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Graz    © by Dr. Karlpeter Elis 

 
Im Paläozoikum entstehen am Äquator Schiefer, Kalk und Dolomit und gelangen durch die Plattentektonik zu uns und bilden Berge wie den Plabutsch, die Rannach, den Reinerkogel oder den Schloßberg.

An diese Zeit knüpft auch die Sage von der Entstehung des Schöckls: Als sich einige Grazer auf ihrem Hausberg, dem Schöckl, über die Schönheiten des Steirerlandes unterhalten, tritt ein grün gekleideter Jäger hinzu und beginnt die Leute zu verspotten: "Eurer Scköckl ist nur ein Zwerg gegen die viel größeren Berge in der Schweiz. Wenn ihr wollt, baue ich euch einen Riesenberg. Aber der erste Mensch, der ihn besteigt, gehört mir.“ Die Einheimische lachen über den Prahlhans und nehmen sein Angebot sorglos an. Da braut sich ein Unwetter zusammen, Sturm kommt auf, Blitze zucken, Donnerschläge erhallen und der Waidmann verschwindet in einer schwarzen Wolke. Mit Getöse fliegt der Teufel - denn der Grünrock ist niemand anderer - Richtung Süden, nach Afrika. Dort bricht er vom Mondgebirge einen riesigen Felsen und fliegt zurück. Beim Überfliegen des Grazer Feldes sieht er unter sich eine Osterprozession und ihm wird bewusst, dass er an diesem Tag keine Macht über die Menschenseelen besitzt. Voll Zorn schleudert er mit aller Gewalt den Felsbrocken ins Murtal, wo dieser zerbricht und die zwei Teile am Ufer der Mur liegen bleiben. Der größere davon ist der jetztige Schloßberg, der kleinere der Kalvarienberg. Der Teufel aber bohrt ein Loch in den den Schöcklfelsen und fährt durch dieses in die Hölle. Heute noch ist dieses "Wetterloch" zu sehen.

400 Mio
v.
Dolomit Paläozoikum Schöcklsage Schöckl Wetterloch
Ausbildung von Lockergesteinen wie Kies, Sand, Silt und Ton, wo in Kalkablagerungen des Pannonischen Meeres Schnecken- und Blattfossilien, wie bei Bohrungen in Puntigam, zu finden sind. 15 Mio.
v.
Pannon-See Paläozoikum Korallenfossilien Wetzelsdorf Langschnabelschnecke
Neogen Pappel

Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen im Gebiet um Graz stammen vom Ende der Mittleren Altsteinzeit, dem Mittelpaläolithikum. Im Wesentlichen handelt es sich um Funde von Stein- und Knochenwerkzeugen von Neandertalern im Grazer Bergland: in der Repolusthöhle (Knochenreste eines Panthers, bearbeiteter durchbohrter Wolfszahn), der Badlhöhle bei Peggau und der Drachenhöhle bei Mixnitz.

80000
v.

Hauerelefant Repolusthöhle Repolsthöhle
Repoluskhöhle Wolfszahn

In der Drachenhöhle des Röthelsteines bei Mixnitz im Murtal zeugen
Reste von Feuerstellen aus der Würm-Eiszeit zwischen 65.000 und 31.000 v. Chr. sowie zahlreiche Funde von Steingeräten von der frühen Behausung der Höhle durch den Menschen. Die Knochen von Höhlenbären, die für Reste von Drachen gehalten wurden, ließen die Sage über den "Drachentöter von Mixnitz" entstehen.
60000
v.
Drachenhoehle Mixnitz Mixnitz
Wechsellagerungen von Murschotter und Sand in den verebneten Flächen sowie Terassenbildungen dokumentieren die diversen Kalt- und Warmzeiten. Aus diesem Zeitabschnitt stammt auch der Fund eines Mammutzahnes in der Münzgrabenstraße. 15000
v.
Mammut Mammut
Lochsteine, Erdställe und Streblgänge im Gebiet um Vorau. 10000
v.

Lochstein Erdstall

In der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) ist die Zigeunerhöhle bei Gratkorn bewohnt. Ein verzierter Geweihspross zeigt die ältesten Tierdarstellungen der Steiermark.

5700
v.

Zigeunerhöhle
Hügelgräberfeld mit dem Grab der Asche eines in einer Keramikurne beigesetzten Mannes aus der Lasinjakultur der Jungsteinzeit am Bockberg bei Wildon. 4230
v.
Bockberg Wildon Bockberg

Siedlung aus der Kupferzeit auf der Kanzelhöhe nördlich von Graz.

Fund einer zweischneidigen Streitaxt aus Serpentin des Spätneolithkums am Areal des Bischofshofes.

4000
v.
Kanzelhöhe Streitaxt

Fund einer Tonfigur, der sogenannten Graziella, aus einer Siedlung der Kupferzeit im Pfauengarten in Graz.

3800
v.
Graziella Pfauengarten

In der Jungsteinzeit ist das gesamte südliche Alpenvorland an Lafnitz, Raab, Feistritz, Mur (= Sumpf), Mürz und Enns nachweislich recht dicht von bäuerlichen Kolonisten besiedelt.

Siedlungsreste aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) auf dem Buchkogel von St. Johann und Paul in Wetzelsdorf.

3500
v.
Köglberg

Griffzungenschwert aus Bronze aus einer Grazer Schottergrube.

1500
v.
Griffzungenschwert

Ältestes gefundenes Brandgrab der Steiermark aus der Urnenfelderkultur im Innenhof des ehemaligen Karmeliterklosters am Karmeliterplatz. Das Grab enthält ein als Urne verwendetes bikonisches Keramikgefäß mit senkrechten Ritzlinien, das von Steinen eingefaßt in einem kubischen Schacht mit ca. 50 cm Seitenlänge steht.

Lanzenspitzen in der Laub- und Lindengasse, aus Liebenau und Neuholdau.

1300
v.

Pfauengarten Brandgrab Lanzenspitze

Grabkeramik aus der Mittleren Urnenfelderzeit der Rasentaler Hallstattgräber, eines hallstattzeitlichen Gräberfeldes am Südfuß des Wildoner Schlossberges.

Auch die Funde des 15 km entfernten Gräberfeldes von Kainach-Parz stammen aus dieser Zeit.

1400 prähistorische Fundstellen am Hügelgräberfeld des Bubenberges (Hoarachkogels) bei Spielfeld.

1000
v.
Wildon Rasental Parz Bubenberg

Urgeschichtliche Siedlungsreste einer ausgedehnten, aus Holzhütten bestehenden Siedlung auf leicht erhöhtem Plateau des Karmeliterplatzes in Graz, das gegen Westen hin in Richtung Schloßberg etwa zwei Meter abfällt. Es können zumindest zwei Besiedlungsphasen belegt werden, die recht gut zu den Gräbern unter der Grazer Leechkirche passen: Pfostenlöcher einer Hütte aus dem Ende der Urnenfelderzeit sowie eine "Hausgrube" aus der Hallstattzei mit zahlreichen Keramikstücken und einer Feuerstein-Pfeilspitze.

Hallstattzeitliche Lappenbeile sowie eine Kahnfibel in der Herrengasse.

800
v.
Pfeilspitze Lappenbeil Kahnfibel

Die wichtigsten Funde aus der späten Hallstattzeit sind das Fürstengrab der 700 Tumuli (Hügelgräber) am Kröllkogel in Kleinklein bei Leibnitz und der Strettweger Opferwagen im Aichfeld, ein 50 cm hoher Wagen aus Bronze mit einer 32 cm großen, eine Schale tragenden Göttin in der Mitte.

Einer der 25 Bronzehelme von Negau (Ženjak) nordöstlich von Marburg in den Windischen Büheln trägt den germanischen Weihetext "HARIGAST TEIVA" (Dem Gotte Heergast). Auch die dabei gefundene Keramik aus Korinth ist dieser Zeit zuzuordnen und zeugt von den schon damalig weiten Handelskontakten.

600
v.

Strettweg Strettweger Kultwagen Großklein Tumulus
Kröllkogel Kleinklein Klein-Klein Marburg Negau

Die keltische Siedlung der späten Eisenzeit (450- 15 v.Chr.) am Ringkogel (Oppidum) unter dem Masenberg bei Hartberg ist das politische und kulturelle Zentrum in dieser Landschaft.

Fund eines eisernen Kelten-Schwertes aus der Früh-La-Tène-Zeit (Jüngere Eisenzeit) in einer Schottergrube in der Laubgasse in Graz.

400
v.

Ringkogl La-Tene-Schwert

Gräberfeld von etwa 30 Brandgräbern aus der keltischen La-Tene-Kultur, der sogenannten Jüngeren Eisenzeit, in Wetzelsdorf.

Keltische Stämme aus dem nordwestgermanischen Bereich dringen ein, vermischen sich mit der ansässigen illyrischen Bevölkerung und gründen das Königreich Noricum mit dem Zentrum auf dem Magdalensberg.

Kelisches Heiligtum "Noreia" auf dem Frauenberg bei Leibnitz.

200
v.
Wetzelsdorf Noricum Frauenberg Frauenberg
Da die Kelten aus dem Gebiet der Ostalpen auch nach Oberitalien einwandern, schickt der Senat von Rom eine Gesandtschaft mit der Botschaft nach Noricum, dass hinkünftig jedwede Einwanderung über die Alpen zu unterbleiben habe und unerwünschte Einwanderer ohne Zögern sofort wieder ausgewiesen würden (Liv.39,54, 11f.). Rom gründet deshalb zur Grenzsicherung 181 v. Chr. die Militärkolonie Aquileia. 186
v.
 
Königreich des keltischen Fürsten Balanos im Gebiet des Grazer Beckens sowie in der Oststeiermark. 169
v.
 
Auf der Suche nach neuen Siedlungsräumen treffen die ursprünglich in Jütland und Schweden beheimateten germanischen Stämme der Kimbern und Teutonen Im Herbst bei Noreia (Neumarkt) zum ersten Mal auf die Römer, überfallen das römische Heer und metzeln ihre Legionen nieder. 113
v.
Noreia
Noricum mit der keltischen Königsstadt Noreia (es existieren mehrere, der Landesgöttin Isis Noreia geweihte Orte; einer davon nördlich in den Windischen Büheln) wird unter Kaiser Claudius (41-54) nach 60jähriger Okkupationzur römischen Provinz erhoben. 41 Kaiser Claudius Noricum Tetradrachme

Die im Leibnitzer Feld an der Einmündung der Sulm in die Mur gelegene Siedlung Solva erhält von Kaiser Flavius Vespasianus (69-79) das Stadtrecht als Municipium und heißt jetzt Flavia Solva. Ihr Verwaltungsgebiet schließt auch Graz ein.

Hier treffen sich wichtige Römerstraßen, mit denen ab Beginn des 1. Jahrhunderts die Römer den österreichischen Raum zur militärischen und wirtschaftlichen Durchdringung überziehen. Von besonderer Bedeutung ist der schon seit Urzeiten bekannte Handelsweg der Bernsteinstraße, welcher unter Umgehung des Berglandes, von Aquileia ausgehend, durch die Ebenen von Pannonien über Poetovio (Pettau), Savaria (Steinamanger) und Scarabantia (Ödenburg) bis nach Carnuntum und weiter zur Ostsee verläuft. So verläuft auch am Westrand des Grazer Feldes vom Süden nach Norden eine Römerstraße, von der in Eggenberg eine Handelsstraße in den Osten (strata vngarica), nach Savaria abzweigt. Für Handelszwecke gibt es aber zusätzlich etliche kleinere Nebenverbindungen, wie durch das Sulmtal über den Radlpass, über den Perchauersattel bei Neumarkt nach Monate (St. Georgen bei Judenburg) zum Tauernpass und weiter nach Stiriate (Liezen) und den Pyhrnpass (kelt. Berg) nach Lauritacum, über den Sölkpass nach Iuvavum, der Mur entlang von Vicesimum (Radkersburg) nach Poedicum (Bruck/Mur) und weiter über die Eisenstraße zum Erzberg bzw. durch das Mürztal über den Semmering oder entlang des Südhanges vom Schöckl bei St. Radegund über Hartberg und den Hochwechsel nach Vindobona.

70 Vespasian Flavia Solva Flavia Solva Antefix
Römerstraßen Straßenbau
In der Nähe der Kirche von St. Leonhard gefundener Römerstein mit einer Grabinschrift des L. Cantius Secundus für sich, seine Gattin Cantia Bonia, Tochter des Iuniius, und seine Tochter Cantia Boniata ( „L Cantius / Secundus v f sib / et Cantiae Iuni f / Boniae uxori et / Cantiae L f Boniatae"). Die Familie stammt vermutlich von Freigelassenen der Familie Cantii aus Aquileia ab. 100 Cantius Stele Cantius Secundus
Die aus der südrussischen Steppe kommenden Germanenstämme der Markomannen, Quaden und Jazygen durchbrechen die nördliche Grenze Norikums, überrennen und verheeren Pannonien und dringen bis nach Aquileia und weiter nach Verona vor, bis Kaiser Marc Aurel mit ihnen einen harte Frieden schließen kann. 171 Marc Aurel
Als Marc Aurel in Vindobona stirbt, hält sein Sohn Commodus nicht nur am vereinbarten Frieden fest, sondern ermöglicht zusätzlich die Einstellung von Germanen in das römische Heer. 180 Commodus

In Charlottendorf, am Rosenberg, in St. Leonhard, in Straßgang, am Thalerhof, auf dem Frauenberg (Noreia-Isis-Tempel), in Groß St. Florian (Villa Grünau), in Strettweg im Aichfeld (römische Antoniniane-Münzen), in St. Johann in der Haide (Hügelgrab) und in Löffelbach bei Hartberg (Ringkogl, Villa rustica) finden sich Reste römischer Wohnungen, Gutshöfe, zahlreiche Grabhügel und Grabsteine, die auf eine dichte Besiedelung dieser zur Provinz Noricum gehörenden Gebiete des Imperium Romanums hinweisen.

200 Thalerhof Römische Villa Thalerhof Frauenberg
Groß St. Florian Villa Grünau Schatz von Strettweg
römisches Hügelgrab Löffelbach Villa rustica

Im Zuge der Reichsreform von Kaiser Diokletian (284-305) wird auch die Provinz Noricum geteilt: in das nördliche Ufernoricum (Noricum ripense) an der Donau mit der Hauptstadt Ovilava (Wels) und in das südliche Binnennoricum (Noricum mediterraneum) mit Virunum am Zollfeld in Kärnten.

Flavia Solva (Wagna) ist Verwaltungszentrum der römischen Provinz Noricum.

Auf der um 330 angefertigten "tabula peutingeriana", einer Rollkarte mit der kartografischen Darstellung des römischen Straßennetzes, ist bereits die Straße von Aquileia über Emona (Laibach) - Celeia (Cilli) - mit einer Abzweigung nach Viruno (Viruum am Zollfeld) - Petavione (Pettau) - Sabarie (Steinamanger) nach Carnunto (Carnuntum) eingezeichnet.

300 Diokletian peutingeriana Norikum

Unter Kaiser Konstantin kommt es zur Vereinbarung des Toleranzediktes von Mailand, wonach alle, insbesondere die Christen, die Möglichkeit bekommen, ihre Religion selbst zu wählen und frei auszuüben.

313 Konstantin
Die von dem aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres vordringenden zentralasiatischen Reitervolk der Hunnen flüchtenden Germanenstämme der Sarmaten, Markomannen, Quaden, Alanen, Vandalen, Ostgoten des Radageis durchziehen plündern Panonnien, bis die Westgoten unter König Alarich einen Großteil Noricums besetzen. 375 Völkerwanderung Alarich

Die Hunnen unter König Attila fallen bei ihrem Zug nach Westen auch 407 in Noricum ein, bis sie nach ihrer Niederlage auf den Katalaunischen Feldern in Frankreich besiegt werden und wieder in die Theißebene zurückkehren.

Im Ambraser Heldenbuch wird überliefert, dass König Biterolf von Toledo und sein Sohn Dietleib, die unter der Führung von Rüdiger von Bechlaren zusammen mit Dietrich von Bern (Theoderich der Große) an einem Rachefeldzug für König Etzel gegen die Burgunder nach Worms teilnehmen, vom Hunnenkönig die Steiermark als Lehen erhalten und am Zusammenfluss von Steyr und Enns die Styraburg erbauen.

451

Etzel Ambraser Heldenbuch

Auf Befehl von Westgotenkönig Odoaker, seit 476 König von Italien, verlassen die letzten römischen Truppen die Donauprovinzen, um Rom noch zu retten. Mit sich führen sie den Leichnam des 482 verstorbenen Missionars und Bischof von Lauriacum (Lorch), den hl. Severin von Noricum, um ihn in Lucullanum, in der Nähe von Neapel zu begraben. 488 Severin
Der Ostgotenkönig Theoderich der Große (Dietrich von Bern) dringt mit seiner 150000 Mann starken Armee in das Ostalpengebiet ein und wird Herrscher des Landes, nachdem er in der Rabenschlacht bei Ravenna Odoaker, den anfangs bei Attila in Diensten stehenden und späteren "rex italiae", persönlich erstochen hatte. 493 Odoaker Theoderich
Nach Theoderichs Tod wird Noricum an die Franken abgetreten, die als Statthalter bairische Herzöge einsetzen. 530  
Das 567 aus Asien eindringende mongolisch-tatarische Reitervolk der Awaren errichtet unter Khagan Baian im Osten, in Pannonien, ihr Awarenreich und schließt mit den Langobarden unter König Alboin eine Allianz. 567 Bayan Alboin Awaren
Nach dem Abzug der Langobarden aus dem pannonischem Raum um 568 nach Oberitalien siedeln in den Ostalpenländern die ersten, aus Karelien (Weiten zwischen Finnland und Schwarzem Meer) kommenden slawische Stämme, die sogenannten Alpenslawen oder Slowenen. Sie meiden dabei bestehende Überreste antiker Stätten, lassen sich eher entlang der Wasserläufe nieder und benennen alles neu. Durch überlebende Romanen bzw. durch benachbarte Kirchen wie Aquileia bekommen sie erste Kontakte mit dem Christentum. das sich mit dem heidnischen Glauben vermischt. Die Wenden werden ihre Untertanen. 568 Slawen

Auf der Flucht vor dem in Pannonien einbrechenden zentralasiatischen Reitervolk der Awaren dringen die Slawen in Binnennorikum ein, besiedeln die Gebiete der heutigen Steiermark, Kärntens und Krain und errichten das Fürstentum Karantanien (Der Name ist vom keltischen Wort "carant" für Freund abgeleitet). Zahlreiche Orts-, Flur- und Gewässernamen zeugen von dieser Zeit (z.B.: Karawanken/Koschutta=Hirschkuh, Andritz/jendriza=rasch fließender Bach, Weinitzen/vinica=Weingarten, Ragnitz/raknica=Krebsenbach).
Rituelles Zentrum ist die Karnburg auf dem Zollfeld, wo auf dem dort aufgestellten "Fürstenstein" - dem Kapitell einer römischen Säule - die residierenden Fürsten eingesetzt werden. Diese Zeremonie der "Herzogseinsetzung" folgt einem althergebrachten dreiteiligen Ritus: In Anwesenheit des Pfalzgrafen von Görz nimmt der freie Edlinger Bauernfürst aus dem Geschlecht derer zu Glasendorf auf dem Fürstenstein Platz, begleitet von einem gescheckten Stier und einer Stute sowie dem gesamten Landvolk. In windischer Sprache befragt er den angehenden - in Bauerngewand mit Hirtenstab verkleideten - Landesherrn, ob er frei und christlich geboren sei und ob er das Land beschützen und ein gerechter Richter sein werde. Sind die Fragen mit "Ja" beantwortet, gibt der Bauer dem Landesherrn einen Backenschlag und macht um 60 Denare und samt den ihm zum Dank geschenkten beiden Rindern den Platz frei. Der neue Herrscher besteigt den Marmorstein, zückt sein Schwert, schwingt es in alle Himmelsrichtungen und gelobt, ein guter Richter zu sein. Auf dem Pferd umrundet er nun dreimal den Stein und reitet dann zur nahen Kirche von Maria Saal ("Zoll"), wo er seine Kleider wechselt und mit dem dortigen Bischof die hl. Messe feiert. Nach anschließendem Festmahl begibt er sich zum doppelsitzigen "Herzogstuhl" auf dem Zollfeld, wo auf dem nach Westen gerichteten Thron der Pfalzgraf von Görz, auf dem ostseitigem der Landesfürst ihre Plätze einnehmen. Von dieser Stelle aus, von der Recht gesprochen und Lehen vergeben werden, leistet jetzt der neue Landesfürst mit entblößtem Haupt und zum Schwur erhobenen Fingern den Eid nund nimmt die Huldigung der vesammelten Landschaft von Rittern und Adeligen entgegen.

590

Karnburg Pfalzkapelle Herzogstuhl KarnburgFürstenstein
HerzogstuhlHerzogsstuhl

Der Agilofinger Tassilo I., Sohn des bajuwarischen Herzogs von Baiern Garibald I. und dessen langobardischen Gattin Walderada, wird vom Frankenkönig Childebert über Baiern als "rex" eingesetzt. Mit seinem Heer dringt er ins Land der Alpenslawen nach Karantanien ein und kehrte siegreich und mit großer Beute wieder ins Alpenvorland nach Baiern zurück.

593  
Von den fränkischen Königen, den Merowingern Childeberts II. und Theuderich II., gefördert, erfolgt unter der Führung des Mönches Columban von Luxeuil (540 bis 615) durch irisch-schottische perigrini (Wandermönche) die christliche Missionierung Richtung Westen (Alemannen, Baiern). Es kommt zu Klostergründungen in Reichenau, St. Gallen, Mondsee, Chiemsee. 620 Childebert II.Theuderich II. Columbanus
Samo, ein fränkischer Händler aus dem Henneland bei Bamberg, kämpft auf Seiten der Slawen erfolgreich gegen die Awaren. Er wird dafür zu ihrem König erhoben und gründet in Ostmitteleuropa ein slawisches Fürstenreich mit der Hauptburg in Voitsberg, wobei er auch gegen den merowingischen Frankenkönig Dagobert I. siegreich bleibt. 623

Samo

Der hl. Amandus, Wanderbischof aus Bouaye bei Nantes, predigt den Slawen in Karantanien. 627 hl. Amandus

Zum Zweck der Mission in den Südostalpen wird 696 mit Unterstützung des Baiernherzogs Theodo II. zu Regensburg (680-717) durch Bischof Rupert (650-718) von Worms das Benediktinerstift von St. Peter in Salzburg gegründet. Rupert (Hruodpert), der „Apostel Bayerns“,entstammt dem merowingischen Königshaus ist erster Abt des Stiftes und zugleich auch erster Bischof von Salzburg sowie zudem der Landespatron von Salzburg. Von Salzburg beginnt er im nördlichen Karantanien mit seiner erfolgreichen Missionstätigkeit.

20 Gräber einer Höhlensiedlung am Frauenberg bei Unzmarkt.

696 Hl. Rupert hl. Rupert Rupert Rupert Hll. Rupert & Amandus Awarenmark
hl. Rupert Theodos Taufe

Der in der Grafschaft Devonshire in England unter dem Namen Wynfreth (Winfried) geborene Missionar Bonifatius (672-754) legt in Nhutscelle (Nursing) sein Gelübde als Benediktinermönch ab und wird 718 von Papst Gregor II. (731-741) beauftragt, als sein Legat unter dem Namen "Bonifatius" die Kirche in Germanien zu ordnen und insbesondere die arianischen und iroschottischen Gemeinden in die römische Kirche einzugliedern. Das stößt bei fränkischen Herrschern auf Widerstand, die an einer von Rom weitestgehend unabhängigen Kirche interessiert sind. Als dann Bonfatius mit der Neuorganisation der bairischen Bistümer beginnt, sterben 741 sowohl Papst Gregor III., als auch der fränkische Hausmeier Karl Martell. Ihnen folgen Papst Zacharias (741-752) bzw. die beiden Söhne Karlmann (741-747) und Pippin III. der Jüngere (714-768), wobei es zwischen Letzteren bald wegen krichenpolitscher Fragen zu Zwistigkeiten kommt. Während nämlich Karlmann mehr aus religiösen Gründen an einer Missionierung der heidnischen Völker interessiert ist und die Reformierung der unübersichtlichen Kirchenstrukturen durch Bonifatius unterstützt, fördert sein Bruder Pippin die Christianisierung durch die angelsächsischen Mönche, da durch die unabhängigere iro-schottische Kirche die Möglichkeit des eigenständigen Einsetzens von Bischöfen für die Karolinger besser gewährleistet erscheint. 745 schickt Pippin deshalb den iroschottische Abt Virgil (Fergil) zu Herzog Odilo nach Baiern und setzt ihn mit Zustimmung von Papst Zacharias als Bischof von Salzburg ein, was zu harten Auseinandersetzungen zwischen Bonfatius, der als Parteigänger Karlmanns gilt und dessen romorienteirte Landespolitk vertritt, und dem irischen Theologen und Philosophen Virgil führt: Gegenüber Papst Zacharias behauptet Virgil, Bonfatius taufe in Unkenntnis der lateinischen Sprache mit dem falsch übersetzten Satz "Ich taufe dich im Namen Vaterland und Tochter und des heiligen Geistes" ("Baptizo te in nomine patria et filia et spiritus sancti"), sodass er richtig mit „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ („Baptizo te in nomine patris et filii et spiritus sancti“) ein zweites Mal taufen müsse. Bonifatius wiederum beklagt sich beim Papst, dass Virgil die Wiedertaufe verlange. Zacharias gibt daraufhin Bonfatius das Recht, Virgil wegen des Verdachtes der Irrlehre zu verurteilen. Dieser kann sich aber nicht durchsetzen und Virgil bekommt schließlich vom Papst sogar den Auftrag, die Slawenmission in Karantanien zu organisieren.
Auf Bitten des fränkischen Hausmeiers Pippin III. des Kurzen teilt Papst Zacharias dann auch das karantanische Fürstentum der Salzburger Kirche zu.

743 Bonifatius Pipin der Kurze Papst Zacharias

Von den Awaren bedrängt, ersucht der erste namentlich bekannte Slawenfürst Borouth den Baiernherzog Odilo um Hilfe, die dieser unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fränkischen Oberhoheit gewährt. Zusätzlich werden sein Sohn Cacatius und sein Neffe Cheitumar als Geiseln nach Salzburg gebracht, um sie dort christlich erziehen zu lassen. Karantanien wird damit aus dem östlich-slawischen Einflussbereich losgelöst und der westlich-abendländischen Kultur angeschlossen.

Carantania Odilon

Am 15. Juni 749 wird der hl. Virgil zum Abt des Klosters Sankt Peter und Bischof von Salzburg geweiht, nachdem er zuvor bereits die Diözese leitete. Virgil wird zum Initiator für die erfolgreiche Christianisierung Karantaniens. Seit damals sind mit kleinen Unterbrechungen der hll. Rupert und Virgil zusammen die Schutzpatrone der Diözese Graz-Seckau.

749 Hl. Virgil hl. Virgil
Nach Borouths Tod um 750 folgen ihm zuerst sein Sohn Cacatius und dann von 752 bis 769 sein Neffe Cheitumar nach. Lezterer ersucht Bischof Virgil von Salzburg um Mithilfe bei der weiteren Christianisierung des Landes. Virgil entsendet nun den irischen Chorbischof Modestus mit weiteren Klerikern nach Karantanien, wo sie im Zuge ihrer Missionierung Kirchen errichten (Maria Saal) und neue Priester weihen Modestus weiht auch die älteste Kirche auf steirischen Boden, in Ingering/Pöls bei Knittelfeld ("ecclesia ad Undrimas"). 767 Modestus Modestus
Unter dem Agilofinger Herzog Tassilo III., der als Odilos Sohn schon im Kindesalter 748 Herzog von Baiern wird, unterwerfen die Baiern das heidnische Karantanien mit den dort ansässigen Windischen (Slowenen). Anlässlich seiner Vermählung um 777 mit der Langobardenprinzessin Liutberga, Tochter des letzten Langobardenkönigs Desiderius, lässt er einen Messkelch (Tassilokelch) fertigen.

Von Salzburg aus nimmt die Christianisierung der Awaren im Süden sowie der Slawen Richtung Osten regen Aufschwung. Entlang der Flussläufe werden erste Fernhandelsbeziehungen aufgebaut. So ziehen Baiernstämme auch der Mur entlang in eine von Windischen bewohnte Ebene. Der dabei gemachte Ausspruch "G'räts, so g'räts!" (Gelingt es, so ist es gut) soll einer Legende nach zum Namen "Graz" geführt haben.
772 Tassilo III. Tassilo Slawenmission
Wegen seiner Kolaboration mit den Langobarden und Awaren wird Tassilo III. durch seinen Vetter Karl d. Großen gestürzt und das baierische Stammesherzogtum mit seinem Grenzverlauf östlich von Graz auf der Ries an das fränkische Reich angegliedert.

788

 

Pippin (auch Karlmann, 777-810), ein Sohn Karls des Großen, besiegt zusammen mit Herzog Erich von Friaul (Cividale) die Reiternomaden der Awaren im Donau-Theiß-Gebiet und macht eine ungeheuere Beute von Gold und Silber. Das Frankengebiet dehnt sich nun bis zum Donau-Drauwinkel aus. Dieses gewonnene Land, die Awarische oder Pannonische Mark, wird bairischen Siedlern überantwortet und in Grafschaften unterteilt: in das Land an der Donau (Enns bis Fischa), in Oberpannonien (Awarenland Fischa bis Raab), Unterpannonien (Raab bis Draumündung), Karantanien (Kärnten, Ober- und Mittelsteiermark), sowie im Süden in die Friaulische Mark. An der Spitze der Verwaltungsbezirke stehen Persönlichkeiten bedeutender Geschlechter mit ihren Gutshöfen und Festungen sowie geistliche Herren mit Bischofskirchen und Klöstern. Sie stellen den Ursprung der ersten deutschen Dörfer und Pfarreien auf dem Boden der heutigen Steiermark dar wie z.B. die Burgen zu Gruscharn (Pürgg), Burg Eppenstein bei Judenburg, Burg Leoben (St.Peter-Freienstein) oder Hengistburg (St. Lorenzen am Hengsberg).
Bei der Reichsteilung 806 erhält Pippin von seinem Vater Karl dem Großen Baiern und wird König von Italien.
796 Awaren Pippin Karantanien sitgess
Arno von Salzburg, ursprünglich katholischer Abt im Kloster des hl. Amandus in Elno (Saint-Amand-les-Eaux) und später erster Erzbischof von Salzburg, reist im Auftrag von Frankenkönig Karl d. Großen zu Papst Leo III. nach Rom und erwirkt dort am 20. April 798 die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum. In seinem Missionsgebiet, dem Awarenland von Karantanien und Pannonien, weiht er selbst Kirchen und Priester, entsendet 13 weitere Missionspriester und bestellt Theoderich zum Chorbischof. 798 Arno
Am 24.12.800 wird Karl d. Große in Rom von Papst Leo III. mit einer Krone, die die Inschrift: „Rex Salomon“ trägt, zum römischen Kaiser gekrönt. Er wird damit Schutzherr des Gottesreiches auf Erden; ihm allein obliegt nun die Oberhoheit über Staat und Kirche. 800 Karl der Große Karl der Große Frankenreich
Karl d. Große bestätigt die Zugehörigkeit des Missionsgebietes um den Plattensee für das Erzbistum Salzburg. Es ist von der Raab, Donau und Drau umgrenzt und erstreckt sich westwärts bis an die Grenze zu Karantanien. Zusammen bildet dieses Gebiet die Karolingische Mark „Sclavinia“, deren Grenze zwischen der Wasserscheide von Mur und Raab, östlich des Grazer Feldes verläuft. 803  
Der Khaan (Führer) der Awaren ersucht in Aachen Kaiser Karl d. Großen, ihnen zwischen Savaria und Carnuntum Wohnsitze zu überlassen, da sie sich gegen die Angriffe der Slawen nicht mehr halten können. 805  
Das im Keller der alten, ehemaligen Jesuiten-Universität in der Hofgasse aufgefundene Körpergräberfeld, lag zu Beginn der frühmittelalterlichen Besiedlung von Gradec am Fuß des Schloßberges, unmittelbar an dem vom Murübergang nach Osten führenden Weg. In den 12 Gräbern liegen Personen verschiedenen Alters mit Blickrichtung nach Osten bestattet. Nach heidnischer Tradition hat man den Toten zur "Versorgung" Keramiktöpfe, Eisenmesser und Esswaren mitgegeben.

810

Graz.Alte.Uni Alte Universität Skelett Skelett

Im Streit um Karantanien legt Karl d. Große die Drau als Diözesangrenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Patriachat Aquileia fest. 811  

Ludwig I. der Fromme (778-840), folgt seinem Vater Karl dem Großen 814 als Herrscher nach.

Mit der karolingischen Landübernahme entsteht an der Gabelung zweier Römerstraßen (Schwanberg) auf einem künstlich angelegten Erdhügel ein turmähnliches Gebäude (Rondell) als Wehranlage ("Motte").

814 Ludwig der Fromme

Ljudevit Posavski , ein kroatischer Knez (Fürst), der 819 zum ersten Mal einen großen Teil der kroatischen Stämme in Posavien (Unterpannonien) zwischen Drau und Save zu einem slawischen Staat mit der Hauptstadt Sisak vereint, erhebt sich zu einem Aufstand gegen die Franken, dem sich auch die Karantaner und bulgarischen Timotschaner anschließen. Ljudevit wird aber schließlich von einem fränkischen Heer, angeführt vom Markgrafen Balderich von Friaul, geschlagen und flieht zu den benachbarten Serben, wo er getötet wird. Mit Ljudevits Tod endet der erste große Kampf der Südslawen um Freiheit und die Karantaner geraten endgültig unter die Herrschaft der Franken. Diese führen die fränkische Grafschaftsverfassung ein und beginnen mit den Grundvergaben an die bajuwarischen Siedler in den Ostalpen.

823
Bulgarische Horden verwüsten die Steiermark. 826  

Ludwig der Fromme lässt das Gebiet zwischen Enns und Mur in die Grafschaften Ennstal, Mürztal, Leoben, Judenburg und Dudleben gliedern. Als Grafen setzt er fränkische Adelige ein, die sich gegen die Angriffe der Ungarn währen sollen.

828

 

Ludwig II., der Deutsche (806 bis 876), der seinem Vater Kaiser Ludwig I. dem Frommen als Herzog von Baiern und später ostfränkischer König nachfolgt, setzt das Werk von Karl d. Großen fort und schenkt dem Erzbistum Salzburg 42 Besitzungen, beginnend von der Donau, über Ungarn, das steirische Gebiet bis nach Kärnten. Darunter das Wechselgebiet mit dem ersten namentlich genannten Grundherrn Graf Mosagowo, das Gebiet an der Lafnitz (Labenza), ein Gut Wisitindorf am Witanesberg ("ad Vitanesperc") und die Kirchen zu Klaffenau und Safen bei Hartberg („ecclesia ad Sabnizam“), ein Besitz in St. Ruprecht an der Raab (Luminicha), Nestelbach bei Graz (Nezzilinpah), Straßengel, einen karolingischen Herrenhof bei Bruck/Mur ("ad pruccam"), St. Lorenzen im Mürztal, St. Michael bei Leoben, Pöls, Streugüter in Graslupp (Crasluppa) bei Neumarkt und Katsch.

Auf dem Grazer Feld entstehen in Feldkirchen und Straßgang die ersten Eigenkirchen von Grundherren, die dafür vom Salzburger Erzbischof die Seelsorgerechte und das Zehentrecht erwerben. Sie können als Wiege des steirischen Pfarrnetzes angesehen werden.
860 Ludwig der Deutsche

Unter Erzbischof Adalwin von Salzburg wird die "Conversio Bagoariorum et Carantanorum" verfasst, das wichtigste Quellenwerk zur Bekehrungsgeschichte der Baiern und Karantaner.

Arbo (Aribo, vor 850 bis nach 909), Ahnherr des Geschlechtes derr Aribonen, wird ab 871 Graf im Traungau und Markgraf der baierischen Ostmark. Die turmlose Rupertikirche in der Aribonenstraße in Straßgang ist eine ursprünglich salzburgerische Gründung und von alters her Friedhofskirche und damit der älteste erhaltene Kirchenbau von Graz.

871 Rupertikirche Straßgang Rupertikirche

Heuschreckenplage in der Steiermark.

873  

Karlmann (830-880), der älteste Sohn des ostfränkischen Königs Ludwig II. des Deutschen, übernimmt nach dessen Tod 876 die Herrschaft als ostfränkischer Teilkönig und König von Baiern.

Das Gebiet wird in eine „Mark an der Donau“ und in ein „Herzogtum Karantanien und Pannonien“ mit der karolingischen Pfalz Karnburg im Zollfeld als Zentrum unterteilt, welches von Karlmanns unehelichem Sohn, Arnulf von Kärnten (850-899) verwaltet wird, der auf der Mosaburch in Moosburg aufwächst. Er ist von 876 bis 887 Markgraf von Kärnten, von 887 bis 899 auch ostfränkischer König, von 894 bis 899 König von Italien und wird am 22. Februar 896 von Papst Formosus zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches gekrönt (bis 899), nachdem er zuvor mit Hilfe des hl. Pankratius Rom erstürmt hatte.

876 Arnulf Moosburg

Erstmals erfolgen aus dem Osten Angriffe des asiatischen Reitervolkes der Magyaren.

Früheste Benennung von "Grazze", "Bayrisch-Grätz", "Graecinia Bojorum" in einer Urkunde des Hochstiftes Salzburg, die besagt, das Ludwig III. der Jüngere (835-882), Sohn des barischen Herzogs Ludwig II. des Deutschen, einige Güter des Salzburger Erzbischofs Dietmar I. gegen Güter in Graz eingetauscht, die dessen Ministeriale Vodilhelm als Lehen besessen hat.

881  
Die Hengistburg in Hengsberg bei Wildon wird als "hengistfeldon" 892 erstmals urkundlich genannt, als sich auf ihr König Arnulf von Kärnten mit Herzog Brazlaw von Sisek trifft, um sich bezüglich der drohenden Feindesgefahr durch die einfallenden Magyaren zu beraten. Die Burg ist nach einer weiteren Urkunde Kaiser Ottos II. von 970 der Sitz der Markgrafen der "marchia carantana", die Hauptburg an der mittleren Mur. Als erster Markgraf wird der Baier Markward genannt. 892 Hengistburg Hengistburg Hengistburg
Das ursprünglich im Ural beheimatete Reitervolk der Magyaren fällt unter ihrem König Arpad in das pannonische Becken ein und dringt bis zur Kor-, Stub- und Gleinalpe vor. Damit wird die karolingische Kolonisationspolitk ein erstes Mal unterbrochen.

894

 

Die Magyaren verwüsten auf ihrem Rückweg aus Italien zum zweitenmal Pannonien. 899

 

Graf Otakar I. (+ 907) aus dem Hause der Aribonen im Chiemgau ist königlicher Sendbote in der bairischen Ostmark und erbaut unter Einbeziehung des ehemaligen römischen Legionslagers Lauriacum am Zusammenfluss von Enns und Steyr als Schutz gegen die Einfälle der Ungarn die "Stiraburg" (Styrapurch), den Stammsitz der Traungauer. Daraus entwickelt sich nach und nach der Name für die "Steiermark".
Diese "familiares marchionis" aus dem Traungau gelangt im Laufe der Jahrhunderte über das Ybbs- u. Traisental nach Pitten (Starhemberger u. Dunkelsteiner) und dann weiter ins Ennstal (Gerunge) und nach Wildon.

Otakars Sohn Aribo II. (Arpo; vor 904 bis nach 907), Kind des letzten ostfränkischen Karolinger und Enkel des Grenzgrafen Aribo, bekommt von König Ludwig dem Kind, dem letzten ostfränkischen Karolinger, mit der sogenannte “Murtalschenkung” im Bereich der Mündung der Schladnitz in die Mur bei der "villa costiza" (Leoben) und dem Liupinatal (Vordernbergerbach) einen ausgedehnten Besitz von 20 Königshuben mit ummauerten Hof geschenkt, auf dem später das Stift Göss entsteht.

904 Otakar I. Steyr Stiraburg Styraburg

Luitpold, Markgraf von Baiern, Landesherr von Karantanien, Enns und Mur und Ober-Pannonien, erleidet zusammen mit dem Erzbischof von Salzburg am 5. Juli 907 bei Preßburg gegen die Ungarn eine schwere Niederlage, in der er nicht nur den Tod findet, sondern die den Verlust des ganzen Ostens bringt, sodass die Mittel- und Untersteiermark für 50 Jahre ungarisches Territorium und ein Vordringen der asiatischen Scharen bis zum Rhein ermöglicht wird. Dieses gegen Ende der Völkerwanderung unter ihrem Anführer Árpád aus dem Karpatenbecken kommende Reitervolk der Ungarn (Magyaren, Söhne der Erde) stammt ursprünglich aus den Gebieten zwischen Sibirien udn Ural.

907

Arpad

Arnulf I. der Böse aus Regensburg , Sohn von Luitpold und Herzog von Baiern, kann, als er zum König der Ostfranken gewählt wird, mit Ungarn einen Nichtangriffspakt schließen.
Im Nibelungenlied wird beschrieben, dass das Gebiet des deutschen Grafen von der Enns bis zur Traisen unter der ungarischen Oberherrschaft mit Sitz in Pöchlarn steht, das Osterland (Ostarrichi) von der Traisen bis zur Fischa König Etzel unterstellt ist und ab Fischa das „Heunenland“ beginnt.
911  
Graf Otakar I. stirbt im Traungau; sein Sohn Otakar wird Gaugraf an der Traun und in Krain. 925  
Erste urkundliche Erwähnung des bereits ins 9. Jahrhundert zurückreichenden Salzbergbaues in der Steiermark, als Graf Albrecht dem Salzburger Erzbischof eine Salzpfanne bei Admont vermacht. Auch der schon zur Römerzeit erfolgte Abbau von Erz in Eisenerz wird schriftlich dokumentiert. 931 Salz Salzbergbau Salzbergbau Eisen
Der Aribone Hartwig I. besitzt als Inhaber eines "ministeriums" (Amtsbereiches) in Karantanien auch im westlichen Grazer Feld sowie im Laßnitztal riesige Allodien. 953  
Durch den Sieg Otto I., König des ostfränkischen Reiches, (912-973) am 10. August über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg wird den durch viele Jahre andauernden Raubzügen der magyarischen Reiterkrieger ein Ende gesetzt und sie müssen sich nach Westungarn zurückziehen. Im Herbst räumen sie auch die Gebiete in der heutigen Steiermark. Zum Schutz werden Marken errichtet: die Mark an der Drau, die Mark an der Saun (Sann) und die Mark an der mittleren Mur (marchia Carentana), die sich von der Gleinalpe bis zum "mons Predel" (Ries) erstreckt und die Hengistburg (St. Margarethen) als Markzentrum hat. Der in der Gunst von Kaiser Otto III. stehende Adabero übernimmt von seinem Vater Markward das Markgenamt (995-1035) und erneuert die Hengistburg; von Kaiser Heinrich II. wird er 1023 auch zum Herzog von Kärnten erhoben.
Der über die Mur vorgeschobene Brückenkopf, das kleine Granzkastell Gradec auf dem Schloßberg, hat die Aufgabe, den Murübergang der nach Osten führenden Straße zu sichern.

955

Otto I.Reichskrone LechfeldLechfeld

Im Südosten Baierns wird die ottonische Mark errichtet, die von der Enns, den Voralpen, dem Wienerwald, Donauwagram sowie oberhalb der Donau vom Nordwald umgrenzt ist. Gegen Ungarn entsteht die "marchia carantana" oder "marchia transalpina", die bis zur Wasserscheide von Mur und Raab reicht. Sie kann als Keimzelle für die spätere Steiermark angesehen werden. Die Grenze verläuft auf der Ries, dem mons predel („in monte, qui dicitur Predel“), hinter der sich die ungarischen Grenzwächter befinden (Ungerdörfer).
Gegen Leibnitz wird das Grazer Feld durch den Wildoner Berg (Buchkogel) getrennt, dessen höchste Erhebung 550 m beträgt. Auf diesem, auch „Hoher Hengst“ genannten, Bergrücken entsteht die erste frühmittelalterliche“ Burganlage, die Hengistburg. Sie ist die Hauptburg der entstehenden „Marchia Carentana“ (Karantanische Mark), der Keimzelle der späteren Steiermark, von der aus die Markgrafen ihren an der Grenze des Römischen Reiches gelegenen Machtbereich verwalten und verteidigen.

960

 

Karantanien Wildon

Kaiser Otto I. bestätigt dem Erzbistum Salzburg in einer Urkunde die Besitzungen in Karantanien. Darin kommt auch der Name "Lipnizza" (Burg Libniz = Seggauberg) vor.

Markwart III. (bis 1000), aus dem Hause der Eppensteiner, ist erster Markgraf der Mark an der Mur in Karantanien mit ihrer Hauptburg, der Hengistburg bei Wildon. Das ursprünglich aus Landshut in Baiern kommende Geschlecht trägt seinen Namen nach dessen Sitz, der zwischen Obdach und Judenburg gelegenen Burg Eppenstein. Zur Mark gehören die 4 karantanischern Grafschaften: Ennstal mit der Burg Gruscharn (Pürgg), Leoben mit der Burg St. Peter Freienstein, Mürztal und eben Judenburg. Auf das rot-weiß-rote Eppensteiner Wappen lässt sich auch das österreichisches Bindenschild zurückführen.
Die Grenze der "Mark an der Mur" ("marchia Carentana", auch "marchia transalpina") gegen Ungarn verläuft entlang des mons Predel: Gratwein - Gratkorn - Platte - Altes Faßl - St.Ruprecht - Prellerberg -Schafthal - Stifting - Rohrbach - Schillingsdorf - Nestelbach (Nezzilinpah) - Vasoldsberg (Vaszolsperg et in dem Predel) - Krumegg - Hühnerberg.
An der wichtigen Straßenkreuzung zwischen der am Westrand des Grazer Beckens von Süden nach Norden verlaufenden alten Römerstraße und der bei der Murfurt (spätere Murbrücke) aus Savaria (Steinamanger) einmündenden Ost-West-Verbindung der "strata vngarica" befindet sich seit Mitte des 10. Jahrhunderts ein zur Bewachung und Grenzsicherung vorgeschobener Brückenkopf am Schloßberg, das kleine Kastell "gradec" (ältere untere Burg, später St.Paul-Burg mit Kapelle, der heutigen Stiegenkirche).
Ausgrabungen von Holzbauten am Grazer Hauptplatz.

970

Eppenstein Burg Eppenstein

Bau der dem hl. Johannes dem Täufer geweihten "Kirche im Feld" (Feldkirchen).

972 Feldkirchen

Mit der Absetzung des bairischen Herzogs Heinrich II. des Zänkers (951-995) durch Kaiser Otto II. (955-983) nach einer Verschwörung wird Karantanien vom Herzogtum Baiern abgetrennt und Heinrich III. (940-989) aus dem Geschlecht der Luitpoldinger als selbständiges Herzogtum Kärnten („Marchia Karentana“) übergeben. Unter seiner Verwaltung stehen die Karantanische Mark (die spätere Steiermark mit dem Enns- u. Mürztal), Steyr (in Oberösterreich) und Pitten(in Niederösterreich), die Gebiete hinter dem Drauwald (mit Pettau und Marburg), die Grafschaft an der Sann um Cilli sowie die Marken Krain , Verona, Friaul und Istrien.
Neuer Graf der bairischen Ostmark ("Marchia orientalis" oder "Ostarrîchi") ist der erste Babenberger Markgraf Luitpold I. (940-994).

Um diese Zeit wird die erste kleine Burg (gradec) am Südsporn des Schloßberges zur Bewachung des Murüberganges der wichtigen, nach Savaria (Steinamanger) wegführenden Straße gebaut, wobei die St.-Pauls-Kapelle als Burgkapelle fungiert. Bei späteren Ausgrabungen finden die dort seit 1588 ansässigen Augustinereremiten „mortuorum hominum ossa non modica“, woraus sie auf einen ehemaligen Friedhof schließen, der nicht nur das patrozinienkundlich und siedlungsgeschichtlich hohe Alter der Stiegenkirche, sondern auch den Status einer Stadtpfarre bezeugt, welchen die Paulskapelle einige Jahre inne hatte, als die außerhalb der Stadtmauer gelegene Ägidiuskirche zur Verteidigung gegen die Feinde aus dem Osten benötigt wird. In einer Mitteilung des Pfarres von Graz anlässlich der landesfürstlichen Visitation 1545 wird dies bestätigt: “die recht pharr ist vor alter sandti Pauls khierchen bey dem perg under dem schloß in der stat Gräz gewesst“

976

Heinrich II. der Zänker Otto II. Marchia orientalis
Pauluskirche St. Pauls Kapelle

Aribo I. (vor 958 bis um 1020) aus dem mächtigen bairischen Geschlecht der Aribonen ist Graf im Chiem- und Leobengau und wird ab 985 Pfalzgraf von Baiern. Er ist mit Kaiser Heinrich II. verwandt und besitzt große Güter in Baiern, im Salzburggau, in Leoben, im Hengistgau, im Lavanttal und im Kroatengau.

985 Aribo

In Straßgang (slaw. "straza" Warte) werden durch die Aribonen eine dem Johannes d. Täufer geweihte Feldkirche sowie die Eigenkirchen St. Georg (Kirche Maria-Elend) und St. Martin (Schlosskirche) erbaut, die zuerst 1025 zwischen den Grafen Chadalhoh IV. und Hartwig III., dann zwischen dessen Söhnen Botho und Aribo V. aufgeteilt werden, bevor sie in den Besitz des Erzstiftes Salzburg und schließlich des Benediktinerklosters Admont gelangen. Sie sind die ältesten nachweisbaren Kirchen am Grazer Feld. Der berühmte "Drei-Pferde-Altar" von 1738 in der Schlosskirche St. Martin stammt vom Admonter Stiftsbildhauer Joseph Stammel.

In der Karlau von Graz, in Judendurf und in Leoben werden Judensiedlungen genannt, meist nur einige Lagerhäuser, an den Handelswegen liegend, um ihren Fernhandel zwischen dem Orient und Europa besser betreiben zu können.

994 Straßgang Georgikirche St. Martin St. Martin St. Martin
Als Nachfolger seines Vaters Markwart III. wird Adalbero I. von Eppenstein (980-1039) von König Otto III. (983-996) mit der Markgrafschaft von Karantanien betraut. Zudem ist er Graf im Ennstal und Judenburg (Graf von Eppenstein). Auch bekommt er um 1000 ausgedehnte Besitzungen Im Mürztal und um Voitsberg geschenkt. Unter Kaiser Heinrich II. (973-1024) wird er 1012 Herzog von Kärnten, Markgraf von Verona, Friaul, Krain und Trient, Graf von Görz sowie Vogt über das Patriarch Aquileia. 995

 

 

Kaiser Otto III. (996-1002) schenkt Bischof Gottschalk von Freising Ländereien in Neuhofen an der Ybbs. In der lateinischen Urkunde wird statt der "regio orientalis" erstmals die umgangssprachliche Form von "ostarrichi" verwendet: "Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Otto, durch göttliche vorausbestimmende Gnade Kaiser Augustus. Alle unsere eifrigen Getreuen, die gegenwärtigen und auch die zukünftigen, mögen wissen, daß wir, die würdigen Bitten unseres geliebten Vetters Heinrich, des Herzogs von Baiern, erfüllend, gewisse Besitzungen unseres Rechts in der Gegend, die in der Volkssprache Ostarichi ("in regione vulgari vocabulo Ostarrichi") heißt, in der Mark und Grafschaft des Grafen Heinrich, des Sohnes des Markgrafen Liutpold, in dem Ort, der Niuvanhofa genannt wird, das heißt mit eben dieserm Hofe und dreißig in seiner unmittelbaren Umgebung liegenden Königshufen mit bebautem und unbebautem Land, mit Wiesen, Weiden, Wäldern, Gebäuden, mit Quellen und Wasserläufen, mit Jagden, Bienenweiden, Fischwässern, Mühlen, mit beweglichem und unbeweglichem Gut, mit Wegen und unwegsamen Land dem Schoße der Freisinger Kirche zu eigenem und ewigen Gebrauch überlassen." 996 Otto III. Otto III. ostarrichi-Urkunde
König Heinrich II. (ab 1014-1024 Kaiser) übergibt Erzbischof Hartwig, Sohn von Pfalzgraf Hartwig I., Besitztümer mit Sudhäusern im Ennstal. 1002 Heinrich II.

Dort, wo der ihr durch einen Windstoß verwehte Schleier wiedergefunden wurde, gründet Adala von Leoben, die Tochter des Pfalzgrafen Hartwig I. und Gattin des Pfalzgrafen Aribo I. von Baiern, zusammen mit ihrem Sohn Aribo II. (um 990 bis 1031), Salzburger Diakon und Kapellan Kaiser Heinrichs II. sowie späterer Erzbischof von Mainz, 1004 auf Aribonengrund die älteste klösterliche Niederlassung und einzige Frauenabtei in der Steiermark, das Stift Göß, welches von der Reichsabtei Nonnberg in Salzburg aus mit Benediktinerinnen besiedelt wird. Erste Äbtissin wird 1020 ihre Tochter Kunigunde I., die Schwester von Aribo II.

1004

Stift Göß Göss

Adalbero, der Sohn des Eppensteiners Markwart III., ist Graf im Ennstal und in Judenburg. 1006  
Zu der slawischen Besiedlung im Norden von Graz entstehen am Westrand des Grazer Feldes die ersten deutschen Dörfer von Bayrisch-Grätz (Baierdorf in Eggenberg), während das östlich der Mur gelegene Gebiet unbesiedelt bleibt.

1010

 

Adalbero von Eppenstein wird Herzog von Kärnten. 1012  
Nachdem die Ungarn erstmals hinter die Lafnitz zurückgedrängt werden, erhält der bairische Pfalzgraf Hartwig II., ältester Sohn von Aribo I. und Adala, von Kaiser Heinrich II. ein großes Gebiet um die Piesting im Südosten Niederösterreichs sowie die Oststeiermark bis zur Lafnitz als Geschenk zur Rodung. 1020  
König Konrad II. vermacht seiner Schwägerin Beatrix, der Gattin von Berthold I. dem Bärtigen von Zähringen (1005-1078), Herzog von Karantanien und Markgraf von Verona, "hundert königliche Hufen ... in loco Avelniz (Aflenz) ad Muorizam (St. Lorenzen im Mürztal)", die damit die Urpfarre des gesamten Mürztales ist. 1021 Konrad II.
Nach dem frühen Tod von Pfalzgraf Hartwig II. wird dessen riesiger Besitz zwischen seine beiden Söhnen Aribo II. und Botho dem Starken (Patto) aufgeteilt. Letzterem fällt auch das Schloss St. Martin zu, das 1072 in den Besitz von Stift Admont übergeht. 1557 wird es zu einem Renaissanceschloss umgebaut. 1026 St. Martin St. Martin St. Martin

Im Mai 1035 kommt es wegen eines Hochverrates von Adalberos von Eppenstein, dem Herzog von Kärnten, zu einem Bruch mit Kaiser Konrad II. und er verliert in Bamberg alle Ämter und Lehen.
Die Markgrafschaft an der Mur wird unmittelbar durch König Heinrich III. vom Herzogtum Kärnten abgetrennt und samt der vier karantanischen Grafschaften und der Markgrafenwürde an Graf Arnold II. von Wels-Lambach († 1055), dem Sohn Arnolds übertragen. Dabei handelt es sich nur um einen ca. 50 Kilometer breiten Landstrich, westlich von der Mur und östlich vom Predel-Höhenzug (der Wasserscheide Mur-Raab) begrenzt. Die Hengistburg - damit ihrer politische Bedeutung beraubt und durch ungarische Angriffe stark in Mitleidenschaft gezogen - erbt Adalberos Sohn, Edler von Markwart IV., der schließlich 1060 seine Anteile an der Burg mit Erzbischof Gebhard von Salzburg tauscht.

1035  
Der Salier Heinrich III. (28.10.1017 bis 5.10.1056) folgt seinem Vater Konrad II. als römisch-deutscher König nach.
Als Herzog Konrad d. Jüngere von Kärnten stirbt, besetzt Heinrich zunächst das Herzogtum nicht nach, sodass die drei süddeutschen Herzogtümer Baiern, Schwaben und Kärnten unter seiner unmittelbaren Verfügungsgewalt stehen.
Als Grenzschutz gegen den Osten werden zwei neue salische  Marken, die „Böhmische Mark“ (untere Thaya) und die „Neumark“ (westl. der March und Leitha) eingerichtet.
1039 Heinrich.III.Heinrich III.

Kaiser Heinrich III. kann nach Siegen über die Ungarn die Ostgrenze der Mark bis zur Repcze ausdehnen und schenkt das von der Piesting (Grafschaft Pitten) bis nach Radkersburg reichende Land dem Markgrafen Arnold II. von Wels-Lambach. Sein Sohn Gotfried von Pitten (+1050), der 1042 die eingedrungenen Magyaren schlägt, bekommt die Grafschaft Pitten, das Enns- und Paltental sowie die Burg Gestnic (Gösting, slaw.gozd=Bergwald) mit zwei Königshuben Land, die nach dessen Tod 1050 sein Bruder, der hl. Adalbero, Bischof von Würzburg erbt. Burggraf ist zu dieser Zeit der Lehensmann Suitger von Gestenice aus dem Hochfreien Geschlecht der Herren von Traisen. Archäologische Fundstücke beweisen, dass hier bereits um 450 v. Chr. die Kelten gesiedelt haben.

1042


Gottfried, Arnold II., Arnold I., Bischof Adalbero Bischof Adalbero
GöstingGösting

Entlang der Mur entsteht mit den Festungen von Hengistburg, Seggauberg, Straßgang, Schloßberg, Gösting und Plankenwarth somit eine Linie von Abwehrbastionen. Damit ergeben sich erstmals größere Siedlungsmöglichkeit im diesem bisher unbesiedeltem Gebiet östlich der Mur.
Unter Erzbischof Baldwin von Salzburg wird die Pfarre von Feldkirchen, die älteste im Grazer Feld, begründet. Sie ist auch Mutterpfarre von Straßgang bis die pfarrlichen Rechte an Straßgang übergehen.

Die hl. Hemma vermacht dem Erzbistum ihre Güter im Gurk- und Ennstal mit der Auflage, dort Klöster zu errichten (Gurk und Admont).

Feldkirchen Hl. Hemma

Der Grenzverlauf gegen Ungarn wird weiter nach Osten, an die Lafnitz und Kutschenitza verlegt und entlang der Mur entsteht mit den Festungen von Hengistburg, Seggauberg, Straßgang, Schloßberg, Gösting und Plankenwarth eine Linie von Abwehrbastionen. Damit ergeben sich erstmals größere Siedlungsmöglichkeit im diesem bisher unbesiedeltem Gebiet östlich der Mur. So entsteht das älteste Siedlungsgebiet im Osten von Graz. Beauftragt von Aribo II., Pfalzgraf des unteren Salzburggaues, gründet der deutsche Gunter, Besitzer dieses Bodens, den Herrschaftshof Guntarn mit einem Fronhof (Meierhof), einer Eigenkirche (S.Lienhart/St.Leonhard) sowie einer Mühle, Schmiede und Taverne (Schanzelwirt), Gunter wird auch selbst Besitzer weiter Gebiete in der Oststeiermark (Premstätten, Hausmannstätten) und Namensgeber für Arndorf (bei St.Ruprecht/Raab). An die Grenzwächter auf ungarischer Seite erinnern die Ungardörfer bei Gleisdorf, Pertersdorf, Jagerberg und in Schwarza (Ungarus de Swarza). Plankenwarth, Straßengel und Straßgang (strascha = Warte) verweisen auf die Beobachtungsposte westlich der Mur. Vom slawischen "grad" (Burg) leitet sich neben dem kleinen Kastell Graz am Schloßberg, das als vorgeschobener Brückenkopf die aus dem Osten bei der Murfurt einmündende "strata vngarica" sichert, auch die Bezeichnung für Gratwein ab.

1043

St. Leonhard St. Leonhard St. Leonhard Schanzlwirt

Papst Leo IX. reist durch die Steiermark und weiht am 4. August die St.Oswald-Kapelle bei Leoben. 1044 Papst Leo IX.

Als in einem fürchterlichen Gemetzel auf der Burg Lambach/Trau die beiden Söhne Arnolds II., Gottttfried und Arnold III. von Wels-Lambach, sowie seine Regilla von Verdun erschlagen werden, wird der riesige Besitz des Geschlechtes der Wels-Lambacher geteilt. Den nördlichen Teil von der Piesting bis zum Masenberg bei Hartberg erhält Graf Ekbert I. von Formbach-Neuburg bei Passau, der mit Mathilde, einer Tochter Gottfrieds, verheiratet ist und sich in Pitten ein neues Herrschaftszentrum schafft. Den südlichen Besitz, der von St. Johann in der Haide bis nach Radkersburg reicht, bekommt der blutsverwandte Traungauer Otakar I., Graf im Chiemgau (erstmals genannt 1056). Er wird somit Markgraf der Mark an der Mur ("marchio de stire" oder "marchiones Styrenses"). Sein Herrschaftsgebiet mit dem Hauptsitz der Stiraburg an der Mündung der Steyr in die Enns sowie der Hengistburg, der Primaresburg bei Köflach und der Dietenburg bei Ligist umfasst somit die spätere Steiermark mit den Grafschaften Traungau, Ennstal, Mürztal, Leoben, Judenburg und Pitten.

1050

PittenBurg Pitten

Erste Erwähnung des Schlosses Algersdorf in der Baiernstraße in Alt-Eggenberg als „Algeristeti“, als der Vollfreie Eppo dieses beim Erzbischof von Salzburg gegen Güter im Sulmtal eintauscht. In der Folge schenkt Aribo, ein Bruder von Hartwig, das Schloss dem Stift Göttweig. Die weiteren Besitzer sind Markgraf Otakar III., die Windischgrätzer und schließlich die Eggenberger.

Um 1050 entsteht die Eigenkirche des hl. Ägydius in Semriach, eine Filialkirche der Pfarre Gratwein, die 1237 erstmals urkundlich ihre Erwähnung findet.

Algersdorf Algersdorf Semriach
Einfallende Türken verwüsten erneut das Land und zerstören das damalige Zentrum der Mark, die erstmals urkundlich erwähnte "Veste Hengist" (Hengistburc bei St. Margarethen). Aufgrund der ständigen Bedrohung wird Graz Verwaltungsmittelpunkt und es ensteht östlich der Mur ein menschenleerer Grenzwaldgürtel.

1053

 

Die Söhne von Hartwig II. von Baiern, Pfalzgraf Aribo II. von Baiern und sein Bruder Boto, schließen sich dem Aufstand Herzog Konrads von Bayern und Herzog Welf von Karantanien gegen Kaiser Heinrich III. an und werden deshalb 1055 auf dem Reichstag zu Regensburg wegen Hochverrats abgesetzt und gemeinsam geächtet. Beide verlieren ihre Reichslehen und Teile ihrer Eigentümer: Aribo Tegernsee, Boto muss die Pfarre Straßgang an das Erzstift Salzburg abtreten; beide verlieren Wildon und das Saggautal an die Eppensteiner und Spanheimer. Dem Salzburger Erzbischof Baldwin verleiht Heinrich III. in Gumbrahtdesteiden (Groß St. Florian) ein Gebiet im Ausmaß von 3 königlichen Hufen.

1055

 

Otakar I. († 1075), Sohn von Oci V. und vorher als Otakar VI. Graf im Chiemgau., wird durch den Tod Gottfrieds von Pitten und damit dem Aussterben der Grafen von Wels-Lambach ab 1056 Markgraf von Karantanien bzw. der späteren Steiermark. Namensgeber für das Land ist die Styraburg in Steyr, die Stammburg der Otakare, die auch in den beiden mittelhochdeutschen Epen "Biterolf und Dietleib" und "König Laurin" Erwähnung findet. Markgraf Otakar I. ist mit Wilibirg v. Eppenstein-Kärnten, der Tochter des Kärntner Herzogs Arnold II. v. Wels-Lambach verheiratet. Seine Söhne Adalbero der Raue (Königspartei) und Ottokar II. (Papstpartei) bekämpfen einander im Investiturstreit. Otakar I. gilt als Mitbegründer des Benediktinerstiftes Admont. 1056 Steyer Steyr
Pfalzgraf Kuno von Rott gründet um 1073 den nach ihm benannten Ort Kumberg (Chuniperge) sowie Arndorf (Erbindorf ad Rabam). 1073  

In der Karantaner Mark gibt es weder Städte noch Märkte, der geringe Handel liegt in den Händen von Juden, deren wichtigste Siedlung, der unter der Burg Eppenstein gelegene "mercatus Judinburch", um diese Zeit entsteht. Als größtes Handelszentrum im östlichen Mittelmeerraum ist Judenburg Umschlagplatz für alle Waren aus dem Orient, die auf der Handelsstraße von Venedig über Udine, Gemona, den Neumarkter Sattel, Bruck und den Semmering nach Wien transportiert werden. Als einzige deutsche Stadt unterhält es in Venedig eine Warenbörse, den Fondaco dei Tedeschi direkt am Canale Grande, wo die deutschen Kaufleute unter behördlicher Aufsicht ihre Geschäfte abwickeln. Judenburg, das erstmals als "mercatum Judinburch" erwähnt wird, besitzt auch als erstes das Stapelrecht, ein Privileg, das durchziehenden Kaufleuten erlaubt, ihre Waren zum Verkauf anzubieten.
Das Wappen von Judenburg zeigt den kennzeichnenden breitkrempigen aschkenasischen Judenhut deutschsprachiger europäischer Juden mit mit einem Knauf auf dem Scheitel („pileum cornutum“ = gehörnter Hut).

1074 Judenburg Fondaco_dei_Tedeschi Judenburg

Erzbischof Gebhard von Salzburg, ehemaliger Beichtvater von Kaiser Heinrich III., gründet auf dem 1045 von der hl. Hemma für eine Klostergründung gestifteten Boden im Ennstal das Benediktinerkloster "ad montes" (Admont). Die ersten 12 Mönche kommen aus dem Mutterkloster St. Peter in Salzburg. Den Regeln des Ordens entsprechend wird von Anfang an großer Wert auf dire Pflege von Kunst und Wissenschaft gelegt und eine eigene Schreiber- und Zeichenschule eingerichtet. So gelten die Abhandlungen von Abt Engelbert (1297-1327), des „österreichischen Albertus Magnus“, als wesentlichste Werke der mittelalterlichen Philosophie oder wird die 1776 von Architekt Josef Hueber, Maler Bartolomeo Altomonte und dem Grazer Bildhauer Joseph Stammel fertiggestellte Stiftsbibliothek als „Achtes Weltwunder“ bezeichnet.

Erzbischof Gebhard Admont Admont Admont
Nachdem Otakar I. am 29. März in Rom stirbt, folgt ihm sein Sohn Adalbero der Raue (vor 1055 - 1082) als zweiter Markgraf von Steiermark. 1075  

Auf Grund der wiederholten Streitigkeiten bezüglich des Rechtes von Bischofseinsetzungen zwischen dem deutschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. kommt es am 24. Jänner 1076 am Hoftag zu Worms zum sogenannten Investiturstreit, in dessen Folge Heinrich IV. den Papst zur Abdankung auffordert und dieser wiederum darauf im Gegenzug über Kaiser Heinrich IV. und seine Anhänger den Kirchenbann verhängt.

1076

Investiturstreit

Der Herzog von Kärnten, Markgraf Markwart IV. von Eppenstein, gründet unmittelbar neben der erstmals 1065 erwähnten „ecclesia sancti Lamberti in silva“ (Kirche des Heiligen Lambert im Walde) das Benediktinerkloster St. Lambrecht. Als erster Abt wird Hartmannus I. von 1103 bis 1109 genannt, Sohn der Klausnerin Ava (1060-1127) aus Göttweig, der ersten namentlich bekannten Dichterin deutscher Sprache, deren Lebensbeschreibung Jesu oder „Die sieben Gaben des Heiligen Geistes“ mit 221 Strophen zu den wertvollsten Handschriften des Klosters zählt. 1470 schafft der Maler Thomas von Villach ein gotisches Fastentuch mit 56 heilsgeschichtlichen Szenen. St. Lambrecht Ava Thomas von Villach Stift St. Lambrecht
Um sein Königtum zu retten, trifft Heinrich IV. in der Burg Canossa den Papst, der ihn nach einem dreitägigem Bußgang vom Bann befreit.
Liutold von Eppenstein (um 1050 bis 12.5.1090), der als treuer Parteigänger den Kaisers auf seinen Reisen über die Alpenpässe begleitet, bekommt von ihm das Herzogtum Kärnten zurück, das den Eppensteinern bis 1122 erhalten bleibt.
1077 Canossa Canossagang Canossa

Graf Otakar II. kommt in den Besitz der Stiraburg in Steyr.

1079  

Als die deutschen Fürsten einen Gegenkönig aufstellen, ernennt Heinrich IV. den Erzbischof von Ravenna zum Gegenpapst Clemens III. Damit beginnt ein 33jähriges Schisma, das bis 1111 andauert.
13 Bischöfe machten nicht mit. Die Bischöfe und Könige waren nun in eine päpstliche und eine königliche und Partei gespalten: auf Seiten des Papstes stehen Bischof Gebhard von Salzburg, Bischof Altmann von Passau, die Spanheimer, die steirischen Markgrafen der Traungauer und Markgraf Leopold II., auf Seiten König Heinrich IV die Kärntner Herzöge der Eppensteiner, deren Bistum Gurk aber von Salzburg abhängig ist. Die Folgen sind verheerend: In Salzburg muss Bischof Gebhard in seine Heimat Schwaben fliehen, in der Steiermark ist das Markgrafengeschlecht der Otakare von Steier gespalten; Markgraf Adalbero der Rauhe (1075-82) steht zum König, sein Bruder Graf Otakar II. (1082-1122) dagegen zum Papst.

1080 Investiturstreit

Markgraf Adalbero der Rauhe, der im Investiturstreit zu König Heinrich IV. hält, wird gebannt und verzichtet als Marktgraf an den mit ihm im Streit liegenden Bruder Otakar II.. Seine gräfliche Position im Ennstal bleibt ihm erhalten, wo er aber bald ermordet wird.
Der Traungauer Otakar II. (auch Ottokar II.), mit Elisabeth, einer Tochter des Babenberger Markgrafen Leopold II. von Österreich verheiratet, wird der dritte Markgraf der Steiermark und regiert bis 1122.
Die "familiares marchionis" sind die Ahnherrn jener, ab dem Jahre 1122 in der Mark Steyr tätigen Ministerialen, die sich aus dem Traungau kommend über das Ybbs- u. Traisental nach Pitten (Starhemberger u. Dunkelsteiner), ins Ennstal (Gerunge) sowie nach Wildon verzweigen. Das im Ennstal ansässige Geschlecht derer "von During" nennt sich ab dieser Zeit "von Dunkelstein". Die Söhne eines During heißen Heinrich, Adalbero, Ulrich u. Pilgrim.

1082

Oatakar II.

1091 wird ein Weriant de Grez (Windischgrätz) angeführt. 1091  
Im "Dorf" des Herrn Wezil, einem Gefolgsmann des Grundherrns, existieren 15 Bauernhöfe (Wetzelsdorf). 1099  

Im gefälschten Codex 30 der Reiner Stiftsbibliothek, einer Sammelhandschrift von 237 Blättern aus dem 15. Jahrhundert, wird erstmals Graz erwähnt: "MCXV Concremate sunt triganta mulieres in grecz una die" (1115 sind in Graz an einem Tag 30 Frauen verbrannt worden).

Existenz von "Gut Sparbersbach", welches im 18. Jh. nach seinem damaligen Besitzer Fr. Friedrich Haller den Namen "Hallerschlössl" erhält.

1115 grecz
Die Spanheimer Herzöge von Kärnten schenken dem Benediktinerstift St. Paul das Gebiet des Abstaller Feldes (Tal des Abtes) bei Radkersburg, wo sich später die Gotscheer ansiedeln. 1120 Abstaller Feld Gotscheer

Nach dem Tod des letzten Eppensteiners, Herzog Heinrich III. sowie des Traungauers Otakars II. erbt dessen Sohn Leopold I. der Starke (durch seine Ehe mit Sophie, der Tochter Herzog Heinrichs des Schwarzen von Baiern und Sachsen unterhält er auch nähere Beziehungen zu den Welfen und Staufern), dessen bisherige Machtzentren in Steyr und Fischau waren, am 4. Dezember die Ländereien des Eppensteiner Geschlechtes, die reiche Allode "provincia Graslupp". Aus diesen Gebieten um Enns, Steyr, Murau, Obdach, St. Lambrecht, Neumarkt, Judenburg, Lind, Weißkirchen, Mariahof, Leoben, Bruck, Frohnleiten, Gösting, Aflenz, Veitsch, St. Marein, Mürzzuschlag, Mariazell, den Wiener Neustädter Raum, Voitsberg, Stainz und Wildon formt Liutpold der Tapfere die Steiermark, leitet den Ausbau der Landesherrschaft ein und nennt sich als Erster "Markgraf der Steiermark". Er errichtet in Hartberg an der Stelle eines römischen Zentrums am Masenberg die erste Traungauer-Pfalz mit einem ersten Markt und eine weitere Pfalz in Grauscharn/Pürgg, bevorzugt aber mehr und mehr die zentrale Lage von Graz. Er ist auch Vogt von Stift St. Lambrecht und betreibt auf Wunsch Graf Waldos von Rein die Gründung des ältesten Zisterzienserklosters Österreichs in Rein, wo er auch 1129 begraben wird. Das Jahr 1122 kann somit als das Geburtsjahr der Steiermark betrachtet werden.
Leopold der Starke ist bestrebt, sich durch die Vergabe dieser riesiegen unbesiedelten Landstriche zur Rodung an Gefolgsleute einen ergebenen Ministerialenstand zur Durchsetzung seiner Landesherrschaft zu schaffen. Insbesondere geht es ihm darum, die Machtstellung des Aribonengeschlechtes zu gewinnen, die die fruchtbarsten Gegenden beiderseits der Mur und den Grazer Boden innehaben. Vor allem sind das die Söhne der Hochfreien Raffold und Hartnid: Ernst von der Traisen, Hartwig von Reidling, Adalram von Feistritz-Waldegg, Walter von der Traisen, Adalbero von Feistritz, Swigger von Gösting und Bernhard von Stübing. Weiters sind als Ministerialen die Geschlechter der Wildonier im Traungau, die Safner und Stubenberger (ihr Ahnherr Wolfber-Wulfing ist mit der Erbtochter des Adalbero von Feistritz verheiratet) sowie die Herren von Neuberg, Stadeck und Landesehre dazuzuzählen. Das im Ennstal ansässige Geschlecht mit dem Namen "During" nennt sich "von Dunkelstein". Die Söhne eines During heißen Heinrich, Adalbero, Ulrich und Pilgrim. Die Rodung des oststeirischen Grenzwaldes erfolgt in Kirchberg und Grafendorf durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten, in Waltersdorf durch Walter von der Traisen, in Kaindorf durch Konrad von Safen, in Feistritz und Hartmannsdorf durch Hartwig von Reidling, in Riegersburg durch Rüdiger von Hohenberg, in Weiz durch Liutold von St. Dionysen und in Pöllau durch die Stubenberger. Vor allem wird auch der Grenzwald zwischen der Mur und Raab gerodet und damit die Gründung von Graz vorbereitet.

1122

Leopoldus fortis Leopold I. d. Starke Rein Rein
stiria Besiedlung von Graz

In diese Zeit fällt auch die Gründung von Graz: Der hochfreie Adelige aus dem bairischen Geschlecht der Aribonen, Bernhard (Bero oder Benno) von Stübing (bis 1152), ist Besitzer des Grazer Bodens und des Schlosses Stübing. Er lässt die Aulandschaft entlang der Mur mit Dörfern besiedeln und durch seinen Gefolgsmann Hadmar vom Ennstal die neue romanische Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg errichten. Reste der Burgmauer sind am westlichen Felsabfall des Schloßberges noch zu sehen. 1125 Mur Gradec Schlossbergmauer Herbersteingarten
Hadmar vom Ennstal, ein Gefolgsmann Raffolds, errichtet im Auftrag des Bernhard von Stübing ein Herrschaftszentrum in Graz. Auf dem Schloßberg wird die Burganlage gebaut sowie zu ihren Füßen das älteste Siedlungszentrums in Graz („suburbanum castri“) mit einem Meierhof (Freiheitsplatz) und der dazugehörigen Eigenkirche St. Ägydius gegründet. Der dreischiffige romanische Bau steht auf der Hochterasse einer ehmaligen Dingstätte, außerhalb der Stadtmauern, an der vom Westen über die Furt der Mur kommenden Straße (Sporgasse) Richtung Osten. Als eine Art Wehrkirche ist sie von einer eigenen Friedhofsmauer umgeben, wobei ein Gräberfund aus 2010 im Keller der Grazer Burg zeigt, dass auch außerhalb der Ummauerung Menschen bestattet werden. Die Gründung dieser Ägidius-Stadtpfarre geht aufgrund ihrer Loslösung von der Mutterpfarre Feldkirchen-Straßgang hervor. Ihr, dem hl. Ägidius geweihtes Patrozinium verweist auf das Geschlecht der Grazer Dunkelsteiner, bei deren Stammsitz im niederösterreichischen Steinfeld sich heute noch das romanische Kirchlein "St. Ägyden am Steinfeld" befindet, von dem vielleicht das Patrozinium nach Graz verpflanzt wird.
Ebenso könnte aber auch in dieser Zeit der Hochblüte der Ägidiusverehrung mit dem Herrschaftsbeginn der Otokare das Patronat direkt durch dieses Traungauer Geschlecht übertragen worden sein, da deren Stadtpfarrkirche in Steyr ebenfalls dem hl. Ägidius geweiht ist.
Erster wirklicher Besitzer des Grazer Bodens ist dann der Sohn Bernhards von Stübing, der Hochfreie Udalrich von Graz 1115-1156.
1127 Ägydiuskirche St. Egyden
Leopold I. der Starke, Markgraf der Steiermark schenkt seinem Ministerialen Rudiger ein Gut bei Hartberg. In einer Abschrift aus dem 15. Jahrhundert der gefälchten Schenkungsurkunde an "Adalram de Waldekke" aus dem späten 12. Jahrhundert ist ein "Dietmarus de Gracz" als Zeuge genannt: eine der ersten urkundlichen Erwähnung von Graz. Dieser Unterschriebene, Dietmar von Graz-Dunkelstein, ist der Stammvater des Geschlechtes der Dietmare von Graz-Dunkelstein auf der Burg Ehrenfels und Trennstein am Südosthang des Schöckls, sein Bruder Ulrich von Graz-Dunkelstein, Ahnherr des Geschlechtes der Udalrichinger aus Trofaiach; beide sind sie zusammen mit ihrem Vater, Hadmar vom Ennstal, Dienstmannen von Raffold und Bernhard von Stübing. Dieses landesfürstliche Geschlecht der Herren von Dunkelstein tritt urkundlich in den hundert Jahren zwischen 1122 bis 1222 im Umkreis der Otakare von Steyr in Erscheinung. 1128 erbauen sie die Burg Dunkelstein am Petersberg bei Ternitz.

1128

Schenkungsurkunde Dunkelstein Burg Dunkelstein

Markgraf Leopold der Starke von Steyer beruft die „Grauen Mönche“ von Ebrach bei Würzburg nach Rein, um in seiner Mark auf den Gütern, die sein Vater Otakar II. als Erbe von Graf Waldo erhalten hatte, ein religiöses Zentrum, das älteste österreichische Zisterziensstift Reun, im Sinne der Reformbewegung zu errichten, wo er auch nach seinem Tod am 26. Oktober begraben wird.

Gerlach, Graf von Dunkenstein, von Abt Adam von Ebrach bei Würzburg ausgesandt, fungiert von vom 25. März 1129 bis ca. 1164 als erster Abt in Stift Rein.
1129 Leopold I. der Starke Rein Rein Rein Markgraf Leopold I. der Starke
Neuer Markgraf der Steiermark wird der erst fünf Jahre alte Sohn von Liutpold d. Starken, der Traungauer Otakar III. (1125-1164), für den anfangs seine Mutter Sophie von Baiern, die Tochter des Welfen Heinrich des Schwarzen, die Regierungsgeschäfte übernimmt. Während seiner Regierungszeit wird Graz immer mehr zum Verwaltungszentrum seines riesigen Reiches, der Steiermark. In Graz wird erstmals zwischen der Mur und dem Schloßberg ein kleiner Gassenmarkt erwähnt. Kaiser Friedrich Barbarossa überträgt ihm die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift Seckau, über die Reichsabtei Göß und als erstem Reichsfürsten das Bergregal, das Juden- und Münzregal, das Msarktrecht, die Maut- und Zollstätten sowie die Gerichtsbarkeit. Er lässt den Saumweg über den Semmering ausbauen, gründet das Spital am Semmering, das Augustiner-Chorherrnstift Vorau und die älteste deutsche Kartause in Seitz (Žiče, Slowenien). Durch Erbschaften erwirbt Otakar III. von Otto von Cordenons das Gebiet in der Friaul mit Cordenons und der Vogtei über Stift Ossiach, den Besitz um Trixen mit Unterdrauburg, von seinem Onkel Bernhard, dem Grafen von Spanheim-Marburg, die Marken an der Drau und Sann mit den Herrschaften Marburg, Radkersburg und dem Tüffer Gebiet, das Amt Ratschach in Krain, die Vogtei über Pettau, die Klöster St. Paul und Viktring, verschiedene Lehen in Aquileia sowie nach dem Tod seines Cousins, des Formbachers Ekbert III., die niederösterreichische Grafschaft Pitten. Er gebietet letztlich über einen von der Donau bis zur Save reichenden Herrschaftsbereich. Otakar III.

Der hochfreie Adelige aus dem bayrischen Geschlechter der Aribonen, Bernhard (Benno) von Stübing, Enkel des Pfalzgrafen Aribo II., ist Mitte des 12. Jahrhunderts Besitzer des Grazer Bodens und des Schlosses Stübing. Er gilt als Erbauer der Herrschaftsburg auf dem Grazer Schloßberg sowie als Begründer des ersten Grazer Marktes ("Erster Sack" in der Sackstraße). Dieser liegt quer zur Durchzugsstraße "strata vngarica" gegen Osten, die hier die Mur überschreitet und die Verbindung zwischen der Römerstraße am rechten Murufer mit Ungarn darstellt und ein gewichtiger Grund für die Marktgründung ist. Von dieser wichtigen Handelsverbindung nach Gleisdorf, Weiz, Hartberg und weiter nach Savaria (Steinamanger) zweigte unmittelbar bei der Pauluskirche ein Weg Richtung Ries nach Fürstenfeld, ein zweiter über Waltendorf entlang des Ostrandes des Grazer Beckens nach Radkersburg (Religo von Hohenberg gründet an dieser Straße den Ort Gillersdorf) sowie einer nach Norden (Grabenstraße) ab.

Guntarn (St. Leonhard) ist im Besitz von Gunther, dem Markgrafen an der Sann. Danach 1158 gelangen die Besitzungen an das Stift Vorau, später an die Kommende des Deutschen Ritterordens.

Der Ahnherr der Stubenberger, Wolfber-Wulfing, der In den Jahren 1125/28 vom Marktgraf Leopold dem Starken ausgedehnte ungerodete Gebiete am Südhang des Masenberggebirges geschenkt bekommen hat, errichtet beim heutigen Pöllau um 1130 sein Herrschaftszentrum und beginnt von hier aus die Urbarmachung des Landes.

1130

St. Leonhard St. Leonhard

 

Otakar III., mündig geworden, übernimmt die Verwaltung der Markt und ist von Anfang an bemüht, seine Herrschaft durch ein Zusammenführen der dichter besiedelten Traungauer Gebiete im Norden mit den ungerodeten Teile des Südens zu festigen, indem er weiteren Geschlechtern Ländereien für ihren Übertritt in die Ministerialität übereignet. Der Hochfreie Dietmar, Sohn Hartwigs von Reidling, erhält Murau und Judenburg, wo er sich die Burg Liechtenstein erbaut und damit zum Ahnherrn der Liechtensteiner wird. Hartnid, der Sohn Ernsts von der Traisen bekommt einen Besitz am Traunsee und nennt sich Hartnid von Ort. Swigger tritt mit Gösting in die Ministerialität. Die Starhemberger und Emmerberger erhalten das Land von Pitten. 1139

 

 

Adalram von Feistritz-Waldeck aus dem Geschlecht der Herren von Traisen stiftet in Friesach in Gegenwart der Bischöfe Reginbert von Brixen und Roman von Gurk sowie vieler adeliger Zeugen, darunter auch Udalrich von Graz-Dunkelstein, die Abteikirche Seckau in St. Marein bei Knittelfeld und übereignet sie der Kirche von Salzburg. Grund dafür ist die Sühne für den Totschlag an seinem Vetter Adalbero († um 1138), der mit seiner Frau Richinza Ehebruch begangen hatte. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz folgt Adalram einem Hirsch in den Wald. Als er während einer Rast unter einem Baum einnickt, erscheint ihm die hl. Maria und ruft: "Hic seca!" (Hier, fälle!). Und tatsächlich, findet er unter dem umgeschnittenen Baum ein steinernes Marienbild, das heutige Gnadenbild von Seckau. 1142 wird das Stift nach Seckau verlegt.
In der diesbezüglichen Urkunde vom 10. Jänner 1140 wird der Hochfreie Udalrich von Graz-Dunkelstein als "Udalrich de Grace" erwähnt; es ist dies der erste sichere Nachweis des Namens Graz. Als "prefectus" der Grazer Burg ist er von 1146-64 der erste wirkliche Besitzer des Grazer Bodens.

An der Grenze der Steiermark zur Ostmark lässt Markgraf Otakar III. bei Piesting die Burg Starhemberg erbauen


Der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1075-1147) lässt zur militärischen Absicherung des Landes gegen die Ungarn neben den Festen in Pettau und Deutschlandsberg den bereits bestehenden Wachturm in Leibnitz zu einer Burganlage (Seggauberg) ausbauen.

1140 Marien-Brevier Seckau Stift Seckau Seckau
Seckau Burg Starhemberg Conrad I.Konrad I. Seggauberg
Die auf einem 200 m hoch emporragenden, bereits vor rund 6000 Jahren besiedelen Basaltkegel gelegene und urkundlich erstmals 1138 als „Ruotkerspurch“ (Burg des Rüdigers) genannte Riegersburg befindet sich um 1140 im Besitz des Hartnid von Traisen-Ort, der sich damals „von Riegersburg“ nennt. Seine Tochter heiratet den angesehenen Ministerialen Richer von Hengist (1130–1168), der von Markgraf Ottokar III. mit der teilweise dem Erzstift Salzburg gehörenden Hengistburg belehnt wurde und durch diese Heirat jetzt zum Ahnherrn der Riegersburg-Wildonier wird. Seine Söhne Hartnid, Herrand und Richer verlegen dann aber ab 1147 ihren Hauptsitz wieder auf die Burg Wildon und nennen sich "Herren von Wildon". 1142 Riegersburg Wldon

Udalrich I .der Ältere von Graz-Dunkelstein (Udalricus de Donchensteine 1146 bis 1164), Ahnherr des fränkisch-allemannischen Geschlechtes der Udalrichinger in Graz, ist zusammen mit seinem Vater, Hadmar vom Ennstal, ein Ministeriale von Bernhard von Stübing und wird als Befehlshaber der Burg Graz in einer Urkunde Markgraf Otakars III. als "Udalrich de Grace" und "prefectus urbis Grace" genannt. Als Burgherr von Graz verfügt er über Besitzungen in Graz, Wildon, Mureck, Glaneck, Neumarkt, Niederwölz, seine Familie über Besitztümer in Traboch, Trofaiach, St. Benedikten im Seckauer Becken, Prethal bei Bruck, Afram und Ragnitz bei Wildon.

