589 nach Graz kommt, um hier mit der Grazer Hofkapelle zu musizieren, wobei ein von ihm komponiertes Chorstück, bei dem auf der Jesuitenbühne gespielten Drama „Christus ludey" von Stefano Tuccis, später im Jahre 1594 im Erstdruck von Lassos Motetten bei dem von Adam Berg in München ausgebildeten Grazer Drucker G. Widmannstetter erscheint.

Auch der Landschaftsmathematiker Hieronymus Lauterbach schildert dieses Ereignis in seinen „Newen Historien- und Schreibkalender 1572".

Karl.II. Anna Einritt

Als Gegenmaßnahme zu dem unter den Landesständen zunehmenden Protestantismus holt Erzherzog Karl II. zwölf Patres der Jesuiten (ein durch Ignatius von Loyola gegründeter Orden der Gesellschaft Jesu - SJ Societas Jesu) nach Graz und stiftet - als Gegenstück zur protestantischen Schule - der Grazer Pfarrkirche St. Ägid ein Kolleg mit einer 3-klassigen Lateinschule sowie ine Konvikt mit Alumnat, an dem 5 Scholastiker und 2 Laienbrüder aus Wien tätig werden. Der Jesuit Vinzenz de Verda lässt das monumentale Jesuiten-Collegium mit einem prächtien, 1300 m2 großen Renaissancehof sowie ein Konventgebäude (heute Domherrenhof) mit einer dem Hl. Geist und der hl. Barbara geweihten Hauskapelle erbauen. In unmittelbarem Anschluss an das Kollegium wird in der Hofgasse der Taubenkobel", ein Renaissancehaus mit Doppelfenstergestaltung für Hofvicekanzler Wolfgang Schwarz gebaut, der es den Jesuiten ermöglicht, durch ein unteriridisches Gangsystem ungesehen in die Burg, in die Ägydiuskirche und sogar ins Landhaus zu gelangen.

1572 Burg Taubenkobel

Des Weiteren lässt Karl II. durch Baumeister Domenico dell'Allio die mittelalterliche Festung auf dem Grazer Schloßberg neu befestigen, die Burg durch den Karlsbau vergrößern und die "Neustadt", das Karmeliterviertel, angelegen.

Im Zuge der umfangreichen Erweiterung der Burg durch Karl II. wird unter der Bauführung von Marco Tadei die mittelalterliche Burg zu einer repräsentativen Renaissanceanlage ausgebaut. Parallel zum Palas über der Stadtmauer wird der Karlstrakt" und der zweigeschossige Aufbau des Eingangstraktes mit dem Trompetengang errichtet sowie der Palas und der Gang zur Ägydiuskirche um ein drittes Geschoss erhöht.


Karls kunsliebende Gattin Maria von Baiern lässt eine Schatz- und Kunstkammer einrichten. Darunter Bilder von Jacob de Monte (1591), Frans Poubus, von Teodoro Ghisi aus Mantua (1587), Martino Rota, Balthasare Grineo, Ottavio Zanuoli (1587), Egyd de Rye (1596), Cornelisz Vermeyen oder vom Prager Hofmaler Hans von Aachen (1598) sowie von Joseph Heintz d.Ä. (1603). Ebenso lässt sie 1571 eine Hofkapelle einrichten, die von Sebatian Carlone stuckiert und vom niederländischen Maler Egyd de Rye mit Fresken ausgestattet wird.Das Altarbild malt Giulio Licinio (1571).

Hans von Schärffenberg, der als letzter Landeshauptmann gleichzeitig auch als Hauptmann des Schloßbergs fungiert, unterzeichnet die „Grazer Pazifikation", in der Erzherzog Karl II. dem evangelischen Adel Gewissens- und Bekenntnisfreiheit zusichert („Grazer Libell").

Georg Agcricola, der 1770 vom Salzburger Erzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasy zum Bischof Georg III. von Lavant ernannt wird, erhält wegen seiner Rekatholisierungserfolge und seiner wirtschaftlichen Tüchtigkeit zwei Jahre später, am 25. Oktober 1572, auch das hochverschuldete Bistum Seckau als Bischof Georg IV. zur Verwaltung. Er kann die Schulden verringern, wird aber des Geizes sowie illegaler Kinder beschuldigt.

Hans von Schärffenberg Religionspazifikation Landtagsabhandlungen
Auf halber Höhe an der Ostseite des Reinerkogels in Andritz befindet sich eine Quellgtotte, in deren unmittelbarer Nähe sich seit 1572 eine Kapelle befindet, die dem hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, geweiht ist und später zu dem Wallfahrtskirchlein „St. Ulrich zu Ulrichsbrunn" ausgebaut wird. Die Legende besagt, dass der aus osmanischer Gefangenschaft heimkehrende Graf Ulrich von Gösting durch das Quellwasser auf wunderbare Weise von seinem "türkischen Leiden" geheilt wird.
Mit Stiftungsbrief vom 12. November 1573 begründet Erzherzog Karl II. die Lateinschule „facultas linguarum", um die ständische Macht der Protestanten im Lande zu brechen. 1573  

Erzherzog Karl II. erlässt nach dem Vorbild des von Kaiser Karl V. erlassenen Reichsgesetzes die „Steirische Landesgerichtsordnung", die festlegt, dass jede Form von Schadenzauber, wie Wetter-, Liebes-, Viehzauber oder Hostienschändung etc. mit der Todesstrafe zu belegen ist, wobei der berüchtigte „Hexenhammer" („Malleus maleficarum") der Dominikanermönche Institioris Heinrich Kramer und Jakob Sprenger von 1487 den Bannrichtern konkrete Richtlinien zur Durchführung von Hexenprozessen gab. Zwischen 1546 und 1746 stehen in der Steiermark in 220 Gerichtsverfahren 820 Personen, größtenteils aus der bäuerlichen Unterschicht, vor Gericht.

Im Zuge des Bastionenbaues unter Erzherzog Karl II. wird das erstmals 1462 erwähnte "Eiserne Tor" (Ungartor) durch eine unter Baumeister Domenico dell'Allio etwas nach Süden, auf die Höhe der Hans-Sachs-Gasse verlegte neue Renaissance-Toranlage ersetzt. Vor dem Tor führt eine Holzbrücke über den Stadtgarben zur Kühtratte.

Der lutherische Theologieprofessor David Chyträus, eigentl. David Kochhafe, aus Rostock, arbeitet ab 1574 für die evangelische Landschaftsschule in Graz eine Schulordnung aus, die den Söhnen der landständigen Adeligen eine Ausbildung ermöglicht, die sie vom Elementarunterricht bis zu einer juristischen Ausbildung führt.

1574
Wegen Zensurstreitigkeiten werden 1575 und 1578 die landschaftlichen Drucker Andreas Franck und Zacharias Bartsch verhaftet. 1575  

Erzherzog Karl II. von Innerösterreich beruft am 6. August 1577 den Gurker Fürstbischof Christophorus Andreas Graf v. Spaur als Statthalter in die Residenzstadt Graz, der diese Amt bis 1584 bekleidet und als sien Hauptanliegen die Verteidigung des katholischen Glaubens gegen den protestantischen Adel sieht.

Das Palais im Renaissance-Stil in nder Bürgergasse 4 (Stainzerbauer) wird im Jahr 1577 für Adam von Lengheimb errichtet und 1596 erstmals urkundlich erwähnt. Die aus der Krain stammende Familie erwirbtb etliche Herrschaften, wie die oststeirischen Schlösser Kapfenstein und Pertlstein. 1620 wwerden sie in den Freiherren- und 1674 in den Grafenstand erhoben. 1732 verkaufen die Grafen Andreas und Max Adam von Lengheimb das Palais in der Bürgergasse an das Jesuitenkollegium, das in den benachbarten Gebäuden ein Priesterseminar unterhält. Nach der Aufhebung des Ordens 1773 übernimmt die k.k. Hofkammer das Palais. Ab 1927 ist es im Besitz des Akademischen Turnvereines (ATV). In den Innenhofarkaden dieses Grazer Stadtpalais der Lengheimb befinden sich Arkadengänge mit toskanischen Säulen sowie Türken-Sgrafffiti.

Nach einem Festessen der Ausschüsse von Seier, Kärnten und Krein wird im Grazer Landhaus eine Tragedj" aufgeführt.

Die Grazer Ägydiuskirche dem Jesuitenorden übergeben. Der erste Rektor ist Pater Blyssem aus Prag. Die Stadtpfarre wird mit Bestätigung durch den Papst an die Katharinenkirche übertragen, wobei aber aus Platzgründen die Pfarrgottesdienste trotzdem in der Hofkirche abgehalten werden.

1577
Dde riesige Kellergewölbe das Schlosshauptmannhaus, die Kasematten auf dem Schloßberg, die als Kerker verwendet werden, dienen auch zur Aufnahme von Vorräten. Die Wageneinfahrt an der Westseite ist noch sichtbar. Heute als Freilichtbühne genutzt. 1578
Hofkriegsrat Franz von Poppendorf errichtet mit Erlaubnis von Erzherzog Karl II. außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer im Dorf Guntarn in der Paulustorvorstadt einen schlossartigen Ansitz. Unter dem nachfolgenden Hofvizekanzler Wolfgang Schrantz wird der Bau erweiter und trägt den Namen „Schrantzenegg". Nach dem nächsten Besitze, dem Grazer Pfarrer und späteren Lavanttaler Bischof Georg Stobäus von Palmburg, wird er schließlich als Palmburg" bezeichnet. Stobäus ist zwischen 1596 und 1609 auch Statthalter von Innerösterreich und erarbeitet für Erzherzog Ferdinand II. einen Plan zur Durchführung der Gegenreformation, indem er rät, alle lutherischen Prediger, Stadträte und Bürger des Landes zu verweisen, sofern sie nicht zum katholische Glauben übertreten.

Nach den Religionsverhandlungen in München, bei denen ein genauer Plan zu Gegenreformation ausgearbeitet wurde, geht die katholische Seite zum Gegenangriff über und erlässt ein am 10. Dezember 1580 ein Dekret, dass in den landesfürstlichen Städten, Märkten und Herrschaften nur mehr die katholische Religion erlaubt. Trotzdem ernennt der streng katholische Erzherzog Karl II. seinen Vertrauten, den Lutherianer Georg „den Breiten" von Herberstein zum Landeshauptmann.

In Lipizza begründet Erzherzog Karl II.mit 3 spanischen Hengsten ein Gestüt zur Züchtung wertvoller Pferde für den habsburgerischen Hof in Graz und mit den „spanischen Karstern" die älteste Kulturpferderasse Europas. In Graz lässt er den alten Stall zu neuen Hofstallungen samt Zureitplatz am Tummelplatz vergrößern.

Der Fabricius Schreibkalender zeigt eine Darstellung von Graz von Daniel Meissner um das Jahr 1540 mit einem mächtigen Kirchturm.

Besitzungen des Stiftes Rein in der Umgebung von Graz: Das Rothenburg-Schlössl im Eggenberger Gutsbesitz in Baierdorf (durch Abt Georg Freyseysen erbaut) und der Wirtschaftshof Schloss Reinthal in Hart ("Harter Schlössl")

1580


Unter Einbeziehung der mittelalterlichen Stadtmauer wird in der Grazer Burg von Marc Antonio Tadei ein zweigeschossiger Registraturtrakt mit Renaissanse-Arkadengängen, toskanischen Säulen und Sgraffitidekorationen als Verbindung vom zweiten zum dritten Burghof errichtet. 1581

Erzherzog Karl II.lässt im Süden von Graz einen dritten, den unteren Tiergarten mit einem reichen Bestand an Damhirschen sowie Falkenhäuser und Reiherstadel anlegen und baut das anch ihm benannte Lust- und Jagdschloss Karl-Au als seine Sommerresidenz.

Das Schloss Greifenberg (ursprünglich Greifenstein) im oberen Radmertal geht auf einen Schlossbau um das Jahr 1600 zurück. Der viergeschossige Bau mit den runden Ecktürmen wird durch den geadelten Juristen Johann Baptist Linsmayr von Greiffenberg (1542–1608), Großvater der barocken Dichterin Catharina Regina von Greiffenberg, erbaut. Im 19. Jahrhundert gehört es dem Stift Seitenstetten in Niederösterreich udn wird gegen Ende des Jahrhunderts Jagdschloss von Kaisers Franz Joseph, wenn er zu Hofjagden in die Radmer kommt. Als Erbteil des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand kommt es nach dessen Ermordung im Jahr 1914 in Sarajewo an seine morganatischen Nachkommen, die Fürsten und Herzöge von Hohenberg. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 werden Maximilian und Ernst Hohenberg ins Konzentrationslager Dachau deportiert, weil sie sich gegen den „Anschluss“ an das Deutsche Reich aussprechen.

1584 Karlau

Martin Brenner (11.11.1548 bis 14.10.1616), ein gebürtiger Schwabe, wird vom Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zum Fürstbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und schenkt dem Bustum Seckau die Burg Seggau bei Leibnitz. Bischof Brenner wird auch in den steirischen Landtag aufgenommen und unterstützt Erzherzog Karl bei der Durchführung der Gegenreformation: lautstark und wortgewaltig wettert er gegen die Evangelischen ("was ist die Ursach, daß ihrer viel in so mancherlei Irrtümern, Schwärmerei und Ketzerei geraten? Sind in Glaubenssachen wankelmütige Wetterhähne, sind wie Rohre im Wasser, ducken, bucken, wenden, biegen sich nach dem der Wind ergehet, als eben daß sie nicht gefirmet worden und ihnen abgehet die Frucht des Geistes..."), weiht 12 neue Kirchenbauten ein, vertreibt die lutherischen Prediger, lässt ca. 28500 reformatorische Bücher vor dem inneren Paulustor und am Eisernen Tor verbrennen und beruft den katholischen Buchdruckers Georg Widmanstetter aus Bayern nach Graz. So gelingt es Brenner binnen eines halben Jahres in der gesamten Steiermark die Gegenreformation durchzubringen, weswegen er als „Malleus haereticorum“ (Ketzerhammer) bezeichnet wird und von der katholischen Kirche den Titel „Apostel der Steiermark“ erhält. Brenner stirbt am 14. Oktober 1616 am Landgut Retzhof bei Leibnitz. Für seine Überführung nach Seckau wird er einbalsamiert und dort am 11. November in der Bischofskapelle beigesetzt. Seine in ganz Europa gesammelten Schriften, die er in 1100 Prachtbänden (darunter "Hortensis Eystettensis") gesammelt hat, die "Brenner Bibliothek", hinterlässt er dem Land.

1585 Martin Brenner Widmanstetter
Das Jesuitenkolleg am "Stöckl" ("Taubenkobel") in der Hofgasse wird am 1. Jänner 1585 mit päpstlicher Bestätigung durch Erzherzog Karl II. zur Jesuiten-Universität Graz mit dem Zweck ausgebaut, das katholische Bekenntnis nicht nur im eigenen Land, sondern auch mit Austrahlung in südslawische Gebiete sowie nach Ungarn und Polen zu stärken und auszubauen. In der St. Ägydius-Kirche wird dem ersten Rektor Pater Heinrich Blyssem am 14. April 1586 der Stiftungsbrief samt Szepter und Siegel übergeben. die Lehrer an der Schule (theologische, artistische und sprachliche Fakultät) sind zunächst ausschließlich Mitglieder des Jesuitenordens. Der charkterlichen und wissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer wirdf besonder Bedeutung zugemessen. Gelehrsamkeit, Sorgfalt, Fleiß und Eifer in den Vorlesungen und unbedingter Gehorsam gegenüber dem Orden, verbunden mit einem, uneingeschränkten Bekenntnis zur katholischen Lehre. Der religiöse Lernstoff beschränkt sich auf das Ausweniglernen des Katechismus und eine gründliche Kenntnis der Evangelien. Das Um und Auf des Unterrichts ist die lateinische Sprache, wobei jeder Unterrichtshalbtag mit einer Lateinstunde beginnt. Der Griechischunterricht setzt erst in der vierten Klasse ein.

Die Kirche "zum hl. Ägidius" wird als Hofkirche den Jesuiten zugewiesen und die Pfarre mit Zustimmung von Papst Gregor XIII. von der Katharinenkirche ins Dominkanerkloster zum Hl. Blut (Stadtpfarrkirche) in die Judenggasse verlegt, wohin die Pfarrgeistlichkeit mit Pfarrer Dr. Andreas Peyrer am 30. April 1585 übersiedelt. Die Dominikaner müssen nach St. Andrä ausweichen und der frei gewordene Stadtpfarrhof dient ab jetzt Neuankömmlingen als Wohnung.
Am Rosenhain, abseits der Stadt im Grünen, wird für die Zöglinge und Ordensmitglieder der Jesuiten zu Erholdungszwecken ein Referktorium gebaut. Als 1773 der Orden aufgehoben wird, fällt der gesamte Besitz an Landeshauptmann Graf Ferdinand Attems.

Die bis ins 16. Jahrhundert am 6. Sonntag nach Ostern von Straßgang zur St. Ägidius-Kirche stattfindende „Exaudi-Prozession“ betont die frühere Zusammengehörigkeit der beiden Pfarren.
1586 Jesuiten.Universität Heinrich.Blyssem Peham
Stadtpfarrkirche Straßgang
1587 findet an der Jesuitenuniversität eine "Deposition" statt, die Erzherzog Karl derart gefällt, dass er auch seinen immatrikulierten 9-jährigen Sohn Ferdinand II. gleichfalls deponieren lässt. Dieser symbolische Akt des Neueintritts an eine Universität begründet sich aus dem bereits 1158 durch Kaiser Friedrich Barbarossa verliehenen eigenen Universitätsrecht "universitates magistrorum et scholarum". Nach dem Vorbild der deutschen Gilden schließen sich vor allem an ausländischen Universitäten Studierende und Professoren gleicher nationaler Zugehörigkeit zum Zweck der gegenseitigen Unterstützung und Gestaltung des Lehrbetriebes sowie zur Pflege der heimatlichen Bräuche in sogenannten "Nationes" zusammen. Die Studenten wohnen in gemeinsamen Kollegienhäusern, den "Bursen" (Burschen), tragen eine besondere Form von Kleider- und Haartracht (Couleur) und erhalten 1514 von Kaiser Maximilian das Privileg, Waffen zu tragen. Das Zeremoniell der Aufnahme von Neuimmatrikulanten (Deposition) war streng festgelegt: Der Neuling (Fuchs) wird durch allerlei Schabernack von seinem tölpelhaften Status des Pennälertums gereinigt. Im konkreten Fall in Graz muss der Bachant den hölzernen Homer, den er auf dem Kopf trägt, absägen. Vor dem "Quintus" (Leiter der Deposition) müssen anschließend alle Kanditaten einen Eid auf die katholische Kirche ablegen, dann werden ihre Lippen mit dem "Salze der Weisheit", die Nasenlöcher und Schläfen mit dem "Weine der Stärke und Zartheit" bestrichen und ihnen Wasser auf den Kopf gegossen, auf dass sie die "Klarheit der Vernunft daraus schöpfen mögen". Mit der Forme „Alles zur Ehre der heiligen Jungfrau und der heiligen Facultäts-Patrone "Katharina und Xaver" schließt die "Aufnahme" (Adoptio). 1587

Im Auftrag von Erzherzog Karl II. wird auf dem Schloßberg ein achteckiger, 5-geschossiger, 34 Meter hoher Glockenturm als "Kampanile" zur der daneben befindlichen Thomaskapelle erbaut, In seinem Innerem hängt die größte Glocke von Graz, die vom sächsischen Gießer Martin Mert Hilger gegossene „Liesl“, mit einem Duchmesser von 197 cm und einem Gewicht von 4632 kg. Sie wird täglich um 7, 12 und 19 Uhr mit 101 Schlägen geläutet, weil sie angeblich aus 101 Kanonenkugeln der Türken gegossen wurde. Im Glockenturm befinden sich auch Gefängnisse, darunter im Keller ein Verlies, die sogenannte "Bassgeige" für Schwerverbrecher. Unter den Gefangenen befinden sich auch bekannte Persönlichkeiten wie Hans Erasmus Graf von Tattenbach oder Bischof Nádasdy von Karlowitz, der 40 Jahre gefangen gehalten wird und nach seiner Entlassung 1796 tot zusammenbricht; der steierne "Bischofsstuhl" nahe der Kanonenbastei erinnert daran.

1588

Liesl

Der Dominikanerorden übernimmt das kleine Kirchlein des Predigerordens von St. Andrä in der Murvorstadt und erwirbt für den geplanten Neubau die umliegenden Gärten. 1589 St. Andrä

Als der Sohn des Fassbindermeisters Ruepp Dietrich, dem Besitzer des Renaissancehauses der späteren "Goldenen Pastete", am 4. Juni 1590 durch den Stadtrichter Andreas Spiegl verhaftet wird, weil er trotz Verbot die protestantische Stiftsschule besucht hatte, kommt es vor dem Rathaus zu einem Aufstand von über 500 Bürgern, bei dem sogar der päpstliche Nuntius Malaspina und der Bischof von Gurk misshandelt werden. Der Tumult ist so wild, dass man von einer zweiten Pariser Bluthochzeit spricht und deshalb der herzkranke Erzherzog Karl II. von Bad Mannersdorf nach Graz eilt, wo er im Alter von 55 Jahren am 10. Juli 1590 stirbt. Da sein minderjähriger Sohn Ferdinand II., 12jährig noch an der Jesuitenunversität in Ingoldstadt studiert, übernimmt Erzherzog Ernst III. interimistisch die Rolle des Vormundes als Gubernator von Innerösterreich.

Ungeachtet der konfessionellen Auseinandersetzungen erweist dem Verstorbenen alles, was Rang und Namen hat, die letzte Ehre. Der Leichnam Karls wird zunächst in der fürstlichen Burg aufgebahrt, später zieht der feierliche Trauerkondukt von der "Alten Kirchn" (Ägydiuskirche) bir zum Eisernen Tor. Dem aus Tirol in die Steiermark gekommenen Dichter Sigmund Banstingl verdanken wir als offiziellem Berichterstatter in gereimter Form die detaillierte Schilderung des Leichenzuges in dem von Hans Schmidt in Graz gedrucktem Werk "Kondukt weiland der in Gott ruhenden Ihrer fürstlichen Durchlaucht Erzherzog Carls zu Österreich hochlobseligster Gedächtnis, welche am 10. Juli Anno 90 in Gott seliglich verschieden und den 17. Oktober in der fürstlichen Hauptstatt Grätz von der alten Pfarkirchen nach gehaltenem Amt über den Platz durch die Herrengassen bis zum Eisernen Tor führet." Der Münchner Kupferstecher Georg Peham verewigt diese Ereignisse in einer insgesamt 17 Meter langen Kupferstichserie.

1590 Goldene Pastete

Sigmund Bonstingl berichtet über das "in der fürstlichen Burgh zu Grätz" abgehaltene Hochzeitsfest von Karl I. Bernhard von Harrach, Freiherr zu Rohrach, Kämmerer von Erzherzog Ernst III. und Berater von Ferdinand II., mit Elisabeth Gräfin von Schrattenbach, der Tochter des Landeshauptmannes in Steiermark, Freiherr Max von Schrattenbach, am 24. November 1591, zu dem die Erzherzoge Ernst III. und Mathias eigens nach Graz kommen. 1591

Im Gedenken an ihren verstorbenen Gemahl Erzherzog Karl lässt seine Witwe Anna Maria von Baiern ein vom Niederländer Jacob de Monte gemaltes Epitaphbild in der Grazer Hofkirche zum hl. Ägydius aufhängen.

Als im Sommer sein Bruder Ernst nach Holland geht, löst ihn sein Bruder Maximilian III. der Deutschmeister ab und verwaltet für seinen jungen Vetter Ferdinand II. bis 1595 das Erzherzogtum Innerösterreich als Gubernator.

1593
Der erzherzögliche Rat und Hauptmann de Grazer Hauptschlosses, Ruprecht von Eggenberg, besiegt als Kommandant der habsburgerischen Truppen zusammen mit Andreas von Auersperg und Thomas Erdödy am 22. Juni 1593 in der Schlacht von Sissek eine türkische Übermacht unter Telli Hassan Pascha. Dafür in den Fürstherrenstand erhoben, zieht er sich dann nach Graz zurück, wo er 1611 an Wassersucht verstirbt mund schließlich seinem letzten Willen entsprechend in dem für ihn in Ehrenhausen errichteten Mausoleum beigesetzt wird.

Stadtansicht von Grätz in einem Kupferstich sowie einer Federzeichnung von Georg Peham.
Die 1586 zur Haupt- und Stadtpfarre erhobene ehemalige Dominikanerkirche erhält ein neues Hochaltarbild mit der Himmelfahrt Marias.

Siegmund Friedrich von Herberstein wird trotz seines „falschen" Glaubens letzter protestantischer Landeshauptmann der Steiermark.

1594 Peham Schlossberg Siegmund von Herberstein
Der 23jährige Mthematiker und Astronom johannes Kepler kommt nach einem 20-tägigen Fußmarsch nach Graz. Noch bevor er in Tübingen die Abschlussprüfungen an der Theologischen Fakultät abgelegt hat, wird ihm unerwarteter Weise im April 1594 die Stelle eines Lehrers der Mathematik und Astronomie an der protestantischen Stiftsschule in Graz angeboten. Kepler selbst hält sich für keinen guten Lehrer, andererseits aber sprechen ihm die Inspektoren ein gutes Zeugnis aus. Neben Mathematik und Astronomie unterrichtet er auch Rhetorik (Cicero) und Poetik (Vergil). Den zweiten Teil seiner Anstellung bildet das Amt des "Landschaftsmathematikus", der für Eich- und Messwesen, Kartographie und die Erstellung des jährlichen Kalenders zuständig ist. Die Kalender sind der Inbegriff der zeitlichen Ordnung und enthalten zusätzlich wichtige Voraussagen über Wetter, Ernte, Krankheiten, drohende Landplagen und bedeutende politische Ereignisse. Mit seinem "Mysterium cosmographicum" entwirft er die Grundlagen für seine Planeten-Gesetze.
Am 27. April 1597 heiratet Kepler Barbara Müller, die zweimal verwitwete Tochter eines reichen Mühlenbesitzers vom Mühleck-Schlössl aus Gössendorf. Die Hochzeitsfeier findet im Stubenberghaus in der Stempfergasse (heute das Palais Inzaghi), Ecker Bindergasse/Bischofsplatz statt, wo das junge Paar auch seine Wohnung bezieht. Anlässlich seiner Heirat schreibt er: "Der Stand meines Vermögens ist derart, adß, wenn ich innerhalb Jahredfrist sterben würde, kaum jemand schlimmere Verhältnisse nach seinem Tod hinterlassen könnte. Wenn mir Gott aber ein längeres Leben schenkt, so ist es sicher, daß ich mit dem hiesigen Ort verbunden und verkettet bin, was immer aus unserer Schule werden mag. Denn meine Braut hat hier Güter, Freunde und einen wohlhabenden Vater. Ich werde das Land nicht verlassen können, außer wenn sich ein öffentlichen oder privates Unglück ereignet. Ein öffentliches, wenn für einen Lutheraner das Land nicht mehr sicher ist oder wenn es von den Türken näher bedrängt wird. Ein privates Unglück wäre es, wenn meine Frau sterben würde." Dem Paar werden zwei Kinder geboren, ein Knabe und ein Mädchen, die beide jedoch, wenige Wochen alt, sterben. Über seine Frau bemerkt er etwas später wenig schmeichelhaft: "Sie ist fett und einfältig, außerdem zänkisch, geizig und hypochondrisch."
Ferdinand II. kehrt aus Ingoldstadt nacvh Graz heim. 1595

Ferdinand von Maschwander, Freiherr von Kranichsberg, widmet seine Maschwanderau samt dem beidseitig von Murarmen umflossenen, 1498 ertmals erwähnten Austein (Kalvarienberg) aus Serpentinschiefer, wo schon in der späten Jungsteinzeit eine Siedlung bestand, den Grazer Jesuiten.

Ferdinand II. schenkt dem Schlosshauptmann Pangraz Freiherr von Windischgrätz In der Sporgasse 25 einen Grund, auf welchem dieser das Palais Saurau-Goeß erbaut. 1630 erwirbt Carl Graf von Saurau das Gebäude samt Garten und Lusthaus. Aus einer der Dachluken lugt die Figur eines Türken mit Schild und gezücktem Schwert. Der Sage nach handelt es sich dabei um den türkischen Feldherrn Ibrahim Bassa, der beim Fluchtversuch aufgrund seiner Körperfülle in der Fensteröffnung stecken bleibt, als während des Essens eine Kanonenkugel einschlägt.

Das Palais Inzaghi in der Bürgergasse wird erstmals 1596 erwähnt. Ab 1699 gehört es zum Besitz eines Grafen Herberstein. Im 18. Jahrhundert sind die Herren von Stubenberg Eigentümer, bis es 1792 vom Grafen Johann Nepomuk Inzaghi erworben wird,, dem Besitzer des gleichnamigen Palais am Bischofplatz. Ab 1902 befindet sich in den Räumlichkeiten ein Gasthaus, die sogenannte „Winterbierhalle“. Am 1. November 1944 durch Fliegerbomben schwer beschädigt, wird 1997 das „Hotel zum Dom“ eröffnet.

1596 Palais Saurau
Am Hauptplatz wird erstmals das spätere Haus "Zum schwarzen Adler" genannt.

Im Kleindiensthaus "Zum roten Krebsen", in welchem sich Stallungen für 14 Pferde sowie 6 Kellergewölbe mit einem Fassungsvermögen von jeweils 40 Weinfässern a 500 l befinden, werden am 9. September 1596 vier Startin "Radkersburger" (= 2100 l) ausgeschenkt.

Der landschaftliche Sekretär Stephan Speidel von Vatersdorf lässt 1596 am Rosenhain ein kleines Schloss errichten. Nach seine unterschiedlichen Besitzern wird es Speidlegg, Minoriten-Schlössl, Luschinschlössl oder Rosegg genannt.
Am 12. Dezember leistet der nunmehr fast großjährig gewordene 18jährige Ferdinand II. als Erzherzog von Innerösterreich in der Burg den Landesständen den landesfürstlichen Eid. Ab 1595 führte er als Erzherzog von Innerösterreich selbst die Regierung. Bald reist er in Begleitung von Hans Ulrich von Eggenberg zum Marienwallfahrtsort nach Loreto in Italien und gelobt, den Protestantismus in seinen Ländern abzuschaffen und den Katholizismus wieder zur alleinigen Religion in seinen Ländern zu machen. Zurückgekehrt betreibt er nun mit großer Härte die Gegenreformation und Rekatholisierung. Auch baut er seine Residenz in Graz aus, indem er einen vier Stockwerke hohen Flügelbau bis zum Theater-Tor errichten und eine Schatzkammer, Kunstkammer und Bibliothek einrichten lässt. Burg

Vom Kirchplatz der Ägidiuskirche, der größtenteils noch Friedhof der Stadtpfarre ist und von einer Steinmauer begrenzt wird, gelangt man über eine Stiege in die Jesuitengasse (Bürgergasse). In dieser kauft Erzherzog Ferdinand II. dem Grafen von Gleispach ein Gebäude ab und schenkt es den Jesuiten als Konvikthaus (heute Domherrenhof). Außerdem errichten die Jesuiten einen, die Jesuitengasse überwölbenden Quertrakt, der ihr Kollegium mit der Ägidiusdkirche verbindet und "Gilgenthor" genannt wird.

Maria von Bayern, die Mutter des erst 19jährigen Sohnes Erzherzog Ferdinand II., lässt auf der Kuppe des Florianiberges bei Straßgang, auf dem sich schon eine kupferzeitliche Siedlung aus dem 4. Jahrtausend vor Christi sowie eine Fluchtburg des bayrischen Adelsgeschlechtes der Aribonen befunden hat, einen Neubau des zerfallenen Florianikirchleins errichten.

1597 St. Gilgenthor Florianikirchlein

Am 22. August Verleihung des Stadtprivilegs durch Erzherzog Ferdinand II.

Das Schloss "Neu-Grabenhofen" ist ein Ansitz, der sich in der Grazer Hochsteingasse 48 befindet und Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut wird. Im Jahre 1611 umfasst das Anwesen neben dem Schloss ein 1578 von Erzherzog Karl II. verkauftes Weingut mit zwei Weingärten, einem gemauerten Keller, einer Presse sowie zwei Weinzierlhäusern mit Gemüsegarten (Grabenhofweg 64).
Ende des 16. Jahrhunderts kommt das Anwesen in den Besitz der Freiherren von Hofmann. In der Folgezeit wechselt das Gut häufig seine Besitzer. 1773 kauft Josef Boseth von Trautenburg das Schloss gemeinsam mit dem Schloss "Alt-Grabenhofen", mit welchem er es zusammenlegt. Wegen Baufälligkeit erbaut er dann 1777 ein neues Schlösschen namens „Neu-Grabenhofen" am südwestlichen Hang des Grazer Rosenberges. Mit 1916 wird die wind- und staubgeschützt gelegene Schloss zur Ergänzung der Lungenheilstätte Hörgas als Erholungsheim „Grabenhofen-Huth" eingerichtet.

1598 Stadtprivileg
An der Schwelle zum 17. Jahrhundert erreicht der Kampf zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus einen unrühmlichen Höhepunkt: Hexenprozesse, Folterung und brennende Scheiterhaufen sind an der Tagesordnung. Im Zuge der Gegenreformation bemühen sich der Landesfürst (Erzherzog Ferdinand II.) und die Kirche (Georg Stobäus von Palmburg, Bischof von Lavant und Statthalter Innerösterreichs) gemeinsam, den reinen Glauben wieder herzustellen. Alle evangelischen Schulmeister werden ausgewiesen, die adelige Stiftsschule und alle protestantischen Kirchen geshlossen. Nur schwer gelingt es ihnen, bedenkliche Formen des Aberglaubens hintanzuhalten. So treibt z.B. der erzherzogliche Hofkaplan, Paulus Knor von Rosenrod, einer Frau eine "ganze Legion" von Teufeln aus.
Am Fuß des Schloßbergs werden im Zuge der Rekatholisierung 10.000 protestantische Bücher verbrannt. Erzherzog Ferdinand II., stiftet an diesem Ort das Kapuzinerkloster "auf der Stiege" und lässt die St.Anton-von-Padua-Kirche (Antoniuskirche) erbauen, für die Giovanni Oietro de Pomis das Hochaltarbild "Apotheose der Gegenrefürmation" malt..

In der Murvorstadt entstehen die beiden großen Marktplätze des Lend- und Grießplatzes.

1599

Stiegenkirche Antoniuskirche

Auch Johannes Kepler muss nach seinem 6jährigem Wirken an der Stiftsschule der protestantischen Landesstände im Paradeishof wegen seines protestantischen Glaubens Graz verlassen. Sein finanzielles Resümee klingt wenig schmeichelhaft: "Wenn es sich gerade ums Geld handelt, so muß ich sagen, daß ich in Graz geschunden worden bin."
Kurz zuvor beobachtet er noch mit einer "camera obscura" am Grazer Hauptplatz eine Sonnenfinsternis und besteigt den Schöckl (1445m): "In der Steiermark ist ein Berg Schekel, wenn dieser sich mit einer kleinen Kappe bedeckt, steht sicher ein Unwetter bevor. Er ist ein Berg von steiler ungeheuerer Höhe, der die umliegenden Berge, die wahrlich auch nicht niedrig sind, um die Hälfte einer deutschen Vietrelsmeile überragt, unter Berücksichtigung der Krümmung der Erde. Als ich auf ihm eine Beobachtung über die Krümmung der Erde mit Hilfe der Berge ohne den Himmel anstellte, sah ich, um Euch zwischendurch eine Freude zu machen, viel Ergötzliches. Als wir an einem Sonntag hinaufstiegen, herrschte erste eine klare heiße Luft. Als wir auf dem Gipfel des ragenden Felsens standen, erhoben sich unterhalb der Berges allmählich Nebel. In Graz, das zwei Meilen entfernt ist, herrschte ein starkes Gewitter mit Donnerschlägen, die wir nicht hörten. Wir sahen alles unter uns. Die unteren Berge, nach denen wir zu visieren hatten, sah mandurch die dunstige dampfreiche Luft nur schlecht, nach der Zerteilung des Gewitters besser. Neben und unter uns sahen wir in der Luft hängende Wolken, schrecklich geborsten, von ungeheuerer Geschwindigkeit. Bisher hatte uns immer die Sonne geschienen. Plötzlich umringte uns ein Nebel. der wie rasend ungestüm vom Fuß des Berges zum Gipfel heraufstieß und schräg an uns vorbeistrich. Einige Augenblicke lang brach ein Regen vermischt mit kaltem Hagel los. Wo zuvor jene Seitevom Nebel bedeckt gewesen war, auf der sich vom Berg aus eine Aussicht weithin nach Ungarn und anch dem türkischen Gebiet auftut, zeigte sich ein wunderbarer Anblick. Über uns war Nbel, der den Himmel verhüllte, unter uns strahlendste Helle. Denn die Sonne beleuchtete nun das unter uns liegende Land, und zwar so stark, daß ein Stück Papier, das man hinhielt, mehr Licht von der Erde empfing, als von dem Nebel von oben. Die Flüsse aber glänzten, obwohl sie gerade stürmisch waren, überaus hell. Es befindet sich auf dem Berg ein Schlund, ein Abgrund, von dem so viele Gewitterdünste aufsteigen, daß eine uralte Sage behauptet, durtch das Werfen eines kleinen Steinchens werde ein Hagel verursacht, das heißt es hagelt eben sehr oft, ob man Steien hinunterwirft oder nicht; ich halte das für eine Täuschung der Sage. Denn wir haben das Loch nicht gefunden und doch entstand ein Hagel, wenn wir nicht vielleicht eben durch unsern Aufstie den Berg gereizt haben."

1600

Kepler Harmonices mundi

In der Murvorstadt entstehen die beiden großen Marktplätze des Lend- und Grießplatzes.


Am 23. April findet in der Grazer Hofkirche die prunkvolle Hochzeit von Erzherzog Ferdinand II. (1578 bis 1637) mit seiner Cousine der Wittelsbache Prinzessin Maria Anna von Baiern (1574 bis 1616, Tochter Herzog Wilhelm V.von Bayern) statt. Bei den anschließenden Feierlichkeiten kommt das Drama "Theodosius und Ambrosius" von Michael Polt zur Aufführung, in welchem Ferdinands erzherzoglichen Brüder Maximilian Ernst (1583-1616) und Leopold V. (1586-1632) die Hauptrollen spielen.

Während des „Langen" oder „Dreizehnten Türkenkrieges" (1593-1606) belagern die Türken im Jahr 1600 die habsburgerische Festung Kanischa (Nagykanizsa) und nehmen diese schließlich, trotz steirischer Unterstützung mit Lebensmitteln und Waffen, ein, weil das steirische Entsatzheer zu spät kommt, um die 50 Kilometer vor der ungarischen Grenze gelegene Festung noch zu retten. Erst September 1601 steht eine Armee der Steirer, verstärkt durch päpstliche und kaiserliche Truppen, vor den Toren Kanischas, um die von den Türken eingenommene Festung zurückzuerobern. Weil im Zeughaus zu wenig Rüstungen vorhanden sind, muss der Plattner Georg Matitsch in aller Eile neue Harnische anfertigen. Die Angriffe der Steirer im Oktober 1601 bleiben aber erfolglos, weil Regengüsse den Boden rund um die Burg zum tiefen Morast machen, in welchem die Truppen steckenbleiben, während Erzherzog Ferdinand II. in sicherem Abstand in seinem geheizten Zelt für einen glücklichen Ausgang betet. Viele der Soldaten erleiden traurige Schicklsale: Hans Peyerl aus Weiz, Gregor Kornbauer aus Znaim, Hans Scharffer aus St. Andrä, Gregor Steinbock, Lorenz Henger und Christian Khlößl erleiden Erfrierungen an den Zehen oder Georg Schett aus St. Pölten bricht sich beide Hände. Die steirische Landschaft zahlt ihen aber zumindest eine Entschädigung zwischen 60 und 150 Pfennigen. Letztlich beendet der Wintereinbruch mitt November 1601 die Belagerung, Kanischa bleibt bis 1690 in türkischer Hand und Ferdidnd II. kehrt in die Steiermark zurück: "Von Graetz Erzherzog Ferdinandt / Bracht ein zimbliche Staerck zur Hand / Kam fuer Canischa / die beschoß / Macht manche Tuercken Leben loß / Do9ch must manb wegen grosser Kaelt / Abziehen wider auß dem Feldt."

Der Prior und bedeutende Kartograph des Augustinerklosters in Fürstenfeld, Johannes Clobucciaridi (1545-1605) wird von Erzherzog Ferdinand II. mit der Herstellung kartographischer Landesaufnahmen Innerösterreichs betraut Diese einzigartige erste kartographische Werk über die Steiermark umfast 100 Blatt Handzeichnungen. Clobucciaridi stirbt 1605 auf der Flucht vor den Ungarn.

Erzherzogin Maria von Baiern lässt in der Hofkirche einen neuen hölzernen Renaissance-Hochaltar, den "Güldenen Altar" errichten. Die Landschaft schenkt ihr als "Denkmal der Gegenreformation" das ehemalige protestantische Stiftsgebäude und Spital mit der bereits erstmals 1411 als "Kapelle bei der Murbrücke" erwähnten Allerheiligenkirche, welche sie den Klarissinen zur Adaptierung ihres Klosters "zu Allerheiligen im Paradeis" überlässt. Pietro de Pomis malt dazu das Altarblatt.

Georg Widsmanstetter druckt ein Katholisches Gesangsbuch von Nikolaus Beuttner.

An der Jesuitenuniversität wirkt der Theologieprofessor Martin Antonio Delrio.

1602 Güldener Hochaltar Allerheiligenkirche Catholisch Gesang Buch
Kaiser Ferdinand I. hatte aus seiner spanischen Heimat ein unserem Tennis sehr ähnliches Ballspiel "Jeu de de Paume" mitgebracht, welches sich bald beim Adel großer Beliebtheit erfreute. So wird auch in Graz zwischen 1602 und 1605 direkt neben der Friedrichsburg unter der Leitung von Ballmeister Ferrante Signorini ein 3-geschossiges "Ballenhauß" errichtet. Sehr bald werden die Räumlichkeiten neben dem schnellen Spiel mit Racket und kleinem Ball auch für Theateraufführungen fahrender Schauspieltruppen, Piliar, Kartenspiel und im Fasching vor allem für Tanzveranstaltungen genutzt. Die heutige Bezeichnung für eine "Ball"-Veranstaltung leiten sich von diesem Ballhaus ab.

Bau des mit dem Wappen von Erzherzog Ferdinand II. und seiner Gattin Maria Anna von Bayern geschmückten äußeren Paulustores. Die Bastei zeigt vor- und zurückspringende Mauern, die einen "Orillon", einen gerschützten Mauerwinkel bilden.

1604 Paulustor Paulustor
Paulustor

Aus politischen Gründen fallen, von den Haiducken unterstützt, ungarische Adelige unter der Führung von Stephan Bocskay in die Oststeiermark ein und verheeren das Raab- und Ilztal bis zur Burg Kapfenstein.

Der katholische Pankratz Geyer erwirbt nach der Gegenreformation 1605 ein Radwerk in Innerberg, das vorher im evangelischen Besitz war, und wird Radmeister. 1621 wird er kaiserlicher Waldmeister und Bergrichter zu Eisenerz des Vordern- und Innerbergs und auch des Kupferbergwerkes in Radmer sowie Kirchenprobst. Im September 1623 erhält Geyer für seine 24 Jahre lang geleisteten Dienste die Befugnis, sich „von Geyersegg“ zu schreiben, die „rote Wachsfreiheit" sowie ein eigenes Wappen. 1622 erbaut er das Schlösschen Geyeregg (Geyereck) bei Eisenerz. Sein Sohn Georg tritt 1625 mit seinem auf 10.200 Gulden geschätzten Radwerk der Hauptgewerkschaft bei. Die Geyers waren in Folge als Beamte im Bergwesen.

1605

Freiherr Bernhard Walter von Waltersweil, Oberstallmeister von Erzherzog Maximilian Ernst, errichtet mit Zustimmung der Jesuiten an Stelle des Herrschaftsgutes namens "Leuzenhof" auf dem Austein drei Kreuze und beginnt mit der weiteren Ausgestaltung des Kalvarienberges (calvaria = Schädelstätte) als verblüffend ähnliche Nachbildung des Kreuzigungshügels Golgotha (arm. = Schädel) in Jerusalem. 1655 entstehem die ersten Kreuzwegstationen. Seit dem Besuch von Kaiser Lopold I. im Jahre 1660 ist der „mons calvaria" beliebtes Ziel von Wallfahrern und Prozessionen. Ausgangspunkt der sogenannten "Grazer Bußprozessionen" ist die Domkirche. Von dort führt der Pilgerweg über die Hof- und Murgasse zur Mariahilfer Kirche und weiter durch das Lendviertel bis zur Kalvarienbergkirche und fallweise weiter bis nach Maria Straßengel. Die Distanz diese alten Prozessionsweges entspricht ungefähr der Länge der Via Dolorosa in Jerusalem. Georg Graf von Herberstein erweitert die Kapelle 1653 zur Kirche "Zum Heiligen Kreuz" mit einer Nachbildung der hl. Stiege im Vatikan. Auf der barocken Ecce-Homo-Bühne von Johann Jakob Schoy werden in Tradition des Jesuitentheaters Szenen aus dem Passionsspiel dargestellt. Die Deckenfresken stammen von Anton Jandl, Johann Lederwasch und Matthias Schiffer. Über die Mur wechselt man mit einer Fähre. 1657 sind 8000 Pilger hier, 1660 kommt auch Kaiser Leopold I. und 1667 werden 900 Messen gelesen. Während des 2. Weltkrieges dient das Berginnere als Luftswchutzstollen für 3000 Mernschen.

Der Stainzer Propst Jakob Rosolentz verfasst einen "Gründlichen Gegenbericht" zum Buch von David Rungius, der über die Tyrannei der Katholischen Kirche und Verfolgung des Protestantismus berichtet und die Ereignisse in Garz sowie die Inmhaftierungen auf dem Schloßberg im Detail registriert.