Sein Bruder Heinricus de Donchinstaine (1144-1189), ebenfalls ein Ministeriale von Markgraf Otakar III., nimmt am 2. Kreuzzug teil und widmet am 16. Juni 1146 für sein Seelenheil dem Kloster Rein seine Höfe in "Subellendorf" und Weikersdorf bei Wiener Neustadt mit dem Vorbehalt, dass sie von seiner Nichte Gertrudis auf Lebenszeit genutzt werden können.

Nachdem der Traungauer Otakar III. als Verbündeter des Bischofs Heinrich I. von Regensburg mit seinen Traungauer Mannen im Kampf gegen den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott Österreich verwüstet, die Streitenden am Hoftag in Regensburg durch König Konrad III. aber wieder versöhnt werden, begleiten beide den König am 2. Kreuzzug (1147-1149).

1146

Jasomirgott

Auch der Spanheimer Bernhard, Graf von Marburg und Begründer von Viktring, nimmt am 2. Kreuzug teil und setzt sein einstiges Mündel, Otakar III., für den Fall seine Todes zum Erben ein. Als er tatsächlich bei Laodicea in Kleinasien in einen Hinterhalt gerät und stirbt, fällt sein ganzer Besitz und seine Ministerialen an Markgraf Otakar III., darunter die Marken an der Drau und im Sannwald, die Herrschaften Marburg, Lembach, Radkersburg, Tüffer, Haidin, Dranneck (Treun) und Trixner, die Vogteien St. Paul, Viktring und Pettau sowie verschiedene Lehen in Aquileia. Otakars Machtbereich erstreckt sich jetzt südwärts bis zur Drann, Sann und Save und sogar in das Gebiet von Krain.

Dem Stift Rein spricht Otakar III. das Abbaurecht für Salz am Ahornberg bei Altaussee zu.

Dietmar I. von Graz (1147), Stammvater der Ministerialiengeschlechter der Trennsteiner u. Ehrenfelser, beherrscht mit seinen Besitzungen östlich und südöstlich des Schöckls (Paldungesdorf, Diepoldsberg am Schöckl, Göttelsberg bei Weiz) die Straße von Graz nach Hartberg.

In Graz wird das Bestehen eines kleinen Gassenmarktes im ersten Sack, der im Norden von der Stadtmauer begrenzt wird (heute Schloßbergplatz) sowie die erste Erwähnung eines Kaufmannes namens Witelo urkundlich bestätigt.

Erstmals wird in einer Urkunde des Stiftes Rein der 1445m hohe "mons Sekkel (slaw. "cegl" = allein; Schöckl = allein stehender Berg) urkundlich erwähnt. Der Hausberg der Grazer gilt auifgrund seiner mächtigen Gestalt als sagenumwobener steirischer Blocksberg, auf dem sich die Wetterhexen treffen. Als natürliches Bollwerk spielt er eine bedeutende Rolle gegen alle Feinde aus dem Südosten; so z.B. als Kreidfeuerstation.

1147 Bernhard von SpanheimSpanheim-Marburg Ehrenfels

Als der Besitzer der Herrschaft Graz, Bernhard von Stübing, stirbt, seine beiden Söhne Konrad "Henne" von Feistritz und Adalram 1151 wegen angeblichen Hochverrats enthauptet werden und der dritte Sohn Udalrich von Graz ins Kloster Seckau eintritt, wird der riesige Besitz samt den Stiften Seckau und Göß von Markgraf Otakar III. eingezogen. Das Gebiet reicht vom Schloßberg bis nach rapam (St. Ruprecht an der Raab). Der Ort Andorf (Erbindorf, iuxta Rabam fluuium sitis) ist im Besitz des Klosters Seckau. Otakar III. übernimmt auch die Ministerialen der Aribonen. Seine beiden Gefolgsmänner, Hadmar vom Ennstal und dessen Sohn Udalrich von Dunkelstein, sorgen mit der Errichtung der neuen oberen Burg auf dem Schloßberg, dem Meierhof, der ältesten Marktsiedlung unter der Burg (Freiheitsplatz), der Eigenkirche St. Ägydius (Domkirche), der Anlegung eines zweiten Marktes mit dem Hauptplatzes (1160) sowie von "Harmsdorf" (Althallerschlößl), eines eigenen Herrenhofes, für den weiteren Ausbau von Graz zu einem neuen Herrschaftszentrum. Der Markt im Zentrum der Altstadt ist nach dem bairischen Muster einer Ackerbürgerstadt angelegt, deren profane Hofstätten ein Vorder- und Hinterhaus besitzen, welche durch einen schmalen Flügen, die Stallungen, verbunden sind, während sich die Pfarrkirche St. Ägydius als umwehrtes Kirchenkastell außerhalb der Stadtmauer befindet und die Bettelorden bei den Stadttoren siedeln (die Franziskaner beim Murtor, die Dominikaner beim Eisernen Tor).

Otakar III., der als Markgraf von Steyr bereits den Panther in seinem Wappen trägt, erwirbt durch Erbschaften weitere riesige Gebiete, sodass sein Herrschaftsbereich schließlich von der Donau bis zur Save nach Krain reicht.

1151

Hauptlplatz Graz-Markt Hauptplatz
Hauptplatz Hauptplatz Spielstein Hofstätten

Otakar III. von Steier wird am Reichstag zu Regensburg zum Vogt des von Adalram von Feistritz-Waldegg gegründeten Stift Seckau eingesetzt und nimmt anschließend im Gefolge von Kaiser Friedrich I. Barbarossa an dessen erstem Italienfeldzug teil. 1152  

Der muslimische Geograf und Kartograf Al Idrisi (أبو عبد الله محمد الإدريسي, 1099-1166) bereist als Jugendlicher ganz Europa und berichtet in seinem Werk „Reise des Sehnsüchtigen um die Horizonte zu durchqueren“ unter anderem über eine Stadt Akrizav, welche am Ende des Berges Dschuá liegt (Graz am Fuße des Schöckls).

1154 Al Idrisi

Markgraf Otakar III. von Steier begleitet König Friedrcih I. Barbarossa zu dessen Kaiserkrönung nach Rom.

Erzbischof Eberhard I. von Salzburg schenkt das ganze Zehent zwischen der Pinka und Lafnitz dem Kloster Admont.

1155 Barbarossa Otakar III. Eberhard I.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa erklärt 1156 auf dem Reichstag von Regensburg die bis dahin zum Herzogtum Baiern gehörende Marcha austria (Mark Österreich) zu einem selbständigen Herzogtum und belehnt damit den Babenberger Heinrich II. Jasomirgott (1107-77) und seine Frau Theodora. Die darüber ausgestellte Urkunde, das sogenannte "Privilegium minus" enthält eine Reihe von Sonderrechten, wie die Erblichkeit der Herzogswürde und die weibliche Erbfolge.

Otakar III. gelangt durch den Eintritt des Hochfreien Udalrich von Graz (der jüngste Sohn Bernhards von Stübing) in das Stift Seckau in den Besitz von dessen Gütern auf Grazer Boden und geht nun daran, der Marktanlage um den Grazer Hauptplatz den Straßenmarkt des ersten Sackes anzufügen und seiner Mark ein neues Zentrum zu geben.

Ein Gräberfund aus 2010 im Keller der Grazer Burg zeigt, dass auch außerhalb der Friedhofsummauerung der Ägidiuskirche Menschen bestattet werden. Die Anordnung und die Verletzungen der 18 Skelette (4 Kinder, 8 Männer, 6 Frauen) lassen darauf schließen, dass es sich bei den Toten um Opfer von Gewalteinwirkungen und bei Seuchen Verstorbener handelt, die vielleicht einer elitären Gesellschaftsschicht angehören und gesondert begraben wurden.

Graf Udalrich von Graz tritt in das Stift Seckau ein.

1156

Heinrich II. Jasomirgott

Graz Burg Burg Grazer Burg Burg

Nachdem ein Streit um die Schenkung von 100 Huben durch Kaiser Konrad II. an seine Schwägerin Beatrix durch Erzbischof Eberhard von Salzburg zugunsten des Stiftes St. Lambrecht endlich entschieden worden war, kommt es zur Teilung zwischen dem Pfarrgebiet Mariazell und der Herrschaft Aflenz und Im Auftrag des Abtes Otker von St. Lambrecht kommt ein Mönch namens Magnus mit seiner aus Lindenholz geschnitzten Marienstatue in die Gegend von Mariazell, um hier als Seelsorger für das ansässige Hirtenvolk zu sorgen. Nahe seinem Ziel versperrt ihm ein Felsen den Weg. Magnus wendet sich hilfesuchend an die Muttergottes und sogleich spaltet sich der Felsen und gibt den Weg frei. Am Ziel angekommen, stellt er die Marienstatue auf einen Baumstrunk und errichtet darüber eine kleine Holzkapelle, die bald zum geistlichen Mittelpunkt der ganzen Gegend wird. Aus “Maria in der Zelle” entwickelt sich der Name Mariazell und die Marienstatue wird zum verehrten Gnadenbild der "Magna Mater Austriae". In diesem Sinn errichtet um 1200 Heinrich Vladislav I., der Bruder König Ottokars I. von Böhmen, zum Dank an seine Heilung von der Gicht eine Steinkirche und König Ludwig I. von Ungarn opfert sein kostbares Marienbild, mit dessen Hilfe er 1364 ein übermächtiges türkisches Heer besiegen konnte. 1157

Mariazell Mariazell 1529 Mariazell Türkenangriff

Bei der Eroberung von Mailand fällt mit Graf Ekbert III. von Formbach-Neuburg der letzte seines Hauses und die Herrschaft Pitten von Mürzzuschlag bis zur Piesting geht ebenfalls an Markgraf Otakar III. 1158  

Die durch Otakar III. übernommenen Ministerialen der Aribonen, Hadmar vom Ennstal und und dessen Sohn, Burggraf Ulrich von Graz-Dunkelstein, sorgen mit der Anlegung eines zweiten Marktes mit dem Hauptplatzes (1160) sowie von "Harmsdorf" (Althallerschlößl) für den weiteren Ausbau von Graz als neues Herrschaftszentrum.
Am rechten Murufer entsteht ein großer ländlicher, erzbischöflicher Pfarrsprengel (von Gösting bis nach Premstätten), im Osten die landesfürstliche Stadtpfarre Graz (von St. Veit bis Fernitz).

Erstmals taucht auf dem Schild von Markgraf Ottokar III. ein aufsteigender rechtsgekehrter Panther als religiöses Sinnbild des auferstandenen Christus als Wappentier auf und wird damit zum Vorläufer des steirischen Wappens.

Kaiser Friedrich Barbarossa verleiht 1160 Otakar III., den er als "princeps" (Fürst) anspricht, für sein gesamtes Hoheitsgebiet das Bergrecht. Unter Otakar III. auch Ausbau des Weges über den Semmering mit der Gründung eines Hospizes für Pilger, Kreuzfahrer und Kaufleute in Spital am Semmering.

Otto von Stubenberg, der Stammvater dieses aus Pitten stammenden Geschlechtes, lässt bei Stubenberg am See in der Oststeiermark die Burg Stubenberg - nach ihrem erstmals 1375 urkundlich erwähnten Besitzer dann Burg Neuhaus genannt - als Lehen errichten. Auch die Burg Kapfenberg (Chaffenberch = Burg am Ausschauberg) wird von diesem Geschlecht erbaut und nach der Zerstörung der Burg Stubenberg 1268 durch Přemysl Ottokar II. zum neuen Wohnsitz.

1160

Wappen Burg Neuhaus

Kapfenberg

Aus Freude über die Geburt seines Sohnes stiftet Markgraf Otakar III.dem Salzburger Erzbischof seine von Graf Ebert III. von Formbach-Pitten geerbten Besitzungen in Vorau, darunter die Eigenkirche St. Thomas, zur Gründung des Chorherrenklosters Vorau. Erster Propst wird der bisherige Dechant von Seckau, Leopold von Traföß.
Unter den Buchbeständen der 415 Handschriften, 206 Inkunabeln und 40000 Druckwerken findet sich die um 1140 unter dem zweiten Propst Bernhard entstandene Texthandschrfit Codex 276 "crônicâ" (Kaiserchronik), welche in 30000 Versen die Geschichte von Caesar bis zum römisch-deutschen König Konrad III. erzählt.
1163 Vorau Kaiserchronik Stift Vorau Markgraf Otakar III.

Graz wird erstmals als Markt genannt.

Der Traungauer Markgraf Otakar III. schenkt dem Zisterzienserstift Rein drei Hofstätten unter der Grazer Burg zur Errichtung eines Stiftshofes; der "Reinerhof" (Sackstraße 20) mit der "Gotischen Halle" wird gebaut. Er ist als ältestes Haus und erstes Kaufhaus von Graz urkundlich nachweisbar. In der Urkunde wird deutlich zwischen "suburbanum castri" (alte Marktanlage in der Sackstraße) und dem "forum" (neue Marktanlage am Hauptplatz) unterschieden.

Das Kartäuserkloster Seiz wurde zwischen 1155 und 1165 von gegründet Ottokar III der Steiermark , dem Markgrafen von Steiermark , [4] und sein Sohn Herzog Ottokar IV Steiermark , des Hauses Traungau, die beide wurden dort begraben. [5]

Als Markgraf Ottokar III. von einer Reise zurückkehrt, besucht er Leopold von Gonobitz, um mit diesem am St.-Johannes-Tag auf die Jagd zu gehen. Plötzlich begegnet er auf dem Berg Konjice einem weißen Hirsch. Beim Versuch, diesen zu fangen, schläft er vor Erschöpfung ein. Im Traum erscheint ihm Johannes der Täufer in einem weißen Pelzmantel und befiehlt ihm, an dieser Stelle ein Kloster zu bauen. In diesem Moment springt ein Kaninchen in Ottokars Schoß und er ruft den Jägern zu: "Ein Kaninchen, schau, ein Kaninchen". Da das slowenische Wort für Kaninchen Zajec im Deutschen Seiz lautet, erhält das Kloster den Namen "Seiz-Kartause". Von den französischen Kartausen aus der Grande Chartreuse in Grenoble finanziert werden zwei Klöster errichtet: das obere Kartäuserkloster im Gau Gonobitz (Slovenske Konjice) in Seitz (Žiče) mit dazugehörigen Jagdgründen für die Kartäuser-Mönche und ein unteres im Dorf Špitalič für die Laienmönche. Die Kirche wird Johannes der Täufer gewidmet und 24. Oktober 1190 vom Patriarch Berthold von Aquileia geweiht. Im Jahre 1591 übernehmen die Jesuiten von Graz die Kartause, die über eine Bibliothek von über 2.000 Manuskriptbänden verfügt. Als Mitte des 16. Jahrhunderts das Kloster fast aufgegeben wird, ordnet Erzherzog Karl II an, dass die Bücher in der Bibliothek des Jesuitenkollegs nach Graz verschoben werden. Die Grabplatte des Fürstengrabes des ursprünglich hier begrabenen Sohnes Herzog Otakar IV. zeigt dessen ganzfigürliche Darstellung; diese Reliefmarmorplatte wird später 1756 in das Wallfahrtskirchlein von St. Heinrich am Bachern (Sveti Areh na Pohorju - 1249 m - erbaut um 1490) als Grabbedeckung für das Grab von Herzog Heinrich überstellt.

Otakar III. tritt dann einen Kreuzzug ins Heilige Land an, verstirbt aber 31.12.
1164 auf der Durchreise bei Fünfkirchen in Ungarn.
Da der ihm nachfolgende Sohn Otakar IV. (1163-1192) erst ein Jahr alt ist, führt seine Mutter Kunigunde von Vohburg bis zu seiner Volljährigkeit 1180 die Regierungsgeschäfte.

1164 Reinerhof Reinerhof Reinerhof
Seitz Seitz Seitz Seitz

Bau der Burg Neuberg (Nitberg) bei Hartberg durch Gottschalk Schirling, einen Sohn Wulfings von Stubenberg, als Trutz- und Grenzfeste gegen das gefürchtete ungarische, „heidnische Geschmeiß“ aus dem Osten. Im Erdgeschoss des Kanonenturmes befindet sich eine, 1661 dem hl. Aegydius geweihte Schlosskapelle mit einem Altarblatt des Heiligen sowie 14 Nothelferbildern.

1166 Neuberg Neuberg Burg Neuberg Neuberg

Kaiser Friedrich I. Barbarossa hält sich auf der Verfolgung von Erzbischof Adalbert II. von Salzburg am 19. März in Leibnitz auf.

1170 Barbarossa
Der junge Markgraf Otakar IV. hält in in Graz, das als "forum" (Markt) bezeichnet wird, einen großen Hoftag ab. Der Pfarrer der St. Ägidenkirche ist gleichzeitig auch sein Hofkaplan. 1172  
Die früheste Bezeugung der Ägydenkirche des Marktes Graz findet sich in einer Schenkungsurkunde Markgraf Otachers an das Stift Seckau: „actum in foro Grazze in ecclesia sancti Egidii“ im Jahre der Fleischwerdung des Wortes, am 17. Februar 1174, seitdem die Ägidiuskirche Sitz der Pfarre ist. 1174  

Im Kampf um die Expansion Österreichs nach Westen (Traungau) und nach Süden (Grafschaft Pütten) stehen sich die Babenberger (Heinrich II. Jasomirgott) und Traungauer (Otokar IV.) kriegerisch gegenüber und verwüsten gegenseitig ihre Länder.

1175 Jasomirgott
Rudegerus de Planchenwarten wird urkundlich erwähnt. 1179  

Auf dem Reichstag zu Regensburg am 13. Juli wird der 17jährige Otakar IV. von seinem Onkel Kaiser Friedrich I. Barbarossa für volljährig erklärt und druch die Entgegennahme des Fahnenlehens zum Herzog Otakar I. der "terra ducis Stiriensis" erhoben. Die karantanische Steiermark wird von Baiern getrennt und in den Rang eines Herzogtums erhoben; einen gemeinsamen Namen all der Landschaften gibt es aber noch nicht und so wird die „terra ducis Stirensis” auch als "marchionatus Styriae", "Marchia Stirie”, "Stirenmarch”, "Stiremarke", "Stire", "Stirelant", „Steir”, „Steierland” oder „Steiermark” bezeichnet. Otakar IV. sichert die Grenze gegen Ungarn durch den Bau von Burgen, gründet die Stadt Fürstenfeld und baut Graz weiter als Residenz aus, wo sich der steirische Panther sich auch im Stadwappen von Graz wiederfindet.

Der steirische Ministeriale "Mengor de Chirchowe" erwähnt einen "Mansen in loco dicitur Steinvoelt" (St. Egyden am Steinfeld).

1180

Otakar.IV. 1173.Otakar.IV. Herzoghut

Mit Heinrich I. scheint erstmals ein Pfarrherr in Graz auf: "Plebanus Henricus de Graece" (1181-1224). 1181  

Der Udalrichinger "burggravius de Graece", Otaker I. de Graz (bis 1215), und der "castellanus de Graez", Otto I. von Graz, aus dem Geschlecht der Grazer Dietmare, sind die gemeinsamen Burgherren auf dem Schloßberg. In dieser Zeit wird die romanische Rundkirche, die St. Thomaskapelle erbaut.

Erstmals wird die Ortschaft Guntarn (St. Leonhard) in Graz genannt.

1185 Thomaskapelle Thomaskspelle Thomas-Kapelle Thomaskapelle
Am 17. August 1186 schließen der kinderlose und schwer kranke, an Elephantiasis leidende Traungauer Herzog Ottokar I. von Steiermark und der Babenberger Herzog Leopold V. von Österreich auf dem Georgenberg in Enns einen Erbvertrag, die Georgenberger Handfeste, in welchem vereinbart wird, dass nach Ottokars Tod der Herrscher Österreichs auch in der Steiermark herrsche, dass also beide Herzogtümer für immer ungeteilt bleiben.
Das Wappen der Stadt Enns erinnert an diesen Vertrag: oben mit dem silbernen, rot gewaffneten, wachsenden Panther auf grünem Grund an die Otakare, unten das Weiß und Rot an den Bindenschild der Leopolde.
1186 Georgenberger.Urkunde Georgenberger.Handfeste Enns
Graz wird erstmals "civitas" (Stadt) genannt. Die Stadtrichter siegeln ihre Schriftstücke mit dem Wappen des Traungauer Panthers. 1189 Stadtsiegel
Im August brechen steirische Ritter mit Herzog Leopold V. zum Dritten Kreuzzug ins Hl. Land auf, wo bei Erstürmung der Stadt Akkon bei Leopolds blutgetränktem roten Waffenrock, durch den breiten Schwertgurt abgedeckt, um die Taille ein weißer Streifen frei bleibt, was zur Entstehung des rot-weiß-roten Bindenschilds Österreichs führt. Auch kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen Herzog Leopold mit dem englischen König Richard Löwenherz, weil dieser eine österreichische Fahne von einem erstürmten Turm herabreißen lässt und ihn von der Beute ausschließt. Leopold lässt Löwenherz deshalb auf dessen Rückweg durch Wien auf der Burg Dürnstein gefangen nehmen und erst gegen das hohe Lösegeld von 150000 Kölner Mark Silber wieder frei, mit welchem er später an der österreich-steirischen Grenze die Stadt Wiener Neustadt erbauen lässt. 1190 Akkon Kreuzritter Löwenherz

Als Herzog Otakar I. (IV.) von Steiermark am 8. Mai 1192 29jährig an Aussatz leidend stirbt (von der Kartause Seitz werden seine Gebeine nach Rein, die Grabplatte nach St. Heinrich am Bachern gebracht), folgt ihm Herzog Leopold V. der Tugendhafte (1157-1194) gemäß den Vereinbarungen der Georgenberger Handfeste nach. Er wird zu Pfingsten am Hoftag in Worms von Kaiser Heinrich VI. mit dem Herzogtum Steyer belehnt und damit der erste gemeinsame Regent des Länder Österreich-Steiermark. Dieser feiert als neuer Landesherr noch im selben Jahr im Juni den ersten Hoftag in Graz, wo er auf dem Platz vor der Pfarrkirche St.Aegiden auf einem Speer das Wappenschild von Österreich und Steier aufrichten lässt und unter freiem Himmel allgemeines Gericht hält.

Zu seiner Zeit wird das der hl. Katharina geweihte Kirchlein an der Friedhofsmauer von St. Ägid gebaut, ein romanischer Rundbau, der auch als Karner bzw. Beinhaus dient.

1192

Seitz Otakar IV. St. Heinrich
Leopold.V. Heinrich VI. Österr.-Steyer Steiermark

Im Herbst beruft Herzog Leopold V. in Fischau eine Ministerialenversammlung mit dem Ziele ein, im siedlerleeren Gebiet zwischen der Steiermark und Östereich, auf dem Steinfeld, eine befestigte Stadt (Wr. Neustadt) zu gründen.

Leopold V. stürzt bei einem Turnier in Graz vom Pferd, bricht sich den Knöchel und verstirbt am 31. Dezember 1194 an den Folgen der mit einem Jagdmesser durchgeführten Amputation an einer Blutvergiftung. Sein Leichnam wird zur Beerdigung in das Stift Heligenkreuz überführt.
Entgegen den Bestimmungen wird die Herrschaft unter seinen Söhnen nun wieder aufgeteilt: Friedrich I., der Katholische, erhält das Herzogtum Österreich (heutiges Nieder- und Oberösterreich), Leopold VI., der Glorreiche, übernimmt die Steiermark.

1194

Tummelplatz Friedrich I. Leopold VI.

Mit der Verleihung des Marktrechtes an Graz durch die Babenberger Herzöge Friedrich I und Leopold VI. besteht das besondere Privileg, einmal im Jahr einen Jahrmarkt abhalten zu dürfen. So wird der Egydimarkt , der seinen Ursprung im Grazer Kirchtag hat, bis zum Jahre 1414 nur am Festtag des Schutzpatrones der Kaufleute, der Kirche und der Stadt, des hl. Ägidius, am 1. September, am Marktplatz (Hauptplatz) und in der Bürgergasse (Herrengasse) abgehalten. Dieses Recht wird in der Folge auch für andere steirische Märkte zum Vorbild (z.B. 1281 in Kindberg).

In östlicher Randlage vom Markt Leoben wird die Filialkirche Nennersdorf (auch „St. Lambrecht zu „Schaletitz“) der Mutterpfarre St.Michael erwähnt.

1195  
Herzog Friedrich I. hält in Graz einen allgemeinen Gerichts- und Hoftag ab. 1196  
Als schließlich auch Herzog Friedrich I. der Katholische auf der Rückreise vom Kreuzzug Kaiser Heinrichs VI. aus Palästina stirbt, werden beide Herzogtümer, Österreich und die Steiermark, wieder unter einem Herrscher, seinem jüngeren Bruder Leopold VI. dem Glorreichen (1176-1230), vereint.
Vom Geschlecht der Hohenburg-Wildberger übernimmt er das rot-weiß-rote Bindenschild, das zum Wappen Österreichs wird. Zusätzlich erwirbt er weitere Lehen, sodass sich sein Herrschaftsgebiet von Wels über das Mühl- und Waldviertel und Wiener Becken bis nach Portenau (Pordenone) erstreckt. Er fördert den Handel (vom Rhein nach Byzanz) und die Zünfte, das Bürgertum und die städtische Kultur. Sein Hof in Wien ist bekannt als Zentrum des Minnesangs, an dem auch Walther von der Vogelweide und Ulrich von Liechtenstein wirken. Auch das Nibelungenlied könnte möglicherweise hier geschrieben worden sein.
1198 Leopold VI. der Glorreiche Bindenschild
Schon das Siegel des Landmarschalls, Herrand I. von Wildonie, zeigt den von einem Marschallstab und drei grünen Seeblättern unterlegten Panther des Familienwappens des Ministerialiengeschlechts der Wildonier. Herrand ist ein Sohn von Richer von Hengist-Wildon und einer Tochter des Hartnid von Traisen, die am Zweiten Kreuzzug (1147–1149) teilgenommen haben. Sein Schwiegervater Liutold stirbt während des Dritten Kreuzzuges. 1191 wird er als Truchsess des steirischen Herzogs genannt. Herrand fördert den Eintritt des Joanniterordens in die Steiermark. 1199 Herrand Liutold.von.Wildon
Durch Leopold VI. Erbauung der Rundkapelle St. Kunigund bei einer Gerichtsstätte auf dem "Hugel Lee bei Graz" samt ummauerten Friedhof. Ihre Entstehung und ihr Patrozinium wird mit dem Kult um die hl. Kunigunde, der von Papst Innozenz III. heilig gesprochenen Frau des bairischen Herzogs Heinrich IV. und späteren Kaiser Heinrich II. aus der Linie der Liudolfinger sowie der Übertragung ihrer Gebeine in den Bamberger Dom 1201 in Verbindung gebracht, als plötzlich ein Stummer wieder sprechen kann. 1202 Leechkirche Kunigunden-Kapelle Kunigunde
Einer der bedeutendsten Grazer Pfarrer, Heinrich I. (1181-1224), wird als Kaplan von Herzog Leopold VI. erwähnt („sacerdos de Graeze“). 1203  
Zwischen Erzbischof Eberhard II. von Salzburg (1170-1246) und Herzog Leopold VI. von Österreich und Steier wird vertraglich das Patronatsrecht für die steirischen Landesfürsten festgelegt: Der Erzbischof behält sich die völlig freie Verleihung von Pitten, Walterdorf und Radkersburg vor, verzichtet aber auf das Patronatsrecht über die Pfarren Lanzenkirchen, Hartberg, Graz, Riegersburg und Straden; womit die Grazer Pfarre landesfürstlich wird. Das erlaubt - wie schon früher - dem Landesherrn als Erbauer und Eigner von Kirchen auch die Bestellung von Pfarrern mit ihren Günstlingen. Nach alter Sitte sind diese Pfarrer gleichzeitig auch die Kanzleivorstände der steirischen Markgrafen und Herzöge.
Demnach spielt der aus dem Zisterzienserstift Zwettl kommende Pfarrer Heinrich, der erste der Grazer Ägidiuskirche, auch eine bedeutende Rolle in der herzöglichen Kanzlei; sein Pfarrgebiet ist das ganze linke Murufer, von Weinzödl bis zum Hühnerberg.
1211 Eberhard II.

Herzog Leopold VI. beteiligt sich am Albingenser-Kreuzzug.

In einer am 13. Mai 1212 ausgestellten Schenkungsurkunde an Ulrich I. von Peggau (ab 1237 Graf von Pfannberg) wird der Ort "Sembriach" erstmals erwähnt.

1212 Semriach
Unter Herzog Leopold VI. wird in den Jahren von 1214 bis 1223 Graz, das sich aus der ehemaligen Marktsiedlung um zwei Drittel vergrößert hat, zum ersten Mal richtig ummauert. Die Mauer verläuft auf halber Höhe der Westseite des Schloßberges, führt dann steil hinunter zum Reinerhof und weiter, unterbrochen durch das innere Murtor, über das Franziskanerkloster zum Reckturm (Kalchberggasse/Raubergasse) am südlichen Stadtende. Von hier aus quert der Mauerverlauf die Schmiedgasse und führt über das Judenviertel zum Dominikanerkloster auf dem Tummelplatz. Über das Burgtor und das innere Paulustor folgt sie der alten Bergmauer dem Schloßberg hinauf zum Uhrturm.

Ein Albertus wird als "judex" (Stadtrichter) ernannt, der den Vorsitz im Stadtgericht führt und die Stadtgeschäfte koordiniert.
1214 Schlossbergmauer
Wolfram von Eschenbach beschreibt in seiner Parzival-Dichtung, dass Gahmuret bei seiner Rückkehr aus dem Ausland wieder sein väterliches Wappen annahm: "Daz pantel, daz sin vater truoc, von zobele uf sinen schilt man sluoc", wobei der Dichter Parzivals Vater Gandin in Beziehung zu dem "lant genennet Stire" bringt. Noch deutlicher beschreibt der bairisch-salzburgerische Dichter Pleier in seinem Artusroman "Garel von dem blühenden Tal" um 1230 den Schild dieses Ritters Garel, einem Vetter von Parzival und Enkel von König Gandin ("dem dienet Stire daz lant"): "Sines schiltes dach war hermin; diu buckel diu gap liehten schin von tiuren edelen steinen grozen unde kleinen. ouch fuort der degen milte uf dem hermin schilte von swarzem zobel ein pantel" (zu sehen im „Garel“-Freskenzyklus auf der Burg Runkelstein bei Bozen, um 1392) 1215 Runkelstein Runkelstein Runkelstein Dietleib von Steier
Leopold VI. der Glorreiche, Herzog von Österreich und Steiermark, nimmt von 1217 bis 1219 am Kreuzzug von Damiette teil. Mit dabei ist auch Dietmar III. von Liechtenstein (1164-1218), der Vater des Minnesängers Ulrich I., der die Stadt Caesarea im Heiligen Land neu errichten lässt, welche auf einem Fresko in der Burgkapelle vom Frauenberg bei Unzmarkt abgebildet erscheint. 1217 Jakobskapelle Frauenburg
Mit der Erlaubnis von Papst Honorius III. gründet der Salzburger Erzbischof Eberhard II. das Bistum Seckau, das damit nach Gurk (1072) und Chiemsee (1215) das dritte Salzburger Eigenbistum wird. Die weltliche Bestätigung erfolgt durch König Friedrich II. in Nürnberg, der dem Propst von Friesach und Maria Saal als neuem Bischof Karl I. die Würde eines Reichsfürsten verrleiht. Das Territorium des Bistums umfasst lediglich einen schmalen Streifen von Seckau über das Murtal und die Stubalpe in das Kainachtal und zur Mur bei Wildon mit insgesamt 13 Pfarren. Die Seckauer Bischöfe residieren von Anbeginn weg nicht im Augustiner-Chorherrenstift Seckau, sondern in dem von den Salzburger Erzbischöfen 1121 auf dem bereits von den Römern besiedelten Frauenberg bei Leibnitz erbauten Schloss Seggau sowie fallweise auch in Graz. 1218 Eberhard II. Gründung Bistum Seckau Seckau Seckau Karl I.
Seggauberg Seggau
Herzog Leopold VI., der Glorreiche, hält in Graz einen großen Hoftag. 1221 Leopold VI.

Herzog Leopold VI. hält 1224 „iuxta capellam sancte Chunegundis“ und 1227 „in ecclesia sancte Chunegundis“ in der Leechkirche Gericht.

Der Minnesänger Ulrich I. von Liechtenstein kommt in Begleitung seines Knechtes nach Graz, um sich seine von einer Hasenscharte verunstaltete Oberlippe operieren zu lassen: "Da ritt ich hin. Auch er ritt so / nach Graz. Und dort war ich sehr froh /als gleich ich meinen Meister fand./ Der war bald dienstbereit zur Hand,/ und eines Montagmorgens dann/er scharf zu schneiden mich begann./ Er wollt‘ mich binden – ich wollt’s nicht./ Er sprach: „Wird Unglück angericht‘,/ denn rührt ihr euch bloß um ein Haar/wird es euch schaden. Das ist wahr.“/ Ich sprach: „Ich werde es nicht tun./ Ich bin hierher geritten nun/weil mir mein Übel es gebot – soll ich auch liegen bleiben tot,/ ich rühr‘ mich nicht. Ihr werdet seh’n./ Mag mir’s auch noch so weh ergeh’n.“/ Die Furcht war wirklich nicht so schlimm./ Ich saß auf einer Bank vor ihm,/ mit einem Schermesser darauf/ schnitt er mir meinen Mund dann auf./ Ober den Zähnen schnitt er ab,/ was ich ganz still erduldet hab‘./ Das Schneiden war damit geschehen/und keiner hat mich wanken sehen./ Er hat es meisterlich getan und ich ertrug es als ein Mann./ Da schwoll mein Mund mit einem Mal/viel größer als ein runder Ball./ Er ließ der Wunde so ihr Recht./ Das sah dann meiner Dame Knecht/ und sprach zu mir: „Möget ihr genesen,/ Dann bin ich gerne hier gewesen.“

Gundacker stammt aus der Steiermark und nennt sich nach der Stadt Judenburg "Gundacker von Judenburg". Er ist der Verfasser der religiösen Dichtung „Christi Hort“, die über die Leidensgeschichte Christi erzählt.

1224 Ulrich von Liechtenstein Ulrich von Liechtenstein
Im Norden von Graz, westlich von St. Veit am Fuß der Rannach gelegen, befindet sich das zuerst dem Stift Rein, dann dem Stift St. Lambrecht gehörende Stift Niklas "zu Weinzürl", das mit seinem Neubau und dem dazu gehörendem Gartenpavillon "Pfefferbüchsl" 1673 durch Domenico Sciassia als "Schloß St. Gotthard" bezeichnet wird. 1226 St. Gotthard St. Gotthardt St. Gotthard Pfefferbüchsl

Otto II. von Graz aus dem Geschlecht der Grazer Diertmare erbaut die die Römerstraße kontrollierende Burg Ehrenfels bei St. Radegund und nennt sich ab diesem Zeitpunkt "von Ehrenfels".

Leuthold von Wildon, der Grundherr von Stainz, lläßt zusammen mit seiner Gattin Agnes von Liechtenstein im Jahre 1229 am Stainzer Schlossberg, am Platz der Kapelle "St. Katharina in der Pirken", ein Augustiner-Chorherren-Stift errichten, welches mit Chorherren aus Seckau besiedelt wird. Leutholds Bruder Ulrich, der Bannenträger in der Schlacht von Kressenbrunn, baut die Stiftung aus, worüber auch von seinem Sohn, dem Dichter Herand von Wildonie, in dessen Verserzählung „Der nackte Kaiser“ berichtet wird.

1229 Ehrenfels Leuthold I. von Wildon Stainz

Neben der ältesten Kapelle von Graz, der Jacobikapelle, Gründung eines Klosters an der "Murpruggen" (heute Franziskanerkloster) der Grazer Minoriten durch Herzog Leopold VI.

Friedrich II. der Streitbare (1211 bis 15.6.1246), aus dem Geschlecht der Babenberger, wird nach seinem Vater Leopold VI., der bei einem Vermittlungsversuch zwischen dem Hohenstaufen-Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. in San Germano (Cassino) verstarb, Herzog von Österrerich und der Steiermark. Auf seinem Amtssiegel verwendet er als Hauswappen den farblosen Bindenschild aus ungefärbtem Wachs. Auch erhält unter ihm das steirische Wappentier, der Panther, eine Herzogskrone.

Befestigter Gutshof mit ausgedehntem Waldgebiet (Gut Sparbersbach, im 18. Jahrhundert nach Dr. Friedrich Haller "Hallerschloss" genannt) des Siedlungsbeauftragten "Walto"; Namensgeber für den späteren Bezirk Waltendorf.

1230

Herzog Friedrich II. Stadtsiegel.Graz Hallerschloss

Nachfolger des ersten Bischofs von Seckau, Karl I., wird der "Gilgenpfarrer" Heinrich I. der Pernecker (1231–1243), der zuvor in Graz studierte und urkundlich als erster Ägydenpfarrer in Graz genannt wird. Als treuer Anhänger des Babenberger Herzogs Friedrich II. leistet er diesem wertvolle Dienste bei den Friedensverhandlungen mit Kaiser Friedrich II. 1231 Heinrich I.

In einer Urkunde von Herzog Friedrich II. wird Graz als „Bairisch Grätz“ bezeichnet, um es nicht mit Windischgrätz zu verwechseln.

Der neu gegründeten  Deutschordenskommende überträgt er etliche Güter, darunter die Kunigundenkirche (Leechkirche) sowie Dörfer bei Gleisdorf und Leibnitz, und verleiht ihr ein besonderes Handelsprivileg, um ungestört auf allen Märkten mit ihren Erzeugnissen zu handeln und so die Konkurrenz aller Nichtbürger auszuschalten.

1233 Windischgraetz Leechkirche Deutsche Ordensgemeinde OrdensritterOrdensritter

Kaiser Friedrich II. bricht im Mai 1235 von Foggia auf, um nach Deutschland zu reiten und seinen aufrührerischen Sohn Heinrich VII. zu bestrafen. "Er zog einher in großer Pracht, wie es der kaiserlichen Würde geziemt. Ihm folgten Wagen, beladen mit Gold und Silber, mit Byssusgeweben und Purpur, mit Gemmen und kostbarem Gerät. Er kam mit vielen Kamelen und Dromedaren, mit Affen und Leoparden, er führte zahlreiche, vieler Künste kundige Sarazenen und Äthiopier mit sich, die sein Gold und seine Schätze bewachten." Kaiser Friedrich nimmt den Weg über Aquileja durch Friaul nach Steyermark, um auch gleichzeitig die Gesinnungen des Herzogs Friedrich II. des Streitbaren zu erforschen, der ihm entgegenreitet und mit dem er in Neumarkt, am Pass zwischen Kärnten und Steiermark, zusammentrifft. Da beide wenig Angenehmes miteinander zu besprechen haben - der Kaiser verlangt die Auszahlung des Heiratsgutes von Königin Margaretha, Herzog Friedrich urgiert den Anspruch auf Kriegskostenbeiträge - schlägt der erste freundliche Empfang bald in Verstimmung um und beide trennen sich entfremdeter als vorher.

1235 Herzog Friedrich der Streitbare

Nachdem Herzog Friedrich II. für die lombardischen Stände gegen den Kaiser Partei ergriff und trotz Vorladung weder auf den Hoftagen in Worms, zu Mainz und Augsburg oder in Hagenau erscheint und damit Verletzung des "honor imperii" begeht, spricht Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen am 27. Juni 1236 auf dem Reichstage zu Augsburg über Herzog Friedrich den Streitbaren die Reichsacht aus und erklärt ihn seiner beiden Herzogtümer verlustig. Die Beschuldigungen lauten: „Er betrage sich pueriliter, welches jugendlich, knabenhaft und bübisch heißen kann. Er lasse die Könige von Böhmen und Ungarn zum Schaden des Reiches niemals in Ruhe. Er entziehe ausländischen Fürsten ihre Besitzungen in seinen Herzogthümern. Er demüthige die Edlen, erdrücke die Reichen, mißhandle die Gemeinen und schinde die Armen. Er schände Jungfrauen und Frauen, entführe sie den Eltern und Gatten und lasse obendrein die Vater und Manner hinrichten. Man habe ihn in Rücksicht der Verdienste seines Vater geschont und auf mehrere Reichstage gefordert, doch fey er niemals erschienen. Er verschwöre sich gegen das Leben des Kaisers, dinge den Alten vom Berge als Haupt der Assassinen mit Gelde, habe dem aufrührischen Kronprinzen gedient und stehe noch mit dem Papste im geheimen Bunde. Er erkenne weder Gott noch Herrn und treibe die wohlwollende Mutter von Judenburg wie eine Landflüchtige an Böhmens Königshof und an den Kaisersitz. Man müsse ihn Tyrann nennen gegen seine Vasallen, welche mit den Beschwerden des Auslandes die Töne einheimischer Verzweiflung mischen. Die Unterthanen schreien um Rache, aber Hülfe wenigstens müsse man ihnen gewahren. Die Welt werde seinen Untergang sehen, sie soll aber auch die Ursachen hören." Gleichzeitig schließt der Kaiser mit den Reichsfürsten von Baiern, Böhmen und Ungarn gegen Herzog Friedrich ein Krigesbündnis und ermächtigt sie, den Geächteten anzufallen. Der darob erbitterte österreichische und steirische Adel tritt größtenteils dagegen auf und es entflammt ein Bürgerkrieg.
Am 4.Juli 1236 bricht Kaiser Friedirch mit seinem Heer zur Bekämpfung des lombardischen Städtebundes auf. Nach der Unterwerfung der Städte Mantua, Vicenza, Ferrara und Padua tritt er am 30. November den Rückmarsch über Cividale durch das Kanaltal wieder Richtung Deutschland an. Mit der Absicht die Herzogtümer Steiermark und Österreich mit persönlichem Eingreifen in Besitz zu nehmen, erreicht er mit seiner Heeresmacht am 24. Dezember 1936 Graz, wo ihn die beiden Söhne des steirischen Truchseß Herrand I. von Wildonie, Leutold I. und Ulrich I., begrüßen. Er verbringt hier die Weihnachtszeit bis zum 3. Jänner 1237. Herzogin Agnes von Andechs-Meranien, die Gemahlin von Herzog Friedrich des Streibaren, die die Riegersburg gegen ihre eigenen Verwandten verteidigen muss, wird gefangen genommen.

1236 Kaiser Friedrich II. Agnes von Meranien

Leutold I. und Ulrich I. leisten Kaiser Friedrich II. auf seiner Weiterfahrt nach Wien Gefolgschaft, wo er sich von Jänner bis April aufhält. Dort wird im Februar vor den versammelten Reichsfürsten sein neunjähriger Sohn Konrad (IV.) zum römisch-deutschen König gewählt und Wien zur freien Reichsstadt erhoben. Bevor der Kaiser im April weiter nach Deutschland eilt, um seinen Sohn Heinrich VII. in Verwahrung nehmen und ihn in einen Kerker nach Apulien bringen zu lassen, bestellt er den Bamberger Bischof, Ekbert Graf von Andechs-Meranien zum Vicarius (Statthalter) für Österreich und die Steiermark, um das Land vom Joch Herzog Friedrichs II. des Streitbaren zu befreien. Als Bischof Ekbert aber bereits nach wenigen Monaten, am 6. Juni desselben Jahres, verstirbt, folgt ihm Eberhard IV. Otto, Graf von Eberstein, als Landeshauptmann im Herzogtum Steiermark (1237-39) und kaiserlicher Statthalter im Herzogtum Österreich nach.

Herzog Friedrich II. verleiht Graz das Privileg der Stadtfreiheiten; damit verbunden ist wahrscheinlich auch die Änderung des Wappens: der gekrönte Panther als Wappentier.

Der jüngere Bruder von Udalrich III, Otakar II. "de Graetz", steht als Anhänger von Kaiser Friedrich II. mit Herzog Friedrich II. im Streit und verliert sein Burggrafenamt sowie sein landesfürstliches Lehen, die Burg Helfenstein zwischen Stübing und Gratwein, die Herzog Friedrich vorher selbst zerstört und dann dem Kloster Reun schenkt.

Im Sommer 1237 zieht Kaiser Friedrich II. wieder in den Krieg gegen die lombardischen Städte und besiegt am 27. November deren Heer.

Herzog Friedrich dem Streitbaren, dem nur Starhemberg und Wiener-Neustadt treu blieben, zieht sich mit den geraubten Schätzen in die Feste Neustadt zurück. Geächtet und seiner Länder beraubt verbindet sich Friedrich II der Streitbare mit den Feinden des Kaisers und verspricht König Wenzel I. von Böhmen die Heirat seiner Nichte Gertrud von Österreich (1226-88) mit dessen ältestem Sohn Herzog Wladislaw.

1237 Ekbert Helfenstein

Otto (1239-70), aus dem steirischen Ministerialiengeschlecht der Liechtensteiner (Ottonis de Lichtanstain), Bruder vom Minnesänger Ulrich I., Pfarrer von Pöls wird Pfarrer von Graz.

Im Stadtteil "In der Höll" am "Chotmuer" des linken Murufers, der wegen der ständigen Überschwemmungen nur von den Ärmsten, den Badern und Handwerkern bewohnt ist, begründen die "Minderen Brüder des hl. Franziskus" (Minoriten), Albert und Marchward, ein Kloster mit der Kirche Mariä Himmelfahrt (Franziskanerkirche). In diese älteste Klosterniederlassung von Graz wird beim Bau eine bereits ältere Kapelle sowie die mittelalterliche Stadtmauer mit einbezogen, zumal aus strategischen Gründen wegen ihrer Schutzfunktion alle Stifte und Klöster entlang der exponierten Ringmauer angesiedelt werden.

Papst Gregor IX. exkommuniziert und bannt Kaiser Friedrich II. am 20. März 1239 mit fadenscheinigen Begründungen ein zweites Mal.
Es kommt zur Aussöhnung mit Herzog Friedrich dem Streitbaren, dessen Reichsacht wird aufgehoben, seine Gemahlin Agnes erhält wieder die Freiheit, all seine ehemals verliehenen Rechten werden bestätigt und Friedrich ist wieder Herzog von Steiermark und Österreich. Ab jetzt wird er zum treuen Bündnispartner des Kaisers.

1239 Franziskanerkloster Franziskanerkloster Franziskanerkirche Franziskanerkirche
König Bela IV. von Ungarn flüchtet vor den anstürmenden Mongolen nach Österreich, worauf ihm Herzog Friedrich Waffenhilfe zusichert und dafür die westungarischen Komitate Ödenburg, Wieselburg und Eisenburg erhält. 1241  

Herzog Friedrich der Streitbare lässt sich wegen Kinderlosigkeit von seiner dritten Frau Agnes von Andechs-Meranien scheiden.

Als Gefolgsmann von Herzog Friedrich II. scheint der Udalrichinger Otakar IV. zu Graz auf, der nicht mehr Burgherr, aber Pächter der herzöglichen Münze (Münzamt) in Graz ist.

Erzbischof Eberhard II. von Salzburg weilt an seinem Zehenthof, dem Reuner Hof in Graz (heute Sackstr. 18-20). Er ernennt den Schreiber von Herzog Friedrich II., Ulrich I. (Udalricus, 1244-68), zum Bischof des Bistums Seckau. Als Erzbischof von Salzburg (1257-65) wird Ulrich, weil er römische Geldforderungen nicht zurückzahlen kann, dreimal gebannt und suspendiert. Als weiterhin amtierender Seckauer Fürstbischof stirbt er 1268 in Piber.

1243

Eberhard II. Ulrich I.

Im April 1245, auf dem Reichstage zu Worms, stellt Kaiser Friedrich II. in der Hoffnung, das reiche babenbergischen Erbe an sich zu bringen, dem Herzog Friedrich II. die Erhebung seiner beiden Herzogtümer Steyermark und Österreich zu einem Königreich in Aussicht, wenn dieser einer Vermählung seiner Nichte Gertrud von Österreich mit ihm einwilligen würde.
Im Juni finden in Verona am Hof von Kaiser Ferdinand II. die diesbezüglichen Vereinbarungen statt: Die Urkunde zur Erhebung von Österreich und der Steiermark zum Königreich mit Krain als lehenspflichtiges Herzogtum und die Überreichung des Königsringes an Herzog Friedrich den Streitbaren durch den Bischof von Bamberg sind vorbereitet. Allein am 29. Juni 1245, dem Tag der geplanten Hochzeit, erscheint die Braut Gertrud von Österreich nicht, da sie sich weigert, ihre Hand dem exkommunizierten 55-jährigen Kaiser zu reichen, solange dieser sich im Kirchenbanne befindet, und sie außerdem mit dem Sohn des Königs von Böhmen Wladislaw verlobt ist. Anstatt der Königskrone bestätigt Kaiser Ferdinand lediglich die Erneuerung des Privilegium minus von 1156, ", welches Herzog Friedrich II. das Recht einräumt, bei kinderlosem Tode seinen Erben und Nachfolger selbst zu bestimmen.

1245

Kaiser Friedrich III. Herzog Friedrich II. Gertrud von Österreich

Ulrich I. von Liechtenstein (1198 in Judenburg geboren -1276) ist nicht nur erprobter Ritter und Minnesänger, sondern bringt es auch als Diplomat zum Truchseß und Landesmarschall von Steiermark. Nach seiner Ausbildung zum Ritter ist er von 1215 bis 1219 Knappe bei Markgraf Heinrich von Istrien, bevor er 1223 von Herzog Leopold VI. in Wien zum Ritter geschlagen wird. Drei Burgen nennt er seinen stolzer Besitz: Schloss Murau, die Frauenburg bei Unzmarkt und seinen Lieblingssitz, die Burg Liechtenstein bei Judenburg. Als Komödiant verkleidet, setzt er im Sinne Friedrichs II. seine politschen Kräfte für den Wunsch ein, die Herzogtümer Österreich und Steiermark in starker Hand vereint zu sehen. "hin ze gracz, dar stuant min ger."
In seiner gereimten Lebensbeschreibung „Vrowendienst“ berichtet er, wie er das Waschwasser seiner Angebeteten schlürft oder als Liebesgöttin Venus verkleidet 1237 seinen mit politischen Absichten versehenen 29tägigen Marsch mit perlengeschmückten Haaren und in kostbare Frauenkleider gehüllt von Venedig über Tervîs, Schetschîn, Clemûn, Villach, Veltkirchen, Vrisach, Scheuflich, Judenburc, Knütelvelde, Kapfenberc, Murzuslage, Glokenz, Niwenstat, Dreskirchen und Wien bis nach Böhmen antritt. Ein Marschall, ein Koch, fünf weiß gekleidete Knappen und zwei Posaunenbläser begleiten ihn und fordern vorab alle Ritter zum Turnier mit ihm auf, wobei es aber keinem der Gegner gelingt, ihn aus dem Sattel zu werfen. Im der 1257 verfassten Minnelehre "Der vrouwen puoch" ("Frauenbuch" oder "twitz") beklagt er den Verfall der höfisch verfeinerten Kultur.

Ein Zeitgenosse Ulrichs ist der Minnesänger Rudolf II. von Stadegge (1230-1262) aus dem Geschlecht der Herren von Stadeck, die Ministerialen des Herzogs von Steier und Lehnsmänner des Erzbischofs von Salzburg sind und deren Stammsitz die Burg Stadeck nördlich von Graz ist, auch "Entritz Amt Aigen"(Andritz) genannt. Seine Brüder sind Ludwig, Abt von Rein, sowie Leudolt I. (1243-1292), und Hartnid I. (1292-1299), beide Landeshauptmann der Steiermark. Anna von Neuhaus, die Witwe des letzten männlichen Stadeckers, Johann von Stadeck (Landeshauptmann, 1396-98), heiratet 1402 den letzten Minnesänger, Hugo von Montfort, während gleichzeitig deren Erbtochter Guta von Stadeck mit Monforts Sohn Ulrich vermählt wird.
Von Rudolf v. Stadegge sind uns nur ein Winterlied und zwei Sommerlieder erhalten Allen gemeinsam sind ausführliche, frische Naturschilderungen.

Liechtenstein Frauenburg Frauenburg Burg Liechtenstein
von Stadegge Hugo von Montfort Rudolf von Stadegge

Als König Bela IV. von Ungarn die westungarischen Komitate zurückfordert, kommt es am St.-Veitstag, dem 15.6.1246, zur Schlacht an der Leitha gegen Ungarn. Dabei wird das Pferd von Herzog Friedrich II. des Streitbaren durch einen Pfeil getroffen und der darunter zu liegen kommende Friedrich II. von einem Frangipani erdolcht. Über seinen Tod klagt Ulrich von Liechtenstein: "Es kam ein Tag, den ich immer hassen muß, denn eine geschwinde Sommerzeit erschien, in der der hochgeborene Fürst Friedrich von Österreich jämmerlich erschlagen ward. Er hatte nur eine kleine Wunde an der Wange, schade daß ein so vollkommener Mann den Tod davon haben mußte. Das war ein rechter Herr und ich sein rechter Dienstmann, darum kann ich nie genug um ihn klagen.Nach ihm erhob sich große Not in Steier, mancher ward arm, der vorher reich gewesen, man beraubte die Länder Tag und Nacht, wovon viele Dörfer wüste lagen. Die Reichen nahmen den Armen ihr Gut." Oberfeldherr Heinrich von Liechtenstein führt die Österreicher anschließend zum endgültigen Sieg und Gertrud von Österreich heiratet Wladislav von Mähren, den Sohn König Wenzels I.
Durch den Tod Friedrich II. des Streitbaren sterben die Babenberger in männlicher Linie aus und die Herzogtümer Österreich und Steiermark sind verwaist. Sowohl Prinz Ottokar II. Přemysl von Böhmen, als auch der Ungarnkönig König Béla IV. beanspruchen die beiden Länder. Kaiser Friedrich II. zieht die beiden Herzogtümer als Reichslehen ein und ernennt Graf Meinhard III./I. von Görz-Tirol (1200-58) zum Statthalter der Steiermark und Herzog Otto von Bayern zumj Statthalter von Oesterreich.

1246

Schlacht an der Leitha Meinhard III.

Der Tod des Kaisers Friedrich lI. von Hohenstaufen bringt für das Land eine Schreckenszeit: Graf Mainhard legt seine Statthalterschaft über Oesterreich und Steyermark nieder. Sowohl Gertrud von Österreich als auch ihre Tante Margarete erheben Erbanspruch auf die babenbergischen Länder. Die Baiern trachten das abgetretene Land ob der Enns wieder zu erringen, Böhmen hofft, sich wieder bis an die Donau auszudehnen und Ungarn blickt begierig auf die Gebiete der drei Flüsse Raab, Mur und Drau.

1250  

Die Ägidiuskirche wird als Pfarrkirche erwähnt: „actum apud Gretz, in parocciali ecclesia“.

Der 22jährige böhmische König Ottokar II. Przemysl heiratet mit Zustimmung seines Vaters König Wenzel I. und des Adels die 47jährige Margarethe von Österreich, die nach dem Tod hres Bruders Herzog Friedrich II. Erbin der österreichischen Länder und der Steiermark ist, und wird dadurch "Herzog von Österreich und Steiermark".

1252 Margarete Ottokar II.

Im Frieden von Ofen (Stadtteil Buda) werden auf Intervention von Papst Innozenz IV. die Herzogtümer Österreich und Steiermark zwischen den Königen Ottokar II. Přemysl von Böhmen und Bela IV. von Ungarn aufgeteilt: Österreich, der Traungau und die Gebiete um Ischl und um Pitten werden Ottokar zugesprochen, während Bela IV. die verkleinerte restliche Steiermark erhält und sein Sohn Stephan V. vom steirischen Adel zum Banus (Markgrafen) der Steiermark gewählt wird. Die Abtrennung des Traungaues von der Steiermark bedeutet gleichzeitig die Geburtsstunde des Landes ob der Enns (Austria superior).

Gertrud von Österreich, deren Männer aus erster und zweiter Ehe, Herzog Wladislaw von Böhmen († 3.1.1247), und Markgraf Hermann IV. von Baden († 4.10.1249), früh verstarben, heiratet in dritte Ehe Fürst Roman von Halics, den Neffen des Ungarnkönigs Bela, der sie bereits nach einem Jahr verstößt. König Bela IV. entschädigt sie dafür mit Einkünften aus dem steirischen Herzogsgut und weist ihr als Leibgedinge Judenburg und Schloss "Untervoitsberg" in Voitsberg zu, wo sie mit ihren Kindern aus zweiter Ehe, Friedrich (der sich in unangemessener Selbsteinschätzung Herzog von Österreich und Steiermark nennt).und Agnes, lebt und sich bei den steirischen Adeligen vieler Sympathisanten erfreut, bis sie 1269 von Ottokar II. ausgewiesen wird und in das Klarissenkloster Seuslitz bei Dresden eintritt, dessen erste Äbtissin sie wird.

Otakar von Graz schenkt Bischof Ulrich I. von Seckau ein Haus bei Graz ("domum meum apud Graetz").

Erwähnung eines Magister Henricus, der sich "scolasticus" nennt.

1254

Ottokar II. Bela IV. Belagerung von Grätz durch Bela IV.
Gertrud von Öaterreich Markgraf Friedrich von Baden Seußlitz

An einer Tanne am Straßengelberg finden 1255 Hirten ein Wurzelkreuz, welches das "unvernünftige Vieh durch langwüriges Prillen, auch mit nidergebogenen Knien geoffenbaret hat." Der Abt von Rein, Rudolf von Lendlier (1246-1255), löst es vom Baum und bringt es in die hölzerne Kapelle von Straßengel, wo forthin am Tag des Kreuzes Christi (3. Mai) das Kreuzfindungsfest gefeiert wird. An jener Stelle, an der die Tanne gestanden war, wird später die Wallfahrtskirche erbaut und das hölzerne Kreuz am Volksaltar präsenteirt.

1255 wird Schloss und Landgericht Eibiswald an Herbort von Füllenstein verliehen.

1255 Wurzelkreuz
König Ottokar II. Przemysl lässt durch den steirischen Adel unter Führung des Grafen von Hardegg König Stephan aus der Steiermark vetreiben. Er verbringt selbst das Weihnachtsfest in Graz, lässt sich wieder zum Herzog von Steiermark ausrufen und bestellt Heinrich I. von Liechtenstein als Hauptmann und Landrichter. 1259  

Um 1260 verfasst der steirische Dichter Konrad von Rattenberg (bei Knittelfeld) das umfangreiche Epos "Biterolf und Dietleib", in welchem erzählt wird, dass König Biterolf von Toledo und sein Sohn Dietleib an den Hof von König Etzels kommen und diesem in vielen Kriegen helfen. Als sie auf dem Weg dorthin von Gunther, Gernot und Hagen angegriffen werden, unternehmen sie zusammen mit Rüdiger von Bechlaren und Dietrich von Bern (Verona) einen Rachefeldzug ins Burgunderland nach Worms. Als Dank für die Kriegsdienste an Etzels Hof erhalten Biterolf und Dietleib schließlich von König Etzel die Steiermark als Lehen. Im Freskenzyklus auf der Burg Runkelstein bei Bozen von 1400 sind Episoden dieser Geschichte mit der Darstellung des Dietleib von Steier mit seinem Schwert "Welsung" abgebildet, im "Ambraser Heldenbuch" von 1504 wird die Geschichte schriftlich überliefert: "Etzele der kuni sprach 'man sol in geben, des sy begern.' ... des danckt im großleiche de zwen weigande; ob vil reichem lande so waren beide herren.... Etzele mit all den seinen Pitterolff den reichen vil gemainieleichen paten, daz er näme, zu ainem gerardhof Steyrlant. ... Des landes er sy weysen hieß, vnd auch die burge, die er ließ in dienen aigentlichen, nie gerardhof also richen gab kaines kuniges hanndt de Pittrolff her bekant die urbar recht, vnd auch ersuch zu seinem sun der helt do sprach: 'es leit ze kurtzweyle hie das, dann landt ye, noch gelang ze Ritterspiel. hie ist waide und waldes vil, die wasser vische genug, dham erdtrich nie genug das korn vnde wein. wie mochte vns das geben sein? Siebn goltärtzt es hat; lutzel hie dham Perg stat, man vinde silber darymne, zu gutem gewinne'. ... Fraw Helche vnd ir gesinde von frawen Dietlinde redten ze allen stunden das pest, das so da kunden seyt gefuegt sich auch das, daz Pyttrolff der held besaß das lan ze Steiermarche, vnd Dietlaib der starche vnd sein muter Diestlint. Ze Steir pachten sy sint ir volck vnd ir gesinde gar. darnach muesse in dienen dar der gelt von ir lande; vnd stoltze weygande. so er bedorffte, der kam im vil. sunst lebet er am sein endes zil bey Etzelm dem reichen seine tage vil herrieichem vnd Dietlaib der starche in dienet Steiermarche."

1260

Dietleib von Steier Ambraser Heldenbuch

Es kommt zum Aufstand des steirischen Adels gegen die ungarische Herrschaft. Durch den Sieg von Landmarschall Ulrich I. von Wildon über König Bela IV. in der Schlacht bei Kressenbrunn (Groißenbrunn) an der March am 12. Juli, in welcher der alte Wildonier Ulrich das steirische Banner mit dem weißen Panther im grünen Felde führt, kann Belas Herrschaft über die Steiermark beendet werden. In der 100000 Verse umfassenden "Steirischen Reimchronik" des steirischen Dichters Ottokar aus der Gaal vom Geschlecht der Herren von Strettweg findet sich diesbezüglich die erste urkundliche Erwähnung des steirischen Wappens "... ein banier grüene als ein gras darin ein pantel swebte blanc, als ob ez lebte ..." (Ein Banner grün wie Gras, darin ein Panther schwebte, weiß und frei, also ob er lebte).

Wulfing, der letzte Ritter von Gösting, hat zwei Töchter: Während die ältere Katharina Ritter Otto von Thal heiratet, kämpfen am 7. August 1260 zwei Ritter um die jüngere Tochter Anna. Als Annas Günstling im Zweikampf getötet wird, stürzt sie sich vom Jungfernsprung in die Mur. Als Wulfing der Leichnam seiner Tochter gebracht wird, erliegt dieser einem Herzschlag. So erlischt das Geschlecht derer von Gösting.

kressenbrunn Gösting Gösting Gösting

Im Frieden von Wien am 31. März 1261 wird zwischen den Königen Ottokar II. von Böhmen und Bela IV. von Ungarn sowie dessen Sohn Stephan V. Friede geschlossen. Ungarn verzichtet auf die Steiermark, wodurch Ottokar wieder in den Besitz der Herzogswürde gelangt. Das Gebiet von Pitten kommt wieder zur Steiermark. Graz wird Sitz eines böhmischen Statthalters, in welchem König Ottokar zuerst Heinrich I. von Liechtenstein und bald danach Wok von Rosenberg als Landeshauptmann einsetzt.
Bald darauf erwirbt Ottokar durch Hinterlist von dem kinderlosen Besitzern auch die beiden Herzogtümer Kärnten und Krain.
Dann verstößt er die alternde Margaretha und vermählt sich mit Kunigunde, der Enkelin des Königs Bela von Ungarn.

Der Panther im Grazer Stadtwappen trägt eine goldene Laubkrone auf dem Kopf.

Erstmalige urkundliche Erwähnung eines von einer Judenmauer umgebenen Ghettos (Geviert gegenüber der Stadtpfarrkriche um die Frauen-, Jungfern- und Fischer-von-Erlachgasse), in welchem 150 Juden leben ("ain haus zu Grecz an der Judengassen"). Durch das "Judentürl" in der Stadtmauer Verbindung zum Judenfriedhof ("Judenfreidhoff" am Radetzkyspitz). Von dort stammt auch der im ersten Burghof in einer Wand eingemauerte Grabstein eines gewissen, am 27. Juni 1387 verstorbenen Rabbi Nissim.

1261

Babenberger Grazer Stadtsiegel Wok von Rosenberg Rabbi Nissim

Bruno von Schauenburg, Bischof von Olmütz, der sich In der Schlacht bei Kressenbrunn durch besondere Tapferkeit auszeichnet und 1261 in den Friedensverhandlungen von Wien für König Ottokar II. Přemysl die Steiermark erwirbt, wird von diesem nach dem Tod des steirischen Landeshauptmannes Wok von Rosenberg als dessen Nachfolger eingesetzt. Als „capitaneus Styrie“ (1262-69) veranlasst er zahlreiche Verwaltungsreformen und richtet weltliche und geistliche Gerichte ein. Gezielt verfolgt er den von Přemysl Ottokar angeordneten Ausbau von Leoben und Bruck. Als schließlich Rudolf von Habsburg nach der Schlacht auf dem Marchfeld siegt und die Macht übernimmt, wird Bruno von Schauenburg mit der Verwaltung des Landes beauftragt.

1262 Bischof Bruno von Schauenberg Bruck Leoben
Nahe der Egydikirche in Graz, in Richtung Burg, wird ein bestehendes Pfarrhaus genannt. 1263  

Graz hat 16 Dörfer mit 249 Gütern.
Unter König Ottokar II. erfolgt die erste steinerne Ummauerung von Graz, wobei das Stadtgebiet um das Minoritenkloster (später Franziskanerkloster) und den Bischofshof bis hin zur Hans-Sachs-Gasse im Süden mit einbezogen wird. Auf dem St. Paulsberg steht der höchste Wachturm der Stadtbefestigung, der Uhrturm, dessen Glocke ("Steirisches Horn") das Zu- und Aufsperren der Stadttore verkündet. Die romanische Pfarrkirche St. Ägyd, von einem Friedhof mit eigener Wehrmauerund und der, der hl. Katharina von Alexandrien geweihten Friedhofskirche umgeben, liegt, wie bei vielen mittelalterlichen Städten, aber außerhalb der Stadtmauer. Für den Zugang sorgt ein nördlich der St. Paulskirche situiertes Stadttor (inneres Paulustor) in der Sporgasse; welche schon seit der Spätantike Teil einer wichtigen Handelsstraße, der "strata vngarica", ist; diese stellt die Verbindung von der am Westrand des Grazer Beckens verlaufenden Römerstraße zum Osten, Richtung Weiz und Hartberg dar.
Erstmals wird von Mautstellen in Graz (auf der Murbrücke), Windisch-Feistritz, Frohnleiten (1385) und Wilfersdorf berichtet, die an wichtigen Straßen nach Ungarn, Hartberg und Bruck/Mur liegen.

Bernhard von Plankenwarth wird zum 10. Abt des Zisterzienserstiftes in Rein ernannt. Er umgeht das Verbot einer Benediktinetrregel, einen Turm zun errichten, indem er dessen Fundament nicht am Boden, sondern als Dachreiter auf der Seitenschiffmauer der Basilika aufsetzen lässt. Diese Konstruktion sorgt auch im 18. Jahrhundert für das sogenannte "Turmwunder", als sich der Turm besorgniserrend neigt, jedoch wieder von selbst aufrichtet. Sein Bruder Dietmar von Plankenwarth stiftet dem Kloster am 24. Februar desselben Jahres für das Seelenheil seiner Gattin Mechthilde einen Weingarten in "Mähren", dem Marwald in der Nähe von St. Batholomä an der Lieboch. Die darüber in lateinischer Sprache verfasste und mit ungefärbten Bienenwachssiegeln von Dietmar und seinem zweiten Bruder Gundaker versehene Urkunde berichtet auch noch über zwei zusätzlich am Fest von Maria Verkündigung (25. März) und am Magdalenstag (23. Juli) gespendete Sonderessen mit Fisch, Innereien von Biber und Fischotter, Brot, Wein und Krapfen.

1265 Inneres Paulustor Inneres Paulustor Uhrturm Murbrücke
Plankenwarth

Unter den Hofsängern Manfreds von Sizilien, des Lieblingssohnes Kaiser Friedrich II. befindet sich 1266 ein Meister Konrad von Rattenberg, der in diesem Jahr den Untergang Friedrichs miterlebt. Der weitgereiste Mann und begabte Musiker ist Besitzer der um 1060 errichteten Burg Ratinberc bei Knittelfeld und somit Nachbar des Reimchronisten Otochar von der Geul (aus der Gaal), den er in der Dichtkunst unterrichtete.

Die Egydikirche wird als „maior ecclesia in Graetz“ bezeichnet.

1266

 

Als König von Böhmen unternimmt Ottokar II. Premysl, zwei Kreuzzüge (1254/55,1267/68) zur Unterstützung des Deutschen Ordens, die heidnischen Pruzzen in Ostpreußen zu missionieren, wobei viele steirische Adelige in der Hochwasser führenden Weichsel umkommen und dadurch ein Aufstand gegen ihn ausbricht. Ottokar greift hart durch und nimmt sechs Adelige, darunter Ulrich von Liechtenstein und die Wildoner Brüder Herrand II. und Hartnid III., auf der mährischen Festung Eichhorn fest und lässt sie erst wieder frei, nachdem ihm die Burgen Eppenstein, Gleichenberg und Primaresburg bei Köflach) zur Zerstörung ausgeliefert wurden. 1268  

Als Gefolgsmann Herzog Friedrichs des Streitbaren regiert Otto II. von Haslau während dessen Abwesenheit die Steiermark und scheint iIn den Jahren 1269 und 1270 auch als Landeshauptmann auf.

Erstmalig urkundliche Erwähnung des Uhrturmes.

1269 Otto II. von Haslau Uhrturm

Am rechten Murufer gibt es die Pfarre St. Andrä.

1270 Andräkirche Andräkirche
König Přemysl Ottokar II. ernennt Ulrich I. von Liechtenstein aufgrund seiner Verdienste zum Marschall und Landrichter der Steiermark. 1272  

Graz wird in einer Urkunde als „civitas Styriae“, Hauptstadt des Landes bezeichnet.

Der Seckauer Bischof Wernhard von Marsbach (1268-83) kauft das Bischofshaus in Graz, welches sein Nachfolger Bischof Leopold I. (1283-91) mit einer Kapelle ausbaut.

1274 Wernhard Leopold I.

Für die St. Ägidi-Pfarre in Graz ausdrücklich das Begräbnisrecht bezeugt: „apud Graetz in cymiterio sancti Egidii“.

Milota von Dedic wird von König Ottokar II. mit dem Auftrag zum "capitaneus Styria" ernannt, den gegen ihn aufständischen steirischen Adel durch schonungslose und brutale Kriegsführung niederzuwerfen. Er lässt Wege und Straßen abriegeln und das Gepäck von Reisenden untersuchen. Gleichzeitig setzt Ottokar Bischof Wernhard von Seckau als Vositzenden des Schiedsgerichtes gegen den mit Rudolf I. von Habsburg konspirierenden Salzburger Erzbischof Friedrich von Walchen ein.

1275  

Graf Meinhard IV./II. (1238-95) von Görz-Tirol besetzt besetzt als Bundesgenosse von Rudolf I. Kärnten, Krain und die Steiermark. Die steirischen Adeligen beginnen die böhmischen Besatzungstruppen zu vertreiben: Dietmar von Gaal erobert die Veste Wasserberg, Herrand von Wildon die Burg Eppenstein, sein Bruder Hartnid die Burg Neuwildon und Graf Heinrich von Pfannberg die Stadt Judenburg.

Der steirische Ministeriale und Minnesänger Herrand II. von Wildonie (1245 bis 1278) aus der Adelsfamilie der Herren von Wildon und Schwiegersohn Ulrichs I. von Liechtenstein ("Her Uolrich von Liechtenstein, der ie in ritters eren schein, seit mir ditze maere...") unterzeichnet mit einer Reihe von steirischen und Kärntner Adeligen am 19. September 1276 den "Reiner Schwur", einen historischen Eid im Sift Rein, in welchem dem römisch-deutschen König Rudolf I. die Treue gelobt und damit das Ende der Herrschaft des böhmischen Königs Přemysl Ottokar II. über Österreich vorbereitet wird. Seine Verserzählungen „Der nackte Kaiser“, „Die Katze“, „Die treue Gattin“ und „Der betrogene Gatte“ werden ins Ambraser Heldenbuch von Kaiser Maximilian aufgenommen und finden weite Verbreitung. Herrands Bruder Hardnid III. erhält das Marschallamt von Steier.

Ältester deutschsprachiger Grabstein eines Ulrich von Liechtenstein in der von seinem Onkel, dem Minnesänger Ulrich I., erbauten Burgkapelle St. Jakob auf der Frauenburg bei Unzmarkt: "Hic leit Uolrich dises houses relitter erbe".

Stadtrichter ist Bürger Volkmar von Graz aus der Familie der Walker..

1276 Meinhard II. Wasserberg Wasserberg Herrand II. Volkmar
Frauenburg Jakobskapelle

Im Streit um die Reichsgüter wird König Ottokar II. Přemysl in der Entscheidungsschlacht bei Dürnkrug auf dem Marchfeld besiegt und auf der Flucht aus Rache vom Steirer Seifried von Mahrenberg getötet ("König Ottokars Glück und Ende"), nachdem er diesen vorher in Prag grausam foltern ließ. Mit diesem Sieg wird der deutsche König Rudolph I. von Habsburg (1.5.1218 bis 15.7.1291) sowohl Herrscher von Böhmen und Mähren, als auch über die Herzogtümer Kärnten, Steiermark und Österreich sowie die Markgrafschaft Krain. Aufgrund dieses Sieges wird 1280 von König Rudolph den Steirern das Ehrenrecht des Vorstreites sowie das Tragen der Reichssturmfahne zuerkannt: "Der sterische Adel hat unter denen Nationen und Landen, so unter dem österreichischen Namen begrieffen, den vorzug, in Schlachten fur anderen den angrieff zu thun."

In einer Urkunde vom 14.März 1278 gestattet Rudolph dem Deutschen Ritterorden der Kirche St. Kunigund am Leech bei Bairisch-Grätz ein Schulhaus zu errichten und gibt ihm das Aufsichtsrecht über alle Grazer Schulen.

1278

Premysl Marchfeld Rudolph I. Leechkirche

Rudolph I. von Habsburg kommt mit großem Gefolge von Wien nach Graz, wo er am 2. Oktober Gerichtstag hält und den Finanzberater seines Sohnes Albrecht I., den Admonter Abt Heinrich II., zum "scriba Stirie" (Landschreiber) ernennt. Dieser lässt 1280 an der Nordwest-Ecke der mittelalterlichen Grazer Stadtmauer den "Admonterhof" errichten, der fortan den Benediktinermönchen als Absteige und Wohnstätte dient. Im Zuge der Errichtung der Stadtbefestigung durch den Festungsbaumeister Domenico dell’Allio erfolgt ab 1555 eine sukzessive Neugestaltung: Es kommt eine Waffenkammer hinzu, West- und Osttrakt werden aufgestockt, ein Refektorium, zwei Schlafsäle und zwei Studierkammern eingerichtet und schließlich unter Abt Matthäus Offner (1751–1779) Rokoko-Prunkräume geschaffen.

1279

Heinrich.II. Admonterhof Admonterhof

Ende Mai 1281 setzt Rudolf I. seinen in Rheinfelden geborenen ältesten Sohn Albrecht I.  (* 1255, +1308) als Reichsverweser in Österreich und der Steiermark ein.

"Vor dem Rathaus stund das von Ottokar dem III. dieses Namens und ersten Markgrafen in Steyer 1074 eingeführte Schrannengericht oder der jetzt sogenannte Magistrat mit seiner roten Blutfahne und in schwarzen Sammt gewickelten Gerichtsschwert, auf dem Platz selbst aber hielt die gesamte Bürgerschaft unter Anführung des Bürgermeisters eine wohlgeordnete militärische Parade, jeder war mit einem Wurfspieß, Schwert und Schild bewaffnet ...", so wird der Aufzug der wehrhaften Grazer Bürgerschaft im Jahr 1281 bei der Huldigung von König Rudolf I. von Habsburg anlässlich seines Besuches in Graz geschildert. Die Aufgabe des dabei erstmals urkundlich erwähnten Grazer Bürgerkorps besteht in der Bewachung der Stadt und ihrer Tore in Friedenszeiten sowie ihre Verteidigung in Not- und Kriegszeiten.
Im Zuge seines Besuches erlaubt König Rudolfs I. unter dem Leitgedanke, den ungarischen Handel vornehmlich für Graz zu sichern, den Grazern durch ein Privileg, in jeder beliebigen Stadt kein Mautgeld für ihre Waren zu bezahlen, sofern sie dieser Stadt das gleiche Recht in Graz zubilligen. Zu Gunsten Wiens hob Rudolf I. 1302 diese Mautbegünstigung wieder auf. Auch das Niederlagerecht, das Graz schon seit den Babenbergern ausübt, wird von Rudolph I. bestätigt: Jeder Kaufmann, der das Murtal zu Wasser oder Lande entlang fährt, muss in Graz seine Waren auslegen; er darf sich allerdings nicht länger als 1 Nacht aufhalten. Fährt ein Kaufmann ohne Aufenthalt an Graz vorbei, so verfällt sein ganzer Besitz der Stadt.

1281

Rudolph I. Albrecht I. 27.2.1281 Bürgerrechte

Rudolph I. von Habsburg belehnt am Reichstag zu Augsburg seine beiden Söhne, Albrecht I. (1255-1308) und Rudolph II. (1271-1290), zu gemeinsamen Reichsverwesern in Österreich, Steiermark und der Windischen Mark. Kärnten geht an Meinhard II. von Görz-Tirol.

Ritter Otto II. von Lichtenstein, der Sohn des Minnesängers Ulrich I. von Lichtenstein, wird als Landeshauptmann eingesetzt.

1282 Herzog Albrecht I. + Rudolph II. Rudolph I. Albrecht I. Rudolf II. Meinhard II.
Heinrich II., Abt des Stiftes Admont, wird Landeshauptmann der Steiermark und Minister des Habsburger Herzogs Albrecht I (1282-1298)., welcher über die Steiermark herrscht. Von diesem erhält er 200 Mark als Geschenk, womit er Güter in Marburg, Friesach und in der Ramsau erwirbt. Auch lässt den Chor des Münsters Admont neu erbauen.

1285

Heinrich II.

Leopold I. wird 1283 in Salzburg zum Bischof des Bistums Seckau geweiht und 1286 auf Vorschlag von Meinhard II. zum Landeshauptmann ernannt. Er verfügt über hohen politischen Einfluss und vertritt zumeist die Interessen des steirischen Adels gegen Herzog Albrecht. Am 2. Jänner 1287 weiht Leopold I. die Johanneskapelle im Grazer Bischofshof; es ist die älteste bezeugte Kirchweihe in der steirischen Landeshauptstadt, wovon auch die ältesten Grazer Fresken zeugen.

1287

Leopold I. BischofhofBischofhof

Weil Herzog Albrecht I. vom Salzburger Erzstift Dienstleute abgeworben hat, lässt der Erzbischof von Salzburg, Rudolf I. von Hoheneck, Albrechts Länder bannen und fällt im Winter 1289/90 ins steirische Ennstal ein und zerstört die Ennsburg. Der steirische Herzog ist aber militärisch stärker und so muss sich Erzbischof Rudolf geschlagen geben und am 11. Januar 1290 einem Frieden zustimmen. 1289  

Konrad IV. von Fohnsdorf, der Bischof von Lavant, wird gegen den Günstling Herzog Albrechts I. von Österreich, Abt Heinrich von Admont, vom Papst zum Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Rudolf I. von Salzburg bestellt. Er errichtet am rechten Salzach-Ufer ein Kastell und verbündet sich zur Waffengemeinschaft mit den steirischen Adeligen, dem Deutschlandsberger Bund, welche unter der Führung von Hartnid III. von Wildonie gegen den Landverweser Abt Heinrich von Admont zu Felde ziehen, weil Herzog Albrecht I. ihnen nicht ihre Landesfreiheiten bestätigt hatte. Sie erleiden eine verheerende Niederlage und Herzog Albrecht lässt Hartnid daraufhin in der Burg Wildon gefangen nehmen und zwingt ihn am 5. Dezember 1292 am Landtaiding zu Feldkirchen bei Graz die Burg Wildon und das Schloss Eibiswald zu verkaufen und zukünftig dem Landesfürsten als Marschall treu zu dienen. Damit geht die Stammburg der Wildonier verloren und ihr Geschlecht verliert seine Bedeutung. Erzbischof Konrad von Salzburg, der seinen Verwandten, den aus einem obersteirischen Rittergeschlecht stammenden Heinrich II. als neuen Bischof von Seckau einsetzt, liefert sich mit Herzog Albrecht um die Salzpfannen in Gosau weiter einen erbitterten Kampf.

1292 Bischof Heinrich II.
Beim endlichen Friedensschluss zwischen Herzog Albrecht I. und dem Salzburger Erzbischof Konrad von Fohnsdorf am 24. September 1297 in Wien wird Ulrich II. von Paldau zum neuen Bischof von Seckau ernannt.   Bischof Ulrich II.
Herzog Rudolph III. (1282-1306), wird 1298 am Reichstag zu Nürnberg gemeinsam mit seinen Brüdern Friedrich dem Schönen und Leopold dem Glorwürdigen mit den Ländern Österreich und Steiermark belehnt und übernimmt 16-jährig als Älterster die Regierung. 1298 Herzog Rudolf III.
Einer der Herren vonh Walsee, Ulrich I. von Walsee, ist ab 1299 Landeshauptmann der Steiermark. 1299 UlrichI.
Rudolph III. erlässt am 4. Juli 1302 das Grazer Stadtprivileg. 1302 Graz Stadtprivileg
Friedrich der Schöne (1289-1330) übernimmt nach dem Tod seines älteren Bruders Rudolf III. (1307) und der Ermordung seines Vaters Herzog Albrecht I. (1308) gemeinsam mit seinem Bruder Leopold I., dem Glorwürdigen (1290-1326), als Friedrich III. die Regierung des Herzogtums Österreich und als Friedrich I. die Regentschaft in die Steiermark.

Landeshauptmann Ulrich von Wallsee stiftet vor der Stadt am Grillbühel (am heutigen Platz der Alten Technik) ein Dominikanertinnenkloster.

1308

Herzog Friedrich I. Leopold I. Dominikanerinnen

Herzog Friedrich der Schöne regelt durch sein am 14. März erlassenes "Verlagsrecht für Eisen" den Abbau und die Weiterverarbeitung des Roheisens auf dem Erzberg: Die Ebenhöhe, eine theoretisch gezogene Trennlinie in 1186 m Höhe, bestimmt, dass der obere Teil des Erzberges vom "vor dem Berg liegenden" Vordernberg erschlossen wird, der untere Teil dagegen von Innerberg (Eisenerz) aus. Der Weitertransport des Erzes erfolgt auf dem Wasserweg mittels Flößen. Für die Talfahrt zum Haupt-Eisenumschlagplatz der Grazer Vorstädte Lend und Gries, benötigt man ca. 14 Tage. Retour werden die mit Wein, Getreide und Honig beladenen Schiffe auf sogenannten Treppelwegen von bis zu 16 Pferden wieder flussaufwärts gezogen.

Der Franziskanermönch Odorich von Portenau (Odorico da Pordenone) bricht von Venedig aus zu einer zwölfjährigen Missionsreise auf, die ihn über die Türkei, Indien, Ceylon, Sumatra, Java, Borneo und Indochina nach Khanbaliq (Peking) führt, wo er sich 3 Jahre bei Erzbischof Johannes von Montecorvino aufhält. Über Tibet, Zentralasien, Persien und Palästina kehrt er nach Europa zurück und verfasst den Reisebericht „Itinerarium Fratris Odorici de Foro Julii, Ordinis Fratrum Minorum, de mirabilibus Orientalium Tartarum“ („wunderliche Geschichten aus dem Reich der Tataren die ich mit eigenen Augen gesehen in den Landen da ich inn gewesen“).

1314 Erzberg Erzberg Flößer
Odorich OdorichOdorich
Der steirische Chronist "Ottokar aus der Gaal" mit dem Beinamen "von Horeck", Dienstmann Ott II. von Liechtenstein (Sohn des Dichters Ulrich I. von Liechtenstein), beschreibt in seinem fast 100000 Verse umfassenden Geschichtswerk "Chronico Austriaco" bei der Schilderung der Schlacht von Kressenbrunn erstmals das Wappen der Steiermark: "... ein banier grüene als ein gras, darin ein pantel swebte blanc, asl ob ez lebte ...". Es ist dies die erste urkundliche Erwähnung des steirischen Wappens.
Aus seiner Hand stammt auch das Heldenepos von König Biterolf von Toledo und seinem Sohn Dietleib, die an König Etzels Hof kommen und diesem im Krieg gegen die Preußen helfen und als Dank dafür von Etzel die Steiermark als Lehen bekommen.
1315

 

 

Bischof Wocho (1317-1334) wird Bischof von Seckau. Sein Fresko in der Pfarrkirche von Pürgg ist die früheste bildliche Darstellung, seine Grabstätte in der Seckauer Kathedrale das älteste Grabdenkmal eines Seckauer Bischofs. 1317 Bischof WochoBischof Wocho

In der Murvorstadt bei der Papiermühle am Mühlgang, am Eck der heutigen Annenstraße/Elisabethinergasse, stiften die Eppensteiner aus Judenburg ein Hospiz mit dem Namen "hospital ad sanctum spiritum" (auch "Spittel in der Au" oder "Spital zu St. Andrä", später "Bürgerspital"), das älteste Krankenhaus von Graz, zur Aufnahme von Kranken, Siechern, Waisen, Witwen, Wallfahrern und verwahrlosten Kindern.
Die dazu gehörige Bürgerspitalskirche "Zum heiligen Geist" wird 1461mit finanzieller Förderung Kaiser Friedrichs III. nach Plänen von Josef Carlone neu erbaut und gehört heute der Stadt Graz.
Aufgrund einer Schenkung Philipps von Geras 1630 können die Spitalsgründe bis zur Papiermühle am rechtseitigen Mühlgang erweitert werden.

1320

Bürgerspital Bürgerspital Buergerspitalskirche

Gründung der Katharinenkapelle (heute Mausoleum) bei der St. Egidykirche durch Vorfahren des Grazer Bürgers Jakob Gruedl, die als caranrium (Beinhaus oder Karner) dient. 1325  
Albrecht II., der Weise (1298-1358), und sein Bruder Otto IV., der Fröhliche (1301-1339), regieren gemeinsam die Herzogtümer Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Albert II. verdankt die Steiermark mit dem sogenannten "Bergbüchel" ihre Verfassung. Otto IV. lässt sich als erster Habsburger nach altem Brauch in slowenische Sprache auf dem "Fürstenstein" am Zollfeld in Kärnten als Herzog einsetzen und stiftet als Gelöbnis für die Geburt seines ersten Sohnes Friedrich II. das Kloster Neuberg in der Steiermark. 1330 Albrecht II. Otto d. Fröhliche Fuerstenstein
Heinrich von Burghausen, der In Bologna studiert und dort Prokurator der deutschen Nation ist, wird 1334 durch den Salzburger Erzbischof Friedrich von Leibnitz, mit dem er freundschaftliche Beziehungen pflegt, zum Bischof von Seckau ernannt. Nach nur dreijähriger Regierung stirbt er im Jahr 1337. 1334 Bischof Heinrich III. von Burghausen

Rudolf von Walsee wird Landeshauptmann, Rudmar von Hader, zuvor Kanzler der erzbischöflichen Kanzlei in Salzburg, wird neuer Bischof von Seckau. Er lässt den Seckauer Dom und Schloss Leibnitz ausbauen.

Mit der Erweiterung der Grazer Befestigungsanlagen Richtung Osten kommen auch die landesfürstlichen Gründe samt Schreibhof und der Pfarrkiche St. Ägydius innerhalb der Stadtmauern zu liegen.
Der Erste Sack zwischen Mur und Schloßberg wird durch das Sacktor abgeschlossen.

1337 Bischof Rudmar
Die erste farbige Darstellung des weißen steirischen Panthers mit roten Krallen auf grünem Schild und rote Flammen aus seinem Rachen und Glied sprühend ist auf der Züricher Wappenrolle zu sehen. 1340 Züricher.Wappenrolle

Neben der Ägidiuskirche und dem Pfarrhof in der Pfaffenstraße (Burggasse) entsteht das Tor („desselben meiner kirchen gelegen an dem tor gegen Grecz, der von alter zu derselben meiner kirchen gehort hat“) gegen die Grätz (Grazbach).
Für die "strata vngarica" taucht erstmals der Name "Sporergasse" nach den Sporenmachern auf.

Im Zentrum des Marktplatzes befindet sich ein Brunnen sowie ein Pranger, ein eiserner Narrenkäfig und ein hölzerner Esel.

1346

 

 

Albrecht II. erlässt bezüglich seiner Nachfolge die habsburgische Hausordnung, wonach seine Söhne gemeinsam und gleichberechtigt die Regierungsgeschäfte führen sollten.

Ulrich III. von Weißeneck (1355-72), wird von seinem Bruder Erzbischof Ortolf von Salzburg ohne Wissen des Papstes zum Bischof von Gurk geweiht. Papst Clemens VI. jedoch ernennt auf Betreiben des ungarischen Königs Ludwig Paul von Jägerndorf zum Gurker Bischof. Erst nach dem Tod des Seckauer Bischofs Rudmar von Hader wird Ulrich durch Papst Innozenz VI. am 30. Oktober 1355 zu dessen Nachfolger bestimmt.

Die Stadtmauer von Graz wird knapp oberhalb der St. Pauluskapelle "auf der Stiege" unter dem Burgberg (in der Gegend des späteren Palais Saurau) durch das innere Paulustor durchbrochen. Die Ägydikirche liegt außerhalb dieser ältesten Ummauerung. Ein weiteres Stadttor in der Nähe des heutigen Priesterseminares führt den Namen St. Gilgenthor. Von dort führt die Mauer über die Enge Gasse, dann südlich der Stempfergasse und nördlich der Jungferngasse in einem Bogen zum Minoritenkloster (Franziskanerkloster).

1355

Bischof Ulrich III. Inneres Paulustor

Herzog Albrecht II. (1330-1358) der Weise verfügt zur Hebung des Stadthandels für Graz die Bannmeile: Innerhalb einer Meile um die Stadt darf kein Markt abgehalten bzw. keiner der meist aus Italien oder Süddeutschland kommenden, ausländischen Händler etwas verkaufen. Ihm verdankt die Steiermark auch ihre erste Verfassung, das so genannte Bergbüchel. Er lässt auch die erste Goldmünze, den "Judenburger Golddukaten" prägen. 1357

Herzog Albrecht II. Goldgulden

Nach dem Tod Herzog Albrecht II. 1358 übernimmt für seine drei minderjährigen Söhne kurzfirstig Rudolf IV. der Stifter (1339-65) allein die Regierung, welcher mit der gefältschten Urkunde des "Privilegiums Maius" den Habsburgern den Titel von "Erzherzögen" und - in Anspielung auf die Reichskrone - das Tragen der Zackenkrone statt des Herzogshutes ermöglicht.

1358 Rudolf IV. Privilegium maius privilegium maius

Der Herzoghof (auch „Gemaltes Haus“ genannt) in der Herrengasse 3 dient ursprünglich den steirischen Herzöge zur Lehensvergabe an ihre Untertanen. Herzog Rudolf IV., der vom 27. Jänner bis zum 26. Februar das erste Mal in Graz weilt und prunkvoll gehuldigt wird, erteilt Hans den Paur, dem Verwalter des Lehenshofes, die Steuerfreiheit, doch muss dieser dafür, wenn der Herzog in Graz weilt, den „fürstlichen stul“ aufrichten. Später wird das Haus als Wohnsitz für Erzherzog Maximilian Ernst von Österreich adaptiert, durch Pietro de Pomis 1610 mit Fresken versehenen und im Hof eine Druckerei eingerichtet.

Rudolph IV. führt auch das „Umgeld“ ein, eine 10prozentige Abgabe auf alle in Gasthäusern ausgeschenkten Getränke.

1360 Herzogshof

Erste Erwähnung eines ersten hölzernen Brückenbaues über die Mur für die in Wetzelsdorf von der Römerstraße abzweigende Handelsstraße Richtung Osten nach Savaria (Steinamanger), von der in der Sporgasse (Name aufgrund der hier angesiedelten Sporenschmiede) auch ein weiterer Seitenarm über die Hofgasse in den Raum von Gleidorf wegführt.

Stadtrichter ist Hermann von Windischgrätz.

1361 Murbrücke Hermann von Windischgrätz
1364 erlässt Rudolf IV. die Rudolfinische Hausordnung, wonach die habsburgischen Länder gemeinsamer Besitz aller Brüder sind. 1364  

Als Rudolf IV. überraschend 26-jährig in Mailand stirbt, teilen sich seine beiden Brüder Albrecht III. mit dem Zopf (1349-95) und Leopold III. der Gerechte (1351-86) bis 1379 gemeinsam die Regierungsgeschäfte von Österreich und der Steiermark.

Leopold III., der Gerechte, heiratet 1365 in Wien die Mailänder Herzogstochter Viridis Visconti.

Albrecht III. gründet, um sich gegen das erstarkende Bürgertum eine Elite zu schaffen, eine Rittergesellschaft, den "Orden vom Zopf". Den Orden, eine goldene Zopf-Kollane mit einer in einer Kapsel eingelegten Haarlocke, die der Haarpracht seiner Gemahlin Beatrix von Zollern nachempfunden ist, bekommen Adelige von ehelicher Geburt und katholischem Glauben als Zeichren der Verbundenheit.

1365 Leopold III. Albrecht III.ZopfordenBeatrix Albrecht III.
Der Augustinermönch Augustin Münzmeister aus der oberbadischen Stadt Breisach, der bei der Kurie in Avignon hohes Ansehen genießt, wird von Papst Gregor XI. persönlich in Avignon zum Bischof von Seckau (1372-80) ernannt. Er verlegt gegen große Widerstände den Bischofssitz nach Graz.

Zur Begünstigung des Handels in den Städten verbietet Herzog Albrecht III. für fremde Händler den Kleinhandel. Gäste und Krämer, die die Städte zu Kirchweihfesten und an Markttagen besuchen, dürfen ihre Tuchwaren nur in ganzen Stücken verkaufen.
1372 Bischof Augustin Münzmeister von Breisach Andritz
Erstmals wird ein "Stadthaus" von Graz erwähnt. 1375  

Nachdem der Papst mehrfach zum Kreuzzug gegen die letzten heidnisch gebliebenen Völker aufruft, nimmt der Deutsche Orden den Kampf gegen die heidnischen Pruzzen auf und bringt gegen Ende des 13. Jahrhunderts fast die gesamte Küste des Baltikums unter seine Kontrolle. Auch der österreichische Herzog Albrecht III. begibt sich, begleitet von Hugo von Montfort und Oswald von Wolkenstein, 1377 mit 150 Mann auf eine Preußenfahrt: "Das Heer zog durch das Niemandsland über Insterburg an die Scheschupe. Dort erblickten sie vier Brücken geschlagen. Die Schiffer trafen ein, die Ruderer scheuten keine Mühe. Von mittags bis abends waren an 30 000 Mann mit 610 Schiffen anwesend. Drei Pferde und ein Knecht ertranken. Dieses Heer brachte seinen Gast nach Szameiten. Eine Hochzeit fand dort statt; die Gäste kamen uneingeladen. Ein Tanz wurde mit den Heiden getreten, dass ihrer 60 tot blieben. Das Dorf wurde vom Feuer rot und die Lüfte brannten. Ich hätte nicht Bräutigam sein wollen. Was ihnen weh tat, tat uns wohl. Das Land war voll von Menschen und Gut, den Christen - ein Gewinn, den Heiden - ein Verderb, wenn man es mit der Waage des Krieges misst. Eine Lust was das! Die Heiden ließen auch nachts nicht ab mit scharfer Wehr, stachen, schlugen und schossen; sie schrien mit lauter Stimme wie die wilden Tiere. Sie erstachen Leute, schossen Pferde ab und flüchteten dann in die Moore. So trieben sie es die ganze Nacht. Als Morgen wurde, brach das Heer auf, zündete alles an, dass die Lüfte brannten. Man sah da sehr viele Frauen mit 2 Kindern an den Leib gebunden, eins vorne, eins hinten, auf einem Pferde; sie kamen ohne Sporen barfuß geritten. Die Heiden litten große Not. Man fing ihrer viele ein, band ihnen die Hände zusammen und führte sie wie die Jagdhunde."

1377 Albrecht III. Oswald von Wolkenstein

Im Zisterzienstift von Neuberg an der Mürz wird 1379 die Teilung der Ländereien des Hauses Habsburg in eine Albertinische und eine Leopoldinische Linie fixiert: Albrecht III. (1349-95) erhält das Herzogtum Österreich ob und unter der Enns sowie das Salzkammergut, sein Bruder Leopold III., der Gerechte (1.11.1351 bis 9.7.1386), die Steiermark, Wr. Neustadt mit der Grafschaft Pitten. Kärnten, Krain mit der Windischen Mark, Tirol und die Vorlande, Inneristrien, das dalmatinische Küstenland und die schwäbischen Besitzungen, den Sund- und Breisgau.

Graz wird damit Residenzstadt des innerösterreichischen Staatsgebietes der Leopoldiner. Am Markt befindet sich das Stadtrichterhaus, der Schreibhof mit dem Sitz der landesfürstlichen Verwaltung (späteres Landhaus), die Häuser des Erzbischofs von Salzburg, Graf Hermann von Cilli, sowie des Landeshauptmannes Rudolf von Walsee. Es kommt zu einem starken Ansteigen der adeligen Bewohner sowie der Juden.

1379

Neuberg an der Mürz Albrecht III. Leopold III.

Bischof Johann I. (1380-1399) entstammt dem steirischen Ministerialiengeschlecht der Burg Neuberg bei Hartberg und ist dort zunächst Pfarrer. Nach dem Tod des Seckauer Bischofs Ulrich von Weißeneck ernennt Papst Gregor XI. gegen den Wunsch des Salzburger Erzbischof Pilgrim II., seines Onkels, nicht Johann, sondern Augustin Münzmeister von Breisach zum Nachfolger, obwohl das Besetzungsrecht dem Erzbischof zusteht. Erst nach dem Tod Bischof Münzmeisters wird er am 14. April 1380 zum Seckauer Bischof geweiht. Er lässt die Burg Seggau bei Leibnitz ausbauen, wo er sich zumeist aufhält. Im großen Schisma steht Bischof Johann mit dem Salzburger Erzbischof Pilgrim II. auf Seiten Avignons.

1380 Bischof Johann von Neuberg Neuberg Neuberg
Eine Abordnung aus Triest huldigt Herzog Leopold III. in Graz und unterzeichnet am 30. September in der Herzogstube am Schloßberge einen Vertrag, in welchem sich die Hafenstadt über 600 Jahre an Österreich bindet. Die Triestiner erhoffen sich damit vor allem Hilfe gegen Venedig und die Türken sowie wirtschaftliche Verbindungen zum Hinterland. Österreich bekommt dafür im Gegenzug freien Zugang zur Adria. 1382

Herzog Leopold III.Triest

Nach dem Tod seines Vaters Leopold III. in der Schlacht bei Sempach tritt Herzog Leopold IV., der Dicke (1371-1411), anfangs unter der Vormundschaft von Albrecht III. die Nachfolge in der Steiermark an. 1386

Albrecht III.

Erste urkundliche Erwähnung des ursprünglich mittelalterlichen Wehrbaues von "Schloss Sparbersbach". Peter Rietenburger verkauft mit Erlaubnis von Herzog Albrecht III. das 8 Huben große Dorf Waltendorf und den Hof am "Sparbespahereck" an Heitlein von Liechtenstein, der es 4 Monate später dem Kloster Rein schenkt. 1389 Hallerschloss
Graz treffen schwere Handelsbeschränkungen zugunsten der Handelsstraße von Gemona über Villach, Judenburg, Bruck und den Semmering nach Wien, sodass die Grazer Handelsherren gezwungen sind, italienische Waren von Judenburg über die Stubalpe oder das Murtal zu befördern. Wie überhaupt die Mur als Transportweg besonders wichtig ist: Mur aufwärts transportieren die Saumknechte entweder auf dem Talweg längs der Mur oder zu Wasser mit Flössen oder mit von Pferden gezogenen Schiffen hauptsächlich Getreide in das eher fruchtlose steirische Oberland, Mur abwärts erfolgt der Transport des Ausseersalzes, des Eisenerzes und Holzes. Die verbotenen Straßen über den Karst sowie von Pettau über Gleisdorf und Feldbach werden unter die Aufsicht der Grazer Bürger gestellt. 1393 Bergbau

Rudolf von Perneck von 1394 bis 1395 Landeshauptmann.

In der Steiermark und Kärnten wütet der "Schwarze Tod", der aus Italien eingeschleppt wird: "Da kam ein großer Sterb in Wallischen Landen und in Puln. Do werden stet und Märkte oed von dem sterben, und ze Venedig wart auch der sterb so groß dass chein kaufmann dahindorft, und fluhen alle heraus, doch beliben der Teutschen vil tod darin. Das gie heraus untz gen Judenburg und überall gen Kernden und Steier und gen Oesterreich, das in dy Lewt in der offen puess überall".

1394  
Nach dem Tod Albrechts III. einigen sich im Vertrag von Hollenburg an der Donau am 22. November 1395 die Nachkommen der albertinischen und leopoldinischen Linie bezüglich der Länderaufteilung: Wilhelm der Ehrgeizige (1370-1406) regiert Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain sowie die Küstenlande), Albrecht IV. der Geduldige (1377-1404) Österreich sowie Leopold IV. der Dicke (1371-1411) Tirol und die Vorlande. 1395 Wilhelm der Ehrgeizige Albrecht IV.
1396–1398 Landeshauptmann Johann von Stadleck, der einen Zehenten für die Pfarrkirche St. Veit am Aigen „gelegen ob Grecz auf der gegent an der Endricz“ stiftet, damit alle Sonntage „vmb mich vnd vmb all mein vadern mit namen“ gebetet werde. 1396 Johann von Stadeck St. Veit

Herzog Wilhelm von Habsburg kauft mehrere Häuser und Gärten im Bereich des Meierhofes (Freiheitsplatz).

Existenz einer Judenschule und einer bürgerlichen Stadtschule.

Friedrich von Perneck entstammt wie sein Bruder Eckhart (Bischof von Chiemsee) und sein Verwandter Rudolf (steirischer Landeshauptmann 1394-95) dem steirischen Rittergeschlecht der Herren aus Pernegg bei Bruck an der Mur. Noch zu Lebzeiten des kränkelnden Seckauer Bischofs Johann von Neuberg wird Friedrich 1399 zu dessen Nachfolger bestimmt.

1399 Bischof Friedrich von Perneck
Ein Fresko in der Burg Runkelstein bei Bozen zeigt den ältesten namentlich bekannten steirischen Herrscher: Dietleib von Steier mit seinem Schwert Welsung. Dietleib ist einer der 12 Recken Dietrichs von Bern (hinter Dietrich von Berona = Verona verbirgt sich die historische Figur des Ostgotenkönigs Theoderich), mit dem er den Zwergenkönig Laurin besiegt und seine, von diesem entführte und im Rosengarten gefangen gehaltene Schwester Künhilde befreit. Gemeinsam mit Dietrich von Berona, Waffenmeister Hildebrand, Rüdiger von Bechelaren und seinem Vater Biterof von Toledo unterstützt er König Etzel bei seinen Kämpfen und erhält dafür von diesem das Land Steier, wo er die "Styraburg" errichtet. 1400 Dietleib.v.Steier Rosengarten

Das alte Grazer Pfarrhaus wird abgerissen und in der Nähe des Hauses der Windischgrazer durch Pfarrer Ludwig von Talheim der neue Pfarrhof erbaut.

Der Grazer Bürger Niclas Eßl stiftet das Bürgerspital mit einer Kirche zum Hl. Geist in der Murvorstadt. In einer Originalurkunde des Heiligengeistspitales wird St. Andrä als Pfarrkirche erwähnt.

Erste Erwähnung eines "Ganges", der späteren beiden Mühlgänge, die aus Seitenarmen der Mur in Weinzödl ihren Ausgang nehmen und - der linksseitige beim dritten Sacktor, der rechte nach 30 km bei Werndorf - wieder in die Mur münden. Sie dienen zur wirtschaftlichen Nutzung der Wasserkraft für Mühlen (Stadtmühle), Färbereien, Papierfabriken sowie Leder- und Gerberbetriebe.

1401 Mühlgang Mühlgang

Am 30. September 1402 legen Herzog Wilhelm der Ehrgeizige (1370-1406) und Herzog Leopold IV. der Dicke (1371-1411) im Vertrag von Bruck/Mur die Anteile an der Regierung mit ihren jüngeren Brüdern fest: Wilhelm und Herzog Ernst der Eiserne bekommen Innerösterreich, während Leopold IV. und Friedrich IV. mit der leeren Tasche Tirol und Vorderösterreich zugesprochen werden.

Herzog Wilhelm der Ehrgeizige reist durch Graz nach Laibach, um seine Braut Johanna von Neapel nach Wien zu führen.

Die Adeligen Conrad und Andreas Breuner aus Prein an der Rax lassen sich in der Steiermark nieder: Andreas (1370-1421) ehelicht Elisabeth Gleinitz von Gleinstetten und wird Landesverweser.

1402 Wilhelm der Ehrgeizige
Der in Bruck/Mur geborene Herzog Ernst der Eiserne (1377-1424) aus dem Geschlecht der Habsburger übernimmt nach dem Tod seines ältesten Bruders Wilhelm von Steiermark die Herrschaft über die Herzogtümer Steiermark, Kärnten und Krain mit der Hauptstadt Graz. In erster Ehe ist er mit Prinzessin Margarethe von Pommern (1392-1407), nach deren Tod mit Prinzessin Cymburgis von Masowien verheiratet. Er verfügt über so gewaltige Kräfte, dass er mit bloßen Händen ein eisernes Hufeisen zerbrechen kann. Gleichzeitig übernimmt er die Vormundschaft für den noch minderjährigen Albrecht V. in Ungarn und Böhmen, während sein einer Bruder, Leopold IV., Regent von Österreich und sein anderer, Friedrich IV. mit der leeren Tasche (1382-1439), Herzog in Tirol werden.

1406

Ernst.der.Eiserne Herzoghut Ernst d. Eiserne Friedrich IV.

Friedrich von Fladnitz aus dem ehemaligen ritterlichen Dienstmannengeschlecht der Herren von Stubenberg wird am 13. Jänner 1408 Landeshauptmann der Steiermark und erwirbt als Grazer Wohnsitz vom Bürger Eustachius Esel einen Hof "gelegen an der Tratten vor der Stat zu Gretz" (Adolf-Kolping-Gasse), der dem deutschen Ritterorden zinspflichtig ist. Später dient er dann dem Grazer Burggrafen Karl Scarlich als „Scarlichhof“, 1623 einem Jacob Castell als „Kastellhof“ und schließlich 1849 dem Tabakverleger Georg Schwarz als "Pfeifenschlössl" zur Unterkunft. 1408

Friedrich von Fladnitz Hof von Tratten Kastellhof

In Andritz werden Mühlen am Andritzbach erwähnt, der am Fuße einer Felswand aus einem Quellteich entspringt und angeblich durch das Wasser des Schöckls über unterirdische Gänge gespeist wird. Der Sage nach lebte im Teich eine Nixe, die erzählte, dass der nahe Hohenberg wegen seines Goldschatzes eigentlich Reichenberg heissen müsse; und tatsächlich sollen schon die Römer dort nach Eisen geschürft haben.

1410 Andritz-Ursprung Andritz-Ursprung Andritz-Ursprung

Nach dem Tod von Herzog Leopold IV. kommt es mit seinem Bruder Herzog Friedrich IV. zu einer Einigung: Herzog Ernst regiert Innerösterreich mit der Hauptstadt Graz, Herzog Friedrich IV. Tirol und Vorarlberg mit der Hauptstadt Innsbruck.

Herzog Ernst sorgt durch einen Erlass für die Offenhaltung des Wasserweges auf der Mur.

1411  

1412 heiratet Herzog Ernst der Eiserne die polnische Prinzessin Cimburgis von Masowien, die wegen ihrer außergewöhnlichen Körperkraft ihrem Gatten ebenbürtig ist; so kann sie eine ganze Ladung Heufuder stemmen oder mit bloßen Händen Eisennägel aus der Wand ziehen. Von ihr stammt auch das hervorstechende Kennzeichen der Dynastie, die berühmte Habsburgerlippe. Gemeinsam haben sie 9 Kinder, darunter der spätere Kaiser Friedrich III.

Am 28. Mai sendet Herzog Ernst der Eiserne an den Burgpfleger von Gösting, Kaspar Saurer, ein Ladschreiben für die Landstände ("an all graffen, herren, ritter, knecht, stet vnd maerkt in Steyr"): Erster steirischer Landtag.

1412 Herzog Ernst der Eiserne Cimburgis Herzog Ernst Herzog Ernst
Graf Hugo von Montfort (1357-1423) aus Bregenz, erwirbt durch seine Heirat mit Gräfin Margarete d. J.,der Erbtochter des Hauses Pfannberg, große Besitzungen bei Frohnleiten und Peggau. Nach deren und dem Tod seiner zweiten Frau Clementina ehelicht er die Witwe des steirischen Landeshauptmanns Johann von Stadeck, Anna von Neuhaus, und erbt weitere große Besitzungen bei Graz. In Diensten von Herzog Albrecht III. begleitet er diesen bei seinem Kreuzzug gegen die heidnischen Litauer und dient dann Herzog Wilhelm und Herzog Ernst dem Eisernen, wobei ihn Letzterer am 24. April 1413 zum Landeshauptmann der Steiermark ernennt. Hugo gilt mit seinen 40 Gedichten, Lieder, Reden und Briefen aber auch als letzter höfischer Minnesänger. In einer Strophe schreibt er über die Steiermark:"Ich schrib dir gerne clouge wort, so hast du min hertz gefangen, min lieber boul, min hoechster hort! du hast in dinen banden. Von gold ein ketten die ist vin, damit hast du es beschlossen: din eigen wil es iemer sin, des ist es unverdrossen." 1413 Montfort Montfort Pfannberg Montfort Montfort

Ernst der Eiserne lässt sich am 18. März 1414 als letzter Habsburger nach alter Tradition auf dem Fürstenstein in Karnburg in windischer Sprache als Herzog einsetzen und trägt ab diesem Zeitpunkt als Erster den von Rudolph IV. erfundenen Titel eines "Erzherzogs". Im Herbst unternimmt er eine Reise nach Palästina.

Sein Bruder Friedrich IV. mit der leeren Tasche verleiht den Grazer Bürgern zu Philipp und Jakobi (1.Mai) den zweiten großen Jahrmarkt, dem sich der Mittfastenmarkt,  der Portiunkulamarkt und der Andrämarkt  als weitere große Grazer Jahrmärkten dazu gesellen.
Diese Jahrmärkte sind nicht nur wegen ihres günstigen Warenangebotes, sondern auch wegen der dargebotenen Unterhaltungsmöglichkeiten beliebter Anziehungspunkt sowohl für die Grazer Bürger, wie auch für die Händler aus ganz Europa.

Sigmar aus dem Ministerialiengeschlecht derer von Holleneck mit ihrem Stammsitz auf Schloss Holleneck in der Weststeiermark wird 1414 durch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus zum Bischof von Seckau ernannt. Im selben Jahr wird er Kaplan von Herzog Ernst. Als Begleiter des Erzbischofs nimmt er am Konstanzer Konzil teil.

1414 Erzherzog Ernst I. KarnburgFuerstenstein Friedrich IV. Bischof Sigmar von Holleneck
Ulrich IV. von Albeck wird auf Fürsprache von König Sigismund durch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus am 23. Juli 1417 zum Bischof von Seckau ernannt. Aufgrund seiner hervorragenden Bildung spielt er für Papst und König eine bedeutende Vermittlerrolle. 1424 wird er in die Gebetsbruderschaft des Stiftes Rein aufgenommen. Auf der Reise nach Rom zu seiner Ernennung zum Kardinal durch Papst Eugen IV. erkrankt er in Padua und verstirbt am 12. Dezember 1431. 1417 Bischof Ulrich IV. von Albeck

Stadtrichter ist Niklas Töldel.

Die Ungarn fallen das erste Mal ein und verheeren die Oststeiermark.

1418

Niklas von Töldel

Erste bildliche Darstellung von Graz mit dem Uhrturm und der Paulus- (Stiegen-) und Ägidiuskirche (Dom) in einem Weihnachtsbildchen aus dem Codex Runensis 100 Antiphonale Cisterciense in Rein durch Heinrich Aurhaym, einem unter Abt Angelus Manse (1399-1425) dienendem Künstler.

Der im 15. Jahrhundert errichtete Zugang zur Schloßbergfestung, das "Gotische Tor", wird im Jahre 2000 von Archäologen freigelegt.

1420 Uhrturm und Ägidiuskirche von Grecz Graz Graz 2014
Gotisches Tor
Der zeitweilig von Erzherzog Ernst nach Bruck/Mur verlegte Niederlassungszwang gilt wieder für Graz; alle durchreisenden Händler müssen ihre Waren auf dem Markt feilbieten. Hiefür wird der bisher verbaute Hauptplatz freigelegt.
Im Rahmen der Stadterweiterung wird die Stadtmauer am Ende des ersten Sackes mit einem Tor durchbrochen und der Sack durch einen zweiten (bis zur heutigen Kaieinmündung) erweitert, in welchem sich vor allem die Lederer, Weißgerbe (Sackstraße 23)r, Kürschner, Schuster, Müller und Bader (kalte und warme Duschen, Schwitzkästen) ansiedeln.
1421 2. Sack Zweiter Sack Zanderhof
Unter dem aus der weststeirischen Ritterfamilie stammenden Peter von Graden wird für deren Schloss Baierdorf das Allerheiligenkirchlein am Fuße des Gaisberges in Eggenberg als Schlosskirche "Capell zu Payrdorf" erbaut. 1423 Allerheiligenkirche
Mit dem Tod von Erzerzog Ernst dem Eisernen von Österreich am 10. Juni 1424 folgt, zuerst unter der Vormundschaft seines Bruders Herzog Friedrich IV. mit der leeren Tasche (1382-1439), sein ältester, erst 15jähriger Sohn als Herzog Friedrich V. von Steiermark und Kärnten nach. Seine Jugendjahre verbringt er bei seiner Mutter Cimburgis von Masowien in Graz. 1424 Herzog ErnstErnst der Eiserne Friedrich IV. Friedrich III.
Anrainend zur Pfarrkirche St. Ägidius zu Graz werden in der Kirchstraße fünf Häuser erwähnt, wovon eines, zwischen dem alten Pfarrhof und dem Wilhilmin-Haus, dem Pfarrer Georg gehörig und der Gilgenpfarrkirche dienstbar gemacht ist, sowie ein weiteres Haus am Heiligen-Kindlein-Tag, dem 28.12.1428, von Hans Emler, dem Zechmeister der St.Gilgen Pfarrkirche, verkauft wird. Hans Emler
Konrad von Reisberg, aus Kärntner Adelsgeschlecht stammend und Pfarrer von Veitsberg bei Leoben, wird eine Woche nach dem Tod des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck durch seinen Verwandten, den Salzburger Erzbischof Johann II. von Reisberg, zum Nachfolger im Bistum Seckau ernannt. 1431 Bischof Konrad von Reisberg
"Vlrich Egkhenperger", ein Wirt und Geschäftsmann, der in Agram, Ofen und Radkersburg Handelsniederlassungen besitzt, ist Stadtrichter von Graz. Er besitzt Häuser in der Herrengasse und Murgasse sowie einen Acker in Algersdorf. Herzog Friedrich V. überträgt ihm das Recht der Münzprägung und des Wechselgeschäftes. 1432  

1434 tritt Friedrich V. (1415-1493) als Herzog die Herrschaft in Innerösterreich, d.h. in der Steiermark, einschließlich von Wiener Neustadt mit dem Gebiet um Pitten, sowie in Kärnten und der Krain an.

Im Baseler Konzil 1434 wird der Verweis der Juden in eigene, zwangsweise zugewiesene Wohnviertel (Ghettos) nochmals vorgeschrieben. Gemäß diesen Konzilsbeschlüssen (Lateran und Basel) ordnet Kaiser Friedrich III. später auch die Entfernung aller Juden aus ihren Häusern in der Frankfurter Domgegend an.

1434 Friedrich III. Theophilus
Herzog Friedrich V. unternimmt eine Wallfahrt ins Heilige Land. 1436  

Unter Herzog Friedrich V. Baubeginn der Domkirche St. Ägydius durch den "Meister von Grätz", den Schwaben Hans Niesenberger, im spätgotischen Stil: Als erstes wird an das Presbyterium die Barbarakapelle als Sakristei des Hoforatoriums Friedrichs angebaut; später folgen die Friedrichs- (1449) und Romualdkapelle (1554).
Gleichzeitig beginnt Friedrich auch mit der Errichtung des nach ihm benannten Friedrichsbaues, einer repräsentativen Stadtburg, die sich in zwei Bauteile, den Palas (Wohntrakt) und die kastellartige Friedrichsburg gliedert. Der Bau wird sowohl durch einen Übergang mit der Ägydiuskirche, als auch für den Ernstfall durch einen gedeckten Gang auf der Stadtmauer mit der Festung auf dem Schloßberg verbunden.

1438 St. Ägydius Grazer Dom Friedrichskapelle Friedrichskapelle

Das in Höhe des heutigen Schauspielhauses befindliche "Tor gegen die Grecz" erhält mit dem Namen "Burgtor" seinen neuen Standort im Anschluss an die Burg.

In Graz kommt es zur Vertreibung aller Juden, ihr Ghetto wird aufgehoben und in der Karlau neu angesiedelt.
Das in der Burgerstraß (spätere Herrengasse), auf Höhe der heutigen Stubenberggasse zum Judenfriedhof führende "Judentürl" wird zu einem großen Torturm mit einer darin untergebrachten Waffenkammer vergrößert. Wegen der eisenbeschlagenen Türen "Eisernes Tor" (Ungartor) genannt. Im Zuge des Bastionenbaues lässt 1574 Erzherzog Karl II. von Domenicodell'Allio in der südlichen Stadtmauer ein neues "Eisernen Tor" (auch "Ungartor" genannt) errichten.

Friedrichsbau Trompetengang Friedrichsbau Stallungen
Burgtor Eisernes Tor Eisernes Tor
Nach den Tod Kaiser Sigismunds kann Albrecht II. (V.) von Habsburg als römisch-deutscher König, König von Ungarn und Böhmen sowie Herzog von Österreich (Albrecht V.) erstmals alle diese Länder in einer Hand vereinen. Sigismund Albrecht II.

Als nach nur einjähriger Amtszeit sein Cousin König Albrecht im Feldzug gegen die Türken an der Ruhr und auch sein Onkel Friedrich von Tirol in Innsbruck verstirbt, wird Friedrich V. als Herzog von Österreich (1439-1493) alleiniges Oberhaupt des Hauses Habsburg und Vormund zweier unmündiger Vettern, des jungen Sigmund von Tirol und des in Ungarn nachgeborenen Sohnes von König Albrecht II. (V.) Ladislaus Postumus.

Auf Wunsch der Grazer Bürgerschaft löst Herzog Friedrich V: das Ghetto auf, weil die Juden nur dem Landesherrn (Leibzoll), nicht aber der Stadt steuerpflichtig sind, trotzdem aber alle Rechte in Anspruch nehmen.

1439 Elisabeth von Luxemburg Ladislaus Posthumus Judenverfolgung

Durch den plötzlichen Tod König Albrechts II. (V) während der Schwangerschaft seiner Frau Elisabeth von Luxemburg kommt ihr Sohn Ladislaus posthumus vaterlos auf die Welt. Aufgrund der sich daraus ergebenden Erbfolgestreitigkeiten als ungarischer und böhmischer König bringt die Königinnen-Witwe Ladislaus Posthumus samt der ungarischen Stephanskrone zu ihrem Verwandten Herzog Friedrich V. nach Graz in Sicherheit, wo er in den Jahren zwischen 1440 und 1453 in dessen Obhut erzogen wird.

Herzog Friedrich IV. wird durch den vorzeitigen Tod Albrechts II. Im Jahr 1440 in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen König Friedrich IV. gewählt.

1440

Friedrich III.

Friedrich IV. verleiht Graz zu dem schon bestehenden Ägidimarkt das Privileg für einen zweiten Jahrmarkt am 1. Mai, der vielleicht in Zusammenhang mit einem früheren Kirchweihfest steht und als Förderung für den Neubau der Ägidiuskirche verstanden werden kann. Als daraufhin der Salzburger Erzbischof dagegen protestiert, weil auch in Leibnitz am 1. Mai ein Jahrmarkt und Kirchweihfest stattfindet, wird der Grazer Markt am darauffolgenden Jahr auf Mittfasten verlegt. 1441 Siegel

Der Historiker und Schriftsteller Enea Silvio (auch Aeneas Sylvius) Piccolomini und spätere Papst Pius II. wird beim Reichstag in Frankfurt am 27. Juli von König Friedrich IV. zum Dichter „poeta laureatus“ gekrönt, um Anfang 1443 als Sekretär in dessen Dienste zu treten und seine Zeit bis 1455 als Inhaber der steirischen Pfarren von Irdning und Windischgratz, vornehmlich aber am Hof des nachmaligen Kaisers Friedrich III. in Wiener Neustadt und Graz zu verbringen. In seinen beiden Hauptwerken "Asien" und "Europa" beschreibt er ausführlich die Geographie, die Sitten der Völker, die weltliche und kirchliche Geschichte, sowie die wirtschaftlichen und sozialen Besonderheiten dieser Kontinente. Unter anderem ruft er zur Abwehr der Türken auf und schreibt folgendes über die Steiermark: "In der Steiermark ist ein Fluß, Mur genannt, der aus den Alpen hervorströmt, in die Drau sich ergießt und mit dieser in die Donau, welche in das Schwarze Meer fließt. Am Ufer dieser Mur liegt eine hübsche Stadt, Graz genannt. Hier strebt mitten aus der Ebene ein ungemein hoher Berg auf, der allenthalben felsig abfällt. Auf seiner Spitze erhebt sich ein Schloß, sowohl durch die natürliche Lage sicher, als durch Menschenwerk befestigt, weshalb der Kaiser stolz darauf sein kann. ... Die Bevölkerung der Steiermark ist rauh und nicht von jener Weichheit, die dem Südländer eigen ist." und über den Wein in Graz sagt er: "grazer wein wenn du ihn trinkst wirst du krank er ist essigsauer wässrig verdorben".

Der in Lüttich geborene Johannes Brassart ist Kapellmeister der Hofkapelle ("capellae nostrae cantor principalis"), die ganz im mittelalterlich-niederländischen Gesangsstil musiziert und vowiegend niederländische, englische und deutsche Sänger beschäftigt.

Georg I. Lembucher aus Kalsdorf bei Ilz wird eine Woche nach dem Tod des Seckauer Bischofs Konrad von Reisberg zu dessen Nachfolger bestimmt.

Mit Erlaubnis von König Friedrich III. stellt am 13, März 1433 Thomas Giebinger das Heirtatsgut seiner Frau Margarete auf Vatersdorf (Liebenau) und Sparbersbach sicher.

1443

Enea Piccolomini Pius.II. Bischof Georg I. Lembucher

Der Steirer Friedrich Gren wird nach der nur dreijährig dauernden Amtszeit des verstorbenen Bischof Lembucher im Jahr 1446 zum Bischof von Seckau ernannt.

Die "Handregistratur" Kaiser Friedrich III., ein voluminöser Pergamentband, der die Abschriften der wichtigsten Privilegien sowie Listen von Potentaten und Päpsten mit Wappendarstellungen enthält. Darunter auch das steirische Wappen und seine Devise AEIOU mit der Jahreszahl 1446. Ebenso finden sich auch Abbildungen des steirischen Wappens ("Hertzug Styermarck", "stirmarck") im Wappenbuch Herzog Albrechts VI. von Österreich.

Das Bürgermeisteramt wird in Graz eingeführt. Mit dem Namen "Wilhelm Steirer" (auch Wolfgang Steyerer) taucht zum ersten Mal ein Grazer Bürgermeister mit Familiennamen in den Urkunden auf. Er besiegelt am 7. Februar gemeinsam mit dem Stadtrichter Christian dem Münzer einen Kaufbrief.

1446

Bischof Friedrich III.
Handregistratur Wappenbuch Ingeram Codex Ingeram Codex Kaufbrief

Baubeginn der Grazer Stadtburg mit dem dreistöckigen Friedrichstrakt samt der hochgotischen doppelchörigen Burg- oder Kammerkapelle (heute Sitzungszimmer der steiermärkischen Landesregierung). 1447 Friedrichsbau Friedrichsbau Burg Friedrichstrakt
Friedrichstrakt
Burgkapelle Burgkapelle Kammerkapelle Kammerkapelle
Da man auf die Steuerkraft der Juden nicht verzichten kann, holt König Friedrich IV. sie wieder nach Graz zurück und siedelt sie, jetzt verstreut, in der ganzen Stadt an.
In der Judengasse (heutige Frauengasse) bestimmt Friedrich IV. ein Haus, die sogenannte "alte Kanzlei", in welchem auch eine Taverne mit Weinausschank untergebracht ist, als das erste Rathaus und befreit es von der Steuer.
1448  

Unter König Friedrich IV. (1440-1493) erfolgt zusammen mit dem Um- bzw. der Neubau der benachbarten alten Burg (4-stöckiger Friedrichsbau mit Kammerkapelle) auch der Neubau der Grazer Ägidiuskirche; während dieser Zeit wird das Pfarrrecht an die Kirche St. Paul übertragen. An der Nordseite des Grazer Domes finden sich über der gotischen Sakristei (1438), der heutigen Barbarakapelle, zwei Oratorien: Im ersten Obergeschoß die gotische, mit Fresken des Marienzyklus ausgestattete Friedrichskapelle (1449), die Herrscherempore, von der aus Friedrich der Messe beiwohnen kann, und im zweiten Obergeschoß die im Stil der Renaissance 1468 aufgesetzte Romualdkapelle. Beide Oratorien stehen mit der Grazer Burg über eine Doppelarkade in Verbindung.
Für den Kreuzaltar am gotischen Lettner maltder schwäbische Künstler Conrad Laib aus Ennslingen 1449 das bedeutende Tafelbild "Kreuzigung im Gedräng". Die große Anzahl an dargestellten Personen lässt auf die im Mittelalter sehr beliebten Passionsspiele schließen, die unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfinden. An der Nordwand im Kircheninneren trägt die Christophorusfigur eines Freskos die Gesichtszüge König Friedrichs. Sein geheimnisvolles Signum A.E.I.O.U. ("Alles Erdreich ist Österreich untertan" bzw. "Austrie est imperare orbi universo") ist in der Kirche achtmal zu finden.

1449 Friedrichskapelle St. Aegidius Friedrichskapelle Friedrich III.
AEIOU

Kopialbuch (Abschrift einer älteren Urkunde) des Abtes Hermann Molitor in der Stiftsbibliothek in Rein, in dem über die Schenkung eines Gutes in Anwesenheit eines Zeugens namens "Dietmarus de Gracz" berichtet wird: die erste urkundliche Erwähnung des Namens "Gracz".

Neben dem ältesten Tiergarten auf dem Ruckerlberg im Osten lässt Friedrich III. an der Nordseite des Schloßberges (ab 1836 Wickenburggasse) einen neuen zweiten, den oberen landesfürstlichen Tiergarten für die Jagd von Damwild anlegen (von 1450 bis 1663).

1450

Steiermark Molitor Kopialbuch Rein

Begleitet von seinem Bruder Albrecht VI., dem Rat Johann Ungnad und Ladislaus Posthumus heiratet Friedrich IV. am 14. März 1452 in Rom Eleonore von Portugal und wird 5 Tage später am 19. März durch Papst Nikolaus V. zum Kaiser gekrönt. Der gotische Brautwagen ist erhalten. Als Kaiser Friedrich III. der Friedfertige (1452-1493) regiert er für insgesamt zehn Jahre von Graz aus das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation” und baut Graz mit der Errichtung der „unteren“ Burg (1438) und der Domkirche (1438-62) zur Kaiserresidenz aus.

Ebenfalls unter der Ägide Kaiser Friedrich III. entsteht der zweite Sack sowie das Dominikanerkloster in der Hans-Sachs-Gasse.

Georg Überacker hat von 1444 bis 1452 die Pfarre Pöls und ab 1456 die Pfarre Radkersburg inne. Am 1. April 1452 ernennt ihn der Salzburger Erzbischof Friedrich IV. Truchsess von Emmerberg zum Bischof von Seckau. Georg Überacker ist häufig in kaiserlichen oder päpstlichen Aufträgen als Schiedsrichter und Jurist unterwegs und wird 1457 Hofkaplan Kaiser Friedrichs III., der ihn unter besonderen Schutz stellt.

Ulreich Einpacher ist von 1452 bis 1453 Grazer Stadtoberhaupt.

1452

Friedrich &  Eleonore Kaiser Friedrich III. Friedrich III. & Leonore von Aragon Brautwagen
Kaiser Friedrich III. Bischof Georg II. Ueberacker

Friedrich III. bestätigt das "Priveleium maius" und führt für die Mitglieder des Hauses Habsburg den Titel "Erzherzog" ein.

Leutold Herr zu Stuberberg, der 1436 Kaiser Friedrich III. auf dem Kreuzzug ins Heilige Land begleitet, wird durch ihn 1453–1461 Landeshauptmann der Steiermark.

1453 Privilegium maius Leuthold von Stubenberg
In Mainz erfindet Johannes Gensfleisch zum Gutenberg den Buchdruck und druckt als erstes eine 42-zeilige Bibel. 1455 Gutenberg Gutenberg Bibel

Stadtoberhaupt ist Christoph der Epyshauser.

1456  
Der aus Salzburg zugewanderte Niclas Strobel kommt als Fleischhauer und Händler in der Herrengasse zu großem Ansehen und Reichtum, sodass er in die Grazer Bürgerschaft aufgenommen und von 1452 bis 1469 Stadtrichter sowie im Jahr 1461 Bürgermeister wird. 1461 Niclas Strobel
Erstmals wird das sich zwischen den Häusern Herrengasse 23 und 28 befindliche Eiserne Tor erwähnt. 1462  

Durch den überraschenden Tod seines jüngeren Bruders, Albrechts VI. des Freigiebigen (1418-1463), wird Friedrich III. nun auch von den österreichischen Ständen als Landesfürst von Österreich ob und nieder der Enns anerkannt.

Kaiser Friedrich III. erlaubt den Franziskaner Observanten die Gründung eine neuen Klosters: "in ecclesia S. Leonardo prope Graz" (spätere Pfarrkirche St. Leonhard am Tummelplatz von 1497) und widmet dafür den Mönchen zum Schutz vor Türkeneinfällen das innerhalb der Stadtmauer gelegene Marchfutterhaus (Bürgergasse).

1463 Franziskanerkloster

Der böhmische Adelige Jaroslav Leo von Rosental (1425-80) unternimmt in den Jahren 1465 bis 1467 eine diplomatische Reise durch Europa. Mit der von ihm angeführten Delegation von 40 katholischen Adligen und Rittern mit 52 Pferden bereist er Deutschland, Belgien, England, Frankreich, Spanien, Portugal bis zum Kap Finisterre und hält sich zum Schluss in Venedig auf, bevor er nach dem Besuch des Kaisers Friedrich in Graz nach Böhmen zurückkehrt.
Von dieser Reise Leos von Rozmital berichtet sein Begleiter Ritter Václav Šašek, aus Italien über Unterdrauburg und Caienwurczwald in die Steiermark kommend, folgendes: "Caienwurczwald, vier Meilen von Drauburg entfernt, liegt in den Bergen; jenseits desselben sehen die nach Graz reisen zwei Burgen links und drei rechts. Von Eibiswald nach Leibnitz sind abermals vier Meilen. Diese Burg liegt in der Ebene am Ufer der Sovum, oberhalb jedoch, und zwar auf einem Berge, liegen vier Schlösser, alle von gemeinsamer Mauer eingefasst und gehören drei Herren: das eine dem Bischof von Salzburg, das andere dem von Seckau und das dritte dem Herrn von Polheim. Dieser Berg ist von Graz vier Meilen ab. Dieses ist eine umfangreiche Stadt mit einem Schlosse, das durch zwei Vorwerke geschützt ist. Auf der einen Seite der Stadt sind Berge, auf der anderen ist eine Ebene, und sie liegt an der Mur, über welche eine hölzerne Brücke führt. So weit dieser Fluß geht, heißt man das Land Steiermark. In Graz sahen wir den Kaiser, den Markgrafen Ernst von Meißen und seinen Bruder, den Herzog Albrecht von Sachsen, alle unter den Vorbereitungen für Ritterspiele beschäftigt, in welchen je zehn gegen zehn kämpften. Dort war auch Johann Kolowrat, der mit einem Deutschen, namens Reimberger, tiostierte, welcher für ganz besonders stark und gewandt galt. Herzog Albrecht lieh Johann sein Pferd, und waren Zuseher der Kaiser, Herzog Albrecht und sehr viele Barone und Edle. Als der Kampf anging, ritt zwar der Deutsche des Herzogs Pferd an, wurde jedoch von seinem eigenen Pferd abgeworfen, während - und das gefiel dem Kaiser sehr - Johann fest auf seinem Rosse blieb. Am vierten Tage unseres Aufenthaltes bat Herr v. Rozmital unter Führung Herzog Albrechts und Ulrichs von Nussdorf, des Bischofs von Passau und späteren Administrators des Erzbistums Prag, der Kaiser möge Schaschek die ritterlichen Insignien verleihen, was auch in Gnaden geschah. Auf dem Schlosse zu Graz hält sich der Kaiser häufig auf, doch nimmt er dahin gewöhnlich nur wenig Dienerschaft mit und läßt die übrige in der Stadt. Eben auf dem Schlosse, heißt es, sind auch die Schätze des Kaisers verwahrt; man zeigte sie uns aber nicht, wie anderwärts Könige es getan, außer einem Mantel von rotem Damast, dessen Saum handbreit in mäandrischer Form mit Goldhaften und Edelsteinen besetzt ist. Die Räte des Kaisers sagten uns, wenn derselbe Geld nötig hätte, brauchte er bloß diesen Mantel zu verpfänden und er bekäme leicht 500.000 Dukaten dafür, den einige Juwelen, die sie uns vorwiesen, sollten 20.000 bis 30.000 Dukaten wert sein...Am fünften Tage verließen wir Graz und langten nach einem Wege von vier Meilen in Frohnleiten an."
Auch der zweite Begleiter von Rozmital, der deutsche Patrizier Gabriel Tetzel von Grafenberg, der auf Bitten des böhmischen Edelherrn Leo v. Rozmital an dessen Jakobsfahrt von 1465-67 teilnimmt, berichtet darüber. Tetzel entstammt einer angesehenen Nürnberger Familie, gehört selbst der Nürnberger Stadtverwaltung an und wird Söldnermeister, Zeugmeister und Pfleger des Klosters St. Egidien. In seiner "Beschreibung, die wahrscheinlich er, wol mit Hülfe kurzer Notizen, aus nicht mehr sicherem Gedächtniß von jener Reise durch Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien, dem großen Ereigniß seines Lebens, in einfacher deutscher Prosa gegeben hat" sagt er außerdem über Graz. "Do lagen wir vierzehn vierzehn tag still, der Kaiser that meinem Herrn nit anders vor, dann er schenkt jm ein vaß wein und ein lagel reidals an die herberg, und ließ meinen herr an dem dritten tag für sich, und erbut sich sehr gnädiglich mit worten, aber lutzel erzeigt mit werken. ... Auf schöne Frauen gibt er gerne acht, wie er sich denn durchweg als heiteres, gesundes Weltkind offenbart."

1465 Rozmital Leo von Rozmital Leo von Rosental Anna von Rozmital
Ernst von Meißen Herzgo Albrecht Fürstbischof Ulrich von NussdorfEgidienkirche
Nach Auflösung des Judenghettos 1439 lässt Herzog Friedrich V. in der Judengasse eine Corporis-Christi-Kapelle errichten, die er den Dominkanern zum Umbau in eine Kirche samt Kloster (heutige Stadtpfarrkirche) übergibt. 1466 Dominikanerkloster Stadtpfarrkirche
Balthasar Eggenberger, der als Handelsmann in Kärnten Gold abgräbt, wird Münzmeister und Geldgeber von Kaiser Friedrich III., stiftet das "Spitall bey der Muerpruggen" - die spätere protestantische Stiftsschule im Paradeishof (heute Kastner & Öhler) - und wird von König Matthias Corvinus von Ungarn, für den er ebenfalls das Münzwesen organisiert, mit dem Wappen der 3 Raben (corvinus = Rabe) geadelt. Der Sage nach nimmt Balthasar aus Dankbarkeit die 3 Raben in sein Wappen auf, weil diese über der Fundstelle seines von Zigeunern gestohlenes Kind kreisten. Sein Bruder Johann begründet die Ehrenhausener Linie. 1467 Paradeishof Balthasar Eggenberg Eggenberg Eggenberger Corvinus

Bau eines Klosters für die Franziskaner-Observanten in der Nähe der Kirche St. Leonhard (Bürgergasse). Guardian des Klosters ist Alexander de Posonio (Preßburg), der mit seinen Predigten zum Vorkämpfer für die politischen Ideen Kaiser Friedrichs wird.

Am 3. August greift Friedrich III. mit einer in Graz ausgestellten Urkunde in die Innenpolitik von Triest ein.

1468

Dominikanerkloster

Der Söldnerführer Ritter Andreas Baumkircher führt für Kaiser Friedrich III. zahlreiche Kriege. wofür ihm der Kaiser Friedrich III. Unsummen schuldet. Als dieser aber nicht zahlt, beginnt Baumkircher im Herbst 1469 mit seinem Söldnerheer oststeirische Städte zu erobern (darunter auch 1470 die Burganlage über dem Josefiberg in Schwanberg), wobei auch des Kaisers Sohn Maximilian, der sich zu dieser Zeit am Grazer Schloßberg aufhält, in Gefahr gerät.. Jetzt willigt der Kaiser ein, mit ihm zu verhandeln und bestellt ihn nach Graz. Als Baumkircher und sein Voitsberger Kampfgefährte Andreas von Greisseneck am 23. April eintreffen werden sie trotz Zusicherung des freien Geleits fest genommen und am nächsten Tag öffentlich vor dem Murtor enthauptet. Baumkirchners Gebeine werden auf die Burg Schlaining überführt, Greiseneckers Schädel ist unter der Türschwelle zur Jakobikapelle im Franziskanerkloster eingemauert ("Hic conditur caput abscisum Andreae Greisenecker equitis decollati die 23.Aprilis 1471").

Markgraf Albrecht III. Achilles von Brandenburg hält sich in Graz auf.
Mit ihm auch der fränkische Landsknechtsführer Wilwolt von Schaumburg (um 1450-1510), der ganz Europa durchquert hat, von Franken über Italien bis nach Rom und zurück ins Rheinland und in die Niederlande. Dabei hat Wilwolt die grossen historischen Figuren seiner Zeit persönlich kennengelernt: Kaiser Friedrich III., seinen Sohn Maximilian I., Papst Paul II., den Burgunderherzog Karl den Kühnen und Herzog Albrecht Achilles von Brandenburg. 1487 tritt er in den Dienst Herzog Albrechts des Beherzten von Sachsen gegen dien ungarischen König Matthias Corvinus, der weite Teile Österreichs besetzt hält. In seinen "Geschichten und Thaten" schildert er bei seinem Aufenthalt in Graz als Augenzeuge die Hinrichtung Andreas Baumkirchers.

Die Türken fallen ins steirische Unterland ein und verwüsten das Sannland.

1471

Andreas Baumkircher Baumkircher Baumkircher Baumkircher Andreas Greisencker

Markgraf Albrecht v. Brandenburg Türken

Erstes Bordell in der Frauengasse. 1474  
Wilhelm von Bärneck (auch Perneck geschrieben). Die Burg wurde im gleichen Jahr vom Ungarnkönig Mathias Corvinus belagert, eingenommen und durch die Hilfe des Herzogs Albrecht von Sachsen befreit. Herzog Christoph von Bayern, Hauptmann unter dem ungarischen König Matthias Corvinus, zieht über Radkersburg und die von Wilhelm Bärneck verteidigte Schlossburg Negau bei Marburg gegen Graz: "Darnach zoch der herzog Cristof von Bayrn gen Gretz. Da lag des königs von Ungern haubtman drei tausent stark vor dem schlos Nega, bemüht das etwo vill wochen hart mit dem geschütz, dardurch der von Bernstain, des es was, gros not und angst lait." 1476 Christoph der Starke Schloss Negau Herzog Albrecht von Sachsen

Am 19. August 1477 heiratet Maximilian von Österreich in Gent die Erbherzogin Maria von Burgund.

Georg von Tschernemb, der 1436 Herzog Friedrich V. (III.) auf dessen Pilgerfahrt ins Heilige Land begleitet und von diesem mit den Erbschenkenamt in Krain und der Windischen Mark belohnt wird, übergibt 1477 seine Hauptmannschaft von Triest an Nicolaus Rauber und wird Landeshauptmann in der Steiermark.

Christoph von Trautttmansdorff entstammt dem gleichnamigen Rittergeschlecht aus der Oststeiermark, das seit dem 15. Jahrhundert zahlreiche Salzburger Domherren hervorbrachte. Sein Bruder Johann ist Abt von Admont, ein anderer Verwandter Chorherr in Vorau und erster Propst in Pöllau. Am 4. Mai 1477 wird Trauttmansdorff durch den Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr zum Seckauer Bischof geweiht.

1477 Maria von Burgund Maximilian I. Tschernemb I. Bischof Christoph I. Trauttmansdorff

Aufgrund des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III. und dem Ungarnkönig Matthias Corvinus um die Vorherrschaft im Osten suchen der Salzburger Fürsterzbischof Bernhard von Rohr und der Seckauer Bischof Christoph I. von Trauttmansdorff bei Matthias Corvinus Schutz, was dazu führt, dass das Bistum mit all seinen Besitzungen - darunter auch die Burg Leibnitz mit Seggau - fast zur Gänze an diesen verloren geht.

In Graz wird die Bürgergasse in "Herrengasse" umbenannt, die zur Stadtpfarrkirche St. Ägidius führenden Straßen (heutige Bürger- und Burggasse) als Kirchgassen bezeichnet. Der Hauptplatz dient in erster Linie als Marktplatz, zu Marktzeiten stehen dort Brotbänke, Messerkramen, Kramen für Nestler, Riemer, Beutler, Fleischbänke sowie Stände der Krämer und der Fragner (Greißler).

Anordnung Kaiser Friedrichs III., den zum Judenrichter bestellten Wolfgang Lembacher in der Ausübung dieses seines Amtes nicht zu hindern.

Am Ortsrand im Süden von Graz existiert bereits eine Landwirtschaft mit einem kleinen Gasthaus samt Biergarten.

1478 Puntigam

"Erstes altes Schloss zu Gratz".

30000 berittene türkische "Renner und Brenner" fallen am 15. August aus Kärnten kommend ein, greifen zwar das stark befestigte Graz nicht an, verheeren aber die Murvorstadt und das ganze Murtal sowie die Ost- und Untersteiermark. Im selben Jahr bricht die Pest aus und Heuschreckenschärme fallen ein. Fürstenfeld, Radkersburg, Deutschlandsberg und Voitsberg werden von der ungarischen "Schwarzen Armee" Königs Matthias unter der Führung ihres Kommandanten Vlad III. Tepes (Vorbild für Dracula) eingenommen. Durch diese Katastrophen wird die steirische Bevölkerung um ein Drittel auf 200.000 dezimiert.

Johann Serlinger wird zwar durch den Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr zum Bischof von Seckau ernannt, gelangt aber nicht in den Besitz seines Bistums, da dieses wegen des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus durch ungarische und kaiserliche Truppen besetzt ist.

Zur dieser Zeit der ersten Türkeneinfälle wird von den steirischen Landständen das Zeughaus als Depot für Rüstungen und Waffen gegründet.

1480

Schlossbergfeste Schlossbergfeste Bischof Johann II. Serlinger Zeughaus

Der Meister von Gerlamoss, Thomas von Villach, malt an der südlichen Außenwand des Grazer Domes das "Gottesplagenbild". Im unteren Teil des "Landplagenbildes" an der Südseite des Grazer Doms werden auf drei Feldern die drei Landplagen: Heuschrecken, Türkeneinfälle und Pest dargestellt. Es Trägt die Aufschrift: "1480 umb unser frauntag der schiedung sind hie zu Gratz gotsplag drey gewesn, haberschreckh, türkn und pestilenz und jede so groß, daß dem menschen unerhörlich ist. gott sey uns gnädi." Der Mittelteil zeigt eine der ältesten bekannten Ansichten der Stadt Graz mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer und dem Eisernen und Burgtor. Über der Stadt erhebt sich der befestigte Schloßberg mit der oberen Burg. Davor Türken, die Christen wegschleppen. Außerdem die Verteidigung der umwallten Leechkirche, brennende Schlösser und Dörfer sowie die gefürchteten "Renner und Brenner". Das linke Bild zeigt die Kirche von Straßgang mit fliegenden Wanderheuschrecken. Das rechte Bild gewährt einen Blick in die Hofgasse: Ein im Bett liegender Pestkranker empfängt das Sterbesakrament, während ein Sarg aus dem Haus getragen wird.

1481

Thomas von Villach Gottesplagenbild
HeuschreckenLandplagenbildLandplagenbildPest

Matthias Scheit, der im Umfeld von Kaiser Friedrich III. tätig ist, wird 1481 in Rom durch Papst Sixtus IV. zum Bischof des größtenteils vom ungarischen König Mathias Corvinus besetzten Bistums von Seckau. Er kann die Burg Wasserberg zurückerobern und wird 1483 zum kaiserlichen Rat ernannt. Scheit fördert mit großer Hingabe die Erziehung und die Unterrichtung des erst zehnjährigen Paracelsus.

Bischof Scheit Paracelsus

Der Ungarnkönig Matthias Corvinus verheert mit seinen „Schwarzen Scharen“ Kärnten, die Steiermark und Wien. Ein "Steinerne Hund", der heute noch unter dem Uhrturm sitzt, weckt durch sein Gebell den Schloßhauptmann Ulrich von Graben, als sich Corvinus mit 2000 Soldaten durch Bestechung der Wachen Eintritt zur Schloßberg-Burg verschaffen will, um dort die teilweise in Graz erzogene und vor dem um sie vergeblich werbenden König Matthias in Sicherheit gebrachte Kaisertochter Kunigunde zu entführen.

Von oberitalienischen Städten ausgehend, erfolgt der Handel mittels Münzen (Groschen, Gulden, Taler), der auch in den Habsburger Ländern langsam den Tauschhandel ersetzt.

1485

Corvinus Steinerner HundSteinerner Hund Kunigunde

Errichtung und erstmalige Erwähnung des nach seinem Besitzer Mathes Moser benannten Hauses "Moßeregg" mit spätgotischen Lauben am Hauptplatz / Ecke Spogasse ("bei dem Luegg"). Die schwere Stuckdekoration wird 1680 aufgebracht.

Haus der Deutschen Ordensritter in der Sporgasse, welches Ritter Graf Seifried von Saurau 1680 für den Orden erwirbt..

Der Weisseneggerhof (auch „Goldenhof“ oder „Hof zu Lidlsdorf“ - heute Esparantoplatz), ein ursprünglich dem Landesfürsten gehörender Bauernhof, kommt um 1490 in den Besitz von Wolfgang von Weisseneck und wird zu einem Edelhof ausgebaut.

1489 Luegg Deutschordenshaus Weisseneggerhof
König Maximilian bricht mit einem Heer von Graz über den Semmering zur Befreiung Wiens von der ungarischen Herrschaft auf. 1490  
Brief von Kaiser Friedrich III. an den Abt von St. Lambrecht: "Friedrich von gottes gnadn Römischer Kaiser - Ersamerstlicher lieber andechtiger Wir haben unns getrewn Caspar von Marx und ann der Weilent Ulrichs Stischl pfarrer Zu sannd Marein im Mürtztall geschefftlewt anbringn lassen Wie du dem benanntn pfarrer Hundert und Zehen pfunt pfennig schuldig worden seist dy Sy auf gullt Zu Stifftung dreyer jartag in der bestymbtn unser frawn kirchn Innhallt seins verlassen gescheffts anlegn und brauchn sollten Und aber daran durch dich verhindert worden des Sy sich beswert bedunlichts Emphelln wir dir ernstlich und welln das du den genelltn geschefftlewtn die bebenant Sum gellts fürderlich betzallest und darumb bereurrgig machest, damit Sy die obbemelltn Jartag des fürderlicher aufrichtn mürtz daran tust da unns ernstliche maynung Beben Zu Lynntz an Montag vor unser lieben frawn tag der Liechtmest anno domini 1493 Unsers Kaiser tumbt im ainhundertzigstn Jare" 1493 Schreiben von Kaiser Friedrich III.
Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., tritt Maximilian I. als Alleinherrscher über das römisch-deutsche Reich dessen Nachfolge an und übernimmt auch das Erzherzogtum Österreich. Habsburger Maximilian I.
Der Adel beginnt mit dem Umbau des in der Herrengasse bestehenden Schreibhofes und der umliegenden Privathäuser zum Landhaus. Eine Urkunde berichtet über den Verkauf der "Channtzley von Bürger Heinrich Ernnst" 1494 Heinrich Ernnst

Am 10. August 1495 werden auf Betreiben der Stände durch Maximlian I. die Juden wegen angeblicher Schändung der Hostien, wegen Kindesmord zu rituellen Zwecken und Fälschung von Schuldbriefen unter Zahlung einer "Judenablöse" von 38000 Gulden aus Graz und Innerösterreich verbannt. Ihr sogenanntes "Judenhaus" in der Schmiedgasse 21 schenkt König Maximilian seinem Rat Erhard von Polheim. In der Folgezeit findet es sich im Besitz des Freiherrn Hanns Wilhelm von Galler, wird von diesem 1630 an den landschaftlichen Koch Sebastian Khneißl weiterverkauft und schließlich 1641 von Graf Otto Gottfried Kollonitsch, dem k.k.. Regimentsrat und Kämmerer von Erzherzog Leopold Wilhelm als Stadtpalais Kollonitsch erworben.

Knapp daneben, in der Schmiedgasse 25 füllt das schmälste Gebäude von Graz die Lücke der ehemaligen Stadtmauer.

1495 Judenhaus  Palais Kollonitsch Judenhaus Schmiedgasse 25
Zu Beginn seiner Regierungstätigkeit lässt Kaiser Maximilian die Grazer Burg durch den "Maximilianbau" erweitern, indem er die beiden unter Friedrich III. entstandenen Gebäudetrakte durch einen Flügel verbinden lässt. Dabei entsteht auch die berühmte gotische Doppelwendeltreppe. 1499 Maximilian I. Maximiliantrakt Maximilianstrakt Doppelwendeltreppe

Aufteilung der Steiermark um 1500.

1500 Steiermark Graz
Auf dem frühsteinzeitlichen Siedlungsgrund des Buchkogels in Wetzelsdorf wird 1507 erstmals die Wallfahrtskirche St. Johann am Kögelein erwähnt, die 1589 durch eine Stiftung der Erzherzogin Maria Anna von Bayern vergrößert wird. Die Fresken im Inneren der Kirche von St. Johann und Paul stammen vom Admonter Barockmaler Bartolomeo Altomonte. 1507 St. Johann und Paul St. Johann und Paul

Die Sittenlosigkeit des Klerus und der Laien nimmt so stark zu, dass Papst Leo X. die Minoriten ("Schwarze Franziskaner") wegen ihres skandalvollen Lebens aus Graz vertreibt, nachdem sich zuvor schon Maximilian in einem Schreiben über deren freies Leben beklagt hatte (licentiosam vitam agentes). Das Kloster wird den Observanten ("Braune Franziskaner") übertragen.

Wegen der Ausbeutung durch den Adel und die Kirche kommt es in der Untersteier zu einem Bauernaufstand, der bei Cilli durch die kaiserlichen Truppen niedergeschlagen wird.

1515 Franziskanerkloster Franziskanerkloster Franziskanerkloster

Durch den Steuermann Alonzo Pinçon von Christoph Kolumbus Entdeckungsreise auf den Antillen wird die Syphilis nach Europa eingeschleppt und verbreitet sich rasend schnell über ganz Europa. So wurde das französische Söldnerheer Karl VIII. bei Neapel gleichsam über Nacht ausgelöscht; deshalb auch der Name ""Franzosenkrankheit" für diese Seuche.

Um das stark verbreitete Laster des Trinkens und Fluchens einzudämmen, gründet Landeshauptmann Sigmund von Dietrichstein in Graz den Orden vom Hl. Christophorus.

Das Franziskanerkloster St. Leonhard am Tummelplatz wird nach der Übersiedlung der Franziskaner in das Murkloster den Nonnen des Dominikanerordens überlassen.

"Chronica von vil Namhafftigen geschichte in Steyrmarckt"

Luthers Thesenanschlag an der Schloßkirche zu Wittenberg.

1517

Franzosenkrankheit Syphilis ChronicaChronica Luther

Als 1519 Maximilian I. stirbt, erbt sein Enkel Karl (1500-1558) unter anderem auch die Habsburgischen Lande mit dem Kernland Österreich und folgt diesem als Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches sowie als Erzherzog von Österreich nach.

Der "Triumphzug Kaiser Maximilians I.", eine Serie von 147 Einzelholzschnitten, die den Glanz seiner Herrschaft demonstrieren soll, ist zu Maximilians Tod noch nicht fertiggestellt. Ein erster Abdruck erfolgt erst 1526 durch seinen Enkel Erzherzog Ferdinand, wonach die Holzstöcke dann im Erbfolgestreit zwischen Ambras und Graz aufgeteilt und unter Maria Theresias, wie viele andere Objekte, nach Wien abgegeben werden müssen.

1519 Kaiser Karl V. Maximilian I.

Zu der am Sebastianstag, dem 20. Jänner, eröffneten Erbhuldigung Erzherzog Ferdinands in der Steiermark werden am 6. Februar, in Graz die ihn vertretenden kaiserlichen Commissare Casimir Markgraf von Brandenburg, Johann Jakob Freiherr von Mersberg, Georg Truchleß von Waldburg und Ritter Simon von Pfirt mit großer Pracht von Landeshauptmann Sigmund Freiherr von Dietrichstein, begleitet von Bischof Christoph Rauber von Laibach, Abt Valentin von St. Lambrecht, Graf Georg von Montfort, Georg von Stubenberg, Georg von Herberstein, Philipp von Trauttmansdorff, Christof von Raknitz, Wolfgang von Saurau, Achatz von Motnitz, Bernhard von Tüffenbach sowie von den Herzögen von Lunenburg und Württemberg, dem Grafen zu Henneberg und 300 weiteren Herren empfangen, die ihnen bis Gösting entgegen geritten waren. Am folgenden Tage beginnen im Landhause die Verhandlungen zwischen den kaiserlichen Commissaren und den Ständen mit Bürgermeister Simon Arbaiter, indem letztere erklären, Erzherzog Ferdinand als ihre Landesfürsten anzuerkennen und ihm die Erbhuldigung darzubringen, obwohl dieser in eigener Person nicht anwesend ist.
Hanns Hofmann berichtet darüber in seiner 1523 in Augsburg herausgegebenen „Des loblichen Fürstenthumb Streyer Ervhulldigung in dem Fönftzehenhundert vnd zwaintzigsten Auch nach volgend des ainundzwaintzigsten Jars bescheen sambt handlung der Landtäg desselben mals gehalten mit erlichen jren Freybaitten/Ländshandvest vnd deruff der ordnung in gemainen handtierungen.“

Bau des Verbindungsgang zwischen Ägidiuskirche und der Burg.

Das Burgtor erhält einen Renaissanceaufbau mit einer Uhr, weshalb es auch "Uhrtor" genannt wird.

1520

EErbhuldigung Erbhuldigung Casimir Georg.III. von Waldburg Burgkmair Christoph Rauber
Verbindungsgang Burg-Dom Uhrtor

Kaiser Karl V. überlässt im Wormser Vertrag vom 28.4.1521 seinem Bruder Ferdinand I. (1503-1564), Enkel von Ferdinand II. von Aragonien und Isabella I. von Kastilien sowie von Maximilian I. und Maria von Burgund, die österreichischen Erbländer mit Österreich ober und unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain.

Erzherzog Ferdinand I. heiratet am 5. Mai 1521 Anna Jagjello von Böhmen und Ungarn.

Am 2. Juli 1521 hält Ferdinand mit seiner Gemahlin Anna feierlichen Einzug in Graz, wiederholt dem Landeshauptmann den schon fiilher durch seine Bevollmächtigten geleisteten Eid und nimmt die Erbhuldigung entgegen.

Im Dezember beruft Erzherzog Ferdinand I. den Landtag ein, um eine Hilfe durch die ständischen Truppen gegen die Türken bewilligt zu erhalten.

Das Bankgebäude mit der frühesten Stuckfassade von Graz ist im Besitz des Stadtrichters und Bürgermeisters Andre Frölich (1537).

1521

Kaiser Karl V. Erzherzog Ferdinand I.Anna von Böhmen und Ungarn

Die Zunahme der Feuerflammen aus allen Leibesöffnungen des Panthers veranschaulicht in der ersten gedruckten Landhandfeste die neue Sinngebung durch die steirischen Stände: "Nemo Styrorum Pantheram tangere tentet Ructat ab ore ignem posteriusque cacat." (Niemand wag' es, den Panther der Steiermark zu reizen, Feuer versprüht sein Maul, Feuer der Hintern auch.)

Der Salzburger Erzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg versucht die gewaltsame Unterdrückung der Reformation und führt einen erfolglosen Kampf gegen Ferdinand I. - der zwar wie sein Bruder katholisch, aber ein Reformanhänger ist -, da die Konfessionszugehörigkeit von Entscheidung des Landesfürsten abhängig ist, was zur Folge hat, dass sich diese neue, streng auf Bibel konzentrierte Theologie durch eine neuartige Predigt, durch die Bibelübersetzung ins Deutsche und durch Flugblätter rasch in allen Teilen des Landes auszubreiten beginnt. Kaplan Prokop Huschimhey predigt in Luthers Sinn.

1523 Landhandfeste Landshandvest.in.Steyer
Wellenburg Albrecht Dürer Strechau Bauernkrieg

In Graz, Bruck/Mur und Rottenmann finden sich Anhänger der Wiedertäufer, deren Gründungsvater, der Schweizer Zwingli, eine staatsfreie evangelischen Kirche fordert und Kriegsdienst, Kindertaufe, die Hl. Dreifaltigkeit, das Bußsakrament, Fegefeuer und Fürbitten ablehnt.

Unter Bergrichter Gabriel Reustl plündern aufständischen Bauern im Ennstal das reiche Stift Admont und erobern Rottenmann. Landeshauptmann Freiherr Siegmund von Dietrichstein, ein getreuer Gefolgsmann Kaiser Maximilans I. und mit dessen geheimer Tochter Barbara von Rottal verheiratet, zieht mit einer böhmischen Södnertruppe von Graz Richtung Schladming, um den Aufstand der 1500 protestantischen Bauern und Bergknappen niederzuschlagen. Er wird dabei bei Gaishorn besiegt und in der Burg Werfen gefangen genommen, später aber wieder freigelassen. Als Vergeltung tötet der zur Hilfe gerufene Niklas Graf Salm Anfang September die schlecht bewaffneten Aufständischen und macht Schladming dem Erdboden gleich, das auf 400 Jahre sein Stadtrecht verliert.


Seyfried von Eggenberg stellt den Minoriten, die ihr Kloster an die Franziskaner abtreten müssen, in der Murvorstadt eine Bleibe zur Verfügung.

1525 Siegmund Dietrichstein Bauernaufstand Bauernkrieg
Bauernkrieg Schladming Niklas Graf Salm

Der ehemalige katholische Priester Hans Has von Hallstatt tritt der Täufer-Bewegung bei und beginnt in Windischgrätz mit seiner Predigttätigkeit, bis er verhaftet und am 2. Dezember in Graz hingerichtet wird. Die sogenannten "Wiedertäufer" lehnen die Säuglingstaufe ab und verweigern zudem der Obrigkeit den Untertaneneid und Kriegsdienst. Zu ihren Gottesdiensten treffen sie sich in der Jungferngasse im ehemaligen jüdischen Ghetto im Haus ihres bedeutendsten Grazer Führers Kaspar Maler, der im Jahr 1529 festgenommen und aus Graz vertrieben wird.

Als Gegenstück zur Burg der katholischen Landesfürsten finanziert der protestantische Adel den Bau des Landhauses.

1527

Landhaus Landhaus Landtag Rittersaal

Im Jahre 1528 findet durch König Ferdinand I. und die Bischöfe die erste landesfürstliche Visitation (als kirchliches Zuchtmittel) der Reformationszeit in Österreich statt, wobei die Einfuhr und der Verkauf protestantischer Bücher verboten wird und der Betrieb von Druckereien nur mehr in Wien, Linz, Graz, Klagenfurt und Laibach erlaubt ist.

Erster von Eseln betriebener Lastenlift /Eselstrieb) zur Beförderung von Steinen und Ziegeln für die Festungsanlage auf den Schloßberg.

1528  
Freiherr Sigmund von Herberstein, verehelicht mit Helene von Saurau, steht wegen seiner außerordentlichen Sprachkenntnisse sowohl bei Kaiser Maximilian als auch König Ferdinand in diplomatischen Diensten. Zwischen 1515 und 1553 unternimmt er 69 Auslandsreisen, wobei er in seinem berühmten Werk "Rerum Moscoviticarum Comentarii" in lateinischer Sprache eine detailreiche Reisebeschreibung des russischen Zarenreiches von Wassilji III. verfasst. 1531 HerbersteinSiegmund Herberstein Siegmund Herberstein Moscovitische ChronicaRerum Moscoviticarum commentarii

Auf dem Rückzug von der erfolglosen Belagerung Wiens brennt Sultan Süleyman I. mit seinen Truppen im August in der Oststeier die Dörfer Grafendorf, Neudau, Kirchberg, Gleisdorf und Leibnitz nieder und maschiert dann an Graz vorbei. Der türkische Geschichtsschreiber Bedschewi berichtet: "Am 11. September lagerte man vor der unvergleichlichen Stadt Gradsch. Wenn es im Lande der Ungläubigen eine ihr gleiche Stadt gibt, so ist es nur die Residenz des Königs in Wien." Mitte September schlagen sie in St. Leonhard ihr Lager auf und starten vom "Vogelbichl" (Ruckerlberg herunter Angriffe auf die Stadt. Reiter wollen die Murvorstadt in Brand stecken, werden aber zurückgetrieben. Der Grazer Feldhauptmann Hans Katzianer verfolgt das daraufhin weiter ziehende Türkenheer und fügt der von Ibrahim Pascha befehligten Nachhut eine schwere Niederlage zu. 8000 türkische Soldaten sterben auf dem Schlachtfeld.
Zur Erinnerung entsteht daraus der Brauch, dass am 23. Juni, dem Johannisabend, ein Tartarmann aus Stroh in der Karlau auf eine hohe Stange gebunden, angezündet und in die Mur geworfen wird.

Der türkische Schriftsteller Szolaksade schildert den Türkeneinfall so: „Am 11. September passierte man durch den Paß des Leithagebirges und kam zur großen Stadt Gradschasch, welche die alte Residenz des misglücklichen Königs, welche mit Weinbergen und Wäldern, mit Gärten und Feldern die Wahrheit des Ausspruches Mohammeds bewies: die Welt sei der Ungläubigen Paradies. Durch den hohen Mut des Länder erobernden Padischah wurde demselben auch die Eroberung dieser Stadt beschert und ihre Bewohner dem Schwerte zum Fraße gewährt.“

Der reiche Händler Georg Stürgkh, der 1518 von Kaiser Maximilian I. einen Wappenbrief erhielt, wird in den steiermärkischen Ritterstand aufgenommen. Er erbt von Thomas Oedenleich in der Herrengasse 17 am Grazer Hauptplatz ein Palais und erwirbt auch die Burg in Plankenwarth, nach der die Familie in der Folge ihren Namen trägt. Sein gegen ihn rebellierender Sohn Ludwig baut etwas tiefer unter der Feste gelegen eine eigene Burg, die Ludwigsburg.

1532

Türken Suleiman.I. Bela Ibrahim Pascha
Palais Stürgkh Plankenwarth

Einrichtung einer protestantischen Adelsschule in Graz. 1533  
Am Abend vor der Hinrichtung der Verbrecher Peter am Peinhausse und seines Knechtes Wolfgang sitzen der Anklärer, der Stadtbote, der Gerichtsdiener, der Henker und die beiden Verurteilten im Haus des Seinmetzen Wall in Judenburg zusammen und trinken um 1 Pfund, 1 Schilling und 11 Pfennig 40 Liter des guten "Zwölferweines". 1536 Hinrichtung
Stadtbild von Graz in einem Nachstich von G. Bouttats.

Häuser im Bereich Sporgasse, Bürgergasse und am Glockenspielplatz mit tiefgestreckten Parzellen. Sackstrasse mit Hofstätten (Kellersperg'sches Stadthaus, Krebsenkeller) und erstem und zweitem Sacktor. Blut- und Pomeranzengasse (Reichengasse) mit überbauten Schwibbögen.
1540 Graz
Sporgasse Sporgasse Pastete Palais Schwarzenberg Glockenspielplatz
Sack Sackstrasse Blutgasse Pomeranzengasse Krebsenkeller Krebsenkeller Krebsenkeller Sackstrasse

Wegen der ständigen Türkengefahr bewilligt König Ferdinand I. 3000 Gulden zum Ausbau der mittelalterlichen Steinmauern zu einer uneinnehmbaren Schloßbergfestung, einem gewaltigen Renaissance-Bollwerk (Stall-, Bürger-, Kanonenbastei mit Verliesen und der "Eisernen Jungfrau"). Dazu beruft er vorranig italienische Baumeister aus dem Raum von Como, die den modernen Festungsbau bestens beherrschten und wird damit zum Initiator für den intalienischen Renaissancestil in Graz. Unter der Bauleitung von Domenico d'Allio lässt er 1545 bis 1563 um die Stadt einen annähernd kreisförmigen Festungsgürtel errichten. Dazu werden 1544 noch 2 weitere Seilbahnen errichtet; eine direkt neben der ersten am Kai, die zweite vom inneren Paulustor zum Uhrturm.

Im Landhaus wird eine evangelische Schule eingerichtet.

1544 Kanonenbastei Stallbastei Bürgerbastei Bügerbastei Bürgerbastei

Johann von Malentein zu Prießenegg wird am 19. Juni durch Herzog Ernst von Bayern als Bischof Johann III. von Seckau (1546–1550) ernannt. Wegen mangelnder Amtsführung und der Aufrechterhaltung eines Konkubinats während seiner Amtszeit erhält er einen starken Verweis.

1546 Bischof Johann III.

Bau des Grazer Rathauses am Hauptplatz im Renaissancestil. Darin befinden sich auch die Hauptwache („Hauptwachplatz“) und im dritten Stock das Gefängnis sowie die Hinrichtungsstätte für hochgestellte Persönlichkeiten. Rechts vom Eingang, unter dem Arkadengang, in den „Rathauslauben“, können die Händler in Kaufläden ihre Waren anbieten.

Der protestantische Statthalter des Erzherzogtums Österreich unter der Enns (Landeshauptmann) und Vizedom zu Cilli, Hans III. Ungnad von Weißenwolf Sonnegg (1549-55), befiehlt, stengstens gegen die Zigeuner vorzugehen; sie werden mit Leibesstrafen belegt und ausgewiesen. Verrgeblich um die Religionsfreiheit bemüht, legt er 1556 seine Ämter nieder und geht nach Urach in Württemberg, wo er die "Windische, chrabatische und cirulische Thrukerey" gründet und die kroatische Übersetzung des Neuen Testaments in glagolitischen und kyrillischen Lettern druckt.

1550

Rathaus Ungnad Neues Testament

König Ferdinand I. verordnet, dass die Juden in allen österreichischen Ländern wegen ihrer lastelichen Taten und bösen Handlungen zur Unterscheidung von den Christen als Judenzeichen einen gelben Ring "an ihrem obern Rockh oder Klaid auff der lincken Seitten der Brust, offentlich und unverporgen gebrauchen und tragen sollen."

Die Stempfergasse mit ihren schmalen mittelalterlichen Häuserfronten markiert die nördliche Begrenzung des aufgehobenen Ghettos.

Dr. Philipp Renner, der aus Gamlitz in der Südsteiermark stammt („Philippus Renner ex Gamlitz“), wird 1533 vom Salzburger Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg in seiner Eigenschaft als Eigentümer der Diözese Lavant (die anderen 3 Salzburger Eigenbistümer sind Gurk, Seckau und Chiemsee) zum Bischof von Lavant ernannt, nachdem er zuvor schon 1511 als Suffragan des Salzburger Erzbischofs Weihbischof des Patriarchats von Aquileia für die außerhalb Friauls gehörenden Gebieten („diesseits der Berge“) wurde, die ihn berechtigen, bischöfliche Handlungen in Krain und in der Untersteiermark südlich der Drau, im Gebiet von Pettau, vorzunehmen. 1537, in einer Zeit der Türkeneinfälle, Bauernaufstände und der Verbreitung der Reformation in Kärnten und der südlichen Steiermark, wird Bischof Renner durch den römisch-deutschen König Ferdinand I. zum Hofkaplan ernannt und nach dem Tod des Seckauer Bischofs Johann von Malentein 1551 Administrator von Seckau. Seine letzte, In diesem Jahr dokumentierte Konsekrationsreise, führt ihn nach Edelschrott, Hirschegg, Stallhofen, Übelbach, Semriach und Passail.

1551

Juden-Generalmandat Philipp Renner
Palais Marx Stempfer Stempfergasse Stempfergasse Stempfergasse

Der Seckauer Bischof Petrus Percic (lat. Persicus 1553-72), auch Archdiakon der Unteren Steiermark und als solcher Pfarrer in Gratwein, unterhält seit 1530 die erste Steirische Druckerei. 1559 verkauft er dem Grazer Drucker Alexander Leopold sein Druckzeug (Fundament und Buchstaben), der als ältestes bekanntes in Graz gedrucktes Werk 1559 ein "Perckrechts-Buechel", eine Bestätigung des Weinbaurechtes im Herzogthumb Steyr, herstellt.

Der Grazer Stadtpfarrer Andre Gigler (1553-1570), ein verheirateter lutherischer Theologie, aber katholischer Kirchenzugehörigkeit, hält nach beiden Seiten hin offene Gottesdienste und ist Verfasser eines protestantischen Gesangsbuches von gereimten Evangelienstrophen, der "Gesangs Postill", des ersten steirischen Notendruckes. Für seinen Vater Lorenz Gigler, Schuhmachermeister und Marktrichter von Anger, lässt er ein gemaltes, hölzernes Grabdenkmal herstellen, auf dem im Hintgergrund auch die Silhoutte von Graz zu erkennen ist.

1553 Bischof Petrus Percic Frankh Gigler Frankh Gesangspostille

Am Schloßberg, westlich der Stallbastei wird der 94m tiefe Türkenbrunnen gegraben.

Zum Palas des vorderen Friedrichsbaus der Grazer Burg wird 1554 durch Domenico d'Allio ein Verbindungstrakt zum Burgtor mit einer überdachte Prunkstiege zum Palas angelegt.

1554 Türkenbrunnen Türkenbrunnen
Burghof Friedrichsbau Burg Pallas
Auf dem Reichstag zu Augsburg wird am 25. September im Augsburger Religionsfrieden zwischen Ferdinand I. und den Reichsständen nach der Formel "cuius regio, eius religio" beschlossen, dass nur der, der das Land regiert, den Glauben für das Volk bestimmen kann, nicht die Bewohner selbst. Jenen Bürger, die nicht konvertieren wollen, wird lediglich das „Recht“ eingeräumt, in ein anderes Land auszuwandern. Die konfessionellen Gegensätze zwischen den Geistlichen und Weltlichen auf Orts- und Landesebene werden dadurch aber nicht beseitigt, sondern eher zum Dauerzustand. Zwei Drittel aller Steirer bekennen sich zur reformierten Kirche. 1555 Augsburger Religionsfriede
1556–1560 Georg IV. Freiherr von Herberstein Landeshauptmann. 1556 Georg zu Herberstein
Die protestantischen Landstände, die in starker Konkurrenz zu den katholischen Landesherren mit ihrem Sitz in der Grazer Burg stehen, kaufen nach einem Brand der alten Landstube den ganzen Häuserblock Schmied-/Landhaus-/Herrengasse und lassen nach Plänen von Domenico dell'Allio ein neues Landhaus erbauen.
Rechts vom Eingang hängt die "Rumortafel" aus Kupferblech, welche unter Androhung von Strafe die Benimmregeln für den Landtag taxativ aufzählt:

„Mit der Fürst: Durchl: Erzherzogen Karls zu Oesterreich unsers gnädigsten Herrn u. Landesfürsten gdgsten Vorwißen Consens u. Ratification hat eine Hochlöbliche Laaft dieses Herzogthumbs Steyer in dem Landtag under anderen auch dahin beschloßen u. Befehl gethan, daß Niemand wer der auch seyn mag sich unterstehe in dießem Hochbefreyten Landthaus zu rumoren, die Wöhr, Tolch oder brodmeßer zu zucken, zu palgen u. zu schlage gleichfals mit andern Wöhren Ungebühr zu üben oder Maulstreiche auszugeben sondern hierinnen aller Gebühr und Bescheidenhait mit Worthen und Werthen zu gebrauchen. Welche aber darwieder handeln daß die selben nach Gelegenheit des Verbrechens an Leib und Leben unnachläßlich sollen gestraffet werden darnach sich männiglich wiße zu richten. Actum 20. Sept. 1588.“
1557 Landhaus Steinerne Saal Steinerner Saal
Landhaushof Landhaus Rumortafel Landhauskapelle

Nach der Abdankung Kaiser Karls V. wird sein Bruder König Ferdinand I. (1503-1564) in Frankfurt am Main als Kaiser des Heiligen römischen Reiches ausgerufen. Ferdinand, zwar Katholik, ist in Glaubensfragen aber wie schon sein Bruder ein Anhänger des restaurativen Reformmodells und verfolgt eine Politik der Kompromisse und der gegenseitiger Duldung zwischen den Religionen (cuius regio, eius religio): Nicht die Glaubenslehre ist wichtig, sondern konkrete Reformen wie die volkssprachliche Liturgie, der Laienkelch und die Priesterehe.

Die Landstände kaufen von Siegfried von Eggenberg das Neue Spital am Murtor und richten eine Stiftsschule ein.

Bürgermeister Hans Marchart.

1558

Ferdinand I. Hans Marchart

Für die Ausbreitung der Reformation spielen Flugschriften eine ungeahnte Breitenwirkung, die nicht periodisch erscheinen und aus Kostengründen meist keinen Einband haben. Seit 1559 existiert in Graz die landschaftliche Druckerei von Alexander Leopold, der das „Zehn-Gebote-Lied“ des evangelischen Lanschafts-Kaplan Balhasar Schelhin und das „Buch von der Gnade Gottes“, als auch das "Perckrechts-Buechel" druckt.
Die Propaganda für den jeweiligen Glauben steigert sich in den den Druckwerke der Protestanten (Georg Khuen aus Nürnberg, Jeremias Homberger aus Fritzlar, Phliipp Heerbrand aus Tübingen) bzw. Katholiken (David Saxenrhetor, Georg Scherer aus Tirol, Propst Peter Muchitsch) zu einem gegenseitigen gehässigen groben Provozieren.
1559 Perckrechts Buechel Khuen HombergerHomberger

Der Mathematiker, Astronom und Humanist Hieronymus Lauterbach (geb.1531 in der Oberlausitz – gest.1577 in Graz) zieht nach seinem Studium in Wien 1561 nach Graz und unterrichtet am landschaftlichen Gymnasium der evangelischen Stände Mathematik und Astronomie. Er ist der Erfinder des „Aequatoriums", eines Universalmessgerätes, mit dessen Hilfe man die Tag- und Nachtlänge, die Ortszeit, den Sonnenauf- und untergang und die Position auf hoher See bestimmen kann. Die Gebrauchsanweisung für dieses astronomische Instrument wird zusammen mit einem kolorierter Holzschnitt 1563 in der Offizin von Andreas Franck gedruckt.