Die schon 1606 genannte „Eybeswalderischen Mühl“ geht 1669 an Maria Isabella von Eibiswald über, die mit Hanns Christof Freiherrn von Rottal vermählt ist. Wenig später übernehmen den Mühlenbetrieb die mit den Rottalern verschwägerten Freiherren von Prank und die mit ihnen versippten Steinbeiß. Im 18. Jahrhundert heißt sie "Obere oder zweite Prankermühle" im Unterschie zur "Haubtmühle", die man "Untere oder zweite Steinbeißmühle" nennt. Der letzte Besitzer beider Mühlen ist Graf Ferdinand Josef von Prank.

1606 Kalvarienberg
Nachdem sich die Franziskaner-Minoriten weigerten, die Ordensregeln der nach Graz gekommenen Observanten (reformierten Minoriten) zu befolgen, müssen die Minoriten aus dem Franziskanerkloster in die Murvorstadt übersiedeln. Unter der Gönnerschaft von Erzherzog Ferdinand II., seiner Gattin Maria Anna von Bayern und Johann Ulrich von Eggenberg erfolgt nach Plänen von Pietro de Pomis der Neubau eines Konventgebäudes und einer barocken Klosterkirche für die Minoriten am rechten Murufer. Als de Pomis für die Fertigstellung des Hochaltarbildes mehr Geld fordert, erblindet er und wird erst wieder sehend, als er Maria um Hilfe anfleht. Die Mariahilferkirche wird bald darauf nach Mariazell zur zweitwichtigsten Wallfahrtskirche und die Mariendarstellung zum Gnadenbild "Mariahilf" der Stadtmutter von Graz. 1607

Mariahilferkirche Mariahilf Mariahilf Mariahilferkirche

In der Hofkirche "Zum hl. Ägidius" findet 1608 sowohl die Beisetzung Erzherzogin Maria von Bayern, als auch die Hochzeit von Cosimo Medici mit Erzherzogin Maria Magdalena (1606-57) statt.

Am 13. Juli 1608 wird Erzherzog Ferdinand Ernst von Österreich, der spätere Kaiser Ferdinand III. (1608-57), in Graz geboren.

Im Fasching spielt die englische Schauspielertruppe des John Green in Graz. Ihre Faus-Aufführung ist die erste urkundlich erwähnte auf dem europäischen Kontinent..
1608 Maria Magdalena Cosimo II. Medici
Der Grazer Handelsmann Matthias Moser kauft im Jahre 1609 ein Eck-Schlösschen der Vorfeldbefestigung der Stadt und gibt ihm den Namen "Moserhof". Auch legt er einen zum St. Peter Friedhof führenden Feldweg an. Als 1828 Josef Althaler, der Direktor des Grazer Theaters, das Schlössl (Moserhof- oder Althallerschlössl) erwirbt, baut er den Friedhofsweg zur Moserhofgasse aus und errichtet dort 31 kleine ebenerdige Häuser, die in der k.u.K. Monarchie von aus der Untersteiermark zugewanderte Bauern bezogen werden, weshalb die Gasse bald als "Windische Herrengasse" bezeichnet wird.
1609

Erzherzog Ferdinand II. eröffnet 1609 das an das Jesuitenkolleg neu angebaute Universitätgebäude in der Hofgasse. Die Wappen Ferdinands und seiner bayrischen Gattin zieren den Eingang. Im Erdgeschoss befinden sich Vorlesungsräume, darüber eine Aula und ein Theatersaal, der unter Maria Theresia in einen riesigen Bibliothekarssaal im Rokokostil umgewandelt wird. Seit 2005 dient er Repräsentationszwecken.

Erzherzog Ferdinand II. bestimmt den "Herzogshof" in der Herrengasse 3 als Wohnsitz für seinen jüngeren Bruder Maximilian Ernst. Pietro de Pomis muss die Fassade des nunmehrigen bemalten "Maximilianischen Hauses" mit Fresken schmücken, die 1710 teilweise vom Grazer Maler Johann Mayer ersetzt werden. Der Name "Herzoghof" leitet sich aus dem Jahre 1360 her, als der damalige Hausherr durch das Privileg Herzog Rudolphs IV. von allen Steuern befreit wird um dafür dem Landesherrn bei den Lehensverleihungen "den Thronsaal aufzustellen", also ihn standesgemäß zu beherbergen.

1610

Die Schüler der Jesuiten-Universität veranstalten die sensationelle Theateraufführung „Wilhelm von Aquitanien“, in der sogar Erzherzog Ferdinand II. selbst mitwirkt.

Christoph Grienberger (1561-1636)
in Hall geboren, studiert in Prag Rhetorik und Philosophie und wird in Olmütz Lehrer für Mathematik. 1580 tritt er in den Jesuitenorden ein, studiert in Wien Theologie und unterrichtet als Mathematiklehrer in Graz. Nachdem er sich im Collegium Romanum in Rom astronomische Kenntnisse aneignet, wird Grienberger 1597 Professor für Mathematik in Graz und lernt hier Johannes Kepler kennen. Als Nachfolger von Christoph Clavius in Rom übernimmt Grienberger dessen Professorenamt mit der Aufgabe der astronomischen Ausbildung des Jesuiten-Nachwuchses. Er schreibt optische und mathematische Werke, konstruiert ein Teleskops und einen Heliotrop (Fernrohr), der die Beobachtung von Sonnenflecken sowie die Erforschung des Planetensystems ermöglicht. Er befreundet sich auch mit Galileo Galilei, dem leitenden Mathematiker am Collegium Romanum. In dessen Auseinandersetzung mit den Kirchenoberen um die Richtigkeit des geozentrischen versus heliozentrischen Weltsystems nimmt Grienberger als bestellter Sachverständiger eine zurückhaltende Meinung ein.

1612
Erzherzog Ferdinand II. ernennt den Bischof von Gurk Johannes VII. (Jacobus Baron v. Lamberg) zum Statthalter und Hofkammerpräsident der innerösterreichischen Regierung in Graz, Aufgrund verschiedener Intrigen und der hohen Kosten für seine Hofhaltung wird er 1621 von diesem Amt enthoben. 1613

Baubeginn des von Ferdinand II. in Auftrag gegebenen Mausoleums, der in seiner Geburtsstadt Graz bestattet werden will, durch den Hofarchitekten Giovanni Pietro de Pomis aus Lodi und Pietro Valnegro. An Stelle eines alten romanischen Karners entsteht auf dem Friedhofsareal eine mittelalterlichen Vorgängerbaues ein monumentales Grabhaus mit der Katharinenkirche und Grabkapelle. Kurz nach Baubeginn wird die Gruft schon zur Grablege für seine im März 1616 verstorbene Gemahlin Anna Maria von Bayern. Gemeinsam mit dem Dom des hl. Ägidius, der Universitätskirche der Jesuiten, prägt das Gebäude mit der ersten, außerhalb Italiens gefertigten, ovalen Kuppel die Silhouette des Stadbildes und wird als "Grazer Stadtkrone bezeichnet.

1614 Mausoleum de.Pomis Mausoleum

Sigmund Friedrich von Trauttmansdorff sorgt 1615 dafür, dass die beiden Bürgerhäuser in der Bürgergasse aus 1525 zu einem Stadtpalais zusammengefügt und daraus das damals größte Grazer Stadtpalais wird. Ein Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg zerstört am 1. November 1944 einen Trakt. Erhalten bleibt das Portal und eine Madonnenstatue. Die Österreichische Urania für Steiermark hat seit 1994 ihren Sitz im östlichen Trakt des Altbaus in der Burggasse.

Erzherzog Maximilian Ernst begründet aus Dankbarkeit am 20. Juni in Graz den Orden der Bamherzigen Brüder. Anlass dazu ist, dass durch die erfolgreiche und als Wunder angesehene Behandlung des aus Wien geholten Chirurgen und Bamherzigen Fraters Gabriel Ferrara die Amputation seines Armes erspart bleibt.

1615 Frater Gabriel FerraraBamherzige Brüder

Unmittelbar vor dem Franziskanerkloster im Muruferbereich entsteht das "Kälberne Viertel" (Neutorgasse), das seinen Namen von den dort befindlichen Fleischbänken hat.

Nach Ehen mit Freiherrn Johann Jakob von Thannhausen, Christoph von Liechtein, mit dem Abt von Rein Ludwig von Ungnad, Freiherr von Sonnegg, Freiherr Carl von Teuffenbach, Graf Ferdinand Salamanca zu Ortenbur sowie der Anklage wegen zauberischer Kräfte heiratet Anna Neumann in Murau ihren sechsten Ehemann, Georg Luwig Reichsgraf zu Schwarzenberg und überschreibt ihm ihre Herrschaft von Murau.

1617 Kälbernes.Viertel Georg Ludwig zu Schwarzenberg Anna Neumann
Erzherzog Ferdinand II. wird 1617 zum König von Böhmen, ein Jahr später auch zum König von Ungarn gekrönt. Am 23. Mai 1618 dringen Anführer des protestantischen Adels in den Prager Hradschin ein und werfen wegen der Beschneidung ihrer Privilegien die beiden obersten kaiserlichen Würdenträger aus dem Fenster (Prager Fenstersturz), der Auftakt zum Dreißigjährigen Krieg.
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Unter dem Jesuitenpater Rektor Wilhelm Lamormaini kommt es zu einer baulichen Umgruppierung in der Hofkirche: So wird ein Verbindungsgang zum gegenüberliegenden Jesuitenkolleg errichtet, ein Dachreiter mit Zwiebelhaube aufgesetzt, die Seitenwände der Kirche durchbrochen, 4 neue Seitenkapellen (Romuals-, Franz-Xaver-, Kreuz- und Mater Dolorosakapelle) an das Kirchengebäude an - sowie 12 Kappellennischen mit Altären eingebaut und durch Pietro de Pomis die neue Sakristei dazugefügt. Der gotische Lettner wird abgerissen, damit - entsprechend den Bestimmungen des Konzils von Trient - ein freier Blick auf den unangetastet geblieben Renaissance-Hochaltar gegeben ist. Ganz im Sinne der Gegenreformation wird auch der größte Teil der prächtigen Innenausstattung gestaltet und die Brauttruhen der Paula Gonzaga als Reliquienschreine aufgestellt.
1618 Ägidiuskirche Hofkirche

Von 1613 bis 1628 Neubau des Eremitenklosters und der Pauluskapelle südöstlich der Stiegenkirche bzw. Filialkirche des hl. Paulus in der Sporgasse durch die Augustiner-Eremiten.

Als König Ferdinand II. (1578-1637) am 28. August 1619 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt wird, verlegt er die Residenz nach Wien, Graz bleibt aber die Hauptstadt Innerösterreichs. Landeshauptmann wird sein ihm vertrauter Freund Hans Ulrich von Eggenberg.

1619

Ferdinand II. Ferdinand II. Eggenberg

Obwohl Protestant, kommandiert der in Graz geborene Rudolph von Teuffenbach (Tieffenbach) am 8. November 1620 eine Abteilung des in der Schlacht am Weißen Berg nahe Prag siegreichen kaiserlichen katholischen Heeres (&bdquot;Katholische Liga") über die protestantischen Truppen („Protestantische Union") mährischer Abgeordneter. Und als Teuffenbach 1623 zum Katholizismus übertritt, dankt ihm Kaiser Ferdinand II. in einem eigenhändig geschriebenen Brief geradezu überschwenglich: "ich wollte Euch Euren Kopf küssen, wenn ich bei Euch wäre."
Zum Dank für den Sieg Kaiser Ferdinands II. in Böhmen verbreitet sich als ein Mittel der Gegenreformation die Tradition, dass adelige Pilder nach ihrer Rückkehr von einer Loretowallfahrt Kapellen nach dem Original von Loreto als Stiftungen nachbauen lassen und Kaiser Ferdinand II. verügt als erster testamentarisch, dass sein Herz unter der Loretokaplle der Augustinerkirche in Wien bestattet werden soll. Damit begründete er die Tradition, dass auch alle folgenden Habsburger ihre Herzen in einer Urne dort bestatten lassen. 1636 erfolgt dann die Weihe der getreu nachgebauten Loreto-Kapelle - des ursprünglich durch Engeln überführten Hauses Marias von Nazareth nach Loreto - in der Grazer Bamherzigenkirche
1620
Kupferstich von „Grätz in Steiermarck - Officium atque Fidem non ulla molestia tardat, Mitgat impositum, non Deus auget, onua. Kein Beschwerung bey Iungn und Altn, Soll Ampc, Deinst: Treuw und Glaubn aufhaltn, Gott vermehrt nicht die Last so schwer, Sondern Er lindert Sie vielmehr." in dem vom Poeten Daniel Meisner (*1585,†1625) und vom Kupferstecher Eberhard Kieser (*1583,†1631) verlegten Gedenkbuch „Poeta Laureatus Caesareus" („Thesaurus philopoliticus" od. „Sciographia cosmica") mit einer Sammlung von Emblemzeichen, Sinnsprüchen in Versform und Stadtansichten.

Im Rahmen des Ausbaues der Bastionen gegen die drohende Türkengefahr wird im Südwesten das 2-stöckige Neutor errichtet und auch das Burgtor erhält sein heutiges Aussehen.
Neutor Neutor Burgtor
Leonhard Götz, Bischof von Lavant, wird Statthalter der Steiermark. 1621  

Kaiser Ferdinand II. heiratet in zweiter Ehe am 2. Februar 1622 in Innsbruck die Prinzessin Eleonore von Mantua (1598-1655), Tochter des Herzogs Vinzenz I. von Mantua.

1622
Hofkammerpräsident Johann Ulrich von Eggenberg wird von Kaiser Ferdinand II. für seine Verdienste in der Katholischen Liga in den Reichsfürstenstand erhoben und Statthalter von Innerösterreich sowie Herzog von Krumau nebst dessen Schloss in Böhmen. In Graz Eggenberg lässt er den ursprünglichen mittelalterlichen Wehrbau "Orthof" durch Giovanni Pietro de Pomis und Laurenz van der Sype zu einem Repräsentationsschloss nach Vorbild des El Escorial in Madrid ausbauen. Der Bau besitzt - als Symbol für strenge Zahlenordnung des mathematisch konstruierten Gefüges des Kosmos - 4 Ecktürme, 365 Fenster, jedes Stockwerk hat 31 Räume und 24 Prunkräume mit 52 Fenstern. Mittelpunkt der Raum-Komposition ist der Planetensaal mit dem aus Salzburg kommenden Hofmaler und bei Carl Loth in Venedig ausgebildeten Hans Adam Weissenkircher geschaffenen Gemäldezyklus, einer Allegorie über das Goldene Zeitalter der Familie Eggenberg, mit 7 Planeten, die gleichzeitig für die 7 alchemistischen Matalle, die 7 Wochentage, die 7 großen Besitzungen der Familie und die 7 wichtigsten Familienmitglieder stehen. Nachfolger als Hofmaler wird Johann Veit Hauckh. Eggenberg Eggenberg Eggenberg Planetensaal
Im Anschluss an den zweiten entsteht der "Dritte Sack", der durch die Sackbastei und das dritte, mit einem 12m hohen Turm und einer 7m dicken Mauerdurchfahrt versehene Sacktor nach Norden (auf Höhe Deutscher Bund) abgeschlossen ist. In ihm gibt es mehrere Badeanstalten mit hölzernen Wannen und sogar ein erstes öffentliches Bad, das mit dem Wasser eines verschmutzten Seitenarms der Mur, dem "Chotmur", versorgt wird. Auch mehrere Mühjlen sind vorhanden.

Haus mit Schleppdach und Schupfwalmgiebel am Schloßbergkai 38 im Dritten Sack.
1625
Ein vom flämischen Architekten Laurenz van der Sype begonnener und vom in Graz geborenen Radierer Wenzel Hollar vollendeter Kupferstich mit dem Titel "GRAECIUM VULGO GRATZ METROPOLIS STYRIAE" zeigt, vom Süden aus gesehen, in Vogelschauperspektive die befestigte Stadt Graz mit ihren Vorstädten. 1626 Gratz

Im Generalmamdat vom 1. August 1628 verfügt Kaiser Ferdinand II., dass der protestantische Herren- und Ritterstand aus der Steiermark ausgewieden wird sowie alle evangelischen Gegenschriften nur mehr im Ausland gedruckt und verlegt werden dürfen.

Um die Zahl der emigrierten protestantischen Adeligen zu ersetzen, holt Kaiser Ferdinand II. 1628 die reformierten Unbeschuhten Karmeliterpatres Gerhard und Johannes Maria von General Pater Domenico a Jesu Maria, der ihm in der bedeutenden Schlacht im 30jährigen Krieg der Katholische Liga gegen die Protestantische Union am Weißenj Berg wertvolle Dienste geleistet hat, nach Graz und stiftet aus Dankbarkeit auf dem 1578 von Erzherzog Karl II. angelegten und von Ulrich Fürst von Eggenberg zur Verfügung gestellten "Platz gegen die Burg" (Karmeliterplatz) das Karmeliterkloster zum hl. Josef. Auf dem Areal der Bürgerin Maximiliane Zollinger errichter der Karmeliter-Laienbruder Carolus die Josefskirche. Die Inneneinrichtung stiften Adelige, wie die Herbersteins, Dietrichsteins oder Intaghis, die als Gegenleistung in den Kellergewolben neben den Weinfässern aus den untersteirischen Rieden eigene Grüfte errichten dürfen. Nach der Klosteraufhebung 1784 beherbert das Gebäude ein Militärspital, 1918 das Landesgendarmeriekommando und 1985 das Steiermärkische Landesarchiv.

1629

Karmeliterkloster

Die Freiherren der Attems werden in Graz in den Reichsgrafenstand erhoben.

Im Mustralhof Am Damm 53 stellt die Familie Mustral von 1627 bis nach 1707 Leder her. Schon anfangs dient dieser Gülthof (Zinsgarten) den Herren von Stürgkh und Gera als Fabrik, die die Wasserkraft des damals nahe vorbei fließenden Mühlgangs als Energiespender nutzen. Bereits am 31. Juli 1630 macht Georg Philipp von Gera, innerösterreichischen Regimentsrat, dem Bürgerspital die Fabrik zum Geschenk. 1645 verkaufen die Barmherzigen Brüdern diese witer an den Lederer und Schuster Jakob Mustral, nach welchem sowohl der Hof als auch die Gasse ihren Namen erhält.

Von der Familie Rucker wird auf dem nach ihnen benannten , dicht bewaldeten Bergrücken „Rukhenperg“ (Ruckerlberg) am Sparberbach die bereits seit dem Mittelalter betriebene Vogelstellerei als Hofvogeljäger ausgeübt.
1630

Der in Ranten bei Murau geborene Reiseschriftsteller Martin Zeiller (1589-1662) wird 1589 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Ranten bei Murau geboren. Im Alter von 11 Jhren muss er mit seiner Familie im Zuge der Rekatholisierung die Haimat verlassen und zieht nach Ulm. Nach dem Gymnasium studiert er ab 1608 in Wittenberg Geschichte und Rechtswissenschaft. Nach seiner Notartätigkeit in Linz begleitet er seinen Gönner, den Graf von Tattenbach, als Hofmeister auf dessen Bildungsreisen. Nachz einem Aufenthalt in Venedig wird er Syndicus der juristischen Fakultät in Padua. Zurück in Ulm wird er Inspektor der deutschen Schulen. Als Schriftsteller verfasst er geografische Wekre, Lexika, Übersetzungen und die 30-bändige „Topographia Germaniae", eine Beschreibung Deutschlands zu der der Kupferstecher Merian die Bilder sticht. Im Zuge eines Graz-Besuches 1632 schreibt er in seinem Buch „Itinerarium Germaniae - Teutsches Reyßbuch durch Hoch und NiderTeutschland": „In den alten Stiftsbrieffen wird diese Stadt Beyrisch-Grätz oder Gränitz genannt, zum Unterschied der Stadt Windischgrätz oder Gränitz, so auch in diesem Lande lieget. Sie ist zwar nicht so groß, aber schön und wol erbaut, und hat schöne und große Vorstädte, und ein schönes wol erbautes Land herum. In dem Wasser Muer ligt sie nach der Länge, und ben, hernach ziehet sie sich etwasgegen dem Berge. Ist ziemlich fest und mit einem Wallund Bollwerken auch schönen festen Thoren, versehen. Sonderlich aber wird das obere Schloß, so hochliget, fast für unüberwindlich gehalten: weilen solche Vestung auf einemBerg, so um und um frey, und felsicht ist, und dem gantzenLand herum gebieten kann. Und ist diese Stadt heutigesTags die Hauptstadt in ganz Steyer, allda auch die Landschaft ihr Land- Haus- und Einnehmer Ampt hat, und die Landtäge alhier angestellet werden. So ist auch da dieInner-Österreichische Regierung, dahin alle Apellationes auß Steyer, Kärnden, Crain, Windischen Marck, und Görtz gehen: Dahero stets ein grosser Adel da wohnet, auch jährlichzzween fürnehme Märckte, oder Messen, zu Mittfasten, und S. Aegidii, deren jeder vierzehen Tage währet, alhiegehalten werden. Der Wein Wachs und Getreidebau ist noch hierum so stattlich nicht, dieweil sich erst die Berge oberhalb anheben voneinander zu thun, darunter dann der Schöckel, oder Desacus, der höchste ist. Und wird unter der Stadt das Feld, so man von der Stadt das Grätzer-Feld nennet, je länger je weiter. Ich hab damahls, und folgender Zeit, zu Grätz nachfolgende Sachen gesehen: und erstlich zwar an Kirchen, 1. beym Eisenthor die Pfarrkirch, zum heiligen Blut genant, darinn ein schöner Altar. 2. Neben der Stadtmauer hin auf kommt man zu einem vornehmen Nonnenkloster, und dar 3. zur Burg- oder S. Aegidiikirche, welche derzeit die Jesuiter innen haben. Hat von aussen ein geringes Ansehen: inwendig ist sie aber aufs Herrlichste, sonderlich aber mit drey schönen, und grossen vergüldeten Altären, gezieret, in welchen Requien von S. Martino und S. Vicencitio seyn sollen. Darüber ist des heiligen Ignatii Loyolae Bildnuß sehr künstlich gemahlet, und mit Steinen versetzt. Auf der andern Seite seyn die Reliquiae S. Maxentiae, und der Arm von S. Agatha, alle in zweyen marmorsteinernen (!) Särgen, und über diesen letztem ist die Bildnuß S. Francisci, so mit dem H. Ignatio, ihres Ordens Stifter, neulich in die Zahl der Heyligen ist gesetzt worden, auch mit Steinen gezieret. Hinten daran hat man eine schöne runde Kirche Kirche mit 3 Thürmen, auf Italienische Art, vor die fürstl. Begräbnusse erbaut, in welcher albereit ihrer Kayserl. May. Ferd. II. erste Gemahlin, Maria Anna, eine gebohrne Hertz. von Beyern, neben der ältesten Herrn Sohn, Herrn Joh. Carolo, ruhet. Gegen gedachter S. Aegidii-Kirchen, so hoch liget, über haben die Jesuiter ein ansehnliches Collegium, daran ihr Conviet und unterschiedliche Schulen seyn. Hab, nach Mönchen, dergleichen, meines Wissens, vorhin nicht gesehen. Sie haben eine öffentliche und privilegirte hohe Schul, und einen ansehnl. Saal, darinnen Doctores pflegen gemacht, und andere actuspublici celebrirt zu werden. Es ist eine große Freqwenz alda von Studenten. 4. Bey dem Muerthor ist vorhin der Lutherischen Kirch und Gymnasium, die Stift genannt, gewesen, so zu einer schönen Kirchen, und zu einem daranstoßenden Nonnenkloster S. Clarae gemacht worden. Auf der andern Seite des Thores, auch gegen der Muer, haben 5. die Franziskaner ein schönes Kloster. Außer demselben Thor in der Vorstadt, haben &. die Fratres Misericordiae oder die Heilbrüder, ihre Wohnung, in welcher Kirche 14 Bette vor die Kranken stehen, denen sie Fleißig abwarten. In dem Garten siehet man die Bildnuß ihres Ordens Stifters, nehmlich Johannes Die so zu Zeiten des Ignatii Loyolae soll gelebt haben. Besser hinaus ist das Bürger-Spital, und gegenüber die S. Andrae Kirche und Freud-Hof, oder Gottes-Acker, in welchem viel Lutherische Herren, Frauen und Fräulein begraben ligen, und ihreEpiaphia haben: unter welchen ich ein Teutsches gesehen habe. Vor dem Sackthor wohnen 8. die Monoriten, und vor dem Pauliner Thor haben die Kapuziner ihr Kloster. Zum Andern, von andern Gebäuden hab ich alhie besichtigt 1. Die Burg oder fürstliche Residentz in der Stadt, nahend der Jesuiten Kirchen, darin ihre Kaeyserliche Majestät vor diesem hofgehalten. Der Bibliothecarius hat mich in die fürstliche Bibliothecam geführet, so in zweyen Zimmern. In dem ersten hat es ein schönes Uhr Werk. In dem andern seyn etliche geschriebne und denckwürdige Sachen vom Haus Österreich, und darunter eins Folio, darin zugleich die Wappen derjenigen, so von Anfang hero, biß auf unsere Zeit, und also über die 3000 Jahr, Österreich und Steyer sollen regiert haben. Der Gang, oder die Gallerie, darvor ist mit alten Gemäldenvon Keysers Caroli V. Thaten geziert. Gleich daran ist diefürstliche Kunst-Kammer, in welche ich aber nicht kommenkönnen, wiewol obgemeldter Jesuit für mich angehalten, und sich was über die Incivilitet desjenigen, so darzu den Schlüssel hatte, alterirt hat. Soviel ich von aussen durch die Fenster hinein sehen können, so ist es ein weitläuffiges großes Wesen: und sagte mir der Pater, daß etliche heidnische Götter darinnen, so die Amerikaner angebehtet haben, welche aus Hispania dahin gebracht worden seyn. Nahend dieser Burg ist das fürstliche Zeughaus. So haben auch die hochlöblichen Landstände in dero ansehnlich erbautem Landhause, in der Herrengasse gelegen, ein Zeughaus, welches mit großen Stücken, Rüstungen und Munition ziemlich versehen: aber Schad ist es, daß alles so eng beysammen sein und übereinander ligen muß. Drittens hab ich obgedachte Vestung, oder das Ober-Schloß, auf gnädige Eerlaubnuß des Herrn Burg-Grafens, Herrn Sigmunden Gällers, Freyherrn, seliger Gedächtnuß zu sehen bekommen, so eine Zeit hero, wie auch die Stadt selbsten, an unterschiedlichen Ohrten, etwas mehr als zuvor gewesen, fortificirt worden. Es seyn in diesem Schloß stets in die 60 Soldaten, und ist solches mit allem wol versehen: hat bey die 100 kleine und große Stücke, darunter die zwey grössesten, eins ein Türckisches, das andere so 1529 gemacht worden, welches die Türcken schon einmahl in ihrer Gewalt gehabt, und die Bildnuß Christi darauf zerstümpelt haben. In einem Thurn hab ich das Horn gesehen, welches man alle Morgen und Abend treten thut, so von vielen Pfeiffen gemacht ist. In einem andern Thurn hangt die große Bethglocke, so die alte Ertzhertz. dahin verordnet hat, die alle Morgen um 7 Uhr geläutet wird. Es hat dieses Schloß eine große Weite, und etliche Plätze, innen. Ist auch da eine Capelle für die Soldaten darbey ein Stück von einem Elephantenkopf gewiesen wird. Es hat auch etliche Roß- und Handmühlen: item einen sehr tiefen Brunnen , darauß man den Widerhall artig hört, der ist stets beschlossen, dami man solchen Nothfall rein und sauber haben könne. Unten in der Stadt bey dem fürstl Marstall war damals ein Tygerthier zu sehen. H. Georg Gäller, Freyherr und Kriegs-Rechts Präsident tc. alda, hat eine herrliche Bibliothec von allerhand unterschiedlicher Faculteten Büchern in 2 Zimmern, dergleichen bey einem Herr Dieses Lands vielleicht nicht wird zu finden seyn, so wol zu sehen. Das Hasenhaus zu Grätz ist schöner, als das zu Wien, und seyn alhie der Hasen unterschiedl. Aufzüge, und Haushaltungen, ordentlicher, als an jenem, abgetheilet; welches abermahl vor die fürwitzigen gesetzt wird, damit sie nicht, daß etwas vergessen worden, sonderlich an Wahrzeichen, zu klagen haben.

1632 Martin Zeiller

Am 11. März trifft der sächsische Ritter Georg Christoph von Neitzschitz per Schiff in Graz ein. In seinem Handbuch vermerkt er über Graz folgendes: "Dies Festung liegt auf einem Felsen, der Höhe nach der zu Preßburg in Ungarn fast gleich erbaut, ist überaus fest und stark, hat vil Pasteyen und war dieser Zeit mit 100 Soldaten besetzt. Oben sind drey Brunnen, davon einer sein Wasser aus der Mur, so unten vorbey fleußt , hat, ist so tieff, daß man wohl gar ein Vater unser ausbethen kann, ehe ein Stein hin abfallet. Gegen der Stat ist der Felß gar, auf der andern Seite aber, wo er ans Land hänget, ist er vom Lande mit einer tieffen Krufft abgeschnitten. Oben auf dem Wall stehen in dreyen Wachhäusern, an beiden Ecken und in der Mitten Soldaten, welche offt die Uhr schlägt, ein jeglicher eine Glocke anziehen, die flugs bey ihm im Wachthause hänget, und einen Lösungs-Schrey thun muß, also daß sobald der eine nur den Mund zuthut, der andere flugs mit seiner Glocke und Geschrey antwortet. Unten liegt die Stadt Grätz, welche die Hauptstadt und Residentz der Ertz-Hertzogen von Österreich in Nieder Steuermarck und ziemlich groß und wohl erbauet ist, also daß man gleichwohl eine Stunde haben muß, wenn man herumgehen will. Due Muer fleußt gar nahe beyhin, würüber eine lange Brücke in der Vorstadt gehet, auf welcher in die fünffzehen Krahm Laden sind. Unterm Schlosse ist ein Thiergarten, in welchem diesmal Tammhirsche giengen. Um die Stadt umher sind acht Pasteyen von gebranten Steinen, wie auch die Stadtmauer von solchen Steinen ist. Auf den Pasteyen stunden diesmal 36 Stücke alle mit Dächern besonders verwahret, und hat die Stadt vier Thore: Das Sack.Thor, an welchem wir bey unserer Dahinkunftt vorbey gefeahren, und ist dreyfach, das Unter- Mittel- und Ober Sack-Thor. Das Ober ist bey dem Muer Thor, hernach ist wieder noch ein Muerthor ausserhalb bey der Pastey; Das andere Stadt Thor ist das Eisen-Thor ist sehr fest und gantz mit Eisen beschlagen: Das dritte ist das Pauls-Thor, deren auch 2 hinter einander, eins aussen, das andere innen. Der Graben ist tieff hat aber kein Wasser, außgenommen bey dem ersten Muer-Thor bis an das Eisen-Thor. Das eusserste Sackthor ist von der Festung ab mit einer Mauer umschlossen, wie auch das Pauls-Thor. Damals war Jahrmarckt allda welcher drey Wochen währet und darft sich in der Zeit niemand schlagen bey hoher Straffe. Sobald aber der Marckt wirder außgeläutet ist mag einer kühnlich seine revange suchen."

Im Rahmen des Neubaues der Kirche zum hl. Paul (Stiegenkirche) der seit 1588 in der Sporgasse ansäsigen ansässigen beschuhten Augustinereremiten erhärtet ein gemachter Fund von „nicht wenigen Menschenknochen“ die Ansicht,, dass sie St. Pauluskirche „auf der Stiege" die ursprünglich erste Grazer Pfarrkirche war.

Ein Stich von Daniel Manasser zeigt eine übersteigerte Grazer Turmlandschaft.Mehrmals,

1633/34 und 1645, grassiert der aus Ungarn eingeschleppte "Schwarze Tod" in Graz.

1633
1634.Graz

An der einzigen mautpflichtigen Grazer Murbrücke ist am Beginn der Murvorstadt der Gasthof "Zum Roten Igel" (heute Hotel Wiedler) nachweisbar.

Erzherzog Ferdinand Ernst, der spätere Kaiser Ferdinand III. (1608-1657), am 13. Juli 1608 in Graz geboren, wird von 1637 bis zu seinem Tode 1657 Nachfolger seiner verstorenen Vaters Ferdinand II. als römisch-deutscher Kaiser. In seinen späteren Jahren üerlässt er die Staatsgeschäfte weitgehend dem ebenfalls in Graz geborenen Graf Maximilian von und zu Trauttmansdorff.

Von 1637 bis 1642 lehrt Pater Habakuk Paulus als Professor für Mathematik an der Jesuitenuniversität in Graz. 1577 in Meis bei Sargans.in der Schweiz als Sohn protestantischer Eltern geboren, erlernt er das Goldschmiedehandwerk, konvertiert mit 20 Jahren zum Katholizismus und studiert anch dem Eintritt in den Jesuitenorden in Rom Philosophie und Mathematik. Von 1618 bis 1619 weilt er bereits erstmals als Beichtvater im Krankenhaus der Bamherzigen Brüder und in der Ägydius-Jesuitenkriche in Graz. Nach seiner Wiederkehr aus Wien veröffentlicht er in seinem Hauptwerk „Centrobarycae" erstmals seine Guldinische Formel zur Berechnung von Rotationskörpern. Mit Johannes Kepler steht er im Briefverkehr, ist an der Verbauung und Befestigung der Mur beteiligt und setzt sich für die Seuchenopfer der Pest ein.

1637 Trauttmansdorff
Reichsfürst Johann Anton I. von Eggenberg (1615-1649), Herzog von Krumau und Graf von Gradisca, Aquileia und Adelsberg, dient wie sein Vater Hans Ulrich von Eggenberg treu dem Kaiser und reist in dessen Auftrag als Gesandter nach Rom, um Papst Urban VIII. in gebührender Weise die erfolgte Thronbesteigung von Kaiser Ferdinand III. anzuzeigen. Die verschwenderische Prachtentfaltung des von ihm aus eigenen Mitteln finanzierten Prunkzuges soll alles bisher in Rom Gesehene übertroffen haben. 1638

Johann Anton Fürst von Eggenberg vollendet das Prunkschloss und ehelicht in Regensburg die Prinzessin Anna Maria von Brandenbrug-Bayreuth.

Der Postverwalter Eustachius Khan erhält als Erster die Erlaubnis zur Herausgabe einer Zeitung in Graz, dem "Wiener Blatt".

1639
Elisabeth Katharina Freifrau von Galler, die Burgherrin („Schlimme Liesl") der Riegersburg, lässt am Glockenspielplatz 7 das Ertelsche Haus, heute („Carolinenhaus") errichten. Der Orientalist Joseph Hammer-Purgstall verfasst über sie den Roman („Die Gallerin auf der Riegersburg). 1640
Bei einem längeren Aufenthalt in Graz greift Kaiser Ferdinand III die Idee seiner Eltern auf und seine Frau Maria Anna von Spanien stiftet den „Unbeschuhten Karmelitinnen" am Kälbernen Viertel am Fischplatz ein Kloster mit der Kirche Mariä Verkündigung. 1782 wird das Kloster als erstes von Joseph II. aufgehoben und dient als Militär-Knabenerziehungshaus, Militärspital, Quartier für französische Kriegsgefangene sowie Monturdepot bis 1934 der gesamte Gebäudekomplex abgerissen und zum vergrößerten Fischplatz wird, während die Karmelitinnen 1836 versuchen, die Waldkapelle "Maria Schnee" am Fuß des Rosenberges in der Grabenstraße erwerben, dann unweit davon den Konvent samt Kirche des hl. Joseph bauen. Der Platz trägt seit 1947 den Namen „Andreas-Hofer-Platz" und dient heute als zentraler Busbahnhof. 1641
Nach Plänen des Tessiner Baumeister Antonio Solari wird an Stelle des Radmanndorf'schen Hauses das neue, füngeschossige Zeughaus errichtet, in dem die Ausrüstung für 16.000 Mann Platz findet. Die Nischenfiguren neben dem Eingang zeigen Mars und Minerva. 1642

Zeughaus Zeughaus

Veit aus der Scharfrichterfamilie der Mosers übt als Freimann in Graz den unehrenhaften Beruf des Henkers aus. Ala solchem ist es nur ihm erlaubt, am Rande der Gesellschaft nahe der Stadtmauer im Reck- oder Marterturm (Ecke Rauber- Kaiserfeldgasse) zu wohnen, in dem sich auch die Folterkammer befindet. Als Kennzeichen seines Berufes trägt er einen roten Flor am Hut sowie eine Halskrause. Bei den hochnotpeinlichen Befragungen werden verschiedene Folterwerkzeuge verwendet, um von den Gefangenen Geständnisse zu erpressen: Daumenschrauben, Schädelquetsche, Marterbrett, Streckleiter, Judaswiege, Eiserne Jungfrau. Henkerhaus
Nach der Niederlage des kaiserlichen Heeres gegen die Schweden im mährischen Jankau flüchtet Kaiserin Maria Anna samt ihrer Familie nach Graz. Ihr ältester Sohn Erzherzog Ferdinand Franz wird in die Studierenden-Matrikel an der Jesuitenuniversität eingeschrieben. 1644

Schreiben an Kaiser Ferdinand III.: "Dem Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten und überwürdlichsten Fürsten und derer Herrn Ferdinandoden Dritten Erwehlten Römischen Kayßer zu allen Zeiten mehrerndes Reichs in Germanien, zu Hungarn, Bohaimb, Dalmatien, Croatien und Slawonien König, Erzherzogen zu Österreich und Kärndten, Herzogen zu Burgundt, Steyer, Krain und Württenberg, in Ober- und nider Schlesien Markgraven Zu Mähren, in Ober- und nider Lausnig, Graven Zu Herb Pürg, Tyrol und Görz. Unserem allergnedigsten Herrn und Erblandtsfürsten. Gr: 1. April 1648"

Ferdinand Joseph gefürsteter Graf Dietrichstein, Erbland-Jägermeister im Herzogtum Steiermark, stiftet auf dem von Gräfin Kinsky geschenkten Grund den Kapuzinern einen, dem hl. Johann Baptist geweihten Klosterneubau am Graben (heutige Grabenkirche). 1656 vermählt er sich in Graz mit Maria Elisabeth Prinzessin von Eggenberg.
Gleichzeitig gestattet Christoph Freiherr von Eibiswald den Brüdern am Mühlgang die Errichtung einer Tuchwalke, mit der sie alle Kapuzinerklöster Innerösterreichs mit Kleidung versorgen.

Drei Pestjahre fordern allein im Unterland 10000 Menschenleben.

1648 Schreiben an Kaiser Ferdinand III.  

Errichtung des Hainrichperg'schen Bürgerhauses (seit 1887 Bärenapotheke) in der Herrengasse mit einer lebensgroßen Sandsteinstatue der Madonna mit Kind.

Aufgrund eines fehlenden Theatergebäudes darf das Ensemble des Johann Vaßheuer im Ballhaus neben der Burg auftreten. Es folgen weitere Schauapielertruppen wie die von Johann Wohlhaben, Peter Schwartz oder Andreas Elenson.

1650  

Der Herrschaftssitz der Rosenberger, der palaisartige "Rosenhof" (später "Rosenegg"), wird von den Jesuiten als Sommerrefektorium übernommen.

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Christian Wolfgang Herdtrich (1625-1684) wird in Graz gebgoren und triit 1641 in die Gesellschaft Jesu ein. 1656 wird er für die chinesische Mission im Fernen Osten ausgewählt und arbeitet zuerst zwei Jahre auf der Insel Celebes und danach ab 1660 in den chinesischen Provinzen Macao, Kiangsi, Shan-si und Ho-nan. 1671 wird Herdtrich als Mathematiker an den Kaiserhof von Peking berufen und gehört zu der Gruppe gelehrter Jesuiten, mit denen sich Kaiser Kang-he umgibt. Herdtrich verfügt über profunde Kenntnisse der chinesischen Sprache und vermittelt mit seiner Übersetzung des Buches ​​„Konfuzius, Sinarum Philosophus"Europa erste Einblicke in die Lehren dieses chinesischen Weisen. Herdtrich ist auch Autor eines ersten chinesisch-lateinischen Wörterbuchs (Wentse-Ko).

1654 Jesuitenrefektorium  Rosenhof
Erzherzog Leopold V. folgt am 2. April 1657 dem an Pocken verstorbenen Kaiser Ferdinand III. nach und wird am 18. Juli 1658 zum römischen Kaiser Leopold I. gewählt.

Grundriss der steirischen Hauptstadt mit ihrem noch immer fortifikatorischen Zustand.

Am 2. August geht über dem Grazer Feld ein verheerendes Unwetter mit faustgroßen Hagelkörnern in der Form von Totenköpfen nieder. Der Präsident des Innerösterreichischen Geheimen Rates, der Seckauer Bischof Johann Markus IV. von Altringen, ist der Meinung, dass dabei Zauberei im Spiel sei und fordert vom berüchtigten Bannrichter Johann Andreas Barth die Ausrottung aller Schuldigen. Unter Folter gestehen zwei Kirchendiebe, die Bettler Max Ruprecht und Sebastian Kögl, die Blutschande mit der Mutter, den Verkauf gestohlener Hostien an Juden sowie die Schuld am Gewitter. Als Mitttäterin geben sie die bekannte Wirtin Susanne Prandtauer ("die Prandtauerin") des gut gehenden Gasthauses in der Sporgasse 12 an, welche vermummt an einem Treffen mit dem Teufel am Schöckl teilgenommen hätte, wo sich die Hexen aus ganz Mittelsteier trafen und einen Topf mit einem Koch (Brei) so tief in ein Loch aingegraben haben, wie sie später als die Hexen sich in schwarze Raben verwandelt, die Hagelschloßen auf Graz niederprasseln ließen. Einer der Männer wird wegen Zauberei zum Tode verurteilt und hingerichtet.
1657 Graz.Grundriss

Der Epigrammatiker Lepald Adam von Lebenwaldt studiert in Graz Philosophie und - da es in Graz keine medizinische Fakultät gibt - in Padua Medizin, wo er 1652 zum Doktor der Medizin promoviert. Als Landschaftsmedicus für das Enns- und Paltental sowie Leibarzt des Abtes von Admont tritt er gegen Kurpfuscherei und Aberglauben auf und wird wegen seiner Verdienste als Pestarzt von Kaiser Leopold V. 1659 geadelt (Adam Johann Christoph Lebald von und zu Lebenwaldt) und 1679 zum Dichter (Poetus lauretus) gekrönt. Von ihm erscheinen unter dem Titel „Poetische Schimpf- und Ernstreden" eine Sammlung von Epigrammen, das Schäfergedicht „Der poetische Frühlings-Spaziergang", fast 200 lyrische Verse „Von dem Lobwürdigen Stand deß lustigen Mayrschafts-Leben", acht „Tractatel von deß Teufeld List und Betrug" zur Aufklärung des auswuchernden Teufelsglauben, eine „Damagraphia oder Gemsenbeschreibung" oder ein umfangreiches „Land-Stadt- und Haus-Artzney-Buch".

Feierliche Erbhuldigung von Kaiser Laopold V. vom 23. Juni bis 20. August 1660 in Graz. Von Wien kommend wird der Kaiser im Norden von Graz in St. Gotthard von den Ständen empfangen und in einem prächtigen Einzug nach Graz geleitet. Am 5. Juli wird ihm dann durch alle Landleute vom Herren- Ritter- und Beamtenstand gehuldigt. Neben dem Kaiser und seinem Hofstaat sind auch Erzherzog Leopold Wilhelm, der regierende Herzog von Mantua, die spanischen und venezianischen Gesandten und zahlreicher Adel anwesend. Am 20. August verlässt Leopold I. samt seinem Tross Graz zu weiteren Huldigungen in Frohnleiten, Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Unzmarkt nach Kärnten, Karain, Görz unjd Triest. Seine Rückreise erfolgt am 15. Oktober über die untersteirischen Städte Cilli, Marburg, Pettau, Ehrenhausen und Wildon nach Graz. Zum Andenken an die Anwesenheit des Kaisers lässt der Abt von St. Lambrecht in St. Gotthard bei Graz durch Baumeister Domenico Sciassia die Kirche St. Veit erbauen.

1659  

Nahe bei Graz, in Hirtenfeld, wird 1660 der Komponist Johann Joseph Fux geboren. Nach seinem Studium an der Universität in Graz wird er in Wien Hofcompositeur, Kapellmeister im Stephansdom und Musikdirektor am Kaiserhof.

Feierliche Erbhuldigung von Kaiser Laopold I. vom 23. Juni bis 20. August 1660 in Graz. Von Wien kommend wird der Kaiser im Norden von Graz in St. Gotthard von den Ständen empfangen und in einem prächtigen Einzug nach Graz geleitet. Am 5. Juli wird ihm dann durch alle Landleute vom Herren- Ritter- und Beamtenstand gehuldigt. Neben dem Kaiser und seinem Hofstaat sind auch Erzherzog Leopold Wilhelm, der regierende Herzog von Mantua, die spanischen und venezianischen Gesandten und zahlreicher Adel anwesend. Am 20. August verlässt Leopold I. samt seinem Tross Graz zu weiteren Huldigungen in Frohnleiten, Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Unzmarkt nach Kärnten, Karain, Görz und Triest. Seine Rückreise erfolgt am 15. Oktober über die untersteirischen Städte Cilli, Marburg, Pettau, Ehrenhausen und Wildon nach Graz. Zum Andenken an die Anwesenheit des Kaisers lässt der Abt von St. Lambrecht in St. Gotthard bei Graz durch Baumeister Domenico Sciassia die Kirche St. Veit erbauen.

1660

Im Zuge des Ausbaues von Graz zu einer mächtigen Stadtfestung mit einem Festungring von 10 Bastionen und einem Stadtgraben wird zur nötigen Sturmfreiheit die Schaffung eines von Häusern und Gärten freien Raumes, eines Glacis, notwendig. Ganze Häuserreihen der Grazer Vorstadt werden dem Erdboden gleich gemacht.