Erbauung des 28m hohen Uhrturms mit einem hölzernen Wehrgang, 4 übergroßen Ziffernblätter mit verkehrten Zeigern und der "Armensünder- oder Lumpenglocke" zur Anzeige von Hinrichtungen.

Spitalsgründung durch Ferdinand I.

Bau des später 1775 durch Franz Anton Graf von Inzaghi umgebauten Palais am Bischofplatz 1 durch Graf von Stubenberg sowie des Inzaghi-Palais am Färberplatz.

1561

Aequatorium

Uhrturm Palais Inzaghi Georg Stubenberg d. Ä. Inzaghi

Als Kaiser Ferdinand I. stirbt, werden seine Länder unter seinen drei Söhnen aufgeteilt: Maximilian II. wird Kaiser und Erzherzog von Österreich (Böhmen, Ungarn, Nieder- und Oberösterreich), Ferdinand II. bekommt Tirol und die Vorlande und sein jüngster Sohn Karl II. wird Erzherzog von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Gradiska, Triest, Inneristrien). Das protestantische Graz wird damit Residenz eines katholischen Landesherrns und St. Ägid Hofkirche, von wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1590 aus regiert.

Johannes de Cleve, seit 1553 Tenorist in der Kapelle von Kaiser Ferdinand I., wird von 1564 bis 1570 Kapellmeister von Erzherzog Karl von Innerösterreich. Für die "Gesang-Postill" des Grazer Stadtpfarrers Andreas Gigler, den ältesten Notendruck Steiermarks, schreibt er zwanzig 4-stimmige Tenor-Cantus-firmus-Sätze, die eine Nähe zum Protestantismus vermuten lassen. 1579 widmet er Erzherzog Karl sein dritten Motettenbuch.

Die Stände fördern die gemeinsam arbeitenden Drucker Tobias Lauterbach und Zacharias Bartsch.

1564 Maximilian II. Ferdinand II. Bartsch Erzherzog Karl II. Innerösterreich
1565.Graz Gratium ratium

Anlässich der Hochzeit von Erzherzogin Johanna von Österreich, der jüngsten Tochter Kaiser Ferdinands I., mit Francesco I. de Medici, dem Begründer der Uffizien, am 18. Dezember in Florenz wird der Innenhof des Palazzo Vecchio von Giorgio Vasari mit Fresken habsburger Stadtansichten, darunter der Vedute von Gratz, ausgemalt.

Schloßhauptmann Pangratz Freiherrvon Windischgraetz lässt das Palais Saurau-Goeß in der Sporgasse erbauen.

In der Herrengasse wird vom Hofkriegsrat Servaz von Teuffenbach das Palais Breuner erbaut.

1565 Johanna v. Habsburg Francesco I. Gratz
Palais Saurau Palais Breuner Breuner
Zacharias Bartsch druckt das "Wappen Buch", eine Sammlung von 162 kolorierten Einblattholzschnitten adeliger Familien und einiger Städte der Steiermark: "Wappen-Buch darinnen aller geistlichen Prelaten Herre und Lanleut auch der Stett des loeblichen Fuerstenthumbs Steyer Wappen und Insignia mit ihren Farben, nach Ordnung wie die im Landthause zu Graetz angemahlt zu finden. Gedruckt zu Grätz durch Zacharias Bartsch Formschneider". 1567 Wappenbuch Wappenbuch Gratz Wappen Wappenbuch

In Graz gibt es etliche Priester, die sich zur Augsburger Konfession bekennen.

Die Landschaft erwirbt das Eggenberger Spital und die Allerheiligenkriche und gründet dort eine protestantische Stiftsschule, an der auch Johannes Kepler lehrt.

Mühlschlössl des evangelischen Landschaftsarztes Christoph von Gabelhoven im heutigen Volksgarten.

Schlosshauptmann Pankraz von Windischgätz.

Um die Bedeutung der protestantischen Bürgerschaft zu demonstrieren, findet zum Egydimarkt, am 7. September, auf der bürgerlichen Schießstätte der Kühtratte (heute Radetzkystraße) ein Schützenfest mit 126 Teilnehmern aus der Steiermark, aus Wien, Steyr, Salzburg, Wolfsberg und Melk statt, zu dem auch der junge Erzherzog Karl eingeladen ist. Dazu holt man sich aus Augsburg den bekannten Illuministen Leonhard Flexel samt Sohn Valentin als Pritschenmeister, eine Art Zeremonienmeister. In seiner bunte Narrentracht züchtigt er spaßhalber mit einem langen flachen Holz, der Pritsche, diejenige,, die gegen die Spielregeln verstoßen. Am letzten Tag der Festspiele tischt der Magistrat allen Schützen vor dem Rathaus ein königliches Festmahl auf zwölf grün geschmückten Rundtafeln auf. Nach der Preisverleihung defilieren die Teilnehmer und Musikantengruppen im Festzug durch die Stadt, angeführt von einem Buben in weiß-grünen Hosen und mit einer roten Fahne mit 62 goldenen aufgenähten Scheiben, die anzeigen, dass der hinter ihm folgende Schützenkönig, ein gewisser Ulrich Hold aus Ehrenburg, 62 Gulden gewonnen hatte.

1568 Mühlschlössl Windischgrätz
Flexel Stadtgeiger Schützenfest Schützenfest Schützenfest
Die "Landschaft" bewilligt 100 Gulden, um "auf den Stathurm allhie eine guette gerechte Uhr mit dreyen Zaigen" anfertigen zu lassen. 1569 Uhrturm

Nachdem Graz fast zur Gänze protestantisch ist, schickt auf Ersuchen von Erzherzog Karl II. das Wiener Kolleg im März den Jesuitenpater  Stephan Rimel für Fastenpredigten nach Graz.

Annibale Padovano (* 1527 in Padua; † 15. März 1575 in Graz), erster Organist am Markusdom in Venedig, organisiert am Hof von Erzherzog Karl in Graz die Hofmusik neu und folgt ab 1570 Johannes de Cleve (1528–1582) als Hofkapellmeister nach.

1570  

Der steirische Adelige Freiherr Andreas Eberhard von Rauber, im Rauberhof (dem späteren Lesliehof) in der Raubergasse Nr. 10 beheimatet, ist in ganz Europa wegen seiner riesigen Gestalt und unglaublichen Körperkraft, aber auch wegen seines Markenzeichens, einem bis zum Boden reichenden, zu 2 Zöpfen geflochtenen Bartes bekannt. Für seine Heldentaten soll er mit der Hand Helenas, der unehelichen Tochter seines kaiserlichen Freundes Maximilian II. (1564–1576) belohnt werden. Als plötzlich ein weiterer Bewerber, ein reicher spanischer Edelmann, auftaucht, soll ein Zweikampf die Entscheidung bringen. In Anwesenheit des Kaisers und seines Bruders Erzherzog Karl II. wogt das Ringen auf dem Tummelplatz hin und her, bis Rauber den Spanier auf den Boden wirft, ihn in einen Sack steckt und dem Kaiser zu Füßen legt. Unmittelbar danach findet in der nahen Kirche die Trauung statt. Die Ehe iat aber nur von kurzer Dauer und kinderlos. Erst Raubers zweite Frau, eine ungarische Adelige schenkt ihm dann 4 Kinder.

Mathias Wurgenbock erzählt in der Heidelberger Handschrift die Geschichte „Ain newes
lied von den faulen hawssmayde” in Graz.

Der Hofbibliothekar von Kaiser Maximilian II., der holländische Jurist Hugo Blotius, schildert auf seiner Durchreise von Wien über Neustadt, durch das Mürztal, über Bruck nach Graz und von da nach Venedig und Padua im Oktober 1571 Graz und den Schloßberg so: "Dieser ganze Weg von Prugg nach Graz ist zwischen Bergen gelegen und wurde mit mittelmäßiger Schnelle zurückgelegt. Graez oder Graecium ist eine Stadt mittlerer Größe, sattsam befestigt und erzherzoglicher Sitz, welche Erzherzog Karl in dieser Zeit vorzüglich teils befestigte, teils auch widerstandsfähig gestaltete. Von Norden erhebt sich steil der Schloßberg von allen Seiten reich mit Bergen umgeben, besonders durch die Abhänge zur Festung bestimmt. Jener Teil desselben, welcher zur Stadt steht, ist nämlich allmählich vom Gipfel absteigend in leichter Abschüssigkeit mit derselben verbunden. Das ganze Joch dieses Berges nimmt die Burg ein, von Natur und Menschenhand stark befestigt, sowohl prächtig als angenehm zu sehen. Eine Doppelmauer und große Befestigungswerke schützen den größten Teil derselben. Auf dem Gipfel des Berges selbst ragt sehr hoch und herrlich eine Burg über die Mauern, die schön bemalt und ausgestattet sind, innen sind vier bis fünf Militärkasernen, deren einige, eben gelegen, zur Aufbewahrung von Kriegsvorräten und genügenden Verteidigung des Waffenplatzes dienen. Gegen die Nordseite des Schloßberges liegt ein mit Weinreben bepflanzter Garten, genug groß, um Hirschen und anderen Tieren, so auch Rindern zu dienen. Waldungen hat er keine außer einem Eichenhain, der mit einem Teil gegen den Fluß zu sich erstreckt. So sind gegen Sonnenaufgang Gärten, gegen Mittag die Stadt und gegen Sonnenuntergang der Murfluß gelegen, gegen Norden der Weingarten; an den Seiten des Schloßberges ragen Klippen und Felsen, die schon ehevor standen." Auch der frühe Lastenseilzug wird erwähnt: "Hac subtrahuntur onera." „Die Stadt selbst hat vier Thore und eine große Vorstadt (Suburbium) gegen Westen. An der nördlichen Mauer der Stadt steht der Palast des Herzogs mit einem großen Platze, zusammenhängenden Gärten, einer Reitschule usw. Palast und Stadt versuchte der Fürst befestigter und geschlossener zu erbauen. Gegen den Fluß zu aber sind die Mauerbefestigungen schwach. Die Stadt selbst besitzt Stärke und Befestigungswerke. Ihre Gestalt ist ähnlich der von Wien, mit eingestürzten und wieder ausgebesserten Mauern. Straßen aber hat sie wenige, aber dafür breite, ebenso einen geräumigen Marktplatz. Sie liegt in einer großen Ebene, aber in unfruchtbarer Laghe.

1571 Freiherr von Rauber Tummelplatz
Wurgenbock
a
Kaiser Maximilian II. Hugo Blotius Lazarus Schwendi Schloßberg

Am 26. August 1571 ehelicht Erzherzog Karl II. in der Wiener Augustinerkirche seine Nichte Anna Maria von Baiern(1551–1608), eine Tochter des bayrischen Herzogs Albrecht V., eine fanatische Katholikin ("Jeden Morgen stand die Erzherzogin frühzeitig, schon beim Kerzenlicht, häufig bereits um drei Uhr des Morgens, auf ... In tiefster Andacht hörte sie hierauf drei heilige Messen, bisweilen sogar vier ... Wöchentlich pflegte sie wenigstens einmal zu beichten ... Häufig trug sie unter dem fürstlichen Gewand den groben Bußgürtel von der Bruderschaft des heiligen Franz, oder Armbänder von härenen Stricken." Sie bringt aus ihrer Heimat die ersten Jesuiten mit.
Wenzel Sponrib schildert in seinem, in der Zacharias Bart’schen Offizin gedruckten Büchlein „Grätz“ die „Wahrhaffte Beschreibung der hochzeitlichen Heimführung“ Marias, der Herzogin von Bayern durch ihren Gemahl Erzherzog Karl II. und die in Graz angestellten Feierlichkeiten vom 17. August bis 9. September in Wort und Bild: Das Brautpaar erreicht auf einem Hochzeitsfloß bei der Weinzödlbrücke am 9. September 1571 Graz. Durch 7 Triumphbögen bewegt sich der pompöse Hochzeitszug mit 3000 Reitern von der Herrengasse über die Sporgasse bis zur Ägydiuskirche, in der der Bischof von Seckau den Segen erteilt. Wie üblich feuern die Kanonen auf dem Schloßberg von den Bastionen ihren Salut ab. Die Bürgerschaft rückt in Waffen aus. Ein Turnier auf dem Tummelplatz verschönert ebenso wie eine Ehrenpforte und herrliche Bauten auf dem Platz die Feier. Die Landschaft überbringt als Brautgabe 25000 Gulden in bar und Kostbarkeiten im Wert von 15000 Gulden.
Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten ist auch der in Mons in Flandern geborene Orlando di Lasso (1530-94), einer der bedeutendsten Komponisten der Renaissance und Leiter der bairischen Hofkapelle Herzog Albrechts V., des Vaters von Anna Maria von Baiern, mit seinen Landshuter Kapellmusikern anwesend. Mit seiner Kirchen- und Kammermusik (darunter das berühmte Vokalwerk "Tristis est anima mea") sowie mit seinen Commedia dell’arte-Aufführungen trägt er wesentlich zur Entwicklung des damaligen Musiktheaters bei. Erzherzogin Anna Maria ersucht auch in der Folge mehrmals in Briefen um seine Musik, bis Lasso selbst 1589 nach Graz kommt, um hier mit der Grazer Hofkapelle zu musizieren, wobei ein von ihm komponiertes Chorstück bei dem auf der Jesuitenbühne gespielten Drama "Christus Iudex" von Stefano Tuccis später1594 im Erstdruck von Lassos Motetten bei dem von Adam Berg in München ausgebildeten Grazer Drucker G. Widmannstetter erscheint.

Auch der Landschaftsmathematiker Hieronymus Lauterbach schildert dieses Ereignis in seinen „Newen Historien und Schreibkalender 1572“.

Karl.II. Anna Erzherzog Karl II. Hochzeit
Orlando di Lasso

Als Gegenmaßnahme zu dem unter den Landesständen zunehmenden Protestantismus holt Erzherzog Karl II. zwölf Patres der Jesuiten - eines durch Ignatius von Loyola gegründeten Ordens der Gesellschaft Jesu (SJ = Societas Jesu) - nach Graz und stiftet - als Gegenstück zur protestantischen Schule - der Grazer Pfarrkirche St. Ägid ein Kolleg mit einer 3-klassigen Lateinschule sowie ein Konvikt mit Alumnat, an dem 5 Scholastiker und 2 Laienbrüder aus Wien tätig sind. Der Jesuit Vinzenz de Verda baut das monumentale Jesuiten-Collegium mit prächtigem, 1.300 m² großen Renaissancehof sowie ein Konventgebäude mit einer dem Hl. Geist und der hl. Barbara geweihten Hauskapelle (heute Domherrenhof). In unmittelbarem Anschluss an das Kollegium wird in der Hofgasse der "Taubenkobel", ein Renaissancehaus mit Doppelfenstergestaltung, für Hofvicekanzler Wolfgang Schwarz erbaut, der es den Jesuiten ermöglicht, durch ein unterirdisches Gangsystem ungesehen in die Burg, in die Ägydiuskriche und sogar ins Landhaus zu gelangen.

Des Weiteren lässt er durch Baumeister Domenico dell'Allio die mittelalterliche Festung auf dem Grazer Schloßberg neu befestigen, die Burg durch den Karlsbau vergrößern und die "Neustadt", das Karmeliterviertel, angelegen.

1572 Jesuitenkolleg Burg Taubenkobel Burg Burg

Burg

Im Zuge der umfangreichen Erweiterung der Burg durch Erzherzog Karl wird unter der Bauführung von Marco Tadei parallel zum Palas über der Stadtmauer der Karlsbau der Burg und der zweigeschossige Aufbau des Eingangstraktes mit dem Trompetengang errichtet sowie der Palas und der Gang zur Ägydiuskirche um ein drittes Geschoss erhöht. Karls kunstliebende Gattin Maria von Baiern lässt darin eine Schatz- und Kunstkammer eingerichten. Darunter Bilder von Jacob de Monte (1591), Frans Pourbus, vom Mantuaner Teodoro Ghisi (1587), Martino Rota, Balthasare Grineo, Ottavio Zanuoli (1587), Egyd de Rye (1596), Cornelisz Vermeyen oder der Prager Hofmaler Hans von Aachen (1598) und Joseph Heintz d. Ä.(1603). Ebenso lässt sie 1571 eine Hofkapelle einrichten, die von Sebastian Carlone stuckiert und vom niederländischen Maler Egyd de Rye mit Fresken ausgestattet wird. Das Altarblatt malt Giulio Licinio (1571).

Karlsbau Karlstrakt Graz Burgmauer BurgBurg
Ghisi Ghisi Rota Zanuoli Pourbus
Vermeyen Hans.v.Aachen Heintz d. Ä. Licinio Licinio

Hans von Schärffenberg,der letzte Landeshauptmann, der gleichzeitig auch als Hauptmann des Schloßbergs fungiert, unterzeichnet die „Grazer Pazifikation", in der Erzherzog Karl II. dem evangelischen Adel Gewissens- und Bekenntnisfreiheit zusichert ("Grazer Libell").

Georg Agricola, der 1770 vom Salzburger Erzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasy zum Bischof Georg III. von Lavant ernannt wird, erhält wegen seiner Rekatholisierungserfolge und seiner wirtschaftlichen Tüchtigkeit zwei Jahre später, am 25. Oktober 1572, auch das hochverschuldete Bistum Seckau als Bischof Georg IV. zur Verwaltung. Er kann die Schulden verringern, wird aber des Geizes sowie illegaler Kinder beschuldigt.

Auf halber Höhe an der Ostseite des Reinerkogels in Andritz befindet sich im Weinitzenwald eine heilkräftige Quellgrotte, in deren unmittelbarer Nähe sich seit 1572 eine Kapelle befindet, die an Stelle eines Kreuzstöckl errichtet wird, welches ursprünglich Ulrich von Gösting aus Dankbarkeit dem Patron der Brunnen, dem heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg, widmete, weil er nach seiner Rückkehr aus osmanischer Gefangenschaft von seinem "türkischen Leiden" (Fieber) durch dieses Quellwasser geheilt wurde. Später, 1688, wird durch Johann Seyfried von Eggenberg das Wallfahrtskirchlein zur barocken Kirche "St. Ulrich zu Ulrichsbrunn" ausgebaut und 1712 wegen des großen Pilgerandranges - vor allem beim jährlich am Ulrichstag (4. Juli) stattfindenden Volksfest - nochmals vergrößert.

Hans von Schärffenberg Religionspazifikation Landtagsabhandlungen Bischof Georg IV.
Ulrichsbrunn Ulrichsbrunn Ulrichsbrunn Ulrichsbrunn
Mit Stiftungsbrief vom 12. November 1573 begründet Erzherzog Karl II. die Lateinschule "facultas linguarum", um die ständische Macht der Protestanten im Lande zu brechen. 1573  

Erzherzog Karl II. erlässt nach dem Vorbild des von Kaiser Karl V. erlassenen Reichsgesetzes die "Steirische Landesgerichtsordnung", die festlegt, dass jede Form von Schadenszauber, wie Wetter-, Liebes-, Viehzauber oder Hostienschändung etc., mit der Todesstrafe zu belegen ist, wobei der berüchtigte "Hexenhammer" ("Malleus maleficarum") der Dominkanermönche Heinrich Institoris und Jakob Sprenger von 1487 den Bannrichtern konkrete Richtlinien zur Durchführung von Hexenprozessen gab. Zwischen 1546 und 1746 stehen in der Steiermark in 220 Gerichtsverfahren 820 Personen, großteils aus der bäuerlichen Unterschicht, vor Gericht.

Das erstmals 1462 erwähnte "Eiserne Tor" (Ungartor) wird durch eine unter Baumeister Domenico dell'Allio etwas nach Süden, auf die Höhe der Hans-Sachs-Gasse, verlegte Renaissance-Toranlage ersetzt. Vor dem Tor führt eine Holzbrücke über den Stadtgarben zur Kühtratte.

Die evangelische Landschaftsschule übersiedelt vom Landhaus in das Eggenbergsche Spital-Stiftungsgebäude am Paradeis nahe dem Murtor. Der lutherische Theologieprofessor David Chyträus, eigentlich David Kochhafe, aus Rostock arbeitet für diese Anstalt eine Schulordnung aus, die den Söhnen der landständischen Adeligen eine Ausbildung ermöglicht, die sie vom Elementarunterricht bis zu einer juristischen Ausbildung führt.

1574

Schinderhaus Hexenprozess Schmiedgasse Eisernes Tor Chytraeus

Wegen Zensurstreitigkeiten werden 1575 und 1578 die landschaftlichen Drucker Andreas Franck und Zacharias Bartsch verhaftet.

Der Landeshauptmann von Krain und Militär-Kommandant der habsburgerischen Südgrenze Herbard VIII. Freiherr von Auersperg verliert in der Schlacht von Budacki in Kroatien sein Leben. Die Türken bringen seinen abgeschlagenen Kopf sowie seinen gefangengenommenen Sohn Wolf Engelbrecht nach Konstantinopel. Ihre Stammburg Ursperg (Turjak) liegt südlich von Laibach nahe Gradez.

1575

Herbard Auersperg Turjak

Erzherzog Karl II. von Innerösterreich beruft am 6. August 1577 den Gurker Fürstbischof Christophorus Andreas Graf v. Spaur als Statthalter in die Residenzstadt Graz, der dieses Amt bis 1584 bekleidet und als sein Hauptanliegen die Verteidigung des katholischen Glaubens gegen den protestantischen Adel sieht.

Das Grazer Stadtpalais Lengheimb in der Bürgergasse 4 (Stainzerbauer) mit Türken-Sgraffiti an den Innenhofarkaden.

Nach einem Festessen der Ausschüsse von Steier, Kärnten und Krain wird im Grazer Landhaus eine "Tragedj" aufgeführt.

1577 Spaur Bürgergasse Türkensgraffiti Palais Lengheimb
Auf dem Schoßberg wird in den ehemaligen Burggraben das Schloßhauptmannhaus gebaut, dessen riesige Kellergewölbe, die Kasematten, zur Aufnahme von Vorräten, aber auch als Kerker ("Baßgeige") verwendet werden. Die Wageninfahrt an der Westseite ist noch sichtbar. Heute als Freilichtbühne benutzt. 1578

Kasematten Kasematten Kasematten

Hofkriegsrats Franz von Poppendorf errichtet mit Erlaubnis von Erzherzog Karl II. außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer im Dorf Guntarn in der Paulustorvorstadt einen schlossartigen Ansitz. Unter dem nachfolgenden Besitzer Hofvizekanzler Wolfgang Schrantz wird sie erweitert und trägt den Namen „Schrantzenegg“. Nach dem nächsten Besitzer, dem Grazer Pfarrer und späteren Lavanttaler Bischof Georg Stobäus von Palmburg, wird sie schließlich als "Palmburg" bezeichnet. Dieser ist zwischen 1596 und 1609 auch Statthalter von Innerösterreich und erarbeitet für Erzherzog Ferdinand II. einen Plan zur Durchführung der Gegenreformation, in dem er rät, alle lutherischen Prediger, Stadträte und Bürger des Landes zu verweisen, sofern sie nicht zum katholischen Glauben übertreten.

Palmburg Palmburg Schrantzenegg

Nach den Religionsverhandlungen in München, bei denen ein genauer Plan zu Gegenreformation ausgearbeitet wurde, geht die katholische Seite zum Gegenangriff über und erlässt ein am 10. Dezember ein Dekret, dass in den landesfürstlichen Städten, Märkten und Herrschaften nur mehr die katholische Religion erlaubt. Trotzdem ernennt der streng katholische Erzherzog Karl II. seinen Vertrauten, den Lutherianer Georg „den Breiten“ von Herberstein, zum Landeshauptmann.

In Lipizza begründet Erzherzog Karl II. mit 3 spanischen Hengsten ein Gestüt zur Züchtung wertvoller Pferde für den habsburgischen Hof in Graz und mit den "Spanischen Karstern" die älteste Kulturpferderasse Europas. In Graz lässt er den alten Stall zu neuen Hofstallungen samt Zureitplatz am Tummelplatz vergrößern.

Der Fabricius Schreibkalender zeigt eine Darstellung von Graz um das Jahr 1540 mit einem mächtigen Kirchturm.

Besitzungen des Stiftes Rein in der Umgebung von Graz: Rothenburg-Schlössl im Eggenberger Gutsbesitz in Baierdorf (durch Abt Georg Freyseysen erbaut), Wirtschaftshof Schloss Reinthal in Hart.

Das Gut Sparbersbach wird an Mathias Aman verkauft, der es wiederum an Johann Leonhard weitergibt, welcher von Erzherzog Ferdinand das Recht bekommt, sich "von Sparbersbach" zu nennen.

1580 Lipica Fabricius Schreibkalender
RothenburgRothenburg Schloss Reinthal

Unter Einbeziehung der mittelalterlichen Stadtmauer wird in der Burg von Marc Antonio Tadei ein zweigeschossiger Registraturtrakt mit Renaissance-Arkadengängen, toskanischen Säulen und Sgraffitidekorationen als Verbindung vom zweiten zum ditten Burghof errichtet.

Das Herrschergeschlecht der Galler errichtet 1581 in Schwanberg neben der alten Burg aus dem 9. Jahrhundert ein Renaissanceschloss.

1581

Registraturtrakt Schwanberg Schwanberg

Erzherzog Karl II. lässt im Süden von Graz einen dritten, den unteren Tiergarten mit einem reichen Bestand von Damhirschen sowie Falkenhäusern und Reiherstadel anlegen und baut sich das nach ihm benannte Lust- und Jagdschloss Karl-Au als seine Sommerresidenz.

Am 23. Mai 1584 wird Maximilian Freiherr von und zu Trauttmansdorff-Weinsberg in Graz geboren, wo sein Vater, Johann Friedrich von Trauttmansdorff, am Hofe Erzherzog Karl’s II. die Würde eines Kriegspräsidenten und Geheimen Rathes bekleidet. Er dient Kaiser Ferdinand II. und Kaiser Ferdinand III. als Berater und ist maßgeblich am Sturz von Wallenstein beteiligt, wofür er an Stelle von Fürst Hans Ulrich von Eggenberg - einem einflußreichen Parteigänger Wallensteins - zum leitenden Minister und Reichsgraf ernannt wird.

1584 Karlau Karlau Maximilian Trauttmannsdorff-Weinsberg

Martin Brenner (11.11.1548 bis 14.10.1616), ein gebürtiger Schwabe, wird vom Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zum Fürstbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und schenkt dem Bistum Seckau die Burg Seggau bei Leibnitz. Bischof Brenner wird auch in den steirischen Landtag aufgenommen und unterstützt Erzherzog Karl bei der Durchführung der Gegenreformation: lautstark und wortgewaltig wettert er gegen die Evangelischen ("Was ist die Ursach, daß ihrer viel in so mancherlei Irrtümern, Schwärmerei und Ketzerei geraten? Sind in Glaubenssachen wankelmütige Wetterhähne, sind wie Rohre am Wasser, ducken, bucken, wenden, biegen sich nach dem der Winder gehet, als eben daß sie nicht gefirmet worden und ihnen abgehet die Frucht des Geistes ..."), weiht 12 neue Kirchenbauten ein, vertreibt die lutherischen Prediger, lässt ca. 28500 reformatorische Bücher vor dem inneren Paulustor und am Eisernen Tor verbrennen und beruft den katholischen Buchdruckers Georg Widmanstetter aus Bayern nach Graz. So gelingt es Brenner binnen eines halben Jahres in der gesamten Steiermark die Gegenreformation durchzubringen, weswegen er als „Malleus haereticorum“ (Ketzerhammer) bezeichnet wird und von der katholischen Kirche den Titel „Apostel der Steiermark“ erhält.

1585 Erzbischof Raitenau Bischof Martin Brenner Widmanstetter

Das Jesuitenkolleg am "Stöckl" ("Taubenkobel") in der Hofgasse 10 wird am 1. Jänner 1585 mit päpstlicher Bestätigung durch Erzherzog Karl II. zur Universität Graz mit dem Zweck ausgebaut, das katholische Bekenntnis nicht nur im eigenen Land, sondern auch mit Austrahlung in südslawische Gebiete sowie nach Ungarn und Polen zu stärken und auszubauen. In der St. Ägydius-Kirche wird dem ersten Rektor Pater Heinrich Blyssem am 14. April 1986 der Stiftungsbrief samt Szepter und Siegel übergeben. Die Lehrer an der Schule (theologische, artistische und sprachliche Fakultät) sind zunächst ausschließlich Mitglieder des Jesuitenordens. Der charakterlichen und wissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer wird besondere Bedeutung zugemessen. Gelehrsamkeit, Sorgfalt, Fleiß und Eifer in iden Vorlesungen und unbedingten Gehorsam gegenüber dem Orden verbunden mit einem uneingeschränkten Bekenntnis zur katholischen Lehre. Der religiöse Lernstoff beschränkt sich auf das Auswendiglernen des Katechismus und eine gründliche Kenntnis der Evangelien. Das Um und Auf des Unterrichtes ist die lateinische Sprache, wobei jeder Unterrichtshalbtag mit einer Lateinstunde beginnt. Der Griechischunterricht setzt erst in der vierten Klasse ein.

Die Kirche "zum hl. Ägidius" wird als Hofkirche den Jesuiten zugewiesen und die Pfarre mit Zustimmung von Papst Gregor XIII. von der Katharinenkirche ins Dominkanerkloster zum Hl. Blut (Stadtpfarrkirche) in die Judengasse verlegt, wohin die Pfarrgeistlichkeit mit Pfarrer Dr. Andreas Peyrer am 30. April 1585 übersiedelt. Aus Platzgründen werden aber die Pfarrgottesdienste trotzdem in der Hofkirche abgehalten. Die Dominikaner wiederum müssen nach St. Andrä ausweichen und der frei gewordene Stadtpfarrhof dient ab jetzt Neuankömmlingen als Wohnung.
Die bis ins 16. Jahrhundert am 6. Sonntag nach Ostern von Straßgang zur St. Ägidius-Kirche stattfindende „Exaudi-Prozession“ betont die frühere Zusammengehörigkeit der beiden Pfarren.

Jesuiten.Universität Gründungsurkunde Heinrich.Blyssem
Peham Stadtpfarrkirche Straßgang
Johann Graf von Montfort, Landeshauptmann 1586–1590.   Hans von Montfort

1587 findet an der Jesuitenuniversität eine "Deposition" statt, die Erzherzog Karl derart gefällt,, dass er auch seinen immatrikulierten neunjährigen Erzherzog Ferdinand gleichfalls deponieren lässt. Dieser symbolische Akt des Neueintritts an eine Universität begründet sich aus dem bereits 1158 durch Kaiser Friedrich Barbarossa verliehenen eigenen Universitätsrechtes „universitates magistrorum et scholarium“. Nach dem Vorbild der deutsche Gilden schließen sich vor allem an ausländischen Universitäten Studierende und Professoren gleicher nationaler Zugehörigkeit zum Zweck der gegenseitigen Unterstützung und Gestaltung des Lehrbetriebes sowie zur der Pflege der heimatlichen Bräuche in sogenannten "Nationes" zusammen. Die Studenten wohnen in gemeinsamen Kollegienhäusern, den "Bursen" (Burschen), tragen eine besondere Form von Kleider- und Haartracht (Couleur) und erhalten 1514 von Kaiser Maximilian das Privileg, Waffen zu tragen, Das Zeremoniell der Aufnahme von Neuimmatrikulierten (Deposition) war streng festgelegt: Der Neuling (Fuchs) wird durch allerlei Schabernack von seinem tölpelhaften Status des Pennälertums gereinigt. Im konkreten Fall in Graz muss der Bachant den hölzernen Homer, den er auf dem Kopf trägt, absägen. Vor dem "Quintus" (Leiter der Deposition) müssen anschließend alle Kandidaten einen Eid auf die katholische Kirche ablegen, dann werden ihre Lippen mit dem „Salze der Weisheit", die Nasenlöcher und Schläfen mit dem „Weine der Stärke und Zartheit" bestrichen und ihnen Wasser auf den Kopf gegossen, auf dass sie „Klarheit der Vernunft daraus schöpfen mögen". Mt der Formel „Alles zu Ehren der heiligen Jungfrau und der heiligen Facultäts-Patrone : Katharina und Xaver" schließt die förmliche „Aufnahme" (Adoptio).

1587

Erzherzog Ferdinand Imatrikulation Nationes

Im Auftrag von Erzherzog Karl II. wird von Antonio Marmoro der achteckige Glockenturm auf dem Schloßberg erbaut, in dessen Innerem die größte, von Martin Hilger gegossene Glocke von Graz, die „Liesl“, mit einem Gewicht von 4632 kg aufgehängt wird. Sie wird täglich um 7, 12 und 19 Uhr mit 101 Schlägen geläutet, weil sie aus 101 Kanonenkugeln der Türken gegossen wurde.

Druch Erzherzog Ferdinand wird das "Ferdinandeum" gegründet, eine pädagogische Anstalt für junge Musiker im Dienste der Hofkapelle, die ihnen Unterkunft, Verpflegung und den Zugang zum Jesuiten-Gymnasium bietet.

Zwei Rumortafeln mit Verhaltensregel bei den Eingangstoren ins Landhaus: "Mit der Fürst: Durchl: Erzherzogen Karls zu Oesterreich unsers gnädigsten Herrn u: Landesfürsten gdgsten Vorwißen Consens u: Ratification hat eine Hochlöbliche Laaft dieses Herzogthumbs Steyer in dem Landtag under anderen auch dahin be schloßen u. Befehl gethan, daß Niemand wer der auch seyn mag sich unterstehe in dießem Hochbefreyten Landthaus zu rumoren, die Wöhr, Tolch oder brodmeßer zu zucken, zu palgen u. zu schlage gleichfals mit andern Wöhren Ungebühr zu üben oder Maulstreiche auszugeben sondern hierinnen aller Gebühr und Bescheidenhait mit Worthen und Werthen zu gebrauchen. Welche aber darwieder handeln daß die selben nach Gelegenheit des Verbrechens an Leib und Leben unnahläßlich sollen gestraffet werden darnach sich mäniglich wiße zu richten. Actum 20. Sept. 1588."

1588

Liesl Liesl Glockenturm

Der Dominikanerorden übernimmt das kleine Kirchlein des Predigerordens von St. Andrä in der Murvorstadt und erwirbt für den geplanten Neubau die umliegenden Gärten. 1589 St. Andrä Andräkirche

Als der Sohn des Fassbindermeisters Ruepp Dietrich, dem Besitzer des Renaissancehauses der späteren "Goldenen Pastete", am 4. Juni durch den Stadtrichter Andreas Spiegl verhaftet wird, weil er trotz Verbot die protestantische Stiftsschule besucht hatte, kommt es vor dem Rathaus zu einem Aufstand von über 500 Bürgern, bei dem sogar der päpstliche Nuntius Malaspina und der Bischof von Gurk misshandelt werden. Der Tumult ist so wild, dass man von einer 2. Pariser Bluthochzeit spricht und deshalb der herzkranke Erzherzog Karl II. von Bad Mannersdorf nach Graz eilt, wo er im Alter von 55 Jahren am 10. Juli stirbt.

1590

Goldene Pastete Goldene Pastete Goldene Pastete

Als Erzherzog Karl II. am 10. Juli 1590 in Graz verstirbt und weil sein minderjähriger Sohn Ferdinand II. 12jährig noch an der Jesuitenunversität in Ingoldstadt studiert, übernimmt Erzherzog Ernst III. interimistisch die Rolle seines Vormundes sowie des Gubernators von Innerösterreich.
Ungeachtet der konfessionellen Auseinandersetzungen erweist dem Verstorbenen alles, was Rang und Namen hat, die letzte Ehre. Der Leichnam Karls wird zunächst in der fürstlichen Burg aufgebahrt; später zieht der feierliche Trauerkondukt von der „Alten Kirchn“ (Ägydiuskirche) bis zum Eisernen Tor. Dem aus Tirol in die Steiermark gekommene Dichter Sigmund Banstingl verdanken wird als offiziellem Berichterstatter in gereimter Form die detaillierte Schilderung des Leichenzuges in dem von Hans Schmidt in Graz gedrucktem Werk "Kondukt weiland der in Gott ruhenden Ihrer fürstlichen Durchlaucht Erzherzog Carls zu Österreich hochlobseligster Gedächtnis, welche am 10. Juli Anno 90 in Gott seliglich verschieden und den 17. Oktober in der fürstlichen Hauptstatt Grätz von der alten Pfarrkirchen nach gehaltenem Amt über den Platz durch die Herrengassen bis zum Eisernen Tor führet". Der Münchner Kupferstecher Georg Peham verewigt diese Ereignisse in einer insgesamt 17 Meter langen Kupferstichreihe.
Peham Karl II.
Erzherzog Karl II. Tauerkondukt

Um den Freiherrn Maximilian von Schrottenbach, von 1591 bis 1593 Landeshauptmann in Steiermark und Besitzer der Herrschaften Thal, Gösting und Eppenstein, rankt sich die Sage von der teuersten Lederhose, welche er aus einem am Sonntag verbotener Weise erlegten Hirsch fertigen lässt und deshalb 100 Golddukaten Strafe zahlen muss.

Sigmund Bonstingl berichtet in dem von Hansen Schmidt gedruckten Büchlein über das „in der fürstlichen Burgk zu Grätz“ vom 24. bis zum 27. November 1591 abgehaltene Hochzeitsfest von Karl I. Bernhard von Harrach, Freiherr zu Rohrau, Kämmerer von Erzherzog Ernst III. und Berater von Kaiser Ferdinand II., mit Maria Elisabeth Gräfin von Schrattenbach, der Tochter des Landeshauptmanns in Steiermark, Freiherrn Max v. Schrottenbach, zu dem die Erzherzoge Ernst III. und Mathias eigens nach Graz angereist sind. An dem dabei veranstalteten Ringstechen nehmen 18 Parteien von phantasievoll gwandeten Adeligen teil; darunter Octavio Caprian, Georg Andre von Hofkirchen, Hans Christoff Georger, Wolff Sigmund von Lostain, Friderich, Sigmund und Bernhardt zu Herberstain, Wolff Wilhem zu Volckersdorff, Ludwig von Starnberg, Wolff von Scherffenberg, Frantz von Racknitz, Ehrnreich und Georg Adam von Trauttmansdorff, Wolffgang zu Saurau, Sigmund von Eibeswald, Christoff Stadler zu Stedl, Oth und Christoff von Ratmansdorff, Christoff Rudolff von Wilfersdorff, Paul von Glaiach, Dietmar Rindscheit, Karl Kißl zum Kaltenbrunn, Georg Andre von Gleispach, Georg von Stubenberg, Gottfrid und Jacob Preuner zu Stübing, Frantz Formanthin, Hans Christoff von Gera, Seyfrid Preuner, Wolff von Lenghaimb, Bernhart von Mindorff, Rudolff Teuffel zu Gunerßdorff, Ulrich von Kindsperg, Kinßky, Rossel, Hans Lorentz Steger zu Ladendorff, Hans Jacob Kisel zu Kaltenprun, Ferdinandt Trautsamb, Ernst zu Eck, Leonhart von Harach.

1591

Schrottenbach Karl Harrach Hochzeit Harrach

 

Im Gedenken an ihren verstorbenen Gemahl Erzherzog Karl lässt seine Witwe Anna Maria von Baiern ein vom Niederländer Jacob de Monte gemaltes Epitaphbild in der Grazer Hofkirche zum hl. Ägydius aufhängen.

Als im Sommer Erzherzog Ernst III. nach Holland geht, löst ihn sein Bruder Maximilian III. der Deutschmeister ab und verwaltet für seinen jungen Vetter Ferdinand II. bis 1595 das Erzherzogtum Innerösterreich als Gubernator.

Der Erzherzogliche Rat und Hauptmann des Grazer Hauptschlosses, Ruprecht von Eggenberg, besiegt als Kommandant der habsburgerischen Truppen zusammen mit Andreas von Auersperg und Thomas Erdödy am 22. Juni 1593 in der Schlacht bei Sissek eine türkische Übermacht unter Telli Hassan Pascha. Dafür in den Freiherrenstand erhoben zieht er sich dann nach Graz zurück, wo er 1611 an Wassersucht verstirbt und schließlich seinem letzten Willen entsprechend in dem für ihn in Ehrenhausen 1609 von de Pomis errichteten Mausoleum beigesetzt wird.

1593

Jacob de Monte Ernst III. Maximilian III.
Türken Türke Sisak Türk Ruprecht von Eggenberg Ehrenhausen

Stadtansicht von Grätz in einem Kupferstich sowie einer Federzeichnung von Georg Peham.

Die 1586 zur Haupt- und Stadtpfarre erhobenen ehemalige Dominikanerkirche erhält ein neues Hochaltarbild mit der Himmelfahrt Mariae.

Siegmund Friedrich von Herberstein wird trotz seines „falschen" Glaubens letzter protestantischer Landeshauptmann der Steiermark.

Der 23-jährige Mathematiker und Astronom Johannes Kepler kommt nach einem 20-tägigen Fußmarsch nach Graz. Noch bevor er in Tübingen die Abschlussprüfungen an der Theologischen Fakultät abgelegt hat, wird ihm unerwarteter Weise im April 1594 die Stelle eines Lehrers der Mathematik und Astronomie an der protestantischen Stiftsschule angeboten. Kepler hält sich selbst für keinen guten Lehrer, andererseits aber sprechen ihm die Inspektoren ein gutes Zeugnis aus. Neben Mathematik und Astronomie unterrichtet er auch Rhetorik (Cicero) und über Poetik (Vergil). Den zweiten Teil seiner Anstellung bildet das Amt des "Landschaftsmathematikus", der für Eich- und Messwesen, Kartographie und die Erstellung der jährlichen Kalenders zuständig ist. Die Kalender sind Inbegriff der zeitlichen Ordnung und enthalten zusätzlich wichtige Voraussagen über Wetter, Ernte, Krankheiten, drohende Landplagen und bedeutende politische Ereignisse. Mit seinem "Mysterium cosmographicum" entwirft er die Grundlagen für seine Planeten-Gesetze.
Am 27. April 1597 heiratet Kepler Barbara Müller, die zweimal verwitwete Tochter eines reichen Mühlenbesitzers vom Mühleck-Schlössl aus Gössendorf. Die Hochzeitfeier findet im Stubenberghaus in der Stempfergasse (heute das Palais Inzaghi, Ecke Bindergasse/Bischofsplatz) statt, wo das junge Paar auch seine Wohnung bezieht. Anlässlich seiner Heirat schreibt er: "Der Stand meines Vermögens ist derart, daß, wenn ich innerhalb Jahresfrist sterben würde, kaum jemand schlimmere Verhältnisse nach seinem Tod hinterlassen könnte. Ich muß große Auslagen aus meinem Eigenen machen, denn hier ist es Sitte, die Hochzeit aufs glänzendste auszurüsten. Wenn mir aber Gott ein längeres Leben schenkt, so ist es sicher, daß ich mit dem hiesigen Ort verbunden und verkettet bin, was immer aus unserer Schule werden mag. Denn meine Braut hat hier Güter, Freunde, einen wohlhabenden Vater. Ich werde auch das Land nicht verlassen können, außer wenn sich ein öffentliches oder privates Unglück ereignet. Ein öffentliches, wenn für einen Lutheraner das Land nicht mehr sicher ist oder wenn es von dem Türken näher bedrängt wird. Ein privates Unglück wäre es, wenn meine Frau sterben würde." Dem Paar werden zwei Kinder geboren, ein Knabe und ein Mädchen, die beide jedoch, wenige Wochen alt, sterben. Über seine Frau bemerkt er etwas später wenig schmeichelhaft: "Sie ist fett und einfältig, außerdem zänkisch, geizig und hypochondrisch."t

1594

Peham Schlossberg Dominikanerkirche Siegmund von Herberstein


Kepler Kepler Kepler Kalender

Erzherzog Ferdinand kehrt aus Ingoldstadt nach Graz heim.

1595 Erzherzog Ferdinand

Ferdinand von Maschwander, Freiherr von Kranichsberg, widmet den beidseitig von Murarmen umflossenen Austein (Kalvarienberg) den Jesuiten, wo schon in der späten Jungsteinzeit eine Siedlung bestand.

Erzherzog Ferdinand schenkt dem Schlosshauptmann Pangratz Freiherr von Windischgrätz In der Sporgasse 25 einen Grund, auf welchem dieser das Palais Saurau-Goeß erbaut. 1630 erwirbt Carl Graf von Saurau das Gebäude samt Garten und Lusthaus. Aus einer der Dachluken lugt die Figur eines Türken mit Schild und gezücktem Schwert. Der Sage nach handelt es sich dabei um den türkischen Feldherrn Ibrahim Bassa, der beim Fluchtversuch aufgrund seiner Körperfülle in der Fensteöffnung stecken blieb, als während des Essens eine Kanonenkugel einschlagen hatte.

Am Hauptplatz wird erstmals das spätere Haus "Zum schwarzen Adler" mit der 1535 gegründeten "Adlerapotheke" genannt.

Im Kleindiensthaus "Zum roten Krebsen", in welchem sich Stallungen für 14 Pferde sowie 6 Kellergewölbe mit einem Fassungsvermögen von jeweils 40 Weinfässern a 500 l befinden, werden am 9. September 4 Startin "Radkersburger" (= 2100 l) ausgeschenkt.

Der landschaftliche Sekretär Stephan Speidel zu Vatersdorf lässt 1596 am Rosenhain ein kleines Schloss errichten. Nach seinen unterschiedlichen Besitzern wird es Speidlsegg, Minoriten-Schlössl, Luschinschlössl oder Rosegg genannt.

1596

Palais.Saurau Palais Saurau Palais Saurau
Adler Apotheke Minoriten-Schlößl

 

Am 12. Dezember leistet der nunmehr fast großjährig gewordene 18jährige Ferdinand II. als Erzherzog von Innerösterreich in der Burg den Landesständen den landesfürstlichen Eid. Ab nun führt er selbst die Regierung. Bald reist Ferdinand II. in Begleitung von Hans Ulrich von Eggenberg zum Marienwallfahrtsort Loreto nach Italien und gelobt, den Protestantismus in seinen Ländern abzuschaffen und den Katholizismus wieder zur alleinigen Religion in seinen Ländern zu machen. Zurückgekehrt, betreibt er nun mit großer Härte die Gegenreformation und Rekatholisierung.
Auch baut er seine Residenz in Graz aus, indem er einen 4 Stockwerke hohen Flügelbau bis zum Theater-Tor errichten und eine Schatzkammer, Kunstkammer und Bibliothek einrichten lässt.

Ferdinand II. Ferdinandstrakt Burg

Vom Kirchplatz der Ägidiuskirche, der größtenteils noch Friedhof der Stadtpfarre ist und von einer Steinmauer begrenzt wird, gelangt man über eine Stiege in die Jesuitengasse (Bürgergasse). In dieser kauft Erzherzog Ferdinand II. dem Grafen von Gleispach ein Gebäude ab und schenkt es den Jesuiten als Konvikthaus (heute Domherrenhof). Außerdem errichten die Jesuiten einen, die Jesuitengasse überwölbenden Quertrakt, der ihr Kollegium mit der Ägidiusdkirche verbindet und "Gilgenthor" genannt wird.

Maria von Bayern, die Mutter des erst 19jährigen Sohnes Erzherzog Ferdinand, lässt auf der Kuppe des Florianiberges bei Straßgang, auf dem sich schon eine kupferzeitliche Siedlung aus dem 4. Jahrtausend vor Christi sowie eine Fluchtburg des bayrischen Adelsgeschlechtes der Aribonen befunden hat, einen Neubau des zerfallenen Florianikirchleins errichten.

1597 St. Gilgenthor Florianikirchlein

Am 22. August Verleihung des Stadtprivilegs durch Erzherzog Ferdinand II.

1598 Stadtprivileg
An der Schwelle zum 17. Jahrhundert erreicht der Kampf zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus einen unrühmlichen Höhepunkt: Hexenprozesse, Folterung und brennende Scheiterhaufen sind an der Tagesordnung. Im Zuge der Gegenreformation bemühen sich der Landesfürst (Erzherzog Ferdinand II.) und die Kirche (Georg Stobäus von Palmburg, Bischof von Lavant und Statthalter Innerösterreichs) gemeinsam, den reinen Glauben wieder herzustellen. Alle evangelischen Schulmeister werden ausgewiesen, alle protestantischen Kirchen geschlossen und die adelige Stiftsschule zu einem Clarissinnenkloster umgewandelt. Nur schwer gelingt es ihnen, bedenkliche Formen des Aberglaubens hintanzuhalten. So treibt z.B. der erzherzogliche Hofkaplan, Paulus Knor von Rosenrod, einer Frau eine "ganze Legion" von Teufeln aus.
Am Fuß des Schloßberges werden im Zuge der Rekatholisierung 10.000 protestantische Bücher verbrannt. Erzherzog Ferdinand II., stiftet an diesem Ort das Kapuzinerkloster "auf der Stiege" und lässt die St. Anton-von-Padua-Kirche (Antoniuskirche) erbauen, für die Giovanni Pietro de Pomis das Hochaltarbild "Apotheose.der.Gegenreformation" malt.

1599

Palmburg Stiegenkirche Antoniuskirche Pietro de Pomis

Auch Johannes Kepler muss nach seinem 6-jährigem Wirken an der Stiftsschule der protestantischen Landesstände im Paradeishof wegen seines protestantischen Glaubens Graz verlassen. Kurz zuvor beobachtet er mit einer "camera obscura" noch eine Sonnenfinsternis auf dem Grazer Hauptplatz und besteigt den Schöckl: "In Steiermark ist ein Berg Schekel (Schöckl, 1445 m Seehöhe); wenn dieser sich mit einer kleinen Kappe bedeckt, steht sicher ein Unwetter bevor. Es ist das ein Berg von steiler ungeheurer Höhe, der die umliegenden Berge, die wahrlich auch nicht niedrig sind, um die Hälfte einer deutschen Viertelsmeile überragt, unter Berücksichtigung der Krümmung der Erde. Als ich auf ihm eine Beobachtung über die Krümmung der Erde mit Hilfe der Berge ohne den Himmel anstellte, sah ich, um Euch zwischenhinein eine Freude zu machen, viel Ergötzliches. Als wir an einem Sonntag hinaufstiegen, herrschte erst eine klare heiße Luft. Als wir auf dem Gipfel des ragenden Felsen standen, erhoben sich unterhalb des Berges allmählich Nebel. In Graz, das zwei Meilen entfernt ist, herrschte ein starkes Gewitter mit Donnerschlägen, die wir nicht hörten. Wir sahen alles unter uns. Die unteren Berge, nach denen wir zu visieren hatten, sah man durch die dunstige, dampfende Luft nur schlecht, nach der Zerteilung des Gewitters besser. Neben und unter uns sahen wir in der Luft hängende Wolken, schreckhaft geborsten, von ungeheurer Geschwindigkeit. Bisher hatte uns immer die Sonne geschienen. Plötzlich umringte uns ein Nebel, der wie rasend ungestüm vom Fuß des Berges zum Gipfel heraufstieß und schräg an uns vorbeistrich. Einige Augenblicke lang brach ein Regen vermischt mit kaltem Hagel los. Wo zuvor jene Seite vom Nebel bedeckt gewesen war, auf der sich vom Berg aus eine Aussicht weithin nach Ungarn und nach dem türkischen Gebiet auftut, zeigte sich ein wunderbarer Anblick. Über uns war Nebel, der den Himmel verhüllte, unter uns strahlendste Helle. Denn die Sonne beleuchtete nun das unter uns liegende Land, und zwar so stark, daß ein Stück Papier, das man hinhielt, mehr Licht von der Erde empfing, als von dem Nebel oben. Die Flüsse aber glänzten, obwohl sie gerade stürmisch waren, überaus hell. Es befindet sich auf dem Berg ein Schlund, ein Abgrund, von dem so viele Gewitterdünste aufsteigen, daß eine uralte Sage behauptet, durch das Werfen eines kleinen Steinchens werde ein Hagel verursacht, das heißt es hagelt eben sehr oft, ob man Steine hinunterwirft oder nicht; ich halte das für eine Täuschung der Sage. Denn wir haben das Loch nicht gefunden und doch entstand ein Hagel, wenn wir nicht vielleicht eben durch unsern Aufstieg den Berg gereizt haben."
Sein finanzielles Resümee klingt wenig schmeichelhaft: "Wenn es sich gerade ums Geld handelt, so muß ich sagen, daß ich in Graz geschunden worden bin."

In der Murvorstadt entstehen die beiden großen Marktplätze des Lend- und Grießplatzes.

Am 23. April findet in der Grazer Hofkirche die prunkvolle Hochzeit von Erzherzog Ferdinand II. (1578 bis 1637) mit Prinzessin Maria Anna von Bayern (1574 bis 1616) statt, deren Weihe der Bischof von Olmütz, Franz Fürst von Dietrichstein, vornimmt.
Bei den anschließenden Feierlichkeiten kommt das Drama "Theodosius und Ambrosius" von Michael Polt zur Aufführung, in dem die erzherzoglichen Brüder Maximilian Ernst und Leopold V. Ferdinand die Hauptrollen spielen.

Der Prior und bedeutende Kartograph des Augustinerklosters in Fürstenfeld, Johannes Clobucciaridi (* 1545, †1605), wird von Erzherzog Ferdinand IL mit der Herstellung kartographischer Landesaufnahmen Innerösterreichs betraut. Dieses einzigartige erste kartographische Werk über die Steiermark umfasst hundert Blatt Handzeichnungen. Clobucciaridi stirbt 1605 auf der Flucht vor den Ungarn.

1600

Kepler Harmonices mundi
Erzherzog Ferdinand II. Maria Anna von Bayern Bischof Franz von Dietrichstein Erzherzog Maximilian Ernst Leopold V.
Clobucciaridi

Johannes Ogilvie, als Sohn eines Calvinisten in Schottland geboren, konvertiert zum Katholizismus und tritt 1601 in den Jesuitenorden im Konvikt von Graz ein, bis er 1610 in Paris zum Priester geweiht wird. Er kehrt nach Schottland zurück, missioniert im Auftrag des Jesuitenordens und wird 1614 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Papst Paul VI. spricht ihn 1976 heilig. 1601 Johannes Ogilvie

Maria von Bayern lässt in der Hofkirche einen neuen hölzernen Renaissance-Hochaltar, den "Güldenen Altar" errichten.
Die Landschaft schenkt ihr als "Denkmal der Gegenreformation" das ehemalige protestantische Stiftsgebäude und Spital mit der bereits erstmals 1411 als "Kapelle bei der Murbrücke" erwähnten Allerheiligenkirche, welches sie den Klarissinnen zur Adaptierung ihres Klosters "zu Allerheiligen im Paradeis" überlässt. Pietro de Pomis malt dazu das Altarblatt.

Georg Widmanstetter druckt ein Katholisches Gesangsbuch von Nikolaus Beuttner.

An der Jesuitenuniversität wirkt der Theologieprofessor Martin Antonio Delrio.

1602 Güldener Hochaltar AllerheiligenkirchePietro de Pomis Catholisch Gesang Buch
Kaiser Ferdinand I. bringt aus seiner spanischen Heimat ein unserem Tennis sehr ähnliches Ballspiel mit, das Jeu de Paume, welches sich beim Adel bald großer Beliebtheit erfreut. So wird auch in Graz zwischen 1602 und 1605 direkt neben der Friedrichsburg unter der Leitung von Ballmeisters Ferrante Signorini ein dreigeschossiges "Ballenhauß" (Ballhaus) errichtet. Sehr bald werden die Räumlichkeiten neben dem schnellen Spiel mit Racket und kleinem Ball auch für Theateraufführungen fahrender Schauspieltruppen, Pilliar, Kartenspiel und im Fasching vor allem für Tanzveranstaltungen benutzt. Die heutige Bezeichnung für eine "Ball"-Veranstaltung leitet sich von diesem Ballhaus ab. Ballhaus Ballspielhaus Ballspiel

Bau des mit dem Wappen von Erzherzog Ferdinand II. und seiner Gattin Maria Anna von Bayern geschmückten äußeren Paulustores. Die Bastei zeigt vor- und zurückspringende Mauern, die einen "Orillon", einen geschützten Mauerwinkel bilden.

1604 Paulustor Paulustor
Paulustor Paulustor Paulustor
Aus politischen und religiösen Gründen fallen, von den Hajduken unterstützt, ungarische Adelige unter der Führung von Stephan Bocskay in die Oststeiermark ein und verheeren das Raab- und Ilztal bis zur Burg Kapfenstein. 1605 Stefan Bocsay

Freiherr Bernhard Walter von Waltersweil, Oberstallmeister von Erzherzog Maximilian Ernst, errichtet mit Zustimmung der Jesuiten an Stelle des Herrschaftsgutes namens „Leuzenhof" auf dem Austein drei Kreuze und beginnt mit der weiteren Ausgestaltung des Kalvarienberges als Nachbildung des Jerusalemer Kreuzigungshügels Golgota. Von Beginn seines Bestehens an ist er Ziel von Wallfahrten und Prozessionen, die sich bei der Stadtbevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Ausgangspunkt der sogenannten „Grazer Bußprozessionen“ ist die Domkirche. Von dort führt der Weg über die Hofgasse und Murgasse zur Mariahilferkirche und weiter durch das Lendviertel, die Zeiller- und Grimmgasse, bis zur Kalvarienbergkirche, unmittelbar neben dem Ziel am Kalvarienberg. Die Distanz dieses alten Prozessionsweges entspricht ungefähr der Länge der Via Dolorosa in Jerusalem. Graf Georg von Herberstein erweiter die Kapelle zur Kirche "Zum Heiligen Kreuz" mit einer Nachbildung der hl. Stiege im Vatikan. Auf der barocken Ecce-Homo-Bühne von Johann Jakob Schoy der 1653 errichteten Kalvarienbergkirche "Zum heiligen Kreuz" werden in Tradition des Jesuitentheaters Szenen aus dem Passionsspiel dargestellt. Die Deckenfresken sind von Anton Jandl, Johann Lederwasch und Matthias Schiffer.

Der Stainzer Propst Jakob Rosolentz verfasst einen „Gründlichen Gegenbericht“ zum Buch von David Rungius, der über die Tyrannei der Katholischen Kirche und Verfolgung des Protestantismus berichtet und die Ereignisse in Graz sowie die Inhaftierungen auf dem Schloßberg darin im Detail registriert.

1606 Murfähre Kalvarienberg Kalvarienberg Kalvarienprozession
Kalvarienberg Kalvarienberg
Nachdem sich die Franziskaner-Minoriten weigern, die Ordensregeln der nach Graz gekommenen Observanten (reformierten Minoriten) zu befolgen, müssen die Minoriten aus dem Franziskanerkloster in die Murvorstadt übersiedeln. Unter der Gönnerschaft von Erzherzog Ferdinand II., seiner Gattin Maria Anna von Bayern und Johann Ulrich von Eggenberg erfolgt nach Plänen von Pietro de Pomis und dem Vorbild der Kirche San Giorgio Maggiore in Venedig der Neubau eines Konventgebäudes und einer barocken Klosterkirche für die Minoriten am rechten Murufer. Als de Pomis für die Fertigstellung des Hochaltarbildes mehr Geld fordert, erblindet er und wird erst wieder sehend, als er Maria um Hilfe anfleht. Die Mariahilferkirche wird bald darauf nach Mariazell zur zweitwichtigsten Wallfahrtskirche und die Mariendarstellung zum Gnadenbild "Mariahilf" der Stadtmutter von Graz. 1607

Mariahilferkirche MariahilfSan Giorgio Maggiore Pietro de Pomis Mariahilf

In der Hofkirche "Zum hl. Ägidius" findet 1608 sowohl die Beisetzung Erzherzogin Maria von Bayern, als auch die Hochzeit von Cosimo Medici mit Erzherzogin Maria Magdalena (1608-1657) statt.

Im Fasching spielt die englische Schauspielertruppe des John Green in Graz. Ihre Faust-Aufführung ist die erste urkundlich erwähnte auf dem europäischen Kontinent.

Am 13. Juli 1608 wird Erzherzog Ferdinand Ernst von Österreich - der spätere Kaiser Ferdinand III. - in Graz geboren.

1608 Maria Magdalena Cosimo II. Medici John Green
Erzherzog Ferdinand (später Kaiser Ferdinand II.) eröffnet 1609 das an das Jesuitenkolleg neu angebaute Universitätsgebäude in der Hofgasse. Die Wappen Ferdinands und seiner bayrischen Gattin zieren den Eingang. Im Erdgeschoß befinden sich Vorlesungsräume, darüber eine Aula und ein Theatersaal, der unter Maria Theresia in einen riesigen Bibliothekssaal im Stil des Rokoko umgewandelt wird. 1609 Alte Universitaet Alte Universität
Erzherzog Ferdinand II. bestimmt den "Herzogshof" in der Herrengasse 3 als Wohnsitz für seinen jüngeren Bruder Maximilian III. und Pietro de Pomis muss die Fassade des nunmehrigen „Maximilianischen Hauses“ mit Fresken schmücken, die 1710 teilweise vom Grazer Maler Johann Mayer ersetzt werden. Ihre Darstellungen beziehen sich auf Szenen und Figuren aus der griechisch-römischen Mythologie wie die Atridensage, die Abenteur des Herkules, die trojanische Sage mit den Göttern Mars, Minerva, Aesculap, Prometheus, Ulixes, Apollo, Jupiter, Pluto und Achilles. Der Name "Herzogshof" leitet sich aus dem Jahre 1360 her, als der damalige Hausherr durch das Privileg Herzog Rudolphs IV. von allen Steuern befreit wurde, um dafür dem Landesherrn bei den Lehensverleihungen "den Thronsaal aufzustellen", also ihn standesgemäß zu beherbergen. 1610 Herzogshof Herzogshof Herzogshof Pietro de Pomis

Die Schüler der Jesuiten-Universität veranstalten die sensationelle Theateraufführung „Wilhelm von Aquitanien“, in der sogar Erzherzog Ferdinand II. selbst mitwirkt.

Der Astronom Johannes Kepler muss Graz verlassen.

1612

 

 

 

Erzherzog Ferdinand II. ernennt den Bischof von Gurk, Johannes VII. Jacobus Baron v. Lamberg, zum Statthalter und Hofkammerpräsident der innerösterreichischen Regierung in Graz. Aufgrund verschiedener Intrigen und der hohen Kosten für seine Hofhaltung wird er 1621 von diesem Amt enthoben. 1613 Lamberg

Bau des für Kaiser Ferdinand II. vorgesehenen Mausoleums mit der Katharinenkirche durch den Hofarchitekten Giovanni Pietro de Pomis aus Lodi und Pietro Valnegro an Stelle eines alten romanischen Karners. Gemeinsam mit dem Dom prägt das Gebäude mit der ersten, außerhalb Italiens gefertigten, ovalen Kuppel die Silhouette des Stadbildes und wird als "Grazer Stadtkrone bezeichnet.

1614 Mausoleum de.PomisMausoleum
Erzherzog Maximilian Ernst begründet aus Dankbarkeit am 20. Juni in Graz den Orden der Bamherzigen Brüder. Anlass dazu ist, dass durch die erfolgreiche und als Wunder angesehene Behandlung des aus Wien geholten Chirurgen und Bamherzigen Fraters Gabriel Ferrara die Amputation seines Armes erspart bleibt. 1615 Erzherzog Maximilian Ernst Frater Gabriel Ferrara Bamherzige Brüder

Unmittelbar vor dem Franziskanerkloster im Muruferbereich entsteht das "Kälberne Viertel" (Neutorgasse), das seinen Namen von den dort befindlichen Fleischbänken hat.

Nach Ehen mit Freiherrn Johann Jakob von Thannhausen, Christoph von Liechtenstein, mit dem Abt von Rein Ludwig von Ungnad Freiherr zu Sonnegg, mit Freiherr Carl von Teuffenbach, Graf Ferdinand Salamanca zu Ortenburg sowie der Anklage wegen zauberischer Kräfte heiratet Anna Neumann in Murau ihren sechsten Ehemann, Georg Luwig Reichsgraf zu Schwarzenberg, und überschreibt ihm ihre Herrschaft von Murau.

Vermählung des Grazer Regimentsrates Christoph Stürgkh von Plankenwarth mit Maria Sidonia Freiherrin von Khuenburg in Kindberg, Fräuleinhofmeisterin von Kaiserin Maria Anna (1637-39).

1617 Kälbernes.Viertel Georg Ludwig zu Schwarzenberg Anna Neumann Maria Sidonia von Plankenwarth
Erzherzog Ferdinand II. wird zum König von Böhmen, ein Jahr später auch zum König von Ungarn gekrönt.
Unter dem Jesuitenpater Rektor Wilhelm Lamormaini kommt es zu einer baulichen Umgruppierung in der Hofkirche: So wird ein Verbindungsgang zum gegenüberliegenden Jesuitenkolleg errichtet, ein Dachreiter mit Zwiebelhaube aufgesetzt, die Seitenwände der Kirche durchbrochen, 4 neue Seitenkapellen (Romuald-, Franz-Xaver-,Kreuz- und Mater-Dolorosakapelle) an das Kirchengebäude an- sowie 12 Kappellennischen mit Altären eingebaut und durch Pietro de Pomis die neue Sakristei dazu gefügt. Der gotische Lettner wird abgerissen, damit - entsprechend den Bestimmungen des Konzils von Trient - ein freier Blick auf den unangetastet gebliebenen Renaissance-Hochaltar gegeben ist. Ganz im Sinne der Gegenreformation wird auch der größte Teil der prächtigen Innenausstattung gestaltet. Als Paola, die jüngste Tochter Ludovicos II. Gonzaga, Leonhard von Görz heiratet, bekommt sie als Aussteuer "zwo große Truchen von Helffandbain, ausgeschnitzt mit Triumphen vnd Wapn des Haws zw Mantua", gefertigt von Renaissancekünstler Andrea Mantegna, welche den Triumph des Dichters Petrarca zeigen. 1617 kommen diese in den Grazer Dom, wo sie als Aufbewahrungsgefäße von Reliquien dienen, die Papst Paul V. dem Erzherzog Ferdinand II. geschenkt hat.und die Brauttruhen der Paula Gonzaga als Reliquienschreine aufgestellt.
1618 Hofkirche Ägidiuskirche Graz Paola Gonzaga

Als Erzherzog Ferdinand II. (1578-1637) am 28. August zum Kaiser Ferdinand II. des Heiligen Römischen Reiches gewählt wird, verlegt er die Residenz nach Wien, Graz bleibt aber bis 1749 die Hauptstadt Innerösterreichs. Gubernator wird sein ihm vertrauter Freund Hans Ulrich von Eggenberg.

Am 16. Oktober besucht Kaiser Ferdinand II, Graz. Das Jesuitenkolleg berichtet in einer von Ernst Widmanstetter gedruckten Schrift über diesen Besuch: "Summarische Relation, oder, Beschreibung der jenigen Triumph und Freudenporten, sampt andern unterschiedlichen Actionen, Auffzügen und Acclamationen welche zu schuldigen Ehren und sonderm Wolgefallen dem allerdurchleuchtigsten, grossmächtigsten, unnd unüberwindlichsten römischen Keyser, FERDINANDO II. König zu Hungern und Böheim, und Erzhertzogen zu Oesterreich, Steyr, Kärndten und Craim, ec. den 16. Octobris deroselben keyserlichen Mayestät, in die fürstliche Hauptstatt Grätz fröliche Ankunfft und Einritt auffgericht und angestellt worden. Von dem Collegio der Societet Iesv sambt dero hochlöblichen Vniversitet daselbsten. Geschehen im Jahr vnsers Hails M.DC.XIX. Gedruckt zu Grätz: bey Ernst Widmanstetter."

Obwohl Protestant, kommandiert der in Graz geborene Rudolph von Teuffenbach (Tiefenbach) 1618 eine Abteilung des in der Schlacht am Weißen Berg siegreichen kaiserlichen katholischen Heeres über die protestantischen Truppen mährischer Adeliger. Und als Teuffenbach 1623 zum Katholizismus übertritt, dankt ihm Kaiser Ferdinand II. in einem eigenhändig geschriebenen Brief geradezu überschwenglich: "... ich wollte Euch Euren Kopf küssen, wenn ich bei Euch wäre".
Zum Dank für den Sieg Ferdinands II. in Böhmen verbreitet sich als ein Mittel der Gegenreformation die Tradition, dass adelige Pilger nach ihrer Rückkehr von einer Loretowallfahrt Kapellen nach dem Original von Loreto als Stiftungen nachbauen lassen und Ferdinand II. verfügt als erster testamentarisch, dass sein Herz unter der Loretokapelle der Augustinerkirche in Wien bestattet werden soll. Damit begründet er die Tradition, dass auch alle folgenden Habsburger ihre Herzen in einer Urne dort bestatten lassen. 1636 erfolgt dann die Weihe der Grazer Bamherzigekirche mit einer getreu nachgebauten Kapelle von Loreto, des ursprünglich durch Engeln überführten Hauses der Mutter Maria von Nazareth nach Loreto.

1619

Ferdinand II. Ferdinand II. Ferdinand II. Eggenberg Teuffenbach
Loreto Augustinerkirche

Kupferstich von "Grätz in Steirmarck - Officium atque Fidem non ulla molestia tardat, Mitigat impositum, non Deus auget, onus. Kein Beschwerung, bey Iungn und Altn, Soll Ampc, Dienst: Treuw und Glaubn aufhaltn. Gott vermehrt nicht die Last so schwer, Sondern Er lindert Sie vielmehr."" in dem vom Poeten Daniel Meisner (*1585; †1625) und vom Kupferstecher Eberhard Kieser (*1583; †1631) verlegten Gedenkbuch "Poeta Laureatus Caesareus" ("Thesaurus philopoliticus" od. "Sciographia cosmica") mit einer Sammlung von Emblemszenen, Sinnsprüchen in Versform und Stadtansichten.

Im Rahmen des Ausbaues der Bastionen gegen die drohende Türkengefahr wird im Südwesten das 2-stöckige Neutor errichtet und auch das Burgtor erhält sein heutiges Aussehen.

1620 Grätz
Neutor Neutor Burgtor

Leonhard Götz, Bischof von Lavant, wird Statthalter der Steiermark.

Im Rahmen der Burgfried-Bereitungen (Abschreiten der Stadtgrenzen durch die Bürgerschaft) werden zur Markierung der Stadtgrenzen von Graz 25 Grenzsteine gesetzt

1621 Grenzstein Grenzstein
Kaiser Ferdinand II. heiratet iIn zweiter Ehe am 2. Februar 1622 in Innsbruck die Prinzessin Eleonore von Mantua (1598-1655), Tochter des Herzogs Vinzenz I. von Mantua. 1622 Ferdinand II. Gonzaga

Johann Ulrich von Eggenberg, wird in den Reichsfürstenstand erhoben und Statthalter von Innerösterreich sowie Herzog von Krumau in Böhmen. Er lässt den ursprünglichen mittelalterlichen Wehrbau "Orthof" nach Plänen von Giovanni Pietro de Pomis durch Laurenz van der Sype und Pietro Valnegro zu einem Repräsentationsschloss nach Vorbild des El Escorial in Madrid ausbauen. Der Bau als Symbol für strenge Zahlenordnung des mathematisch konstruierten Gefüges des Kosmosbesitzt vier Ecktürme, 365 Fenster, jedes Stockwerk hat 31 Räume und 24 Prunkräume mit 52 Fenstern. Mittelpunkt des Raum-Komposition ist der Planetensaal mit dem aus Salzburg kommenden Hofmaler und bei Carl Loth in Venedig ausgebildetten Hans Adam Weissenkircher geschaffenen Gemäldezyklus, einer Allegorie über das Goldene Zeitalter der Familie Eggenberg, mit den 7 Planeten, die gleichzeitig für die 7 alchemistischen Metalle, die 7 Wochentage, die 7 großen Besitzungen der Familie und die 7 wichtigsten Mitglieder der Familie stehen. Nachfolger als Hofmaler wird Johann Veit Hauckh.

1625 Eggenberg  Eggenberg Eggenberg Planetensaal

Im Anschluss an den zweiten entsteht der "Dritte Sack", der durch die Sackbastei und das dritte, mit einem 12m hohen Turm und einer 7m dicken Mauerdurchfahrt versehene Sacktor nach Norden (auf Höhe Deutscher Bund) abgeschlossen ist. In ihm gibt es mehrere Badeanstalten mit hölzernen Wannen und sogar ein erste öffentliches Bad, welches mit dem Wasser eines verschmutzten Seitenarmes der Mur, dem "Chotmur", versorgt wird. Auch mehrere Mühlen sind vorhanden.

Haus mit Schleppdach und Schupfwalmgiebel im dritten Sack.

Äußeres Sacktor 3. Sacktor
Dritter Sack Kai Dritter Sack Dritter Sack Kaiser-Franz-Josef-Kai 52 Dritter Sack Schlossbergkai
Ein vom flämischen Architekten Laurenz van der Sype begonnener und vom in Graz geborenen Radierer Wenzel Hollar vollendeter Kupferstich mit dem Titel "GRAECIUM VULGO GRATZ METROPOLIS STYRIAE" zeigt, vom Süden aus gesehen, in Vogelschauperspektive die befestigte Stadt Graz mit ihren Vorstädten. 1626 Gratz

Im Generalmandat vom 1.8.1628 verfügt Kaiser Ferdinand II., dass der protestantische Herren- und Ritterstand aus der Steiermark ausgewiesen wird sowie alle evangelischen Gegenschriften nur mehr im Ausland gedruckt und verlegt werden dürfen.

Um die Zahl der emigrierten protestantischen Adeligen zu ersetzen, holt Kaiser Ferdinand II. die reformierten Unbeschuhten Karmeliter, Pater Gerhard und Pater Johannes Maria, unter General Pater Dominiko a Jesu Maria, der ihm in der bedeutenden Schlacht des Dreißigjährigen Krieges der Katholischen Liga gegen die Protestantische Union am Weißen Berg wertvolle Dienste geleistet hat, 1628 nach Graz und stiftet ihnen auf dem 1578 von Erzherzog Karl II. angelegten und von Ulrich Fürst von Eggenberg zur Verfügung gestellten "Platz gegen die Burg" (Karmeliterplatz) ein Kloster. Auf dem Areal der Bürgerin Maximiliana Zollinger errichtet der Karmeliter-Laienbruder Carolus die Josefskirche. Die Inneneinrichtung stiften Adelige, wie etwa die Herbersteins, Dietrichsteins oder Inzaghis, die als Gegenleistung in den Kellergewölben neben den Weinfässern aus den untersteirischen Rieden eigene Grüfte einrichten dürfen. Nach der Klosteraufhebung 1784 wird das Gebäude ein Militärspital, 1918 das Landesgendarmeriekommando und 1985 das Steiermärkische Landesarchiv.

Gleichzeitig beschließt Kaiser Ferdinands II. äußerst fromme zweite Frau Eleonora Gonzaga den Karmelitinnen in Graz ein Kloster zur Bekehrung der "Kryptoprotestanten" (nach der Vertreibung illegal im Land lebende Protestanten) zu stiften.

1628

Karmeliterkloster KarmeliterklosterKarmeliterkloster Vizedomhaus

Der Bischof von Triest und Laibach, Rainald Scarlichi, wird Statthalter der Steiermark, die Freiherren der Attems in Graz werden in den Reichsgrafenstand erhoben.

Von der Familie Rucker wird auf dem, nach ihnen benannten, dicht bewaldeten Bergrücken "Rukhenperg" (Ruckerlperg) am Sparbersbach die bereits seit dem Mittelalter betriebene Vogelstellerei als Hofvogeljäger ausgeübt.

1630  

Der in Ranten geborene Reiseschriftsteller Martin Zeiller (1589-1662) schreibt in seinem "Itinerarium Germaniae - Teutsches Reyßbuch durch Hoch und NiderTeutschland": "St. Grätz m. logirt zum güldenen Hirschn in der Vorstadt, über der Murbrücke. In den alten Stiftsbrieffen wird diese Stadt Beyrisch-Grätz oder Gränitz genannt, zum Unterschied der Stadt Windischgrätz oder Gränitz, so auch in diesem Lande lieget. Sie ist zwar nicht so groß, aber schön und wol erbaut, und hat schöne und große Vorstädte, und ein schönes wol erbautes Land herum. In dem Wasser Muer ligt sie nach der Länge, und ben, hernach ziehet sie sich etwasgegen dem Berge. Ist ziemlich fest und mit einem Wallund Bollwerken auch schönen festen Thoren, versehen. Sonderlich aber wird das obere Schloß, so hochliget, fast für unüberwindlich gehalten: weilen solche Vestung auf einemBerg, so um und um frey, und felsicht ist, und dem gantzenLand herum gebieten kann. Und ist diese Stadt heutigesTags die Hauptstadt in ganz Steyer, allda auch die Landschaft ihr Land- Haus- und Einnehmer Ampt hat, und die Landtäge alhier angestellet werden. So ist auch da dieInner-Österreichische Regierung, dahin alle Apellationes auß Steyer, Kärnden, Crain, Windischen Marck, und Görtz gehen: Dahero stets ein grosser Adel da wohnet, auch jährlichzzween fürnehme Märckte, oder Messen, zu Mittfasten, und S. Aegidii, deren jeder vierzehen Tage währet, alhiegehalten werden. Der Wein Wachs und Getreidebau ist noch hierum so stattlich nicht, dieweil sich erst die Berge oberhalb anheben voneinander zu thun, darunter dann der Schöckel, oder Desacus, der höchste ist. Und wird unter der Stadt das Feld, so man von der Stadt das Grätzer-Feld nennet, je länger je weiter. Ich hab damahls, und folgender Zeit, zu Grätz nachfolgende Sachen gesehen: und erstlich zwar an Kirchen, 1. beym Eisenthor die Pfarrkirch, zum heiligen Blut genant, darinn ein schöner Altar. 2. Neben der Stadtmauer hin auf kommt man zu einem vornehmen Nonnenkloster, und dar 3. zur Burg- oder S. Aegidiikirche, welche derzeit die Jesuiter innen haben. Hat von aussen ein geringes Ansehen: inwendig ist sie aber aufs Herrlichste, sonderlich aber mit drey schönen, und grossen vergüldeten Altären, gezieret, in welchen Requien von S. Martino und S. Vicencitio seyn sollen. Darüber ist des heiligen Ignatii Loyolae Bildnuß sehr künstlich gemahlet, und mit Steinen versetzt. Auf der andern Seite seyn die Reliquiae S. Maxentiae, und der Arm von S. Agatha, alle in zweyen marmorsteinernen (!) Särgen, und über diesen letztem ist die Bildnuß S. Francisci, so mit dem H. Ignatio, ihres Ordens Stifter, neulich in die Zahl der Heyligen ist gesetzt worden, auch mit Steinen gezieret. Hinten daran hat man eine schöne runde Kirche Kirche mit 3 Thürmen, auf Italienische Art, vor die fürstl. Begräbnusse erbaut, in welcher albereit ihrer Kayserl. May. Ferd. II. erste Gemahlin, Maria Anna, eine gebohrne Hertz. von Beyern, neben der ältesten Herrn Sohn, Herrn Joh. Carolo, ruhet. Gegen gedachter S. Aegidii-Kirchen, so hoch liget, über haben die Jesuiter ein ansehnliches Collegium, daran ihr Conviet und unterschiedliche Schulen seyn. Hab, nach Mönchen, dergleichen, meines Wissens, vorhin nicht gesehen. Sie haben eine öffentliche und privilegirte hohe Schul, und einen ansehnl. Saal, darinnen Doctores pflegen gemacht, und andere actuspublici celebrirt zu werden. Es ist eine große Freqwenz alda von Studenten. 4. Bey dem Muerthor ist vorhin der Lutherischen Kirch und Gymnasium, die Stift genannt, gewesen, so zu einer schönen Kirchen, und zu einem daranstoßenden Nonnenkloster S. Clarae gemacht worden. Auf der andern Seite des Thores, auch gegen der Muer, haben 5. die Franziskaner ein schönes Kloster. Außer demselben Thor in der Vorstadt, haben &. die Fratres Misericordiae oder die Heilbrüder, ihre Wohnung, in welcher Kirche 14 Bette vor die Kranken stehen, denen sie Fleißig abwarten. In dem Garten siehet man die Bildnuß ihres Ordens Stifters, nehmlich Johannes Die so zu Zeiten des Ignatii Loyolae soll gelebt haben. Besser hinaus ist das Bürger-Spital, und gegenüber 7. S. Andrae Kirche und Freud-Hof, oder Gottes-Acker, in welchem viel Lutherische Herren, Frauen und Fräulein begraben ligen, und ihre Epiaphia haben: unter welchen ich ein Teutsches gesehen habe. Vor dem Sackthor wohnen 8. die Minoriten, und vor dem Pauliner Thor haben die Kapuziner ihr Kloster. Zum Andern, von andern Gebäuden hab ich alhie besichtigt 1. Die Burg oder fürstliche Residentz in der Stadt, nahend der Jesuiten Kirchen, darin ihre Kaeyserliche Majestät vor diesem hofgehalten. Der Bibliothecarius hat mich in die fürstliche Bibliothecam geführet, so in zweyen Zimmern. In dem ersten hat es ein schönes Uhr Werk. In dem andern seyn etliche geschriebne und denckwürdige Sachen vom Haus Österreich, und darunter eins Folio, darin zugleich die Wappen derjenigen, so von Anfang hero, biß auf unsere Zeit, und also über die 3000 Jahr, Österreich und Steyer sollen regiert haben. Der Gang, oder die Gallerie, darvor ist mit alten Gemäldenvon Keysers Caroli V. Thaten geziert. Gleich daran ist die fürstliche Kunst-Kammer, in welche ich aber nicht kommenkönnen, wiewol obgemeldter Jesuit für mich angehalten, und sich was über die Incivilitet desjenigen, so darzu den Schlüssel hatte, alterirt hat. Soviel ich von aussen durch die Fenster hinein sehen können, so ist es ein weitläuffiges großes Wesen: und sagte mir der Pater, daß etliche heidnische Götter darinnen, so die Amerikaner angebehtet haben, welche aus Hispania dahin gebracht worden seyn. Nahend dieser Burg ist das fürstliche Zeughaus. So haben auch die hochlöblichen Landstände in dero ansehnlich erbautem Landhause, in der Herrengasse gelegen, ein Zeughaus, welches mit großen Stücken, Rüstungen und Munition ziemlich versehen: aber Schad ist es, daß alles so eng beysammen sein und übereinander ligen muß. Drittens hab ich obgedachte Vestung, oder das Ober-Schloß, auf gnädige Eerlaubnuß des Herrn Burg-Grafens, Herrn Sigmunden Gällers, Freyherrn, seliger Gedächtnuß zu sehen bekommen, so eine Zeit hero, wie auch die Stadt selbsten, an unterschiedlichen Ohrten, etwas mehr als zuvor gewesen, fortificirt worden. Es seyn in diesem Schloß stets in die 60 Soldaten, und ist solches mit allem wol versehen: hat bey die 100 kleine und große Stücke, darunter die zwey grössesten, eins ein Türckisches, das andere so 1529 gemacht worden, welches die Türcken schon einmahl in ihrer Gewalt gehabt, und die Bildnuß Christi darauf zerstümpelt haben. In einem Thurn hab ich das Horn gesehen, welches man alle Morgen und Abend treten thut, so von vielen Pfeiffen gemacht ist. In einem andern Thurn hangt die große Bethglocke, so die alte Ertzhertz. dahin verordnet hat, die alle Morgen um 7 Uhr geläutet wird. Es hat dieses Schloß eine große Weite, und etliche Plätze, innen. Ist auch da eine Capelle für die Soldaten darbey ein Stück von einem Elephantenkopf gewiesen wird. Es hat auch etliche Roß- und Handmühlen: item einen sehr tiefen Brunnen , darauß man den Widerhall artig hört, der ist stets beschlossen, dami man solchen Nothfall rein und sauber haben könne. Unten in der Stadt bey dem fürstl Marstall war damals ein Tygerthier zu sehen. H. Georg Gäller, Freyherr und Kriegs-Rechts Präsident tc. alda, hat eine herrliche Bibliothec von allerhand unterschiedlicher Faculteten Büchern in 2 Zimmern, dergleichen bey einem Herr Dieses Lands vielleicht nicht wird zu finden seyn, so wol zu sehen. Das Hasenhaus zu Grätz ist schöner, als das zu Wien, und seyn alhie der Hasen unterschiedl. Aufzüge, und Haushaltungen, ordentlicher, als an jenem, abgetheilet; welches abermahl vor die fürwitzigen gesetzt wird, damit sie nicht, daß etwas vergessen worden, sonderlich an Wahrzeichen, zu klagen haben.

1632

Martin Zeiller

Graz Graz
Dietrichsteinbastei Stadtwall

Ein Stich von Daniel Manasser zeigt eine übersteigerte Grazer Turmlandschaft.

Im Rahmen des Neubaues der Kirche zum hl. Paul (Stiegenkirche) der seit 1588 im Kloster in der Sporgase ansässigen beschuhten Augustinereremiten erhärtet ein gemachter Fund von „nicht wenigen Menschenknochen“ die Meinung, dass die St. Pauluskirche "auf der Stiege" die ursprünglich erste Grazer Pfarrkirche ist.

Mehrmals, 1633/34 und 1645, grassiert der aus Ungarn eingeschleppte "Schwarze Tod" in Graz.

1633 1634.Graz Stiegenkirche Stiegenkirche
Am 11. März 1636 trifft der sächsische Ritter Georg Christoff von Neitzschitz per Schiff in Graz ein. In seinem Handbuch vermerkt er über Graz folgendes: "Dies Festung liegt auf einem Felsen, der Höhe nach der zu Preßburg in Ungarn fast gleich erbaut, ist überaus fest und stark, hat vil Pasteyen und war dieser Zeit mit 100 Soldaten besetzt. Oben sind drey Brunnen, davon einer sein Wasser aus der Mur, so unten vorbey fleußt , hat, ist so tieff, daß man wohl gar ein Vater unser ausbethen kann, ehe ein Stein hin abfallet. Gegen der Stat ist der Felß gar, auf der andern Seite aber, wo er ans Land hänget, ist er vom Lande mit einer tieffen Krufft abgeschnitten. Oben auf dem Wall stehen in dreyen Wachhäusern, an beiden Ecken und in der Mitten Soldaten, welche offt die Uhr schlägt, ein jeglicher eine Glocke anziehen, die flugs bey ihm im Wachthause hänget, und einen Lösungs-Schrey thun muß, also daß sobald der eine nur den Mund zuthut, der andere flugs mit seiner Glocke und Geschrey antwortet. Unten liegt die Stadt Grätz, welche die Hauptstadt und Residentz der Ertz-Hertzogen von Österreich in Nieder Steuermarck und ziemlich groß und wohl erbauet ist, also daß man gleichwohl eine Stunde haben muß, wenn man herumgehen will. Due Muer fleußt gar nahe beyhin, würüber eine lange Brücke in der Vorstadt gehet, auf welcher in die fünffzehen Krahm Laden sind. Unterm Schlosse ist ein Thiergarten, in welchem diesmal Tammhirsche giengen. Um die Stadt umher sind acht Pasteyen von gebranten Steinen, wie auch die Stadtmauer von solchen Steinen ist. Auf den Pasteyen stunden diesmal 36 Stücke alle mit Dächern besonders verwahret, und hat die Stadt vier Thore: Das Sack.Thor, an welchem wir bey unserer Dahinkunftt vorbey gefeahren, und ist dreyfach, das Unter- Mittel- und Ober Sack-Thor. Das Ober ist bey dem Muer Thor, hernach ist wieder noch ein Muerthor ausserhalb bey der Pastey; Das andere Stadt Thor ist das Eisen-Thor ist sehr fest und gantz mit Eisen beschlagen: Das dritte ist das Pauls-Thor, deren auch 2 hinter einander, eins aussen, das andere innen. Der Graben ist tieff hat aber kein Wasser, außgenommen bey dem ersten Muer-Thor bis an das Eisen-Thor. Das eusserste Sackthor ist von der Festung ab mit einer Mauer umschlossen, wie auch das Pauls-Thor. Damals war Jahrmarckt allda welcher drey Wochen währet und darft sich in der Zeit niemand schlagen bey hoher Straffe. Sobald aber der Marckt wirder außgeläutet ist mag einer kühnlich seine revange suchen." 1636
Neitzschitz Neitzschitz NeitzschitzNeitzschitzNeitzschitz

An der einzigen mautpflichtigen Grazer Murbrücke ist am Beginn der Murvorstadt der Gasthof „Zum Roten Igel“ (heute Hotel Wiesler) nachweisbar.

Kaiser Ferdinand III., 1608 in Graz geboren, wird Nachfolger seines verstorbenen Vaters Ferdinand II. Er iat von 1637 bis zu seinem Tode 1657 irömisch-deutscher Kaiser, überlässt aber in späteren Jahren die Staatsgeschäfte weitgehend dem ebenfalls in Graz geborenen Graf Maximilian von und zu Trauttmansdorff.

Von 1637 bis 1642 lehrt Pater Habakuk Paulus Guldin als Professor für Mathematik an der Jesuitenuniversität in Graz. 1577 in Mels bei Sargans in der Schweiz als Sohn protestantischer Eltern geboren, erlernt er das Goldschmiedehandwerk, konvertiert mit 20 Jahren zum Katholizismus und studiert nach seinem Eintritt in den Jesuitenorden in Rom Philosophie und Mathematik. Von 1618 bis 1619 weilt er bereits erstmals als Beichtvater im Krankenhaus der Bamherzigen Brüder und in der Ägydius-Jesuitenkirche in Graz. Nach seiner Wiederkehr aus Wien veröffentlicht er in seinem Hauptwerk "Centrobarycae" erstmals seine Guldinische Formel zur Berechnung von Rotationskörpern. Mit Johannes Kepler steht er im Briefverkehr, ist an der Verbauung und Begradigung der Mur beteiligt und setzt sich für die Seuchenopfer der Pest ein.

1637 Ferdinand.III. TrauttmansdorffPalais Trauttmansdorff GuldinGuldin
Reichsfürst Johann Anton I. von Eggenberg (1610-1649), Herzog von Krumau und Graf von Gradisca, Aquileia und Adelsberg, dient wie sein Vater Hansd Ulrich von Eggenberg treu dem Kaiser und reist in dessen Auftrag als Gesandter nach Rom, um Papst Urban VIII. in gebührender Weise die erfolgte Thronbesteigung von Kaiser Ferdinand III. anzuzeigen. Die verschwenderische Prachtentfaltung des von ihm aus eigenen Mitteln finanzierten Prunkzuges soll alles bisher in Rom Gesehene übertroffen haben. 1638 Johann Anton von Eggenberg Eggenberg Buchdecke

Johann Anton Fürst von Eggenberg vollendet das Prunkschloss und ehelicht in Regensburg die Prinzesssin Anna Maria von Brandenburg-Bayreuth.

Der Postverwalter Eustachius Khan erhält als erster die Erlaubnis zur Herausgabe einer Zeitung in Graz, dem "Wiener Blätl".

1639 Wiener Blätl

Elisabeth Katharina Freifrau von Galler, die Burgherrin ("Schlimme Liesl") der Riegersburg, lässt am Glockenspielplatz 7 das Ertelsches Haus, heute "Carolinenhaus" errichten. Der Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall verfasst über sie den Roman "Die Gallerin auf der Riegersburg".

1640 Riegersburg Glockenspielplatz Carolinenhaus Elisabeth Galler Joseph Purgstall

Kaiser Ferdinand III. greift die Idee seiner Eltern auf und bei einem längeren Aufenthalt in Graz stiftet seine Frau Maria Anna von Spanien den "Unbeschuhten Karmelitinnen" im Kälbernen Viertel am Fischplatz ein Kloster mit der Kirche Mariä Verkündigung. 1782 wird das Kloster als erstes von Joseph II. aufgehoben und dient dann als Militär-Knabenerziehungshaus, Militärspital sowie Quartier für französische Kriegsgefangene, bis 1934 der gesamte Gebäudekomplex abgerissen und zum Andreas-Hofer-Platz vergrößert wird, während die Karmelitinnen 1836 die Waldkapelle "Maria Schnee" am Fuß des Rosenberges in der Grabenstraße erwerben und zum Konvent des hl. Joseph umbauen.

1641 Maria Anna v. Spanien Karmellitinenkloster Karmelitinnen

Ulrich III. von Graben tritt am 8. Dezember 1642 erstmals als Landeshauptmann des Herzogtums Steiermark die Nachfolge des verstorbenen Eberhard VIII. von Walsee an und wird zum Geldeinnehmer des steirischen Gebiets "innerhalb der Drau" ernannt. 1469 folgt er Graf Wilhelm von Dirnstein als Landeshauptmann nach und wird Generaleinnehmer der Steiermark. Kaiser Friedrich vermacht ihm das Schloss Eppenstein und gestattet ihm, mit blauem statt mit rotem oder weißem Wachs zu siegeln. 1483 wird er zum Burggraf von Graz sowie zum Schlosshauptmann (Kastellan) des Grazer Schlosses berufen. Als solcher beschützt er Kaiser Friedrichs Tochter Kunigunde von Österreich, die er vor der Entführung durch den Ungarnkönig Matthias Corvinus bewahrt.

Nach Plänen des Tessiner Baumeister Antonio Solari wird an Stelle des Radmanndorf'schen Hauses das neue, füngeschossige Zeughaus errichtet, in welchem in der größten dieser Art erhaltenen Waffensammlung der Welt die Ausrüstung für 16.000 Mann Platz findet. Die Nischenfiguren neben dem Eingang zeigen Mars und Minerva.

Veit aus der bekannten Grazer Scharfrichterfamilie der Mosers übt als Freimann in Graz den unehrenhaften Beruf des Henkers aus. Als solchem ist es ihm nur erlaubt, am Rande der Gesellschaft nahe der Stadtmauer im Reck- oder Marterturm (Ecke Rauber- Kaiserfeldgasse) zu wohnen, in dem sich auch die Folterkammer befindet. Als Kennzeichen seines Berufes trägt er einen roten Flor am Hut sowie eine rote oder schwarze Kleidung mit einer Halskrause. Bei den hochnotpeinlichen Befragungen im Schinderhaus in der Raubergasse werden verschiedenste Folterwerkzeuge verwendet, um von den Gefangenen Geständnisse zu erpressen: Daumenschrauben, Schädelquetsche, Marterbrett, Streckleiter, Judaswiege, "Eiserne Jungfrau".

1642 Zeughaus Steirischer Panther Zeughaus Zeughaus
Reckturm Folter iserne Jungfrau

Nach der Niederlage des kaiserlichen Heeres gegen die Schweden im mährischen Jankau flüchtet Kaiserin Maria Anna samt ihrer Familie nach Graz. Ihr ältester Sohn Erzherzog Ferdinand Franz wird in die Studierenden-Matrikel an der Jesuitenuniversität eingeschrieben.

Am 13. April 1644 erbt der minderjähjrige Ferdinand Erenst Freiherr von Breuner das Gut Sparbersbach. Seine Mutter Regina, eine geborene Gräfin Wagensberg, verkauft 1652 den "Hoff Waltendorff" an Hans Georg von Kaltenhausen. Da dieser aber den Preis nicht zahlen kann, bleibt das "Freygut Sparbersbach" im Besitz von Anna Regina Breuer. Später wird durch Carl Gottfried Graf von Breuner baut das Schloss mit Kellern, Gewölben, Ställen, Meierhof und Stadeln, Wurz- und Baumgarten, Weingarten, Eisgrube sowie 2 großen Teichen, Wäldern Wiesen und Äckern umgebaut.

1644 König Ferdinand IV.

Schreiben an Kaiser Ferdinand III.: "Dem Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten und überwürdlichsten Fürsten und derer Herrn Ferdinandoden Dritten Erwehlten Römischen Kayßer zu allen Zeiten mehrerndes Reichs in Germanien, zu Hungarn, Bohaimb, Dalmatien, Croatien und Slawonien König, Erzherzogen zu Österreich und Kärndten, Herzogen zu Burgundt, Steyer, Krain und Württenberg, in Ober- und nider Schlesien Markgraven Zu Mähren, in Ober- und nider Lausnig, Graven Zu Herb Pürg, Tyrol und Görz. Unserem allergnedigsten Herrn und Erblandtsfürsten. Gr: 1. April 1648"

Johann Maximilian I. Reichsgraf von Herberstein, Freiherr zu Neuberg und Gutenhag, verehelicht mit Eleonore Katharina Freiin von Breuner, ist von 1648 bis 1660 Landeshauptmann der Steiermark.

Ferdinand Joseph gefürsteter Graf von Dietrichstein, Erbland-Jägermeister im Herzogtum Steiermark, stiftet auf dem von Gräfin Kinsky geschenkten Grund den Kapuzinern einen, dem hl. Johann Baptist geweihten Klosterneubau am Graben (heutige Grabenkirche). 1656 vermählt er sich in Graz mit Maria Elisabeth Prinzessin von Eggenberg.
Gleichzeitig gestattet Christoph Freiherr von Eibiswald den Kapuziner-Brüdern am Mühlgang die Errichtung einer Tuchwalke, mit der sie alle Kapuzinerklöster Innerösterreichs mit Kleidung versorgen.

Drei Pestjahre fordern allein im Unterland 10000 Menschenleben.

1648 Schreiben an Kaiser Ferdinand III. Johann Maximilian I. von HerbersteinStadtrat Ferdinand Joseph DietrichsteinDietrichstein
Nach dem frühen Tod von Fürst Johann Anton I.von Eggenberg im März 1649 kommt es zwischen seinen beiden Söhnen Johann Christian und Johann Seyfried wegen der Aufteilung des väterlichen Erbes zu jahrelangen Differenzen. Man einigt sich schließlich: Johann Christian erhält die böhmischen Länder mit der Residenz in Krumau, Johann Seyfried die innerösterreichischen Besitzungen mit dem neuen Grazer Schloss Eggenberg. Gradisca wurde im Namen beider Brüder regiert. 1649  

Errichtung des Hainrichperg'schen Bürgerhauses (seit 1887 Bärenapotheke) in der Herrengasse mit einer lebensgroßen Sandsteinstatue der Madonna mit Kind.

Aufgrund eines fehlenden Theatergebäudes darf das Ensemble des Johann Vaßheuer im Ballhaus neben der Burg auftreten. Es folgen weitere Schauspielertruppen wie Johann Wohlgehaben, Peter Schwartz oder Andreas Elenson.

Metahofschlössl in der Annenstraße, Stadtpalais der Kaufmannsfamilie Wertl von Wertlsberg an der Ecke zur Mariahilferstraße, Schloss Lustbühel.

1650 Herrengasse Bären-Apotheke
Metahofschlössl Palais Wertlsberg Lustbühel Lustbühel

Der Herrschaftssitz der Rosenberger, der palaisartige "Rosenhof" (später "Rosenegg"), wird von den Jesuiten als Sommerrefektorium übernommen.

1654 Jesuitenrefektorium Rosenhof

Der gebürtige Linzer Jesuit Johann Grueber empfängt nach seinem Philosophiestudium, seiner Anstellung als Gymnasiallehrer sowie seinem vierjähriges Theologiestudium in Graz 1655 die Priesterweihe, bevor er den Auftrag erhält, im Rahmen der Asienmission einen Landweg nach China zu erforschen. Gemeinsam mit seinem Ordensbruder Bernhard Diestel, der ebenfalls zwischen 1642 und 1651 das Studium aus Theologie und Philosophie an der Carolo-Franciscea in Graz absolvierte, bricht er über Venedig, Isfahan. Indien, Macao nach Peking auf, wo die beiden 1659 eintreffen und zwei Jahre lang am Hof des Kaisers Shunzhi im astronomischen Amt beschäftigt sind. Nach dem Tod von Reisegefährtem Diestel und Kaiser Shunzhi begibt sich Grueber auf den Rückweg nach Europa, wo er zwischenzeitlich am 8. Oktober 1661 als erste Europäer in die tibetanische Hauptstadt Lhasa gelangt. Nach einem einmonatigem Aufenthalt setzt er seine Rückreise über Nepal, Benares, Agra sowie Kabul fort und trifft am 20. Februar 1664 wieder in Rom ein. Seine detaillierten, mit zahlreichen Zeichnungen versehenen Reiseberichte erregen großes Aufsehen.

1655 Lhasa
Der Grazer Jesuitenpater Christian Wolfgang Haerdtrich, Professor der Humaniora und Rhetorik an der Jesuitenuniversität, bricht im Jahre 1656 nach China auf, wo er aufgrund einer schweren Krankheit erst nach 4-jähriger Reise in der Provinz Kiangsi ankommt. In der Folge bereist er unter Zuhilfenahme des von Martin Martini herausgegebenen "Atlas Sinensis" die Provinzen Schansi und Honan im Osten und vertieft sich ins Studium der chinesischen Sprache. 1669 wird er nach Kanton verschleppt, wo er andere Jesuiten trifft und schließlich von 1671 bis 1676 in Peking an der Astronomischen Akademie als Lehrer für Mathematik tätig ist. Danach wird Haedtrich von Kanghsi, dem 2. Kaiser der Qing-Dynastie an dessen Hof berufen. Hier verfasst der Philologe sein bedeutenstes Werk, das erste Lateinisch-chinesische Wörterbuch der Geschichte. Drei Jahre nach seinem Tod 1684, bei dem Kaiser Kiang Tscheu ihn persönlich in seiner Grabinschrift mit den Worten "ein ausgezeichneter Mann aus Europa" ehrt, erscheint in Paris sein Werk "Confucius Sinarum Philosophus", in welchem Haerdtrich erstmals von den Lhren eines gewissen Konfuzius berichtet. 1656 Atlas Sinensis Martin Martini
Kangshi KonfuziusKonfuzius

Erzherzog Leopold V. folgt am 2. April 1657 dem an Pocken verstorbenen Ferdinand III. nach und wird am 18.7.1658 zum römischen Kaiser Leopold I. gewählt.

Grundriss der steirischen Hauptstadt mit ihrem noch immer fortifikatorischen Zustand.

Am 2. August geht über dem Grazer Feld ein verheerendes Unwetter mit faustgroßen Hagelkörnern in der Form von Totenköpfen nieder. Der Präsident des Innerösterreichischen Geheimen Rates, der Seckauer Bischof Johann Markus IV. von Altringen, ist der Meinung, dass dabei Zauberei im Spiel sei und fordert vom berüchtigten Bannrichter Johann Andreas Barth die Ausrottung aller Schuldigen. Unter Folter gestehen zwei Kirchendiebe, die Bettler Max Ruprecht und Sebastian Kögl, die Blutschande mit der Mutter, den Verkauf gestohlener Hostien an Juden sowie die Schuld am Gewitter. Als Mittäterin geben sie die bekannte Wirtin Susanne Prandtauer (die "Prandtauerin") des gut gehenden Gasthauses in der Sporgasse 12 an, welche vermummt an einem Treffen mit dem Teufel am Schöckl teilgenommen hätte, wo sich die Hexen aus ganz Mittelsteier trafen und einen Topf mit einem Koch (Brei) so tief in ein Loch eingegraben haben, wie sie später, als die Hexen in schwarzen Nebel als Raben verwandelt, die Hagelschloßen auf Graz niederprasseln ließen. Einer der Männer wird wegen Zauberei zum Tode verurteilt und hingerichtet.

1657 Leopold I. Graz.Grundriss
Schöckl Hexenloch Hexen Hexenprozess Hexen
Der Epigrammatiker Lepaldt Adam von Lebenwaldt aus Oberösterreich studiert in Graz Philosophie und - da es in Graz keine medizinische Fakultät gibt - in Padua Medizin, wo er 1652 zum Doktor der Medizin promoviert. Als Landschaftsmedikus für das Enns- und Paltental sowie Leibarzt des Abtes von Admont tritt er gegen Kurpfuscherei und Aberglauben auf und wird wegen seiner Verdienste als Pestarzt von Kaiser Leopold I. 1659 geadelt (Adam Johann Christoph Lebaldt von und zu Lebenwaldt) und 1679 durch Kaiser Leopold zum Dichter gekrönt (Poeta laureatus). Von ihm erscheinen unter dem Titel "Poetische Schimpf- und Ernstreden" eine Sammlung von Epigrammen, das Schäfergedicht "Der poetische Frühlings-Spatziergang", fast 200 lyrische Verse "Von dem Lobwürdigen Stand deß lustigen Mayrschaffts-Leben", acht "Tractätel von deß Teuffels List und Betrug" zur Aufklärung des auswuchernden Teufelsglauben, eine "Damagraphia oder Gemsenbeschreibung" oder ein umfangreiches "Land-Stadt- und Hauss-Artzney-Buch". 1659 LebaldAdam.v.Lebenwaldt

Feierliche Erbhuldigung von Kaiser Leopold I. vom 23. Juni bis 20. August 1660 in Graz. Von Wien kommend wird der Kaiser im Norden von Graz in St. Gotthard von den Ständen empfangen und in einem prächtigen Einzug nach Graz geleitet. Am 5. Juli wird ihm dann durch alle Landleute, vom Herren-, Ritter- und Beamtenstand, gehuldigt. Neben dem Kaiser und seinem Hofstaat sind auch Erzherzog Leopold Wilhelm, der regierende Herzgo Karl von Mantua, die spanischen und venezianischen Gesandten und zahlreicher Adel anwesend:
Lista Der jenigen Prälaten / Graffen / Herren /Freyen und Ritter / welche der Erbhuldigung beygewohnet / und durch den Weißpecten Ambes Adjuncten / Hanns Feyerer / sovil möglich zu observirn war / beschreiben worden / wie Sie in der Landstubn / zur Huldigung nach Hof zufahren zusammen kommen; Der übrigen Mehrer erschienenen Lands-Mitglider nomina die Landschafft Trompetter hätten sollen beydringen so aber nit allerdings deschehen. Diese nachfolgende vermischte Ordnung / soll keines Geschlecht / oder Standt / an seiner Anzieniter, Praerogativ oder Praecedenz praejudicirlich: Sondern promiscue zuverstehen seyn. Item der Abstand wird benennt / wie das Geschlecht darnach Anno 1660 selbigen gehabt hat.
Herr Sigmund Friderich Graff zu Trauttmanstorff / Landeshauptmann in Steyer Herr Georg Christian Graff von Saurau / Erb- Land - Marschall in Steyer.
Praelaten. Herr Praelat zu Admont Herr Praelat zu S. Lamprecht Obderühete deete Herren Praelaten alternien mit der Praecedenz, Session und Voco. Herr Praelat zu Rhein Herr Praelat zu Neuberg.
Proebst. Herr Domprobst zu Seggau. Herr Probst zu Vorau. Herr Probst zu Bölau. Herr Probst zu Stainz. Herr Probst zu Rottenmann.
Herr Johann Friderich von Pranck / Freyherr / Verordneter Ambts-Praesident. Herr Georg Friderich von Mersperg / Freyherr / Verordneter. Herr Wolff Max von Eybeswald / Freyherr / Verordneter. Herr Franz Antoni von Trauttmanstorff / Verordneter. Herr Wolff Ruprecht Rindmaul / Freyherr / I: O: Regiments Statthalter. Herr Erasemb Wilhelm Graff von Saurau / I: O: Vice Statthalter. Carl Gottfried Breuner / Freyherr / I. O: Hof-Kammer Vice Präsident. Otto Ehrenreich Graff zu Trauttmanstorff / I: O: Kriegs-Rath Vice Praesident. Johann Max von Herberstain / Hof-Marschall. Weykhart Wötter Graff von der Uhren Land-Odrister. Johann Franz von Wildcastein / Freyherr / I: O: Hof-Kammer-Rath. Wolff der Jüngere Herr von Stubenberg / I: O: Regiments-Rath. Georg Herr von Stubenberg / I: O: Hof-Kammer-Rath. Friderich Wilhelm Graff von Oetting / I: O: Hof-Kriegs-Rath. Johann Balthasar Galler / Freyherr / I: O: Hof-Kriegs-Rath. Georg Sigmund Graff von Herberstain / I: O: Regiments-Rath. Max Herr von Scherffenstain. Sigmund Graff von Dietrichstain. Erasamd Friderich Graff von Herberstain / I: O: Regiments-Rath. Gabriel von Dietrichstain Freyherr / I: O: Kammer-Rath. Leopold Graff von Kolonitz / Malteser Ritter. Johann Ernst von Windischgrätz / Freyherr. Walthann von Rotmannstorff / Freyherr. Johann Sigmund von Gleyspach / Freyherr / I: O: Hof-Kammer-Rath. Max Graff von Schrottenbach. Gottfried Graff von Kolonitz / I: O: Regiments-Rath. Mehr ein Graff von Schrottenbach / Burggraff zu Cilli. Sigmund Friderich Graff von Saurau. Mehr ein Graff von Schrottenbach. Zween Herren Graffen von Thurn. Franz Bernhard Graff von Uischenböck. Georg Andrec Wurmbrand / Freyherr. Der alte Herr Staindorff / Freyherr. Hanns Christian Galler / Freyherr / I: O: Hof-Kriegs-Rath. Adolph Graff von Wagensperg / I: O: Regiments-Rath. Philipp Breiner / Freyherr. Gotthard Zollner / Freyherr. Sigmund Ludwig Zollner / Freyherr. Hanns Christophh Stürck / Freyherr / I: O: Regiments-Rath. Wolff Sigmund Kuglmann / Freyherr / Kellermayster in Steyer. Sebastian Kuglmann / Freyherr / Land-Rath. Mehr ein junger Herr Kuglmann / Freyherr. Georg Christoph von Wilferstorff / Freyherr. Sigmund Ludwig von Kienburg / Freyherr / Beysitzer. Item zwey Herren Brüder / Policarpus und Ferdinand. Zacharias von Gaplhoven / Freyherr / Beysitzer. Ginhart Graff von Herberstain. Franz Ernst von Saurau / Freyherr. Graff von Thaun. Anthoni Graff von Lamberg. Carl Friderich von Teuffenbach / Freyherr. Johann Christoph von Rattall / Freyherr. Julius Wilhelm von Rattall / Freyherr. Georg Friderich Saurer / Freyherr. Hanns Ludwig Sauer / Freyherr. Klaindienst / Freyherr. Carl von Purckstall / Freyherr. Johann Gabriel Maschwander / Freyherr / I: O: Hof-Kriegs-Rath. Sigmund Bernhard Jöchlinger I I: O: Regiments-Rath. Carl Jöchlinger / seyn Herr Bruder / Beysitzer. Georg Sigmund Gall / Freyherr / Land-Rath und Beysitzer. Johann Ferdinand von Pranck / Freyherr / Land-Rath. Ferdinand Ernst Graff von Trauttmanstorff. Wolff Ehrnreich Herr von Schaffenberg. Ferdinand Ernst Graff von Herberstain. Johann Ferdinand Graff von Herberstain / Beysitzer. Paul Hartmann von Eybeswalt / Freyherr / Beysitzer. Hanns Ernst Graff von Herberstain. Rudolph Rindsmaul / Freyherr. Hanns Ernst von Pranck / Freyherr / Zeug- und Kriegs-Commissari in Ober-Steyer. Hanns Sigmund von Pranck / Freyherr. Mehr ein Herr von Pranck / von Granitzen. Hanns Gotthard Graf von Herberstain. Ein Herr Breiner / Freyherr. Wolff Rudolph von Gloyach / Freyherr. Sigmund von Gloyach / Freyherr. Wolff Christoff von Gloyach / Freyherr. Max Galler / Freyherr / Beysitzer. Item sein Herr Bruder. Otto Herr von Stuberg. Johann Ferdinand Zecheiner / Freyherr / I: O: Hof-Cammer-Rath / und Lands-Vizdomb in Steyer. Georg Sigmund Katzianer / Freyherr / I: O. Regiments-Rath. Jörg Adam von Lengheim / Freyherr. Carl Casnedi Freyherr / Obrist. Von Seelstrang / Obristleutenandt. Sigmund Albrecht Stibich / Freyherr / Rittmaister. Sebastian Schätzl / Freyherr. Obristwachtmaister Hay. Von Gaißruck / Freyherr / Rittmaister. Julian Raembschüßl / Freyherr. Peter von Jaurburg / Freyherr / I. O: Regiments-Rath. Georg Carl von Reissing / Freyherr. Johann Baptista von Reissing / Freyherr. Frantz Bernhard von Maschgom / Freyherr. Schrampff / Land- und Kriegs-Commissari. Von Haagen / Beysitzer. Kepinskhi / Freyherr. Wörtzer. Johann Leonhard von Dornsperg. Almer von Gapikhoven. Ignati Eder von Katupach / Obristleutenandt Hanns Jörg von Kaltenhausen. Wolff Ignati von Kaltenhausen. Sigmund von Claskenau / Landschafft Zeugwarth. Georg Adam Adl von Adlstain. Policarpus von Liechtenhaimb. Frantz Joachim Rust. ferdinand Reiner. Johann von Lang / I: O: Hof-Cammer-Rath. Sigmund Schoffmann von Hemeris / Labdschafft Einnemmer. Ferdinand von Rechpach / I: O: Regiments-Rath. Abundio von Inzaghi. Paris von Rechlingen. Carlo Miglio. Von Gastheimb. Abraham Lat / Landschafft Ober Secretari. Hanns Georg von Webersperg / Landschafft Buchhalter. Es seynd deren noch mehr gewesen / so aber nit haben können beschriben werden
.
Am 20.8. verlässt Leopold I. samt seinem Tross Graz zu weiteren Huldigungen über Frohnleiten, Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Unzmarkt nach Kärnten, Krain, Görz und Triest. Seine Rückreise erfolgt am 15. Oktober über die untersteirischen Städte Cilli, Marburg, Pettau, Ehrenhausen und Wildon nach Graz. Zum Andenken an die Anwesenheit des Kaisers lässt der Abt von St.Lambrecht in St. Gotthard bei Graz durch Baumeister Domenico Sciassia eine Kirche bauen.

1660

Erzherzog Leopold Wilhelm Herzog Carlo II. v. Mantua
Erbhuldigung Sigmund Friderich Trauttmanstorff Abondio Inzaghi

St. Veit

Im Zuge des Ausbaues von Graz zu einer mächtigen Stadtfestung mit einem Festungring von 10 Bastionen und einem Stadtgraben wird zur nötigen Sturmfreiheit die Schaffung eines von Häusern und Gärten freien Raumes, eines Glacis, notwendig. Ganze Häuserreihen der Grazer Vorstadt werden dem Erdboden gleich gemacht.

Erstmalige Erwähnung des ursprünglich dem Zisterzienserstift Neuberg gehörenden Palais Dobler am Südtirolerplatz sowie des Gasthofes "Kleiner Elefant" am Franziskanerplatz mit den Sandsteinskulpturen eines Elefanten am Hauseck und eines Bären als Prellbock..

Kapuzinerpatres der Klöster St. Anton und Graben errichten am Rosenberg eine erste kleine Eremitage.

Anlässlich der schweren, aber gesunden Geburt ihres Sohnes lassen Hanns und Rosina Friz, geb. Graßl, zum Dank an jener Stelle, wo ihr Kind ein Steinchen hinwarf, 1668 die Kirche "St. Maria in der Grien" errichten.

1663

Burgbastei Burggraben Kleiner Elefant Kleiner Elefant
Hanns FrizRosina Graßl Mariagrün Mariagrün Mariagrün

Graf Raimund Montecuccoli kann zusammen mit Landeshauptmann Graf Siegmund von Trauttmanstorff, Graf Moßheim und Graf Urssenpeck am 1. August bei Mogersdorf einen neuerlichen Vorstoß der aus Ungarn anrückenden 40000 osmanischen "Renner und Brenner" gegen die Steiermark stoppen. Zur Erinnerung wird 1671 am Karmeliterplatz eine aus türkischen Kanonenkugeln gegossene Mariensäule aufgestellt.

1664

Türken Montecuccoli Mogersdorf Türkensäule

Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg wird 1622 in Graz geboren und studiert anfänglich auch in Graz. 1664 wird er Bischof des Bistums Lavant, 1665 von Seckau und schließlich von 1668 bis 1687 als Kardinal Erzbischof von Salzburg. Er erbaut die erste Wallfahrtskirche in Maria Plain und erlässt zahlreiche bemerkenswerte Verordnungen: unter anderem eine Ruhe- und Sicherheits-, eine Almosen-, eine „Sauberkeits“-Ordnung sowie die Einführung eines „Bettlerkatasters“. IIm Sinne der Gegenreformation verbietet er die Verbreitung „ketzerischer“ Bücher, lässt die Protestanten des Osttiroler Defereggentales vertreiben und deren Kinder im katholischen Erzstift "umerziehen". Er ist an zahlreichen Hexenverbrennungen beteiligt. So auch am "Zauberer-Jackl-Prozeß“, bei dem 133 Delinquenten, fast alle Bettler und Landstreicher, durch Folter zu Geständnissen erpresst und hingerichtet werden. Mit dieser Vorgangsweise beabsichtigt er die Auswüchse des Aberglaubens und das Bettelunwesen zu bekämpfen.

Durch den aus Roveredo stammenden Domenico Sciassia Ausbau des im 16. Jahrhundert in der Raubergasse 10 errichteten Rauberhofes als Stiftshof für das Benediktinerstift St. Lambrecht. Später 1684 nach dem Besitzer, Jacob Graf von Leslie, als "Lesliehof" bezeichnet und 1811 Unterbringung des Joanneums durch Erzherzog Johann.

1665 Bischof Maximilian
Lesliehof Lesliehof Lesliehof Sciassia

Johann Seyfried Fürst von Eggenberg heiratet am 4. Juli 1666 die Prinzessin Eleonore Maria von und zu Liechtenstein. Ihrem Hofgesinde auf Schloss Eggenberg gehören neben 3 Hoftrompetern, einem Kredenzier, Mundschenk, Leibbarbier und Kammerdiener auch ein Hundsbub (kleiner Türk) sowie ein Mohrl an.

Der Soldat und Reiseberichterstatter Matthias Puel aus Steyr schreibt in seinem unter dem Titel „Itinerarium thalassicum das ist: Newe Raiß- und Meeresbeschreibung“ herausgegeben Buch über Graz von: "wolgestalten und familiaren Weibsbildern. ... Es hat sich in Graz noch kein eigener Volkscharakter ausgebildet, wie z.B. in Wien; doch ist der gemeine Mann, der Masse nach, mehr ernsten Sinnes, wenig lebhaften Temperaments und ziemlich gleichmütig. Er geht mit klarem Verstande, ohne hitzige Übertreibung gerade auf sein Ziel los, ist gutmütig, offen und ehrlich, obwohl er diese Eigenschaften nicht zur Schau trägt. Der Körperbau der Bewohner ist mittelgroß, kräftig, untersetzt, ihr Knochensystem vorzüglich entwickelt, das Gesicht rundlich, die Nase selten gebogen, der Hals etwas dick, der Brustkorb breit und gewölbt. Die körperliche Entwicklung geht jedoch ziemlich langsam vor sich und 20jährige junge Leute haben bei der Rekrutierung sehr häufig noch nicht das Normalmaß. Mangel an gehöriger Entwicklung und unheilbarer, gewöhnlich kleiner Kropf sind die Hauptgebrechen. Ein großes Kompliment machten die Fremden in früheren Zeiten dem weiblichen Geschlecht in Graz und ein zur Zeit der Invasion in Graz weilender Franzose verstieg sich zu folgendem geistreichen Calembourg: 'C'est la ville des Graces sur la riviere de l'amour.' Im großen und ganzen jedoch vermißt man seit Dezennien bei dem weiblichen Geschlechte jene Frische, Zartheit und ein lebhaftes Incarnat des Teints, das einen Teil weiblicher Schönheit bildet. ... Der Menschenschlag im Bezirk Graz Umgebung, besonders an der rechten Murseite ist im Allgemeinen ziemlich schön, groß, gesund, kräftig, das Volk ist intelligent und sehr arbeitsam. An der linken Murseite kömmen Kröpfe nicht selten vor, jedoch keine Kretinen."

1666

Johann Seyfried von Eggenberg Eleonora Maria von Eggenberg Matthias Puel Matthias Puel

Johann Graf von Saurau tötet im Zweikampf Freiherrn Albrecht von Ratmannsdorf. 1668  
Nachdem den durch Johann Max Graf von Herberstein gerufenen Augustiner-Barfüßern von der Regierung in der Leonhardstraße ein Klosterbau verboten wird, ziehen sie zum Münzgraben und errichten dort ihr Kloster. Hier wirkt auch der berühmte Barockprediger Abraham a Santa Clara.

1670

Abraham a Santa Clara

Mit dem Ziel der Unabhängigkeit Kroatiens wird unter der Führung des Banus von Kroatien, Graf Petar Zrinski, des Palatin Franz Vesselenyi, des Hofrichters Franz von Nadasdy, des Markgrafen Fran Krsto Frankopan, des Fürsten Franz von Rakoczy und des steirischen Statthalters Johann Erasmus Graf von Tattenbach eine Magnatenverschwörung bedeutender ungarischer und kroatischer Adelsfamilien gegen die Habsburger aufgedeckt und die Beteiligten hingerichtet. Der 37jährige Graf von Tattenbach, der auf persönliche Vorteile spekulierend mit den Verschwörern konspiriert, wird - vom eigenen Kammerdiener verraten - verhaftet, des Hochverrats für schuldig befunden und öffentlich vor dem Grazer Rathaus geköpft. Dies gelingt dem Henker erst im dritten Versuch.

Im Sack von Graz bricht eine Feuersbrunst aus.

1671

Zrinski Frankopan Graf Tattenbach Tattenbach Tattenbach
Sackbrand

Mit der Heirat von Kaiser Leopold I. ("Türkenpoldl"1640-1705) und Claudia Felicitas, der Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Tirol, am 14. Oktober erlebt Graz eine Glanzhochzeit: Nach einem Empfang in St. Gotthard bei Graz durch die Stände und den Abt von St. Lambrecht, Franz von Kaltenhausen, erfolgt am 11. Oktober der festliche Einzug ins beleuchtete Graz. Am nächsten Tag legt der Kaiser den Grundstein zum Klosterbau der Agustiner-Barfüßer im Münzgraben. Anschließend zieht er seiner Braut Claudia Felicitas nach Gratwein entgegen, um sodann am Abend im Schloss Eggenberg prunkvoll empfangen zu werden. Am 15. Oktober 1673 wird das Brautpaar in Begleitung von 90 sechsspännigen Kutschen zur Hofkirche St. Egidy gefahren, wo der päpstliche Nuntius in Anwesenheit von 18 Bischöfen die Trauung vollzieht. Die Hochzeittafel findet in der Burg statt und ganz Graz ist festlich beleuchtet: "Aller Schmuck war Hochfürstlich, war Königlich, die Räume von Stuckethor=Arbeit als mit weissen Alabaster überzogen, welche zum theil umbher vergultet, innwendig aber mit den allertrefflichsten Gemählten außgeziehret waren, deren Köstlichkeit und Kunst alles übrige bey weitem übertraff." (ein Chronist)

Michael Franckenberger berichtet in einer Schrift über den Einzug der „Frauen Claudia Felice römischen Kaiserin zu dem Kayserlichen Beylager“ in Graz.

Der englische Arzt und Reisende Edward Brown besucht 1668-69 die mineralreichen Regionen von Hungaria, Serbien, Bulgarien, Mazedonien, Thessalien, Österreich, der Steiermark, Krain und Friaul und berichtet in seinen in London erscheinenden Briefen über Beobachtungen bezüglich der Mineralschätze von viel Gold, Silber, Kupfer, Quecksilber, über Bäder und Mineralwasser sowie über markanter Orte und einige Gewohnheiten.

1673

Leopold I. Claudia.Felicitas 1674.Graz
edward Brown

Größter steirischer Hexenprozess in Feldbach: Knapp 100 frauen und Männer aus der Region werden vor Gericht gestellt. Der Hauptverdächtigte, Pfarrer Gregor Agricola von Hatzendorf, stirbt vor seiner Verurteilung in der Haft. Unter den Angeklagten auch die Frau des Verwalters der Riegersburg, Simon Paldauf, die "Blumenhexe" Katharina Paltauf. Sie wird der Zauberei beschuldigt, weil sie im Winter Blumen zum Blühen bringt, Unwetter und Hagel macht. Im berüchtigten Hexenkeller, dem Tabor von Feldbach, gesteht sie unter Folter, dass sie zusammen mit den Pfarrern von Fehring, Hartmannsdorf und Paldauf an Hexensabbaten teilgenommen hat. Am 23. September 1675 wird sie am Scheiterhaufen verbrannt, nachdem ihr ihre Herrin Elisabeth Freifrau von Galler als Erleichterung die vorherige Tötung erwirkt. 1674 Paldauf Tabor Feldbach Hexenverbrennung

Johann Maximilian II. der Jüngere von Herberstein ab 1775 bis 1779 Landeshauptmann der Steiermark.

Der Kapuzinerprediger Amandus von Grätz wird in der Zeit zwischen 1675 und 1689 dreimal Guardian des Antoniusklosters neben dem Paulustor.

1675 Johann Maximilain II. von Herberstein

Sigmund Ludwig Khuenburg lässt 1676 in der Sackstraße ein nach ihm benanntes Palais errichten, in welchem 1863 Erzherzog Karl Ludwig und seine Frau Prinzessin Maria Annunziata Quartier nehmen und am 18. Dezember Thronfolger Franz Ferdinand das Licht der Welt erblickt.

Bereits im 12. Jahrhundert bringen Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land einen Splitter des Heiligen Kreuzes nach Graz und stellen diesen in einer Kapelle zum „Zum heiligen Kreuz" aus. Daraus entwickelt sich die Wallfahrtsstätte „Heiliges Kreuz zum Landestrost" mit einem dazu gehörigem Spital für kranke Pilger. Als 1480 die Türken die Kirche niederbrennen, wird der nun kahle Berg "Purberg" (pur) genannt. 1676 bekommt Freiherr von Wilfersdorf von seinem Bruder, einem Mönch in Rein, eine Muttergottesstatue geschenkt, die er in seinem kleinen Schlössl aufstellt. Viele Pilger suchen Trost bei der Marienstatue: So wird ein junger Bursche von dem Fluch, seine Schuhe bis zu seinem Lebensende löchrig zu treten, befreit, nachdem er eine Hexe zum Tanz aufgefordert hatte. Auch wird ein Fleischergeselle aus Wien nach einem schweren Arbeitsunfall wieder geheilt. Nächster Besitzer des Anwesens wird dann Franz Caspar Canduzzi, Edler von Heldenfeld, der für die Statue eine der hl. Anna und dem hl. Joachim geweihte Kirche erbauen lässt, die zuerst den Namen „Maria Trost am Joachimsberg" trägt, später „Heilige Maria zum Landestrost" genannt wird.

1676

Palais Khuenburg Purberg Mariatrost

Die Schwester Kaiser Leopolds I., Königin Eleonore von Polen, besucht Graz. Ihr zu Ehren werden im früheren Jesuitenrefektorium am Rosenberg Schauspiele aufgeführt. 1677 Eleonore.v.Oesterreich
Eine Notiz in Peinlichs „Geschichte des Kollegiums“ (1678) erwähnt, dass in der Grazer Ägydiuskirche der Jesuiten unter der ganzen Länge des Kirchenchores eine Gruft mit 120 Grabstellen für die Jesuiten erbaut und die ganze Kirche neu mit Marmor gepflastert wird.
Bei späteren Ausgrabungen fanden sich in den links und rechts vom Mittelgang befindlichen, vorne mit Ziegelsteinen zugemauerten Grabhöhlungen 4 goldene calices (Büchsen) mit den Herzen von Fürsten. Restliche Gebeine füllen ein unten in der Mitte befindliches Sammelgewölbe.
1678  

Der in Basel geborene und in Frankfurt am Main ansässige Kupferstecher Matthäus Merian verlegt zusammen mit seinen beiden Söhnen Matthäus d. J. und Caspar ab 1624 die "Topographia Germaniae". Dieses größte Werk der damaligen Zeit umfasst schlussendlich 30 Bänden mit Kupferstichen von insgesamt 2142 Ortansichten. Darin enthalten auch die 1679 erschienene "Topographia Provinciarum Austriacarum", zu der Martin Zeiller die Texte verfasste: "Diese Statt / so das Haupt deß gantzen Landes / sonsten aber in Unter-Steyer / an dem Hauptfluß der Muer / gelegen ist / In den alten Stifftsbrieffen wird diese Statt Bayrisch Grätz geheissen; wiewol solchen Nahmen für Windisch hält / als der ins gemein eine Statt / oder Burg bedeute; Es ist zwar Grätz kein grosse / aber schön und wol erbaute Statt / so feine grosse Vorstätte / und ein hüpsches wolgebautes Land herum hat. An dem besagten Wasser der Muer liegt sie nach der Länge / und eben / hernach ziehet sie sich etwas gegen dem Berg. Ist zimlich fest / und mit einem Wahl / und den Bollwercken / auch schönen starcken Thoren versehen. Sonderlich aber wird das Obere Schloß / so hoch auff einem Berg lieget / der um und um frey / und felßechtig ist / und dem gantzen Land herum gebieten kan / fast für unüberwindlich gehalten."

Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, genannt der Stifter (1643-1709), ist von 1679 bis 1687 Bischof von Seckau und von 1687 bis 1709 Fürsterzbischof von Salzburg. Johann Ernst baut Salzburg zu einer prachtvollen Barockstadt aus. Von Johann Bernhard Fischer von Erlach lässt er die Kollegien-, Ursulinen- und Dreifaltigkeitskirche sowie Schloss Klessheim erbauen.

Die Mönche vor der Kartause Seitz bei Cilli besitzen auch in Graz, in der Frauengasse, eine Niederlassung, den Seitzerhof. Ihr Prior wird sogar zum Prälaten mit Sitz und Stimme im steirischen Landtag erhoben.

1679 Merian Graetz Bischof Johann Ernst der Stifter

Mit dem Amtsantritt von Landeshauptmann Georg Christian von Saurau bricht in Graz neuerlich die orientalische Beulenpest aus: Ein fremder Flößer stirbt in der Murvorstadt mit hohem Fieber und schwarzen Beulen in den Achselhöhlen. Und obwohl die Stadttore geschlossen sind, breitet sich die Seuche auch in der Stadt aus. Im März wütet die Pest in St. Veit, im Mai müssen 3 Häuser in der Murvorstadt gesperrt werden, im Juni bricht sie mitten in der Stadt, im Dornspergerischen Haus am Hauptplatz und im Rathaus aus, im Juli und August sterben in der Schörgelgasse und im Münzgraebn 346 Personen und am Grätzbach werden 43 Bewohner impestiziert. Die Grazer rufen die 8 Nothelfer Maria, Sebastian, Rosalia, Rochus, Franz Xaver, Anton, Ignaz und Joseph an, halten Prozessionen ab und errichten sogenannte Pestsäulen. Vier Jahre lang wütet der "Schwarze Tod", fast ein Drittel der Einwohner der Stadt erliegt der Seuche. Die insgesamt 5000 Personen werden in Pestgruben außerhalb der Stadtmauern (heutiger Volksgarten und Stadtpark) bestattet.

Der Augustiner-Barfüßer-Mönch Abraham a Sancta Clara, mit bürerlichem Namen Ulrich Megerle aus Schwaben, der mit rund 600 Einzelschriften als bedeutendster deutscher katholischer Prediger der Barockzeit gilt, wird in das Augustinerkloster St. Anna am Münzgraben berufen, wo er sieben Jahre blieibt, zuletzt als Prior. 1680 hält er vor der Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz seine erste Predigt: "Denk zurück, mein Grätz, wie anno 1680 der wütende Tod hier auf einem falben Pferd durch alle Gassen gesprengt, durch Muhr- Stämpfer-, Sporgasse, bis er endlich in eine Grube gefallen und den Hals gebrochen. Ja, in die Gruben, die man im ersten Sack ausgehoben, um diese Dreifaltigkeitssäule darin aufzustellen. Da hat der Tod den Rest bekommen". Was er aber am meisten hasst, sind "die Weiber und die Juden, das Volk der Gottesmörder": "In dem Dantz seynd die Weiber ganz närisch, im Dantz gantz frech, im Dantz gantz ausgelassen, im Dantz gantz unverschämt, im Dantz gantz gail, im Dantz gantz vermessen, im Dantz gantz erhitzt, im Dantz gantz resolut, im Dantz gantz offentherzig, im Dantz gantz verhurt." Einige weitere seiner Zitate: "Der Wein ist eine Medizin, wenn er aber ohne Manier getrunken wird, ist er ein Gift / Dürres Holz brennt besser als grünes Holz / Schönheit ist wie eine Blume, heute vor dem Busen, morgen vor dem Besen / Ein schwerer Beutel macht leicht eitel / Ein zänkisches Weib ist wie ein immer durchtriefendes Dach / Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man viel Fröhlichkeit, und muntere Sprünge, im Hintergrunde aber findet sich Galle / Wenn das Schwein am fettesten ist, hat es den Metzger am meisten zu fürchten / Sitzt die Maus im Speck, so piept sie nicht." Die 1683 verfasste und publizierte Predigt „Auff, auff ihr Christen", in der er von Graz aus zum Kampf gegen die „Türken" ausruft, dient Friedrich Schiller als Vorlage für die Kapuzinerpredigt in „Wallensteins Lager".

Prinz Johann Anton II. Joseph von Eggenberg (1669-1717) lässt als Votivgabe gegen die Pest in Eggenberg die barocke Vierzehn-Nothelfer-Kirche erbauen.

1680

Georg Saurau Abraham-a-Sancta-Clara Augustinerkirche Pestmaske Pest
Sackstrasse Hauptplatz Dreifaltigkietssäule Johann.Anton.II.v.EggenbergVierzehn-Nothelfer-Kirche

Der gebürtige Tiroler Priester und Topograf Georg Matthäus Vischer ist von 1673 bis 1684 in der Steiermark tätig, wo er 1681 sein mit 463 Kupferstichen von Andreas Trost bestücktes Hauptwerk, die "TOPOGRAPHIA DUCATUS STYRIAE", herausgibt ("Graz Die Haubt statt in Hertzogtum Steyer", "Gratz die Haubt-Statt in Steyermarck", "Die Haubt Vestung vnd Statt Graetz wie Sie denen aus Krabatten vnd windischen Marckh Kommenden zu sehen vor Kombt", "Die Haubt Vestung Graetz wie sie denen von wienn vnd Salzburg Komenden sich erzeiget".

1681

Georg Matthäus Vischer Steiermark Matthäus Vischer Ducatus Styriae

Merian Gratz Gratz Vischer Vischer
"Graz um 1683" Nachstich vom Kupferstecher Folbert van Allen-Alten. Allen-Alten Alten-Allen
Der Komponist Johann Joseph Fux, der nahe bei Graz, in Hirtenfeld, 1660 als Bauernsohn geboren wird und am Zisterzienserstift Rein als Sängerknabe musiziert, beginnt sein Studium an der Jesuiten-Universität in Graz und tritt in das von Erzherzog Karl II. gestiftete Internat des "Ferdinandeums" als Zögling ein, um bei Feierlichkeiten der Hofkirche St. Ägydius als Sänger und Instrumentalist mitzuwirken..Ab 1696 geht er nach Wien, wo er nach einer Begegnung mit Kaiser Leopold I. Organist in der Schottenkirche, 1698 Hofcompositeur, Kapellmeister im Stephansdom und schließlich 1715 Hofkapellmeister am Kaiserhof wird, eines der wichtigsten Ämter im europäischen Musikleben der damaligen Zeit. In seiner Kontrapunktlehre "Gradus ad Parnassum", einem der großartigsten Werke des Hochbarocks, schreibt er rückblickend über seine Musikanfänge: "Zur Zeit, als ich noch nicht im vollen Gebrauch meiner Vernunft war, wurde ich durch die Heftigkeit ich weiß nicht welches Triebes hingerissen, es richtete sich all mein Sinnen und Trachten auf die Musik". Fux

Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg, der am 12. Jänner 1638 in Graz das Licht der Welt erblickt, seine Jünglingsjahre im elterlichen Hause verbringt und nach Beendigung seiner von Jesuiten geleiteten Studien die übliche Belehrungsreise, die sogenannte Cavaliertour, unternimmt, ist ein schon mit Montecuccoli in Kriegen gegen die Franzosen und Türken ein bewährter Militärführer. 1683 übernimmt er das Oberkommando in der Residenzstadt Wien und wird er als deren erfolgreicher Verteidiger bei der Zweiten Türkenbelagerung zum Helden. Mit rund 13.000 Mann und 8.000 Freiwilligen der waffenfähigen Bürger-, Studenten- und Handwerkermilizen steht er 280.000 Türken unter der Führung von Großwesir Kara Mustapha gegenüber. Zwei Monate lang verteidigt Starhemberg die Stadt, bis das Entsatzheer unter König Jan III. Sobieski zur Hilfe kommt und das türkische Heer in die Flucht geschlagen werden kann. Der dankbare Kaiser Leopold ernannt ihn zum Feldmarschall und Conferenz-Rath, beschenkt ihn mit 120 000 Reichstalern und gibt ihm das Recht, den Stephansturm in seinem Wappen zu führen.

Beim Rückzug der vernichtend vor Wien geschlagenen Türken vor Wien brandschatzen und verheeren sie mit den verbündeten Kuruzzen (türk. khurudsch, Kruzitürken, Aufständische) unter Emerich Tökölys das Grenzgebiet im Osten der Steiermark.

1683

Starhemberg Kara Mustapha Hartberg Kuruzzen

Graf Sigismund Joachim Trauttmansdorff wird bei den Jesuiten in Graz und Wien erzogen, ist mit 15 Jahren im Kürassierregiment von Piccolomini, kämpft unter Rüdiger Graf Stahremberg in Ungarn und ist 1664 in der Schlacht von St. Gotthard Adjutant von Montecuccoli. Er erbt Schloss Trautenfels am Fuße des Grimmings, wo er sich vom Oktober 1684 bis Jänner 1685 aufhält. In dieser Zeit weilt er wegen einer Erbschaftsangelegenheit auch in Graz und berichtet in seinem Tagebuch: „Den 1. October 1684 langte ich Mittags in Gräz an und logirte im guldenen Hasen ein. … Alsdann gieng ich bei den Franziskanern Messe hören, nach dem Essen besuchte ich etliche Cavaliere und Abends die Gräfin von Rindsmaul, die im Kindbette lag. Den 3. Vormittag gieng ich vor das Thor spazieren, aß zu Mittag bei dem H. Kammerpräsidenten Graf Franz von Dietrichstein, allwo ich noch Mittag eine Zeitlang spielte; gegen Abend gieng ich die Gräfin von Purgstall besuchen, so im Kindbette lag, allwo die Zeit auch mit Spielen verzehrt wurde. Den 4. Vormittag besuchte mich Graf Carl von Saurau, ich fuhr als dann in die Kirchen und im Herausgehen übergab ich dem H. Landeshauptmann ein Memorial wegen der Einantwortung des Gutes Trautenfels. Nach dem Essen besuchte ich meine Basin die Gräfin Trauttmansdorff, und am Abend spielte ich bei Graf Rindsmaul a l’hombre. Den 5. zu Mittag aß Baron Malovetz bei mir; nach dem Essen besuchte mich Graf von Saurau mit dem ich vor die Stadt spazieren fuhr, und Abends spielte ich bei Graf Sigismund von Stubenberg. Den 6. ging ich Vormittag vor das Murthor spazieren; Dann ging ich vor das Thor Lerchen schießen und spielte Abends bei Graf Rindsmaul à l’hombre. Den 7. kam H. Johann Franz Niderl zu mir, welcher mir wegen der Weingärten in Luttenberg und Radkersburg Bericht gab; alsdann früstückte ich und ritt diesen Tag noch 3 Posten bis Bruck an der Mur, allwo ich über Nacht blieb.“ Am 5. November fährt er nochmals nach Graz, wo er mit amtlichen und gesellschaftlichen Besuchen bis 30. November beschäftigt ist. Gelegentlich eines Besuches bei Graf Attems am 29. November wird er Zeuge: „wie man 2 Bergknappen, die eine Rebellion angefangen, auf dem Platze decolletirte.

1684 Sigismund Trauttmansdorff Trautenfels Maria Rindsmaul Carl Saurau

Der berümte Barockbaumeister, Johann Bernhard Fischer von Erlach, wird am 20. Juli 1656 in Graz, im Haus Nr. 4 (heutige Fischer von Erlach-Gasse), geboren und am selben Tag gegenüber in der Stadtpfarrkirche zum Heiligen Blut getauft. Er erlernt bis 1670 das Handwerk des Bildauers von seinem Vater Johann Baptist Fischer sowie dessen Lehrherrn Sebastian Erlacher. Mit 14 Jahren bricht er zu einem Studienaufenthalt nach Rom auf. 1686 Zurückgekehrt, vollendet er im Auftrag von Kaiser Leopold I. mit dem Hochaltar und den Entwürfen der Stukkatur das Mausoleum Kaiser Ferdinands II., ehe er nach Wien weiterzieht, um dort das Schloss Schönbrunn und die dem hl. Karl Borromäus geweihte Karlskirche zu erbauen.
Die Stuckarbeiten selbst werden von Josef Serenio, Girolamo Rossi und Antonio Quadrio ausgeführt, die Kuppelfresken der Katharinenkapelle von Matthias Echter, die Fresken im Langhaus von Franz Steinpichler - eine Apotheose an das Haus Habsburg - zeigen den den glorreichen Sieg von 1683 über die Türken in Wien.
In dieser Zeit schaffen viele, wie Fischer von Erlach in Italien ausgebildete Künstler, bedeutende Werke des Hochbarocks in der Steiermark: Matthias Echter, Matthias von Görz, der aus Tirol stammende Johann Cyriak Hackhofer, Philipp Carl Laubmann, Marx Schokotnigg, Johann Jakob Schoy oder Josef Thaddäus Stammel.

Wegen der Notwendigkeit einer Erziehungseinrichtung genehmigt am 30. März 1686 Kaiser Leopold I. die Niederlassung der Ursulinen in Graz. Die ersten vier Klosterfrauen beziehen ein Haus am Fischplatz (Andreas Hofer Platz), richten eine Kapelle ein und eröffnen am 24. Juli eine Schule. Neben einer gründlichen sittlich religiösen Erziehung stehen folgende Fächer auf dem Stundenplan: "Teitsch und lateinisch, leßen und schreiben samt unterschidlicher Handarbeith, stickhen, strickhen, näyen, kleckheln, dänzerl arbeith, auch raiten und französiche Sprach". Bald wird das Heim am Fischplatz zu eng und man übersiedelt zunächst in das Werthlische Haus gegenüber der Mariahilferkirche, um dann im "Mittleren Sack" fünf Gebäude zu erwerben und 1702 zu einem geschlossenen Klosterkomplex samt Ursulinenkirche (heute Dreifaltigkeitskirche) durch Bartholomäus Ebner umzubauen. 1891 erfolgt ein Neubau in der Leonhardstraße, der am 11. September 1900 von Fürstbischof Dr. Schuster eingeweiht wird.

1686

Fischer von Erlach Mausoleum Katharinenkapelle Karlskirche

Ursulinen .Dreifaltigkeitskirche .Dreifaltigkeitskirche Ursulinen

Aus dem schwäbischen Anhausen bei Augsburg wandern die Brüder Josef und Jakob Seel nach Graz ein und eröffnen am Murplatz (Südtirolerplatz) eine Bäckerei, die sie nach einem davor wachsenden Weinstock "Weinrebenbäck" nennen. Die strenge Grazer Backordnung zur Kontrolle von Qualität und Gewicht schreibt vor, dass das Brot nur auf den vor dem Rathaus aufgestellten Tischen verkauft werden darf, der Direktverkauf nur den Vorstadtbäckern außerhalb der Stadt erlaubt ist. Wird gegen die Vorschriften verstoßen, erfolgt die Verurteilung zum "Bäckerschupfen", bei dem der Delinquent, in einem Weidenkorb hängend, mehrmals in die Mur getaucht wird. Josef Seel, ein guter Schwimmer, soll einmal dem Käfig unter Wasser entkommen sein. 1765 gründet er mit den damals weiteren 32 Grazer Bäckern das "Bäckermühlen-Konsortium", um Beanstandungen auf das schlechte Mehl der Müller abzuschieben. 1771 übernimmt Sohn Matthias die Bäckerei und wird insgesamt drei Mal zum Vorsteher der Bäckerinnung gewählt.

Abraham a Sancta Clara hält im Grazer Münzgraben seine berühmte "Teufelspredigt": "....Das Heiraten gleicht dem Fischen. Mancher fischt und bekömmt einen stattlichen Haufen, eine gute Hausfrau, welche ihr Brot nicht ißt im Müßiggang. Ein Andrer fängt einen Karpfen, eine Reiche, mit welcher er einen Rogen zieht. Dieser fischt und fängt einen elenden Weißfisch, welcher voll Gräte ist; und jener gar eine giftige Schlange. Das Heiraten gleicht einem Glückstopf. Manche zieht, und erhält einen Kamm, welcher sie tüchtig zauset. Diese zieht einen Schwamm, einen Säufer welcher niemals trocken wird. Jene erhält Würfel, einen Spieler, welcher alles durchbringt und die Kinder an den Bettelstab versetzt…..Mancher läßt sich durch die Schönheit verblenden, ohne des Sprichworts sich zu erinnern: Schönheit vergeht, Tugend besteht. Wenn die Schönheit des Körpers wäre wie die Kleider der Israeliten in der Wüste, welche in 40 Jahren sich nicht abnutzten; allein manche hat jetzt goldne Haare, und bald maßt sie sich wie eine alte Bruthenne. Die Augen sind glänzend schwarz, aber bald werden sie triefend, und rot, wie die gewisser Tauben. Die Wangen sind voll, und lieblich, aber bald werden sie einfallen, wie ein leerer Dudelsack. Die Nase ist schön geformt, alabastern, aber bald wird sie ein alter Kalender, welcher immer nasses Wetter anzeigt. Der Mund glänzt wie Corallen, aber bald wir er einer gerupften Blaumeise gleichen. Der Wuchs ist schön, aber bald geht er in Trümmer, wie die alabasternen Büchsen der Magdalena. Tugend besteht, aber Schönheit vergeht…..Es ist aber solches Tanzen und Lust darzu nichts anders als eine Anzeigung äußerster Leichtfertigkeit, Zunder zu aller Üppigkeit, Reizung zur Unzucht, der Schamhaftigkeit zuwider, Ehrbarkeit abhold.…."

1688

Sorger Bäckerschupfen

Teufelspredigt Abraham a Sancta ClaraHuy und Pfuy

Auf Betreiben der Stifterin Gräfin Maria Theresia von Wagensperg-Leslie, geb. Fürstin von Liechtenstein, kommen am 19. Oktober aus Düren in Holland drei Schwestern (Maria Clara Haß,Maria Josepha de Rupe, Maria Anna Vettweiß) in die Grazer Vorstadt und gründen das Kloster zum hl. Laurenz und Krankenhaus der Elisabethinen.

Johann Adam von Montzelo berichtet über den „Erb-Huldigungs Actus im Hertzogthumb Steyer: Wie solcher Ihro Röm: Käys: Leopoldi Primo. Als ErbLands-Fürsten in Steyer in aigner Hochen Person in der Haubt-Statt Grätz von denen Ständen gmainer Landschafft daselbst, nach altem Löblichen Gebrauch und Herkommen, praestirt und abgelegt worden. Den 5. Iulii 1660isten Jahrs. Ingleichen auch Was gestalten. Röm: Kay: May: von besagten Land-Ständen in Steyer empfangen worden. Alles mit Erlaubnuß Deß Herrn von Stubenberg/ Herrn auff Kaysenberg. Wie auch Deß Herrn Johann Carls, deß Heiligen Römischen Reichs Grafen von Saurau. Auß denen von der Lands Obrigkeit Consultirt: und Revidirten Actis gezogen“ sowie den Empfang Kaiser Leopolds I. am 5. Juli 1660 in Graz.

1690

Graz BamherzigenspitalElisabethinenspital

Landeshauptmann Georg von Stubenberg (1687–1703) erbaut in der Hans-Sachs-Gasse das Palais Stubenberg.

Fürst Johann Seyfried von Eggenberg (1644-1713) ermöglicht durch seine Stiftung ab 1691 nach Plänen von Joachim Carlone den Bau des Sommerrefektorium mit dem Minoritensaal im Westtrakt des äußeren Hofes des Minoritenklosters.

Johann Valentin Petzold (1648-1730), geboren zu Passail, gehört unter seinem Pseudonym "Kilian Brustfleck" der „Fürstlich Eggenbergischen Comödienbande", einer der um die Wende des 17.Jahrhunderts bekanntesten Schauspielertruppe Deutschlands an, welche Vorstellungen vor drei Kaisern (Leopold, Joseph I. und Karl VI.), dem Kurfürsten von Sachsen, dem König von Polen sowie auch in Dresden und Nürnberg gab. Den Namen „Brustfleck" hat der Spassmacher in Erinnerung an seine Heimat gewählt, weil Brustfleck in der Steiermark die Bezeichnung eines Kleidungsstückes ist, das von Männern unter den Hosenträger, von Weibern unter dem Mieder getragen wird. Seine Figur lebt in der Literatur noch lange fort; so lässt ihn Goethe 1773 in seinem Werk „Hans-Wurst's Hochzeit" auftreten.

1691

Georg Stubenberg Palais Stubenberg Herren von Stubenberg Minoritensaal
Johann Petzhold Hans Wurst

Von 1692 bis 1693 bereist der 23jährige bairische Bildhauergeselle Franz Ferdinand Ertinger aus Immenstadt auch die Steiermark: „Gräz, die Haubtstadt des Herzogtmbs Steiermarckh hatte vor uralten Zeiten den Nahmen Florena geführt, nachgehent wurde sie Sauana genandt; als sie aber von den hunischen Diranen Attila von Grundt aus zerstert worden, ist ihr auff windischer Sprach der Nahmen Graz beygelegt worden, welches so viel als eine Stadt haist. Solche ligt an dem Fluß Mur, ist an sich selbst zwahr nicht übrig groß, ist aber schen, lustig und wohl gebaut, auch ziemlich fest mit einem gemauerten Wahl und Bohlwerkh, auch vesten Thoren, deren an der Zahl 5, als da ist das Murdohr, neudor, Eisendor, Paulusdor und dann Sackdor wohl versehen. Die Stadt zieht sich in die Runde an einem freien felsigen Berge herumb und ligt auf erwähntem Berg ein vor menschlichen Augen unüpberwindliches Schloß und man nur auf einem Wege in das Schloß kommen kann, welches der Statt zum Schutz gedeihen kann, und ist vohrmals, ehe solches also befestigt worden, der Türckh ein ganzes Jahr davor gelegen, doch ohnverrichter Sachen mit Spott davon abziehen müssen. Ich bin dreimahl in solche Realvestung eingelassen worden, ist mit einem kaisserlichen Comendanten und Besatzung belegt, geht ein verborgener Gang nach der Stadt herunder in die landtsfürstliche Burg., darinen unser allerdurchlauchtigster, glorwürdigster, höchst löblich regierenter römischer Kaisser Leopoldus Magnus sein anderes Beylager mit Claudia Felicitas Erzherzoging aus Österreich den 15. October a. 1673 gehalten. Ohnfern der Burg steht das landtsfürstliche Zeughaus, wie auch das Münzhaus, dann in der Herrengassen ist zu sehen das Landschaft Zeughaus, daranaußerhalb Mars Gott des Kriegs und die Göttin Pallas weit überlebensgroß und eine von den besten Statuen in Graz. Gleich daran ist das Landthaus, allwo ein Präsident, Landtshauptmann und Marschall nebst anderen Landtherrn und gräfflichen Standtpersonen consolieren und Rath halten. Dann auf dem großen Plaz, allwo man zu Ehren der Allerhayligsten Dreyfaltigkeit eine Säule sambt den allerhayligsten Personen in Feur vergult, dann unden herumb auf einer Gallerie die Statt-. und Pestpatronen von Sandstein zu sehen hat, steht das Rathaus, darin die vorgesetzte Rathsherren und Burgermaister ihre Zusammenkunfft und Rath halten, jeoch wird allzeit ein Graff als Statthalter über sie gesetzt. Im entfernten Rathhaus ist den 11. November a. 1671 der Graff Dattenbach seines Verbrechens halber und zwahr mit ohnglückhlichen Straichen enthaupt worden. Anbelangend die Klöster und Gottshäuser als ist erstlich zu sehen in der Statt das Jesuitten Collegium, allwo das Studium und Dabey die Universitä und in deren Kirch neben anderen Künsten ist ein Salvator Peter und Paulus lebengroß von dem kunstberiembten Bildhauer Spindlbaur zu sehen; dann ist das schene Gottshaus und Kloster der Herren P.P. Carmeliteran zu sehen; dann an dem Schloßberg ein feines Capuziner Closter und zierlicher Garten, wie dann auch in der Sporergassen das Closter der Eremitarum ordinis s. Augustini. Dann in den ersten Sackh die Ursulinen, dann bei dem Murthor das Franziscanerkloster, wie auch gegenüber dero Ordensklosterfrauen dem hayl. Geist, dann gleich außerhalb in dem Kälber-Viertl das gesperte Closter und schene Kirch der Carmeliter Closterfrauen, in welchem Hochalldarbladt des kunstberiehmten Mahlers Johann Adam Weiskirchner Handt wohl zu sehen. Dann ist in der Herrengassen die Pfahrkirch und Stift, dann ohnfern davon ist das Clösterl, allwo die Dominikaner Ordens Closterfrauen wohnen. Aus der Statt geht man über die Murbruckh in die sogenannte Murvorstatt, welche Schenheit und Größe halber eine Statt zu vergleichen, weillen viel gräfflichen Palatium, Lust- und Gottsheuser darin stehen. Sie prangt auch mit dreyen Clöstern, als da ist das Minoriten Closter und die schene Maria Hilffskirchen, welche eine schene Faciata hat, auf italienische Manier erbaut; es ist das künstliche Hochaltarbladt darinnen die gnadenreiche Himmelfahrt Mariae abgebildet wohl zu sehen, bey welchem viel Mirackhel und Wunderzaichen geschehen, aber solches Bladt nur zu hohen Festen öffentlich gesehen wirdt. Das ander ist der Herren P.P. Domincaner neuerbautes Kloster und schene Kirch. Das drite der Frater Misericordiae, welche die Kranckhen auswarten und ein Hospitaln mit vielen Bettstatten bestellet haben. Deren Ordenfundator ist der heil. Johannes Dey, in deren Kirch, darin ein Krucifix, so der Kunst halber wert zu sehen, steht die lauretanische Capelle, allwo alle Wochen große Gnaden und Abläß zu erhalten sein. Außerhalb der Vorstatt, eine halbe Stundt durch lustigen Spaziergang weiter hinaus an dem Weingebirg steht des Fürsten Stammenhaus Eggenberg, ist ein neues Schloß unter den alten erbaut, ist mit einem tiefen Graben, darin wilde Schweine, umgeben. In diesem Schloß gibt es auch fürstliche Gemächer und schene Wohnungen darin vohler kunstreicher Mallereyen und anderer Zihrlichkeiten. In einer andern Vorstatt, der Münzgraben genannt, ist ein Augustiner Barfüßer Closter, welches ein schens und ganz neu erbautes Closter und sehenswerter Kirch. Diese Vorstatt ist mehrist von gemeinen Leithen bewohnt. In der dritten Vorstatt Graben in dem Weingebiet ist noch ein ganz neuerbautes Closter S. Francisci Ordens. Es steht ohnfern davon eine uralte Johaniter Ritter Ordens Kirch, welche die ältiste in ganz Graz sein soll. Allhier in dieser Statt habe ich bey Herrn Johann Baptist Fischer bürgerlicher Bildhauer in dem Judengässel vierzehn Dag in Arbeit zugebracht.“

Johannes Weiß tritt im Alter von 18 Jahren in den Konvent der Franziskaner in Graz ein und nimmt den Ordensnamen Liberatus an. Beim Versuch, als Missionar in Äthiopien die katholische Religion einführen wird er verurteilt und gesteinigt. 1988 wird er von Papst Johannes Paul II. als Liberatus Weiß selig gesprochen.

1693

Palais des Effans d'Avernas Palais des Effans d'Avernas Palais Lengsheimb Welsersheimb


Luegg Luegg Hauptplatz

Grabenkirche

Liberatus Weiß

Unter dem Einfluss Palladios stehend, errichtet Joachim Carlone für Sigmund Graf von Stubenberg unter Einbeziehung der alten Stadtmauer das monumentale Palais Welsersheim (Ecke Hans-Sachs-Gasse/Eisernes Tor) mit einem von toskanischen, ionischen und korinthischen Pfeilern begrenzten Stiegenhaus, Ab 1810 ist das Gebäude im Besitz von Graf von Welsersheimb, 1812 wohnt der Bruder Napoleons, Louis Bonaparte hier. 1694 Palais Welsersheimb Welsersheimb

Der steirische Volksprediger Kapuzinerpater Amandus von Grätz (1637-1700), Guardian des Kapuzinerklosters St. Antonius auf der Stiegen, geißelt in seinen mit tausend Geschichten und Histörchen gewürzten Predigten mit dem ganzen Freimut, der zu dieser Zeit einem Ordensmann erlaubt war, die Schwächen und Laster seiner Zeit, in der der Kirchgang mit dem Hören der Predigt einen festen Bestandteil des sozialen Lebens einnimmt. Über seine Kanzeltätigkeit in der Steiermark schreibt er: "wo ich allerley Stands-Persohnen/ von höchern/ und nidern Adel/ von Obrigkeiten/ Räthen/ und Beambten/ bey unterschidlichen Gerichts-Stellen/ von der Weltlichen-Geistlichkeit/ und Studenten/ von Burgern/ Verheyrath/ Ledigen/ Handwerck- von Dienst- und Bauers-Leuthen ... zu Zuhörern gehabt." Seine Sammlung von Fastenpredigten erscheinen unter den Titeln: "Von der Geistlichen Schlaffsucht", "Seelen-Wayde der Christlichen Schäffeln", "Von dem Gewissen", "Von der Menschlichen Seele", "Von der Christlichen Pilgerfahrt gen Himmel", "Fasten-Bancket der Christlichen Seelen".

Von Andreas Trost mit Kupferstichen versehener Predigtband des Predigers und Pfarrers von St. Radegund, Johann Andreas Graff, für Fürst Johann Seyfried von Eggenberg: "Galleern in Engelland. Erster Theil und Anderer Theil (in einem Band). Mit Vier und Dreyßig Galleotten: Das ist: Apostolischer Eifer, in sich haltend 34 Festival-Predigen auf die Fest-Tagen und Solemnitäten durch das ganze Jahr. Dadurch das allgemeine Seelen-Heyl in das obere Engelland der Auserwählten Gottes zu beförderen. Durch den Wohl-Erwürdigen Joannem Andream Graff." Gedruckt 1695 in der Grazer Offizin Widmanstetter. Weitere Werke: "Geistlicher Schatzkasten", "Marianische Ehren-Schall", "Geistlicher Bein-Stock", "Acht Seeligkeiten, oder Acht-facher Weg, auf welchem die liebe Auserwählte in den Himmel gangen seynd", "Letzte und äußerste Hülffe".

Fünf Predigtwerke des "Capuciner Prediger der steyrischen Provintz" Aemilianus von Grätz (1660-1726), Guardian des Klosters in Radkersburg: "Göttlicher Gold-Gruben Reichfliesende Ader", «Göttliche Cetechistische Catholische Lehr".

1695 Pater Amandus Pater Amandus GraffGraff Aemilianus von Grätz

Der Jesuit  und Professor der Ethik und Philosophie an der Grazer Universität Dr. Johann Macher (1661-1704) verfasst mit seinem Werk „Graecium inclyti ducatus Styriae metropolis topographice descriptum“ die erste genaue geschichtlichlich-topografische Darstellung von Graz. In der Druckerei „Widmanstetters Erben“ in Folio erschienen, schildert er auf 90 Seiten in 4 Büchern und insgesamt 20 Kapiteln die Stadt samt Schloßberg, öffentlichen Gebäuden und Umgebung, versehen mit 11 Kupferstichen. Viele der von Merian verfertigten Ansichten sind von dem aus Bayern stammenden und von 1677 bis 1708 in Graz lebenden Andreas Trost sowie von Pfeffel, Engelbrecht, Hoffmann und Hermundt in Kupfer nachgestochen. Das Titelbild zeigt einen auf Wolken knieenden Jesuiten, vor sich eine Tafel mit der Schloßberg- und Stadtansicht von Osten, die zwei allegorische Figuren halten. Links oben die Mutter Gottes auf einer Lunula in Wolken stehend, darüber die heilige Dreifaltigkeit. Nach dem Titel findet sich eine doppelseitige Ansicht von Graz und dem Schloßberg von Süden her gesehen. Weiters folgen Darstellungen von ausgegrabenen Römersteinen und jene in der Burg eingemauerte hebräische Steininschrift, ein Blick vom Hauptplatz durch den Sack gegen Norden, dann die landesfürstliche Burg, das Innere des Landhaushofes gegen die Herrengassenfront, das Jesuitengymnasium und die Universität mit den Medaillons Karls II. und Ferdinands II., darüber das Grazer Rathaus mit einem Stück der Herrengasse und der Hauptplatz mit reicher Staffage, das Mausoleum, die Karlau mit St. Martin, Straßgang und dem Florianikirchlein im Hintergrund, das Schloss Eggenberg und darüber das Wappen der Fürsten von Eggenberg. Macher erzählt erstmals die Anekdote über den türkischen Pascha im Palais Saurau, er schreibt, dass das Bergschloss im Laufe der Zeit auch im Besitz der Herren von Richtscheidt war, dass die St. Thomaskirche der Erzengel-Michael-Bruderschaft gehörte, dass die Liesl um 7 Uhr morgens und abends geläutet wurde oder dass der Türkenbrunnen von gefangenen, in Ketten geschmiedeten Türken gebaut wurde.

1699 Dr. MacherDr. Macher Graz Trost
Beim steirischen Adelsfest im Februar wird im Grazer Stadtquartier des Generals Hannibal Graf von Meister das allegorische Spiel "Ratschlag der Götter" mit Arien von Stadtorganist Franz Weichlein zur Musik von Johann Jakob Stupan von Ehrenstein aufgeführt. Singend und tanzend treten die bedeutendsten Mitglieder der steirischen Adelsfamilien der Dietrichstein, Wildenstein, Saurau und Breuner als Götter auf; selbst der Hausherr agiert in der Rolle des Mars. 1701 Heister Heister

Der Kaiserliche Rat Ignaz Maria I. Reichsgraf Attems (1652-1732) aus dem Geschlecht der Attamis in der Friaul lässt sich an Stelle von sechs Bürgerhäusern und des ersten Sacktores in der Sackstraße 17 durch die Architekten Joachim und Andreas Stengg ein Barockpalais erbauen. Die Deckengemälde der Prunkräume im 1. (Empfangssaal, Salon, Tanzsaal) und 2. Stockwerk (Affen-, Vogel-, Büsten- und Engelsaal) malt Franz Carl Remp.
In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht das Witwenpalais der Attems.

Franz Anton Adolph von Wagensperg, am 22. Februar 1675 in Graz als Sohn des Statthalter von Innerösterreich, Johann Balthasar von Wagensperg und dessen erster Frau Juliana Elisabeth von Dietrichstein geboren, studiert wie sein Bruder der spätere Landeshauptmann der Steiermark, Sigmund Rudolph von Wagensperg, in Graz. Nach dem Tod des Seckauer Bischofs Rudolph Josef von Thun verleiht ihm Erzbischof Johann Ernst von Thun 1702 das Salzburger Eigenbistum Seckau und ernennt ihn gleichzeitig zu dessen Fürstbischof. Seine Seckauer Amtszeit (1702-12) ist durch die Einfälle der Kuruzzen sehr belastet.

1702 Palais.Attems Palais Attems Palais Attems Palais Attems Witwenpalais Attems
Franz Anton Adolph von Wagensperg Palais Wagensperg - Färberkaserne
Die Kuruzzen wandern nach ihrer Eroberung der Slowakei und Nordungarns gegen das Burgenland und die Steiermark, wo entlang des Grenzflusses Kutschenitza zwischen Radkersburg und St. Anna am Aigen zur Verteidigung der sogenannte Kuruzzenwall mit Tschartaken (Wachtürmen) errichtet wird. 1703  

Joseph I.(1678-1711), ältester Sohn Leopolds I., wird Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

1705

Der Barockbaumeister Joseph Stengg erweitert für Leopold von Stubenberg den ehemaligen Sommersitz des päpstlichen Nuntius Malaspina, das Meerscheinschlössl (Mozartgasse), zu einem kleinen Barockschloss (auch "Grazer Versailles" genannt), dessen Schlosspark bis zum Paulustor reicht.

Am 21. Jänner überfallen die Kuruzzen mit 5000 Reitern das Grenzgebiet an der Lafnitz, vertreiben das Regiment der Tolpatschen (Infanteristen mit breiten Schuhsohlen) und zerstören 13 Dörfer. Am 7. August 1707 legen 7000 Kuruzzen in Neudau 17 Dörfer in Schutt und Asche, zwischen Geiseldorf und Wörth brennen sie 18 nieder. Am 11. November 1707 werden zwischen Friedberg und Hartberg 14 Dörfer niedergebrannt und am 3. Dezember uberrennen 1200 berittene Kuruzzen die Wehranlagen östlich von Radkersburg.

1707 Meerscheinschlössl Kuruzzen
Erzherzog Karl von Österreich heiratet in Barcelona die 17jährige Prinzessin Christina von Braunschweig, die dazu durch Gräfin Katharina von Rindsmaul in Wolfsbüttel abgeholt wird. 1708 Katharina von Rindsmaul Karl VI.Elisabeth von Braunscheig
Der Bankier Johann Adam Weiß errichtet sich am Hauptplatz ein Haus. 1710 Weißsches Haus

Mit dem Ziel die immer absolutistischere Macht der Habsburger zu stürzen kommt es unter der Führung von Ferenc II. Rákóczi und seinem General Graf Miklós Bercsény zur letzten und größten Erhebung ungarischer Adliger gegen die Habsburger. Von Siebenbürgen aus überfällt die unter dem Befehl des von der österreichischen Armee übergelaufenen Graf Alexander Károlyi stehende Kuruzzen-Armee von über 60000 aufständischen ungarischen Bauern und Husaren-Reitern mit Unterstützung König Ludwig XIV. von Frankreich mehrmals von 1703 an weite Teile Ungarns, Niederösterreichs, Burgenlands und der östlichen Steiermark, bevor sie von den kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Guido von Starhemberg und General Sigbert Graf Heister in der Schlacht bei Trenčín trotz zweifacher zahlenmäßiger Überlegenheit vernichtend geschlagen werden. Mit dem Friedenschluss vom 29. April 1711 ist schließlich die Ungarn-Gefahr gebannt.

Durch den plötzlichen Tod Kaiser Joseph I. an der ausgebrochenen Pockenepedemie fällt seinem jüngerer Bruder Karl, der in Spanien zum König designiert ist, nun auch Erbe von Österreich, Böhmen, Ungarn zu und er wird am 22. Dezember in Frankfurt am Main zum Kaiser Karl. VI. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Gleichzeitig wird auch der Orden vom "Goldenen Vlies", den Herzog Philipp III. der Gute von Burgund 1430 gegründet hat, auf ihn als Großmeister übertragen. Der Orden, an dessen Kettengliedern, die die Form von Feuersteine berührenden Feuereisen haben, ein Goldenes Vlies (Widderfell) hängt, war ursprünglich nur für 24 mächtigsten burgundischen Adeligen bestimmt und verpflichtet die Mitglieder, die Heiligen Kirche zu schützen.

Der Wittelsbacher Karl Albrecht, späterer Kurfürst von Bayern und spätere Kaiser Karl VII., wird als Jugendlicher zusammen mit seinen Brüdern Wilhelm, Alois Johann und Johann Theodor zwischen 1711 und 1715 in Graz von den Jesuiten unterrichtet und erzogen.

Als älteste Grazer Zeitung erscheint 1711 die "Grätzer Europaeische Zeitung".

1711

RakocziBercsenyiKaroly

Kaiser Karl VI.Goldenes Vlies Kaiser Karl VII.

Joseph Anton Stranitzky, in Knittelfeld geboren, stellt sich nach seiner in Graz als Sohn einer verwitweten Trödlerin verbrachten Jugend sowie als späterer Inhaber eines Marionettentheaters und Wanderarzt dem Publikum des neu eröffneten Kärntnertortheater in Wien als derb-komische Gestalt des "Hanswurst" vor. Sein Kostüm besteht aus einer roten, offenen Jacke mit bauschigen Ärmeln und blauem Brustfleck, mitten darauf zwischen den roten, grün eingefassten Hosenträgern ein grünes Herz; er trägt eine weite gelbe Hose, die nur bis zu den Knöcheln reicht, niedrige derbe Schuhe aus Leder und einen breiten Ledergurt mit großer Schließe aus Metall, auf dem Kopf einen grünen Spitzhut und ein umgehängtes hölzernes Schwert. Mit seiner Truppe „Teutscher Komödianten“ macht Stranitzky der Commedia dell'Arte Konkurrenz und stilisiert den Hanswurst zur lustigen Figurt der deutschsprachigen Stegreifkomödie.

Joseph I. Dominikus Lamberg (1680-1761) wird 1712 Bischof des Bistums Seckau und 1723 Fürstbischof von Passau. 1738 ernennt Papst Klemens XII. ihn auf Vorschlag von Kaiser Karl VI. zum Kardinal der Titelkirche San Pietro in Montorio in Rom.

1712 Hans Wurst Bischo Joseph I.
Kaiser Karl VI. ebnet durch seine erlassene "Pragmatische Sanktion" die weibliche Thronfolge.

1713 besitzt Sigmund Müller von Grafenstein das Gut Sparbersbach, das seine Tochter erbt, die mit Dr. Friedrich Karl Haller verheiratet ist, wodurch das Schloss ab 1766 seinen zweiten Namen "Hallerschlössl" bekommt.
1713  

Aufgrund der vielen Pilger wird 1711 das Purberg-Schlößl als Wallfahrtsort anerkannt und es erfolgt 1714 der Baubeginn der barocken Wallfahrtskirche Mariatrost nach Plänen von Andreas und Johann Georg Stengg.

Errichtung der Barocktreppe im Jesuitenkollegium.

1714 Mariatrost Mariatrost Jesuitenkolleg

Dr. Georg Neumayr schreibt die "Geschichte der Grazer Universität von 1590-1600".

1719  
Der aus Laibach gebürtige Jesuitenmönch Dr. Sigmund Prembsel gibt bei Widmanstetter das Büchlein "Fabula Breviter Complectens Historiam Topographicam Graecii, Nobilissimæ Urbis, Nclyti Ducatus Styriae Honoribus" heraus. Ein dem Titel beigefügter Kupferstich zeigt die allegorische weibliche Figur der Grazer Stadtgöttin mit einem Diadem der Schloßbergfestung en miniature auf dem Kopf sowie dem Pantherwappen auf der Brust. 1721 Sigmund Prembsel

Im Bereich der Grabenstraße steigt die Bewohnerzahl so stark an, dass ein neues Viertel mit dem Namen "Graben" geschaffen wird.

Die Zeitung "Posttäglich-Grätzerisch Außfliegender Mercurius" erscheint.

Steirische Völkertafel eines unbekannten Malers: „Kurze Beschreibung der In Europa Befintlichen Völckern Und Ihren Aigenschafften“, von links nach rechts namentlich aufgeführt: „Spanier - Mänlich, Hoffärtig“, „Frantzoß - Kindisch, Betrügerisch“, „Wælisch - Wiederwill, Geilsichtig“, „Teutscher - Über Allmit, Verschwenderisch“, „Engerländer - Weiblich, Unruhig“, „Schwœth - Unerkendlich, Aber Glauberisch“, „Boläck - Mittlmässig, Braller“, „Unger - Bluthbegirig, Veräther“, „Muskawith - Unentlichkrob, Gar Verätherisch“ und „Tirk oder Griech - Zärt llich, noch Verätherischer“.

1722

Graecium Graecum Graecium
Völkertafel

Die kürzeste Amtszeit der Diözese Seckau hat Karl II. Joseph Graf von Kuenburg, Freiherr von Kuenegg, inne, der am 21. April 1723 von seinem Onkel, dem Salzburger Erzbischof Franz Anton von Harrach, zum Bischof ernannt wird, aber bereits im Dezember Bischof des Bistums Chiemsee wird.

Sein Nachfolger wird Leopold Anton Eleutherius Reichsfreiherr von Firmian (1679-1744), der zuvor bereits 1718 von Papst Clemens XI. zum Bischof von Lavant ernannt wird. Papst Benedikt XIII. bestellt ihn dann 1724 zusätzlich zum Bischof des Bistums Graz-Seckau und 1727 zum kaiserlichen Geheimrat und Bischof von Laibach. Kurze Zeit später wird er zum Erzbischof des Erzbistums Salzburg (princeps et archiepiscopus salisburgensis) gewählt. Als Ziel seines Wirkens sieht er, der katholischen Kirche die „alte Macht und Herrlichkeit“ wiederzugeben. Dementsprechend lässt er mit Hilfe von 6000 österreichische Soldaten alle Protestanten (über 20.000 Menschen) binnen dreier Monate des Landes verweisen. Für seinen Neffen Franz Laktanz von Firmian veranlasst er den Bau des Schlosses Leopoldskron.

1723

Bischof Karl II. Bischof Leopold II.

Auf Grund des durch einen Blitzschlag verursachten Brandes der Burg Gösting lässt Ignaz Maria I. Graf Attems am Fuße des Burgberges durch Johann Georg Stengg ein Barockschloss errichten. Im Inneren finden sich Freskomalereien von Matthias von Görz und Franz Ignaz Flurer.

Karl VI. erlässt eine Verordnung gegen das Bettlerunwesen und errichtet aus diesem Anlass ein Armenhaus am Gries. Er ordnet an, alle „Zigeuner“ im Reich festzunehmen und „auszurotten“.

Die religöse Bruderschaft der Italiener lässt am Griesplatz die "Welsche Kirche im Barockstil erbauen.

Der im schwäbischen Öttingen geborene Jesuitenpater Joseph Stöcklein (1676-1733) kommt 1724 als Leiter der katechetischen Universitätsbibliothek nach Graz und arbeitet an der Edition der 28-bändigen Missionszeitschrift "Der Neue Welt Bott", in welcher er "Allerhand so Lehr- als Geistreiche Brie, Schrifften und Reis-Beschreibungen, Welche von den Missionariis der Gesellschaft Jesu, aus Beyden Indien und anderen Uber Meer gelegenen Ländern, dise letzte Jahr hindurch biß 1730 in Europa angelangt seynd" sammelt und verarbeitet und damit eine Welle der Missionsbegeisterung hervorgeruft.

1724 Burg GöstingSchloss Gösting Welsche Kirche Stöcklein

Am 17. Januar 1728 ernennt Papst Benedikt XIII. den aus dem Südtiroler Adelsgeschlecht Liechtenstein-Kastelkorn stammenden Graf Jakob II. Ernst (1690-1747) zum Bischof der Diözese Graz-Seckau. Ab 1738 wird Jakob Ernst Graf von Liechtenstein-Kastelkorn Fürstbischof von Olmütz. In dieser Zeit krönt er am 12. Mai 1743 Maria Theresia im Veitsdom von Prag zur Königin von Böhmen. 1745 wählt ihn schließlich das Domkapitel von Salzburg zum Fürsterzbischof.

Der kunstsinnige Karl VI. (1685-1740) ist der letzte Kaiser, dem die steirischen Stände am 6. Juli in Graz eine Erbhuldigung (Anerkennung eines neuen Landesfürsten durch die Stände der Geistlichkeit, des Adels und der Märkte) erbringen. Auf seiner Fahrt in die Steiermark eröffnet er bei der Überquerung des Semmerings die mit einem neuen Belag versehene "erste österreichische Kunststraße". Der Kaiser übergibt in der Burg dem Landeshauptmann Graf von Breuner die Insignien. Dann begibt sich Kaiser Karl VI., seine Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, die 11jährige Tochter Maria Theresia, Herzog Franz Stephan von Lothringen, Herzog Pius von Savoyen und der gesamte Hofstaat von 900 Personen zu Bischof Jakob Ernst in die Hofkirche St. Ägyden. Anschließend leistet Karl VI. in der Ritterstube in Anwesenheit von Graf von Saurau den Eid. Erblandhofmeister Maximilian Sigismund von Trauttmansdorff geleitet dann den Kaiser, seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth Christine und die Tochter Erherzogin Maria Theresia zur Tafel. Im Burggarten wird die vom "ersten Theateringenieur und Architekten Seiner Majestät", Giuseppe Galli-Bibiena künstlerisch ausgestaltete Oper "La forca dell'amicizia, overro Pilade, ed Oreste" aufgeführt. Am 16. August reist der Kaiser weiter nach Klagenfurt. Auf der Rückreise über Laibach verbleiben Kaiserin Elisabeth Christine und Erzherzogin Maria Theresia am 23. September in Graz.