Erstmalige Erwähnung des ursprünglich dem Zisterzienserstift Neuberg gehörenden Palais Dobler am Südtirolerplatz sowie des Gasthofes "Kleiner Elefant" am Franziskanerplatz mit den Sandsteinskulpturen eines Elephanten am Hauseck und eines Bären als Prellbock.

Kapuzienerpatres dert Klöster St. Anton und Graben errichten am Rosenberg eine erste kleine Eremitage.

1663

 

Anlässlich der schweren, aber gesunden Geburt ihres Sohnes lassen Hanns und Rosina Friz, geb. Graßl, zum Dank an jener Stelle, wo ihr Kind ein Steinchen hinwarf, 1663 die Kirche "St. Maria in der Grien" errichten.
Das christliche Allianzheer unter Graf Raimund Montecuccoli kann gemeinsam mit Landeshauptmann Graf Siegmund von Trautmannsdorff, Graf Moßheim, Graf von Hohenlohe, Leopold Wilhelm von Baden, Coliony.Saliony, Graf Urssenpeck und Johann von Sporck am 1. August 1664 bei Mogersdorf einen neuerlichen Vorstoß der unter Großwesir Achmed Köprülü aus Ungarn anrückenden 400000 osmanischen "Renner und Brenner" gegen die Steiermark stoppen. Aus Verbitterung über die Niederlage schlägt der Großwesir seinen Anführern, den Agas, eigenhändig die Köpfe ab. Zur Erinnerung wird 1671 am Karmeliterplatz eine aus türkischen Kanonenkugeln gegossene Mariernsäule aufgestellt.

1664

Montecuccoli
Mogersdorf

Maximlilian Gandolf Graf von Kuenberg wird 1622 in Graz geboren und studiert anfänglich auch in Graz. 1664 wird er Bischof des Bistums Lavant, 1665 von Seckau und schließlich von 1668 bis 1687 als Kardinal Erzbischof von Salzburg. Er erbaut die erste Wallfahrtskirche in Maria Plain und erlässt zahlreiche bemerkenswerte Verodrnungen, unter anderem eine Ruhe- und Sicherheits-, eine Almosen, eine "Sauerkeits"-Ordnung sowie die Einführung eines "Bettelkatasters". Im Sinne der Gegenreformation verbietet er die Verbreitung "ketzerischer" Bücher, lässt die Protestanten des Osttiroler Defreggentales vertreiben und deren Kinder im katholischen Erzstift "umerziehen". Er ist an zahlreichen Hexenverbrennungen beteiligt, so auch am "Zauberer-Jackl-Prozeß", bei welchem 133 Deliquenten, fast alle Bettler und Landstreicher, durch Folter zu Geständnissen erpresst und hingerichtet weren. Mit dieser Vorgangsweise beabsichtigt er, die Auswüchse des Aberglaubens und des Bettlerwesens zu bekämpfen. 1665
Abt Franz von Kaltenhausen lässt anstelle des 1620 erworbenen Rauberhofes in der Raubergasse 10 durch den aus Rovereto stammenden Domenico Sciassia ein Stadthaus für das Benediktinerstift St. Lambrecht. Wegen Verschuldung wird das Gebäude bereits 1684 um 27.000 fl. an Jacob Graf von Leslie verkauft und nach dem Besitzer als "Lesliehof" bezeichnet. 1811 wird darin durch Erzherzog Johann das „Joanneum" untergebracht.
Der Soldat und Reiseberichterstatter Matthias Puel aus Steyr schreibt in seinem unter dem Titel „Itinerarium thalassicum das ist: Newe Raiß- und Meeresbeschreibung“ herausgegeben Buch über Graz von: "wolgestalten und familiaren Weibsbildern. ... Es hat sich in Graz noch kein eigener Volkscharakter ausgebildet, wie z.B. in Wien; doch ist der gemeine Mann, der Masse nach, mehr ernsten Sinnes, wenig lebhaften Temperaments und ziemlich gleichmütig. Er geht mit klarem Verstande, ohne hitzige übertreibung gerade auf sein Ziel los, ist gutmütig, offen und ehrlich, obwohl er diese Eigenschaften nicht zur Schau trägt. Der Körperbau der Bewohner ist mittelgroß, kräftig, untersetzt, ihr Knochensystem vorzüglich entwickelt, das Gesicht rundlich, die Nase selten gebogen, der Hals etwas dick, der Brustkorb breit und gewölbt. Die körperliche Entwicklung geht jedoch ziemlich langsam vor sich und 20jährige junge Leute haben bei der Rekrutierung sehr häufig noch nicht das Normalmaß. Mangel an gehöriger Entwicklung und unheilbarer, gewöhnlich kleiner Kropf sind die Hauptgebrechen. Ein großes Kompliment machten die Fremden in früheren Zeiten dem weiblichen Geschlecht in Graz und ein zur Zeit der Invasion in Graz weilender Franzose verstieg sich zu folgendem geistreichen Calembourg: 'C'est la ville des Graces sur la riviere de l'amour.' Im großen und ganzen jedoch vermißt man seit Dezennien bei dem weiblichen Geschlechte jene Frische, Zartheit und ein lebhaftes Incarnat des Teints, das einen Teil weiblicher Schönheit bildet. ... Der Menschenschlag im Bezirk Graz Umgebung, besonders an der rechten Murseite ist im Allgemeinen ziemlich schön, groß, gesund, kräftig, das Volk ist intelligent und sehr arbeitsam. An der linken Murseite kömmen Kröpfe nicht selten vor, jedoch keine Kretinen."

1666

Johann Graf von Saurau tötet im Zweikampf Freiherrn Albrecht von Ratmannsdorf.

1668

 
Carl Gottfried Graf Breuner (1619-75), edler Herr zu Staatz, Freiherr zu Stübing, Fladnitz und Rabenstein, Herr der Herrschaften Ehrnau, Kammerstein, Kaisersberg, Waldschach, Weinburg, Ragitscha und Arnfels, Erbkämmerer in Österreich unter der Enns und der Grafschaft Görz sowie Hofkammerpräsident, Besitzer des Stadtpalais Breuner in der Stempfergasse in Graz, erwirbt 1969 das zur Pfarrkirche von Mautern gehörige Grundstück Salberanger, um darauf ein Franziskanerkloster samt Kirche "in honorem St. Barbarae" zu stiften. Am 27. Oktober 1669 findet die feierliche Grundsteinlegung durch Raimund Abt von Admont statt. Carl Gottfried Graf von Breuner erlebt die Fertigstellung des Baues nicht mehr, da er an einem "Schlagfluß den 23. July 1675" in Graz verstirbt. Kurz nach der Weihe der Kirche 1676 wird er in der dortigen Familiengruft bestattet. Erbe seiner großen Herrschaften wird sein Neffe, Carl Weichard Graf von Breuner, der Sohn seines Bruders Ferdinand, 1669
Nachdem den durch Graf von Herberstein gerufenen Augustiner-Barfüßern von der Regierung in der Leonhardstraße ein Klosterbau verboten wird, ziehen sie zum Münzgraben und errichten dort ihr Kloster. Hier wirkt auch der berühmte Barockprediger Abraham a Santa Clara, der 1680 auf dem Hauptplatz seine berühmte Predigt hält: "In dem Dantz seynd die Weiber ganz närisch, im Dantz gantz frech, im Dantz gantz ausgelassen, im Dantz gantz unverschämt, im Dantz gantz gail, im Dantz gantz vermessen, im Dantz gantz erhitzt, im Dantz gantz resolut, im Dantz gantz offentherzig, im Dantz gantz verhurt."

1670

Abraham.a.Santa.Clara

Mit dem Ziel der Unabhängigkeit Kroatiens wird unter der Führung des Banus von Kroatien, Graf Petar Zrinski, des Palatin Franz Vesselenyi, des Hofrichters Franz von Nadasdy, des Markgrafen Fran Krsto Frankopan, des Fürsten Franz von Rakoczy und des steirischen Statthalters Johann Erasmus Graf von Tattenbach eine gemeinsame Magnatenverschwörung bedeutender ungarischer, kroatischer und steirischer Adelsfamilien gegen die Habsburger aufgedeckt und die Beteiligten hingerichtet. Der 37jährige Landesstatthalter Graf von Tattenbach, der auf persönliche Vorteile hoffend mit den Verschörern konspiriert, wird - vom eigenenöffentlich Kammerdiener verraten - verhaftet, des Hochverrats für schuldig befunden und öffentlich vor dem Grazer Rathaus geköpft. Dies gelingt dem Henker erst im dritten Versuch.

 

1671

Graf Tattenbach Tattenbach

Im Sack von Graz bricht eine Feuersbrunst aus. Sackbrand

Mit der Heirat von Kaiser Leopold I. ("Türkenpoldl"1640-1705) und Claudia Felicitas, der Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Tirol, am 14. Oktober 1673 erlebt Graz eine Glanzhochzeit: Nach einem festlichen Empfang in St. Gotthard bei Graz durch die Stände und den Abt von St. Lambrecht, Farnz von Kaltenhausen, erfolgt am 11. Oktober 1673 der festliche Einzug ins beleuchtete Graz. Am nächsten Tag legt der Kaiser den Grundstein zum Klosterbau der Augustiner-Barfüßer im Münzgraben. Anschließend zieht er seiner Braut Claudia Felicitas nach Gratwein entgegen, um sodann am Abend im Schloss Eggenberg prunkvoll empfangen zu werden. Am 15. Oktober 1673 wird das Brautpaar in Begleitung von 90 sechsspännigen Kutschen zur Hofkirche St. Egidy gefahren, wo der päpstliche Nuntius in Anwesenheit von 18 Bischöfen die Trauung vollzieht. Die Hochzeitstafel findet in der Burg statt und ganz Graz ist festlich beleuchtet. "Aller Schmuck war Hochfürstlich, war Königlich, die Räume von Stuckethor=Arbeit als mit weissen Alabaster überzogen, welche zum theil umbher vergultet, innwendig aber mit den allertrefflichsten Gemählten außgeziehret waren, deren Köstlichkeit und Kunst alles übrige bey weitem übertraff." (ein Chronist)
Michael Franckenberger berichtet in einer Schrift über den Einzug der „Frauen Claudia Felice römische Kaiserin zu dem Kayserlichen Beylager" in Graz.

Der englische Arzt und Reisende Edward Brown besucht 1668-69 die mineralreichen Regionen von Hungaria, Serbien, Bulgarien, Mazedonien, Thessalien, Österreich, der Steiermark, Krain und Friaul und berichtet in seinen in London erschienenen Briefen über Beobachtungen bezüglich der Mineralschätze von viel Gold, Silber, Kupfer, Quecksilber, über Bäder und Mineralwasser sowie über markante Orte und einige Gewohnheiten.

1673

Claudia.Felicitas 1674.Graz

Größter steirischer Hexenprozess in Feldbach - darunter die Frau des Verwalters der Riegersburg, die „Blumenhexe" Katharina Paltauf - werden der Hexerei beschuldigt und am Scheiterhaufen verbrannt. 1674
Der Kapuzinerprediger Amandus von Grätz wird in der Zeit zwischen 1675 und 1689 dreimal Guardian des Antoniusklosters neben dem Paulustor. 1675  

Sigmund Ludwig Khuenburg lässt 1676 in der Sackstraße ein nach ihm benanntes Palais errichten, in welchem 1863 Erzherzog Karl Ludwig und seine Frau Prinzessin Maria Annunziata Quartier nehmen und am18. Dezember Thronfolger Franz Ferdinand das Licht der Welt erblickt.

Bereits im 12. Jahrhundert bringen Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land einen Splitter des Heiligen Kreuzes nach Graz und stellen diesen in einer Kapelle „Zum heiligen Kreuz" aus. Daraus entwickelt sich die Wallfahrtsstätte „Heiligen Kreuz zum Landestrost" mit einem dazugehörigem Spital für kranke Pilger. Als 1480 die Türken die Kirche niederbrennen, wird der nun kahle Berg „Purberg" (pur) genannt. 1676 bekommt Freiherr von Wilfersdorf von seinem Bruder, einem Mönch in Rein, eine Muttergottesstatue geschenkt, die er in seinem kleinen Schlössl am Berg aufstellt. Viele Pilger suchen Trost bei der Marienstatue: So wird ein junger Bursche von dem Fluch, seine Schuhe bis zu serinem Lebensende löchrig zu treten, befreit, nachdem er eine Hexe zum Tanz aufgefordert hatte. Auch wird ein Fleischergeselle aus Wien nach einem schweren Arbeitsunfall wieder geheilt. Nächster Besitzer des Anwesens wird dann Franz Caspar Canduzzi, Edler von Heldenfeld, der für die Statue eine der hl. Anna und den hl. Joachim geweihte Kirche erbauen lässt, die zuerst den Namen „Maria Trost am Joachimsberg" trägt, später „Heilige Maria zum Landestrost" genannt wird.

1676 Palais Khuenburg Purberg

Die Schwester Kaiser Leopold I., Königin Leonore von Polen, besucht Graz. Ihr zu Ehren werden im früheren Jesuitenrefektorium am Rosenberg Schauspiele aufgeführt.

1677
Eine Notiz in Peinlichs „Geschichte des Kollegiums“ (1678) erwähnt, dass in der Jesuitenkirche unter der ganzen Länge des Kirchenchores eine Gruft mit 120 Grabstellen für die Jesuiten erbaut und die ganze Kirche neu mit Marmor gepflastert wird.
Bei späteren Ausgrabungen fanden sich in den links und rechts vom Mittelgang befindlichen, vorne mit Ziegelsteinen zugemauerten Grabhöhlungen 4 goldene calices (Büchsen) mit den Herzen von Fürsten. Restliche Gebeine füllen ein unten in der Mitte befindliches Sammelgewölbe.
1678

Der in Basel geborene und in Frankfurt am Main ansässige Kupferstecher Matthäus Merian verlegt zusammen mit seinen beiden Söhnen Matthäus d. J. und Caspar ab 1624 die "Topographia Germaniae". Dieses größte Werk der damaligen Zeit umfasst schlussendlich 30 Bänden mit Kupferstichen von insgesamt 2142 Ortansichten. Darin enthalten auch die 1679 erschienene "Topographia Provinciarum Austriacarum", zu der Martin Zeiller die Texte verfasste: "Diese Statt / so das Haupt deß gantzen Landes / sonsten aber in Unter-Steyer / an dem Hauptfluß der Muer / gelegen ist / In den alten Stifftsbrieffen wird diese Statt Bayrisch Grätz geheissen; wiewol solchen Nahmen für Windisch hält / als der ins gemein eine Statt / oder Burg bedeute; Es ist zwar Grätz kein grosse / aber schön und wol erbaute Statt / so feine grosse Vorstätte / und ein hüpsches wolgebautes Land herum hat. An dem besagten Wasser der Muer liegt sie nach der Länge / und eben / hernach ziehet sie sich etwas gegen dem Berg. Ist zimlich fest / und mit einem Wahl / und den Bollwercken / auch schönen starcken Thoren versehen. Sonderlich aber wird das Obere Schloß / so hoch auff einem Berg lieget / der um und um frey / und felßechtig ist / und dem gantzen Land herum gebieten kan / fast für unüberwindlich gehalten."

Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, genannt der Stifter (1643-1709) ist von 1679 bis 1687 Bischof von Seckau und von 1687 bis 1709 Fürstbischof von Salzburg. Er baut Salzburg zu einer prachtvollen Barockstadt aus. Von Bernhard Fischer von Erlach lässt er die Kollegien-, Ursulinen-, Dreifaltigkeitskirche und Schloss Klessheim erbauen.

Die Mönche der Kartause Seitz in Cilli besitzen auch in Graz in der Frauengasse eine Niederlassung, den Seitzerhof. Ihr Prior wird sogar zum Prälaten mit Sitz und Stimme im steirischen Landtag erhoben.

1679 Graetz

Mit dem Amtsantritt von Landeshauptmann Georg Christian von Saurau bricht in Graz neuerlich die orientalische Beulenpest aus: Ein fremder Flößer stirbt in der Murvorstadt mit hohem Fieber und schwarzen Beulen in den Achselhöhlen. Und obwohl die Stadttore geschlossen sind, breitet sich die Seuche auch in der Stadt aus. Im März wütet die die Pest in St. Veit, im Mai müssen 3 Häuser in der Murvorstadt gesperrt werden, im Juni bricht sie mitten in der Stadt, im Domspergerischen Haus am Hauptplatz und im Rathaus aus, im Juli und August sterben in der Schörgelgasse und im Münzgraben 346 Personen und am Grätzbach werden 43 Bewohner impestiziert. Die Pestärzte kämpfen in ihrer Schutzausrüstung, den gewachsten, schwarzen Stoffmänteln und den Schnabelmasken mit Augenöffnungen aus Glas und dem charakteristischen, mit Wacholder, Zitronenmelisse, Minze, Kampfer, Gewürznelken, Myrrhe und Rosenblättern gefüllten Schnabel gegen den „Schwarzen Tod". Die Grazer rufen die 8 Nothelfer, Maria, Sebastian, Rosalia, Rochus, Franz Xaver und Joseph, an, halten Prozessionen ab und errichten sogenannte Pestsäulen. Auch Kaiser Leopold I. spendet 1680 eine bronzene Dreifaltigkeitssäule mit den Sockelfiguren der Schutzpatrone des hl. Rochus und des hl. Sebastian, die zuerst am Beginn der Sackstraße, jetzt am Karmeliterplatz steht. Vier Jahre lang wütet der "Schwarze Tod", fast ein Drittel der Einwohner der Stadt erliegt der Seuche. Die insgesamt 5000 Personen werden in Pestgruben außerhalb der Stadtmauern Iim heutigen Volksgarten und Stadtpark) bestattet.

Der Augustiner-Barfußer-Mönch Abraham-a-Sancta Clara, mit bügerlichem Namen Ulrich Megerle aus Schwaben, der mit rund 600 Einzelschriften als bedeutendster deutscher katholischer Prediger der Barockzeit gilt, wird in das Augustinerkloster St. Anna am Münzgraben berufen, wo er 7 Jahre lang bleibt, zuletzt als Prior. 1680 hält er vor der Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz seine erste Predigt: „Denk zurück, mein Grätz, wie anno 1680 der wütende Tod hier auf einem falben Pferd durch alle Gassen gesprengt, durch Muhr-, Stämpfer-, Sporgasse, bis er endlich in eine Grube gefallen und den Hals gebrochen. Ja, in die Gruben, die man im ersten Sack ausgehoben, um diese Dreifaltigkeitssäule darin aufzustellen. Da hat der Tod den Rest bekommen. Was er aber am meisten hasst, sind 'die Weiber und die Juden, das Volk der Gottesmörder'. 'In dem Dantz seynd die Weiber gantz närrisch, im Dantz gantz frech, im Dantz gantz ausgelassen, im Dantz gantz unverschämt, im Dantz gantz gail, im Dantz gantz vermessen, im Dantz gantz erhitzt, im Dantz gantz resolut, im Dantz gantz offenher, im Dantz gantz verhurt". Einige weitere seiner Zitate: „Der Wein ist eine Medizin, wenn er aber ohne Manier getrunken wird, ist er ein Gift / Dürres Holz brennt besser als grünes Holz / Schönheit ist wie eine Blume, heute vor dem Busen, morgen vor dem Besen / Ein schwerer Beutel macht leicht eitel / Ein zänkisches Weib ist wie ein immer durchtriefendes Dach / Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man Fröhlichkeit und muntere Sprünge, im Hintergrund findet sich aber Galle / Wenn das Schwein am fettesten ist, hat es der Metzger am meisten zu fürchten / Sitzt die Maus im Speck, so piept sie nicht". Die 1683 verfasste und publizierte Predigt „Auff, auff ihr Christen", in der er von Graz aus zum Kampf gegen die Türken ausruft, dient Friedrich Schiller als Vorlage für die Kapuzinerpredigt in „Wallensteins Lager".

1680


Pestmaske  

Prinz Johann Anton II. Joseph von Eggenberg (1669.1717) lässt als Votivgabe gegen die Pest in Eggenberg die barocke Vierzehn-Nothelfer-Kirche erbauen.
Der gebürtige Tiroler Priester und Topograf Georg Matthäus Vischer ist von 1673 bis 1684 in der Steiermark tätig, wo er 1681 sein mit 463 Kupferstichen bestücktes Hauptwerk, die "TOPOGRAPHIA DUCATUS STYRIAE", herausgib ("Graz Die Haubt statt in Hertzogtum Steyer", "Gratz die Haubt-Statt in Steyermarck", "Die Haubt Vestung vnd Statt Graetz wie Sie denen aus Krabatten vnd windischen Marckh Kommenden zu sehen vor Kombt", "Die Haubt Vestung Graetz wie sie denen von wienn vnd Salzburg Komenden sich erzeiget". 1681 Georg Matthäus Vischer Matthäus Vischer
Merian Gratz Gratz Vischer Vischer
„Graz um 1683", Nachstich von Kupferstecher Folbert von Allen-Alten.  
Der Komponist Johann Joseph Fux, der 1660 nahe bei Graz in Hirtenfeld als Bauernsohn geboren wird und am Zisterzienserstift Rein als Sängerknabe musiziert, beginnt sein Studium an der Jesuiten-Universität in Graz und tritt in das von Erzherzog Karl II. gestiftete Internat des „Ferdinandeums" als Zögling ein, um bei Feierlichkeiten der Hofkirche St. Ägydius als Sänger und Instrumentalist mitzuwirken. Ab 1696 geht er nach Wien, wo er nach einer Begegnung mit Kaiser Leopold I. Organist in der Schottenkirche, 1698 Hofcompositeur und Kapellmeister im Stephansdom und schließlich 1715 Hohkapellmeister am Kaiserhof wird, eines der wichtigsten Ämter im europäischen Musikleben der damaligen Zeit. In seiner Kontrapunktlehre „Gradus ad Parnassum", einem großartigen Werk des Hochbarocks, schreibt er rückblickend über seine Musikanfänge: „Zur Zeit, als ich noch nicht im vollen Gebrauch meiner Vernunft war, wurde ich durch die Heftigkeit ich weiß nicht welches Triebes hingerissen, es richtete sich all mein Sinnen und Trachten auf die Musik".   Fux
In der Münzgrabenstraße wird im Jahre 1682 der Vorgängerbau der Münzgrabenkirche, die St. Anna-Kirche, eingeweiht, die mit dem Kloster der Augustiner Eremiten, dann der Jesuiten und zuletzt der Dominikaner in Verbindung steht. 1944 wird sie durch eine Bombe zerstört. 1954 wird auf diesem vom nationalsozialistischen Regime als Gauzentrum geplanten Areal die neue, moderne Fatimakirche errichtet. 1682

Ernst Rüdiger von Starhemberg, der am 12. Jänner 1638 in Graz das Licht der Welt erblickt, seine Jugendjahre im elterlichen Haus verbringt und nach Beendigung seiner von Jesuiten geleiteten Studien die übliche Belehrungsreise, die sogenante Cavalierstour, unternimmt, ist ein schon mit Montecuccoli in Kriegen gegen die Franzosen und Türken ein bewährter Militätführer. 1683 übernimmt er das Oberkommando in der Residenzstadt Wien und wird als deren erfolgreicher Verteidiger bei der Zweiten Türkenbelagerung zum Helden. Mit rund 13000 Mann und 8000 Freiwilligen der waffenfähigen Bürger-, Studenten-und Handwerkermilizen steht er 280000 Türken unter der Führung von Großwesir Kara Mustapha gegenüber. Zwei Monate lang verteidigt Starhemberg die Stadt bis das Entsatzheer unter König Jan III. Sobieski zur Hilfe kommt und das türkische Heer in die Flucht geschlagen werden kann. Der dankbare Kaiser Leopold I. ernennt ihn zum Feldmarschall und Conferenz-Rath, beschenkt ihn mit 120000 Reichstalern und gibt ihm das Recht, den Stephansturm in seinem Wappen zu tragen.
Beim Rückzug der vor Wien vernichtend geschlagenen Türken brandschatzen und verheeren diese mit den verbündete Kuruzzen (türk, khurudsch, Kruzitürken, Aufständische) unter Emerich Tökölys das Grenzgebiet im Osten der Steiermark.
Hier kämpft der Hauptmann der krainischen Miliz, Johann Weichard von Valvasor (1641-1693), der schon mit Ban Nikolaus Zrinski (1629-1664) in den Jahren 1663 und 1664 in Ungarn mehrere Waffengänge gegen die Türken führte. Valvasor wird im habsburgerischen Herzogtum Krain als Freiherr von Galleneck und Neudorff geboren. Schon in jungen Jahren erwirbt er sich aufgrund seiner Reisebeschreibungen („Die Ehre des Herzogthums Crain") samt Kartenmaterial durch Europa und Afrika den Ruf eines Univeralgelehrten. In seiner „Topographia Archducatus" finden sich zahlreiche Kupferstiche des in Graz lebenden Niederbayern Andreas Trost (1657-1708) für den er auf seinem Schloss Wagensberg (Bogensperk) eien eigene Kupferwerkstatt einrichtet. Sein Lebenswerk "Iconotheca Valvasriana", eine topographische Sammlung in 17 Bänden führt dazu, dass er schon zu Lebzeiten in die Londoner Königliche Gesellschaft aufgenommen wird.

1683


Graf Sigmund Joachim Trautmannsdorf wird bei den Jesuiten in Graz und Wien erzogen ist mit 15 Jahren im Kürassierregiment von Piccolomini, kämpft untr Rüdiger Graf Starhemberg in Ungarn und ist 1684 in der Schlacht von St. Gotthard Adjudant von Montecuccoli. Er erbt das Schloss Trautenfels am fuße des Grimmings, wo er sich vom Oktober 1684 bis Jänner 1685 aufhält. In dieser Zeit weilt er wegen einer Erbschaftsangelegenheit auch in Graz und berichtet in seinem Tagebuch: „Den 1. October 1684 langte ich Mittags in Gräz an und logirte im guldenen Hasen ein. … Alsdann gieng ich bei den Franziskanern Messe hören, nach dem Essen besuchte ich etliche Cavaliere und Abends die Gräfin von Rindsmaul, die im Kindbette lag.Den 3. Vormittag gieng ich vor das Thor spazieren, aß zu Mittag bei dem H. Kammerpräsidenten Graf Franz von Dietrichstein, allwo ich noch Mittag eine Zeitlang spielte; gegen Abend gieng ich die Gräfin von Purgstall besuchen, so im Kindbette lag, allwo die Zeit auch mit Spielen verzehrt wurde. Den 4. Vormittag besuchte mich Graf Carl von Saurau, ich fuhr als dann in die Kirchen und im Herausgehen übergab ich dem H. Landeshauptmann ein Memorial wegen der Einantwortung des Gutes Trautenfels. Nach dem Essen besuchte ich meine Basin die Gräfin Trautmannsdorf, und am Abend spielte ich bei Graf Rindsmaul a l’hombre. Den 5. zu Mittag aß Baron Malovetz bei mir; nach dem Essen besuchte mich Graf von Saurau mit dem ich vor die Stadt spazieren fuhr, und Abends spielte ich bei Graf Sigismund von Stubenberg. Den 6. ging ich Vormittag vor das Murthor spazieren; Dann ging ich vor das Thor Lerchen schießen und spielte Abends bei Graf Rindsmaul à l’hombre. Den 7. kam H. Johann Franz Niderl zu mir, welcher mir wegen der Weingärten in Luttenberg und Radkersburg Bericht gab; alsdann früstückte ich und ritt diesen Tag noch 3 Posten bis Bruck an der Mur, allwo ich über Nacht blieb." Am 5. November fährt er nochmals nach Graz, wo er mit amtlichen und gesellschaftlichen Besuchen bis 30. November beschäftigt ist. Gelegentlich eines Besuches bei Graf Attems am 29. November wird er Zeuge, „wie man 2 Bergknappen, die eine Rebellion angefangen, auf dem Platze decolletirte."

1684
Der berümte Barockbaumeister, Johann Bernhard Fischer von Erlach, wird am 20. Juli 1656 in Graz, im Haus Nr.4 (heutige Fischer-von-Erlach-Gasse) geboren und am selben Tag gegenüber in der Stadtpfarrkirche zum Heiligen Blut getauft. Er erlernt bis 1670 das Handwerk des Bildauers von seinem Vater Johann Baptist Fischer sowie dessen Lehrherrn Sebastian Erlacher. Mit 14 Jahren bricht er zu einem Studienaufenthalt nach Rom auf. 1686 zurückgekehrt, vollendet er im Auftrag von Kaiser Leopold I. mit dem Hochaltar und den Entwürfen der Stukkatur das Mausoleum Kaiser Ferdinands II., ehe er nach Wien weiterzieht, um dort das Schloss Schönbrunn und die Karlskirche zu erbauen.
Die Stuckarbeiten selbst werden von Josef Sereno, Girolamo Rossi und Antonio Quadrio ausgeführt, die Kuppelfresken der Katharinenkapelle von Matthias Echter, die Fresken im Langhaus von Franz Steinpichler - eine Aotheose an das Haus Habs
burg - zeigen den glorreichen Sieg von 1683 über die Türken in Wien.
In dieser Zeit schaffen viele, wie Fischer von Erlach, in Italien ausgebildete Künstler bedeutende Werke des Hochbarocks in der Steiermark: Matthias Echter, Matthias von Görz, der aus Tirol stammende Johann Cyriak Hackhofer, Philipp Carl Laubmann, Max Schokotnigg, Johann Jakob Schoy oder Josef Taddäus Stammel.
1686 Fischer von Erlach Mausoleum

Wegen der Notwendigkeit einer Erziehungseinrichtung genehmigt am 30. März 1886 Kaiser Leopold I. die Niederlassung der Ursulinen in Graz. Die ersten 4 Klosterfrauen beziehen ein Haus am Fischplatz, richten eine Kapelle ein und eröffnen am 24. Juli eine Schule. Neben der gründlichen sittlich religiösen Erziehung stehen folgende Fächer auf dem Stundenplan: „Teitsch und lateinsich, leßen und schreiben samt unterschidlicher Handarbeith, stickhen, strickhen, näyen, kleckheln, dänzerl arbeith, auch raiten und französische Sprach." Bald wird das Heim am Fischplatz zu eng und man übersiedelt zunächst in das Werthische Haus gegenüber der Mariahilferkirche, um dann im "Mittleren Sack" 5 Gebäude zu erwerben und 1702 zu einem geschlossenen Klosterkomplex samt Ursulinenkirche (heute Dreifaltigkeitskirche) durch Bartholomäus Ebner umzubauen. 1891 erfolgt ein Neubau in der Leonhardstraße, der am 11. September 1900 von Fürstbischof Dr. Schuster eingeweiht wird.
Aus dem schwäbischen Anhausen bei Augsburg wandern die Brüder Josef und Jakob Seel nach Graz ein und eröffnen am Murplatz (Südtirolerplatz) eine Bäckerei., die sie nach einem davor wachsenden Weinstock "Weinrebenbäck" nennen. Die strenge Grazer Backordnung zur Kontrolle von Qualität und Gewicht schreibt vor, dass das Brot nur auf den vor dem Rathaus aufgestellten Tischen verkauft werden darf, der Direktverkauf nur den Vorstadtbäckern außerhalb der Stadt erlaubt ist. Wird gegen die Vorschriften verstoßen, erfolgt die Verurteilugn zum "Bäckerschupfen", bei dem der Deliquent, in einem Weinkorb hängend, mehrmals in die Mur getaucht wird. Josef Seel, ein guter Schwimmer, soll einmal dem Käfig unter Wasser entkommen sein. 1765 gründet er mit den damals weiteren 32 Grazer Bäckern das "Bäckermühlen-Konsortium", um Beanstandungen auf das schlechte Mehl der Müller abzuschieben. 1771 übernimmt sein Sohn Matthäus die Bäckerei und wird insgesamt drei Mal zum Vorsteher der Bäckerinnung gewählt. 1688
Abraham a Sancta Clara hält im Münzgraben seine berühmte „Teufelspredigt“: „ ... Das Heiraten gleicht dem Fischen. Mancher fischt und bekommt einen stattlichen Haufen, eine gute Hausfrau, welche ihr Brot nicht ißt im Müßiggang. Ein Anderer fängt einen Karpfen, eine Reiche, mit welcher er einen Roggen zieht. Dieser fischt und fängt einen elenden Weißfisch, welcher voll Gräte ist; und jener gar eine giftige Schlange. Das Heiraten gleicht einem Glückstopf. Manche zieht und erhält einen Kamm, welcher die tüchtig zauset. Diese zeiht einen Schwamm, einen Säufer, welcher niemals trocken wird. Jene erhält Würfel, einen Spieler, welcher alles durchbringt und die Kinder an den Bettelstab versetzt. ... Manche läßt sich durch Schönheit blenden, ohne des Sprichworts sich erinnern: Schönheit vergeht, Tugend besteht. Wenn die Schönheit des Körpers wäre wie die Kleider der Israeliten in der Wüste, welche in 40 Jahren sich nicht abnutzen, allein manche hat ejtzt goldene Haarer, bald maßt sie sich wie eine alte Bruthenne. Die Augen sind glänzend schwarz, aber bald werden sie triefend, und rot, wie die gewissen Tauben. Die Wangen sind voll, und lieblich, aber bald werden sie einfallen, wie ein leerer Dudelsack. Die Nase ist schön geformt, alabastern, aber bald wird sie ein alter Kalender, welcher immer nasses Wetter anzeigt. Der mund glänzt wie Corallen, aber bald wird er einer gerupften Blaumeise gleichen. Der Wuchs ist schön, aber bald geht er in Trümmer, wie die alabasternen Büchsen der Magdalena. Tugend besteht, aber Schönheit vergeht. ... Es ist aber solches Tanzen und Lust darzu nichts anders als eine Anzeigung äußester Leichtfertigkeit, Zunder zu aller Üppigkeit, Reizung zur Unzucht, der Schamhaftigkeit zuwider, Ehrbarkeit abhold. ..."

Auf Betreiben der Stifterin Gräfin Maria Theresia von Wagensperg, geb. Liechtenstein, kommen am 19. Oktober aus Düren drei Schwestern (Maria Clara Haß,Maria Josepha de Rupe, Maria Anna Vettweiß) in die Grazer Vorstadt und gründen das Kloster zum hl. Laurenz und Krankenhaus der Elisabethinen.

Johann Adam von Montzelo berichtet über den „Erb-Huldigungs Actus im Herzogthum Steyer: Wie solcher Ihro Röm. Kays. Leopoldi Primo. Als ErbLands-Fürsten in Steyer in aigner Hochen Person in der Haub-Statt Grätz von denen Ständen gmainer Landschaft daselbst, nach altem Löblichen Gebrauch und Herkommen, praestiert und abgelegt worden. Den 5. Iuli 1660isten Jahrs. Ingleichen auch Was gestalten. Röm: Kay: May: von besagten Land-Ständen in Steyer empfangen worden. Alles mit Erlaubnuß Deß Herrn von Stubenberg/Herrn auf Kayserberg. Wie auch Deß Herrn Johann Carls, deß Heiligen Römischen Reichs Grafen von Saurau. Auß denen von der Lands Obrigkeit Consultirt: und Revidirten Actis gezogen" sowie den Empfang Kaiser Leopold I. am 5. Juli 1660 in Graz.

Blödsinnige und halbnärrische gibt es in der Stadt Grätz und ihrer Gegend gar nicht selten. Diese Geschöpfe - ein Mittelding zwischen Mensch und Vieh - werden hier Troteln, Tapeln oder Talken genannt. Der Boden, auf dem sie vorzüglich Gedeihen finden, ist der Grätzbache. Fast jedes Haus hat einen blödsinnigen Sohn oder eine halbnärrische Tochter aufzuweisen. In manchen findet man gar 3 Troteln, die bis an ihr Ende den vollkommenen Gebrauch der Vernunft nicht erhalten. Viele davon sind ganz stumm, andere reden zwar etwas, oder bellen und krähen vielmehr, aber so unartikuliert, daß sie selbst von ihren eigenen Eltern nicht verstanden werden." (Skitze von Grätz)

1690

Bamherzigenspital Elisabethinenspital

Landeshauptmann Georg von Stubenberg (1667-1703) erbaut in der Hans-Sachs-Gasse das Palais Stubenberg.

Fürst Johann Seyfried von Eggenberg (1644-1713) ermöglicht durch seine Stiftung ab 1691 nach Plänen von Johann Carlone den Bau des Sommerrefektoriums mit dem Minoritensaal im Westtrakt des äußeren Hofes des Minoritenklosters.

1691

Von 1692 bis 1693 bereist der 23jährige bairische Bildhauergeselle Franz Ferdinand Ertinger aus Immenstadt auch die Steiermark: „Gräz, die Haubtstadt des Herzogtmbs Steiermarckh hatte vor uralten Zeiten den Nahmen Florena geführt, nachgehent wurde sie Sauana genandt; als sie aber von den hunischen Diranen Attila von Grundt aus zerstert worden, ist ihr auff windischer Sprach der Nahmen Graz beygelegt worden, welches so viel als eine Stadt haist. Solche ligt an dem Fluß Mur, ist an sich selbst zwahr nicht übrig groß, ist aber schen, lustig und wohl gebaut, auch ziemlich fest mit einem gemauerten Wahl und Bohlwerkh, auch vesten Thoren, deren an der Zahl 5, als da ist das Murdohr, neudor, Eisendor, Paulusdor und dann Sackdor wohl versehen. Die Stadt zieht sich in die Runde an einem freien felsigen Berge herumb und ligt auf erwhntem Berg ein vor menschlichen Augen unüpberwindliches Schloß und man nur auf einem Wege in das Schloß kommen kann, welches der Statt zum Schutz gedeihen kann, und ist vohrmals, ehe solches also befestigt worden, der Türckh ein ganzes Jahr davor gelegen, doch ohnverrichter Sachen mit Spott davon abziehen müssen. Ich bin dreimahl in solche Realvestung eingelassen worden, ist mit einem kaisserlichen Comendanten und Besatzung belegt, geht ein verborgener Gang nach der Stadt herunder in die landtsfürstliche Burg., darinen unser allerdurchlauchtigster, glorwürdigster, höchst löblich regierenter römischer Kaisser Leopoldus Magnus sein anderes Beylager mit Claudia Felicitas Erzherzoging aus Österreich den 15. October a. 1673 gehalten. Ohnfern der Burg steht das landtsfürstliche Zeughaus, wie auch das Münzhaus, dann in der Herrengassen ist zu sehen das Landschaft Zeughaus, daranaußerhalb Mars Gott des Kriegs und die Göttin Pallas weit überlebensgroß und eine von den besten Statuen in Graz. Gleich daran ist das Landthaus, allwo ein Präsident, Landtshauptmann und Marschall nebst anderen Landtherrn und gräfflichen Standtpersonen consolieren und Rath halten. Dann auf dem großen Plaz, allwo man zu Ehren der Allerhayligsten Dreyfaltigkeit eine Säule sambt den allerhayligsten Personen in Feur vergult, dann unden herumb auf einer Gallerie die Statt-. und Pestpatronen von Sandstein zu sehen hat, steht das Rathaus, darin die vorgesetzte Rathsherren und Burgermaister ihre Zusammenkunfft und Rath halten, jeoch wird allzeit ein Graff als Statthalter über sie gesetzt. Im entfernten Rathhaus ist den 11. November a. 1671 der Graff Dattenbach seines Verbrechens halber und zwahr mit ohnglückhlichen Straichen enthaupt worden. Anbelangend die Klöster und Gottshäuser als ist erstlich zu sehen in der Statt das Jesuitten Collegium, allwo das Studium und Dabey die Universitä und in deren Kirch neben anderen Künsten ist ein Salvator Peter und Paulus lebengroß von dem kunstberiembten Bildhauer Spindlbaur zu sehen; dann ist das schene Gottshaus und Kloster der Herren P.P. Carmeliteran zu sehen; dann an dem Schloßberg ein feines Capuziner Closter und zierlicher Garten, wie dann auch in der Sporergassen das Closter der Eremitarum ordinis s. Augustini. Dann in den ersten Sackh die Ursulinen, dann bei dem Murthor das Franziscanerkloster, wie auch gegenüber dero Ordensklosterfrauen dem hayl. Geist, dann gleich außerhalb in dem Kälber-Viertl das gesperte Closter und schene Kirch der Carmeliter Closterfrauen, in welchem Hochalldarbladt des kunstberiehmten Mahlers Johann Adam Weiskirchner Handt wohl zu sehen. Dann ist in der Herrengassen die Pfahrkirch und Stift, dann ohnfern davon ist das Clösterl, allwo die Dominikaner Ordens Closterfrauen wohnen. Aus der Statt geht man über die Murbruckh in die sogenannte Murvorstatt, welche Schenheit und Größe halber eine Statt zu vergleichen, weillen viel gräfflichen Palatium, Lust- und Gottsheuser darin stehen. Sie prangt auch mit dreyen Clöstern, als da ist das Minoriten Closter und die schene Maria Hilffskirchen, welche eine schene Faciata hat, auf italienische Manier erbaut; es ist das künstliche Hochaltarbladt darinnen die gnadenreiche Himmelfahrt Mariae abgebildet wohl zu sehen, bey welchem viel Mirackhel und Wunderzaichen geschehen, aber solches Bladt nur zu hohen Festen öffentlich gesehen wirdt. Das ander ist der Herren P.P. Domincaner neuerbautes Kloster und schene Kirch. Das drite der Frater Misericordiae, welche die Kranckhen auswarten und ein Hospitaln mit vielen Bettstatten bestellet haben. Deren Ordenfundator ist der heil. Johannes Dey, in deren Kirch, darin ein Krucifix, so der Kunst halber wert zu sehen, steht die lauretanische Capelle, allwo alle Wochen große Gnaden und Abläß zu erhalten sein. Außerhalb der Vorstatt, eine halbe Stundt durch lustigen Spaziergang weiter hinaus an dem Weingebirg steht des Fürsten Stammenhaus Eggenberg, ist ein neues Schloß unter den alten erbaut, ist mit einem tiefen Graben, darin wilde Schweine, umgeben. In diesem Schloß gibt es auch fürstliche Gemächer und schene Wohnungen darin vohler kunstreicher Mallereyen und anderer Zihrlichkeiten. In einer andern Vorstatt, der Münzgraben genannt, ist ein Augustiner Barfüßer Closter, welches ein schens und ganz neu erbautes Closter und sehenswerter Kirch. Diese Vorstatt ist mehrist von gemeinen Leithen bewohnt. In der dritten Vorstatt Graben in dem Weingebiet ist noch ein ganz neuerbautes Closter S. Francisci Ordens. Es steht ohnfern davon eine uralte Johaniter Ritter Ordens Kirch, welche die ältiste in ganz Graz sein soll. Allhier in dieser Statt habe ich bey Herrn Johann Baptist Fischer bürgerlicher Bildhauer in dem Judengässel vierzehn Dag in Arbeit zugebracht.

1693

Unter dem Einfluss Palladios stehend, errichtet Joachim Carlone für Sigmund Graf von Stubenberg unter Einbeziehung der alten Stadtmauer das monumentale Palais Welsersheimb (Ecke Hans-Sachs-Gasse/Eisernes Tor) mit einem von toskanischen, ionischen und korinthischen Pfeilern begrenzten Stiegenhaus. Ab 1810 ist das Gebäude im Besitz von Graf von Welserheimb, 1812 wohnt der Bruder Napoleons, Louis Bonaparte hier. 1694

Der steirische Volksprediger Kapuzinerpater Amandus von Grätz (1637-1700). Guardian des Kapuzinerklosters St. Antonius auf der Stiegen, geißelt in seinen mit tausend Geschichten und Histörchen gewürzten Predigten mit dem ganzen Freimut, der zu dieser Zeit einem Ordensmann erlaubt ist, die Schwächen und Laster seiner Zeit in der der Kirchgang mit dem Hören der Predigt einen festen Bestandteil des sozialen Lebens einnimmt. Über seine Kanzeltätigkeit in der Steiermark schreibt er: „wo ich allerley Stands-Persohnen / von höchern / Studenten / von Bürgern / Verheyrath / Ledigen / Handwerck- von Dienst- und Bauers-Leuthen ... zu Zuhörern gehabt." Seine Sammlung von Fastenpredigten erscheinen unter dem Titel „Von der Geistlichen Schlaffsucht", „Seelen-Wayde der Christlichen Schäffeln", „Von dem Gewissen", „Von der Menschlichen Seele", „Von der Christlichen Himmelfahrt gen Himmel", „Fasten-Bancket der Christlichen Seelen".

Von Andreas Trost mit Kupferstichen versehener Predigtband des Predigers und Pfarrers von St. Radegund, Johann Andreas Graff, für Fürst Johann Seyfried von Eggenberg: „Galleern in Engelland, Erster Theil und Anderer Theil (in einem Band). Mit Vier und Dreyßig Galleotten. Das ist Apostolischer Eifer, in sich haltend 34 Festival-Predigten auf die Fest-Tagen und Solemnitäten durch das ganze Jahr. Dadurch das allgemeine Seelen-Heyl in das obere Engelland der Auserwählten Gottes zu beförderen. Durch den Wohl-Erwürdigen Joannem Andream Graff." Gedruckt 1695 in der Grazer Offizin Widmanstetter. Weitere Werke "Geistlicher Schatzkasten", "Marianischer Ehren-Schall", "Geistlicher Bein-Stock", "Acht Seeligkeiten, oder Acht-facher Weg, auf welchem die liebe Auserwählte in den Himmel gangen seynd", "Letzte und äußerste Hülffe".

Fünf Fastenpredigte des "Capuciner Predigers der steyrischen Provinz" Aemilianus von Grätz (1660-1728), Guardian des Klosters in Radkersburg "Göttllicher Gold-Gruben Reichfliesende Ader", "Göttliche Catechistische Catholische Lehr".