Georg Edler von Deyerlsberg, landschaftlicher Syndikus und Sekretär, verlegt diese „Erbhuldigung“ in einem Prachtband in Folio, mit Zeichnungen von Flurer und Kupferstichen von Trost illustriert.

1728 Karl.VI. Karl VI. Erbhuldigung
Bischof Jakob II. Landeshauptmann Carl Breuner Galli-BibienaGalli-Bibiena
Karl VI. Karl VI. Erbhuldigung Karl VI. Landstaende Erbhuldigung Karl.VI.

In den Jahren von 1730 bis 1733 wird unter Bischof Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn anstelle des erst hundert Jahre alten Renaissance-Altares ein neuer barocker Hochaltar errichtet. Den Entwurf dafür liefert der Jesuitenpater Georg Kraxner, Präfekt der Tischlerei und Papierfabrik des Ordens sowie auch Baumeister, der zuvor in Venedig mit eigenen Augen „Gesuati“ aufführen gesehen hatte.
Das vom barocken Tafelmaler Franz Ignaz Flurer 1733 geschaffene Hochaltarbild zeigt den Schutzpatron der Kirche, den hl. Ägidius, umringt von Hilfesuchenden. Er bekommt auch den Auftrag für zwei weitere Bilder, links und rechts des Hochaltares an der Kirchenwand, mit Episoden aus dem Leben des Heiligen: "Auffindung des hl. Ägydius durch den König der Franken" (li.) und "Der hl. Ägydius kleidet Arme" (re.).

1730 Bischof Jakob II. Kraxner Hofkirche Franz Flurer Hochaltarbild

Sigmund Rudolph Reichsgraf von Wagensperg, der wie sein Bruder Franz Anton, der spätere Fürstbischof von Seckau (1702-12) und Chiemsee, in Graz bei den Jesuiten studiert, wird zur Belohnung für sein Engagement im Straßenbau 1730 von Kaiser Karl VI. zum Landeshauptmann ernannt.

Durch den Umbau zweier Häuser aus dem 15. Jahrhundert wird in der Sackstraße das Kellersberg'sche Stadthaus errichtet.

Christophorus-Fresko nach Flurer am Hauptplatz.

Barockfassade des Remschmidt-Hauses in der Sporgasse 13. Hier wohnt und stirbt um die Wende zum 19. Jh. der Bischof von Grenoble. Auf der Suche nach dessen Schatz bleibt der Hausbesitzer Josef Remschmidt spurlos verschwunden.

Darstellung der Grazer Richtstätte mit dem Brunnengalgen nahe der Karlau auf der Weintazkarte.

Sigmund Rudolph Reichsgraf von Wagensperg Kellerspergsches StadthausKellersperg'sches Stadthaus Hauptplatz
Sporgasse 13 Grazer Richtstätte

Johann Heinrich Zedler, in Breslau geborener deutscher Buchhändler und Verleger im Buchhandelszentrum Leipzig, begründet das "Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste", mit 64 Foliobänden die umfassendste deutschsprachige Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts. Im Band 11 beschreibt er: "Graetz oder Creutz, lat. Graiacum, Graecium, Sauaria und Crisium, eine prächtige Stadt in NiederSteyermark. Sie ist die Hauptstadt des Landes, nebst einem schönen Schloß, allwo vor Zeiten Ferdinandus II., als er noch Erzherzog von Österreich war, zu residiren pflegte. Sie liegt am Flusse Mure etwa 12 oder 13 Meilen von Wien, und 5 Meilen von dem Orte, wo die Mure und Drave zusammenfließen. Der Ort ist ziemlich feste und mit einem Wall und Bollwerken, auch schönen festen Thoren versehen. Sonders aber wird das obere Schloß fast vor unüberwindlich gehalten, weil es auf einem Berg gelegen, so um und um frei und felsicht ist und dem ganzen Lande herum gebiethen kann. Die Landschaft hat allda ihre Land-, Haus- und Einnehmeramte und es werden die Landtäge daselbst angestellet. Es ist auch die innerösterreichische Regierung daselbst, dahin alle Adpellationes aus Steyer, Kärnthen, Crain, Windischer Mark und Görz gehen. Dahero stets ein großer Adel da wohnet, auch jährlich zwey vornehme Märkte oder Messen zum Mitfasten, und zu S. Aegidii, deren jeder 14 Tage währet, allhier gehalten werden. Es sind daselbst viele Kirchen, auch ein ansehnliches Jesuitencollegium, nebst einer hohen Schule, die Papst Sixtus V. anno 1585 gestiftet hat, und viele schöne herrschaftliche Paläste.

1732

Johann Heinrich Zedler Universal-Lexicon

Der Jesuitenpater Ignaz Langetl gibt bei Widmanstetter 2 Monografien heraus: "Das Grazer Mausoleum Ferdinands II." (1732) und "Die Hofkirche des heiligen Aegidius" (1733).

1733

Langetl Mausoleum
Aufstand der Bauern wegen der hohen Kriegssteuern, der Rekrutierung der Jungen zum Militär sowie des nur dem Adel vorbehaltenen Jagdwesens. 1734  
Carl Adam Anton Reichsgraf Breuner von Stübing-Fladnitz, der mit Maria Josepha Gräfin von Starhemberg ,der Witwe des Grafen Johann von Herberstein, verheiratet ist, wird Landeshauptmann. 1735 Carl Adam Breuner

Neubau der Bamherzigenkirche durch den Grazer Hofbaumeister Johann Stengg (1735–1740). Der Hochaltar stammt vom Grazer Bildhauer Josef Schokotnigg, der Herz-Jesu-Altar vom Südtiroler Bildhauer Veit Königer und die erneuerte Loretokapelle, von Johann Georg Strengg. Auch wird hier die Schiffsglocke des Schlachtschiffs SMS Tegetthoff der Österreichischen Marine aufbewahrt, die ab 1942 an Bord des deutschen Kreuzers Prinz Eugen war.

1736

Bamherzigenkirche Tunner Loretokapelle

Der italienische Impresario Pietro Mingotti baut für seine italienischen Operisten am Tummelplatz die hölzernen Wagenremisen der Hofstallungen zum ersten ständigen Theater in Graz aus.  
Feldmarschall Prinz Joseph Friedrich von Hildburghausen, verheiratet mit der 20 Jahre älteren Nichte und Alleinerbin des riesigen Vermögens des verstorbenen Prinzen Eugen von Savoyen, Prinzessin Anna Viktoria, wird nach Graz beortert, um die wegen der Hohen Kriegssteuern ausgebrochenen Bauernunruhen zu beenden. 1737 Hildburghausen
Leopold Ernst Graf von Firmian wird mit nur 31 Jahren Bischof von Graz-Seckau. In späterer Folge wird er zum Fürstbischof von Passau und 1772 von Papst Clemens XIV. zum Kardinal ernannt. Als Berater von Kaiserin Maria Theresia gibt er den Anstoß zur Schulreform mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht von 1769/74. 1739 Bischof Leopold III.
Nach dem Tod Kaiser Karl VI. folgt am 20. Oktober 1740 seine Tochter Maria Theresia als Erzherzogin von Österreich und nach dem Tod des Wittelsbacher Kaiser Karl VII. ihr Gemahl als Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen nach. 1740 Maria.Theresia-Stephan.v.Lothringen

Nach der Zerstörung des Dominikanerkloster durch einen Brand und der zwangsweisen Übersiedlung des Dominikanerordens von der Herrengasse nach St. Andrä in die Murtvorstadt kommt es zum Neubau der Stadtpfarrkirche "Zum Hl. Blut". Im Glasgemälde des "Opfertodes Christi" auf der linken Chorseite sind unter dem Kreuz Hitler und Mussolini dargestellt.

Der Wiener Architekt Anton Martinelli errichtet am Südtirolerplatz für Anton Balthasar Thien von Thinnfeld ein spätbarockes Stadtpalais.

Im Bürgerhaus mit seinem spätgotischen Arkadenhof am Hauptplatz kommt Franz Anton Edler von Zeiller, der Verfasser des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches auf die Welt.

Die Kaiserinwitwe Elisabeth Christine hält sich mit der Erzherzogin Maria Anna ab dem 4. Oktober bis 1742 in Graz auf.

1741 Stadtpfarrkirche Stadtpfarrkirche Palais Thienfeld Franz Anton Zeiller Franz Zeiller
Kaiserin Elisabeth ChristineErzherzogin Maria Anna

Der Grazer Jesuitenpater und Astronom Joseph Liesganig (1719-1799) wirkt zuerst ab 1742 als Mathematiklehrer in Graz, bevor er 1760 mit der ihm von Maria Theresia aufgetragenen Landvermessung beginnt. Als Basis für die Gradmessung seines neu ermittelten Längenmaßes, des "Wiener Klafters" - das dann zum Normalmaß aller späteren österreichischen Längenmaße für den Kataster von Österreich-Ungarn wird - lässt Liesganig eine Schneise durch den Föhrenwald zwischen Wiener Neustadt und Neunkirchen ausgeholzen (spätere Neunkirchner Allee).

1742 Liesganig

1742 wird der Herzogshof in der Herrengasse auf 5 Geschoße aufgestockt und die Fassade durch den Vorauer Maler Johann Mayer mit Fresken bemalt. Die Malerei zeigt in einer hierarchisch und thematisch gegliederten Ordnung Heldensagen aus der griechisch-römischen Mythologie: im ersten Stock die volksnahen Götter Bacchus (Wein), Vulkan (Handwerk) und Vesta (Haushalt), im zweiten Stock die Reiterfiguren der Hauptgötter Apollo (Licht), Jupiter (Göttervater) und Pluto (Unterwelt), im dritten Stockwerk den Götterhimmel mit Merkur (Kaufleute), Mars (Krieg) und Minerva (Kunst) sowie im Giebelfeld Aeskulap (Medizin) mit Szenen aus der Atriden-, Herkules-, Prometheus- und der trojanischen Sage.

Stuckfassade in der Sporgasse, Stempfergasse und am Kapaunplatz.

Stiftung des "Josephinums" an die Jesuiten für arme Studenten.

Herzoghof Herzoghof Herzogshof Herzogshof
Sporgasse Stempfergasse Kapaunplatz

Stadtpfarrer Alois Bertholdi stiftet das Grazer Priesterhaus.

Im Zuge des Krieges um die Erbfolge nach dem Ableben Kaiser Karl VI. besiegt die österreichische-ungarische Armee die bayrische-französischen Truppen; fast 1000 Geiseln, darunter auch der Bürgermeister von München, Karl von Barth, werden nach Graz gebracht.

1743 Graz
Unter Piccinelli tritt am Theater am Tummelplatz der erste deutesche Schauspieler, der "Comoediant von Ollmütz", Franz Josef Hadwig auf. 1747  

Auf seiner Reise von Wien nach Turin Im April 1948 verbringt der britische Philosoph David Hume einige Tage im Oberen Murtal in Knittelfeld und ist vom Lebensstandard und der Kultur der Landesbevölkerung geradezu erschüttert. Er schreibt über die Steiermark: "So ansprechend das Land in seiner Rauheit ist, so wild, entstellt und monströs sind die Bewohner in ihrer Erscheinung. Sehr viele von ihnen haben hässliche, geschwollene Hälse. Kretins und Taubstumme tummeln sich in jedem Dorf herum. Der allgemeine Anblick der Leute ist der schockierendste, den ich jemals erlebt habe. Man könnte meinen, daß dies die große Heeresstraße war, über die all die Barbarenvölker in das Römische Reich einfielen, und sie hätten hier immer den Ausschluss ihrer Armeen zurückgelassen, bevor sie ins Feindesland einmarschierten. Davon könnten die gegenwärtigen Bewohner abstammen. Ihre Kleidung ist kaum europäisch, so wie ihr Aussehen kaum menschlich ist.".

Der 1718 in Graz geborene Jesuitenpater Martin Dobrizhoffer reist nach seinem Studium aus Philosophie in Wien sowie aus Theologie in Graz im Jahre 1748 mit 60 Patres in die 1606 gegründete Ordensprovinz in Paraquay, um die Eingeborenen dem katholischen Glauben zuzuführen. Erschüttert über die Grausamkeit der spanischen Sklavenhändler bringt er dem indigenen Stamm der Abiponen das Lesen und Schreiben bei. Nachdem er eine erlittene Pfeilwunde mit Hühnerfett heilt, kehrt er bei der Auflösung des Jesuitenstaates 1767 nach Wien zurück. Aus der 1784 erscheinenden "Historia de Abiponibus" liest er seine Indianergeschichten Kaiserin Maria Theresia vor.

1748 David Hume Cretin Dobrizhoffer
Abiponen Paraguay Abiponen Abiponen

Landeshauptmann Franz Ludwig Graf von Kuenburg (1750–1769:

Kaiserin Maria Theresia wird auf hrer Reise nach Pettau in der Grazer Vorstadt empfangen.

1750 Franz Ludwig Khuenburgh Kuenburg
Johann Christian Andrä von Fyrtag, Professor der morgen- und abendländischen Sprachen, schildert in seinem mit vielen fabulösen Bildern versehenen Manuskript "Kurtze Beschreibung der landesfürstlichen Haupt- und Residenz-Statt Grätz" den Prozess des Grafen Erasmus Tattenbach. 1753 Fyrtag

1754 teilen sich die beiden Erbinnen den Besitz von Eggenberg : Eleonora Maria von und zu Liechtenstein erhält die Herrschaft Eggenberg mit dem Grazer Stadtpalais, ihre jüngere Schwester Johanna Beatrix von und zu Liechtenstein übernimmt die Herrschaften Straß und Ehrenhausen.

Graf Johann Leopold von Herberstein, der dritte Ehemann von Maria Eleonora Liechenstein, lässt durch den steirischen Barockbaumeister Josef Hueber das ehemalige "Hubhaus", die Münze, in der Sackstraße zu einem spätbarocken Palais umbauen und mit Fresken von Andrea del Pozzo schmücken. Im rückwärtigen Hof befindet sich ein Pferdestall und 3 Wagenremisen.

1754 Johann Leopold v. Herberstein Alte Münze Herberstein Palais.Herberstein Palais Herberstein

Die Druckerei Widmanstetter gibt den "Erstlich gedruckt zu Augsburg, jetzo zu Grätz" Neuen Bauernkalender, den "Mandlkalender" heraus.

"Schreib-Callender" mit dem Landespatron S. Rupertus und dem Stadtpatron S. Egidius.

1757

Mandlkalender Schreibkalender

Ein in Ofen (Budapest) tätiger italienischer Tabakfabrikant namens Francesco de Spada kauft am 12. Jänner von Graf Gaisruck dessen Hofmühle bei Liebenau und beginnt mit zwei aus Ungarn mitgebrachten Arbeitern die Produktion von Schnupftabak aus den in Fürstenfreld angebautem Tabakblättern. In der Folge übernimmt Bartholomäus Wellatschitsch und 1787 Franz X. Pfeffer die Fabrik, der sie als Getreidemühle betreibt und nach ihm "Pfeffermühle" (Stanglmühle) benannt wird. 1759 Pfeffermühle

La Cita di Grätz Capitale della Stiria im l'ano ... 1760

An den Kämpfen im 7-jährigen Krieg gegen die Preußen unter König Friedrich II. um Schlesien nehmen 25000 Steirer unter den Fedldmarschällen Leopold Graf von Daun und Gideon Ernst Freiherr von Laudon teil.

1760 Kauperz GraetzGraz
Ferdinand Karl, 14. Kind von Maria Theresia, bekommt mit Georg Philipp von Rottenberg einen eigenen Lehrer, der für den kleinen Erzherzog und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Maximilian eigene Unterrichtstafeln zum Lernen entwickelt, die nach Graz gelangten und im Joanneum aufbewahrt sind. Mit den bunten, an der Wand aufgehängten Tafeln, sollen in einem Frage-Antwort-Spiel alle Sinne der Kinder angeregt werden. Erzherzog Ferdinand Karl Ferdinand Calligraphia
Namnesbuechel Namensbuechel

Joseph II. unternimmt mit seiner Frau Isabella von Bourbon-Parma - die sich im Geheimen mehr zu dessen Schwester Maria Christina hingezogen fühlt - Ende Mai 1761 eine Wallfahrt nach Mariazell, um vor dem Gnadenaltar der Magna Mater Austriae zu beten, nachdem sich keine Anzeichen auf baldigen Nachwuchs des Paares anzeigten. Die Mühen der Pilgerfahrt lohnen sich tatsächlich bald.

Der Gewerke Ferdinand Joseph von Thinnfeld, Besitzer mehrerer Eisenhämmer, lässt nahe Deutschfeitzritz zwischen 1761 und 1764 nach eigenen Plänen für seine Frau ein Rokokoschloss errichten.

1761 Joseph II. Isabella von ParmaMaria Christina Schloss Thinnfeld
Johann Wenzel Graf Purgstall (1724-85), Leiter der "Steiermärkischen Landwirthschafts-Gesellschaft", verheiratet mit Gräfin Julie Gondola, geborene Gräfin Rindsmaul, lässt 1762 vom neapolitanischen Maler Gennaro Basile die „Porträtgalerie des steirischen Adels“ malen, welche einen Querschnitt der innerösterreichischen Aristokratie zeigt und im oststeirischen Schloss Hainfeld seinen Platz findet. 1762 Wenzel Purgstall Basile
Saurau Basile Hainfeld Hainfeld Franz Dietrichstein Hainfeld Hainfeld   Hainfeld Hainfeld Hainfeld Hainfeld Hainfeld Hainfeld Basile
Basile Basile Basile Basile Orsini-Rosenberg Basile Basile   Basile Basile Basile Basile Basile Basile Basile
Basile Basile Wildenstein Basile Basile Wildenstein Basile Hainfeld   Basile Basile Basile Basile Trapassi Basile Johann Wenzel Graf Purgstall
Basile Basile Basile Basile Basile Basile Basile Basile   Alois Purgstall Basile Basile Basile Basile Basile Basile

Auf der Reise zu den Hochzeitsfeierlichkeiten des 18jährigen Erzherzogs Leopold mit der spanischen Prinzessin Maria Ludovica in Innsbruck, die über Mürzzuschlag, Klagenfurt, durch das Pustertal und über den Brenner führt, macht die kaiserliche Familie (Maria Theresia und ihr Gatte Franz I. Stephan von Lothringen, die Kinder Joseph, Leopold, Maria Christina und Maria Anna) und der halbe Hofstaat von Wien für eine Woche in Graz Station und sind bei Johann Leopold Graf Herberstein im Schloss Eggenberg zu Gast, wo sie nach Jagden und Besuchen bei Grazer Adelsfamilien fürstlich bewirtet werden. Der Grazer Baumeister Richard Seebacher präsentiert hiebei zur Zufriedenheit der Majestäten sein von ihm "frei aufgerichtetes bürgerliches Jägercorps."
Bei einem Besuch von Landeshauptmann Karl Leopold von Herberstein in der Burg lässt Maria Theresia die von Kaiser Ferdinand I. angelegte Schatz- und Rüstkammer auflösen und die schönsten Stücke in die Residenz nach Wien bringen. Den Rest verschenkt sie an ihre Begleiter; nur der alte steirische Herzogshut verbleibt in Graz.

Nach dem Tod seines Vaters Franz I.. wird Joseph II. (1741 bis 1790) als erstgeborener Sohn Maria Theresias Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und offizieller Mitregent in den erzherzöglichen Ländern.

1765 Maria.Theresia Joseph II.Leopold II.Maria ChristinaMaria Anna von Österreich
Bürgercorps Carl Leopold Graf von Herberstein

Theaterleiter Johann Joseph von Brunian lässt das Tummelplatztheater vom Maurermeister Josef Huebr großzügig sanieren und sogar Maria Theresia als Zuschauerin gewinnen. Auch die "Badner Truppe" von Matthias Meninger kann für eine Aufführung gewonnen werden, in der Johann La Roche den Kasperl spielt.

Kleine platzartige Erweiterung der vom Südtirolerplatz ausgehenden Mariahilferstraße. Spätbarocke Fassade des Palais Dobler durch Joseph Hueber sowie Deckenfresken in der Beletage durch den Theatermaler Alois Gleichenberger.

1768 Brunian Palais Dobler Palais Dobler
Das landesfürstliche Schloss Karlau wird von Kaiserin Maria Theresia in ein Arbeitshaus umgewidmet.

1769

Karlau

Großherzog Leopold II. von Toskana hält sich mit seiner Frau Maria Ludovica von Spanien auf der Durchreise nach Wien einige Zeit im Schloss Eggenberg auf.

Parade des Grazer Bürgercorps anlässlich des Besuches von Maria Theresia mit ihren Söhnen Joseph II. und Leopold in Graz: "Die Jägerabteilung umfaßt 300 hannedte Bürger in neuer gleicher grüner Montierung mit silbernen Schlingen und Herren Officier mit vielfältigen Porden." Sie führen eine weiße Fahne und werden von einer 18 Mann starken Musikbanda mit rot-gelben Monturen begleitet. Das Kommando befehligt Oberst Richard Seebacher, der auch die Uniformen finanziert hatte. Dazu kommen noch "200 neue Bürger zu Fueß in roter Montierung mit weißen Gamaschen sowie eine Reyterei von 100 einer neuen Bürgerschaft in Rot mit gleich roter Montierung gelb aufgeschlagen."

Durch ein Patent von Maria Theresia wird im Herbst in Graz erstmals die aufeinanderfolgende Numerierung von Häusern und die nächtliche Straßenbeleuchtung eingeführt.

1770

Leopold II.Maria Ludovica Seebacher Bürgercorps

Der Vorauer Augustiner-Chorherr Aquilinius Julius Caesar (1720-93) gilt mit seinen Werken „Beschreibung des Herzogthums Steyermark“ (1773), „Beschreibung der k.k. Hauptstadt Gräz“ (1781), „Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthums Steyermark“ (1786) sowie den „Annales ducatus Styriae“ (1768-1777) als „Vater der steiermärkischen Geschichtsschreibung“. Das letztgenannte Quellenwerk beinhaltet eine wertvolle Beschreibung der Geschichte von Graz: „Die Festung Grätz Verdienet gar wohl eine Topographische Beschreibung. In die Stadt Grätz beuget sich von Mitternacht ein sehr hoher Berg und Fels, auf welchem die Festung Grätz ruhet, die schonöfters verschiedenen Feinden, benamentlich den Türken im Jahre 1532, den Trotz gebothen hatte. Es ist nur zu bedauern, daß dieser trefflich gelegenen und wohl zusammengebauten Festung die Berge zu nahe stehen, von welchen die Feinde solche mit Stückschüssen bestreichen und also sehr schaden können. Von dem Ursprung derselben habe ich mich oben in meiner Einleitung nur mutmaßlich geäußert, daß vielleicht Hadrian, der römische Kaiser, an diesem hohen Berg und Felsen, den ersten Grund zu einer Festung möchte angeleget haben. Mutmaßlich äußerte ich mich; den keine förmlichen Urkunden oder alte Geschichtsschreiber kann ich nicht anführen. Ein altes Gemälde von der Festung Grätz würde den Ursprung derselben an noch ältere Zeiten versetzen; denn dieses stellet auf dem Grätzerberg drey Schlösser vor, deren eines weiter und herrlicher als das andere war: jedes hatte seine Wälle, Gräben und Aufziehbrücken nach alter römischer Art. Obschon dieses Gemälde kein ächter Bürge des Ursprungs seyn kann, wird doch die Muthmassung von dem alten Ursprung dieser Festung etwas begreiflicher; theils, weil die erste Bauart der Festung sehr bäuerisch, und nach dem Geschmack der alten Zeiten unregelmäßig und ungestaltet angebracht war, theils auch, weil ein an dieser Festung gefundener, und mit der Jahrrzal 3690 bezeichneter Stein die Innschrift solle gehabt haben, daß allda ein Vertheidigungshaus gestanden, welches die im Jahre der Welt 3899 das ist, wie Brictius rechnet, im 155ten Jahre vor der Geburt Christi dahin gezogene alte Tauriscier, Gräd oder Grädetz, das ist, ein Schloß sollen genennet haben.So würde der erste Ursprung dieser Festung zweifelsohne sehr alt seyn. Wir wollen alle diese Muthmassungen in dem Werth lassen, den sie verdienen, nur allein dieses als das wahrscheinlichste sind niederschreiben, daß, wegen der vielen, schon im 300ten Jahre nach Christi Geburt in der Gegend Grätz gefundenen Steinen und Innschriften die Festung Grätz älter, als die Stadt anzusehen sey. Auch die in der Festung Grätz liegende Kirche des H. Thomas soll ein hohes Alter haben. Man wies zwar nicht gewiß, doch ist es sehr glaubwürdig, daß, nachdem die Festung zu Grätz erbauer worden, nächst von selber, gleich nach ausgereuteter Abgötterey eine Kirche für die allda angestellte Garnison sey ausgeführet worden, welche St. Thomas am Walde genennet wurde. Diese Kirche muß von der andern nicht weit abgelegenen Kirche St. Paul am Berge oder am Walde wohl unterschieden werden, weil diese jünger als jene des H. Thomas, nun eine Klosterkirche der PP. Augustiner ist, von welcher im 4ten Abschnitt das mehrere wird gemeldet werden. Obschon die Festung Grätz, in welcher ein Donnerstreich im Jahre 1323 einen halben Thurme abgebrannt, ihre Vollkommenheit erst unter Erzherzog Carl im Jahre 1576 erhalten, war sie doch schon ehevor gewachsen, den Türken, welche im Jahre 1532 in Österreich nichts erwürken konnten, und dannenhero mit der Belagerung Grätz sich rächen wollten, tapfer zu widerstehen. Man gedachte damlas in Grätz wenig an einen Einfall der Türken; ganz ohngefähr kamen 4000 derselben, und überraschten die Stadt Grätz. Die kleinmüthigen Bürger verließen die Stadt, flüchteten sich mit ihren besten Haabschaften in die Festung. Die solcher gestalten überfallene Stadt Grätz kam in die Gewalt der Türken; weil diese aber von der Festung stäts beunruhiget wurden, wollten sie, wie sie sagten, die Stube ohne den Ofen nicht haben, zogen eilends ab und über die Drau. Zum Andenken dieser Geschichte dienet der in dem Haus der Grafen von Saurau neben dem alten Paulusthore in der Sporrergasse abgeschilderte Türke, als ein Zeuge, daß die Türken die Stadt zwar eingenommen, in die Festung aber nicht eindringen konnten. In diesem Zustand blieb das Schloß bis Erzherzog Karl I. im Jahre 1576 einen Landtag in Grätz hielt, und da man sich in solchem wegen der Kroatischen Gränzen berathschlug, kam auch der angehende Festungsbau von Grätz zum Vorschlag. Herr Franz von Poppendorf zeichnete den Grundriß zur Festung, und die Herren Weichard Freyherr von Auersperg, Landeshauptmann in Krain, Pankratz Herr von Windischgrätz, Landmarschall, Ludwig Freiherr von Ungnad, Erosam Mayer, Michael von Rindsmaul, Johann Ferenberger waren jene sieben Männer, welche den Festungsbau in vollkommenern Stand setzen sollte. Vielleicht ist es um diese Zeit geschehen, daß das vorige alte Schloß Grätz, so den Herren von Rindscheid solle eygen gewesen seyn, von diesen an die Landschaft Steyer, und von solcher durch Tausch an Herzog Karl gekommen. Karl fieng also an, die Festung in Gestalt eines vollkommenen Dreyecks gleich einer in der Fläche stehenden Pyramide nach dem entworfenen Grunsriß, und zwar durch die Arbeit der von ihm gefangenen Türken zu bauen. Die Festung wurde mit hohen Mauern und vier äussern Bollwerken oder Hauptbastionen umgeben, welche von dem fünften, so innert der Festung errichtet ist, beschützet wird. In der Mitte raget ein ansehnlicher Thurm hervor, in welchem die große und 160 Zentner schwere Glocke hängt, die Erzherzog Karl im Jahre 1587 hat giessen lassen. Auf dem untern bürgerlichen Thurme sieht man die Uhr. Hier werden die Feuersbrünste durch wiederholtes Anschlagen an die allda befindlich viel kleinere Glocke, durch ausgehengte rothe Fähne des Tages, des Nachts aber durch eine Laterne wie von der Festung durch gewisse Stückschüsse angezeiget. Im Jahre 1680 den 23. August entstand ein strakes Feuer in der Festung, welches erst des anders Tages konnte gelöschet werden: viele fflohen von Grätz, aus Furcht der allda befindliche Pulverthurm möchte in die Luft springen, und also die Stadt gänzlich zu Grunde richten. Es erfolgte doch kein anderer Schaden, als daß nur jener Thurm, der gegen den Sack angebauet war, sammt einigen Personen verbrannt wurden. Der Pulverthurm ist in der Festung nun abgeschaffet und weit außer solcher und der Stadt auf freyen Feld das Pulvermagazin angeleget, bey welchem stäts eine Wache gehalten wird.

Aquilinius Caesar Aquilinus Caesar Aquilinus Julius Caesar

Per Regierungsdekret vom 11. Oktober löst der habsburgerische hl. Josef den Salzburger Diözesanpatron, den Hl. Rupert, als steirischen Landespatron ab.

Im westlichen Trakt des Kreuzganges des Minoritenklosters wird für die Votivgaben der Wallfahrer eine Schatzkammerkapelle errichtet. Die von Joseph Adam Ritter von Mölk geschaffenen Bilder zeigen Wunderszenen der Mariahilf Gnadenmutter.

Barockisierung des Domherrenhofes, des ehemaligen Jesuitenkonvikts in der Bürgergasse 1 mit der Heiligen-Geist-Kapelle durch Baumeister Joseph Hueber mit den Deckenfresken von Josef Adam von Mölk und von Caspar Fibich sowie dem vom Südtiroler Bildhauer Veitz Königer geschaffenen Herkulesbrunnen im Innenhof, der symbolisiert, dass die protestantischen Landstände als Hydra dem katholischen Erzherzog Ferdinand als Halbgott nichts anhaben können.

1771

hl. Josef Joseph Mölk Mariahilferkirche Minoritenkloster
Domherrenhof Heiligen-Geist-Kapelle Herkulesbrunnen

Der Hofschauspieler Karl Ludwig Reuling aus Baden-Baden spielt erstmals Stücke von Lessing in Graz. 1772  
Nachdem Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden aufhebt, werden die Besitzungen von Graz, Leoben, Judenburg und Marburg dem Studien- und Religionsfonds einverleibt. Im Festsaal des aufgelassenen Jesuitenkollegs in der Bürgergasse wird ein evangelischer Gottesdienst abgehalten. 1773  
Die von Johann Ignaz von Felbiger ausgearbeitete "Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämmtlichen Kaiserl. Königl. Erbländenr" wird durch Maria Theresia am 6. Dezember 1774 verordnet. Gedruckt in Wien beim kaiserl. königl. Hofbuchdrucker und Buchhändler Johann Thomas Edlen von Trattnern, nachgedruckt zu Grätz in der k.k. privilegierten Buchdruckerey bey den Widmanstätterischen Erben. 1774 FelbigerSchulordnung

Der Jesuit Leopold Gottlieb Biwald lehrt in Laibach und an der Jesuitenuniversität in Graz. Er verfasst ein "Hand- und Lehrbuch der Physik" und fordert 1775 für die Steiermark die Erfassung aller Pflanzen des Landes und deren Veröffentlichung in einem zentralen „Museum rerum naturalium Styriae" in Graz. Biwald nimmt damit die Idee des späteren Landesmuseums Joanneum vorweg.

"Landschaftsapotheke" sowie "Apotheke zum Grantapfel"

1775 Biwald Physica Landschaftsapotheke Apotheke zum Granatapfel
Anstelle des beliebten, aber baufälligen Commödienhauses am Tummelplatz (Kommodhaus) Eröffnung des unter Graf Franz Anton von Inzaghi von Josef Huemer neu erbauten "Grazer Nationaltheaters" am 19. September im Garten des Vizedomhauses nahe der landesfürstlichen Burg mit Crenzins "Derbi oder Freundschaft und Treue" als Eröffnungsvorstellung. Durch den Verkauf von Kugeln und Lafetten an den König von Neapel können die steirischen Landesstände mit 18961 Gulden und 18 Kreuzern für die Hälfte der Baukosten auifkommen. Als Theaterleiter kommt Joseph Bellomo aus Weiar nach Graz. Mit Gastspielen von Johann Brockmann, Carl Domaritius, August Iffland oder Franz Hysel enspricht das Theater auch tatsächlich dem Theaterleben der steirischen Landeshauptstadt. 1776 Kommodhaus Stadttheater

Auf der Reise nach Rom besucht der apostolische Nuntius von Wien, Erzbischof Giuseppe Garampi, am 20. April 1779 Graz, wo er im Augustiner-Eremitenkloster in der Sporgasse abgesteigt und mit dem Seckauer Bischof Joseph II. Philipp Franz Graf von Spaur sowie Vertretern der steirischen Landesregierung und der Universität auf Gespräche zusammentrifft. In seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen schildert er Graz als elegante Stadt mit 30000 Einwohnern, Er erwähnt die Familie Herberstein als Besitzer von Schloss Eggenberg, hebt besonders den in feinem Marmor ausgeführten Hochaltar des Domes und den den prachtvollen Stadtpalast des Benediktinerklosters von St. Lambrecht hervor. Er besichtigt den Schloßberg und spricht mit einem dort in den Kasematten seit 13 Jahren festgehaltenen Bischof von Karlowitz. Am Landhaus entdeckt er als Experte für Epigraphik einige alte Inschriften. Über die Bewohner des Landes erfährt er, dass sie Waffengänge fern der Heimat ungern auf sich nehmen und vielfach ihr Leben lassen müssen sowie oft von einer hier weit verbreiteten Krankheit, die bis zum Delirium führen kann, befallen werden. Der Nuntius verlässt Graz Richtung Süden durch das Stadttor, das nach Ehrenhausen führt und erreicht nach einer neunstündigen Reise seine nächste Station Marburg.

1779 Giuseppe Garampi Bischof Josef II. Philipp Franz Graf von Spaur

Mit dem Tod von Kaiserin Maria Theresia wird ihr Sohn Joseph II. ab dem 29. November alleiniger Herrscher.
Er erlernt beim Hofbuchdrucker Johann Thomas von Trattner die Buchdruckerkunst und erweist sich als großer Förderer der "Schwarzen Kunst".

Joseph Adam Graf von Arco (27.1.1733 bis 3.6.1802), Bischof von Königgrätz, wird 1780 nach der Aufhebung des Stiftes Seckau vom Salzburger Fürsterzbischof Colloredo zum Fürstbischof und 1783 zum Fürsterzbischof des nach Graz übertragenen Bistums von Seckau ernannt. Unter ihm wird der Bischofssitz in die Landeshauptstadt Graz verlegt, die Ägydikirche zur Kathedrale erhoben und ein Domkapitel eingerichtet. Damit verbunden, lässt er das Bischöfliche Palais am Bischofplatz umbauen und vergrößern.

1780 Joseph.II. Joseph II. Fürstbischof Joseph Adam Graf Arco BischofplatzBischofplatz

Durch ein Hofdekret vom 31. März wird die Ägidiuskirche Eigentum der k.k.Universität.

Kaiser Joseph II. verfügt eine einheitliche Gerichtsbarkeit, die Schulpflicht, erlässt das Toleranzedikt für eine freie Religionsausübung und kündigt das Gesetz für die Klosteraufhebungen an. Auch die Juden werden gleichgestellte Staatsbürger, haben Zugang zu den Jahrmärkten, bekommen das Wohnrecht und müssen deutsche Familiennamen annehmen. Orthoxen Juden, die sich weigern, werden von Amts wegen Farbnamen zugeteilt: Grün, Gelb, Schwarz ...

1781 Religionspatent

Kaiser Joseph II. erklärt mit zwei Dekreten von 1782 und 1784 Graz zur offenen Stadt. Der Festungscharakter der Stadt wird aufgehoben, das vermauerte Burgtor wieder geöffnet und eine Brücke über den Stadtgraben geschlagen: Die Verschmelzung mit den Vorstädten und somit die Verstädterung beginnt.
Am 12. Jänner 1782 tritt das Gesetz zur Auflösung von Klöstern in Kraft. Joseph II. lässt auch in Graz etliche Klöster auflösen (Augustiner von St. Paul, Kapuziner in der Paulustorgasse, Karmelitinnen am Fischplatz, Karmeliter am Karmeliterplatz, Jesuiten, Klarissinnen im Paradeis, Dominikanerinnen, Pauliner in Mariatrost, Trinitarier in der Karlauerstraße) und verbietet aus hygienischen Gründen die Beisetzung Verstorbener im Ortsgebiet. So entstehen außerhalb der Stadtmauern die neuen Friedhöfe von St. Peter und am Steinfeld.
Er degradiert die Grazer Universität zu einem Lyzeum.

Auf der Fahrt von Rom über Loreto, Bologna, Venedig, Udine, Görz, Laibach, Marburg zu einem Treffen mit Kaiser Josef II. nach Wien (22.3.-22.4.1782) nächtigt Papst Pius VI. am 18. März 1782, begleitet von 25 Kurienmitgliedern, dem kaiserlichen Sondergesandten Graf Cobenzl sowie zwei Kardinälen, dem päpstlichen Nuntius Erzbischof Giuseppe Garampi und dem Fürstbischof von Gurk, Joseph Franz Anton Graf von Auersperg, im Lambrechterhof in der Paulustorgasse und feiert Tags darauf mit dem neuen Seckauer Bischof Joseph III. Adam Graf Arco die Hl. Messe in der Mariahilferkirche. Am folgenden Tag, dem 20.3., zelebriert der Papst noch eine Messe in der Minoritenkirche, bevor er mit seinem Troß die steirische Hauptstadt Richtung Bruck an der Mur verlässt. In Peggau macht er im Gasthof zur Post zum Pferdewechsel eine kurze Rast und verbringt, noch auf steirischem Boden, im Schloss des Grafen Wolfgang Stubenberg in Weiden die Nacht. Der Papst will in einem persönlichen Gespräch Kaiser Joseph II., der ihm bis Wr. Neustadt entgegenfährt, vor weiteren Reformen auf kirchlichem Gebiet abhalten.

Der Grazer Theaterdirektor und Textdichter von Mozarts "Zauberflöte", Emanuel Schikaneder, insziniert auf dem freien Gelände des "Erfrischungsplatzes" Glacis das Stück "Waltron oder die Unsubordination", wofür er ein Kriegslager mit 200 Zelten aufstellen lässt.

1782

Graz Altstadt Papst Pius VI. Bischof Joseph Franz Anton Graf von Auersperg Wildenstein
Peggau Wr. Neustadt Pius VI. Pius VI.
Schikaneder

Im März steigt Kaiser Joseph II. im Gasthof "Zum weißen Lamm" (Lamplwirt) in der Schmiedgasse ab. Er verfügt, dass die Grazer Burg zum Sitz der Gubernialverwaltung wird; aus der einstigen Residenz wird somit eine Beamtenburg. Er verlegt die Sträflinge vom Zuchthaus in der Griesvorstadt in die Kaserne am Schloßberg.
Im Lambrechterhof, dem Palais Wildenstein in der Paulustorgasse, richtet er ein "Allgemeines Krankenhaus" ein, in unmittelbarer Nähe in der Palmburg ein Gebärhaus für ledige Mütter und Damen der Gesellschaft, die nicht ihren wahren Namen angeben müssen und das Haus mit Masken verschleiert wieder verlassen können, sowie im heutigen Volkskundemuseum ein Irrenhaus. Das Karmeliterkloster widmet er zu einem Militärspital um.

Der Edle Leopold von Auenbrugger, 1722 in der Grazer Vorstadt geborener Gastwirtesohn, wird nach seinem in Graz begonnenen Medizinstudium 1752 in Wien Hofarzt von Maria Theresia. Wie schon zu seines Kindheitszeiten, wo er im Wirtshaus "Zum Schwarzen Mohren" seines Vaters durch das Beklopfen der Fasswande die Füllung von Weinfässern abzuschätzen lernt, fällt ihm als Arzt das Phänomen der Schallunterschiede beim Beklopfen verschiedenen Stellen der Brustwand auf. Mit dieser Entdeckung, die er 1761 unter dem Titel "Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi" (Neue Erfindung mittels Anschlagens an den menschlichen Brustkorb, als ein Zeichen, um verborgene Brust-Krankheiten zu entdecken) publiziert, wird er zum Erfinder der Perkussion. Aber auch auf dem Gebiet der Kunst ist er erfolgreich, indem er das Libretto zum Singspiel "Der Rauchfangkehrer" von Antonio Salieri, seinem Trauzeugen, schreibt, das 1781 in Wien Premiere feiert.

1784

Lamplwirt Lambrechterhof Auenbrugger Rauchfangkehrer

Der Postmeister Caspar Andreas Ritter von Jacomini, ein Patrizier aus Fiume, lässt sich 1784 in Graz nieder und beginnt auf den von ihm erworbenen Gründen mit der Gründung der Jacominivorstadt, indem er südlich des ehemaligen äußeren Eisernen Tores eine Platzanlage mit ausgehenden Radialstraßen (Josephs-Platz, Jakominiplatz) errichtet lässt. Seine Zentrale wird der von Joseph Benedikt Withalm d. Ä. errichtete "Neuhof", der später auch als Postgebäude dient.

Der junge protestantische deutsche Tagesschriftsteller Johann Casper Riesbeck berichtet In seinen „Briefen eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder in Paris“ bezüglich eines Aufenthaltes in Graz: „Steiermark zählt über 70.000 Einwohner. Die Hauptstadt Grätz ist sehr schön und der daselbst wohnende zahlreiche Adel lebt prächtig. Es sind einige Häuser dort von 20 bis 40tausend Gulden Einkünften. Im Punkt des Wohllebens übertrift das dortige gemeine Volk nach das hiesige in Wien. Man hält gewöhnlich des Tages vier ordentliche Mahlzeiten: Morgens, Mittags, Abends und zu Nacht. Hahnen, Enten, Kapaunen und dergleichen mehr sind das Essen des gemeinen Bürgers, und kommen auch außer den Sonn- und Feyertagen öfters auf seinen Tisch. Ich erschrak, wie ich die Wänste den ganzen Tag wie angenagelt an dem Tische sitzen, und mit mir ihren ungeheuren Zurüstungen von Braten, Torten, Pasteten, Schinken, Würsten u.s.w. so ernstlich zu Leibs gehen sah, um ich mit aller Gewalt auf ein paar Wochen krank zu machen. Ihre Köpfe machen wirklich einen Theil ihrer Wänste aus, und sind wie diese mit nichts als Schinken, Würsten u.dgl. immer angefüllt. Man redet von nichts, als was in die Küche und Keller gehört, einige Digressionen aufs Theater ausgenommen, und in wenig andern Dingen als der studierten Zubereitung ihrer Speisen, unterscheiden sich die gemeinen Leute von Orangoutans. ... Die Schöngeisterey hat auch schon unter den jungen Herren zu Grätz, wie unter den hiesigen, Wurzeln geschlagen und sie haben schon ziemlich viel sogenannte Gelehrten. Ich glaube aber, diese Ration wird immer durch diese Kapaunen, denen ich meinen Beyfall nicht versagen kann und die als Leckerbissen häufig nach Wien und noch weitter verschickt werden, berühmter bleiben, als durch ihre literarischen Produkte. Von der Fülle des Lands des kannst du dir einen Begriff machen wenn ich dir sage, daß man einen fetten Kapaunen hier um 18 bis 20, und ein Paar schöne junge Hahnen für 10 bis 12 Kreutzer kauft. Für 10 bis 12 Kreutzer bekömmt man eine Maaß sehr guten innländischen Weines und das Pfund Roggenbrod kömmt nicht viel über einen Kreuzer zu stehn. Die Stadt Graz sammt den Vorstädten enthält beynahe 30000 Menschen. ... Die Anzahl und Größe der Kröpfe ist in Steiermark beträchtlicher, als in Kärnthen, Krain und Tyrol. Man schreibt sie theils dem Schnee und Eiswasser, theils den Erde- und Steintheilchen zu, womit die Brunnen des Landes geschwängert sind. Andre setzen sie dem Gebrauch der Einwohner, ihre Speisen ungemein fett zu machen und auf das heisse Fett kaltes Wasser zu trinken, auf die Rechnung. Ich meines Theils möchte noch eine vierte Ursache beyfügen, und sie alle zusammen gleichstark auf die Erzeugung dieses Gebrechens wirken lassen. Diese Ursache wären die heftigen Verkältungen, welchen alle Thälerbewohner stark ausgesezt sind. Zwischen den Bergen fängt sich die Sonnenhitze ein, und wird durch das Zurückprellen der Strahlen von allen Seiten in der Tiefe der Thäler auf einen ausserordentlich hohen Grad getrieben. Ich erinnere mich, daß ich auf meinen Wanderungen durch enge Thäler oft eine Luft einathmete, die so glühend war, als sie aus einem Schmelzofen käme. Wenn nun die gerlngste Bewegung in der Luft entsteht, so wird der Zug des Windes in den Thälern durch die Pressung viel stärker als auf höhern Gegenden oder Ebenen, wo er sich mehr ausbreiten kann, und folglich auch kälter. Man pflegt bey einer grossen Hitze die Brust und den hals gemeiniglich offen zu tragen, und durch die Erkältungen, welche dann ein gäher Windzug verursacht, werden die zarten Theile des Halses am ersten angegriffen. Die Säfte stocken gäh, und die Verhärtungen in den Gefäßen müssen dann einen hartnäckigen Geschwulst veranlassen. Nebst den ist in diesem Land noch eine gewisse Art Tölpel merkwürdig, die fast ganz ohne Sprache, und fast zu keinen andern als viehischen Arbeiten zu gebrauchen find Ihre Anzahl ist groß, und die Nachläßigkeit, womit man sie in ihrer Jugend behandelt, mag das meiste zu ihrer Vermehrung beygetragen haben. ... Der auffallendeste Zug im Karakter der Bewohner ist eine unbeschreibliche Bigotterie im Abstich mit einem ebenso unbeschreiblichen Hang zur sinnlichen Wohllust. Hier hat man nur die Augen aufzuthun, um sich zu überzeugen, daß die Religion, welche die Mönche lehren, für die Sitten äusserst verderblich und also unkristlich ist - Die Zizisbeen begleiten die Weiber aus den Betten in die Kirchen und führen sie am Arm an die Beichtstühle hin. Eine besondre religiös profane Feyerlichkeit für die Frauen zu Grätz ist eine Wallfahrt nach Mariazell in Begleitung ihrer Buhlen Es ist für sie das, was anderswo ein Bad oder ein Gesundbrunnen für die Damen ist. Einer meiner Bekannten hatte die Ehre eine schöne Dame von Grätz nebst ihrem Freund dahin zu begleiten. Es war zu erwarten, daß am folgenden Morgen wegen dem Fest der h. Jungfrau ein großes Gedränge um die Beichtstüle seyn werde. Abends ward also die Frage aufgeworfen, ob die gnädige Frau nicht besser thäte, denselben Abend ihre Sünden durch das heilige Vomitive von sich zu geben: ‚Ich will warten bis Morgen frühe‘ sagte sie, ‚denn ich müßte ja sonst zweimal beichten um mit reinem Herzen zur Kommunion gehn zu können.‘ Man rieth ihr, sie sollte die Sünden der nächsten Nacht voraus auf den Konto bringen. ‚Ey das gilt nicht‘ erwiderte sie. Die Weiber von Stande in diesen Gegenden finden es so wenig anstößig, als die zu Wien, öffentlich in Gesellschaften von ihren Liebhabern zu sprechen. Ein Zizisbeo gehört hier zur Mode, wie ‚Eau de fleurs de Venise‘. - Die Grätzerinnen sind schöner als die Wienerinnen, und lassen so wenig als diese ihre Liebhaber lange schmachten. Ueber diesen Punkt haben sie ganz andre Grundsätze als unsre Landsmänninnen, die Spitzbübinnen genug sind, einem Seufzenden unter die Nase zu singen: ‚Laisses languir vos amals; Et vous aures l’avantage d‘étre adorées plus long temps.‘ (Lassen Sie Freunde schmachten und Sie haben den Vorteil, längere Zeit angebetet zu werden). Mit der Anbethung ist es dem hiesigen Frauenzimmer überhaupt nicht gedient. Sie sind für die Liebe á la Grenadiere, achten weder Thränen noch Seufzer, weder Verse noch Bonmots, noch irgend etwas von der feinen Belagerungskunst, sondern lieben das Sturmlaufen und Brescheschiessen. Die vielen kaiserlichen Officiers, wovon alle grosse Städte wimmeln, haben Gelegenheit genug ihre Bravour zu zeigen, sollen sich aber doch mit dem zahlreichen Korps der Prälaten nicht messen können, die nebst der Lebhaftigkeit und dem Nachdruck ihres Angriffs noch den Vortheil über jene haben, daß ihre Kasse gut genug bestellt ist, den Kommandanten der Vestung auch allenfalls bestechen zu können. Ich glaube, dieß ist eine der Hauptursachen, daß die Officiers und Prälaten in den kaiserlichen Erblanden durchaus einander so gram sind.“

In den „Briefen eines Eipeldauers an seinen Vetter in Kalkau“ geht der Verfasser Josef Richter auf die Eigenschaften der Grazer Frauenwelt wie folgt ein: “Die Gratzerinnen müssen bekanntlich alles größer haben als die Wienerinen. Wenn d’Haubn ein halb Klafter hoch sind, so baun d’Gratzerinen noch ein Stock drauf und machen ein Klafter draus; wen den Wienerinen d’schneckerlperöcken nur bis auf’s Kreuzbeinl hinabgeht, so sind d’Gratzerinen in d’Peröcken völig eingewickelt; wenn d’Wienerinen an drey Fingern einen Ring tragen, so haben d’Gratzerinen an jeden Finger ein paar stecken; wenn die Medailloni von den Wienerinen so groß wie ein Reittäfel sind, so tragens d’Gratzerinen so groß wie ein Nudelbrett.

 


Jacomini Jakominiplatz Jakominiplatz Hauptplatz
Riesbeck Riesbeck

Der in Wien zum Kupferstecher ausgebildete Freimaurer Johann Veit Kauperz betreibt 1785 die Gründung der „Steirisch Ständischen Zeichenakademie".

Der Schauspieler und spätere Leiter des Hoftheaters in Wien, Johann Franz Brockmann, wird am 30. September in Graz als Sohn des Turmwächters vom Pulverturm am Schloßberg im Soldatenhaus in der Raubergasser geboren. Gleich nach seiner Lehre bei einem Bader schließt er sich einer Seiltänzer- und Gauklertruppe an und zieht mit dieserdurch Ungarn bis nach Hermannstadt. Von dort nach Wien engagiert, begibt er sich auf Tournee nach Würzburg, Frankfurt/M., Mainz, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin, wo er zum ersten Mal seine Paraderolle, den Hamlet, spielt und zum gefeierten Hamletdarsteller avanciert. 1785 und 1786 gibt er umjubelte Gastspiele am Grazer Landesständischen Theater. Das "Wiener Blättchen" berichtet:"Man konnte schon um 3 Uhr keinen Platz mehtr bekommen." 1789 wird er erster künstlerischer Leiter des Wiener Hoftheaters (Burgtheater).

1785 Kauperz Brockmann Brockmann

Bau der zweiten Grazer Brücke, der "Neuen Brücke", der späteren Radetzkybrücke, die jetzt den Griesplatz mit der Stadtmitte verbindet.

Als einer der ersten Drucke von Andreas Leykam, der seit 1782 als selbständiger Drucker in Graz tätig ist, erscheint 1786 aus der Autorenschaft des Advokaten und Dichters Dr. Joseph Eustach König (1758-95) "das Gratzermärchen", ein Feuilleton über Graz und dessen Verhältnisse. König ist Besitzer einer kostbaren Bibliothek und Gemälde- und Statuensammlung sowie eines in seinem Weingarten in Eggenberg errichteten kleinen Theaters, in welchem zusammen mit seinen Freunden Stücke aufgeführt werden, in denen er meist selbst die Hauptrolle übernimmt.

1786 Neue Brücke Gratz

Joseph Haydn stattet Graz einen Besuch ab und dirigiert im Renaissancesaal des Reinerhofes seine eigenen Werke, worüber der Dichter Johann von Kalchberg als Ohrenzeuge in Jubel ausbricht: "Freu dich des Glücks, um das dich Kön'ge neiden, O Vaterstadt, die du als Gast, Den mit Unsterblichkeit geschmückten Haiden, in deinem Schooß bewirthet hast".

Graz ist eine der ersten europäischen Städte, deren Stadtbefestigung aufgelassen wird. Das Glacis erhält eine mehrfache Nutzung: Der ständische Bauinspektor Johann Heinrich von Formentini lässt vom Eisernen Tor bis zum Paulustor am Damm eine Kastanienallee anlegen, an der Ecke Leonhardstraße entsteht der Getreidemarkt, der heutige Kaiser-Joseph-Platz ist dem Holzhandel gewidmet und heißt dementsprechen "Holzplatz" und der nördliche Teil wird zum Parade- und Exerzierplatz der Garnison.

Richard Seebacher, der Braumeister und Mohrenwirt am Murvorstadtplatz (Südtirolerplatz), stiftet das Bürgerspital und aktiviert das Grazer Bürgerkorps.

1787

Joesph.Haydn

Der weitgereiste Geograph und Schriftsteller Joseph Karl Kindermann kehrt nach seinem Aufenthalt in Südafrika, wo er am Kap 1772 auch den Weltumsegler James Cook kennen, wegen einer Krankheit in die Steiermark zurück und widmet sich besonders geographischen und kartographischen Arbeiten. Er stellt auf dem Schloßberg zur Fixierung der wahren Mittagszeit einen nach ihm benannten Meridian auf, leitet die Redaktion der „Grätzer Zeitung“ und schafft sich mit seinen wissenschaftlichen Publikationen "Steyrischer Robinson", dem 12-blättrige Kartenwerk „Die Provinz Innerösterreich“ und dem "Historischen und Geographischen Abriß des Herzogthums Steyermark" einen hervorragenden Namen. Im letzteren, 1787 erschienenen Werk schreibt er über die Einwohner und Sitten: "Die Anzahl aller Einwohner dieses Herzogthums betraegt bei 800,000 Seelen. ... Der obersteyermärkische gemeine Mann hat einen gut verdauenenden Magen, ist gesund, stark, arbeitsam, dabei ruhig, redlich, aufrichtig, besitzet meist Freyheit, Vermögen und - die Folgen dieser beiden ohne Erziehung - viel Dreistigkeit. Die obersteyermärkischen Landmädchen sind fleißig, eines fröhlichen Gemüths, rund und vollblütig. Diese Eigenschaften, keine davon ausgenommen, findet man auch bei den Untersteyermärkern, allein schon nach einem verjüngten Maaßstabe, und er verjüngt sich, je mehr man den Graenzen von Krain und Kroatien nahe kömmt. Unter den Obersteyermärkern sind die Kröpfe sehr gemein, man muß sie mit dem kalten, schweren und mit Kalktheilen impraegnirten Bergwasser, das sie trinken, zuschreiben. Auch gibt es unter diesen eine Art blödsinniger Leute, die hier zu Lande oft betrübte Gegenstände mancher muthwilligen Belustigungen sind. Jene Steyermärker, die über den gemeinsten Stand sind, die Städter, besonders die Einwohner der Hauptstadt unterscheiden sich durch geschmeidigere Sitten und Industrie, der ansehnlichere Theil derselben auch noch durch Lektuere und eine aufgeklärte Denkungsart, und der Adel durch Leutseligkeit. Das Stadtfrauenzimmer hat meistens einen schoenen Wuchs, Wangen von reiner Luft gemalt, freye, durch keine uebelverstandene Grimassen entstellte Gesichtszuege, eine natuerliche Ungezwungenheit. Nationalbelustigungen dern Steyermaerker sind, daß sie Jagen und Scheibenschießen."

Kindermann Steyerischer Robinson Kindermann Kindermann Grätzer Zeitung

 

Der in Graz geborene Freiherr Sigmund von Schwitzen, Herr des Gutes Waldegg bei Kirchbach in Steiermark und "Meister vom Stuhl" der St. Johannes Freimaurerloge "Zu den vereinigten Herzen im.Orient von Graz", wird 1788 von Kaiser Joseph II. zum Wirklichen Staatsgüter-Admistrator für ganz Innerösterreich ernannt. Als Eigentümer zweier Grazer Sägemühlen lässt er in der nach ihm benannten Murvorstadt „Sigmundstadt" auf seinem Besitz mehrere Holzhäuser für Keuschler errichten. 1788 Schwitzen Sigmund

Marie Thérèse de Savoye, Prinzessin von Sardinien, Schwägerin von Frankreichs König Ludwig XVI., muss in den Wirren der Französischen Revolution mit ihrem Gemahl, dem Grafen Charles-Philippe von Artois aus Frankreich fliehen und lebt, von diesem verstoßen, arm und mittellos bis zu ihrem Tod im Jahre 1805 im Exil in Graz. Mit dem Titel "Gräfin von Artois" wird sie im Mausoleum beigesetzt. Ihr ehemaliger Gatte wird 1824 als Karl X. König von Frankreich.

1789 Marie Therese de Savoie Marie Therese von Savoyen

Auf der Reise nach Wien nächtigt der Großherzog der Toscana, Kaiser Leopold II. (1747-1790-92), mit seiner Familie im Gasthof "Zur Goldenen Sonne" in der Mariahilferstraße 12, der ab 1824 auch über ein Flußbad an der Mur verfügt.

Erste bemannte Ballonfahrt durch Enßlen in Graz.

Der Buchhändler Josef Andreas Kienreich erwirbt die Bruckmayersche Buchhandlung in Graz und gründet den Verlag "Jos. A. Kienriech"; das älteste erhaltene Werk ist "Der vollkommene Weinwirth".

1790 Leopold II. Gasthof "Zur Sonne"
Während des Aufenthaltes von Erzherzog Franz im Sommer in Graz läuft alles, Jung und Alt, zusammen, um ihren zukünftigen Herrscher zu sehen. Wo man immer hinkommt ist das Gespräch von Erzherzog Franz, und das Gespräch ist mit wahrem Entzücken geführt: "Sehen Sie den Erzherzog Franz!, o wie liebeswürfdig er ist!, er ist die Huld selbst! Gott erhalte ihn! Gott segne ihn! Wir alle werden glücklich seyn!" 1791  

Nach dem überraschenden Tod Kaiser Leopolds II. folgt diesem Franz, der ältere Bruder von Erzherzog Johann, als Kaiser Franz II. des Heiligen Römischen Reiches sowie als Kaiser Franz I. von Österreich auf den Thron.

Nach langer Zeit des Verbotes hält am 15. März der Pfarrer der protestantischen Gemeinde Ramsau im großen Saal des Grazer Generalseminars wieder einen evangelischen Gottesdienst ab.

Der Kaufmann und Mozartfan Franz Deyerkauf lässt vor seinem Landhaus in der Schubertstraße 35 zu Ehren Mozarts einen kleinen Tempel errichten.

1792

Franz I. Mozarttempel Mozarttempel

In dem 1792 erschienen, 62 Kapitel umfassenden Druckwerk „Skitze von Grätz“ schreibt der Verfasser - vermutlich der Rechtsanwalt Dr. Eustach König, manchmal aber auch der Verwalter der Herrschaft von Kapfenberg bezeichnete Martin Rutnik - auszugsweise über Graz und seine Bewohner:
"Unter den 19 noch bestehenden Kirchen befinden sich 8 Pfarrkirchen, worunter eine, nämlich die ehemalige Hof- und Jesuitenkirche, seit dem Jahre 1787, zugleich die Dom- und Kathedralkirche des Bischofs von Seckau ist. Klosterkirchen, die keinen Pfarrbezirk haben, sind gegenwärtig nur drey noch; nämlich: jene der bamherigen Brüder, der Ursulinerinnen, der Elisabethinerinnen. Die Kirche der ehemaligen Karmeliterinnen im Kälbernenviertel oder in der Neutorgasse ist seit dem die Nonnen aufgehoben worden sind, beständig für Jedermann gesperrt. Neben den 8 Pfarrkirchen sind in Grätz auch zwey Lokalplaneyen, nämlich eine bei dem Berg Kalvaric, und die andere in der Karlau bei der aufgehobenen Kirche der Trinitarier. Die Festungskirche auf dem Schloßberge, die welche Kitrche auf dem Grieß, die Armenhauskirche ebenfalls auf dem Grieß, die Kirche der aufgehobenen Kapuziner auf der Stiege neben dem Tollhause, und die Kirche der heil. Kunigunde auf der Glacis, insgemein die Lechkirche genannt, haben alle ihren Benefiziaten, der darinn zwar Messe zu lesen, aber weder zu predigen noch sonst eine pfarrliche Handlung zu verrichten hat." ...
"Seit 1784 sind die Namen der Gassen, der Plätze, zur Bequemlichkeit der Fremdenallenthalben doppelt angeschrieben. Unter den 16 grossen und 13 kleinen Gassen der Stadt ist die Herrengasse die breiteste, die Sporrergasse die unbequemste, die Schmiedgasse die unruhigste, die Murgasse die volksreichste, die Neugasse die unflättigste, die Fäerbergasse (zu gewissen Stunden) die galanteste." ...
"Graz erhält durch seinen Adel einen Glanz, den die Residenzstadt manches anderen Fürsten nicht hat. Indessen sind die heutigen adelichen Geschlechter in Grätz von einem sehr alten Ursprung. Gräfliche Häuser in Grätz sind nun folgende: Attems, Auerperg, Brandis, Beuner, Dietrichstein, Galler, Gleispach, Herberstein, Inzaghi, Katzianer, Kottulinki, Kuenburg, Lamberg, Lengheim, Leslie, Purgstall, Rindsmaul, Sauer, Saurau, Schaerstenberg, Stadel, Stubenberg, Thurn, Trauttmandorff, Wagensberg, Welserheim, Wildenstein, Wurmbrand, Zehentner." ...
"Die Grätzer Mädchen, diese liebenswürdigen Geschöpfe verdienen den Namen der Schönen in der That, sowohl in Rücksicht auf den Wuchs als die Bildung. Dies mußten die Ungarn schon im 9. Jahrhundert eingesehen haben, denn als sie unter Arnulfs Regierung in der Steiermark einfielen, machten sie eine ebenso starke Beute an schönen Weibern, als an Eisenwaren. Die Grätzerinnen sind meist groß und schlank, mit einer sehr schönen Taille, welcher sie durch eine geschmackvolle Kleidung allen Reiz zu geben wissen, ihre Haut ist weiß, sie haben ein schönes zärtliches, schmachtendes Auge mit offenem Blicke. Keine Schminke verunstaltet sie, obwohl damals in der Rokokozeit das Schminken ein sonst überall beliebtes Toilettemittel war. Manche halten die Füße für groß und plump, doch dies trifft nur bei gemeinen Dirnen und Wirtshausmädchen zu. Fremde können beim ersten Anblick leicht glauben, daß die Lectüre eine Lieblingspassion der Grätzer Frauenzimmer sey, denn nicht nur auf der Toilette der Dame, sondern auch in der Stube des Kammermädchens und sogar manchmal in den Händen einer Köchin wird er Bücher finden; aber am Ende wird er doch bald überzeugt, daß alles meistens nur bloße Ziererei ist. Der ausschweifendste Punkt der Grätzer Schönen ist der Punkt der Liebe; denn sie sind ganz Gefühl und lieben die Veränderung. Heute wird ein Liebhaber ohne viel Umstände glücklich gemacht, und morgen erhält er den Abschied, und ein anderer tritt an siene Stelle, der eben so bald von einem dritten verdrungen wird. Anhaltende Liebe und unverletzte Treue sind zwar bisweilen zu finden; aber im Allgemeinen kann man sie immer als Seltenheit betrachten.“ ...
" Blödsinnige und halbnärrische gibt es in der Stadt Grätz und ihrer Gegend gar nicht selten. Diese Geschöpfe - ein Mittelding zwischen Mensch und Vieh - werden hier Troteln, Tapeln oder Talken genannt. Der Boden, auf dem sie vorzüglich Gedeihen finden, ist der Grätzbache. Fast jedes Haus hat einen blödsinnigen Sohn oder eine halbnärrische Tochter aufzuweisen. In manchen findet man gar 3 Troteln, die bis an ihr Ende den vollkommenen Gebrauch der Vernunft nicht erhalten. Viele davon sind ganz stumm, andere reden zwar etwas, oder bellen und krähen vielmehr, aber so unartikuliert, daß sie selbst von ihren eigenen Eltern nicht verstanden werden." ...
"Grätz hst drey Zeitungsblätter, wovon jedes wochentlich zweymal herauskommt. Das älteste unter diesen Blättern ist der Gratzer Merkur, den der Herr von Wiedmannstätten schon seit Jahren verlegt. Im Jahre 1785 fing Herr Leykam an, eine Zeitschrift, unter dem Namen: Grätzer Zeitung, herauszugeneben. Ein Jahr später als die Grätzer Zeitung entstand ein neues Blatt, die sogenannte Grazer (nicht Grätzer?), Bauernzeitung. Nebst diesen drey Zeitungen erscheint auch bisweilen ein Frag- und Kundschaftsblatt. Von den anderen Zeitungen werden am meisten gelesen , die Wiener-, Nreuwieder-, Brünner, Augsburger- und Hamburgerzeitung. Ferner, der Courrier du Bas Rhin, die waelsche von Florenz, und die oberdeutsche Literaturzeitung. Eben erscheint eine Ankündigung einer neuen Zeitung unter dem Titel: für Damen und andere Frauenzimmer. Sie soll hier in Grätz jährlich nur 3 fl. kosten, und in der Tedeschischen Buchdruckerey zu haben seyn. Unte anderem stehen im Jahre 1790 in Grätz folgendermassen: Buchbinder 8, Kupferstecher (bügerlicher) 1, Pergamentmacher 1, Perückenmacher 15."


Rutnik Chemisenkleid Strassennummern
Galler
Anton Leslie Sigmund RindsmaulKarl Saurau Sigmund Stubenberg Johann Wurmbrand-Stuppach
Mercurius

Bürgermeister Johann Michael v. Steffn (1795-99).

Reichard Seebacher, Braumeister, Wirt des Gasthauses "Zum Mohren" am Südtirolerplatz und Oberst des Grazer Bürgerkorps, erbaut am Glacis das Grünangerhaus mit dem Cafe "Zum grünen Anger" (heute Grüne Spinne).

1795 Steffn Seebacher

Auf dem Weg vom Sieg über die Österreicher aus Mantua nach Wien besetzt am 10. April der 28 Jahre junge siegreiche Obergeneral Napoleon Bonaparte mit seinen Generälen Massena, Berthier, Beaumont und Serrurier sowie 26000 Soldaten Graz, das für zwei Wochen französische Garnisonsstadt wird. Die französischen Truppen werden vom Bürgerkorps unter der Führung von Franz Caspar Dobler an der Weinzödlbrücke empfangen und ihnen die kampflose Übergabe von Graz in Aussicht gestellt. General Beaumont wird zum Stadtkommandanten ernannt und das vor dem 1550 entstandenen Renaissance-Rathaus zur seiner Residenz. In den Obergeschoßen ist auch das städtische Gefängnis untergebracht. Napoleon selbst residiert zweimal, vom 10. auf den 13. und vom 22. bis zum 26. April 1797, in der Beletage des Stubenberg'schen Hauses in der Herrengasse 13. Am 11. April speist er im Milchmariandl und besucht auch die Schloßbergfestung, die er nach seiner Besichtigung als Bicoque (Bruchbude) bezeichnet. Zwischenzeitlich ist Napoleon freudig empfangener Gast bei Bischof Alexander Franz Josef Graf Engl von und zu Wagrein in dessen Residenz im Stift Göß, wo es aufgrund von Nachschubschwierigkeiten am 18. April zur Unterzeichnung des "Vorfriedens von Leoben" zwischen ihm und dem neuen österreichischen Oberbefehlshaber Erzherzog Carl kommt. Insgesamt müssen die völlig ausgehungerten und zerlumpten 26000 Mann der französischen Armee und der dazu gehörige Troß von Weibern und Kindern während ihrer 19-tägigen Anwesenheit mit Lebensmitteln, Kleidern, Schuhwerk und Geld versorgt werden; alles wurde bis zur völligen Auslaugung des Landes requiriert.

Dem Grazer Bürgermeister Dr. Johann Michael Steffn und dem Oberkommandanten der 3 Grazer Bürger-Coprs, Franz Caspar Dobler, wird im Landhaus das von Kaiser Franz für das "rühmliche Benehmen" während des Aufenthaltes des französischen Kriegsheeres verliehene Gnadendekret überrreicht.

1797

Napoleon Massena Bischof Engl Vorfriede Leoben
Rathaus Napoleonsaal Milchmariandl
Dobler

Franz Lauterer verbaut die vom Schloßberg in die Sporgasse herunterlaufende Felsschlucht des mittelalterlichen Stadtgrabens zur Stiegengasse, die nach dem Vorbild auf dem Hradschin in Prag auch als "Goldmachergässchen" von Graz bezeichnet wird.

Im Cafe Grafl in der Sackstraße 36 kommt es auf Betreiben des bei der Firma J. Haidters Erben als Buchhalter angestellten Benedikt Huber zur Gründung des Selbsthilfevereines "Institut zur Unterstützung kranker, armer, dienstloser, Alters und Gebrechlichkeit wegen zum Dienen unfähig gewordener Handelsdiener in Grätz". Sein Leistungsangebot ist ein Vereinsarzt, eine Apotheke und ein Spitalszimmer mit eigener Betreuung und Taggeld. 1890 übernimmt der Verein die Pflichtversicherung für kaufmännische Angestellte und eröffnet ein eigenes Haus der Kaufmannschaft auf den Gründen des aufgelassenen Joanneumsgartens, die heutige Versicherungsgesellschaft "Merkur".

1798 Stiegengasse Stiegengasse Stiegengasse
Joseph Huber Merkur Merkur Merkur Haus der Wirtschaft

Im Roman „Ferdinand Albert L. eines Grätzers Reiseschicksale“ beschreibt der Romanheld die Grazer als eine „Menschengattung, die, wie die Grätzer überhaupt das ungeheuchelte Lob verdienen, gutmüthig, dienstfertig, aufrichtig und gefällig ist, ja welche es in Rücksicht der schönen und einnehmenden Gesichtsbildung sowohl, als anderer körperlicher Vollkommenheiten ihres weiblichen Geschlechtes mit jeder anderen Nation aufzunehmen wagen darf.

Johann Wolfgang Goethe lässt in seinem Werk „Die guten Weiber“ über "Graitz" Folgendes erzählen: „Sie erinnern sich wohl, was ein Reisender von der Stadt Grätz erzählt: Dass er darin so viele Hunde und so viele stumme, halb alberne Menschen gefunden habe. Sollte es nicht möglich sein, dass der habituelle Anblick von bellenden unvernünftigen Tieren auf die menschliche Generation einigen Einfluss haben könnte?

1799

 

 

Auf der Reise von Palermo zu ihrer Mutter Maria Theresia nach Wien macht die Königin von Neapel und Sizilien, Maria Karolina von Österreich, mit ihren drei Töchtern und ihrem Sohn am 15. August in Graz Station und nächtigt im Gasthof "Zum König von Neapel" in der Brückenkopfgasse 7. Ihrem Gefolge gehören auch Lord William Hamilton, seine Frau Lady Emma Hamilton und deren Geliebter Admiral Lord Nelson an, deren „Ménage à trois“ großes Aufsehen erregt. 1800 Maria Karolina Lord NelsonLady HamiltonLady HamiltonLady Hamilton

Der 19jährige Erzherzog Johann wird angesichts der Bedrohung durch Napoleon Kommandant des Festungsbauwesens.
Errichtung des dritten Grazer Sacktores. Beim Herannahen des Feindes behelfen sich die Anwohner der eng an den Berg angeschmiegten Häuser im Sack einer besonderen Hilfe für die Kommandatur auf dem Schloßberg, der "Blumentelegraphie", indem sie durch die unterschiedliche Stellung ihrer Blumentöpfe auf den Fensterbänken Signale auf den Berg senden.

Nach dem Tod von Landeshauptmann Karl Thomas Graf Breuner (1719–1800) wird Ferdinand Maria I. Reichsgraf von Attems am 28. Jänner 1801 zu dessen Nachfolger gewählt (bis 1820).

1801

Erzherzog Johann Kommandantenhaus am Schloßberg Sacktor Landeshauptmann Reichsgraf Ferdinand von Attems

Trauerkundukt anlässlich des Todes von Fürsterzbischof Joseph Adam Graf von Arco am 3. Juni 1802. Sein Nachfolger wird Bischof Johann Friedrich Graf von Waldstein (1802-1812).

Der sächsische Dichter Johann Gottfried Seume berichtet in seiner Schrift „Spaziergang nach Syrakus“, die er am 6. Dezember 1801 im winterlichen Grimme bei Leipzig beginnt und die ihn über Dresden, Prag und Wien am 6. Jänner 1802 nach Graz bringt, Folgendes: „Hier fängt die Gegend an, die, wie ich mich erinnere, schon andere mit den schönsten in der Schweiz verglichen haben. Wie wird es aber auf den steiermärkischen Wegen werden, vor denen mir schon in Wien selbst Eingeborne bange machen wollten? In Wien und hier auf dem Wege überall wurde erzählt, daß man die Preßburger Post angefallen, ausgeplündert und den Postillon und den Schaffner erschlagen habe. Auch bei Pegau, nicht weit von Gräz, war das nämliche geschehen. Der Seömmering ist kein Maulwurfshügel; es hatte die zweite Hälfte der Nacht entsetzlich geschneit; der Schnee ging mir bis hoch an die Waden. Nun ging es bergan zwei Stunden, und nach und nach kamen einige Fuhrleute den Semmering herab, und zeigten mir wenigstens, daß ich dorthin mußte, wo sie herkamen. Links und rechts waren hohe Berge, mit Schwarzwald bewachsen, der mit Schnee behangen war; und man konnte vor dem Gestöber kaum zwanzig Schritte sehen. Oben auf den Bergabsätzen begegneten mir einige Reisewagen, die in dem schlechten Wege nicht fort konnten. Herren und Bedienten waren abgestiegen und halfen fluchend dem Postillon das leere Fuhrwerk Schritt vor Schritt weiter hinaufwinden. Ich wechselte die Schluchten bergauf bergab, und trabte zum großen Neide der dick bepelzten Herren an dem englischen Wagen fürbaß. Ein andermal rollten sie vor mir vorbei, wenn ich langsam fortzog. So gehts in der Welt: sie gingen schneller, ich ging sicherer. Auf dieser Seite des Sömmerings kommt aus verschiedenen Schluchten die Wien herab; und auf der zweiten Hälfte der Station, nach Mürzzuschlag, nachdem man den Gipfel des Berges erstiegen hat, kommt eben so die Mürz hervor, und ist in einer Stunde schon ein recht schöner Bach. ... Von Schottwien aus machte ich den ersten Tag mit vieler Anstrengung nur fünf Meilen; und den zweiten mit vieler Leichtigkeit sieben: aber den ersten stieg ich in dem entsetzlichsten Schneegestöber an der Wien bergauf; und den zweiten ging ich bei ziemlich gutem Wetter an der Mürz bergab. Es ist ein eigenes Vergnügen, die Bäche an ihren Quellen zu sehen und ihnen zu folgen bis sie Flüsse werden. Die Mürz ist ein herrliches Wasser, und muß die erste Meile schöne Forellen haben. Mit diesen und ähnlichen Gedanken, die ich Dir hier nicht alle herschreiben kann, lief ich immer an der Mürz hinunter, kam in Brüg an die Murr und pilgerte an dem Flusse hinab. Die Täler am Flusse herunter sind fast alle romantisch schön, die Berge von beträchtlicher Höhe. Bei Rötelstein beschwerte sich ein Landmann, mit dem ich eine Meile ging, über den Schaden, den die Wölfe und Luchse anrichteten, die aus den Bergen herabkämen. ...
Den zehnten um neun Uhr aus Wien, und den vierzehnten zu Mittage in Gräz, heißt im Januar immer ehrlich zu Fuße gegangen. Hier will ich einige Tage bleiben und ruhen: die Stadt und die Leute gefallen mir. Du weißt, daß der Ort auf den beiden Seiten der Murr sehr angenehm liegt; und das Ganze hat hier überall einen Anblick von Bonhommie und Wohlhabenheit, der sehr behaglich ist. Gräz ist eine der schönsten großen Gegenden, die ich bis jetzt gesehen habe; die Berge rund umher geben die herrlichsten Aussichten, und müssen in der schönen Jahrszeit eine vortreffliche Wirkung tun. Das Schloß, auf einem ziemlich hohen Berge, sieht man sehr weit: und von demselben hat man rund umher den Anblick der schön bebaueten Landschaft, die durch Flüsse und Berge und eine Menge Dörfer herrlich gruppiert ist. Als ich oben in das Schloßtor trat, stand ein Korporal dort und pfiff mit großer Andacht eines der besten Stücke aus der Oper: 'Die Krakauer', welche die letzte Veranlassung zum Ausbruch der Revolution in Warschau war. Da ich die Oper dort genossen und das darauf folgende Trauerspiel selbst mitgemacht hatte, so kannst Du denken, daß diese Musik hier in Gräz ganz eigen auf mich wirkte. Die Gefängnisse des Schlosses sind jetzt voll Verbrecher, die mir mit ihren Ketten entgegenklirrten. Das Spital, gleich unten am Schloßberge, ist von Joseph dem Zweiten, ein stattliches Gebäude; und das neue, sehr geschmackvolle Schauspielhaus, mit einer kurzen, echt lateinischen Inschrift, von den Ständen. Herr Küttner spricht schon ziemlich gut von dem hiesigen Theater, und ich habe sein Urteil völlig richtig gefunden. Man gab eine neue Bearbeitung des alten Stücks 'Der Teufel ist los'. Der Text hält freilich, wie in den meisten Opern, keine Kritik.Die Musik war eklektisch und gab Reminiszenzen; war aber sehr gefällig, und schon mehr italienisch als deutsch. Der Gesang war besser, als ich ihn seit Guardasonis schöner Periode irgendwo gehört habe. Das Personale ist ziemlich gut besetzt, und vorzüglich das weibliche nicht so ärmlich als in Dresden und Wien. Das einzige was mir mißfiel, waren die Furien und Teufel, welche durchaus aussahen wie die Kohlenbrenner vom Blocksberge. Die Gräzer sind ein gutes, geselliges, jovialisches Völkchen; sie sprechen im Durchschnitt etwas besser deutsch, als die Wiener. Der Adel soll viel alten Stolz haben. Das ist nun so überall sein Geist, etwas gröber oder feiner; ausgenommen vielleicht in großen Städten und größern Residenzen, wo sich die Menschen etwas mehr aneinander schleifen und abglätten. Längs der Mürz und der Murr herunter gibt es links und rechts noch manche alte Schlösser, die aber, dem Himmel sei Dank, immer mehr und mehr in Ruinen sinken. Ihr Anblick erhöht nur noch das Romantische. Von Iffland, der voriges Jahr auch hier war, spricht man sowohl hier als in Wien noch mit Enthusiasmus. An der Wirtstafel erzählten einige Gäste vom Lande viel von der Bärenjagd und den Abenteuern, die es dabei gäbe. Ich glaubte immer, diese Art von Pelzwerk wäre jetzt nur noch in Polen und jenseits zu Hause; aber voriges Jahr wurden hier in der Gegend zwölfe geschossen, und auch diesen Jahrgang wieder mehrere.
Von Gräz aus war es sehr kalt und ward immer kälter. Die erste Nacht blieb ich in Ehrenhausen, einem ganz hübschen Städtchen, das seinem Namen Ehre macht, wo ich von meiner lieben Murr Abschied nahm. Der Ofen glühte, aber das Zimmer ward nicht warm. Der Weg von Ehrenhausen nach Marburg ist ein wahrer Garten, links und rechts mit Obstpflanzungen und Weinbergen. Auch Marburg ist ein ganz hübscher Ort an der Drawa, und die Berge an dem Flusse hinauf und hinab sind voll der schönsten Weingärten. Eine herrliche, ökonomische Musik war es für mich, daß die Leute hier überall links und rechts auf Bohlentennen dräschen. Man kann sich keinen traulichern Lärm denken. Das Deutsche hörte nunmehr unter den gemeinen Leuten auf, und das Italienische fing nicht an: dafür hörte ich das krainische Rotwelsch, von dem ich nur hier und da etwas aus der Analogie mit dem Russischen verstand."

1802

Bischof Joseph III. Fürstbischof Graf Adam

 


Seume Seume

In den Jahren von 1803 bis 1807 klassizistischer Neubau des Grazer Rathauses nach den Plänen von Architekt Christoph Stadler. Die Kosten von 150.000 Gulden werden durch eine eigens hierfür eingeführte Weinsteuer aufgebracht.

1803 Rathaus Rathaus
Der berühmte Weltreisende und Forscher Alexander von Humboldt schreibt nach seinem Aufenthalt in Österreich: "Graz ist neben Salzburg die schönste Stadt Europas." 1804 Humboldt

Erzherzogin Elisabeth hält sich in Graz auf.

Im dritten und letzten Koalitionskrieg okkupiert General Marmont am 12. November mit einem 8000 Mann starken französisches Heer erneut für sieben Wochen die steirische Landeshauptstadt. Sie werden vom Grazer Bürgercorps auf der Weinzödlbrücke empfangen. Seine Infanterie nimmt in der Stadt, seine Reiterei in der Murvorstadt Quartier. Eine Landeskommission übernimmt die politische und administrative Führung. Marmont fordert zur Versorgung seines Heeres 1 Million Gulden sowie 400 Pferde, Ochsen, Kleider, 60 Ellen grünes Tuch, 12000 Paar Schuhe, Holz, Mehl, Zucker, Honig, Branntwein, Hafer sowie täglich 20000 Seidel Wein und 24000 Stück Brot. Er lässt an den Basteien der Schloßbergfestung Ausbesserungen vornehmen. Der französische Marschall Auguste-Frédéric-Louis Viesse de Marmont, Herzog von Ragusa, bewohnt den Lesliehof in der Raubergasse und bezeichnet in seinen Memoiren Graz als eine der angenehmsten Hauptstädte der österreichischen Staaten: „La ville des graces sur les bordes de l'amour. Sie ist sehr schön und wird von einem wohlhabenden Adel bewohnt. Ihr Ansehen mahnt an die Nachbarschaft Italiens, während die Sitten der Bewohner noch den Charakter deutscher Gutmütigkeit besitzen. Sie hat Anteil an der Natur dieser beiden Länder. Der Murfluß, welcher sie durchschneidet, fließt zuerst durch enge malerische Schluchten und dann durch eine breite, gut bebaute Ebene, in welcher die Stadt liegt. Ich fand hier viele Emigrierte, welche dem Hause der Gräfin d’Artois angehörten; sie werden beschützt, und nichts stört ihre Ruhe.
Als sich am 26. November die Heere von Erzherzog Karl und Erzherzog Johann bei Windischgrätz vereinen, zieht ihnen General Marmont - durch den Kollaborateur Franz Haas über die österreichischen Truppenbewegungen genau informiert - bis Wildon entgegen. Der Sieg Napoleons bei Austerlitz am 2. Dezember veranlasst Marmont aber dann, seine Truppen wieder Richtung Wien in Marsch zu setzen. Mit den Verhandlungen zum Waffenstillstand kehren die Franzosen jedoch abermals in die von den kaiserlichen Truppen verlassene Steiermark zurück, bis sie endlich mit dem Friedensabschluss von Preßburg am 29. Dezember das Land Richtung Süden verlassen.

1805

Marmont Graz Grazer Bürgercorps

Alois Beckh-Widmanstetter verkauft siene Offizin an Andreas Leykam.

Der durch seinen Geburtsort Straßburg und seine französische Mutter frankophil geprägte Kosmopolit Franz Julius Schneller nimmt nach Jahren der Reisebegleitung von Graf Sinzendorf in Paris, London, Venedig und Belgrad eine Lehrstelle für Geschichte am Lyceum in Linz an, wo er auch Napoleon als dessen eifrigen Bewunderer persönlich kennenlernt. 1806 bekommt er am Grazer Lyceum den Lehrstuhl aus Geschichte, seinem Lieblingsfach; zusätzlich liest er aber auch noch Encyclopädie, Logik, Metaphysik, Ästhetik, praktische Philosophie, Pädagogik und Anthropologie. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit wie „Staatengeschichte des Kaiserthums Oesterreich“ oder "Geschichte von Oesterreich und Steiermark“ betätigt er sich auch als dramatischer Dichter, darunter die Dramen „Vitellia“ und ein Lustspiel „Gefangenschaft“. Auch gibt er den „Hesperus“, ein „National-Blatt für gebildete Leser“ heraus. In seinen „Fragmenten über Grätz“ und „Briefen über die Steiermark“ schreibt er:„Grätz ist nah umkränzt von einer Reihe Gärten, welche der Allmächtige viel schöner ordnete, als je die schwache Menschenhand vermöchte. Es kann sich mit Dresden, mit Heidelberg, mit Zürich in Rücksicht der Umgebungen messen … Zwei Hügel sind die lieblichsten; sie stehen wie Perlen an einer Diamantenschnur; der eine ist nach den Rosen benannt, der ander nach den Ruckerln, wie man hier die Butterblümchen heißt. Vom Rosenberge führen die Wege luftig zu Maria-Schnee, und heimlich zu Maria-Grün; beide laufen zusammen am erfrischenden Ulrichsbrunnen. Vom Ruckerlberge sieht man nördlich die steirischen Alpen in sieben Felsenstufen übereinander emporsteigen, uns südlich die grätzerischen Felder in meilenlangen Gebreiten wie Tisch und Teppich hingelegt.“ Mit einer großen Künstlerschar, wie Fellinger, Anastasius Grün, Grillparzer, Friedrich Halm pflegt er einen freundschaftlichen Austausch und vermittelt so auch den Kontakt zwischen Beethoven und Maria Pachler. Auch lehrt er dem in Graz lebenden Bruder Napoleons, Louis Bonaparte,die deutsche Sprache. Über ihn ausgestreute Verdächtigungen, Josephiner und Bonapartist zu sein, bewegen ihn schließlich, 1823 den Lehrstuhl für Philosophie in Freiburg anzunehmen.

1806 Leykam Schneller

Gottfried Wenzel von Purgstall (1773-1812), Sohn des Grafen Johann Wenzel von Purgstall (1724–1785) und seiner Gattin Julie Gräfin von Rindsmaul, setzt das am Grazer Lyzeum begonnene Rechtsstudium in Göttingen fort, wo er sich mit Christoph Martin Wieland befreundet. Auf seinen nachfolgenden Reisen in die Niederlande, nach Frankreich, England und Schottland, lernt er seine Frau Jane Anne Baronin Cranstoun, spätere Johanna Anna von Purgstall, kennen. Wierder zurück verwaltet er seine drei Herrschaften Hainfeld, Riegersburg und Radkersburg und wird 1807 Gubernialrat in der Steiermark.

1807 Gottfried Wenzel Purgstall

Der Naturforscher und Zoologe Johann Baptist Natterer, der durch seine Forschungsexpedition nach Brasilien, welches er 18 Jahre lang nach allen Richtungen durchstreift, Berühmtheit erlangt, besucht bei diesen naturkundlichen Sammelreisen 1808 auch Graz.

Am 24. März 1809 findet dann auf dem Glacis in Anwesenheit von Erzherzog Johann die Fahnenweihe und Eidesleistung der 5 Landwehrbataillone des Grazer Kreise statt: "Die Brigarde der Landwehre des Grätzer Kreises, bestehend aus 6000 Mann, eingetheilt in 5 Bataillone unter dem Kommando des Generals Sebottendorf, rückte Morgens auf das Glacis am Lech zur Fahnenweihe und zum Schwure aus. ... Um 10 Uhr erschienen Seine kaiserliche Hoheit, der Erzherzog Johann, mit höchst Ihrem Generalstabe, durchschritten die lange Linie, und wurden mit festen, frohen Blicken empfangen, wie sie aus der Brust von Männern hervorgehen, welche mit Kraft und Muth eine gerechte Sache zu behaupten entschlossen sind. Eine Kompanie Schützen holte die von den Bataillonen von Seiner Majestät dem Kaiser allergnädigst geschenkte Fahnen und das Band, womit unsere allergnädigste Frau, die Kaiserin, die erste dieser Fahnen zu schmücken, und allerhöchst Ihre ermunternde Theilnahme an dem Wohle der Monarchie, an der Liebe und Treue der Unterthanen zu ihrem Landesfürsten zu bezeugen geruhten..." Die beiden Grazer Schützenkompanien sind nahezu ausnahmslos aus Studenten zusammengesetzt.
Kaiser Franz I. erlässt am 9. Juni für alle wehrfähigen Männer zwischen 18 und 45 Jahren das Landwehrpatent. Als Zweck heißt es: "Vertheidigung des Vaterlandes. Erhaltung der jetzigen milden und gerechten Verfassung, der Nationalehre und Selbständigkeit, und zur Erfüllung dieses Zweckes ist jeder Flitter überflüssig."
Erzherzog Johann verordnet eine genaue Adjustierungsvorschrift: "... man hat zu trachten, daß ihre Nationaltracht in Farbe und Schnitt des Rockes nebst Hutstülpe sich möglichst gleiche, um auf diese Weise immer mehr und mehr das Ansehen einer schon gedienten regulären Truppe zu bewirken. Mancher wird der hier vorgeschriebenen Uniformirung Verzierungen an Gold und Silber vermissen, mancher die Kleidung zu einfach finden; doch wird der größte Theil gewiß die Absicht nicht mißkennen, die uns bewog, jeden überflüssigen Tand zu entfernen. Die Verteidiger des Vaterlandes kleidet weit besser Einfachheit und zweckmäßige Brauchbarkeit mit Beseitigung jeder unnötigen Ausgabe."

Das Dominikanerkloster in der Grenadiergasse wir in eine Kaserne umgewandelt.

1808

Johann Natterer Landwehr Dominikanerkaserne

Am 12. Februar bekommt Erzherzog Johann das Kommando über die Südarmee (Kärnten, Steiermark, Krain und Görz) und Österreich erklärt Frankreich am 9. April 1809 den Krieg. Nach dem Sieg gegen den Schwiegersohn Napoleons, den italienischen Vizekönig, Eugène de Beauharnais, bei Fontanafredda und Sacile am 16. April, aber Rückschlägen am 18. Mai im Kanaltal bei den Festungen in Malborgeth unter Hauptmann Hensel sowie am Predil-Pass unter Hauptmann Hermannsdorf, maschiert Johann, um seinem Bruder Erzherzog Carl gegen die Bayern zur Hilfe zu kommen, über Graz (22. Mai) nach Ungarn, wo er am 14. Juni in der Schlacht bei Raab (Györ) - darunter 2 Landwehrbataillone des Grätzer Kreises unter Oberstleutnant Hummel - geschlagen wird.
Währendessen stehen die Franzosen, von Marburg kommend, am 29. Mai vor Graz und beziehen auf dem Ruckerl- und Rosenberg Stellung. Zwischen der französischen Batterie am Schanzelgrund (Schanzelwirt) und den zur Verteidigung zurückgelassenen 900 österreichisch-kaiserlichen Soldaten, die im Schloss Sparbersbach (Hallerschlössl) unter der an Major Franz Xaver Hackher übertragenen Führung ihr Hauptquartier haben, tobt ein hartnäckiger Kampf. Am 13. Juni 1809 wird die Festung ides Grazer Schloßbherges von Franzosen angegriffen. Trotz starkem, 7 Tage dauernden Bombardements und etlichen Sturmangriffen der Franzosen - am 13. Juni durch 12000 Franzosen unter dem Kommando von Jacques McDonald und Oberst Jean Hugues, am 4. Oktober durch 15000 Franzosen und Württemberger - kann Major Franz Xaver Hackher den Schloßberg erfolgreich verteidigen: „Die Franzosen haben die nur spärlich bemannte und schlecht bewaffnete Festung aus drei Stellungen in der Grabenvorstadt und im Geidorf beschossen und in insgesamt 7 Infanterieangriffen ihre Eroberung vergeblich versucht." Ihm zu Ehren wird 1909 der "Hackher-Löwe" aufgestellt.
Erzherzog Carl, erleidet mit seinen 128 000 Mann inzwischen - vergeblich auf die Hilfe der Truppen Erzherzog Johanns vertrauend, die wegen einer fehlgeleiteten Befehlsübermittlung zu spät eintreffen - , am 6. Juli 1809 gegen das 180 000 Mann starke, wieder mit Beauharnais und Marschall Macdonald vereinte Heer Napoleons bei Wagram eine Niederlage und muss am 12. Juli in Znaim einem Waffenstillstand zustimmen, bei dem die kampflose Übergabe des Schloßbergs ausverhandelt wird.
Im Friedensvertrag von Schönbrunn am 18. Oktober zwischen Kaiser Napoleon und Kaiser Franz I. wird schließlich die Schleifung der Burg festgelegt; und so beginnen am 16. November die Sprengungen durch die Grazer Bürgerschaft. Nur den Uhrturm und die "Liesl" können mit 2987 Gulden und 11 Kreuzern freigekauft und von der Zerstörung bewahrt werden.

1809

Beauharnais MacDonald St.Leonhard Hallerschlössl
Erzherzog JohannErzherzog KarlKaiser Franz I.
Schlossberg Schlossberg Schloßberg
1809.Schlossberg Hackher-Löwe
1809.Schoenbrunn Arc du Carrousel Arc de Triomphe Schlossberg.Schleifung

Als Erzherzog Johann von Wien aus beim Tiroler Freiheitskampf gegen die als schikanös empfundene bayrische Besatzungmithilft unterstützt, dieser aber mit einer Niederlage der aufständischen Bauern und der standrechtlichen Erschießung Andreas Hofers endet, unterstellt Metternich dem Erzherzog wegen der dieser Unterstützung des Tiroler Alpenbundes, sich zum König eines „Reiches Rätien“ machen zu wollen und sein kaiserlicher Bruder Franz I. verbietet ihm, sein geliebtes Tirol jemals wieder zu betreten. Dieses Verbot wird erst 1833 aufgehoben.

Andreas Hofers treuer Gefährte im Tiroler Abwehrkampf ist der 1758 in der Sporgasse 14 in Graz geborene Kajetan Sweth. Als Sohn des Grazer Armenarztes Georg Sweth verlässt er nach dem abgeschlossenen 4. Gymnasialjahr das Elternhaus, besucht das Gymnasium in Marburg und Warasdin und beginnt ein Studium an der Universität Salzburg. Um dem bayrischen Wehrdienst zu entgehen, flieht er nach Tirol, wo er 1809 Andreas Hofer kennenlernt und sich der Tiroler Aufstandsbewegung anschließt. Zusammen mit Hofer wird er auf der Pfandleralm gefangen genommen und zusammen mit diesem in Mantua eingekerkert und zum Tod verurteilt, jedoch im letzten Moment begnadigt und zwangsweise zur Fremdenlegion auf Elba eingezogen.

1810 Erzherzog Johann Andreas Hofer Andreas Hofer Kajethan Sweth

Napoleons Bruder Louis dankt als König von Holland ab und lässt sich nach mehreren Wohnungswechsel unter dem Namen "Graf von St. Leu" (sein Landsitz in der Nähe von Paris) in einer Villa in der Heinrichstraße/Herdergasse in Graz nieder. Hier lernt er auch Johann Wolfgang von Goethe kennen und widmet sich fortan seiner Leidenschaft, der Wissenschaft und der romantischen Dichtkunst; darunter sein Briefroman "Marie, ou les peines de l'amour". Bei seiner Abreise 1813 in Richtung Schweiz verfasst er folgendes Gedicht, welches auf einer Steinsäule bei dem kleinen Waldkirchlein in Mariagrün - seinem Lieblingsplatz - zu lesen ist: "Adieu à Graz. Adieu donc, ô ville chérie, oú le malheur vint m'éprouver; Mais oú sans amis, sans patrie J'ai cru souvent les retrouver." (Leb wohl du Stadt, die ich ersehnte, Wo meinen Schmerz ich überwand Und wo ich neu zu finden wähnte Verlorne Freunde, Vaterland.")

Aufgrund des Besuches von Kaiser Franz I. wird in Graz eine allgemeine Beleuchtung angeordnet.

Louis Bonaparte Mariagrün Mariagrün Mariagruen

Erzherzog Johann schenkt dem Land seine umfangreiche mineralogische und botanische Sammlung, die im Lesliehof in der Raubergasse 10 untergebracht wird und zur Gründung des Joanneums, einer naturwissenschaftlich-technischen Lehranstalt, führt, aus der sich die Grazer Technische Hochschule entwickelt. In diesem Umfeld entsteht auch der botanische Joanneumsgarten und unter Mitwirkung des Hofkommissärs von Steiermark, Franz Joseph Graf von Saurau, die Landesbibliothek. Weiters regt Erzherzog Johann die Sammlung von Urkunden zur steirischen Landesgeschichte an, woraus sich das Steiermärkische Landesarchiv entwickelt; er ruft die Wechselseitige Brandschadenversicherung ins Leben, erwirbt 1818 den Brandhof bei Mariazell, den er zu einem landwirtschaftlichen Mustergut ausbaut, gründet bei Marburg a. d. Drau ein Weingut, erwirbt weiters 1840 die weststeirische Stiftsherrschaft Stainz, ruft den „Verein zur Förderung und Unterstützung der Industrie und des Gewerbes in Innerösterreich", Ausgangspunkt für die Grazer Handelsakademie, ins Leben, erwirbt in Vordernberg Radwerke, um den Grubenbau am Erzberg zu forcieren, gründet 1840 die "Steiermärkisch-Ständische Berg- und Hüttenmännische Lehranstalt" und zeichnet auch für die Trassenführung der Südbahn über den Semmering verantzwortlich.
Ebenso macht Erzherzog Johann den Steireranzug populär. Er schätzt besonders die Schlichtheit und Zweckmäßigkeit dieser ursprünglich von den Jägern der Obersteiermark getragenen grauen Tracht mit ihren grünen Aufschlägen und Lampassen und dem breitkrempigen Filzhut mit einem den Landesfarben entsprechenden dunkelgrünen Hutband. In einem Brief an Anna Plochtl schreibt er:: "Als ich den grauen Rock in der Steyermark einführte, geschah es, um ein Beyspiel der Einfachheit in Sitte zu geben, so wie mein grauer Rock, so wurde mein Hauswesen, so mein Reden und Handeln. Das Beyspiel wirkte, der graue Rock, von manchen verkannt, von den Besserern erkannt, wurde ein Ehrenrock und ich ziehe ihn nie mehr aus, ebensowenig weiche ich von meiner Einfachheit, lieber gebe ich mein Leben her."
Das Wort „Tracht“ kommt von tragen und wird bis zum 19. Jahrhundert allgemein für Kleidung gebraucht. Erst seit der Romantik wird der Begriff im Zuge einer allgemeinen Volkstumsverehrung als „Volkstracht“ gebraucht. Die echte Tracht verdeutlicht durch seine tiefe Symbolik die wirtschaftlichen und sozialen Werte der jeweiligen Zeit. Sie wird mit ganz bestimmten Werthaltungen, wie Bodenständigkeit, Heimatbewusstsein und Bauerntum in Verbindung gebracht. Sie erstarrt aber keineswegs in einer bestimmten Form, sondern bleibt stets für Veränderungen offen. So können etwa die steirischen Leibkittel in beliebigen Farbzusammenstellungen gewählt werden. In der Steiermark haben die Landesfarben wesentlich zur Farbzusammenstellung beigetragen. Vor dem Ersten Weltkrieg trägt man den Steirerkittel mit schwarzem Kopftuch, schwarzen Strümpfen und hohem Schuhwerk. Die steirische Männertracht ist untrennbar mit Erzherzog Johann verbunden.

1811

Erzherzog Johann Joanneum Joanneumsgarten
Joanneumsgarten Joanneumsgarten Landesbibliothek
Franz Joseph Graf Saurau Tracht 1817.Erzherzog.Johann

Erzherzog Johann stellt in der Bibliothek der von ihm begründeten Gelehrten-Anstalt "Joanneum" den 1775 in Graz geborenen Schriftsteller und Maler Ignaz Kollman als Scriptor an, der zuvor als Sekretär in der Herrschaft Gutenberg, bei Fürst Seraphin Porcia in Italien und im Magistrat in Triest tätig gewesen war. Kollmann's Hauptverdienst ist die Begründung des literarischen Beiblattes "Der Aufmerksame" zur "Grätzer Zeitung" im Jahre 1812, welches später ab 1843 unter dem Namen "Stiria" fortgesetzt wird. Zusätzlich malt Kollmann Bilder, veröffentlicht eine große Zahl von Gedichte und verfasst mehrere dramatische Stücke wie der "Erzherzog Karl von Steiermark oder der Wundertag im Erzgebirge", "Maximilian. Ein Trauerspiel" oder "Dante. Drama".

Der Aufmerksame Kollmann

Die Erzherzöge Joseph und Johann verweilen mit der russischen Fürstin Katharina Pawlowna Bagration einige Tage in Graz.

Fürchterliche Regengüsse reißen ein Joch der Murbrücke weg.

Anlässlich der siegreichen Völkerschlacht von Leipzig findet, angeführt vom kommandierenden General der Kavalerie für Innerösterreich, Fürst von Hohenzollern, am Glacis eine Heeresparade statt.

1813 Katharina Bagration Jägerbataillon

Napoleons jüngster Bruder, Jérôme Bonaparte, muss als König von Westfalen abdanken und kommt mit seiner Gemahlin und seiner Schwester Elise nach Graz. Als "Graf von Harz" nimmt er zunächst im Schloss Eggenberg bei der Gräfin Herberstein, Quartier. Nach der Abreise seines Bruders Louis übersiedelt er in dessen Liegenschaft in die Heinrichstraße.

Erzherzog Johann veranstaltet auf Einladung seines Bruders Kaiser Franz I. zum Empfang des russischen Zaren Alexander und des Preußenkönig Freidrich Wilhelm in Eggenberg ein Volksfest, das aber dann wegen Erkrankung ohne deren Anwesenheit gefeiert wird.

Die Dominikaner übersiedeln in das Augustinerkloster im Münzgraben.

1814 Jerome.Bonaparte Eggenberg Eggenberg Dominikanerkloster

Über Anregung von Erzherzog Johann begab sich Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar in Begleitung von Prinz Ernst I. von Sachsen-Coburg, von Wien, wo er dem Wiener Kongress beigewohnt hatte, nach Graz. Die beiden Fürsten weilten vom 16. Auf den 17. März in der Stadt und besuchten zweimal, geführt von Landeshauptmann Ferdinand Grafen von Attems und seinem Sohn, Grafen Ignaz, Verordneter der Stände, das Joanneum. Sie besichtigten die reichhaltigen Sammlungen und wohnten einer Vorlesung des berühmten Mineralogen Prof. Friedrich Mohs bei.

Erzherzog Johann reist mit seinem Bruder Erzherzog Ludwig nach England.

1815 Karl August v. Sachsen-Weimar Print Ernst von Sachsen-Coburg

Nach Brand Wiederaufbau des Schauspielhauses.

Die aus dem Anspach stammenden und in Graz verheirateten Brüder Ludwig und Karl von Mandell erwerben im Osten von Graz große Besitzungen: die Villa Mandell mit prächtigem Park.

Der königlich-französische Konsul und Gemeinderat in Graz Joseph Maiffredy vermacht seine Besitzung in Wagram der Grazer Stadtgemeinde.

Mit der Franzosenzeit befassen sich auch der Zollregistrator Franz Wastl in seinen 1809 verfassten "Begebenheiten in Graz in bezug auf Invasion der Franzosen", weiters der in Graz geborene J. A. Kumar in den 1816 erschienenen "Mahlerischen Streifzügen in den Umgebungen der Hauptstadt Grätz" mit der einzig erhaltenen Beschreibung der ältesten Grazer Kirche St. Thomas im Walde sowie der ständische Kanonier Anton Sigl (1776-1863) in seinem Manuskript "Der Grätzer Schloßberg".

1816

MandellVilla Mandell Mandellschlößl Maiffredy

Erzherzog Johann über die Ursachen der Notlage der steirischen Landbevölkerung: „Des redlichen Gouverneurs Fleiß richtet hier nichts aus. Mit Fleiß allein ist nicht[s] gerichtet, es will Thätigkeit und bey einem guten theilnehmenden Herzen und Popularität eine eiserne Unbiegsamkeit um da mit Ansehen durchzugreifen, wo es fehlt. Bey so einem Gubernio schläft alles ein, weil Fähigkeit, Wille, Ernst fehlt. Ohne mich in die andern Beamten dieser Stelle einzulassen, wo es wahrlich nicht glänzend aussieht. Denn um gebildet zu werden, gehört Beyspiel und Schule — und wo ist diese? Der Magistrat der Hauptstadt Gratz hat, hört man die öffentliche Stimme, nicht den besten Ruf. Der Bürgermeister ist diesem Platze gar nicht gewachsen, seine Versetzung an irgendeine Justizstelle das beste, und statt seiner ein thätiger, kräftiger. redlicher Mann, um den Augias Stall aufzuräumen. Hier ist wohl. da wahrlich die Magistratsräthe nicht dazu taugen, keine andere Wahl als unter den besseren Bezirksbeamten des Landes.

Joseph Wartinger, der zuerst nach seinen juridischen Studien am Gymnasium von Marburg lehrt, betreut von 1817 bis 1850 das dem Joanneum angeschlossene Archiv. Er ist auch der Verfasser des ersten Lehrbuches zur Geschichte der Steiermark.

1817 Wartinger

Am Geburtstag von Kaiser Franz I., am 28. Februar, feiert man die Restaurierung des durch die Grazer Bürger von den Franzosen geretteten Uhrturms, über den der Historiker und Schriftsteller Johann Ritter von Kalchberg in einem Gedicht sagt: "Alter Wächter, der in neuem Kleide nun so freundlich auf uns niederblickt, patriotisch in der Grätzer Freude, daß die Stände dich so schön geschmückt. Selbst die feindlich nahenden Magyaren konnten nicht erschüttern deine Ruh und der Türken unzählbare Scharen - ihren kühnen Stürmen trotztes du. Nur den tollen Fremdlingen aus Westen mußte beugen sich dein Haupt, nur von diesen ungestümen Gästen wurden deine Schätze dir geraubt. ..." Kalchberg wird unter anderem auch von Erzherzog Johann als Curator für sein neu eröffnetes "National-Musäum“ Innerösterreichs, das Joanneum, bestellt, begründet die „Steiermärkische Zeitschrift“ und schafft sich vor allem durch sein Stück „Die Ritterempörung“ - eine Dramatisierung der Andreas Baumkircher-Fehde - als Dichter einen Namen. Auch seine anderen Verstragödien "Die Tempelherren", "Die deutschen Ritter vor Accon" (Betram von Dietrichstein), Friedrich von Cilli" und "Urich von Cilli" werden sehr erfolgreich am neuerbauten Landesständischen Theater aufgeführt. Des weiteren verfasst er das "Grätzermärchen" sowie die Gedichtsammlung "Früchte vaterländischer Musen", worin auch Verse des Advokaten Joseph Eustach von König zu finden sind. Auf seinen besonderen Wunsch hin wird er 1827 in der Kirche des deutschen Ordens, der Leechkirche, bestattet.

Erzherzog Johann erwirbt den Brandhof auf dem Seeberg und baut diesen zu einem wirtschaftlichen Mustergut aus.

1818

Kalchberg
RitterempoerungKalchberg Kalchberg Kalchberg Streyermaerkische Zeitschrift Steiermärkische Zeitschrift
Brandhof

Auf dem Weg von Wien nach Italien wechselt der Dichter Franz Grillparzer in Graz nur die Pferde, vermerkt aber in seinem Reisetagebuch: „Gräz, herrlich umgeben, macht, wenn man aus den Bergen kommt, den Eindruck, als ob man zum Frieden käme aus dem Krieg. Der Schloßberg überragt es wie ein Beschützer. Die Stadt ist groß, die Gassen eng, das Pflaster schlecht.“

1819  

Der in St. Gallen geborene Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Bonaventura Konstantin Hödl (1776-1848) lässt die nach der Franzosenbelagerung in Trümmern liegende Schloßbergfestung neu gestalten: Er baut auf den Fundamenten des 1809 zerstörten Pulverturmes ein Winzerhaus, das nach dem hier oft auf Erholung weilenden Dresdener Hofschauspieler Gustav Starcke benannte "Starcke-Häuschen", er errichtet am Fuße der Stallbastei ein großes „ägyptisches“ Portal, legt Weingärten an und pflanzt Sträucher und Bäume. Auch als Unternehmer geht Hödl neue Wege, indem er die Eggenbergische Villa in der Alten Poststraße zu einer „Lehmproductenfabrik“ (Ziegelei) umbaut und erstmalig Ziegel mit heimischer Braunkohle brennt. Auch werden farbig glasierte Dachziegel mit Eisenüberzug oder künstlerische Terrakottareliefs erfunden und hergestellt.

Karl Freiherr von Cerrini (1777–1840), der 1809 die Bürgerbastei heldenhaft gegen die französischen Truppen verteidigte, erhält zum Dank die Erlaubnis, sich in die an der südöstlichen Basteiecke gesprengte Bresche unter dem Uhrturm ein Haus, das Cerrini-Schlößl, zu bauen.

Ignaz Maria III. Graf von Attems wird nach dem Tod seines Vaters Ferdinand Maria I. von Attems, 1820 von Kaiser Franz zum Landeshauptmann (bis 1852) ernannt. Als Freund von Erzherzog Johann ist er auch Kurator des Joanneums, das er vielfach erweitern lässt. Unter seiner Leitung wird das niedergebrannte Ständische Theater neu erbaut, die erste Kettenbrücke über die Mur errichtet, der Franzensplatz sowie die Glacis-Allee geschaffen und auf seinen Antrag hin die zu einem Lyzeum herabgestufte Universität wieder in ihren Rang erhoben.

Mozarts Sohn Franz Xaver, auf Konzertreise durch Österreich, berichtet von seiner Fahrt über den Semmering nach Graz: "Mann kann sich keine schöneren Gegenden wünschen als sie, druch welche unser Weg führte ... Die Lage von Graz ist wirklich sehr reizend und hat den Vortheil, dass msn die schönen Gegenden ganz in der Nähe hat."

1820 Starcke-Häuschen Stallbastei Cerrini-Schlößl Ignaz Attems
Die Pianistin und Komponistin Marie Leopoldine Koschak kommt am 2. Februar 1794 in Graz am Franziskanerplatz 33 zur Welt. Als musikalisches Wunderkind wird sie von ihrem Vater gefördert, erhält Klavier- und Gesangsunterricht. Häufig tritt sie bei den für sie veranstalteten Konzerten auf und komponiert schon als Neunjährige Tanzstücke und Märsche. Als ihr Vater schwer erkrankt, entscheidet sie sich gegen eine Karriere als Berufsmusikerin und heiratet 1816 den Grazer Bierbrauer und Advokaten Dr. Karl Pachler (1789–1850), den Besitzer des "Rabenschinderhauses", dem Thonethof in der Herrengasse 28. Das Ehepaar Pachler führt dort einen musikalischen Salon, der zum Zentrum des Grazer Bildungsbürgertums wird und während des Sommers auf Gut Sparbersbach stattfindet. Marie, eine begeisterte Beethoven-Anhängerin, lernt den Komponisten auch persönlich in Wien kennen. Als Franz Schubert 1827 Graz besucht, ist er Gast der Familie Pachler und vertont auf Maries Anregung hin die Lieder "Heimliches Lieben", "Eine altschottische Ballade" sowie die Gedichte "Das Weinen" und "Vor meiner Wiege". Für Karl Pachlers Namenstag komponiert er den "Kindermarsch" für Klavier, der von Marie und ihrem damals siebeneinhalbjährigen Sohn Faust 1827 uraufgeführt wird. Im Turmzimmer auf dem Hallerschlössl entsteht das kleine Theaterstück "Der Fußball im Hallerschlössl oder Zwilchen S' mi net so!" 1821 PachlerhausMarie Bachler Schubert

Als der Grazer Komponist Anselm Hüttenbrenner (1794-1868) zum Jurastudium nach Wien geht, wird er nebenbei auch Schüler von k. k. Hofkapellmeister Antonio Salieri, der ihm fünf Jahre lang unentgeltlich Kompositionsunterricht erteilt. Dort lernt er auch den 18-jährigen Franz Schubert (1797-1828) kennen, woraus sich eine lebenslange Freundschaft entwickelt. Schubert nennt Anselm sein "Kaffee-, Wein- und Punschbrüderl" und musiziert sehr gerne in dessen Stube und komponiert dabei auch seine berühmte "Forelle". Aber auch mit Anselms Brüdern war Schubert befreundet: mit Heinrich, der später Universitätsprofessor in Graz wurde sowie mit Josef und Andreas Hüttenbrenner, der von 1844 bis 1850 Bürgermeister von Graz ist. Der Tod seines Vaters zwingt Hüttenbrennner 1821 zur Rückkehr nach Graz, wo er als Komponist und Musikkritiker tätig ist und zweimal auch Direktor des neu gegründeten Steiermärkischen Musikvereines wird. Schon bei Anselms früheren Fahrten nach Graz hat Schubert keine Freude über dessen Abwesenheit gezeigt und ihm in einem Brief geschrieben: "Was hält Dich denn so satanisch fest in dem vermaledeyten Grätz?" Als Hüttenbrenner vom kritischen Zustand Ludwig van Beethovens hört, reist er eilig nach Wien, wo er am Totenbett Beethovens die Augen des Meisters zudrückt und dessen Haar eine Locke als Andenken entnimmt.

Huettenbrenner Musikverein Andreas Huettenbrenner Schubert

Für einen Besuch des Kaisers lässt der kaiserliche Gouverneur Ludwig Graf Taaffe den Karlsbau adaptieren und mit Möbeln einrichten. Auch die Hofkapelle wird restauriert, um der kaiserlichen Familie einen standesgemäßen Messebesuch zu ermöglichen. Die übrigen Gebäudeteile der Burg sind allerdings zum Teil so baufällig, dass man sich 1853 zu einem Teilabbruch entschließt, dem der gotische Haupttrakt mit der Hofkapelle, die Renaissance-Prunkstiege sowie der Hofgassenübergang zur Ägydiuskirche zum Opfer fallen.

In der reaktionären Zeit des Vormärz wird der Steireranzug als so revolutionär betrachtet, dass die zuständige Hofkanzlei bei Strafe das Tragen der "Erzherzog-Johann-Tracht" durch einen amtlichen Erlass verbietet. Bald aber verbreitet sich der Steireranzug als Freizeitkleidung der Adeligen und des gehobenen Bürgertums; ja .sogar Kaiser Franz Joseph I. trägt ihn bei seinen Jagdausflügen. Bis heute bleibt er die typische Kleidung in konservativen Kreisen. Vorrangig existieren zwei Arten des "Steirerkittels": Der "Altsteirer" mit grünem Revers und Achselspangen sowie der "Leobner" mit Stehkragen. Dazu wird meist eine grüne Tuchweste mit Silberknöpfen getragen.

1822/23 wird das „Historisch-topographische Lexikon von Steiermark“ bei Andreas Kienreich in Graz auf Kosten des Verfassers Carl Schmutz gedruckt, der für die 10.000 Artikel des 4teiligen Werkes 7 Jahre lang Materialien aus meist handschrift1ichen Quellen sammelt. Schmutz wird 1787 auf Schloss Frondsberg an der Feistritz bei Graz geboren und besucht das Gymnasium und die Universität in Graz. 1808 tritt er in die gegen Napoleon errichtete Landwehr ein und wird von Erzherzog Johann zum Hauptmann ernannt. Er nimmt an den Schlachten von Oberitalien, Dresden und Leipzig sowie bei Hochheim am Rhein teil und maschiert 1814 mit seiner Armee in Frankreich ein. Nach Beendigung des Krieges kauft er den Steyrerhof bei Graz und wendet sich der Landwirtschaft und der Kartographie und Geschichte zu.

1822 Stadtkrone Murau Steirertracht Steirische Tracht Carl Schmutz

Der „Altmeister der steirischen Landesgeschichte“, Anton Muchar von Bied und Rangfeld, in Lienz geboren, tritt nach seinem Philosophiestudium am Grazer Lyzeum ins Benediktinerstift Admont als Bibliothekar ein, bis er 1923 mit der Aufgabe betraut wird, als Hofmeister die Klosterniederlassung des Admonter Hofes in Graz - Treffpunkt führender Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Verwaltung - zu leiten. Gleichzeitig beginnt er sein Wirken als Professor und Dekan an der Philosophischen Fakultät des Lyzeums und schließlich nach der Wiedererrichtung der Karl-franzens-Universität 1827 als Rektor. Als Mitbegründer des Historischen Vereines für Steiermark wird er von Kaiser Ferdinand I. zum „wirklichen Mitglied“ der neugegründeten Akademie der Wissenschaften in Wien berufen.

Der Schauspieler und Dichter Ferdinand Raimund gibt in seinen Briefen seine Eindrücke über seine Grazer Aufenthalte wieder. „Grätz ist nicht stark bevölkert, man sieht wenige Leute auf den Straßen, die sehr schlecht gepflastert sind. Den Luxus kennt man hier nicht, und man sieht weder hübsche noch geputzte Frauenzimmer.

In der Christnacht von 1823 brennt das soben wieder instandgesetzte "Landständisches Theater" bis auf die Haupt- und Mittelmauern völlig aus.

1823 Muchar Raimund Stadttheater landesständisches.Theater

Einweihung des Bethauses der evangelischen Gemeinde beim Holzplatz (Kaiser-Josef-Platz) vor der Stadt.

Der neapolitanische Botaniker Michele Tenore berichtet über seine Reise durch das Mürz- und Murtal, dass ihm "die Steiermark wegen des dort geschauten Elends ihrer Bewohner mit Armut, Kropf und Kretismus fast nur in düsterer Erinnerung blieb, auch wenn er ihre unglücklichen Menschen freundlich und hilfsbereit fand."

1824

Michele Tenore

Der Registratur-Acceccist der Wiener Hofkammer, Joseph Kyselak, der als begeisteter Reisender Österreich, Ungarn Italien, die Schweiz sowie Böhmen und Mähren 4 Jahre lang zu Füß durchwandert und seine Erlebnisse in den Reiseberichten "Skizzen einer Fußreise durch Österreich" festhält, berichtet über Graz. Zuerst schildert er seine Anreise per Floß von Bruck nach Graz: "... die gefürchtete Weinzettelbrücke mit seinem Kreuze lag vor uns. Alle Männer entblößten das Haupt sich bekreuzigend; ich wußte noch nicht, was da kommen würde, doch mußte ich auf Ermahnen des Floßdirektors meine Jagdtasche um- und den Hund anhängen, beide nicht zu verlieren. Einige Mädchen zitterten und schrieen erbärmlich; umsonst, der Lauf war unerbittlich und donnernd stürzten wir ongefähr fünf Schuh über eine Wehre herab; durch und über das Floß drängten sich die Wogen fußhoch auf sämtliche Passagiere." In Graz selbst lobt er die Gastätte des „Wilden Mannes„ in der Schmiedgasse: "Diese Reinlichkeit, wohl zugerichtete Speisen, unverfälschte Getränke, muntere Bedienung, herrliche Tischgesellschaft und noch überdieß eine billige Zeche.“ Aufgrund der schlechten Bepflasterung „gewinnt man bei dieser weisen Nachlässigkeit den Vortheil, daß man von seiner Wohnung weg die Stadt in allen Gäßchen durchschreiten, sich ebenso ermüdet auf den Stuhl hinwirft, als nach einer Wanderung vom entlegenen Schöckl, wo Sturm und Regen den Pilger leicht überfallen und seiner Gesundheit schaden können; was für ein herrlicher Vortheil !“ Ins Schwärmen gerät er in Graz beim Anblick der Frauen: „Grätz ist eine von den Damen, die sich auch im Alter mit Erfolg zu schmücken anfangen, um immer neue Anbeter zu locken. ... Lieblich schweben sie daher die munteren frischwangigen blonden oder brünetten Weiber, eingezwängt in Korsette, ohne von einer Städterin eine andere Spur, als die ihrer Bildung zu zeigen; und die Männer sind bei aller Knochenstärke artig im Benehmen." Den Schloßberg zählt er zu den „preiswürdigsten Hügeln“ Österreichs und reiht ihn bezüglich der Schönheit hinter dem Salzburger Kapuzinerberg ein. Und zum Treiben auf der gedeckten Murbrücke sagt er: „Mitten auf der Brücke sind zwei Altanen zum Überblick der reissenden Mur, an deren Ufern sich die thätigen Hände der Gärber, Färber und Schiffsleute, welche ein- und auspacken, recht lebhaft darstellen.“ Kyselak stirbt 1831 im Alter von nur 36 Jahren an Cholera.

1825 Graz Weinzzödlbrücke Graz
Graz Graz Graz
Graz Graz Mautgrenze

Der kaiserlicher Statthalter in der Steiermark Franz de Paula Graf von Hartig begründet mit der Eröffnung des ersten Sparkassenraumes am 15. Mai 1825 im kleinen Landhaushof die „Steyermärkische Sparcasse zu Grätz“.

Bau der ersten Zuckerraffinerie in Graz-Geidorf.

Nach Ausweichvorstellungen an verschiedenen improvisierten Bühnen wie dem Rittersaal im Landhaus, der Gartenbühne des Kaufhauses Pferschy in der Grabenstraße, dem Saal im Palais Königsacker am Mehlpaltz oder in der Landesständischen Reitschule, wird am Geburtstag von Kaiser Franz I., am 4. Oktober, das 1823 abgebrannte und nach einem Entwurf vom Wiener Hofbaurat Peter Nobile neu erbaute "Städtische Theater" am durch den Abriss des Vizedomhauses neu geschaffenen Franzensplatz unter Theaterleiter Johann August Stöger mit dem Stück "Styria und die Kunst" von Karl Gottfried von Leitner wiedereröffnet.

Graf HartigSteyermärkische Sparkasse Schreibhof Schauspielhaus

Der in Wien geborene Johann Nepomuk Nestroy (1801-62) kommt nach seinem Jura-Studium und ersten Anfängen als Opernsänger am Kärntnertortheater und an der Wiener Hofoper 1826 an das ständischen Schauspielhaus in Grätz, wo er seine erste Posse "Der Zettelträger Papp" selbst schreibt und am 15. Dezember 1827 auch selbst spielt. Seine sich in der „Pensionopolis" der Monarchie langweilende Frau Wilhelmine beginnt hier ein Liebesverhältnis mit Graf Adalbert Batthyány und anderen und verlässt schließlich, finanziell am Ende, ihren Gatten. Bis 1831 spielt Nestroy in Graz 76 Opern- und 143 Sprechrollen. Nach großen Erfolgen in Wien verbringt er ab 1859 seinen Lebensabend wieder in Graz, wo er seine Lebensgefährtin Marie Weiler kennenlernt und ein Haus in der Elisabethstraße 14 erwirbt, in dem er auch an einem Schlaganfall am 25. Mai 1862 stirbt, nachdem er zuvor am 29. April als 61-Jähriger noch in der Rolle des "Pitzel" in seiner eigenen Posse "Umsonst" auif der Bühne steht.

Die Besitzerin von Schloss Plankenwarth, Emilie Sophie Sarah Engelbronner d'Aubigny de Perché, enstammt einer Hugenottenfamilie aus Kassel. Nach ihrer Ausbildung in den Sprachen Latein, Englisch, Französisch und Italienisch reist sie nach London. Als Erzieherin bei einer englischen Familie segelt sie nach Indien und gründet in Kalkutta ein Institut zur Ausbildung der Töchter von britischen Offizieren. Dabei lernt sie Colonel John Perché kennen, der aber bald nach ihrer Rückkehr nach Europa nach einem Reitunfall stirbt. Sie erbt sein Vermögen und übersiedelt 1826 mit ihrer Stieftochter in die Steiermark, wo sie Burg des Rudegerus de Planchinwarten (1179) bei Graz kauft. Als Generalin hält sie gerne großen Hof auf ihrem Schloss, wo sie, umgeben von einer mitgebrachten indischen Sklavin und exotischen Tieren, in indischer Gewandung die protestantische Elite von Graz um sich versammelt und zur Jagd ausreitet. Als sie 1849 stirbt, wird sie inmitten ihrer 7 Jagdhunden auf dem Generalkogel (Brennkogel) begraben. In ihrem Testament spendet sie der Heilandskirche eine Orgel.

1826

Nestroy theater Nestroy

Plankenwarth Plankenwarth Plankenwarth Heilandskirche

Kaiser Franz I. bewilligt wieder die Erhebung des Lyzeums zur "Karl-Franzens-Universität", benannt nach den 2 Gründern Erzherzog Karl II. und Kaiser Franz I.

Die Grätzer Zeitung" berichtet über das Hochwasser in der Steiermark: "In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni schwoll die Mur so an, dass die Murvorstadt, Lend, Gries bis zur Pfarrkirche St. Andrä und die Altstadt vom Sacktor bis zum Hauptwacheplatz unter Wasser gesetzt wurden. Das weite Umfeld war wie von einem See bedeckt. Auf den hochgehenden Wogen trieben die Trümmer zerstörter Häuser, viele Hausgeräte, tote Haustiere und anderes mehr." Die überdachte Holzjochbrücke, die einzige Verbindung über die Mur zwischen Graz und Frohnleiten, und die eben neu errichtete Radetzkybrücker, welche das Jakominiviertel mit der Vorstadt verbandf, werden durch Hochwasser weggerissen - Graz ist brückenlos.

1827 Murbruecke Hochwasser

1827 kommt es endlich zum lange geplanten Besuch Franz Schuberts seiner Grazer Freunde um Anselm Hüttenbrennerin in Graz. Am Montag, den 3. September fahren Schubert und der Historiker Johann B. Jenger mit dem Eilwagen über Wiener Neustadt, Semmering, Mürzzuschlag und Bruck nach Graz. Die Reise dauerte 26 Stunden. In der steirischen Hauptstadt wohnen sie in Carl und Marie Pachlers 12 Zimmer großen Heim "Zum Rabenschinder" an der Ecke Pfarrgasse/Herrengasse, gegenüber der Stadtpfarrkirche (heute Herrengasse 28). Fast täglich unternehmen die Freunde "Partien" in die Umgebung. Legendär ist jener Ausflug Mitte September von Schubert, Anselm Hüttenbrenner, Johann Jenger - als Sekretär des Steiermärkischen Musikvereins hat dieser 1823 die Ernennung Schuberts zum Ehrenmitglied des Musikvereins durchgesetzt, wofür Schubert diesem seine h-Moll-Symphonie "Die Unvollendete" widmete und nach Graz schickte -) und den Pachlers ins Schloss Wildbach von Herrn von Wildenstein bei Deutschlandsberg, wo in fröhlicher Stimmung im blauen Zimmer Die Tochter des Hauses, Maria Massegg, Schubertlieder singt und kräftig dem Wein der Wildbachertraube (Schilcher) zugesprochen wird. Anselm erhält dabei den Beinamen "Schilcherl", Schubert jenen des "Schwammerl", der sich wohl auf seine rundliche Gestalt bezieht. Während seines Graz-Aufenthaltes verfasst Schubert für die schönen Grazerinnen seine Walzer "Grätzer Walzer" und "Grätzer Galopp" und versucht auch seine dreiaktige Oper "Alfonso und Estrella" zur Aufführung zu bringen, scheiterte aber, da das Werk als "viel zu schwer" bezeichnet wird. Auch im Haus des angesehenen Grazer Buchdruckers und Verlegers Johann Andreas Kienreich in der Sackstraße, in dem Künstler und Gelehrte verkehren, ist Franz Schubert zu Gast. Kienreich druckt zwei seiner Lieder: "Im Wald" und "Auf der Brücke". Am 8. September wird ein vom Musikverein für Steiermark veranstaltetes "Vocal- und Instrumental Concert" im Ständischen Schauspielhaus bei doppelter Wachsbeleuchtung mit einem Stück von Franz Schubert eröffnet. Nach fast drei wunderschönen Wochen in Graz reist Schubert am 20. September wieder ab. In Wien schreibt Schubert In einem Brief: “Schon jetzt erfahre ich, daß ich mich in Grätz zu wohl befunden habe, und in Wien will mir noch nicht recht in den Kopf, 's ist freylich ein wenig groß, dafür ist es aber leer an Herzlichkeit, Offenheit, an wirklichen Gedanken, an vernünftigen Worten, und besonders an geistreichen Thaten. In Grätz erkannte ich bald die ungekünstelte und offene Weise mit und nebeneinander zu seyn, in die ich bei längerem Aufenthalt sicher noch mehr eingedrungen seyn würde. Besonders werde ich nie die freundliche Herberge mit ihrer lieben Hausfrau, dem kräftigen Pachleros und dem kleinen Faust vergessen, wo ich seint langer Zeit die vergnügtesten Tage verlebt habe." Als romantische Erinnerung an Schuberts Aufenthalt schreibt 1912 Rudolf Hans Bartsch den Roman "Schwammerl", der später als Vorlage für das weltberühmte Singspiel "Das Dreimäderlhaus" dient.

1811 kommt der in Geisenfeld in Bayern geborene Historiker, Journalist und Schriftsteller Adalbert Johann Polsterer nach Graz, wo er studiert und am Lyzeum als Professor für Geschichte, Diplomatik und Heraldik unterrichtet. Nach einem Aufenthalt in Wien übernimmt er stellvertretend die philosophische. Lehrkanzel an der Universität. Graz und ist ab 1837 Chefredakteur der „Grätzer Zeitung“ und deren Beilage „Der Aufmerksame“. Von besonderer Bedeutung ist seine 1827 erschienene Beschreibung von Graz "Gräz und seine Umgebung, historisch, topographisch, statistisch dargestellt", die zu den frühesten und umfangreichsten dieser Art zählt.

Grenze

Jenger Hüttenbrenner Schubert Schubert

Adalbert Polsterer

Franz Xaver Riepl, am 29. November 1790 in Graz am Griesplatz geboren, nach seinen philosophischen und juridischen Studien am Grazer Lyzeum und kurzer Lehrtätigkeit an der mathematischen Lehrkanzel am Joanneum, Professor am k.k. polytechnischen Institut in Wien und später Direktor der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, führt 1824 unter Erzherzog Johann am Erzberg den Tagbau in Etagen ein und entwickelt im Auftrag von Salomon Mayer Rothschild bereits 1828 detaillierte Streckenpläne einer Bahnverbindung von Galizien über Ostrau und Wien an die Adria, wobei er einen Streckenverlauf über Schwechat, Bruck an der Leitha, Ungarisch Altenburg, Steinamanger, Marburg und Laibach nach Triest vorschlägt, um damit die Ostalpen und den Semmering zu umgehen. Mit diesem Plan steht er in Opposition zu der von Erzherzog Johann präferierten Südbahn über den Semmering, welcher eine militärisch viel zu unsichere Streckenführung über Ungarn verhindern möchte. 1836 legt er auch den ersten Plan für ein gesamtösterreichisches Eisenbahnnetz vor, welches alle wesentlichen Handelswege für Österreich ebnen sollte. 1828 Riepl Erzberg

An Stelle des alten dreieckigen Ravelin (Festungswerk) Bau des hölzernen Zirkus "Thalia", in welchem durchreisende Künstler auftreten und Spenden für die Armen einbringen sollen.

1829 Thalia

Zehn Jahre seit ihrem Kennenlernen müssen die beiden warten, ehe Kaiser Franz I. der Hochzeit zustimmt. Dann erst kann Erzherzog Johann die Postmeisterstochter Anna Plochl am 18. Februar in der Kapelle des Brandhofes zur Frau nehmen. "Da ergriff der Brandhofer das Mädchen bey der Hand, sie scharf und ernst ins Auge fassend, und sagte: 'Nani, ich lasse nicht von ihnen."

Toplitzsee Anna.PlochlErzherzog Johann Anna Plochl

Erzherzog Johann lässt ein 1827 in der Leonhardstraße erworbene Gebäude nach Plänen von Georg Hauberrisser d.A. in das einstöckige Palais Meran ausbauen.

Botanischer Garten im Joanneum.

Franz Xaver Aichinger erbaut in der Paulustorgasse 3 am Karmeliterplatz für die Freimaurerloge ein eigenes monumentales Freimaurerhaus mit einer Durchfahrt zum Schloßberg.

Im Gasthof "Zum Stoffbauer" am Rosenberg ist Kaiser Franz I. zu Gast.

Herzogin Marie-Louise von Parma, die Tochter Kaiser Franz des I. und frühere zweite Gemahlin von Napoleon, besucht gemeinsam mit dem Sohn aus dieser Verbindung, dem an Tuberkulose leidenden Franz Bonaparte, Herzog von Reichstadt, am 18. Juni 1830 die steirische Hauptstadt. Für eine Woche sind sie Gäste des Freiherrn von Mandell in seinem Mandellschlösschen in der Rechbauerstraße.

1830 besteigen Erzherzog Johann zusammen mit seinem Bruder Kaiser Franz, dessen Gattin Caroline, Marie Louise von Parma und dem Herzog von Reichstadt 1830 den Gipfel des Plabutsch. Zur Erinnerung wird ein Fürstenstein gesetzt und 1839 eine Warte aus Holz, der "Fürstenstand", aufgestellt. 1852 wird der hölzerne Turms durch einen steinernen ersetzt. Während des Zweiten Weltkrieges heißt die Fürstenwarte "Adolf Hitler Turm". 1954 wird vom Brauhaus Gösting aus ein Sessellift gebaut.

1830

HauberisserPalais Meran Palais Meran Joanneum
Freimaurerhaus Stoffbauer

Marie-Louise Napoleon II. Villa Mandell

Plabutsch Plabutsch Plabutsch Plabutsch Plabutsch


Kaiser Joseph II. lässt zur Zeit des Biedermeiers die Friedhöfe um die Pfarrkirchen auflösen und neue, am Stadtrand befindliche anlegen. Graf von Hartig veranlasst deshalb die Errichtung einer Balustrade an Stelle der alten Friedhofsmauer sowie die Abtragung des 2stöckigen Verbindungsbogens vom Dom über die Bürgergasse zum Priesterhaus (Gilgentor). Graf von Wickenburg lässt darauf hin für den Vorplatz der Kirche eine Terasse aufschütten und den marmornen Stiegenaufgang zum Mausoleum errichtet.

Wiederaufstellung des Grazer Bürgercorps unter Oberst Dr. Pachler.

1831 Graz Mausoleum Rathaus
Grazer Stadtansichten des aus Frankfurt am Main stammenden und an der Wiener Akademie ausgebildeten Landschafts- und Vedutenmalers Jakob Alt, der auf seinen Studienreisen durch die Donau- und Alpengegenden sowie nach Oberitalien auch für Kaiser Ferdinand I. tätig ist. 1833

Jakob Alt Jakob Alt Jakob Alt

Die aus Schlesien stammenden Schriftsteller Heinrich Rudolf Constanz Laube - späterer Intendant des Wiener Burgtheaters sowie Direktor des Wiener Stadttheaters, und Karl Gutzkow statten auf der Heimfahrt von ihrer gemeinsamen Italienreise auch Graz einen Besuch ab, über welchen sie in ihren nachträglich veröffentlichten Reiseerinnerungen berichten.
Heinrich Laube schreibt in seinen „Reisenovellen“: „Wir brachen auf. Durch das Murtal in Steiermark ging es immer weiter. Man spricht sehr viel von der schönen Steiermark. Es ist an der Straße nur eine gewöhnliche, halb gebirgige Gegend. ... Wenn ich im Österreichischen von Menschen spreche, so meine ich immer nur die Frauen. Die Männer sind Österreicher. Aber das Frauenzimmer erhält eigentlich das östliche Kaisertum. Die Frauen sind immer konservativ. Sie tragen nämlich einen großen Türkenbund aus Handtüchern um den Kopf. … Aber es gedeiht hier ein schöner Menschenschlag, namentlich in Graz. Dort im Theater habe ich Claurensche Mädchen gefunden, mit allen kleinen materiellen Schönheiten, mit Grübchen, mit Rosen und sonstigem Detail. Graz ist wirklich der Ort, wo man das ‚Vergißmeinnicht‘ noch einmal lesen könnte. Die Romantik ist noch in ihren Kinderschuhen, die Mädchen sind kurios verführerisch. Auch ist ein altes Schloß da, auf das sich die Leute sehr viel zugute tun. Man hat eine wunderbare Aussicht von hier über die Stadt und die kleinen Täler in der Nähe. Mir war es allerdings wichtiger, daß der Weg hinauf bei sehr hübschen Häusern vorbeiführte. Das heißt, bei Häusern, in denen sehr hübsche Mädchen wohnten. Dicht am Schloßberge steht ein besonders hohes, schönes Haus, aber das Mädchen, das am Fenster saß, reizte mich noch mehr. Ich versuchte einen kleinen Roman, aber ich mußte die ersten Zeilen wieder ausstreichen, um schnell nach Wien zu kommen. Ich weiß von Graz sonst nichts Charakteristisches zu erzählen, als daß der Adel der Provinz, der sogenannte Kavalier, hier noch seine erste Heldenrolle spielt, daß man viel Kruzifixe sieht und daß ich des Nachts auf dem Heimwege die Stadt woanders suchte, als wo sie war. Trotzdem ich mich verirrt hatte und sehr spät nach Hause kam, fand ich die Wirtsstube meines Gasthauses noch belebt. Es wurden noch ‚Hendln‘ verspeist und ‚Seidln‘ getrunken. Die Backhendln sind bekanntlich der Mittelpunkt der österreichischen Nationalität. Es ist ein historischer Fehler, daß die Österreicher nicht ein Backhendl im Wappen haben. An einem Tisch war besonders viel ‚Spektakel‘. Da wurde die Resi am meisten getätschelt, da schien es das schönste ‚Theater‘ zu geben. Der Hauptredner war ein magerer Gerichtsschreiber, der die Gesellschaft damit so vortrefflich unterhielt, daß er sich hochdeutsch zu sprechen bemühte. Das ursprünglich Komische war für sie das Berlinerische. Unter dieser Firma nahmen sie aber alles hin, was von ihrer Mundart abwich. Besonders komisch war ihnen die volle richtige Aussprache der Doppelvokale und Diphthonge. Sobald sie aber vermuteten, daß ich aus Berlin sei, wurden sie verlegen. Die Kinder machen sich über den Schulmeister nur lustig, wenn er nicht in der Nähe ist. Bald aber kehrten sie zu jener entwaffnenden, fast übertriebenen Bescheidenheit zurück, die ein gut Teil ihres liebenswürdigen Wesens ausmacht. Resi leuchtete mir zu Bette und fragte, ob ich noch was zu ‚schoffen‘ hätte. Bei frühem Morgenstrahle flog ich zum Tore hinaus. Die erste Person, die uns begegnete, war ein Liguorianer (Kongregation des Heiligsten Erlösers). Dieser Orden steht in dem Rufe, die ausgezeichnetsten Hausfreunde zu liefern. Er ist darum noch sehr in Aufnahme. Wir flogen mit der goldenen Sonne durch die stillen Waldberge. Ich bemerkte hierbei, daß die Lobpreisung der steirischen Natur mehr die Alpen Obersteiermarks angehen möge, zu denen die reicheren Wiener ihre Sommerausflüge machen.
Karl Gutzow schreibt über den Graz-Besuch in seiner „Sommerreise durch Oesterreich“: „Die Verbindung Triest's mit Wien ist höchst mangelhaft; die Lohnwagen fahren zu langsam für eine Gegend, welche wenig zu versprechen scheint, und die Eilwagen der kaiserlichen Post sind nur auf wenige Personen berechnet. … Auf meiner dreitägigen Reise von Laibach bis Grätz kamen wir durch eine einfache und bescheidene Natur: Gebirgshöhen, welche mit langen Ebenen abwechselten, der Fluß Mur und viel anmuthiges Einerlei. … Bald hinter Adelsberg bemerkten wir mehrere Soldatenpiquets, welche sich querfeldein bis in den jenseitigen Wald wiederholten. Die Leute hatten auf dem freien Felde ihre Bivouaks aufgeschlagen, Posten ausgestellt, und waren mit voller Bewaffnung versehen. Der erste Unteroffizier, den wir um den Grund dieser Wache fragten, gab kurzweg zur Antwort: das ist wegen der Slawaken, die von der türkischen Grenze oft im vollstandigsten Zeuge beritten heraufkommen, die Reisenden auf der Landstraße niederstrecken, plündern, und so schnell als sie gekommen, in ihre Wälder zurückkehren. Deßhalb werde fortwährend in der Richtung von Adelsberg nach Zirknitz ein militärischer Cordon von 500 Mann unterhalten, der mit der strengsten Wachsamkeit die Umgegend zu beobachten habe und alle fünf Tage abgelös't werde. ... Nach der Einfahrt in die Hauptstadt Steiermarks war es die höchste Zeit, wenn ich meinen Freund, den ersten Bassisten, noch auf dem Theater antreffen wollte. Ich suchte mich in den krummen Straßen von Grätz zurechtzufinden, und traf den Tempel Thaliens in einer Gegend, wo sich die planlosen Winkel und Ecken etwas lichteten und größern Gebäuden Raum gaben. … Erst als ich am folgenden Morgen den festlichen Augenblick des Wiedersehens gefeiert hatte, begann ich, mich um die Lage und Eigenthümlichkeit der Hauptstadt Steiermarks zu kümmern. Das Wetter war regnerisch und trüb, die Straßen blieben überall eng und finster, und so fand ich eben keine starke Aufforderung, meinen Erkundigungen mit Eifer nachzugehen. Obschon es lächerlich ist, daß Grä'tz mit Wien wetteifern will, so läßt sich die Lebhaftigkeit und das muntere' Treiben dieser Provinzialstadt doch nicht in Abrede stellen. Eine große Anzahl von Beamten, ein zwar nicht sehr reicher, aber doch stolzer Adel, die stark besuchte Universität tragen dazu bei, den Flor und den Glanz derselben zu erhöhen. Man sagte mir, die hiesigen Studenten gäben in den Zirkeln und im Parterre den Ton an, und ich glaubte es, weil sie zum großen Theil aus den Söhnen der angesehensten Familien bestehen. Sonst existirt allerdings eine Aehnlichkeit mit Wien, aber es ist nur die, daß man die Händlen vottrefflich backt, Straußische Walzer spielt, ihnen die von Lanner und Morelly vorzuziehen anfängt und es liebt, in die nahen Gebirge Ausflüge zu machen. Am nächsten Tage brach endlich die Sonne durch die tropfenden Wolken, mit welchen der Horizont so lange bedeckt war. Ich schickte mich am Nachmittage an, den Berg zu besteigen, an welchen sich Grätz von allen Seiten lehnt. Hier oben hat man die herrlichste Aussicht in die steierischen Gebirge, auf welchen noch die geflohenen Nebel lagerten, und auf dem Gipfel selbst vielfache Abwechslung. Auf diesem Berge stand vor noch nicht langer Zeit eine starke Festung, welche die Franzosen von Grund aus zerstört haben. Nur einige Wachtthürme sind noch geblieben oder neue angebaut, von welchen aus die Feuersgefahren der Stadt beobachtet und durch Kanonenschläge angezeigt werden. Grätz legt sich wie ein Gürtel rings um diesen Berg, und kann bei einer solchen Planlosigkeit allerdings nur krumme und unregelmäßige Straßen haben. Als wir hinabstiegen, begegneten uns zahlreiche Spaziergänger, welche die auf dem Berge angelegten Wirthshäuser besuchten. Weiter unten war mir ein verworrenes, unartikulirtes Geschrei vor einem Hause am Fuße sehr auffallend; ich fragte meinen Freund nach der Ursache dieser thierischen Laute, und er versicherte, sie kämen aus dem IrrenHause, welches unglücklicherweise, selbst weit vor der Stadt gelegen, immer noch nahe genug ist, um den Vernünftigen lästig zu werden. Das Geschrei war so schauderhaft, daß ich seiner Erklärung noch immer nicht Glauben schenken möchte. … In der dreitägigen Reise von Grätz bis Wien herrschten zwei Perioden, die dunkle, regnerische steiermärkische, und die freundliche, sonnige österreichische. Welch überraschende Veränderung, wenn man von dem steilen Semmering, den steirischen Thermovylen, in das blaue, fruchtbare Oesterreich herabsteigt !“
Laube Gutzkow Grazerin

Der amerikanische Schriftsteller, Redakteur und Auslandskorrespondent für die New York Mirror. Nathaniel Parker Willis, welcher 1833 durch das Land reist, gibt von Graz folgende Schilderung: „Die massigen deutschen Postillione mit ihren Dreispitzen und gelben Mänteln, haben uns zu Sonnenuntergang eines Sommerabends über Grund und Boden zur große Burg von Gratz gebracht, die, auf einer Felsspitze in der Mitte einer weiten Ebene thronend, gegen den rötlichen Himmel stand. Die reichen Gebiete der Steiermark standen in früher Ernte, die Leute saßen an ihren Türen mit dem Blick eines glücklichen Zuhauses, der für die Bewohner dieser ‚despotischen Länder‘ so bemerkenswert ist; und hin und wieder lenkte auf der Straße das Rasseln von Säbelklingen der berittenen Truppen meine Aufmerksamkeit aus meinem Buch oder aus meiner Träumerei ab, welche fortwährend auf den breiten Straßen Österreichs zu sehen waren, wie sie langsam im Staub hinter ihren Gepäckswagen hinterherzogen. … Der pompöse Sergeant der Wache überprüfte in seinem Büro am Tor meinen Pass und gab mir schließlich einen Kreutzer seiner Majestät im Austausch für meinen englischen Pfund; und bevor ich wütend wurde, weil er eine halbe Stunde brauchte, um seinen abscheulichen Namen zu schreiben, verließ ich meinen Wagen, um den Weg zum Hotel zu finden. Am Ende einer ruhigen Straße stieg ich auf der Suche nach Natur und Gleichmut zu den Zinnen der Burg hinauf. Ah! Was für eine herrliche Landschaft! Der schroffe Felsen, auf dem die alte Festung erbaut stand, scheint mit anderen kleineren Steinen von Titanen in die Mitte der Ebene, die sich meilenweit in jede Richtung erstreckt, geworfen worden zu sein. An seinem Fuße schmiegen sich die bevölkerten Straßen, die sich wie Schlangen um eine Pyramide wickeln; und entfernt von den Mauern der Stadt breiten sich weite, bebaute Felder aus – so weit das Auge sehen kann, alles Eigentum des Herrschers! Die große Burg auf dem befestigten Hügel, schaut hinunter auf die Kornschnitter.“

Die 33jährige Marie-Caroline, Herzogin von Berry, ursprünglich mit dem in Paris 1820 vor der Oper erstochenen Sohn König Karl X. von Frankreich, Charles Ferdinand de Bourbon, verheiratet, und Mutter des legitimen, 1830 im Zuge der Julirevolution vertriebenen französischen Thronprätendenten Heinrich V., steigt im Herbst mit ihrem zweiten Gatten, Graf Ettore Lucchesi-Palli, im Gathaus "Zum Wilden Mann" ab. 1837 erwirbt sie Schloss Brunnsee bei Mureck, lebt aber bis zu ihrem Tod 1870 vorwiegend im Palais Herberstein in der Sackstraße in Graz.

N.P. Willis
Herzogin.Berry Palais Herberstein
Nach dem Tod von Franz I. am 2. März 1835 folgt ihm sein, an Epilepsie leidender Sohn als Kaiser Ferdinand I. (1793-1875) auf dem Thron nach. Wegen seiner mangelnden Eignung wird ihm, dem "Nanderltrottel", eine „Geheime Staatskonferenz“ mit Staatskanzler Metternich zur Seite gestellt, die die Amtsgeschäfte führt. 1835

 

Kaiser Ferdinand I. Metternich
Matthias Constantin Capello Graf von Wickenburg, der von Kaiser Ferdinand I. 1830 als Vicepräsident des Guberniums für Steiermark nach Graz berufen und im Juli 1835 zum Gouverneur von Steiermark ernannt wird, lässt in der Landeshauptstadt zwei Kettenbrücken über die Mur erbauen, dem Kaiser Franz ein Denkmal errichten und nach Abriss des zweiten Sacktores die Kaibauten einschließlich einer Militärschwimmschule errichten.

An der Ausmündung der Burggasse in den Car-Ludwig-Ring (Opernring) entsteht zu Ehren des "guten Kaiser Franz" der Zierbau des Franzenstores, das bereits 1856 wieder abgetragen wird.
Wickenburg Militärschwimmschule Militaerschwimmschule
Franzens-Tor Franzenstor

Der Orientalist, Diplomat, Hofdolmetscher und erste Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Freiherr von Hammer-Purgstall, am Fischplatz in Graz geboren, besucht bis zum 14. Lebensjahr in Graz das Gymnasium, bevor er in Wien an die k.k. Akademie für Orientalische Sprachen kommt, wo er aufgrund seiner Sprachbegabunhg schnell Türkisch, Persisch und Arabisch, aber auch Italienisch, Französisch, Latein und Griechisch.erlernt. Als Dolmetscher und Sekretär des britischen Admirals Sir William Sidney Smith macht er den Feldzug gegen die Franzosen in Ägypten mit und nimmt auch am Entsatz von Akko teil. Durch seine Übersetzungen trägt er wesentlich zur Vermittlung orientalischer Kulturen bei und gilt als Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik.
In jungen Jahren wird er von der Gräfin Johanna Anna Purgstall, einer gebürtige Schottin namens Cranstoun, adoptiert, die ihm ihren Namen samt Adelstitel und das Wasserschloss Hainfeld in Leitersdorf unter der Bedingung vererbt, dass Hammer den Namen und das Wappen des Hauses Purgstall mit dem seinen vereinige. Knapp vor ihrem Tod 1835 wird die Gräfin von dem ihr bekannten schottischen Kapitän Basil Hall besucht, der wenige Monate nach seiner Rückkehr in seinem 1836 erschienenen Reisebericht "Schloss Hainfeld oder Ein Winter in der Steiermark" schreibt: "Noch weniger hätte ich es geträumt, sechs Monate auf ihrem Schlosse in der Steiermark zuzubringen, einem so entlegenem Lande, von dem ich nichts wusste. Die Bauernbevölkerung hier ist dumpf und nur schwer zugänglich, überall herrscht ein zügelloser Aberglaube, der den verschiedenen Ängsten und Schrecken Gestalt verleiht.“ Er macht damit die Steiermark als unheimliches Land voller Aberglauben im englischsprachigen Raum bekannt und inspiriert den irischen Schriftsteller Sheridan LeFanu zu dessen Novelle "Carmilla". Darin wird die Begegnung einer jungen Steirerin mit dem weiblichen Vampir Carmilla Karnstein - eine eingedeutschte Verballhornung des Namens von Cranstoun - geschildert. Diese Erzählung dient wiederum dem, wie LeFanu in Dublin geborenen Bram Stoker als Vorlage für seinen berühmt gewordenen Roman "Dracula" (1897), dessen Handlung dieser ursprünglich ebenfalls in der Steiermark ansiedeln will. So trifft, im später gestrichenen ersten Kapitel, Dracula auf ein Grab mit der Inschrift: "Gräfin Dolingen zu Graz in der Steiermark, gesucht und tot aufgefunden 1801". Aufgrund der blassen Haut und ihrer Krankheit, die sie mit Wolfsmilch behandelte, hielt die Bevölkerung die Gräfin selbst für eine Vampirin. Ihr Leichnam wurde in einen eisernen Sarg gelegt und ohne katholisches Begräbnis in der Riegersburg beigesetzt.
Berühmt wird auch Hammer-Purgstalls Roman „Die Gallerin auf der Riegersburg“, in welchem er das gesellschaftliche Leben seiner Vorfahren in der Graben-Vorstadt beschreibt: „Im hohen Sommer wohnten die bemittelten Cavalliere nicht in der Stadt, sondern vor derselben in ihren Gartenhäusern; die Gesellschaft war im Garten versammelt; die erpichten Kegelschieber ließen sich nicht an der Kegelbahn stören; Einige junge Leute spielten Ball Andere wandelten in den Schattengängen auf und ab. Die Mode der salons bureaux d’esprit war nocvh nicht von den Ufern der Seine an die Donau und noch weniger an die der Mur verpflanzt, wiewohl die Freyin v. Purgstall, welche schon in ihrem vierzehnten Lebensjahr Latein und Mahlen gelernt, in der Kenntniß der Klassiker und in der Kunst einigen Fortschritt gemacht und mit einiger Anlage zu dem von den Engländern als Blue stoking blau gemerkten Charakter, wenn gleich kein Strumpf doch einigermaßen ihrer Vorliebe willen für Gelehrsamkeit und Gelehrte selbst als eine solche von anderen Frauen blau gemerkt war.“

Hammer.Purgstall HainfeldHainfeld
Purgstall Schloss Hainfeld Purgstall Basil Hall

Die beiden Murtore, das äußere aus dem 15. Jahrhundert und das innere aus dem 13. Jahrhundert, werden bei den Vorarbeiten für eine neue Hauptbrücke abgetragen.Erhalten bleibt nur der an die Franziskanerkirche angrenzende und im 17. Jahrhundert mit einer barocken Zwiebelhaube versehene Wehrturm, wodurch der Bettelorden trotz seines Turmverbotes doch noch zu einem imposanten Turm kommt.

Adolf Hitlers Großmutter Anna Maria Schicklgruber soll im Jahre 1836 als Hausmagd und Köchin im Haus eines Grazer Juden namens Leopold Frankenberger in der Neutorgasse 10 arbeiten.

1836 Murtor inneres.Murtor Inneres Murtor gegen Westen (Richtung Hauptplatz)
Inneres Murtor gegen Osten (murseitig) äußeres.Murtor Anna Maria Schicklgruber
Unter der Amtszeit 1830 bis 1836 von Bürgermeister Constantin Ritter von Villefort, der auch Oberst des k.k. Bürgercorps.ist, wird die Franz-Ferdinand-Brücke erbaut, die erste und größte Kettenbrücke Österreichs. Constantin Villefort Kettenbrücke Kettenbrücke Ferdinandsbrücke
Nach 53jähriger Abwesenheit können die Karmelitinnen wieder in Graz einziehen und erbauen unter der Leitung des Architekten Georg Hauberrisser d. Ä. an Stelle der Waldkapelle "Maria Schnee" mit ihrem wundertätigen Marienbild ihr neues Kloster in der Grabenstraße.
Maria Schnee Karmelitinnen Karmeliterkloster
Karmelittinen Karmelitinnenkloster
Stadtansichten des in Triest geborenen Lithografen Joseph Kuwassseg (Kuwahseg), der mit seiner Familie 1809 nach Graz übersiedelt und nach dem Tod des Vaters bei seinem Onkel in Luttenberg aufwächst: Murtor, Murvorstadt, Vom Schloßberg gegen NO, Aussicht gegen SW, Graz vom N, Graz vom S, Tabor, St.Leonhard, Schönau. Er ist nach dem Besuch der Ständische Zeichenakademie ab 1824 für die Grazer Verlage Joseph Franz Kaiser und Heribert Lampel tätig, stellt eine Landschaftszeichenschule in 19 Blättern zusammen, entwirft unter anderem die Dekoration für den Eissalon beim Vergnügungslokal "Colosseum" oder ist Mitgestalter der neuen Parkanlagen auf dem Schloßberg durch Ludwig Freiherr von Welden. Kuwassegg ist zweimal, mit Maria Frey und Marianne Kernreich, verheiratet.

Murtor Kuwasseg Graz Graz

Graz Tabor St.Leonhard Mariatrost Schönau

Der Hofgarten wird wird durch Häuser mit Biedermeierfassaden, darunter das Ständische Schauspielhaus, zum Franzensplatz (Freiheitsplatz) verbaut. An Stelle der niedergerissenen nördlichen Stadtmauer errichtet das Stift Lambrecht durch Stadtbaumeister Georg Hauberrisser den mächtigen "Lambrechter Hof". Im Giebelrelief findet sich die Figur Hauberrissers wieder, verfolgt von Wölfen, als Anspielung auf seinen Konkurrenten Stadtbaumeister Wolf.
Das Orchester an der Grazer Oper spielt bei der Aufführung "Die Vestalin" so schlecht, dass die Primadonna Maria Anna Sessi während der Vorstellung von der Bühne aus den Takt angeben muss.

 

Für das Burgtor wird ein Torwachehaus errichtet, das heutige Cafe Promenade.

1837 Franzensplatz Freiheitsplatz Burgtor
Ferdinand Knabl begründet auf dem direkt an der Kommerzialstraße nach Triest gelegenem Gasthaus "Puntigamerhof" eine Brauerei. 1838 Puntigam
Graz Graz 1839 Infanterieregiment 27 Gratz

Durch Feldzeugmeister Freiherr von Welden wird der Schloßberg in eine Parkanlage umgewandelt. Er lässt "romantische Spalten" in den Fels sprengen und im NO das Schweizerhaus, ein Vergnügungsetablissement, bauen.

Auf der Platte wird als Vorgänggerbau der 1880 errichteten Stephanienwarte ein hölzerner Aussichtsturm errichtet.

Schweitzerhaus Stephanienwarte

Auf dem Gelände zwischen Wielandgasse und Pestalozzistraße erbaut der Architekt Josef Benedikt Withalm das "Coliseum". Dieser größte Saal der Stadt Graz hat mehrere Reihen an Galerien, ist mit Landschaftsmalereien dekoriert, mit einer Glaskuppel überdacht und wird von einem Luster mit 160 Kerzen beleuchtet. Bis zu 3000 Personen feiern hier rauschende Feste.
Im zweiten Band seiner „Wanderungen durch Tyrol und Steiermark“ schreibt Franz Satori: „Eigenthümlich als Belustigungsort ist das im J. 1839 entstandene Koliseum, das Werk eines Privaten, Namens J. B. Withalm, ein Gebäude, welches in seinen Räumen Tanzlokale, Konzertsaal, Cirkus, Bierhalle, quasi-Kasernen, mit einem Worte, Alles vereinigt, was erforderlich ist, um einer größeren, gemischten Menschenmenge zum heiteren Tummelplatze zu werden.“

Coliseum Coliseum oliseum
Anton Alexander Graf von Auersperg aus Schloss Thurn am Hart (Šrajbarski turn) in Unterkrain vermählt sich am 11. Juli 1839 mit Maria Rosalia Gräfin von Attems, der Tochter des Landeshauptmannes von Steiermark, Ignaz Maria III. Graf von Attems Freiherr von Heiligenkreuz, und der Aloisia Gräfin v. Inzaghi. Unter dem Pseudonym "Anastasius Grün" wird er mit seiner Lyrik zum Anführer der jungen liberalen Bewegung.der politischen österreichischen Poesie und Vorkämpfer für die Freiheit in der Zeit des Vormärz.

Anastasius Grün

Errichtung der 11m hohen „Kronprinz Rudolph – Gloriette“ (Rudolfs-Warte) auf dem 659 m hohen Buchkogel in Straßgang. Bei der nahen Karstquelle "Bründl" werden Eisenerz und Farberze abgebaut.

Am 15. März 1840 vernimmt der in Kanischa geborene und in Graz arbeitende Musiklehrer Jakob Lorber (1800-1864) eine innere Stimme "Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe!", die ihn veranlasst, in Fortsetzung der Bibel eine auf 20000 Manusklriptseiten neue Offenbarung zu verfassen, welche ihn als "Schreibknecht Gottes" eingedenk werden lässt.

Der in Obergraden bei Köflach geborene Portraitmaler Joseph Ernst Tunner besucht zunächst die Zeichenakademie in Graz und anschließend die Akademie der bildenden Künste in Wien, bevor er über Triest, Venedig, Florenz und Pisa nach Rom gelangt und sich dort dem Künstlerkreis der Nazarener um Friedrich Overbeck anschließt. Als dann der Direktor Ständischen Zeichenakademie, Joseph August Stark stirbt, erinnert sich der Landständische Sekretär Gottfried Ritter von Leitner an das von Tunner gemalte Atarbild "Erlöser vom Kreuz" in der Triestiner Antoniuskirche und holt den Maler als Nachfolger nach Graz, wo dieser die Zeichenschule zu einer Akademie der Künste macht. Ungeschickt ausgeführte Restaurierungen des Landplagenbildes am Grazer Dom führen gegen seinen Lebensabend dazu, dass Tunner auf Betreiben des steirischen Kulturhistorikers Joseph Wastler 78jährig als Galeriedirektor abgesetzt wird.

Erzherzog Johann erwirbt um 250000 Gulden das 1875 aufgelassene Augustiner-Chorherrenstift Stainz und baut es zum Schloss um. 1850 wird er hier auch zum Bürgermeister gewählt.

1840 Rudolfswarte Jakob Lorber Tunner Tunner
Stainz Erzherzog Johann
Bärenschützklamm Blick vom Rosenberg Rosenberg Graz 1841 Waltendorf Kreutzer

Grazer Stadtveduten des Landschaftsmalers Conrad Kreuzer (1810-1861), der nach dem Besuch der Grazer "Ständische Zeichnungs-Academie" seinen Lebensunterhalt mit dem Mal- und Zeichenunterricht von Kindern aus wohlhabenden Familien sowie als Zeichenlehrer am Bischöflichen Knabenseminar verdient und einen gleichnamigen Sohn, von Beruf Schriftsetzer, hat: Bärenschützklamm,, Rosenberg, Graz vom Norden, Graz vom Westen, Waltendorf (Lerchenfeld), Graz vom Osten, Mariatrost, Mariagrün, St.Leonhard, Tobelbad, Eggenberg, Gösting, Graben, Stadtpark, Ferdinand-Kettenbrücke, Wall-Graben, Radetzkystrasse, Hauptplatz, Rathaus, Glockenspielplatz, Franzensplatz, St. Ägydius.

Graz Umgebung Mariatrost Mariagrün Mariagrün
St.Leonhard Tobelbad Eggenberg Weizöttlbrücke Graben Stadtpark Kettenbrücke Ferdinandsbrücke
Wall-Allee Radetzkystrasse Hauptplatz Hauotwacheplatz

Franzensplatz Hofgasse Dom

Unter der Schirmherrschaft von Josef und Maria Kober entstehen in der Leonhardstraße die kleine und große Reiterkaserne.

Der gebürtige Wiener Claudius Ritter von Pittoni lässt für die zu eng gewordene Leonhardstraße eine neue geradlinige Ausfallsstraße, die Pittonistraße, bauen.

An der Ecke zum Glasic erbaut der Architekt Georg Hauberrisser d.Ä. dem aus Frankfurt stammenden Johann Christoph Kees ein imposantes spätklassizistisches Palais.
Auf der ehemaligen Landschaftsbastei am Opernring errichtet er im Stil des Spätbiedermeiers den Rosarium-Gebäudekomplex.

Reitschule St.Leonhard Palais Kees Rosarium

Mit dem Abbruch des Ballhauses, des inneren Paulustores und des abgebrannten Ständischen Theaters wird der dadurch gewonnene freie Raum wurde zum Franzensplatz, dem heutigen Freiheitsplatz. Kaiser Ferdinand I. weiht am 19. August in der Platzmitte das vom Mailänder Bildhauer Pompeo Marchesi entworfenen Denkmal von Kaiser Franz I. im Ornat des Großmeisters vom Goldenen Vlies ein und besichtigt anschließend den Schloßberg. Franzensplatz Franzensplatz

Begründung und Bau des fürstbischöflichen Knabenseminars, Carolinum Augusteum, durch Fürstbischof Roman Sebastian Zängerle auf dem Grund des ehemaligen Herbersteingartens in der Grabenstraße.

Gustav Franz Ritter von Schreiner, Politwissenschafter, Rektor der Grazer Universität, Literat und Redakteur der „Steyermärkischen Zeitschrift“. Mit Hammer-Purgstall führt er eine Kontoverse bezüglich der richtigen Schreibweise von Graz: Er bestreitet Ableitung des Namens aus dem Slawischen und tritt für die Schreibweise "Grätz" ein. In seiner Arbeit "Graetz, ein naturhistorisch-statistisch-topographischen Gemälde" bemerkt er über den Charakter der Grazer: „Im Allgemeinen bitet Grätz die höchst interessante Eigenheit, daß sich hier gleichsam zwei Städte, nur durch den Fluß geschieden, darstellen, die in der Bauart, Anlage und auch im geselligen Leben eine durchaus verschiedene Physiognomie zeigen, und deren Bevölkerung nicht leicht von einer Seite des Stromes auf die andere übersiedelt. ... Der Charakter des gemeinen Grätzers hat übrigens manche Züge, die auf Vermischung mit slawischen Elementen hinweisen. Bei der Arbeit langsam, im Handeln bedächtig, ist er den Fremden minder zuvorkommend und allem abhold, erst wenn es vollkommen gelungen ist, gewinnt dieses aber nur langsam seinen Beifall. Ihm ist eine große Freundlichkeit eben auch nicht zu eigen, zum Gruße entschließt er sich nur schwer, es sei denn, daß die ihm begegnende Person von Einfluß auf sein Geschick wäre. Große Reinlichkeit ist bei den unteren Volksklassen nicht zu treffen." Die Zustände auf den Grazer Straßen beschreibt er wie folgt: "Die Mitte aller Straßen, die Herrengasse nicht ausgenommen, ist durch unbedeckte Rinnsäle zur Aufnahme und Ableitung des aus allen Häusern offen abfließenden schmutzigen Gossenwassers verunstaltet....Im Sommer verursachte das Regenwasser bei jedem Gewitter förmliche Ströme und im Winter bedeckte das Gossen- und Brunnenwasser fast alle Gassen mit breiten Eisbahnen ... In vielen Winkeln stieß man auf ekelhafteste Küchenabfälle und noch ärgeren Unrat."

1843 Augusteum Zängerle Bischöfliches Gymnasium
Gustav Schreiner

1844 bis 1850 Dr. Andreas Hüttenbrenner Bürgermeister von Graz.

Im Westen werden die Zufahrtswege der Annen- und Keplerstraße zum neu errichteten Grazer Südbahnhof angelegt und die 94,7 km lange Teilstrecke der Staatseisenbahn von Mürzzuschlag nach Graz in einer Bauzeit von nur 66 Wochen am 21. Oktober 1844 feierlich eröffnet. Der Festzug, in welchem sich auch Erzherzog Johann und Carl Ritter von Ghega befinden, wird von der Dampflokomotive "Gratz" gezogen und benötigte für die Strecke eine Fahrzeit von 3 Stunden und 21 Minuten. In Graz gibt es im Ständischen Theater eine "Eisenbahn-Galavorstellung", die mit einem Prolog Vinzenz Zusners eröffnet wird: "Die reinste Luft durchströmt heut' die Gassen, Der lebensfrohen Stadt am Saum der Mur, Des Landes Volkes erschien in bunten Massen, Die Freude schalte laut durch Feld und Flur, Und Stadt und Land, sie waren gleich beflissen, Ein Wunderwerk mit viel Jubel zu begrüßen." 1846 wird Cilli, 1849 Laibach und 1857 Triest erreicht und damit die 577 km lange Verbindung zwischen Donauraum und Adria hergestellt.
Ab 1850 lädt jeder ankommende Zug der Südbahn in Bataillonsstärke pensionierte Offiziere ab, zumal sich Graz aufgrund seines angenehmen Klimas und seinem kulturellen Angebot als Wohnort für pensionierte Beamte und Militärs bemüht, was ihm den Namen "Pensionopolis" einträgt.

Der Schriftstelller und Verleger Jakob Franz Dirnböck eröffnet in Graz eine Buchhandlung und dichtet zum 25-jähriges Bestehen der Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft das zehnstrophige Lied "Der Steirer Land. Hoch vom Dachstein", das versehen mit der Melodie des Grazer Domorganisten Ludwig Seydler beim Festakt erstmals erklingt. In der dritten Strophe seines Dachsteinliedes heißt es über Graz: "Wo sich lieblich groß eine Stadt erhebt hart am Atlasband der grünen Mur," 1929 wird es zur steirischen Landeshymne erhoben.
In seinem Werk "Erlebnisse und Abenteuer des Hans Michel aus Obersteier auf seiner ersten Eisenbahnfahrt durch das Mürz- und Murthal nach Gratz" beschreibt er zwei Steirer, die am Bahnhof von Mürzzuschlag einen der ersten Züge bestaunen: "Nicht große, aber kräftige, stämmige Männer, der eine alt, der andere jung. Ihr Anzug ist der echt obersteirische, kurze Hosen von schwarz gefärbtem Geißleder, auf deren rechter Seite das metallene Besteck, und grüne Strümpfe decken die Beine, eng an den Knöchel liegende Schnürschuhe den Fuß. Über den rotgeblümten Brustlatz, der die Stelle der Weste vertritt, laufen die Arme des breiten grünen Hosenträgers, die Jacke mit den grünen Aufschlägen und Besatz ist der Hauptbestandteil der Kleidung, nachlässig über die Schulter geworfen tragen die beiden noch den lodernen Wettermantel. Der nationelle grüne Weismannshut mit Gemsbart und Schildhahnfeder deckt den Kopf. ... Verblüfft und vertieft stehen sie da, keiner spricht, ihre Augen starren unverwandt auf die Waggons und die eben aus dem Heizhaus steuernde Lokomotive." Und Annemirl, die Tochter des Sensenschmiedes lässt er räsonieren: "Nach all dem, was i hab' reden g'hört, wird's kein gut's End nehmen; unsere Hammmerschmied sagn: 'Der Teufel holt bei jeder Fahrt einen Mann, denn eine arme Seel muß büßen, drum keucht's so. D' kleine Höll haben s' zum warnenden Beispiel auf d'Erd g'schickt'." Bewundernd vermerkt er über die Badlwand: "Das muß ein Riesenwerk gwesen sein. Rechts die Mur und links Felsen - lauter Felsen und nur so viel Platz, daß knapp die Straßen hat gehn können, und die is schon öfter vom Hochwasser eingrissen word'n. Da war also nichts z' machen, als aus der Not eine Tugend. Über 10000 Kubik-Klafter Felsen sind weg g'sprengt worden, und die Eisenbahn lauft unter 38 gewölbten Bögen, die eine schöne Galerie machen, durch, und oben die Poststrassen drüber."

1844

-Bahnhof.Mürzzuschlag Kapfenberg Badlwand
Bahnhof Bahnhof Bahnhof
Bahnhof Franzdorf

 

Mit der Eisenbahn werdendie Murvorstädte, insbesondere die Viertel um den Lend- und Griesplatz, zu ghettoähnlichen Siedlungen der unteren Sozialschichten. Fabriken entstehen, die stinkenden Gewerbe der Lederer und Schmiede sowie der Bader werden aus der Innenstadt vertrieben, Wirtshäuser, Vergnügungsstätten und Prostitution halten Einzug.

Bau der hölzernen Schlachthofbrücke (Tegethhoffbrücke).

Eröffnung der neu erbauten Kettenbrücke (spätere Erzherzog-Franz-Carl-Brücke).


1845

Ferdinandsbrücke Schlachthofbrücke Schlachthausbrücke
Graz Graz Hauptbrücke

Brücken Gratz Herdergasse-Zuckerraffinerie

Im Redoutensaal des ständischen Theaters (Schauspielhaus) dirigiert der 20jährige Walzerkönig Johann Strauß Sohn sechs Konzerte vor jeweils 1000 Zuhörern. Das Parket dient aber auch 2000 Tanzbegeisterten für Maskenbälle oder den beliebten, donnerstags stattfindenden "Neglige-Ball".

Fertigstellung des Schweizerhauses am Schloßberg samt Cafe mit Billardtischen.

Johann Strauß Sohn Schweizerhaus Schweizerhaus

Auf Anregung von Kaiserin Karolina Augusta begründet Fürstbischof Roman Sebastian Zängerle die Klosterschule "Dames du sacre coeur". Die ersten Ordensfrauen werden aus Paris berufen.

Der Orientalist Prof. Jakob Philipp Fallmerayer kommt auf seiner Reise von Wien nach Italien am 9. Juli 1846 nach Graz und vermerkt in seinem Tagebuch: „Auf dem Schlossberg durch romantisch verschlungene Pfade, an Grotten, Buschwerk und Vorsprüngen vorüber zu den Weinlauben und den tiefen Ziehbrunnen bei sol occiduus in Duft und Abendgold; wundervolles Panorama! Hügel-Aphitheater waldicht, dunkelgrün, selbst der Schlossberg alpenhaft bestraft; Gärten, Grün und Paradiese in suburbiis wie zu Trebizond. Im Münzcabinete H. H. Wartinger und Pfarrer Knabl gesehen, amicissime appelatus von wegen Fragmente.

Notiz in der Zeitschrift "Stiria": "Seit einiger Zeit bemerkt man hier in Graz Frauen mit derart übergroßen Ohrgehängen, dass zu besorgen ist, selbe werden ihnen ihrer Schwere wegen das Ohr abreißen."

Hans Michl aus der Obersteier teilt in einem Brief seinem Göd, dem Sensenschmied in der Öd über Gratz folgendes mit: „Gratz im Jahr 1846. Das ist das Jahr, was aufn zweijährigen Krieg über d’Fraq, ob Grätz oder Gratz g’schrieben werden soll, gfolgt is. Der Streid hat wenig Blut, aber viel Tinten, Papier und Buchdrucker schwärz kost und is so ausgangen, wie gwöhnli jeder dispadat ausgeht. Jeder schreibt und red halt, wie er will. … In den Gratzer-Zirkeln; find‘ ma da nöt oft Maderln – Fräuln wollt‘ i sagn – kaum 12-13 Jahr alt, sö hör’n all’s, sö red’n über all’s – sö fühl’n si sogar beleidigt, wann’s nöd überall als stimmfähig ang’sehn werd’n; kommen’s auf an Ball, da drahn’s das Köpferl rechts und links; erzähln a un schöniert, daß den Ewigen Juden in der Ursprache lesen, und seufzen von Rudolf aus den Geheimnissen von Paris. Ist aber von der Hauswirtschaft, von Kochen, von Stricken u.s.w. die Red‘ – a dös is gemein !“

1846

Sacre CoeurFallmerayer

Eggenberg Kalvarienberg Mariatrost Hallerschlößl Landhaus Landhaus Kettenbrücke

Stadtveduten von Johann Vinzenz Reim (1796-1858).

Architekt Benedikt Withalm erbaut den Gusseisen-Skelettbau, das "Eiserne Haus", am Südtirolerplatz.