1695
Der Jesuit und Professor der Ethik und Philosophie an der Grazer Universität Dr. Johann Macher (1661-1704) verfasst mit seinem Werk „Graecium inclyti ducatus Styriae metropolis topographice descriptum“ die erste genaue geschichtlichlich-topografische Darstellung von Graz. In der Druckerei „Widmanstetters Erben“ in Folio erschienen, schildert er auf 90 Seiten in 4 Büchern und insgesamt 20 Kapiteln die Stadt samt Schloßberg, öffentlichen Gebäuden und Umgebung, versehen mit 11 Kupferstichen. Viele der von Merian verfertigten Ansichten werden von dem aus Bayern stammenden und von 1677 bis 1708 in Graz lebenden Andreas Trost sowie von Pfeffel, Engelbrecht, Hoffmann und Hermundt in Kupfer nachgestochen. Das Titelbild zeigt einen auf Wolken knieenden Jesuiten, vor sich eine Tafel mit der Schlorberg- und Stadtansicht von Osten. die zwei allegorische Figuren halten. Links oben die Muttergottes auf einer Lanula in Wolken stehend, darüber die heilige Dreifaltigkeit. Nach dem Titel findet sich eine doppelseitige Ansicht von Graz und dem Schloßberg von Süden her gesehen. Weiters folgen Darstellungen von ausgegrabenen Römersteinen und jene in der Burg eingemauerte hebräische Steininschrift, ein Blick vom Hauptplatz durch den Sack gegen Norden, dann die landesfürsdtliche Burg, das Innere des Landhaushofes gegen die Herrengassenfront, das Jesuitengymnasium und die Universität mit den Medaillons Karls II. und Ferdinands II., darüber das Grazer Rathaus mit einem Stück der Herrengasse und der Hauptplatz mit reicher Staffage, das Mausoleum, die Karlau mit St. Martin, Stra0gang und das Floianikirchelin im Hintergrund, das Schloss Eggenberg und darüebr das Wappen der Fürsten von Eggenberg. Macher erzählt erstmals die Anekdote über den türkischen Pascha im Palais Saurau, er schreibt, dass das Bergschloss im laufe der Zeit auch im Besitz der Herren von Richtzscheidt war, dass die Thomaskirche der Erzengel-Micheal-Bruderschaft gehört, dass die Liesl um 7 hr morgens und abends geläutet wird oder dass der Türkenbrunen von gefangenen, in Ketten geschmiedeten Türken gebaut wurde. 1699 Graz Trost
Beim steirischen Adelsfest im Februar 1701 wird im Grazer Stadtquatier des Generals Hannibal Graf von Heister das allegorische Spiel "Ratschlag der Götter" mit Arien von Stadtorganist Franz Weichlein zur Musik von Johann Jakob Stupan von Ehrenstein aufgeführt. Singend und tanzend treten die bedeutendsten Miglieder der steirischen Adelsfamilien, der Dietrichstein, Wildenstein, Saurau unhd Breuner, auf; selbst der Hausherr agiert in der Rolle des Mars. 1701

Der Kaiserliche Rat Ignaz Maria Graf von Attems aus dem Geschlecht der Attamis in der Friaul lässt sich an Stelle von sechs Bürgerhäusern und des ersten Sacktores in der Sackstraße 17 ein vierstöckiges Barockpalais mit quadratischem Innenhof durch die Architekten Johann Joachim Carlone und Andreas Stengg erbauen. Die Deckengemälde der Prunkräume im 1. (Empfangssaal, Salon, Tanzsaal) und im 2. Stockwerk (Affen-, Vögel-, Büsten- und Engelsaal) malt Franz Carl Remp. In diesem Haus wachsen Ferdinand I. Maria Graf Attems und seine 11 Geschwister unter der Vormundschaft ihrer Mutter, Marianna Freiin Gall von Gallenstein, auf. Mit Erreichen der Volljährigkeit wird Ferdinand automatisch Landtagsmitglied. Er bekämpft die josephinischen Reformen und erlangt von Kaiser Leopold II. die Rückgabe des steirischen Herzoghutes. Als im Juni 1800 Landeshauptmann Breuner stirbt, ernennt Kaiser Franz II. ihn zum neuen Landeshauptmann von Steiermark. 1809 besetzen die Franzosen die Steiermark zum dritten Mal und fordern 44880000 Franc für die Verpflegung ihres Heeres. Da das Land kann nur 500000 Gulden aufbringen, werden Graf Attems und der Fürstbischof von Seckau am Schloßberg als Geißeln gefangen gehalten. Attems verpfändet daraufhin sein ganzes Privatvermögen. Ferdinand Attems ist auch 1811 Miutbegründer und 1. Kurator des Joanneums.
In unmittelbarer Nähe entsteht das Witwenpalais der Attems.

1702 Palais.Attems Palais Attems

Joseph I. (1678-1705-1711, verheiratet seit 1699 mit Amalia Wilhelmina von Braunschweig-Lüneburg), ältester Sohn Leopolds I., übernimmt nach dessen Tod am 5. Mai 1705 den Kaiserthron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wegen der vielen Kriege unterbleibt die Krönungsfeierlichkeit.

1705
Der Barockbaumeister Joseph Stengg erweiter für Leopold von Stubenberg den ehemaligen Sommersitz des päpstlichen Nuntius Malaspina, das Meerscheinschlössl (Mozartgasse), zu einem kleinen Barockschloss (auch "Grazer Versailles" genannt), dessen Schlosspark bis zum Paulustor reicht. 1707 Meerscheinschlössl
Erzherzog Karl von Österreich heiratet in Barcelona die 17jährige Prinzessin Christina von Braunschweig, die dazu durch Gräfin Katharina von Rindsmaul in Wolfsbüttel abgeholt wird. 1708
Der Bankier Johann Adam Weiß errichtet sich am Hauptplatz 3 das sogenannte „Weiß'sche Haus". 1710

Mit dem Ziel, die immer absolutistischere Macht der Habsburger zu stürzen, kommt es unter der Führung von Ferenc II. Rákóczi und seinem General Graf Miklos Bercseny zum letzten und größten Aufstand ungarischer Adeliger gegen die Habsburger. Von Siebenbürgen aus überfällt die unter dem Befehl des von der österreichischen Armee übergelaufenen Graf Alexander Károlyi stehende Kuruzzen-Armee von über 60000 aufständischen ungarischen Bauern und Husaren-Reitern mit Unterstützung König Ludwig XIV. von Frankreich mehrmals von 1703 an weite Teile Ungarns, Niederösterreichs, Burgenlands und der östlichen Steiermark und legen in mehreren Angriffswellen das Grenzland in Schutt und Asche, bevor sie von den kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Guido von Staremberg und General Sigbert Graf Heister in der Schlacht bei Trenčin trotz zweifacher zahlenmäßiger Überlegenheit vernichtend geschlagen werden. Mit dem Friedensschluss vom 29. April 1711 ist schließlich die Ungarn-Gefahr gebannt.

1711

Karoly

Durch den plötzlichen Tod Kaiser Joseph I. an der ausgebrochenen Pockenepedemie fällt seinem jüngeren Bruder Karl, der in Spanien zum König designiert ist, nun auch das Erbe von Österreich, Böhmen und Ungarn zu und er wird am 22. Dezember in Frankfurt am Main zum Kaiser Karl VI. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Gleichzeitig wird auch der Orden vom "Goldenen Vlies", den Herzog Philipp III. der Gute von Burgund 1430 gegründet hat, auf ihn als Grpßmeister übertragen. Der Orden, an dessen Kettengliedern, die die Form von Feuersteine berührenden Feuereisen haben, ein Goldenes Vlies (Widderfell) hängt, war ursprünglich nur für die 24 mächtigsten burgundischen Adeligen bestimmt und verpflichtet die Mitglieder, die Heilige Kirche zu schützen.

Der Wittelsbacher Karl Albrecht, späterer Kurfürst von Bayern und schließlich Kaiser Karl VII., wird als Jugendlicher zusammen mit seinen Brüdern Wilhelm, Alois Johann und Johann Theodor zwischen 1711 und 1715 in Graz von den Jesuiten unterrichtet und erzogen.

Als älteste Grazer Zeitung erscheint 1711 die "Grätzer Europaeische Zeitung".
Kaiser Karl VII.
Aufgrund der vielen Pilger wird 1711 das Purberg-Schlößl als Wallfahrtsort anerkannt und es erfolgt 1714 der Baubeginn der barocken Wallfahrtskirche Mariatrost nach Plänen von Andreas und Johann Georg Stengg.

Errichtung der Barocktreppe im Jesuitenkollegium.
1714 Mariatrost

Nach dem Aussterben der Eggenberger 1719 fällt die Herrschaft Krumau verbunden mit dem Titel eines Herzogs von Krumau an die Fürsten Schwarzenberg.

Mit Diplom vom 23. Jänner 1719 erhebt Kaiser Karl VI. die Liechtenstein'schen Besitzungen von Schellenberg und Vaduz zum souveränen Reichsfürstentum, da sich die Herren der Burg Liechtenstein, südlich von Wien, im Machtkampf des 13. Jh. zwischen Rudolph. I. von Habsburg und Böhmens König Ottokar II. aus Seite der Habsburger gestellt hatten. Durch die Benes-Dekrete 1946 werden die Fürsten von Liechtenstein enteignet und verlieren ihre riesigen Latifundien in Mähren und Schlesien.

Dr. Georg Neumayr schreibt die "Geschichte der Grazer Universität von 1590-1600".

1719

Der aus Laibach gebürtige Jesuitenmönch Dr. Sigmund Prembsel gibt bei Widmanstetter das Büchlein "Fabula Brevier Complectens Historiam Topographicam Graecij, Nobilissimae Urbis, NCLYTI Ducatus Styriae Honoribus" heraus. Ein dem Titel beigefügter Kupferstich zeigt die allegorische Figur der Grazer Stadtgöttin mit einem Diadem der Schloßbergfestung en miniature auf dem Kopf sowie dem Pantherwappen auf der Brust.

1721

Graecium
Im Bereich der Grabenstraße steigt die Bewohnerzahl so stark an, dass ein neues Viertel mit dem Namen "Graben" geschaffen wird.

Di
e Zeitung "Posttäglich-Grätzerisch Außfliegender Mercurius" erscheint.

Steirische Völkertafel eines unbekannten Malers: „Kurze Beschreibung der in Europa Befindlichen Völckern Und ihren Aigenschaften", von links nach rechts namentlich angeführt: „Spanier - Mänlich, Hoffärtih", „Frantzoß - Kindisch, Betrügerisch", „Waelisch - Wiederwill. Geilsichtig", „Teutscher - Über Allmit, Verschwenderisch", „Engerländer - Weibisch, Unruhig", „Schwoeth - Unerkendlich, Aber Glauberisch", „Boläck - Mttlmässig, Braller", „Unger - Bluthbegirig, Veräther", „Muskawith - Unendlichgrob, Gar Verätherisch" und „Tirk oder Griech - Zärtlich, noch Verätherischer".

1722

Graecium

Die kürzeste Amtszeit der Diözese Seckau hat Karl II. Joseph Graf von Kuenburg, Freiherr von Kunegg, inne, der am 21. April 1723 von seinem Onkel, dem Salzburger Erzbischof Franz Anton von Harrach, zum Bischof ernannt wird, aber bereits im Dezember Bischof des Bistums Chiemsee wird.

Sein Nachfolger wird Leopold Anton Eleutherius Reichsfreiherr von Firmian (1679-1744), der zuvor bereits 1718 von Papst Clemens XI. zum Bischof von Lavant ernannt wird. Papst Benedikt XIII. bestellt ihn dann 1724 zusätzlich zum Bischof des Bistums Graz-Seckau und 1727 zum kaiserlichen Geheimrat und Bischof von Laibach. Kurze Zeit später wird er zum Erzbischof des Erzbistums Salzburg (princeps et archiepiscopus salisnurgensis) gewählt. Als Ziel seines Wirkens sieht er, der katholischen Kirche die "alte Macht und Herrlichkeit" wiederzugeben. Demsntsprechend lässt er mit Hilfe von 6000 österreichischen Soldaten alle Protestanten (über 20000 Menschen) binnen dreier Monate des Landes verweisen. Für seinen Neffen Franz Laktanz von Firmian veranlasst er den Bau des Schlosses Leopoldskron.
1723
Aufgrund des durch einen Blitzschlag verursachten Brandes der Burg Gösting lässt Ignaz Maria Graf von Attems am Fuße des Burgberges durch Johann Georg Stengg ein Barockschloss errichten. Im Inneren finden sich Freskomalereien von Matthias von Görz und Franz Ignaz Flurer.

Kaiser Karl VI. erlässt eine Verordnung gegen das Bettlerwesen und errichtet aus diesem Anlass ein Armenhaus am Gries. Er ordnet an, alle "Zigeuner" im Reich festzunehmen und "auszurotten".

Die religiöse Bruderschaft der Italiener lässt am Griesplatz die "Welche Kirche" im Barockstil erbauen.

Der im schwäbischen Oettingen geborene Jesuitenpater Joseph Stöcklein (1676-1733) kommt 1724 als Leiter der katechitischen Universitätsbibliothek nach Graz und arbeitet an der Edition der 28-bändigen Missionszeitschrift "Der Neue Welt Bott". in welcher er „Allerhand so Lehr- als Geistreiche Brief, Schriften und Reis-Beschreibungen, Welche von den Missionariis der Gesellschaft Jesu, aus Beyden Indien und anderen Über Meer gelegenen Ländern, dise letzte Jahr hindurch biß 1730 in Europa angelangt seynd" sammelt und verarbeitet und damit eine Welle der Missionsbergeisterung hervorruft.
1724
Joseph Fröhlich wird ab 1727 von Kurfürst Friedrich August I. dem Starke von Sachsen an dessen Hof in Dresden als Hoftaschenspieler engagiert. Geboren 1694 im Ortsteil Puchen in Altaussee als unehelicher Sohn eines fahrenden Kramers und der Altausseeerin Ursula Gatterer, erlernt er das Müllerhandwerk und geht mit 17 Jahren auf die Walz durch die deutschen Lande, wobei er sich erste Taschenspielertricks aneignet. Nach seiner Rückkehr heiratet er 1719 Ursula Lainbach aus Tirol und sie bekommen zwei Jahre später einen Sohn namens Jakob. Kurz danach verlässt die Familie Altaussee und zieht nach Oberfranken, wo er von Markgraf Georg Friedrich Carl zu Brandenburg-Bayreuth als Hofnarr aufgenommen wird. In Dresden tritt er dann zusammen mit einem zweiten Gaukler, Gottfried "Baron" Schmiedel, über 30 Jahre lang als Komödiantenpaar auf. Als seine Frau bei der Geburt seines zweiten Kindes stirbt, heiratet Fröhlich in Bayreuth die Bäckerstochter Eva Christiane Zöberl, die mit ihm endgültig nach Dresden zieht. Im Gefolge des Kurfürsten begleitet er diesen nach Berlin, Potsdam und sogar nach Warschau. Friedrich August ernent ihn scherzhaft zum "Grafen Saumagen". Nach dem Tode des Kurtfürsten 1733 behält er auch unter dessen Sohn Friedrich August II. seine Stellung und erhält 1744 sogar den Titel eines königlich-polnischen Mühlenkommisars. In Dresden baut er sich an der Augustusbrücke die "Kleinmoritzburg", genannt das "Narrenhäusl". Als 1756 der 7-jährige Krieg ausbricht, flüchtet er nach Warschau, wo er ein Jahr später stirbt. 1727

Am 17. Januar 1728 ernennt Papst Benedikt XIII. den aus dem Südtiroler Adelsgeschlecht Liechtenstein-Kastelkorn stammenden Graf Jakob II. Ernst (1690-1747) zum Bischof der Diözese Graz-Seckau. Ab 1738 wird Jakob Ernst Graf von Liechtenstein-Kastelkorn Fürstbischof von Olmütz. In dieser Zeit krönt er am 12. Mai 1743 Maria Theresia im Veitsdom von Prag zur Königin von Böhmen. 1745 wählt ihn schließlich das Domkapitel zum Salzburger Erzbischof.

Zur Verbesserung des maroden morastigen Straßenwesens in den habsburgerischen Ländern erlässt Kaiser Karl VI. 1924 ein Hofdekret zum Bau von 5 neuen Post- und Kommerzialstraßen, die sternförmig von der Residenzstadt Wien in alle Richtungen gehen sollten. Verantwortlich für die Planung ist der aus Udine stammende Hofmathematiker Giovanni Marioni, Geometer und Lehrer an der k.u.k. Ingenieur-Akademie Wien und auch Lehrer der Kaisertochter Maria Theresia. Nach Errichtung der neuen „Brünnerstraße", die den Spuren der alten Bernsteinstraße folgend bis nach St. Petersburg führt, wird im Frühjahr 1728 mit dem Bau der „Reichs-, Commercial-, Haupt- und Poststraße" über den Semmering, das Mürz- und Murtal in den Süden, nach Graz, begonnen, wo sie über die Wiener Straße, den Lendplatz, die Mariahilferstraße, den Murplatz, die Griedgasse in die Karlauer- und Triesterstraße mündet. Zielpunkt sind die beiden habsburgischen Freihäfen Triest und Fiume, um den gesamten Levantehandel vom Brenner auf diese neue Route umzuleiten. Diese neuen &bdquot;Kaiserstraßen" erleben einen wahren Boom, zumal in regelmäßigen Abständen Einkehrgasthöfe errichet werden und zwei- bis dreimal täglich Postkutschen verkehren. Dies beflügelt nicht nur den Warentransport, sondern auch die Reisefreudigkeit dieser Epoche, in der es zur Ausbildung aller jungen Adeligen gehört, durch ganz Europa zu reisen, um Land und Leute kennenzulernen. Auch Kaiser Karl VI. befährt unmittelbar nach Fertigstellung am 17. Juni 1728 mit seiner Gemahlin Elisabeth Christine und der 11-jährigen Tochter Maria Theresia im kaiserlichen Hofwagen die neue Südstrecke. Das Carolus-Denkmal am Semmering erinnert an dieses Ereignis.

Der kunstsinnige Karl VI. (1685-1740) ist der letzte Kaiser, dem die steirischen Stände am 6. Juli 1728 in Graz eine Erbhuldigung (Anerkennung eines neuen Landesfürsten durch die Stände der Geistlichkeit, des Adels und der Märkte) erbringen. Der Kaiser übergibt in der Burg dem Landeshauptmann Graf von Breuner die Insignien. Dann begibt sich Kaiser Karl VI., seine Gemahlin Elisabeth Christina von Braunschweig-Wolfenbüttel, ihre 11jährige Tochter Maria Theresia, Herzog Franz Stephan von Lothringen, Herzog Pius von Savoyen und der gesamte Hofstaat von 900 Personen zu Bischof Jakob Ernst in die Hofkirche St. Ägyden. Anschließend leistet Karl VI. in der Ritterstube in Anwesenheit von Graf von Saurau den Eid. Erblandhofmeister Maximilian Sigismund von Trauttmansdorff geleitet dann den Kaiser, seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth Christine und die Tochter Erherzogin Maria Theresia zur Tafel. Im Burggarten
wird die vom "Ersten Theateringenieur und Architekten Seine Majestät", Guiseppe Galli-Bibiena künstlerisch ausgestaltete Oper "La forca dell'amicizia, overro Pilkade, ed Oreste" aufgeführt.. Am 16. August 1728 reist der Kaiser weiter nach Klagenfurt. Auf der Rückreise über Laibach verbleiben am 23. September 1728 Kaiserin Christine und Erzherzogin Maria Theresia in Graz.

Georg Edler von Deyersberg, landschaftlicher Syndikus und Sekretär, verlegt diese „Erbhuldigung“ für Herzog Karl VI. durch die steirischen Landstände am 6. Juli in einem Prachtband in Folio, mit Zeichnungen von Flurer und Kupferstichen von Trost illustriert.
Kupferstichfolge von Deyerlsperg und Flurer, der an einer Hausfassade am Hauptplatz auch einen riesigen hl. Christophorus malt.

1728
Karl VI. Erbhuldigung Karl VI. Landstaende Erbhuldigung Karl.VI. Karl.VI.

In den Jahren von 1730 bis 1733 wird unter Bischof Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn anstelle des erst hundert Jahre alten Renaissance-Altares ein neuer barocker Hochaltar errichtet. Den Entwurf dafür liefert der Jesuitenpater Georg Kraxner, Präfekt der Tischlerei und Papierfabrik des Ordens sowie auch Baumeister, der zuvor in Venedig mit eigenen Augen „Gesuati“ aufführen gesehen hatte.
Das vom barocken Tafelmaler Franz Ignaz Flurer 1733 geschaffene Hochaltarbild zeigt den hl. Ägidius, den Schutzpatron der Kirche, umringt von Hilfesuchenden. Flurer bekommt auch den Auftrag für zwei weitere Bilder, links und rechts des Hochaltares - gleich einem Flügelaltar - an der Kirchenwand mit Episoden aus dem Leben des hl. Ägidius: „Auffindung des hl. Ägydius durch den König der Franken" (li.) und „Der hl. Ägydius bekleidet Arme" (re.).

1730 Kraxner Hofkirche Franz Flurer Hochaltarbild
Durch den Umbau zweier Häuser aus dem 15. Jahrhundert wird in der Sackstraße das Kellerberg'sche Stadthaus errichtet.

Christophorus-Fresko nach Flurer am Hauptplatz.

Barockfassade des Remschmidt-Hauses in der Sporgasse 13. Hier wohnt und stirbt um die Wende zum 19. Jh. der Bischof von Grenoble. Auf der Suche nach dessen Schatz bleibt der Hausbesitzer Josef Remschmidt spurlos verschwunden.
Johann Heinrich Zedler, in Breslau geborener deutscher Buchhändler und Verleger im Buchhandelszentrum Leipzig, begründet das „Große vollständige Universal-Lexicon Alter Wissenschaften und Künste", mit 64 Foliobänden die umfassendste deutschsprachige Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts. Im Band 11 beschreibt er: „Graetz oder Creutz, lat. Graiacum, Graecium, Sauaria und Crisium, eine prächtige Stadt in NiederSteyermark. Sie ist die Hauptstadt des Landes, nebst einem schönen Schloß, allwo vor Zeiten Ferdinandus II., als er noch Erzherzog von Österreich war, zu residieren pflegte. Sie liegt am Flusse Mure etwa 12 oder 13 Meilen von Wien, und 5 Meilen von jenem Orte, wo die Mure und Drave zusammenfließen. Der Ort ist ziemlich feste und mit einem Wall-und Bollwerk, auch schönen Thoren versehen. Sonders wird aber das obere Schloß fast vor unüberwindlich gehalten, weil es auf einem Berg gelegen, so um und um frei und felsicht ist und dem ganzen Lande herum gebiethen kann. Die Landschaft hat allda ihre Land-, Haus- und Einnehmeramte und es werden die Landtage daselbst angestellet. Es ist auch die innerösterreichische Regierung daselbst, dahin alle Adpellationes aus Steyer, Kärnten, Crain, Windischer Mark und Görz gehen. Dahero stets ein großer Adel da wohnet, auch jährlich zwey vornehme Märkte oder Messen zum Mitfasten, und zu S. Aegidi, deren jeder 14 Tage währet, allhier gehalten werden. Es sind daselbst viele Kirchen, auch ein ansehmliches Jesuitencollegium, nebst einer hohen Schule, die Papst Sixtus V. anno 1585 gestiftet hat, und viele schöne herrschaftliche Paläste." 1732
Der Jesuitenpater Ignaz Langetl bift bei Widmanstetter zwei Monografien heraus: „Das Grazer Mausoleum Ferdinands II." (1732) und „Die Hofkirche des heiligen Aegidius" (1733). 1733
Aufstand der Bauern wegen der hohen Kriegssteuern, der Rekrutierung der Jungen zum Militär sowie des nur dem Adel vorbehaltenen Jagdwesens. 1734  
Neubau der Bamherzigenkirche durch den Grazer Hofbaumeister Johann Stengg (1735-40). Der Hochaltar stammt vom Grazer Bildhauer Josef Schokotnigg, der Herz-Jesu-Altar vom Südtiroler Bildhauer Veit Königer und die erneuerte Loretokapelle von Johann Georg Stengg. Auch wir hier die Schiffsglocke des Schlachtschiffes "SMS Tegetthoff" der österreichischen Marine aufbewahrt, die ab 1942 an Bord des deutschen Kreuzers "Prinz Eugen" war. 1736
Der italienische Impresario Pietro Mingotti baut für seine italienischen Operisten am Tummelplatz die hölzernen Wagenremisen der Hofstallungen zum ersten ständigen Theater in Graz aus.


Feldmarschall aprinz Joseph von Hildburghausen, verheiratet mit der 20 Jahre älteren Nicht und Alleinerbin des riesigen Vermögens des verstorbenen Prinzen Eugen von Savoyen, Prinzessin Anna Viktoria, wird nach Graz beortert, um die wegen der hohejn Kriegssteuern ausgebrochenen Bauernunruhen zu beenden.
1737
Leopold Ernst Graf von Firmian wird mit nur 31 Jahren Bischof von Graz-Seckau. In späterer Folge wird er zum Fürstbischof von Passau und 1772 vom Papst Clemens XIV. zum Kardinal ernannt. Als Berater von Kaiserin Maria Theresai gibt er den Anstoß zur Schulreform mit der Einführung der Allgemeinen Schulpflicht von 1769/74. 1739
Nach dem Tod Kaiser Karl VI. folgt am 20. Oktober 1740 seine Tochter Kaiserin Maria Theresia als Erzherzogin von Österreich und 1745 nach dem Tod des Wittelsbacher Kaisers Karl VII. ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen als Kaiser Franz I. des Heiligen Römischen Reiches nach. 1740 Maria.Theresia-Stephan.v.Lothringen

Der Wiener Architekt Anton Martinelli errichtet am Südtirolerplattz für Anton Balthasar Thien von Thinnfeld ein spätbarockes Stadtpalais.

Im Bürgerhaus mit seinem spätgotischen Arkadenhof am Hauptplatz kommt Franz Anton Edler von Zeiller, der Verfasser des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches auf die Welt.


Die Witwe Kaiser Karl VI., Elisabth Christine, hält sich mit Erzherzogin Maria Anna ab dem 4. Oktober 1741 in Graz auf.

1741

1742 wird der Herzoghof in der Herrengass auf fünf Geschoße aufgestockt und die Fassade durch den Vorauer Maler Johann Mayer mit Fresken bemalt. Die Malerei zeigt in einer hierarchisch und thematisch gegliederten Ordnung Heldensagen aus der griechisch-römischen Mythologie: im ersten Stock die volksnahen Götter Bacchus (Wein), Vulkan (Handwerk) und Vesta (Haushalt), im zweiten Stock die Reiterfiguren der Hauptgötter Apollo (Licht), Jupiter (Göttervater) und Pluto (Unterwelt), im dritten Stockwerk den Götterhimmel mit Merkur (Kaufleute), Mars (Krieg) und Minerva (Kunst) sowie im Giebelfeld Aeskulap (Medizin) mit Szenen aus der Atriden-, Herkules-, Prometheus- und der troianischen Sage (Ulixes und Achilles).

 

 

Stuckfassaden in der Sporgasse, Stempfergasse und am Kapaunplatz.

Stiftung des "Josephinus" an die Jesuiten für arme Studenten.

1742

Stadtpfarrer Alois Bertholh stiftet das Grazer Priesterhaus.

Im Zuge des Krieges um die Erbfolge nach dem Ableben Kaiser Karl VI. besiegt die österreich-üngarische Armee die bayrisch-französischen Truppen; nimmt fast 1000 Geißeln, darunter auch den Bürgermeister von München, Karl von Barth, die nach Graz gebracht werden.

1743 Pauluskirche

 

Der Schauspieler und spätere Direktor des Hoftheaters (Burgtheater) in Wien, Johann Franz Brockmann, wird am 30. September in Graz geboren.

1745 Franz Brockmann
Unter Piccinelli tritt am Theater am Tummelplatz der erste deutsche Schauspieler auf, der "Comoediant von Ollmütz" Franz Joseph Hadwig. 1747  
Im April bereist der britische Philosoph David Hume die Steiermark und ist vom Lebensstandard und der Kultur der Landesbevölkerung geradezu erschüttert. 1748
Kaiserin Maria Theresia wird auf ihrer Reise nach Pettau in der Grazer Vorstadt empfangen. 1750  

Im Bürgerhaus mit seinem spätgotischen Arkadenhof am Hauptplatz kommt Franz Anton Edler von Zeiller, der Verfasser des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches auf die Welt.

1751  
Johann Christian Andrä von Fyrtag, Professor der morgen- und abendländischen Sprachen, schildert in seinem mit vielen fabulösen Bildern versehenen Manuskirpt "Kurtze Beschreibung der landesfürstlichen Haut- und Residenz-Statt Grätz" den Prozess gegen den Grafen Erasmus Tattenbach. 1753  
Graf Johann Leopold von Herberstein lässt durch den steirischen Barockbaumeister Josef Hueber das ehemalige "Hubhaus", die Münze, in der Sackstraße zu einem spätbarocken Palais umbauen und mit Fresken von Andrea del Pozzo schmücken. Im rückwärtigen Hof befindet sich ein Pferdestall und drei Wagenremisen. 1754 Palais.Herberstein Palais Herberstein
Die Druckerei Widmanstetter gibt den "Erstlich gedruckt zu Augsburg, jetzo zu Grätz" Neuen Bauernkalender, den "Mandkalender" heraus.

Der um 1743 geborene Fortunatus Spöck triit in ein untesteirisches Franziskanerkloster, wo ersich nebenbei auch als Klosterapotheker beschäftigt. Wegen seiner eigenwilligen Lebensweise wird er aber bald aus dem Ordensverband ausgeshlossen und tritt in Graz als Weltpriester die seelsorgische Betreuung der Leechkirche an, wo er gleichzeitig ohne ein medizinisches Studium mit der kostenlosen Behandlung von Kranken beginnt. Mit seinem Heilwissen übertrifft er manche Ärzte und vollbringt an seinen um die 400 Patienten wahre Wunder, Besonders seine Pilloen gegen Magenbeschwerden - sie werden bis ins 20. Jh. in einer Apotheke in der Griesgasse vertrieben - und der Heilung mehrerer Frauen von Geschlechtskrankheiten beweist der Kurpfuscher große Kenntnis, sodass bald Gerüchte auftaucheen, er sei mit dem Teufel im Bunde. Als aber 1793 zwei seiner Patienten sterben und einer Beschwerde namhafter Persönlichkeiten - darunter Bürgermeister Franz Caspar Edler von Heilinger, Buchdrucker Andreas Leykam, der Musiker Matthias Zibelka oder die Bäckerin Viktoria Pfefferin - beim Kreishauptmann Christoph von Schwizen eingehen, geschieht nichts; man entdeckt, dass Spöck der Grazer Freimaurerloge "Zu den vereinigten Herzen" anghehört und zudem ein Dekret von Kaiser Franz II. ihm erlaubt, aussichtslose Fälle zu behandeln. Spöck wendet sich aber neuen Betätigungen zu: Er erwirbt 1799 den Bergbau von Toneisenstein am Lichtensteinberg bei St. Stefan ob Leoben, betreibt den Kohleabbau in Voitsberg, lässt am Reitling nach Eisenerz schürfen und kauft zusammen mit den Gewerken Peter Tunner und Franz Sprung den Krenhof und baut das dortige Hammerwerk aus. Sein Grabdenkmal befindet sich im Stile der Freimauerer in der Leechkirche.
1757
Ein in Ofen (Budapest) tätiger italienischer Tabakfabrikant namens Francesco de Spada kauft am 12. Jänner 1759 von Graf Gaisruck dessen Hofmühle bei Liebgenau und beginnt mit zwei aus Ungarn mitgebrachten Arbeitern die Produktion von Schnupftabak asu den in Fürstenfeld angebauten Tabakblättern. In der Folge übernimmt Bartholomäus Wellatschitsch und 1787 Franz X. Pfeffer die Fabrik, der diese als Getreidemühle betreibt und nach ihm "Pfeffermühle" (Stanglmühle) benannt wird. 1759
La Cita di Grätz. Capitale della Stiria im l'anno ... 1760.

An den Kämpfen im Siebenjährigen Krieg gegen die Preußen unter König Friedrich II. um Schlesien nehmen 25000 Steirer unter den Feldmarschällen Leopold Graf von Daun und Gideon Ernst Freiherr von Laudon teil.

1760 Graz
Ferdinand Karl, 14-tes Kind von Maria Theresia, bekommt mit Georg Philipp von Rottenberg einen eigenen Lehrer, der für den kleinen Erzherzog und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Maximilian, eigene Unterrichtstafeln zum Lernen entwickelt, die in Graz im Joanneum aufbewahrt sind. Mit den bunten, an der Wand aufgehängten Tafeln, sollen in einem Frage-Antwort-Spiel alle Sinne der Kinder angeregt werden.

 

Galerie des steirischen Adels in einem Zimmer im Südtrakt des Schlosses Hainfeld in der Südoststeiermark mit 58 Bildern (darunter Saurau, Dietrichstein, Orsini, Wildenstein, Trapassi, Purgstall uvm.) vom italienischen Maler Gennaro Basile aus Neapel (Entstehungsjahr 1762).

1762
Auf der Reise zu den Hochzeitsfeierlichkeiten des 18jährigen Erzherzogs Leopold mit der spanischen Prinzessin Maria Ludovica in Innsbruck, welche über Mürzzuschlkag, Klagenfurt, durch das Pustertal und über den Brenner führt, macht die kaiserliche Familie (Maria Theresia, ihr Gatte Franz I. Stephan von Lothringen und die Kinder Joseph, Leopold, Maria Christina und Maria Anna) sowie der halbe Hofstaat eine Woche in Graz Station, wo sie bei Johann Leopold Graf Herberstein im Schloss Eggtenberg zu Gast sind und nach Jagden sowie Besuchen bei Grazer Adelsfamilien fürstlich bewirtet werden. Der Grazer Baumeister Richard Seebacher präsentiert hiebei zur Zufriedenheit der Majestäten sein von ihm "frei aufgerichtetes bürgerliches Jägercorps".
Bei einem Besuch der Burg lässt Maria Theresia die von Kaiser Ferdinand I. eingeridhtete Schatz- und Rüstkammer auflösen und die schönsten Stücke in die Re3sidenz nach Wien bringen. Den Rest verschenkt sie anihre Begleiter, nur der alte Herzogshut verbleibt in Graz.
Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, kurz nach den Hochzeitsfeierlichkeiten in Innsbruck wird Joseph II. (1741 bis 1790) am 17. Septembert 1765 als erstgeborener Sohn Maria Theresia mit dem Titel eines Kaisers offizieller Mitregent in den erzherzöglichen Ländern.

Kaiserin Maria Theresia ist zu Besuch in Graz und wohnt im Schloss Eggenberg. Bei einem Besuch der Schatz- und Rüstkammer in der Burg lässt sie die schönsten Stücke in die Residenz nach Wien bringen.
1765 Joseph II.
Theaterleiter Johann Joseph von Brunian lässt das Tummelplatztheater von Maurermeister Joseph Hueber großzügig sanieren und sogar Maria Theresia als Zuschauerin gewinnen. Auch die "Badner Truppe" von Matthias Meninger kann für eine Aufführung gewonnen werden, in der Johann La Roche den Kasperl spielt.

Die vom Südtirolerplatz ausgehende Mariahilferstraße wird erweitert. Das Palais Dobler erhält durch Joseph Hueber seine spätbarocke Fassade sowie in der Beletage durch den Theatermaler Alois Gleichenberger die Deckenfresken.

1768

Das landesfürstliche Schloss Karlau wird von Kaiserin Maria Theresia in ein Arbeitshaus umgewidmet.

Das aus dem 17. Jahrhundert stammende, zweigeschossige "Grüne Haus" in der Grüne Gasse 35 zeigt auf der Ostfassade mit ihrem Schopfwalmgiebel ein Madonnen-Fresko. Der erste Besitzer
wird 1769 erwähnt.

1769

Großherzog Leopold II. von Toskana hält sich mit seiner Gattin Maria Ludovica von Spanien auf der Durchreise nach Wien einige Zeit in Graz auf.

Parade des Grazer Bürgercorps anlässlich des Besuches von Maria Theresia mit ihren Söhnen Joseph II. und Leopold II. in Graz. „Die Jägerabteilung umfaßt 300 hannedte Bürger in gleicher grüner Montierung mit silbernen Schlingen und Herren Officier mit vielfältigen Porten." Sie führen eine weiße Fahne und werden von einer 18 Mann starken Musikband mit rot-gelben Monturen begleitet. Das Kommando befehligt Oberst Richard Seebacher, der auch die Uniformen finanzierte. Dazu kommen noch „200 neue Bürger zu Fueß in roter Montierung mit weißen Gamaschen sowie eine Reyterei von 100 einer neuen Bürgerschaft mit gleich roter Montierung gelb aufgeschlagen."

Durch ein Patent Maria Theresias wird in Graz im Herbst erstmals die aufeinander folgende Nummerierung von Häusern und die nächtliche Straßenbeleuchtung eingeführt.

1770

Der Vorauer Augustiner-Chorherr Aquilinius Julius Caesar gilt mit seinen Werken „Beschreibung des Herzogthums Steyermark“ (1773), „Beschreibung der k.k. Hauptstadt Gräz“ (1781), „Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthums Steyermark“ (1786) sowie den „Annales ducatus Styriae“ (1768-1777) als „Vater der steiermärkischen Geschichtsschreibung“. Das letztgenannte Quellenwerk beinhaltet eine wertvolle Beschreibung der Geschichte von Graz: „Die Festung Grätz Verdienet gar wohl eine Topographische Beschreibung. In die Stadt Grätz beuget sich von Mitternacht ein sehr hoher Berg und Fels, auf welchem die Festung Grätz ruhet, die schonöfters verschiedenen Feinden, benamentlich den Türken im Jahre 1532, den Trotz gebothen hatte. Es ist nur zu bedauern, daß dieser trefflich gelegenen und wohl zusammengebauten Festung die Berge zu nahe stehen, von welchen die Feinde solche mit Stückschüssen bestreichen und also sehr schaden können. Von dem Ursprung derselben habe ich mich oben in meiner Einleitung nur mutmaßlich geäußert, daß vielleicht Hadrian, der römische Kaiser, an diesem hohen Berg und Felsen, den ersten Grund zu einer Festung möchte angeleget haben. Mutmaßlich äußerte ich mich; den keine förmlichen Urkunden oder alte Geschichtsschreiber kann ich nicht anführen. Ein altes Gemälde von der Festung Grätz würde den Ursprung derselben an noch ältere Zeiten versetzen; denn dieses stellet auf dem Grätzerberg drey Schlösser vor, deren eines weiter und herrlicher als das andere war: jedes hatte seine Wälle, Gräben und Aufziehbrücken nach alter römischer Art. Obschon dieses Gemälde kein ächter Bürge des Ursprungs seyn kann, wird doch die Muthmassung von dem alten Ursprung dieser Festung etwas begreiflicher; theils, weil die erste Bauart der Festung sehr bäuerisch, und nach dem Geschmack der alten Zeiten unregelmäßig und ungestaltet angebracht war, theils auch, weil ein an dieser Festung gefundener, und mit der Jahrrzal 3690 bezeichneter Stein die Innschrift solle gehabt haben, daß allda ein Vertheidigungshaus gestanden, welches die im Jahre der Welt 3899 das ist, wie Brictius rechnet, im 155ten Jahre vor der Geburt Christi dahin gezogene alte Tauriscier, Gräd oder Grädetz, das ist, ein Schloß sollen genennet haben.So würde der erste Ursprung dieser Festung zweifelsohne sehr alt seyn. Wir wollen alle diese Muthmassungen in dem Werth lassen, den sie verdienen, nur allein dieses als das wahrscheinlichste sind niederschreiben, daß, wegen der vielen, schon im 300ten Jahre nach Christi Geburt in der Gegend Grätz gefundenen Steinen und Innschriften die Festung Grätz älter, als die Stadt anzusehen sey. … Erzherzog Karl I. hielt im Jahre 1576 einen Landtag in Grätz, und da man sich in solchem wegen der Kroatischen Gränzen berathschlug, kam auch der angehende Festungsbau von Grätz zum Vorschlag. Herr Franz von Poppendorf zeichnete den Grundriß zur Festung, und die Herren Weichard Freyherr von Auersperg, Landeshauptmann in Krain, Pankratz Herr von Windischgrätz, Landmarschall, Ludwig Freiherr von Ungnad, Erosam Mayer, Michael von Rindsmaul, Johann Ferenberger waren jene sieben Männer, welche den Festungsbau in vollkommenern Stand setzen sollte. Vielleicht ist es um diese Zeit geschehen, daß das vorige alte Schloß Grätz, so den Herren von Rindscheid solle eygen gewesen seyn, von diesen an die Landschaft Steyer, und von solcher durch Tausch an Herzog Karl gekommen. Karl fieng also an, die Festung in Gestalt eines vollkommenen Dreyecks gleich einer in der Fläche stehenden Pyramide nach dem entworfenen Grunsriß, und zwar durch die Arbeit der von ihm gefangenen Türken zu bauen. Die Festung wurde mit hohen Mauern und vier äussern Bollwerken oder Hauptbastionen umgeben, welche von dem fünften, so innert der Festung errichtet ist, beschützet wird. In der Mitte raget ein ansehnlicher Thurm hervor, in welchem die große und 160 Zentner schwere Glocke hängt, die Erzherzog Karl im Jahre 1587 hat giessen lassen. Auf dem untern bürgerlichen Thurme sieht man die Uhr. Hier werden die Feuersbrünste durch wiederholtes Anschlagen an die allda befindlich viel kleinere Glocke, durch ausgehengte rothe Fähne des Tages, des Nachts aber durch eine Laterne wie von der Festung durch gewisse Stückschüsse angezeiget. Aquilinius Caesar Aquilinus Caesar
Per Regierungsdekret löst der Hl. Josef den Hl. Rupert als Landespatron ab.

Im westlichen Trakt des Kreuzganges des Minoritenklosters wird für die Vitvgaben der Wallfahrer eine Schatzkammerkapelle errichtet. Die von Joseph Adam Ritter von Mölk geschaffenen Bilder zeigen Wunderszenen der Mariahilfer Gnadenmutter.

Barockisierung des Domherrenhofes des ehemaligen Jesuitenkonvikts in der Bürgergasse 1 mit der Heiligen-Geist-Kapelle durch Baumeister Joseph Hueber mit den Deckenfresken von Joseph Adam Mölk und von Caspar Fibich sowie dem Südtiroler Bildhauer Veit Königer geschaffenen Herkulesbrunnen im Innenhof, welcher symbolisiert, dass die protestantischen Landesstände als Hydra dem katholischen Erzherzog Ferdinand als Halbgott nichts anhaben können.

1771

Der Hofschauspieler Karl Ludwig Reuling aus Baden-Baden spielt erstmals Stücke von Lessing in Graz. 1772  
Nachdem Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden aufhebt, werden deren Besitzungen von Graz, Leoben, Judenburg und Marburg dem Studien- und Religionsfond einverleibt.