Der Schriftsteller, Schauspieler und Theaterleiter Karl Eduard von Holtei (1798-1880 in Breslau) beginnt nach dem Gymnasium und Studium der Rechte in Breslau. seine Schauspielerlaufbahn am Schlosstheater des Grafen Johann Hieronymus von Herberstein in Grafenort in der Grafschaft Glatz. Seine Tochter heiratet in jungen Jahren den Advokaten Dr. Josef Potpeschnigg und zieht nach Graz in der Steiermark. 1826 begleitet Holtei den Grafen Herberstein nach Paris. Gastspiel- und Vorlesungsreisen führen ihn nach Berlin, Riga, Wien, Prag, Dresden, Hamburg und Weimar. Er ist mit Goethe, Joseph von Eichendorff und Gustav Freytag befreundet. Seine Erzählung "Ein Mord in Riga" ist einer der ersten deutschen Kriminalromane. Von 1847 bis 1863 zieht er zu seiner Tochter nach Graz und berichtet in seiner Autobiografie „Vierzig Jahre“ von seinem Grazer Leben: „Wenn die Stadt Graz weiter nichts hätte, als ihren Fetzenmarkt und ihren Schloßberg, so wäre dies hinreichend, mich an sie zu fesseln!“

Auf seiner Rückreise von Rom nach Wien besucht der deutsche Dichter Friedrich Hebbel Graz und übernachtet am 20. Juni im „Wilden Mann“ (heute Amtshaus). Nach einer Stadtbesichtigung vermerkt er in seinem Tagebuch: „Wir erhielten ein Zimmer auf die sogenannte Terrasse hinaus, welches eine schöne Aussicht, zunächst auf den Wirtshausgarten, dann auf den botanischen und weiterhin auf eine imposante Kastanienallee darbietet. Ich gerieth in die Mariahilfer Kirche und trat in den Klosterhof der Minoriten, in den Klosterhof, in dem der Friede selbst seine Hütte erbaut zu haben schien. Ein längeres Viereck von einem Gang umgeben, in dem kleine Capellen und Beichtstühle mit einander abwechselten, und an den die ehemaligen Zellen der Mönche stießen, lag vor mir. In der Mitte erhob sich ein Kastanienbaum, der vielleicht nicht seinesgleichen auf der Welt hat. Seine Zweige breiteten sich wie Arme über den ganzen, großen Raum aus, und wie jetzt vor dem Regen, der ihm nur die Krone netzte, ohne durchdringen zu können, wird er den Platz an heißen Tagen vor der Sonne Glut schützen; genug, es war ein Baum, der den Eindruck eines lebendigen Wesens machte, der mir eine wahre Ehrfurcht einflößte.“ In den Buchhandlungen fallen ihm nichts außer Legenden, Gebetbücher und Räubergeschichten auf. Bei einem Aufstieg auf den Schloßberg schreibt er: „Eine Aussicht wie die von dem herunter glaube ich in meinem Leben noch nicht gehabt zu haben. Gottlob, daß die Zeit der Vestungen vorüber ist, daß die Stapelplätze der Kanonen und der Bombenkessel sich in Gärten verwandeln. Wer könnte auf dem Papier der Unendlichkeit von Wäldern und Thälern, von Flüssen und Strömen, die sich auf der Höhe vor dem entzücktem Blick ausbreiten, etwas abgewinnen! Als Curiosität verdient es angemerkt zu werden, dass ganz oben, mitten in der schrankenlos nach allen Seiten aufgeschlossenen Natur, ein Mann in einer Art von Hundehaus ein Panorama mit Ausichten von Salzburg usw. eingerichtet hat.“ Er besucht auch den Rosenhügel und Eggenberg: „einen reizenden Park, der ein Schloß´umgibt, das mit seinen mittelalterlichen Laufgängen und den modernen Fenstern auf seltsame Weise zwischen Burg und Palais in der Mitte schwebt.

1847

 

Withalm Haus von Eisen Karl Holtei Hebbel

Revolutionsjahr 1848

Die Studenten überreichen am 14. März Gouverneur Constantin Graf von Wickenburg eine Petition an den Kaiser, in der sie die Abschaffung der Zensur, die Lehr- und Lernfreiheit sowie die Pressefreiheit fordern. Am selben Tag wird er Sturz von Kanzler Metternich vermeldet und genau an diesem Abend im Grazer Theater Schillers "Don Carlos" gespielt, in dem Marquis Posa an den König die Forderung stellt: "Sire, geben Sie Gedankenfreiheit !".

Am 16. März verliest Gouverneur Wickenburg am Grazer Hauptplatz ein Patent Kaiser Ferdinands, das die Aufhebung der Zensur sowie eine Verfassung zusichert.

Anfänge einer organisierten Arbeiterbewegung mit der Gründung des "Unterstützungsvereines für Buchdrucker- und Setzergehilfen", der erkrankten und arbeitsunfähigen Mitgliedern Hilfe gewährt.

Am 31.März führt die Erhöhung des Brotpreises zum sogenannten "Gratzer Bäckersturm" durch die verzweifelte Bürger- und Arbeiterschaft. Am Tag darauf richtet sich der Protest gegen die Fleischhauer im Kälbernen Viertel.
Die akademische Legion unter dem Oberbefehl des Bürgerobersten Josef Andreas Kienreich sowie die Bürgergarde und das unformierte Bürgercorps unter Bürgermeister Dr. Andreas Hüttenbrenner sorgen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

Erzherzog Johann wird am 29. Juni in Frankfurt zum Reichsverweser gewählt.

Als in Wien die Oktoberrevolution ausbricht, brechen auch 600 Studenten und Arbeiter aus Graz auf, um die Wiener Kämpfer um soziale Reformen zu unterstützen. Dort werden sie sofort von der Armee entwaffnet und ihr Wortführer Dr. Vinzenz von Emperger verhaftet und zu 18 Jahren Festungshaft verurteilt.
Das Revolutionsjahr 1848 bringt nicht nur die Aufhebung der Grundherrschaften, sondern auch die Epoche der Gründerzeit, die sich in der Architektur im Historismus äußert. Das liberale Bürgertum bevorzugt den der Renaissance nachempfundenen Baustil, die Deutschnationalen und Konservativen die als altdeutsch empfundene Gotik.

Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz schlägt mit der Südarmee des Kaiserreichs Österreich während des ersten italienischen Unabhängigkeitskrieges am 25. Juli 1848 in der Schlacht bei Custozza die sardische Armee vernichtend.

Am 2. Dezember dankt Kaiser Ferdinand I. ab; ihm folgt der 18-jährige Franz Joseph I. als neuer Kaiser (1830-1916).

1848

Revolutionsjahr WickenburgPatent Kaiser Ferdinands Freicorps
Unterstützungsverein Hüttenbrenner
Erzherzog JohannErzherzog Johann Erzherzog Johann Emperger
custozza Radetzky Kaiser Franz Joseph I.

Joseph IV. Othmar Ritter v. Rauscher (1797-1875) studiert in Wien zuerst Rechtswissenschaften und dann Theologie. 1832 wird er Direktor der orientalischen Akademie. 1849 ernennt ihn der Salzburger Erzbischof Friedrich zu Schwarzenberg zum Fürstbischof von Seckau (1849-1853). Danach erfolgt die Ernennung zum Fürsterzbischof der Erzdiözese Wien und die Erhebung zum Kardinal. Als Titelkirche bekommt er Santa Maria della Vittoria in Rom zugewiesen. Als Mitglied des Herrenhauses bekleidet er einen Sitz im Reichsrat.

1849

Fürstbischof Rauscher

Stahlstich Kalvarienberg Kuwasseg Graz

1850

Graz

Wilhelm Freiherr Kalchergger von Kalchberg erhält das Kommando über den Schloßberg und beschäftigt sich in der Folge mit dessen Geschichte. 1851 erscheint das Büchlein "Der Grazer Schloßberg und seine Umgebung", in welchem er einige interessante Details beschreibt: "Alle Wege und Stege sind mit Bedacht auf Fernsicht und Bequemlichkeit angelegt, mit Geländern und Bänken versehen, von Bäumen und Sträuchern beschattet und führen größtentheils zu überraschend schönen Ruheplätzen."

1850 bis 1861 Bürgermeister Dr. Johann Edler von Ulm.

Anstelle des dritten Sacktores ensteht das neue Inquisitenhaus, ein im Volksmund als "Kriminal" bezeichnetes Gefängnis.

In der Leonhardstraße wird der spätere Burgschauspieler und Freund von Johann Strauß, Alexander Girardi, geboren. Während seiner Gesellenzeit als Schlosser spielt er am Theater des Katholischen Gesellenvereines am Kaiser-Franz-Joseph-Kai 50.

Kalchberg Dr. Johannes Ulm Kriminalgeäude
Girardi Girardihaus Girardi

Franz Sales Englhofer gründet im Herbst ein Kaffeehandelsgeschäft, aus dem sich ein Werk zur Bonbonerzeugung entwickelt.

1851

EnglhoferEnglhofer

Die Brüder Johann, Ludwig und Anton Kleinoscheg begründen in Gösting eine Champagnerfabrik. Nach dem Auscheiden aus der Firma wird Johann Mitbegründer der Grazer Eskompte-Bank und der Handelsakademie sowie Förderer zur Errichtung der Hilmteichwarte und der Schloßbergbahn. Anton Kleinoscheg Kleinoscheg Johann Kleinoscheg Hilmwarte

Das Barockpalais des Jahres 1725 in der Sackstraße wird zum "Hotel Erzherzog Johann" mit einem Wintergarten 5-geschossigem Innenhof adaptiert.

Erzherzog Ludwig besucht am 22. Mai für einige Tage Graz und wird bereits in Stübing von seinem Bruder Erzherzog Johann empfangen.

Nachdem der aus dem ungarischen Szegedin kommende Joseph Körösi gemeinsam mit Konrad Michalky aus Piber zuerst die Hofrichterische Kettenfabrik in Graz erwerben kann, wird 1852 seine Fabriksbefugnis von der Kreisregierung zur "Erzeugung von Drahtnägeln, Metallwaren und Maschinen" erweitert und er kauft vom Bäckermeister Johann Gartler um 24000 Gulden am Mühlgang In Andritz die Trummermühle, auf derem Areal er eine Maschinenfabrik baut.

1852

Hotel Erzherzog Johann Erzherzog Ludwig Wiener Zeitung
Körösi Körösi Maschinenfabrik Andritz

Bischof Ottokar Maria Graf v. Attems (1853-1867). In seine Amtszeit fällt die endgültige Vereinigung der Diözesen von Leoben und Seckau.

Palais Kottulinsky und Künigl.

1853 Bischof Ottokar Maria Graf von Attems Palais Kottulinsky Kottulinsky Palais Künigl
Die aus Westfalen in Deutschland stammenden Brüder Johann Peter und Julius Reininghaus übernehmen nach ersten Berufserfahrungen in Wien beim Braunternehmer Mautner von Markhof 1853 das Mauthaus am Steinfeld, die Königshofer Brauerei in Baierdorf bei Graz, und bauen sie zu einem Großbetrieb aus und erweitern den Besitz um die erste steirische Spiritus- und Presshefefabrik sowie eine Likörfabrik. 1871 errichten sie eine vollkommen neue Brauhausanlage mit Mälzereigebäuden und ausgedehnten Kellern, in der 700 Beschäftigte Arbeit finden. Johann Peter Reininghaus wird in Anerkennung seiner wirtschaftlichen Leistung in den Adelsstand erhoben; als Kunstliebhaber lernt er den jungen Peter Rosegger kennen, dem er ein Studium in Laibach und Graz ermöglicht. Reininghaus Reininghaus Reininghaus
Reininghaus Reininghaus

Der Schriftsteller und spätere Freimaurer Leopold Ritter von Sacher-Masoch kommt 1854 mit seinem Vater Leopold sen. nach Graz und lebt im Eckhaus in der Jahngasse 9 (im späteren Elternhaus von Dr. Karlpeter Elis - ein steinernes Wappenschild mit den Initialen "S" und "M" erinnert daran). Er studiert Rechtswissenschaften, Mathematik und Geschichte an der Karl-Franzens Universität und ist Corpsstudent und Stifter des Corps Teutonia Graz. 1856 promoviert er zum Doktor der Philosophie und habilitiert sich als Privatdozent für die „Österreichische und allgemeine Geschichte der neueren Zeit“. In dieser Zeit schreibt Sacher-Masoch fast jedes Jahr ein neues Buch, in denen er seine ersten Affären mit Frauen, wie der Arztgattin Anna v. Kottowitz, der Schauspielerin Caroline Herold oder Fanny Pistor, literarisch verarbeitete. Darunter der berühmte Roman "Venus im Pelz", der seinen Zeitgenossen, den Grazer Psychiater Richard von Krafft-Ebing, zur Einführung des Terminus 'Masochismus" in seiner Schrift „Psychopathia sexualis“ inspirierte, um das Schmerz- und Demütigungsverhalten in Beziehungen zu dominanten Frauen zu beschreiben. 1866 gründet er mit dem Grazer Buchdrucker Josef Pock die Zeitschrift „Die Gartenlaube für Österreich“ und übernimmt deren Leitung, die er jedoch bereits ein Jahr später nach Kontroversen wegen seines „großösterreichischen“ Programms wieder abgibt. Nach einem einjährigen Intermezzo in Salzburg kehrt Sacher-Masoch 1871 wieder nach Graz zurück, wo er dann, seine erste Frau, die Handschuhmacherin Angelika Aurora (Laura) Rümelin, kennen, die sich ihm beim ersten Zusammentreffen zur Tarnung als vornehme russische Gräfin „Wanda von Dunajew“, entsprechend der Protagonistin in seiner Novelle "Venus im Pelz", vorstellt. Analog zu dieser Romanfigur übernimmt „Wanda“ auch deren Rolle in ihrer späteren Ehe, indem sie als „Herrin“ ihren Mann Leopold despotisch unterwirft und physisch und psychisch quält. Die Trauung des Paares fand dann am 12. Oktober 1873 in der Stadtpfarrkirche „Zum Heiligen Blut“ statt. Am Abend dieses Tages gab es im „Thaliatheater“ eine Vorstellung, zu deren Besuch Sacher-Masoch seine Frau ersucht, ihren hellroten, bis an die Erde reichenden, ganz mit Hermelin gefütterten Pelz anzuziehen und dazu einen weißen Spitzenschleier um den Kopf zu schlingen, sodass sich alle Augen in dem voll gedrängten Saal auf sie richteten. Unmittelbar danach übersiedelte das Paar aus Angst vor der Cholera für drei Jahre nach Bruck an der Mur, wo auch die beiden Söhne Alexander und Demetrius zur Welt kommen. Zunächst nehmen sie sich im Brauhaus „Barbolani“ eine kleine Wohnung, um dann mit ihrem Dienstmädchen Marie in die sogenannte „Tillsche Mühle“, direkt am Eingang der Stadt, am Ufer der Mur gelegen, zu übersiedeln.Es folgen sehr kreativ-exzentrische Jahre, die 1878 auch zu einer Umarbeitung vom „Venus im Pelz“ und nach Budapest als neuen Lebensmittelpunkt führen.

Das um 1800 erbaute Eckhaus an der Jahngasse 9 zur Wickenburggasse wird auch Wohnsitz von Peter Rosegger, Friedrich von Hurter und Dr. Karlpeter Elis.

1854

Sacher Masoch Jahngasse 9 Jahngasse 9

Am 24. April 1854 erfolgt in der Wiener Augustinerkirche vor 70 Bischöfen und Prälaten die Trauung von Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Cousine, der 16-jährigen Herzogin Elisabeth (Sisi) von Bayern, durch Erzbischof Joseph von Rauscher. Kaiser Franz Joseph & Sisi
Da Prinz Alexander von Hessen die nicht standesgemäße Hofdame Julia Jauke heiratet, muss er den Hof verlassen. Er tritt in den österreichischen Militärdienst ein und kommt nach Graz, wo sein ältester Sohn Ludwig am 24. Mai 1854 geboren wird, der es später in England bis zum Lord der Admiralität bringt und seinen Namen Prinz von Battenberg in Mountbatten, die englische Übersetzung, ändern lässt. Sein Enkel, Prinz Philipp Mountbatten von Griechenland, heiratete 1947 die englische Kronprinzessin und jetzige Königin Elisabeth II., womit der jetzige Mann der Queen einen Grazer als Großvater hat. Prinz Alexander von Hessen und Julia Hauke Ludwig con Battenberg Mountbatten
Der gelernte Huf- und Wagenschmied Johann Weitzer errichtet eine Wagenfabrik, die bald auch Fahrzeuge für den Bau des Suezkanals liefert und 1866 als Erster in Österreich Hinterladergewehre erzeugt. Nach dem „Anschluss" 1938 für die nationalsozialistische Kriegsmaschinerie arbeitend entsteht schließlich durch die Fusion mit der Wiener „Pauker Werke AG" der Waggon- und Lokomotivenerzeuger Simmering-Graz-Pauker (SGP). Weitzer Weitzer Simmering-Graz-Pauker

Der Präsident der Hofkammer, Baron von Kübeck, beauftragt 1843 den venezianischen Ingenieur Carl Ritter von Ghega mit dem Bau der Semmeringbahn. 20000 Arbeiter lassen eine Strecke mit 16 Viadukten, 15 Tunnels und 100 Brücken entstehen. Mit dem Abschluss der Arbeiten zwischen 1848 und 1854 zur Überwindung des Semmerings , der bis dato noch mit der Postkutsche überwunden werden musste, kann die Südbahnverbindung von Wien über Graz nach Triest geschlossen werden und am 17. Juli der erste Zug über den Berg dampfen. "Das kohlfinstere Loch war schier so groß, dass darin ein Haus hätte stehen können, und da ging eine Straße mit zwei eisernen Leisten daher. Dann hat sich auf der eisernen Straße ein kohlschwarzes Wesen genähert. 'Kreuz Gottes', rief mein Pate, 'da hängen ja ganze Häuser dran.' Und wir sahen einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und aus den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus." (Peter Rosegger)

Carl.Ghega Semmeringtunnel semmering Semmeringbahn Semmering

Unter der Leitung des aus Novi Vrbas in der Batschka kommenden Stadtbaumeisters Jakob Bullmann werden 60% der Grazer Gründerzeithäuser, darunter auch der Industriebau der Seifenfabrik, errichtet.

In der Mandellstraße wird das Cafe "Aufschläger" als Nachtlokal eröffnet. Später wird es in Cafe "München" und schließlich in den 50er-Jahren zum "Theatercafe" umbenannt.

1855 Jakob Bullmann Seifenfabrik Theatercafe Theatercafe

Die von Josef Kullnig herausgegebene Tagespost erscheint am 17. Jänner das erste Mal.

Anlässlich des Besuches von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Gattin Elisabeth wird in der Annenstraße ein Triumphbogen sowie am Anfang der von Pittoni- auf Elisabethstraße umgetauften Prachtstraße eine hölzerne "Elisabethsäule" mit der Büste der Kaiserin errichtet.

Beginn der Errichtung der Ringstraße mit Burg-, Opern- und Joanneumring.

1856

Tagespost Annenstraße Annastraße Elisabethsaeule
In dem Roman „St. Ägidiuskirche in Graz“ beschäftigt sich Joseph Freiherr von Erben mit den näheren Umständen der Tattenbach‘schen Verschwörung. Darin finden sich auch Schilderungen über Graz: “Auf den Gassen wurde es lebhaft, die Leute gingen zur Kirche oder kamen aus derselben. Alles hatte ein feierliches, dem gottgeweihten Tage würdiges Aussehen. Die Leute waren mit ihren Feierthagskleidern angethan, deren Luxus aber durch die Polizei-Verordnung vom Jahre 1659 eingeschränkt worden war, worin den verschiedenen Ständeclassen vorgeschrieben wurde, welche Kleider ihnen zu tragen gestattet wären. Die Bauern in ihren blauen Jacken und rothen Weste, den schwarzledernen kurzen Hosen, blauen Strümpfen, Bundschuhen und den runden Hüten mit spitzem Gupfe sahen damals lange nicht so gut aus, wie die jetzigen Landleute in der obersteier’schen Tracht. Die Bürger in ihren Festgewändern, meist von schwarzer Farbe, mit weiten bauschigen Hosen, um den Leib einen breiten Gürtel von lackirtem Leder mit einer stählernen oder silbernen Schnalle zusammengehalten, ihre Ehefrauen am Arme führend, welche meist in weiten damstenen Kleidern einherrauschten, mit dem silbernen Gürtel geschmückt und auf dem Kopfe Hauben von schwarzem Tuche oder Sammt mit Steinmarder- oder Fuchsrücken verbrämt. Die größte Menge strömte zur St. Aegidiuskirche, da sie, wie noch jetzt, ihres schönen gothischen Baues und der vielen historischen Denkmale wegen, die für den Steiermärker so erinnerungsreich sind, besonders besucht war. Doch sah es zur Zeit unserer Geschichte noch ganz anders bei der alten Kirche aus als jetzt; das Burgthor war wegen der einst drohenden und oft wiederkehrenden Türkengefahr zugemauert worden, und nur ein kleines, in der Regel aber geschlossenes Pförtchen führte durch den Wall hinaus. Rund um die Kirche und das Mausoleum zo sich ein kleiner Friedhof, der damals noch benützt wurde. Die ziemlich nidere Mauer führte auf der Seite gegen die Burg hin, bis zu jenem Pfeiler, der den aus der Burg in die Kirche führenden, dreistockhohen Gang trug. Wo jetzt das Theater steht, befand sich 1610 und 1671 der zur Burg gehörige Garten, und von dem Collegium der Jesuiten – dem jetzigen Priesterhause – führte über die Bürgergasse ein gedeckter Gang zur Kirche. Im Winkel, welchen das Mausoleum und das heutige Militär-Commando bilden, befand sich ein Häuschen. Vor der Friedhofsmauer standen einzelne Gruppen von Bürgern und Landleuten. Der alte Mesner in seinem schönsten rothen Gewand lehnte vor der kleinen Thüre, welche hinter dem Hochaltare gegen das Burgthor zuführt, und harrte auf die geistlichen Herren, welche das Hochamt halten sollten.

1857

Die St. Aegidius-Kirche in Graz Burg

.Am 27. Juli erfolgt nach 18 Jahren Bauzeit die Eröffnung der durchgehenden, 577 km langen Strecke der k.k. Südbahn oder "Erzherzog-Johann-Bahn" von Wien-Südbahnhof über den Semmering und Graz nach Triest-Centrale.

Von Triest aus startet auch die von Bernhard Freiherr von Wüllerstorf-Urbair befehligte österreichische Fregatte Novara zu ihrer Weltumsegelung.

Südbahn Novara Novara

Graz St. Veit Ulrichsbrunn Geidorf Moserhofschlößl

Der Grazer Schriftsteller Karl Gottfried Ritter von Leitner (1800-90), der nach dem Studium der Rechte und der steiermärkischen Geschichte als Gymnasiallehrer in Cilli und Graz tätig ist, wird 1858 von Erzherzog Johann zu einem der drei Kuratoren des Joanneums ernannt. Im dort entstandene Leseverein gibt er die „Steyermärkischen Zeitschrift“ heraus, deren Redaktionsmitglied er auch ist, und begründet den "Hhistorischen Vereins für Innerösterreich". Für das große Werk „Ein treues Bild des Herzogthums Steiermark“ verfasst er die bis heute beste und umfassendste Biographie Erzherzog Johanns. Zu Leitners Freundes- und Bekanntenkreis zählten bekannte Dichter wie Johann von Kalchberg, Joseph von Hammer-Purgstall, Anastasius Grün, Jakob Lorber und Franz Grillparzer. Für einen seiner Gedichtbände widmet ihm Schubert 8 Leitnerlieder.

Katharina Prato ist das Pseudonym der Grazer Kochbuchautorin Katharina Pratobevera, die ihren Gatten, den Postdirektor und Konservator von Steiermark und Kärnten, auf dessen Dienstreisen begleitet und dabei in den Gasthäusern Kochrezepte sammelt, die sie1858 in dem 348 Seiten starken Kochbuch "Süddeutsche Küche" bei Leykam in Graz veröffentlicht. Das Kochbuch wird zu einem in mehrere Sprachen übersetzten Verkaufsschlager, sodass es schließlich in der 77. Auflage 1048 Seiten umfasst.

1858

Leitner PratoPrato

1860 Eröffnung der Graz-Köflacher-Bahn.
Dem Wunsch der Voitsberger-Köflacher-Maria Lankowitzer Steinkohlengewerkschaft entsprechend, die in den weststeirischen Revieren abgebaute Kohle nach Graz zu transportieren, erlaubt ein kaiserliches Privilegium den Bau und Betrieb einer „Locomotiv-Eisenbahn“ von Köflach nach Graz. Ab 3. April 1860 führt die Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbau-Gesellschaft diese Eisenbahnstrecke im Eigenbetrieb.
Kohlegassen am gemeindeeigenen Betriebsgelände des städtischen Gaswerkes zwischen Schönaugasse und Conrad--von-Hötzendorf-Straße.

Der Dichter und Schauspieler Johann Nestroy übersiedelt im November 1860 nach Graz, wo er seinen neuen Alltag im Ruhestand genießt: "Morgentee, Friseur, Zeitungen lesen, Spaziergang, um Appetit zu bekommen, im Leonharder Wald oder auf dem Schloßberg, nachmittags Spielpartie im Kaffeehaus, abends im Theater", wo er eine Loge abboniert hat. Da er sein Leben lang Angst hat, lebendig begraben zu werden, wird er seinem Wunsch entsprechend nach seinem Tod am 23. Mai 1862 drei Tage lang im offenen Sarg aufgebahrt, bevor sein Leichnam nach Wien überführt wird.

1860 Graz-Köflacher-Bahn Gaswerk

Landeshauptmann wird Karl Graf von Gleispach.

Der geborene Wiener und Protestant Moritz Ritter von Franck wird der erste frei gewählte Bürgermeister von Graz (1861-70). Er wohnt im Palais Kees am Glacis. Unter ihm wird das Stadtparkprojekt verwirklicht, indem er die Stadtmauern niederreißen und auf dem ehemaligen Exerzierplatz den Stadtpark anlegen lässt; er führt die ersten Sozialmaßnahmen auf dem Gebiet der Kommunalverwaltung mit der Erneuerung der Gemeindeordung, dem Bau der Wasserleitungen, der Hilmteichanlagen (Hilm = Gatsch, ehemalige Abbaugrube zur Ziegelherstellung), des Städtischen Spitals sowie der Gründung der Volksküche und der Gemeindesparkasse durch.
Mit Kubin, Odörfer, Leidenfrost, Klusemann wohnen ab Mitte des 19. Jh. einige reiche prominente Familien evangelischen Glaubens in Graz.

1861 Karl.Graf v.Gleispach Moritz Ritter von Franck Hilmteich

Der Griesplatz mit seinen Geschäften, Werkstätten und Marktagen ist mit seiner bunten Szene ein typischer Wohnplatz für Zuwanderer. Besonders um die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kommen viele "Neu-Grazer" aus der Untersteiermark in die "Windische Vorstadt". Mit der Auflösung des Niederlassungsverbotes siedeln wieder viele Juden an der Ostseite der nahen Synagoge. Vor allem ist der Platz auch ein Zentrum für Gaststätten: "Zum Roten Kreuz", "Lustiger Bauer", "Schwarzer Bär", "Fünf Lärchen", "Schwarzer Adler", "Zum Goldenen Hirschen", "Goldene Krone" (Ungarische Krone), "Zum Goldenen Lamm", "Weißer Ochse", "Goldener Reichsapfel" (Blauer Stern, Goldener Adler).

Am Grieskai beginnt Anton Pichler mit seiner Huterzeugung.

Griesplatz Josef Pichler

Am 15. Juni Gründung des Grazer Turnvereines. Erster Obmann ist der deutsch-liberale Reichstagsabgeordneter Dr. Karl Rechbauer, erster Turnlehrer Alexander Nimpfling, erstes Turnlokal die ehemalige Bierbrauerei im Schreiner'schen Haus in der Sackstraße 10. Der 1892 in "Allgemeiner Turnverein Graz" (ATG) umgetaufte ATG kauft für 60000 Kronen 1912 den Jahngarten in der Kastellfeldgasse als eigenen Sportplatz.

1862 kaufen Josef und Anna Zankl das Betriebsgelände der kurz zuvor explodierten hafnerschen Pulverstampfe beiderseits des Mühlganges in Gösting und gründen die Lack- und Farbenwerke A. Zankl & Söhne. Das florierende Unternehmen produziert Erd- und chemische Mineralfarben und besitzt als k.u.k. Hoflieferant neben dem Hauptsitz in Graz Zweigniederlassungen in ganz Österreich sowie auch Werke in Triest und Oradea (Rumänien) und beliefert die ganze Welt.

1862 Rechbauer Nimpfling ATG
Zankl Zanklhof

Karl Ludwig von Österreich und seine Frau Prinzessin Maria Annunziata von Neapel wohnen von 1863 bis 1866 in Graz. Ihr Domizil ist das Palais Khuenburg in der Sackstraße 18 (Stadthaus für Maximilian von Schrattenbach, heute Stadtmueum), wo am 18. Dezember ihr erster Sohn, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich, das Licht der Welt erblickt. Als Thronfolger von Kaiser Franz Joseph wird er am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordet.

Gründung der "Akademie für Handel und Industrie" (Handelsakademie) durch die Grazer Kaufmannschaft in der Kaiserfeldgasse. Einer der ersten Schüler ist Peter Rosegger: "Wohlgemut, ungezwungen und natürlich trat Peter in den Kreis von etwa 60 Altersgenossen, ausgerüstet mit sehr wenig Schulweisheit, aber aus seinen Augen glänzte ein helles Licht, das der liebe Gott jenen anzündet, die andere durch dieses finstere Leben zu führen bestimmt sind."

Eugen Spork beleuchtet in seinem satirischen Büchlein „Eisele und Beisele“ die Ereignisse um das große Grazer Sängerbund-Fest: „Graz ist eine Stadt in der Steiermark an der Mur. Seine Bewohner teilen sich dem Berufe nach in: Pensioniste, Beamte, Bürger, Sänger, Turner, Gewerbetreibende und Rinstraßen-Bewunderer. Die Naivetät der Lebensmittel verkaufenden Landsleute streift hart an Grobheit. Auch in Graz gibt’s Hausherrn, welche Parteien mit Kindern nicht aufnehmen wollen. Es gibt viele Kaffeehäuser, darunter mehrere, die obschon im 1. Stock, dennoch bereits Parterre sind; In einigen ist der Kaffee gut; in anderen ist er klein, aber bitter; in wieder andern ist er bitter, aber die Marqueurin ist nicht bitter; mehrere Kaffeehäuser halten sich am Wasser, einige über Wasser  … In Graz wird unter 3 Feuerwerken Eines, und unter 9 Sängerfahrten 7 verregnet. Graz hat jährlich zwei Märkte, mehrere Liedertafeln, 52 Turnausflüge und nur einen Wunderdoktor.

1863

Kar Ludwig & Maria Annunziata Erzherzog Franz Ferdinand Sackstraße.18
Handelsakademie

Ein auf dem Gelände der ehemaligen Stadtmauer, dem Glacis, befindlicher hölzerner Zirkus wird in das 12eckige "Thalia-Theater" (ab 1872 "Stadttheater", ab 1887 "Theater am Stadtpark") mit einem Fassungsvermögen von 1800 Sitzplätzen umgebaut und am 28. März eröffnet.
Carl Millöcker, Absolvent des Konservatoriums der Musikfreune in Wien und Flötist im Theater an der Josefstadt, wird auf Empfehlung von Franz von Suppé mit 22 Jahren als Kapellmeister am Grazer Thalia-Theater engagiert, wo er auch seine ersten komponierten Operetten "Der tote Gast", "Die lustigen Binder" und "Auf dem Schloßberg" zur Ausführung bringt. Zurück in Wien schreibt er dann unter anderem den unzählige Male aufgeführten und vorzugsweise Millöckers Ruhm begründeten "Bettelstudenten", der mit 60 Aufführungen auch in Graz zum meistgespielten Stück wird.

1864 Thalia Thalia Millöcker
Hauptplatz Rebus Panoramahof Schillerplatz Schloss Liebenau

Kaiser Franz Joseph besucht am 4. Juni die Grazer Wechselseitige Versicherungsanstalt.

Nach der Aufforderung von Chefredakteur Adalbert Swoboda, Artikel an die "Grazer Tagespost" zu schicken, übersiedelt Peter Rosegger am 27. April als Hospitant in die Akademie für Handel und Industrie nach Graz.

Die 1853 in Graz, Wickenburggasse 9, geborene Schauspielerin und Sängerin Marie Geistinger übernimmt nach Auftritten in München, Wien, Berlin, Hamburg und Riga 1869 die Leitung des Theaters an der Wien, wo sie auch mit Alexander Girardi auftritt. Als international gefragte "Königin der Operette" wird sie 1877 in Leipzig engagiert, wonach sie 7 umjubelte Tourneen in die USA unternimmt („Es gibt keine zweite Künstlerin auf dem weiten Erdenrund, die diesem eigenen Genre so viel ästhetischen Gehalt abgewinnt und es so geistvoll behandelt wie diese glanzvolle Geistinger“).

1865 GRAWE Svoboda Geistinger

Feldmarschallleutnant Erzherzog Heinrich von Österreich fungiert als Divisionskommandeur unter anderem in Brünn und Graz, wo er in der Geidorferstraße (spätere Heinrichstraße) wohnt. Er kämpft mit Auszeichnung in der Schlacht bei Custozza, in der mit seinem Cousin Erzherzog Albrecht die Italiener besiegt. 1868 geht er mit der Sängerin Leopoldine Hofmann eine morganatische Ehe, worauf er aus dem Kaiserhaus ausscheidet, alle militärischen Funktionen zurücklegt und sich ab da „Graf Waideck“ nennt. 1872 setzt ihn aber Kaiser Franz Joseph per Handschreiben wieder in die Rechte eines kaiserlichen Prinzen ein.

Feldherr Ludwig August Ritter von Benedek von Felsö-Eör, der gegen seinen Willen, auf Befehl Kaiser Franz Josephs das Kommando im Krieg gegen die Preußen übernehmen muss - bei denen der preußische Kapellmeister Gottfried Piefke mit seinem gezogenen Säbel den Takt zum Marsch angibt - und am 3. Juli bei Königgrätz eine Niederlage erleidet, weil das Militär seine Befehle nicht befolgt, zieht sich, alle Schuld auf sich nehmend, verbittert in eine Villa in der Beethovenstraße 4 zurück, wo er am 27. April 1881 vereinsamt stirbt und am St. Leonhard Friedhof begraben wird.

Der im steirischen Marburg geborene Wilhelm von Tegetthoff bekommt nach dem Besuch des Marinekollegs in Venedig vom Marinekommandant Erzherzog Max - späterer Kaiser Maximilian von Mexiko - den Auftrag zur Erforschung einer österreichischen Kolonie, bevor ihm nach ersten Erfolgen im Donaudelta und nahe der Insel Helgoland unter seinem Kommando am 20. Juli in der Seeschlacht von Lissa bei der Insel Vis mit veralteten Holzschiffen ein Sieg gegen die italienische Flotte gelingt. Danach beginnt er mit seiner Reformtätigkeit der k.k. Kriegsmarine, gründet die Marineakademie in Fiume und schickt zur Ausbildung der Seeoffiziere jedes Jahr ein Schiff auf Missionsreise. 1868 überführt er mit der Fregatte "Novara" den Leichnam Kaiser Maximilians von Mexkiko nach Triest. In seinen letzten Lebensjahren hält er sich häufig in Graz und St. Radegund zur Erholung auf.

Der Botaniker Hubert Leitgeb hält im Herbst 1866 an der Uni Graz als Privatdozent seine erste Lehrveranstaltung ab. 1873 wird er zum Direktor des botanischen Gartens am Joanneum ernannt.

1866 Heinrich von ÖsterreichHofmann Erzherzog Heinrich
Benedek Königgrätz Piefke Benedek Benedek
Tegetthoff Lissa Lissa Leitgeb

Bischof Johannes Baptist Zwerger (1867-1893), Bahnbrecher für die Regotisierung.

Domherr Alois Karlon (1881-1902) ist der Begründer des „Grazer Volksblattes“, des Katholischen Pressvereines und der katholisch-konservativen Partei.

21. Dezember 1867: Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie.

Der in Marburg geborene Ottokar Kernstock tritt nach seinem Studium an der Grazer Universität in das Stift Vorau als AugustinerChorherr ein. Unter anderem dichtet er das 1930 als Bundeshymne eingeführte Kaiserlied "Sei gesegnet ohne Ende, Heimaterde wunderhold !"

1867 Bischof Johannes Baptist Zwerger Johann Karlon Volksblatt Kernstock
Österreich-UngarnDoppelmonarchie
Im November Gründung des Arbeiterbildungsvereines mit dem Beinamen "Vorwärts".. 1868  

Bau der landschaftlichen Turnhalle mit einem Freiturnplatz auf dem ehemaligen Areal eines Heu- und Holzmagazins (heute Landesturnhalle in der Jahngasse, nach "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn benannt).

Ludwig Eduard Boltzmann übernmmt an der Grazer Universität die Professur für Theoretische Physik. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Thermodynamik und Probleme der Luftfahrt. Die erste Studentin für Physik in Graz wird 1876 seine Gattin.

1869 LandesturnhalleTurnvater Jahn Boltzmann

Guido Freiherr Kübeck von Kübau wird k.k. Statthalter von Steiermark.

Für die Hausnummern der Grazer Straßen wird das "Winkler'sche System" eingeführt, in welchem der Wiener Schilderfabrikant Michael Winkler festgelegt hat, dass alle Straßen rechts gerade und links ungerade, von der Stadtmitte zum Stadtrand führende Hasunummern besitzen sollen.

In Bahnhofsnähe, am Areal des landwirtschaftlichen Versuchshofes in der Annenstraße, findet in einer riesigen provisorischen Halle die erste Industrie- und Landwirtschaftsausstellung, die Vorläuferin der Grazer Messe, statt. 1880 übersiedelt die Ausstellung dann in einen festen Bau, die Industriehalle, in der neben Rinderschauen auch Bällen 1883 die erste "kulturhistorische Schau" stattfindet.

Am Lend entsteht mit den Puntigamer Bierhallen das größte Unterhaltungs-Etablissement der Stadt.

D.H. Pollak gründet in Graz eine Schuhfabrik, die spätere "Humanic", die als größter Schuhproduzent Mitteleuropas vor allem in die europäischen Länder und nach Übersee exportiert.

Zuzug der italienischen Familien Eustacchio, Tosco und Aita, die in St. Peter mit ihren italienisch sprechenden Arbeitern Unternehmungen zur Zeigelherstellung errichten.

1870

Bahnhof Versuchshof Industriehalle
Humanic
Eustacchio Ziegelwerk
Eustacchio Eustacchio

 

Bürgermeister Moritz Ritter von Schreiner (1970-73).
Moriz Edler Ritter von Blagatinschegg-Kaiserfeld, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, ist von 1871-84 Landeshauptmann der Steiermark. Einer seiner Verdienste ist die Durchführung des Volksschulgesetzes.

Die Initiative des Bürgermeisters Moritz Ritter von Franck für eine gärtnerische Ausgestaltung des Glacis findet mit der Eröffnung des "Stadtparks" seinen Abschluss.

Am 7. April stirbt Wilhelm von Tegetthoff nach einer Lungenentzündung im Alter von 43 Jahren in Graz. Sein Sieg in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866 gegen die Übermacht der italienische Flotte machte ihn zu einem Seehelden.

Der in Graz geborene Offizier, Diplomat, Orientalist, Historiker, Altertumswissenschaftler und Reiseschriftsteller Anton Prokesch von Osten (1795-1876), Stiefsohn von Julius Franz Schneller, nimmt nach seinem abgebrochen Rechtsstudium in Graz an der Seite von Erzherzog Carl am Krieg gegen Napoleon teil, wird Professor für Mathematik an die Kadettenschule in Olmütz und Adjudant von Feldmarschall Fürst Karl Schwarzenberg. Er verkehrt in den Zirkeln von Joseph von Hammer-Purgstall in Wien sowie im Salon seiner Jugendliebe Marie Pachler in Graz. Mit seiner Versetzung als Kriegsberichterstatter zu den Marineeinheiten der Levante sammelt er auf seinen Reisen durch Griechenland, Kleinasien, Ägypten, Syrien und das Heilige Land auch Material für seine Reiseliteratur. Prokesch wird als Gesandter nach Italien, Athen, Berlin, Frankfurt am Main und Konstantinopel geschickt, wo er im griechischen Freiheitskampf zwischen Griechen und Ägyptern vermittelt. Ab 1871, dem Jahr seiner Pensionierung und seiner Erhebung in den Grafenstand "von Osten", wohnt er hauptsächlich in seinem Palais in der Elisabethstraße in Graz, bereist Nordafrika und Frankreich und verarbeitet in seinen "Selbstbiographischen Aufsätzen" sein Verhältnis zum Herzog von Reichstadt. 1868 wird ihm das Ehrendoktorat der Universität Graz verliehen. Der berühmte Baumeister Theophil Hansen entwirft für ihn 1872 im Friedhof von St. Leonhard eine Grabkapelle im byzantinischen Stil.

1871

Schreiner Landstube Kaiserfeld Franz Xaver BlagatinscheggMaria Blagatinschegg
Tegetthoff Prokesch-OstenProkesch von Osten

Ludwig Alois Friedrich Ritter von Köchel, der Erzieher der vier Söhne Erzherzog Karls und Urheber des Köchel-Verzeichnisses, beginnt seine Biographie über Johann Joseph Fux mit dem Kapitel "Heimatland": "Von dem weithin gesehenen Schöckelberge im Grazerkreise Steiermarks senkt sich gegen Süden durch mehrere Meilen ein anmutiges Hügelland ab, westlich von der Mur, östlich von der Raab begleitet. Wälder, Fluren und Wiesen lösen sich ab, es gedeiht dort der Mais, das Obst und der Wein in den nach Süden offenen Lagen. ..."

Unter dem Pseudonym „Heinrich von der Dreysen“ schreibt 1872 der Buchdrucker Leopold Stiefvater den Roman „Der Scharfrichter von Graz“.

Im sogenannten "Bierkrawall" Aufstand der erbosten Arbeiterschaft, die wegen der Erhöhung des Bierpreises um 1 Kreuzer die Bierhäuser und Bierhallen stürmen

1872 erscheint der Roman "Carmilla" des Iren Sheridan Le Fanus, der auf einem eine Tagesreise von Gratz entfernten "styrian castle" spielt, wo die lesbische Vampirin Camilla in leidenschaftlicher Liebe zur jungen Laura entflammt, die ihr erzählt: "Sie haben bestimmt von dem grässlichen Aberglauben gehört, der in der Steiermark, in Mähren, in Schlesien, im türkischen Serbien, in Polen und sogar in Russland grassiert, dass es Vampire gibt." Ursprünglich sollte der Roman "The Undead" heißen, angeregt durch den 1836 verfassten Reisebericht "A Winter in Lower Styria" von Basil Hall, der die Steiermark als graues, finsteres Land mit hässlichen Menschen beschreibt. Die historischen Vorbilder für die beiden Frauen sind Elisabeth Bathory, die sich durch das Blut junger Mädchen verjüngt habe (Sacher-Masoch erzählt davon 1874 in seinem Roman "Ewige Jugend"), und die Vampirin Barbara von Cilli, die Frau von Kaiser Sigismund, König von Ungarn und Kroatien.

1872 Köchel

SwietenVampirismus BathoryCarmilla Sheridan

1873-85 Bürgermeister Wilhelm Kienzl (1827–1902).

Eröffnung des Grazer Westbahnhofes (Ostbahnhof) mit einer Zugsverbindung nach Ungarn.

Der von Jean Jules Klagmann für die Wiener Weltausstellung gestaltete "Franz-Joseph-Brunnen" wird um 34000 Gulden für den Grazer Stadtpark gekauft.

Der Arzt namens Clar lässt auf der Anhöhe des nach dem Stift Rein benannten Grazer Reinerkogels von Baumeister Fekonja eine Aussichts-Gloriette aus Holz errichten, die Anfang Mai 1873 eröffnet wird und deren Aussichtswarte über die sogenannte "Jakobsleiter", einer Freitreppe von 150 Stufen, erstiegen werden kann.

Der Nervenarzt Richard Freiherr Krafft von Festenberg in Baden-Baden wird 1873 Direktor der neu errichteten steiermärkischen Landesirrenanstalt Feldhof in Graz ("Puntigam links") und erhält gleichzeitig den Lehrstuhl für Psychiatrie an der Grazer Universität übertragen. Am 22. Mai 1874 eröffnet er die Klinik in Graz und leitet diese bis zum Jahre 1880. Er beschäftigt sich eingehend mit dem Hypnotismus und bekannte Fachausdrücke wie „Sadismus“ oder „Masochismus“ stammen von ihm.

Am 13. Mai 1873 ehelicht in der Wallfahrtskirche von Mariagrün Peter Rosegger seine erste Frau Anna Pichler.

1873

Kienzl Ostbahnhof Ostbahn Stadtparkbrunnen
Jakobsleiter Reinerkogel Richard.v.Krafft-Ebing Feldhof Peter Rosegger & Anna Pichler

In der Sackstraße wird von Carl Kastner und Hermann Öhler das Kaufhaus Kastner & Öhler gegründet und zum größten Warenhaus Österreichs ausgebaut.

Kastner Öhler Kastner & Öhler

Kastner Kastner & Öhler Kastner Kastner&Öhler Kastner Kastner & Öhler Kastner & Öhler Kastner
Gösting Schloss Gösting Daniel Mariahilferplatz
Wiesler
1874

Graz Stadtpfarrkirche Goldene Birn Steiermärkische Weinstube

Als der Bourbonen-Prinz Don Alfonso de Austria Este und seine Gemahlin Donna Blanca Maria de las Nieves ihre Villa in der Körblergasse beziehen kommt es bei seinem sonntäglichen Kirchgang am 28. April vor dem Dom zu Protesten von etwa 1000 national-liberalen Studenten-Demonstranten, weil der Prinz seinem Bruder im blutigen Kampf um die spanische Krone geholfen hatte. Opfer dieses Kulturkampfes zwischen dem katholisch-klerikalen und liberal-nationalem Lager um die endgültige Trennung von Kirche und Staat wird auch die Mariensäule, die von ihrem Standort am Beginn der Sackstraße am Hauptplatz auf den Karmeliterplatz ausweichen muss.

1875 kommt Nikola Tesla aus Karlovac zum Studium an die k.k. Technische Hochschule Joanneum in die Raubergasse nach Graz und belegt bei Professor Pöschl die Vorlesungen aus Technischer Physik. Nach anfänglich vorzüglichem Studienerfolg legt er 1878 keine Prüfungen mehr ab und wird "wegen Nichteinzahlung des Unterrichtsgeldes" als Student ausgeschieden. Nach Reisen durch Österreich-Ungarn und Frankreich gelangt er in die Vereinigten Staaten, wo er mit 112 Patenten ein Erfinder von Weltformat und Pionier der Elektrotechnik wird. Neben der Erfindung des Radios stehen folgende weiteren Patente mit ihm in Verbindung: der Wechselstrommotor, die Funkfernsteuerung, Neonröhre, die Anfänge der Robotertechnik, das Radar, das magnetisches Drehfeld, die Tesla-Spule, Tachometer, der Thermomagnetischer Motor und die Teslar-Turbine. Nach seinem vereinsamten Tod in einem New Yorker Hotel wird die Abkürzung seines Namens Tesla zur Maßeinheit "T" der magnetischen Flussdichte.

1875

Don Alfonso de Bbourbon y Austria Este Villa Nieves Don Alfonso Dreifaltigkeitssäule
Tesla

Der prominenteste Vertreter der politischen Dichtung im österreichischen Vormärz, Anastasius Grün (eigentlich Anton Alexander Graf Auersperg) stirbt in seinem Haus in der Elisabethstraße 5.

Der Kulturhistoriker und Schriftsteller Richard Peinlich (1819-82), der am Grazer k. k. Staatsgymnasium ausgebildet wird und dann in das Benedictinerstift Admont eintritt, wird 1844 Präfekt im k.k. Konvikt zu Graz, später Feldkaplan des steirischen Freicorps in Italien, sodann Redakteur des Wochenblattes "Der katholische Christ" in Ofen und schließlich 1861 Direktor des k.k. Staatsgymnasium in Graz. Nach seinem Ausscheiden aus dem Lehrfach, beschäftigt er sich mit historischen Studien und veröffentlicht nebst zahlreicher Aufsätze die "Geschichte des Gymnasiums in Graz", die "Geschichte der Pest in Steiermark" oder , die "Chronistische Uebersicht der merkwürdigsten Naturereignisse, Landplagen und Culturmomente der Steiermark von 1000—1850".

Für den Handelsmann Johann Kleinoscheg wird in der Sackstraße das "Kleinoscheghaus" (Kleiderbauerhaus) errichtet.

1876

Anastasius.Gruen Dreifaltigkeitssäule

Der in Vilnius (Litauen) geborene Kalinowski tritt 1877 in Graz in den Orden der Unbeschuhten Karmerliten ein und erhält den Ordensnamen Raphael vom hl. Joseph. Für seine Förderung des weiblichen Ordenszweiges spricht ihn Papst Paul II. 1991 heilig.

Gründung der Papierfabrik Arland durch Viktor Czerweny.

1877

 

Kalinowski Arland

Errichtung des Erzherzog-Johann-Brunnens am Hauptplatz mit allegorischen Statuen der Flüsse Mur, Enns, Drau und Sann.

Die alteingesessene Kaufmannsfamilie Rochel besitzt am Hauptplatz das Rochelsches.Haus.

1878

Graz Erzherzog-Johann-Brunnen Rochel

Neubau des Südbahnhofes (Hauptbahnhof) im klassizistischen Stil durch Architekt Wilhelm von Aduatz.

Am 7. Juni nimmt mit ungarischen Rossen die erste Pferdetramway (Hipposidirbahn) des Peter Kollmann mit der 2,2 km langen Strecke Südbahnhof - Jakominiplatz ihren Betrieb auf.

Richard Franz Joseph Heuberger der Ältere (*1850 in Graz) quittiert nach dem Technikstudium seine Anstellung als Ingenier bei der Bahn und beginnt mit 27 Jahren ein Musikstudium am Konservatorium in Graz, um nach erfolgreichem Abschluss in Wien die Leitung des Akademischen Gesangsvereines sowie die Direktion der Wiener Singakademie zu übernhemen. Nebenbei arbeitert er als Musikkritiker für verschiedene Zeitungen, wie das “Neuen Wiener Tagblatt”, die “Allgemeinen Zeitung”, die "Wiener Neue Freie Presse" und die “Neuen Musikalischen Presse”. Unter seinen 50 Kompositionen wird das Libretto "Chambre Separee" seiner Operette "Der Opernball" zu einem echten Schlager.

Die gebürtige Grazer Sängerin Jenny Bürde-Ney tritt berits mit 5 Jahren auf und wird nach Engagements in Olmütz, Brünn, Ofen, Prag und Lemberg zuerst am Kärntnerthor-Theater in Wien und 3 Jahre später an der Dresdener Hofoper verpflichtet. Ab 1878 beginnt sie sich im Frauen-Erwerbsverein für die Verbesserung der Mädchen- und Frauenbildung einzusetzen.

Südbahnhof Südbahnhof

Pferdetramway Pferdetramway
Heuberger Bürde-Ney Lemberg

Leopold von Sacher-Masoch, als Sohn des Grazer Polizeipräsidenten Hofrat Leopold von Sacher-Masoch in Lemberg geboren und mit Angelika Aurora Rümelin verheiratet, die sich analog seiner Novelle "Venus im Pelz" Wanda von Dunajew nennt, ist bereits mit 20 Jahren Privatdozent für deutsche Geschichte in Graz. Ab 1879 gibt er in Graz die illustrierten Monatshefte „Schwarze Punkte“ heraus. Ursprünglich in der „Grazer Morgenpost“ erschienen, werden sie wegen ihrer aggressiven Kritik bald abgelehnt, so dass sie zuerst als selbständige Exemplare in der Druckerei „Gutenberg“ gedruckt, schließlich aber von einem ungarischen Verlag in Groß-Kanizsa herausgegeben werden müssen. In einem Kapitel mit dem Titel „Die Schwarzen Punkte und ihre Gegner“ schreibt Sacher-Masoch: „Wenn man, wie ein echter Schildbürger, Graz niemals verlassen, oder höchstens Reisen nach Puntigam und Judendorf unternommen hat, kann man immerhin Goethe’s Vers aus den römischen Elegien variieren und Ausrufen: ‚Eine Welt zwar bist du o Graz !‘ Und wenn man auch nur für einige Jahre an die Grazer Scholle gebunden ist, kann man sich vielleicht in der Illusion wiegen, in einer großen Stadt zu leben; sobald man aber wieder einige Zeit in der wirklich weiten Welt zugebracht hat und in die Stadt der Grazien zurückkehrt, erschrickt man geradezu, wie klein das alles ist. Allerdings ist Graz ausgedehnt, aber, wie es scheint, nur, damit neben 10000 intelligenten Menschen, 80000 Abderiten darin Platz haben; in jeder anderen Beziehung ist es ebenso klein wie die Hauptstadt von Liliput, in der jeder halbwegs gut entwickelte Mensch für einen Riesen angesehen wird und den kleinen Köpfen und Herzen entsetzliche Furcht einflößt. Was Bildung betrifft, stehen manche unserer Abderiten mit den Kaffern und Hottentotten in der That auf gleicher Stufe. Wäre Rosegger’s Talent nicht durch die Protection eines Dr. Svoboda auf Abwege geraten, so hätte er vielleicht als Volksschriftsteller wirklich etwas leisten können.

1879

Sacher-Masoch Wanda von Dunajew Venus im Pelz Sacher-Masoch

 

Die Burggasse 16 in Graz ist 34 Jahre lang, von 1880 bis 1918, die Heim- und Wirkungsstätte des steirischen Heimatdichters Peter Rosegger und die Weinstube „Im Krug zum Grünen Kranze“ in der Herrengasse der allwöchentliche Treffpunkt einer Gruppe von liberalen Grazer Künstlern und Kunstinteressierten wie F. v. Hausegger, W. Kienzl, J. Krainz, H. Brandstetter, F. Krauß, J. Gauby, K. Morre oder Hans von der Sann.
Rosegger, der am „unteren" Kluppeneggerhof am Alpl als erstes von sieben Kindern geboren wird, verfasst schon während seiner Lehrzeit als Schneider zahlreiche Schriften, bis schließlich der Redakteur der Grazer Tagespost, Dr. Adalbert Svoboda auf ihn aufmerksam wird. Zusammen mit dem Brauindustriellen Peter von Reininghaus verschaffen ihm die beiden Gönner einen Freiplatz in der „Akademie für Handel und Industrie". Ab 1869 lebt er als freier Schriftsteller und heiratet die Tochter eines Grazer Hutfabrikanten, Anna Pichler. Als diese völlig bei der Geburt ihrer Tochter überraschend stirbt,flüchtet sich Rosegger in die Arbeit und es erscheint eine Serie von erfolgreichen Büchern: „Zither und Hackbrett", „Die Schriften des Waldschulmeisters", „Waldheimat". Ab Oktober 1876 gibt er die Zeitschrift „Der Heimgarten" heraus, die die respektable Zahl von rund 3000 Abonnenten erreicht.1883 schreibt er in dieser über Graz: "O Graz, Du geliebte Stadt! Busch und Wald, Vogelgesang und Frieden, Bergluft und den Blick des weiten Himmels, all das kannst Du geben mitten in Deinem Weichbilde und wer eine Stunde dafür frei hat." und erinnert sich an einen Besuch auf dem Fetzenmarkt: „Damals ging der Fetzenmarkt vom Cirkusgebäude fast bis an die Stelle, wo heute der Stadtparkbrunnen steht. Das war ein Meer von Menschen und Buden und Fetzen. Wenn man ein paar Jahrmärkte zusammenstellt, und ein Volksfest hinein und ein Dutzend Schnaps-, Käse-, Salami-, Kaffee-Boutiquen und etliche dreißig Trödlerhütten und inzwischen jedes noch übrige Stückchen grünen Erdbodens mit Fetzen und Gerümpel düngt und säet vornehme Stadtherren und Stadtfräulein, Bauernvolk, Krämervolk, Studenten, Taschenspieler, kroatische Zwiebelhändler, Juden, Soldaten und ein paar hundert Bettler hinein – so hat man den Fetzenmarkt beisammen, wie er noch vor 15 Jahren war. Gewinnsucht und Elend, Lustbarkeit und Hunger fanden sich ein; es war. als ob der Herrgott eine ganze Welt mit Arm und Reich in Fetzen zerrissen, durcheinandergemengt und auf das Grazer Glacis hingestreut hätte.
Nach seiner zweiten Heirat mit Anna Knaur, dem Roman „Jakob der Letzte" und der Grundsteinlegung für die „Waldschule" am Alpl stirbt Peter Rosegger am 26. Juni 1918 in seinem Krieglacher Landhaus.

1880

Rosegger Rosegger Waldheimat Heimgarten Rosegger
Peter Rosegger Kranz, Gauby, Krainz, Brandstetter, Morre, Rosegger Schwechater Bräu Krieglach

Der Komponist und spätere Opernkrorrepetitor am Städtischen Theater in Graz, Robert Stolz, wird im Palais Inzaghi am Grazer Mehlplatz geboren, wo sein Vater Jakob einen musikalischen Haushalt führt, in dem musikalische Größen wie Brahms oder Bruckner verkehren. Er gilt als musikalisches Wunderkind und beginnt bereits mit 15 Jahren zu komponieren. 1905 nach Wien verpflichtet beginnt er seinen Siegeszug als erfolgreicher Operettenkomponist, ehe er 1939 über Paris in die USA emigriert und erst 1946 nach Wien zurückkehrt.

Der aus Dresden stammende Schauspieler Gustav Starcke ist nach seiner Rückkehr aus Amerika zwischen 1873 bis 1885 Ensemblemitglied am Theater in Graz. Die steirischen Landstände, die 1839 von Bonaventura Hödl dessen gotisiertes Winzerhäuschen auf dem Grazer Schloßberg kaufen, räumen Starkche, der hier schon von 1880 bis 1885 die Sommer verbringt, ein lebenslanges Wohnrecht ein. 1906 schreibt er das “Sommer-Idyll - Stimmungen auf dem Schloßberg in Graz”, worin er in romantischen, schwelgerischen Versen seinen Gefühlen am Schloßberg Ausdruck verleiht: “Wo einst auf steilen Felsen Thomas´Kapelle stand / Schaut heut´ein weißes Häuschen In´s grüne Steirerland / In diesem schmalen Raume, Geschmückt mit got´schem Turm, / Haust Einer hier in Stille, Weitab vom Lebenssturm. / Ob unten oder oben / Es donnert, blitzt und kracht, / Er hinter weißen Mauern / Hüllt sich in grüne Nacht / Aus seinem schmalen Fenster, / Von Epheylaub umblüht, / Grüßt er die Freunde alle / Mit diesem schlichten Lied.” Sein “Kapellenhäuschen” erhält ihm zu Ehren den Namen “Starcke-Häuschen". Drum herum legt er einige Beete an, in denen er Efeu, Stiefmütterchen und Brennende Liebe pflanzt: "Die schwebenden Gärten des Herrn von Starcke!“

Robert.Stolz Robert Stolz Palais Inzaghi Starckehaus Starcke

Der Wiener Ernst Brömer-Elmerhausen radelt Anfang September 1882 per Hochrad in einer Fahrzeit von 12 Stunden und 10 Minuten nach Graz und bringt damit erstmals dieses neue technische Gefährt aus England an die Mur. Bei seiner Ankunft trifft Brömer an der Grazer Nordeinfahrt bei der Weinzödlbrücke auf einige Mitglieder des Klagenfurter Ruderclubs "Nautilus", die gerade im Begriff sind, auch in Graz einen Ruderclub zu formieren, als die Studenten, begeistert vom schneidigen Bicyclisten umsatteln und den "Grazer Bicycle-Club" (GBC), den zweiten Radverein in Österreich, begründen.

1882 Brömer Bicycle

Die Ferdinand-Kettenbrücke (Keplerbrücke) wie auch die hölzerne Albrechtsbrücke (spätere Tegetthoffbrücke) werden durch Eisenbrücken ersetzt.

Das Neutor wird abgetragen und es enstehen die Prestigebauten der Grazer Hauptpost, des Neuen Joanneums und des Justizpalastes.

Wegen der dauernden Überschwemmungen sowie des erbärmlich stinkenden Unrats kommt es zur Verbauung des aus dem Zusammenfluss von Krois- und Leonhardbach gebildeten Grazbaches von der Naglergasse über die Schlögelbrücke (Dietrichsteinplatz) bis zur Schießstattgasse beim Augarten und des Kroisbaches von der Leonhardstraße bis zur Mandellstraße.

1883

Ferdinandbrücke Keplerbrücke Albrechtsbrücke
Schörglschlössl Sparbersbachgasse Grazbachgasse

Anlässlich der kulturhistorischen Landesausstellung in der Grazer Industriehalle Besuch von Kaiser Franz Joseph I. in Graz.

Der Schriftsteller Robert Hamerling lebt ab Herbst 1866 in Graz, wo seine fruchtbarste literarische Schaffensphase beginnt. Am 13. Juli 1889 stirbt er in Stifting im Alter von 59 Jahren.
Im siebenten Jahrgang der Zeitschrift „Heimgarten“ macht sich der Dichter Gedanken über die Grazer Kunstszene: „Graz steht nicht im Rufe einer kunstsinnigen Stadt. Die Werke des Pinsels und Meißels wenigstens finden, wie die Künstler versichern, hier wenige Abnehmer, und immer mühsamer fristet das Theater, immer wieder von Krisen bedroht, sein Leben fort. Fehlt es der Bevölkerung an Neigung für Kunstgenuß? oder an den Mitteln hierzu? oder an Beidem? Ich behaupte: weder an diesen noch an jener. Die Neigung fehlt nicht – warum sollte sie das eben hier? – aber sie schlummert. Sie wird überhöht von einer starken Strömung anderer Art: der regen, mit allen Mitteln geförderten Pflege geselligen Lebens.

Nach einer 101-jährigen Zweckentfremdung - Kaiser Joseph ließ 1782 auch das Stift Seckau aufheben - kaufen die Brüder Alois und Johann Carlon, beide Priester und Domherren in Graz, die heruntergekommene Abtei vom letzten Besitzer, der Vordernberger Radmeister-Communität, zurück und stellen diese den aus der Abtei Beuron vertriebenen Benediktinern als neue Heimstätte zur Verfügung.

Kaiser Franz Joseph Landhaus Hamerling

Wilhelm Kienzl (1857-1941), der Sohn des gleichnamigen Grazer Bürgermeister, kommt nach seinem Musikstudium - unter anderem bei Franz Liszt in Weimar - und Konzertreisen durch ganz Europa nach Graz, wo er zweimal Leiter und Dirigent des des Steiermärkischen Musikvereins wird und er 1884 auch seine berühmteste Oper "Der Evangelimann" schreibt. Als Bewunderer Richard Wagners gründet er den "Grazer Richard-Wagner-Verein", arbeitet als freier Publizist im „Grazer Tagblatt" als Hauptschriftleiter und komponiert die Melodie zu Dr. Karl Renners geschriebenen Gedicht "Deutschösterreich, du herrliches Land", welches bis 1929 als inoffizielle Nationalhymne der Ersten Österreichischen Republik ist.

1884-93 Landeshauptmann Ladislaus Gundaker Graf v. Wurmbrand-Stuppach.


Karl Morré (* 1832 in Klagenfurt), aus einer Gottscheer Kaufmannsfamilie stammend, lebt ab 1848 als Dramatiker und Politiker in der Steiermark. Als steirischer Landtagsabgeordneter und späterer Reichsratsabgeordneter des gemäßigten deutschen Flügels im Wiener Reichsrat tritt er für die Schaffung einer Alters- und Krankenfürsorge für das bäuerliche Volk ein. Als Dichter verfasst er 1885 sein bekanntestes Stück "s' Nullerl".

Die 1855 in Graz als Marianne Preindlsberger geborene Malerin heiratet nach Studien in München und Paris 1884 in der Grazer Stadtpfarrkirche den britischen Landschaftsmaler Adrian Scott Stokes, zieht nach London und wird - beinflusst von den Präraffaeliten - als Mrs. Marianne Stokes eine der führenden Künstlerinnen im viktorianischen England.

1884 Kienzl Wurmbrand-Stuppach Portugall Morre Marianne Stokes Marianne Stokes

1885-97 Bürgermeister Dr. Ferdinand Portugall.
Das Land Steiermark überträgt der Stadt Graz unentgeltlich den Schloßberg.

Irene von Chavanne (* 1863 in Graz) erhält ihre erste Ausbildung als Sängerin am Konservatorium in Wien, bevor sie in Paris und Dresden studiert. 1885 feiert sie ihr Debut an der Dresdner Hofoper, wo sie bis 1915 als Kammersängerin des sächsischen Staatstheaters tätig ist.

Der in Judenburg geborene Maler Josef Arbesser von Rastburg arbeitet nach seiner Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie als Privatstudent in München und Düsseldorf ab 1878 in Venedig, ehe er im Rahmen seiner Offiziersausbildung zu Waffenübungen nach Graz muss. 1885 bekommt er den Auftrag, den neu erbauten Musikvereinssaal als Geschenk an Kronprinzessin Stepanie von Belgien, die Gattin Kronprinz Rudolphs, auszumalen (Stefaniensaal). Weitere Arbeiten sind das Interieur von Schloss Trautenfels für Graf Lamberg, zahlreiche Ansichten aus der Obersteiermark (Brucker Kornmesserhaus) und Graz sowie dieRenovierung der Fresken des "Gemalten Hauses" in Graz.

Das Kronprinzenpaar Stephanie und Rudolph weilen in Graz, um den von der Steiermärkischen Sparkasse finanzierten Stephaniensaal zu eröffnen. Der der Kronprinzessin gewidmete Saal ist drei Stockwerke hoch, 40m lang und bietet 1100 Zuhöhrern, 120 Sängern und 90 Musikern Platz. Besondere Aufmerksamkeit erregt seine von Archtekt Leopold Theyer geschaffene hervorragende Akustik.

1885 Chavanne Arbesser Stefaniensaal Streintz.sche's Haus Stephanie und Rudolph

Grazer Zentralfriedhof mit der Kirche St.Kyrill u.Method.
Ende des 19. Jahrhunderts setzt sich als Bestattungsart auch die Feuerbestattung (Kremation) durch.

1886 Zentralfriedhof Zentralfriedhof Feuerbestattung

Nach den Plänen von Alexander Wielemann und Theodor Reuter Aus- und Umbau des Rathauses durch den Zukauf angrenzender Gebäude im späthistorisch-altdeutschen Stil mit 4 Geschossen und großem Kuppelaufbau sowie 1892 Verzierung der Fassade mit Nischenfiguren bedeutender Österreicher bzw. der vier großen Allegorien: „Die Kunst“, „Die Wissenschaft“, „Der Handel“ und „Das Gewerbe“ vom Bildhauer Hans Brandstetter.

 

1887 Rathaus Rathaus 1892.Rathaus
Rathaus KunstWissenschaftHandelGewerbe Gemeinderatssaal

Zeughaus, Landhaus (Ecke Landhausgasse / Schmiedgasse).

Gustav Stroried schildert in seinen „Grazer Bildern“ Ereignisse auf bestimmten Straßen und Plätzen: „Beim Luegg ist auch der Ausgang der großen Promenade zu suchen, die sich linksseitig des Hauptplatzes und der Herrengasse bis zur Stadtpfarrkirche erstreckt und besonders in den Dämmerstunden der Winterabende stark frequentiert wird. Hier wandelt man, um zu sehen und gesehen zu werden. Die Stadtparkpromenade ist ja im Grunde genommen ein Schauspiel, dessen Genuß man sich im Fauteuil behaglicher hingibt, als im Steh- oder Gehrume. Doch auch zur Anknüpfung und Fortsetzung von Bekanntschaften bietet der Park ein zweckdienliches Feld, ebenso dient er oftmals zu zärtlichen oder geschäftlichen Zusammenkünften. … Der Carneval ist die Sauregurkenzeit der Familienväter, die für ein halbes Dutzend schutzbedürftiger, d.i. heiratsfähiger Töchter den Toilettenaufwand aus oft karger Kasse zu bestreiten haben. Man will ja durch möglichst vorteilhafte Hervorkehrung aller Reize anziehen, um nicht mehr loszulassen; ein verfehltes Unternehmen, das höchst selten glückt, denn der bürgerlich situierte Freier gründet sein häusliches Glück lieber auf dem ehefesten Fundamente des Küchenherdes, als auf dem glatten Parket des Tanzbodens, auf welchem man nur allzu leicht strauchelt.

1863 in Graz geboren, tritt Marie Soldat-Röger bereits im Alter von 11 Jahren als Violinistin erstmals auf, bis ihr Talent vom Komponisten Johannes Brahms entdeckt wird und er sie an die Königliche Hochschule für Musik nach Berlin bringt. 1887 gründet Soldat-Röger das erste Damen-Streichquartett. Sowohl als Solistin (sie spielt auf einer Violine des Cremoneser Meisters Giuseppe Guarneri del Gesu von 1742), als auch gemeinsam mit dem Quartett musiziert sie neben ihrem Hauptwirkungsort in Wien u.a. in Frankreich, in Marseille, Toulouse, Nizza, Cannes und Paris, in den italienischen Städten San Remo, Genua, Mailand, Fiume, Triest, auf den Britischen Insel in Liverpool, Manchester, Glasgow, Oxford und London, in Deutschland in Frankfurt a. M., Köln, Düsseldorf sowie Berlin, als auch 1896 und 1898 in Graz. 1926 nimmt sie ihre erste Schallplatte auf..

Herrengasse Zeughaus Landhausgasse Schmiedgasse Landhaus

Soldat-Röger

Auf der Mur nehmen die Schiffe der Mur-Dampfschifffahrt "Styria", "Graz" und "Kübeck" den Schiffsverkehr auf.

Kronprinz Rudolph und seine Gattin Stephanie von Belgien nehmen für 3 Tage Aufenthalt in Graz.

Errichtung der Hilm-, Reinerkogel-, Stephanien-, Roseggerwarte.

Styria Murdampfschifffahrt Mur
Hilmteichwarte HilmwarteStephanienwarte auf der Platte Roseggerwarte

Eröffnung der Technischen Hochschule durch Kaiser Franz Joseph.

Zu dieser Zeit ist Guido Freiherr Kübeck von Kübau steirischer Statthalter, der sich bei den nationalen Auseinandersetzungen in der Südsteiermark ausgleichend einschaltet sowie das steirische Pflichtschulwesen, die Lehrerbildung und die Interessen der bäuerlichen Bevölkerung fördert.

Dem Backhaus von Franz Tax, Luxus- und Zwiebackbäcker in Graz, wird der Titel eines "k.k. Hofbäckers" verliehen.

1888 Technik Technik Kübeck Hofbäckerei Tax

Dr. Viktor Adler gründet 1889 Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), der Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger 1893 die Christlich-Soziale Partei (CS).

Die ab 1800 von den Familien Knabl und später Hold geführte kleine, an der sogenannten Kommerzialstraße nach Triest gelegene Vorstadtbrauerei wird von Franz Schreiner übernommen, ausgebaut und in die "Erste Grazer Actienbrauerei" (heute Brauerei Puntigam) umbenannt.

Der Murdampfer "Styria" verunglückt bei der Radetzkybrücke; 7 Menschen ertrinken.

1889 Adler SPÖ CS Lueger
Brauerei Puntigam Brauerei Puntigam Brauhaus Puntigam
Murschiffffahrt
Johann Puch (Janez Puh) aus Sakuschak bei Georgendorf nahe Pettau erwirbt 1889 im Süden von Graz in der Strauchergasse 12 eine alte Mühle und baut diese zu den Fahrradfabrik "Johann-Puch-Fahrradwerken" um. Schon im ersten Jahr wird ein Sicherheitsniederrad mit dem Markennamen "Styria" ausgeliefert, dessen Durchbruch der dritte Platz des Rennfahrers Franz Gerger bei der Distanzradfahrt Wien–Berlin 1893 bringt. 1906 kann er mit seinen ersten Zweizylinder-Motorrädern das berühmte Gordon-Bennet-Rennen gewinnen.Schließlich nimmt er 1906 auch die serienmäßige Produktion von Autos an mehreren Standorten auf. Puch Styria Fahrrad Puch.MotorradPuch.Motorwagen
Eggenberg Damen Bicycle Club Veloziped Ruckerlberger Radclub Radrennplatz Puch Styria Puch

Max Kleinoscheg (1862-1940), der Neffe des Schaumweinfabrikanten Anton, Buchhalter in der Noricum-Cless-Zahnradfabrik, finanziert zusammen mit Hans von Reininghaus (1867-1958) den Grazer Bicycle-Klubs, den Ausbau des Hilmteiches und Thalersees als Erholungsraum sowie die Bergbahn auf den Schloßberg. Während Reininghaus ein Hotel in Porto Ross (Portoroz) erwirbt und den Steiermärkischen Automobilclub (ÖAMTC) gründet, bestellt sich Kleinoscheg zu Weihnachten aus Norwegen ein Paar Schneeschuhe (Ski) und startet am Ruckerlberg seine ersten Schifahrversuche. Bald danach entwickelt er zusammen mit dem Mürzzuschlager Hotelier Toni Schurf am Semmering den Schisport und veranstalteten am 2. Februar 1893 in Mürzzuschlag das erste Skirennen in Mitteleuropa.

Max Kleinoscheg Max Kleinoscheg Kleinoscheg - Schruf

Fürst Alexander I. von Bulgarien, Sohn des eine zeitlang in Graz lebenden Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt und Neffe von Zar Alexander II., tritt nach seiner Abdankung in den österreichischen Militärdienst ein und lebt als Offizier in der Villa Hartenau in Graz. Als er die nicht standesgemäße Kammersängerin Johanna Loisinger aus Linz 1889 heiratet, verzichtet er auf Namen und Titel und nennt sich ab nun Graf von Hartenau. Mit nur 36 Jahren stirbt er am 17. November 1893 im Rang eines k.u.k. Generalmajors an Tuberkulose und wird mit einem „in Graz noch nie gesehenen Gepränge“ auf dem St.Leonhard-Friedhof in der Familiengruft derer von Reininghaus bestattet; sein Leichnam aber schon bald in die St. Georgs-Kapelle nach Sofia überführt.
In die Villa Hartenau in der Leechgasse 52 zieht 1938 die SS ein, 1945 folgen die Sowjets und schließlich die Engländer. Heute ist die Villa Domizil der Industriellenvereinigung.

Alexander I. von Bulgarien Johanna Loisinger Villa Hartenau

Das Ferri-Schlößl in der Zusertalgasse, einem einstigen Weingartensteig, war im 19. Jahrhundert im Besitz der Gräfin Ferri, die wegen einer Augenkrankheit das Schloss ganz schwarz verhängen ließ und deshalb auch "Schwarze Gräfin" genannt wurde, wird 1930 ein Säuglingsheim, bevor es 1939 von der deutschen Reichsrundfunkgesellschaft erworben wird, nach dem Krieg Sitz des britischen Militärsenders ist und von 1954 bis 1981 der ORF sein steirisches Programm von hier aus produziert.

Zarenvilla in der Krottendorferstraße vom russischen Architekt mit deutscher Abstammung Fjodor Ossipowitsch (Franz Albert) Schechtel (Фёдор Осипович Шехтель), einem der Begründer des Jugendstils in der Baukunst.

Im Kaufleute-Haus in der Sackstraße etabliert sich die Buchhandlung Kienreich.

1890 Ferry Schlößl Ferryschlößl ZarenvillaSchechtel

Anlässlich des Besuches von Kaiser Franz Joseph am 3. und 4. August Eröffnung der Landesausstellung und des Neubaues des Grazer Rathauses sowie Grundsteinlegung zum Neubau des Landesmuseums.

Der in Cilli geborene österreichische Lehrer und Volkskundler Johann Krainz (1847-1907) publiziert unter dem Pseudonym "Hans von der Sann" das auf seinen kreuz und quer durch die Steiermark führenden Fußwanderungen gesammelte Geschichtsmaterial in mehreren Büchern (Wanderungen durch die Steiermark, Sagen aus der grünen Mark, Andritz und Umgebung, Sagen aus der Steiermark). Darüber hinaus schreibt Krainz auch volkstümliche Abhandlungen und Kurzerzählungen für die „Grazer Zeitung“ und, die „Wiener Abendpost“.

Unter der Redaktion von Johann Resel erste Ausgabe der Zeitung "Arbeiterwille", einem Soczialdemokratischen Organ der Alpenländer.
Erstmals wird auch der "1. Mai" gefeiert. Als Veranstaltungsort wird bewusst Kaltenbrunn in Mariagrün gewählt, ein Ausflugsort der bürgerlichen Grazer Gesellschaft links der Mur, zu dem die vorwiegend am rechten Murufer in den Bezirken Lend und Gries lebende Arbeiterschaft wenig Zugang hat. 10000 Personen finden sich ein, während in den Kasernen das Militär in Bereitschaft steht und das Bürgerkorps die öffentlichen Gebäude bewacht.

Am 15. September Eröffnung des Stubenberghauses am Schöckl durch einen Grundstückstausch der Stadt Graz mit Gräfin Stubenberg zu Gutenberg. Bis ins Jahr 1940 werden die 100 bis 200 Kilo schweren Lebensmittel durch ein Maultier namens "Bubi" auf den Hausberg getragen.

Der aus Preußen kommende Komponist Martin Plüddemann wird in Graz Dirigent und Gesanglehrer beim Steiermärkischen Gesangverein sowie Begründer einer Balladenschule.

Der Musikwissenschaftler Friedrich von Hausegger (1837–1899) lehrt als Dozent für Musiktheorie an der Universität Graz und revolutioniert mit seiner Schrift "Die Musik als Ausdruck" die Musikästhetik. Sein Sohn Siegmund von Hausegger (1872-1948), Komponist und Dirigent, lehnt sich mit seiner Musik vor allem an Richard Wagner und Franz Liszt an.

Krainz Arbeiterwille Resel Hotel International
Plüddemann Balladenschule Plüddemanngasse Hausegger
Graz Eggenberg Lazarettgasse Südtirolerplatz
Mariahilferplatz Sackstraße Neutorgasse Post

Hauptplatz Sporgasse Prokopigasse Postgasse Postgasse
Stubenberggasse
Dietrichsteinplatz Schoeckl

Bauherr Fürstbischof Johann Zwergler weiht das von Georg Hauberrisser d.J. im neugotischen Stil geschaffene mit 107 Metern höchste Grazer Gotteshaus, die Herz-Jesu-Kirche, ein.

Ab 1891 Bau des Hauptgebäudes der Karl-Franzens-Universität im Neo-Renaissance-Stil.
Der geborene Innsbrucker Leopold Pfaundler, der auch die Tiroler Berge vermessen hat, übernimmt 1891 die Leitung des Physikalischen Institutes an der Uni Graz und wird gleichzeitig Nachfolger von Ludwig Boltzmann an dessen Institut. Er ist der Erfinder der erstmaligen Erzeugung von elektromechanischem Strom.

Entwurf für ein Schloßbergprojekt.

Gründung des "Grazer Tagblattes", eine dem großdeutschen Lager zugehörige Zeitung mit dem Nebentitel "Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer", die den deutschliberale Segment abdeckt.

1891

Fürstbischof Zwerger Herz Jesu Kirche Herz-Jesu-Kirche
Pfaundner Schloßberg Tagblatt

Die Kettenbrücke wird durch eine Eisenbrücke mit dem Namen "Erzherzog-Franz-Carl-Brücke" ersetzt. Diie Bronzefiguren der "Austria" und " Styria" auf dem Mittelpfeiler stammen von Hans Brandstetter.
Kurz darauf Eröffnung der der hölzernen Kalvarienbrücke (1894) und Radetzkybrücke (1896). Letztere erinnert an den Sieg Feldmarschalls Josef Wenzel Graf Radetzky 1848 in der Schlacht von Custoza, mit welchem er Mailand rückeroberte.

1892 Ferdinandbrücke Franz-Carl-Brücke Erzherzog-Ferdinand-Brücke
Erzherzog-Franz-Carl-Brücke Franz-Carl-Brücke Styria Austria Eisenbrücke Graz 1890 Kalvarienbrücke Lendkai Grieskai
Radetzkybrücke Radetzkybrücke Radetzkybrücke Radetzkybrücke Radetzky

In den Jahren der Gründerzeit um die Jahrhundertwende zwischen 1850 bis 1916 kommt es zu einem Bauboom im Stil des Historismus. In vielen dieser Bauwerke schlägt sich besonders die Arbeit von Architekt Leopold Theyer nieder: im Direktionsgebäude der von Erzherzog Johann 1828 gegründeten "K.k. Wechselseitigen Brandschaden Versicherungsanstalt" in der Herrengasse, im Amtshaus in der Schmiedgasse 26, in der Planung des repräsentativen „Joanneumsviertel“, des Congreß-Zentrums oder des Akademische Gymnasium auf dem Tummelplatz.

Theyer  Congreß Stefaniensaal Sporgasse
Herrengasse Herrengasse
Joanneum Thonethof Generalihof Grazer Wechselseitige Herrengasse Napoleonsaal Escomptebank Joanneumring 6
Schubertstrasse 73 Nibelungengasse 59 Villa Schorisch Lechgasse 47 Schubertstrasse 62 Rechbauerstrasse Historismus

Die jüdische Gemeinde errichtet ein religiöses Zentrum mit einer Synagoge.

Grundsteinlegung für die Lazaristenkirche St. Vinzenz in Algersdorf in Eggenberg, die zusammen mit dem Kloster der Schulschwestern von Leopold Krametz Freiherrn von Lilienthal mit beträchtlichen Mitteln besonders gefördert wird.

Richard Zsismondy ist von 1892 bis 1897 an der Technischen Hochschule Assistent und erhält 1925 "für die heterogene Natur kolloidaler Lösungen" den Nobelpreis für Chemie.

Synagoge Vinzenzkirche Leopold Krametz Freiherr von Lilienthal Zsigmondy

Landeshauptmann Edmund Graf v. Attems (1893-96).

Am 19. März Beginn des Baues der dampfbetriebenen Drahtseilbahn auf den Schloßberg durch Ludwig Schmidt, Carl Fritscher und Georg Otterman. Die Jungfernfahrt erfolgt am 25. November 1894. Der Preis für die Berg- und Talfahrt beträgt 30 Kreuzer.

1893-1927 Fürstbischof Leopold IV. Schuster. Mit einer Amtszeit von 34 Jahren ist dies die längste in der Geschichte der Diözese Seckau.

1893 AttemsSchloßbergbahn Schkossbergbahn Schloßbergplateau Fürstbischof Leopold IV. Schuster

Die Kaufleute Albert und Emil Böhler kommen 1870 aus Frankfurt am Main nach Wien und gründen die Handelsfirma Gebrüder Böhler & Co für Stahlwaren. Ihre Verbindung zur Familie Franz Mayr-Melnhof ermöglicht ihnen 1894 den Erwerb der k.k. privilegierten Gußstahlfabrik Kapfenberg, deren Produktionsstätten sie eindrucksvoll modernisieren und erweitern.

Der in Lemberg geborene österreichische Philosoph und Psychologe Alexius Meinong Ritter von Handschuchsheim begründet an dem von ihm an der Universität Graz installierten Psychologischen Institut 1894 die "Grazer Schule", welche unter Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden die Philosophie zur exakten Wissenschaft machen will. Meinongs Schüler im Kreis der Grazer Schule sind Stephan Witasek, Rudolf Ameseder, Eduard Martinak, Ernst Mally und vor allem der Triestiner Vittorio Benussi, der sich in seinen experimentellen Untersuchungen auf das Phänomen des Gestaltwechsels in optischen Täuschungen konzentriert.

Auf dem Platz bei der Landesturnhalle wird am 18. März 1894 von zwei Mannschaften des "Akademisch-Technischen-Radfahrvereines" das erste Fußballspiel Österreichs ausgetragen. Initiator ist der Prager Medizinstudent August Wagner, dessen Eltern ihn 1893 zum Studium nach Graz schicken, um ihn daheim vom Fußball fernzuhalten. Erste Spieler der Vereine, die am Wiesenfeld der Trabrennbahn trainieren, sind Rudolf Ritter von Arvay, Igo Kaup, Toni Petrina, Camillo Baumgartner, Franz Wiesler, Toni Petrina, Ing. Czerm, Dr. Schinner sowie Herrenradrennfahrer Urpany, Graf Max Hoyos, Mayer von der Winterhalde, Moritz von Wellspacher,und Dr. Einsiedler.

1894 Albert Böhler Emil Böhler Böhler & Co Stainzerbauer
Alexius Meinong Eduard Martinak Vittorio Benussi
ATRV
Eröffnung des neuen Hauptgebäudes der Karl-Franzens-Universität durch Kaiser Franz Joseph am 4. Juni. Benannt nach den beiden Gründern, Erzherzog Karl II., der sie 1585 gründete, und Kaiser Franz I., der die 1782 in ein Lyzeum umgewandelte Universität 1827 wieder installierte. Der Universitätsbetrieb ist rein maskulin, bis 1998 mit der Knittelfelderin Seraphine Puchleitner die erste ordentliche Hörerin aus Geographie und Geschichte inskripiert. 1895 Karl-Franzens-Universität Karl-Franzens-Universität Puchleitner
Karl-Franzens-Universität Karl-Franzens-Universität Aula Universitätsbibliothek Karl-Franzens-Universität Karl-Franzens-Universität

Justizpalast am Marburgerkai.

Annenhofkino.

1896 Justizpalast Annenhofkino

Unter der Ära von Bürgermeister Franz Graf (DVP, 1897-1912) - dessen Frau der Gründerdynastie der Brauerei Puntigam entstammt - wird das Amtshaus und Opernhaus (Fellner & Helmer) erbaut sowie das alte Kriminalgebäude am Ende der Sackstraße abgetragen und mit der Errichtung der neuen Kaianlagen begonnen.

Der kaiserlicher Statthalter in der Burg Manfred Graf Clary-Aldringen und Edmund Graf von Atems leitet im Landhaus leiten die landesständische Politik.

Bram Stokers herausgegebener Roman "Dracula" sollte ursprünglich "Dracula The Undead" heißen und in der Steiermark spielen. In der Vorstudie zu seinem Roman "Draculas Gast" wird eine "Gräfin Dolingen von Gratz in der Steiermark" erwähnt, durch die ein mächtiger eiserner Pfahl hindurchgetrieben wurde. Auf ihrem Grabstein steht " Dead travel fast" (Tote reisen schnell).

1897

Graf Opernhaus Oper Oper
Kriminalgebäude Dritter Sack Dritter Sack
Bram Stoker Dracula Törzburg Dracula

Die Erzählung „Edelherz“ von Josef Scheicher spielt zum Großteil auf dem Griesplatz (Gries = grober Sand): “Der Griesplatz in Graz an der äußersten Grenze der Stadt gelegen, hat ein von der Stadt ziemlich verschiedenes Ansehen. Nobles Volk, Nichtstuer wohnen nicht daselbst. … Der Charakter der Bewohner ist streng bürgerlich und solid. Es kann vorkommen, daß ein echter Sohn der Vorstadt Gries seine Witze macht über die schwindlerisch angehauchten Herren aus der Stadt. Dies dürfte auch die Ursache sein, warum viele Landsleute, welche ihr Geschäft in die Stadt führte, fast ausschließlich in dieser Vorstadt einkehren. Den soliden Bürgern, die gar nicht zu hoch oben aus sind, vertraut sich der steirische Bauer lieber an, als den ihn gerne hänselnden Culturmenschen. Man sieht darum am Griesplatz am häufigsten die strammen Gestalten der Landsleute herumwandeln; man bemerkt da die verschiedensten Trachten, wie sie in den fernsten Tälern des grünen Alpenlandes getragen werden. Die schmucken Mürzthaler von der oberen Mur kommen hieher, die Raabthaler, durch die Fruchtbarkeit ihres Bodens etwas behäbig gemacht, die rauflustigen Schilchertrinker, diese Söhne des Stainzerbodens, der Rosenkogelgegend und aus dem Kainachthale kann man schon von Weitem an ihrem nicht gerade sehr schönen, aber kernigen Dialekte erkennen; selbst die schmachtäugigen Bewohner des Unterlandes, die Windischen, finden oft in dieser Vorstadt ein zeitweiliges Heim.

Von 1898 bis 1918 ist Manfred Graf Clary.und Aldringen der letzte k.k. Statthalter der Steiermark. Außerdem fungiert er jahrelang als Mitglied des Herrenhauses des Wiener Reichsrates, amtiert als Ministerpräsident sowie gleichzeitiger Ackerbauminister.
1898 Bürgermeister Freiherr von Hammer-Purgstall.

1898 Griesplatz Steirertracht Clary und Aldringen

Die Grazer Tramway Gesellschaft /GTG) stellt im Juli den Transportverkehr vom Pferdeantrieb auf den elektrischen Betrieb um. Die Mariatroster-Bahn eröffnet eine Kleinbahnlinie von der Zinzendorfgasse nach Mariatrost.

1899

Tramway Elektrische Herrengasse

Das Stadtheater wird abgerissen. Die letzte Vorstellung findet am 31. Mai 1899 mit Alexander Girardi als Valentin im "Verschwender" statt.

Stadttheater Stadttheater Verschwender Stadttheater