Als Prinz Eugen die Türken endgüültig besiegt hatte, ordnet Maria Theresia als Königin von Ungarn an, dass in der durch die Schlachten verödeten Region im Banat österreichische Familien angesiedelt werden. Es sind schließlich 34 steirische Holzfäller und Köhler aus dem Salzkammergut, die sich dort im Orawitzer Forst, südlich der Karpaten, am 24. Juni 1773 ausbreiten und den Ort Steirerdorf gründen. Als dann im Jahr 1790 der Köhler Mathias Hammer dort Steinkohlenvorkommen entdeckt, setzt eine zweite Siedlungswelle ein und führt zur Enstehung einer Eisenhütte, die im Jahr 1872 180000 t Steinkohle und 8289 t Roheisen erzeugt und das Steirerdorf 10000 Einewohner zählt. Heute ist Steierdorf (Anina in Rumänien) fast vergessen.
1773
Die von Johann Ignaz von Felbinge ausgearbeitete "Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämmtlichen Kaiserl. Königl. Erbländern" wird durch Maria Theresia am 6. Dezember 1774 verordnet. Gedruckt in Wien beim kaisserl. königl. Hofbuchdrucker und Buchbinder Johann Thomas Edlen von Trattner, nachgedruckt zu Grätz in der k.k. priveligierten Buchdruckerey bey den Widmanstätterischen Erben. 1774
Der Jesuit Leopold Gottlieb Biwald lehrt in Laibach und an der Jesuitenuniversität in Graz. Er verfasst ein „Hand- und Lehrbuch der Physik" und fordert 1775 für die Steiermark die Erfassung aller Pflanzen des Landes und deren Veröffentlichung in einem zentralen "Museum rerum naturalium Styriae" in Graz. Biwald nimmt damit die Idee des späteren Landesmuseums Joanneum vorweg. 1775
Anstelle des beliebten, aber baufälligen Commödienhauses am Tummelplatz wird am 19. Sptember 1776 das unter Graf Franz Anton von Inzaghi von Joseph Hueber im Garten des Vizedomhauses nahe der landesfürstlichen Burg neu erbaute "Grätzer Ständische Nationaltheater" mit der Vorstellung "Derbi oder Freundschaft und Treue" eröffnet. Druch den Verkauf von Kugeln und Lafetten an den König von Neapel können die steirischen Landesstände mit 18961 Gulden und 18 Kreuzern für die Hälfte der Baukosten aufkommen. Als Theaterleiter kommt Joseph Bellomo aus Weimar nach Graz. Mit Gastspielen von Johann Brockmann, Carl Domaritius, August Iffland oder Franz Haysel entspricht das Theater den Ansprüchen der steirischen Landeshauptstadt. 1776
1779 besucht Nuntius Kardinal Garampi Graz. Der 1725 in Rimini geborene Giuseppe Garampi entscheidet sich bereits in jungen Jahren für die geistliche Laufbahn. Bald nach seiner Priesterweihe 1751 wird er Leiter des Vatikanischen Geheimarchivs und beginnt unverzüglich mit der Katalogisierung der Archivalien. Im Auftrag des Papstes besucht er Zisterzienserabtei Salem am Bodensee den Friedenskongress in Augsburg, um die Beendigung des Konfliktes zwischen Österreich und Preußen vorzubereiten. 1769 hat er Gelegenheit, Kaiser Joseph II. und dessen Bruder Pietro Leopoldo, während ihres Rombesuchs durch den Vatikan zu führen. Nach seiner Bischofsweihe 1772 wird Garampi 1776 zum Erzbischof und Apostolischen Nuntius am Kaiserhof ernannt. Auf einer pastoralen Besuchsreise zu seiner Diözese in Montecassino macht er am 20. April 1779 in Graz Station und hält seine Eindrücke von der Stadt auf einem Doppelblatt fest: Die steirische Hauptstadt scheint den Nuntius sehr beeindruckt zu haben, er beschreibt sie als blühende Stadt mit prachtvollen Baudenkmälern. Garampi hat ein ausführliches Gespräch mit dem Seckauer Bischof Josef II. Philipp Franz Graf von Spaur und dem Vorsitzenden der steirischen Landesregierung Graf Alois Podstatzky-Lichtenstein sowie mit dem Rektor der theologischen Fakultät Franz de Paula Tomicich, Professor für Kirchenrecht. In den Aufzeichnungen des Nuntius finden sich auch einige persönliche Eindrücke über die steirische Hauptstadt. Garampi schildert Graz mit damals 30.000 Einwohnern als elegante Stadt. In erster Linie erwähnt er die Familie Herberstein, die Besitzer des prächtigen Schlosses Eggenberg, das diese von den vorherigen Besitzern, den Fürsten von Eggenberg, übernommen hatten. Besonders hebt er den in feinem Marmor ausgeführten Hochaltar des dreischiffigen Domes hervor. Gleich daneben befindet sich das Mausoleum Ferdinands II. mit seiner riesigen Kuppel. Außerdem erwähnt er den prachtvollen Stadtpalast des Benediktinerklosters von St. Lambrecht, in dem ständig ein Mitglied des Klosters anwesend war. Garampi selbst war bei Augustiner-Eremiten abgestiegen. Während seines Aufenthaltes besichtigte er auch den Schloßberg und genoss die herrliche Aussicht auf die Stadt. Auf dem Berg befinden sich einige Gefängnisse; in einem dieser wird bereits seit 13 Jahren ein Bischof festgehalten. Der Nuntius hat Gelegenheit mit diesem zu sprechen, denn er schildert kurz den Raum, in dem sich dieser aufhält und stellte fest, dass der Bischof ausgezeichnete Lateinkenntnisse hat. Garampi hat sich schon von früher Jugend an nicht nur für Geschichte, sondern auch für Epigraphik interessiert. So hält er in Graz Ausschau nach alten Inschriften und kann am Gebäude des Landhauses einige entdecken. Es genügt ihm aber nicht, diese einfach zu beschreiben, er versucht dazu auch Hinweise in der Literatur nachzuweisen. Er erkundigt sich auch über die Bewohner des Landes und deren Gewohnheiten und erfährt, dass viele Steirer während der Waffengänge, die sie ungerne auf sich nehmen, fern von zu Hause ihr Leben ließen. Außerdem ist hier eine Krankheit weit verbreitet, die den Organismus besonders schwächt, ja sogar bis zum Delirium führen kann. Der Nuntius verlässt Graz Richtung Süden durch das Stadttor, das nach Ehrenhausen führt und erreicht nach einer neunstündigen Reise seine nächste Station Marburg. 1779

Mit dem Tod von Kaiserin Maria Theresia wird ihr Sohn Joseph ab dem 29. November 1780 als Kaiser Joseph II. alleiniger Herrscher. Er erlernt beim Hofbuchdrucker Johann Thomas von Trattner die Buchdruckerkunst und erweist sich als großer Förderer der "Schwarzen Kunst".

Joseph Adam von Arco (27.1.1733 bis 3.6.1802), Bischof von Königgrätz, wird 1780 nach Aufhebung des Stiftes Seckau vom Salzburger Fürsterzbischof Colloredo zum Fürstbischof des dann 1783 nach Graz übertragenen Bistums von Seckau ernannt. Unter ihm wird auch der Bischofssitz in die Landeshauptstadt nach Graz verlegt, die Ägydiuskirche zur Kathedrale erhoben und ein Domkapitel eingerichtet. Damit verbunden lässt er das Bischöfliche Palais am Bischofsplatz nach Plänen von Joseph Stengg umbauen und vergrößern.

1780 Fürstbischof Joseph Adam Graf Arco
Durch ein Hofdekret vom 31. März wird die Ägidiuskirche Eigentum der k.k.Universität.

Kaiser Joseph II. verfügt eine einheitliche Gerichtsbarkeit, die Schulfplicht, erlässt das Toleranzedikt für eine freie Religionsausübung und kündigt das Gesetz für die Klosteraufhebungen an. Auch die Juden werden gleichgestellt Staatsbürger, haben Zugang zu den Jahrmärkten, bekommen das Wohnrecht und müssen deutsche Familiennamen annehmen. Orthodoxe Juden, die sich weigern, werden von amtswegen Farbnamen zugeteilt: Grün, Gelb, Schwarz ...
1781 Joseph.II.

Der Grazer Theaterdirektor und Textdichter von Mozarts "Zauberflöte", Emanuel Schikaneder, insziniert auf dem freien Gelände des "Erfrischungsplatzes" Glacis das Stück "Waltron oder die Unsubordination", wofür er ein Kriegslager mit 200 Zelten aufstellen lässt.

Kaiser Joseph II. erklärt mit zwei Dekreten von 1782 und 1784 Graz zur offenen Stadt. Der Festungscharakter der Stadt wird aufgehoben, das vermauerte Burgtor wieder geöffnet und eine Brücke über den Stadtgraben geschlagen: Die Verschmelzung mit den Vorstädten und somit die Verstädterung beginnt.
Am 12. Jänner 1782 tritt das Gesetz zur Auflosung der Klöster in Kraft. Joseph II. lässt auch acht Klöster (Augustiner von St. Paul, Kapuziner in der Paulustorgasse, Karmelitinnen am Fischplatz, Karmeliter am Karmeliterplatz, Jesuiten, Klarissinen im Paraderis, Dominkanerinnen, Pauliner in Mariatrost, Trinitarier in der Karlauerstraße) auflösen und verbietet aus hygienischen Gründen die Beisetzung Verstorbener im Ortsgebiet. So entstehen außerhalb der Stadtmauern die neuen Friedhöfe von St. Peter und am Steinfeld. Er degradiert die Grazer Universität zu einem Lyzeum.

 

1782

Schikaneder Graz Altstadt

Auf der Fahrt zu einem Treffen mit Kaiser Joseph II. in Wien (22.März bis 22.April 1782) nächtigt Papst Pius VI. am 18.März 1782 in Begleitung zweier Kardinäle im Lambrechterhof in der Paulustorgasse und feiert Tags darauf die Hl. Messe in der Mariahilferkirche. Der Papst will Kaiser Joseph II. vor weiteren Reformen auf kirchlichem Gebiet abhalten. Auf der Weiterreise macht Pius VI. am 20. März in Peggau im Gasthof zur Post zum Pferdewechsel eine kurze Rast.
Der päpstliche Zeremonienmeister Giuseppe Dini führt über die Reise tagebuchartige Aufzeichnungen: „Der Papst verließ in Begleitung von 25 Angehörigen der Kurie am 27. Februar 1782 Rom, reiste durch den Kirchenstaat über Spoleto, Macerata, Ancona, Loreto, Imola und Bologna nach Ferrara, wo ihn der Brief Kaiser Josefs II. erreichte, indem er ihm seine Gastfreundschaft anbot. In der Republik Venedig wurde er mit großen Ehren empfangen und fuhr über Treviso nach Udine, wo er am 14. März eintraf. In Görz traf der Papst mit dem Nuntius Garampi, der planmäßig am Vorabend angekommen war, und Johann Philipp Joseph Graf Cobenzl, dem kaiserlichen Sondergesandten, zusammen, die ihm bis dahin entgegengefahren waren und ihn bis Wien begleiten sollten. Die Reise ging dann über Adelsberg, Laibach, Cilli, Marburg nach Graz, wo sie am Abend des 19. März eintrafen. Der Papst stieg im Stadthof des Klosters St. Lambrecht ab und traf sich mit dem neuen Seckauer Bischof Josef III. Adam Graf Arco und dem Leiter der Landesregierung Graf Alois Podstatzky-Lichtenstein. Am folgenden Tag verließ Pius VI., nachdem er eine Messe in der Minoritenkirche zelebriert hatte, mit seinem Troß die steirische Hauptstadt in Richtung Bruck an der Mur. Die Nacht des 20. März verbrachte der Papst noch auf steirischem Boden im Schloß des Grafen Wolfgang Stubenberg in Weiden, wo allerdings nur die Gräfin anwesend war, weil der Schloßherr beauftragt war, die Aufhebung des Klosters Göss bei Leoben durchzuführen."
Der zweite Aufenthalt Garampis in der steirischen Hauptstadt findet im Rahmen des Besuches Pius' VI. in Wien statt. In diesen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1782 schildert Garampi in Gegensatz zum ersten Bericht sehr wenig lokale Verhältnisse, er entwirft vielmehr ein Bild von der religiösen und politischen Situation, die sich aufgrund der Reformen Josephs IL wesentlich geändert hatten: Der Nuntius begegnet während dieses Grazer Aufenthaltes einem Schüler der beiden Professoren Eybel und Paul Joseph Riegger, Professor für Kirchenrecht, und hört, dass deren Thesen mit der allgemeinen kirchlichen Lehre keineswegs konform gehen. Vom Augustinerpater Rosnak erfährt er über die Höhe der Beitragsleistungen des Klosters von St. Lambrecht. Garampi wird aber in erster Linie über die von der Regierung den Pfarrern erteilten Anweisungen in Kenntnis gesetzt, wie das Arbeitsverbot an den an der Gesamtzahl gekürzten Feiertagen und das Verbot von Gottesdiensten. In erster Linie wird aber das neu erlassene Dekret erwähnt, das den Geistlichen ermöglichen soll, ihre Säkularisierung vom Bischof zu erbitten. Nach Berichten waren bei der Aufhebung des Jesuitenordens 180 Angehörige der Gemeinschaft in Graz anwesend, die nach Hause geschickt wurden. Die Güter und Besitzungen des Ordens wurden derart verschleudert, dass davon kaum etwas übrig blieb. Was die lokalen Verhältnisse betrifft, so erfährt der Nuntius, dass Maßnahmen zu setzen seien, um den Verfall der Grazer Festung hintanzuhalten. Außer einer vorhandenen Spende von 10.000 Gulden wird auch eine Vermietung der Speicher der Kammer in Erwägung gezogen, die jährlich an die 900 Gulden einbringen würde. Für den Fall, dass russische Großfürsten nach Graz kämen, wurden alle Vorkehrungen getroffen, dass der auf dem Schloßberg festgehaltene Metropolit von Karlowitz keinerlei Gelegenheit habe, ihnen eine Bittschrift oder Nachricht zukommen zu lassen. … Was den Papstbesuch selbst in Graz betrifft, so wird den Ordensgeistlichen untersagt, ihr Kloster zu verlassen oder gar eine Bittschrift zu überreichen. Zum Schutz des Papstes werden 300 Mann abgestellt.

Nach der Zerstörung des Dominikanerkloster durch einen Brand und der zwangsweisen Übersiedlung des Dominikanerordens von der Herrengasse nach St. Andrä in die Murtvorstadt kommt es zum Neubau der Stadtpfarrkirche "Zum Hl. Blut". Um 1780 wird von Joseph Stengg der Kirchturm der Stadtpfarrkirche erbaut.

Mit der Abschaffung der Todesstrafe 1783 durch Joseph II. wird das Gefängnis am Schloßberg unter zivile Verwaltung gestellt und die Strafe der Häftlinge nach dem „Allgemeinen Gesetz über Verbrechen und derselben Bestrafung" vorgenommen. Am 1. November 1783 werden bis zu 300 Schwerverbrecher aus den Kronländern nach Graz überstellt und am Schloßberg inhaftiert. Ihnen werden an beiden Wangen Zeichen eines Galgens oder Rades eingebrannt und monatlich die Haare geschoren. Nebst der Körperstrafe von bis zu 100 Stockschlägen für Männer und 30 für Frauen, gibt es für besondere Häftlinge auch die Strafe des "Anschschmiedens", bei der der Hals mit einem Eisen beschwert und der Rumpf an die Wand gekettet wird. Erst mit der Belagerung durch die Franzosen werden die Gefängnisanlagen gesprengt und die Insassen in die Karlau oder nach Ungarn und Slowenien transportiert.

1783 Stadtpfarrkirche

Im März steigt Kaiser Joseph II. im Gasthof "Zum weißen Lamm" (Lamplwirt) in der Schmiedgasse ab. Er verfügt, dass die Grazer Burg zum Sitz der Gubernalverwaltung wird: aus der einstigen Residenz wird somit eine Beamtenburg. Er verlegt die Sträflinge vom Zuchthaus in der Griesvorstadt in die Kaserne am Schloßberg. Im Lambrechterhof, dem Palais Wildenstein in der Paulustorgasse, richtet er ein "Allgemeines Krankenhaus" ein, in unmittelbarer Nähe in der Palmburg ein Gebä#rhaus für ledige Mütter und Damen der Gesellschaft, die nicht ihren wahren Namen angeben müssen und das Haus mit Masken verschleiert wieder verlassen können, sowie im heutigen Volkskundemuseum ein Irrenhaus. Das Karmeliterkloster widmet er in ein Militärspital um.

Der Edle Leopold von Auenbrugger , 1722 in der Grazer Vorstadt geborener Gastwirtesohn, wird nach seinem in Graz begonnenen Medizinstudiumk 1752 in Wien Hofarzt von Maria Theresia. Wie schon zu seinen Kindheittagen, wo er im Wirtshaus seines Vaters, "Zum Scharzen Mohren", durch das Beklopfen der Fasswände die Füllung der Weinfässer abzuschätzen lernt, fällt ihm als Arzt das Phänomen der Schallunterschiede beim Beklopfen verschiedener Stellen der Brustwand auf. Mit dieser Entdeckung. die er 1761 unter dem Titel "Inventum novum ex percussione horacis human ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi" (Neue Erfindung mittels Anschlagens an den menschlichen Brustkorb als ein Zeichen, um verborgene Brust-Krankheiten zu entdecken) publiziert, wird er zum Erfinder der Perkussion. Aber auch auf dem Gebiete der Kunst ist er erfolgreich, indem er das Libretto zum Singspiel "Der Rauchfangkehrer" von Antonio Salieri, seinen Trauzeugen, schreibt, das 1781 in Wien Premiere feiert.

Der Postmeister Caspar Andres Ritter von Jacomini, ein Patrizier aus Fiume, lässt sich 1784 in Graz nieder und beginnt auf den von ihm erworbenen Gründen mit der Gründung der Jacominivorstadt, indem er südlich des ehemaligen äußeren Eisernen Tores eine Platzanlage mit ausgehenden Radialstraßen (Josephs-Platz, Jakominiplatz) und das schlossartige dreigeschossige Gebäude der "Alten Post" (Neuhof) errichtet lässt.

Der junge protestantische deutsche Tagesschriftsteller Johann Casper Riesbeck berichtet über seinen Aufenthalt in Graz: „Man hält gewöhnlich des Tages vier ordentliche Mahlzeiten: Morgens, Mittags, Abends und zu Nacht. Hahnen, Enten, Kapaunen und dergleichen mehr sind das Essen des gemeinen Bürgers, und kommen auch außer den Sonn- und Feyertagen öfters auf seinen Tisch. Ich erschrak, wie ich die Wänste den ganzen Tag wie angenagelt an dem Tische sitzen, und mit mir ihren ungeheuren Zurüstungen von Braten, Torten, Pasteten, Schinken, Würsten u.s.w. so ernstlich zu Leibs gehen sah, um ich mit aller Gewalt auf ein paar Wochen krank zu machen. Ihre Köpfe machen wirklich einen Theil ihrer Wänste aus, und sind wie diese mit nichts als Schinken, Würsten u. dgl. immer angefüllt. Man redet von nichts, als was in die Küche und Keller gehört, einige Digressionen aufs Theater ausgenommen, und in wenig andern Dingen als der studierten Zubereitung ihrer Speisen, unterscheiden sich die gemeinen Leute von Orangoutans. Von der Fülle des Landes kannst du dir einen Begriff machen, wenn ich Dir sage, daß man einen fetten Kapaunen hier um 18 bis 20, und ein paar schöne junge Hahnen für 10 bis 12 Kreutzer kauft. Für 10 bis 12 Kreutzer bekömmt man eine Maß sehr guten inländischen Weines, und das Roggenbrot kommt nicht viel über einen Kreutzer zu stehen Die Stadt sammt den Vorstädten enthält beynahe 30000 Menschen. Die Leute zeigen eine unbeschreibliche Bigoterie im Abstich mit einem ebenso unbeschreiblichen Hang zur sinnlichen Wohllust. Die Mönche lehren eine Religion, welche für die Sitten äußerst verderblich und also unkristlich ist. Die Zizisbeen begleiten die Weiber aus den Betten in die Kirchen und führen sie am Arm an die Beichtstühle hin. Eine besondere religios-profane Feyerlichkeit für die Frauen zu Grätz ist eine Wallfahrt nach Mariazell in Begleitung ihrer Buhlen. Es ist für sie das, was anderswo eine Bad oder ein Gesundbrunnen für die Damen ist. Einer meiner Bekannten hatte die Ehre, eine schöne Dame von Grätz neben ihrem Freund dahin zu begleiten. Es war zu erwarten, dasß am folgenden Morgen wegen dem Fest der hl. Jungfrau ein großes Gedränge um dieBeichtstühle sein werde. Abends ward die Frage aufgeworfen, ob die gnädige Frau nicht besser thäte, densalben Abend ihre Sünden durch das heilige Vomitive von sich zu geben. ,Ich will warten bis Morgen frühe', sagte sie, ,denn ich müsste sonst zweimal beichten, um mit reinem Herzen zur Kommunion gehen zu können.' Man rieht ihr, sie solle die Sünden der nächsten Nacht voraus auf den Konto bringen. .Ey das gilt nicht', erwiderte sie - die Weiber ..."
In den „Briefen eines Eipeldauers an seinen Vetter in Kalkau“ geht der Verfasser Josef Richter auf die Eigenschaften der Grazer Frauenwelt wie folgt ein: „Die Gratzerinnen müssen bekanntlich alles größer haben als die Wienerinen. Wenn d’Haubn ein halb Klafter hoch sind, so baun d’Gratzerinen noch ein Stock drauf und machen ein Klafter draus; wen den Wienerinen d’schneckerlperöcken nur bis auf’s Kreuzbeinl hinabgeht, so sind d’Gratzerinen in d’Peröcken völig eingewickelt; wenn d’Wienerinen an drey Fingern einen Ring tragen, so haben d’Gratzerinen an jeden Finger ein paar stecken; wenn die Medailloni von den Wienerinen so groß wie ein Reittäfel sind, so tragens d’Gratzerinen so groß wie ein Nudelbrett.

1784 Lamplwirt Lambrechterhof
Jakominiplatz Jakominiplatz Hauptplatz
Der in Wien zum Kupferstecher ausgebildete Freimaurer Johann Veit Kauperz betreibt 1785 die Gründung der "Steirischen Zeichenakademie", in der Stiche und Gemälde als Vorbildsammlung für Studierende angekauft werden. 1819 wird die Kunstsammlung öffentlich zugänglich. Mit dem Neubau des Joanneums in der Neutorgasse 1895 erfolgt dann eine Zusammenführung der beiden Bildgalerien, die dann 1941 unter Karl Garzarolli-Thurnlackh wieder in ein "Alte" und eine "Neue Galerie" getrennt werden..

Der Schauspieler und spätere Leiter des Hoftheaters in Wien, Johann Franz Brockmann, wird am 30. September 1785 in Graz als SAohn des Turmwächters vom Pulverturm am Schloßberg im Soldatenhaus in der Raubergasse geboren. Gleich nach seiner Lehre bei einem Bader schließt er sich einer Seiltänzer- und Gauklertruppe an und zieht mit dieser durch Ungarn bis nach Hermannstadt. Von dort nach Wien engagiert, begibt er sich auf Tournee nach Würzburg, Frankfurt/M., Mainz, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin, wo er zum ersten Mal seine Paraserolle, den Hamlet, spielt und zum gefeierten Hauptdarsteller avanciert, 1785 und 1786 gibt er umjubelte Gastspiele am Grätzer Landesständischen Theater. Das "Wiener Blättchen" berichtet: „Man konnte schon um 3 Uhr keinen Platz mehr bekommen." 1789 wird er erster künstlerischer Leiter des Wiener Hoftheaters (Burgtheater).
1785

Bau der zweiten Brücke, der "Neuen Brücke", der späteren Radetzkybrücke, die den Griedplatz mit der Stadtmitte verbindet.

Als einer der ersten Drucke von Andreas Leykam, der seit 1792 als selbständiger Drucker in Graz ttätig ist, erscheint 1786 aus der Autorenschaft des Advokaten und Dichters Dr. Joseph Eustach König (1758-96) "Das Gratzermärchen", ein Feuilleton über Graz und dessen Verhältnisse. König ist Besitzer einer kostbaren Bibliothek sowie Gemälde- und Statuensammlung und eines in seinem Weingarten in Eggenberg errichteten kleinen Theaters, in welchem er zusammen mit seinen Freunden Stücke aufführt, in denen er meist selbst die Hauptrolle spielt..

1786

Joseph Haydn stattet Graz einen Besuch ab und dirigiert im Renaissancesaal des Reinerhofes seine eigenen Werke, worüber der Dichter Johann von Kalchberg als Ohrenzeuge in Jubel ausbricht: "Freu dich des Glücks, um das dich Kön'ge neiden, O Vaterstadt, die du als Gast, Den mit Unsterblichkeit geschmückten Haiden, in deinem Schooß bewirthet hast".

Graz ist eine der ersten europäischen Städte, deren Ststbefestigung aufgelassen wird. Das Glacis erhält eine mehrfache Nutzung: Der ständische Bauinspektor Johann Heinrich von Formentini lässt vom Eisernen Tor bis zum Paulustor am Damm eine Kastanienallee anlegen, an der Ecke Leonhardstraße entsteht der Getreidemarkt, der heutige Kaiser-Joseph-Platz ist dem Holzhandel gewidmet und heißt dementsprechend "Holzplatz" und der nördliche Teil wird zum Parade- und Exerzierplatz der Garnison.

Richard Seebacher, der Braumeister und Mohrenwirt am Murvorstadtplatz (Südtirolerplatz), stiftet das Bürgerspital und aktiviert das Grazer Bürgerkorps.Der weitgereiste Geograph und Schriftsteller Josep Karl Kindermann kehrt nach seinem Aufenthalt in Südafrika, wo er am Kap 1772 auch den Weltumsegler James Cook kennenlernt, wegen einer Krankheit in die Steiermark zurück und widmet sich besonders geografischen undkarthografsichen Arbeiten. Er stellt auf dem Schloßberg zur Fixierung der wahren Mittagszeit einen anch ihm benannten Merdian auf, leitet die Redaktion der "Grätzer Zeitung" und schafft sich mit seinen wissenschaftlichen Publikationen ,,Steyrischer Robinson", dem 12-blättrigen Kartenwerk ,,Die Provinz Innerösterreich" und dem „Historischen und Geographischen Abriß des Herzogthums Steyermark" einen hervorragenden Namen. Im letzteren 1787 erschienenen Werk schreibt er über die Einwohner und Sitten: „Die Anzahl aller Einwohner dieses Herzogthums betraegt beri 800.000 Seelen. ... Der obersteyermärkische gemeine Mann hat einen gut verdauenden Magen, ist gesund, stark, arbeitsam, dabei rugi, redlich, aufrichtig, besitzes meist Freiheit, Vermögen und - die Folgen dieser beiden ohne Erziehung - viel Dreistigkeit. Die obersteyermärkischen Landmädchen sind fleißig, eines fröhlichen Gemüts, rund und vollbusig. Diese Eigenschaften, keine davon ausgenommen, findet man auch bei den Untersteyermärkern, allein schon nach einem verjüngten Maaßstabe, und er verjüngt sich, jemehr man den Graenzen von Krain und Kroatien nahe kommt. Unter den Obersteyermärkern sind die Kröpfe sehr gemein, man muß sie dem kalten, schweren und mit Kalkheilen impraegnirten Bergwasser, das sie trinekn, zuschreiben. Auch gibt es unter diesen eine Art blödsinniger Leute, die hier zu Lande oft betrübte Gegenstände mancher muthwilligen Belustigungen sind. Jene Steyermärker, die über den gemeinsten Stand sind, die Städter, besonders die Einwohner der Hauptstadt unterscheiden sich durch geschmeidigere Sittenund Industrie, der ansehnliche Theil derselben auch noch durch Lektuere und eine aufgeklärte Denkungsart, und der Adel durch Leutseligkeit. Das Stadtfrauenzimmer hat meistens einen schoenen Wuchs, Wangen von reiner Luft gemalt, freye, durch keien üebelverstandene Grimassen entstellte Gesichtszuege, eine natuerliche Ungezwungenheit. Nationalbelustigungen der Steyermärker sind, daß sie Jagen und Scheibenschießen."

1787

Joesph.Haydn

Marie Thérèse de Savoye, Prinzessin von Sardinien, Schwägerin von Frankreichs König Ludwig XVI., muss in den Wirren der Französischen Revolution mit ihrem Gemahl, dem Grafen Charles-Philippe von Artois, aus Frankreich fliehen und lebt, von diesem verstoßen, arm und mittellos bis zu ihrem Tod im Jahre 1805 im Exil in Graz. Mit dem Titel "Gräfin von Artois" wird sie im Mausoleum beigesetzt. Ihr ehemaliger Gatte wird 1824 als Karl X. König von Frankreich.

1789 Marie Therese de Savoie

Auf der Reise nach Wien nächtigt der Großherzog der Toscana, Kaiser Leopold II. (1747-1790-92), mit seiner Familie im "Gasthof zur Sonne" in der Mariahilferstraße 12, der ab 1824 auch über ein Flußbad an der Mur verfügt. Nach Joseph II. überraschendem Tod an Tuberkulose übernimmt Leopold die Herrschaft über die habsburgischen Erblandewurde und wird am 30. September zum Kaiser gewählt und am 9. Oktober 1790 in Frankfurt am Main als Leopold II. gekrönt.

Da sowohl der private Postverkehr der Familie derer von Paar als auch jener der regulären Staatspost mit Postreitern und Postkutschen entlang der Hauptverkehrswege, wo es Poststationen mit Pferdewechsel gibt, nicht wirklich funktioniert, versucht es der in Prag gescheiterte Stadtpostgründer Franz Garsie nun 1790 in Graz, wo er überraschend schnell die Genehmigung bekommt, in der Herrengasse 140 (heute 19) . Mit seinem Kompagnon und Geldgeber Ignaz Kleebinder organisiert er 1794 nicht nur in den Städten, sondern auch am Land "Unterämter", wo Briefträger in gelben Jacken täglich viermal die Post zustellen. Da dieses postalische Angebot der „Kleinen Post" von der Bevölkerung wieder nicht angenommen wird, flieht er heimlich aus Graz mit hinterlassenen Schulden von 30000 Gulden. Nun übernimmt zuerst Dr. Wolfgang Pauer und dann Johann Settele die Poststelle, die jetzt in die Färbergasse Nr. 102 übersiedelt. Ab 1. August 1847 erledigt letztlich die Staatspost alle Postgeschäfte.

Erste bemannte Ballonfahrt durch Enßlen in Graz.

Der Buchhändler Joseph Andreas Kienreich erwirbt die Bruckmyerische Buchhandlung in Graz und gründet den Verlag "Jos. A. Kienreich"; das älteste erhaltene Werk ist „Der vollkommene Weinwirtt".

1790
Während des Aufenthalts von Erzherzog Franz im Sommer in Graz läuft alles, Jung und Alt, zusammen, um ihren zukünftigen Herrscher zu sehen. Wo immer man hinkommt, ist das Gespräch von Erzherzog Franz, und das Gespräch wird mit wahrem Entzücken geführt: „Sehen Sie den Erzherzog Franz!, o wie liebenswürdig er ist!, er ist die Huld selbt! Gott erhalte ihn! Gott segne ihn! Wir alle werden glücklich seyn!" 1791

Nach dem überraschenden Tod Kaiser Leopolds II. folgt diesem Franz, der ältere Bruder von Erzherzog Johann, als Kaiser Franz II. des Heiligen Römischen Reiches sowie als Kaiser Franz I. von Österreich auf den Thron.

Nach langer Zeit des Verbotes hält am 15. März der Pfarrer der protestantischen Gemeinde Ramsau im großen Saal des Grazer Generalseminars wieder einen evangelischen Gottesdienst ab.

Der Kaufmann und Mozartfan Franz Deyerkauf lässt vor seinem Landhaus in der Schubertstraße 35 zu Ehren Mozarts einen kleinen Tempel errichten.

In dem 1792 erschienenen, 62 Kapiel umfassenden Druckwerk „Skitze von Grätz“ schreibt der Verfasser - vermutlich der Rechtsanwalt Dr. Eustach König, manchmal- aber auch der als Verwalter der Herrschaft von Kapfenberg bezecihnete Martin Rutnik - auszugsweise über Graz und seine Bewohner: „Unter den 19 noch bestehnenden Kirchen befinden sich 8 Pfarrkirchen, worunter eine, nämlich die ehemalige Hof- und Jesuitenkirche, seit dem Jahre 1787, zugleich die Dom-und Kathedralkirche des Bischofs von Seckau ist. Klosterkirchen, die keinen Pfarrbezirk haben, sind gegenwärtig nur drey noch, nämlich jene der bamherzigen Brüder, der Ursulinerinnen, der Elisabethinerinnen. Die Kirche der ehemaligen Karmeliterinnen im Kälbernenviertel oder in der Neutorgass ist seit dem die Nonnen aufgehoben worden sind, beständig für Jedermann gesperrt. Neben den 8 Pfarrkirchen sind in Grätz auch zwey Lokalplaneyen, nämlich eine bei dem Berg Kalvaric, und die andere in der Karlau bei der aufgehobenen Kirche der Trinitarier. Die Festungskirche auf dem Schloßberge, die welsche Kirche auf dem Grieß, die Armenhauskirche ebenfalls auf dem Grieß, die Kirche der aufgehobenen Kapuziner auf der Stiege neben dem Tollhause, und die Kirche der heil. Kunigunde auf der Glacis, insgemein die Lechkirche genannt, haben alle ihren Benefiziaten, der darinn zwar Messe zu lesen, aber weder zu predigen noch sonst eine pfarrliche Handlung zu verrichten hat, ... Seit 1784 sind die Namen der Gassen, der Plätze, zur Bequemlichkeit der Fremden allenthalben doppelt angeschrieben. Unter den 16 grossen und 13 kleinen Gassen der Stadt ist die Herrengasse die breiteste, die Sporrergasse die unbequemste, die Schmiedgasse die unruhigste, die Murgasse die volksreichste, die Neutorgasse die unflättigste, die Färbergasse (zu gewissen Stunden) die galanteste, .... Graz erhält durch seinen Adel einen Glanz, den die Residenzstadt manches anderen Fürsten nicht hat. Indessen sind die heutigen adelichen Geschlechter in Grätz von einem sehr alten Ursprung. Gräfliche Häuser in Grätz sind nun folgende: Attems,Auersperg, Brandis, Breuner, Dietrichstein, Galler, Gleispach, Herberstein, Inzaghi, Katzianer, Kottuliski, Kuenberg, Lamberg, Lengheimb, Leslie, Pugstall, Rindsmaul, Sauer, Saurau, Schwarzenberg, Stadel, Stubenberg, Thun, Trautmannsdorff, Wagensberg, Welserheim, Wildenstein, Wurmbrand, Zehentner. .... Die Grätzer Mädchen, diese liebenswürdigen Geschöpfe verdienen den Namen der Schönen in der That, sowohl in Rücksicht auf den Wuchs als die Bildung. Dies mußten die Ungarn schon im 9. Jahrhundert eingesehen haben, denn als sie unter Arnulfs Regierung in der Steiermark einfielen, machten sie eine ebenso starke Beute an schönen Weibern, als an Eisenwaren. Die Grätzerinnen sind meist groß und schlank, mit einer sehr schönen Taille, welcher sie durch eine geschmackvolle Kleidung allen Reiz zu geben wissen, ihre Haut ist weiß, sie haben ein schönes zärtliches, schmachtendes Auge mit offenem Blicke. Keine Schminke verunstaltet sie, obwohl damals in der Rokokozeit das Schminken ein sonst überall beliebtes Toilettemittel war. Manche halten die Füße für groß und plump, doch dies trifft nur bei gemeinen Dirnen und Wirtshausmädchen zu. Fremde können beim ersten Anblick leicht glauben, daß die Lectüre eine Lieblingspassion der Grätzer Frauenzimmer sey, denn nicht nur auf der Toilette der Dame, sondern auch in der Stube des Kammermädchens und sogar manchmal in den Händen einer Köchin wird er Bücher finden; aber am Ende wird er doch bald überzeugt, daß alles meistens nur bloße Ziererei ist. Der ausschweifendste Punkt der Grätzer Schönen ist der Punkt der Liebe, denn sie sind ganz Gefühl und lieben die Veränderung. Heute wird ein Liebhaber ohne viel Ümstände glücklich gemacht und morgen erhält er den Abschied, und ein anderer tritt an sein Stelle, der eben so bald von einem dritten verdrungen wird. Anhaltende Liebe und unverletzte Treue sind bisweilen zu finden, aber im Allgemeinen kann man sie immer als Seltenheit betrachten. .... Blödsinnige und halbnärrische gibt es in der Stadt Grätz und ihrer Gegend gar nicht selten. Diese Geschöpfe - ein Mittelding zwischen Mensch und Vieh - werden hier Troteln, Tapeln oder Talken genannt. Der Boden, auf dem sie vorzüghlich Gedeihen finden, ist der Grätzbache. Fast jedes Haus hat einen blödsinnigen Sohn oder eine halbnärrische Tochter aufzuweisen. In manchen findet man gar 3 Troteln, die bis an ihr Ende den vollkommenen Gebrauch der Vernunft nicht erhalten. Viele davon sind ganz stumm, andere reden zwar etwas oder bellen und krähen vielmehr, aber so unartikuliert, daß sie selbst von ihren eigenen Eltern nicht verstanden werden. .... Grätz hat drey Zeitungsblätter, wovon jedes wöchentlich zweymal herauskommt. Das älteste unter diesen Blättern ist der Grätzer Merkur, den der Herr von Wiedmannsstätten schon seit Jahren verlegt. Im Jahre 1785 fing Herr Leykam an, eine Zeitschrift unter dem Namen Grätzer Zeitung herauszugeben. Ein Jahr später als die Grä#tzer Zeitung entstand ein neues Blatt, die sogenannte Grazer (nicht Grätzer) Bauernzeitung. Nebst diesen Zeitungen erscheint auch bisweilen ein Frag- und Kundschaftsblatt. Von den anderen Zeitungen werden am meisten gelesen, die Wiener, Neuwiener-, Brünner-, Augsburger- und Hamburgerzeitung. Ferner, der Courrier du Bas Rhin, die waelsche von Florenz und die oberdeutsche Literaturzeitung. Eben erscheint eine Ankündigung einer neuen Zeitung unjter dem Titel für Damen und andere Frauenzimmer. Sie soll hier in Grätz jährlich nur 3 fl. kosten, und in der Tedeschischen Buchdruckerey zu haben seyn. Unter anderem stehen im Jahgre 1790 in Grätz folgendermassen: Bucbinder 8, Kupferstecher (bürgerlicher) 1, Pergamentmacher 1, Perückenmacher 15.

1792

Franz I.
Mozarttempel Mozarttempel
Chemisenkleid

Bürgermeister Johann Michael v. Steffn (1795-99).

Reichard Seebacher, Braumeister, Wirt des Gasthauses "Zum Mohren" am Südtirolerplatz und Oberst des Grazer Bürgerkorps, erbaut am Glacis das Grünangerhaus mit dem Cafe "Zum grünen Anger" (heute Grüne Spinne).
1795 Steffn Seebacher

Am 10. April besetzt der junge siegreiche Obergeneral Napoleon Bonaparte mit seinen Generälen Massena, Berthier, Beaumont und Serrurier sowie 26000 Soldaten Graz, das für zwei Wochen französische Garnisonsstadt wird. Die französischen Truppen der ersten Besatzung patrouillieren vor dem 1550 erbauten Renai8ssance-Rathaus, das nicht nur Residenz des Bürgermeisters ist, sondern in den Obergeschoßen auch das städtische Gefängnis beherbergt. Napoleon selbst residiert zweimal, vom 10. auf den 13, und vom 22. bis zum 26. April 1797, in der Beletage des Stubenberg'schen Haus in der Herrengasse 13. Am 11. April speist er im Milchmariandl und besucht auch die Schloßbergfestung, die er nach seiner Besichtigung als Bicoque (Bruchbude) bezeichnet. Zwischenzeitlich ist Napoleon freudig empfangener Gast bei Bischof Alexander Franz Joseph Graf Engl von und zu Wagrein in dessen Residenz im Stft Göß, wo es am 18. April zur Unterzeichnung des "Vorfriedens von Leoben" zwischen Frankreich und Österreich kommt.

1797

Massena
Rathaus Milchmariandl

Franz Lauterer verbaut die vom Schloßberg in die Sporgasse herunterlaufende Felsschlucht des mittelalterlichen Stadtgrabens zur Stiegengasse, die nach dem Vorbild auf dem Hradschin in Prag auch als "Goldmachergässchen" von Graz bezeichnet wird.


Im November 1798 tritt in der Steiermark eine schwere Pockenepidemie auf, an der bis zum 25. April 1799 im Raum Leoben allein 84 Menschen sterben. Der Leobener Arzt Dr, Johann Peintinger kann aber Schlimmeres verhindern, indem er sich 1798 aus London ein Impfserum besorgt und als erster Mediziner in Öaterreich mit einer gezielten Pockenimpfung beginnt. Anfang des 19. Jahrunderts gelangt nämlich eine alte indische Impfmethode nach Konstntinopel und von dort durch die Gattin des englischen Botschafters nach London. Ganz Europa übernimmt diese Technik und so führt Kaiserin Maria Theresia, die drei ihrer Kinder durch Pocken verloren hat und selbst nur knapp daran überlebte, die Pockenimpfung und 1768 am Rennweg ein „Inokulationshaus" ein. Trotzdem sucht man nach Verbesserungen und der englische Landarzt Dr. Edward Jenner infisziert 1796 einen Buben mit Kuhpocken, was dieser unbeschadet übersteht. Er nennt die Impfung "Vaccination" , die sich in Windeseile verbreitet und von der auch Dr. Peintinger erfährt.
1798
Im Cafe Grafl in der Sackstraße 36 kommt es auf Betreiben des bei der Firma J. Haidters Erben als Buchhalter angestellten Benedikt Huber zur Gründung des Selbsthilfevereins "Institut zur Unterstützung kranker, armer, dienstloser, Alters- und Gebrechlichkeit wegen zum Dienen unfähig gewordenen Handelsdiener in Grätz". Das Leistungsnagebot ist ein Vereinsarzt, eine Apotheke und ein Spitalszimmer mit eigener Betreuung und Taggeld. 1890 übernimmt der Verein die Pflichtversicherung für kaufmännische Angestellte und eröffnet ein eigenes Haus der Kaufmannschaft auf den Gründen des aufgelassenen Joanneumsgarten - die heutige Versicherungsgesellschaft "Merkur".

Im Roman „Ferdinand Albert L. eines Grätzers Reiseschicksale“ beschreibt der Romanheld die Grazer als eine „Menschengattung, die, wie die Grätzer überhaupt das ungeheuchelte Lob verdienen, gutmüthig, dienstfertig, aufrichtig und gefällig ist, ja welche es in Rücksicht der schönen und einnehmenden Gesichtsbildung sowohl, als anderer körperlicher Vollkommenheiten ihres weiblichen Geschlechtes mit jeder anderen Nation aufzunehmen wagen darf.

Johann Wolfgang Goethe lässt in seinem Werk „Die Guten Weiber“ über Graitz folgendes erzählen: „Sie erinnern sich wohl, was ein Reisender von der Stadt Grätz erzählt: Dass er darin so viele Hunde und so viele stumme, halb alberne Menschen gefunden habe. Sollte es nicht möglich sein, dass der habituelle Anblick von bellenden unvernünftigen Tieren au die menschliche Generation einigen Einfluss haben könnte?

1799  

Auf der Reise von Palermo nach Wien macht die Königin von Neapel und Sizilien, Maria Karolina von Österreich. mit drei ihrer 3 Töchtern und einem Sohn am 15. August 1800 in Graz Station und nächtigt im Gasthof "Zum König von Neapel" in der Brückenkopfgasse 7. Ihrem Gefolge gehören auch Lord William Hamilton, eine Frau Lady Emma Hamilton und deren Geliebter, Admiral Lord Nelson, an, deren Ménage à trois großes Aufsehen erregt.

1800
Der 19jährige Erzherzog Johann wird angesichts der Bedrohung durch Napoleon Kommandant des Festungsbauwesens.

Errichtung des Drittens Grazer Sacktores. Beim Herannahen des Feindes behelfen sich die Anwohner der eng an den Berg angeschmiegten Häuser im Sack einer besonderen Hilfe für den Kommandanten am Schloßberg, der "Blumentelegraphie", indem sie durch die unterschiedliche Stellung ihrer Blumentöpfe auf den Fensterbänken Signale auf den Berg senden.
1801

Erzherzog.Johann Sacktor

Trauerkundukt anlässlich des Todes von Fürsterzbischof Joseph Adam Graf von Arco am 3. Juni 1802. Sein Nachfolger wird Bischof Johann Friedrich Graf von Waldstein (1802-1812). 1802 Fürstbischof Graf Adam Fürstbischof Johann Friedrich Graf von Waldstein
Der sächsische Dichter Johann Gottfried Seume sagt in seiner Schrift „Spaziergang nach Syrakus, die er am 6. Dezember 1801 im winterlichen Grimme bei Leipzig beginnt und die ihn über Dresden, Prag und Wien am 6. Jänner 1802 nach Graz birng, Folgendes:: „Wie wird es mir auf den steiermärkischen Wegen ergehen, von denen mir schon in Wien selbst Eingeborene bange machen wollen? ... Grätz ist eine der schönsten großen Gegenden, die ich bis jetzt gesehen habe; die Berge rund umher geben die herrlichsten Aussichten. Das Schloß, auf einem ziemlich hohen Berge, sieht man sehr weit; von demselben hat man rund umher den Anblick der schön bebauten Landschaft. Die Gefängnisse des Schlosses sind jetzt voll Verbrecher, die mir mit ihren Ketten entgegenklirrten. Das Spital, gleich unten am Schloßberge, ein stattliches Gebäude, ist von Josef dem Zweiten; und das neue sehr geschmackvolle Schauspielhaus, mit einer kurzen, ächt lateinischen Inschrift, von den Ständen. Herr Küttner spricht schon ziemlich gut von dem hiesigen Theater, und ich habe sein Urtheil völlig richitg gefunden. Die Grätzer sind ein gutes geselliges, joviales Völkchen; sie sprechen im Durchschnitt etwas besser deutsch als die Wiener. An der Wirthstafel erzählten einige Gäste vom Lande viel von der Bärenjagd und den Abenteuern, die es dabei gäbe. Ich glaubte immer, diese Art von Pelzwerk wäre nur mehr in Polen und jenseits zu Hause; aber voriges Jahr wurden hier in der Gegend zwölfe geschossen, und auch dieses Jahr wieder mehrere.
In den Jahren 1803 bis 1807 klassizistischer Neubau des Grazer Rathauses durch den Architekten Christoph Stadler. Die Kosten von 150000 Gulden werden durch eine eigene hierfür eingeführte Weinsteuer aufgebracht. 1803 Rathaus
Der berühmte Weltreisende und Forscher Alexander von Humboldt schreibt nach seinem Aufenthalt in Österreich: "Graz ist neben Salzburg die schönste Stadt Europas." 1804 Humboldt
Erzherzogin Elisabeth hält sich in Graz aus.

Im dirtten und letzten Koalitionskrieg okkubiert General Marmont am 12. November 1805 mit einem 8000 Mann starkes französisches Heer erneut für sieben Wochen die steirische Landeshauptstadt.
Sie werden vom Grazer Bürgercorps auf der Weinzödlbrücke empfangen. Seine Infanterie nimmt in der Stadt, seine Reiterei in der Murvorstadt Quartier. Der französische Marschall Auguste-Frederic-Louis Viesse de Marmont, Herzog con Ragusa, bewohnt den Lesliehof in der Raubergasse und bezeichnet in seinen Memoiren Graz als eine der angenehmsten Hauptstädte der österreichischen Staaten: „La ville des graces sur les bordes de l'amour. Sie ist die schönste und wird von einem wohlhabenden Adel bewohnt. Ihr Ansehen mahnt an die Nachbarschaft Italien, während die Sitten der Bewohner noch den Charakter deutscher Gutmütigkeit besitzen. Sie hat Anteil an der Natur dieser beiden Länder. Der Murfluß, welcher sie durchschneidet, fließt zuerst durch enge malerischen Schluchten und dann durch eine breite, gut bebaute Ebene, in welcher die Stadt liegt. Ich fand hier viele Emigrierte, welche dem Haus der Gräfin d'Artois angehörten, sie werden beschützt, und nichts stört ihre Ruhe."
Als sich am 26. November die Heere von Erzherzog Karl und Erzherzog Johann bei Windischgrätz vereinen, zieht ihnen General Marmont - durch den Kollaborateur Franz Haas über die österreichischen Truppenbewegungen genau informiert - bis Wildon entgegen. Der Sieg Napolens bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 veranlasst Marmont aber dann, seine Truppen wieder in Richtung Wien in Marsch zu setzen. Mit den Verhandlungen zum Waffenstillstand kehren die Franzosen jedoch abermals in die von den kaiserlichen Truppen verlassene Steiermark zurück, bis sie endlich mit dem Friedensabschluss von Preßburg am 29. Dezemebr 1805 das Land Richtung Süden verlassen.

1805

Graz

Alois Beckh-Widmanstetter verkauft seine Offizin an Andreas Leykam, der das Recht bekommt, eine Zeitung - die „Grätzer Zeitung - herauszugeben und der das Adelspalais von Johann Kalchberg als Standort für seine Druckerei und seinen Verlag "Leykam" erwirbt.

Der durch seinen Geburtsort Straßburg und seine französische Mutter frankophil geprägte Kosmopolit Franz Julius Schneller nimmt nach Jahren der Reisebegleitung von Graf Sinzendorf in Paris, London, Venedig und Belgrad eine Lehrstelle für Geschichte am Lyzeum in Linz an, wo er auch Napoleon als dessen eifrigen Bewunderer persönlich kennenlernt. 1806 bekommt er am Grazer Lyzeum den Lehrstuhl aus Geschichte, seinem Lieblingsfach; zusätzlich liest er aber auch noch Enzyklopädie, Logik, Metaphysik, Ästhetik, praktische Philosophie, Pädagogik und Anthropologie. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit wie "Staatsgeschichte des Kaiserthums Oesterreich" oder "Geschichte von Oesterreich und Steiermark" betätigt er sich auch als dramatischer Dichter, darunter die Dramen „Vitellia" und das Lustspiel "Gefangenschaft". Auch gibt er den "Hesperus", ein "Nastionalblatt für gebildete Leser" heraus. In seinen "Fragmenten über Grätz" und "Briefen über die Steiermark" schreibt er: „
Grätz ist nah umkränzt von einer Reihe Gärten, welche der Allmächtige viel schöner ordnete, als je die schwache Menschenhand vermöchte. Es kann sich mit Dresden, mit Heidelberg, mit Zürich in Rücksicht der Umgebung messen. ... Zwei Hügel sind die lieblichsten, sie stehen wie Perlen an einer Diamantenschnur, der eine ist nachg den Rosen benannt, der andere nach den Ruckerln, wie man hier die Butterblümchen heißt. vom Rosenberge führen die Wege luftig zu Maria-Schnee und heimlich zu Maria-Grün; beide laufen zusammen am erfrischenden Ulrichsbrunnen. Vom Ruckerlberg sieht man nördlich die steirischen Alpen in sieben Felsenstufen übereinander emporsteigen, uns südlich die grätzerischen Felder in meterlangen Gebreiten wie Tisch und Teppich hingelegt." Mit einer großen Künstlerschar, wie nFellinger, Anastasius Grün, Grillparzer, Friedrich Halm pflegt er einen freundschaftlichen Austausch und vermittelt so auch den Kontakt zwischen Beethoven und Maria Pacher. Auch lehrt er dem in Graz lebenden Bruder Napoleos, Louis Bonaparte, die deutsche Spracher. Die über Schneller ausgestreuten Verdächtigungen, Josephiner und Bonapartist zu sein, bewegen ihn schließlich, 1823 den Lehrstuhl für Philosophie in Freiburg anzunehmen.
1806

1807 erscheint die von J. A. Kienreich herausgegebene "Topographische Kunde von der Hauptstadt Grätz" des Grazer Stadtphysikus Dr. Stephan Benditsch, in der dieser über merkwürdige Gegenstände des Lebens, der Geisteskultur und der Gesundheit der Einwohner von Graz sowie über die Franzoseneinfälle der Jahre 1797 bis 1805 berichtet.

1807  
Kaiser Franz I. erlässt am 9. Juni 1809 für alle wehrfähigen Männer zwischen 18 und 45 Jahren das Landeswehrpatent. Als Zweck heißt es: "Vertheidigung des Vaterlandes, Erhaltung der jetzigen Milden und gerechten Verfassung, der Nationalehre und Selbständigkeit, und zur Erfüllung dieses Zweckes ist jeder Flitter überflüssig." Am 24. März 1808 findet dann auf dem Glasic in Anwesenheit von Erzherzog Johann die Fahnenweihe und Eidesleistung der fünf Landwehrbataillone des Grazer Kreides statt.

Das Dominikanerkloster in der Grenadiergasse wird in eine Kaserne umgewandelt.
1808 Dominikanerkaserne

Am 12. Februar 1809 bekommt Erzherzog Johann das Kommando über die Südarmee (Kärnten, Steiermark, Krain und Görz) und Österreich erklärt Frankreich am 9. April 1809 den Krieg (5. Koalitionskrieg). Bei Pordenone und Sacile besiegt er am 16. April 1809 den Schwiegersohn Napoleons, den italienischen Vizekönig Eugène-Rose de Beauharnais (Eugen Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt). Beauharnais verfolgt die Österreicher durchs Kanaltal, die am 18. Mai 1809 bei den Festungen Malborgeth unter Hauptmann Hensel sowie am Predilpass unter Hauptmann Hermannsdorf Rückschläge erleiden, sodass Erzherzog Johann über Klagenfurt nach Graz maschiert. Vizekönig Beauharnais hingegen führt seine Truppen über Neumarkt und das Murtal Richtung Donau. In Judenburg kann er aber durch das dortige Landwehrbataillon am Weitermarsch gehindert werden, sodass die vom Norden über den Schoberpass kommende österreichische Division unter Feldmarschall Franz Freiherrn von Jelačić und General Ettinghausen rechtzeitig anrücken kann. So stehen sich am 25. Mai 1809 in in der Schlacht von St. Michael 20 österreichische Bataillone mit 10000 Mann udn 28 französische Bataillone mit 15000 Mann gegenüber, welche die Franzosen für sich entscheiden. Jelačić und Ettinghausen maschieren mit ihren verbliebenen 4500 Soldaten nach Graz, wo sie, wie ursprünglich geplant, sich mit Erzherzog Johanns Armee zusammenschließen. Um seinem Bruder Erzherzog Carl gegen die Bayern zur Hilfe zu kommen, muss Erzherzog Johann Graz aufgeben und zieht mit seiner Armee über Gleisdorf nach Ungarn, wo er am 14. Juni 1809 in der Schlacht bei Raab (Györ) von Eugène Beauharnais nedgültig geschlagen wird.

1809


St.Leonhard

Währendessen stehen die Franzosen unter der Führung von Jacques MacDonald, von Marburg kommen, am 29. Mai 1809 vor Graz und beziehen auf dem Ruckerl- und Rosenberg Stellung. Zwischen der französischen Batterie am Schanzelgrund (Schanzelwirt) und den zur Verteidigung zurückgelassenen 900 österreichisch-kaiserlichen Soldaten, die im Schloss Sparbersbach (Hallerschlössl) unter der an Major Franz Xaver Hackher übertragenen Führung ihr Hauptquartier haben, tobt ein hartneckiger Kampf. Am 13. Juni 1809 wird die Festung des Grazer Schloßberges von den Franzosen angegriffen.Trotz starkem, 7 Tage dauernden, Bombardement und etlichen Sturmangriffen der Franzosen - am 13. Juli durch 12000 Franzosen unter dem Kommando von McDonald und unter Oberst Jean Hugues Gambin, am 4. Oktober durch 15000 Franzosen und Würtemberger - kann Major Franz Hackher den Schloßberg erfolgreich verteidigen: „Die Franzosen haben die nur spärlich bemannte und schlecht bewaffnete Festung aus drei Stellungen in der Grabenvorstadt und im Geidorf beschossen undin insgesamt 7 Infanterieangriffen ihre Eroberung vergeblich versucht." hm zu Ehren wird 1909 der "Hackher-Löwe" aufgestellt. Schlossberg Schlossberg Schloßberg
1809.Schlossberg

Trotzdem fällt die stolze Festung: Erzherzog Carl erleidet mit seinen 128000 Mann inzwischen - vergeblich auf die Hilfe der Truppen Erzherzog Johanns wartend - am 6. Juli 1809 gegen das 180000 Mann starke, wieder mit Beauharnais und Marschall McDonald vereinte Heer Napoleons bei Wagram eine Niederlage und muss am 12. Juli 1809 in Znaim einem Waffenstillstand zustimmen, bei welchem die kampflose Übergabe des Schloßberges ausverhandelt wird.
Im Friedensvertrag von Schönbrunn am 18. Oktober 1809 zwischen Kaiser Napoleon und Kaiser Franz I. wird schließlich die Schleifung der Burg festgelegt und so beginnen am 16. November 1809 die Sprengungen durch die Grazer Bürgerschaft. Nur den Uhrturm und die "Liesl" können mit 2978 Gulden und 11 Kreuzern freigekauft und von der Zerstörung bewahrt werden.

1809.Schoenbrunn Schlossberg.Schleifung

Der französische Marschall Auguste-Frédéric-Louis Viesse de Marmont, Herzog von Ragusa, bezeichnet in seinen Memoiren Graz als eine der angenehmsten Hauptstädte der österreichischen Staaten: „Sie ist sehr schön und wird von einem wohlhabenden Adel bewohnt. Ihr Ansehen mahnt an die Nachbarschaft Italiens, während die Sitten der Bewohner noch den Charakter deutscher Gutmütigkeit besitzen. Sie hat Anteil an der Natur dieser beiden Länder. Der Murfluß, welcher sie durchschneidet, fließt zuerst durch enge malerische Schluchten und dann durch eine breite, gut bebaute Ebene, in welcher die Stadt liegt. Ich fand hier viele Emigrierte, welche dem Hause der Gräfin d’Artois angehörten; sie werden beschützt, und nichts stört ihre Ruhe.“


Als Erzherzog Johann von Wien aus beim Tiroler Freiheitskampf gegen die als schikanös empfundene bayrische Besatzung mithilft, dieser aber mit einer Niederlage der aufständischen Bauern und der standrechtlichen Erschießung von Andreas Hoffer endet, unterstellt Metternich dem Erzherzog wegen dieser Unterstützung des Tiroler Alpenbundes, sich zum König eines "Rätischen Reiches" machen zu wollen und sein kaiserlicher Bruder Franz I. verbietet ihm, sein geliebtes Tirol jemals wieder zu betreten. Dieses Verbot wird erst 1833 aufgehoben. Erzherzog Johann wählt daraufhin die Steiermark zu seinem neuen Lebensmittelpunkt.

Andreas Hofers treuer Gefährte im Tiroler Abwehrkampf ist der 1758 in der Sporgasse 14 in Graz geborene Kajetan Sweth. Als Sohn des Grazer Armenarztes Georg Sweth verlässt er nach dem abgeschlossenen vierten Gymnasialjahr das Elternhaus, besucht weiter das Gymnasium in Marburg und beginnt ein Studium an der Universität Salzburg. Um dem bayrischen Wehrdienst zu entgehen, flieht er nach Tirol, wo er 1809 Andreas Hofer kennenlernt und sich der Tiroler Aufstandsbewegung anschließt. Zusammen mit Hofer wird er auf der Pfandleralm gefangen genpmmen und mit diesem in Mantua eingekerkert und zum Tode verurteilt, jedoch im letzten Moment begnadigt und zwangsweise zur Fremdenlegion auf Elba eingezogen.

Der Jusstudent Janez Nepomuk Primic (1785-1823) aus Zalog bei Laibach gründet am 13. Mai 1810 am Grazer Lyzeum mit 15 slowenischen Theologiestudenten den ersten slowenischen Studentenverein, die „Societas Slovenica", um den - durch die von Napoleon geformten Illyrischen Provinzen - unterbrochenen Zuzug von katholischen Priestern aus Laibach in die Untersteiermark zu umgehen. Um die slowenische Sprache zu fördern, betreiben sie grammatikalische Studien, übersetzen die Evangelien ins Slowenische, verfassen ein slowenisch-lateinisches Wörterbuch und stellen den Antrag zur Errichtung einer slopwenischen Lehrkanzel, der im Juli 1811 tatsächlich von Kaiser Franz I. genehmigt wird. Primic selbst wird erster Professor an der neuen Lehrkanzel und konzipiert das Lehrbuch "Deutsch-Slovenisches Lesebuch".
1810

Napoleons Bruder Louis dankt 1810 als König von Holland ab und lässt sich nach mehreren Wohnungswechsel unter dem Namen "Graf von St. Leu" (sein Landsitz in der Nähe von Paris) in einer Villa in der Heinrichstraße/Herdergasse in Graz nieder. Hier lernt er auch Johann Wolfgang von Goethe kennen und widmet sich fortan seiner Leidenschaft, der Wissenschaft und der romantischen Dichtkunst, darunter der Briefroman "Marie, ou es les peines de l'amour". Bei seiner Abreise 1813 in Richtung Schweiz verfasst er folgendes Gedicht, welches auf einer Steinsäule in Mariagrün zu lesen ist: "Adieu à Graz. Adieu donc, ô ville chérie, oú le malheur vint m'éprouver; Mais oú sans amis, sans patrie J'ai cru souvent les retrouver." (Leb wohl du Stadt, die ich ersehnte, Wo meinen Schmerz ich überwand Und wo ich neu zu finden wähnte Verlorne Freunde, Vaterland.".
Die noch existierende, klassizistische Bonaparte-Villa in der Herdergasse 3 (ehemals Geidorfstraße 2) geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Erste Besitzer waren das ungarische Grafengeschlecht Erdödy, dann Aloisia Buresch (Edle von Greifenbach), 1784 Sigismund Freiherr von Schwitzen und 1810 Graf Vinzenz von Sauer, ehe es Louis Bonaparte am 17. August 1811 kauft. Nach der Nutzung als Kaserne und Spital erwirbt 1821 Fürst Johannes von Liechtenstein das Anwesen für eine Zuckerfabrik. Es ist die erste Fabrik mit Dampfbetrieb in der Steiermark.

Aufgrund des Besuches von Kaiser Franz I. wird in Graz eine allgemeine Beleuchtung angeordnet.

Louis Bonaparte
Mariagrün Mariagrün

Erzherzog Johann schenkt dem Land seine umfangreiche mineralogische und botanische Sammlung, die im Lesliehof in der Raubergasse 10 untergebracht wird und zur Gründung des Joanneums, einer naturwissenschaftlich-technischen Lehranstalt, führt, aus der sich die Grazer Technische Hochschule entwickelt. In diesem Umfeld entsteht auch der botanische Joanneumsgarten, die Landesbibliothek. Weiters regt Erzherzog Johann die Sammlung von Urkunden zur steirischen Landesgeschichte an, woraus sich das Steiermärkische Landesarchiv entwickelt, ruft die Wechselseitige Brandschadenversicherung ins Leben, erwirbt 1818 den Brandhof bei Mariazell, den er zu einem landwirtschaftlichen Mustergut ausbaut, gründet bei Marburg a. d. Drau ein Weingut, erwirbt 1840 die weststeirische Stiftsherrschaft Stainz, ruft den „Verein zur Förderung und Unterstützung der Industrie und des Gewerbes in Innerösterreich", Ausgangspunkt für die Grazer Handelsakademie, ins Leben, erwirbt in Vordernberg Radwerke, um den Grubenbau am Erzberg zu forcieren, gründet 1840 die "Steiermärkisch-Ständische Berg- und Hüttenmännische Lehranstalt" und zeichnet auch für die Trassenführung der Südbahn über den Semmering verantzwortlich.
Ebenso macht Erherzog Johann das Tragen der steirischen Tracht aktuell und den Steireranzug populär. Er schätzt besonders die Schlichtheit und Zweckmäßigkeit dieser ursprünglich von den Jägern der Obersteiermark getragenen grauen Tracht mit ihren grünen Aufschlägen und Lampassen und dem breitkrempigen Filzhut mit einem den Landesfarben entsprechenden dunkelgrünen Hutband. In einem Brief an Anna Plochl schreibt er: „Als ich den grauen Rock in der Steyermark einführte, geschah es, um ein Beyspiel der Einfachheit in Sitte zu geben, so wie mein grauer Rock, so wurde mein Hauswesen, so mein Reden und Handeln. Das Beyspiel wirkte, der graue Rock, von manchen verkannt, von den Besserern erkannt, wurde ein Ehrenrock und ich ziehe ihn nie mehr aus, ebensowenig weiche ich von meiner Einfachheit, lieber gebe ich mein Leben her."
Das Wort „Tracht" kommt von „tragen" und wird bis zum 19. Jh. allgemein für Kleidung gebraucht. Erst seit der Romantik wird der Begriff im Zuge einer allgemeinen Volkstumsverehrung als „Volkstracht" bezeichnet. Die echte Tracht verdeutlicht durch seine tiefe Symbolik die wirtschaftlichen und soztialen Werte der jeweiligen Zeit. Sie wird mit ganz bestimmten Werthaltungen, wie Bodenständigkeit, Heimatbewusstsein und Bauerntum in Verbindung gebracht. Sie erstarrt aber keineswegs in einer bestimmten Form, sondern bleibt stets für Veränderungen offen. So können etwa die steirischen Leibkittel in beliebigen Farbzusammenstellungen gewählt werden. In der Steiermark haben die Landesfarben wesentlich zur Farbzusammenstellung beigetragen. Vor dem Ersten Weltkrieg trägt man den Steirerkittel mit schwarzem Kopftuch, schwarzen Strümpfen und hohem Schuhwerk. Die steirische Männertracht ist untrennbar mit Erzherzog Johann verbunden.
Auch entfacht er das Wanderfieber, als er am 8. Juni 1811 erstmals den Schöckl erklimmt.

1811

Joanneumsgarten

Erzherzog Johann stellt in der Bibliothek der von ihm begründeten Gelehrten-Anstalt "Joanneum" den 1775 in Graz geborenen Schriftsteller und Maler Ignaz Kollmann als Scriptor an, der zuvor als Sekretär in der Herrschaft Gutenberg bei Fürst Seraphin Porcia in Italien sowie im Magistrat in Triest tätig war. Kollmanns Hauptverdienst ist die Begründung des literarischen Beiblattes "Der Aufmerksame" zur "Grätzer Zeitung" im Jahre 1812, welches später ab 1843 unter dem Namen "Stiria" fortgeführt wird. Zusätzlich malt Kollmann Bilder, veröffentlicht eine große Zahl von Gedichten und verfasst mehrere dramatische Stücke, wie der "Erzherzog Karl von Steiermark oder der Wundertag im Erzgebirge", "Maximilian. Ein Trauerspiel" oder "Dante. Drama".

1812 Graz
Die Erzherzöge Joseph und Luwig verweilen mit der Großfürstin Katharina von Rußland einige Tage in Graz.

Fürchterliche Regengüsse reißen ein Joch der Murbrücke weg.

Anlässlich der siegreichen Völkerschlacht von Leipzig findet, angeführt vom kommandierenden General der Kavalerie für Innerösterreich, Fürst von Hohenzollern, am Glacis eine Heeresparade statt.

1813

Napoleons jüngster Bruder, Jérôme Bonaparte, muss als König von Westfalen 1813 abdanken und nimmt als "Graf von Harz" ebenfalls in Graz, zunächst im Schloss Eggenberg bei der Gräfin Herberstein, Quartier. Nach der Abreise seines Bruders Louis übersiedelt er in dessen Liegenschaft in die Herdergasse 3, die heute das Volksbildungswerk beherbergt..

Erzherzog Johann veranstaltet auf Einladung seines Bruders Kaiser Franz I. zum Empfang des russischen Zaren Alexander und des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm in Graz in Eggenberg ein Volksfest, welches dann aber wegen Erkrankung ohne deren Anwesenheit gefeiert wird.

Franziska von Arnstein, Tochter einer reichen jüdischen Adelsfamilie kommt durch ihre Heirat mit Nathan Adam von Arnstein 1776 nach Wien und bringt den aus den elsässischen Zunfthäusern stammenden Brauch eines Weihnachtsbaumes mit, den sie hier 1814 erstmals aufstellen lässt. Fast zeitgleich führt auch die evangelische Ehefrau von Erzherzog Karl, die bayrische Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, den Weihnachtsbrauch eines geschmückten Bescherbaumes am österreichischen Kasierhof ein. In der Steiermark führt die Pianistin Marie Pachler als Erste den in Wiener Kreisen modischen Brauch des Christbaumes ein. Die eigentlich von Martin Luther ausgehende Idee, den katholischen Bräuchen um Nikolaus und Krippe etwas Neues gegenüberzustellen, wird überraschend schnell mit der auf Weihnachten verlegten Bescherung durch das Christkind aufgenommen.

Die Dominikaner übersiedeln in das Augustinerkloster im Münzgraben.

1814

Jerome.Bonaparte Eggenberg

Der Großherzog Karl August von Weimar und der Prinz Ernst Anton Carl Ludwig von Sachsen-Coburg besuchen Graz.

Erzherzog Johann reist mit seinem Bruder Erzherzog Ludwig nach Frankreich, England und Schottland.

1815

Die aus dem Anspach stammenden und in Graz verheirateten Brüder Ludwig und Karl von Mandell erwerben im Osten von Graz große Besitzungen: die Villa Mandell mit prächtigem Park.

Der französische Konsul Gemeinderat in Graz, Joseph Mayfredy, vermacht seine Besitzungen in Wagram der Grazer Stadtgemeinde.

Mit der Franzosenzeit befassen sich auch der Zollregistrator Franz Wastl in seinen 1809 verfassten „Begebenheiten in Graz in bezug auf die Invasion der Franzosen", weiters der in Graz geborene J. A. Kumar in den 1816 erscheinenden „Mahlerischen Streifzügen in den Umgebungen der Hauptstadt Grätz" mit der einzig erhaltenen Beschreibung von St. Thomas im Walde, der ältesten Grazer Kirche, sowie der ständische Kanonier Anton Sigl (1776-1863) in seinem Manuskript „Der Grätzer Schloßberg".

1816

Erzherzog Johann über die Ursachen der Notlage der steirischen Landbevölkerung: „Des redlichen Gouverneurs Fleiß richtet hier nichts aus. Mit Fleiß allein ist nicht[s] gerichtet, es will Thätigkeit und bey einem guten theilnehmenden Herzen und Popularität eine eiserne Unbiegsamkeit um da mit Ansehen durchzugreifen, wo es fehlt. Bey so einem Gubernio schläft alles ein, weil Fähigkeit, Wille, Ernst fehlt. Ohne mich in die andern Beamten dieser Stelle einzulassen, wo es wahrlich nicht glänzend aussieht. Denn um gebildet zu werden, gehört Beyspiel und Schule — und wo ist diese? Der Magistrat der Hauptstadt Gratz hat, hört man die öffentliche Stimme, nicht den besten Ruf. Der Bürgermeister ist diesem Platze gar nicht gewachsen, seine Versetzung an irgendeine Justizstelle das beste, und statt seiner ein thätiger, kräftiger. redlicher Mann, um den Augias Stall aufzuräumen. Hier ist wohl. da wahrlich die Magistratsräthe nicht dazu taugen, keine andere Wahl als unter den besseren Bezirksbeamten des Landes.“

Joseph Wartinger, der nach seinen juridischen Studien zuerst am Gymnasium in Marburg unterrichtet, betreut von 1817 bis 1850 das dem Joanneum angeschlossene Archiv. Er ist auch Verfassert des ersten Lehrbuches zur Geschichte der Steriermark.

1817
Am Geburtstag von Kaiser Franz I., am 28. Februar, feiert man die Restaurierung des durch die Grazer Bürger von den Franzosen geretteten Uhrturms, über den der Historiker und Schriftsteller Johann Ritter von Kalchberg in einem Gedicht sagt: "Alter Wächter, der in neuem Kleide nun so freundlich auf uns niederblickt, patriotisch in der Grätzer Freude, daß die Stände dich so schön geschmückt. Selbst die feindlich nahenden Magyaren konnten nicht erschüttern deine Ruh und der Türken unzählbare Scharen - ihren kühnen Stürmen trotztes du. Nur den tollen Fremdlingen aus Westen mußte beugen sich dein Haupt, nur von diesen ungestümen Gästen wurden deine Schätze dir geraubt. ..." Kalchberg wird unter anderem auch von Erzherzog Johann als Curator für sein neu eröffnetes "National-Musäum“ Innerösterreichs, das Joanneum, bestellt, begründet die „Steiermärkische Zeitschrift“ und schafft sich vor allem durch sein Stück „Die Ritterempörung“ - eine Dramatisierung der Andreas Baumkircher-Fehde - als Dichter einen Namen. Auf seinen besonderen Wunsch hin wird er 1827 in der Kirche des deutschen Ordens, der Leechkirche, bestattet.

Erzherzog Johann erwirbt den Brandhof auf dem Seeberg und baut diesen zu einem wirtschaftlichen Mustergut um.
1818 Kalchberg Kalchberg

Auf dem Weg von Wien nach Italien wechselt der Dichter Franz Grillparzer in Graz nur die Pferde, vermerkt aber in seinem Reisetagebuch: „Gräz, herrlich umgeben, macht, wenn man aus den Bergen kommt, den Eindruck, als ob man zum Frieden käme aus dem Krieg. Der Schloßberg überragt es wie ein Beschützer. Die Stadt ist groß, die Gassen eng, das Pflaster schlecht.

1819
Der in St. Gallen geborene Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Bonaventura Konstantin Hödl (1776-1848) lässt die nach der Franzosenbelagerung in Trümmern liegende Stadtbefestigung neu gestalten: Er baut auf den Fundamenten des 1809 zerstörten Pulverturmes ein Winzerhaus, das anch dem hier of auf Erholung weilenden Dresdener Hofschauspieler Gustav Starcke benannte "Starcke-Häuschen", er errichtet am Fuße der Stallbastei ein großes "ägyptisches" Portal, legt Weingärten an und pflanzt Sträucher und Bäume. Auch als Unternehmer geht Hödl neue Wege, indem er die Eggenbergerische Villa in der Alten Poststraße zu einer "Lehmproductenfabrik" (Ziegelei) umbaut und erstmals mit heimische Braunkohle Ziegel brennt. Auch werden hie farbig glasierte Dachziegel, Ziegel mit Eisenüberzug oder künstlerische Terrakottareliefs erfunden und hergestellt.

Karl Freiherr Cerrini (1777-1840), der 1809 die Bürgerbastei heldenhaft gegen die französischen Truppen verdeitigt, erhält zum Dank die Erlaubnis, sich in die an der südöstlichen Basteiecke gesprengte Bresche unter dem Uhrturm ein Haus, das Cerrini-Schlößl, zu bauen.

Mozarts Sohn Franz Xaver, auf Konzertreise durch Österreich, berichtet von einer Fahrt über den Semmering nach Graz: „Man kann sich keine schöneren Gegenden wünschen als sie, durch welche unser Weg führte ... Die Lage von Grazu ist wirklich sehr reizendf und hat den Vortheil, dass man die schönen Gegenden ganz in der Nähe hat."
1820

Die Pianistin und Komponistin Marie Leopoldine Koschak kommt am 2. Februar 1794 in Graz am Franziskanerplatz 33 zur Welt. Als musikalisches Wunderkind wird sie von ihrem Vater gefördert, erhält Klavier- und Gesangsunterricht. Häufig tritt sie bei den für sie veranstalteten Konzerten auf und komponiert schon als 9-jährige Tanzstücke und Märsche. Als ihr Vater schwer erkrankt, entscheidet sie sich gegen eine Karriere als Berufsmusikerin und heiratet 1816 den Grazer Bierbrauer und Advokat Dr. Karl Pacher (1789-1850), den Besitzer des "Rabenschinderhauses", dem Thonethof in der Herrengasse 28. Das Ehepaar Pacher führt dort einen musikalischen Salon, der zum Zentrum des Bildungsbürgertums wird und während des Sommers auf Gut Sparbersbach stattfindet. Marie, eine begeisterte Beethoven-Anhängerin, lernt den Komponisten auch persönlich in Wien kennen.

Als der Komponist Anselm Hüttenbrenner (1794-1868) zum Jurastudium nach Wien geht, wird er nebenbei auch Schüler von k.k. Hofkapellmeister Antinio Salieri (1797-1828), der ihm fünf Jahre lang unentgeltlich Kompositionsunterricht erteilt. Dort lernt er auch den 18-jährigen Franz Schubert 1797-1828) kennen, woraus sich eine lebenslange Freundschaft entwickelt. Schubert nennt Anselm sein "Kaffee-, Wein- und Punschbrüderl" und musiziert und komponiert sehr gerne in dessen Stube, dabei auch die berühmte "Forelle" Aber auch mit Anselms Brüdern ist Schubert befreundet: mit Heinrich, der später Universitätprofessor in Graz wird sowie mit Joseph und Andreas; letzterer ist von 1844 bis 1850 Bürgermeister von Graz. Der Tod seines Vaters zwingt Hüttenbrenner 1821 zur Rückkehr nach Graz, wo er als Komponist und Musikkritiker tätig ist und zweimal auch Direktor des Steiermärkischen Musikvereines wird. Schon bei Anselms früheren Fahrten nach Graz hat Schubert keine Freude über dessen Abwesenheit und ihm in einem Brief geschrieben: „Was hält Dich denn so satanisch fest in dem vermaledeyten Grätz?"

1821 Pachlerhaus Marie Bachler Hüttenbrenner

Für einen Besuch von Kaiser Franz I. lässt der kaiserliche Gouverneur Ludwig Graf Taaffe den Karlsbau der Grazer Burg adaptieren und mit Möbeln einrichten. Auch die Hofkapelle wird restauriert, um der kaiserlichen Familie einen standesgemäßen Besuch der Hl. Messe zu ermöglichen.

In der reaktionären Zeit des Vormärz werden für alle Beamten dunkelgrüne Uniformen mit kornblauen Aufschlägen sowie für alle Lehrer Uniformen mit karmelitbraunen Aufschlägen und silbernen Knöpfen eingeführt. Der Steireranzug als Indiz für eine revolutionäre Gesinnung betrachtet. Per amtlichen Erlass vom 23. September 1823 durch die Wiener Hofkanzlei wird bei Strafe ausdrücklich das Tragen der "Erzherzog-Johann-Tracht" für alle Staatsbeamten verboten. Als aber Erzherzog Johann 1820 die Standeskeidung der Jäger im Salzkammergut, den grauen, grün besetzten Lodenrock mit der wildledernen Kniebundhose und den grünen Stutzen anzieht, verbreitet sich der Steireranzug als Festtagskleidung der Adeligen und des gehobenen Bürgertums; ja sogar der spätere Kaiser Franz Joseph I. trägt ihn bei seinen Jagdausflügen. Bis heute bleibt er die typische Kleidung in konservativen Kreisen. Vorrangig existieren zwei Arten des „Steirerkittels": der „Altsteirer" mit grünem Revers und Achselspangen sowie der „Leobner" mit Stehkragen. Dazu wird meist eine grüne Tuchweste mit Silberknöpfen getragen.

1822 1817.Erzherzog.Johann Steirische Tracht Steirertracht

1822/23 wird das „Historisch-topographische Lexikon von Steiermark" bei Andreas Kienreich in Graz auf Kosten des Verfassers Carl Schmutz gedruckt, der für die 10000 Artikel des 4-teiligen Werkes sieben Jahre lang Materialien aus meist handschriftlichen Quellen sammelt. Schmutz wird 1787 auf Schloss Frondsberg an der Feistritz bei Graz geboren und besucht das Gymnasium und die Universität in Graz. 1808 tritt er in die gegen Napoleon errichtete Landwehr ein und wird von Erzherzog Johann zum Hauptmann ernannt. Er nimmt an den Schlachten von Oberitalien, Dresden und Leipzig sowie bei Hochheim am Rhein teil und marschiert 1814 mit einer Armee in Frankreich ein. Nach Beendigung des Krieges kauf er den Steyrerhof bei Graz und wendet sich der Landwirtschft und der Kartographie und Geschichte zu

Lange Zeit galt der Grimming mit seiner Höhe von 2351m als "mons altissimus styriae", als höchster Berg der Steiermark. Sein in frühesten Schriften um ca. 1286 lautender Name „Grimei“ geht auf die slowenische Bezeichnugn " grmeti" (donnern, tosen) zurück. Der Sage nach ruht in seinem Inneren ein riesigter Goldschatz, zu dem man durch ein nur am Fronleichnamstag offenes Tor Zugang hat. Die an der Südwand in 1630m Höhe befindliche Felsformation (Grimmingtor) heißt "Steinernes Tor", jene in der Nordwand "Eisernes Tor". Im Jahr 1822 errichtet erstmals Oberleutnant Carl Baron Simbschen am Gipfel ein hölzernes Vermessungszeichen. Die Schriftstellerin Paula Grogger (1892–1984) schildert in ihrem 1926 erschienen Roman „Das Grimmingtor“ eine Familiengeschichte dieser Gegend.

Der „Altmeister der steirischen Landesgeschichte" Anton Muchar von Bied und Rangfeld, in Lienz geboren, tritt nach seinem Philosophiestudium am Grazer Lyzeum ind Benediktinerstift Admont als bibliothekar ein, bis er 1923 mit der Aufgabe betraut wird, als Hofmeister die Klosterniederlassung des Admonter Hofes in Graz - Treffpunkt der führenden Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Verwaltung - zu leiten. Gleichzeitig beginnt er sein Wirken als Professor und Dekan an der Philosophischen Fakultät des Lyzeums und schließlich nach Wiedererrichtung der „Karl-Franzens-Universität" 1827 als Rektor. Als Mitbegründer des Historischen Vereines für Steiermark wird er von Kaiser Ferdinand I. zum „wirklichen Mitglied" der neu gegründeten Akademie der Wissenschaften in Wien berufen.

Der Schauspieler und Dichter Ferdinand Raimund gibt in seinen Briefen seine Eindrücke über seine Grazer Aufenthalte wieder: „Grätz ist nicht stark bevölkert, man sieht wenige Leute auf den Straßen, die sehr schlecht gepflastert sind. Den Luxus kennt man hier nicht, und man sieht weder hübsche noch geputzte Frauenzimmer.“

In der Christnacht
von 1823 brennt das soeben wieder Instand gesetzte „Landständische Theater" bis auf die Haupt- und Mittelmauern völlig aus.

1823

Einweihung des Bethauses der evangelischen Gemeinde beim Holzplatz vor der Stadt.

1824

 

Der Registratur-Accessist der Wiener Hofkammer Joseph Kyselak, der als begeisteter Reisender 1825 Österreich, Ungarn, Italien, die Schweiz sowie Böhmen und Mähren vier Jahre lang zu Fuß durchwandert und seine Erlebnisse in romantisch-pittoresken Reiseberichten „Skizzen einer Fußreise durch Österreich" festhält, berichtet über Graz. Zuerst schildert er seine Anreise per Floß von Bruck nach Graz: „ ... die gefürchtete Weinzettelrücke mit seinem Kreuze lag vor uns. Alle Männer entblößten das Haupt sich bekreuzigend, ich wußte noch nicht, was da kommen würde, doch mußte ich auf Ermahnen des Floßdirektors meine Jagdtasche um- und den Hund anhängen, um beide nicht zu verlieren. Einige Mädchen zitterten und schrieen erbärmlich, umsonst, der Lauf war unerbittlich und donnernd stürzten wir ongefähr fünf Schuh über eine Wehre herab, durch und über das Floß drängten sich die Wogen fußhoch auf sämtliche Passagiere." In Graz selbst lobt er die Gaststätte des „Wilden Mannes" in der Schmiedgasse: „Diese Reinlichkeit, wohl zugerichtete Speisen, unverfälschte Getränke, muntere Bedienung, herrliche Tischgesellschaft und noch überdieß eine billige Zeche. Aufgrund der schlechten Bepflasterung gewinnt man bei dieser weisen Nachlässigkeit den Vortheil, daß man von seiner Wohnung weg die Stadt in allen Gäßchen durchschreiten, sich ebenso ermüdet auf den Stuhl hinwirft, als nach einer Wanderung vom entlegenen Schöckl. wo Sturm und Regen den Pilger leicht überfallen und seiner Gesundheit schaden können; was für ein herrlicher Vortheil !" Ins Schwärmen gerät er in Graz beim Anblick der Frauen: „Grätz ist eine von den Damen, die sich auch im Alter mit Erfolg zu schmücken anfangen, um immer neue Anbeter zu locken. ... Lieblich schweben sie daher die munteren frischwangigen blonden oder brünetten Weiber, eingezwängt in Korsette, ohner von einer Stäüdterin eine andere Spur, als ihre Bildung zu zeigen; und die Männer sind bei aller Knochenstärke artig im Benehmen." Den Schloßberg zählt er zu den „preiswürdigsten Hügeln" Österreichs und reiht ihn bezüglich der Schönheit hinter dem Salzburger Kapuzinerberg ein. Und zum Treiben auf der gedeckten Murbrücke sagt er: „Mitten auf der Brücke sind zwei Altanen zum Überblick der reissenden Mur, an deren Ufern sich die thäthgen Hände der Gerber, Färber und Schiffslaute, welche ein- und auspacken, recht lebhaft darstellen." Kyselak stirbt 1831 im Alter von nur 36 Jahren an Cholera.

Der kaiserliche Stadthalter in der Steiermark, Franz de Paula Graf von Hartig, begründet mit der Eröffnung des ertsen Sparkassenraumes am 15. Mai 1826 im kleinen Landhaushof die „Steyermärkische Sparcasse zu Grätz".

1825

Bau der Zuckerraffinerie in Graz-Geidorf.

Nach Ausweichvorstellungen an verschiedenen improvisierten Bühnen, wie dem Rittersaal im Landhaus, der Gartenbühne des Kaufhauses Perschy in der Grabenstraße, dem Saal im Palais Königsacker am Mehlplatz oder in der Landesständischen Reitschule wird am Geburtstag von Kaiser Franz I., am 4. Oktober 1825, das am Christtag 1823 abgebrannte und nach einem Entwurf vom Wiener Hofbaurat Peter Nobile neu erbaute "Ständische Theater" am durch den Abriss des Vizedomhauses neu geschaffenen Franzensplatz unter Theaterleiter Johann August Stöger mit dem Stück "Styria und die Kunst" von Karl Gottfried von Leitenr wiedereröffnet.

Der in Wien geborene Johann Nepomuk Nestroy (1801-62) kommt nach seinem Jura-Studium und ersten Anfängen als Opernsänger am Kärntnertortheater un an der Wiener Hofburg an das ständische Schauspielhaus in Grätz, wo er seine erste Posse „Der Zettelträger Papp" selbst bschreibt und am 15. Dezember 1827 auch selbst spielt. Seine sich in der „Pensionopolis" der Monarchie langweilende Frau Wilhelmine beginnt hier ein Liebesverhältnis mit Graf Adalbert Batthany und anderen und verlässt schließlich, finanziell am Ende, ihren Gatten. Bis 1831 spielt Nestroy in Graz 76 Opern- und 143 Sprechrollen. Nach großen Erfolgen in Wien verbringt er seinen Lebensabend wieder in Graz, wo er seine Lebensgefährtin Marie Weiler kennenlernt und ein Haus in der Elisabethstraße 14 erwirbt, in welchem er an einem Schlaganfall am 25. Mai 1862 stirbt, nachdem er zuvor am 29. April als 61-Jähriger noch in der Rolle des „Pitzel" in seiner eigenen Posse „Umsonst" auf der Bühne steht.

1826 Nestroy theater Nestroy

Die Besitzerin von Schloss Plankenwarth, Emile Sophie Sarah Engelbronner d'Aubigny de Perché, enstammt einer Hugenottenfamilie, welche im 16. Jahrhundert aus dem katholischen Frankreich vertrieben wurde. Emilie wird 1772 in Kassel als Tochter eines Pastors geboren. Nach ihrer Ausbildung in den Sprachen Latein, Englisch, Französisch und Italienisch reist sie nach London. Als Erzieherin einer englischen Familie segelt sie nach Indien und gründet in Kalkutta ein Institut zur Ausbildung der Töchter von britischen Offizieren. Dabei lernt sie britischen Colonel John Perché kennen und erwirbt dadurch den Titel "Generalin". Als dieser aber bald nach ihrer Rückkehr 1812 nach Europa nach einem Reitunfall stirbt, erbt sie sein Vermögen und übersiedelt 1826 mit ihrer Stieftochter in die Steiermark, wo sie die Herrschaft der bereits 1179 erwähnten Burg des Rudegerus de Planchinwarten bei Graz kauft. Als „Generälin" hält sie gerne großen Hof auf ihrem Schloss, wo sie, umgeben von einer mitgebrachten indischen Sklavin und exotischen Tieren, in indischer Gewandung die protestantische Elite von Graz um sich versammelt und zur Jagd ausreitet. Als sie 1849 stirbt, wird sie inmitten ihrer sieben Jagdhunde auf dem Generalkogel (Brennkogel) begraben. Eine einfache Grabplatte mit Holzkreuz erinnert daran.In ihrem Testament spendet sie der Heilandskirche die Orgel.


Kaiser Franz I. bewilligt wieder die Erhebung des Grazer Layzeums zur „Karl-Franzens-Universität"; benannt nach den zwei Gründern Erzherzog Karl II. und Kaiser Franz I.

Am 11. Juni wird die überdachte Holzjochbrücke über die Mur durch Hochwasser weggerissen - Graz ist brückenlos.
1827 Murbruecke


Als Beethoven am 26. März 1827 im Wiener Schwarzpanierhaus stirbt, ist auch der Grazer Komponist Anselm Hüttenbrenner an seinem Sterbebett und verpackt eine abgeschnittene graue Locke von Beethovens Haar in einer Papiertüte, um sie danach in sein Stammbuch zu kleben. Weitere Haarlocken verteilt er an seinen Bruder Joseph Hüttenbrenner, an Ludwig Carl Seydler, den Komponisten der steirischen Landeshymne, sowie an den Grazer Tondichter Joseph Deibl.


1827 kommt es endlich zum lange geplanten Besuch Franz Schuberts bei seinen Grazer Freunden um Anselm Hüttrenbrenner in Graz. Am Montag, dem 3. September 1827, fahren Schubert und der Historiker Johann B. Jenger mit dem Eilwagen über Wr. Neustadt, den Semmering, Mürzzuschlag und Bruck nach Graz. Die Reise dauert 26 Stunden. In der steirischen Hauptstadt wohnen sie als Gäste des Advokaten Dr. Carl Pacher und seiner Frau Marie, einer Pianistin, in deren 12-Zimmer-großen Haus „Zum Rabenschinder", dem „Thonethof" in der Herrengasse 27, Ecke Pfarrgasse, gegenüber der Stadtpfarrkirche (heute Herrengasse 28).
Fast täglich unternehmen die Freunde "Partien" in die Umgebung. Legendär ist jener Ausflug Mitte September von Schubert, Hüttenbrenner und Jenser - dieser setzt als Sekretär des Musikvereines 1823 die Ernennung Schuberts zum Ehrenmitglied des Musikvereines durch, wofür ihm Schubert seine h-Moll-Symphonie "Die Unvollendete" widmet - und den Pachers ins Schloss Wildbach des Herrn Wildenstein in Deutschlandsberg, wo in fröhlicher Stimmung im blauen Zimmer die Tochter des Hauses, Maria Massegg, Schubertlieder singt und kräftig dem Wein der Wildbachtraube (Schilcher) zugesprochen wird. Anselm erhält dabei den Beinamen "Schilcherl" und Schubert jenen des "Schwammerls", der sich wohl auf seine rundliche Gestalt bezieht.
Während seines Graz-Aufenthaltes verfasst Schubert für die schonen Grazerinnen seine Walzer „Grätzer Walzer" und „Grätzer Galopp" und versucht auch seine 3-aktike Oper „Alfonso und Estrella" zur Aufführung zu bringen, scheitert aber, da das Werk als „viel zu schwer" angesehen wird. Auf Marie Pachers Anregung vertont er die Lieder „Heimliches Lieben", „Eine altkatholische Ballade" sowie die Gedichte „Das Weinen" und „Vor meiner Wiege". Für Carl Pachers Namenstag komponiert er den „Kindermarsch" für Klavier, der von Marie und ihrem damals siebeneinhalbjährigen Sohn Faust 1827 uraufgefürt wird. Im Turmzimmer auf dem Hallerschlössl entsteht das kleine Theaterstück „Der Fußball im Hallerschlössl oder Zwilchen s' mi nit so!"
Auch im Haus des angesehenen Grazer Buchdruckers und Verlegers Johann Andreas Kienreich in der Sackstraße, in welchem Künstler und Gelehrte verkehren, ist Franz Schubert zu Gast. Kienreich druckt zwei Lieder von ihm, „Im Wald" und „Auf der Brücke". Am 8. September 1827 wird ein vom Musikverein für die Steiermark veranstaltetes „Vocal- und Instrumental Conzert" im Ständischen Schauspielhaus bei doppelter Wachsbeleuchtung mit einem Stück Schuberts eröffnet.
Nach drei wunderschönen Wochen in Graz reist Schubert am 20. September 1827 wieder ab. In Wien schreibt er in einem Brief: „Schon jetzt erfahre ich, daß ich mich in Grätz zu wohl befunden habe, und Wien will mir noch nicht recht in den Kopf, 's freilich ein wenig groß, dafür ist es aber leer an Herzlichkeit, Offenheit, an wirklichen Gedanken, an vernünftigen Worten, und besonders an geistreichen Thaten. In Grätz erkannte ich bald die ungekünstelte und offene Weise mit und nebeneinander zu seyn, in die ich bei längerem Aufenthalt sicher noch mehr eingedrungen seyn würde. Besonders werde ich nie die freundliche Herberge mit ihrer lieben Hausfrau, dem kräftigen Pachleros und dem kleinen Faust vergessen, wo ich seint langer Zeit die vergnügtesten Tage verlebt habe.“

Als romantische Erinnerung an Schuberts Aufenthalt schreibt 1912 Rudolf Hans Bartsch den Roman „Schwammerl", der später als Vorlage für das weltberühmte Singspiel „Das Dreimäderlhaus" dient.

1811 kommt der in Geisenfeld in Bayern geborene Historiker, Journalist und Schriftsteller Adalbert Johann Polsterer nach Graz, wo er studiert und am Lyzeum als Professor für Geschichte, Diplomatik und Heraldik unterrichtet. Nach einem Aufenthalt in Wien übernimmt er stellvertretend die philosophische Lehrkanzel an der Universität Graz und ist ab 1837 Chefredakteur der „Grätzer Zeitung" und deren Beilage „Der Aufmerksame". Von besonderer Bedeutung ist seine 1827 erschienene Beschreibung von Graz „Gräz und seine Umgebungen, historisch, topographisch, statistisch dargestellt", die zu den frühesten und umfangreichsten dieser Art zählt.


Schubert Schubert
Franz Xaver Riepl, am 29. November 1790 in Graz geboren, nach seinen philosophischen und juridischen Studien am Grazer Lyzeum und kurzer Lehrtätigkeit an der mathematischen Lehrkanzel am Joanneum, Professor am k.k. polytechnischen Institut in Wien und später Direktor der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn, führt 1824 unter Erzherzog Johann am Erzberg den Tagbau in Etagen ain und entwickelt im Auftrag von Salomon Mayer Rothschild bereits 1828 detaillierte Streckenpläne einer Bahnverbindung von Galizien über Ostrau und Wien an die Adria, wobei er einen Streckenverlauf über Schwechat, Bruck an der Leitha, Ungarisch Altenburg, Steinamanger, Marburg und Laibachz nach Triest vorschlägt, um damit die Ostalpen und den Semmering zu umgehen. Mit diesem Plan steht er in Opposition zu der von Erzherzog Johann präferierten Südbahn über den Semmering, der die militärisch vie zu unsichere Streckenführung über Ungarn verhindern möchte. 1836 legt Riepl auch den ersten Plan für ein gesamtösterreichisches Eisenbahnnetz vor, welches alle wesentlichen Handelswege für Österreich ebnen sollte. 1828
Graz Graetz
Graz Graz Graz vom Rosenhein

Anstelle des alten dreieckigen Ravelin (Festungswerk) Bau des hölzernen Zirkus "Thalia" mit einem Gastgarten an der Kreuzung der neuen Straße (Opernring) und Alleegasse (ab 1909 Girardigasse), in welchem durchreisende Künstler auftreten und der Verkauf von Losen für Arme Gewinn einbringen sollen. Das Gebäude bildet ein regelmäiges Zwölfeck, der Innenraum ist eine 7 Klafter große Arena mit 51 Logen, zwei Rängen Sitzplätzen sowie Stehplätze für ca. 2000 Personen.

1829 Thalia

Zehn Jahre seit ihrem Kennenlernen 1819 müssen die beiden warten, ehe Kaiser Franz I. der Hochzeit zustimmt. Dann erst kann Erzherzog Johann die Postmeisterstochter Anna Plochl am 18. Februar 1829 in der Kapelle des Brandhofes zur Frau nehmen. „Da ergriff der Brandhofer das Mädchen bey der Hand, sie scharf und ernst ins Auge fassend, und sagte: 'Nani, ich lasse nicht von ihnen.' "

Toplitzsee Anna.Plochl Anna Plochl
Der Erfinder Schiffsschraube Franz Josef Ressel, aus Chrudim in Böhmen stammend, studiert nach dem Gymnasium in Linz an der Universität Wien Mechanik, Hydraulik und Zivilarchitektur. Schon 1812 entwirft er einen Propeller als Antrieb für Schiffe. Nach einer Anstellung als Distriktförster in Unterkrain wird er 1821 zum k.u.k. Marineforstintendant in Triest ernannt, wo er weiter an seiner Erfindung experimentiert, aber bei allen Reedern auf Ablehnung stoßt. Doch zwei italienische Kaufleute überlassen ihm einen abgetakelten Dreimaster, in welchen er seine handbetriebene Schiffsschraube einabut und dafür in Österreich ein Patent anmeldet. Unter der Voraussetzung, dass alle bnötigten Teile in der Monarchie gefertigt werden, finanziert ihm der Triestiner Geschäftsmann Carlo d'Ottavio Fontana den Bau eines Schraubendampfers. Ressel lässt 1828 in St. Stefan ob Leoben für sein Versuchsschiff „Civetta" einen Röhrenkessel bauen udn am 1. Juli 1829 findet die Probefahrt mit beachtlichen 6 Seemeilen/Std. statt. Doch plötzlich platzt ein Dampfrohr und die „Civetta" steht still. Die Triestiner verbiten weitere Versuche und Ressel wird ins Landesinnere, nach Motovun versetzt. 1840 muss Ressel zusehen, wie im Hafen von Triest der nach seinem Prinzip vom Engländer Francis P. Smith nachgebaute Schraubendampfschiff "Archimedes" einläuft.

Erzherzog Johann lässt ein 1827 in der Leonhardstraße erworbene Gebäude nach Plänen von Georg Hauberrisser d.A. in das einstöckige Palais Meran ausbauen.

Botanischer Garten im Joanneum.

Franz Xaver Aichinger erbaut in der Paulustorgasse 3 am Karmeliterplatz für die Freimaurerloge ein eigenes monumentales Freimaurerhaus mit einer Durchfahrt zum Schloßberg.

Im Gasthof „Zum Stoffbauer" am Rosenberg ist Kaiser Franz I. zu Gast.



1830

Hauberisser Palais.Meran Joanneum


Kaiser Franz I. besucht mit seiner ganzen Familie im Frühsommer des Jahres 1830 Graz. Sein jüngerer Bruder Erzherzog Johann stellt das Besichtigungsprogramm für die hohe Gästeschar zusammen. Insbesondere Herzogin Marie-Louise von Parma, die Tochter Kaiser Franz I. und frühere Gemahlin Napoleons wünscht sich. ihren Sohn aus dieser Verbindung, den an Tuberkulose leidenden Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt, zu besuchen. Für eine Woche sind sie alle Gäste des Freiherrn von Mandell in seinem Mandellschlösschen in der Rechbauerstraße.
Erzherzog Johann besteigt zusammen mit seinem Bruder Kaiser Franz I., dessen vierter Gattin Karoline Auguste von Byern, seiner Tochter Marie-Louise von Parma und dem König von Rom und Herzog von Reichstadt am 30. Juni 1830 den Gipfel des 763 Meter hohen Plabutsch. Zur Erinnerung wird ein Fürstenstein gesetzt und 1839 eine Warte aus Holz, der „Fürstenstand", aufgestellt. Eine Gedenktafel erinnert daran: "Hier weilten am 30. Juny 1830 J.J.M.M. Kaiser Franz und Caroline, Marie Louise von Parma, SE K.K. Hoheit der Erzherzog Johann und SE Durchlaucht der Herzog von Reichstadt im Anblike der schönen Natur, beseelt von gleichem Dankgefühl und Triebe, den Ort zu heiligen, wo Franz einst stand hat Eggenbergs und Göstings Volk die Hand gebohten, dieses den Kmahl ihrer Liebe der Nachwelt noch in später Jahre reihen." 1852 wird der hölzerne Turm durch einen steinernen ersetzt. Während des Zweiten Weltkrieges heißt die Fürstenwarte „Adolf Hitler Turm". 1954 wird vom Brauhaus Gösting aus ein Sessellift gebaut.
Villa Mandell
Aus Asien über Ungarn kommend werden 1830 in Graz die ersten Cholerafälle registriert. Neben den "Zehn Geboten zu Cholerazeiten" wie Hände waschen, Wasser abkochen, keine Angst haben werden Schutzbekleidungen vorgeschrieben: Der Cholera-Präservativmann mit umwickelten Leib, Kupferteller vor dem Herz, Sandsack auf der Brust, Halsbinde mit Wacholderbeeren und Pfefferkörnern, Baumwolle mir Kampfer für die Ohren, Riechflasche mit Vierräuberessig und Zitrone. Die Frau mit Kräutersäcken an den Kleidern, Ohrgehänge mit Zwiebeln und Knoblauch, einer Windmühle zur Luftreiniguing auf dem Sonnenschirm mit Wacholderzweigen sowie eine Notglocke.

Nachdem Kaiser Joseph II. zur Zeit des Biedermeiers die Friedhöfe um die Pfarrkirchen auflösen und neue, am Stadtrand befindliche anlegen ließ, veranlasst Graf von Hartig deshalb 1831 an Stelle der alten Friedhofsmauer die Errichtung einer Balustrade sowie die Abtragung des 2stöckigen Verbindungsbogens vom Dom über die Bürgergasse zum Priesterhaus (Gilgentor). Graf von Wickenburg lässt darauf hin für den Vorplatz der Kirche eine Terasse aufschütten und den marmornen Stiegenaufgang zum Mausoleum errichtet.

Wiederaufstellung des Grazer Bürgercorps unter Oberst Dr. Pachler.

1831 Graz Mausoleum Rathaus
Am 14. Oktober 1832 kauft die Schriftstellerin, Sängerin und Weltenbummlerin Nina d'Aubigny, die durch ihre Reisen nach England, Holland, Frankreich und Indien Bekanntheit erlangt, das sogenannte „Erko-Schlössl", einen kleinen Landsitz auf einem Hügel in Krumegg südöstlich von Nestelbach. Der klingende Name der abenteuerlustigen Dame lautet Vivandina Marquise d'Aubigny von Engelbrunner, kurz Nina genannt. Sie wird am 15. April 1770, aus einer Hugenottenfamilie stammend, geboren und begeistert sich schnell für neue Ideen. Sie sprcht Englisch, Französisch, Italienisch und liebt die Musik. Auf ihren Reisen beginnt sier zu komponieren und veröffentlicht 1797 ein Handbuch für Freunde des Gesangs unter dem Titel „Briefe an Natalie, über den Gesang als Beförderung der häuslichen Glückseligkeit und des gesellschaftlichen Vergnügens", welches auch von Beethoven geschätzt wird. Um ihren Schwester Emilie nach Indien folgen zu können, geht sie nach England, um durch ihren Unterricht aus Gesang und Harfenspiel das nötige Reisegeld zu verdienen. Am 15. September 1807 startet sie im Alter von 30 Jahren mit ihrer Harfe und einem Piano auf dem ostindischen Frachtsegler „Glory" ihre Reise nach Kalkutta. Ein halbes Jahr später kommt sie an und arbeitet mit ihrer Schwester Emilie im dortigen Mädchenpensionat. 1818 kehrt sie nach Europa zurück und richtet in Wien einen "Wiener Salon" ein, in welchem Musiker, Literaten und feine Leute verkehren. Als aber plötzlich ihre beiden Lieblingsneffen sterben, flüchtet sie zu iher Schwester in die Steiermark und erwirbt "abseits der Straße über die Ries das Erko-Schlössl" (&bdquot;Haus Bethanien"). Hier lebt sie mit ihrem Hund, einigen Papageien und dem treuen Diener Josef bis zu ihrem Ableben am 29. Jänner 1847. 1832

Grazer Stadtansichten des aus Frankfurt/Main stammenden und an der Wieener Akademie ausgebildeten Landschafts- und Vedutenmalers Jakob Alt, der auf seinen Studienreisen durch die Donau- und Alpengegenden sowie nach Oberitalien auch für Kaiser Ferdinand I. tätig ist..

1833

Jakob Alt Jakob Alt

Der amerikanische Schriftsteller, Redakteur und Auskandskorrespond für die „New York Mirror" Nathaniel Parker Willis, welcher 1833 durch das Land reist, gibt von Graz folgende Schilderung: „Von einer sanften Anhöhe kamen wir herunter zur breiten und reißenden Mur, und erblickten bald darnach eine fremde Citadelle auf einem Felsen. Wie wir und näherten, erschien es mir als eine der seltensten Launen der Natur, die ich je gesehen, eine Pyramide, vielleicht 300 Fuß hoch und steil auf jeder Seite, erhob sich je in der Mitte einer breiten Ebene, und rund um diesselbe, gleichz einem Gürtel von Architektur, lag die Hauptstadt der Steiermark. Die Festung auf dem Gipfel lag gleich einem Adlernest über der Stadt, und von ihren Türmen würde ein Pistolenschuß die äußerste Ringmauer erreichen. Grätz, in der Größe von Boston, ist eine einfache deutsche Stadt, mit wenig oder keiner Prätension auf architektonischen Stil. Die Band eines Regimentes spielte einen schweren Walzer recht schön auf dem Platz. Wir stiegen durch einen Zickzackkurs zur Festung auf eine Plattform, haqlben Weges am Abhang, klebt ein kleines Kasino, das als Bierschenke dient. Die Aussicht vom Gipfel war ein Fest fürs Auge. Das weite, und sich in die Länge ziehende Murtal lag schlafend unter seinen Lasen von Korn, seinen Villen und Landhäusern, das Gemälde von wüster und molliger Fruchtbarkeit. Auf dem zu den Bergen rings um das Haupttal emporsteigenden Grunde hingen fürstliche Wohnungen wie Trauben. Dicke Wälder mit Durchschnitten und Kirchen mit schlanken Türmen aus dem Schoße von Ulmen emporschießend, und gerade unter unseren Füßen, dem steilen Felsen sich im Kreise anschmiegend und denselben um Schutz flehend, lag die Stadt in ihren Mauern eingeschlossen und zu unseren Ohren den Schall jedes Rades, das durch die Straßen rollte, emporsendend."

Die 33jährige Marie-Caroline, Herzogin von Berry, ursprünglich mit dem in Paris 1820 ermordeten Sohn König Karl X. von Frankreich, Charles Ferdinand de Bourbon, verheiratet, und Mutter des legitimen , 1830 im Zuge der Julirevolution vertriebenen französischen Thronprätendenten Heinrich V., steigt im Herbst mit ihrem zweiten Gatten, Graf Ettore Lucchesi-Palli, im Gathaus „Zum Wilden Mann" ab. 1837 erwirbt sie Schloss Brunnsee bei Mureck, lebt aber bis zu ihrem Tod 1870 vorwiegend im Palais Herberstein in der Sackstraße in Graz.

Herzogin.Berry

Nach dem Tod von Franz I. am 2. März 1835 folgt ihm sein, an Epilepsie leitender Sohn als Kaiser Ferdinand I. (1793-1875) auf dem Thron nach. Wegen seiner mangelnden Eignung wird ihm, dem "Nanderltrottel", eine „Geheime Staatskonferenz“ mit Staatskanzler Metternich zur Seite gestellt, die die Amtsgeschäfte führen.

1835

 

Matthias Constantin Capello Graf von Wickenburg, der von Kaiser Ferdinand I. 1830 als Vicepräsident des Guberniums für Steiermark nach Graz berufen und im Juli 1835 zum Gouverneur von Steiermark ernannt wird, lässt in der Landeshauptstadt zwei Kettenbrücken über die Mur erbauen, Kaiser Franz ein Denkmal errichten und nach Abriss des zweiten Sacktores die Kaibauten einschließlich einer Militärschwimmschule errichten.

An der Ausmündung der Burggasse in den Opernring entsteht zu Ehren des "guten Kaiser Franz" das Franzenstor.

Wickenburg Militaerschwimmschule Franzens-Tor

Der Orientalist, Diplomat, Hofdolmetscher und erster Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Freiherr von Hammer-Purgstall, am Fischplatz in Graz geboren, besucht bis zum 14 Lebensjahr in Graz das Gymnasium, bevor er in Wien an die k.k. Akademie für Orientalische Sprachen kommt, wo er aufgrund seiner Sprachbegabung schnell Türkisch, Persisch und Arabisch, aber auch Italienisch, Französisch, Latein und Griechisch erlernt. Als Dolmetscher und Sekretär des britischen Admirals Sir William Sidney Smith macht er den Feldzug gegen die Franzosen in Ägypten mit und nimmt auch am Entsatz von Akko teil. Durch seine Übersetzungen trägt er wesentlich zur Vermittlung orientalischer Kulturen bei und gilt als Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik.
In jungen Jahren wird er von der Gräfin Johanna Anna Purgstall, einer gebürtige Schottin namens Cranstoun, adoptiert, die ihm ihren Namen samt Adelstitel und das Wasserschloss Hainfeld in Leitersdorf vererbt. Knapp vor ihrem Tod 1835 wird die Gräfin von dem ihr bekannten schottischen Kapitän Basil Hall besucht, der wenige Monate nach seiner Rückkehr in seinem 1836 erschienenen Reisebericht "Schloss Hainfeld oder Ein Winter in der Steiermark" schreibt: "Noch weniger hätte ich es geträumt, sechs Monate auf ihrem Schlosse in der Steiermark zuzubringen, einem so entlegenem Lande, von dem ich nichts wusste. Die Bauernbevölkerung hier ist dumpf und nur schwer zugänglich, überall herrscht ein zügelloser Aberglaube, der den verschiedenen Ängsten und Schrecken Gestalt verleiht.“ Er macht damit die Steiermark als unheimliches Land voller Aberglauben im englischsprachigen Raum bekannt und inspiriert den irischen Schriftsteller Sheridan LeFanu zu dessen Novelle "Camilla". Darin wird die Begegnung einer jungen Steirerin mit dem weiblichen Vampir Carmilla Karnstein - eine eingedeutschte Verballhornung des Namens von Cranstoun - geschildert. Diese Erzählung dient wiederum dem, wie LeFanu in Dublin geborenen Bram Stoker als Vorlage für seinen berühmt gewordenen Roman "Dracula" (1897), dessen Handlung dieser ursprünglich ebenfalls in der Steiermark ansiedeln will. So trifft, im später gestrichenen ersten Kapitel, Dracula auf ein Grab mit der Inschrift: "Gräfin Dolingen zu Graz in der Steiermark, gesucht und tot aufgefunden 1801". Aufgrund der blassen Haut und ihrer Krankheit, die sie mit Wolfsmilch behandelte, hielt die Bevölkerung die Gräfin selbst für eine Vampirin. Ihr Leichnam wurde in einen eisernen Sarg gelegt und ohne katholisches Begräbnis in der Riegersburg beigesetzt.
Berühmt wird auch Hammer-Purgstalls Roman „Die Gallerin auf der Riegersburg“, in welchem er das gesellschaftliche Leben seiner Vorfahren in der Graben-Vorstadt beschreibt: „Im hohen Sommer wohnten die bemittelten Cavalliere nicht in der Stadt, sondern vor derselben in ihren Gartenhäusern; die Gesellschaft war im Garten versammelt; die erpichten Kegelschieber ließen sich nicht an der Kegelbahn stören; Einige junge Leute spielten Ball Andere wandelten in den Schattengängen auf und ab. Die Mode der salons bureaux d’esprit war nocvh nicht von den Ufern der Seine an die Donau und noch weniger an die der Mur verpflanzt, wiewohl die Freyin v. Purgstall, welche schon in ihrem vierzehnten Lebensjahr Latein und Mahlen gelernt, in der Kenntniß der Klassiker und in der Kunst einigen Fortschritt gemacht und mit einiger Anlage zu dem von den Engländern als Blue stoking blau gemerkten Charakter, wenn gleich kein Strumpf doch einigermaßen ihrer Vorliebe willen für Gelehrsamkeit und Gelehrte selbst als eine solche von anderen Frauen blau gemerkt war.

Hammer.Purgstall Hainfeld
Anna von Purgstall

Die beiden Murtore, das äußere aus dem 15. Jahrhundert und das innere aus dem 13. Jahrhundert, werden bei den Vorarbeiten für eine neue Hauptbrücke abgetragen. Erhalten bleibt nur der an die Franziskanerkirche angrenzende und im 17. Jahrhundert mit einer barocken Zwiebelhaube versehene Wehrturm, wodurch der Bettelorden trotz seines Turmverbotes doch noch zu einem imposanten Turm kommt.

1836 Murtor inneres.Murtor äußeres.Murtor

Die Franz-Ferdinand-Brücke, die erste und größte Kettenbrücke Österreichs, wird erbaut.

Kettenbrücke Kettenbrücke Ferdinandsbrücke

Nachdem aufgrund der Klosteraufhebungen durch Joseph II. das Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen am Fischplatz aufgeöst wurde, können diese im Jahre 1836, nach 53-jähriger Abwesenheit, wieder in Graz einziehen. Als sie vergeblich versuchen, das Anwesen mit der kleinen Kirche Maria Schnee zu erwerben, erbauen sie unweit davon 1836 am Fuß des Rosenberges in der Grabenstraße 114 unter der Leitung des Architekten Georg Hauberisser d. Ä. ihren neuen Konvent mit der Karmelitinnenkirche zum hl. Josef.

Stadtansichten des in Triest geborenen Lithografen Joseph Kuwasseg (Kuwahseg), der mit seiner Familie 1809 nach Graz übersiedelt und nach dem Tod des Vaters bei seinem Onkel in Luttenberg aufwächst. Nach dem Besuch der Ständischen Zerichenakademie ist er ab 1824 für die Grazer Verlage Joseph Franz Kaiser und Heribert Lampel tätig, stellt eine Landschaftszeichenschule in 19 Blättern zusammen, entwirft unter anderem die Dekoration für den Eissalon beim Vergnügungslokal "Colossdeum" oder ist Mitgestalter der neuen Parkanlagen auf dem Schloßberg durch Ludwig Freiherr von Weiden. Kuwassegg ist zweimal, mit Maria Frey und Marianne Kernreich, verheiratet.
Murtor, Murvorstadt, Vom Schloßberg gegen NO, Aussicht gegen SW, Graz vom N, Graz vom S, Tabor, St.Leonhard, Schönau.
Murtor Graz Graz
Graz Tabor St.Leonhard Schönau

Der Hofgarten wird wird durch Häuser mit Biedermeierfassaden, darunter das Ständische Schauspielhaus, zum Franzensplatz (Freiheitsplatz) verbaut. An Stelle der niedergerissenen nördlichen Stadtmauer errichtet das Stift Lambrecht durch Stadtbaumeister Georg Hauberrisser den mächtigen „Lanbrechter Hof". Im Giebelfeld findet sich die Figur Hauberrissers wieder, verfolgt von Wölfen, asl Anspielung auf seinen Konkurrenten Stadtbaumeister Wolf.

Für das Burgtor wird ein Torwachehaus errichtet, das heutige Cafe Promenade.

1837 Franzensplatz
Burgtor
Ferdinand Knabl begründet auf dem direkt an der Kommerzialstraße nach Triest gelegenen Gasthaus „Puntigamer Hof" eine Brauerei. 1838
Graz Graz Schreibhof 1839 Infanterieregiment 27 Gratz

Durch Feldzeugmeister Freiherr von Welden wird der Schloßberg in eine Parkanlage umgewandelt. Er lässt "romantische Spalten" in den Fels sprengen und im Nordosten das rustikale Schweizerhaus, eine kulinarische Vergnügungsattraktion für die bessere Gesellschaft bauen. Im 19. Jh. sind solche „Schweizerhäuser" als Zeichen der Naturverbundenheit groß in Mode.

Auf der Platte wird als Vorgängerbau der 1880 errichteten Stephanienwarte ein hölzerner Aussichtsturm errichtet.

Auf dem Gelände zwischen Wielandgasse und Pestalozzistraße erbaut der Architekt Josef Benedikt Withalm das "Coliseum". Dieser größte Saal der Stadt Graz hat mehrere Reihen an Galerien, ist mit Landschaftsmalereien dekoriert, mit einer Glaskuppel überdacht und wird von einem Luster mit 160 Kerzen beleuchtet. Bis zu 3000 Personen feiern hier rauschende Feste.
Im zweiten Band seiner „Wanderungen durch Tyrol und Steiermark“ schreibt Franz Satori: „Eigenthümlich als Belustigungsort ist das im J. 1839 entstandene Koliseum, das Werk eines Privaten, Namens J. B. Withalm, ein Gebäude, welches in seinen Räumen Tanzlokale, Konzertsaal, Cirkus, Bierhalle, quasi-Kasernen, mit einem Worte, Alles vereinigt, was erforderlich ist, um einer größeren, gemischten Menschenmenge zum heiteren Tummelplatze zu werden.

Coliseum Coliseum oliseum
Anton Alexander Graf von Auersperg aus Schloss Thurn am Hart (Šrajbarski turn) in Unterkrain vermählt sich am 11. Juli 1839 mit Maria Rosalia Gräfin von Attems, der Tochter des Landeshauptmannes von Steiermark, Ignaz Maria Graf von Attems Freiherr von Heiligenkreuz, und der Aloisia Gräfin v. Inzaghi. Unter dem Pseudonym „Anastasius Grün" wird er mit seiner Lyrik zum Anführer der jungen liberalen Bewegung der politischen österreichischen Poesie und Vorkämpfer für die Freiheit in der Zeit des Vormärz.

Errichtung der 11m hohen „Kronprinz-Rudolph-Gloriette" (Rudolfs-Warte) auf dem 659m hohen Buchkogel in Straßgang. Bei der nahen Karstquelle „Bründl" werden Eidenerz und Farberze abgebaut.

Am 15. März 1840 vernimmt der in Kanischa geborene und in Graz arbeitende Musiklehrer Jakob Lorber (1800-1864) eine innere Stimme Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe!", die ihn veranlasst, in Fortsetzung der Bibel eine auf 20000 Manusklriptseiten neue Offenbarung zu verfassen, welche ihn als Schreibknecht Gottes" eingedenk werden lässt.

Der in Obergraden bei Köflach geborene Portraitmaler Joseph Ernst Tunner besucht zunächst die Zeichenakademie in Graz und anschließend die Akademie der bildenden Künste in Wien, bevor er über Triest, Venedig, Florenz und Pisa nach Rom gelangt und sich dort dem Künstlerkreis der Nazarener um Friedrich Overbeck anschließt. Als dann der Direktor der Ständischen Zeichenakademie Joseph August Stark stirbt, erinnert sich der Landständische Sekretär Gottfried Ritter von Leitner an das von Tunner gemalte Altarbild „Erlöser vom Kreuz" in der Triestiner Antoniuskirche und holt den Malert als Nachfolger nach Graz, wo dieser die Zeichenschule zu einer Akademie der Künste macht. Ungeschickt ausgeführte Restaurierungen des Landplagenbildes am Grazer Dom führen gegen seinen Lebensabend dazu, dass Tunner auf Betreiben des steirischen Kulturhistorikers Joseph Wastler 78jährig als Galeriedirektor abgesetzt wird.

Erzherzog Johann erwirbt um 250000 Gulden das 1875 aufgelassene Augustiner-Chortherrenstift Stainz und baut es zum Schloss um. 1850 der er hier auch zum Bürgermeister gewählt.

1840 Jakob Lorber
Blick vom Rosenberg Rosenberg Graz 1841 Waltendorf Kreutzer
Grazer Stadtveduten des Landschaftsmalers Conrad Kreutzer (1810-1861), der nach dem Besuch der „Ständischen Zeichnungs-Academie" seinen Lebensunterhalt mit dem Mal- und Zeichernunterricht von Kindern aus wohlhabenden Familien sowie als Zeichenlehrer am Bischöflichen Knabenseminar verdient und einen gleichnamigen Sohn, von Beruf Schriftsetzer, hat: Rosenberg, Rosenberg, Graz vom Norden, Graz vom Westen, Waltendorf, Graz vom Osten, Mariatrost, Mariagrün, Mariagrün, St.Leonhard, Tobelbad, Eggenberg, Gösting, Graben, Stadtpark, Ferdinandsbrücke, Ferdinandsbrücke, Wall-Graben, Hauptplatz, Rathaus, Glockenspielplatz, Franzensplatz, St. Ägydius. Mariatrost Mariagrün Mariagrün
St.Leonhard Tobelbad Eggenberg Weizöttlbrücke Graben Stadtpark Kettenbrücke
Ferdinandsbrücke Wall-Allee Hauptplatz Hauotwacheplatz Glockenspielplatz Franzensplatz Dom

Unter der Schirmherrschaft von Josef und Maria Kober entstehen in der Leonhardstraße die kleine und große Reiterkaserne.

Der gebürtige Wiener Claudius Ritter von Pittoni lässt für die zu eng gewordene Leonhardstraße eine neue geradlinige Ausfallsstraße, die Pittonistraße, bauen.

An der Ecke zum Glasic erbaut der Architekt Georg Hauberrisser d.Ä. dem aus Frankfurt stammenden Johann Christoph Kees ein imposantes spätklassizistisches Palais.

1842

Reitschule St.Leonhard

Mit dem Abbruch des Ballhauses, des Inneren Paulustores und des abgebrannten Ständischen Theaters wir der dadurch gewonnene freie Raum zum Franzensplatz, dem heutigen Freiheitsplatz. Kaiser Ferdinand I. weiht am 19. August 1842 in der Platzmitte das vom Mailänder Bildhauer Pompeo Marchesi entworfene Denkmal von Kaiser Franz I. im Ornat eines Großmeisters vom Goldenen Vlies ein und besichtigt anschließend den Schloßberg.

Franzensplatz Franzensplatz

Begründung und Bau des fürstbischöflichen Knabenseminars, Carolinum Augusteum, durch Fürstbischof Roman Sebastian Zängerle auf dem Grund des ehemaligen Herbersteingartens in der Grabenstraße.

Gustav Franz Ritter von Schreiner, Politwissenschafter und Literat, bemerkt in seinem „Graetz, ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemälde" über den Charakter der Grazer: „Im Allgemeinen bietet Grätz die höchst interessante Eigenheit, daß sich hier gleichsam zwei Städte, nur durch den Fluß geschieden, darstellen, die in der Bauart, Anlage und auch im geselligen Leben eine durchaus verschiedene Physiognomie zeigen, und deren Bevölkerung nichtz leicht von einer Seite des Stromes auf die andere übersiedelt. ... Der Charakter des gemeinen Grätzers hat übrigens manche Züge, die auf Vermischung mit slawischen Elementen hinweisen. Bei der Arbeit langsam, im Handeln bedächtig, ist er den Fremden minder zuvorkommend und allem abhold, erst wenn es vollkommen gelungen ist, gewinnt dieses aber nur langsam seinen Beifall. Ihm ist eine große Freundlichkeit eben auch nicht zu eigen, zum Gruße entschließt er sich nur schwer, es sei denn, daß die ihm begegnende Person von Einfluß auf sein Geschick wäre. Große Reinlichkeit ist bei den unteren Volksklassen nicht zu treffen." Die Zustände auf den Grazer Straßen beschreibt er wie folgt: „Die Mitte aller Straßen, die Herrengasse nicht ausgenommen, ist durch unbedeckte Rinnsäle zur Aufnahme und Ableitung des aus allen Häusern offen abfließenden schmutzigen Gossenwassers verunstaltet. ... Im Sommer verursachte das Regenwasser bei jedem Gewitter förmliche Ströme und im Winter bedeckte das Gossen- und Brunnenwasser fast alle Gassen mit breiten Eisbahnen ... In vielen Winkeln stieß man auf ekelhafte Küchenabfälle und noch ärgeren Unrat."

1843 Augusteum Zängerle Bischöfliches Gymnasium

Da das alte Kloster der Karmeliten am Karmeliterplatz 1789 im Zuge der Josephinischen Reformen aufgehoben wurde, siedeln sich die Karmeliten 1842 wieder in Graz an, indem sie das Anwesen der ehemaligen, schon 1553 erstmals erwähnten, Waldkapelle "Maria Schnee" am Fuße des Reinerkogels in der Grabenstraße 1444 erwerben. Unter der Leitung des Architekten Georg Hauberrisser d. Ä. wird im Jahr 1848 der Nordtrakt des Klosters an den Baukern der 1770 neu erbauten Rokokokirche "Maria Schnee" angefügt. Auf ihrem Hochaltar befindet sich das seit dem 16. Jahrhundert verehrte, wundertätige Mariasbildnis, welches lange Zeit als Abbild des Gnadenbildes der römischen Marienkirche Santa Maria Maggiore galt. Mit der Errichtung des dreigeschossigen Konvents mti seiner spätklassizistsichen Schauseite wiird die jetzt im Innenhof befindliche Kirche Maria Schnee zur Klosterkirche.

1844

Im Westen werden die Zufahrtswege der Annen- und Keplerstraße zum neu errichteten Grazer Südbahnhof angelegt und die 94,7 km lange Teilstrecke der Staatseisenbahn von Mürzzuschlag nach Graz in einer Bauzeit von nur 66 Wochen am 21. Oktober 1844 feierlich eröffnet. Der Festzug, in welchem sich auch Erzherzog Johann und Carl Ritter von Ghega befinden, wird von der Dampflokomotive „Gratz" gezogen und benötigt für die Strecke eine Fahrzeit von 3 Stunden und 21 Minuten.
In Graz gibt es im Ständischen Theater eine „Eisenbahn-Galavorstellung", die mit einem Prolog Vinzenz Zusners eröffnet wird: „Die reinste Luft durchströmt heut' die Gassen / Der lebensfrohen Stadt am Saum der Mur / Des Landes Volkes erschien in bunten Massen / Die Freude schallte laut durch Feld und Flur / Und Stadt und Land, sie waren gleich beflissen / Ein Wunderwerk mit viel Jubel zu begrüßen." 1846 wird Cilli, 1849 Laibach und 1857 Triest erreicht und damit die 577 km lange Verbindung zwischen Donauraum und Adria hergestellt.

Der Schriftsteller und Verleger Jakob Franz Dirnböck eröffnet in Graz eine Buchhandlung und dichtet zum 25-jährigen Bestehen der Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft das 10-strophige Lied „Der Steirer Land, Hoch vom Dachstein", das versehen mit der Melodie des Grazer Domorganisten Ludwig Seydler beim Festakt erstmals erklingt. In der dritten Strophe seines Dachsteinliedes heißt es über Graz: "Wo sich lieblich groß eine Stadt erhebt hart am Atlasband der grünen Mur." 1929 wird es zur steirischen Landeshymne erhoben.

In seinem Werk „Erlebnisse und Abenteuer des Hans Michel aus Obersteier auf seiner ersten Eisenbahnfahrt durch das Mürz- und Murthal nach Gratz" beschreibt Dirnböck zwei Steirer, die am Bahnhof von Mürzzuschlag einen der ersten Züge bestaunen: „Nicht große, aber kräftige, stämmige Männer, der eine alt, der andere jung. Ihr Anzug ist der echt obersteirische, kurze Hosen von schwarz gefärbtem Geißleder, auf deren rechter Seite das metallene Besteck, und grüne Strümpfe decken die Beine, eng an den Knöchel liegende Schnürschuhe den Fuß. Über den rotgeblümten Brustlatz, der die Stelle der Weste vertritt, laufen die Arme des breiten grünen Hosenträgers, die Jacke mit den grünen Aufschlägen und Besatz ist der Hauptbestandteil der Kleidung, nachlässig über die Schulter geworfen tragen die beiden noch den lodernen Wettermantel. Der nationelle grüne Weismannshut mit Gemsbart und Schildhahnfeder deckt den Kopf. ... Verblüfft und vertieft stehen sie da, keiner spricht, ihre Augen starren unverwandt auf die Waggons und die eben aus dem Heizhaus steuernde Lokomotive." Und Annemirl, die Tochter des Sensenschmiedes lässt er räsonieren: „Nach all dem, was i hab reden g'hört, wird's kein gut's Ende nehmen, unsere Hammerschmied sagn: 'Der Teufel holt bei jeder Fahrt einen Mann, denn eine arme Seel muß büßen, drum keucht's so. D'kleine Höll haben's zum warnenden Beispiel auf d'Erd g'schickt.' Bewundernd vermerkt er über die Badlwand: „Das muß ein Riesenwerk gewesen sein. Rechts die Mur uhnd links die Felsen - lauter Felsen und nur so viel Platz, daß kanpp die Straße hat gehn können, und die ist schon öfter vom Hochwasser eingrissen word'n. Da war also nicht z'machen, als aus der Not eine Tugend. Über 1000 Kubik-Klafter Felsen sind weg g'sprengt worden, und die Eisenbahn läuft unter 38 gewölbten Bogen, die eine schöne Galerie machen, durch, und obern die Poststrassen drüber."


Bahnhof Bahnhof Bahnhof
Bahnhof

Mit der Eisenbahn werden die Murvostädte, insbesondere die Viertel um den Lend- und Griesplatz, zu ghettoähnlichen Siedlungen der unteren Sozialschichten. Fabriken entstehen, die stinkenden Gewerbe der Lederer und Schmiede sowie der Bader werden aus der Innenstadt vertrieben, Wirtshäuser, Vergnügungsstätten und Prostitution halten Einzug.

1845

Gratz Ferdinandsbrücke

Bau der hölzernen Schlachthofbrücke.
Eröffnung der neu erbauten Kettenbrücke (spätere Erzherzog-Franz-Carl-Brücke).
Graz Graz


Im Redoutensaal des Ständischen Theaters (Schauspielhaus) dirigiert der 20jährige Walzerkönig Johann Strauß Sohn sechs Konzerte vor jeweils 1000 Zuhörern. Das Parket ddient aber auch 2000 Tanzbegeisterter für Maskenbälle oder den beliebten, donnerstags stattfindenden „Neglige-Ball".

Fertigstellung des Schweizerhauses am Schloßberg samt Cafe mit Billardtischen.

Abbruch des Inneren Paulustores.

Gratz Schweizerhaus

Auf Anregung von Kaiserin Karolina Augusta begründet Fürstbischof Roman Sebastian Zängerle die Klosterschule "Dames du sacre coeur". Die ersten Ordensfrauen werden aus Paris berufen.

Der Orientalist Prof. Jacob Philipp Fallmerayer kommt auf seiner Reise von Wien nach Italien am 9. Juli 1846 nach Graz und vermerkt in seinem Tagebuch: „Auf dem Schlossberg durch romantisch verschlungene Pfade, an Grotten, Buschwerk und Vorsprüngen vorüber zu den Weinlauben und den tiefen Ziehbrunnen bei sol oocciduus in Duft und Abendgold wundervolles Panorama! Hügel-Amphitheaterwaldicht, dunkelgrün, selbst der Schlossberg alpenhaft bestraft! Garten, Grün und Paradiese in suburbis wie zu Trebizond. Im Münzcabinette H. H. Wartinger und Pfarrer Knabl gersehen, amicissime appelatus von wegen Fragmente."

Notiz in der Zeitschrift „Stiria": „Seit einiger Zeit bemerkt man hier in Graz Frauen mit derart übergroßen Ohrgehängen, dass zu besorgen ist, selbe werden ihnen ihrer Schwere wegen das Ohr abreißen." In seinen Briefen teilt Hans Michl aus der Obersteier seinem Göd, dem Sensenschmied in der Öd über Gratz folgendes mit: „Gratz im Jahr 1846. Das ist das Jahr, was aufn zweijährigen Krieg über d’Fraq, ob Grätz oder Gratz g’schrieben werden soll, gfolgt is. Der Streid hat wenig Blut, aber viel Tinten, Papier und Buchdrucker schwärz kost und is so ausgangen, wie gwöhnli jeder dispadat ausgeht. Jeder schreibt und red halt, wie er will. … In den Gratzer-Zirkeln; find‘ ma da nöt oft Maderln – Fräuln wollt‘ i sagn – kaum 12-13 Jahr alt, sö hör’n all’s, sö red’n über all’s – sö fühl’n si sogar beleidigt, wann’s nöd überall als stimmfähig ang’sehn werd’n; kommen’s auf an Ball, da drahn’s das Köpferl rechts und links; erzähln a un schöniert, daß den Ewigen Juden in der Ursprache lesen, und seufzen von Rudolf aus den Geheimnissen von Paris. Ist aber von der Hauswirtschaft, von Kochen, von Stricken u.s.w. die Red‘ – a dös is gemeint."

1846

Eggenberg Kalvarienberg Mariatrost Hallerschlößl Landhaus Landhaus Kettenbrücke

Stadtveduten von Johann Vinzenz Reim (1796-1858).

Architekt Benedikt Withalm erbaut den Gusseisen-Skelettbau, das "Eiserne Haus", am Südtirolerplatz.

Auf seiner Rückreise von Rom nach Wien besucht der deutsche Dichter Friedrich Hebbel Graz und übernachtet am 20. Juli 1847 im "Wilden Mann" (heute Amtshaus). Nach einer Stadtbesichtigung vermerkt er in seinem Tagebuch: „Wir erhielten ein Zimmer auf die sogenannte Terrasse hinaus, welches eine schöne Aussicht, zunächst auf den Wirtshausgarten, dann auf den botanischen und weiterhin auf eine imposante Kastanienallee darbietet. Ich gerith in die Mariahilfer Kirche und trat in den Klosterhof der Minoriten, in dem der Friede selbst seine Hütte erbaut zu haben schien. Ein längeres Viereck von einem Gang umgeben, in dem kleine Capellen und Beichtstühle einander abwechselten, und an den die ehemaligen Zellen der Mönche stießen, lag vor mir. In der Mitte erhob sich ein Kastanienbaum, der vielleicht nicht seinesgleichen auf der Welt hat. Seine Zweige breiteten sich wie Arme über den ganzen, großen Raum aus, wie jetzt vor dem Regen, der ihm nur die Krone netzte, ohne durchdringen zu können, wird er an heißen Tagen vor der Sonne Glut schützen; genug es war ein Baum, der den Eindruck eines lebendigen Wesens machte, der mir eine wahrer Ehrfurcht einflösste." In den Buchhandlungen fallen ihm nichts außer Legenden,. Gebetsbücher und Räubergeschichten auf. Bei einem Aufstieg auf den Schloßberg schreibt er: „Eine Aussicht wie die von dem herunter glaube ich in meinem Leben noch nicht gehabt zu haben. Gottlob, daß die Zeit der Vestungen vorüber ist, daß die Stapelplätze der Kanonen und der Bombenkessel sich in Gärten verwandeln. Wer könnte auf dem Papier der Unendlichkeit von Wäldern und Thälern, von Flüssen und Strömen, sich auf der Höhe vor dem entzückten Blick ausbreiten, etwas abgewinnen! Als Curiosität verdient es angemerkt zu werden, dass ganz oben, mitten in der schrankenlos nach allen Seiten aufgeschlossenen Batur, ein Mann in einer Art Hundehaus ein Panorama mit Ansichten von Salzburg usw. eingerichtet hat." Er besucht auch den Rosenhügel und Eggenberg: „einen reizenden Park, der ein Schloß umgibt, das mit seinen miuttelalterlichen Laufgängen und den modernen Fenstern auf seltsame Weise zwischen Burg und Üalais min der Mitte schwebt."

Der schlesische Schriftsteller, Schauspieler und Theaterleiter Karl Eduard von Holtei (1798-1860 in Breslau) beginnt nach dem Gymnasium und Studium der Rechte in Breslau seine Schauspielerlaufbahn am Schlosstheater des Grafen Johann Hieronymus von Herberstein in Grafenort in der Grafschaft Glatz. Seine Tochter heiratet in jungen Jahren den Advokaten Dr. Joseph Potpeschnigg und zieht nach Graz. 1826 begleitet Holtei den Grafen Herberstein nach Paris. Gastspiel und Vorlesungsreihen führen ihn nach Berlin, Riga, Wien, Prag, Dresden, Hamburg und Weimar. Er ist mit Goethe, Joseph von Eichendorff und Gustav Freytag befreundet. Seine Erzählung „Ein Mord in Riga" ist einer der ersten deutschen Kriminalromane. Von 1847 bis 1865 zieht er zu seiner Tochter nach Graz und berichtet in seiner Autobiografie „Vierzig Jahre“ von seinem Grazer Leben: „Wenn die Stadt Graz weiter nichts hätte, als ihren Fetzenmarkt und ihren Schloßberg, so wäre dies hinreichend, mich an sie zu fesseln!“

1847 Eisernes.Haus Withalm Haus von Eisen

Revolutionsjahr 1848.
Am 13. März 1848 bricht in Wien eien Revolution aus, worauf Staatskanzler Mtternich nach London flieht..

Die Studenten überreichen am 14. März 1848 Gouverneur Constantin Graf von Wickenburg eine Petition an den Kaiser, in der sie die Abschaffung der Zensur, die Lehr- und Lernfreiheit sowie die Pressefreiheit fordern. Am selben Tag wird der Sturz von Kanzler Metternich vermeldet und genau an diesem Abend im Grazer Theater Schillers "Don Carlos" gespielt, in dem Marquis Posa an den König die Forderung stellt: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!"

Am 16. März 1848 verliest Gouverneur Wickenbrug am Grazer Hauptplatz ein Patent Kaiser Ferdinands, das die Aufhebung der Zensur sowie eine Verfassung zusichert.

Anfänge einer organisierten Arbeiterbewegung mit der Gründung des „Unterstützungsvereines für Buchdrucker- und Setzgehilfen", welcher erkrankten und arbeitsunfähigen Mitgliedern Hilfe gewährt.

Am 31.März 1848 führt die Erhöhung des Brotpreises zum sogenannten „Gratzer Bäckersturm" durch die verzweifelte Bürger- und Arbeiterschaft. Am Tag darauf richtet sich der Protest gegen die Fleischhauer im Kälbernen Viertel. Die akademische Legion unter dem Oberbefehl des Bürgerobersten Josef Andreas Kienreich sowie die Bürgergarde und das unformierte Bürgercorps unter Bürgermeister Dr. Andreas Hüttenbrenner sorgen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

Erzherzog Johann wird am 29. Juni 1848 in Frankfurt zum Reichsverweser gewählt.

Als in Wien die Oktoberrevolution ausbricht, brechen auch 600 Studenten aus Graz auf, um die Wiener Kämpfer für das Ende des feudalen Herrschaftssystem und für solziale Reformen zu unterstützen. Dort werden sie sofort von der Armee entwaffnet und ihr Wortführer Dr. Vinzenz von Emperger verhaftet und zu 18 Jahrern Festungshaft verurteilt.

Am 2. Dezember 1848 übersiedelt der Reichstag nach Krmsier in Mähren, wo Kaiser Ferdinand I. („Ja dürfen's denn das?") zu Gunsten seines 18-jährigen Neffen, Franz Joseph I. als neuem Kaiser (1830-1916), abdankt.


Das Revolutionsjahr 1848 bringt nicht nur die Aufhebung der Grundherrschaften, sondern leitet auch zu einer Epoche über, die als „Gründerzeit" bekannt wird und sich in einem „Historismus" in der Architektur äußert. Das liberale Bürgertum bevorzugt den der Renaissance nachempfundenen Baustil, die Deutschnationalen und Konservativen die als altdeutsch empfundene Gotik. Zu den neuen alten Stilen gesellen sich noch die Palais und Villen des Adels sowie des materiell aufstrebenden Bürgertums.

1848

Wickenburg
Freicorps Hüttenbrenner
Erzherzog Johann Kaiser Franz Joseph I.

Als Weiterentwicklung des 1776 unter Maria Theresia nach französischem Vorbild gegründeten „Polizeiamt" wird 1849 in Österreich die Gendarmerie ins Leben gerufen, die dafür zu sorgen hat, dass die staatlichen Normen auch in entlegenen ländlichen Gebieten der Monarchie umgesetzt werden. Wie alle einfachern Soldaten dürfen auch die Gendarmen nicht heiraten.

Joseph IV. Othmar Ritter v. Rauscher (1849-1853) studiert in Wien zuerst Rechtswissenschaften und dann Theologie. 1832 wird er Direktor der orientalischen Akademie. 1849 ernennt ihn der Salzburger Erzbischof Friedrich zu Schwarzenberg zum Fürstbischof von Seckau (1849-1853). Danach erfolgt die Ernennung zum Fürsterzbischof der Erzdiözese Wien und die Erhebung zum Kardinal. Als Titelkirche bekommt er Santa Maria della Vittoria in Rom zugewiesen. Als Mitglied des Herrenhauses bekleidet er einen Sitz im Reichsrat.

1849
Stahlstich Kuwasseg Graz Graz Kriminalgebäude

1850

Schlachtbrücke

Wilhelm Freiherr Kalchergger von Kalchberg erhält das Kommando über den Schloßberg und beschäftigt sich in der Folge mit dessen Geschichte. 1851 erscheint das Buch „Der Grazer Schloßberg und seine Umgebung", in welchem er einige interessante Details beschreibt: "Alle Wege und Stege sind mit Bedacht auf Fernsicht und Bequemlichkeit angelegt, mit Geländern und Bänken versehen, von Bäumen und Sträuchern beschattet und führen größtentheils zu überraschend schönen Ruheplätzen."

Der aus Schlesien stammende Heinrich Laube wird in Wien Direktor des Hofburgtheaters. Über Graz vermerkt er: „Ich weiß von Graz sonst nichts Charakteristisches zu erzählen, als daß der Adel der Provinz, der sogenannte Kavalier, hier noch seine erste Heldenrolle spielt, daß man viele Kruzifixe sieht und daß ich des Nachts auf dem Heimwege die Stadt woanders suchte, als wo sie war. Trotzdem ich mich verirrt hatte und sehr spät nach Hause kam, fand ich die Wirtsstube meines Gasthauses noch belebt. Es wurden noch Hendln verspeist und Seidln getrunken. Die Backhendln sind bekanntlich der Mittelpunkt der österreichischen Nationalität. Es ist ein historischer Fehler, daß die Österreicher nicht ein Backhendl im Wappen haben.“

In der Leonhardstraße wird der spätere Burgschauspieler und Freund von Johann Strauß, Alexander Girardi, geboren. Während seiner Gesellenzeit als Schlosser spielt er am Theater des Katholischen Gesellenvereines am Kaiser-Franz-Joseph-Kai.

Anstelle des Dritten Sacktores entsteht das neue Inquisitenhaus, ein im Volksmund als ;Kriminal" bezeichnetes Gefängnis.

Girardi

Franz Sales Engelhofer gründet im Herbst ein Kaffeehandelsgeschäft, aus dem sich ein Werk zur Bonbonerzeugung entwickelt.

Die Brüder Johann Ludwig und Anton Kleinoscheg begründen in Gösting eine Champagnerfabrik. Nach dem Ausscheiden asu der Firma wird Johann Mitbegründer der Grazer Eskompte-Bank und Handelsakademie sowie Förderer zur Errichtung der Hilmteichwarte und der Schloßbergbahn.

1851

Auf dem steil abfallenden Herbitzhügel über der Grabenstraße, wo sich eine kleine Burg der steirischen Linie der Herren von Graben und am Fuße dieses Burghügels später das Schlösschen Grabenhofen (auch „Alt-Grabenhofen") befand, lässt 1852 James Washington, ein Cousin des amerikanischen Präsidenten George Washington, eine elegante Villa („Villa Washington") im englischen Landhausstil erbauen. Nach seiner Flucht aus England und Irrfahrten durch ganz Europa lebt er hier mit seiner Familie über 50 Jahre lang. Nach dem Tod des letzten Spross der Washingtons 1925 baut der Militärauditor Lenk die Villa um, bis diese schließlich Wohnsitz der Grazer Bürgermeister („Bürgermeistervilla") wird. So wohnt hier während der NS-Zeit Oberbürgermeister Dr. Kaspars und nach Kriegsende auch noch Bürgermeister Dr. Eduard Speck.

Das Barockpalais des Jahres 1725 in der Sackstraße wird zum "Hotel Erzherzog Johann" mit einem Wintergarten im 5-geschossigen Innenhof adaptiert.

1852


Nachdem der aus dem ungarischen Szegedin kommende Joseph Körösi gemeinsam mit Konrad Michalky aus Piber zuerst die Hofrichterische Kettenfabrik in Graz erwerben kann, wird 1852 seine Fabriksbefugnis von der Kreisregierung zur "Erzeugung von Drahtnäglen, Metallwaren und Maschinen" erweitert und er kauftz vom Bäckermeister Johann Gartler um 24000 Gulden am Mühlgang in Andritz die Trummermühle, auf derem Areal er eine Maschinenfabrik errichtet. Körösi Maschinenfabrik Andritz

Viele der Gebäuderteile der Burg sind zum Teil so baufällig, dass man sich zu einem Teilabbruch entschließt, dem der gotische Haupttrakt mit der Hofkapelle, die Renaissance-Prunkstiege sowie der Hofgassenübergang zur Ädydiuskirche zum Opfer fallen.

Bischof Ottokar Maria Graf v. Attems (1853-1867). In seine Amtszeit fällt die endgültige Vereinigung der Diözesen Leoben und Seckau.

Palais Kottulinsky und Künigl.

1853 Bischof Ottokar Maria Graf von Attems Kottulinsky Palais Künigl

Die aus Westfalen in Deutschland stammenden Brüder Johann Peter und Julius Reininghaus übernehmen nach den ersten Berufserfahrungen in Wien beim Brauunternehmer Mautner von Markhof 1853 das Mauthaus am Steinfeld und die Königshofer Brauerei in Baierdorf bei Graz und bauen sie zu einem Großberteieb aus. Sie erweitern den Besitz um die erste steirische Spiritus- und Presshefefabrik sowie eine Likörfabrik. 1871 errichten sie eine vollkommen neue Brauhausanlage mit Mälzereigebäuden und ausgedehnten Kellern, in denen 700 Beschäftigte Arbeit finden. Zu dieser Zeit gibt es in Graz ca. 20 Brauereien, da das Bier in den Gasthäusern vielfach selbst gebraut wird. Johann Peter Reininghaus wird in Anerkennung seiner wirtschaftlichen Leistung in den Adelsstand erhoben; als Kunstliebhaber lernt er den jungen Peter Rosegger kennen, dem er ein Studium in Laibach und Graz ermöglicht.

Reininghaus Reininghaus Reininghaus

Die einsetzende Industriealisierung mit der Entwicklung der Dampfmaschinen und der Gasbeleuchtung führt 1853 zur Gründung eines besoldeten Pompiers-Corps (die spätere Berufsfeuerwehr) durch die Stadt Graz. Baurat DI Alois Hueber ist ab 1871 erster Kommandant der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Grazer Turner-Feuerwehr. 1870 findet dann das Gründungstreffen des Steiermärkischen Landesfeuerwehrverbandes statt. Am 2. Landesfeuerwehrtag wird vor dem Grazer Rathaus in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Schreiner und der Bürgerkorbskapelle eine große Parade mit 29 Feuerwehren und Abordnungen von 102 Wehren aus vielen Ländern abgehalten.

Der aus Schlesien stammende Schriftsteller Heinrich Rudolf Constanz Laube, Intendant des Wiener Burgtheaters sowie Gründer und Direktor des Wiener Stadttheaters, schreibt nach einem Besuch in Graz: „Ich weiß von Graz sonst nichts Charakterisches zu erzählen, als daß der Adel der Provinz, der sogenannte Kavalier, hier nochg seine erste Heldenrolle spielt, daß man viele Kruzifixe sieht und daß ich des Nachts auf dem Heimwege die Stadt woanders suchte, als wo sie war. Trotzdem ich mich verirrt hatte und sehr spät nach Hause kam, fand ich die Wirtsstube meines Gasthauses noch belebt. Es wurden noch hendln verspeist und Seidln getrunken. Die Backhendln sind bekanntlich der Mittelpunkt der österreichischen Nationalität. Es ist ein historischer Fehler, daß die Österreicher nicht ein Backhendl im Wappen haben." Lobend äußert er sich über die Schönheit der jungen Grazerinnen: „Es gedeiht hier ein schöner Menschenschlag, namentlich in Graz. Dort im Theater habe ich Claurensche Mädchen gefunden, mit allen kleinen materiellen Schönheiten, mit Grübchen, mit Rosen und sonstigem Detail. Graz ist wirklich ein Ort, wo man das 'Vergißmeinnicht' noch einmal lesen könnte. Die Romantik ist noch in ihren Kinderschuhen, die Mädchen sind kurios verführerisch. Dicht am Schloßberge steht ein besonders hohes, schönes Haus, aber das Mädchen, das am Fenster saß, reizte mich noch mehr. Ich versuchte einen kleinen Roman, aber ich mußte die ersten Zeilen wieder ausstreichen, um schnell nach Wien zu kommen."   Grazerin

Der Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch lebt seit 1854 in der Jahngasse 9 in Graz (in einer Wandkartusche finden sich seine Initialen „SM" / späteres Elternhaus von Dr. Karlpeter Elis), studiert Rechtswissenschaften, Mathematik und Geschichte, habilitiert und lehrt an der Universität Graz. Hier lernt er auch seine erste Frau, die Handschuhmacherin Laura Rümelin, kennen, die sich ihm beim ersten Zusammentreffen zur Tarnung als vornehme russische Gräfin Wanda von Dunajew vorstellt und später unter dem Pseudonym Wanda Dunajew die Protagonist in seinen berühmten Roman "Venus im Pelz" wird, der zum Ursprung für die Begriffsbildung "Masochismus" wird. Als sie ihm ein Kind gebiert, heiratet er sie 1893.
Das sehr alte Eckhaus an der Jahngasse 9 zur Wickenburggasse wird auch Wohnsitz von Peter Rosegger, Friedrich von Hurter und Dr. Karlpeter Elis
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1854

Sacher Masoch Jahngasse 9 Jahngasse 9

Alexander Prinz von Hessen-Darmstadt, der bereits im Alter von zehn Jahren im hessischen Militär Dienst leistet, folgt 1840 seiner Schwester Marie, der Gattin des späteren Zaren Alexander II., nach Sankt Petersburg, wo er eine steile miltiärische Karriere im Dienst von Zar Alexander II. beschreitet. Da der Zar seiner Hochzeit mit der nicht standesgemäße Hofdame Julia Jauke niemals zugestimmt hätte, flieht Alexander ohne Erlaubnis nach Breslau, wo er am 28. Oktober 1851 Julia heiratet. Er wird degradiert und muss den Hof verlassen. Alexander tritt in den österreichischen Militärdienst ein und kommt nach Graz, wo sein ältester Sohn Ludwig am 24. Mai 1854 geboren wird, der es später in England bis zum Lord der Admiralität bringt und seinen Namen Prinz von Battenberg in Mountbatten, die englische Übersetzung, ändern lässt. Sein Enkel, Prinz Philipp Mountbatten von Griechenland, heiratete 1947 die englische Kronprinzessin und jetzige Königin Elisabeth II., womit der jetzige Mann der Queen einen Grazer als Großvater hat.

Prinz Alexander von Hessen und Julia Hauke Ludwig con Battenberg Mountbatten
Der gelernte Huf- und Wagenschmied Johann Weitzer errichtet eine Wagenfabrik, die bald auch Fahrzeuge für den Bau des Suezkanal liefert und 1866 als Erste in Österreich Hinterladergewehre erzeugt. Nach dem Anschluss 1938, für die nationalsozialistische Kriegsmaschinerie arbeitend, entsteht schließlich durch eine Fusion mmit der Wiener „Pauker Werke AG" der Waggon- und Lokomotiverzeuger „Simmering-Graz-Pauker" (SGP).

Der Präsident der Hofkammer, Baron von Kübeck, beauftragt 1843 den venezianischen Ingenieur Carl Ritter von Ghega mit dem Bau der Semmeringbahn. 20000 Arbeiter lassen eine Strecke mit 16 Viadukten, 15 Tunnels und 100 Brücken entstehen. Mit dem Abschluss der Arbeiten zur Überwindung des Semmerings kann die Südbahnverbindung von Wien über Graz nach Triest geschlossen werden und am 17. Juli der erste Zug über den Berg dampfen. "Das kohlfinstere Loch war schier so groß, dass darin ein Haus hätte stehen können, und da ging eine Straße mit zwei eisernen Leisten daher. Dann hat sich auf der eisernen Straße ein kohlschwarzes Wesen genähert. 'Kreuz Gottes', rief mein Pate, 'da hängen ja ganze Häuser dran.' Und wir sahen einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und aus den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus." (Peter Rosegger)

Carl.Ghega semmering Semmeringbahn Semmering

Unter der Leitung des aus Novi Vrbas in der Batschka kommenden Stadtbaumeisters Jakob Bullmann werden 60% der Grazer Gründerzeithäuser, darunter auch der Industriebau der Seifenfabrik, errichtet.

1855 Seifenfabrik Jakob Bullmann

Die von Josef Kulnig herausgegebene „Tagespost" erscheint am 17. Jänner 1856 das erste Mal.

Anlässlich des Besuches von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Gattin Elisabeth wird in der Annenstraße ein Triumphbogen sowie am Anfang der von Pittoni- auf Elisabethstraße umgetauften Prachtstraße eine hölzerne "Elisabethsäule" mit der Büste der Kaiserin errichtet.

Beginn der Errichtung der Ringstraße mit Burg-, Opern- und Joanneumring.

1856

 

Annenstraße Annenstraße Elisabethsaeule

In dem Roman „St. Ägidiuskirche in Graz“ beschäftigt sich Joseph Freiherr von Erben mit den näheren Umständen der Tattenbach‘schen Verschwörung. Darin finden sich auch Schilderungen über Graz: “Auf den Gassen wurde es lebhaft, die Leute gingen zur Kirche oder kamen aus derselben. Alles hatte ein feierliches, dem gottgeweihten Tage würdiges Aussehen. Die Leute waren mit ihren Feierthagskleidern angethan, deren Luxus aber durch die Polizei-Verordnung vom Jahre 1659 eingeschränkt worden war, worin den verschiedenen Ständeclassen vorgeschrieben wurde, welche Kleider ihnen zu tragen gestattet wären. Die Bauern in ihren blauen Jacken und rothen Weste, den schwarzledernen kurzen Hosen, blauen Strümpfen, Bundschuhen und den runden Hüten mit spitzem Gupfe sahen damals lange nicht so gut aus, wie die jetzigen Landleute in der obersteier’schen Tracht. Die Bürger in ihren Festgewändern, meist von schwarzer Farbe, mit weiten bauschigen Hosen, um den Leib einen breiten Gürtel von lackirtem Leder mit einer stählernen oder silbernen Schnalle zusammengehalten, ihre Ehefrauen am Arme führend, welche meist in weiten damstenen Kleidern einherrauschten, mit dem silbernen Gürtel geschmückt und auf dem Kopfe Hauben von schwarzem Tuche oder Sammt mit Steinmarder- oder Fuchsrücken verbrämt. Die größte Menge strömte zur St. Aegidiuskirche, da sie, wie noch jetzt, ihres schönen gothischen Baues und der vielen historischen Denkmale wegen, die für den Steiermärker so erinnerungsreich sind, besonders besucht war. Doch sah es zur Zeit unserer Geschichte noch ganz anders bei der alten Kirche aus als jetzt; das Burgthor war wegen der einst drohenden und oft wiederkehrenden Türkengefahr zugemauert worden, und nur ein kleines, in der Regel aber geschlossenes Pförtchen führte durch den Wall hinaus. Rund um die Kirche und das Mausoleum zo sich ein kleiner Friedhof, der damals noch benützt wurde. Die ziemlich nidere Mauer führte auf der Seite gegen die Burg hin, bis zu jenem Pfeiler, der den aus der Burg in die Kirche führenden, dreistockhohen Gang trug. Wo jetzt das Theater steht, befand sich 1610 und 1671 der zur Burg gehörige Garten, und von dem Collegium der Jesuiten – dem jetzigen Priesterhause – führte über die Bürgergasse ein gedeckter Gang zur Kirche. Im Winkel, welchen das Mausoleum und das heutige Militär-Commando bilden, befand sich ein Häuschen. Vor der Friedhofsmauer standen einzelne Gruppen von Bürgern und Landleuten. Der alte Mesner in seinem schönsten rothen Gewand lehnte vor der kleinen Thüre, welche hinter dem Hochaltare gegen das Burgthor zuführt, und harrte auf die geistlichen Herren, welche das Hochamt halten sollten.“

1857

Die St. Aegidius-Kirche in Graz

Kohlegassen an gemeindeeigenen Betriebsgelände des städtischen Gaswerkes zwischen Schönaugasse und Conrad-von-Hätzendorf-Straße

Dem Wunsch der Voitsberger-Köflacher-Maria Lankowitzer Steinkohlengewerkschaft entsprechend, die in den weststeirischen Revieren abgebaute Kohle nach Graz zu transportieren, erlaubt ein kaiserliches Privilegium den Bau und Betrieb einer „Locomotiv-Eisenbahn“ von Köflach nach Graz. Ab 3. April 1860 führt die Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbau-Gesellschaft diese Eisenbahnstrecke im Eigenbetrieb.

Am 27. Juli 18757 erfolgt die Eröffnung der durchgehenden Strecke der k.k. Südbahn oder "Erzherzog-Johann-Bahn" von Wien-Südbahnhof über den Semmering und Graz nach Triest-Centrale.

Von Triest aus startet auch die von Bernhard Freiherr von Wüllerstorf-Urbair befehligte österreichische Fregatte Novara zu ihrer Weltumsegelung.

Graz-Köflacher-Bahn Novara

Ulrichsbrunn Geidorf Hilmteich Kienreich Graz
Der Grazer Schriftsteller Karl Gottfried Ritter von Leitner (1800-90), der nach dem Studium der Rechte und der Steiermärkischen Geschichte als Gymnasiallehrer im Cilli und Graz tätig ist. wird 1858 von Erzherzog Johann zu einem der 3 Kuratoren des Joanneums ernannt. Im dort entstandenen Leseverein git er die „Steyermärkische Zeitschrift" heraus, deren Redaktionsmitglied er auch ist, und begründet den „Historischen Verein für Innerösterreich". Für das große Werk „Ein treues Bild des Herzogthums Steiermark" veranlasst er die bis heute beste und umfassendste Biografie Erzherzog Johanns. Zu Leitner Freundes- und Bekanntenkreis zählen diue bekannten Dichter wie Johann von Kalchberg, Joseph von Hammer-Purgstall. Anastasius Grün, Jacob Lorber und Franz Grillparzer. Für einen seiner Gedichtbände widmet ihm Schubert acht „Leitnerlieder".

Katharina Prato ist das Pseudonym der Grazer Kochbuchautorin Katharina Pratobevera, die ihren Gatten, den Postdirektor und Konservator von Steiermark und Kärnten, auf dessen Durchreise begleitet und dabei in den Gasthäusern Kochrezepte sammelt, die sie 1858 in dem 348 Seiten starken Kochbuch „Süddeutsche Küche" bei Leykam in Graz veröffentlicht. Das Kochbuch wird zu einem in mehreren Sprachen übersetzten Verkaufsschlager, sodass es schließlich in der 77. Auflage 1048 Seiten umfasst.
1858
1860 Eröffnung der Graz-Köflacher-Bahn.

Das Eiserne Tor wird abgetragen.
1860  

Landeshauptmann wird Karl Graf von Gleispach.

Der geborene Wiener Moritz Ritter von Franck wird der erste frei gewählte Bürgermeister von Graz (1861-70). Er wohnt im Palais Kees am Glacis, das von Georg Hauberrisser d.Ä. als Nachfolgebau des Erzherzog-Johann-Palais Meran erbaut wird. Unter Franck wird das Stadtparkprojekt verwirklicht, indem er die Stadtmauern niedereißen und auf dem ehemaligen Exerzierplatz nach dem Vorbild englischer Landschaftsgörten den Stadtpark anlegen lässt; auch führt er die ertsen Sozialmaßnahmen auf dem Gebite der Kommunalverwaltung mit der Erneuerung der Gemeindeordnung, dem Bau der Wasserleitungen, der Hilmteichanlagen (ehemalige Abbaugrube zur Ziegelherstellung), das Städtische Spital sowie die Gründung der Volksküche und der Gemeindesparkasse durch.

Der Griesplatz (Gries = feiner Murschotter) mit seinen Gerschäften, Werkstätten und Makrttagen ist mit seiner bunten Szene ein typischer Wohnplatz für Zuwanderer und des Rotlichtmilieus (Braun-Bar, Dixie-Bar). Besonders um die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kommen viele „Neu-Grazer" aus der Untersteiermark in die „Windische Vorstadt". Mit der Auflösung des Niederlassungsverbotes siedeln wieder viele Juden an der Ostseite der nahen Synagoge. Vor allem ist der Platz auch ein Zentrum für Gaststätten: "Zum Roten Kreuz", "Lustiger Bauer", "Schwarzer Bär", Fünf Lärchen", "Schwarzer Adler", "Zum Goldenen Hirschen", "Goldene Krone" (Ungarische Krone), "Zum Goldenen Lamm", "Weißer Ochse", "Goldener Reichsapfel" (Blauer Stern, Goldener Adler).
Am Griesplatz beginnt auch Anton Pichler mit seiner Huterzeuzgung.

1861 Karl.Graf v.Gleispach Moritz Ritter von Franck
Am 15. Juni 1862 Gründung des Grazer Turnvereines. Erster Obmann ist der deutsch-liberale Reichtagsabgeordnete Dr. Karl Rechbauer, erster Turnlehrer Alexander Nimpfing, erstes Turnlokal die ehemalige Bierbrauerei im Schreiner'schen Haus in der Sackstrae 10. Der 1892 in "Allgemeiner Turnverein Graz" umgetaufte ATG kauft für 60000 Kronen 1912 den Jahngarten in der Kastellfeldgasse als eigenen Sportplatz.

1862 kaufen Josef und Anna Zankl das Betriebsgelände der kurz zuvor explodierten Hafner'schen Pulverstampfe beiderseits des Mühlganges in Gösting und gründen die Lack- und Farbenwerke „A. Zankl & Söhne". Das führende Unternehmen produziert Erd- und chemische Mineralfarben und besitzt als k.k. Hoflieferant neben dem Hauptsitz in Graz Zweigniederlassungen in ganz Österreich sowie auch Werke in Triest und Oradea (Rumänien) und beliefert die ganze Welt.
1862

Karl Ludwig von Österreich und seine Frau Prinzessin Maria Annunziatra von Neapel wohnen von 1863 bis 1866 in Graz. Ihr Domizil ist das Palais Khuenburg in der Sackstraße 18 (Stadthaus für Maximilian von Schrattenbach, heute Stadtmuseum), wo am 18. Dezember 1863 ihr erster Sohn, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich, das Licht der Welt erblickt. Als Thronfolger von Kaiser Franz Joseph wird er am 28. Juni 1914 in Sarajewo ermordet.

Gründung der „Akademie für Handel und Industrie" (Handelsakademie) durch die Grazer Kaufmannschaft in der Kaiserfeldgasse. Einer der ersten Schüler ist Peter Rosegger: „Wohlgemut, ungezwungen und natürlich trat Peter in den Kreis von etwa 60 Altersgenossen, ausgerüstet mit sehr wenig Schulweisheit, aber aus seinen Augen glänzte ein helles Licht, das der liebe Gott jenen anzündet, die andere durch dieses finstere Leben zu führen bestimmt sind."

Eugen Spork beleuchtet in seinem satirischen Büchlein „Eisele und Beisele“ die Ereignisse um das große Grazer Sängerbund-Fest: „Graz ist eine Stadt in der Steiermark an der Mur. Seine Bewohner teilen sich dem Berufe nach in: Pensioniste, Beamte, Bürger, Sänger, Turner, Gewerbetreibende und Rinstraßen-Bewunderer. Die Naivität der Lebensmittel verkaufenden Landsleute streift hart an Grobheit. Auch in Graz gibt’s Hausherrn, welche Parteien mit Kindern nicht aufnehmen wollen. Es gibt viele Kaffeehäuser, darunter mehrere, die obschon im 1. Stock, dennoch bereits Parterre sind; In einigen ist der Kaffee gut; in anderen ist er klein, aber bitter; in wieder andern ist er bitter, aber die Marqueurin ist nicht bitter; mehrere Kaffeehäuser halten sich am Wasser, einige über Wasser  … In Graz wird unter 3 Feuerwerken Eines, und unter 9 Sängerfahrten 7 verregnet. Graz hat jährlich zwei Märkte, mehrere Liedertafeln, 52 Turnausflüge und nur einen Wunderdoktor.“

1863

Erzherzog Franz Ferdinand Sackstraße.18 Handelsakademie

Der auf dem Gelände der ehemaligen Stadtmauer, dem Glacis, befindliche hölzerne Zirkus wird in das neue 12eckige "Thalia-Theater" (ab 1872 "Stadttheater", ab 1887 "Theater am Stadtpark") umgebaut und am 28. März eröffnet. Hier gastieren legendäre Künstler wie Alexander Girardi, Peter Rosegger, Carl Morre mit ihren Stücken.

Carl Millöcker, Absolvent des Konservatoriums der Musikfreunde in Wien und Flötist im Theater an der Josefstadt, wird auf Empfehlung von Franz von Suppè mit 22 Jahren als Kapellmeister am Grazer Thalia-Theater engagiert, wo er auch seine ersten komponierten Operetten „Der tote Gast", „Die lustigen Binder" und „Aud dem Schloßberg" zur Aufführung bringt. Zurück in Wien schreibt er dann unter anderem den unzählige Mal aufgeführten und vorwiegend Millöckers Ruhm begründeten „Bettelstudent", der mit 60 Aufführungen auch in Graz zum meistgespielten Stück wird.

1864 Thalia
Hauptplatz   Schillerplatz Schörglschlössl

Kaiser Franz Joseph eröffnet am 4. Juni 1865 das neue Gebäude der Grazer Wechselseitigen Versicherungsanstalt an der Ecke Herrengasse/Jungferngasse. Die denkmalgeschützte Linde im Innenhof ist zu Ehren des Gastes gepflanzt. 1869 wird der Sohn von Erzherzog Johann, Franz Graf von Meran, Generaldirektor. Bis heute finden sich stets Nachfahren des Erzherzogs im Aufsichtsrat (Franz Harnoncourt-Unverzagt, Philipp Graf Meran).

1865 GRAWE
Nach der Aufforderung von Chefredakteur Adalbert Swoboda, einen Artikel an die „Grazer Tagespost" zu schicken, übersiedelt Peter Rosegger am 27. April 1865 als Hospitant in die „Akademie für Handel und Industrie" nach Graz und bezieht eine geförderte Wohnung in der Wickenburggasse 1332.

Die 1853 in Graz. in der Wickenburggasse 9, geborene Schauspielerin und Sängerin Marie Geistinger übernimmt nach Auftritten in München, Wien, Berlin, Hamburg und Riga 1669 die Leitung des Theaters an der Wien, wo sie auch mit Alexander Girardi auftritt. Als international gefragte "Königin der Operette" wird sie 1877 in Leipzig engagiert, wonach sie sieben umjubelte Tourneen in die USA unternimmt. („Es gibt keine zweite Künstlerin auf dem weiten Erdenrund, die diesem eigenen Genre so viel ästhetischen Gehalt abgewinnt und es so geistvoll behandelt, wie diese glanzvolle Geistinger")
.

Feldmarschallleutnant Erzherzog Heinrich von Österreich fungiert als Divisionskommandeur unter anderem in Brünn und Graz, wo er in der Geidorferstraße (spätere Heinrichstraße) wohnt. Er kämpft mit Auszeichnung in der Schlacht bei Custozza. 1868 geht er mit der Sängerin Leopoldine Hofmann eine morganatische Ehe ein, worauf er aus dem Kaiserhaus ausscheidet, alle militärischen Funktionen zurücklegt, in die Schweiz ins Exil geht und sich ab da „Graf Waldeck" nennt. 1872 sezt ihn aber Kaiser Franz Joseph per Handschreiben wieder in die Rechte eines kaiserlichen Prinzen ein.

1866 Heinrich von Österreich

Feldherr Ludwig August Ritter von Benedek zieht sich nach der Niederlage am 3. Juli bei Koniggrätz in eine Villa in der Beethovenstraße 4 zurück, wo er am 27. April 1881 vereinsamt stirbt und am St. Leonhard Friedhof begraben wird.

Benedek Königgrätz
Der im steirischen Marburg geborene Wilhelm von Tegtthoff bekommt nach dem Besuch des Marinekollegs in Venedig vom Marinekommandant Erzherzog Max - späterer Kaiser Maximilian von Mexiko - den Auftrag zur Erforschung einer österreichischen Kolonie, bevor ihm nach ersten Erfolgen im Donaudelta und nahe der Insel Helgoland unter seinem Kommando am 20. Juli 1866 in der Seeschlacht von Lissa ein Sieg gegen die italienische Flotte gelingt. Danach beginnt er mit seiner Reformtätigkeit der k.k. Kriegsmarine, gründet die Marineakademie in Fiume und schickt zur Ausbildung der Seeoffiziere jedes Jahr ein Schiff auf Missionsreise. 1868 überführt er mit der Fregatte "Novara" den Leichnam Kaiser Maximilians von Mexiko nach Triest. In seinen letzten Lebensjahren hält er sich häufig in Graz und St. Radegund zur Erholung auf.

Seit 1867 sind Vereins- und Versammlungsaktivitäten erlaubt. So findet im März die erste Arbeiterversammlung mit der Konstituierung des Arbeiterbildungsvereines "Vorwärts" statt, während sich das liberal gesinnte Bürgertum im Deutschen Demokratenverein sammelt.

Fürstbischof Dr. Johannes Baptist Zwerger (1867-1893), Bahnbrecher für die Regotisierung und Initiator für den Bau der Herz-Jesu-Kirche mit ihrem dritthöchsten, 109,6 m hohen Kirchturm Österreichs, wird nach seinem Tod im Jahr 1893 in einem, von Bildhauer Hans Brandstetter aus weißem Carrara-Marmor gestaltetem Hochgrab in der Unterkriche der Herz-Jesu-Kirche bestattet.

Domherr Alois Karlon (1881-1902) ist der Begründer des „Grazer Volksblattes“, des Katholischen Pressvereines und der katholisch-konservativen Partei.

Der in Marburg geborene Ottokar Kernstock tritt nach seinem Studium an der Grazer Universität in das Stift Vorau als Augustiner Chorherr ein. Unter anderem dichtet er 1923 das „Hakenkreuzlied“ für die Fürstenfelder Ortsgruppe der NSDAP und 1930 das als Bundeshymne eingeführte Kaiserlied „Sei gesegnet ohne Ende, Heimaterde wunderhold!"
.

1867 Bischof Johannes Baptist Zwerger Johann Karlon Volksblatt
Der 1837 in der Saline Wilhelmsglück in Württemberg geborene Ulrich Moser erlernt in Schwäbisch-Hall den nBuchhandel und kommt über Freiburg und Innsbruck 1868 nach Graz, wo er sich im April 1868 am Bischofsplatz 153 mit der "Ulrich Moser's Buchhandlung" selbständig macht. Zusätzlich betätigt er sich noch als Verleger und übernimmt eine Bucbinderei. Als er unerwartet 1881 verstirbt, übernimmt der Verleger Julius Meyerhoff mit 1. Jänner 1882 die Geschäfte. Er verlegt im Dezember 1896 die Buchhandlung in das Gebäude des Stadtpfarramtes in der Herrengasse 23 und erhält den Titel eine K.k. Hofbuchhändlers. Am 1. April 1918 erwirbt der Kathoplische Pressverein, dessen Ausschussmitglied Meyerhoff ist, die Buch- und Kunsthandlung, die 1943 mit der Buchhandlung Cieslar verein wird. 2001 fusioniert sich die "Styria Buchhandels GmbH" mit der "Morawa Buch und Medien GmbH" bis schließlich 2005 Morawa Alleinbesitzer wird und unter Filialleiter Franz Kriutz ind Palais Welsersheimb am Eisernen Tor übersiedelt. 1868

Gründung des Arbeiterbildungsvereines mit dem Beinamen „Vorwärts".

Um mit den ostasiatischen Monarchien Friedens- und Handelsverträge abzuschließen sticht am 18. Oktober 1868 von Triest aus eine k.u.k. Mission unter dem Kommando von Konteradmiral Anton von Petz mit der Schraubenfregatte "Donau I" und der Schraubenkorvette "Erzherzog Friedrich" in See. Die Reise geht über Teberiffa, Kapstadt, Bangkok, Singapur, Hongkong und Schanghai bis nach Japan, wo sie Anfang Oktpber 1869 an Land gehen. Mit an Bord sind auch der Wiener Fotograf Wilhelm Burger und sein Gehilfe, der 14-jährige Michael Moser aus Altaussee. Während aber die Missionsdelegation schon im November wieder die Rückreise aufnimmt, bleibt Moser in Japan und durchquert 7 Jahre lang auf einem Maultier als Fotograf das Land der aufgehenden Sonne. Als die japanische Regierung auf Einladung Kaiser Franz Josephs 1873 an der Weltausstellung in Wien teilnimmt, ist Moser als Dolmetscher wieder dabei und hat so die Möglichkeit, auch seine Familie in Altaussee zu besuchen. Nach der Rückkehr darf er sich in Japan ansiedeln und wird auch dem Tenno vorgestellt. Während der nächsten Reise zur Weltausstellung nach Philadelphia erkrenkt er an Typhus und kehrt schließlich 1877 in seine Heimat nach Altaussee zurück, wo er die Fotografin Franziska Frühwirth heiratet und ein Atelier eröffnet.

Herzog Alexander von Württemberg, der Großvater von Queen Mary, wechselt 1830 von der württembergischen Armee in die Dienste der Habsburgermnarchie ein, wo er als berst eine Kavallerie-Division kommandiert. 1850 ernennt ihn der Kaiser zum Befehlshaber des 11. Husarenregiments. 1860 tritt er als General in den Ruhestand. Wegen seiner nicht standesgemäßen Eheschließung mit der ungarischen Gräfin Claudine Rhédey von Kis-Rhéde in Wien, wird Alexander von der Erbfolge in Württemberg ausgeschlossen. Claudine erhält den Titel einer Gräfin von Hohenstein. 1968 übersiedelt er mit seiner Familie nach Graz in das 1834 erbaute Haus Nr.61 am Glacis. Anlässlich eines Graz-Aufenthaltes logiert in diesem Haus auch Queen Mary, die Großmutter von Elizabeth II., und später Robert Musil. Herzog Alexander nimmt hier in Graz bei Conrad Kreutzer Zeichenunterricht. Seine Frau erleidet einen tragischen Tod,, als sie bei einer Kavallerieübung in Pettau von durchgehenden Pferden niedergetrampelt wird.

Nach Erzherzog Johanns Tod 1859 beauftragt sein Sohn Franz Graf von Meran den Wiener Architekten nahe von dem, von Johann 1845 erworbenen Schloss Meran ein Mausoleum zu bauen. Als der neugotische Bau 1869 fertiggestellt ist, werden die sterblichen Überreste aus dem Grazer Dom nach Schenna überführt, wo am 23. Juni 1869 die feierlich Beisetzung im Mausoleum erfolgt.

Erzherzog Ludwig Salvator ist der zweitjüngste Sohn von Großherzog Leopold II. der Toskana. Er genießt eine liberale Erziehung und beschäftigte sich vorzugsweise mit dem Studium der Natur und mehrerer Sprachen. 1859 muss die großherzogliche Familie aufgrund der österreichischen Niederlage bei Solferino Florenz verlassen. Ludwig Salvator lebt nun mit seinen Eltern auf Schloss Brandeis bei Prag. Ludwig Salvator, der am Wiener Hof als gelehrter Sonderling und verkappter Kommunist gilt, wird 1867 von Kaiser Joseph I. beurlaubt und begibt sich mit seiner Yacht „Nixe I“ unter dem Pseudonym „Ludwig Graf Neudorf“ zu naturwissenschaftlichen Studien auf die Reise zu den Balearen. Die Hauptinsel Mallorca beeindruckt ihn so sehr, dass er drei Jahre später auf die Insel übersiedelt und in Son Marroig seinen Hauptwohnsitz aufschlägt. Auch Kaiserin Elisabeth, mit der er eng befreundet ist, besucht den Erzherzog zweimal mit ihrer Yacht Miramar auf Mallorca. Als Besitzer des Kapitänspatentes erwirbt er nach dem Untergang seiner ersten Yacht 1894 die Dampfsegelyacht "Nixe II", mit der er jahrzehntelang das Mittelmeer, meist in Begleitung von etwa 20 Personen sowie allerlei Getier bereist. Neben der Schifffahrt gilt sein besonderes Interesse der wissenschaftlichen Erforschung unbeachteter Inseln wie Paxos, Ithaka, Lefkada und Zakynthos im Ionischen Meer sowie den Liparischen Inseln, den kleinen Inseln Giglio, Ustica und Alborán und insbesondere den damals weitgehend unbekannten balearischen Inseln, die er in allen Details beschreibt. Der niemals verheiratete Erzherzog, ist den Reizen beider Geschlechts, insbesondere aber der Schönheit der Mallorquinerinnen zugetan. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Tischlerstochter Catalina Homar ein, die unter seinen Fittichen eine exzellente Ausbildung genießt, mehrere Sprachen erlernt und zur Verwalterin seiner Weingüter avanciert. Auf einer Reise nach Jerusalem zeiht sie sich die Lepra zu, an der sie 1905 verstirbt (ihr Haus S’Estaca wird später von Hollywood-Star Michael Douglas bewohnt). Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, muss Ludwig Salvator auf kaiserlichen Befehl auf das Schloss Brandeis bei Prag zurückkehren. wo der bereits sterbenskranke Erzherzog Ludwig Salvator – er litt an Elephantiasis – am 12. Oktober 1915 verstirbt.

1869

Bau der landschaftlichen Turnhalle mit einem Freiturnplatz auf dem ehemaligen Areal eines Heu- und Holzmagazines (heute Landesturnhalle in der Jahngasse, nach dem "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn, Initiator der deutschen Turnbewegung, benannt).

Ludwig Eduard Boltzmann übernimmt an der Grazer Universität die Professur für Theoretische Physik. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Thermodynamik und Probleme der Luftfahrt. Die erste Studentin für Physik in Graz wird 1876 seine Gattin.

Guido Freiherr Kübeck von Kubau wird k.k. Statthalter von Steiermark.

Für die Hausnummern der Grazer Straßen wird das „Winkler'sche System" eingeführt, in welchem der Wiener Schilderfabrikant Michael Winkler festgelegt hat, dass alle Straßen und Gassen rechts gerade und links ungerade, von der Stadtmitte zum Stadtrand führende Hausnummern besitzen sollen.

In Bahnhofsnähe, am Areal des landwirtschaftlichen Versuchshofes in der Annenstraße, findet in einer riesigen provisorischen Halle die erste Industrie- und Landwirtschaftsausstellung, die Vorläuferin der Grazer Messe, statt. 1880 übersiedelt die Ausstellung dann in einen festen Bau, die Industriehalle, in der neben Rinderschauen auch Bällen 1883 die erste „kulturhistorische Schau" stattfindet.

Am Lend entsteht mit den Puntigamer Bierhallen das größte Unterhaltungs-Etablissement der Stadt.

D. H. Pollack gründet in Graz eine Schuhfabrik, die spätere "Humanic", die als größter Schuhproduzent Mitteleuropas vor allem in die europäischen Länder und nach Übersee exportiert.

Zuzug der italienischen Familien Eustaccio, Tosco und Alta, die in St.Peter mit ihren italienisch sprechenden Arbeitern Unternehmungen zur Ziegelherstellung errichten. Diese Zeigelmeister (Capotas) beschäftigen auch ungelernte Arbeitskräfte für die Herstellung der hölzernen Holzkasteln ("Katzelmacher") und für das Einstreuen mit Sand ("Sandler"), damit die Ziegelmasse in den Modeln nicht kleben bleibt.
Ursprünglich reist der 18-jährige Angelo Eustacchio (Ururgroßvater des Grazer Vizebürgermeisters) aus einer Bauernfamilie in Buia bei Udien mit einem Pferdewagen durch die Monarchie und beliefert diese Ziegelarbeiter mit Salami und Käse. Bald aber steigt er selbst ins einträchtigere Ziegelgeschäft ein und nimmt in Graz-Bodenfeld und Gösting drei Ziegelwerke sowie in Waltendorf zwei in Betrieb. 1898 ist Eustacchio mit 16 Millionen erzeugten Mauerziegeln und 1,6 Millionen Dachziegeln bereits der größte steirische Ziegelunternehmer.

1870 Bahnhof Versuchshof Industriehalle

Moritz Edler Ritter von Blagatinschegg-Kaiserfeld, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, ist von 1871-84 Landeshauptmann der Steiermark.

Bürgermeister Moritz Ritter von Schreiner (1970-73).
Seine Initiative für eine gärtnerische Ausgestaltung des Glacis findet mit der Eröffnung des "Stadtparks" seinen Abschluss.

Am 7. April 1871 stirbt Wilhelm von Tegetthof nach einer Lungenentzündung im Alter von 43 Jahren in Graz. Sein Sieg in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866 gegen die Übermacht der italienische Flotte machte ihn zu einem Seehelden.

Der in Graz geborene Offizier, Diplomat, Orientalist, Historiker, Altertumswissenschaftler und Reiseschriftsteller Anton Prokesch von Osten (1795-1876), Stiefsohn von julius Franz Schneller, nimmt nach seinem abgebrochenen Rechtsstudium in Graz an der Seite von Erzherzog Carl am Krieg gegen Napoleon teil, wird Professor für Mathematik an der Kadettenschule in Olmütz und Adjudant von Feldmarschall Karl Schwarzenberg. Er verkehrt in den Zirkeln von Joseph von Hammer-Purgstall ind Wien sowie im Salon seiner Jugendliebe Marie Pachler in Graz. Mit seiner Versetzung als Kriegsberichterstatter zu den Marineeinheiten der Levante sammelt er auf seinen Reisen durch Griechenland, Kleinasien, Ägypten, Syrien und das Heilige Land auch Material für seine Reiseliteratur. Prokesch wird als Gesandter nach Italien, Athen, Berlin, Frankfurt am Main und Konstantinopel geschickt, wo er im griechischen Freiheitskampf zwischen Griechen und Ägypten vermittelt. Ab 1871, dem Jahr seiner Pensionierung und seiner Erhebung in den Grafenstand „von Osten", wohnt er hauptsächlci in seinem Palais in der Elisabethstraße in Graz, bereist Nordafrika und Frankreich und verarbeitet in seinen „Selbstbiografischen Aufsätzen" sein Verhältnis zum Herzog von Reichstadt. 1868 wird ihm das Ehrendoktorat der Universität Graz verliehen. Sein Grab befindet sich in einem von Theophil Hansen erbauten Mausoleum auf dem Friedhof von St. Leonhard.

1871

Kaiserfels Landstube Schreiner Tegetthoff

Ludwig Alois Friedrich Ritter von Köchel, der Erzieher der vier Söhne Erzherzog Karls und Urheber des Köchel-Verzeichnisses, beginnt seine Biografie über Johann Joseph Fux mit dem Kapitel „Heimatland": „Von dem weithin gesehenen Schöckelberge im Grazerkreise Steiermark senkt sich gegen Süden durch mehrere Meilen ain anmutiges Hügelland ab, westlich von der Mur, östlich von der Raab begleitet. Wäler, Fluren und Wiesen lösen sich ab, es gedeiht dort der Mais, das Obst und der Wein in den nach Süden offenen Lagen."

Unter dem Pseudonym „Heinrich von der Dreysen“ schreibt 1872 der Buchdrucker Leopold Stiefvater den Roman „Der Scharfrichter von Graz“.

1872 erscheint der Roman „Carmilla" von Sheridan Le Fanus, der auf einem eine Tagesreise von Gratz entfernten „styrian castle" spielt, wo die lesbische Vampirin Camilla in leidenschaftlicher Liebe zur jungen Laura entflammt, die ihr erzählt: „Sie haben bestimmt von dem grässlichen Aberglauben gehört, der in der Steiermark, in Mähren, in Schlesien, im türkischen Serbien, in Polen und sogar in Russland grassiert, dass es Vampire gibt.". Historische Vorbilder für die beiden Frauen waren Elisabeth Bathory, die sich durch das Blut junger Mädchen verjüngt habe (Sacher-Masoch erzählt davon 1874 in seinem Roman „Ewige Jugend"), und die Vampirin Barbara von Cilli, die Frau von Kaiser Sigismund, König von Ungarn und Kroatien

1872 Vampirismus

1873-85 Bürgermeister Wilhelm Kienzl.

Eröffnung des Grazer Ostbahnhofes mit einer Zugsverbindung nach Ungarn.

Der von Jean Jules Klagmann für die Wiener Weltausstellung gestaltete „Franz-Joseph-Brunnen" wird um 34000 Gulden für den Grazer Stadtpark gekauft.

Der Arzt namens Clar lässt am Reinerkogel von Baumeister Fekonja eien Aussichts-Gloriette aus Holz errichten, die Anfang Mai 1873 eröffnet wird und deren Aussichtswarte über die sogenannte „Jakobsleiter", einer Freitreppe von 150 Stufen, erstiegen werden kann.

1873

Kienzl Ostbahn
Am 13. Mai 1873 ehelicht in der Wallfahrtskirche von Mariagrün Peter Rosegger seine erste Frau Anna Pichler, die Tochter von "k.u.k. Hof-Hut-Fabrikanten Anton Pichler".

In der Sackstraße wird von Carl Kastner und Hermann Öhler das Kaufhaus Kastner & Öhler gegründet und zum größten Warenhaus Österreichs ausgebaut.

Kastner Öhler Kastner & Öhler